Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Helden von 1805 oder Wie duftet Heldentum?

Geschrieben in Duft,Echte Kerle,Gewürziges,Holziges am 31.10.2011

Es war einem bestimmten Mann zuzuschreiben, dass die Flotte der französisch-spanischen Allianz im Jahre 1805 aufgehalten wurde und damit Napoleons Pläne, Großbritannien zu erobern, endgültig durchkreuzt wurden. Dieser Mann war Vizeadmiral der Royal Navy Horatio Nelson. Die Briten fügten den Feinden unter seiner Führung eine verheerende Niederlage in der Schlacht von Trafalgar zu: kein einziges Schiff der Briten wurde verloren, aber alle feindlichen zerstört oder erobert. Aus der Schlacht stammt auch das berühmte Flaggensignal: „England expects that every man will do his duty“ („England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tun wird“).

Battle of Trafalgar, 21 October 1805

Der Wermutstropfen in der ganzen Geschichte ist, dass Nelson in der Schlacht von einer feindlichen Kugel tödlich verletzt wurde. In einem Fass aus Branntwein konservierte man seinen Körper, überführte ihn nach London, um ihn schließlich bei einem Staatsbegräbnis in der St. Paul’s Kathedrale beizusetzen.

HoratioNelson1Im Übrigen hatte Nelson schon in vorangegangen Schlachten Heldenmut bewiesen und ließ sich auch von einem verletzten Auge und einem verlorenen Arm nicht abhalten, die Ruhmestaten in der Schlacht von Trafalgar zu vollbringen. In den Schlagzeilen stand er übrigens auch, als er eine Affäre mit Lady Hamilton begann, die ebenso verheiratet war wie er selbst.

Rowan Atkinson, den wir alle als Mr. Bean kennen, veralberte Nelson in der Serie “Blackadder”, indem er das Signal folgendermaßen änderte: “England knows Lady Hamilton is a virgin. Poke my eye out and cut off my arm if I’m wrong” — der herrliche schwarze Humor der Briten eben…

Manch einer wird es schon ahnen: heute geht es um “Royal Heroes 1805” aus dem Hause Washington Tremlett. Die Duftnoten lassen Extravagantes erwarten: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte; Herznote: Anis, Nelke; Basisnote: Patchouli, Zedernholz, Tonkabohne.

Auch wenn der Duftstreifen oftmals nicht sonderlich aussagekräftig ist, eines lässt sich bereits jetzt sagen: Lass alle Seefahrerassoziationen fahren. Kein Tang, keine Holzplanken, kein Pulverdampf und keine salzige Brise. Süße zitrische Noten, eine gesüßte Mandarine im Verbund mit warmer und ebenfalls süßer Tonkabohne. Eine leicht würzige Note mischt sich bei, die ich ohne Angabe der Duftnoten in Richtung Tabak eingeordnet hätte. In der Langzeitwirkung hätte ich noch auf Zimt getippt, der hier aber nicht angegeben wurde. Holzige Akzente und ein Hauch Patchouli kommen ebenfalls hinzu. Auf der Haut unterscheidet sich der Duft, zumindest bei mir, nicht grundlegend vom Teststreifen.

Vor der ersten Probe des Duftes überlegte ich noch, ob er nicht etwas für unsere Reihe “Echte Kerle” sei. Es spricht manches dagegen, aber auch einiges dafür. Ich habe mich schließlich für die Aufnahme entschieden: Natürlich haben wir es hier nicht mit einem kernigen Seemann zu tun, aber mit einem charakterstarken Admiral, der sich auch von Kriegsversehrungen nicht abhalten lässt, sein Land vor großem Unheil zu bewahren. Solche Männer haben auch den Mut, anders zu sein, neue Akzente zu setzen und unbeliebte Entscheidungen zu treffen – echte Charakterköpfe also!

Heroische Flaggensignale sendet Euch
Harmen

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Molton Brown – EdT’s die Zweite.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Echte Kerle,Gewürziges,Holziges am 14.09.2011

Re-Charge Black Pepper, Cool Buchu und Bracing Silverbirch heißen sie, die drei vornehmlich auf die Männerwelt zugeschnittenen Eau de Toilettes aus Molton Browns Kollektion – alle angelehnt und abgestimmt auf die zugehörigen Pflegeprodukte, welche zuerst auf dem Markt waren.

