Am Anfang war…

… Ombre Rose. Zumindest bei mir. Und dann war da Mariela, und zwar Schuld. Deren Artikel neulich zu ihrem Einstand hat mich nämlich dazu bewogen, Euch einmal meine Geschichte zu erzählen, den Anfang meiner Passion für Nischendüfte.

Die Leidenschaft für Düfte trieb mich schon mein ganzes Leben um, wobei ich mich als Kind für alles Mögliche interessierte, sicherlich aber eben unter anderem für Mutterns Düfte. Obsession von Calvin Klein war einer davon, der erste Chloé und dann natürlich die Klassiker: Chanel No. 5 und Nina Riccis L’Air du Temps, was sonst.

Als Teenie dann gewannen Düfte natürlich an Relevanz, vor allem auch, als sich nicht viel später dann zu meiner Verwunderung herausstellen sollte, dass nicht alle Jungs doof sind. Die Pubertät, ja meine gesamte Jugendzeit verbrachte ich bis Anfang Zwanzig ergo mit Duftendem, das schon immer zahlreich bei mir vertreten war: Ich hatte die ganze Riege jener sinnlich-süßen Mainstream-Verführer. Angel von Mugler – ich war dabei, und zwar von Anfang an. Hypnotic Poison von Dior – na klar. Cašmir von Chopard natürlich auch. Jil Sander Sun – selbstverständlich. Gaultier Femme und Homme (Kurkdjian – damals schon unbewusst gegriffen und geliebt ;)) Das namentlich unpassende Baby Doll von Yves Saint Laurent. Und mein späterer Liebling – Boudoir von Vivienne Westwood. Darüber hinaus ein paar frische Verirrte wie Calvin Kleins One.

Irgendwann dann fiel mir des öfteren vor, ich würde sagen, circa acht Jahren auf, wie gut Mariela immer duftete. Auf Nachfrage war etliches dabei, darunter aber gar nichts, das ich kannte. Das ließ mich stutzig werden und ich bekundete mein Interesse an ihren für mich ominösen Parfums: Was, wieso, woher und so weiter. Ehrlicherweise kann ich mich nicht mehr entsinnen, ob wir das erste Mal zusammen einkaufen waren oder ob ich einsam und alleine den ersten Einkauf tätigte – er fand natürlich ebenfalls in besagter Stuttgarter Parfümerie statt und es war ein zartes, pudriges, feminines Parfum, Ombre Rose, Brosseaus Klassiker.

Interessant finde ich allerdings, wie es dann mit mir weiterging: Der zweite Duft war wieder ein Klassiker, nämlich Houbigants Quelques Fleurs, ein nostalgischer Blütenduft. Gegen Ende des Verkaufsgesprächs war die Verkäuferin ambitioniert, mir Neuling mal zu zeigen, was es so alles auf dem schönen Nischenduftmarkt gibt – mit fatalen Auswirkungen.

Ich konnte mir nicht merken, was die Dame mir da so alles Schönes gezeigt hatte – besaß aber wohl einen Ärmel, der versehentlich vollgesprüht wurde, welcher mich zu Hause schier die Wände hochgehen ließ: Ich musste diesen Duft haben. Meine Erinnerung an das Gezeigte schlug mir ein Schnippchen: Ich dachte, es sei Piguets Bandit gewesen, den ich mir auch prompt kaufte und der mich anfänglich erschlug, logisch. Nach ein paar Tagen des Tragens – man gibt ja nicht so schnell auf – bei kälteren Temperaturen und einem (einzigen) Kompliment eines Freundes gewöhnte ich mich aber an das Chypremonster und lernte es lieben – nicht jedoch ohne weiter auf der Suche zu sein nach dem verloren geglaubten heiligen Gral. Dieser ward nicht viel später gefunden – es war Coup de Fouet, der Peitschenhieb von Caron, der sogleich ebenfalls bei mir Einzug hielt.

Leider sollte sich später herausstellen, dass meine erste Flasche von Coup de Fouet eine gekippte war – gekippt auf gar wundervolle Art und Weise: Die Gewürznelke aus den Kopfnoten war entfleucht und an ihre Stelle trat eine warme, elegante und sündige Ledernote, die sich perfekt in den gewürzig-harzig-holzigen Rest einfügte. Mit meiner gekippten Flasche, von der ich großzügig Proben an (Internet)Duftfreunde abgab, sollte ich unabsichtlich einige enttäuschen – nicht wenige gönnten sich daraufhin ein Fläschchen, das leider nie so schön roch wie mein mittlerweile leider verbrauchter Rest. Eine traurige Geschichte – denn bis heute ist das, was da vermeintlich schon verdorben war, mein Holy Grail. Einer, den es so nicht mehr geben wird, leider.

Mit diesen ersten beiden heftigen Gesellen waren dann aber bereits die Weichen gestellt: Ich hatte Blut geleckt. Vorbei waren die Zeiten der ausgesprochen femininen Düfte, mich zog es in die Abgründe: Leder, Harze, Weihrauch, Hölzer und heftige Gewürze mussten es sein. Kirchen, Ledersättel, alte Gemäuer, dunkle Gruften – olfaktorisch umgesetzt.

Der Weg dorthin beschritt ich mit Micallefs Gaiac, anfänglich kam noch d’Orsays Tilleul und Mimosa pour moi hinzu, dann driftete ich aber endgültig ab… Ich weiß gar nicht mehr wie es genau weiterging – es kamen etliche Montales hinzu, einige L’Artisan Parfumeurs, Lorenzo Villoresi mit Piper Nigrum war auch relativ am Anfang mit dabei (Ich liebe die Pfeffernoten ebenso wie Mariela und einige von Euch ;)), Mazzolari und Serge Lutens. Fortan füllte sich mein Schrank und es ging immer und immer weiter mit der Suche nach dem heiligen Gral – bis heute.

Wirklich witzig daran finde ich, dass ich ähnliche Entwicklungen bei vielen „Neulingen“ beobachte: Man kommt aus dem Mainstreambereich und meint, seine Duftleidenschaft(en) zu kennen – und kippt auf einmal in irgendeine olfaktorisch extreme Richtung weg, findet Düfte gut, von denen man nie gedacht hätte, dass sie einem gefallen könnten. Weil man schlicht nicht wusste, dass es sie gibt, dass es so etwas überhaupt gibt. Fans von Fruitchoulis à la Angel finden auf einmal Düfte gut, die nach Sattelleder riechen. Oder Menschen, die vorher nur frische, leichte Düfte mochten stehen auf einmal total auf schwere süße Orientalen mit getrockneten Früchten und einem Hauch Wüstenhitze.

Darüber hinaus stelle ich immer wieder eine weitere, relativ natürlich Entwicklung fest, die aber bisweilen komische Blüten treibt – bei mir gerade im wahrsten Sinne des Wortes… Dadurch, dass man sich immer mehr in die Materie einarbeitet, reinschnuppert, erweitert man seinen Horizont immer mehr und wird – meine Mutter würde es „schleckig“ nennen. Gemeint ist damit, dass man wählerischer wird. Gleichzeitig aber beginnt man Düfte zu mögen oder zu lieben genauso wie Ingredienzen, die man früher nicht wahrgenommen hat, nicht zu schätzen wusste. Das Resultat: Der Geschmack differenziert sich aus, wird aber auch breitgefächerter, was weitere Arbeit mit dem Befüllen des Parfumschrankes nach sich zieht.

Darüber hinaus unterliegt der persönliche Parfumgeschmack bisweilen Launen, Veränderungen, vermutlich auch hormonellen und/oder sonstwie verursachten. Ich zum Beispiel hatte mich ja, wie ich Euch bereits hier erzählte, ungemein auf meine warmen Winterdüfte gefreut. Es ist jetzt Winter draußen und schon länger mal mehr und mal weniger klirrend kalt. Nun möchte ich aber, das erste Mal in meinem Leben, gerade täglich riechen wie ein Floristikgeschäft. Und ich meine keine zart-samtig-ledrige Iris(wurzel) – mir ist ständig nach B-L-U-M-E-N momentan, eine Anwandlung, die sich mit meinem Repertoire nur schwierig bedienen lässt… Also geht alles weiter, die Suche nach der perfekten Blume, einem weiteren Holy Grail für Uli beginnt… und mein Schrank platzt bald aus allen Nähten 😉

