Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

PLASTIK, PLASTIK, PLASTIK oder Kunstleder versus Lederkunst

Geschrieben in Duft,Tabak & Rauchiges am 27.02.2012

Mir scheint, dass die Besprechung von Knize-Düften Lust auf Krawalliges macht, so ist mir nach dem Knize-Two-Exkurs vor einigen Tagen wieder nach etwas Modernem: Zum Glück habe ich noch ein Leckerli von Comme des Garçons aus der Series 6: Synthetic in der Hinterhand: „Skai“!

Spiral Black Plastic Pipe Texture

In der Firma Hornschuch mit ihrem Firmensitz in der Nähe von Heilbronn entsteht seit Mitte der 1950er Jahre unter anderem das skai-Kunstleder, nach dem dieser Duft benannt ist. Vor allem im industriellen Bereich wird es für Oberflächen von Küchenmöbeln, Polstermaterialien, Fahrzeuginnenräumen sowie Tür- und Fensterfolien verwendet.

Genau dies wird auch im Produkttext von Comme des Garçons angekündigt. Skai soll nach Vinyl-Kunstleder riechen wie es für Möbel, Taschen, Autos und Dämmung benutzt wird, mit einem klaren Hinweis auf die 70er Jahre. Also eine höchst künstlich riechende Angelegenheit – nach dem Werkstattduft „Garage“ vom letzten Mal erwarte ich wieder einen Konzeptkracher vom Feinsten

Plastic Grapefruit Macros November 12, 201017

Ganz großartig ist dieser Duft! Ein frischer Auftakt, der der Grapefruit und dem Kardamom geschuldet ist, wird von einem verschmorten Stück Kohle abgelöst. Schauderhaft künstlich, diese nach billigem Plastik riechende Mischung, bei der man fast intuitiv die Luft anhalten möchte, weil man gesundheitsgefährdende Ausdünstungen vermutet.

Sandelholz und Wildleder wurden noch angegeben, wobei diese durch die Kohle stark verfremdet werden. Die eigentlich jeweils für sich natürlich riechenden Duftnoten werden von der Kohle unterlaufen, so dass man durch ein Wechselbad der Gefühle geht: Erst meint man ein Lagerfeuer zu riechen, schnell kommen aber die beißend-frischen Noten hinzu, die in diesem Zusammenhang giftige Dämpfe imitieren. Vielleicht so, als habe man einen Autoreifen angezündet. Vertraute „natürliche“ Assoziationen befinden sich in ständigem Kampf mit den künstlichen.

Smoking

Hatte ich „Garage“ noch dem einen oder anderen Biker und/oder Schrauber empfohlen, ist hier dann wirklich Schluss mit lustig. Zu stark sind die Assoziationen zu den viel beschworenen Weichmachern in billigen Plastikprodukten, den Lösungsmitteldämpfen und dem eigentümlichen Geruch, wenn Plastik heiß wird. In alten Wohnwagen riecht es so im Hochsommer, oder wenn sich die Armaturen in einem älteren Auto stark erhitzt haben.

2012-01-22_Pamplemousse-grille-au-miel

Ja oder sagen wir eine angeschmorte Grapefruit trifft auf verbrannten Reifen trifft auf eine alte Plastikverkleidung trifft auf… was meint Ihr?

Allen Wagemutigen und Neugierigen sei dieser Duft wie auch sein Vorgänger kokelnd warm ans Herz gelegt. Das macht Lust auf mehr :-)

Ganz viele Grüße von
Harmen

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Von der Liebe – MariaLux die Zweite.

Gestern hatte ich bereits mit Truly, dem ersten Duft des Trios begonnen, das die Künstlerin Lilian Driessen unter dem Namen MariaLux, ihres Alter Egos, letztes Jahr lancierte. Heute möchte ich Euch die anderen beiden Düfte vorstellen, Madly und Deeply. Madly steht für die „verborgene Liebe, die Liebe der Geliebten“, während Deeply Abgründe der Liebe auslotet – für die „schmerzvolle, tiefgründige Liebe“ stehend.

