Ein Lavendel von Adel – Lavanda Nobile
Und weiter geht es in meiner kleinen Reihe, die ganz dem Lavendel gewidmet ist. Ein Kandidat darf natürlich nicht fehlen: Lavanda Nobile von Nobile 1942. Mit seinen angegebenen Duftnoten muss er ein ganz feiner Duft sein, sodass schon vor einem ausgiebigen Test ganz Nobles erwartet werden darf: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Kardamom, Lavendel; Herznote: Lavendel, Maritime Noten, Guajakholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Benzoeharz, Eichenmoos.
Eine schöne Geschichte zu dem Duft gibt es obendrein, und diese will ich Euch auch nicht vorenthalten. Massimo Nobile kreierte diesen Duft als Erinnerung an seinen Vater, eine höchst persönliche Angelegenheit, welche mich auf die Idee bringt, Euch einmal zu fragen, wie Väter eigentlich riechen? Abgesehen von denjenigen Exemplaren, die durch stete Abwesenheit glänzen – diese riechen vermutlich nach L’Antimatière – habe ich doch schon im Gespräch mit vielen Leuten erfahren, dass sie einen ganz bestimmten Duft mit ihrem Vater verbinden.
Massimo Nobile beschreibt seinen Vater als einen Menschen, der eine natürliche Autorität besaß, der durch seine Art, sich zu kleiden, seine Gestik und seine verkörperten Prinzipien jemand war, der niemals um Erlaubnis fragen musste. Ein Mensch, der durch eine maßvolle Rede, geschliffene Umgangsformen und Entschlossenheit überzeugte. Kein Mann von großem Wuchs, aber mit einer imposanten Ausstrahlung, die Schönheit eines Mannes, der etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen hatte. Und obwohl er hinter vielen Düften stand, trug er selbst doch nur ein spezielles Parfum: einen klassischen Lavendel, der auch schon damals längst nicht mehr hergestellt wurde. Massimo Nobile beschreibt, dass dieser Duft ihn geradezu kleidete, zu seinem Charakter passte und alle Dinge durchdrang, mit denen er zu schaffen hatte. „Ich weiß nicht, ob ‘Lavanda Nobile’ seinen Duft hätte ersetzen können. Aber er ist für ihn kreiert, und ihm ist er zugeeignet. Meinem Vater.“ – Massimo Nobile.
Auf dem Teststreifen erwartet mich ein gesitteter Lavendel. Die durchaus krautigen und manchmal auch etwas bissigen Eigenschaften des Lavendels wurden durch frische Noten im Auftakt gekonnt austariert, ohne dessen Charakter aber zu verfremden. Bergamotte, Mandarine und Kardamom wurden zu einem frischen Aspekt vereint, der eigentlich nur Frische mitgibt, ohne aber die Einzelakteure groß in Erscheinung treten zu lassen. Auch auf der Haut das gleiche Bild, jedoch werde ich hier von kräftigen aquatischen Noten überrascht, die dem gesamten Duft ihren Stempel aufdrücken. Eine ganz neue Variante Lavendelduft. Hatten wir es bislang mit Lavendelkrachern reinster Güte zu tun oder mit distinguierten, englisch anmutenden Düften, haben wir hier nun einen neuen Typus vorliegen: den aquatischen Lavendel. Die Basisnoten darf man sich als leise Hintergrundmusik vorstellen, auch hier sind Hölzer und Harze in Moschus und Ambra artig eingebettet.
Frisch, aquatisch und bislang auch die modernste Interpretation eines Lavendels, ganz klar für beide Geschlechter geeignet. Mir persönlich gefällt er ausgesprochen gut. Was denkt Ihr?
Es grüßt Euch
Harmen


