Wie habt Ihr zu den Nischendüften gefunden, wie begann Eure Parfumleidenschaft und wie hat sie sich verändert? Und – wo wohnen Eure Düfte? Erzählt mal meine Lieben!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Das oberste Foto heißt Cube und ist von Ehsan Namavar via stockxchng, some rights reserved; vielen lieben Dank dafür! Die anderen beiden Fotos zeigen das Zuhause meiner Düfte – ein altes französisches Gründerzeitbuffet, welches in meinem Schlafzimmer steht. Die erste Aufnahme entstand am Anfang meiner Duftleidenschaft, die zweite habe ich vor ein paar Wochen gemacht; es ändern sich eben mit der Zeit nicht nur die Wandfarben… 😉

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Meine Liebe galt schon seit je her dem Ästhetischen: So geht mir das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und seitdem immer auf der Suche nach dem oder vielmehr: einem neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse, meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

11 Kommentare

  1. Stefan
    13.Jan 2011
    Antworten

    Ein witziger Beitrag…. Und die graue Wandfarbe ist viiiiiel schöner als die rote – auch daran ist der Wandel der Zeit ersichtlich…

    Ach, nach der Lektüre des Artikels musste ich wirklich mal nachdenken, wie das bei mir so war. Liebe zu Pflege- und Duftprodukten war schon früh ausgeprägt. Diverse Teddybären wurden mit den Cremepröbchen meiner Mama gecremt!

    Die postpubertären Düfte waren Douglas-geprägt. Was auch sonst… Darunter so was pudriges wie der pinkfarbene Jil Sander für Männer, Sybaris (von Piug), Sergio Tacchini, Zino Davidoff, Tenere von Paco Rabanne, Jazz von YSL – das sind diejenigen, die mir heute noch so einfallen. Ein bunter Haufen, bis ich dann meinen vorläufigen Signature gefunden hatte – Claude Montana pour homme. Einer der wenigen Düfte, die ich mehrmals hintereinander gekauft hatte. Ein echt krachernes Ding!

    Während meiner ersten Jahre in Hamburg – den wilden – gab es auch mal einen Fehltritt (mein einziger – in Form des schwul-schwülstigen Le Male, nach dem hier oben im Norden bald jeder 2. Blutbruder roch – eine sichere Garantie „for jumping the queue“), der dann von mehreren Folgekäufen Opium pour homme abgelöst wurde.

    Es folgten die ersten (unbewußten) Nischendüfte (heute wohl eher weniger Nische): Lemon Sorbet von Etro und Acqua di Parma sowie den damals noch produzierte Lavendel-Vertreter von AcP und der gigantische Ellena-Erstling Eau de Campagne. Also nicht nur die ersten Nischen, sondern auch eine ganz andere Duftrichtung als die vorangenannten. Zitrisch-lavendelig, frisch, sommerlich…

    Die ersten Studienjahre war Helmut Lang (der 1.) mein ständiger, mehrfach gekaufter treuer Begleiter, bis London rief und ich großen Spaß mit dem damals gerade neu erschienen Santal von Floris gehabt. Auch mehrfach gekauft… Genau wie CdG 2 Man. Und dann ging es irgendwann los. DIE SUCHE NACH DEM HEILIGEN GRAL. MEINEM SIGNATURE DUFT. Vor allem, nachdem meine bessere Hälfte mit einem sicheren Griff ins Lubner-Regal Montales Aoud Lime rausgefischt hatte und seit Jahren immer wieder immer wieder immer wieder immer wieder drauf angesprochen wird. Das ist nun der Maßstab – wem fallen meine Düfte ein, hinterlasse ich meine Duftspur und und und und …

    LUSTIG, dass mein richtiger Start mit der Nischenparfümerie auch über Micaleffs Gaiac lief. Es folgten die schweren Jahre. Mit West Broadway von Bond, Dzongkha von L’Artisan, H&G’s Askew, Antaeus, CdG Avignon und Pallisander, Tuaregh, Patchouly von Etro – meine Liebe zu Jo Malone begann irgendwann und hält an, genau wie die Suche nach dem Gral.

