Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Har|mat|tan, der; -s

Geschrieben in Duft, Tabak & Rauchiges am 30.07.2010

[aus einer nordwestafrik. Spr.] (Geogr.): trockener, von der Sahara zur atlantischen Küste Afrikas wehender Nordostwind. Quelle: Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2007.

Einem Wüstenwind also soll unser heutiger Artikel gewidmet sein: dem Harmattan. Wie im Duden schön beschrieben, ist dieser ein Landwind (weht vom Land auf das Meer hinaus; im Gegensatz dazu weht der Seewind vom Meer Richtung Land), der zu den Passatwinden zählt. Unter letzteren versteht man beständige Winde, die um den gesamten Äquator herum auftreten. Mit diesen gelangten zum Beispiel die großen europäischen Segelschiffe der frühen Neuzeit von Afrika nach Amerika und schließlich wieder zurück nach Europa. Doch genug des Erdkunde- und Geschichtsexkurses, wollen wir uns doch heute dem Düftchen Harmatan Noir von Parfumerie Générale widmen, der vom gleichnamigen heißen Saharawind inspiriert ist und nicht den Handelsbeziehungen zwischen Europa und Amerika zu Zeiten der großen Seefahrer und Entdecker.

Nun, ganz ehrlich, das Wetter könnte im Moment nicht unpassender sein für die Rezension eines Duftes, der von der Sahara inspiriert ist: es regnet in Strömen. Und trotzdem passt der Wüstenduft, dem ersten Probeschnupperer nach, irgendwie zu diesem Wetter. Denn einerseits erweckt der Duft sogleich vollaride Assoziationen in mir, gleichzeitig kann ich ihn mir aber nur schwerlich bei heißem Wetter vorstellen. Zumindest nicht bei dem heiß-schwülen Wetter hier ins Deutschland. Mmh, da er eigentlich als Duft für die wärmere Jahreszeit (oder die wärmeren Breitengrade?) konzipiert ist, sollte ich vielleicht meinen nächsten Urlaub in der Wüste verbringen, um im Feldversuch auszutesten, ob Harmatan Noir denn nun bei trockener Hitze meinem Näschen mundet. ;-)

Doch nun als fröhliche Testen! Hier zu allererst einmal die Duftnoten: Minze, Salzige Noten, Zitrische Noten, Getrocknete Blüten, Kräuter, Hölzer, Tee.

Direkt zu Beginn dominieren bitter-herbe Teenoten. Ab und an schillern minzige Anklänge durch, die sich aber deutlich von den uns bekannten Pfefferminzteenoten unterscheiden, viel dunkler, kühler sind. Intensiv rauchige Nuancen und eine salzige Kühle unterstreichen das kräftige Schwarzteearoma, schenken ihm eine beinahe staubig-sandige Trockenheit. Genau hier sehe ich vor meinem inneren Auge die rötlich-goldenen Dünen der Sahara vor mir. Den Blick gen Meer gerichtet – ja, in meinem Wüstentraum liegt die Sahara direkt am Meer, ein einziger riesiger Strand sozusagen ;-) – stehe ich im sandigen Nirgendwo, die Luft ist schneidend-trocken. In diesem Glutofen der Sonne trifft mich eine kühlend-salzige Brise von meerwärts und vermischt sich mit dem heißen Dampf der Tasse dunkelbraunfastschwarzen Tees in meinen Händen. Neben mir ein ebenso reizender wie attraktiver Wüstensohn, der behände mit Kräutern, Blüten und Minzbüscheln herumwedelt, alle getrocknet in der gleißenden Sonne der Wüste. Rauch steigt vom Lagerfeuer auf und trägt die Noten der glimmend-holzigen Glut zu mir herüber…. Tja, wie Ihr seht, ist meine Assoziation mal wieder ein wenig romantisch-verklärt. ;-)

Und doch bleibt, nach Abzug der ganzen Romantik (Adieu, Du schöner Wüstensohn!) ein recht realistisches Schnupperbild des Duftes übrig: Den gesamten Duftverlauf durchziehen quasi schwarze Teenoten, mal mehr, mal weniger stark, begleitet von einer salzig-trockenen Sandigkeit (oder sandig-trockenen Salzigkeit?). Getrocknete Minze und Kräuter erzeugen dunkle und dennoch kühlend-aromatische Aspekte, während getrocknete Jasminblüten dezent-florale Noten im typischen Potpourri-Stil verströmen. Rauchige Noten schenken dem Teeduft Lapsang Souchong-Facetten. Im Hintergrund offenbart sich eine zitrische Schärfe, die mich spontan an Zitronenpfeffer denken lässt und die die kühle Trockenheit des Duftes gekonnt unterstreicht. Nach einem ausgiebigen und unglaublich langen Duftverlauf lässt sich Harmatan Noir schließlich auf ein Lager aus (natürlich staubtrockenen) Hölzern nieder. Oh, là, là!

Fürwahr ein außergewöhnliches Düftchen, der schwarze Wüstenwind! Einer, der die Gemüter spaltet: entweder man liebt ihn oder eben nicht. Ich glaube, dazwischen gibt es wenig Spielraum. Aber wenn alle immer das Gleiche toll finden würden, wäre das ja auch irgendwie doof, nicht wahr?

So, nun denn verbleibe ich noch ein bisschen in meiner Wüstentraumlandschaft und ignoriere das trübe Nass draußen vor meinem Fenster einfach! Mein Wüstenkavalier hat mir bestimmt schon wieder ein neues Tässchen Tee aufgesetzt. ;-)

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein schönes Wochenende,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Marokko Wüste von Joadl und Dünen in Arakao, Sahara, Niger von Michael Martin – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z
Brüder im Geiste


Denn alle Lust will Ewigkeit – Die Neuen von Bois 1920.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Florientalisch, Solifloral am 29.07.2010

Dieser Tage kann ich endlich alte Versprechen einlösen: Vielleicht erinnern sich einige von Euch noch an den Dreiteiler hier im Blog über die Messe Global Art of Perfumes, indem ich Euch den Mund wässrig gemacht hatte mit einigen neuen Düften, die ich dort bereits schnuppern durfte. Nun ist es endlich soweit – so gut wie alle Düfte, die ich dort bewunderte, sind veröffentlicht und ich stehe jetzt in der Bringschuld, die Rezensionen dazu zu liefern.

