Neuer Wind Teil 3.

Nachdem ich die letzten Tage schon mit etlichen, vornehmlich aus Frankreich stammenden olfaktorischen Neuigkeiten aufwartete, ist nun heute Schluss mit den Franzosen – fast. Einen hab ich noch: État Libre d’Orange. Die Herren sind fleißig, meine Güte. Und der neue Duft gewohnt – provokant – im Juni soll er erscheinen und hört auf den hübschen Namen Philippine Houseboy, „Son of God and Citrus“. Kaum zu glauben, dass er unisex sein soll, der Duft. Viel eher passt da das etwas kryptisch anmutende Gerede von einer „erotischen Vision“, das ÉldO in ihrem Blog verbreiten, wo auch zu lesen ist, dass sie sich schon mental auf den Duft einstimmen mit einer Wächter-Totemfigur/Pfahl (?) in ihrem Shop… siehe hier. Ralf Schwieger ist in jedem Fall der Parfumeur hinter Philippine Houseboy – seine erste Kooperation mit dem Haus, die sicher verspricht spannend zu werden, ist Ralf Schwieger doch unter anderem der Parfumeur von Orange Sanguine von Atelier Cologne, Hermès Parfum des Merveilles sowie Eau des Merveilles und Lipstick Rose für Frédéric Malle sind ebenfalls von ihm genauso wie Yves Saint Laurents Baby Doll.

Jetzt soll uns unser Weg aber nach Italien führen: Eau d’Italie lancieren demnächst ihren achten Duft, genannt Jardin du Poète, der Garten des Dichters. Welch ein schöner Name, meine Damen und Herren – und was für ein toller Parfumeur: Es ist, mal wieder, Herr Duchaufour, der sich zu diesem Duft von den Schönheiten Siziliens inspirieren ließ:

„The inspiration for this fragrance is a tale from the bygone era, when nations were ruled by poets, and poets were sacred to Apollo. In those days, Sicily was a Greek colony, Syracuse was a fragrant court and its gardens vibrated with the scent of citrus orchards and rows of aromatic plants. Thus „Jardin du Poète“, the poet’s garden, a luminous fragrance to evoke Sicily and all things Sicilian.“

Eine Hommage an Sizilien – und wie bei Herrn Tauers letztem Duft Zeta, der Lindenblüte gewidmet – Rezension siehe hier -, kommt hier erneut die Stadt Syrakus ins Spiel, die für ihre Zitrusfrüchte berühmt ist. Nicht weiter verwunderlich sind deshalb die Ingredienzen: Kopfnote: Bitterorange, Grapefruit, Basilikum; Herznote: Angelika, Immortelle; rosa Pfeffer; Basisnote: Zypresse, Vetiver, Moschus. Zwei Jahre Entwicklungszeit hat der Duft wohl gebraucht – ich bin neugierig, was daraus entstanden ist!

Dr. Silvio Levi, der Mann hinter Calé Fragranze d’Autore, beschert uns gleich zwei neue Düfte, mit denen er seine schöne Kollektion erweitert – Fulgor und Roboris. Die Inspiration für beide Düfte war die Wüste beziehungsweise ein Eindruck derselben, den Levi folgendermaßen schildert – siehe Sandra Raicevic Petrovics Bericht der soeben vergangenen Mailänder Duftmesse Esxence für Fragrantica:

„The clouds started to accumulate on the clear sky; there was a hint of heavy rains and electricity in the air. Then goes down the thunder, the lightning shot through, and everything has become too big and powerful. A great and unstoppable force broke the seemingly eternal peace, and in just a couple of moments the desert was flooded by rain.“

Ein Regenguss über der Wüste, infernalisches Gewitter, Naturgewalt – jene Impression durften zwei Parfumeure umsetzen, die, jeder auf seine Art: Fulgor, auf deutsch: Licht oder Strahlen, Funkeln, ist logischerweise der hellere von beiden, entstammt der Phiole von Maurizio Cerizza und steht für die Phase vor dem Sturm, jenes Flirrende in der Luft, die Hektik der Wolken. Seine Ingredienzen: Mandarine, schwarze Johannisbeere, Feigenblätter, Safran, Narzisse, Magnolie, Patchouli, Ambra, Weihrauch. Roboris, die dunklere Interpretation, die die Wüstenerde nach dem Gewitter einfangen soll samt ihrer Wassertrunkenheit, ihrer Dämpfigkeit, stammt von Mark Buxton. Roboris – von lateinisch robur = Kraft, Stärke – wird als orientalisch-holzig beschrieben und weist folgende Ingredienzen auf: Veilchenblätter, Rhabarber, Wicke, Jasmin, Kaktus, Vetiver, Sandelholz, Zedernholz, Ambra und Tonkabohne. Überaus spannend, das Duo, findet Ihr nicht?

Darüber hinaus wird es eine neue Reihe namens Calé Les Concentres geben, in der sich einige der bereits bekannten Düfte in stärkerer Konzentration tummeln werden.

