Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Edition Rare – Oudgeschichten von Histoires de Parfums.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 22.05.2012

Rosam und Petroleum heißen sie, die Kandidaten meiner heutigen Rezension, und sind Bestandteil der neuen Edition Rare aus dem Hause Histoires de Parfums. Dem Oud hat Ghislain, Nase und Besitzer von Histoires de Parfums, seine neue Reihe gewidmet, und dieses begehrte Stöffchen mit drei Ingredienzen gepaart, die ohnehin ihren festen Stand in der Parfumindustrie haben: Mit Ambra, gestern bereits vorgestellt mit dem Duft Ambrarem. Darüber hinaus mit Rose, zu finden in Rosam, sowie mit Petroleum, das für Bodenschätze steht, für das (Erd)Öl, aus dem es gewonnen wird.

sunkissedRose und Oud ist ein altbewährtes Traumpaar. Sie harmonieren hervorragend, was unter anderem auch daran liegen mag, dass sie dem Parfumeur einiges an Spielraum offerieren: Beide Ingredienzen sind äußerst vielfältig und facettenreich, welche duftenden Charaktereigenschaften man auch immer betont, forciert oder fokussiert – es entstehen dabei vollkommen unterschiedliche Duftkreationen. Das werden auch diejenigen von Euch bestätigen können, die von dem Oudrausch der letzten Jahre etwas gelangweilt sind: Auf dem Markt existieren zahlreiche Oudrosen, die zum Teil verschiedener nicht sein könnten. Da gibt es die Finsteren wie Czech and Speakes (früherer!) Dark Rose, Montales Aoud Damascus oder Juliette has a Guns französische Femme Fatale Midnight Oud. Oder die Luziden wie by Kilians Rose Oud oder Montales Aoud Roses Petals. Ferner würden sich natürlich noch etliche Einteilungen mehr anbieten: Rohdiamanten gibt es genauso wie subtile Elegante, Wuchtbrummen und zurückhaltende Sanfte, manche sich mehr einem Geschlecht zuneigend und andere wiederum für jeden gleichermaßen tragbar. Schauen wir uns an, was Ghislain uns mit Rosam gezaubert hat…

„An ode to a rose – her royal majesty is a fragile beauty with a symphony of velvety petals and soft sophisticated allure. She delicately nurtures the powerful animalic notes as citrus freshness imparts a modern antidote of balance.. A brilliant bouquet flourishes into an intense trail of raw sensuality, composed of incense and saffron flower, dangerously amplified by Oud. As a final touch to this extraordinary composition, patchouli is wildly theatrical imparting a final dance in the spirit of the East.“

Eine Ode an die Rose ist Rosam in der Tat: Finster hätte er werden können, hätte Ghislain der Rose im Spiel mit der Oud-Weihrauch-Front, die von Patchouli, Ambra und Sandelholz dezent warm, vor allem aber betont holzkantig und verhalten würzig unterstrichen wird, nicht Hesperidenanklänge zur Seite gestellt. Jene nymphengleichen Zitrusfrüchte strahlen und funkeln sternengleich was das Zeug hält, und erhellen die fruchtig-zitrische Blüte so auf das Vortrefflichste. Dieses Leuchten macht es schwer, Rosam, dem Safran etwas Herbheit einhaucht, in eine Richtung einzusortieren – Helligkeit und Dunkel verbünden sich hier, verschmelzen miteinander. Und halten für mein Näschen auch eine kleine, feine Lederandeutung in der Basis bereit, die mich an cremig-ledrig duftendes butterweiches Glattleder erinnert.

Rosa

Petroleum ist der dritte und letzte Duft der Edition Rare:

„A symbol of wealth and prosperity, Petroleum is an unexpected essence, once referred to as ‘Black Gold’, it is rich, dark and mysterious…a miraculous gift from the depths of our Earth. In all of its precious form Oud is effortlessly felt throughout the fragrance. Woven with Bergamot and Orange its fresh top notes unfold, assertively layered with woody and resinous power. Ozonic floralcy lives at the heart as a mystical rose unveils warmed ambered stones. An eccentric chypre character exhales narcotic fumes with an intense signature of leather wrapped in lucid white musk… It is a potion, a rare elixir that will lead to exalted ecstasy and pure euphoria.“

Vorneweg – man mag es sich bereits angesichts des Namens denken: Petroleum ist der extravaganteste Duft der Reihe, der ausgefallenste. Petroleum, Erdöl – dabei muss ich sofort an Peter Thomas Anderson genialen Film „There will be blood“ denken:

Ich habe absichtlich den englischen Trailer verlinkt, weil Daniel Day Lewis die (preisgekrönte) Hauptrolle spielt. Ein Schauspieler, der dafür bekannt ist, völlig aufzugehen in seinen Rollen, die er auch neben dem Set für die ganze Zeit des Drehens lebt. Obsessiv würde ich das nennen – so ist auch der Film über einen Emporkömmling in Amerika, der es mit viel Fleiß, Gier und Spucke vom Niemand zum Millionär geschafft hat mit einem Ölunternehmen. Ein ungeschliffener reduzierter Film von einer elementaren Kraft.

Als obsessiv empfinde ich auch Petroleum: Tief in die Erde bohrt er sich gleich zu Beginn, zeigt wechselnd erdige, steinige, metallische und mineralische Anklänge, von Öl durchtränkt, die von Aldehyden und Zitrusfrüchten in dem Auftakt nur kurzfristig beleuchtet werden. Die Macht der Erde wird einem gewahr, während eine Rose sich aufschwingt zu blühenden Höhen. Man meint, sich mit der Rose emporzuschwingen von dem Erdwerk aus, rasend schnell in die Luft, die einem salzig-frisch in die Nase dringt… um einen dann wiederum in die Tiefe stürzen zu lassen, zurück gen Mutter Erde, auf der auch noch anderes lebt – denn spätestens jetzt zeigen sich latent vorhandene animalische Färbung, von einer dichten Glattledernote begleitet. Und immer ist es begleitend existent – das Oud, satt, holzig, harzig, rauchig, medizinisch, ledrig und von herber Dunkelheit.

Couleurs de la Terre / Colours of the Earth

Einen Favoriten zu wählen finde ich bei diesem Trio recht schwer – vermutlich wird es bei mir Petroleum oder Ambrarem sein, wie ich auch bereits in den Artikeln von der Düsseldorfer Global Art of Perfumery 2012 schwärmte.

