… hat sich dieser Tage Frédéric Malle zur Brust genommen – für ein Interview, siehe hier.
“Interviewer: Sollte man mehrere Parfüms verwenden und wenn ja, wie viele? Malle: Keinesfalls mehrere, nur ein einziges! Und zwar ein gutes, das sich dem Wesen der Person anpasst. Interviewer: Aber wechseln wird man ja wohl dürfen. Malle: Wechseln sollte man nie! Nun ja, vielleicht ein bis zwei Mal im Leben – höchstens!”
… wie steht Ihr dazu? Für mich wäre ja die Beschränkung auf EIN Parfum – unabhängig davon, wie groß die Liebe und wie hoch die Qualität – vollkommen undenkbar. Und für Euch?
… ist weltberühmt für seine luxuriösen Schmuck- und Uhrenkreationen. Ich für meinen Teil schwärme schon lange für den Trinity-Ring – vor allem wegen dessen Geschichte: Louis Cartier entwarf diesen Ring im Jahre 1918 für seinen Freund, den Schriftsteller Jean Cocteau, der wiederum eines meiner absoluten Lieblingsbücher geschrieben hat – Die Kinder der Nacht.
Trinity, Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit. Ein Symbol für die Liebe – Gelbgold für Loyalität, Weißgold für Freundschaft und Aufrichtigkeit und Roségold für die echte Liebe. Und somit wiederum zumindest für mich anknüpfend an Cocteaus Kinder, die sich in eine Traumwelt versteigen, in der sie zusammenfinden können, was ihnen ähnlich den Königskindern Hero und Leander in der realen Welt nicht vergönnt ist…
Cartier in jedem Fall haben Mut bewiesen und versucht, ihre eigene Geschichte, ihre Firmenphilosophie und ihre Visionen zu visualisieren – heraus kam dabei dieser prächtige Film, den ich Euch nicht vorenthalten mag, falls Ihr ihn noch nicht kennt:
… haben nicht nur Acqua di Parma ihrer Blu Mediterraneo-Kollektion verpasst – auch Diptyque setzen auf eine neue Verpackung, zu der sie ein wunderschönes Werbevideo gemacht haben:
Auch den Entstehungsprozess des neuen Designs hat man behutsam-künstlerisch dokumentiert, siehe hier:
… habe ich gebraucht, um dieses nette kleine Video zu finden – vielleicht kennt Ihr es schon, ich dachte, ich verlinke es trotzdem einmal: Ben Gorham, der (äußerst attraktive ähöm) Gründer von Byredo im Gespräch mit dem führenden Kreativmenschen des New Yorker Kaufhauses Barney’s, Simon Doonan, auch Buchautor und bekannt für seine spitze Zunge:
… hat einigen Fragrantica-Damen auf ihre vielen Fragen geantwortet – daraus ist ein sehr lesenswertes Interview geworden, das man sich HIER zu Gemüte führen kann.
Ein schönes Wochenende Euch und viele liebe Grüße,
kann nicht nur Parfums, er kann auch Bücher: Journal d’un parfumeur : Suivi d’un abrégé d’odeurs heißt sein Werk, das aus dem Leben eines Parfumeurs, in diesem speziellen Falle von einem der besten weltweit, erzählt. Bei Nowsmellthis gibt es bereits eine Rezension, siehe hier, und wer mag kann sich auch einen kurzen Film ansehen, in dem der Meister selbst dazu erzählt:
… Mâle, das geniale Jugendwerk von Francis Kurkdjian ist für mich heute noch einer der schönsten Mainstreamer überhaupt. Jedes Mal drehe ich mich herum, duftet jemand um mich nach ihm, jenem Duft, der für mich vor vielen Jahren die Quintessenz alles Männlichen verkörperte. Erinnerungen… nicht nur an den Duft ;)
Und wie einige andere Firmen im Mainstreambereich werfe ich auch bei Gaultier immer einen Blick auf die Neuveröffentlichungen: Kokorico heißt das neueste Machwerk, benannt wie immer mit einem Augenzwinkern wohl nach dem Männlichkeitsritual eines Gockels, jenem deutschen Kikeriki. Kreiert haben ihn Annick Ménardo und Olivier Cresp, ein beachtliches Duo – die Ingredienzen: Feigenblätter, Kakao, Patchouli, Vetiver, Zedernholz. Passend zum maskulinen Imponiergehabe auch die Farben – in schwarz-rot ist er gehalten, der Flakon, der von vorne an einen Scherenschnitt erinnert, der ein (natürlich ausgeprägt) männliches Profil zeigt und von der Seite einem männlichen Torso entspricht, was wiederum an die Vorgänger Le Mâle und Fleurs du Mâle erinnert.
ist der Name des ersten Videos der zur IFRA (International Fragrance Association) gehörenden IFRANA (IFRA North America). Hier wird in nettem Comic-Stil erklärt, wie Düfte gemacht werden und was so darin landet. Dast stellt im Übrigen mittlerweile ein Problem dar, welches an einer Stelle des Films deutlich wird: Verantwortlich dafür ist der IFRA-Code of Practice. Dieser ist die verbindliche Grundlage für die Herstellung und Weiterverarbeitung aller Duftstoffe und deren Anwendung. Die Einhaltung desselben ist Grundvoraussetzung für alle Parfumhersteller, die Mitglied des IFRA sind oder diesem mittels nationaler Verbände angeschlossen sind. Die meisten weiterverarbeitenden Hersteller wie z.B. jene von Hygieneartikeln oder Haushaltsprodukten erwarten Produkte gemäß des IFRA-Standards, welcher weltweit gültig ist.
