Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die wilden Zwanziger Jahre…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft am 14.12.2011

waren die große Zeit einiger französischer Parfumhäuser – neben Caron, Guerlain, Isabey und Lubin schillerte auch Jovoy, was unter anderem auch an Blanche Avroy lag, der Gründerin, und wie man munkelt eine bekannte Pariser Persönlichkeit. Wie leider bei einigen dieser Häuser verglühten deren Sterne Jahrzehnte später, so strahlend sie auch einmal am Himmel standen – um Jovoy wurde es genauso still wie einst um Lubin. Umso schöner, dass sich in beiden Fällen jemand berufen fühlte, diese klassischen Häuser wieder aufleben zu lassen. Über Thévenin, den Mann hinter Lubin, diesem altehrwürdigen Haus und Stück französischer Kulturgeschichte, habe ich schon viele Loblieder gesungen. Heute ist nun Jovoy Paris an der Reihe.

Einige werden sich fragen, wie ich JETZT auf Jovoy komme – Jovoy hatte doch bereits vor einigen Jahren eine Renaissance erlebt, die allerdings eher unter ferner liefen gehandelt wurde. 2006 kamen sie auf den Markt, Les 7 Parfums Capitaux – eine in lilablassblaue Flakons gehüllte Dufttruppe von sieben Düften, die auf die Namen klassischer Parfumfamilien hörten – Marine, Chypre, Fougère, Poudre, Boisé, Hesperidé und Oriental. Ich habe sie damals alle getestet und fand sie – schön, durchweg. Zwei davon wanderten in meinen Besitz – Boisé sowie Chypre, von denen mir vor allem letzterer gefällt: Ein klassischer Chypre, nicht mehr und nicht weniger. Das trifft so auch auf den Rest der Kollektion zu, zumindest meines Erachtens nach: Man bekommt, was auf dem Etikett zu lesen ist. Handwerklich sehr gut umgesetzt, aber nicht wahnsinnig innovativ – muss es aber auch nicht immer sein, das meine ich ganz ernsthaft. Ich in jedem Fall bin glücklich mit meinem Chypre.

Als dieser Tage bei uns die zweite Renaissance (oder der erste Relaunch seit der Renaissance) von Jovoy eintrudelte, war ich mehr als neugierig: Ganz andere Namen, komplett geänderte Flakons, Düfte, deren Beschreibungen einiges versprachen, deren Zutaten sich so lasen, als ob sie wesentlich komplexer und kantiger sein dürften als ihre Vorgänger, und nicht zuletzt Jungparfumeure, die schon anderen Stellen von sich hören gemacht hatten. Meine Neugierde wurde nicht enttäuscht – und Ihr dürft gespannt sein auf eine tolle kleine Kollektion, die ich Euch diese Woche vorstellen werde.

Beginnen möchte ich heute mit Ambre Premier und Psychédelique.

Ambre Premier, der erste Amber, vereint Fans aller möglichen Ambrafacetten: Am Anfang war… trockene Würze. Rauch. Harzigkeit, glühende, gülden schimmernde. Ernsthaft und erhaben schreitet er einem entgegen, König Ambra der 1., gehüllt in einen dunklen Mantel erdig-süßen Patchoulis, um dann im Tête-à-Tête seine weichen Seiten zu offenbaren. Gewürznelke meine ich da zu entdecken, die auf einer Vanillewolke ruht, einer pudrigen. Piment? Muskat? In jedem Fall aber entspringt aus der Mitte ein Fluss von Rosenwasser, üppig floral und perfekt harmonierend mit jener mittlerweile samtigen Ambra, von subtilem Tabakrauch eingerahmt.

Ambre Premiers Basis ist dann noch eine Spur versöhnlicher – und ich sehe in dem Duft tatsächlich den Duft eines Rendezvous, den Ablauf eines Rendezvous. Er erinnert mich an eine undefinierte Filmschönheit, eine selbstbewusste – vielleicht an die alte Sophia Loren? In jedem Fall stelle ich sie mir eher dunkelhaarig vor, was aber nicht heißt, dass dieser Amber nicht auch von hellhaarigen Damen getragen werden kann oder auch Männern – an denen stelle ich mir dieses verführerische Düftchen nämlich ebenfalls ganz hervorragend vor.

Ambre Premier ist, obgleich ein typischer Italiener, ein innovativer Amber: Jene Rosen-Ambra-Mischung ist ein noch unausgetretenes Thema, und der zwischen harter Schale und weichem Kern oszillierende Amber gefällt mir ausnehmend gut. Der Parfumeur ist im übrigen Michele Saramito, der mich schon mit Amouages wunderbarem Fougère Opus II hellauf begeisterte und darüber hinaus noch Prince Jardinier Citrus Allegro sowie Ferrès Gieffeffe und zwei Düfte für Lily Prune kreierte.

Psychédelique ist ein… Patchouli, was sonst. Gebetsmühlenartig wiederhole ich es: Jede italienische Linie, die etwas auf sich hält, hat einen – einen Patchouli. Ein solcher steht uns nächste Woche, soviel sei verraten, mit den Antonio Visconti-Düften noch ins Haus – jetzt aber wieder zurück zu Jovoy Paris und zu François Hénin, dem jetzigen Mann dahinter. Dessen große Liebe ist er, dieser Patchouli, ambriert, üppig und opulent, Woodstock lässt er natürlich auch nicht unerwähnt… Schauen wir uns das gute Stück doch einmal an, dass von Jacques Flori kreiert wurde.

