Ab in die Allee – Tilia von Olfactive Pharmacy aus Köln …

… ist der dritte und vorerst letzte Duft der Marke der Apotheker Holger und Oliver Dubben und huldigt der Linde. Für diejenigen, die die Markenvorstellung nebst Rezension zu Betula, ihrem Birkenduft verpasst haben, seht hier. Den zweiten Duft der bisher aus einem Trio bestehenden Parfumkollektion ist Salvia, dem Salbei verpflichtet und gestern hier bei uns unter die olfaktorische Lupe genommen – klick.

Die heilige Linde – Tilia

 

„Lindenblüten sind aus der Naturheilkunde nicht wegzudenken – als Tee wirken ihre Öle lindernd gegen Reizungen der Atemwege und beruhigend bei Stress. Dieser außergewöhnliche Duft verfeinert ebendiese Ansätze hin zu einem besonders subtilen Wohlgeruch. Mit feinsinniger Süße und dezent blumiger Honignote lässt Tilia von Olfactive Pharmacy Köln jeden Stress abperlen. Es erscheinen wohltuende Assoziationen von lauen Sommernächten, rauschhaft warm und wohlig, einlullend in harmonische Geborgenheit. Zugleich wirkt seine Frische des jungen Frühsommers animierend und anregend egal zu welcher Jahreszeit. Es entsteht eben jene Balance, die eine Kraft in der Ruhe beschreibt und seinem Träger oder seiner Trägerin verleiht.“

Die Ingredienzen:
​Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Kardamom, Magnolie, Freesie
Herznote: Lindenblüte, Rosenöl bulgarisch, Jasmin Sambac, Bienenwachs
Basisnote: Amber, Tonkabohne, Zedernholz, Moschus

Parfumeur: Mark Buxton

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Tilia, das sagt der Name schon, ist eine Hommage an die Linde, ganz klar – ein Linden(blüten)Duft, wie schön! Ich liebe Linde, Lindenbäume, selbst den meist nur bei fiebrigen Erkältungskrankheiten literweise zu konsumierenden Lindenblütentee. Vor allem aber Lindenblüten in Düften. Einer meiner All-Time-Favoriten ist mir bezüglich meiner Nischenduftliebhaberei und -laufbahn recht früh in den Schoß gefallen – die Rede ist von Parfums d’Orsays Tilleul.

Tilleul ist ein gar reizendes duftendes Kleinod, das schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat – 1995 neu aufgelegt und von Olivia Giacobetti behutsam reformuliert, stammt das Original, je nach Quelle, aus dem Jahr 1915, eventuell auch etwas später. Tilleul, die nicht mehr ganz neue Neuauflage, ist leider mittlerweile vergriffen, was vielleicht daran liegen kann, dass es um Parfums d’Orsay ebenfalls sehr still geworden ist. Ich meine, dass sie gar nicht mehr produzieren, sehr zu meinem Bedauern. Tilleul kann ich Euch wärmstens ans Herz legen, solltet Ihr noch ein Exemplar davon finden. Ich habe ihn bereits vor zehn Jahren hier rezensiert, und zwar folgendermaßen:

„Tilleul hat, zumindest auf meiner Haut, keinen großartigen Duftverlauf im Sinne von verschiedenen, vielleicht komplementären Stadien. Sicher sind bestimmte Abstufungen zu riechen, allerdings entfaltet sich Tilleul sehr schnell und bleibt sich größtenteils treu – und das ist in diesem Falle auch gut so: Der Duft offenbart sanftes Grünblättriges in Kombination mit leicht aquatisch anmutenden Noten von Wassermelone sowie Lindenblüte – die olfaktorisch perfekteste, weil absolut authentische Umsetzung von blühender Linde, abgerundet durch trockene Heunoten mit einem Hauch honigsüßen Bienenwachses und einer subtilen kräutergleichen Herbheit durch Engelwurz.

Tilleul ist für mich einer der schönsten Frühjahr/Sommerdüfte, die es überhaupt gibt. Ich könnte jedes Mal heulen, wenn ich ihn rieche und ich hoffe sehr, daß er nicht irgendwann wieder vom Markt verschwindet, denn er gehört zu den Düften, die ich immer in meiner Sammlung „brauche“ (ja: BRAUCHEN). Tilleul duftet unvergleichlich nach Sommer und nach Sonne, nach einer einsamen Allee auf dem Land, gesäumt von unzähligen Lindenbäumen – und riecht somit wie eine Kindheitserinnerung, ein Traum, wirklich. Friedvoll und entspannend, ein wenig melancholisch und Emotionen weckend …“

In meinem privaten Duftregal steht noch ein weiterer Lindenblütenkandidat, und zwar der ebenfalls sehr schöne und zudem überaus preisgünstige Ombra di Tiglio von L’Erbolario. Für diejenigen, die die Marke nicht kennen – eine Art italienische Variante von L’Occitane mit diversen eigenen Geschäften in Italien, die bei uns nur sehr begrenzt erhältlich ist. Auch hier gilt – gerne zugreifen, ich weiß nicht, ob er noch in Herstellung ist. Bei um die 20, 25 Euro für 100 ml vielleicht ein Blind Buy, wenn man Lindenblüten mag 🙂

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Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass es da draußen einige Lindenblütenduftfans geben sollte – umso mehr wundert mich, dass mir, wenn ich einmal mehr und einmal wieder darüber nachdenke, gar nicht mal so viele diesbezügliche Düfte einfallen wollen neben den bereits genannten: Jo Malones French Lime Blossom kommt mir in den Sinn sowie Floris Limes (yep, nix Zitrönchen, Lindenblüten :)), darüber hinaus Acca Kappas Tilia Cordata, 1A-33 von Schwarzlose Berlin sowie zwei Mal L’Artisan Parfumeur, in denen Lindenblüten prägnant vorhanden sind – L’Été en Douce und La Chasse aux Papillons. Bei „unseren“ Indie-Parfumeuren finden sich überraschenderweise vergleichsweise viele in den Flakon gebannten Lindenblüten: Andy Tauers Zeta (der meines Wissens nach nicht mehr erhältlich ist), Annette Neuffers Sonnet 18 und Unter den Linden von April Aromatics sowie Harry Lehmanns Lindenblüte. Und da verließen sie ihn – mehr fallen mir nicht ein, Euch?

Wie sieht es denn aus, meine Lieben? Habt Ihr auch diese Lindenblütenassoziation eines lauen Sommertages, Cabriofahren oder Radeln oder Reiten in einer von Linden gesäumten Allee, die Luft geschwängert vom Duft der unzähligen, kleinen, honigsüßen Blüten? Für mich duftet Linde friedlich und friedvoll, sonnig, lebensfroh, heiter, ausschließlich positiv besetzt also.

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Schauen wir mal, wie Mark Buxton die Linde interpretiert hat … Schön, sehr schön, kann ich nur sagen. Erwartungsgemäß, nachdem ich mir bereits zwei von drei Düften der Olfactive Pharmacy unter die Nase klemmen durfte, zeigt sich auch der dritte Duft im Bunde von gleichermaßen authentischer Natur wie seine Vorgänger. Nichts artifiziell Anmutendes wohnt im inne, was mir nicht nur ganz generell, sondern auch im Hinblick auf das Konzept der Marke überaus gut gefällt. Das soll nicht heißen, dass er komplett aus natürlichen Ingredienzen hergestellt ist, derlei Düfte empfinde zumindest ich in vielen Fällen als etwas zu … wenig facettiert, möchte ich behaupten. Aber er duftet null synthetisch im Sinne von künstlich.

Lindenblüten, zarte, im Wind, eine sachte Brise, die deren Duft herüberträgt – floral, unbeschwert, sanft. Ganz sacht taubenetzt, wofür die gerne einmal wässrig wirkenden Magnolien und Freesien im Kopf verantwortlich sind, darüber hinaus von einer leisen Zitrusfrische geküsst, die aufgrund ihrer zurückhaltenden Art perfekt harmoniert. Nektarsüße und ein Klecks köstliches Bienenwachs nebst Spuren von (Lindenblüten)Honig, darüber hinaus von lichten pastellgrünen und hintergründig herben Tupfern gleich Blattwerk eingerahmt, zeigt sich Tilia untermalt von einem klitzekleinen Quentchen würziger Tonkawärme, gerade genug, um Sonnewärme nachzuahmen. Moschus zeichnet weich, rundet den Duft gelungen und unaufdringlich ab.

Tilia ist ein Wohlfühlduft, ein Seelenschmeichler von positiver Ausstrahlung, der fröhlich stimmt – genau so, wie ein Lindenblütenduft sein soll. Daumen nach oben, Herr Buxton!

… und, meine Lieben, was haltet Ihr von Olfactive Pharmacy? Gefällt Euch das Packaging, haben Euch die Düfte oder vielleicht auch ein bestimmter neugierig gemacht? Ich bin gespannt!

Herzlichst

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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