Khullu von Hima Jomo – Zwischen Yakwolle, Gewürzen und Milch

Aufgrund der nach wie vor hier an der Ostsee vorherrschenden Minusgrade samt dichter Schneedecke ist mir heute nach einem wärmenden Duft. Und was läge da näher als eine Kreation, die sich um Wolle dreht oder genauer gesagt um Yakwolle? Khullu von Hima Jomo ist von diesem besonderen Rohstoff inspiriert, der für die Nomaden Zentralasiens seit jeher von existenzieller Bedeutung ist.

Khullu von Hima Jomo Eau de Parfum mit Yakwolle und Holzspindel auf warmem Hintergrund

Inspiration Yakwolle

Im tibetischen Hochland, wo Kälte und Wind zum Alltag gehören, ist Yakwolle kein Luxusgut, sondern eine Überlebensgrundlage. Sie wärmt, schützt und macht das Leben unter extremen Bedingungen überhaupt erst möglich. Zwischen karger Steppe und schneebedeckten Gipfeln ziehen Nomaden – auch Dropka genannt – mit ihren Tieren durch eine unwirtliche Landschaft und folgen dabei dem Rhythmus der Jahreszeiten.

In Höhenlagen von über 4.000 Metern, wo Ackerbau kaum möglich ist, sichert vor allem das Yak den Lebensunterhalt der Nomaden. Es liefert Milch, Fleisch, Brennmaterial und sein dichtes Fell, dessen feines Unterhaar – Khullu genannt – außergewöhnlich weich und zugleich sehr isolierend ist. Im Frühjahr wird dieses Unterhaar beim natürlichen Fellwechsel sorgfältig ausgekämmt, zu Garn versponnen und anschließend zu Kleidung, Decken oder Filz verarbeitet. Textilien aus Yakwolle sind leicht, wärmend und umhüllend, ohne die Beweglichkeit einzuschränken.

Neben der Yakwolle prägt auch der Buttertee das Leben im Hochland. Er wird traditionell aus Yakbutter, Tee und Salz zubereitet. Buttertee wärmt von innen, liefert Energie und gleicht in der dünnen, eisigen Luft den hohen Kalorienbedarf aus. Sein Duft ist eigentümlich: milchig, leicht salzig, mit einer dezent-herben Teenuance. Kein süßes Wohlfühlgetränk, sondern nahrhaft und kräftigend.

Khullu von Hima Jomo Parfumflakon mit hellem Stoff vor warmem, dunklem Hintergrund

Khullu – aus Wolle gewebt

Hima Jomo wurde 2020 von Vittoria Jiaxin Lui und Randry Glorieux gegründet. Der Name verweist bereits auf den Himalaya – jenes Gebirgsmassiv, das für seine Höhen, seine Weite und klimatische Extreme bekannt ist. Die Kreationen der Marke verbinden französische Parfümeurskunst mit asiatisch inspirierten Themen und Rohstoffen.

Bereits 2022 habe ich Euch die Marke hier auf dem Blog ausführlicher vorgestellt und die ersten vier Düfte der Kollektion präsentiert – Autumn in Lhoka, Winter in Manaslu, Spring in Bome und Summer in Paro. Doch heute soll es um Khullu gehen. Das neueste Eau de Parfum, komponiert von Bertrand Duchaufour, versteht sich als Hommage an die Menschen und Tiere des tibetischen Hochlands – als „ultimative Verkörperung des Nomadengeistes“.

Kopfnote: Schwarzer Pfeffer, Zimt, Gewürznelke
Herznote: Zedernholz, Sandelholz, Weihrauch
Basisnote: Heu, Milch, Moschus

Khullu von Hima Jomo Eau de Parfum neben gerollter Yakwolle auf hellem Untergrund

Khullu von Hima Jomo im Test

Hell, luftig und von sanften Gewürzen durchzogen präsentiert sich Khullu vom ersten Moment an. Eine zarte, fast schwebende Frische durchzieht die Komposition – vermutlich dem schwarzen Pfeffer geschuldet – und verbindet sich mit milchigen, behaglichen Nuancen. Zeder und Sandelholz verleihen dem Duft eine subtile Süße sowie cleane, warme Akzente und sorgen zugleich für Beständigkeit und Bodenhaftung. Dank der Hölzer verliert sich Khullu nicht in reiner Transparenz und Leichtigkeit, sondern bleibt stets greifbar und geerdet. Fein rauchige Weihrauchschleier ziehen durch die Komposition, bevor cremige, wollweiße Facetten zunehmend die Richtung bestimmen. Der Moschus zeigt sich hier nicht pudrig-kristallin, sondern verschmilzt mit den milchigen Momenten zu einer butterigen Anmutung, die von grünlich-wohligen Heuakzenten unterlegt wird. Warm, weich und wohltuend.

Khullu von Hima Jomo ist ein Duft für die kühle Jahreszeit – nicht opulent und wärmend im klassischen Sinne, sondern seidig, umhüllend und ruhig. Er bleibt nah an der Haut, wirkt kontemplativ und in sich ruhend, ohne je schwer oder dunkel zu werden. Die Komposition lebt von ihrer Ausgewogenheit. Gewürze, Hölzer und milchige Facetten greifen harmonisch ineinander, nichts drängt sich in den Vordergrund. Dabei ist Khullu kein Gourmand-Duft, auch wenn die butterige Anmutung kurzzeitig diese Assoziation wecken mag. Vielmehr handelt es sich um einen cleanen, transparent-hellen Gewürz- und Holzduft mit einer sanft cremigen, an Buttertee erinnernden Basis. Das Eau de Parfum richtet sich an all jene, die zurückhaltende, minimalistische und doch ausdrucksstarke Kreationen bevorzugen, die meditative Ruhe ausstrahlen.

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Julia Biró Verfasst von:

Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

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