Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Worte verschmelzen zu Düften – Creeds „Tabarome Millésime“

Geschrieben in Holziges,Krautiges,Tabak & Rauchiges am 18.05.2012

Wortspiele halten allerlei Fallstricke bereit, oftmals werden sie zum Bleistift höchst kalauerartig und machen ihren Produzenten im Nu zum altertümlichen Spaßonkel. Im Bereich der Düfte, wie in jedem anderen kreativen Bereich, mag diese Gefahr ebenso bestehen. Fernab anbiedernder Schenkelklopferei befinden sich meines Erachtens gelungene Duft-Wortspiel-Namen wie „O des Soupirs“ oder das ähnlich gestrickte „Eau de Fröhliche“. In eine andere Kreativtasche griff Creed mit „Tabarome Millésime“. Mit „Millésime“ tropft zwar etwas allzu offensichtlich Glanz und Gloria des gehobenen Schaumweins herab, wobei mit „Tabarome“ die eigentliche Neuschöpfung im Mittelpunkt steht. Ich mag Wörter, in denen Vieldeutigkeiten und Konnotationen mitschwingen. So hört mein französisch nur rudimentär gebildetes Ohr den Zusammenschluss von „tabac“ und „arome“. Sollten mir weitere poetische Zwischentöne abhanden gekommen sein, bitte ich dies geflissentlich zu übersehen.

Meinungen zu diesem Duft gibt es zur Genüge, nichtsdestoweniger nehme ich mir das Gewohnheitsrecht heraus, hier meine eigene zum Besten zu geben. Im Übrigen geht es hier um den im Jahr 2000 erschienenen Duft und nicht den alten „Tabarome Privé“, den ich gar nicht kenne. Wer beide kennt, darf hier natürlich gerne kommentieren. Ich würde mich über weitere Infos freuen. Übrigens bricht Herr Turin auch über diesen Duft den Stab, indem er in mit zwei Sternchen (= enttäuschend) abkanzelt und als grellen Sport-Duft bezeichnet. Ob ich ihm diesmal recht gebe?

Tobacco Leaves

Wie ich es leider öfter schon bei Creed-Düften feststellen musste, geistern verschiedene Duftnotenangaben durch die Welt. Ich gehe nun einfach stillschweigend davon aus, das wir die richtigen haben und ergänze bei Bedarf: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine; Herznote: Ingwer; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Ambra, Tabak, Leder.

Keine Überraschung ist zuerst einmal der zitrische Auftakt. Mit dieser Armada an Zitrusfrüchten hat Skorbut jedenfalls keine Chance. Ich muss Herrn Turin recht geben. Ein greller Sport-Duft, frisch, leicht holzig. Enttäuschend.

Ganz viele Grüße von
Harmen

tobacco

Späßchen! ;-) Ein bisschen Zeit muss man dem guten „Tabarome“ schon geben. Die zitrischen Schalen fallen ab und es kommt zum Vorschein, was zuvor im Hintergrund geblieben war. Ich hatte mit einem schweren Tabak-Holz-Duft à la holzgetäfeltes Herrenzimmer gerechnet oder schlimmer noch ein Duft im Geiste des Gelsenkirchener Barocks. Was sich hier allerdings präsentiert, ist weitaus leichter. Grüne Tabakblätter – kein Tabakrauch, keine Zigarren – eher leichtwürziger Grüner Tee…

Churchill HU 90973 Aber nochmal von vorne: auf der Haut zeigt sich „Tabarome“ sehr viel differenzierter. Hier bekomme ich fast schon salzige Noten heraus, vermutlich Monsieur Vetivers Handschrift, die frische Schärfe des Ingwers geht im Verbund der zitrischen Noten nach einer Weile auf und trockene Holzakzente stoßen hinzu. Tabak und Tee würde ich nach dem Auftakt als Handlungsträger bezeichnen.

Geradezu durchscheinend bleiben die beiden, werden aber vom Holzfundament sicher und voluminös getragen. Ein Duft, der nicht dezidiert jugendlich daherkommt, aber definitiv auch kein Altherrentabak ist. Man liest, dass dieser Duft von Winston Churchill als moderne Variante des alten „Tabarome Privé“ in Auftrag gegeben wurde. Auf die Frage hin, wie er sein hohes Alter erreicht habe, soll Churchill geantwortet haben: „First of all: No Sports“. Das scheint mir die richtige Replik auf Herrn Turins Einschätzung zu sein.

