Unsere Reise mit Richard Lüscher Britos …

… findet heute ihr vorübergehendes Ende: Zwei Düfte sind es noch, denen wir noch nicht in entlegene Gefilde gefolgt sind – 46°N 08°E – Valais – Schweizer Berg-Cowboy & 44°N 03°E – Causse Méjean – Geheimnisvolle violette Hügel.

Die Schweiz und Südfrankreich stehen heute auf dem Programm – warum denn auch immer in die weite Ferne schweifen, wenn es doch bei unseren Nachbarn hübsch ist?

rlb4608 Akkord I – Rau
Hoch oben im steilen und felsigen Gebirge des Val d’Anniviers bilden die Arven den obersten Waldsaum. Auf einer Höhe von 2000 m trotzen sie dem garstigen Walliser Alpenklima mit den starken Winden und den langen, kalten und schneereichen Wintern. Doch das raue Wetter geht nicht spurlos an den Arven vorbei. Die schmalen und in die Höhe wachsenden Nadelbäume, die bis zu 1000 Jahre alt werden, haben oft eindrückliche, vom Leben gezeichnete Wuchsformen. Im Sommer jedoch sind die Arven umgeben von blauem Enzian und plätschernden Gebirgsbächen und sobald die Sonne wärmt, verströmen ihre Nadeln ein wunderbar frisches und aromatisches Parfüm.

Akkord II – Partner
Trotz ihrer Stärke und Beständigkeit geht die Arve wichtige Lebensgemeinschaften ein. Der Tannenhäher, ein rabenartiger Vogel mit dunkelbraunen, weiß getupften Federn, trägt entscheidend zur Verjüngung des Arvenbestands bei. Während des Sommers sammelt er tausende Arvensamen und vergräbt sie weit über die Hänge verteilt als Wintervorrat. Aus den vom Tannenhäher vergessenen Verstecken wachsen junge Arven. So sorgt der Tannenhäher auch für die Ausbreitung an Orte, wo bisher keine Arven standen, zum Beispiel an unzugänglichen Orten wie Felsvorsprüngen oder oberhalb der Baumgrenze. Zudem schützen würzig-erdig riechenden Flechten, die strauchartig auf der Rinde wachsen, die Arve vor Krankheiten.

Akkord III – Sanft
Eine dicke Schneedecke liegt auf den Alpweiden, von der getragenen Schneelast hängen die Äste der Nadelbäume tief Richtung Boden, die Murmeltiere sind im Winterschlaf, die Zugvögel Richtung Süden geflogen. Auch in den abgeschiedenen Dörfern im Val d’Anniviers kehrt Ruhe ein. Die Abende werden in der Holzstube verbracht, in der sich der wohltuende, warme und harzige Geruch der Arvenmöbel mit der Rauchnote des Cheminéefeuers vermischt.“

Die schöne Schweiz … Habe ich Euch mal von meinem ambivalenten Verhältnis zu Bergen erzählt? Ich finde Berge und Gebirge wunderschön – auf Bildern, Fotografien und sonstigem. Aber selbst irgendwo hochkraxeln? Im Leben nicht. Keine Ahnung, ob es mich irgendwann noch einmal packt, ich wage es zu bezweifeln. Ich sehe ihn einfach nicht, den Sinn, irgendwo mühsam hochzuschnaufen, um dann wieder auf der anderen Seite herunterzueumeln. Allerdings, wenn mich zwei so hübsche Kerle oben erwarten würden wie in dem Graubündener Werbespot – tja, dann würde ich es mir vermutlich nochmals überlegen 😉

Seid Ihr Wanderer, Bergfreunde, Mountainbiker oder was auch immer? Erzählt!

The forest on the hill

46°N 08°E, unser Richard Lüscher Britos-Schweizer, brilliert natürlich mit Noten, die man in den Bergen erwartet, vielmehr: in den Wäldern, die es dort zu durchwandern gilt: Kiefer, Eichenmoos und Tannenbalsam. Liest sich maskulin und erhaben – ist es auch. Und landet bei mir gleich auf Platz Eins – mein absoluter Favorit aus der Kollektion!

Tjaja, vermutlich lege ich sie einfach nie ab, meine Vorliebe für Rauchiges, Kühles.

Small wooden caban and snow

46°N 08°E brilliert mit jener Kühle, die einen in einsamen (Berg)Wäldern umfängt: Nadelbäume, majestätisch und schattenspendend, balsamisch-harzig-würzig, von einer seltsam fruchtigen Art, die an Wacholderbeeren erinnert. Dichte Moospolster schmiegen sich an knarziges Wurzelwerk, Flechten und Farne umhüllen die dicken Borken. Ganz klar, hier sucht ein Caspar David Friedrich-Wanderer seinen Weg durch das Unterholz. Ein kontemplativer, beschützender Duft, klar und weise. Sicherlich zielt er in allererster Linie auf männliches Publikum, ich werde aber den Teufel tun und diesen geistvollen Schönling alleine der Männerwelt überlassen – Ihr solltet es mir gleichtun, meine Damen!