Silvana Casoli von Il Profumo bereichert ihre Linie gleich um drei neue Düfte: Chocolat Bambola, Osè und Profumo d’Italia. Schokoduft-Fans ist Il Profumo ja ohnehin sicher schon ein Begriff – einige wirklich schöne Exemplare lassen sich dort nämlich finden. Chocolat Bambola dürfte jetzt ein weiteres solches sein – Schokolade, garniert mit tropischen Blüten und Früchten so hieß es. Osè huldigt in einer Form dem Weiblichen und soll sowohl skinnig als auch verführerisch feminin sein, hautnah, aber doch betörend – eine Wirkung, die von Blüten, Puder und zarten Früchten erzeugt wird. Profumo d’Italia huldigt – Italien, ganz klar, und trägt auch eine hübsche italienische Flagge auf dem Flakon.

Und auch Profumi del Forte lassen sich nicht lumpen: 150 heißt er, der Neue, und ist ebenfalls eine Hommage an Bella Italia, Italien, das dieses Jahr seinen 150. Geburtstag feiert. Auch 150 kommt im smarten Dresscode, sprich: im üblichen Turm-Flakon, aber mit Flagge verziert. Näheres zu diesen Düften, die eben erst vorgestellt wurden, so bald wie möglich.

Nach Ostern folgt dann der letzte Teil unserer Neuigkeiten-Serie – bis dahin alles Gute und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Geschrieben von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

4 Kommentare

  1. margot
    22.Apr 2011
    Antworten

    Liebe Uli,
    brauche hier ja nicht mehr erwähnen, dass ich ein grosser Etat Libre d’Orange Fan bin. Auch wenn ich nicht alle Düfte mag, die Idee und das Konzept gefallen mir einfach. Und ELdO ist immer eine Überraschung gut (s. Archives 69 😉 )
    Bei dem philippinischen HHousboy will ich gar nicht wissen, welche Kapriolen das menschliche Hirn schlägt, zumindest die Namen der Düfte allein machen schon neugierig.
    Wieso ist eigentlich die Josephine Baker nicht in eurem Sortiment? Das Champagner-Frucht-Sorbet?

    Eau d’Italie klingt auch interessant. Da kann ich dann zu Tauer’s Lindenblüte vergleichen, die mir ja so gar nicht gefallen hat.

    Zu Roboris (Cale Fraganze d’Autore) kann ich nur sagen, so sehr ich die Arbeit von Mark Buxton schätze, mit diesem Duft werde ich nicht warm. Dein Zitat: “ Roboris, die dunklere Interpretation, die die Wüstenerde nach dem Gewitter einfangen soll samt ihrer Wassertrunkenheit, ihrer Dämpfigkeit …“
    Dämpfigkeit, ja, ….. bei mir erscheint dieser Dampf auf der Haut als hätte jemand seine Turnschuhe nach einem Marathon ausgezogen (schweißiger Plastik)

    In diesem Sinne wünsche ich Dir, allen anderen Schreiberlingen und Mitarbeitern von ALzD ein wunderschönes Osterwochenende!

    Liebe Grüsse,
    Margot

  2. Ulrike Knöll
    Ulrike
    26.Apr 2011
    Antworten

    Huhuu liebe Margot,

    was Josephine angeht muss ich selbst nachfragen… auf den Houseboy bin ich ebenfalls gespannt und Archives muss ich noch ausgiebiger testen, daran werde ich Euch aber teilhaben lassen 😉
    Allein der Name von Eau d’Italie klingt toll – bin sehr gespannt auf den Duft, mag aber die ganze Serie sehr, insofern…
    Nach einem ersten schnellen Test weiß ich noch nicht, ob Roboris für mich wirklich „dunkel“ ist und ja, er ist kein normaler Buxton. Allerdings hat er mir so gar nicht übel gefallen. Bin gespannt auf einen ausgedehnten Test und werde natürlich auch den hier im Blog festhalten 😉

    Liebe Grüße zurück,

    Uli.

    P.S.: Vielen lieben Dank für die Grüße – hoffe, Du hattest auch ein paar schöne geruhsame Tage!

  3. Christiane
    1.Jun 2011
    Antworten

    Hallo Uli,
    ich habe jetzt den neuen Eau d’Italie / Jardin du poete testen können. Hätte ich es nur gelassen;-) Ist der schön! Spritzig-würzig-leicht bitter aber nicht zu krautig, durchgehend interessant – also ich meine, keines dieser Sommerwässerchen… Ich bin bis über beide Ohren verliebt – und dabei dachte ich doch irgendwann mal, dass mein Beuteschema Süß und Blumig sei?! Einziges Manko – wieso gibt es den Duft nur „in groß“? Ein 50 ml-Flakönchen wäre sicher schon meines – aber so bin ich noch am Schwanken.

  4. Ulrike Knöll
    Ulrike
    3.Jun 2011
    Antworten

    Ja, liebe Christiane, ich erinnere mich noch sehr genau an Dein ursprüngliches Beuteschema *lächel*
    So ist das eben – der Horizont wird weiter und breiter und der Geschmack zieht hinterher bzw. mit 😉
    Der neue Eau d’Italie liegt natürlich hier schon bereit und wird alsbald rezensiert – auch mir gefällt er sehr gut muss ich sagen, allerdings muss ich ihn mal noch einem längeren Test unterziehen.

    Liebe Grüße,

    die Uli.

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