Und Eurer? Habt Ihr schon getestet? Und, wenn nicht – seid Ihr neugierig?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Eine Oudwoche…
Global Art of Perfumer 2012 – Die Zweite.
Pfingstrosen…


Eine Oudwoche…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 21.05.2012

…eröffne ich heute. Und trete an, den Skeptikern unter meinen Lesern zu beweisen, dass diese herrliche Ingredienz so vielfältig ist, dass es noch jede Menge neue und unbekannte Facetten auszuloten gilt – was Histoires de Parfums mit ihrer Edition Rare und Xerjoff mit ihren Oudstars getan haben. Oudliebhaber sollten ihre Brieftaschen dieser Tage festhalten – und von denen, die sich bisher gegen dieser Leidenschaft gefeit sahen, sollten einige auch besser Vorsicht walten lassen…

Histoires de Parfums neue Edition Rare umfasst drei Düfte, die ich auf der Messe bereits kennenlernen durfte und die sich allesamt dem Stoff, aus dem die Träume sind, verpflichtet haben:

„A modern inception of Oud… When the Aquilaria tree, a once pale-colored, thriving wood, becomes infected with a type of mushroom, it defends itself by exuding a dark and rare resin. Oud or Agar wood is born…Traditionally used in Far East lands and highly esteemed for its aromatic power, it is an essence so fragrant, complex and rich that we imagine it being used by Arabian Kings. It is a precious gift from the Earth’s naturality.“

Als Absolu de Parfum hat er sie herausgebracht, der Herr Ghislain, seines Zeichens die Nase hinter Histoires de Parfums:

„Perfumer Gerald Ghislain transforms and redefines with his creative brilliance. Dominated by the rare and precious Oud, this exclusive collection is deliberately embellished with a palette of Petrol, Rose and Amber, materials long used in traditional perfumery. He has revealed their fierce strength, veracity and raw beauty making each an emblem of our natural Earth, undisturbed by human interference… Plants, Minerals and Animals.“

Drei Bereichen sind die Düfte gewidmet, die in der englischen Sprache elementar sind, denn in diese lässt sich so gut wie jedes „Ding“ einsortieren: Animal, der Bereich des Lebendigen oder, enger, der Fauna, Vegetable, bei Ghislain Vegetative genannt, der Bereich desjenigen, das vor sich hin wächst und wuchert, also die Pflanzenwelt oder auch Flora sowie Mineral(e), der Bereich dessen, was weder lebt noch wächst und oft von tief unten kommt. Den Bereich des Animalischen deckt Ambra ab, die Rose steht für die Flora und Petroleum für die Erde.

Hier liegen sie nun vor mir ausgebreitet – und erinnern mich als allererstes an den Animal-Vegetable-Mineral-Man, jenen amerikanischen Mutantenschurken aus dem DC-Comic-Universum der Sechziger Jahre, der sich in alles verwandeln konnte, das lebt, kreucht, fleucht, wächst oder eben auch nicht (und letztendlich von der Doom Patrol besiegt wurde, trotzdem). Wieso? Weil das verbindende Element Oud hier Zauberkräfte hat: In jedem der Düfte nachweislich vorhanden, zeigt es sich überraschend verkleidungsfreudig. Oud ist die Gemeinsamkeit, die sich wie ein roter Faden durch das Trio zieht und die ansonsten sehr unterschiedlichen Düfte eint, gewollt. Jene charakteristische Seite des Ouds, medizinisch anmutend sowie holzig-rauchig und bis in die Tiefe harzgetränkt, aber drei Mal gänzlich unterschiedlich interpretiert.

Beginnen wir doch gleich – mit dem Tier, mit Ambrarem:

„An expression of desire and passion, Ambrarem is a force of irresistibility that stirs the senses. A dramatic alchemy composed of marine, distinct animalic notes from Oman waters. A white rose craves for the touch of a precious untamed iris as the proufoundly green gaic casts a spell of addictive raw pleasure… A lethal dose of power.“

Ambrarem kündigt sich gleich gewaltig an – eine unwiderstehliche Kraft, ein Ausdruck von Begehren und Leidenschaft, hier wird mit Superlativen nicht gegeizt. Und doch wird, wer einen kräftig-würzig-warmen Amberduft erwartet, schwer verwundert sein…

Frisch aufgesprüht pfeffert Ambrarem einem die Nasenflügel gewaltig, um hernach sofort in den Lockmodus umzuschalten – weißschokoladige Iris steigt in mein geneigtes Näschen und umgarnt mir die Sinne dezent pudernd und metallisch. Tänzelnd bewegt sich Ambrarem lange Zeit zwischen dieser samten anmutenden Königin der Blumen und dem König der Gewürze, Safran, die ihm genuine herbe Bitterkeit ausstrahlend. Oud rahmt hier nur ein mit seinem rauchigen Naturell, von den Hölzern und Harzen der Basis sowie der Vanille unterstützt. Daraus entsteht für meine Nase der Eindruck von trockenen Tropenhölzern, von schwerem, exotisch duftenden Holz. Wo ist das Tier abgeblieben? Das ist die ganze Zeit präsent, und zwar auf vollkommen subtile Art. Ambrarem ist nicht platt-animalisch oder dämpfig-schwül, er zeigt eine sehr feinsinnige animalische Natur.

Iris

Für mich wäre Ambrarem, obgleich sehr gut von einer Frau tragbar, der Wunsch-Mann: Ein geistvoller Charakterkopf mit Manieren, bestimmt, von sich überzeugt, aber auf angenehme Weise zurückhaltend. Elegant in der Haltung, ambivalent, mit ordentlich Tiefgang ausgestattet. Und einer, der Mann ist, ohne seine Maskulinität ständig vordergründig zwanghaft-infantil präsentieren und zelebrieren zu müssen. Sexy, sehr sexy meine Lieben.

Und bitte nicht ins Bockshorn jagen lassen: Ambrarem ist weniger ein klassischer Ambraduft (obgleich er davon in der Basis natürlich einige Anklänge zu offerieren vermag), als vielmehr ein herrliches Zwiegespräch von Iris und Safran vor einem perfektem Oudhintergrund, der im Abgang trocken-ambriert erscheint.

Morgen geht es weiter mit Rosam und Petroleum – bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Keine passenden Artikel gefunden

Torre of Tuscany @ Home – Raumdüfte die Zweite.

Geschrieben in Diffusoren,Duftkerzen,Raumdüfte,Raumsprays am 16.05.2012

Heute geht es fröhlich weiter mit den Raumdüften der brandneuen Torre of Tuscany-Kollektion, die uns Enzo Torre von Profumi del Forte soeben als neue Linie seines Hauses präsentierte.

Komplex geht es einher bei den Düften – ein Grund, weshalb ich sie mir alle zur Brust oder besser Nase nehme und sie Euch vorstelle. Ganz abgesehen davon, dass ich mir noch gar nicht sicher bin, welche alsbald in meinem Elfenbeinturm hier Anwendung finden werden und mit was ich beginne, bin ich mir sicher, dass der eine oder andere von Euch die Düfte ob ihrer feinen Kompositionen vielleicht gar als Duft verwenden wird. Nicht wenige sind mir bekannt, die das zum Beispiel mit Diptyques Galliano-Raumspray so betrieben, das leider nie als Parfum aufgelegt wurde. Wir werden sehen…

Drink

„CERTALDO – Limette und Basilikum. Mandarine mit all ihren Vorzügen, es hebt die Moral, begünstigt das Wohlbefinden und schenkt ein Lächeln. Ein Spritzer Zitrus, spaßig und voller Energie. Die Mischung wird perfektioniert durch Bergamotte und Basilikum, welche dem Auftreten eine Leichtigkeit verleiht.“

Certaldo zeigt sich übermütig agrumenfruchtig im Auftakt, was auch kein Wunder ist. Bergamotte, Zitrone und Mandarine bilden einen Dreiklang, der in der Basis von Patchouli und Eichenmoos herzlich begrüßt wird, die den Chyprecharakter des Duftes prägen. Bei einem guten Chypre sind Lederanmutungen nicht fern – so findet sich auch hier alsbald ein imposantes Lederchen ein, das den Duft mehr und mehr in seine Verwendungsrichtung dirigiert: Herrenzimmer. Oder Bauhausvilla. So elegant und minimalistisch ist das Chypre hier interpretiert – Zitrusfrüchte, der genuine Chyprecharakter, ein paar erlesene Kräuter und grasig-rauchig-salziger Vetiver. Herrlich. Und, nebenbei bemerkt: Auch hier einmal mehr – der Duft muss sich hinter keinem Parfum verstecken. Ein herausragendes Cologne hat auch nicht mehr auf dem Kasten.