Gestürzt habe ich mich zuerst auf Re-Charge Black Pepper, dessen Duschgel ich liebe – der Duft steht dem in nichts nach: Ein kühler von funkelnden bitter-säuerlichen Bergamottesternchen beleuchteter Pfeffer-Kick in der Kopfnote, eine Art geeiste Schärfe, die alsbald in warmer Würzigkeit aufgeht. Koriander schlägt in die gleiche Kerbe, während Eichenmoos und Patchouli erdige Wärme spenden. Diese beschützende Wärme sieht sich alsbald von fruchtiger Ingwerherbe und grünen Veilchenblättern akzentuiert, die dem aromatischen Duft ein harmonisches Gleichgewicht verleihen.

Pfeffer und Ingwer – ohnehin Reizwörter für mich. In Re-Charge Black Pepper tauchen sie in trauter Zweisamkeit auf und kreieren einen gleichermaßen dynamisch-frischen Geruch, der die Sinne belebt als auch ein entspannend-behütendes, vertrautes Gefühl. Ein Duft, der einem Tatendrang verleiht und gleichzeitig mutmachend den Rücken stärkt – fein! Da hätte ich gerne den passenden Mann dazu – bis der kommt trage ich den Duft dann gleich mal selbst.

Cool Buchu ist – cool. Und so wird er auch beschrieben: „Crisp. Fresh. Cool. Invigorate your mind and send your spirits soaring. Clean and refreshing, clear and true, enjoy an instant sensory pick me up.“ Crisp lässt sich so unglaublich schlecht übersetzen in diesem Zusammenhang – knusprig, frisch, knackig lässt eher an Brathähnchen denken denn an Düfte. Dabei trifft das Attribut „frisch“ alleine eben nicht, was hier meines Erachtens nach gemeint ist: Natürlich ist Cool Buchu frisch, aber diese Frische hat Biss, ist sauber und kühlt, erfrischt, tritt einem aber auch in den Hintern, erweckt Lebensgeister. Minze, wilde, ist dafür verantwortlich, die in Kombination mit grünem Kardamom, Mandarine und Zedernholz für einen klaren Kopf sorgt. Für mich ein idealer Duft als Start in den Tag – vor allem, wenn die Nacht zu kurz war und der Morgen zu früh kam, der Wecker zu unerhörter Zeit klingelte und der Kopf, der zum Denken dienen sollte, noch seinen Dienst verweigert.

Cool Buchu ist meiner Meinung nach für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Ich kann mir die Badeprodukte der Duftrichtung auch sehr gut als Ergänzung vorstellen zu jenen krautig-minzigen Sommerdüften wie Heeleys Menthe Fraîche, Guerlains Herba Fresca, Humiecki & Graefs Eau Radieuse, Sigilis Ea, um nur einige Beispiele zu nennen.

Bracing Silverbirch trägt seinen Namen nach dem Baum mit dem hübschen lateinischen Namen Betula Pendula, Sandbirke oder auch Weißbirke genannt. Jenen sommergrünen Laubbaum von schmalem Wuchs im eleganten weißen Borkenkleid hat man natürlich nicht in die Flaschen geschnippelt – sinnbildlich kann er aber sicherlich für den Aufbruch stehen, jenen lebendigen, den der Duft verströmt: Amerikanische Zeder in gewohnt sauber-frischer Strenge mischt sich mit spritzig-zitrischer Bergamotte, untermalt von einem seidig-kalten Weihrauch-Hauch. Holzige Frische, raumgreifend umgesetzt und von würziger Kühle – Liebhaber von Holzdüften sollten hier aufhorchen, dies ist ein überaus schöner Vertreter seiner Gattung! Und Kumin, jenes gefürchtete Kümmelchen, ist zwar vorhanden, nicht aber in seiner ab und an transpirierend wirkenden Ausformung, die so manchen zu verschrecken mag.

Einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Boat von Patator/Frédéric Dupont, Betula Pendula von Neurovelho, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Molton Brown Eau de Toilette-Kollektion in unserem Shop.

