Wie lange hält das?

Fragen über Fragen: Darf ich den Sonnenschutz vom letzten Jahr diesen Sommer noch zu Ende verwenden? Kann es sein, dass mein Parfum seinen Geruch verändert? Und wie lange kann eigentlich eine Wimperntusche benutzt werden?

Wir freuen uns sehr über die vielen Leserbriefe an unsere Redaktion, und die (mitunter gar nicht so leicht zu beantwortenden) Fragen, die Sie stellen. In letzter Zeit wollten viele von Ihnen wissen, wie lange bestimmte Produkte haltbar sind. Also dachten wir uns, wir schreiben einmal alles zusammen, ein kleines Kompendium rund um die Aufbewahrung von Kosmetik – und Sie müssen nie wieder Sorgen haben, ob ein Produkt eventuell „gekippt“ sein könnte oder nicht.

HaltbarkeitSeit einigen Jahren gibt es eine Pflicht, Kosmetik-Produkte hinsichtlich ihrer Haltbarkeit zu kennzeichnen. Auf der Rück- oder Unterseite der Töpfchen, Flaschen oder Verpackungen finden Sie als Symbol einen kleinen geöffneten Tiegel abgebildet, mit einer Zahl darin. Diese gibt an, wie viele Monate das Produkt haltbar (und problemlos verwendbar) ist, nachdem es das erste Mal geöffnet wurde. Hier liegt bei einigen Produkten allerdings schon das erste Problem, denn ein Shampoo oder Duschgel wird meistens ja nicht das erste Mal zuhause bei Ihnen im Bad geöffnet, sondern schon vorher im Laden. Denn die meisten Kunden riechen an Shampoo und Co. bevor sie es kaufen. Ergo müssen diese Produkte auch extrem lange haltbar sein. Und deswegen sollten Sie beim Kauf von Gesichtscremes (und ähnlich empfindlichen Produkten) darauf achten, dass das Produkt weder ein „Tester“ ist (das passiert selbst in großen Parfumerien immer wieder, dass bereits geöffnete Ware verkauft wird), noch dass es vorher zu Dekorationszwecken im Schaufenster stand (das wiederum droht nur ganz selten, und wenn dann in kleinen Geschäften). Denn Sonne oder Wärme (in Heizungsnähe oder eben im Schaufenster) beeinflussen die Haltbarkeit eines Kosmetikproduktes ebenfalls. Das gilt dann übrigens auch für Sie zuhause. Denn entscheidend, wie lange ein Produkt hält, ist auch, wie Sie mit ihm umgehen…

Wo bewahrt man Kosmetik am Besten auf?

Ich lese immer wieder, dass man Beauty-Produkte im Kühlschrank aufbewahren solle. Der Nagellack fließe dann besser, der Duft wäre länger haltbar und die Creme erfrische. So einfach ist es aber nicht. Denn Temperaturschwankungen oder schlichtweg die falsche Temperatur bekommt vielen Produkten nicht. Beispiel Parfum: Wer schon mal edles Parfum mit in den Sommerurlaub genommen hat, wird vielleicht festgestellt haben, dass in der tropischen Wärme das Parfum schneller verfliegt. Das ist tatsächlich so. Parfum mag keine Hitze. Der Umkehrschluß, ein Parfum im Kühlschrank aufzubewahren ist aber ebenso falsch. Die Kälte beeinträchtigt den Duft leider auch. Besser ist es, Düfte an kühlen, dunklen Orten aufzubewahren – der altgediente Badezimmerschrank ist also der beste Ort. Übrigens: leichtere Eaux de Toilette oder Colognes dürfen dagegen durchaus in den Kühlschrank, sie sind unempfindlicher und als cooles Kühlschrank-Wässerchen an heißen tagen richtig erfrischend. Ähnlich verhält es sich mit Gesichtspflege, die gehört ebenfalls in den Badschrank, nicht in den Kühlschrank, auch wenn eine kühle Pflege am Morgen schön erfrischend sein könnte. Durch die Kälte riskieren Sie aber, dass sich bei Cremes und Lotionen durch den Kälteschock Fett und Wasser voneinander trennen. Erlaubt dagegen ist es, ein Augengel im Kühlschrank aufzubewahren. Wer das morgens leicht gekühlt auf die müde Augenpartie aufträgt, wird begeistert sein! Dekorative Produkte (Lidschatten, Puder, Lippenstift, etc.) gehören logischerweise auch in den Badschrank und nicht ins Kühlfach. Aber auf die Idee kommt doch wahrscheinlich auch keiner, oder? Wer hebt schon Kompaktpuder zwischen Gemüse und Eiern auf???

Wie lange hält …

bergamotto di calabriaParfum?

Einmal geöffnet hält ein Duft etwa ein bis zwei Jahre, wenn er richtig gelagert wird (kühl, trocken, dunkel). Und mit „Halten“ meine ich, dass er so riecht, wie er riechen soll.