Ich glaube, ich hatte es schon ausführlich erwähnt – ich bin, im Gegensatz zu meinem Chef, kein ausgesprochener Patchoulifan, um es mal diplomatisch auszudrücken. Zu viele New Wave-Clubs in meinen Jugendjahren, zu viele schwarz gewandete Teenager auf Selbstfindungstrips, die in wogenden Wolken von Patchouli ihre hormonellen Depressionen (durch)lebten (wovon ich mich, ganz ehrlich, nur teilweise ausnehmen kann und darf ;)). In jedem Fall befinden sich exakt vier eher monothematische Patchouli-Düfte in meiner Kollektion: Borneo 1834, Mazzolaris Patchouly, Mazzolaris Lui und Etros Patchouly – die ersten drei liebe ich heiß und innig, letzteren benutze ich selten zum Layern.

Psychédelique nun vereint, wie schon sein soeben besprochener Amberbruder, alles Gute jener Düfte und bringt somit die Ingredienz ganz vortrefflich zum Strahlen: Sanfte Erde, likörige Süße, Karamell, ein Hauch nassen Laubs, Samtigkeit, an Kakao, tiefdunklen, erinnernde Pudrigkeit. Das Beste aller Welten vereinigt sich hier – und ich muss sagen, dass mich Psychédelique wirklich äußerst positiv überrascht hat, New Waver und Barfuß-Hippies hin oder her. Auch, wenn es schon viele Patchouli-Düfte gibt – sich diesen hier anzusehen ist ganz bestimmt kein Fehler!

Morgen geht es weiter mit einer Kollektion, auf die ich immer neugieriger werde…

Liebe Grüße und bis dann,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Sophia Loren von Allan Warren, Flower Power Bus von Johannes Aubele, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Jovoy Paris in unserem Shop!

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Es weihnachtet…
Duftverzeichnis


Ewige Jugend mit Penhaligon’s

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 13.12.2011

Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Lavendel, Salbei; Herznote: Geranium, Kaffee; Basisnote: Vetiver, Muskatnuss, Schwarzer Pfeffer, Kardamom, Moschus, Leder, Sandelholz, Weihrauch, Myrrhe…

Selene and EndymionAlso wenn das nicht aufregend klingt! Ob dieser Duft nun wirklich in meine Lavendelserie passt, wird sich noch zeigen müssen, einige andere dominante Ingredienzen lassen vermuten, dass der Duft auch in eine ganz andere Richtung gehen könnte. Die Rede ist von Endymion aus dem Hause Penhaligon’s.

Der Name Endymion führt uns in die griechische Mythologie: Endymion war der Liebhaber der Mondgöttin Selene. Um ihn unsterblich zu machen, versetzte ihn Zeus in einen ewigen Schlaf, der ihm seine Jugend erhalten sollte. Sonderlich tief geschlafen hat Endymion allerdings nicht, denn Nacht für Nacht kam Selene in seine Höhle, und diese Besuche führten zur Geburt von 50 Töchtern – der gute Endymion hat also nichts anbrennen lassen.

Ich bin neugierig, deswegen lasse ich mich nun nicht aufhalten, den Duft aufzusprühen. Auf dem Duftstreifen geht es streng nach den Angaben in der Kopfnote frisch her, denn Bergamotte und sicherlich auch etwas Kardamom sorgen für einen lebendigen Auftakt, der mit einigen bitteren Noten aber schon verrät, dass wir es hier mit keinem reinen Hesperidenduft zu tun haben. Deutlich kommt daraufhin auch Geranium zum Vorschein mit einer floralen, rosenähnlichen Note, die von sauberen Aspekten begleitet wird. Möglicherweise sind hierfür die Hölzer verantwortlich.

Da ich mal wieder so nicht weiterkomme, werde ich nun selbst beduftet. Natürlich fehlt auch hier der frische Auftakt nicht, aber es geht jetzt doch recht schnell in die floral-seifig-klassische Ecke und die große Frage für mich ist, wo denn eigentlich der Lavendel abgeblieben ist. Insgeheim hatte ich auch ein bisschen gehofft, kräftige Kaffeenoten zu finden, oder wenigstens einen ausgeprägten Weihrauchgrund. Hätte doch nur der Schwarze Pfeffer oder das Leder ein wenig vorlauter aufgespielt. Apropos Basisnoten: ein wenig Moschus zeigt sich schließlich, um in der insgesamt mäßigen Haltbarkeit des Duftes unterzugehen.

Natürlich ist mir klar, dass sich Penhaligon’s das klassisch-britische Understatement-Mäntelchen umgehängt haben, und dieser Linie bleiben sie auch bei diesem Duft treu. Ich hätte mir hier trotzdem etwas mehr Profil gewünscht, ist doch die griechische Mythologie voller sprudelnder Leidenschaft und großer Tragik. Mit Endymion haben wir einen äußerst distinguierten englischen Herrenduft vorliegen, der ganz hervorragend zu einer gehobenen Abendgarderobe passt.

In meine Lavendelserie passt Endymion allerdings absolut nicht, und meine Enttäuschung sei mir verziehen – ich habe schlicht und ergreifend mit einem ganz anderen Duft gerechnet. Unter dem Vorzeichen eines noblen Herrenduftes erfüllt Endymion jedoch alles, was das Herz begehrt. Wenn es denn Penhaligon’s sein soll, bleibe ich bei dem kürzlich besprochenenJuniper Sling“, wenn es ein Kaffee-Leder-Duft sein soll, greife ich dann doch lieber zu dem guten alten “Charles Street” von Mark Birley.

Was haltet Ihr von Endymion? Übrigens gibt es zu diesem Duft auch noch eine Duftkerze, eine Shaving Cream und ein Bath & Shower Gel.