Meisterhaeuser.

Royal jasmine, just opening„FIESOLE – Orangenblüten und Jasmin. Frühlingszeit, reich an Düften, mit dem Verlangen ihnen zu folgen und der warmen, frischen Sonne nach einem langen Winter entgegen zu laufen. Sizilianische Orangenblüten hüpfen erfrischend und scharf. Ägyptischer Jasmin und Veilchen bezaubern unsere Sinne und unser Lächeln. Und zu guter Letzt: Formosa Tuberose.“

Fiesole – würde ich mir sofort als Parfum kaufen. Er ist so wunderschön. Fröhlich-beschwingte Orangenblüte mit all der ihr genuinen Honigsüße, von Orange und Mandarine in ihrer Fruchtigkeit satt-saftig untermalt, trifft auf hell blühenden, strahlend-weißen un-indolischen Jasmin. Alleine das ist schon ein Vergnügen, das hier allerdings auf Eisenkraut und Veilchenblätter trifft. Was für eine geniale Idee. Das möchte bitte einmal jemand in einem Parfum umsetzen – mir fällt keines ein, in dem diese Noten derart präsent sind oder auch nur vorkommen. Das zitrisch-kräuterige Grün der Verbena und das bittergrüne Blattwerk der Veilchen zeigt sich als perfekter Gegenpart zu den Blüten, deren Anmutung undifferenziert von Tuberose und Freesie noch wässrig-opulent verstärkt wird. Ein betörend schöner Sommernachtstraum.

Verbena

„MONTALCINO – Rote Früchte und Puderzucker. Das Gefühl eines warmen späten Sommernachmittags in der Landschaft Sienas: Im Wald schimmern rote Beeren und parfümieren die magische Atmosphäre. Brombeere, Himbeere, Johannisbeere und Heidelbeere! Dann Freesie und Heckenrose, ein Triumph an Persönlichkeit, gemildert durch die Süße des Puderzuckers und der Vanilleschote.“

Sienne d’Hiver – Siena im Winter, das olfaktorische Denkmal von Duchaufour für Eau d’Italie beschäftigt sich bereits mit dieser toskanischen Gotikschönheit. Duchaufours Duft ist allerdings – melancholisch, poetisch – und passt damit in die kargen kalten Wintermonate, wärmt die Seele. Montalcino ist in gewisser Hinsicht das genaue Gegenteil: Er wärmt ebenfalls die Seele, allerdings in dem er einem auf Anhieb ein Lächeln ins Gesicht zaubert ob seiner heiter-beschwingten Unbeschwertheit. Beeren satt, man vermag sie sogar einzeln aus dem duftenden Stillleben herauszulösen: Kirschen und Johannisbeeren, rote (!), von säuerlicher Süße. Heidelbeeren mit ihrer zart-mehligen Fruchtigkeit. Dunkle Brombeeren und samtige Himbeeren. Ein Röslein atmet mit Freesie zusammen zitrisch-wässrige Frische. Und überstreut ist das ganze mit einer dicken Schicht Vanille- und Puderzucker. Himmlisch – ein echter Gute-Laune-Duft.

berry time

Und, euer erster Eindruck? Ist etwas für Euch dabei? Und, wenn ja – in welcher Form? Diffusor, Kerze, Spray? Was präferiert Ihr für Eure heimischen Gefilde?

Darüber hinaus wäre ich mächtig interessiert: Besteht grundsätzlich Interesse an mehr Artikeln zum Thema Raumdüfte?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Torre of Tuscany…
Parfum ist wie die Liebe…
Duftverzeichnis L – Z


Torre of Tuscany…

Geschrieben in Diffusoren,Duftkerzen,Raumdüfte,Raumsprays am 15.05.2012

ist die neue Linie von Enzo Torre, dem Mann hinter Profumi del Forte, von der ich Euch bereits in meinen Messeberichten von der Düsseldorfer Global Art of Perfumery 2012 begeistert berichtet hatte. Vor allem auch die Raumdüfte hatten es mir angetan, deshalb werde ich Euch diese heute und morgen vorstellen. Leider umgibt mich kein großes Diffusorenheer, allerdings habe ich Abfüllungen der kompletten Kollektion erhalten, weswegen ich in der Lage dazu bin, Euch die Düfte einzeln vorzustellen. Sechs sind es an der Zahl, und sie sind sowohl als Raumsprays, Diffusoren als auch als Kerzen erhältlich.

Wie haltet Ihr es überhaupt mit Raumbeduftung? Das wäre eigentlich einmal ein Thema für einen eigenen Artikel, ich bin ja annähernd genauso raumduftverrückt wie parfumsüchtig… Allerdings bin ich, was Diffusoren angeht, manchmal ein bisschen schwierig: Ein Diffusor muss für mich den Balanceakt bewältigen, meine relativ offene, nicht übermäßig große, aber auch nicht ganz kleine Wohnung angenehm zu beduften, ohne mich, meine Katzen oder Besucher dabei zu erschlagen. Hört sich vernünftig und eigentlich einfach an, ist es aber nicht (immer). Torre of Tuscany werde ich, sobald mein jetziges Repertoire sich dem Ende zuneigt, dann einmal selbst versuchen, nachdem man mir versicherte, dass die Düfte wohl eine sehr gute Präsenz im Raum haben.

Untitled

„CAPALBIO – Osmanthus und Tiaré Blumen. Osmanthus Yunnan und Jasmin haben zusammen eine entspannende und revitalisierende Wirkung, auflösend in den heiteren Tönen der Rose, Blume der Schönheit. Sandelholz zum Beruhigen jeglichen Gefühls der Rastlosigkeit und als Veranlassung süßer Träume.“

In Capalbio ist es der sogenannte Osmanthus yunnanensis, der die Hauptrolle spielt: Diese zart nach Aprikosen duftende asiatische Strauchblüte zeigt sich hier seidenweich und fruchtig, von tropischen und deutlich vernehmbaren Maracujanoten begleitet. Jasmin wolkt weißblühend im Hintergrund, ohne sich jedoch allzu übermächtig ins Bild zu rücken oder irgendwelche indolischen Zweideutigkeiten an den Tag zu legen. Rosen sind für mich weniger greifbar, als vielmehr luftig-hell-transparent als Hauch vorhanden, Frische stiftend. Abgefedert wird das angenehm sauber wirkende Ganze von weichem Moschus. Ein entspannter fruchtig-floraler Feiner, der nach Sommer duftet und nach Urlaub riecht.

Freesia

„BOLGHERI – Freesien und Harmonien von Baumwolle. Auftakt durch bulgarische Rosen, ein blumiger Ton; süße Orange und Freesie, Noten die beide sowohl lang als auch kurz sind, wieder belebende Noten. Vanille interveniert in der Herznote und ihr beruhigendes Aroma lockert jegliche Anspannung: eine Süße die uns die Kindheit vor Augen ruft.“

Bei Bolgheri wird, wie bei allen anderen Düften der Torre-Kollektion deutlich, auf welchen Holzweg man gedanklich gelangen kann, wenn man sich auf die zwei Stichwörtchen einlässt, die vorgegeben werden: Man denkt, dass man irgendeinen jener flachen Raumdüfte präsentiert bekommt, die es leider mittlerweile zuhauf gibt. Freesie und Baumwolle – ok, na dann… In Bolgheri tummeln sich aber noch viele Noten mehr – und den sauber-aquatischen Eindruck, der einem anhand der beiden Hauptnoten vermittelt wird, kann Bolgheri nicht halten: Eine hell-wässrige Freesie findet sich in der Tat, genauso wie Akzente von baumwollener Sauberkeit, durch Maiglöckchen frisch-floral verstärkt. Daneben stiftet aber eine opulente Basis aus Vanille, Moschus und Tonka süße Pudrigkeit, die von einer hellen Rose gekonnt kontrastiert wird. Das hier ist ein echter Saubermann, der allen Fans pudrig-reiner Angelegenheiten exzellent gefallen dürfte. Nur süßeln muss es dürfen, das tut er nämlich.