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Echte Kerle: Caracenis Maßanzug aus Eau de Toilette

Nach unserem Ausflug in die Liga der Eliteunis mit Ivy League geht es heute mit dem “Eau de Toilette” und Signaturduft aus dem Hause Domenico Caraceni weiter. Angekündigt wird der Duft als klassisch, an Chypredüfte erinnernd, was mich etwas vorsichtig werden lässt, denn bei diesen bin ich gelinde gesagt schwierig. Zu oft überwiegen die Altherren-Assoziationen. Aber nichtsdestoweniger – hinein ins geschneiderte Vergnügen!

Dorothy McGuire and Gregory Peck in Gentleman's Agreement trailer

Petitgrain gibt dem Duft einen zitrisch-herben Auftakt und wird doch rasch von der Rose abgelöst, die den Duft dominiert. Ein Rosenduft für Herren, geht das? …mag man sich da fragen. Es geht und das sogar sehr gut, und weiblich im herkömmlichen Sinne wirkt er auch nicht. Dies liegt vor allem an den herb-frischen, manchmal ins Minzige gehenden Noten, die im Auftakt durch Petitgrain, im Herzen durch Bitterorange und in der Basis mit Zypresse stets vorhanden sind. Tabak und Weihrauch tun ihr Übriges dazu, wobei gerade der Weihrauch doch vor allem in der Langzeitwirkung wahrnehmbar wird und dem Duft rauchige Eigenschaften mitgibt.

Chukovsky by Repin

Ein wirklich außergewöhnlicher Duft und meines Erachtens nichts für den Alltag. Ich denke hier eher an einen festlichen Anlass: Mann trägt Anzug und Krawatte, im besten Falle natürlich einen maßgeschneiderten Caraceni und es handelt sich um gesittete Feierlichkeiten. ;-)

Das Eau de Toilette von Caraceni ist mit seinen Rosenanteilen natürlich kein jubeljunger Duft, das ist klar. Durch die frischen Noten und die rauchige Basis werden ihm allerdings auch die vermeintlich altmodischen Seiten genommen, so dass ein zwischen Tradition und Moderne austarierter Duft entsteht. Ich bin ein wenig über mich selbst überrascht, wie gut er mir gefällt – im Übrigen halte ich ihn für sehr viel spannender als Ivy League. Ich werde mir den Duft für die nächste Gelegenheit aufheben, bei der ein feiner Zwirn vonnöten ist – vielleicht eine Hochzeit?

„Il faut neuf tailleurs pour faire un homme”, sagt ein bretonisches Sprichwort – Man braucht neun Schneider, um einen Mann zu machen. Nachdem wir nun Caraceni und seine Düfte kennengelernt haben können wir getrost bei einem guten Schneider bleiben und wenn dieser auch noch gute Düfte macht, ist der Mann komplett oder vielleicht sogar perfekt.

Viele maßgeschneiderte Grüße von
Harmen

PS: Die vollständigen Duftnoten: Kopfnote: Petitgrain, Styraxharz, Geranium; Herznote: Neroli, Bitterorange, Rose, Tabak; Basisnote: Zypresse, Weihrauch

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Ein Strauß Männlichkeit – Knize Two
Echte Kerle: Der Yuzu-Mann von Caron
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Echte Kerle: Carons Anarchist

Geschrieben in Duft,Echte Kerle am 8.08.2011

Eines vorneweg. Wir können hier, glaube ich, ganz befreit aufspielen. Wir müssen uns nicht um Jahrhunderte Begriffsgeschichte der “Anarchie” kümmern. Wir müssen uns keine philosophischen, politischen und utopischen Gesellschaftsentwürfe antun, denn hier geht es einfach nur um Kunst und diese darf sich bekanntermaßen einfach überall bedienen.

Die unten abgebildete Werbung von Caron spielt ganz bewusst mit dem im Dunkeln agierenden Anarchisten, der jegliche Herrschaft ablehnt und die Herrschaftslosigkeit, Anarchie, anstrebt. Als Kraft aus dem Untergrund muss er im Geheimen, im Schutze der Dunkelheit für seine Ziele kämpfen, lediglich ein Streichholz erhellt sein Gesicht. Das Streichholz steht hier aber auch genauso für die Sabotage, die Brandstiftung, das Niederbrennen der etablierten Machtstrukturen.