Liebe Grüße
Harmen

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Unsere Leser stellen sich vor: Teil III – Katharina

Geschrieben in Allgemein am 12.12.2011

Vor kurzem erreichte uns eine Mail von Katharina, und wir freuen uns, sie hier vorstellen zu dürfen. Aber lest selbst, was sie schrieb.
Liebe Grüße von
Harmen

Mein Name ist Katharina und ich freue mich über die Gelegenheit, mich als Leserin des Blogs vorzustellen.

Ich bin 28 Jahre alt und lebe in München, wo ich auch arbeite und studiere. Ich wohne zusammen mit zwei Freundinnen, einem Baby und zwei Katzen.
Neben Musik und Literatur interessiere ich mich für die Natur, Tiere, das Photographieren und, natürlich, für die gesamte Welt der Schönheit, der Kosmetik und der Düfte.
Unter dieser Voraussetzung musste ich natürlich früher oder später im „Beautyboard“ auch auf Ulrike stoßen – und auf ihre Duft-Rezensionen bei ALzD.
Zu meiner Liebe für Düfte, insbesondere Nischendüfte, habe ich nicht unmaßgeblich durch eine Frau gefunden, die ich leider erst in ihrem hohen Lebensalter kennengelernt habe – meine Großmutter. Darum möchte ich hier auch ein wenig aus ihrem Leben erzählen.

1910 geboren, wurde sie als 14-jähriges Mädchen von der Familie nach England geschickt, um dort zu arbeiten und den Verwandten im nachkriegsgebeutelten München Geld zu schicken. Aus einfachen Verhältnissen stammend, landete sie bei den Angelsachsen sogleich in gehobenen Kreisen – als Dienstmädchen.
Die erste Zeit mag für sie nicht einfach gewesen sein, zumal sie kein Wort Englisch konnte. Und als man sie mit einem Zettel in der Hand, den sie nicht lesen konnte, zum Friseur geschickt hat, woraufhin dieser ihr ihren langen schwarzen Zopf abschnitt (die englische Mode der 20er Jahre verlangte nun einmal kurzes Haar für Frauen), wird sie wohl keine besonders herzlichen Gefühle mehr gegenüber ihren Dienstherren gehabt haben.

In den ersten Jahren verrichtete sie ihre Arbeit als Serveuse, später bestand ihre Aufgabe darin, der Dame des Hauses die Haare zu frisieren und ihr beim Ankleiden zu helfen, sowie Näharbeiten zu erledigen. Auf dem Gebiet der Schneiderkunst hatte sie sich gegen Ende ihres England-Aufenthaltes so großes Geschick angeeignet, dass sie später sogar ihr Brautkleid selbst genäht hat.

Schließlich lernte sie in England ihren Mann kennen, einen Deutschen – meinen Großvater. Aber nicht nur – sie hat auf der Insel auch ihre Liebe zu schönen Dingen, gutem Stil, feiner Kleidung, zur Schneiderkunst, und, ja, auch zu Düften, gefunden.

Ich erinnere mich gut an ihre kleine Wohnung, in der ein hölzerner Frisiertisch stand, darauf eine Menge gläserner Flakons, Puderdosen, Schminke und Kämme. Natürlich saß ich als kleines Mädchen oft an diesem Tisch und habe „feine Dame“ gespielt. Die Düfte durfte ich nicht benutzen, wohl aber daran riechen. So manchen beinahe leeren Flakon bekam ich dann auch geschenkt, und an Weihnachten lagen in ihren Paketen immer auch Parfum-Miniaturen für mich.

Zurück in Deutschland, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, begann meine Großmutter bei einem der damals renommiertesten Frisöre Münchens zu arbeiten. Natürlich war dieser Laden auch eine Verkaufsstelle für erlesene Düfte. Und natürlich bekam sie als Mitarbeiterin dadurch oft Parfum sehr günstig oder sogar geschenkt. Deshalb besaß sie eine beachtliche Duft-Sammlung, von der leider nicht mehr als ein paar große leere Flakons und Miniaturen geblieben sind. Ihr Lieblingsduft war „Fidji“ von Guy Laroche. Die leeren Flakons bewahrte sie geöffnet in ihrem Schrank auf, damit auch die Wäsche danach duftete. Ihre Devise war: „Nur so viel Parfum, daß man nicht sicher sagen kann, ob die Dame welches trägt.“

Sie war nie wohlhabend, hatte aber immer gute Kleidung und feines Parfum zuhause – ein Zustand, welcher sich bei ihrer Enkelin wiederholen sollte. ;)
1995 ist meine Großmutter im Alter von 85 Jahren in ihrer Heimatstadt München gestorben.

Ich kann mich Düfte betreffend nur schwer auf bestimmte Richtungen oder Kategorien festlegen. Ich gestehe, auch von Ingredienzen keine Ahnung zu haben, noch nicht einmal besitze ich eine Spürnase in Sachen „Noten herausriechen“. Oft erkenne ich in Düften ganz andere Noten als sich darin befinden soll(t)en. Einzig vor zu viel Süße und zu vielen Gewürzen halte ich Abstand.
Ungeachtet aller Vorlieben und Abneigungen zieht es mich immer wieder zu historischen und traditionellen Düften wie die von Bronnley, Penhaligon’s, Knize oder Detaille.

Daneben begeistern mich Düfte von Jo Malone, Serge Lutens, Amouage und Diptyque.
Einen Vorteil hat das Sich-nicht-Festlegen für mich: Ich habe keine Vorurteile gegenüber bestimmten Duftkategorien oder Dufthäusern. Daher besitze ich auch (noch) keinen Lieblingsduft.