Diese erfülle ich natürlich allzu gerne und möchte heute mit den drei neuen Düften von Bois 1920 beginnen, La Vaniglia, Notturno Fiorentino und Kimono Rose, zusammen unter dem Namen La Voluttuose erschienen, der Name der Kollektion, einer, die vielleicht noch ausbaufähig ist? Man weiß es nicht, noch nicht. In jedem Falle aber der Damenwelt gewidmet – nicht weiter verwunderlich bei der Übersetzung von La Voluttuose – die Wollust, Wollüstige…

Kimono Rose ist mitnichten eine japanische Rose, wie einen der Name vielleicht vermuten lassen mag, nein – die Interpretation des Namens muß assoziativer, freier erfolgen: Ein klassischer japanischer Kimono ist normalerweise aus Seide, ergo einem leichten, fließenden Material… Diese Rose hier hat ebenfalls einen solchen Charakter, luftig und unbeschwert präsentiert sie sich in Gesellschaft dezent säuerlicher Früchte – die gesamte Kopfnote aus Bergamotte, Mandarine, Cassis und Litschi ist sehr gut einzeln auszumachen. Dazu gesellt sich ein zartes und absolut nicht madamiges Maiglöckchen, welches ohnehin wie man an einigen der letzten Maiglöckchendüfte sehen konnte, sehr gut mit fruchtig-herben Noten wie der Johannisbeere interagiert. Bambus stiftet wässrige Herbheit im Hintergrund, während die Basis den Duft warm-holzig abfedert.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Schwarze Johannisbeere, Litschi; Herznote: Bulgarische Rose, Türkische Rose, Maiglöckchen, Bambus; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Ambra.

Die Kombination aus Sauberkeit, Frische und Weiche, die diesem floralen Düftchen innewohnt, gepaart mit einer sanften Süße, die jedoch eine besondere Durchdringlichkeit an den Tag legt, erinnert mich ein wenig an die Rosen von Juliette has a Gun: Die dritte im Bunde könnte Kimono Rose sein, eine Kreuzung aus Lady Vengeance und Miss Charming – und dann paßt der asiatische Name schon wieder, bin ich mir doch ziemlich sicher, daß sich Herr Ricci bei der Namensgebung durch die beiden gleichnamigen koreanischen Filme beeinflussen ließ…

La Vaniglia, die Vanille, hört sich auf italienisch so wunderbar watteweich an, daß man auch hier durch den Namen auf eine völlig falsche Fährte gelenkt wird: Keine Backpulvervanille, auch nicht girliesk und erst recht nicht genuin gourmandig ist diese Vanilleinterpretation, nein. Frisch aufgesprüht überrascht eine minzige, durch ebenjene sowie Pfeffer doppelt scharfe und mit Zitrusfrüchten angereicherte Kopfnote, die bereits den Hauptprotagonisten im Hintergrund offenbart, der sich alsbald seinen Weg auf die Bühne bahnt – die Vanille. Jenewelche wird den ganzen Duftverlauf über von zwei Akzenten bereichert: Einer pfeffrig-würzigen und eher kühlen Schärfe samt Rauchschwaden, zusammengesetzt aus Minze, Pfeffer und Weihrauch und unterstrichen durch Patchouli, sowie herb-fruchtigen Noten der Hesperiden und des Ingwers, darüber hinaus meine ich auch ein Lederchen entdecken zu können…

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Minze, Pfeffer; Herznote: Weihrauch, Patchouli, Ingwer; Basisnote: Vanille.

Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich für eine Vanille. Und mit Sicherheit kein Kandidat für unsere Naschkätzchen, die Gourmandfraktion. Aber endlich mal eine Vanille, die auch für all diejenigen tragbar scheint, die eine erwachsene, eine gewagte, eine weniger süße Vanille suchen mit einer gehörigen Portion Rauch und denen Vanille Exquise von Goutal in dieser Hinsicht noch zu schüchtern war. Und, vor allem: Eine Vanille, die neben Frauen auch Männern ganz hervorragend stehen dürfte. Wenn es interessiert – ich fühle mich ein bißchen an Villoresi erinnert, vor allem an Piper Nigrum, verheiratet mit Goutals eben genannter Vanille.

Notturno Fiorentino, die florentinische Nacht, ist eine Verführerin, wie schon die Beschreibung verrät: „Surrounded by a mysterious mystique and aura, and every man who smell it will never forget the woman who wore it…“ – Umgeben von einer mysteriösen und mythischen Aura, die es jedem Mann verunmöglicht, jene Frau zu vergessen, die diesen Duft getragen hatte… Tja meine Damen, so hoch möchte ich nicht stapeln, aber Notturno weiß sehr wohl in seinen Bann zu ziehen meine ich: Würzige Schärfe in der Kopfnote läßt einen die Hesperiden übersehen und gleichsam sofort in das Herz vorstoßen, jenes florale, mit seinen beiden Betörerinnen Jasmin und Rose, umgarnt von säuerlicher Cassis. Ein zarter Rauchschleier legt sich über das Geschehen und bringt satten Honig auf stattlichen Hölzern mit sich, quasi Zimthonigholz, das den Duft in seine weiche und warme Basis geleitet.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, schwarzer Pfeffer; Herznote: Jasmin, Rose, schwarze Johannisbeere; Basisnote: Tonkabohne, Vanille, weißer Moschus, Zedernholz.

Ein sehr ansprechender Neustart einer Kollektion Herr Galardi würde ich sagen – ich bin angetan, sehr. Und, wie schon bei Nietzsche zu lesen: „Denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“ – so kann man natürlich auch von der Wollust nicht genug bekommen, deshalb bitte: MEHR!

Unersättliche Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Japanese Woman von Andres Ojedo, Covers von Carl Acreman, beide via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis
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Mangoalarm…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges am 28.07.2010

Montale (hat sich/)haben sich nicht lumpen lassen und nebst einer ganzen Reihe anderer Neulancierungen auch einen Duft mit dem ulkigen Namen Mango Manga veröffentlicht. Ganz abgesehen davon, daß ich mich ständig mit ebenjenem vertue – Mongo Manga äh Manga Mango wie jetzt? – stand für mich von vorneherein die Frage im Raum, woher dieser denn wohl kommen möge…

Ganz einfach – ursprünglich war der Duft nur für den asiatischen Markt, vornehmlich Japan vorgesehen. Und da nahm man sich einen der kommerziell erfolgreichsten Exportartikel Japans zwecks der Namensschöpfung zur Brust – den Manga, der eigentlich übersetzt nur Comic heißt, mittlerweile aber für den typisch japanischen Animé-Comic steht.

Mango nun ist eine beliebte Frucht in Japan, darüber hinaus im Parfumsektor aber mit Sicherheit ein in Reinkultur selten anzutreffendes Früchtchen, das durchaus seine Verehrer hat – insofern war es sicher eine gute Entscheidung, die Lancierung des Duftes nicht auf ein Land oder einen Kontinent zu beschränken, sondern den Duft weltweit rauszubringen.