Es ist hier nicht Gold, was glänzt, sondern der Werkstoff Kupfer, aber das ist erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Das “falsche Gold” bildet zugleich durch Abrieb und Anfassen eine eigene Patina auf dem Flakon, sodass er schnell eine individuelle Antikoptik erhält. Ich finde, hier hat der bekannte Designer Serge Mansau ein wirklich gelungenes Konzept entworfen. Aber hält der Inhalt auch, was die Verpackung verspricht?

Angegeben finde ich die Noten Orangenblüte, Zimt, Sandelholz, Vetiver, Zedernholz, Moschus, im Netz wird aber auch von Basilikum, Apfel, Lavendel oder Birne geschrieben. Mal sehen, was mein Gesichtserker hierzu herausriecht.

Auf dem Teststeifen erwartet mich eine angenehme Frische, die durchaus an einen Zitrusverwandten denken lässt und zugleich von hölzernen Noten ganz leicht getragen wird. Auf der Haut kommen die Hölzer noch stärker zum Vorschein, und es mischen sich auch würzige Aspekte mit hinein, die man sicherlich dem Vetiver zuschreiben kann und die mich etwas an Kamille denken lassen. Die Zitrusnoten sind hier milder und gehen in eine ganz leicht fruchtige Richtung, sodass ich auch einer herben Apfelvariation zustimmen könnte.

Wir haben es hier mit einem absolut alltagstauglichen Herrenduft zu tun, der die Duftkonventionen keineswegs über Bord wirft. “L’Anarchiste” ist ein Duft für den Sommer, der in allen Charakterzügen ausgeglichen daherkommt, seien es die Zitrusnoten, die Hölzer oder die grasig-würzigen Noten. Moschus rundet das Ganze dezent ab. Je länger sich der Duft auf meiner Haut entwickelt, desto weniger komme ich von der Kamilleassoziation herunter. Deswegen würde mich interessieren, ob dies meiner Haut geschuldet oder Euch auch so ergangen ist, denn auf dem Duftstreifen ist davon keine Spur zu finden.

Viele Grüße aus dem Blogger-Untergrund ;-)
Harmen

Bildquellen: Caron-Werbung von Perfume-Smellin’ Things – vielen Dank!

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Echte Kerle: Der Yuzu-Mann von Caron
Echte Kerle: Yatagan
Echte Kerle…


Echte Kerle: Der Yuzu-Mann von Caron

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Echte Kerle,Hesperiden,Holziges am 12.07.2011

Das ist eine Yuzu-Frucht! Sie ist etwa so groß wie ein Tennisball, kann aber auch die Größe einer Grapefruit erreichen. Gegessen wird sie als Frucht eigentlich kaum. Man verwendet die Schale in Asien zum Kochen oder macht aus Yuzu Marmelade oder Essig.

In unserer Reihe “Echte Kerle” war zuletzt von Carons Yatagan die Rede, warum also nicht mit einer Neuheit aus dem gleichen Hause weitermachen. Yuzu Man soll laut Hersteller ein Duft für den modernen Mann sein, der ganz weltoffen zwischen Ost und West steht. Die Herkunft der Zutaten soll diesen Ansatz unterstreichen: Yuzu aus Japan, indische Verbena, indonesisches Basilikum und Feigen aus der Provence, australisches Sandelholz und Zedernholz aus dem Atlasgebirge.

Yuzu (1-1 aspect ratio)

Kopfnote: Yuzu, Verbena, Basilikum; Herznote: Fruchtige Noten, Feige, Pistazie; Basisnote: Gewürze, Zedernholz, Sandelholz

Auf dem Teststreifen kommt „Yuzu Man“ kräftig zitrisch daher, leicht und angenehm frisch. Ein toller Sommerduft. Ganz leichte würzige Anklänge von Basilikum und etwas deutlichere Noten von Feige sind wahrnehmbar. Die Basis geht allerdings flöten.

Auf der Haut ebenfalls ein stark zitrischer Auftakt – es folgt ein unerwarteter Schwenk in Richtung maritime Noten. Nach einer Weile kommt die Basis zum Vorschein: Holz. Ich finde fast, dass sie wie frisch gespitzer Bleistift riecht, kein Wunder, da Bleistifte aus Zedernholz gemacht werden.