Meiner erahnten und erfühlten Vorstellung eines „heiligen Grals“ schon sehr nahe kommen Jo Malones „Wild Fig and Cassis“, sowie der wenig bekannte Mainstreamer „Il Bacio“ von Borghese. Letzterer besitzt für meine Vorlieben zwar verhältnismäßig viel Süße. Aber eben auch einen Unterton, der für meine Nase einfach unverwechselbar (und nicht besser zu beschreiben) nach altem Schulhaus riecht ;), – schmucklos, entsagend, geradlinig und etwas streng… eine vermutlich auch subjektiv wahrgenommene Note. Dadurch erscheint mir dieser Duft herrlich ambivalent: verführerisch und unnahbar zugleich. Il Bacio („Der Kuß“) darf bei mir im November den Winter einläuten.

Ich freue mich jedenfalls darauf, an Weihnachten wieder duftend beschenkt zu werden. Denn, wie ich und eine Freundin dieser Tage festgestellt haben: es ist fast noch schöner, beschenkt zu werden, als selbst zu schenken. ;) Oder, um es mit den Worten meiner 8-jährigen Nichte zu sagen, auf meine Frage, ob sie denn schon alle Geschenke hat: “Nein, die bekomme ich erst an Weihnachten!“.

Ich wünsche dem ALzD-Team, und allen anderen Leserinnen und Lesern des Blogs eine wunderschöne Adventszeit und Frohe Weihnachten.

Katharina

[PS von Harmen: Hier noch die anderen Damen aus unserer Vorstellungsrunde: Teil I - Margot, Teil II - Carola]

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Öfter mal was Neues… Freitag-Abend-Verlosung.
Freitagsverlosung.
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Serge Lutens…

Geschrieben in Verweise am 10.12.2011

… hat einigen Fragrantica-Damen auf ihre vielen Fragen geantwortet – daraus ist ein sehr lesenswertes Interview geworden, das man sich HIER zu Gemüte führen kann.

Ein schönes Wochenende Euch und viele liebe Grüße,

Ulrike.

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Das Nichts nichtet.
Nur ein einziges Mal…


Die Vergessenen…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Die Vergessenen.,Duft am 9.12.2011

… sind mal wieder an der Reihe: Genau, ich habe einmal mehr meine Schublade geöffnet und einige Proben herausgezogen, die vollkommen zu Unrecht schon länger auf eine Rezension warten. Deshalb heute: Esvedra von Laboratorio Olfattivo, Myrrhiad von Huitième Art und Atelier Colognes Vanille Insensée – wie immer im mehr oder weniger kurz und knackig ;)

Esvedra und Myrrhiad stammen, das sei schon vorab verraten, aus denselben Händen: Pierre Guillaume fertigte beide Düfte.

Für Esvedra stand die Insel Es Vedrà Pate, eine Baleareninsel in der Nähe von Ibiza, nach der ich ehrlicherweise erst googeln musste. Aber derlei südliche Gefilde sind ohnehin nicht unbedingt mein Beuteschema, selbst wenn es sich wie in diesem Falle der Sage nach um ein Überbleibsel von Atlantis handeln soll und/oder exakt dieses Eiland die Heimat der aus Homers Epen bekannten Sirenen sei. Schroffe Felsen und eine üppige Vegetation – dieser Widerspruch prägt die Insel und diente Guillaume als Inspirationsquelle für seinen Duft. Den Fotos nach zu urteilen ist es dort nicht so hübsch, wie ich mir das vorgestellt habe, insofern wird Guillaume sich mit seinem Duft vermutlich auch eher auf die Sirenen besonnen haben: Eine von weichem, sauberem, pudrigem Moschus getragene Vetiverinterpretation der besonderen Art. Leuchtend in ihrer Reinheit, von kleinen zitrischen Sprenklern begleitet und sanftem Grün durchzogen. Für mich ein bisschen zu rein – ich ziehe meinen salzigen Skandinavienstrand Sel de Vétiver von The Different Company vor.

Mit Myrrhiad wagt sich Guillaume natürlich in ganz andere Gefilde und hat sich mit dem neunten Duft seiner Huitième Art-Kollektion einer ganz besonderen Ingredienz angenommen, der Myrrhe. Wie man der Farbe bereits ansieht, erwartet einen hier ein Knaller – und der Duft enttäuscht nicht. Monsieur Guillaume ist ja für seine Gourmandkreationen sehr bekannt und hat dafür ein wirkliches Händchen, wie er mit Düften wie Felanilla seiner ersten Firma Parfumerie Générale schon bewiesen hat. Myrrhiad steht dem in nichts nach: Guillaume vermag es mit Myrrhiad auf ziemlich geniale Art und Weise, die Facetten der Myrrhe aufzugreifen und zu verstärken – und das mit einer, wie ich meine, recht überschaubaren Anzahl an Zutaten. Die warme, ambrierte Seite wird von aromatisch-würziger, cremiger Vanille unterstrichen, während die rauchigen, harzigen Elemente von schwerem (Sattel)Leder und Noten von geräuchterem Schwarztee verstärkt werden. Das Balsamische forciert Guillaume gekonnt mit Lakritze. Heraus kommt ein mächtiger, beeindruckend schöner Harzduft von großer Präsenz, beschützend, behütend, kontemplativ und, ja, auch – erotisch.