Freesia

„ARGENTARIO – Vanille und Ingwer. Ein Crescendo beginnend mit einem Hauch von Ingwer und süßer Sizilianischer Orange, reifend in Zedern- und Jasminholz. Eine Komposition reich an aromatischen Bestandteilen. Moschus, so einfach, eine Erinnerung an die natürlichen Wurzeln, entspannt und stellt Balance her, nur von einem Hauch von Vanille versüßt….“

Argentario bedient ein ganz anderes Klientel, was den Geschmack angeht – und das mit einer, wie ich finde, kultverdächtigen Kombination: Vanille und Ingwer. In Nanadebarys Classic Pink finden sich hier Ansätze davon genauso wie in La Vaniglia von Bois 1920. Ein einfacher, aber sehr beliebter Klassiker ist der Duft von L’Erbolario, jener italienischen, dem Bodyshop ähnelnden Kette – Vaniglia e Zenzero. Es funktioniert eben einfach, Vanille in Kombination mit Ingwer. Auch hier ist dieses Traumpaar exzellent umgesetzt: Die zitrisch anmutende Frische des Ingwers, seine ihm genuine fruchtig-säuerliche Herbheit. Orange, die die Hesperidenanklänge unterstützt, Orangenblüten, zarte Blütensüße stiftend, und Zeder, die die saubere Holzernsthaftigkeit des Ingwers unterstreicht. Ein Hauch blühender Jasmin, der sich nur weißblütig schemenhaft zeigt. Und eine opulente Basis, die, verhalten ambriert, vor lauter Vanilleweichheit nur so vor sich hinwallt. Würzig, fruchtig-frisch, holzig und gleichzeitig von einer weich-warmen Süße – was will man eigentlich mehr von einem markanten Wohlfühlraumduft?

vanilla-orchid

Morgen geht es weiter mit den restlichen drei Düften – bis dahin alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Torre of Tuscany @ Home – Raumdüfte die Zweite.
Parfum ist wie die Liebe…
Duftverzeichnis L – Z


Nuit Étoilée…

Geschrieben in Duft,Holziges am 14.05.2012

… ist der Neuling in dem Sortiment von Annick Goutal und lässt einen sofort an Van Goghs gleichnamiges Gemälde denken – die Sternennacht. Nicht die einzige Assoziation, die mir dazu in den Sinn kommt – an zweiter Stelle folgt sogleich eines meiner Lieblingsgedichte, Eichendorffs Mondnacht. Es ist eines der bekanntesten romantischen Gedichte, was seiner Schönheit meines Erachtens nach aber keinerlei Abbruch tut:

Mondnacht
Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

 Meines Erachtens nach hat man in der Schule, zumindest in meiner, damals alles verbockt bezüglich der Romantiker. Es reicht eben nicht, ein, zwei sehnsuchtsvolle Naturgedichte hingeworfen zu bekommen, um sich für die Romantik begeistern, ja vielmehr erst erwärmen zu können. Das ist schade, eigentlich eine Schande. Die Deutschen waren federführend in der Romantik und dieselbe gilt als die theorielastigste und vielseitigste, weil vollkommen heterogene Epoche. Kunst, Literatur, Philosophie – hier fiel alles zusammen, selten gab es solche Ansammlungen von Geist, schaffendem Geist in der Geschichte des Menschen.Novalis

Vielleicht sollte man Teenagern ein paar andere Geschichten zu den Romantikern erzählen. Zum Beispiel die von Novalis (Friedrich Freiherr von Hardenberg) und seiner Liebe zu der zehn Jahre jüngeren und noch kindlichen Sophie von Kühn, mit der er sich verlobte, als sie dreizehn war, und die mit fünfzehn Jahren verstarb. Novalis, der Schöpfer der „Blauen Blume“, jener zum Sehnsuchtsmotiv der Romantik gewordenen (sie stammt aus dessen unvollendetem „Heinrich von Ofterdingen“), ist wie versteinert und möchte seiner Geliebten nachsterben – kraft seiner Gedanken. Er denkt sich quasi tot, versucht sich zu töten, indem er gedanklich aus dem Leben scheidet – und dokumentiert dies alles in seinen Tagebüchern. Er lebt noch weiter, heiratet ein erstes Mal – und bleibt ihr doch verbunden, seiner Sophie, was sich spurenhaft in seinem Werk ablesen lässt.

Auch Heinrich von Kleist (bei dem die Zugehörigkeit zur Romantik zugegebenermaßen strittig ist) ist eine nähere Betrachtung wert und dürfte mit der Art und Weise seines Selbstmords, so tragisch dieser war, eine Menge Street-Credibility bei heutigen Teenagern gewinnen. In einem letzten Brief an seine Schwester Ulrike notierte er Folgendes:

„Ich kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch, vor allen anderen, meine teuerste Ulrike, mit Dir versöhnt zu haben. Laß sie mich, die strenge Äußerung, die in dem Briefe an die Kleisten enthalten ist, laß sie mich zurücknehmen; wirklich, Du hast an mir getan, ich sage nicht, was in Kräften einer Schwester, sondern in Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten: die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war. Und nun lebe wohl; möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit, dem meinigen gleich: das ist der herzlichste und innigste Wunsch, den ich für Dich aufzubringen weiß. Stimmings bei Potsdam – am Morgen meines Todes. Dein Heinrich.“

Damit nicht genug – Kleist bringt sich mit einer Bekannten um, mit Henriette Vogel. Und drapiert, wie erst der Kleist-Biograf Michalzik belegen konnte, sich und Henriette noch im Tode nach dem Gemälde „Sterbende heilige Magdalena” des Malers Simon Vouet, das ihn seit Jahren faszinierte.

Ganz abgesehen davon, dass die Romantiker auch gewaltig feiern konnten und Frauen dort in den Salons nicht nur häufig Gastgeberinnen waren (siehe zum Beispiel Henriette Herz, Rahel Varnhagen oder Sophie Sander), sondern auch als Musen fungierten wie zum Beispiel Christiane Schlegel, die zuerst mit August Wilhelm Schlegel, danach mit dem Philosophen Friedrich Schelling zusammen war, und der eine Affäre mit Goethe nachgesagt wurde. Ich finde, man sollte Teenagern so etwas erzählen – bevor sie auf die Idee kommen, sie hätten es bei den Romantikern mit Spaßbremsen zu tun.

Aber – zurück zum Thema: Goutals Duft Sternennacht, Nuit Étoilée, von dem ihr jetzt wisst, welche Assoziationen er bei mir weckt. Wie üblich wurde er von Isabelle Doyen kreiert – schauen wir uns zuerst die Ingredienzen an: Sibirische Pinie, Süßorange, Balsamtanne, Tonkabohne, Zitrone, Angelika, Immortelle und Pfefferminze.

„Oh to walk for hours close to nature at nightfall. To listen to the wild grass crumple and fir cones crack under one’s feet. Collecting branches of evergreen, snapping them smelling the resinous odor on our fingertips. Then to lie back and enjoy the moonlight, as though alone in the world. Woven from real and imagined landscapes, Nuit Étoilée allows you to relive the emotions of stepping on untouched ground for the first time. With this fragrance, distant and fond memories take you back to your roots and replenish your soul.“

Traumwandeln unter einem sterngeschmückten Firmament – so stellen sich Goutal und Doyen den Duft vor. Und setzen ihn folgendermaßen um: Im Auftakt zeigt sich nächtliche Kühle von Pfefferminze, die die Sinne schärft. Nadelholzborke schwingt sich balsamisch empor, man riecht die Harze, die fein-warme Würze und gleichzeitige Strenge, die von einer frischen Agrumensüße begleitet wird. Ambivalent ist er, der Duft – und oszilliert fortwährend zwischen seinen Polen: Jener Pfefferminzfrische, die mattierend-dunkel wirkt und von winzigen Hesperidensternen durchsetzt ist, sowie jener balsamisch-aromatisch-würzigen Wärme, auf meiner Haut lakritzig anmutend, die durch Tonka sanft vanillig abgefedert wird und bei mir sogar dunkelpudrige Kakaonoten entwickelt. Immortelle würzt, ist aber nicht vordergründig präsent – das nur für diejenigen, die an dieser Stelle sonst Angst bekommen würden ;)

Ein schöner Duft und eine wirklich schöne Vorlage – trotz allem vermag er weder mich noch meine Seele zum davonfliegen zu animieren. Auf meiner Haut sind mir die beiden Welten zu gegensätzlich, verschmelzen nicht miteinander, korrespondieren zu wenig. Der Duftstreifen zeigt sich frischer, schöner, interessanter. Bin sehr gespannt, wie es Euch geht!

Würde mich über Berichte freuen!

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Gestern war…
Der Regisseur von Black Swan, …
Mit duftenden Neuigkeiten…


Inlé…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges am 10.05.2012

… ist Duft Nummer Drei unserer My Memo-Motto-Woche und sieht sich benannt nach einem See:

„Time stands still over lake Inlé in Burma. The women take up their silk embroidery and the men their dance above the waters, in boats that resemble palaces. The fruit and vegetables market is coming to life in the refreshing mist. You can see the first light of day, hear the first sounds of celebration – a farewell to night, or a welcome to the dawn.“

Friedvoll hört sich das an – anders als die Nachrichten, die uns die letzten Monate aus Myanmar erreichten, wenn überhaupt irgendetwas aus dem Land drang. Laut der Vereinigung „Reporter ohne Grenzen“, die einen jährlichen Index zur Pressefreiheit (Media Freedom Index) herausgibt, rangiert Burma 2010 auf Platz 174 – von 178 Plätzen. Über die Menschenrechtsverletzungen wollen wir an dieser Stelle ebenfalls nicht sprechen…

Trotz allem hört sich der See Inlé nach einem wunderschönen Fleckchen Erde (oder vielmehr: Wasser) an, einer Region, die ihren Reiz aus ihrer Ursprünglichkeit, die der Natur und deren Menschen, sowie ihrer Fremdartigkeit schöpft, wie ich damals in meinem Shoptext über den Duft festgehalten habe:

„Inlé trägt seinen Namen nach dem gleichnamigen See in Burma/Myanmar. Bekannt durch seine Einbeinruderer und die schwimmenden Gärten und Dörfer beschwor er bei Aliénor Massenet, der Parfumeurin, die Impression eines Moments in der Dämmerung oder auch im Morgengrauen herauf: Sonnenlicht, das letzte oder auch erste des Tages, scheint über den ruhig dahingleitenden See, einige Frauen besticken traditionsgemäß Seide, während die Männer in ihren teils palastartig anmutenden Booten ihrer Arbeit auf dem See nachgehen, der seit alters her Lebensmittelpunkt dieser Menschen ist.

Der Duft fängt mit seiner ungekünstelten Leichtigkeit das fremdartige Moment dieser Landschaft ein: Inlés Kopfnoten sind spritzig und transparent, herbe Bergamotte, dezent grüner Estragon und frisch-kühle Minze bilden einen hellen Akkord. Osmanthus oszilliert schillernd und pfirsichhaft fruchtig in dem von Jasmin und zarten Maté-Tee-Noten gebildeten Herzen, welches alsbald von einer Basis holzig-weicher Töne, Zeder, Iris und Moschus aufgefangen wird.

Inlé ist ein fragiler Duft – kühl, fruchtig und zugleich sanft wirkt er auf seine unprätentiöse und doch einprägsame Art für europäische Nasen durchaus asiatisch: Sehnsüchte weckend und kontemplative Momente schaffend.“

Weaving silk cloth along Inle Lake

Inlé begeistert mich auch nach all der Zeit, vermutlich sogar mehr, als er das zum damaligen Zeitpunkt tat. Dies mag daran liegen, dass mein Herz damals noch eher für schwere Geschütze schlug, was sich im Laufe der Jahre etwas verändert, vielleicht auch verschoben hat von den Prioritäten und den Vorlieben her. Heutzutage schätze ich, wie ich neulich bemerkt habe, wohl eher zumeist kühlere Düfte und habe auch meine Passion für leisere (Zwischen)Töne entdeckt.

Myanmar - Inle Lake

Inlé ist ein solch angenehm unaufdringlicher, bescheidener und zurückhaltender Geselle von berückender Schönheit. Sacht ist er, der Duft, der sich im Auftakt zitrisch-prickelnd-herb zeigt, von krautig-minzigen Anklängen begleitet, um alsbald den Blick auf sein von pfirsichhaft anmutendem Osmanthus und Matétee geprägtes Herz freizugeben, das von einer weichen Basis untermalt ist. Jasmin unterstreicht hier lediglich, ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder gar indolisch zu wirken.

Federleicht und seidig ist der Eindruck, den Inlé vermittelt, sowie fließend, was sowohl auf das Wasser des Inlé-Sees als auch die dort hergestellte kühlende Seide zutrifft. Ein bisschen mag man sich an den Vorsokratiker Heraklit erinnert fühlen mit seinem „Panta rhei“, „Alles fließt“, sich in seinem unstatischen Sein mit Inlé, dem Duft, zurücklehnen am Ufer des (leider nur imaginierten) Flusses und sich einfach einmal treiben lassen… zu neuen Ufern vielleicht, gedanklichen? Ich weiß es nicht – in jedem Falle aber mittels einer besonderen Dufterfahrung, die alleine es schon wert ist.

Inle Lake Sunrise

… und? Welches ist generell Euer Memo-Favorit? Welcher der diese Woche vorgestellten Kandidaten gefällt Euch am besten oder weckt die meisten Sehnsüchte? Vergesst ja nicht das Gewinnspiel, siehe Harmens Post vom 07.05.12 – noch ist es nicht zu spät zum Mitmachen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Memo-Gewinnspiel im Duft-Tagebuch
Reisen mit Molton Brown die Zweite.
Sundance…


Sundance…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Reines und Pudriges,Solifloral am 9.05.2012

ist für mich als Cineast natürlich ein Sehnsuchtsort: In der gleichnamigen Region im US-amerikanischen Bundesstaate Utah findet es statt, eines der größten Filmfestivals der Welt für unabhängige Filme jeglicher Nationalität. Independant Film ist hier seit 1978 das Programm, als das Festival gegründet wurde.