Madly… assoziiere ich im Zusammenhang mit der Liebe als Verrückt-Sein, Verrückt-Nacheinander-Sein. Leidenschaft, auch sexueller Natur. Anziehung, geistige, körperliche, seelische. Wen wundert also, dass Madly von samtener Wärme ist, und das bereits von Anfang an: Pulverig-pudrig warm und gefühlvoll offeriert er einen dichten olfaktorischen Teppich, dessen einzelne Ingredienzen einen vor ein Rätsel stellen – irgendwo da drinnen vermute ich Weißblüher, etwas narkotisierend, vermutlich Tuberose, fein verwoben in hellen Harzen und anfänglich von etwas würzig-krautigem wie beispielsweise Angelika eingeleutet. Und dann finden sich da noch Tabaknoten, ähnlich sinister-süße wie in Serge Lutens’ Fumerie Turque, die in cremig-skinnigen Anklängen baden.

Ich könnte mir vorstellen, dass Madly Frauen gefällt, die durchaus auf der Suche nach etwas Hautnahmen sind, dabei aber kokett-verführerische Vorwitzigkeit mögen – Fifi Chachnil wäre der Kandidat, der mir einfallen würde, müsste ich geistige Verwandte benennen.

Deeply allerdings tendiert in eine ganz andere Richtung, wie ich bereits in unserem Shop schrieb und mich an dieser Stelle gleich selbst zitiere:

„Deeply ist – ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis der Liebe, ein Bekenntnis der Leidenschaft. „Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“, das wusste schon Friedrich Nietzsches Zarathustra – und die Liebe, sie sucht nichts anderes. Deeply vereinigt, verschmelzt – Ambra und Zimt, eine Amour Fou, die mit ihrem lichterlohen Feuer alles hell erstrahlen lässt. Würzig und von scharfer Süße, gourmandig, skinnig, lieblich und kokett, von fruchtigen Anklängen, der Ahnung eines Apfels begleitet und harzig anmutend leuchtet Deeply alle Facetten der Leidenschaft aus und vermag damit zu betören.“

Dass diese Form der Liebe ihre schmerzhaften Seiten hat, ihre Untiefen, dass der Grund bei dieser Art unsicher ist – das glaube ich gleich: Deeply ist loderndes Feuer der Leidenschaft, eine Harzexplosion der ganz besonderen Sorte: Ambra und Zimt als glühendes Liebespaar in inniger Umarmung, würzig, charaktervoll, harzig und scharf-sexy-süß. Karamell-holzige Anklänge gerösteter Natur strömen meiner Nase entgegen, die mich an eine dicke, krosse Glasur erinnern, die Glasur eines – … Bratapfelkuchens, der sich an einer Ecke süß-verkokelt zeigt. Hat sich da wohl ein bisschen Oud hinein verirrt?

Ihr wollt Vergleiche? Deeply riecht für mich wie das Kind einer heißblütigen Liaison von Nasomattos Black Afgano und Hermès’ Ambre Narguile aus der Hermessence-Kollektion – und ist damit mächtig und unbedingt habenswert.

Habt Ihr schon getestet? Was gefällt, was nicht, ist eine (neue) Liebe dabei?

Ich bin gespannt!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: MariaLux; MADLY: Oh lover, make me yours again / DEEPLY: Pain & Pleasure, Faith & Fear.

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MariaLux…
Duftverzeichnis L – Z
Gralssuche die Zweite…


Königliches – Royal Crown die Zweite.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Tabak & Rauchiges am 26.01.2012

Die Nase königlich erhoben, werde ich mich heute für Euch erneut der Royal Crown-Kollektion widmen, mit deren Rezension ich gestern bereits begonnen habe. Heute auf dem Programm: Poudre de Fleurs und Tabac Royal.

Poudre de Fleurs kündigt sich an als „Inkarnation der absoluten Sinnlichkeit“, die sich in einem opulenten Blütenbouquet manifestiert, den „Glamour“ und die Eleganz eines „kostbaren Juwels“ ausstrahlend. Ausgeprägte Weiblichkeit geht damit natürlich auch einher, das dürfte klar sein. Dann werde ich gleich ganz Frau – und sprühe mir Poudre de Fleurs auf den Arm…

Femininität wird hier – auf altmodische, aber durchaus anziehende Art und Weise aufgefasst, was man aus den Noten nicht auf den ersten Blick erkennen kann: Kopfnote: Neroli, Limette, Mandarinenblätter; Herznote: Rose, Jasmin, Gardenie; Basisnote: Vanille, Patchouli, Sandelholz.