Atelier Cologne haben mit ihrer Kollektion ja schon als sie auf den Markt waren bewiesen, dass Colognes ein durchaus zeitgemäßes Duftkonzept sind (ja, ja, ich weiß – sie haben ja auch an der Konzentration geschraubt, die mit 15% weit über der eines gewöhnlichen Colognes liegt). Vanille Insensée ist nun ihr neuester Streich und einer, der mich wirklich begeistert: So eine Vanille, meine Lieben, findet sich dort draußen kein zweites Mal! Ganz anders als die anderen ist sie, diese Vanille. Ein Naturmädchen ist sie – und gleicht einem Aquarell: Wie ein Streifzug der Vanille durch die einsame Natur will mir dieses Cologne scheinen, ein ausgelassener Spaziergang durch blühende Wiesen, Purzelbäume schlagend zwischen Kräutern und Gräsern. Gesäumt von allerlei Bäumen lässt man sich irgendwann zu deren Wurzeln im sonnengewärmten Moose nieder, den leisen Wind tief einatmend und entspannend. Ein Blick auf die Duftnoten verstellt den Blick auf das Wesentliche, das hier bei Vanille Insensée im Indifferenten liegt, im Verschwommenen, aber deshalb nicht weniger konkreten. Ein Konglomerat an bezaubernden Zwischentönen, von Diffusem, das in seiner zurückhaltenden Sinnlichkeit von anmutender Schönheit ist.

Ich betone es nochmals: Vanille Insensée ist – extrem innovativ. Sehr besonders. Einzigartig. Eine vollkommen neue Interpretation des Themas und deshalb sehr gelungen. Etwas für Weiblein wie Männlein. Für Vanilleliebhaber und solche, die es eigentlich gar nicht sind – und zwar gleichermaßen. Was Vanille Insensée NICHT ist: Pappig. Klebrig-süß. Gourmandig.

Eine schöne Ausbeute für heute, würde ich sagen. Habt Ihr schon getestet? Und, Resultate?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Es Vedra von Ibiza aus von Held2805, Myrrheharz von Sjschen, Lonely Tree in French Field von Chemtec/Fred Fokkelman, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 9.12.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete wollen sich zu Euch auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns bis Sonntag 24.00 eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Nadine F., Luise V., Annette S., Hanne F. und Jerome K. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Freitagsverlosung.
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Liebestränke…

Geschrieben in Blüten,Duft am 8.12.2011

… sind ein seit der Antike ständig wiederkehrendes Motiv – wenn wundert es: Verführung, vor allem die Kunst(fertigkeit) dazu, ist ja überall im Spiel, wo es um Versuchungen jeglicher Art geht. Und wer lässt sich nicht gerne versuchen? Wie immer gestaltet sich aber das Zwischenmenschliche eben doch nicht ganz so einfach wie zu wünschen wäre. Deshalb hat man schon immer versucht, positiven Einfluss auf das Schmieden zarter Bande zu üben. Was heute je nach Geschmack und Budget mit Pheromonsprays und Rolexuhren veranstaltet wird, kam anno dazumal noch schlichter auf den Tisch – nämlich in Form eines flüssigen Liebeszaubers, den es zu trinken galt. In der Antike Philtron genannt wurde jener aus zahlreichen fragwürdigen Ingredienzen gebraut, man schreckte auch vor der Verwendung eigenartiger Bestandteile tierischen Ursprungs nicht zurück. Auch damals scheint der Bedarf an Liebeskontrolle schon hoch gewesen zu sein – der Einsatz der Tränke nahm solche Ausmaße an, dass man ihn irgendwann verbot und als Vergiftung bestrafen ließ.

Literarisch ist das Thema Liebestrank natürlich auch beliebt, denn wo die Liebe ist, da ist auch die unglückliche und/oder die unerfüllte Liebe vertreten: Herakles/Herkules und Deianeira und Tristan und Isolde sind nur zwei Pärchen, denen Liebestränke kein Glück brachten. In diversen Märchen spielen sie eine Rolle genauso wie im zur Zeit erfolgreichsten modernen „Märchen“ Harry Potter, Schlumpfinchen ließ sich auch einen brauen und bei Asterix und Obelix wird man sicher ebenfalls fündig.

Und irgendwie passt es da doch auch, dass sich die Parfumerie dem Thema ebenfalls zugewandt hat: Love Potion No. 9 ist der Name, den zwei Düfte von Penhaligon’s tragen, einer für die Dame, einer für den Herren. Wenden wir uns zuerst der Dame zu:

„Created in 1998, LP No. 9 for ladies is potent and addictive brew of sweet floral notes, spices and musk. It opens with a creamy accord of tarragon and lavender sharpened with a twist of lemon. The heart reveals the open sweetness of carnation wrapped in rich sensual base notes of cedar, spice & vanilla. The final effect is gorgeously soft and romantic, strange and beguiling.“

Der Name ist passend gewählt: Lavendel, streng-würzig und krautig vermittelt im sinistren Zusammenspiel mit Kräutern und scharf-pfeffriger Gewürznelke die Impression eines Kräuterweibleins vor seinem gut gefüllten Topf, in dem es brodelt und köchelt. Fast hypnotisch wirkt er, der Topf mysteriösen Inhaltes – … bis dessen Duft etwas abkühlt und versöhnlicher, weicher wird. Die Augen wenden sich ab und der Frau zu, für die der Trunk angefertigt wird? Oder deren Liebe man erwecken möchte? In jedem Fall entpuppt sich der Duft als solch romantisches Parfum, als krautig-floral-schüchterner Geselle, dass man sich an die holdesten Schönen in Märchen erinnert fühlt. Irgendwo im Hintergrund verbleibt eine leichte metallische Frische und die Kräuterschärfe bleibt ebenso erhalten, vermag es aber meiner Meinung nach, aus dem Duft etwas Besonderes zu erschaffen: Kein normales Blütenbouquet ist das hier, nein, Love Potion No. 9 ist wildromantisch und so ganz anders, das es mir wahrlich Freude macht. Die Basis rundet gelungen ab mit diffusem Unterholz, wärmend-cremiger Vanille und einer Prise Zimt, die die Schärfe des Duftes gekonnt aufgreift. Penhaligon’s haben mit ihrer Beschreibung also den Nagel auf den Kopf getroffen – mal sehen, wie es bei den Männern aussieht:

„Created in 1999, LP No. 9 for Men casts a spell of powdered darkness with its complex heart of ylang-ylang and spices. The fresh top notes of mandarin, bergamot and rosewood soon give way to the unusual floral and spiced heart. The seductive base notes are led by sweet vanilla and earthy patchouli with whisps of musk and amber creating sensual layers of warmth and mystery.“

Der maskuline Liebestrank ist meines Erachtens nach eine jener Perlen, die Penhaligon’s für die Männerwelt geschaffen hat: Neben meinen Favoriten Endymion und Opus 1870 haben die Engländer hier einmal mehr gezeigt, dass sie das Gespür haben, Klassisches mit einem erlesenen Twist, einer eigenwilligen Note zu paaren und damit zwar typisch englische, aber gleichermaßen besondere Düfte zu kreieren.

Fruchtig-saftige Mandarine mit einem leichten Bergamotteschimmer verschmilzt hier mit einem ineinander verflochtenen Blütenbouquet auf Rosenholz, von Zimt, Pfeffer und Muskat meisterlich süß-scharf kontrastiert. Die Basis bietet Vanille, Patchouli, Moschus und Ambra – nichts Neues, aber für obige Zutaten ein gelungener und wirksamer Abschluss.

Eine Wirkgarantie für die beiden Liebestränke kann ich genausowenig wie Penhaligon’s versprechen, allerdings bin ich mir sicher, dass Euch bei äußerlicher Anwendung Folgendes NICHT passieren sollte:

Der aus dem Jahr 1959 stammende Song Love Potion No. 9, im Original von der Band The Clovers, ist nämlich Namensgeber für die beiden Düfte – aber das dürften viele von Euch ohnehin schon gewusst haben ;)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Evelyn de Morgan (1903): The Love Potion.

Hier finden Sie Penhaligon’s in unserem Shop.

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Duftverzeichnis L – Z


Was wäre…

Geschrieben in Bücherkiste am 7.12.2011

… wenn einem von einem Tag auf den anderen der Geruchssinn verloren ginge? Eine spannende Frage – denn allzu häufig wird er vollkommen unterschätzt, der Geruchssinn. Man vergisst oft die Korrelation zwischen Geruch und Geschmack, dass der Verlust des einen den annähernd kompletten Verlust des anderen bedingt. Dass damit der Genuss eingeschränkt ist – und zwar jeglicher sinnlicher, nicht nur der des Essens. Dass Menschen, die nicht mehr riechen können, nicht nur sich, sondern auch andere nicht mehr riechen können. Und so einen Teil ihrer selbst verlieren, meist gefolgt von einem Verlust von Selbstsicherheit. Dass Erinnerungen vergehen, erlöschen, für immer, unwiderruflich, unwiederbringlich. Anosmie wird es genannt und ist für manchen ein Suizidgrund, wie Luca Turin in einer seiner Duftnoten für das Magazin der Neuen Züricher Zeitung einmal beschrieb. Sieben Jahre vorher widmete sich das Magazin, das monothematisch jeden Monat ein anderes Thema abhandelt, dem Motiv der Düfte – dort ist, abgesehen davon, dass das ganze Magazin sehr interessante Artikel bereithält, auch ein Artikel über Geruchsverlust zu finden.

Jahrhundertelang wurde die Nase unterbewertet. Augen und Ohren, Sehen und Hören, galten als Primärsinne, alles andere folgte unter ferner liefen. Diese Einteilung, vielmehr Wertschätzung der Sinne, ihre Hierarchie hat(te), das muss ich sicher nicht erwähnen, großen Einfluss: Auf Welt und Weltzugänge, auf das Miteinander, auf Denken, Fühlen und Handeln. Eine solche Rangordnung der Sinne führt zu einer spezifischen Gewichtung und somit letztendlich – zu einem Verlust von Aufmerksamkeit, von Sensibilität, von Wahrnehmung und Möglichkeit. Philosophisch und somit auch kulturwissenschaftlich ist das alles hoch spannend – wer sich dafür interessiert, kann sich einmal die Werke von Gernot Böhme ansehen, der als Begründer einer neuen ganzheitlichen Ästhetik (= Wahrnehmungslehre), der Aisthetik gilt. Oder man sieht sich gleich die hervorragende Schrift der Wiener Philosophieprofessorin Diaconu an: „Tasten – Riechen – Schmecken – Eine Ästhetik der anästhesierten Sinne“. Diese zeichnet, Böhmes Einfluss aufweisend, die Kulturgeschichte jener Sinne nach – nicht ohne auf Aktuelles einzugehen wie die Parfumeurskunst, Tätowierungen, die Slow-Food-Bewegung und ähnliches, denen sie ganze Kapitel widmet. Anspruchsvoll, aber wahnsinnig spannend und insofern sehr empfehlenswert.

Ein bisschen eingängiger ist da sicherlich „The Perfect Sense“, der morgen seinen Kinostart in Deutschland hat. Ich habe den Film schon vor Monaten auf einem Filmfest gesehen und war sehr angetan – seitdem hängt hier ein kleines gelbes Post-It an meinem PC, und ich habe auf den deutschen Filmstart gewartet, um ihn Euch zeitnah vorstellen zu können. Ich bin nämlich der Ansicht, dass er nicht nur sehr lohnenswert ist, sondern auch ziemlich genau unser Thema hier trifft und somit exakt das Richtige für den einen oder anderen von Euch sein dürfte.