Jetzt aber in echt
Liebe Grüße von
Harmen

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Das Steinmonument – „XerJoff – Stone Label – Homme“

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges,Leder am 11.05.2012

Unlängst erreichte eine neue Serie von Xerjoff unser Geschäft: XJ 17/17. Aus dieser Reihe habe ich mir für heute „Homme“ vorgenommen, und ich werde mich von außen nach innen durcharbeiten, weswegen ich einfach einmal mit dem sehenswerten Flakon beginne. Auf dem von Xerjoff so genannten „Skulpturflakon“ aus handgearbeitetem und mundgeblasenem Murano-Glas mit dem typischen schnabelartigen Verschluss befindet sich das namensgebende „Stone Label“, ein handgemachtes Etikett aus Stein. Für jeden Duft wurde eine eigene Steinart verwendet, für „Homme“ entschied man sich für Obsidian.

Obsidian ist in jedem Fall ein wohlklingender Name für ein Gestein, bei dem es sich um vulkanisches Gesteinsglas handelt. Der Name rührt wiederum von einem alten Römer namens Obsius her, der in Äthiopien jenes Gestein gefunden und nach Rom gebracht haben soll.

Snowflake obsidian

Ein Steinetikett halte ich für eine großartige Idee, haftet diesem Konzept doch sogleich der Hauch des Monumentalen an. Wie monumental der Duft selbst ist, werde ich nun herausfinden. Die angegebenen Duftnoten lassen zumindest auf einen recht komplexen Duft schließen:

Kopfnote: Bergamotte, Limette, Orange, Mandarine, Grapefruit, Kümmel, Estragon, Ingwer; Herznote: Lavendel, Bulgarische Rose, Ylang-Ylang, Iris, Gewürznelke; Basisnote: Atlas-Zedernholz, Ambra, Rose, Vanille, Vetiver, Birke, Hölzer

Das nicht eigens erwähnte Leder ist es, das mir sofort entgegenschlägt, und zwar ein kräftiger Akkord, welcher zugleich von zitrischen und krautigen Noten kontrastiert wird. Ich würde es so beschreiben, dass sich die Ledernoten und das Krautig-Frische wie zwei Berge gegenüberstehen, die von einer Kluft getrennt werden. Während des Duftverlaufs legen sich hier nun viele verschiedene Aspekte an, die die Kluft auffüllen und überbrücken. Sehr interessant.

Tree hadrians wall ausschn

Zu diesen Auffüllern und Überbrückern gehören vor allem die holzigen und würzigen Noten. Letztere werden insbesondere von der Gewürznelke vertreten. Hinzukommen auch einige floral-süße Noten, die meines Erachtens kaum im Einzelnen wahrnehmbar sind. Auf Rose und Vanille hätte ich im Blindtest getippt.

Holzig ist „Homme“, wobei ich feststellen muss, dass die holzigen und ledrigen Noten hier ineinander verschwimmen. Man weiß, dass sie da sind, bekommt sie aber nicht recht zu fassen.

Ihr seht schon, mir fällt es ein wenig schwer diese Duft zu greifen, was in dessen Komplexität begründet liegt. Viele Aspekte erscheinen, manche werden abgelöst, aber all dies unter der Ägide des Leders, das stets gegenwärtig den Grundton vorgibt. Helles und Dunkles, Schweres und Leichtes scheint sich gegenseitig zu durchdringen. Das Obsidianetikett halte ich für treffend, da Obsidian in verschiedenen Färbungen auftreten kann und oftmals kleine Einschlüsse enthält wie z. B. der Schneeflockenobsidian. Das gläsern-dunkle Fundament schillert in Tiefenfarben, und helle Einschlüsse setzen lebendige Kontraste. Monumental ist „Homme“ auf seine Weise, aber nicht größenwahnsinnig, selbstbewusst und erfolgsverwöhnt, aber auch feingeistig und tiefgründig. Damen, die auch gerne Lederkracher tragen, werden genauso wie die anvisierten Herren der Schöpfung ihre helle Freude an diesem Duft haben.

Es grüßt Euch
Harmen

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Memo-Gewinnspiel im Duft-Tagebuch

Geschrieben in Allgemein am 7.05.2012

In letzter Zeit hat uns Ulrike einige Düfte von Memo vorgestellt. Erst Anfang April war hier über Granada zu lesen, am Tag darauf stellte sie uns Shams und Lalibela vor. Schon ein wenig weiter zurück liegt ihre Rezension von Manoa und die von Moon Safari bzw. Moon Fever.

Kenner der Marke wissen natürlich, dass es noch weitere Düfte gibt. Diese sollen Euch nicht vorenthalten bleiben, weswegen sich Uli für uns ins Zeug gelegt und weitere Kreationen dieses Hauses unter die Nase gehalten hat. Da diese Woche ganz im Zeichen von Memo steht, wollen wir das Ganze mit einem Gewinnspiel krönen.

