Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Herren vor – Atelier Flou die Dritte.

Geschrieben in Chypre,Duft,Hesperiden,Holziges,Leder am 20.01.2012

Heute sind wir wieder bei Atelier Flou gelandet, denn es stehen noch einige Düfte dieser von Jean‐François Cabos ins Leben gerufenen Linie an, die es zu rezensieren gilt. Stürzen wir uns zum Abschluss der Woche auf die verbleibenden Männer, die da heißen: Black Purple, Eau D’Aviateur und Monsieur Mon Amour.

Black Purple… Beginne ich bei diesem Namen ein kleines Brainstorming, fällt mir sofort im Zusammenhang mit Düften natürlich die Pflaume als Ingredienz ein. Und der Song Black Velvet. Mit ersterem liege ich schon einmal komplett falsch – keine Früchte weit und breit, dafür Folgendes: Kopfnote: „Chypre-Akzent“; Herznote: Rosmarin, Muskatnuss; Basisnote: Ambra, Vetiver, Liatrix.

„Mystery, Terrestrial and celestrial, Charming. All is extreme in this combination of heat and cold. The subtle association between the coolness of the rosemary of Morocco, the true harmony of the nutmeg of Indonesia and a passionate touch of absolute of Liatrix of America delicately associated with a deep amber. Between sky and earth.“

Von Ambivalenz ist bei Black Purple die Rede, von dem Spannungsverhältnis zwischen Wärme und Kälte… Viel interessanter ist aber für viele hier sicher die Frage nach Liatrix – was ist das? Liatrix, Liatris auch Liatrix Odoratissima oder auch Deer’s Tongue ist ein amerikanisches Kräutlein, das vornehmlich in der Savanne wächst. Auf den ersten Blick unscheinbar, entwickelt es getrocknet einen warmen, süßen, zum Teil pudrigen und stark an Vanille erinnernden Duft mit Anleihen von Heu (klar – Liatrix hat einen sehr hohen Cumarin-Gehalt) und Tabak. Zur Aromatisierung von letzterem diente die Pflanze auch Jahrzehnte.

Auch in diesem Duft scheint sie eine zentrale Rolle zu spielen: Zimtige Tabakblätter renken sich meinem Näschen entgegen und es entfaltet sich ein gar eigenartiger Duft. Blattwerk, dunkelgrünes, und Rosmarin, deutlich wahrzunehmen, sehen sich kontrastiert von warm-würzigen Akzenten, die im Duftverlauf immer mehr die Oberhand gewinnen. Samtene Wärme drückt hindurch, und es kommen in der Tat Noten zum Vorschein, die eigentlich nur von besagtem Liatrix-Pflänzchen stammen können: Vanille und Heu, von einem Hauch Ambra geadelt. An was erinnert mich das? Ein kleines bisschen an Parfumerie Générales Felanilla, was dessen dicht gewebtes Vanille-Ambra-Heu-Lager angeht. Sehr interessant – und sehr schwer einzuordnen. Auf den Ursprung des Namens komme ich allerdings immer noch nicht beziehungsweise kann nicht folgen, ganz abgesehen davon, dass ich farblich ganz anderes mit dem Duft assoziiere.

Eau d’Aviateur, der Duft des Piloten… Luftfahrtdüfte gab es schon einige, man erinnere sich beispielsweise an den großartigen En Avion von Caron, gewidmet der ersten Frauen, die fliegend den Himmel eroberten (Maryse Bastié, Adrienne Bolland & Hélène Boucher), oder an Brecourts Eau Libre. Abenteurer sind sie immer, diese Flieger – das sehen auch Atelier Flou so:

„Adventure, Density, Spirit. When the intense scene of extreme skies forces the contemplation by the voyager, from the Andes cordillera to Siberia. Bouquet of blue flowers, petitgrain of Sicily and orange oil of Brazil for this water which goes like one second spiritual skin. Obviousness.“

Flieger, grüß mir die Sonne – und die Agrumenfrüchte, die unter derselben so unwahrscheinlich köstlich heranreifen. Eau d’Aviateur ist ein Hesperidenduft, und insofern nicht wahnsinnig innovativ, gesellt er sich doch zu einer ganzen Reihe an zitrischen Früchtchen innerhalb der Parfumlandschaft. Auch die Ingredienzen oder deren Kombination stechen auf den ersten Blick nicht ins Auge: Kopfnote: Zitrische Noten, Orange, Bergamotte; Herznote: Veilchenblätter, Florale Noten, Petitgrain; Basisnote: Maté, Moschus, Zibet, Sandelholz.

Und doch – Eau d’Aviateur gefällt mir gut. Frisch, dynamisch, prickelnd, bitzelnd, säuerlich-zitrisch. Ein Hesperidenschwall mit dominanter Bergamotte, der Freude macht und den Kopf wach hält, umrankt von ein bisschen grünem Blattwerk und subtilen floralen Anklängen. Dazu gesellt sich eine Prise Tee und die Basis wärmt sandelholzig und moschusgeschwängert. Erinnert mich ein bisschen an Carthusias Mediterraneo oder an Acqua di Parmas Blu Mediterraneo Bergamotto di Calabria und befindet sich insofern in bester sommerlicher Gesellschaft.

Monsieur Mon Amour – beschwört die große Liebe, oder wie darf ich das verstehen?

„Elegant, Refined, Smart. Ultimate elegance signs this fragrance: the glowing of the hearth and the feeling of cosy leathers for an unusual and astonishing refinement. When the incense of Somalia meets the attar of the wood of Gaïac of Paraguay. Serenity.“

Was sich in der Theorie eher abenteuerlich anhört, hat auf dem Teststreifen tatsächlich das gewisse Etwas: Die Mischung aus Zitrusfrüchten, Jasmin, Hölzern und Leder, die ich mir vorab nicht so richtig vorzustellen vermochte. Der Teststreifen kündet von einem Strahlemann: Zitrisch-dynamisch mit einem interessanten Weißblüher-Kick, gebettet auf den üblichen Holzverdächtigen und von einem kühlen Leder veredelt. Hat was – leider nur auf dem Papier. Mein Handgelenk potenziert die vorhandenen Agrumenfrüchte derart, dass mir eine lange Zeit nur noch Fruchtbonbons im Stile von Nimm2 entgegenleuchten. Jene Vitaminexplosion zügelt sich im Verlauf des Duftes, sodass sich Haut und Papier vom Ergebnis her wieder annähern, trotz allem gefällt mir das Ergebnis auf meinem Händchen so nicht. Ich bin aber auch kein Mann, an denen wird sich Monsieur Mon Amour ohnehin schöner entfalten, da bin ich mir sicher.

Für diese Woche werde ich es damit bewenden lassen, nächsten Montag geht es dann weiter mit den letzten beiden Damendüften.

Bis dahin alles Liebe und Euch ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Electric von Kavewall, Photograph of aviator Charles J. Biddle (born 1890), Toul, September 1, 1918 via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Prudence Paris Teil 4.

Geschrieben in Blüten,Chypre,Duft am 25.11.2011

Die letzten Damen nehme ich mir heute zur Brust: Diese Woche stand ganz unter dem Stern der neuen Prudence-Kollektion und ich habe Euch bereits einen Großteil der Frauendüfte vorgestellt. Heute folgen nun noch No. 8, No. 9 und No. 10.

No. 8 will mir wie eine Liebeserklärung erscheinen, so schrieb ich auch bereits in unserem Shop: Eine Liebeserklärung an Frankreich, Frankreich im Spätsommer. Und eine Liebeserklärung an Parfums, französische Parfums, Frankreich als die Wiege der Parfumeurskunst. Hier ist an Ingredienzen alles vereint, der Duft ist an Reichhaltigkeit kaum zu überbieten: Farbenfroh leuchtende Blütenfelder von Rosen, Tuberosen und Jasmin, die von nasekitzelndem Pfeffer gelungen kontrastiert werden. Koriander stiftet frische, minzig anmutend, würzt aber auch auf aromatische Art und Weise. Neroli schließt sich mit Bienenhonig zusammen und sorgt für honigsüß-fruchtige Kontraste, von Zimt neckisch pudrig-scharf akzentuiert. In der Basis dominiert ganz klar Wärme: Würzig-warme süße Harze samt Rauch, von rauchig-grasigem Vetiver unterstrichen, knarzige Hölzer und cremige Vanille geben dem Duft den letzten Schliff. Auch meine ich, eine ordentliche Prise Gewürznelke in der Basis zu erhaschen, ebenso wie latent chyprierte Noten.

Auf meiner Haut zeigt sich die No. 8 anders als auf dem Teststreifen – pudrig-rauchiger, ja, ein wenig älter. Was mir vom Teststreifen entgegenwabert wirkt deutlich jünger, frischer, fruchtig-floraler, ausgewogener. Meine Hautchemie mag nicht funktionieren mit dem Duft – obgleich, vielleicht sollte ich ihn einmal tupfen. Das ist Euch ja sicherlich auch schon aufgefallen – getupft wirken manche Düfte nochmals ganz anders als gesprüht. So auch die No. 8, die ich getupft vor einiger Zeit bereits einmal himmlisch fand auf meinem Handrücken. Nun ist sie notiert – für einen weiteren Tupftest, denn so einfach gebe ich nicht auf ;)

Prudence No. 9 startet zitrisch mit deutlichen Fruchtanleihen, die ich nicht näher zu bestimmen vermag – Melone? Pfirsich? Madame Kilgour hüllt sich in Schweigen, bezeichnet sie die Ingredienzen doch ganz schlicht als Folgende: Kopfnote: Zitrusfrüchte; Herznote: Jasmin, Rose, Maiglöckchen, Früchte; Basisnote: holzige Chypreakzente, Patchouli, Vetiver, Moschus, Ambra, Vanille.

Um was für einen Duft handelt es sich hier? Ich würde sagen, wir haben es hier mit einem seltenen Sommerchypre zu tun. Chyprierte Anleihen sind nämlich sowohl auf meiner Haut, als auch auf dem Teststreifen zu entdecken, der auch diesmal etwas differiert. Ein fruchtig-floral verwobener, sacht chyprierter Duftteppich mit einer edlen, leisen, cremigen Basis und sauber-frischen Anklängen. Feminin, anziehend und sehr tragbar – und das nicht nur während der heißen Jahreszeit(en).

No. 10, der letzte Duft für die Damenwelt aus der Prudence-Kollektion, zeigt sich als klassischer Damenduft von ganz klar französischer Natur: Zitrisch glitzert es in der Kopfnote, während das Herz übervoll ist von Blüten – Ylang-Ylang, wie immer etwas exotisch und vor allem auch fruchtig-süß anmutend, von Neroli unterstrichen, Jasmin, Rose und Maiglöckchen, da haben wir sie alle beisammen. Cremig-floral, dezent betörend. Die Basis rundet erwartungsgemäß mit überaus pudrigen und verhalten holzigen Noten ab, während Moschus weiche Wärme stiftet.

Mit No. 10 hat Frau Kilgour das Rad sicherlich nicht neu erfunden – das muss man aber auch nicht (immer), wenn man einfach „nur“ einen schönen Duft für das weibliche Geschlecht kreieren möchte.

Habt Ihr schon getestet meine Lieben? Gibt es bei Euch Lieblinge? Habe ich Euch neugierig gemacht?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Jasminum Officiniale von Javier Martin, Melon von Robertz65/Roberto Ribeiro, Cananga odorata/Ylang-Ylang von Nathalie Bordy, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Anthology-Collection…

Geschrieben in Chypre,Duft,Fruchtiges,Holziges am 7.09.2011

… von Penhaligon’s war ja schon mehrfach Thema hier im Blog – dieser Tage wurde sie um zwei neue Düfte erweitert, die ich in den Neuigkeiten schon angekündigt hatte:

Penhaligon’s erweitern ihre Anthology-Collection, welche sich der Wiederauflage von alten Klassikern des 1870 gegründeten Hauses widmet, um zwei neue (alte) Düfte: Eau Sans Pareil, das „Wasser ohne Gleichen“ und Esprit du Roi, des Königs Geist. Eau Sans Pareil stammt ursprünglich aus dem Jahr 1988 und wird verschiedentlich beschrieben – einerseits als aromatischer Fougère, dann wieder als Chypre, da werden wir uns wohl noch ein bisschen gedulden müssen, bis mehr Informationen durchdringen. Esprit du Roi aus dem Jahre 1983 soll seine Überarbeitung keinem anderen als Bertrand Duchaufour verdanken und ist wohl ein klassischer holziger und zitronenlastiger Hesperidenjüngling.

Damals war alles demnach noch ein bisschen nebulös – heute wissen wir alles besser, da die Düftchen soeben erschienen sind. Beginnen wir mit Eau Sans Pareil:

„Originally created in 1988, Eau Sans Pareil has been transformed into a shimmering chypre. Opening with a giddy rush of sparkling fruits and sensual white flowers, Eau Sans Pareil is softened with sweet woods, elegant oakmoss and musks. Powdery, wistful and romantic.“

1988 ist noch nicht allzu lange her – dass die 80er auch Gutes zu bieten hatten kann man an dem 80er Revival der letzten Jahre ablesen. Und Eau Sans Pareil nochmal aufzulegen war in der Tat auch keine schlechte Idee, aber zuerst einmal die Ingredienzen: Kopfnote: Aldehyde, Neroli, Mandarine, Kumquat, Himbeere, Ananas, Zypresse, rosa Pfeffer, Tagetes; Herznote: Jasmin, Damaszener Rose, Maiglöckchen, Iris, Ylang-Ylang, Orangenblüte, Lakritze, Gewürznelke; Basisnote: Patchouli, Vetiver, Zedernholz, Moschus, Vanille, Labdanum, Benzoeharz, Ambra.

Puh, eine ganz schöne Liste. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass das sehr wahrscheinlich kein Fougère-Duft ist und auch nicht unbedingt in die Herrenecke einzusortieren. Vollkommen korrekt – Eau Sans Pareil ist ein Chypre, und ein sehr netter dazu: Die Kopfnote zeigt sich übermütig fruchtig und zitrisch und bitzelt und prickelnd, dass es eine große Freude ist. Mit den deutlich vernehmbaren Ananasanklängen und der ebenfalls präsenten Himbeere fühle ich mich sofort an irgendeinen Fruchtcocktail mit tropischem Einschlag erinnert, dem ordentlich Schampus innewohnt.

Jene luxuriöse Weinseligkeit wird umgehend von einem pudrig-floralen Herzen aufgefangen: Rosige Frische, von Maiglöckchen zart untermalt, erdige Iriswurzel sowie Orangenblüte und Ylang-Ylang, welche mit ihrer fruchtig-floralen Süße die Kopfnote umgarnen. Die Basis ist ausladend und von holzig-harziger Wärme, während Gewürznelke und Lakritze keck im Hintergrund für würzig-scharfe Kontraste sorgen.

Ein wirklich netter Chypre – nicht für jeden Tag weil von dominanter Präsenz und eher etwas für den Abend. Allerdings finde ich die Kombination eines floralen Chypres mit diesen unverschämt sommerlichen Fruchtnoten im Kopf toll und spannend. Wer einen Fingerzeig haben möchte – eine Amour Fou zwischen Parfum d’Empires Eau de Gloire und Parfums MDCIs Le Rivage des Syrtes von Patricia de Nicolaï.

Weiter geht es mit Esprit du Roi:

„Originally created in 1983, Esprit du Roi returns as a lush woody citrus, heady with swirling scented foliage. Fresh tomato leaf, mint and raspberry leaf are combined with rich florals, warm woods and potent musks to create this masterpiece of contrasts.“

Von Esprit du Rois Parfumeur hat man, im Gegensatz zu Beverly Bayne, aus deren Phiole Eau Sans Pareil entstieg, schon viel gehört – es ist, wie oben schon erwähnt, Bertrand Mister Omnipräsent Duchaufour, was die Erwartungshaltung gleich steigert.

Die Ingredienzen: zitrische Noten, Bergamotte, Mandarine, Zitronatzitrone, Minze, Tomatenblätter, Davana, Aldeyhyde, Kardamom; Herznote: Gewürznelke, Geranium, Ylang-Ylang, Jasmin, Geißblatt; Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Sandelholz, Patchouli, Himbeere, weißer Moschus, Ambra, Eichenmoos und irgendein, pardon, absurder „African Stone“.

Bloß ein einfacher Zitronen-Holzling? Nein, natürlich nicht bei und mit Herrn Duchaufour. Auch Penhaligon’s haben mit dem vor ein paar Tagen erwähnten Opus 1870 schon ganz anderes abgeliefert als ein profanes Zitruswässerchen.

Einen bunten Sack voll schöner Dinge versammelt er, der Geist des Königs und lässt dabei die Impression einer königlichen Gartenanlage vor meinem inneren Auge auferstehen, gerne auch einer englischen. Schillernder frischer Kardamom, kräuterig-krautige Anklänge, eine dunkelgrüne minzige Frische ausstrahlend und von funkelnden Hesperidensternen beschienen fällt der Blick auf satt-grünen Rasen, von mächtigen alten Bäumen gesäumt. Ein ruhiger, majestätischer Duft voller Understatement, der nur auf einen geeigneten Träger wartet.

Herr Duchaufour scheint ganz in seinem Element – erst neulich bescherte er uns schon Jardin du Poète, den herrlichen sizilianischen Garten, Rezension siehe hier. Und kommt jetzt scheinbar erst richtig in Fahrt – weiter so, weiter so! Ich für meinen Teil werden den Duchaufours so schnell nicht müde.

In diesem Sinne -

viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Ananas von Alvesgaspar, Stourhead, The Pantheon and the Lake von Neil Kennedysome rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Anthology-Collection von Penhaligon’s in unserem Shop.

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Maineuigkeiten die Zweite.


Ride the Lightning…

Geschrieben in Chypre,Duft,Grünes am 29.07.2011

mit Fulgor, dem zweiten Duft aus dem Gewitter-Duo von Calé Fragranze d’Autore. Ein gewaltiges Gewitter, ein Naturschauspiel, kommt nicht aus ohne Blitze – und denen ist der Duft gewidmet, steht das Lateinische Wort Fulgor doch für Blitz(en), Aufblitzen sowie für Glanz.

In meinen Augen glänzt es ganz gewaltig, durfte ich doch bereits gestern den hervorragenden Roboris von Mark Buxton vorstellen – Fulgor, das sei schon verraten, steht dem in nichts nach.

Kreiert wurde der Duft von Maurizio Cerizza, der bereits einen Großteil der restlichen Calé Fragranze d’Autore-Kollektion schuf. Die Ingredienzen: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Mandarine, Feigenblätter; Herznote: Magnolie, Narzisse, Safran; Basisnote: Weihrauch, Patchouli, Ambra, Graphit, Pyrit.

Wie ein echter Blitz, eine Funkenentladung, explodiert auch Fulgor gleich mit dem Aufsprühen in der Nase: Bitter, herb, grasig, metallisch, feucht-frisch, harsch und rauchig präsentiert er sich, und in dunkelgrünem Gewand. Johannisbeere, tiefschwarze, sowie Feigenblätter, grüner als grün, sind dafür verantwortlich, und sorgen für unaufhörliches bitzelndes Prickeln. Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich – und schön. Erinnert mich in diesem Stadium sehr an den unerforschten Urwald, der einem wild und ungezähmt aus Six Scent Series 2, Fragrance 3: The Spirit of Wood by Cosmic Wonder Light Source in Erinnerung blieb. Kontrastreich geht es weiter: Fulgor balanciert immerzu zwischen all diesen Polen, im Laufe der Zeit zart-verschwommene Knospen offenbarend von Blüten, taubenetzt. Eine subtile und zuweilen überaus pudrige Süße schielt durch das Dickicht, floral und von einer eigenartigen Wärme, die sich mit der Zeit holzig durch das spitzkantige Grün drängt und nach der Entladung für aromatische Ruhe sorgt.

Fulgor macht es einem unglaublich schwer, ihn einzusortieren: Am ehesten entdecke ich Ähnlichkeiten zu genanntem Six Scents-Duft, meine aber auch, gewisse chyprierte Anklänge wahrzunehmen. Einige grüne Chypreklassiker wie zum Beispiel Balmains Vent Vert kommen mir in den Sinn. Was die Rauchigkeit angeht fühle ich mich an Chanels wunderschönen Vetiver Sycomore erinnert. Aber all das vermag nur Fingerzeige zu geben. Denn eigentlich habe ich so etwas wie Fulgor noch nicht gerochen. Und freue mich deshalb einmal mehr, etwas Neues, für mich wirklich Neues entdeckt zu haben.

Darüber hinaus ist Fulgor trotz seines etwas sperrigen Charakters – er ist ein Unikum – auf seine Art und Weise so herrlich leicht, dass er für all die Colognemüden, Hesperidenmüden, Meeresmüden und Obstkorbmüden im Sommer eine echte Alternative ist, wie „meine“ Leserin Jutta dieser Tage in einem Forum vollkommen richtig schrieb. Der Ansicht bin ich auch: Im Sommer bei richtig heißen Temperaturen mangelt es oft an olfaktorischen Möglichkeiten – Fulgor ist eine davon, und eine tolle noch dazu.

Habt Ihr die beiden Gewitter schon getestet? Welches ist Euer Favorit und warum?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Storm Brewing und Lightning Storm – Purple, beides von Julia Starr über stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Fulgor von Calé Fragranze d’Autore in unserem Shop.

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Auch heute…
Neuer Wind Teil 3.
Duftverzeichnis


Asche auf mein Haupt…

Geschrieben in Chypre,Duft,Orientalen,Reines und Pudriges am 24.06.2011

Kennt Ihr das auch? Manchmal gibt es sie einfach, diese Düfte oder auch ganze Häuser, die einen aus manchmal sehr bewussten Gründen, oft aber auch aufgrund von völlig unreflektierten Ursachen nicht brennend interessieren, für eine Zeit (ein sehr dehnbarer Begriff, ich weiß…) unter den Tisch fallen, aus dem Radar entschwinden. Und irgendwann fällt man dann über jenen Duft oder eben auch einen Duft jenes Hauses, wie es der Zufall so will – und schämt sich. Weil man ein Juwel verpasst hat, manchmal sogar viel zu lange. Weil man sich fragt, wieso. Und keine triftigen Antworten auf diese Frage kennt.

Eines dieser Häuser bisher war bei mir – ich gestehe: Nobile 1942. Einen Grund dafür gibt es keinen, nein. Oder, vielleicht, wenn ich einen an seinen Haaren herbeiziehen sollte – die zum Teil hochkomplizierten Namen der Düfte: Vespriesperidati beispielsweise – ich kann es mir mit meinem kläglichen, aus dem Französischen abgeleiteten Rudimentärverständnis der italienischen Sprache einfach nicht merken, sorry. Aber das kann ja eigentlich kein Grund sein, trotzdem nicht. Rückblickend kann ich lediglich sagen, dass die Dame von der Messe überaus nett und sympathisch war und dass ich die damalig erschienene Kinderkollektion Alla Corte del Re ebenfalls sehr ansprechend fand und niedlich von der Idee her. Darüber hinaus hatte ich auch ständige Erinnerungen: Die liebe Margot, die einige aus den Kommentaren kennen dürften, hat mich mehrfach daran erinnert und immer wieder dazu animiert, ich solle doch mal oben genanntes Düftchen testen und am besten gleich rezensieren. Des weiteren steht auch eine unbestritten sehr hübsche Abfüllung des Lavendelduftes Lavanda Nobile in meinem Duftschränkchen, die ich mir aus aktuellem Anlass doch noch sehr viel genauer unter die Nase klemmen werde.

Den aktuellen Anlass stellen zwei Neuveröffentlichungen des Hauses dar, die ich dieser Tage ausführlich getestet habe – und siehe da, zwei Perlen: Die Rede ist von Chypre 1942 Fragranza Suprema und Muschio Nobile. Zugegeben, keine besonders auffälligen Namen, ich weiß – wartet es aber ab meine Lieben!

Chypre 1942 hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Orangenblüte; Herznote: Tuberose, Jasmin, Damaszener Rose, Styraxharz; Basisnote: Moschus, Ambra.

Während der Duft sich auf meiner Haut alsbald erwärmt, zeigt er sich als auf dem Teststreifen noch länger in fruchtigen Hesperidenträumen verharrend. Hernach galoppiert jenes prachtvolle Düftchen schnell los ins von der Basis erhitzte Herz, ausladend von Blüten geziert: Jasmin, Tuberose und edle Damaszener Rose tun ihr übriges, ein altbewährtes Team – verführerisch, betörend, einlullend und gleichzeitig mit frischen Akzenten beschert, die einen schönen Gegenpol zu der warmen Harzbasis darstellen, die sich von moosigen Anklängen und Leder umrahmt sieht.

Chypre 1942 ist ein orientalisch angehauchter Chypre voller Eleganz, ein Bouquet ausladender Blüten, dessen Charakter deutlich weißfloral geprägt ist, von Ledernoten gesäumt, von rauchig-warm schwelender Harzsüße und würzigem Ambra getragen. Für mich von 0 auf 100 eines der besten Pferde im Stall der klassischen Chypredüfte und ein wirklich exzellenter Vertreter seiner Gattung.

Das ist auch der Duft, der sich hinter dem schlichten Namen Muschio Nobile verbirgt – und das aus meiner Feder, bin ich doch nicht gerade als großer Moschusliebhaber bekannt. Ein paar nenne ich mein Eigen, genauer: Anamor All that matters, Etro Musc und Narciso Rodriguez Musc Collection EdP Intense, das war es dann fast auch schon. Meist sind sie mir zu weich, kuschelig und – nun, unaussagekräftig, die Kandidaten. Und einen richtig dreckigen Moschus, der mich aus den Socken haut, den habe ich leider noch nicht gefunden – da bleibe ich so lange bei Malles erotischem Musc Ravageur, meinem letzten Moschus.

Muschio Nobiles Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Kardamom, Lavendel; Herznote: Lavendel, Maritime Noten, Guajakholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Benzoeharz, Eichenmoos.

Die Zutaten habe ich jetzt verraten – um sie sofort sträflich zu vernachlässigen, denn eigentlich sind sie mir völlig gleich: Frisch aufgesprüht rieche ich noch ein paar Spritzer Hesperiden, eine sachte zitrische Fruchtfrische, danach geht der Duft aber in ein großes Ganzes über, das ich persönlich nicht mehr auseinanderklamüsert bekomme. Vielleicht muss ich das aber auch einfach mal nicht tun. Ich rieche nur Kuschelmuschel, rieche Moschus, federleicht und hauchzart, sauber und überaus seidig weich, mit sanfter Vanillefärbung und – Madeleines. Frisch gebackene, saftige Madeleines. Vielleicht habe ich zuviel Proust gelesen, dessen Ich-Erzähler in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ seitenlang über den Geschmack von in Tee getunkten Madeleines schwärmt, die ihn an seine Kindheit erinnern (siehe hier), ich weiß es nicht – für mich ist Muschio Nobile wie ein olfaktorischer Kuss, Geborgenheit vermittelnd und Sicherheit sowie große Zuneigung. Muschio Nobile ist wie nach Hause kommen. Und stimmt so glücklich.