Denn, was gibt es denn schon für Düfte für Mangoliebhaber? Allzuviele wollen mir nicht einfallen: Timbuktu von L’Artisan Parfumeur, den Steffi Euch vor einigen Tagen hier vorgestellt hat, ist einer davon genauso wie die Tuberosennacht, ebenfalls von Duchaufour für L’Artisan Parfumeur, welche neben der gepfefferten Tuberose ordentlich Mango zu bieten hat. Kid Mohair von Acqua di Biella wäre eine weitere Möglichkeit, ein Mangokuschler, und Elena kreierte für Hermès mit Jardin du Nil eine Mango-Grapefruit auf Bambus-Lotus-Bouquet. Biehls Parfumkunstwerke PC 01, Goutals Folavril, Rose Muskissime von MPG sowie Nicolaïs Eau Turquoise beherbergen ebenso solch ein Früchtchen, nebst vieler anderer Darsteller. Mehr möchte mir gerade beim besten Willen nicht einfallen, Euch? Kennt Ihr noch weitere Mangodüfte, die mir entgangen sind oder die ich kennenlernen sollte?

Mango Manga ist nun also ein weiterer in der kleinen Reihe und hat folgende Ingredienzen: Mango, Neroli, Jasmin, Orange, Zedernholz, Vetiver, Eichenmoos.

Frisch aufgesprüht erreicht mein wertes Näschen eine – Hustensaftnote, die sich beim näherem Hinsehen oder besser -riechen als extrem fruchtige Mango-Orangen-Fruchtbombe herausstellt. Saftige Orange und fein-säuerliche, reife Mango, flankiert von Neroliblüten mit dem ihnen genuinen honigsüß-fruchtigen und gleichzeitig floralen Charakter. Die Fruchtexplosion beruhigt sich mit der Zeit und offenbart ein zartes florales Herz mit nicht übermäßig narkotisierendem, ergo eher gezügeltem Jasmin und berückend schönen Neroliblüten, welche weiterhin von der fruchtigen Ahnung der anfänglich fast nasenbetäubenden Mango begleitet werden.

Hier werde ich ein wenig stutzig, da sich der Eindruck des Duftstreifens mitnichten mit dem auf meiner Haut deckt: Auf meiner Haut zeigt sich in Herz und Basis das Blütenbouquet als dominant an, flankiert von zarter, herb-fruchtiger Mango. Die Basis setzt dezente holzige Akzente sowie einen Tupfer Weiche. Der Teststreifen offenbart anderes: Hier zeigt sich eine überaus präsente Mango in harmonischer Koexistenz mit Neroli und einem fernen Jasminchen im Hintergrund. Die fruchtige Herbe der Mango zeigt sich vorrangig und wird von der Holzigkeit der Basis sowie leichten Rauchschwaden des Vetivergrases unterstrichen.

Der Eindruck auf meiner Haut zeigt sich demnach im Wesentlichen fruchtig-floral, während der auf dem Teststreifen fruchtig-floral-holzig ist mit ein bißchen Rauch. In jedem Falle würde ich einen Test auf der Haut empfehlen.

Was hat nun Mango Manga mit Comics zu tun, außer dem Namen? Vielleicht kann dieser kleine Filmschnipsel aus einem in Japan äußerst bekannten Manga Aufschluß darüber geben, seht selbst:

Auch wenn Eure Reaktion auf Mango Manga vielleicht nicht ganz diesselbe sein wird, Ihr Mango von Mambo unterscheiden könnt – in jedem Falle ist Mango Manga ein netter Sommerbegleiter für Freunde fruchtiger Düftchen ;) ;)

Einen schönen Tag wünscht Euch Eure Ulrike.

Bildquelle: Mango von Lionel Titu via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z


Die leuchtende Sonne Italiens…

Geschrieben in Duft, Hesperiden, Reines und Pudriges am 27.07.2010

oder besser: Siziliens scheint Ben Gorham den Kopf verdreht zu haben, denn der neueste (und somit elfte) Streich seines Labels Byredo ist dieser schönen Insel gewidmet, genauer: deren Hauptstadt Palermo. Byredo zählt ja zu meinen Lieblingsneulingen der letzten Jahre im Nischenduftmarkt ergo sollte es den eifrigen Blogleser nicht weiter verwundern, daß ich auch dieses Düftchen scharrenden Hufes erwartete und mehr als neugierig darauf war.

Wie bereits in der Vergangenheit zeigt Gorham auch diesmal ein Faible für stark romantisierte Beschreibungen – man denke nur an die Verklärung des Sinti- und Romalebens in der Beschreibung von Gypsy Water…: Von den Phöniziern ist die Rede, die im 8. Jahrhundert mit klappernden Rudern in Palermo ankamen, um dort ihren neuen neuen Handelstützpunkt zu errichten und Palermo so zu einer ersten Blütezeit verhalfen, fortgeführt unter „goldenem römischem Joch“, an Bedeutung verlierend dank der Vandalen, später wieder auflebend unter der islamisch-arabischer Vorherrschaft, dann unter derjenigen der Normannen und der Staufer.

Palermo also als „Durchgangsstation“ unterschiedlichster Kulturen – das bleibt natürlich nicht folgenlos und hinterläßt Spuren vornehmlich kultureller Natur: Das weite Feld der Künste sieht sich davon stark geprägt, vornehmlich Architektur (auch Kirchen sowie Landschaftsgestaltung – siehe der Parca della Favorita), Kunst und Literatur strotzen nur so von den vielfältigen und sehr unterschiedlichen und somit reichhaltigen Einflüssen.

Nun – wenn ich ehrlich bin, hatte ich leichte Schwierigkeiten bei der Verknüpfung des Duftes mit den von Gorham (vor)gegebenen Assoziationen, mit dem Namen ganz allgemein… Aber schauen wir uns ihn doch erst an – zuerst die Ingredienzen: Kopfnote: Bitterorange, Bergamotte; Herznote: Moschus, Rose; Basisnote: Moschus, Ambrette.

Frisch aufgesprüht hüpfen einem sofort munter die beiden Hesperidenbrüder in den Arm: Beschwingte zitrisch-prickelnde Fröhlichkeit, einen akzentuierenden Tick bittere Herbe beinhaltend, aber keine übersteigerte Säuerlichkeit an den Tag legend und von Beginn an untermalt von einem vanilligen, kuschelig-sauberen Moschus. Dieser zieht sich wie ein dick gewebter prominenter roter Faden durch den Duftverlauf hindurch, bisweilen leicht oszillierend und leise kreidige Anklänge offenbarend (typisch Moschus – in diesem Duft aber seehr zurückhaltend), in der Hauptsache aber skinnig und weich sich zeigend. Ambrette in der Basis verstärkt diese Anmutung noch – kein Wunder, ist Ambrette der einzig natürliche Stoff außer Moschus, der eine rechte Ähnlichkeite mit dem „Urstoff“ besitzt. Für Ambrette muß man aber nicht zum Tierquäler mutieren – es handelt sich hierbei um das Öl der auch „Moschuskörner“ genannten Samen des Ambrettestrauchs, eines Hibiskusverwandten. Als dritte im Bunde gesellt sich ein Röschen hinzu, eine feine, helle, luzide und frische Rose, kristallklar und leicht, fast schon ätherisch.

… genauso präsentiert sich auch Palermo: Nix Mafia, nix Orientale (in Anlehnung an arabische Einflüsse), nein, ein leichter und leichtlebiger Duft, luftig und unbeschwert, fröhlich und heiter, beschwingt. Der Zusammenhang mit Italien ist mir zwar immer noch nicht ganz klar, aber ich könnte ihn mir immerhin zusammenreimen: Die Rose ist eine Blume und deutet somit auf Ziz hin, was aus dem Punischen kommt, Blume heißt und der frühere Name von Palermo war. Die enthaltene Bergamotte ist, unschwer zu erraten, natürlich sizilianische – von den Mauren und Berbern auf die Insel gebracht und bis heute dort (erfolgreich) angebaut. Und der Muckelmoschus? Der steht dann eben für die typisch italienische Leichtlebigkeit, la Dolce Vita – ihr wißt schon…

Es bedurfte in diesem Falle keiner unendlichen Komplexität, wie es Palermo vermutlich mit all seinen diversen Prägungen vorweisen kann – ich war leider noch nie dort. Nichtsdestrotrotz hat uns Herrn Gorham hier schwupps aus dem Handgelenk heraus einen echten Sommer-Gute-Laune-Duft gezaubert, der Weiblein wie Männlein sicher sehr gut zu Gesichte stehen wird bei den momentanen Temperaturen.

In Anbetracht derselben wünsche Ich Euch einen guten Start in die Woche und hoffe für Euch, daß ihr ähnlich „casual“ am Schreibtisch sitzen dürft wie ich ;)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: The Face of Sicily von Eva Schuster via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Land des Donnerdrachens

Geschrieben in Blüten, Duft, Gewürziges, Leder am 26.07.2010

…heißt das Königreich Bhutan in der eigenen Landessprache. Wenn Ihr mich fragt, klingt es ein bisschen wie eine Mischung aus einem Harry Potter-Titel und einem Gericht auf der Speisekarte beim Chinesen um die Ecke. Letzteres trifft geographisch gesehen auf Bhutan auch wirklich zu. Natürlich nicht ins Form eines Restaurants. Nein, die Volksrepublik grenzt direkt an das kleine Königreich im Himalaya.

Etwas eingezwängt zwischen China und Indien ist das Land hoch droben in den Bergen ungefähr so groß wie die Schweiz. Etwa zwei Drittel davon sind auch heute noch bewaldet. Da in der Verfassung des Königreiches der Umweltschutz einen festen Platz einnimmt – Nachhaltigkeit ist hier das A und O – kann sich Bhutan über einen unglaublichen Floren- und Faunenreichtum freuen. Der Schutz der Umwelt kommt selbst vor wirtschaftlichen Interessen und Vorhaben. Thimphu, die Hauptstadt des Landes befindet sich im vorderen Himalaya auf etwa 2300m Höhe und zählt etwa 80.000 Einwohner. Angeblich ist sie die einzige Hauptstadt der Welt ohne eine einzige Ampel. Einzig zwei Kreisverkehre und einige Polizisten regeln den, ohnehin nicht sehr zahlreichen Verkehr. Die meisten Einwohner Bhutans, wie auch die Königsfamilie, gehören dem tibetischen Völkerkreis an. Staatsreligion ist der Buddhismus und die bhutanische Amtssprache nennt sich Dzongkha.

Womit wir beim eigentlichen Thema dieses letzten Reiseduftartikels angekommen wären. Denn Dzongkha ist nicht nur der Name der Amtssprache des kleinen südasiatischen Binnenstaates, sondern auch der einer Duftkreation Bertrand Duchaufours. Eine Reise in das hochgelegene Königreich mit seinen weit verbreiteten Klosterburgen (Dzongs) inspirierte den unternehmungslustigen Chefparfumeur von L’Artisan Parfumeur zu diesem Düftchen.

Duftnoten: Pfingstrose, Litschi, Kardamom, Chai-Tee, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Leder, Papyrus, Iris.

Da die Ergebnisse auf meiner Haut und dem Teststreifen sehr stark divergieren, möchte auf beide getrennt voneinander eingehen. Zuerst also der Teststreifen, der mich, das muss ich vorwegnehmen, ein bisschen enttäuscht hat. Hier dominieren zuerst intensiv herb-säuerliche Noten, zu denen sich, beinahe schleichend, süß-florale Nuancen gesellen, die schließlich in eine subtil-scharfe Würzigkeit übergehen. Mit der Zeit wird der Duft weicher, cremiger, ja fast milchig mit harzigen und holzigen Anklängen, stark weihrauchig. Viel zu schnell entschwebt Dzongkha dem Teststreifen, so dass ich mehrmals nachsprühen musste, um ihn in allen Facetten wahrnehmen zu können.

Ganz anders dagegen auf der Haut. Hier vernehme ich zuerst einen Duft, der mich spontan an Schnapspralinen denken lässt. Beim zweiten Schnupperer muss ich das allerdings revidieren: es ist Whiskey. Eindeutige Whiskeynoten duften mir da entgegen, würzig untermalt von Kardamom, der deutlich wahrnehmbar ist. Beinahe fließend ist der Übergang zu den Chai-Teenoten, in denen sich der Kardamom immer noch findet, die aber weitaus weicher, ja milchig-süßlicher erscheinen. Buttrige Iris kommt hinzu und unterstreicht in all ihrer erdigen Cremigkeit die warmen Milchnoten des Gewürztees. Doch das Schwertliliengewächs kommt nicht alleine. Im Schlepptau hat sie einen ihrer liebsten Kompagnons: samtig-weiches Leder. In diesem Fall, muss ich sagen, hat das Töpfchen sein Deckelchen gefunden. In harmonischer Eintracht schmiegen sich die beiden Duftnoten aneinander, verschmelzen und ergeben in einer wunderbaren Melange eine dermaßen prächtige Lederiris, so hell, so cremig-weich, dass ich meine Nase nicht mehr von meinem Arm wenden kann. Wunderschön! Lange, lange Zeit bleiben die beiden sich selbst überlassen, genießen ihr duftendes Glück, bis schließlich von Ferne dezente Weihrauchwölkchen vorbeischweben, gespickt mit ein paar salzig-skinnigen Vetivertupfern. Einfach umwerfend!