Die Gewinne

Zu gewinnen gibt es je einen Flakon (30 ml) von:

Sundance
Siwa
Inlé

Und ein Schmankerl, das die Gewinnchancen stark in die Höhe schießen lässt: jeweils 20 Proben dieser Düfte, also insgesamt 60 Proben, legen wir noch oben drauf! Das ist doch mal eine Hausnummer, oder nicht? Daraus ergeben sich 20 3er-Proben!

Die Teilnahme ist ganz einfach.

1) Kommt auf die Facebook-Fanseite des Duft-Tagebuchs und klickt dort auf „Gefällt mir“, falls Ihr das nicht früher schon gemacht habt.

2) Teilt unseren Gewinnspiel-Beitrag auf Eurem Profil und hinterlasst uns einen Kommentar, welcher Memo-Duft Euer Liebling ist.

[3) Facebook-Abstinenzler dürfen alternativ gerne diesen Beitrag hier im Blog kommentieren und nehmen damit gleichberechtigt am Gewinnspiel teil.]

Jetzt heißt es nur noch Daumen drücken und mit ein wenig Glück haltet Ihr einen unserer hervorragenden Gewinne in Händen.

Das Gewinnspiel läuft bis einschließlich Sonntag, den 20. Mai 2012. Die glücklichen Gewinner geben wir am Tag darauf bekannt.

Liebe Grüße von
Ulrike & Harmen

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Die Gewinner…
Freitagsverlosung.
Das Duft-Tagebuch lädt Euch ein…


Das Fenster ins Dunkel – Montales „Royal Aoud“

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Orientalen am 30.04.2012

Nach meinem kürzlichen Aha-Erlebnis mit Aoud Leather von Montale war natürlich die Neugier geweckt, erstens nach weiteren Düften aus diesem Hause und zweitens nach weiteren Ouddüften. „Royal Aoud“ heißt der nächste Kandidat, der heute unter die Lupe genommen werden soll.

Egg (safer kumquat replacement) Photography

Ich lasse mich nun gar nicht aufhalten und sprühe „Royal Aoud“ auf den Teststreifen und werde von einer Oudwolke überwältigt, holla die Waldfee! Nachdem sie aber davongewalzt ist, machen sich zitrische Noten breit – eine spannende Sache, wo doch oftmals zitrische Kopfnoten nach einem fulminanten Auftakt zu verschwinden drohen.

Auf der Haut ein ähnliches Bild, eine medizinisch-alkoholische Dampfwalze bügelt durch die Nase, lässt aber auch zeitig wieder nach, um einem differenzierteren Bild Platz zu machen. Die holzigen und rau durch die Nase gehenden Aspekte des Adlerholzes werden „sichtbar“, welche es genau sind, gibt auch der Hersteller nicht an. Zu Beginn des Duftverlaufs scheinen die Kopfnoten aus Kumquat und Grapefruit die medizinischen Instrumente des Ouds zu verlängern und über sich selbst hinauszutragen, später gehen sie dazu über, im immer komplexer werdenden Gebilde eine neue Rolle zu übernehmen. Sie kontrastieren das dunkelwürzige und rauchwerkartige Oud durch helle zitrische Noten wie ein Fenster, durch welches das Licht in einen dunklen Raum fällt.

The light within {ON EXPLORE}

Ein Sprichwort sagt: „Das Gesicht des Menschen erkennst du bei Licht, seinen Charakter im Dunkeln.“ So verhält es sich auch mit „Royal Aoud“. Ein undurchdringlich scheinende dominater Oudauftakt wird nach und nach von hellen Aspekten unterlaufen, die ihr freundliches Gesicht nach außen zeigen, der wahre Charakter liegt jedoch in der Komplexität des Adlerholzes, in den vielen dunklen Ahnungen und verworrenen Seelenwindungen.

Texture

Ein königlicher Duft, keine Frage, meine Neugier ist mit diesem Test keineswegs kleiner geworden, wie gut also, dass ich hier noch weitere Proben liegen habe, die sicherlich auch in nicht allzu ferner Zukunft hier einmal besprochen werden sollen.

Es soll ja Leute geben, die diesen Duft nicht mögen. Wie steht Ihr zu ihm?