Mir gefällt der Duft sehr gut, ideal für den Sommer, als Eau de Toilette nicht allzu intensiv, leicht, zitrisch und aquatisch, aber durch die Feige und die Holznoten trotzdem so geerdet, dass er nicht in Richtung Billigduschgel abgleitet. Kein hochkomplexer Duft, den braucht der Sommer auch gar nicht, außerdem sehr modern konzipiert.

Meine Herren, wer auf der Suche nach einem Duft für die Sommersaison 2011 ist, sollte hier zuschlagen.

Es grüßt
Harmen

Feige via Wikimedia Commons

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Echte Kerle: Yatagan
Echte Kerle…
Neuer Wind…


Brecourt…

Geschrieben in Duft,Echte Kerle,Hesperiden,Holziges,Orientalen am 8.06.2011

lautet der Name eines neu oder besser erneut ins Leben gerufenen französischen Hauses. Verantwortlich für die Quasi-Renaissance ist Emilie Bouge, deren Großeltern das Parfumhaus „Bruno Court“ betrieben, einen 1812 in Grasse gegründeten Familienbetrieb. Dieser wurde wohl in den Sechzigern von Mane geschluckt, was das Ende des vorher unabhängigen Hauses bedeutete. Bouge lag somit – wie einigen anderen auch, siehe Patricia de Nicolaï oder auch Romano Ricci (Juliette has a Gun) – das Parfum bereits in der Wiege: Sie wuchs ebenfalls in Grasse auf, wie das Pressematerial ausmalt zwischen wertvollen Baccarat-Flakons und kostbaren Ingredienzen für die Parfums des russischen Zarenhauses. Sie absolvierte natürlich jene klassische Ausbildung, die so gut wie jeder Parfumeur von Rang und Namen hinter sich hat: Ein Studium an der legendären, von Jean-Paul Guerlain gegründeten ISIPCA. Bevor sie sich nun einen Lebenstraum erfüllte und das Erbe ihrer Familie mit ihrer Firma Brecourt wieder aufleben ließ, arbeitete sie für Charabot und kreierte unter anderem Düfte für Clarins, Esteban, Salvador Dalí, Isabel Derroisné und weitere.

„From my first trials, each of my creations bears a part of an ccomplishment in a job which I always dream of. Through my company, Brécourt, I wanted to freely explore all the modern contours of a polysensorial formulation. If the olfactive emotion is a subtle amalgam between the fragrance, a person and a context; I see the context as the most important emotional vector because it recalls to mind all the memories of the other senses: this had been my major inspirational source. I have therefore put into a bottle the places and the special moments to highlight the personality of those who might take pleasure in it. To feel a scent is to explore humanity from the inside.“

Düfte, Emotionen, Gefühle – nicht neu, aber immer wieder zutreffend. Und Frau Bouge war enorm fleißig: Elf Düfte umfasst ihre Brecourt-Kollektion zu deren Beginn, sieben als Damen- und vier als Herrendüfte klassifiziert – diesen widmen wir uns diese Woche.

Nachdem sonst immer die Frauen zuerst dran sind beginne ich diesmal mit den Herren, genauer: mit den ersten beiden Herrendüften: Mauvais Garçon und Esprit Mondain.

Mauvais Garçon, in etwa „böser Junge“ ist natürlich ein kokett gewählter Name, und wenn man Bouges Zeilen dazu ließt, würde man doch gerne etwas mehr zu den Hintergründen des Duftes wissen:

„He thought that he could seduce the whole world with his physique and virile attitudes. He almost convinced me by his guile and polish. Too late, I realised that he is a bad boy…“

Ein Verführer, der ihr den Kopf verdrehte? Eine leidenschaftliche Liaison, eine verflossene Liebschaft oder Affäre? Was da vorgefallen ist werden wir nie erfahren, denke ich… Dem Duft nach zu urteilen muss es aber äußerst reizvoll gewesen sein: Ein Hesperidenspritzer in der Kopfnote hält sich der Duft nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und kommt alsbald zur Sache. Streng-muskulöser Lavendel, eine Prise Muskat und Zimt für die Schärfe, ein Hauch floraler Träume, nicht näher definiert und – jede Menge Haut, weiche, warme und süße Haut, von der Basis aus Sandel- und Zedernholz, Patchouli sowie Tonkabohne und Vanille vortrefflich gezeichnet und von einer sehr erotischen… Würze.

