Von der Schwierigkeit, einem Mann etwas zu schenken

1. Natürlich ein Duft.

2. Aber welcher? Eine Typologie!

Und 3. Andy Tauers neuer Coup: „Orange Star“

Vor kurzem wurden in Berlin mal wieder die „Duftstars“ verliehen. Sozusagen die Jahresfeier der Beauty-Welt. Chefredakteure, Beauty-Experten, Mode-Designer und die Entourage der großen Duft-Hersteller feiern gemeinsam eine rauschende Party. Soweit jedes Jahr das Gleiche. Sehr lustige Nebenbeobachtung dieses Jahr: Ein Kamerateam interviewte prominente Gäste (Schauspielerinnen und Co.), was sie über Parfums als Geschenke denken. Und prompt, dem Anlass zum Trotz antworten alle einmütig: „Bitte keine Parfums verschenken. Das wäre schrecklich. Schmuck und Kleidung kämen viel besser an.“ Aha. Ist das so?

Ich muss ehrlich sagen, ich verschenke sehr gerne Düfte. Und freue mich jedes einzelne Mal, wenn ich welche bekomme. Das ist keinesfalls so einfallslos wie eine Krawatte oder ein Kochbuch, sondern viel mehr inspirierend! Ich habe schon Düfte bekommen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mir gefallen. Aber wow, kaum hatte ich sie ausgepackt, war ich begeistert. Und hätte sie sonst vielleicht nie kennengelernt. Woher also diese hartnäckige Mär, dass Parfums zum Verschenken nicht taugen??

Nun ergab es sich, dass ich letzte Woche Geburtstag hatte. Jedes Jahr wieder ein unerfreulicher Anlass, den ich am liebsten ignorieren würde, denn meist bekomme ich Dinge geschenkt, die ich wirklich überhaupt nicht will, und muss trotzdem brav „Danke“ sagen! Und schon die letzten Wochen vor der Geschenkübergabe beginnen alle Freunde und Bekannte damit, mich zu löchern, was ich mir denn wünsche. Ich wünsche mir aber nix. Gar nix. Das ist eben so. Ich hab nämlich alles. Nicht, weil ich in unermesslichem Reichtum schwelge oder generell ein Großkotz bin, sondern weil ich wirklich glücklich und zufrieden mit meinem Leben bin. Das zu sagen nervt aber alle Geschenke-Suchenden, denn eine richtige Hilfe ist das ja nun nicht gerade, zugegeben. Aber ich verstehe das Problem nicht. Denn meiner Meinung nach freut sich ein Mann immer (ich wiederhole: Immer) über ein gutes (!) Parfum. Deswegen ein für alle mal, schwarz auf weiß, hier mein Plädoyer im Namen aller Männer:

Schenkt uns mehr Düfte! Aber bitte nur die Richtigen…

Denn wenn ich „Duft“ sage, meine ich: Irgendwas überraschendes. Nix, was es auch im Supermarkt gibt. Nix, was auf den Top Ten-Listen der örtlichen Drogerie zu finden ist. Sondern eben was Außergewöhnliches. Ich weiß durchaus, dass ich damit den Finger auf die Wunde vieler Geschenke-Suchenden gelegt habe. Denn genau das ist das Schwierige am Präsente-Shoppen: Den meisten fehlt es an Kreativität (und Zeit zum Suchen!). Wie also findet man auf Anhieb diesen einen, den außergewöhnlichen, den „richtigen“ Duft?

Die Antwort ist ganz einfach: Denken Sie in Klischees!

Klischees sind simpel und leicht umzusetzen, sogar, wenn man den Mann noch gar nicht sooo gut kennt, für den es gilt, einen Duft zu finden. Sehen Sie sich doch mal unsere kleine Duft-Typologie der gängigsten Männer-Exemplare an – so treffen Sie ohne Schwierigkeiten den olfaktorischen Nagel auf den Kopf:

– Der Gentleman

Für ihn kommt es nicht darauf an, welche Trends gerade hip oder „in“ sind. Für ihn zählen traditionelle Werte und er liebt Altmodisches, das gilt für Kleidung, Musik und Business. Dann steht er wahrscheinlich auf klassische Düfte mit Holznoten, die trocken und warm, aber sehr markant wirken. Bevorzugte Duftnoten sind wohl Vetiver, Patchouli, Zeder und Leder.

– Der moderne „Lifestyler“

Er blättert durchaus mal Mode-Magazine, weiß was „Loafers“ sind und wie man einen Herrenschal knotet. Und er kriegt gerne Komplimente für seine köstlich-wahrnehmbaren Düfte. Im Grunde ist er am einfachsten zu beschenken, denn dieser Typ Mann findet keineswegs, dass ein Kerl nur einen einzigen Duft benutzen sollte, sondern seine Parfums je nach Tagesform und Anlass gerne abwechseln darf. Über neue Inspirationen freut er sich also immer. Einen Volltreffer erzielen Sie bestimmt mit lässigen Chypre-Düften, also mit einer spritzigen Kopfnote (Bergamotte, Zitrone, etc.), einer blumigen Herznote (Rose, Jasmin) und einem warmen Schlussakkord (Moschus, Amber).

– Macher & Denker

Ob Banken-Boss, Fabrik-Direktor oder Schriftsteller – alle, die viel mit dem Kopf arbeiten und sich ihrer Macht-Position durchaus bewusst sind, werden wahrscheinlich auf Tabak-Noten stehen. Zugegeben, das ist stark vereinfacht, aber tatsächlich ergeben Studien immer wieder, dass Tabak und Macht irgendwie zusammen gehören (siehe Fidel Castro… kleiner Scherz). Alternativ dürfen Sie (wenn der Mann sich gerne den Anstrich des Mysteriösen, Undurchschaubaren gibt) gerne in die Reihe der „Orientalen“ greifen. Etwas Weihrauch, Myrrhe, Zimt stehen diesem Männertypus ebenfalls ganz ausgezeichnet.