Viele Grüße
Harmen

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Vom Stapeln der Melonen – Micallefs „Avant-Garde“

Geschrieben in Aquatisches,Duft am 27.04.2012

Die Avantgarde bezeichnete eigentlich im militärischen Bereich die Vorhut, jene Truppen, die zuerst mit dem Feind in Berührung kommen. Schon seit längerer Zeit breitete sich der Begriff jedoch auch auf andere Bereiche aus und benennt vor allem diejenigen Strömungen in der Politik sowie Kunst und Kultur, die eine Vorreiterrolle einnehmen und zu langfristigen Veränderungen führen, womit sie sich wiederum bewusst von kurzlebigen Modeerscheinungen abgrenzen. Ein gutes Beispiel aus dem Bereich der Musik ist die Gruppe „Kraftwerk“, die gerade erst im New Yorker Museum of Modern Art auftrat (siehe z. B. hier) und bereits in den 1970er Jahren wichtige Grundlagen für die später immer populärer werdende elektronische Musik legte. Die New York Times bezeichnete sie gar als „Beatles Of Electronic Dance Music“. (Quelle)

KRAFTWERK im Kiew 03

Was dem einen ein stilisierter Eishockey-Puck sein könnte, dürfte dem anderen das passende Gefäß für Micallefs Avant-Garde sein, einem Duft, der sich mit seinem Namen selbst eine Hürde setzt, die es erst einmal zu nehmen gilt.

Zitrisch und aquatisch geht es los, und zwar deutlich aquatisch. Was wohl eigentlich auf die Seerose und die zitrischen Noten zurückgeführt werden kann, ist ein angenehmer Melonenduft, eine reife, süße und krachende Wassermelone wie man sie beim Türken oder Griechen seines Vertrauens kaufen kann. Tolubalsam und Tonkabohne in der Basis ergänzen den Duft mit feinen balsamisch-süßen Pinselstrichen, die vor allem auf der Haut eine stärkere Präsenz erhalten. Eine leicht herbe Kakaonote meine ich wahrzunehmen, was Tabakblätter oder Weihrauch angeht, kann ich diese als Einzelnoten nicht herausriechen.

Die Noten in der Übersicht: Kopfnote: Zitrische Noten, Nymphaea (Seerose), Iris; Herznote: Kakao, Tabakblätter, Weihrauch; Basisnote: Tonkabohne, Tolubalsam

Square watermelon

Man sollte sich nicht verleiten lassen, von diesen Duftnoten auf einen schweren Gourmandduft zu schließen. Mit einer Tendenz zur Dame würde ich diesen Duft als Frühlings- und Sommerbegleiter empfehlen: Wässrig-leichte Frühlingsimpressionen, mit einem fruchtigen Einschlag; die Herznoten bewirken eine tee- oder heuartige, grüne Herbheit, die wiederum von Balsamisch-Süßem in der Basis abgefedert wird.

Eine Melone mit runden Kanten könnte man den Duft nennen, aber leicht wie ein Frühlingstag. Anecken wird man mit diesem Duft aber nicht, ein moderner Duft: ja; ein gelungener Duft: zwei Mal ja; eine Provokation nein. Und auch wenn der Duft als Herrenduft ausgegeben ist, auch als männlicher Träger wird man mit diesem Duft niemandem auf den Schlips treten.

Mir gefällt er gut – und Euch?
Mit großer Lust auf eine Melone und den dazugehörigen Sommer verabschiede ich mich
Harmen

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Wenn kühle Wasser erwachsen werden – Creeds „Green Irish Tweed“

Geschrieben in Duft,Grünes,Holziges am 26.04.2012

Wie Ihr sicher schon alle wisst, haben wir seit einiger Zeit auch wieder Creed im Sortiment. Grund genug für mich, mir einen echten Klassiker aus diesem Hause anzusehen, von dem ich immer wieder gehört oder gelesen habe: „Green Irish Tweed“, der wahlweise auch im Schüttflakon zu erstehen ist.

Neugierig macht mich zudem, dass der Duft im Netz äußerst kontrovers diskutiert wird, selbst die Frage, ob Pierre Bourdon als Parfumeur hinter „Green Irish Tweed“ steckt, scheint nie offiziell bestätigt worden zu sein. Luca Turin schreibt jedoch in „Perfumes – The Guide“, dass er 1985 von Bourdon kreiert worden war, gewissermaßen als Arbeit, die damals schon klar auf den drei Jahre später erschienenen Welterfolg „Cool Water“ hindeutete. Turin gibt für „Green Irish Tweed“ die volle Punktzahl und spitzt seine Aussage zu, indem er schreibt, dass dieser Duft der einzig wahrhaft große Duft von Creed sei. Hier werden sicher einige von Euch lautstark widersprechen.