Als „oriental, woody, spicy“ würde ich persönlich den Duft nicht bezeichnen. Aber viril, maskulin, roarrr – das kann ich definitiv unterschreiben. Und das obgleich ich Vanille an Männer tatsächlich nicht schätze – normalerweise… Mauvais Garçon allerdings ist was anderes, sozusagen die wirklich männliche Variante von Givenchys Pi – falls mein alter Kumpel Arthur mitlesen sollte: Kaufen! Tragen! [Anmerkung am Rande: Auch wenn Du vermutlich kein solches Sixpack mehr hast wie auf dem Pressefoto...]

Esprit Mondain, der mondäne Geist, das hört sich nach einem noblen Gemüt an – und in der Tat, der Duft ist der (männlichen?) Eleganz gewidmet, für Bouge eine gekonnte Mischung aus Dezenz und Präsenz:

„For me, the height of elegance is to know when to symbolise/trace a discreet presence when the occasion calls for it. Worldly Spirit is a school for rigeur, serenity and delicacy.“

Mir war eigentlich schon vorher klar, was für eine Art Duft mich hier erwartet und Madame Bouge enttäuscht meine Erwartungen keinesfalls: Die frische Kopfnote, nach der es ihr gelüstete, ist ihr hervorragend gelungen – Zitrone, hell, prickelnd, zitrisch, und Galbanum, mit dezenten minzigen Waldmeisteranklängen, die in ihrem Zusammenspiel eine leicht aquatische (aber angenehme!) Note generieren und von einer Prise Pfeffer fachmännisch akzentuiert werden. Keine Ahnung, wo jetzt der Cabernet-Sauvignon-Akkord sein soll – davon kann ich mir höchstens ein Glas in der Hand dieses George-Clooney-Verschnittes vorstellen, der damit auf einer Terrasse irgendwo in mediterranen Gefilden steht in seinem Leinenanzug mit leicht geöffnetem Hemd und gebräunter, warmer Haut – ambrierte Zeder – und einfach nur gut aussieht.

Morgen geht es weiter mit den beiden restlichen Brecourt-Männern – bis dahin viele liebe Grüße und einen guten Start in die Woche -

Eure Ulrike.

Bildquelle: Die neueste Dandymode aus dem Journal des Dames et des Modes von 1831, Terrasse von Cerland, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Herren-Kollektion von Brecourt bei uns in unserem Shop.

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Brecourt – Männersache die Zweite.
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Echte Kerle: Yatagan

Am 18. März kündigte Uli die Fortsetzung einer neuen Reihe an – „Echte Kerle“, Düfte für echte Männer: das Mundwerk war schneller als der Zeitplan es zuließ, und es wurde bislang nichts daraus. Aber mit ein bisschen männlicher Hilfe sollte die Kiste doch mal endlich in Schwung kommen. Uli erwähnte in besagtem Artikel das treffende Zitat Friedrich Torbergs „Was ein Mann schöner ist wie ein Aff’, ist ein Luxus!“ Und so ist es! Ich denke, mit dieser Erwartungshaltung kann man etwas anfangen. Wir wollen uns also in nächster Zeit in unregelmäßigen Abständen mit dem Thema „Echte Kerle“ befassen, Parfums für Herren vorstellen und uns humorvoll, jenseits von Emanzipationsgequackel und Gleichberechtigungswahnsinn, dafür aber volles Pfund Klischee, mit allem beschäftigen, was den echten, baumfällenden Kerl ausmacht. Ach ja, zur allgemeinen Erheiterung ein Klassiker – heute in der deutschen Version:

Weltenbummler Ernest Daltroff, Gründer des Hauses Caron, war auf seinen Reisen durch Europa, Nord- und Mittelamerika gekommen, und hatte von dort viele Impressionen, auch duftender Art, mitgebracht. Übrigens könnte man sagen, dass Daltroff ein richtiger Mann war. Vor der Gründung von Caron hatte er es bereits erfolglos mit einem anderen Ladengeschäft versucht, aber er zeigte Durchhaltevermögen und auch den Mut, sich nicht von seinem Vorhaben abbringen zu lassen: Caron ist deswegen heute ein großer Name in der Parfumwelt, der sich einen festen Platz erobert hat. Auch vor starken Frauen hatte er keine Angst, so dass seine Gefährtin Félicie Wanpouille, während seiner Flucht vor den Nazis, den Laden weiterführte. Ganz im Zeichen großer Eroberer und alter Reiche steht auch der von Vincent Marcello entworfene und 1976 lancierte Duft „Yatagan“. Liest man sich Rezensionen und Meinungen zu diesem Duft im Internet durch, so scheint der Befund eindeutig: Ein männlicher, dreckiger Duft, voller Gefahr, Feuer, Aggression – ein Nutzer verglich ihn mit einem lauten, mechanisch primitiven Motorrad, das aber ungeheuer viel Spaß macht.

Minze und Basilikum im Kopf evozieren einen Duft von Nadelbaumharz, im Untergrund schwelt der Weihrauch – ein damit frischer, aber doch äußerst holzig-harziger Geselle – soweit auf dem Teststreifen. Auf der Haut erscheint dann der wirkliche Charakter dieses Duftes: Ledrige Akzente und eine tierische Note – wahrscheinlich dem Castoreum geschuldet – machen sich zusätzlich breit, das Harzige tritt zur Seite, aber nicht in den Hintergrund.


Meine Herren, ein wahrhaft heftiger und kantiger Duft, der keine Gefangenen macht. Nicht zu Unrecht nach dem osmanischen Säbel Yatagan benannt. Hier haben wir es mit einem Reiterheer aus dem wilden Osten zu tun, ein ungestümer Einfall aus den erdigen Steppen, harzigen Wäldern, und auch etwas ungebändigt Tierisches lässt sich ausmachen. Man könnte sagen, ein Leder-Tauer, mit dem die Pferde durchgegangen sind.

Eine dringende Testempfehlung, harzig genug für einen Holzfäller, modern genug für ein Bikertreffen.

Harmen

Kopfnote: Minze, Basilikum; Herznote: Patchouli; Basisnote: Weihrauch, Castoreum, Eichenmoos, Leder

Bildquelle: Ulpiano Checa – Attila, Images of yataghans from Richard Burton’s The Book of the Sword, 1884. – via Wikimedia Commons – some rights reserved, vielen Dank!

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Echte Kerle…

Geschrieben in Allgemein,Echte Kerle am 18.03.2011

„Wann ist ein Mann ein Mann?“ fragte Grönemeyer die Republik schon sehr erfolgreich vor Jahren. Dazu habe ich, wie wohl jede Frau, ihre ganz eigene Meinung. Jene tut hier nicht unbedingt etwas zur Sache und würde, obgleich ich sehr wohl einräume, dass ich gewisse Identifikations- und vor allem Identitätsprobleme des männlichen Geschlechts von heute durchaus nachvollziehen kann, nicht jedem gefallen. Macht aber auch nix. Denn ich möchte eigentlich auf etwas anderes raus, nämlich auf die Frage, ob „echte Männer“ Parfums tragen. Ich habe natürlich die Antwort: Ja. Das sollten sie. Unbedingt. Auch wenn Friedrich Torberg, Journalist, Autor und Herausgeber, der Ansicht war: „Was ein Mann schöner ist wie ein Aff’, ist ein Luxus!“ Gut riechen, liebe Männer, dürft Ihr trotzdem. Auch, wenn Ihr das selbstverständlich von Natur aus tut. Und wir, da spreche ich jetzt mal für die (meisten?) Frauen, Euch natürlich auch sonst gerne riechen mögen, wenn wir Euch denn als was-auch-immer auserkoren haben. Denn dafür ist Geruch, ja, der eigene, maßgeblich als Entscheidungskriterium, wie die Wissenschaft uns ja schon lange erklärt hat.

Aber ein gutes (!) Parfum oder besser gleich mehrere – das schadet nicht nur nicht sondern das hilft. Oft. Es zeigt nicht nur, dass wir es als Frauen nicht mit einem Kernseifenverwender zu tun haben. Sondern auch, dass Mann auf sich achtet. Dass Mann sich Gedanken um den eigenen Auftritt macht. Und vielleicht auch, dass Mann sinnlichen Genüssen zugeneigt ist. Und im besten Falle kein „Entenklemmer“ ist, wie die Schwaben zu sagen pflegen.