– Sportliche Kerle

Die Neid erregenden Männer, die irgendwie ständig am Sporteln sind, morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, nach Büroschluss ins Fitnesscenter springen und am Wochenende gerne Mountainbiken, klettern, wandern oder etwas ähnlich Absurdes tun, für die muss ein Duft vor allem ein Talent haben: Ihnen ständig das Gefühl geben, erfrischt zu sein. Hier führt kein Weg an zitrusfrischen Parfums vorbei. Orange, Limone, Mandarine, notfalls noch Bergamotte oder Petitgrain stehen bei Ihnen ganz oben auf der Favoriten-Liste.

– Die wilden Kerle (soll heißen: Abenteurer)

Sie fahren mit dem Jeep mal eben um die Ecke zum Brötchen holen, haben immer ein Survival-Messer dabei, navigieren mit ihrem GPS-Handy durch die Innenstadt als hätte man sie am Amazonas ausgesetzt und gucken nachts gerne die Sterne an, denn im Grunde wären sie doch am Liebsten Astronaut oder so etwas geworden. Großstadt-Cowboys, die scheinbar von einem inneren Drang erfüllt sind, die große Freiheit zu fühlen… und zu schnuppern. Wer so einen Mann beschenkt, wird seine Augen mit einem exotisch-aromatischen Parfum zum Leuchten bringen. Gewürz- oder Kräuter-Akkorde wie Minze, Salbei und Rosmarin treffen bei ihm ins Schwarze. Gerne auch mit einem Schuss Wild-West-Romantik, sprich Leder.

Alles, was Sie nun noch brauchen ist eine Marke, die für den nötigen Überraschungs-Kick sorgt. Da wird es schon schwieriger. Wer regelmäßig im ALzD-Dufttagebuch liest, kennt natürlich längst die meisten coolen Independent-Marken, die es zu erschnuppern lohnt. Der Rest der Welt muss sich eben erstmal durch die Online-Webshops der Republik klicken. Denn die wirklich außergewöhnlichen, großen Düfte finden Sie wie gesagt nicht im Discounter um die Ecke oder an der Supermarkt-Kasse. Wer etwas Besonderes sucht, wird im WWW am Leichtesten fündig. Und genau so eine außergewöhnliche Marke, die ich gerade für mich neu entdeckt habe, möchte ich ihnen heute ans Herz legen:

Andy Tauer – Orange Star

Genau diesen Duft habe ich nämlich zum Geburtstag geschenkt bekommen und da zum ersten Mal gerochen!

Andy Tauer ist sozusagen ein Autodidakt aus der Schweiz, der ein klitzekleines, aber umso exquisiteres Parfumhaus betreibt. Der neueste Duft aus seinem Repertoire, „Orange Star“, beweist sein Genie: ein strahlend-frischer Zitrus-Duft mit üppigem aber schwerelosem Fruchtaroma. Überhaupt nicht seifig oder süß-kitschig, sondern fröhlich, sauber und männlich. Hesperiden, Orangenblüten und Zitronengras schweben über einem Bett aus Tonkabohne, Vanille und Ambergris. Aus diesem Duft strahlt die Sonne, wenn ich das mal so sagen darf.

Nette Geschichte am Rande:

Andy Tauer Düfte kommen jetzt in einem neuen Flakon. Und dieser Falkon war … ein Geschenk! Paßt doch zu unserem Thema: In einem Interview verriet Tauer nämlich, dass eine Gruppe junger Designer auf ihn zukam. Sie hatten von seiner Marke gelesen und sich gedacht, dieser Mann braucht ein Re-Design. Also boten sie ihm an, ein neues Konzept zu entwickeln und schenkten ihm die Arbeit. Umsonst. Für lau! Hat nix gekostet. Ist das nicht toll? Denn jeder, der schon mal mit Produkt-Design zu tun hatte, weiß wie viel Arbeit in so einer Design-Arbeit steckt! Und eine professionelle Design-Agentur hätte sich Lauer nun mal (nach eigener Aussage) nicht leisten können. Das Ergebnis der Zusammenarbeit sehen wir bei Orange Star: ein blauer Fünfkant, der an einen Stern erinnert. Sehr sympathisch, sehr männlich, nicht überladen – ohne Krone, Wappen oder ähnlichem Schnick-Schnack. Eben pur. So wie der Duft.

Aber zurück zu unserem Geschenke-Problem: Denn wer gerade keinen zitronigen Duft sucht, wird bei Tauer auch für die anderen gängigen Herren-Modelle fündig! Es gibt einen umwerfenden Orientalen, nämlich „L’Air du Desert marocain“ oder das aufregend-ledrige „Lone Star“ für den Abenteurer. Alles da, alles köstlich. Man muss eben nur suchen! Dann liegt das perfekte Männergeschenk zum Greifen nahe. Und ich muss der jungen Dame Recht geben, die mir vor ein paar Tagen meinen ersten Tauer überreicht hat: So schenkt man heute! Denn erlesene Parfums mit Überraschungseååffekt sind sogar für die Männer ein fantastisches Präsent, die (wie ich) meinen, eigentlich schon alles zu haben.

Ihr Constantin Herrmann.

Bildquelle: Blue Frosting Cupcake von Tara Sandsmark – some rights reserved. Vielen Dank!

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