Ich kann es nicht anders sagen: hin und weg bin ich vom letzten Reisedüftchen, zumindest auf meiner Haut. Ja, Dzongkha und meine Hautchemie liegen wohl auf einer Wellenlänge. Ob da auch das Töpfchen sein duftendes Deckelchen gefunden hat? ;-)

Die warme Jahreszeit ist meiner Meinung nach für den Duft nicht ganz optimal (fast würde ich mir wünschen, es wäre schon Herbst), dafür ist er in der kühleren Hälfte des Jahres absolut alltagstauglich. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen! :-)

Damit wären wir am Ende unseres kleinen Ausfluges in die L’Artisansche Travel-Series. Wie findet Ihr denn die Düfte? An welchem Ort gefällt es Euch olfaktorisch am besten?

Einen schönen Wochenstart wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Himalayan Landscape in Bhutan von Jan und Taktshang von Douglas J. McLaughlin – some rights reserved. Vielen lieben Dank!


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Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 23.07.2010

Huhuu Ihr Lieben,

etwas später als gewohnt, aber immer noch rechtzeitig: Unsere Freitagsverlosung. Fünf Duftpakete wollen gewonnen werden – wenn Ihr eines davon Euer Eigen nennen wollt, schreibt uns einfach bis Sonntag, 24 Uhr, eine Mail mit Eurem Namen und Eurer Adresse an info@ausliebezumduft.de – viel Glück!

Glück… das hatten letzte Woche folgende Leser/innen: Mechthild H., Maike L., Ewald S., Nina Sch. und Burghardt M. – herzlichen Glückwunsch!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch, trotz eventuellem Regen,

Eure Ulrike.

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Jenseits von Afrika

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Holziges am 23.07.2010

Auf unserer zweiten Duftreise entführt uns Herr Duchaufour auf den schwarzen Kontinent, genauer: nach Mali. Der westafrikanische Staat blickt einer düsteren Zukunft entgegen. Ohnehin bereits eines der ärmsten Länder der Welt, breitet sich die Sahara, die bereits zwei Drittel der Landesfläche ausmacht, von Norden her immer weiter gen Süden aus. In den nördlichen Regionen Malis ist daher die Selbstversorgung der Einwohner durch Tierhaltung und Pflanzenbau nur unter äußerst schweren Bedingungen möglich. Im Süden ist die Situation noch etwas entspannter. Es kommt häufiger zu Niederschlägen, was die landwirtschaftliche Lage erleichtert, aber dennoch nicht einfach macht.

In Hinblick auf die heutige Situation des Landes ist es kaum vorstellbar, dass Mali vor einigen Jahrhunderten einmal ein mächtiges und reiches Handelszentrum war, ja, gar eines der wichtigsten Afrikas. Das Reich Mali bezog seinen Reichtum hauptsächlich aus dem Gold- und Salzhandel und den damit verbundenen Transportsteuern. Handelsstädte, wie Timbuktu, strotzten nur so vor wirtschaftlichem Reichtum und kultureller Blüte. Weit über die Landesgrenzen hinweg waren sie berühmt und von einer legendären Mystik umgeben, die sich bis in die heutige Zeit hält. Vom Prunk und der Pracht vergangener Zeiten ist im heutigen Timbuktu kaum mehr etwas zu entdecken. Armut, Arbeitslosigkeit und Bürgerkriege haben ihre Spuren hinterlassen. Die Nachwirkungen lassen so manchen der meist amerikanischen Touristen, die der Stadt mit dem klangvollen Namen einer reichen Vergangenheit einen Besuch abstatten, enttäuscht nach Hause zurückkehren.

Nicht amerikanisch, aber trotzdem Tourist war Herr Duchaufour als er das Land am Niger vor einigen Jahren besuchte. Wie ihm die Stadt rein optisch gefallen hat, darüber haben wir leider keine Auskünfte, aber zumindest muss Timbuktu ein olfaktorisches Erlebnis gewesen sein; inspirierte die Stadt den L’Artisanschen Chefparfumeur doch zu einer gleichnamigen Duftkreation, die schließlich als Teil der bereits mehrfach erwähnten Travel-Series vom französischen Parfumhaus lanciert wurde. Hauptinspirationsquelle war hier wohl das sogenannte Wusulan, eine traditionell-westafrikanische Mischung aus Gewürzen, Hölzern, Wurzeln und Harzen, die zur Heimbeduftung sowie als Parfumersatz dient. Die geheimen Rezepte variieren von Familie zu Familie und werden stets von Mutter zu Tochter weitergegeben. Das Wusulan soll nicht nur für gute Raumluft sorgen, sondern nebenbei auch aphrodisisch wirken und so das Glück und die Liebe in der Familie halten.

Die Duftnoten: Mango, Rosa Pfeffer, Kardamom, Weihrauch, Karo Karounde, Papyrus, Patchouli, Benzoeharz, Myrrhe.

Frisch aufgesprüht dominieren zuerst fruchtig-säuerliche Noten, die ich der Mango zuschreiben würde. Alsbald gesellen sich trocken-scharfer Pfeffer und würziger Kardamom hinzu. Letzterem fehlt hier allerdings die aromatisch-frische Note, weshalb ich in diesem Fall nicht auf grünen Kardamom tippen möchte, sondern mehr auf die würzige schwarze Sorte. Im Hintergrund vernehme ich zart-grünliche Nuancen, die ich auch auf die Mango zurückführen würde. Weihrauch tritt deutlich hervor, umspielt von süßlich-floraler Karo Karounde, die dem balsamisch-würzigen Räucherwerk einen Hauch Exotik verleiht. Papyrus setzt zudem trocken-holzige Akzente. In der Basis sorgen Patchouli und Myrrhe für eine wohlige Wärme, in der ich leicht-zitrische Noten wahrnehme, während Benzoeharz subtil-zartbitterschokoladige Momente erzeugt.

Um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen überrascht ob der doch tatsächlich vorhandenen Leichtigkeit des Duftes. Für einen Weihrauchduft erscheint er mir recht transparent, da hätte ich anhand der Duftnoten und der Wusulan-Assoziation etwas Durchschlagenderes (nicht unbedingt gewünscht, aber doch) erwartet. Überraschend also in Hinblick auf die Intensität. Die Damen und Herren von L’Artisan Parfumeur selbst stufen den Duft als „wild, yet sophisticated“ ein. Ich würde statt wild vielleicht eher ungewöhnlich sagen, aber bei sophisticated stimme ich zu. Elegant, komplex, raffiniert. Timbuktu ist gänzlich entspannt und in sich ruhend; kein Duft, der mit der Tür ins Haus fällt, vielmehr entwickelt er sich langsam und gemächlich (sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut) ohne aufdringlich zu wirken. Und bleibt seinem Träger auch sehr lange erhalten. Selbst nach dem Duschen duftete mein Arm noch deutlich danach.