In jedem Falle schwirrte mir schon lange im Kopf herum, einmal eine neue Reihe zu schreiben, die Düften gewidmet sind, die ich Männern zueignen würde. Düften für echte Kerle. Die gibt es nämlich, beide. Gott sei Dank.

In Zukunft werde ich an dieser Stelle also immer wieder Düfte vorstellen, die ich für „echt maskulin“ halte, Düfte, die man seiner besseren (?) Hälfte getrost mal empfehlen kann. Und weil wir es gerade schon von „echten Männern“ haben, verknüpfe ich diesen ersten Artikel zum Thema gleich mal mit etwas, was ich auch schon lange ansprechen wollte: Meine Lieblingswerbung für Düfte. Exakt zwei sind es, und sie sind beide nicht nur für Männerdüfte, sondern auch genau das, was ich unter „Etwas für echte Kerle“ subsumieren würde.

Als erstes schießt mir da sofort das Haus Caron in den Kopf, jene altfranzösische Exzentrikerheimat, die, das muss man leider sagen, heutzutage eigentlich größtenteils von dem Ruhm ihrer alten Tage und den grandiösen Parfums aus dieser Zeit lebt. Die letzten Jahre kamen, den Anarchisten mal ausgenommen, keinerlei spektakuläre Düfte mehr auf den Markt. Dafür aber eine meines Erachtens nach ganz spektakuläre Werbung für einen sehr guten Duft – für „Pour un Homme“. Eine ähnlich schlichte und simple Botschaft wie die des Gravel-Duftes (A Man’s Cologne), die mein Herz zum Hüpfen bringt – genauso wie die Werbung mit Sébastien Chabal. Rugbyspieler von Beruf kann ich es kaum fassen, dass der mit dem äußerst passenden Spitznamen Caveman, Höhlenmensch, bedachte lediglich drei magere Jährchen älter sein soll als ich. Ein Urviech und ein echter Kerl. So hat die Werbung auch etwas unglaublich Archaisches und kraftvoll Maskulines, haaach…

Die zweite Lieblingswerbung ist wohl eher FÜR Männer gedacht: Sie wurde von Terry Richardson für Tom Fords Duft For Men gemacht. Wer Richardson kennt, der dürfte auch die Werbung kennen – oder zumindest wissen, was ihn erwartet… Wikipedia bescheinigt Richardson dass sein „Markenzeichen [...] ein amateurhafter, sehr roher und direkter Stil“ sei, der englische Guardian bezeichnete Richardsons Werk(e) gar als „soft porn“. Mein guter Kumpel K. würde darüber lachen, hatte er doch einmal einen meiner Richardson-Bildbände in die Finger bekommen, den ich verschämt in der letzten Ecke des Regals quasi versteckt hatte: Er hat ihm damals lachend bescheinigt, ein ferkeliger Schmutzfink zu sein und dem teuren Band die Sauigeleien eines billigsten Tankstellenpornos attestiert. Dem kann ich nicht wirklich widersprechen. Trotzdem hat Richardson für zahlreiche wichtige Magazine, Marken und Designer gearbeitet wie Vogue, GQ, Harper’s Bazaar, Vice, Gucci, Marc Jacobs und viele mehr, darunter eben auch Tom Ford. Und dabei entstanden eine ganze Reihe an Bildern, die alle mehr oder weniger… explizit sind. Sexistisch könnte man sagen – also ganz Terry. Die mir aber trotzdem oder vielmehr: gerade deswegen so gut gefallen: Aufgrund ihrer expliziten und unverfrorenen Direktheit. Die sich im übrigen, wenn man ein wenig weiter googelt, nicht nur auf weibliche Motive bezieht – das nur ganz am Rande… ;)

Nächste Woche folgt der erste „Echte Kerl“-Duft – bis dahin würde ich wahnsinnig gerne wissen, ob auch ihr Lieblingswerbungen für Düfte habt. Und was ihr von den beiden obigen haltet.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Werbung Caron Pour un Homme von Giampaolo Vimercati mit Sébastien Chabal, Werbung Tom Ford For Men von Terry Richardson für Tom Ford, some rights reserved.

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