Die Magie des Logos

Der Beauty-Springlook 2010: Luxus, Luxuriöser, Label

„Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes-Benz“
Janis Joplin

Seien wir ehrlich. Labels erfüllen unsere Welt. Wie seid Ihr heute in die Arbeit gekommen? Mit dem Auto? Sicher ein Marken-Produkt und kein No-Name-Wagen. Ein Mercedes? Ein Audi? Ein BMW? Und was hattet Ihr an? Burlington-Strümpfe, H&M-Hose, Zara-Pulli und Gucci-Gürtel? Dann saßt Ihr an Ihrem Apple-Computer, habt eure neue Kollegin vom Tisch gegenüber ge-googelt und mittags schnell gegessen – wo? Bei McDonald’s, Wienerwald oder doch nur ein Sandwich vom Tengelmann um die Ecke? Und dazu gab es eine Cola Light?
Ich möchte wetten, während Ihr diese Zeilen lest, spult das innere Kino im Kopf ganz automatisch die Logos aller genannten Firmen ab. Aber wieso haben Logos so eine mächtige Anziehungskraft auf uns? So mächtig, dass wir Schlange stehen, wenn Madonna oder Jimmy Choo eine Kollektion für H&M entwerfen. So mächtig, dass wir bei ebay eine Hèrmes-Tasche ersteigern oder, falls das nicht klappt, auf einem Bazar im Urlaub eine Billig-Kopie mit fast ganz ähnlichem Logo kaufen.
In der Welt der Luxus-Labels ist ein Auf-und-Ab dieser Logomanie zu verzeichnen. Eine Saison lang gibt es kaum Markenware ohne riesige Monogramm-Kennzeichnung (Vorreiter ist natürlich immer D&G mit dem Label als auffällige Glitzer-Abzeichen), dann wieder ist der Logo-Protz verpönt und man gibt sich diskret. Ausnahme: Louis Vuitton, die ihr LV-Monogramm hartnäckig verwenden, Trend hin oder her.

Und nun ist es mal wieder soweit, Logos sind in. In jeder Größe, Farbe und Menge, die man sich nur vorstellen kann. Vielleicht ein Resultat der hinter uns liegenden Krisenstimmung? Man möchte sich wieder etwas leisten und zeigen, dass man es sich leisten kann. Dabei geht es keineswegs nur um die ganz, ganz Reichen. Statistiken zufolge gibt es weltweit über 16 Millionen Menschen mit mehr als einer Million Dollar in Cash, jedes Jahr werden es zehn Prozent mehr. Das sind Menschen, die sich alles leisten können. Für uns Normalsterbliche sind zwar andere Labels von Bedeutung – statt dem dritten Bentley eben nur eine Vespa und statt Roederer Cristal eben Rotkäppchen-Sekt. Aber eine Marke muss es schon sein. Mit Logo. Dann fühlen wir uns glücklich und bekommen dieses durch nichts zu ersetzende Gefühl von „Ich gönne mir etwas“.

Wie wichtig Logos sind, zeigte uns letzten Monat erst McDonald’s, die ihre Firmenfarbe überraschend ändern. In Deutschland, Österreich und der Schweiz prangt der goldene M-Bogen jetzt statt auf rotem Hintergrund auf grüner Farbe. Das soll unterschwellig wohl Gesundheit, Ökologisches Bewusstsein und Bio-Gewissen suggerieren. Nun ja. Aber auch in der Mode setzen Designer nun wieder voll auf Logos. Louis Vuitton’s übergroßer Schal mit unzähligen LVs drauf (in dutzenden Farben!) ist schon jetzt das heimliche Must-have der Saison. Sonnenbrillen dürfen wieder schillernde XXL-Kennzeichnung tragen und wer noch etwas Warmes für den Winter braucht, träumt insgeheim von der Anschaffung einer Moncler-Jacke. In der Beauty ist das nicht anders.

„Sie sehen so erholt aus..?“ – „Ja, ich trage Dior!“

Gerade wurden die neuen Trend-Looks in Sachen Make-up präsentiert und wo man hinschaut, sieht man Labels. Dior, Chanel, Guerlain, Yves Saint Laurent, Estée Lauder. Ohne Logo kommen sie alle nicht aus. Deswegen macht uns ein Lidschatten oder ein Puder noch nicht hübscher, aber wir fühlen uns besser. Wer ein schillerndes Luxus-Döschen aus der Handtasche zieht und sich die Nase pudert, hält ein kleines Juwel in der Hand, ein Stück greifbaren, erschwinglichen Luxus. Ein Chanel-Kostüm kann sich nicht jede Frau leisten, Make-up dagegen schon! Nun ist es zwar eine Frage des Geschmacks, ob man sich dem Label-Wahn anschließen möchte oder nicht. Aber Tatsache bleibt, dass die neuen Trendfarben für das kommende Frühjahr nicht nur neiderregend schön verarbeitet sind, sondern tatsächlich auch einiges können. Hier die drei Highlights, für die es sich lohnt, etwas tiefer in die Tasche zu greifen:

Chanel – „Les Impressions de Chanel“
ChanelPeter Philips, „Directeur International de la Création Macquillage“ im Hause Chanel entdeckte beim Stöbern in Mademoiselle Chanels Unterlagen einen Handabdruck der großen Designerin höchstpersönlich – ein Stück leicht vergilbtes Papier, darauf Cocos Hand in schwarzer Tinte. Diese kostbare Momentaufnahme der 1971 verstorbenen Grande Dame inspirierte ihn zu einer Make-up-Kollektion in zartem Beige, Braun und Khaki. Das ist eine nette Geschichte, die ganz zufällig (?) auch zum aktuellen Make-up-Trend passt: Teint, Lippen und Augen kommen bei den meisten Beauty-Firmen 2010 ganz natürlich in Erdtönen zur Geltung, passend zur aktuellen Mode, die auf Landlook und Erdtöne setzt. Star-Produkt bei Chanel ist das wunderschöne „Empreinte de Chanel“ (auf Deutsch: Der Abdruck von Chanel). Ein seidiger Puder mit beigem Perlmutt-Effekt, der dem Teint ein leicht schimmerndes Finish verleiht. Wie Coco Chanels Handabdruck auf dem gelblichen Papier prangt stolz ein riesiges Gold-Logo auf einem kunstvollen Camaieu aus Beige-, Rosenholz- und Brauntönen. Den Puder einfach mit einem großen Pinsel auf Wangen und Lider auftragen – als Highlighter – oder über das ganze Gesicht stäuben, damit der Teint strahlt. Der Effekt ist tatsächlich hinreißend schön, über die Notwendigkeit des XXL-Logos könnte man streiten. Aber Trend ist nun mal Trend.
(Erhältlich ab Januar 2010)

Dior – „Dentelle“
DiorSpitze ist der unangefochtene Star unter den Mode-Accessoires in der nächsten Saison. Schon Christian Dior liebte das aufwändige Material für seine Abendroben, John Galliano führt diese Tradition heute fort. Die dazu passende Make-up-Kollektion dreht sich daher konsequenterweise ebenfalls um das Thema Spitze (auf Französisch: dentelle), im Charme und Stil der 20’er-Jahre. Natürlich liegt das Augenmerk auch hier auf erdigen Nuancen, die einen ganz natürlichen Effekt erzielen. „Wer sich übermäßig schminkt, sieht unmodisch aus“ sagte Dior schon 1952. Dieser Satz hat heute wieder mehr Bedeutung als in den letzten Jahren. Star-Produkt des Looks ist das hauchfeine „Poudrier Dentelle“, das sich schimmernd auf den Teint legt wie eine zweite Haut und sie mit den zwei Farbharmonien Beige/Zartrosa oder Beige/Pfirsich leuchten lässt. Und – wer hätte es gedacht – ebenfalls mit übergroßem Schriftzug daherkommt.
(Erhältlich ab Januar 2010)

Yves Saint LaurentYves Saint Laurent – „Paris Passion“
Das französische Nobel-Haus aus der Avenue George Cinq verkauft schon lange erfolgreich Accessoires aus der „Y-Mail“-Kollektion. Herzstück dieser Design-Idee ist die Adresse des Stammhauses, aufgedruckt auf Handtaschen, Schmuck – und nun eben auch auf Make-up. Das Etui des Starproduktes „Y-Mail-Palette Collector Powder“ krönt die Anschrift von YSL (Yves Saint Laurent – 7, Avenue George V – Paris 8eme), also sozusagen die Weiterführung der Logo-Mania. Wieso nur das Monogramm zeigen, wenn man gleich mehrere Zeilen zu einem Logo umarbeiten kann! Den Kompaktpuder selbst ziert – dazu sage ich jetzt einfach nichts mehr – natürlich ein überdimensioniertes YSL-Logo. Der Effekt: (Klar!) Schimmer, allerdings etwas rosiger als bei Dior oder Chanel.
(Erhältlich ab Februar 2010)

Nun ist es zwar wie gesagt zur Diskussion offen, ob man Wert legt auf XXL-Logos oder nicht, aber wenn ihr nächstes Frühjahr „in“ sein wollt, solltet ihr euch doch das ein oder andere Item zulegen. Und wenn es nicht zum Dior-Abendkleid reicht, legt eben eine dünne Schicht eines dieser drei Puder auf. Ihr werdet euch wahrscheinlich seeehr mondän fühlen und viele Komplimente ernten, egal was für ein Kleid ihr tragt. Denn das ist der wahre Trend 2010: Mixet Billiges (aber Gutes!) mit ein bisschen wahrem Luxus. Und das kann auch schon ein Puder sein. Und falls Ihr nicht zu den Logo-Verrückten gehört: Das riesen Abzeichen ist nach ein paar Mal Pudern abgenutzt. Was bleibt, ist ein wirklich schöner Trend, nämlich strahlender Teint au naturel. Und schöne Haut wird eben immer „in“ sein!

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Geschrieben von:

Aus Liebe zum Duft ist für mich sowohl Beruf als auch Berufung: Düfte faszinieren mich, seit ich denken kann und meine eigene, sich manchmal recht schwierig gestaltende Suche nach neuen Duftraritäten brachte mich 1997 auf die Idee, diese zu selbst vertreiben. Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat sich viel getan, mein Geschäft ist groß geworden, genauso wie unser Sortiment. Nichtsdestotrotz ist meine Intention immer noch dieselbe geblieben: Ich möchte meinen Kunden dabei helfen, für sie passende Düfte zu finden, die sie glücklich machen, nicht mehr und nicht weniger.

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