    Im Moment stelle ich bei mir auch einen (erneuten) Wechsel in der Duftrichtung fest. Ich erfreue mich zunehmend an „frischeren“ Vertretern – Angelique sous la pluie, Geranium pour Monsieur, Fantastic Man, Concentree Orange Verte – und immer wieder auch über meine geliebten Vetiver-Lieblinge, den mit dem bescheuerten Namen, den extraordinären, den frischen von Prada, den weichen von Jo Malone.

    Mal schauen, was die Zukunft bringt. Die 3 Pröbchen von Le Labo (Oud 27 (*kopfschmerz!*), Rose31 (ist das ein verkappter französischer Liebhaber mit ein bisschen Bigarde Concentree?) und der Vetyver46 (ist da ein CdG Man reingeschlüpft) haben mich nicht wirklich überzeugt. Viel lieber ist mir das im Moment Chanel’s Pour Monsieur 🙂

    Liebe Grüße,
    Stefan

  2. Christiane
    13.Jan 2011
    Antworten

    Mein Einstieg in die Nischendüfte kam erst sehr spät.
    Da mir die Gnade der westlichen Geburt nicht zuteil wurde ;-), waren die Duftbegegnungen zunächst sehr spärlich – kann mich eigentlich nur an ein penetrant nach Beeren riechendes Haarspray – *schüttel* – und an die schweren Düfte der russischen Besatzer-(pardon: „Freundes-„)Gattinnen erinnern. Und nicht zu vergessen, der Weichspüler-Kaffee-Duft der „Westpakete“.
    Nach Schnupper“fahrten“ durch den türkisen Riesen und Co. war ich erst mal übersättigt und auch enttäuscht… bis ich über Deinen blog die Nischendüfte kennenlernen durfte. Cocolate Greedy, Tea for two waren die ersten, die einzogen. Und ich bin immer noch beim Kennen-LERNEN.

  3. Ulrike
    14.Jan 2011
    Antworten

    Hallo lieber Stefan,

    vielen herzlichen Dank für Deine ausführlichen Zeilen zum Thema „Blut geleckt“ 😉
    Die Teddybären und die Creme – geil 😀
    Den Montana kenne ich gar nicht, muss ich mal schauen… Le Male aber in der Tat liebe ich noch bis heute: Eine frühere Liebschaft, die leider schon endete, bevor sie wirklich begann, trug diesen Duft immer – eines meiner schlimmsten Liebeskummererlebnisse überhaupt… Trotzdem… Le Male, ach… wusstest Du, dass der Duft der erste große Erfolg des jungen Herrn Kurdjian war? Da war er erst Anfang, Mitte 20 *schwärm*

    Der Helmut Lang, der Signature, der war allerdings wirklich richtig toll! Und Aoud Lime, yep, ebenfalls ein Leckerchen – Mariela hier trägt ihn sehr gerne 🙂

    Witzig, dass Du gerade auch irgendwie wechselhaft gelaunt bist 😉 Das kommt mir sehr bekannt vor… Allerdings sind auch ausnahmslos ALLE Deiner neuen Kandidaten wirklich echte Kracher.

    Nur die Le Labosche Abneigung kann ich nicht nachvollziehen:Oud27 ist für einen Freund und mich immer „Nili“, das Nilpferd – ich finde ihn ganz toll, zögere aber noch betreffs einer ganzen Flasche, da er SEEHR speziell ist. Die Rose, die keine Rose ist, ist ein toller, heller Gewürzling. Und der Vetiver 46, lieber Stefan, ist mein absoluter Vetiver-Holy-Grail – war es schon immer, wird es auch immer bleiben. Sicher, es gibt noch andere gute und etliche in der Top-Liste (Malle, Chanels Sycomore, Montale Red V., TDC SdV, usw.), aber keiner, keiner *hach* ist so schön wie der Vetiver 46. Im übrigen ist der Schöpfer natürlich derselbe – CdG 1 – 3 (sowie etliche andere CdG-Düfte) und Vetiver 46 sind beide von dem begnadeten Monsieur Buxton.

    Chanels Pour Monsieur? Ich muss ihn nochmals testen demnächst…

    Einen schönen Tag und viele liebe Grüße –

    die Uli.