Perfect Sense ist – die melancholische Skizze eines Weltuntergangs. Apokalypse Now. Im Vergleich zu anderen Filmen, die sich um eine ähnliche Thematik ranken, beginnt der Anfang vom Ende hier aber nicht im Außen. Es finden sich weder Kriege noch ein tödlicher Virus, keine Zombies und keine trostlosen Planeten, die unabwendbar auf die Erde zurasen. Der Untergang des Abendlandes kommt auf vergleichsweise leisen Sohlen und mit kleinen Schritten – aus dem Inneren des Menschen selbst: Zuerst sind es überbordende Gefühle, die die Menschen anfallartig befallen. Trauer, die in großen Tsunamiwellen über sie hineinbricht. Traurigkeit ob aller gemachter Fehler und erlittener Verluste. Eine, die die Menschen plötzlich überfällt, sie hilflos in ihren emotionalen Zusammenbruch schlittern lässt – um darauf folgend ihren Geruchssinn zu verlieren. Ist der erst einmal eingebüßt, schwindet auch der Geschmackssinn.

Vor dem Hintergrund dieser Katastrophe, gegen die nichts auszurichten ist, weil es keine Heilung gibt, zeichnet Regisseur David Mackenzie eine Liebesgeschichte. Eine, die so viel sagt – über den Menschen, über die Liebe, über Humanität.

Es geht um Michael, gespielt von Ewan McGregor, und Susan, die von Eva Green verkörpert wird. Susan ist Epidemologin, widmet ihr Leben der Forschung und wohnt dem Ausbruch der rätselhaften Seuche bei. Michael, Single aus Leidenschaft, kocht in einem teuren Gourmetrestaurant, dessen Hinterhof sich direkt unter Susans Wohnzimmerfenster befindet. Zufällig laufen sie sich so über den Weg und Michael lädt Susan zum Essen ein, weil niemand Essen gehen möchte, der Laden leer und die Vorratskammern voll sind.

Natürlich verschont die Krankheit unsere beiden Protagonisten auch nicht – und gerade in diesem Moment liegt der Reiz der Geschichte: In dem Ringen der beiden. Gleich den Kugelwesen im Mythos des Aristophanes, von dem ich schon einmal erzählte, klammern sich die beiden aneinander und versuchen, sich etwas zu bewahren. Ihre Welt aufrechtzuerhalten, die um sie herum aus den Fugen gerät, einen Anker zu finden und festzuhalten in diesem sich auftuenden Chaos, das sich immer und immer wieder in animalisch anmutenden Aussetzern der Menschen zeigt, aus ihnen hervorbricht. Besonders hervorzuheben hier der Moment, in dem sie in der Badewanne sitzend den Genuss des Essens imitierend Rasierschaum und Seife verspeisen, um unter Verwendung der Haptik und des Auditiven, der Geräusche Verlorenes verzweifelt wiederherzustellen.

Ein trauriger Film, trotz allem bitter-süß und in wunderschönen epischen Bildern verpackt. Einer, der den Spagat schafft, trotz der melodramatischen Handlung nicht kitschig zu erscheinen. Sprich: Einer, in den auch die Herren ruhig (mit)gehen können ;)

Vielleicht ja was für Euch, für die nächste Zeit, das nächste Wochenende?

Liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: My dog Messi sleeping von Andrzej Pobiedziński, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Spezereien aus fernen Ländern

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 6.12.2011

Es wir heute morgen vermutlich zwei Personengruppen gegeben haben. Diejenigen, die morgens schon einigermaßen wach sind, haben sich über kleine Geschenke in ihren Stiefeln gefreut und beginnen nun den Tag beschwingt und in vorweihnachtlicher Stimmung. Die anderen, die einige Anlaufzeit und koffeinhaltige Heißgetränke benötigen, um den Schlaf abzuschütteln, sind heute morgen wahrscheinlich ungewohnt schwungvoll in ihre Stiefel gefahren, um am heutigen Tage einen Duft aus erlesensten Noten von Mandarine und Schokolade am Fuß zu tragen. In diesem Fall sollte man sich aber nicht die Laune verderben lassen und sich lieber auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren.

Nürburg-St.Nikolaus151

Für den heutigen Tag habe ich einen Duft ausgewählt, der ganz gut in die dunkle Jahreszeit passt und der mit Noten von Kaffee, Zedernholz, Myrrhe und Leder angegeben ist. Ich spreche von „L’Eau du Navigateur“ von L’Artisan Parfumeur.

Eines vorweg: dieser Duft könnte ein Kracher sein, schaut man sich die Duftnoten an, ist er aber nicht. Das Wasser des Seefahrers erweist sich als feine Gewürzware aus fernen Ländern. So sind in „L’Eau du Navigateur“ die Noten von Kaffee, Hölzern und Harzen kunstvoll arrangiert. Gerade aber die Myrrhe gibt dem Duft einen balsamischen Unterton, der keinerlei Ecken und Kanten zulässt, die wiederum bei Kaffee und Hölzern durchaus denkbar wären. Also haben wir es keineswegs mit exotischen Feuerwerken oder überaus fremdartigen Eindrücken zu tun, sondern vielmehr mit einem wohlbemessenen Griff in den Gewürzschrank. Wer winterliche Weihnachtsharmonien sucht, ohne aber allzu duftgewichtig oder gourmandig daherzukommen, für den dürfte dieses Werk von Jean-Claude Ellena genau das Richtige sein. Süßes Naschwerk sucht man jedoch besser an anderer Stelle.

Immerhin begehen viele Menschen heute den Gedenktag des Heiligen Nikolaus von Myra, manche als christlichen Feiertag, andere aus ganz weltlichen Gründen. In jedem Fall liege ich mit dem heutigen Duft nicht ganz falsch, denn auch der Heilige Nikolaus (geboren im 3. Jahrhundert n. Chr.) stammt aus einem fernen Land. Myra gehörte lange zum Römischen, später zum Byzantinischen Reich. Heute heißt der Ort Demre und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich von Antalya in der Türkei.