Dieser Gegend (und vermutlich auch diesem Filmfest, gehört es doch zwingend dazu) ist My Memos gleichnamiger Duft gewidmet, für den ich anläßlich seiner Lancierung folgenden Text für unseren Shop verfasst hatte:

„Für den Duft Sundance stand ein gleichnamiger Landstrich Pate, eine Gegend voller Gegensätze: In Utah (USA) befindet sich das Wintersportgebiet, das der Schauspieler Robert Redford sein Eigen nennt. Benannt nach Redfords Rolle des Sundance Kid in dem Film “Zwei Banditen” ist Sundance fernab der Zivilisation gelegen. Auf der einen Seite gemütlich und eher träge döst die naturbelassene Gegend den Großteil des Jahres in einer fast surreal anmutenden Ruhe vor sich hin – bis auf die Tage des jährlich stattfindenden Sundance-Filmfestivals. Das Sundance-Filmfestival ist das wichtigste Festival für unabhängige Filmproduktionen amerikanischen und internationalen Ursprungs.

Sundance Signage

Der Duft Sundance ist somit, wie Aliénor Massenet beschreibt, “an ode to the soft and sensitive harmony of opposites”, eine Ode an die sanfte und empfindliche Harmonie der Gegensätze. Durchaus ambivalent präsentiert sich Sundance: Im Auftakt für eine kurze Zeit spritzig-zitrisch durch Bergamotte dringen bald die beiden Hauptprotagonisten des Duftes hindurch – buttrige Tuberose und fruchtig-saftige, leicht herbe Birne, garniert mit einer Winzigkeit pfeffriger Schärfe dank Piment. Im Laufe der Zeit finden sich weitere florale Noten ein wie Tiaré, die für dezent tropische Anklänge sorgt und Iris, welche mit ihrer Holzigkeit perfekt mit der fein-weichen Basis aus Sandelholz, Moschus und Tonkabohne harmoniert.“

My Memo selbst legen den Fokus mit ihrer Beschreibung zu “Sundance – A spicy tuberose underlined by pear” ein bisschen mehr auf die Landschaft an und für sich, wie man dem Textchen entnehmen kann:

„The cozy languor of Sundance, in the state of Utah in the United States, conceals a surreal, sensual nature. Far from civilization, where space extends to infinity, glamour and sophistication can surprise you at any moment, which is the case during the underground film festival created by Robert Redford. Sundance is an ode to the soft and sensitive harmony of opposites.“

IMG_1611

In jede Falle aber steht die Ruhe, die das ganze Jahr über in Sundance herrscht, in einem extremen Kontrast zu der Zeit während des Filmfestes, das von Scharen von Menschen besucht wird sowie eine ganze Menge Prominenter anzieht, von denen sich dann viele gerne noch beim Wintersport vergnügen.

Jener Kontrast findet sich auch im Duft wieder, der sich mir beim erneuten Test sehr ähnlich zeigt wie beim ersten Mal: Im Auftakt von einer potenten zitrischen Bergamotte-Herbheit präsentiert uns Sundance alsbald eine feste, grüne Birne von satt-saftiger Säuerlichkeit, die von kräftig pfeffrigem Piment kontrastiert wird. Eine Winzigkeit ist es, zumindest auf meiner Haut, zeitweise nicht mehr, wird aber im Verlauf des Duftes gezähmt und tritt zugunsten tropisch-floraler und holziger Noten etwas in den Hintergrund. Auf dem Teststreifen treten die scharfen Noten weit weniger zutage, ich denke, es ist eine Frage der Hautchemie. Allerdings – ambivalent ist und bleibt Sundance, ob nun auf dem Teststreifen oder auf der Haut. Die Tuberose ist, obgleich buttrig, sehr zivil umgesetzt, dürfte also auch diejenigen nicht erschrecken, die Angst vor Hardcore-Tuberosen wie zum Beispiel Frédéric Malles Carnal Flower oder Antonio Viscontis La Divina Tubereuse haben. Darüber hinaus ist die Kombination von Birne und Tuberose eine interessante – und vor allem eine innovative, ist mir doch bis zum ersten Test von Sundance (und auch danach, es ist ja schon etwas her ;)) keine weitere dieser Art unter die Nase gekommen. Die Basis wärmt, keksig-weich und ein wenig pudrig untermalend.

Ein Duft für eine herb-liebliche Schönheit, wie ich finde. Und wie gemacht für Frühling und Sommer. Das ist im übrigen auch Inlé, Duft Nummer Drei, den ich Euch diese Woche von My Memo vorstellen möchte.

Bis dahin alles Liebe und viele Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Gewinner…
Memo-Gewinnspiel im Duft-Tagebuch
Alte Bekannte…


Alte Bekannte…

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 8.05.2012

… werde ich diese Woche wiedersehen, und zwar drei der Düfte von My Memo, mit denen das Haus anfangs auf den Markt kam, Siwa, Sundance und Inlé. Ich hatte ja in letzter Zeit das Vergnügen, einige Düfte dieser Kollektion vorzustellen und da mich mit Lalibela, ebenfalls einem Erstling, die Liebe heiß und unverhofft erwischte, wollte ich mir nun noch den Rest der Kollektion vorknöpfen. Das hatte ich Euch bereits versprochen, dazu kam eine glückliche Fügung: Der Vertrieb von My Memo hat uns doch glatt jeweils einen 30ml-Flakon der Düfte gesponsert, dazu noch 20x ein 3er-Probenset – Details zu der diesbezüglichen Verlosung findet Ihr in Harmens Post vom 07.05.12. Sie läuft noch bis einschließlich Sonntag, den 20.05.12 – und Gewinnchancen gibt es ja rein quantitativ genügend, also macht mit, wir wünschen Euch viel Glück!

Bevor wir zu den Düften kommen allerdings noch zwei Worte zum Label: My Memo ist der Lebenstraum zweier Frauen, der von Aliénor Massenet und Clara Malloy. Erstere ist die Nase hinter den Düften und hat einen für eine Parfumeurin nicht ganz alltäglichen Lebenslauf: Duftfan von Kindesbeinen an – der ungarische Großvater, der im hauseigenen Keller mit allerlei Substanzen hantierte, ist nicht ganz unschuldig daran – studierte sie zuerst Kunstgeschichte und Psychologie, um dann doch bei diversen Branchenriesen der Aromastoffherstellung zu landen. Firmenich, L’Oréal, Florasinth und IFF, Massenet war überall und erlernte dort dann von der Pike auf das Handwerk – bei keinen Geringeren als Bertrand Duchaufour, Carlos Benaïm, Pierre Wargnye und Sophia Grojsman und anderen, mit denen sie jahrelang zusammenarbeitete. Jetzt hat sie ihr eigenes Label, dessen Inspirationen aus Reisen, Träumen und ganz generell überschäumender Lust am Leben stammen. Diese dürften zu einem nicht ganz unerheblichen Teil auch von Clara Malloy stammen, die wohl recht weit gereist ist, und früher Verlegerin war. Sie dürfte somit wohl auch für die beiden Bücher verantwortlich sein, die MyMemo gerade lanciert haben: Ein Bilderbuch namens „Jannat or the Wild Flowers of Paradise“, das von einem Mädchen auf einer Wolke erzählt, das unbedingt Parfumeurin werden möchte, sowie „22 perfumers, a creative process“, ein Potpourri von Interviews bekannter Parfumeure und bedeutender Nachwuchstalente.

Soviel zum Haus, kommen wir zu den Düften: Alle Düfte von My Memo sind nach einem bestimmten Fleckchen Erde benannt und eben diesem gewidmet – „a memorable olfactory journey“ . Dann wollen wir uns mal auf den Weg machen – einen, auf den ich besonders neugierig bin, da ich exakt diese drei Düfte schon lange nicht mehr unter meiner Nase hatte. Die Beschreibungen dazu hatte ich für unseren Shop geschrieben, als die Düfte ganz neu lanciert wurden – mal sehen, ob die alten Eindrücke noch Bestand haben…

Heute möchte ich mit Siwa beginnen, den My Memo mit „Siwa – Vanilla revealed by a cereal“ bezeichnen:

„The sweetness of love, under the burning sun of the world’s largest sand desert; a touch of vanilla slips into the comforting embrace of a cereal. In the distant oasis of Siwa, anyone can consult the oracles, just as Alexander the Great and Cleopatra once did, to discover what their destiny holds and make it come true. Cries rise up to the heavens like incantations, and Siwa attracts the night.“

Siwa saltlake road

Ich hatte für Siwa Folgendes verfasst hatte:

„Siwa ist benannt nach der ägyptischen Oase Siwa, deren Geschichte bis weit in die 18. Dynastie der Pharaonenzeit (1500 vor Christus) zurückreicht. Das sogenannte „Palmland“, eine historische Stätte dank des dortigen Orakels, das unter anderem auch von Alexander dem Großen konsultiert wurde – auf der Suche nach Auskunft über sein Schicksal.

Siwa stimmt in seiner Farbigkeit genau mit seiner Namensvetterin überein: Hellkupferfarbener Zimt cremigster Konsistenz trifft auf weißgoldene Vanille pudriger Natur, welche von Narzissen und einem Schimmer Fruchtigkeit flankiert werden. Was von Memo als Popcornnoten angegeben wird, entpuppt sich als warme Getreideakzente, abgerundet durch einen Hauch feinsten Moschus. Das Ergebnis ist: Ein floraler Skinduft mit dezenter Gourmandtendenz, der zu bezaubern weiß.“

Early morning at Siwa Oasis, Egypt

Beim heutigen Test hinterlässt mich Siwa mit einem Fragezeichen – mitnichten aber unangenehm berührt: Auf der Haut angekommen kitzelt er mit einem Hauch fruchtig-floraler Aldehyde meine Nase, die aber so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind, um likörig-fruchtigen Noten Platz zu machen. Whisky? Könnte gut sein, aber dann keiner von Islay, keiner der Torfkracher, in die ich mich seit neuestem so verliebt habe – siehe hier. Sondern einer der milderen, ein Whisky vom Festland, vielleicht aus dem Sherryfass, mit lieblichen Frucht-, vielleicht Apfelnoten. Die würden nämlich sehr gut zu dem kommen, was sich jetzt langsam in den Vordergrund drängt: Vanille. Cremige Vanille, die an Nachspeisen erinnert. An Pudding, an Sorbet und auch an Vanillegrießbrei, was den zarten Getreideanmutungen geschuldet ist. Moschus packt ordentlich in weiche Watte, während sich das äußerst deliziöse Vergnügen von kokett würzig-süßem Zimt überstreut sieht. Und dann ist da noch Narzisse, floral-wächsern und wässrig, hinter einem dichten hellen Vanilleschleier verborgen durchscheinend…

Wüste? OK, Oase, aber mit Wüste drumherum, logisch. Trotzdem – für mich ist Siwa weder mit einer üppigen Oasenvegetation verknüpft noch mit herb-schöner, wilder und kahler Wüstenlandschaft. Zumal – er müsste ja eigentlich heiß oder zumindest hitzig sein, das ist er aber keineswegs.

Dave is on the dune over.  The much higher dune over.

Insofern sehe ich Siwa als Abstraktion der Impression eines Sonnenaufgangs, vielleicht auch eher eines Unterganges, in schöner Weichzeichnermanier festgehalten. Möglicherweise ist der Duft aber auch wehmütiger Ausdruck einer… Liebe, einer bereits verblichenen? Zumindest wäre er ein probater Platzhalter dafür, für sehnsuchtsvolle Reminiszenzen.

Vanilleduftfans sollten testen, aber nicht nur die. Jene, die eine vollmundig-opulente Vanille eventuell gar orientalischen Einschlags erwarten – für die dürfte Siwa eher nichts sein, was dem Duft meines Erachtens nach eher zum Vorteil gereicht. Von ersteren gibt es meiner Meinung nach schon genug, ich mag den zarten Siwa.

Morgen und übermorgen geht es weiter mit Sundance und Inlé – bis dahin alles Liebe und viele Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung
Freitagsverlosung


Die Welt Online…

Geschrieben in Verweise am 5.05.2012

… hat sich dieser Tage Frédéric Malle zur Brust genommen – für ein Interview, siehe hier.

“Interviewer: Sollte man mehrere Parfüms verwenden und wenn ja, wie viele?  Malle: Keinesfalls mehrere, nur ein einziges! Und zwar ein gutes, das sich dem Wesen der Person anpasst. Interviewer: Aber wechseln wird man ja wohl dürfen. Malle: Wechseln sollte man nie! Nun ja, vielleicht ein bis zwei Mal im Leben – höchstens!”

… wie steht Ihr dazu? Für mich wäre ja die Beschränkung auf EIN Parfum – unabhängig davon, wie groß die Liebe und wie hoch die Qualität – vollkommen undenkbar. Und für Euch?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

 

 

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Helens Duftparty bei Aus Liebe zum Duft
Warum Huren nach Vanille riechen…
Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 2


Der Soundtrack meines Sommers…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 4.05.2012

… der in vielerlei Hinsicht noch nicht angefangen hat, steht dieses Jahr bereits fest: Es ist der neue Duft von Aedes de Venustas. Kundgetan habe ich das schon vielerorts und natürlich auch hier – in den Berichten von der Düsseldorfer Global Art of Perfumery, die so viele Neuigkeiten bot, dass ich noch Wochen brauchen werde, all die Rezensionen zu den Düften zu verfassen.

Aedes de Venustas, der Tempel der Schönheit, ist in New York anzutreffen und eine dort ansässige Kultparfumerie. Seit 1995 gibt es sie, und den Bildern nach zu urteilen (ich war leider noch nie vor Ort, kenne das Geschäft demnach nur aus diversen Erzählungen) erinnert das Interieur daran, was sich Amerikaner gemeinhin unter „Good Old Europe“ oder vielmehr: France, Frankreich vorstellen. Man fühlt sich zurückversetzt in eine andere Zeit, an den französischen Hof. Prunkvoll ausgestattet mit prachtvollen Kristalllüstern, Antiquitäten, viel Gold und noch mehr Schnörkeln, Pfauenfedern, Samt und Brokat satt – am liebsten in Rot, Dunkelrot und Aubergine/Violett-Tönen. Und mitten darin – Düfte, eine ganze Menge, und eine wahnsinnig gute Auswahl. Wen wundert, dass man diesem Geschäft schon vor einigen Jahren ein olfaktorisches Denkmal setzte: Aedes de Venustas, der erste Duft, wurde geschaffen – von Bertrand Duchaufour als Kooperation zwischen L’Artisan Parfumeur und dem Tempel. Der damalige Duft war ein (weihrauchiger) Geselle mit Iris und Kaffee, und damit bereits ein sehr schöner Duft.