„Green Irish Tweed“ wird als frischer grüner Duft angekündigt, welcher aus folgenden Duftnoten besteht: Kopfnote: Verbena, Iris; Herznote: Veilchen; Basisnote: Mysore-Sandelholz, Ambra.

Ovejas en Irlanda

Neben dem „stofflichen“ Tweedverweis deutet Creed im Herstellertext ganz bewusst auf die Grüne Insel im Atlantik hin, die sich in letzter Zeit zwar etwas krisengeschüttelt, nun aber auf dem Wege der Besserung befinden soll. Die bekannten Irlandbilder werden aufgerufen: grüne Hügel, saftige Wiesen, die von alten Steinmauern durchzogen sind, Schafe, Heidelandschaften, wildromantische Küsten, an denen das Licht im Wolkenflug wechselt…

Jacket in shop window, Lewes

Aufgesprüht scheint es so, als würde ich einen alten Bekannten treffen. Natürlich bin auch ich nicht um „Cool Water“ herumgekommen und habe ihn in jungen Jahren exzessiv getragen. Der Auftakt von „Green Irish Tweed“ ähnelt „Cool Water“ ungemein, aber auch nur dort. Sogleich drängt sich eine holzige Nussigkeit hinein, bei der ich ebenso an dickes Leinen denken muss – hier sehen wir nun die Huldigung des Tweeds. Diese Nussigkeit wird von bitter-krautigen Noten begleitet, die dem Duft seine Charakterfarbe Grün geben. Eine Melange aus Verbena und Iris im Kopf, Veilchen im Herzen und Mysore-Sandelholz sowie Ambra in der Basis vermögen es, diesen charakterstarken Duft zu entwickeln.

Seinen aquatischen Beginn verliert „Green Irish Tweed“ im Duftverlauf nie gänzlich. Wahrscheinlich hebt ihn dies von anderen klassischen Herrendüften ab und macht ihn meines Erachtens so modern. Mir scheint es als sei „Cool Water“ erwachsen geworden, habe die völlige Unbeschwertheit der Jugend abgelegt und dabei an kantigem Profil gewonnen. Übertrieben hat es Bourdon dabei nicht. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Grüne, Krautigkeit, Holzigkeit und einem andauernden aquatischen Auftakt hinterlässt einen insgesamt runden Eindruck.

Gefallen wird er deswegen trotzdem nicht jedem. Was haltet Ihr von diesem „Grünen Irischen Tweed“?

Viele Grüße von
Harmen

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Korres die Zweite.


Ein Duft aus altem, schottischen Adel – Lonach

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 16.04.2012

Das Wort Lonach hat sogleich einen Schlüsselreiz bei mit ausgelöst, klingt es doch schwer nach einem jener schottischen Feuerwasser, die sich mit altertümlich anmutenden keltischen Namen schmücken. Und in der Tat gibt es einen so benannten Whisky. Lonach steht aber viel mehr noch für die „Lonach Highland Gathering & Games“, einer Veranstaltung, die an jedem vierten Samstag im August im Bellabeg Park in Strathdon stattfindet.

1823 wurden sie von einem gewissen Sir Charles Forbes gegründet. Bei derartigen Highland Games handelt es sich um eine traditionell schottische Angelegenheit, es werden sportliche Wettkämpfe ausgetragen, das Dudelsackspiel darf natürlich nicht fehlen und die landestypischen Trachten werden ausgeführt.

bekilted relay

Brauchtumspflege mit Männern in Röcken, die unter dem Patronat eines Sir James Forbes of Newe stattfindet, einem direkten Nachfahren des bereits erwähnten Gründers.

Wer sich mit Nischendüften gut auskennt, dürfte längst erraten haben, dass wir es heute mit „Lonach“ von Castle Forbes zu tun haben. Da dieses Haus, das sich selbst als kleinste Parfümerie der Welt bezeichnet, hier im Duft-Tagebuch noch nicht vorgestellt wurde, erlaube ich mir noch ein paar Worte darüber fallen zu lassen.

In dem 1815 erbauten Schloss wohnt heute Lord Malcolm Forbes und kann dabei den Blick nicht nur über seine Ländereien schweifen lassen, sondern auch über eine Ahnenreihe, die bis ins 12. Jahrhundert zum Ahnherrn Forbes tartan (Vestiarium Scoticum)Oconochar zurückreicht, der die Gegend um Aberdeenshire erst dadurch bewohnbar machte, indem er den ursprünglich dort ansässigen Bären tötete. Was nun die Düfte anbelangt, scheint aber seine Frau Jinny federführend zu sein. Mit dem befreundeten Parfumeur Andrew French wurden die Düfte entwickelt, die alle mit dem Tartan des Forbes-Clans ummantelt sind und sowohl Hirschwappen als auch das Motto des Clans „Grace me Guide“ – „Ziere meine Führung“ tragen.