Vielleicht mag jemand einen Kommentar hinterlassen, welchen Duft er/sie zum heutigen Nikolaustag trägt? Kennt und mögt Ihr „L’Eau du Navigateur“?

Ganz viele Grüße sendet Euch
Harmen

Bildquelle (unteres Bild): Myrrhe von Photohound via Wikimedia Commons – vielen Dank!

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Herbstwonne 5 – Al Oudh von L’Artisan Parfumeur
Von einem, der auszog, die Welt zu entdecken…
Da heute…


Wenn Herr Tauer von Lavendel träumt

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Grünes,Krautiges am 5.12.2011

Britannica LavenderUnd schon geht es weiter mit der Lavendelserie… übrigens habe ich gar nicht mehr so viele Düfte „auf Halde“, wenn Ihr also Vorschläge für Lavendeldüfte habt, die ich hier unbedingt einmal vorstellen sollte, dann nur heraus damit. Heute habe ich einen Duft auf dem Tisch, der, wie eine kurze Recherche zeigt, durchaus polarisiert. Die einen kommen mit den üblichen Vorurteilen von wegen Omas Schrank um die Ecke, die anderen sehen in ihm einen spannenden dunkel-grünen Duft: „Rêverie au jardin“ von Andy Tauer.

Ein Blick auf die Duftnoten lässt eine interessante Mischung erwarten:
Kopfnote: Lavendel, Galbanum, Bergamotte, Tannenbalsam, Rose; Herznote: Weihrauch, Ambrettesamen, Iris; Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Eichenmoos, Ambra, Sandelholz, Zedernholz

Unter den meisten Duftnoten kann ich mir etwas vorstellen – Galbanum gehört nicht dazu: Mein schlaues Buch verrät, dass es sich bei Galbanum um ein Gummiharz aus Steckenkraut-Arten aus dem Iran handelt, aus dem man wiederum per Wasserdampf-Destillation ein ätherisches Öl gewinnt. Dieses Öl soll grüne, waldige und balsamische Noten haben. Ich bin gespannt, ob ich es gleich entdecken kann.

Auf dem Duftstreifen ist der Lavendel sogleich präsent, aber auch eine frisch-würzige Komponente, die ich dem Tannenbalsam und auch ein wenig dem Galbanum zuschreiben möchte. In dieser Kombination ist das natürlich ein Kracher. Der ohnehin schon würzig-herbe Lavendel wird nun auch noch von einem Kiefernnadel-Tannenharz-Bergamotte-Verbund aufgerüstet, was selbst den Teststreifen zu einer äußerst intensiven Aromabombe macht.

Nach dem Aufsprühen auf die Haut bin ich überrascht, denn ich bin es mittlerweile gewohnt, dass sich die Kopfnoten eins zu eins wie auf dem Streifen wiederholen. In diesem Fall überhaupt nicht. Natürlich ist der Lavendel mit seinen Nadelholz-Kompagnons anwesend, aber der Rest vom Fest ganz deutlich auch. Die harzig-balsamischen Noten kommen klarer zum Tragen – ich denke das Galbanum kommt besser heraus und verbündet sich mit dem moschusartigen und blumigen Öl der Ambrettesamen sowie der Rose und dem Weihrauch. Was auf dem Duftstreifen intensiv krautig, harzig und frisch war, erweist sich auf der Haut im Verhältnis als insgesamt süßer mit einem blumigen Akzent, und was ich besonders ungewöhnlich finde ist, dass die Basis eigentlich kaum in Erscheinung tritt.

Ruined Wall, Coate Moor - geograph.org.uk - 1004031

Bei Traum und Garten hätte ich einen leichten, sommerlichen Blütenduft erwartet, aber das ist eine ganz falsche Fährte. Ich möchte überhaupt niemandem auf den Schlips treten, deswegen schreibe ich dies ausschließlich als meine Privatmeinung. „Rêverie au jardin“ ist eine ungewöhnliche Kreation, die den Mut hat, neue Wege zu gehen. Allein dafür schon großen Respekt. Meiner Meinung nach harmoniert die Komposition aber nicht optimal, zumindest nicht auf meiner Haut. Als Störfaktor würde ich das Tannenbalsam oder eben diese Nadelholzaspekte ausmachen, welche die Harmonie des Duftes unterlaufen. Auch nach längerer Zeit auf der Haut mag dieser Eindruck nicht schwinden und darüber hinaus geht der Lavendel leider auch unter.

Ich sehe hier keinen Garten, eher ein Waldrand, an dem einige Büsche blühen, eine verwunschene Lichtung, die nach geschlagenem Holz duftet und in ein dunkles Grün getaucht ist.

Deep-in-the-forest

Aber auch wenn der Duft meinen Geschmack nicht ganz trifft, bin ich beeindruckt von der unkonventionellen Vorgehensweise und kann allen Freunden extravaganter Düfte eine Probe dringend empfehlen. Ich denke, das ist ein Duft, der die Geister scheidet, aber wenn sich einer der Geister einmal dafür „be-geistert“ hat, ist es um ihn geschehen. Für jedes weitere Geister-Wortspiel lege ich fünf Euro ins Phrasenschwein, aber um diesem Spuk zu entgehen (Mist!), verabschiede ich mich lieber und bitte um reges Kommentieren, da ich sehr gespannt auf Eure Meinung bin.

Es grüßt aus dem dunklen Tann
Harmen

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Ein Herren-Lavendel von Nicolaï
Südländisches Temperament – Azzaro pour homme
A new star is born…


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