Ein sehr schön gemachter Weihrauchduft, aber in meinem persönlichen Travel-Series-Ranking muss ich Timbuktu dennoch leider, leider auf den zweiten Platz verweisen; hinter Fleur de Liane, meinen neuen tropisch-grünen Dschungelfreund. :-)

Ein schönes Wochenende wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Caravan approaching Timbuktu in 1853 aus Travels and Discoveries in Northern and Central Africa von Prof. Dr. Heinrich Barth und Incense von Birdy – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Das Wandern ist des Müllers Lust

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 22.07.2010

Und nicht nur des Müllers, nein, auch des Parfumeurs oder besser: des Duchaufours. Selbiger, mit Vornamen Bertrand, reist nämlich unglaublich gerne und viel. Ob er auf seinen weltweiten Entdeckungstouren tatsächlich wandernd unterwegs ist, möchte ich zwar bezweifeln, aber so wie die Arbeit des Müllers heute maschinell und vollautomatisch vonstatten geht, legt man in Alltag und Urlaub die meisten Wegstrecken mittlerweile ja auch auf vier Rädern zurück und nicht mehr ausschließlich auf zwei Beinen. Der unaufhaltsame (und von mir immer gern erwähnte) Fortschritt macht auch vor dem guten alten Volkslied nicht halt, sondern regt viel mehr zu einer modernen Interpretation desselbigen an. ;-)

Der (wandernde oder fahrende) Globetrotter Duchaufour dürfte den geneigten Lesern jedenfalls hinlänglich bekannt sein: Seit 2008 ist er die kreative Chefnase bei der französischen Parfumschmiede L’Artisan Parfumeur. Auf sein Konto gehen diverse L’Artisan-Kreationen wie zum Beispiel Nuit de Tubéreuse, Al Oudh und Mechant Loup, einige Comme des Garçons-Düfte sowie Penhaligons Amaranthine, Eau d’Italies Baume du Doge, Amouages Jubiläumskracher Jubilation XXV, Acqua di Parmas toskanische Zypresse und viele, viele mehr. Ein emsig-kreativer Mann! Tja, wer viel arbeitet, und dann noch kreativ, braucht natürlich Phasen der Erholung. Gerne auch an fremden Orten, die inspirieren, die Phantasie anregen und den schöpferischen Tank reich mit neuen Eindrücken und Ideen füllen. Aus eben solchen kreativen Regenerationsphasen entstand die Travel-Series von L’Artisan Parfumeur: Düfte, die Herrn Duchaufours Erlebnisse und Impressionen einer Reise einfangen und nach seinem subjektiven Empfinden authentisch wiedergeben. Eine dieser Urlaubsschöpfungen haben Constantin und Uli bereits vorgestellt, Havana Vanille. Eine Ode an Kuba, angereichert mit Rum, Vanille, Gewürzen und natürlich Tabak. Karibik-Feeling pur also.

Unser heutiges Reiseziel entführt uns an einen Ort, der nicht allzu weit von Castros Insel entfernt ist: Panama. Der mittelamerikanische Tropenstaat, eingeklemmt zwischen Costa Rica und Kolumbien, ist berühmt für seinen gleichnamigen Kanal, der die Karibik mit dem Pazifik verbindet. Panama ist ein schmaler Landstreifen mit ziemlich viel Küste an zwei verschiedenen Ozeanen und: mit einigen vorgelagerten Inseln. Auf einer solchen, nämlich Bahia Honda, die ich leider trotz intensiver Suche auf diversen Landkarten nicht lokalisieren konnte, machte Herr Duchaufour zur Regenzeit Urlaub. Die Insel dominiert ein dichter Regenwald, der sich dem olfaktorisch-geneigten Besucher üppig-grün und saftig-dampfend präsentierte. Der exotisch-fremde, ja beinahe irreale Duft der wilden urspünglichen Natur beeindruckte Herrn Duchaufour derart, dass er beschloss, ihn in einem Parfum einzufangen. So entstand nach seiner Reise der Duft Fleur de Liane. Seine Eindrücke konservierte er, zumindest optisch, noch während seines Aufenthalts durch Fotographien und zahlreiche Aquarelle, die ihn in der so gegensätzlichen, da vollzivilisierten und zubetonierten Pariser Heimat an die mittelamerikanische Dschungelatmosphäre erinnern sollten.

Die Duftnoten: Grüne Noten, Fruchtige Noten, Guave, Magnolie, Tuberose, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Guajakholz.

Fleur de Liane beginnt grün, grüner, am grünsten. Selbst der Superlativ vermag die Üppigkeit des Auftakts nur rudimentär zu erfassen. Saftig-grüne Noten schillern mit fruchtig-feuchten Nuancen um die Wette. Ganz subtil vermag ich eine herbe Säuerlichkeit wahrzunehmen, die ich ganz frech der Guave in die Schuhe schieben möchte. Außerdem rieche ich eindeutig Banane heraus oder vielmehr: den Duft einer knackigen, da noch deutlich grünen Bananenschale, der sich im Moment des manuellen Aufbrechens eben jener mit den transparent-süßlichen Noten des jungen Bananenfruchtfleisches vereint. Als Liebhaber grünlicher Bananen, frohlocke ich an dieser Stelle. Lecker! Im Auftakt ein echter Kracher, wenn auch ein recht monochromer, beruhigt sich der Duft im weiteren Verlauf. Im Herzen dominieren florale Noten: Magnolie und Tuberose bringen deutlich aquatische Tendenzen und eine süßliche Cremigkeit mit ins Spiel. Allerdings präsentiert sich das Herz, im Gegensatz zum opulenten Auftakt, insgesamt eher dezent und zart. Die sonst häufig wuchtbrummig umgesetzten Weißblüher zeigen sich hier von einer transparent-ruhigen, ja beinahe kontemplativen Seite. Und so können sie sich auch ganz entspannt auf das leichte und helle Lager niederlassen, in welchem sich Vetiver, Zedernholz und Patchouli ein erdig-holziges Stelldichein geben, während Guajakholz im Hintergrund rauchig-florale Akzente setzt. Bravissimo!

Meines Erachtens ein wirklich sehr schöner Duft, erfrischend und gelassen zugleich. Ein idealer Alltagsbegleiter für das momentane sommerliche Wetter.