Liebes Richard Lüscher Britos-Trio: Ich bin verliebt!

Nichts wie ab zu den Franzosen, zu unserem letzten Duft, der nicht nach Paris, der Stadt der Liebe einlädt, sondern uns ins schöne Südfrankreich geleitet:

Akkord I – Intensives Violett
Schon von Weitem sieht man einen violetten Flickenteppich über dem sonst kargen Hochland der Causse Méjean in Südfrankreich ausgebreitet. Kommt man näher, stellt man fest, dass die violetten Flecken aus tausenden Büscheln wildem Berglavendel bestehen, die ein unglaublich fruchtig-frisches und zugleich herb-florales Parfüm verströmen. Der wilde Berglavendel hat sich dem rauen Klima der Cevennen angepasst. Er wächst in der mageren Erde auf über 1000 m Höhe, wo die Sonne die umliegenden kalkhaltigen Steine erwärmt und wo ein stetiger, von der Meeresluft gesättigter, starker Wind bläst.

Akkord II – Geheimnisvolle Wildnis
Wild weidende Schafe bestimmen die karge Landschaft der Causse Méjean in den Cevennen. Die Hirten ziehen mit ihren Schafherden und ihren Hunden alleine durch die einsamen, steinigen Hochebenen, in denen kleine Schwarzkiefern und Sträucher die einzigen Schattenspender sind. Die Schafe ernähren sich hauptsächlich von wildwachsenden Kräutern, fressen aber auch die jungen Triebe der Schwarzkiefer, was eine flächendeckende Bewaldung eingrenzt und sonnenliebenden Duftpflanzen Platz schafft, um sich zu verbreiten. So entsteht die einzigartige Duftwelt der Causse Méjean, in der sich das Aroma des würzigen Harzes der Schwarzkiefer mit dem süßlichen Parfüm des Berglavendels und dem grünen, fruchtigen Duft des Wacholders vereint.

Akkord III – Authentizität
Sobald die Sonne ihren Zenit erreicht hat und der Wind die heiße, marine Luft auf die Causse Méjean trägt, wird das meditative Pflücken des wilden Berglavendels unterbrochen. Die kleinen Handsicheln werden weggelegt, die Sammeltücher auf dem Boden ausgebreitet und ein Platz im Schatten einer Pinie gesucht, um sich in der größten Hitze des Tages etwas auszuruhen. Die vom Leben und der harten Arbeit geprägten Pflückerinnen erzählen sich Neuigkeiten aus den umliegenden Dörfern und philosophieren über das Leben. Selbstgemachte Marrons Glacés werden herumgereicht und der vorbeiziehende Hirte wird eingeladen, die Köstlichkeit mit ihnen zu teilen. Die mit Zucker und Vanille glasierten Kastanien haben einen zarten und leicht exotischen Geschmack und zergehen auf der Zunge.“

Cevennen

In der Region Saint-Rome-de-Cernon sind wir gelandet, vielmehr entführt uns ein alter Bekannter mit 44°N 03°E dorthin: Andy Tauer, der hat uns diese Naturschönheit mit Lavendel, Labdanum und Vanille nämlich geschaffen.

Viey, Hautes Pyrénées, France

Lavendel und Vanille in Kombination lässt mich natürlich sofort an Jicky denken, jenen Klassiker von Guerlain. Wen wundert es, ist Jicky doch quasi die erste olfaktorische Liebeshochzeit dieser beiden Ingredienzen, die unser Herr Tauer aufs Schönste erneut zusammenführt: Lavendel in all seiner Pracht, zuerst krautig-ernst und würzig-erhaben, dunkelviolett und tiefgrün leuchtend, später cremig versöhnt dank der Vanille. Hier erinnern mich die Lavendelnoten an ein Sorbet, das ich einmal genießen durfte – Lavendelhonig und Tonkabohne … 44°N 03°E ist kein Gourmand, kein echter – aber für mich ist es einer. Ich könnte hineinbeißen in diese strahlend-sonnige Südfrankreich-Impression. Dieser Lavendel riecht haargenau wie das köstliche und leider einmalige Sorbet, allerdings in Warm, denn sonnengewärmt ist der Duft, versöhnlich und heiter. Hier ein bisschen Kraut, vielleicht ein wenig Heu im Hintergrund und immer und immer wieder und weiter diese herrliche Vanillewärme, die zart-würzige, gehüllt in sanften, süßen Rauch.

Natürliche Essenzen höchster Qualität und die Hand eines Enthusiasten – heraus kommt ein Seelenschmeichler für beiderlei Geschlechter, der Lavendel klassisch, aber dennoch überaus zeitgemäß interpretiert.

Und? Seid Ihr schon neugierig geworden? Welcher Duft aus dem Hause Richard Lüscher Britos ruft nach Euch?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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