Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen
Was Jauch, Pilawa, Kerner und wie sie alle heißen können, kann doch jeder: Rückblicke vor Jahresende. Ich mache es jetzt mal genau andersherum – und ziehe am Jahresanfang ein Resümee, blicke zurück auf das Jahr, das uns soeben verlassen hat und das Ihr hoffentlich alle rauschend verabschiedet habt?! Ich für meinen Teil habe es wie jedes Jahr geruhsam angehen lassen: Mein langjährigster Freund K. hat mich, same procedure as every year, zu der gediegenen Silvesterparty von Freunden von mir begleitet, wo wir in schönster Stuttgarter Hanglage hineingeweht sind ins Jahr 2012.
Und ich hoffe, 2012 wird gut – parfumtechnisch gibt es einiges, was sich sehr spannend anhört. Letztes Jahr brillierte zwar mit etlichen Neuveröffentlichungen, darunter waren auch viele gute und sehr gute, für mich persönlich war aber keine ganz heiße Liebe dabei. Will sagen – auf einer Skala von 0 bis 10, die mein Freund K. jetzt mal wieder zu Rate ziehen würde, gab es diverse 8er und 9er, aber ich habe nur eine einzige 10 vergeben – an Andy Tauers Carillon pour un Ange, der mich direkt ins Herz getroffen hat.
Ein Duft war nahe dran an einer 10 – aus zugegebenermaßen subjektiven Gründen: Still Life von Olfactive Studio hat es mir als neuer Immergeher angetan. Beeindruckt haben mich des weiteren die neuen Molton Brown-Düfte als ganze Kollektion – Navigations Through Scent genannt –, Heeleys grüne Mandel L’Amandière fand ich grandios genauso wie Atelier Colognes Vanille Insensee. Ea von Sigili war eine neue herrliche Sommerentdeckung und Amouage beeindruckte mich mit den Honour-Düften so, dass ich mir einmal mehr Madame Butterfly angeschaut habe.
An „alten“ Düften gab es einige Entdeckungen für mich: Zum Beispiel habe ich mich das erste Mal ausführlich mit Vero Kerns Linie Vero Profumo auseinandergesetzt und mich in das eigen- und einzigartige Eau de Parfum von Rubj verliebt, das mich mit seinem Maracuja-Jasmin-Kumin-Aroma betörte. Onda beeindruckte mich in beiden Variationen.
Darüber hinaus war für mich das Jahr der Tuberose: Auf der Suche nach meiner Blume haben diese Männerfresserin und ich uns so angenähert, dass bei mir dieses Jahr drei neue Tuberosen eingezogen sind – Malles Carnal Flower, Lutens Tubereuse Criminelle sowie Delrae Roths Amoureuse. Und ich grabe schon weiter und erwäge den Kauf von Mona di Orios Tubereuse sowie Antonio Viscontis La Divina Tubereuse. Was geschieht mit mir, was wird nur aus mir? Verändert sich Euer Duftgeschmack zum Teil auch so stark? Was waren Eure Favoriten, was habt Ihr an altem neu ausgegraben?
Im übrigen gab es auch zwei Mainstreamer, die mich dieses Jahr überzeugten: Kurkdjians Elie Saab-Signature-Duft sowie Bottega Venetas neues Lederchypre.
Jetzt aber übergebe ich an Harmen, den auch er hat dieses Jahr eine ganze Menge neuer Eindrücke gesammelt :)
A guads Neis, alle zusammen,
Jahresrückblicke entarten meistens zu einem kruden Sammelsurium aller Katastrophen, die binnen eines Jahres geschehen sind. Zu diesem Anlass können sich die Leute dann eigentlich auch nur noch besaufen, eine Rakete ins Auge schießen oder gleich einige Gliedmaßen wegsprengen. Ich decke lieber den Mantel des Schweigens darüber, welche Katatrophen mir in diesem Jahr unter die Nase à Nase gekommen sind. Da ich hier nun nicht in dem Ausmaß wie Uli schreibe, rüssele ich mich auch durch entsprechend weniger Düfte – hinzukommt, dass ich ein ganz bockiges Kind bin und mich nur langsam mit neuen Düften anfreunden kann. Aber selbst dies ist geschehen.
Die Entdeckung des Jahres sind für mich ganz klar die beiden Mark Birley-Düfte, der Hausduft und vor allem “Charles Street“. Und mit diesem zeigt sich auch, dass ich meine alleinige Hesperidenvorliebe hinter mir gelassen habe und nun auch neue Gebiete erforsche. Ein absolutes Glanzlicht 2011 ist für mich die Herrenversion “C” von Clive Christian, ein wirklich edler Lederduft, der einmal an anderer Stelle ausführlich besprochen werden soll (und damit auch sein Verwandter Godolphin von Parfums de Marly). Der erst kürzlich besprochene “Juniper Sling” von Penhaligon’s darf in meiner Bestenliste keinesfalls fehlen, sicherlich die richtige Duftbegleitung, um auf einer Welle Gin Tonic ins neue Jahr zu surfen. Ich werde bestimmt auch noch einen “Sieger” aus meiner immer noch nicht abgeschlossenen Lavendelserie küren – der geneigte Leser darf also gespannt sein, wie es weitergeht.
Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr und bleibt uns treu!
Liebe Grüße
Harmen




























