Mit den Rosen ist es ja so eine Sache. Es gibt sie in so vielen Arten und Kombinationen, dass man gar nicht pauschal sagen kann, ob man Rosendüfte mag oder nicht. Von pudrig-seifig mit Rüschchen über kühl und distanziert bis hin zu spirituell oder gar brachial in Verbindung mit Oud. Spontan kommen mir zwei Berichte in den Sinn, die ich hier vor längerer Zeit geschrieben habe. „Echte Kerle: Caracenis Maßanzug aus Eau de Toilette“ von 2011. Dort fragte ich ganz naiv: „Ein Rosenduft für Herren, geht das?“ Um genau dies festzustellen. Leider gibt es ihn nicht mehr. Ein Jahr später habe ich von „Parfums de Rosines Slam Dunk“ fabuliert“ und einen Rosenduft mit dem Basketballspieler Derrick Rose verknüpft. So wild halluziniert aktuell nur noch die KI.
Heute halte ich mir zwei Rosendüfte der französischen Marke Marie Jeanne unter die Nase und bin guter Dinge, dass ich moderne Vertreter der „Königin der Blumen“ entdecken werde.
Rose Shiso – so geht Rose immer
Rose Shiso macht kein Geheimnis daraus, dass wir es hier mit der Kombination von Rose und Shisoblättern zu tun haben werden. Doch was war Shiso noch einmal? Die Pflanze heißt auch Perilla (Perilla frutescens). Das ätherische Öl aus den Blättern soll einen würzigen und grünen Charakter haben und an Kumin erinnern.

ローズシン steht auf dem Etikett, was wohl „Rōzu Shin“ heißt. Wer ist des Japanischen mächtig und kann diese Kanji deuten?
Nun aber zum Duft selbst. Die Rose lässt gar nicht auf sich warten und zeigt sich sofort. Pudrig, floral und hell. Keine Schwere, Frische, Sauberkeit und Transparenz (dank Magnolie), nehme ich wahr. Vor allem auf der Haut kommen die Blätter zum Vorschein, grün, etwas krautig, aber ohne Kuminnoten, was ich erleichtert zur Kenntnis nehme. Auch wenn die Duftnoten (s. u.) etwas anderes vermuten lassen, Rose Shiso ist minimalistisch und überhaupt nicht komplex. Stellt euch einfach eine krautig-grüne Rose vor. Die Grundstimmung ist hell, positiv und – ich weiß, das Bild wurde äußerst oft bemüht, aber hier trifft es zu – ein Spaziergang durch einen Rosengarten. Nach einiger Zeit treten die Blätter etwas zurück und es kommen passende Hölzer heraus.
Rose Shiso ist etwas für die wärmere Jahreszeit und dank seines Minimalismus unisex. Rose lehnt sich aber doch immer ein bisschen in die weibliche Richtung. Ich finde, der Duft ist ein schönes Beispiel, wie Rosendüfte auch heute ohne historischen Ballast funktionieren. Absolut modern!
Die Duftnoten von Rose Shiso
Kopfnote: Shiso (Perilla) Blätter, Bulgarische Rose, Magnolie
Herznote: Provence-Rose, Iris, Virginia-Zedernholz
Basisnote: Türkische Rose, Sandelholz, Texas-Zedernholz
Aus dem Schuhkarton: Au Pied du Rosier
Auf Au Pied du Rosier habe ich mich noch ein bisschen mehr gefreut. Ich finde die Idee einfach unglaublich gut. Hier hat das Haus die Freude über ein neues Paar Sneakers in einen Duft übersetzt. Wie das gehen soll? Wir werden sehen.
Karine Vinchon hat hierfür eigens einen „Neuer-Sneaker-Akkord“ kreiert, der auch „New Basket“ genannt wird, denn es entsteht der Eindruck von Gummi, Plastik, Farbe, Mandel und Orangenblüte. Das Gefühl, wenn man einen Schuhkarton zum ersten Mal öffnet. Dazu Rose, Rosa Centifolia nämlich, auch als Provence-Rose bekannt.

Ist das gut! Der erste Riecher vom Duftstreifen versetzt mich direkt in ein Sportgeschäft, wo es nach Gummisohlen, Fußbällen und Badelatschen riecht. Und nicht eine abstrakte Interpretation von Gummi, nein, Gummi! Natürlich kommen auch schon ein paar Rosenakzente durch und man ahnt, dass hier vielleicht auch ein paar Harze oder balsamische Noten hineinfunken werden. Also auf die Haut damit. Hier knüppelt Gummi nicht ganz so derbe rein. Man nimmt Safran deutlich wahr, die Mandarine muss ich suchen. Dafür geht das Ganze nun doch in die bekannte Oud-Rose-Kombination mit Safran. Diesen Teil kennt man, aber die synthetische Note des Gummi-Plastiks bricht das Bekannte auf und macht daraus eine überaus spannende Kreation. Ich liebe es, wenn man den Assoziationen nachgehen muss und nicht so genau weiß, woher sie kommen.
Das ist kein ganz einfacher Duft, vor allem wenn man gerade den minimalistischen Rose Shiso unter der Nase hatte. Aber ich bin ein großer Verfechter mutiger Ideen und der Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren. Alles andere ist Nachahmung.
Die Duftnoten von Au Pied du Rosier
Kopfnote: Mandarine, Safran
Herznote: Provence-Rose, Gummi
Basisnote: Sandelholz, Adlerholz (Oud), Labdanum (Zistrose)
Mein Fazit: heute hatte ich die Rose in zwei komplett unterschiedlichen Ausrichtungen vor mir und wirklich beide haben ihren eigenen Reiz. Rose Shiso geht absolut als Alltagsbegleiter oder Büroduft, Au Pied du Rosier ist trotz seiner anfänglichen Sneaker-Note tragbar und nicht zu nischig, um ihn nicht auch jeden Tag tragen zu können. Wieder einmal eine große Testempfehlung!
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