Poudre de Fleurs ist, wie der Name schon verrät, überaus pudrig und mit einem ausdrucksvollen Blütenherz ausgestattet. Der Auftakt ist fruchtig, eher aldehydig, während die Basis vollmundig mit einem unschlagbaren Trio brilliert – Vanille, Patchouli und Sandelholz. Patchouli ist wie immer das Bindeglied, ein wenig harzig anmutenden haucht es dem Geschehen nachhaltig(e) Tiefe ein. Sandelholz wärmt auf die ihm genuine süß-würzig-holzige Art, während Vanille die pudrigen Akzente vertieft.

Poudre de Fleurs ist kein moderner Duft, aber nichtsdestotrotz eine Schönheit. Mich persönlich erinnert er ein wenig an die alten Chanel-Düfte, vor allem an No. 22 und No. 5.

Tabac Royal macht nun den Anfang der Männerriege und wartet mit folgenden Ingredienzen auf: Kopfnote: Zimt, Zitrone, Rosa Pfeffer; Herznote: Tabakblätter, Heliotrop, Vanille; Basisnote: Sandelholz, Tabak, Patchouli.

Eine interessante Mischung, die mich da, frisch aufgesprüht, im Näschen kitzelt: Pfeffrig und süß, würzig und scharf – Zimt und Pfeffer leisten ganze Arbeit, und das auf zugleich warme und ebenfalls frische Art. Für letzteres ist die Zitrusfrucht zuständig, die anfänglich das Geschehen erhellt, um sich alsbald dezent zurückzuziehen und den Weg freizumachen für die eigentlichen Protagonisten des Duftes: Vornehmlich Tabak, wie der Name schon sagt, samt diverser Lakaien, die seinen glanzvollen Auftritt nach Kräften unterstützen und so gut wie jede Facette ausleuchten, die man vom Tabak so kennen mag. Weich-cremige Vanille, von Heliotrop verstärkt und untermalt, Sandel holzt süß-würzig vor sich, während Patchouli nachhaltig den Rücken stärkt.

Ein raumgreifender Tabakduft, das dürfte klar sein – für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Als Mann sollte man allerdings nicht vor süßer Wärme und warmer Süße zurückschrecken – sonst wird es hiermit nichts. Ansonsten ist Tabac Royal eine ganz veritable Wahl, vor allem, weil er im Gegensatz zu den wenigen Artverwandten – Tom Fords Tobacco Vanille, Odoris (leider eingestellter) Tabacco und Casamorati 1888 Bouquet Ideale – weniger süß, was dem einen oder anderen sicher entgegenkommen dürfte.

Wie steht Ihr denn zu Tabakdüften? Und, wenn Ihr Gefallen daran findet, welche habt Ihr in Eurem Repertoire? Hier bei mir steht natürlich Tabac Blond von Caron und besagter Odori-Duft, den ich sehr mag. Von Tom Fords süßem Honig-Vanille-Tabak gibt es ebenfalls ein kleines Fläschchen. Darüber hinaus wäre noch Feuilles de Tabac von Miller Harris zu nennen, einer meiner Uralt-Lieblinge und einer der wenigen Düfte, von dem ich in der Tat schon fast zwei ganze Flaschen verbraucht habe, da er lange für mich ein absoluter Immergeher war. Und bei Euch, was steht da so rum, was ist in Benutzung?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Milton H. Greene: Marilyn Monroe – Promotional photograph for the 1957 film “The Prince and the Showgirl”, The smoker’s promenade (New York: Published by Currier & Ives, 1876), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Royal Crown…
Royal Crown die Dritte.
Duftverzeichnis L – Z


Knize Sec und Knize Ten – zwei ungleiche Brüder

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Leder,Tabak & Rauchiges am 16.01.2012

Bereits im März 2010 schrieb Uli über diverse Lederdüfte, unter denen auch Knizes legendärer Duft “Ten” zu finden war. Dieser Duft harrt schon lange in meiner Probensammlung aus, um heute endlich einmal getestet zu werden. Aber der Duft, der heute eigentlich im Rampenlicht steht, ist “Sec“.

