Frau Mecheri und die Iris…
Frau Mecheri ist wohl jedem Duftfan bereits über den Weg gelaufen, ist ihre doch mittlerweile ziemlich umfangreiche Parfumkollektion relativ bekannt und beliebt. Ende letzten Jahres bescherte uns die Japanerin, die in Europa Kunst studierte und mittlerweile in Los Angeles lebt und arbeitet, eine ganze Reihe an neuen Düften: Eine Neuauflage ihres Bestsellers Loukhoum, der mittlerweile schon zum Klassiker geworden ist, und das im Rahmen eines Trios, ergänzt durch Loukhoum Parfum du Soir und Loukhoum Eau Poudrée. Darüber hinaus widmete sie sich der Flora mit zwei Irisdüften und einem Daturaduft sowie der Kreation eines weiteren Lederduftes.
Wie angekündigt und versprochen werde ich mir das komplette Ensemble zu Gemüte führen und Euch vorstellen. Beginnen möchte ich mit den beiden Irisdüften, Iris Pourpre und Iris d’Argent.
Wenn schon zwei Irisdüfte, dann ist einer - ja, wie soll es auch anders sein, (eher) für Männer gedacht und der andere (eher) für Frauen konzipiert.
Da ich in Sachen Düfte über eine ausgeprägt maskuline Ader verfüge, nehme ich mir deshalb zuerst gleich mal „den Mann” zur Brust beziehungsweise zur Nase - Iris d’Argent.
Als ich den Namen las, mußte ich unwillkürlich an Bois d’Argent denken, das herrliche Dior-Cologne von Annick Menardo (Bulgari Black, Le Labo Patchouli 24, Lolita Lempicka, usw.) - eine Honig-Iris auf feinstem Wildleder - aber, weit gefehlt: Bois d’Argent und Iris d’Argent haben gar nichts gemein.
Iris d’Argent ist im Auftakt sehr frisch: Der Beginn mutet sehr sauber an und erinnert kurzfristig (!) an Düfte wie die Clean-Riege, Gendarme Carrière oder Byredos Blanche - ein paar Hesperiden dürften auf jeden Fall beteiligt sein, den Rest dieses Eindrucks schiebe ich auf die Zeder, die sich durch den ganzen Duftverlauf zieht. Diese beiden Komponenten geleiten den Duft hin zu einer kühnen, kühlen Iris, die in mir sofort die Assoziation von Silber weckt. Dynamisch und oszillierend schillernd, gleichwohl Eleganz als auch Distanz und Bestimmtheit vermittelnd. Mit der Zeit gewinnt die Iris an Samtigkeit, verbleibt aber trocken, lediglich die ihr innewohnende Kühle taut etwas auf, bedingt durch eine ebenfalls trockene ambrierte Basis, die zudem noch Anklänge eines klassischen Chypreakkordes samt subtil-distinguierten Ledernoten offenbart. Dabei bleibt der Duft aber stets seiner luziden silbernen (Klang)Farbe treu.
Iris d’Argent hat mich sehr positiv überrascht - eine kühle und elegante Understatement-Iris, für mich nicht ganz so schön wie mein diesbezüglicher Liebling, Iris Pallida die Göttliche von L’Artisan Parfumeur, aber durchaus eine sehr gelungene Iris und eigentlich genau das, was ich von Serge Lutens’ Iris Silver Mist dem Namen nach erwartet hätte (welche mich leider auf meiner Haut völlig enttäuschte - zu harsch, zu unausgewogen und ausgeprägt metallische Noten, die in dieser Form nicht tragbar waren).

Iris Pourpre wurde durch ein Gemälde aus der Edo-Periode inspiriert, eine Lackmalerei, jene für Japan so typische Kunstform. Auf dem Gemälde waren Adlige dargestellt, die ihre Blicke über ein weites Feld voller blühender Iris schweifen lassen… wenn ich mir jenes Gemälde vorstelle, und ich kenne einige dieser Art, erschließt sich mir die Assoziation nur bedingt muß ich sagen… Iris Pourpre startet bereits fruchtig-floral und bringt einerseits jene Aspekte der Iris zum Strahlen, die man an der Ingredienz so schätzt, das Samtig-Erhabene, verzichtet aber annähernd ganz auf die erdige Komponente, die bei der Iriswurzel häufig zum Tragen kommt. Anstatt dessen betont der Duft mit Ylang-Ylang und Orangenblüte (oder Neroli?) eine tropisch-florale Facette mit einer Honignektarfärbung. Das liest sich sicher eigenartig und mag den einen oder anderen abschrecken - in der Tat habe ich aber nie eine ähnliche Irisinterpretation gerochen und finde sie vollkommen gelungen. Erhabenheit und aristokratische Eleganz der Iris trifft auf exotisch-floral-fruchtige dahingehauchte Leichtigkeit - hier sehe ich den Zusammenhang zur asiatischen Lebensart oder zumindest zu jenem, was wir Europäer gemeinhin darunter verstehen.
Beide Düfte sind innovative und eigenständige Interpretationen (letzteres vor allen Dingen ist meines Erachtens nach nicht immer vollständig bei Mecheri gegeben, da sie einige ihrer Düfte als Hommage an bestimmte Klassiker versteht und deshalb notwendigerweise einige Parallelen zu bereits bekannten Düften auftreten) der Iris und eine echte Bereicherung für Mecheris Kollektion.
Während Iris d’Argent sicher, obgleich als eher maskuline Iris gedacht, für beide Geschlechter gleichermaßen tragbar ist, ist Iris Pourpre definitiv ein Damenduft.
Bin sehr gespannt auf Eure Meinungen zu den Düften! Und darüber hinaus würde mich auch brennend interessieren, welche Irisdüfte denn Eure (bisherigen) Lieblinge sind?
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch,
Eure Ulrike.
P.S.: Hier ist ein interessantes englisches Interview mit Frau Mecheri nachzulesen.