Je mehr Alkohol im Verhältnis zu Duftstoffen enthalten ist, so unempfindlicher ist ein Duft. Also hält ein Eau de Toilette besser als ein konzentrierteres Parfum. Deswegen macht es Sinn, bei reinem Parfum nur kleinere Flakons zu kaufen (die sind ja eh teuer genug.) Wenig Sinn macht es übrigens, ständig große Flakons in kleinere umzufüllen, z.B. für die Handtasche. Denn durch den Kontakt mit der Luft verändert sich der Duft, hält weniger lange und kann auch auf der Haut schneller verfliegen. Deswegen lieber gleich fertig abgefüllte Handtaschen-Flakons der Düfte kaufen.

Warnzeichen, dass ein Duft sich „verändert“ ist immer, wenn er seine Farbe wechselt. Wenn rosafarbenes Parfum gelblich erscheint, riecht es sicherlich auch nicht mehr so gut.

Gesichtspflege?

Wir sind uns hoffentlich alle einig, dass eine Creme, die komisch riecht oder sich ranzig anfühlt, nicht mehr benutzt werden sollte. Bis es soweit kommt, dauert es aber. Sechs Monate nachdem der Tiegel geöffnet wurde, sollte ein Pflegeprodukt schon mindestens halten. Da in Cremes aber Wasser enthalten ist, das Keimen einen prima Nährboden bietet, sollte man nur mit sauberen Fingern in den Tiegel greifen, damit keine Verunreinigungen hineinkommen. Noch besser: einen Spatel benutzen (auch wenn ich das persönlich schrecklich umständlich finde). Aber eine Creme, die jeden tag benutzt wird, hält doch wahrscheinlich eh nicht viel länger als sechs Monate, oder? Naturkosmetik ist dabei eigenen Regeln unterworfen, da sie keine konservierenden Zusätze enthält. Hier gilt oberste Hygiene, sonst gelangen schnell Keime in die Creme und können dann auf der Haut wiederum zu Reizungen führen. Deswegen Naturkosmetik nie geöffnet stehen lassen! Generell gilt: Tuben und Pumpspender halten problemloser und länger als Tiegel, oder anders gesagt: Umso größer die Öffnung des Produktes, umso kürzer die unbedenkliche Haltbarkeit. Aber gerade bei Gesichtspflege hilft das Symbol des geöffneten Tiegels auf der Verpackung enorm – vorausgesetzt, Sie merken sich, wann sie ein Produkt gekauft haben!

Augencremes enthalten übrigens meistens weniger Konservierungsstoffe, da die Augenpartie besonders sensibel ist. Deshalb sollten Augenprodukte innerhalb von maximal vier Monaten aufgebraucht werden. Reinigungsprodukte dagegen sind eher sorglose Fälle. Sie können bis zu zwei Jahren verwendet werden, alkoholhaltiges Gesichtswasser sogar bis zu drei Jahren.

Körperpflege?

Faustregel: eine Bodylotion hält ein Jahr lang. Deswegen (und weil Ihre Haut es Ihnen dankt), schön regelmäßig eincremen, dann sind auch die großen 300-ml-Packungen leer, bevor sie „kippen“ können. Sollte Ihnen doch einmal in den Untiefen des Badezimmerschrankes eine alte Körperpflege begegnen, erkennen Sie, ob sie noch gut ist an der Konsistenz: Wenn sich das Öl abgesetzt hat, dürfte der Emulgator seinen Geist aufgegeben haben – denn er ist verantwortlich dafür, dass sich die Phasen des Produktes perfekt mischen. Also: wegwerfen. Am längsten halten auch hier die praktischen Pumpspender. Aber bitte nicht in der Nähe von Wärmequellen aufstellen (Heizung, sonniges Fenster, etc.), da die in der Pflege enthaltenen Fette sonst ranzig werden.

Duschgele dagegen sind wirklich sorgenfreie Fälle, denn sie halten problemlos ein paar Jahre. In ihnen stecken (Naturkosmetik wieder ausgenommen) kaum verderbliche Inhaltstoffe. Die einzige Gefahr, die Ihnen lauert ist, dass beim Duschen Wasser hinein kommt. Denn dann können sich wieder Keime prima entwickeln und das Produkt verunreinigen. Verändert sich Geruch oder Konsistenz eines Duschgels – bitte entsorgen.

Noch problemloser sind übrigens Deodorants: außer Emulsionen, die nur bis zu 12 Monaten verwendbar sind, hält ein Deo nämlich ewig, naja fast, eigentlich bis es eintrocknet.

Make-up?

Foundations halten etwa ein Jahr lang – auch hier gilt: Nach dem Kauf einen Blick auf die Angabe des Herstellers werfen. Reinigen Sie den Verschluss, den Pumpspender oder den Tiegelrand regelmäßig mit einem sauberen Kosmetiktuch, dann gelangen keine Bakterien in das Produkt.