Tja, wenn das die mittelamerikanischen Dschungelimpressionen von Herrn Duchaufour sind, kann ich nur sagen: „Oh, wie schön ist Panama!“

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Costa Rica Santa Elena Skywalk von Dirk van der Made – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Parfums Edition 2005 Macht Lust auf Duft
Freitagsverlosung.


Frenchman in NY.

Geschrieben in Blüten, Fruchtiges, Gourmand am 21.07.2010

Heute geht es weiter mit den restlichen beiden Düften aus Honoré des Prés We love NY-Kollektion.

Love Coco – Inhalation interdite, Inhalation verboten… Das „Gegengift“ zu all jenen „exotischen Gefahren“, nämlich: Kokos(milch) „pur, würzig, raffiniert“, im „Duell“ oder besser: Zusammenspiel mit Korianderblättern. Vielleicht auch – Liebesspiel, dazu erzählt das Pressematerial nämlich noch eine verschwirbelte Liebesgeschichte über eine heldenhafte Malaysierin. Nun, in jedem Falle soll Love Coco pikant sein, verheerend verführerisch und natürlich auch opulent.

Bevor ich den Duft teste, sollte ich vielleicht auf ein kleines Dilemma hinweisen: Die einzige, wirklich einzige Form, in der ich Kokos mag, ist – Bounty. Dieser kleine Schokoriegel mit seiner weißen Kokosfüllung, der mich durch die halbe Kindheit begleitet hat und den ich verschiedentlicher Reminiszenzen zuliebe immer noch all Schaltjahr verzehre. In Düften treibt mich Kokos regelmäßig in die Flucht – zu süß, zu klebrig, zu…

Bei Love Coco scheint sich das Naturdüftekonzept auszuzahlen: Vielleicht lag es bisher einfach nur an der Synthetik, die mich bei Kokosnoten oft angstvoll zurückschrecken ließ, an den vielen Kokosdeos (Wer zum Teufel kam eigentlich auf die Idee, Transpiration mit KOKOS zu übertünchen?) – ich mag Love Coco. Ok, es wird keine große Liebe werden, aaaaber… ich würde ihn tatsächlich tragen, das ist schon mehr, als ich vermutet hätte.

Eine Kokosnuss in Gänze erfaßt: Nussig-würzig und mit holzigen Anklängen, die einem ein Bild ihrer Schale vermitteln sowie cremiger Kokosmilch mit einem Hauch nicht zu süßer und auch nicht zu würziger Vanille verfeinert – lecker. Dazu Korianderblätter, die dem ganzen einen grünen und subtil pfeffrigen Frischekick bescheren – ehrlich gesagt sehe ich die Korrelation zu NY nicht ganz, aber vielleicht liegt das auch schlicht und ergreifend daran, daß ich noch niemals dort war, um mit den Worten von Udo Jürgens zu sprechen.

Frau Giacobetti aber wohl, ist sie doch gerade erst dorthin gezogen – nun, als frisch gebackene New Yorkerin wird sie es besser wissen… Das ist aber an dieser Stelle vollkommen egal. Love Coco ist ein unbeschwerter, beschwingter und fröhlicher Sommerduft, der sich um eine subtile, nicht im mindesten prollige Kokosnuss dreht und sicher dem einen oder anderen auch den Kopf verdrehen wird.

Vamp à NY – eine „artistische“ oder auch „künstlerische Performance“, Frausein, nackte Haut in der (be)rauschenden Nacht, Fragilität und Wollust, magische Momente, Sehnsucht, brennendes Verlangen nach dem Unerreichten… Na? Klingelt es? Was mag das wohl für ein Düftchen sein? Jaaa, richtig: Eine Tuberose, die Trendblüte dieses Sommers.

Giacobetti gibt keine Noten für ihren Duft an und verwirrt mich damit zutiefst: Denn diese Tuberose ist – eigenartig und bemerkenswert. Gleich im Auftakt offenbart sie zuerst Zuckerwattenoten, um dann die typischen pinkfarbenen Kaugumminoten, die den Tuberosenklassiker von Piguet, Fracas, so bekannt machten (und Madonna süchtig, nebenbei bemerkt) nachzuschieben, die allerdings auch nicht von Dauer sind. Sie gehen über in – glaubt es, oder glaubt es nicht – Karamalz. Ich rieche Malzbier. Das allerdings scheint eine Fata Morgana zu sein oder der Auftakt einer langen durchzechten Nacht, denn es wird alsbald von Rumnoten überlagert. Dazu gesellt sich eine geröstete Note sowie dezente grüne Banane(blätter) und die für Tuberosen typischen cremigen Kokosanleihen, die in diesem Falle auch Würzigkeit stiften. Im Herzen trägt Love Coco noch mehr Blüten als nur die Tuberose, ich tippe auf Frangipani, Ylang-Ylang und/oder eine Orchidee. Darüber hinaus tritt das geröstete im Duftverlauf ein wenig mehr in den Vordergrund, rauchig-würzig – könnte sich um ein Harz handeln, ich bin mir allerdings nicht sicher. In jedem Falle vermute ich noch einige Gewürze am Rande des Geschehens.

Für einen Giacobetti ist Love Coco Vamp à NY eine echte Überraschung – ist man doch (von Dzing mal abgesehen) sonst eher klare, transparente und luzide Düfte von der Dame gewöhnt scheint sie sich hier mit ihrem Lubin-Werk Idole beduftet hinaus in die Untiefen der New Yorker Nacht gestürzt zu haben, Hals über Kopf… Ich will gar nicht wissen, wo, wie und wie lange sie dort umhergezogen ist – wenn das das Ergebnis einer solchen Nacht war, war jene sicher respektabel.

So empfinde ich auch den Duft: Sehr besonders wird er sicher nicht jedem gefallen, es lohnt sich aber, hier einen Blick oder besser: eine Nase drauf zu werfen. Frau Giacobetti’s getting sexy – try it!

Bemerkenswert sind an der Kollektion im übrigen noch zwei Dinge, die originelle Verpackung und die Haltbarkeit. Als Umverpackung ließen sich Honoré des Prés etwas Besonderes und wahrscheinlich auch New York oder zumindest Amerikatypisches einfallen – die Schachtel, natürlich auch zu 100% organischen Ursprungs mutet an wie die Tasse eines Coffees-To-Go, dieses amerikanischen Phänomens, welches mitsamt der Kultkette Starbucks aus den Staaten herüberschwappte. Die Haltbarkeit der Düfte ist, entgegen dessen, was man im Zusammenhang mit dem Namen Giacobetti gerne mal vermutet und komplett natürlichen Düften gerne unterstellt, ziemlich gut.

Zum Abschluß habe ich hier noch einen Videoclip zur Produkteinführung mit dem Art-Director – auf englisch:

Einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Coconut von JGPHOTOS / Juliano Gribel via stockx.chng – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis
Drei sind einer zuviel


Der Dandy, der NY liebte…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges am 20.07.2010

In schöner Rosseauscher Back-To-Nature-Manier hatte sich die französische Firma Honoré des Prés vor nicht allzu langer Zeit auf dem Markt präsentiert: Nach eigener Aussage „Truly Organic – Terribly French“ wie sie verlauten ließen. Zu 100% natürliche Essenzen, natürlich unter Verzicht auf jegliche Tierversuche hergestellt – damit liegt man ganz im Loha-Trend. Und wenn man dann noch Olivia Giacobetti mit ins Boot holt, um auch zu 100% den Anspruch des Parfumeurshandwerks zu erfüllen kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen…

Ich hatte die ersten fünf Düfte des Labels bereits vorgestellt, nun hat der Honoré uns drei neue beschert: I love les Carottes, Love Coco und Vamp à NY, allesamt Bestandteil der We love NY-Serie.

Ein Name, der mich nicht weiter verwundert – wer liebt NY nicht gerade, die Stadt, in der es in der City sexelt, deren Fan-T-Shirts zum Fashion-Item wurden und deren Anhänger, die sich als addicted, als süchtig „outen“ schon alleine deswegen als Trendsetter gelten… Riecht ein wenig nach zur rechten Zeit am rechten Ort – genauso wie die ganze Geschichte hinter der Firma, die sich als Familienunternehmen bezeichnet.

Ich hatte es bereits in einem früheren Artikel geschrieben und erspare Euch das Blättern, indem ich mich selbst zitiere – an der Aktualität dieser damaligen Aussage hat sich für mich nichts geändert:

Mich würde ja brennend interessieren, ob die angebliche Gründerfamilie, von der im gesamten Pressematerial die Rede ist, tatsächlich existiert, oder ob sie frei erfunden wurde, ob sämtliche Familienmitglieder sowie deren Episoden, Zitate ein Marketingkniff, -gag sind oder nicht. Fotos sucht man nämlich überall vergeblich. Alles mutet aristokratisch und zugegebenermaßen dadurch auch ein wenig pseudo-elitär an. Zumal der Name auch verdächtig an die beiden Pariser Quartiere Faubourg Saint-Honoré sowie Saint-Germain-des-Prés erinnert, ersteres bevorzugtes Wohnviertel des Adels und zweiteres das Viertel der aufstrebenden Bourgeoisie im 18. /19. Jahrhundert, von Balzac und anderen gerne beschrieben und heute zwei Luxusviertel. Der Honoré selbst wird, sollte es ihn den geben, als ein französischer Dandy in allerbester Wilde-Manier beschrieben, nämlich als, ich zitiere, „eternal Bohemian teenager” sowie als „highly talented night reveller and rich landowner, who is still searching for his muse”, der darüber hinaus ein Faible für Yoga hat. Alles klar? Da fragt man sich ja schon mal… sollte ich einmal nähere Infos dazu finden, reiche ich diese selbstredend nach.

Infos habe ich dazu immer noch keine, wenn es diesen französischen Schöngeist tatsächlich geben sollte, darf er sich gerne für ein nachmittägliches Philosophieren mit Kaffee bei mir melden. Ich habe aber auch gegen Champagner nichts einzuwenden, wenn er den schon so gerne trinkt, wie das Pressematerial zu den neuen Düften verrät… Egal, kommen wir zu den Düften.

I love les Carottes ist irgendwie, wer hätte es anders gedacht, auch ganz schön modisch: Die Karotte, früheres Lieblingsutensil unserer kleinen Haustierchen und gerne von Muttern verordnet („Ist sooo gut für die Augen“…) zeigt sich mittlerweile als Bestandteil trendiger Kosmetikprodukte. Warum also nicht auch mal einen Duft? Düfte mit Karottensamen kenne ich, ja, wenn auch nicht viele. Und es sind bei einigen in der Tat abstrakte Karottennoten herauszuriechen.

I love les Carottes enthält nicht nur Karottenblütensamen sondern auch Orange, Vanille und Irisbutter. Frisch aufgesprüht springen einen erstmal alkoholische Noten an, die alsbald gehörige Karottenassoziationen aufkommen lassen: Holzig-trockene Karotte, die knackt beim Zerbeißen, und diese diffuse, seltene Süße offenbart, welche so schlecht zu beschreiben ist, da sie in dieser Form nur der Karotte innewohnt. Eine subtile Fruchtigkeit wabert im Hintergrund, welche man, wenn man es weiß, durchaus der Orange zuschreiben kann. Dazu gesellt sich alsbald cremig-buttrige Iris mit der ihr eigenen erdigen Komponente, gleichermaßen aber auch auf ihre samtige Pudrigkeit bedacht – selten, daß beide Facetten innerhalb eines Duftes so herausgearbeitet werden. Gewisse Anklänge des Duftes von Kosmetikprodukten wie Puder oder Lippenstift sind aufgrund dieser Irisinterpretation ebenfalls vorhanden (Wir erinnern uns: In Moulin Rouge von Histoires de Parfums war dieser Aspekt kongenial umgesetzt). Anfänglich ist I love les Carottes deshalb durchaus heftig: Karotte, knarzige, die sich umgehend in einer Karottensüße-Explosion entlädt, begleitet von ebenjenen Irisnoten. Im Verlauf des Duftes beruhigt sich das Geschehen etwas, der Duft wird ein wenig (karotten)holziger und weicher – letzteres definitiv einer nicht allzu dominanten Vanille geschuldet.

Ehrlich gesagt nötigt mir dieses Düftchen einiges an Respekt ab: Ich hätte nicht gedacht, daß man in der Lage ist, eine Karotte olfaktorisch dermaßen authentisch einzufangen. Mir persönlich ist der Duft schlicht – zu karottig. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, daß es für dieses Gemüse diverse Fans gibt, die sich genau einen solchen Duft immer gewünscht haben – so, wie ich eben auf zum Beispiel Rhabarber abonniert bin, so, wie einige andere auf diversen Boards zum Beispiel nach einem authentischen Kamilleduft oder einem Sonnencremeduft suchen. Für jene ist er sicher ein Traum. Und für den Rest durchaus testenswert – wer weiß, vielleicht entpuppt sich der eine oder andere ja noch als bekennender Karottenfan und/oder Karnickel?

In diesem Sinne, die restlichen beiden Düfte gibt es morgen – bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Carots von Ninad Shelar via stockx.chng, I Love NY-Logo der Stadt New York via Wikicommons – vielen lieben Dank!

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