Die fast schon obligatorische Verschrobenheit solcher Familien lässt sich auch hier finden. Auf der Webseite des Castle Forbes wird nicht nur Geschichtliches geboten. Im Schloss lassen sich Übernachtungen buchen, man kann Angeln gehen, Düfte genießen und sich begraben lassen, kein Witz. Wer seine sterbliche Hülle in keltischer Szenerie in der Nähe eines Jahrtausende alten Steinkreises begraben wissen möchte, kann hier eine letzte Ruhestätte vorbestellen. Ein ganzheitlicher und nachhaltiger Erholungsansatz, wie ich finde.

cothiemuir wood recumbent stone circle

Wenig aussagekräftig erscheint mir der Duft auf dem Teststreifen zu sein, frisch, mit leicht süßlichen Anklängen und holzigen Tönen, ein sauberer klassischer Geselle. Wie so oft wird auch hier der Hauttest Klarheit bringen. Ich würde mir natürlich nie erlauben, einem schottischen Duft britisches Understatement zu unterstellen. Eine Noblesse durchweht den Duft aber zweifelsohne.

Ein zitrischer Auftakt unter Leitung der Bergamotte wird von leicht würzigen Korianderakzenten begleitet. Die Herznoten darf man sich getrost als entfernte Anspielung vorstellen, Fruchtiges meldet sich durch eine gewisse Süße zu Wort. Am deutlichsten erscheint noch das Sandelholz, dessen saubere Holzigkeit von einer leichten Herbheit des Vetivers und die Süße wiederum von Patchouli unterstützt wird. Ihr seht schon, hier haut keiner der Protagonisten auf die Pauke, eine durch und durch runde Komposition. Am besten lässt sich Lonach als sauber-holziger, klassischer Herrenduft mit süßen Einsprengseln beschreiben, der jedoch ohne Frage auch einer Dame trefflich stehen würde.

Viele Grüße sendet Euch
Harmen

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Duftverzeichnis
Manufakturen
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Patricia de Nicolaïs New-York-Interpretation

Geschrieben in Chypre,Duft am 10.04.2012

Wenn sogar ein Luca Turin Bestnoten zückt, sollte man zumindest einmal aufhorchen. „New York“ von Patricia de Nicolaï ist ein echter Spalter, wie mir eine kurze Recherche bestätigt. Ich bin mir relativ sicher, dass es die Kombination aus einer kräftigen Zitrone mit Patchouli ist, die da die Geister scheidet, denn nach einem spritzig-zitronigen Auftakt folgt ein krautig-pfeffriger Einschlag. Dieser wird sogleich von erdig-warmen Patchouli-Ambra-Tönen flankiert, dunkel und bissig anmutender Vetiver im Verbund mit Eichenmoos unterstreicht diesen Eindruck noch. Die Zitrone bleibt ungewöhnlich lange präsent. Die würzige Komponente setzt sich aus pfeffrig-holzigen Tönen zusammen, manch einer mag hier noch Gewürznelke oder Thymian oder gar Paprika vernehmen, Lavendel spielt in jedem Fall eine Rolle – ganz klar lässt sich das nicht auseinanderziehen. Als Duftnoten gibt die Herstellerin folgende an: Kopfnote: Zitrone, Petitgrain, Bergamotte, Lavendel, Beifuß; Herznote: Piment, Pfeffer, Patchouli, Zedernholz; Basisnote: Vanille, Leder, Ambra.

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Ein komplexer Charakter ist New York von Nicolaï. Verschiedenste Facetten leuchten im Duftverlauf auf, neuartige und mutige Nuancen, kräftig, bissig und leuchtend, aber auch von erdiger Dunkelheit erfüllt… all dies jedoch eingebettet in das klassische Gewand eines Chypre.