Normalerweise not my cup of tea – dieser Duft muss aber sehr sicher her. Und der Rest der Nobile 1942-Kollektion wird demnächst ebenfalls beäugt, mal sehen, was ich sonst noch für Knaller übersehen habe, schändlichst.

In diesem Sinne – beschämte, verschämte und schwärmerische Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Madeleines de Commercy von Bernard Leprêtre via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Nobile 1942-Kollektion in unserem Shop.

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Einen raschen Blick…

… will ich mal wieder in die Runde werfen – so viele Neuerscheinungen und ich werde Ihnen kaum Herr. Bevor erneut eine halbe Schublade für die Vergessenen aufbereitet werden muss deshalb heute in Kürze: Profumi del Forte 150 und Heeleys Hippie Rose.

Profumi del Forte 150 ist natürlich ein Jubiläumsduft, denn die Italiener haben 2011 Gewichtiges zu feiern – den 150. Geburtstag Italiens. Genauso wie Xerjoff und Il Profumo, die ebenfalls ihrem Land huldigen, haben natürlich auch Profumi del Forte ein Düftchen aus der Schublade gezaubert, mit dem sie gratulieren. Dessen Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Labdanum (Zistrose), Veilchenblätter; Herznote: Sandelholz, Patchouli, Zedernholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Vanille.

Mich erinnert der Duft sofort an eine Freundin, die gerne Stillleben fotografiert und hin und wieder mit Texturen, Stoffen experimentiert, die die Protagonisten ihrer Stillleben umhüllen: In diesem Falle sind es Agrumenfrüchte, Bergamotte und Orange, neben denen ein zarter Strauß Veilchen drapiert wurde mit viel Blattgrün und einzelnen, sich bereits öffnenden Blüten. Ein sachter Kaschmir-Seiden-Schleier liegt darüber, wie der Sommerschal, der einem im Wind des nahen Wassers über den Teller weht, während man die ersten Sonnenstrahlen im Frühling auf der Terrasse oder dem Balkon genießt. Sanft-holzige Anklänge vermischen sich mit unglaublich weichem Moschus, dessen zarte Süße von Tonkabohne und Vanille aufgegriffen und verstärkt wird, die darüber hinaus eine sinnliche Cremigkeit verströmen, von ambrierter Würze dezent untermalt.

Eine sanfte, aber überzeugende Liebeserklärung würde ich sagen.

Hippie Rose heißt der aktuellste Duft aus dem Hause Heeley, jenes Londoner Philosophen, der sich nunmehr der Welt der Düfte zugewandt hat. Die durch dasselbe Studium zustande gekommene Bruderschaft im Geiste schafft natürlich Sympathien, das gestehe ich – aber nicht nur deshalb mag ich die Kreationen sehr gerne: Ich mag seine klare, unprätentiöse, unaufgeregte, aber sehr besondere Handschrift und liebe viele seiner Kreationen, allen voran die wundervolle Iris de Nuit, die für mich nach der göttlichen Iris Pallida von L’Artisan den zweitschönsten Irisduft darstellt, Menthe Fraîche, jene sommerliche Pfefferminzerfrischung, den besonderen Esprit du Tigre, den ich Euch alsbald noch vorstellen werde sowie Sel Marin, die maritime Brise und Cuir Pleine Fleur, das eigenartig floral-transparente Lederchen.

Die neue Errungenschaft Hippie Rose ist, wie unschwer zu erkennen, eine Hommage an die Hippiezeit:

„An Air of Freedom – The rising sun of a new, carefree day. A warm wind filtering through the Californian desert. The perfumed air of a Himalayan temple. Waves of long, shining hair flicker over dust and sand and soft, tanned skin. Freedom is not far. Against the rose coloured sky of dusk, we dream of love and peace and better days.“

Ein Traum von Liebe, Frieden und besseren Tagen – wer träumt den nicht manchmal… Obgleich damals sicher die eine oder andere Substanz dabei geholfen haben könnte, sich schneller und besser wegzuträumen aus dem Gräuel des Alltags – Hippie Rose kann das auch und ist noch nicht einmal gesundheitsschädlich ;)

Sich im Auftakt in Moos hüllend zeigt sich das frisch, ätherisch-luzide Röschen von Beginn an Krautig, sein Kleid von glitzernden Bergamottesprenklern wie Sternen verziert. Eine chyprierte Schönheit, der Vetiver und Weihrauch einen zarten Rauchschleier schenken.

Für mich ein toller und überaus natürlicher Rosenchypre, der sich irgendwo zwischen Parfum d’Empires Eau Suave, Parfums de Rosines Clair Matin und Eau d’Italies Paestum Rose einordnen lässt und somit für mich durchaus habenswert erscheint.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen schönen Tag und verabschiede mich mit meinem persönlichen Lieblingshippiesong “San Francisco” von Scott McKenzie.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Duftverzeichnis L – Z
Freitagsverlosung.
Einen raschen Blick…


Poire Belle Hélène…

Geschrieben in Chypre,Duft,Fruchtiges,Gourmand,Leder,Orientalen am 1.04.2011

… ist die französische Bezeichnung für jenes wundervolle Dessert, das bei uns Birne Helene heißt. Wird einem heute meist irgendein zusammengepanschter Haufen mit Birne, häufig noch aus der Dose, serviert, der in Sahne und Instantschokosauce zu ertrinken droht, ist das Original tatsächlich eine gar deliziöse Angelegenheit: Frische Birnen in Zucker pochiert, nach dem Auskühlen mit Vanilleeis angerichtet und gesäumt von kandierten Veilchen sowie überzogen von einer heißen Schokoladensauce – mmmmmhh!

Bei all den komischen Verschnitten, die einem diesbezüglich so serviert werden, muss ich immer an den grandiosen Loriot als Heinrich Lohse in Pappa ante Portas denken, der seiner Frau Renate (natürlich dargestellt von Evelyn Hamann) im Verlauf des Films den letzten Nerv raubt. Unter anderem schafft er das vor allem mit seiner Pedanterie, welche er auch im Bezug auf das Dessert Birne Helene auslebt, siehe hier (Szene kommt ganz am Schluss):

Ob nun Apfel, Pfirisch oder Birne – der eigentliche Schöpfer der Birne Helene hat sie wohl alle adäquat „verwurstet“: Auguste Escoffier, der als Gründer der modernen Grande Cuisine gilt, mit dem Guide Culinaire die Grundlage für die Kochkunst des 20. Jahrhunderts schuf und in legendären Hotels und Restaurants wie dem Savoy und dem Ritz kochte, erfand nicht nur das Dessert Birne Helene, sondern auch den Pfirsich Melba sowie einige andere bahnbrechende Kreationen. Die Birne Helene im übrigen wurde 1870 kreiert – zu Ehren der Uraufführung von Jacques Offenbachs Operette „Die Schöne Helena“ in Paris.

Kommen wir aber nun zu meinem eigentlichen Anliegen: Parfums MDCI haben gerade, wie ich neulich schon ankündigte, ihren zehnten Duft lanciert – La Belle Hélène, eine Hommage an die Birne Helene. Ich hatte das Thema des Duftes folgendermaßen beschrieben:

Der Fokus liegt bei diesem Duft, für den man den momentan omnipräsenten Bertrand Duchaufour verpflichtet (was ihn natürlich noch interessanter macht…) auf Osmanthus, jener eigenartigen Blüte mit ihrer aprikosig-ledrigen Anmutung. Duchaufour hat daraus wie man liest eine helle Schönheit gemacht, die sich auf zwei lichte Gourmandsäulen stützt: Die der Birne aus dem Dessert, einer saftigen, grünen und die der aprikosigen Osmanthusnatur. Die Ingredienzen: Birne, Aldehyde, Mandarine, Osmanthus, Limettenblüte, Rose, Ylang-Ylang, Iris, Weißdorn, Pflaume, Mirabelle, Myrrhe, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Ambra, Eichenmoos, weißer Moschus, Sandelholz und Süßholz (Lakritze).

Birnendessert und Gourmand… Ich kann mich dessen nicht entheben und muss sofort an Duchaufours letzten Duft denken, der das Etikett eines Gourmands trug und diesen Begriff sehr weitläufig interpretierte: Der wunderschöne Traversée du Bosphore für L’Artisan Parfumeur, das Irislederchen mit seinem leichten Gourmandanstrich von pudrigem Lokum, den ich hier bereits rezensierte. Auch bei der Birne Helene hier wird wohl kein knalliger Krawall-Gourmand zu erwarten sein – weder bei diesem Parfumeur noch wenn vorab bereits die Rede von chyprierten Anklängen ist, wie ich zwischendurch noch erfahren habe. Aber ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen und komme jetzt dann endlich auch mal zum Duft ;)

La Belle Hélène beginnt gleich mit ihrer Hauptprotagonistin, der Birne: Eine saftige, grüne und fest-fleischige stolze Vertreterin ihrer Gattung, flankiert von einer noch sehr jungen Aprikose. Jene letzte verwandelt sich in einem Zeitsprung im späteren Duftverlauf in ein getrocknetes und dezent süßes Exemplar, dass die papierne Trockenheit der Birne sowie die der alsbald auftauchenden Pflaume versüßt. Kontrastierend zu den verhaltenen Früchtchen gesellt sich etwas, was ich als eine lose Ähnlichkeit zu Traversée du Bosphore bezeichnen würde: Eine gar wundervolle Iris mit samtig-pudrigen Elementen, die von Rosenwasser noch verstärkt und durch eine elegante Ledernote unterstrichen werden, für die auch der hier sehr dunkel und überhaupt nicht fröhlich, sondern sehr sinnlich umgesetzte Osmanthus verantwortlich ist. Noten grüner und kandierter Veilchen säumen das Geschehen, von der Iris herrührend, welches mit einer warmen und dezent, vielmehr: abstrakt orientalischen Basis ausklingt: Ein subtiler Hauch Lakritze auf einem ambrierten Bett von Wattemoschus, sanft holzige Akzente und, ja – ein Chypre-Kissen.

Mir persönlich gefällt La Belle Hélène aus vielerlei Gründen sehr: Diese wunderschön umgesetzte trocken-fruchtige Birne, die Lokum-Anklänge von Rosenwasser und Pudernoten, das Irisledrige und die verhaltenen Orientalenanklängen in der Basis, vor allem aber auch das ambivalent-kontrastreiche Spiel der Osmanthusfacetten, jener fruchtigen Aprikosennoten im Widerschein der dunklen, pflaumig-ledrig gesäumten Seite der Blüte und das ganze noch umgesetzt als moderner Chypre – toll.

Wer Birnen liebt, wird um einen Test nicht herumkommen. Freunde von Herrn Duchaufour, vor dem ich – Chapeau – meinen Hut ziehe, auch nicht und wer seinen letzten L’Artisan Parfumeur-Duft Traversée du Bosphore liebte, erst recht nicht. Ansonsten sollten Liebhaber von besonderen Chypres einen Test wagen. Und wer Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889 mochte sollte auch mal die Nase offen halten.

Habt Ihr schon getestet? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Harvest1 – Birnenstillleben von Friedrich Plechschmidt, Pears and Plums 3 von michaelaw, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier erhalten Sie La Belle Hélène in unserem Shop.

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Grossmith…

Geschrieben in Chypre,Duft,Fougère,Orientalen am 8.03.2011

… ist eines der ältesten Parfumhäuser Englands. Es wurde 1835 in London gegründet und machte sich mit den üblichen Verdächtigen einen Namen: Seifen, Gesichtspuder, Körperpflege, Öle und vieles mehr, unter anderem natürlich mit – Parfums. Natürlich war das Familienunternehmen auch Hoflieferant einiger Königshäuser. Und erlitt im 19. Jahrhundert ein Schicksal, das viele Familienunternehmen teilen – es wurde 1980 „eingestampft“, genauer: die Produktion wurde eingestellt. Heute, über 30 Jahre später, erlebt es nun seine Renaissance – und zwar durch Simon Brooke, den Ur-Urenkel des Gründers John Grossmith, der das Unternehmen zurück in den Familienbesitz holte und ihm zu neuem Glanz verhelfen möchte.

Dafür kooperierte man mit dem in Grasse ansässigen Aromastoffhersteller Robertet und ließ nun die drei größten Erfolge des Hauses wieder aufleben: Hasu-No-Hana von 1888, Phul-Nana von 1891 und Sem-El-Nessim von 1906.

Diese Idee ist natürlich wieder genau meins: Parfum ist Kulturgut und eine solch alte Firma „sterben zu lassen“ ist nicht nur ein (kunst)handwerklicher, sondern auch ein kultureller Verlust. So war ich gespannt auf die drei Düfte, die ich Euch hier jetzt vorstellen mag.

Hasu-No-Hana ist der japanischen Lotuslilie gewidmet. Liest man das oder vielmehr: lese ich das, denke ich an – Ätherisches. Lilie, ja, aber – leicht, aquatisch. Dieser Eindruck wird bereits vereitelt durch die nähere Beschreibung des Duftes, die „orientalische Facetten“ und „Chypre“ ankündigt, auf einer „holzigen, trockenen und sehr sinnlichen Basis.“ Ein Blick auf die Ingredienzen lässt ähnliches erahnen: Kopfnote: Bergamotte, Bitterorange; Herznote: Rose, Jasmin, Ylang-Ylang, Iris; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos, Vetiver, Zedernholz, Sandelholz, Tonkabohne.

Und, in der Tat – genau das ist es, was sich da offenbart: Ein orientalischer Chypre oder auch: ein chyprierter Orientale. Eine Handvoll Hesperiden im Auftakt brilliert er durch sein übervolles Herz, das eine gelungene Hochzeit beider Duftfamilien, beider Welten offenbart. Satte Chypreakkorde mit Lederanklängen in Kombination mit üppigen Blüten und einer warmen orientalischen Süße, die in würzig-holziger Samtigkeit ausklingt.

Die Lilie erkenne ich hier nicht, und eine asiatische gleich gar nicht – aber vielleicht, sehr wahrscheinlich ist es nur eine Assoziation, und jene kann ich nachvollziehen, wenngleich auch nicht mit meinem Begriff von Asien in Einklang bringen. Ein Klassiker durch und durch, aber zeitgemäß und zeitlos. Und überaus weiblich.

Phul-Nana ist Hindi und heißt übersetzt soviel wie „schöne Blume“ und soll ein Bouquet der reizendsten indischen Blüten darstellen. 1891 kreiert, vermählt Phul-Nana die Impression eines Kräuter- mit einem Blumengarten und ebnete so laut der Firma den Weg für diverse orientalische Kreationen, die da folgen sollten. Dabei bezeichnet ihn diese als „frische und süße florale Komposition“ mit aromatischen Fougère-Anklängen auf einer sanften, holzig-warmen Basis. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Neroli; Herznote: Geranium, Tuberose, Ylang-Ylang; Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Zedernholz, Sandelholz, Opoponax, Tonkabohne, Bourbon-Vanille.

Auch wenn ich Lavendel für Fougèregewitter hier vermisse, vermag ich doch diejenigen krautigen und kräuterigen Anklänge zu entdecken, die hier beschrieben werden: Dichte Anklänge von Zitrusfrüchten samt den ihnen anhängigen Bäumen, zu deren Wurzeln sich nicht nur Moos, sondern auch unzählige Kräuter und Kräutlein tummeln im warmen Sonnenlicht, von zahllosen Blumen begleitet, die ihre Häupter gen Sonne recken. Geranium spendiert einmal mehr minzige Rosennoten, welche von überschwänglichen weißen Blüten begleitet werden, die auf einer überaus warmen, harzigen Basis ruhen, von holzigen Noten gesäumt. Altmodisch, aber schön. Und durchaus tragbar, eben – ein weiterer Klassiker.

Mit einem ebensolchen geht es morgen weiter: Der dritte und letzte in der Reihe, Sheem-El-Nessim.

Bis dahin alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die Düfte von Grossmith in unserem Shop.

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Gilding the Lily.

Geschrieben in Chypre,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges am 2.02.2011

Auf zu einer neuen Runde der Vergessenen – es harren derer noch so viele in meinen Schubladen, da ich, vor allem im Winter, nie hinterher komme, Euch alle Neuerscheinungen vorzustellen, die ich eigentlich hier zeigen mag.

Zwei weitere Kandidaten, die bisher von mir ganz unberechtigt und vollkommen zu Unrecht nicht rezensiert wurden, sind Inekes neuer Duft Gilded Lily sowie Laboratorio Olfattivos Nirmal – das werde ich heute und morgen nachholen.

Gilded Lily ist, wie unschwer zu erraten, Inekes siebter Duft, denn die Dame schafft gerade ihr eigenes Alphabet der Düfte und ist jetzt beim Buchstaben G angelangt. Wie immer zeigt sich die in San Francisco lebende gebürtige Kanadierin literarisch bewandert: Der Name ihres neusten Streiches geht auf den Ausdruck „Gilding the Lily“ zurück, was soviel heißt wie “die Lilie vergolden”.

Jener wird auf William Shakespeares 1595 entstandenen King John zurückgeführt, geht aber auf ein falsches Zitat zurück – die Originalstelle lautet:

“To gild refined gold, to paint the lily, to throw a perfume on the violet, to smooth the ice, or add another hue unto the rainbow, or with taper-light to seek the beauteous eye of heaven to garnish, is wasteful and ridiculous excess.”

Auf Deutsch nach der Wielandschen Übersetzung, online dank Projekt Gutenberg: Akt 4, Szene 2, Auftritt Salisbury:

„Dieser doppelte Pomp einen Titel zu befestigen, der vorhin schon sicher war, ist eben soviel als feines Gold übergülden, die Lilie weiß färben, die Viole parfumiren, das Eis glätten, den Regenbogen mit einer neuen Farbe bereichern, und dem schönen Auge des Himmels durch ein Fakel-Licht einen höhern Glanz geben wollen; es ist vergebliche Verschwendung und lächerlicher Ueberfluß.“

Wie bereits hier zu ersehen ist der Terminus „Gilding the Lily“ mitnichten positiv gemeint, ganz im Gegenteil: Er bezeichnet, das lässt sich einhellig feststellen, das Bestreben, etwas bereits Schönes oder auch Perfektes noch weiter verzieren und/oder verbessern zu wollen – und damit meist zu verschlimmbessern, zu verunstalten, was mich an das wunderschöne Zitat aus Terre des Hommes – Wind, Sand und Sterne von Antoine de Saint-Exupéry erinnert, das wohl auch den Bauhäuslern gefallen haben muss:

“Perfektion ist erreicht, nicht, wenn sich nichts mehr hinzufügen lässt, sondern, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.”

Ehrlicherweise kann ich die Beweggründe nicht verstehen, weshalb Ineke Rühland vor diesem Hintergrund auf jenen Ausdruck zurückgreift und ihn auf die Parfumeurskunst anwendet:

„Für Ineke“ lässt das Pressematerial verlauten, „ist er eine passende Allegorie für das Parfümhandwerk generell, da Parfümeure grundsätzlich versuchen die Schönheit der Natur noch weiter auszuschmücken.“

Für mich eine negative Assoziation, da ich das Handwerk der Parfumeure anders auffasse: Sicher, man bildet oft Natur nach… man verwendet sie aber auch. Und es geht nicht immer und ständig um überflüssigen Zierrat, auch wenn das vielleicht der eine oder andere Kernseife-Verwender so sehen mag… Der ist ja aber ohnehin nicht die Messlatte.

Vermutlich war es die Ingredienz, die die Parfumeurin Rühland zum Namen des Duftes inspirierte:

„Als Ineke von dem fantastischen Duft der japanischen Goldband-Lilie (Lilium Auratum) hörte, bestellte sie sofort ein paar Exemplare für ihren Garten, um ihn zu erforschen. Der Duft wurde zum Herzstück ihres neuen Parfums. Ursprünglich entdeckten viktorianische Pflanzensammler die wild wachsende Lilie mit dem Namen „yama yuri“ in den Bergen Nordjapans. Sie brachten sie mit zurück nach England und machten sie zur Grundlage diverser Lilienkreuzungen.“

Trotzdem bleibt der Name für mich mit seinem ganzen Hintergrund ein Fehlgriff – ganz im Gegensatz zum Duft, zu dem er mit seiner Bedeutung im krassen Widerspruch steht: Mit Gilded Lily bewegt sich Rühland nämlich in Richtung neuer Ufer. Fast schon Patricia-de-Nicolaïesk schuf sie hier einen femininen Duft voller zurückhaltend-selbstgewisser Anmut und Eleganz, der aber in seiner kühlen Würzigkeit eine hohe Präsenz aufweist.