In den letzten Jahren kam die IFRA unter Parfumliebhabern wegen den darin enthaltenen sehr restriktiven Vorschriften unter Verruf: Sie hatte Anfang des Jahres 2010 erweiterte Vorschriften erlassen, die den Einsatz etlicher natürlicher und in vielerlei Parfums verwendeter Duftstoffe entweder strikt verbot oder erheblich reduzierte, was viele Duftfans und Parfumeure auf die Barrikaden trieb. Deren entrüstete Bemühungen waren, obgleich meines Erachtens nach zu Recht angesichts des “Regulierungsterrors”, von dem zu lesen war, leider umsonst. Was hätte mit Warnhinweisen wie z.B. auf Lebensmitteln gelöst werden können (“Kann Spuren von X enthalten”) hat bereits einige Düfte vom Markt verschwinden, andere reformuliert unkenntlich werden lassen.
Sicher gibt es einige Duftstoffe, die heutzutage nicht mehr verwendet werden können – weil sie tierischen Ursprungs sind und wir Gott sei Dank heutzutage andere Tierschutzgesetze haben (die, nebenbei bemerkt, immer noch nicht streng genug sind für meinen Geschmack). Oder weil es einfach nicht mehr den passenden Rohstoff dafür gibt, vielleicht auch nicht in der nachgefragten Menge und/oder in gleichbleibender Qualität.
Von der IFRA-Regelung sind aber leider nicht nur Exoten betroffen, Duftstoffe, die kaum zum Einsatz kommen. Es sind vermehrt die ganz gewöhnlichen Stoffe wie zum Beispiel Eichenmoos oder Bergamotte, die grundlegend sind für Duftfamilien wie die der Fougère- und Chypre-Düfte und damit in Klassikern wie zum Beispiel Guerlains Mitsouko verwendet werden. Dem wurde nun ein Riegel vorgeschoben: Mit dem Zusatzartikel 43, der am 01. Januar 2010 in Kraft getreten ist, ist es mit dem Spaß vorbei. Eichenmoos wird beispielsweise nur noch in einer Konzentration von bis zu 0,03 Prozent zugelassen, da es über zwei Moleküle verfügt, die die Haut reizen können und bei einer verschwindet geringen Menge an empfindlichen Menschen zu allergischen Reaktionen führen kann. Jenes Klientel könnte im übrigen auch auf Ylang-Ylang reagieren, auf arabischen Jasmin (Jasminum Sambac) und auf vieles andere auch. Deshalb beschützt man nun die Menschheit vor ihnen. Viele Häuser haben bereits vor Jahren auf die ersten Warnzeichen und bereits vor Jahren an den Rezepturen gedreht – Guerlain beispielsweise hat seine Düfte schon 2006 angepasst, was diverse Duftfans zum Bunkern veranlasste.
Luca Turin, Nasenpapst und Verfasser des lesenwerten Buches „Perfumes – The Guide“ bezeichnete diese Entwicklung Mitte 2010 in einem seiner Duftnoten-Artikel für Folio, das Magazin der Neuen Züricher Zeitung, als „Katastrophe“ und als „offiziellen Tod der Kunst der Parfumerie“. Und hat sowohl Gegenargumente als auch die passende Lösung parat, auf die leider niemand gehört hat:
„Man gewinnt den Eindruck, als sollten Düfte demnächst nicht mehr von Parfumeuren, sondern von einem Expertengremium der EU komponiert werden. Was tun? Es ist vollkommen sinnlos, die Logik der EU in Frage zu stellen, und zwar aus folgendem Grund: Parfum hat keinen nachweisbaren Nutzen ausser Schönheit. Schönheit kann nicht von Umweltchemikern gemessen werden, sie kann, wie man fairerweise zugeben muss, überhaupt nicht gemessen werden. Im Fall von Arzneimitteln wägt man die positiven gegen die negativen Wirkungen ab und nennt die negativen «Nebenwirkungen». Aber wo es keinen nachweisbaren Nutzen gibt, muss jedes Risiko unannehmbar hoch erscheinen – als ob man eine Zahl durch null teilen würde: Es kommt immer unendlich dabei heraus.
Natürlich muss die Zusammensetzung von Hautcrèmes und Shampoos geändert werden, aber Parfums im engeren Sinn sind etwas anderes. Für sie gibt es nur eine, wunderbar einfache Lösung: Die Firma Guerlain, die durch diese Gesetzesänderungen am meisten zu verlieren hat, müsste die Federführung übernehmen und, erstens, Mitsouko in seiner alten Pracht wiederherstellen (es ist witzlos, weiter daran herumzudoktern) und, zweitens, einen kleinen Hinweis auf das Flacon kleben: Nicht auf die Haut sprühen!“
Ich fühle mich wirklich gegängelt, habe natürlich damals auch Hamsterkäufe getätigt und ärgere mich noch heute über die bereits umgesetzte Regelung, das Kleinbeigeben der Parfumindustrie und die Bevormundung von seitens irgendwelche EU-Bürohengste. Ich bin selber groß und würde gerne für mich entscheiden, von welchen Ingredienzen ich mir wo Pickel machen lasse. Oder wie seht Ihr das?
der Werbefilm von Darren Aronofsky zu Yves Saint Laurents Duft La Nuit de l’Homme zu sehen. Heute gibt’s über das Nahtlos-Blog ein Making-Of davon zu sehen: