Heute stehen drei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen ausdrucksstarke holzige Nischendüfte auf dem Programm: Timber von Amouage, Oud Zarian von Creed und Tales of Amber von Goldfield & Banks. Kompositionen, die sich dem Thema Holz jeweils auf eigene Weise nähern – mal klar und strukturiert, mal dunkel und opulent, mal warm und erzählerisch.
Den Auftakt macht heute Timber vom omanischen Dufthaus Amouage, das euch sicherlich allen ein Begriff ist. Anschließend widmen wir uns Oud Zarian von Creed, um abschließend die neueste Kreation der australischen Marke Goldfield & Banks genauer unter die Lupe zu nehmen.
Timber von Amouage – Ein Herz aus Holz
Als Bestandteil der Library Collection trägt Timber von Amouage den Beinamen Opus XVI. Das 16. Werk der Linie wurde vom Parfümeur Alexis Grugeon geschaffen. Ein weiterer Duft, der sich voll und ganz dem Thema Holz widmet. Der Pressetext spricht von „monumentaler Wucht“, von einer „starken, robusten, mutigen Ausstrahlung von Hölzern“. Große Worte also. Die Frage ist: Was bedeutet das auf der Haut? Erwartet uns ein wuchtiger, dunkler Holzduft oder eine klar strukturierte Komposition, in der die feinen Nuancen verschiedener Hölzer präzise miteinander verwoben sind?
Kopfnote: Zypresse, Kardamom, Rosa Pfeffer, Kakao
Herznote: Lavendel, Tannenbalsam, Weihrauch
Basisnote: Palo Santo, Bourbon-Vanille, Sandelholz, Zedernholz, Patchouli
Timber von Amouage im Test
Frisch, klar und zart-würzig startet Timber in den Duftverlauf. Die Zypresse evoziert zitrisch-koniferige Nuancen, die wunderschön mit trocken-scharfem Pfeffer und grünlich-aromatischem Kardamom harmonieren. Krautig-herber Lavendel ist deutlich wahrnehmbar, vermischt sich mit weiteren Nadelholznoten und kühlem Weihrauch. Luftig, transparent, von hellen, clean anmutenden Hölzern geprägt und von würzigen Akzenten untermalt. Im Ausklang wandelt sich der Duft: Er wird etwas süßer, tiefgründiger und wärmer. Die anfängliche Frische verfliegt und cremig-samtige, pudrig-balsamische Holznoten übernehmen das Ruder.
Timber von Amouage ist eine wunderschöne Holzkomposition, die mit frischen, würzigen und dezent rauchigen Nuancen beginnt und sich im Verlauf zunehmend weich und behaglich zeigt. Fein ausbalanciert und meisterlich komponiert, ist das Eau de Parfum ein stimmiger Unisex-Begleiter für die kühlere Jahreszeit, der dank seiner mittleren Präsenz und der guten Haltbarkeit durchaus zu jeder Gelegenheit getragen werden kann.
Oud Zarian von Creed – Keine Kompromisse
Ganze 80 Jahre gereift ist das Oud, das in Oud Zarian zum Einsatz kommt: Choron-Oud aus den Wäldern Bangladeschs, gewonnen aus einer besonders seltenen und hochwertigen Quelle. Ein Rohstoff, der sinnbildlich für das steht, was Creed mit diesem Duft zeigen möchte – kompromisslose Qualität und handwerkliche Präzision. Entsprechend selbstbewusst liest sich auch der Pressetext. Creed spricht von einem „Gütesiegel für Exzellenz“ und davon, dass Oud Zarian für all jene geschaffen wurde, „die zu schätzen wissen, dass wahre Kunstfertigkeit Zeit braucht“.
Kopfnote: Bergamotte, Gewürze, Weihrauch, Ingwer
Herznote: Provence-Rose
Basisnote: Adlerholz (Oud), Patchouli, Sandelholz, Myrrhe, Süßholz (Lakritze), Tonkabohne
Oud Zarian von Creed im Test
Oud Zarian ist von Beginn an unglaublich präsent, ausdrucksstark und üppig. Anfangs noch von einer fein-würzigen Frische durchzogen, ist der Protagonist dieser Komposition schnell ausgemacht: Oud. Samtig, sinnlich und sehr reichhaltig zeigt sich das Adlerholz hier ganz anders als die ledrig-rauchigen oder medizinisch-knarzigen Varianten, die mir bisher so unter die Nase gekommen sind. Die Rose fügt sich stimmig in diese Melange ein und bringt eine gewisse Leichtigkeit in die Komposition, bleibt insgesamt jedoch eher im Hintergrund. Ein feiner Hauch von Lakritze durchzieht Oud Zarian, während Myrrhe, Sandelholz und Tonkabohne dem Duft balsamisch-warme und würzig-süße Facetten verleihen.
Oud Zarian ist ein Eau de Parfum für alle, die intensive Düfte und hochwertiges Adlerholz schätzen. Sehr präsent und mit einer außergewöhnlichen Haltbarkeit ausgestattet, ist diese Kreation sicher kein Crowdpleaser – das muss sie auch gar nicht sein. Kraftvoll und ausdrucksstark, dabei zugleich samtig, warm und mit durchaus behaglichen Nuancen versehen, ist Oud Zarian ein Duft, der Zeit braucht. Wer ihm diese Zeit gibt, wird mit einer vielschichtigen, tiefen und langanhaltenden Komposition belohnt.
Tales of Amber von Goldfield & Banks
Der Name lässt es bereits vermuten: Tales of Amber stellt Ambra ins Zentrum der Komposition. Daneben findet sich auch Adlerholz, das dem Duft Tiefe verleiht und ihn in den Kontext dieses Beitrags einordnet. So entsteht eine weitere, deutlich weichere Annäherung an das Thema Holz. Kreiert wurde der Duft von der Parfümeurin Suzy Le Helley, die man unter anderem von Black Guava von BORNTOSTANDOUT und Acne Studios von Frédéric Malle kennt. Mit Tales of Amber zeigt sie eine weitere, spannende Facette ihrer Arbeit.
Kopfnote: Moos, Orangenblüte
Herznote: Iris, Zimt
Basisnote: Labdanum (Zistrose), Moschus, Ambra, Adlerholz (Oud), Vanille
Tales of Amber von Goldfield & Banks im Test
Pudrig-mineralische und erdige Nuancen eröffnen Tales of Amber, und schnell wird klar, dass Iris im Auftakt der Kreation einen nicht zu verachtenden Stellenwert einnimmt. Das Adlerholz zeigt sich früh im Duftverlauf und umgarnt die edle Schwertlilie mit rauchig-holzigen und cremigen Akzenten, bleibt insgesamt jedoch eher zurückhaltend und reduziert. Wärme suche ich im Opening bislang vergeblich – kühl, klar und fast minimalistisch wirkt die Komposition, transparent und sehr aufgeräumt. Mit der Zeit wandelt sich jedoch auch Tales of Amber. Die Iris bleibt präsent, doch warme, holzige Nuancen treten zunehmend in den Vordergrund und verschmelzen mit ihr. Orangenblüte bringt zart-fruchtige und geschmeidig-weiche Facetten ins Spiel, während die anfängliche Kühle allmählich zurücktritt. Mit pudrig-kristallinen und cremig-rauchigen Akzenten klingt das Extrait de Parfum schließlich aus.
Die neueste Kreation von Goldfield & Banks richtet sich an alle, die holzige, pudrige und würzig-cremige Düfte schätzen, die auf Iris, Ambra und Adlerholz aufbauen. Sehr ausgewogen und harmonisch komponiert, zeigt sich Tales of Amber elegant, modern und in sich stimmig. Die Präsenz ist mittel, die Haltbarkeit ausgezeichnet. Wer für die kühlere Jahreszeit einen ruhigen, dennoch ausdrucksstarken Duft sucht, sollte diese Komposition im Blick behalten. Weitere Herbst- und Winterdüfte findet ihr hier.
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