Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Schokoladenpüppchen…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Reines und Pudriges,Tropisches am 2.09.2011

… ist ein ganz entzückender Name für einen Duft – und besonders verheißungsvoll, wenn er aus einem Haus kommt, das in der Vergangenheit bereits bewies, dass es ein Händchen für Schokoladendüfte hat.

Von Il Profumo ist da die Rede und von Chocolat Bàmbola, dem neuesten Streich von Madame Casoli. Die Ingredienzen: Kopfnote: Mango, Papaya; Herznote: Kirschblüte, Mandelblüte, Mimose, Pfirsichblüte, Baumwollblüte; Basisnote: Schokolade.

Das Püppchen hier ist wahrhaft bezaubernd – und das ganz ohne girliesk zu sein: Exotische Südseefrüchte von herber Fruchtigkeit erobern meine Nase, Mango, meine geliebte, und Papapya, ebenfalls nicht zu verachten. Das zarte Herz gewinnt sofort: Ein Sträußchen voll zurückhaltender Anmut, sanfte Blüten, pudrig-fruchtig-süß kokettierend, jedoch ohne vordergründige Bling-Bling-Manier. Das Frucht-Blumen-Stillleben zeigt sich von einem zarten Schleier von Kakaopuder überzogen, auf einer Basis vanillig-marzipanig-mandeliger Aromen ruhend.

Der vierte Schokoladenduft in der Il Profumo-Kollektion: Nach Chocolat, Chocolat Amère und Chocolat Frais weiß auch unser gar nicht so püppi-hafter Chocolat Bàmbola zu überzeugen – selbst mich, die ich keine ausgeprägte Gourmand-Leidenschaft besitze.

Ebenfalls neu aus dem Hause Il Profumo ist Osè, der mir betreffs der Namensgebung einige Schwierigkeiten machte: OSE, die Stockholmer Börse konnte nicht damit gemeint sein. Auf französisch heißt osé mit einem Akut oder auch accent aigu soviel wie frech, gewagt. In italienisch werde ich hingegen nicht fündig, dafür in der Google-Bildersuche: Zuerst finde ich lauter Züge und dann Heerscharen zum Teil nur dürftig verhüllter Frauen. Ich glaube, hier kommen wir der Sache etwas näher, ist doch auch in Osès Beschreibung von Sinnlichkeit die Rede. Dafür verwendete man folgende Ingredienzen: Maiglöckchen, Tuberose, Freesie, Pfirsich.

Jenen erotischen Aspekt, der sich hier vermutlich ausdrücken soll, vermag ich nachzuvollziehen: Osè riecht für mich wie junge, süße und, von welcher Aktivität auch immer, leicht gewärmte Haut. Weibliche Haut. Die Zutaten verschmelzen zu einem Ganzen, dass sich auf die eigene Haut legt und diese zum Strahlen bringt, nicht aber unbedingt wie ein Parfum wirkt. Ein Skin-Duft, auf seine Art und Weise, ist Osè, mehr Aura als Parfum mit Kopf-, Herz- und Basisnote und dementsprechendem Verlauf. Wie immer sich schüchtern im Hintergrund aufhaltendes Maiglöckchen stiftet florale Frische, von Freesien einen aquatisch-wässrigen Hauch und eine Portion Fruchtsüße atmend, welche sich von samtigem Pfirsich untermalt sieht. Und da wäre da noch die Tuberose, opulent weißblühend mit der ihr genuinen, latent pilzigen Anmutung versehen und einem interessant nussigen Aspekt, der eine verhalten gourmandige Ahnung nach sich zieht.

Ein schöner Duft und vor allem ein ziemlich besonderer – sicherlich wird er vielen Frauen gefallen. Ich allerdings ziehe als Skinduft Histoires de Parfums Moulin Rouge vor, bin allerdings auch kein dankbarer Kandidat für derlei Düfte ;)

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr Hautdüfte in Eurem Repertoire, mögt Ihr es? Und wie haltet Ihr es mit der Schokolade?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Choc… von Zsuzsanna Kilian, Gaston Bussière (1862-1929): Deux Enfants Aux Couronnes De Fleurs, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Il Profumo-Kollektion in unserem Shop.

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Duftverzeichnis


Madame Mecheri…

Geschrieben in Blüten,Duft,Tropisches am 1.09.2011

… ist und bleibt ein eifriges und fleißiges Persönchen: Mir ist, als ob es gerade erst gewesen wäre, als sie Isles Lointaines und Tuberose lancierte, über die ich hier berichtete habe, und ihre Hesperiden-Kollektion ist auch noch nicht allzu lange her… In jedem Falle sind sie soeben erschienen, ihre zwei neuen Düfte Camellia und Paradise Lost, die bereits in einem Neuigkeitenartikel Erwähnung fanden:

Madame Mecheri, die ubiquitäre Wahlkalifornierin, zeigt sich wie eh und je als emsig-fleißige Arbeitsbiene und hat schon wieder zwei neue Düfte in petto: Camellia und Paradise Lost. Über Camellia steht zu lesen: „A velvety floral bouquet that reveals all the delicacy of the Japanese camellias. An expression of pure femininity.” Die Noten sind angegeben mit Kamelie, weißem Tee, Pflaume, Magnolie, Hölzern und Ambra. Paradise Lost, das verlorene Paradies, wird Folgendes nachgesagt: „Free spirit creatures, flower children and mystics altogether celebrating the enlightenment of life. A get-away to the sun infused Goa beaches in India. Feminine.” Die Ingredienzen: Limette, Bergamotte, Jasmin, Tuberose, Sandelholz, Bourbon-Vanille und Moschus.

Camellia zeigt sich als Hommage an die Kamelie, eine in Japan sehr beliebte Pflanze, welche auf vielgestaltige Weise verwendet wird: Einige Arten eignen sich zur Teeherstellung, andere dienen lediglich dem Schmuck und werden als Zierpflanzen zur Dekoration verwendet. Wieder andere Blüten lassen sich sogar verzehren und aus ein paar Arten wird auch Öl hergestellt. Dieses überrascht in seiner Anwendungsvielfalt: Essenszubereitung, Kosmetikartikel, Holzpflege und, man lese und staune – Korrosionsschutz für Messer und Waffen. Interessant.

Für Keiko Mecheris Camellia benötigt man keinen Waffenschein, vielmehr könnte der Duft aber zur Allzweckwaffe im Alltag werden: Die Kopfnote ist geprägt von der herben Bitterkeit dunklen Tees, die von der saftigen Frische japanischer Pflaumen begleitet wird. Deren dezente Fruchtsüße geht in einem Herz von Magnolie und Kamelie auf, die auf einem warmen ambriert-holzigen Lager ruhen. Dieses Dreigestirn aus Tee, Pflaume und weißen Blüten harmoniert ganz wunderbar und ergibt einen femininen Duft, süß-floral und gleichzeitig von einer anmutigen Zurückhaltung. Wem Umé von Mecheri immer etwas zu viel und/oder zu schwer war, der sollte sich Camellia einmal zu Gemüte führen, unbedingt.

Paradise Lost ist Duft Nummer 2: Ich muss hier sofort an Miltons Gedichtepos denken, an William Blake, der sich davon inspiriert sah und an die vielen Musiker, die die düstere Geschichte des Höllensturzes der gefallenen Engel, des Sündenfalls und der Vertreibung aus dem Paradies verwursteten, allen voran die Band gleichen Namens… Damit bin ich bei Frau Mecheri aber auf der komplett falschen Fährte [Anmerkung: Was ich auch hätte wissen können, hätte ich mir zuerst die Flasche angeschaut ;)]. Hätte ich hinter dem Namen eher einen Weihrauchkracher vermutet zeigt sich schon bei Mecheris Assoziationen, dass dies ganz bestimmt nicht der Fall sein wird: Von Hippiekindern und Goa ist die Rede, von Blumenkindern, Mystikern und Erleuchtung, die an den Stränden dieser vor Indien gelegenen Insel sicherlich selten ohne berauschende Substanzen möglich ist.

Was sich anhand der Ingredienzen – Kopfnote: Bergamotte, Limette; Herznote: Jasmin, Tuberose; Basisnote: Ambra, Sandelholz, Vanille – etwas banal liest, entpuppt sich ähnlich wie bei einigen anderen Exemplaren aus Mecheris Hesperiden-Kollektion als ziemlich einnehmend: Ein echter Gute-Laune-Kandidat. Das flirrend-spritzige Duo aus Limette und Bergamotte sorgt für säuerliche Fruchtigkeit und somit für ein angenehmes Gegengewicht zu dem üppig cremigen Herzen voller weißfloraler Verführer. Die Basis unterstreicht die cremigen Aspekte mit watteweichem Moschus und milchig-würziger Vanille, von Sandelholz sanft untermalt. Irgendwo aus dieser Gesamtheit geht für meine Nase auch eine Prise Salz hervor und ein Hauch Kokos, was aber vielleicht an dem allgemeinen Strandeindruck liegt, den der Duft durchaus überzeugend zu vermitteln weiß. Darüber hinaus reiht sich Paradise Lost ganz hervorragend in die Reihe tropischer Sommerdüfte mit Blüten ein, deren wenig zahlreiches Vorkommen ich neulich hier beklagte.

Und, neugierig geworden? Müsst Ihr testen oder hört sich das nicht nach Euch an?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Camelia Snowball von Vocedellanatura, Vagator Beach / Goa von Zerohound, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Keiko Mecheri in unserem Shop.

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Ein Fetisch…
California Dreaming.


Histoires de Parfums – George Sand

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Tropisches am 20.06.2011

Wer sich nun überlegt, ob dieser gewisse George Sand nun ein Schriftsteller oder Schauspieler war, geht dem Pseudonym der französischen Schriftstellerin Amandine-Aurore-Lucile Dupin de Francueil auf den Leim. Nach Colette und Jules Verne reiht sich George Sand – 1804 perfekt in den Kreis französischer Autoren ein, denen Gérald Ghislain mit Histoires de Parfums und den gleichnamigen Düften ein Denkmal gesetzt hat.

Doch wie kommt eine Dame des 19. Jahrhunderts zu einem männlichen Namen? Mit 18 Jahren heiratete sie den Baron Casimir Dudevant und muss ein äußerst neugieriger Mensch gewesen sein. Beim Herumwühlen im Sekretär ihres Mannes fand sie dessen Testament, aber auch die Aufschrift, dass dieses erst nach des Gatten Tod zu öffnen sei. Dies hielt sie jedoch nicht davon ab, darin zu schmökern. Der Inhalt muss wohl unerfreulicher Art gewesen sein, denn es kam zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zur Trennung. Diese war gewissermaßen der Startschuss für eine freigeistige und unkonventionelle Lebensweise.

Zusammen mit ihrem Geliebten schrieb sie ihren ersten Roman „Rose et Blanche“, und bastelte sich aus dessen Namen, Jules Sandeau, das oben erwähnte Pseudonym. Die weitere Zeit war von zahlreichen Liebeleien geprägt, vor allem mit großen Namen wie dem Dichter Alfred de Musset, aber auch Frauen war sie wohl nicht abgeneigt, denn ihr wurde eine Affäre mit der Schauspielerin Marie Dorval nachgesagt. George Sands Wohnung in Paris sollte zu einem Treffpunkt vieler Künstler und Exzentriker werden. Honoré de Balzac, Alexandre Dumas, Franz Liszt und Eugène Delacroix gaben sich die Klinke in die Hand. Über Liszt erhielt Sand Kontakt zu Frédéric Chopin, mit dem sie ebenfalls eine Beziehung einging.

Bei George Sand schieden sich die Geister: sie fand begeisterte Anhänger wie Heine und Dostojewski, oder auch echte Hasser, die sie als „Latrine“ (Charles Baudelaire) oder als „Lactea ubertas“ bzw. „Milchkuh mit schönem Stil“ (Friedrich Nietzsche) titulierten. Bei einer Gesamtproduktion von 180 geschriebenen Bänden und etwa 40000 Briefen ist aber sicher für jeden etwas dabei.

Vielleicht könnte ja gerade Chopin die richtige musikalische Untermalung sein, um den Duft zu testen: Sie soll Euch nicht vorenthalten bleiben:

Kopfnote: Gardenie, Pfirsich, Ananas; Herznote: Gewürznelke, Jasmin, Maiglöckchen, Marokkanische Rose; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Benzoeharz, Vanille, Weißer Moschus

Eugène Ferdinand Victor Delacroix 041Im Auftakt kommt mir eine reife Ananas entgegen, die vom Pfirsich gesättigt ist. Wenn man eine Ananas etwas zu lange liegen lässt, bekommt sie diesen leicht vergorenen, schnapsigen Geschmack und in diese Richtung geht auch die Kopfnote. Recht intensiv ausgefallen überlagert sie die Herznote, sodass erst in der Basis holzige Noten und ein Hauch von Vanille wahrnehmbar sind. Auf der Haut hingegen ist der erste Eindruck lange nicht so süß, die Ananas ist präsent, aber wird von blumigen Noten begleitet. Die Basis ist warm und holzig, aber dezent. Ein fruchtig-floraler Duft, eindeutig ein Duft für Ananas-Liebhaberinnen. Die anderen Noten bleiben meines Erachtens alle recht brav im Hintergrund. Ich mag Ananas, und damit auch diesen Duft. Wer kennt ihn?

Viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: Die junge George Sand von Auguste Charpentier (1835) – via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Ginger Ciao 2.27…

… scheint für die Parfumeurin Yosh Han der ultimative Kick fürs Selbstbewusstsein zu sein: Sie spielt darauf an, dass Menschen Masken tragen, täglich, und jeder mehrere davon „besitzt“ – eine Thematik im übrigen, die die Romantiker in ihrer Hinwendung zum Ich, zur (eigenen) Identität in diversen Werken mit den Metaphern der Marionetten, des Lebens als Marionettentheater, etc. belegten.

Jeder Mensch hätte als Minimum vier Facetten erzählt Han weiter – ich habe keine Ahnung, ob das nun spirituell, esoterisch, sonstwie energetisch gemeint ist, im Großen und Ganzen kann ich mich aber sowohl mit den Masken (die ja letztendlich für Rollen stehen) als auch mit dem Vorhandensein von verschiedenen Facetten anfreunden, obgleich ich der Ansicht bin, dass der eine hiervon mehr, der andere weniger besitzt. Sei es drum. Für Han stellt Ginger Ciao eine Heldin dar: Mutig und verwegen, abenteuerlustig, ehrlich und authentisch – und dadurch in hohem Maße inspirierend, fördert dieser Duft bei den meisten seiner Träger doch deren positiv(st)e Eigenschaften zutage. Mehr Dynamik, mehr Energie, mehr Tollkühnheit – man steht aufrechter, wirkt forscher und das alles oft mit einem Glitzern in den Augen so Yosh, für die Ginger Ciao ein Duft für den Mittelpunkt ist, einer, der Aufmerksamkeit auf sich zieht, vielmehr den Leuten zu einer Ausstrahlung verhilft die jene bewirkt.

Das liest sich alles auf liebenswerte Weise amüsant und ein bisschen übertrieben – wenn man den Duft noch nicht getestet hat… Dessen Ingredienzen: Basilikum, Ingwer, Königin der Nacht, Neroli, schwarze Kokosnuss, Tigerlilie, Ylang-Ylang.

Basilikum umweht mein Näschen bereits im Auftakt, grün und ein wenig herb – und bekommt alsbald Gesellschaft von einer Ingwerwurzel, die sich gewaschen hat: Dieses Rhizom hat es in sich meine Lieben! Es verkörpert alle Eigenschaften, die man an Ingwer liebt – oder eben hasst: Fruchtigkeit, Herbheit, Erdigkeit, eine gewisse Säuerlichkeit als auch jene eigenartige süße Trockenheit, die fast papierartig anmutet. Diese Wurzelpracht entscheidet sich für eine äußerst verführerische Ménage à Trois ein, die zu einem Trio Infernale avanciert: Kokosnuss, ein verhalten süßes, sondern vielmehr trocken-würziges Exemplar und ein Strauß voller Weißblüher finden sich zusammen und lassen den Duft zu einer erwachsenen Verführerin werden, die – Achtung, Floskelalarm – wirklich betörend und sinnlich ist. Ingwer gilt nicht umsonst als Aphrodisiakum, hier zeigt er sich dunkel-fruchtig und kokettierend-lasziv abgerundet durch rauchig-würzige Kokos und opulente Blüten.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser Duft Aufmerksamkeit auf sich zieht und somit Hans Versprechen einlöst: Einerseits hat der Ingwer eine beruhigende, Geborgenheit ausstrahlende und stärkende Wirkung, die im gleichen Moment aber auch belebend wirkt. Und andererseits hat der Duft etwas sehr Erotisches. Entgegen den Ingredienzen ist es kein typischer Tropenabkömmling und kein Stranddüftchen, nein… Wenn Strand, dann denke ich an ein Bondgirl, ein möglicherweise farbiges – Gloria Hendry oder Halle Berry, vielleicht aber auch gleich Grace Jones und ihr Männer- oder besser: Allesfressercharme. Allerdings ist Mrs. Jones (die bei mir vor ein paar Jahren dank eines Konzertbesuchs für eine fiese depressive Verstimmung sorgte: WAS für eine Figur mit 60+…) in ihrer Mondänität eine Kleinigkeit zu avantgardistisch – dafür ist Ginger Ciao zu in sich ruhend und zu elegant. Das schafft er nämlich auch noch nebenbei, der Duft – sexy zu sein und elegant, klassisch und gleichermaßen modern. Und dabei noch sehr besonders zu sein. Also eigentlich doch Grace Jones, die älter Gewordene.

Ein würdiger Abschluss der Yosh-Han-Kollektion, finde ich. Wie gefällt sie Euch denn? Was sind Eure Favoriten? Einen guten Start in die Woche und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Grace Jones auf ihrer Hurrican-Tour 2009 von Chr!s, Grace Jones Porträt von Gavin Bond, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Yosh Hans Kollektion in unserem Shop.

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Ginger Musk von Montale – ein Versteck hinter dem Moschus
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Neues…


Poggio in Fiore – Blühende Anhöhe…

Geschrieben in Blüten,Duft,Tropisches am 19.05.2011

ist der poetische Name des dritten Duftes von vier Düften der La Collina Toscana Reserve-Kollektion, die ich mir diese Woche zur Brust oder besser: Nase genommen habe, um sie Euch vorzustellen. Er besticht laut Hersteller „mit seinen hellen und freundlichen Duftnoten, erfüllt mit weißen Blüten und Vanille.“ Das hört sich heiter und sonnig, aber keineswegs wolkig an würde ich sagen. Bei einem Blick auf die Duftnoten allerdings werde ich trotzdem ein wenig stutzig: Kopfnote: Tiaréblüte, Jasmin; Herznote: Jasmin, Karamell, Orangenblüte; Basisnote: Moos, Vanille – diese lassen vor meinem inneren Auge einige große Fragezeichen zurück. Wir erinnern uns – wir befinden uns in der olfaktorischen Toskana – Tiaré, jene tropische Gardenienschwester? Versprochen wird zumindest mal ein verwegen-ausgefallener Garten, den ich nicht unbedingt bei unseren Bunga-Bunga-Nachbarn verortet hätte:

„Roter Jasmin und Tiaréblüte, aus exotischen sonnendurchfluteten Gärten entführt, verschmelzen mit einer delikaten Herznote aus Jasmin und Orangenblüten, durchzogen von einem Hauch Karamell, um sich in einem Strom aus umschmeichelndem Moos und Vanille hinzugeben.“

Ob nun typisch italienisch oder eben nicht – egal. Ich will kein Pingel sein und stürze mich alsbald lieber auf den Duft, jener ist ohnehin das, was zählt und auch bleibt ;)

Und in der Tat – Poggio in Fiore zaubert sogleich ein Blütenmeer vor mein inneres Auge, entführt mich aber nicht nach Italien, sondern irgendwo in die Tropen: Exotisch präsentiert sich der Duft durch und durch. Voluminöse ausladende Blumen locken mit verführerischem Duft, natürlich überwiegend weißer Natur. Tiaré und Jasmin sind sehr deutlich auszumachen, Orangenblüten stiften wie häufig honigsüße Nektarnoten. Die Vanille aus der Basis zeigt sich einerseits dezent würzig, was zu einem äußerst harmonischen Zusammenspiel mit dem Moosbett führt. Andererseits offenbart sie aber ebenfalls milchige Cremigkeit und Süße, welche von zuckrig-kristallinem und gleichermaßen sahnigem Karamell perfekt ergänzt wird.

Ein Tropenblümchen also mit sommerlich-leichtem, deliziösem Gourmandeinschlag also – und ein sehr hübsches noch dazu. Dieser Tage war ich wirklich verwundert, als ich mir anhand eines Diskussionsthreads in einem Internetforum, dem Beautyboard, Gedanken zum Thema tropische Düfte machte: Gefühlt hätte ich gedacht, dass ich auf eine ganze Menge Düfte komme, die ein Sträußchen exotischer Blüten samt ein paar gourmandigen Akzenten für Naschkatzen enthalten – dem war und ist aber nicht so.

Profumi del Fortes Gute-Laune-Sommerling Vittoria Apuana fiel mir ein, den ich bei Gelegenheit bald mal rezensieren muss: Satt Hesperiden im Kopf und ein äußerst leckeres Vanille-Kokos-Banane-Herz, welches von Tiaréblüten umrankt wird und dank seiner Ambrabasis über warme Würze verfügt.

Dann wäre da noch Anse Turquoise von Manuel Canovas, der schon dank seiner wunderschönen Verpackung (Canovas ist ein französisches Traditionstextilhaus mit Schwerpunkt auf Wohntextilien) ins Auge sticht: Orangene Korallen und rosa-pinkfarbene Muscheln auf einem türkis-petrolfarbenen Grund – heiter-fröhlich transportieren diese Muster bereits Urlaubsstimmung, die Anse Turquoise auch einlöst. Als olfaktorische Umsetzung des Stoffmusters Goa aus der Beachwear-Kollektion des Hauses sieht sich das Düftchen durch jene entlegenen Refugien der Antillen inspiriert und riecht wie der Traumurlaub, den ich so dringend nötig hätte: Spritzig-frische Hesperiden und ein überbordendes Herz voller Tropenblüten auf einer weichen und warmen Basis samt Karamellkrönchen.

Oder Cococabana von Patricia de Nicolaï, dessen Name schon verrät, dass er eine duftende Hommage an Rio de Janeiros Stadtteil Copacabana ist: Üppige Tropenblümchen, Tuberose und Jasmin, und überschwängliche Kokosheiterkeit, fein abgestimmt mit einem cremigen Vanille-Tonka-Duo und einem prickelnden Schuss Agrumenfrüchte in der Kopfnote. Damit machte Madame Nicolaï einmal mehr ihrer Herkunftsfamilie Guerlain alle Ehre und schuf einen herrlichen Tropenduft, mit dem sie den Beweis anstellte, dass Rio nicht nur aus Hinterteilen und Oberweiten bestehen muss ;)

Camille Goutal flitterwochte auf Mauritius und hat jene Tage auf immer olfaktorisch verewigt: Mit Songes, ebenfalls voller Tropenblüher, genauer: Tiaré, Frangipani, Ylang-Ylang und natürlich Jasmin, fein abgestimmt mit Vanille und einer Prise Vetiver.

Danach wird es aber schon schwierig – mir kommt noch Comptoir Sud Pacifiques Aloha Tiaré in den Sinn, Montales Intense Tiaré, Frangipani von Chantecaille und Frangipani Absolute von Ormonde Jayne, Huitième Arts Manguier Métisse und ferner Parfumerie Générales Gardenia Grand Soir, die zumindest teilweise auch zum Thema passt obgleich ihr jegliche Gourmandanleihen fehlen – und da verließen sie ihn oder besser: mich.

Es scheint tatsächlich an derlei Tropenkrachern zu fehlen, ich hätte es nicht gedacht. Wie steht Ihr dazu? Fallen Euch noch mehr ein? Entsprechen jene Düfte Eurer Kragenweite?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike, grübelnd.

Bildquelle: The Italian garden, the Lost Gardens of Helligan, Cornwall, UK von Carcharoth, Tiaré Tahiti / Gardenia Taitensis von Hardscarf, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Madame Mecheri…
Eine neue Kollektion…
Duftverzeichnis L – Z


Mit fernen Inseln…

Geschrieben in Blüten,Duft,Gourmand,Tropisches am 4.05.2011

… assoziiert man sehnsüchtig oft ein verstecktes Eiland, am besten mit Palmen bewachsen, das irgendwo im Nirgendwo der Südsee liegt und dessen hellen Sand noch nicht allzu viele Touristenfüße gesehen haben. Lonely Planet, jene Kult-Reiseführer, führen den Individualtouristen gerne mal an mitunter heutzutage nicht mehr ganz so entlegene Plätze. Wer es etwas exklusiver haben mag der abonniert Nota Bene, jene Publikationen des Londoners Anthony Lassman, die vermutlich zu den luxuriösesten Reiseführern weltweit gehören. Kostenpunkt: Die Mitgliedschaft in der Basisvariante liegt bei 975 Pfund pro Jahr, zuzüglich Steuern natürlich. Und ein individuelles Paket lässt sich natürlich auch schnüren – ab 5000 Pfund kein Problem. Mick Jagger und Gwyneth Paltrow sind wohl schon Mitglieder, man befindet sich demnach in bester Gesellschaft. Man wird ja wohl mal träumen dürften – das konnte man ganz hervorragend bei den netten Kolumnen, die Lassman für das mittlerweile eingestellte Magazin „Park Avenue“ schrieb.

Dieser Tage lädt uns jemand anderes zum Träumen auf die fernen Inseln ein: Keiko Mecheri, die gerade eben zwei neue Düfte lanciert hat, welche als perfekte Einstimmung auf sommerliche Temperaturen gelten können – Tuberose und Isles Lointaines, die fernen Inseln.

Letztere beschreibt Mecheri folgendermaßen:

„This brazenly flirtatious potion features an incredibly lush gardenia double-whammy by blending traditional gardenia with tiare, also known as Tahitian gardenia, and the result is every bit as seductive and gorgeous as you would expect.“

Aufmerksamen Bloglesern wird nicht entgangen sein, dass ich lange nicht mehr im Urlaub war und deshalb, wie ich hier bereits schrieb, liebend gerne olfaktorisch auf Reisen gehe. Im übrigen ohnehin einer der Aspekte, den ich an Düften so reizvoll und faszinierend finde: Sie vermögen es nicht nur, Erinnerungen zu wecken, sondern einen auch in Nullkommanix an entfernte Orte zu transportieren, gedanklich. Ein Siebenmeilenstiefel quasi.

Isles Lointaines zaubert mich sofort gen Südpazifik, vielleicht nach Tahiti, das ja schon Rosseau zu seinen Träumereien von dem edlen Wilden als ursprünglichen Menschen verleitete – für ihn war Tahiti der Garten Eden. Ähnlich sah das auch Paul Gauguin, dessen Werke unser verträumtes Bild jenes exotischen Paradieses maßgeblich beeinflusste. Eine sanfte, hesperidengeschwängerte und sacht ozonige Brise weht kühlend vorbei an mir, die ich da liege in feinstem, unschuldig weißem Sand. Von der Sonne beschienen und verwöhnt döse ich vor mich hin in absoluter Entspannung während kein Wölkchen den strahlend blauen Himmel trübt. Das Meer funkelt schillernd und es steigt mir der Duft üppiger Blüten in die Nase, tropisch, cremig-weich, leicht milchig und bisweilen süß-betäubend. Ich lasse mich mit geschlossenen Augen hineinfallen in jenes Bouquet, das sanft in der Sonnenwärme von Vanille und Benzoe verführt.

Hach… Verreisen mit Madame Mecheri macht Spaß, das ist mir schon bei ihren letzten vier Düften aufgefallen, ihrer Hesperiden-Kollektion, die ich im Blog ebenfalls ausführlich besprochen hatte. Isles Lointaines steht dem in nichts nach – und dürfte ein echter Gruppenzusammenschweißer sein, vielmehr: einen exzellenten Spagat schaffen: Denn da gibt es diejenigen, die sich für tropische Düfte begeistern, für opulent-ausladende Blüten. Und diejenigen, denen das oftmals zu viel ist und zu schwer. Anhänger beider Fraktionen sollten sich Isles Lointaines mal näher zu Gemüte führen: Für die einen ist es ein weiterer wundervoller Sommerbegleiter. Und für die anderen könnte es durchaus der erste Tropenkandidat im Repertoire werden.

Bevor ich es vergesse – die Ingredienzen: Kopfnote: Mandel, Gardenie; Herznote: Tiaré, Tuberose, Jasmin, Rose; Basisnote: Vanille, Benzoeharz.

Morgen geht es weiter mit der Tuberose – es bleibt also spannend ;)

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Paul Gauguin Fare sous les cocotiers (1896 od. 1897), Ea haere ia oe (1893) und Aha oe feii? (1892), alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Keiko Mecheris Isles Lointaines in unserem Shop.

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Spezereien aus fernen Ländern
Madame Mecheri…
Tam Dao – ordentlich Holz vor der Hütte


Die Schöne und das Biest: Cuba

Mariela

Die Reise führt uns heute also direkt in die Karibik. Das passende Wetter habe ich mir dafür heute nicht gerade ausgesucht. Es regnet ohne Unterlass… Aber sei‘s drum! Ich erwarte tropisches Flair, Salsa, Mambo, Cha-Cha-Cha, Rum und Zigarren! In der Ingredienzenliste sind letztere zumindest schon mal aufgeführt.

Kopfnote: Pfefferminze, Bergamotte, Rum, Limette, Herznote: Rose, Gewürznelke, Lorbeer, Tonkabohne, Basisnote: Tabak, Weihrauch, Vetiver, Zedernholz

Unser Duft präsentiert sich unmittelbar nach dem ersten Sprüher doch ganz frisch. Allerdings reicht die Zeit kaum aus, um einzelne Duftnoten ausmachen zu können. Schon ist er wieder verflogen und eine unglaublich indolische Note macht sich breit. Ich bin mir gar nicht sicher woher diese Note eigentlich kommt, denn es sind weder Jasmin noch Zibet gelistet, die das gerne mal mit sich bringen. Es hört aber auch nicht gleich wieder auf. Hilfe!!! Die Fäkalnote beruhigt sich erst nach einer Weile, überschattet aber trotzdem immer noch alles. Am liebsten würde ich alles abwaschen!

Jetzt teste ich doch lieber zusätzlich noch auf dem Streifen. Die Kopfnote kommt hier schön raus. Limette, Pfefferminze und Rum. Da bekommt man doch gleich Lust auf einen Mojito. Immerhin etwas von dem tropischen Feeling, das auf meiner Haut bisher komplett fehlte. Die indolische Note macht sich auch auf dem Teststreifen breit, jedoch bei weitem nicht so schlimm wie auf meiner Haut. Vermutlich ist die Mischung aus Lorbeer, Gewürznelke und Tabak dafür verantwortlich.

Ich stelle mir jetzt eine kleine, sehr volle Bar vor. Ausgelassene Stimmung, der Alkohol fließt in Strömen, alles tanzt und die kubanischen Herren in ihren bunten Kunststoffhemden riechen nicht mehr so frisch wie zu Beginn des Abends.

Ein paar Stunden später präsentiert sich das Parfum dann endlich von seiner Schokoladenseite, Vetiver und Zedernholz stehen im Vordergrund und vereinigen sich zu dem eleganten wie klassischen Herrenparfum, das man sich nach dieser Tortur sehnlichst wünscht.

Mojito Bar at Bayside

Aber ehrlich, wer hält das so lange durch? Zugegeben man wird für seine Geduld belohnt, aber hält man die Stunden davor gerne aus? Ich denke nicht. Ich habe mich sehr auf dieses Parfum gefreut, die Duftnoten klangen vielversprechend. Ich wünschte mir gerade zu es zu mögen. Aber leider ist es auf meiner Haut komplett ungenießbar. Ich würde euch dringend von einem Blindkauf des Parfums abraten und definitiv einen ausgiebigen Test auf eigener Haut empfehlen.

Harmen

Die Karibikinsel Kuba spielt heute bei uns die Hauptrolle, nämlich in Form von Czech & Speakes Duft „Cuba“. Bis jetzt hat es mich noch nicht dorthin verschlagen, aber ich habe mir sagen lassen, dass dieses Eiland eine große Anziehungskraft und Faszination besitzt. Man verbindet allein schon mit dem Namen Köstlichkeiten wie Rum, luxuriöse Zigarren und einen Lebensstil, bei dem die Uhren etwas langsamer ticken als in unserer Hochleistungskultur. Frank Sawkins, der Gründer von Czech & Speake, ließ sich genau von diesen positiven Seiten Kubas inspirieren und schuf einen Duft, der diese wiedergeben soll. Ich bin gespannt, was mich nun erwartet.

Kopfnote: Pfefferminze, Bergamotte, Rum, Limette; Herznote: Rose, Gewürznelke, Lorbeer, Tonkabohne; Basisnote: Tabak, Weihrauch, Vetiver, Zedernholz

Auf dem Teststreifen geht es äußerst minzig und zitrisch los, in der Kopfnote ist Pfefferminze angegeben, die hier den Ton angibt, aber meiner Meinung nach könnte es durchaus auch Eukalyptusöl sein. In der tieferen Lage leisten leichte Anklänge von Weihrauch und Holz ihren Beitrag und geben dem stark minzigen Auftakt genau den richtigen Schwenk mit, um nicht in Richtung Halsbonbon abzudriften. Auf der Haut kommt die Minze lange nicht so kräftig zur Geltung, Tabak und Zedernholz grundieren diese jetzt spürbarer und so kommt das Ganze weitaus würziger daher. Aber nichtsdestoweniger eine kalte und herrlich erfrischende Duftdusche. Es fällt mir schwer, die Herznoten herauszubekommen, so sind die süßlichen Bestandteile sehr zurückhaltend formuliert, sicherlich die richtige Entscheidung bei einem Herrenduft. Mittlerweile sind auch auf dem Streifen die Kopfnoten etwas verflogen, so dass ich abschließend sagen kann, dass es sich hier um einen ausgezeichneten Sommerduft handelt, ein frischer Morgen in den Tropen, eine kleine Holzkiste mit duftenden Zigarren und dazu ein Cuba Libre oder viel besser noch ein Mojito, die Gräser und Blumen duften und erwarten die Hitze des Tages. „Cuba“ kann ich mir sehr gut an Männern jeden Alters vorstellen, besitzt er doch neben seiner jugendlichen Frische auch die bekannten Fingerzeige eines klassischen und runden Herrenparfums.

Bildquellen: Mojito Bar at Bayside by miamism, on Flickr, Dona Paulina von Dantadd, Mojito von Lobo – via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Citrus Paradisi
Schöne Pfingsten!
Die Schöne und das Biest: Vierges et Toreros.


Vero.Profumo…

Geschrieben in Duft,Krautiges,Reines und Pudriges,Tropisches am 18.02.2011

… ist die 2007 ins Leben gerufene Manufaktur der Schweizerin Vero Kern, die sich damit einen lang gehegten Traum erfüllte. Im stolzen Alter von 55 Jahren orientierte sich Kern nach Jahrzehnten der Berufstätigkeit als Pharma-Assistentin sowie bei Swissair noch einmal komplett um – etwas ganz anderes wollte sie machen und dabei ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen: Der Liebe zum Duft. „Ich wollte in mich selber investieren, alles herausholen, was ich kann“, sagte Kern in einem Interview dem Schweizer Tagesanzeiger. „Ich wollte etwas machen, das ich von A bis Z selber gestalten kann. Das Parfum gab mir diese Möglichkeit.“

Schon 1994 machte sie sich mit einer eigenen Praxis selbstständig, in der sie für ihre Kunden individuelle Düfte und Duftmischungen auf aromatherapeutischer Basis kreierte. Darauf folgte dann eine Ausbildung zur Parfumeurin, die sie in Paris bei Monique Schlienger absolvierte – an der Schule, an der auch Lyn Harris von Miller Harris gelernt hatte. Ihr erster eigener Duft erblickte dann 2007 nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit in der heimischen Küche das Licht der (Parfum)Welt – Kiki. Zwei weitere Düfte ließen nicht lange auf sich warten – es folgten alsbald Onda und Rubj, denen hoffentlich noch viele weitere folgen werden.

Denn – Vero Kern ist, ähnlich wie Andy Tauer, ein echtes Unikum auf dem Parfummarkt: Voller Leidenschaft und Hingabe schafft sie Düfte, die exakt jenes Herzblut ausstrahlen sowie jene Passion, aus denen sie entstanden sind. Eigen, kantig und auf eine gewisse Art und Weise rau wie Rohdiamanten üben sie in ihrer eindringlichen Präsenz, welche unter anderem auch auf ihre hohe Konzentration und den hohen Anteil erlesener natürlicher Rohstoffe zurückzuführen ist, eine besondere Faszination auf mich aus, seitdem ich sie das erste Mal testen durfte. In den nächsten Tagen nun möchte ich Euch die ganze Serie ihrer Eaux de Parfums vorstellen, heute beginnen wir mit Kiki. [Die Extraits, die es von allen Düften ebenfalls gibt und die sich von diesen durchaus unterscheiden, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen.]

Kiki ist ein Duft „für bekennende Individualistinnen mit französischem Chic.“ Und Vero Kern führt weiter aus:

„Meine Hommage an die Stadt Paris, wo ich das Parfum-Metier erlernte. Ein fast schon burlesker Auftritt der stolzen Madame Lavande de France. Madame wird umtänzelt von frivolen und puderigen Karamell- und Moschusnoten. Exotische Früchtchen klimpern freudig mit den Wimpern dazu. Keusch und wild zugleich, wie ein Besuch in der Bibliothèque nationale mit anschließendem Diner-Spektakel im „Crazy Horse“.

Ein Lavendelluder demnach, mich natürlich sofort an Dita von Teese und den momentanen Hype um Burlesque-Tänzerinnen erinnernd. Und in der Tat – das passt zu dem Duft.

Auf der Haut angekommen wirbelt zuerst eine überaus ungestüme und temperamentvolle Lavendeldiva umher, die voller Dominanz und Präsenz ernstgenommen werden möchte. Ein autoritäres Persönchen, das sich augenblicklich Gehör verschafft, in der Tat. Kaum richtig angekommen offenbart jene Madame de Lavande allerdings ihre keck-frivole Ader: Ihr warmer krautiger Körper, dem nichts von der sonst ihr eigenen medizinischen Natur anhaftet, offenbart exotische Gelüste – ein tropisch-fruchtiges Bouquet, üppig und betörend, das von den Gourmandnoten der Basis noch unterstrichen wird. Karamell und Moschus leisten hier ganze Arbeit und kreieren mitsamt der Passionsfrucht eine sinnlich-wollüstige Aura voll samtig-pudriger Anklänge

Und an was für eine Frau richtet sich der Duft? Vero Kern beantwortete die Frage im Interview mit Lena Brombacher für deren Blog Olfactorialist folgendermaßen:

Bei kiki denke ich an eine sehr lebendige Frau, es könnte auch eine Journalistin oder Schrifstellerin sein – dieser pudrige Lavendel. kiki ist fruchtig und für mich hat es eine schnelle Energie drin, aber der Lavendel holt auch runter. kiki ist ein frivoler Duft. Er passt zu Sybille Berg.

Zugegeben, ich bin kein großer Berg-Fan, vermutlich hätte ich diesen Duft dann lieber vielleicht an Françoise Sagan gesehen, jener Maserati-fahrenden Schriftstellerin, die uns unter anderem das charmante Buch Bonjour Tristesse hinterließ oder vielleicht an Colette, jener legendären Pariser Varietékünsterlin und Autorin… aber auch Frau Berg hat ja höchst unterschiedliche Seiten, insofern passt der Duft vielleicht doch nicht so schlecht.

Kiki trägt seinen Namen zu Recht – ein kecker, nur so vor Leben sprühender Duft, feminin, fröhlich sowie lustvoll und körperbetont. Die Ingredienzen: Kopfnote: Lavendel, Bergamotte, Zitrone, Passionsfrucht; Herznote: Lavendel, Geranium; Basisnote: Karamell, Patchouli, Moschus.

Die restlichen Vero.Profumo-Düfte folgen nächste Woche – bis dahin Euch ein schönes Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Colette 1907 in ihrem Programm “Der ägyptische Traum”, das sie im Moulin Rouge tanzte – Aufnahme via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Vero Kern, vero.profumo, in unserem Shop.

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Korres die Zweite.

Kurz nach White Tea/Bergamot/Freesia und Paeonia/Vanilla/Amber/Pear, die ich bereits letzte Woche besprach, trudelten nun auch endlich Vanilla/Freesia/Lychee und Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood bei uns im Geschäft und kurz danach auch bei mir Zuhause ein.

Wie von Korres gewohnt kann ich schon fast sagen, wurde ich auch in diesem Fall nicht enttäuscht – soviel vorweg. Ich bin fest davon überzeugt, dass beide der Düfte bei Euch da draußen ziemlich gut ankommen dürften. Darüber hinaus lässt sich feststellen, dass Korres mit seinen nunmehr sechs Eau de Toilettes eigentlich sehr gut aufgestellt ist, was den Geschmack der Kunden angeht – denn es ist für jeden etwas dabei.

Vanilla/Freesia/Lychee spricht sehr wahrscheinlich diejenigen weiblichen Wesen an, die es gerne kuschelig-muckelig haben und dafür tropisch angehauchte Gourmanddüfte mögen: Sahnig-cremige Vanille, die an Tiefe gewinnt durch eine likörige Rumkomponente, die mich ein wenig an eine dezente und weniger sündig-rauchige Variante von Micallefs Note Vanillée erinnert und bestimmt noch von der Schwester im Geiste, der Tonkabohne begleitet wird. Ein betörendes Blütenbouquet, das sicherlich nicht nur mit Freesie aufwartet – zu wenig aquatisches Naturell, zu viel narkotisierende Exotik. Ich vermute (noch) mehr Weißblüher, vielleicht auch Tiaré? Die würde sehr gut harmonieren mit der vorherrschenden sanften Gourmandwärme, die darüber hinaus noch von Litschi akzentuiert wird: Fremde Fruchtsüße, die sich perfekt in das Stillleben einfügt und den Duft gelungen abrundet.

Feminin, verführerisch und von einer guten Haltbarkeit, aber, und das muss man bei derlei Düften immer positiv herausstreichen: Nie zuviel. Nicht zu süß, nicht pappig, niemals nervig. Und insofern ein typischer Korres, was von meiner Seite aus ein ehrliches Kompliment in Richtung des Hauses ist.

Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood ist neben Saffron/Amber/Cardamom der zweite sich primär an die Herrenwelt adressierende Duft. Ich empfinde beide auch als sehr gut für Damen tragbar – ein Kunststück, da sie ob ihrer Ingredienzen meinem Duftgeschmack natürlich auch am nächsten kommen.

Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood ist für mich, genauso wie Saffron/Amber/Cardamom, ein Traum – und dazu bedarf es nicht immer einer ausgeklügelten Komplexität, die besitzt keiner der Korres-Düfte und ich wage zu behaupten, dass das auch nicht Sinn und Zweck der Übung war.

Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood ist eine leichtfüßige Interpretation des Vetiverthemas, eine fast aquatische Variante: Weder die gängigen zitrischen Hesperiden sind hier dominant zu finden noch jene rauchig-herbe Grasigkeit, die ebenfalls gerne zitiert wird. Vielmehr vereint sich der Duft sofort zu einem großen Ganzen, das in seiner Einfachheit bezaubert: Überaus frisch und aquatisch anmutend (eine natürliche aquatische Tendenz, nicht dieses synthetischen Nervnoten!) erinnert er mich irgendwie an eine Kreuzung aus Creeds Original Vetiver und Erolfa, von dem er auch ein paar Mandarinenschnitten abgestaubt haben könnte. Hell strahlender Vetiver, sauber und frisch mit aquatisch-wässrigen Akzenten, für die auch der Tee verantwortlich ist. Des weiteren nehme ich eine zart-florale Süße war, vielleicht etwas, das jene Wässrigkeit unterstreicht, Lotos? Am Rande jener Gewässer liegt auf jeden Fall Holz, ein sanftes, von der Sonne getrocknetes, das unter Umständen von einem Hauch Patchouli unterlegt wurde.

Ein überaus unkomplizierter und herzerfrischender Immergeher. Ich glaube, ich brauche eine Flasche davon für Frühling/Sommer, die ja hoffentlich bald kommen – und da es endlich auch mal kleine Fläschchen à 50ml für meines Erachtens nach sehr faire 34,50 Euro gibt, hält mich vermutlich nicht mehr viel…

Habt ihr schon getestet? Und, darüber hinaus: Mit was liebäugelt Ihr gen Frühling, wenn er denn mal kommt?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Lechee Step by Step von GiniMiniGi/Aleksandra P., The Coast von Timo Balk, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Korres in unserem Shop.

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Auf der Suche nach der Blume…

Geschrieben in Blüten,Duft,Krautiges,Leder,Tropisches am 13.01.2011

… befinde ich mich gerade, wie gestern schon erwähnt. Insofern wird Euch das in Zukunft nicht erspart bleiben, mit mir die eine oder andere Blüte unter die Lupe zu nehmen. Mein Duftgeschmack treibt gerade seltsame Blüten und es dürstet mich nach Floralem: Einzelne Blumen wie zum Beispiel Tuberose, Jasmin und die ganzen Weißblüher oder gar deren Bouquets üben im Moment eine magische Anziehung auf mich aus.

Für mich einen Überraschungserfolg landete vielleicht auch deshalb in letzter Zeit ein Duft, den ich schon länger kannte und früher ganz gruselig fand: Tatatata – Etros 1989 erschienener Royal Pavillon. Ich hatte ihn bereits vor einigen Jahren einmal getestet und ich weiß noch, dass ich ihn als furchtbar unharmonisch in Erinnerung hatte, scharf, aufdringlich, ein absolutes No-Go eben. Im Zustande meiner momentanen Ver(w)irrung besann ich mich darauf, einiges erneut zu testen – und stürzte mich so auch auf Royal Pavillon.

Die Etro-Seite ist momentan lahmgelegt, zumindest deren Parfumsektion, so kann ich Euch nicht einmal nach der Beschreibung zum Duft suchen. Darüber hinaus gibt das Netz ebenfalls nur äußerst widersprüchliches her, gerade auch in Bezug auf die Duftnoten: Die Kopfnoten werden als Jasmin, Ylang-Ylang, Rose, Veilchen und Mimose angegeben. Im Herzen trägt der Duft Vetiver, Sandelholz und Eichenmoos sowie in der Basis Vanille, Castoreum und Zibet – die Verteilung variiert immer mal wieder, darüber hinaus finden häufiger auch mal Gardenie und Tuberose Erwähnung.

Letztere rieche ich unbedingt aus diesem Duft heraus, der, soweit ich mich nebulös an den damaligen Pressetext erinnern kann, irgendeinem Wintergarten oder Gewächshaus gewidmet ist. Ein solches ist auch als Emblem auf seinem Etikett abgebildet: Ein großes, altes, ehrfurchtsvolles Gewächshaus, das mich ein wenig an eine Mischung aus dem Taj Mahal und eines historischen Gewächshauses erinnert wie zum Beispiel die im maurischen Stil gehaltenen Exotengewächshäusern unseres örtlichen Zoos, der Stuttgarter Wilhelma.

Jenes Maurische Landhaus in der Wilhelma strahlt eine ähnliche Atmosphäre aus wie Royal Pavillon: Die hohen Glaskuppeln des Anbaus, die Dämpfigkeit innerhalb der Räume und die wild wuchernden und überbordend üppig blühenden tropischen Gewächse (Zugegeben: Dazu muss man zur rechten Zeit kommen). Royal Pavillon, so harmlos immer wieder als „woody floral musk“ bezeichnet, schlägt einem im Auftakt bereits entgegen wie die Hitze in einem solchen überdachten Refugium: Weiße Blüten überall, flirrend und flirtend wie Sirenen, eingerahmt von ihren dunkelgrünen Wächtern – Vetiver, harsch, scharf, bitter. Lässt man sich von diesem infernalischen ambivalenten Auftritt nicht aus dem Konzept bringen und wagt es, den Fuß über die Schwelle zu setzen, erwartet einen hinter diesen Ranken ein cremig-zartes Blütenmeer auf einem Bett von Moos, gesäumt von einigen Gräsern. Träumend stehe ich in diesem Garten und genieße… und halluziniere noch ein wenig, denn, ich schwöre… es huschen schnell und federleicht immer wieder einige friedlich-süße Moschusziegen über das Feld.

Für mich der ideale Winterbegleiter in meiner momentanen Stimmung. Und ein Grund, sich die Etro-Düfte, von denen ich zwar dank einer glücklichen Fügung diverse mein Eigen nenne, nochmals genauer anzusehen. In letzter Zeit mag mir immer wieder scheinen, dass ich diese Linie ein wenig unterschätzt habe…

Liebe grüblerisch-schwelgende Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Wilhelma Maurisches Landhaus und Wilhelma Seitenansicht Maurisches Landhaus / Nachttierhaus, Pflanzenhaus Wilhelma ,Glashaus Wilhelma, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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