Puder enthält kein Wasser, kann also locker ein paar Jahre heil überstehen. Außer, Sie verwenden immer dieselbe Quaste oder dasselbe Schwämmchen, ohne es zu reinigen und bewahren es direkt auf dem Puderstein auf. Dann können Hautöle auf das Puder gelangen und es verunreinigen.

Mascara sollten sie alle drei Monate austauschen. Denn in der feuchten Konsistenz entwickeln sich sehr schnell Bakterien, die zu Reizungen führen können. Generell gilt: Nicht mit dem Bürstchen in die Flasche „pumpen“, um mehr Farbe aufzunehmen, so gerät nur mehr Luft in die Textur, sie trocknet schneller aus und kann verunreinigt werden. Wer eine Bindehautentzündung oder ähnliche Augenkrankheit hatte, sollte danach auf jeden Fall eine neue Tusche kaufen, um die Bakterien nicht nach der Genesung sofort wieder ins Auge zu bringen.

Kajalstifte dagegen sind nahezu unbegrenzt haltbar. Manchmal bildet sich auf der Spitze zwar ein weißlicher Film, der aber ist unbedenklich – die oberste Pigmentschicht ist schlichtweg ausgetrocknet. Einmal darüberwischen, neu anspitzen und fertig.

Lidschatten hält bis zu drei Jahren, nur cremige Texturen sollten nach einem Jahr entsorgt werden. Trockene, also wasserlose Produkte dagegen sind Überlebenskünstler, solange keine Feuchtigkeit ins Spiel kommt! Wer seinen Lidschatten also zwischendurch auch mal feucht aufträgt, verkürzt seine Halbwertszeit.

Nagellack  wird im Laufe der Jahre immer dickflüssiger. Fünf Jahre ist so etwa die alleräußerste, maximale Lebensdauer. Das größte Problem ist also eher, dass sich die Flasche irgendwann nicht mehr öffnen lässt! Schuld sind Farbreste am Gewinde, die verkleben. Deswegen immer etwaige Kleckser sofort entfernen. Manchmal höre ich, dass Frauen ihren Lack mit Nagellackentferner verdünnen, um ihn wieder flüssiger zu machen. Das ist aber Quatsch, denn die enthaltenen Lösemittel verändern die Deckkraft, Farbbrillanz und Konsistenz des Nagellacks zu sehr – und er hält bei weitem nicht mehr so gut. Dann bitte einfach in einen neuen investieren, oder notfalls einen speziellen „Nagellack-Verdünner“ besorgen (gibt es in der Drogerie).

Lippenstifte halten locker mal bis zu drei Jahren. Erst wenn Sie muffig riechen, bröckeln oder sich kleine Tröpfchen auf der Oberfläche bilden (Öle!) gehören sie entsorgt. Generell verträgt Lippenfarbe aber weder Kälte noch Wärme. Ersteres kann dazu führen, dass Leuchtkraft und Glanz nachlassen, die Wärme dagegen lässt die cremige Konsistenz schnell klumpig werden.

Sonnenschutz?

Ein Kapitel für sich. Denn eine Sonnenmilch kann toll riechen, sich auf der Haut prima anfühlen – und sollte dennoch entsorgt werden. Der Grund: Der enthaltene Lichtschutz hat sich abgebaut. Dann schützt das Produkt nicht besser vor der Sonne als eine gewöhnliche Bodylotion. Deswegen eine Sonnencreme nur eine Saison lang verwenden. Vor allem, wer sie mit in die Sonne (Strand, Freibad, Garten) genommen hat, darf sich darauf verlassen, dass der LSF  durch UV-Strahlung und Wärme Schaden genommen hat. Deswegen sollte eine Flasche Sonnenschutz auch nie direkt in der Sonne liegen, stets gut verschlossen und nach einer Saison ausgetauscht werden. Denn ist die Flasche halbleer, enthält sie logischerweise viel Sauerstoff – und der reagiert mit den Inhaltsstoffen. Und da wir gerade bei LSF über ein sehr wichtiges Thema reden (Hautschutz!!!), sollte es Ihnen die paar Euro pro Jahr allemal wert sein.

Soweit unser kleiner Haltbarkeits-Guide. Sollten wir irgendwelche Produkte vergessen haben, oder falls sie noch Fragen haben, bitte mailen Sie uns!

Mit gepflegten Grüßen,

Ihr Constantin

Neueste Kommentare

Geschrieben von:

3 Kommentare

  1. Ulrike
    11.Mrz 2010
    Antworten

    … und das einige, so wie ich, auf den Beitrag des lieben Constantins hin gleich ihren Kosmetikschrank durchforsten und einige ganz böse MHD-Ausreißer finden *lach*

    Liebe Grüße, Ulrike.

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