Ein leichtfüßig vollzogener Spagat zwischen der altehrwürdigen Duftfamilie der Chypredüfte und einem zeitgemäßen Duft, ein klassischer Chypre mit einem modernen Twist: In der Kopfnote prickelnde Fruchtnoten von saftiger Ananas und feinherb-säuerlichem Rhabarber bahnt sich alsbald das chyprierte Naturell des Duftes seinen Weg, welches darüber hinaus mit einer würzig-floralen und betörend ätherischen Lilie aufwartet. Weichheit und Würze, Puder und Frucht sowie florale Elemente fügen sich hier zu einem überzeugenden, weder zu süßen noch zu floralen und auf keinen Fall quietschig-fruchtigen Damenduft zusammen, der, wie ich meine, nicht unbedingt von einem Teenager getragen werden sollte – aber das meine ich ohnehin von jedem Chypreduft ;)

Die Ingredienzen: Kopfnote: Ananas, Rhabarber, Pampelmuse, Bergamotte; Herznote: Lilie; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos, Sandelholz.

Konntet Ihr schon testen, wie gefällt er Euch? Und wie steht Ihr zu Chypredüften?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Im übrigen rieche ich einen mehr als deutlichen Unterschied zwischen dem Teststreifen, meiner Haut und dem Schal, worauf ich Gilded Lily auch noch platziert habe – bitte unbedingt vor einem eventuellen Kauf selbst testen!

Hier finden Sie die Düfte von Ineke in unserem Shop.

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Santa Maria Novella & das 400jährige.

Geschrieben in Chypre,Duft,Hesperiden,Krautiges am 1.12.2010

Was für ein Anlass: Ein vierhundertster Geburtstag – rechnen wir nach: 1610 müsste es sein, die Italiener legen es aber gerne ein bisschen großzügiger aus und sind, oh Wunder, überpünktlich: 1612 war das Gründungsjahr der legendären Apotheke, bis dahin gedenken sie wohl auch zu feiern und ihr Jubiläum zu begehen.

Dieses ist, in der Tat, auch beachtenswert. Vergleichen wir doch einmal: Houbigant, das älteste französische Parfumhaus, wurde im Jahre 1775 gegründet, Lubin folgte 1798, Guerlain 1828. Farina aus Köln schlagen sich sehr beachtlich mit dem Geburtsjahr 1709. Einwerfen könnte man auch noch die Kerzenmanufaktur Cire Trudon, obgleich jetzt thematisch etwas verrutscht, mit dem Jahre 1643. Dann wären da Acqua di Biella mit 1871 oder die Engländer von Creed, seit 1760 in Familienbesitz, Floris, 1730 in London gegründet (Ihr erinnert Euch? Gerade eben erschienen: 280, der Duft zum Jubiläum) sowie Penhaligon’s, bestehend seit 1870.

Begonnen hat es, wie so oft und vieles – in einem Kloster, ansässig in Florenz. Mönche dominikanischer Art brauten und rührten für ihr klostereigenes Spital diverse Cremes, Tinkturen, Kräutersude, Seifen, Liköre, Pastillen, Colognes und vieles mehr – mit so viel Erfolg, dass man 1612 eine Apotheke für die Allgemeinheit eröffnete: Santa Maria Novella ward geboren. Bald erlangte man einiges an Ruhm und Bekanntheit und erarbeitete sich mit seinen Waren eine Reputation sowie ein Renommee weit über die Grenzen Italiens hinaus. Als Kircheneigentum vom Staat konfisziert, ging Santa Maria Novella im Jahre 1866 in die weltlichen Hände einer Familie über, die das Traditionsunternehmen heute in der vierten Generation führt. Das Sortiment ist annähernd das gleiche geblieben, während neueste Technologien mit alter Tradition Hand in Hand gehen: Santa Maria Novella besitzen noch immer ihre hauseigenen Kräutergärten vor den Toren der Stadt (in der im übrigen auch Parfumphilosoph Lorenzo Villoresi schaltet, waltet und werkt), die in eigenen Laboratorien in vornehmlich Wohlriechendes verzaubert werden.

Zum Jubiläum nun hat man sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Zwei Düfte, limitiert natürlich, namens Ottone und Porcellana krönen diesen runden Geburtstag.

Ich war selbstverständlich neugierig, vor allem, weil es einige Düfte der Apotheke gibt, die ich recht gerne mag, unter anderem auch den einmalig-sonderbaren Nostalgia, zu dem ich – versprochen – noch ein anderes Mal kommen werde.

Heute mag ich nun mit Ottone beginnen. Ottone, der geneigte Italienkundige wird es wissen, heißt auf Deutsch Messing. Dieser Name zollt den starken Einflüssen Tribut, die diese damals wertvolle Legierung im 17. Jahrhundert in Europa auf sämtliches Handwerk ausübte – deshalb wurde für den Flakon auch eine gravierte Verschlusskappe aus reinem Messing verwendet.

Die Verneigung vor diesem Werkmaterial findet sich auch im Duft wieder: Je länger Ottone auf meiner Haut bleibt, umso eher rieche ich jenen speziellen, metallisch-krautigen Duft von Messing. Nicht stechendes Kupfer, auch keine gammeligen Silberlöffel, nein – Messing, welches aus dem Zusammenspiel der Kräuter entsteht. Aber beginnen wir am Anfang: Im Auftakt reckt sich stolz frischer Oregano empor in leuchtend grünem Mäntelchen, der durch Pfeffer eine pikante Begleitung erhält. Die angegebene Gewürznelke hält sich zurück, verschmilzt mit dem Pfeffer ohne selbst überragende Präsenz zu erfahren. Durch Zitrusfrüchte entwickelt Ottone kurzfristig eine Art maritime Ausprägung, die allerdings alsbald von aromatisch-kräuterigen Tendenzen überlagert und negiert wird, die bisweilen den Charakter eines krautigen Chypres an den Tag legen, während sich jene, ja: Messingnote, eine dezent säuerliche, einstellen mag. In seinem Verlauf bekommt der kräftige Ottone, was ich anfänglich nicht vermutet hätte, in der Tat noch eine wärmere Seite: Die Basis ist holzig (bisweilen auch nadelholzig wirkend) und wird mehr und mehr balsamisch, die Kräuter und den Eindruck des Namenspatens in den Hintergrund drängend, und gewinnt darüber hinaus eine verhalten süße Wärme, die sehr sicher von Hölzern, vor allem aber auch Sandelholz stammt. Mich persönlich erinnert die Basis etwas an Santal Noble von Maître Parfumeur et Gantier, jenes wundervolle Duftchamäleon.

Die Ingredienzen: Oregano, Zimt, Pfeffer, Gewürznelke, Bergamotte, Petitgrain, Hölzer, aromatische Noten, balsamische Noten.

Ein schöner, aber kräftiger und definitiv maskuliner Duft – an einer Frau kann ich ihn mir nur schwer vorstellen. Das muss ich ja aber auch gar nicht, morgen geht es nämlich weiter mit Porcellana, der Damenvariante ;)

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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