Aedes de Venustas, der neue, eigentliche Signature des Shops ist jetzt ein vollkommen eigener Aedes-Duft und entstammt erneut den magischen Phiolen von Bertrand Duchaufour:

„AEDES DE VENUSTAS honors the past, present and future of perfumery with its first signature scent. Housed in aubergine glass the bottle disrupts classic rules of design with its round and square shape, hinting at the unique construction of the fragrance housed within its body. The circumference of the cap is uniquely positioned and adorned with the AEDES  insignia. A baroque yet futuristic ambience emanates from the skin as soon as the fragrance is applied, embodying the magic that is the AEDES DE VENUSTAS boutique. The mind questions, but the heart knows; a new experience anoints the wearer as it weaves a sensuous spell like no other before it. It is the first touch of AEDES DE VENUSTAS, a touch that will never be forgotten.“

Eine Berührung, die man nie wieder vergisst, soll der Duft sein, der dem Geist des Geschäftes verpflichtet ist. Dazu hat sich Bertrand Duchaufour Folgendes gedacht:

“The AEDES DE VENUSTAS world is a world of luxury, of quality; simultaneously opulent and baroque yet decadent in a way that is refined. This is reflected in the store’s interior; purple, red and aubergine colors, shimmering and iridescent tones like those found in peacock feathers, and textures expressed in velvet, angel skin like silk, taffetas and brocades.”

 

Eine ganz eigene Welt soll der Duft sein, eine solche symbolisieren – das leuchtet ein, gilt das Gleiche doch auch für den zugehörigen Shop. Der Aufbau des Duftes folgt keiner klassischen Duftpyramide:

„There is no trace of the traditional fragrance pyramid. The construction is round, luxurious, voluptuous and addictive. The scent’s chypre character is pierced at its center with the ephemeral green freshness of rhubarb accord; the axis around which the fragrance revolves, like the wearer emanating its memorable sillage. Embodied and embodying; AEDES DE VENUSTAS Signature Eau de Parfum is the past, present and future of perfumery in simultaneous revolution.“

Im Zentrum des Duftes steht also Rhabarber, die Ingredienz, sowie ein Chyprecharakter. Darüber hinaus sind an Zutaten anzutreffen: Rhabarber, Tomatenblätter, rote Johannisbeere, Geißblatt, Vetiver und Weihrauch, mancherorts ist auch etwas von grünem Apfel und Haselnuss zu lesen.

Frisch augesprüht drängt mir sofort Rhabarber in die Nase, frisch angeschnittene Rhabarberstangen, saftig, grün und herb-säuerlich, auf jene genuine Art und Weise fruchtig (obgleich Rhabarber ja eigentlich ein Gemüse ist…). Ein Äpfelchen, ein knallgrünes knackiges, könnte durchaus dessen Wirkung verstärken – seitdem ich weiß, dass er eventuell darin ist, meine ich auch, ihn riechen zu können, wobei er mir vorher nicht unbedingt aufgefallen wäre. Viel eher sind es Johannisbeeren, die „nasenfällig“ vorhanden sind – rote, ganz klar. Zusammen mit dem Rhabarber entwickeln sie eine seltsame säuerliche Süße, die stetig vorhanden die Nase kitzelt und einen Kontrast zu dem Grün bildet. Tomatenblätter, immer etwas nach grünen unreifen Tomaten duftend, säumen den Weg, während Weihrauch subtil-sakralen rauchigen Odem einhaucht.

In mir weckt Aedes ganz komische Gefühle, was zweierlei Aspekten geschuldet ist: 1.) Dem Rhabarber 2.) Der Beschaffenheit dieses speziellen Duftes.

Rhabarber sehe ich, ich habe es schon häufiger erwähnt, als melancholisches Gemüse, so es denn ein Gemüse gibt, das melancholisch sein kann. Ich finde schon, denn der Duft stimmt mich immer – wehmütig. Sehnsüchtig. Schwermütig. Melancholisch. Und Melancholie empfinde ich gemeinhin als genauso bittersüß wie Rhabarberstangen.

Der zweite Aspekt ist sehr besonders und lässt sich auf dem aufbauen, was Duchaufour über seinen Duft sagt:

„Perfumer Bertrand Duchaufour describes the perfume as “a game of supports in an unexpected, even improbably olfactory architecture because the green effect increases while the heavy dark resinous incense and chypre accord is largely deceasing and getting more abstract.”“

Vielleicht mögen dem einen oder anderen Zweifel gekommen sein, wie Rhabarber, eine eigentlich so faserig-fruchtige, in einer Hinsicht auch transparente Ingredienz Aedes de Venustas repräsentieren möchte. Die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit wollte man in den Duft hineinpacken, also Erinnnerungen und Altes genauso wie die Moderne – und dann eben diesen Shop, der wirkt, als wäre er aus der Zeit gefallen.

Man mag es kaum glauben, aber Duchaufour ist das gelungen, auf meines Erachtens nach vollkommen geniale Art. Ich muss hier an einen Artikel denken, denn Chandler Burr einmal für die New York Times geschrieben hat – siehe hier – und der auf den Namen „Dark Victory“ lautete. Es ging um Dunkelheit – eingefangen in Parfums:

„Darkness, when it is crystalline and somewhat luminous, may be the most difficult quality to capture in a perfume.“

Lichte, leuchtende Finsternis – eigentlich ein Oxymoron wie ein weißer Rabe. Aber ich wusste genau, was Burr damit meint. Und war damals ganz verzückt, als er ein Beispiel für einen solchen Duft anführte, von dem ich einen sehr ähnlichen Eindruck gewonnen hatte:

„Frédéric Malle’s uniquely strange and difficult-to-find outfit, Éditions de Parfums, has created a perfume collection in the running for best in the world. Malle’s method is simple: he invites top perfumers to create their dream scents for him. The result is outrageous. L’Eau d’Hiver by Jean-Claude Ellena (now Hermès’s in-house perfumer) is a small revolution; Dominique Ropion’s Carnal Flower is a blossom flower with the impact of a baseball bat. But it is Ellena’s Bigarade Concentrée that plays brilliantly with darkness. Bigarade smells like a person trapped in a complex weather system, the wonderful scent of a guy’s armpit and a woman’s humid skin washed in fresh rainwater and ozone (Malle doesn’t waste time gendering his scents, and Bigarade is for both women and men). It is a masterful juxtaposition, and smelling Bigarade is like looking down into a well of cool, black water. Your retinas expand from the strange pleasure of this scent.“

In Aedes Duft gibt es keine Achselhöhlen von jungen Männern, aber exakt dieses Szenario von Finsternis und Licht, ineinander verwoben, oszillierend. Faszinierend ist das, den Aedes erscheint im selben Moment düster wie er auch luzide anmutet. Ein unglaubliches Spiel mit Licht und Schatten von einer durchdringenden Sillage.

Aedes – mein olfaktorischer Soundtrack des Sommers. Melancholie – meine Freundin. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an die edle Spenderin, die uns dieser Tage zusammen gebracht hat. Und Still Corners’ “Endless Summer” passt meines Erachtens nach einfach perfekt – damit verlasse ich Euch heute:

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Des Sommers Filterung.
Sex and the City ist zurück
Drei Männers…


Ältere Beiträge »
blogarama.com

BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Directory & Search engine Beauty Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Proudly powered by Wordpress - Impressum