Little Italy1989 bereits erschienen hätte New York aber durchaus auch einige Jahrzehnte älter sein können. Ich bringe diesen klassisch anmutenden Duft nun nicht direkt mit der pulsierenden Metropole New York zusammen, außer vielleicht wenn wir in die alten sepiafarbenen Zeiten Little Italys zurückkehren, wie man sie aus dem Kino kennt, wo elegant gekleidete Herren Geschäften aller Art nachgingen. „New York“ ist kein hipper Stadtduft und soll es vermutlich auch gar nicht sein. Die Komplexität scheint der Schlüssel zu seinem Verständnis zu sein. Ein Schmelztiegel verschiedener Assoziationen, heller und dunkler Elemente, Neues und Altes koexistiert, Kulturen vermischen sich, doch all dies im Rahmen der Stadt, welche die zugegebener­maßen fließenden und durchlässigen Grenzen markiert. Es sind natürlich die sizilianischen Zitronen, die mich auf die Little-Italy-Fährte brachten, und die Kräuter und Gewürze der Südländer. Doch der so versiert angetäuschte Chypre hat noch etwas mehr zu bieten, als die Tradition seiner Gattung zu repetieren. Wer Chypres an und für sich nicht mag, steigt vermutlich bei den vieldeutigen Einsprengseln vollständig aus, deren Deutung von Zimt bis Paprika reicht. „New York“ sperrt sich einem leichten Verständnis und lässt sich auch durch einen dritten Blick nicht durchschauen.

Wäre „New York“ ein Mensch, dann ein Charakter, dem es gleichgültig ist, ob man ihn mag oder nicht, der aber mehr zu bieten hat als lässige Selbstgefälligkeit. Man muss sich länger mit ihm beschäftigen, um ihn schätzen zu lernen und vielleicht auch ein bisschen mit ihm kämpfen, bis man ihn mag. Ich muss noch ein bisschen kämpfen, so viel Ehrlichkeit verdient „New York“.

Ganz viele Grüße von
Harmen

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Ein Herren-Lavendel von Nicolaï
Beim Schopfe packen
Maharadjah…


Sammeln Sie Bäume? Prince Jardiniers „Arboretum“

Geschrieben in Duft,Grünes,Holziges,Krautiges am 2.04.2012

Carl Spitzweg 021Bei manch einem treibt die Sammelleidenschaft eigentümliche Blüten. Manche horten säckeweise Bierdeckel oder Streichholzschachteln aus aller Welt, Flure werden mit Nippesregalen bestückt, Figuren aus Überraschungseiern katalogisiert, bei den Wohlhabenderen unter uns mag auch die systematische Beschaffung von Kunstobjekten oder hochpreisigen Fahrzeugen eine Rolle spielen. Es gibt kaum jemanden, der nicht irgendetwas sammelt. Obwohl ich persönlich davon überzeugt bin, dass das Leben einfacher ist, wenn man nicht allzu viele Dinge besitzt, ist auch bei mir eine recht große Büchersammlung zusammengekommen – möglicherweise eine Berufskrankheit – bei jedem Umzug aufs Neue jedoch ein Grund zum Fluchen. Jedenfalls kann das Sammeln auch krankhafte Züge annehmen, bis 1700 wurde das Sammeln sogar als verwerfliche Eitelkeit angesehen. Über die Wahllosigkeit und das Unverständnis der Büchersammler äußerte sich Sebastian Brant bereits im Jahre 1494 abfällig in seinem „Narrenschiff“: „Im Narrentanz voran ich gehe, da ich viele Bücher um mich sehe, die ich nicht lese und verstehe.“

Botanische Gärten zeigen, dass man natürlich auch Pflanzen sammeln kann, alles in allem eine Platzfrage, hat man jedoch ausreichend Grundbesitz, so lässt sich sogar eine Baumsammlung wie ein „Arboretum“ anlegen. Den gleichnamigen Duft von Prince Jardinier werde ich Euch heute vorstellen. Bei dem „Gärtnerprinz“ handelt es ich um einen Adelsspross, einen gewissen Prinz Louis Albert de Broglie, der ein Geschäft für den gehobenen Gartenbedarf in Paris besitzt. Wie es sich gehört, verfügt Monsieur auch über einen Schlossgarten, aber aufgepasst: darin werden im so genannten „Le Conservatoire de la Tomate“ 650 Tomatensorten angepflanzt, hier kann man sich en français darüber informieren oder hier in deutscher Sprache. Damit hätten wir auch wieder den Bogen zur oben erwähnten Sammelleidenschaft geschlagen.

Burgholz13

Das größte Arboretum in Deutschland ist der Staatsforst Burgholz auf dem Stadtgebiet von Wuppertal. Auf einem Teil dieses Gebiets werden auch nicht einheimische Baumarten auf ihre Umweltverträglichkeit und ihrer wirtschaftlichen Nutzbarkeit wissenschaftlich untersucht. Solche Baumsammlungen gibt es auch in kleinerem Format weltweit, sogar auf bestimmte Baumarten spezialisiert. Werden Eichen gesammelt nennt sich die Sammlung Quercetum, bei Sträuchern Fruticetum und bei Nadelhölzern Pinetum. Man sieht, auch hier findet jeder seine Nische.