  4. Ulrike
    14.Jan 2011
    Antworten

    Hallo liebe Christiane,

    Haarspray, das nach Beeren riecht, nach synthetischen? Das hört sich wirklich vollkommen gruselig an… uaaahhh… Wir hatten ja einige Verwandte im Osten und ich assoziiere mit meinen Kindertagen auf Besuch dort immer nur den Geruch von irgendwelchen „Plaste“-Dingen – die waren auch schlimm. Alles immer aus Kunststoff und am besten irgendwie knallig bunt.
    Freut mich im übrigen sehr, dass Du mit mir, mit uns auf Entdeckertouren gehst 🙂

    Liebe Grüße zurück – die Uli.

  5. Stefan
    14.Jan 2011
    Antworten

    Hallo liebe Uli,

    findest Du nicht auch, dass man bei Vetiver46 und CdG 2 Man die gleiche scchöpferische Hand auch allzu gut riecht?

    Ich glaube, der Montana ist nicht mehr zu bekommen ;-(

    LG,
    Stefan

  6. 14.Jan 2011
    Antworten

    Hm, ich weiss noch wie ich eine Flasche AG tauschte – im Duftpäckchen waren mindestens 30 Proben drin, und ein Rest Chasse aux Papillons EdT.
    Das war der Anfang vom Ende – ich habe sietdgem gerochen und geschnuppert, von Amouage bis Etro, TDC oder Caron. Ich suche allerdings keinen heiligen Gral, sondern Facetten. Selten kommt mir ein Duft unter, den ich tatsächlich länger benutzen möchte. Es dauert sogar im Durchschnitt zwei Jahre, bis ich mich „binde“.
    Obwohl ich pauschal zu weißen Blüten greife, liebe ich Weihrauch, Safran, Gewürze und Vetiver. Ich brauche Rosen, und ich brauche Chypre, und Patchouli möchte ich bitte auch. Dazu Mango. Es gibt also keinen Duft, der „mir entspricht“, so wie ich nicht jeden Tag der selbe Mensch sein kann. Aber alle facetten abzudecken – das kann durchaus eine würdige Aufgabe sein.

  7. Stefan
    14.Jan 2011
    Antworten

    Montana – es gibt ihn wieder:

    Kopfnote: Aldehyde, Bergamotte, Estragon, Lavendel, Lemon, Mandarine, Pfeffer, Zimt
    Herznote: Geranie, Jasmin, Kapuzinerkresse, Kiefer, Nelke, Rose, Salbei
    Basisnote: Amber, Eichenmoos, Labdanum, Leder, Patchouli, Sandelholz, Vanille, Weihrauch, Zeder
    Duftnote: herbwürzig-holzig-ledrig

  8. Katharina
    15.Jan 2011
    Antworten

    Ein wunderschöner Bericht über den Beginn einer großen Leidenschaft… aus der eine mit Sicherheit außergewöhnliche Duftsammlung entstanden ist (die ein überaus hübsches Zuhause hat…).

    Ich weiß auch noch genau, wann und wo mein Herz für Nischendüfte zu schlagen begonnen hat.
    Bei Ludwig Beck in München sind 2005 die Düfte von Jo Malone eingezogen. Vorher hatte ich Nischendüfte nie beachtet. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich angenommen hätte, dass echte Duft-Kostbarkeiten eben nicht in einer „Nische“ zu finden seien. Welch ein Irrtum!
    Mehr durch Zufall habe ich mir also einige der Malone-Düfte aufgesprüht… und bin dabei bei „Pomegranate Noir“ hängengeblieben.
    Als Liebhaberin ausgefallener Duftrichtungen rieche ich in Düften oft ganz was anderes raus als drin ist. So hatte ich bei diesem Duft sofort die Assoziation: Rindenmulch. Und zwar solche, die an einem warmen Herbsttag naßgeregnet worden ist und nun in der Sonne nebst ein paar heruntergefallenen Äpfel vor sich hin trocknet. Ich weiß, dass den Geruch viele Menschen geradezu abstoßend finden. Ich liebe ihn, was sicher auch viel mit meiner Kindheit zutun hat, mit dem Garten meiner Oma, in dem es immer reichlich Rindenmulch unter den Obstbäumen gab.
    Jedenfalls war ich hin und weg. Ich kaufe nie einen Duft überstürzt, bei manchen Düften überlege ich mir den Kauf jahrelang, aber diese als Granatapfel getarnte Apfel-Rindenmulch habe ich zwei Wochen später im Originalflakon in den Händen gehalten und den Kauf natürlich nie bereut.

    Und so ging es weiter. Es folgten „Sweet Lime and Cedar“, „Orange Blossom“ (der für meine Nase wie frisch aufgeblühte Nachtkerzenblüten riecht), „Wild Fig and Cassis“ (in dem ich, wie in fast allen Feigendüften, eine Kokos-Note rieche) und viele andere. So habe ich derzeit 17 Düfte von Jo Malone, die meisten davon im Originalflakon.

    Andere Parfumhäuser hatten mich zu der Zeit noch nicht interessiert. Was sicher auch an meinen Vorurteilen lag. Hatte ich doch bei „natürlichen“ Düften immer diesen typischen Einheits-Parfum-Duft vor der geistigen Nase, der irgendwo zwischen Kölnisch Wasser und Chanel No.5 liegt, und den ich schon in meiner Kindheit nicht mochte, wenn mir welche der vielen Duftproben in die Hände gefallen waren, die meine Oma von ihrer Arbeit (bei einem der damals renommiertesten Münchner Edelfrisöre) mitgebracht hatte.
    Aber als ich die Malone-Blüten alle leergesogen hatte, bin ich ein (Duft)Haus weiter geflogen und bei Serge Lutens gelandet. Dem ersten Hammerschlag auf meine neue Malone-verwöhnte Nase folgte die Begeisterung. Warum sollte Parfum eigentlich immer nur „gut“ und fein riechen, warum durfte ein Duft nicht auch wie ein guter Roman oder Film durchwachsen, auch mal unedel sein, oder gar wie episches Theater- voller Drama und Herausforderung? Eben wie der Charakter der Person, die den Duft zu tragen gedenkt?

    Den ersten olfaktorischen Fehdehandschuh hab ich mir in Form von „Miel de Bois“ übergeworfen. Ein Duft, der mich weniger an Honig erinnert, sondern vielmehr an harzig-teeriges Karbolineum, jene Holzschutz-Chemikalie, die aufgrund ihrer Giftigkeit in den 80-ern verboten wurde, deren Duft mich aber ebenfalls an meine Kindheit erinnert. Nämlich an jene sehr heißen Sommertage, an denen der karbol-getränkte Holzboden auf unserer Terrasse unter der Sonneneinstrahlung zu dampfen begann und sich die Gerüche des Holzes und des austretenden Harzes mit dem des giftigen Karbols zu mischen begannen.
    Es folgten: Datura noir, Gris Clair, Rousse und einige weitere…
    Meine nächste Station war Annick Goutal – ich war wie betrunken vor lauter Duftglück. Hätte mir mein knappes Budget keine Grenzen gesetzt, wären viele viele Düfte bei mir eingezogen, so blieb es bei „Un Matin d’Orage“ und „Ninfeo Mio“.

    Ab dieser Zeit bin ich, wie eine hungrige Biene auf einer Blumenwiese, von einer Duftblüte zur nächsten geflogen, habe überall ein wenig genippt, hier ein bißchen gekostet und dort ein wenig geschlürft. ;). Viele weitere Dufthäuser haben mich ebenfalls begeistert, aber die beiden erstgenannten haben mir den Einstieg beschert.

    Einen unerreichten Lieblingsduft habe ich nicht. Solange das obere Ende der Meßlatte für mich offen bleibt, werde ich weiterhin auf der Suche nach meinem „heiligen Gral“ durch die Duftwelt wandeln und immer wieder neue ungeahnte Duftleidenschaften entdecken.
    Zum Glück schreibst du, liebe Uli, diesen Blog und gräbst immer wieder neue Schätze aus, die ich ansonsten nie kennengelernt hätte. 🙂

    Liebe Grüße aus München und ein schönes Rest-Wochenende wünscht
    Katharina alias Datura

  9. Ulrike
    18.Jan 2011
    Antworten

    Hallo Ihr Lieben,

    schön, so viele spannende Antworten!

    @ Stefan: Der Montana hört sich, vor allem in der Basis, wirklich spannend an. Den werde ich mir mal vormerken für die nächste Breuningerinvasion 😉

    @ Andreea:
    Mir geht es da ganz ähnlich wie Dir: Es gibt zwar bei mir definitiv Holy Grails (Plural!), allerdings gibt es keinen Duft, von dem ich behaupten könnte, das wäre ich – zu 100%. Es gibt Düfte, die sehr gut zu mir passen, ganz generell. Und Düfte, die mich perfekt ergänzen – zu bestimmten Anlässen, Tages- oder Jahreszeiten, Launen, etc. – Düfte habe und brauche ich ergo wie Facetten eine ganze Menge, und das ist auch gut so 😉

    @ Katharina:
    Meine Liebe, sehr schön, Dich hier einmal zu lesen – und vor allem auch in dieser Ausführlichkeit! 🙂
    Ich habe mich sehr über den Einblick in Deine Dufthistorie gefreut 🙂
    Und kann soviel nachvollziehen: Die Assoziationen (die oftmals anders sind als die anderer), die Liebe zu für andere absonderliche oder auch abstoßende Düften oder Duftkreationen (obgleich ich Miel de Bois nicht oft tragen kann ;)), den Weg von den Engländern über Serge hinein in die Nische, das Dasein der hungrigen Biene, die (honig)dufttrunken durch die Lande fliegt, immer auf der Suche… Und natürlich den Besitz von Matin d’Orange und Ninfeo Mio 😉

    Freut mich, dass Du uns hier lesend begleitest!

    Viele liebe Grüße,

    Uli.

  10. Stefan
    19.Jan 2011
    Antworten

    Hallo Katharina – endlich auch mal ein anderer Jo Malone-Fan! Das hat mich wirklich doll gefreut heute an diesem verregneten Morgen in Hamburg…

    Auch immer auf der Suche nach dem Heiligen Gral finde ich es soooo schön, eine „olfaktorische“ Heimat zu haben, wohin ich immer wieder zurückkommen kann und aufs Neue begeistert werde. Mein 1. Jo war übrigens auch der Pomegranate. Hast Du Pomegranate mal mit White Jasmine & Mint zusammen benutzt. Herrlich! Aber es gibt für mich keine schönere Kombi als Lime Basil als Bodylotion und dann drüber das Amber & Lavender – eine wahre Muntermacher- und gute Laune-Sommer-Kombi. Wenn Du 17 hast (hattest?) – dann bist Du ja im Besitz der ganzen Kollektion -wahnsinn!

    Toll finde ich auch die Kombi von Nutmeg & Ginger Bodycreme und dem Cologne Intense Oud Bergamot.

    Was sind Deine Geheimtipps zum Kombinieren?

    LG,
    Stefan

    @ Uli: Kennst Du die Raumdüfte von Geodisis oder so ähnlich? Da habe ich am Samstag einen Cassis entdeckt. Traumhaft. Inspirierte mich dann auch gleich dazu mal in meiner Probenschachten den Une Fleur de Cassie rauszusuchen. Und nun gehe ich schwanger und schwanger und schwanger…

  11. Katharina
    19.Jan 2011
    Antworten

    Liebe Uli,
    das freut mich, daß du dich in meinen Beschreibungen wiedergefunden hast. Und ich werde ganz sicher wieder regelmäßig mitlesen. Du schreibst so schön. 🙂 Auch wenn meine Testen-muß-Liste dann noch länger wird. Ich muß mal bei Beck fragen, ob sie mich ein Wochenende lang im Laden einsperren können. 😉

    Lieber Stefan,
    Oh, ich glaube, ich bin ein sehr unkreativer Malone-Fan. Ich sprühe niemals Parfums übereinander. Die Malones wären zwar sicher alle uneigenwillig genug, so daß kaum mal ein echt explosives Gemisch dabei rauskäme, aber ich mag es trotzdem lieber pur.
    Ja, ich versuche, alle Malones zu kriegen, und sei es nur als Pröbchen oder Abfüllung (die, die ich nicht tragen will). Rein aus Befriedigung wegen der Vollständigkeit. 😉
    Mit einer einzigen Ausnahme: Der 154.
    Ich kann gar nicht beschreiben, wie scheußlich ich den finde. Zwischen all den anderen Düften scheint er mir wie eine Distel im Rosenbeet, der da nicht hin gehört. 😉 Deshalb hab ich den auch nicht. Und den letzten, war das nicht was mit Freesie?

    Gruß
    Kati

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