Nun bin ich aber gespannt, wie der Gartenprinz diesen Duft umgesetzt hat. Auch wenn man nun mit einer ganzen Sammlung an Holznoten rechnen würde, angegeben wurden lediglich folgende Noten: Kopfnote: Koriander; Herznote: Pinie (Kiefer); Basisnote: Eichenmoos. An anderer Stelle wurden weitere Noten wie Heidekraut, Laub, Rinde oder Tanne angegeben.

Der geniale Parfumeur Pierre Bourdon steckt im Übrigen hinter dieser Komposition. Und auch hier beweist er seine Klasse: ein feiner Laub- und Moosgeruch, wie auch frisch-sauber-nadelhölzerne Anklänge und etwas süßlich anmutendes Eichenmoos. Etwas respektlos formuliert: der handzahme, leichte und kleine Bruder von Carons Yatagan (hier rezensiert), aber völlig frei von dessen Harzen, animalischen Noten und seiner dominanten Intensität.

Hier haben wir es eher mit einem Spaziergang durch den Wald zu tun, feine grüne Wald- und Laubnoten, alles höchst kultiviert und auch sauber. Ein Duft, der eine herrliche Unbeschwertheit ausdrückt: der erste Urlaubstag von vier Wochen, ein Morgenspaziergang durch den Wald…ich finde ihn toll!

Waldige Grüße
von Harmen

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Amouage Opus 2 & 3.
Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 7
Die wilden Zwanziger Jahre…


Café Vert – Kaffee einmal ganz anders

Geschrieben in Blüten,Duft,Hesperiden am 30.03.2012

So langsam entwickeln sich die Temperaturen in annehmbare Höhen, wie gerufen kommt da ein Duft, den ich schon länger hier liegen habe und für den ich mich vor allem wegen seiner Basisnote aus Kaffee interessiere: Café Vert von Il Profumo. Man muss albern genug sein, um sich ein Tässchen frisch gebrühten grünen Kaffee vorzustellen. Kein Problem für mich.

cafe vert

So viel sei verraten, vermutlich ist hier kein Kaffee gemeint, den der Hulk aufgebrüht hat. Sprüht man nämlich den Duft auf, so wird man zuerst von einer kräftigen Grapefruit empfangen, deren Säure auch die Mandarine nicht zu zügeln vermag. Zitrisch-spritzig-frisch geht es also los, und nach einiger Zeit ebbt dieser frische Einstand etwas ab und gibt floralen Noten eine Passage frei, ohne jedoch ganz zu verschwinden. Das blumige Herz wurde mit Jasmin, Alpenveilchen und Geranium angegeben – hier und vor allem auf der Haut besitzt der Jasmin vorerst die größte Durchschlagkraft.

Ja und was jetzt? Wo ist der Kaffee? Ein bisschen Hirn-Einschalten und die eine oder andere Recherche brachten mich dann darauf, dass hier kein gerösteter Kaffee gemeint sein kann, sondern grüne Kaffeebohnen vor der Röstung. Da hätte ich auch früher drauf kommen können. Diese sollen ganz anders riechen als geröstete Kaffeebohnen. Wahrscheinlich ist es aber das florale Herz, das in Verbindung mit den frischen Kopfnoten einen grünen Gesamteindruck erzeugt, ein hauchdünner bitterer Zug mag noch eine kleine Rolle spielen.

Gourmand-Liebhaber, die hier einen sahnigen Kaffeeduft erwarten, wären vermutlich enttäuscht. Vor allem in der Langzeitwirkung entwickelt sich der Duft in eine immer grünere Richtung, insgesamt wirkt er frisch und leicht, ein toller Frühlingskandidat, den ich eigentlich ausschließlich der Damenwelt ans Herz legen möchte. Auch im Sommer an heißen Tagen dürfte vor allem der Grapefruitauftakt für eine angenehme Erfrischung sorgen – ich muss wegen der Grapefruit an „Citrus Paradisi“ von Czech & Speake denken (hier geht es zur Rezension), aber das ist dann trotz dieser Parallele eine ganz andere Baustelle.

Coffee Beans

Interessieren würde mich, wer den Duft schon getestet hat und wie Ihr ihn fandet. Hat ihn Euch die Kaffeeenttäuschung (← das schreibt man wirklich so) verdorben? Wer kann mehr über den Geruch ungerösteten Kaffees berichten? Trotz des ungerösteten Zustands bekomme ich jetzt Lust auf eine Tasse Kaffee.

Hoch die Tassen und viele Grüße
von Harmen

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