Zuerst möchte ich mir ein Bild von “Ten” machen, welcher nach der “+10″, dem besten Handicap im Polo-Sport benannt wurde. Ich bin sehr erstaunt, wie extrem dieser Duft von anderen wahrgenommen wird, manche sprechen von Scheuermitteln oder Aschenbecher…ich habe einen sehr viel runderen Eindruck: Kurz nach dem Aufsprühen zeigen sich die zitrischen Noten kurz aber heftig – ich würde hier fast auf eine kräftige Orange tippen, um daraufhin, wohlgesittet in den Hintergrund zu treten. Die vertretenen Hölzer sind deutlich vorhanden und dominieren den Duft im Herzen und werden von leicht floralen Noten – hier nehme ich die Rose wahr – und würzigen Noten gesäumt. Ich hätte fast geschrieben, dass ich das Leder hier gar nicht herausbekomme. Aber etwas Geduld ist gefragt. Man muss der Basis durchaus einige Zeit geben, um die Lederassoziation zu entwickeln, kein Lederkracher à la TauersLonestar Memories“, sehr viel subtiler. Ein weicher, zurückhaltender Lederduft, der vermutlich von Vanille, Ambra und Moschus seine Weichheit bezieht. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: der gesamte Duft ist sehr kultiviert, nichts Lautes oder Aufdringliches ist zu vernehmen. Mir sind ja mittlerweile so einige Herrendüfte im Zeichen des britischen Understatements untergekommen. Dieser gehört auch dazu, besitzt aber eine wärmere Seele und ein nicht ganz so aristokratisches Auftreten. Ich bin wirklich begeistert und merke ihn mir definitiv für einen Kauf vor. Übrigens unbedingt auf der Haut testen!

Nun aber endlich zu Knize “Sec”, der nach diesem Glanzlicht einen wirklich schweren Stand haben müsste. Aber auch hier bin ich sofort begeistert. Willkommen zurück in der Lavendelserie! Kräftige zitrische Noten verbinden sich mit einem wirklich krautig daherkommenden Lavendel, der mich vielleicht durch die Salbeinoten stark an Patchouli erinnert. Ich kann mir nicht helfen, es muss definitiv noch Weihrauch genannt werden und vielleicht fehlt ebenso einfach auch der Patchouli in den Noten. Im direkten Vergleich nimmt sich “Sec” als geradeaus, wild, ungestüm und trocken aus, eine klare Ansage, wo sich doch “Ten” sehr viel kultivierter zeigt. Ich mag ihn aber trotzdem und möchte ihn allen Weihrauch-Fans wärmstens ans Herz legen. “Ten” hätte ich eher in die Männerkiste gesteckt, wogegen “Sec” durchaus für diejenigen Damen geeignet ist, die auch nicht vor Comme des GarçonsWeihrauch-Serie zurückschrecken, im Gegenteil, diese sollten bei “Sec” unbedingt einmal hineinschnuppern.

Die Duftnoten: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Salbei, Lavendel; Basisnote: Hölzer, Weißer Moschus

Ich bin sehr angenehm überrascht über die beiden Knize-Düfte und werde auch hier dranbleiben. Ich denke ein weiteres Stöbern sollte sich in jedem Fall lohnen.
Was meint Ihr zu den beiden? Diskutiert Ihr auch so kontrovers wie man in vielen Foren nachlesen kann?

Duftend grüßt Euch
Harmen

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Die Vergessenen: Montale, Goutal, Jourquin & Zolty.

Meine Schubladen quillen über. Die letzten Monate kamen viele, viele Düfte auf den Markt, wie jedes Jahr in der Herbst/Wintersaison. Nach meinem Empfinden waren es aber dieses Jahr mehr als sonst. Und ich hinke mal wieder schwer hinterher, wie sollte es auch sonst sein. Deshalb kurz und knackig heute und auch in nächster Zeit mal wieder ein paar der (zu Unrecht) Vergessenen.

Montales Dark Purple – … ähnelt auf den ersten Riecher Montales Aoud Rose Petals. Und auch auf den zweiten lässt sich hier eine Bekanntschaft herstellen: Beide sind kühler, sehr kühler Natur. Während Aoud Rose Petals mit Rose und Oud (was sonst) auf Teakholz brilliert, findet sich hier ein Früchtestilleben – Pflaume, Blutorange und Beeren – vornehmlich in allen Rotnuancen leuchtender Früchte, von mit minzigem Geranium gestützten Rosen umrankt, auf einer leicht angewärmten Teakholzplatte.

Annick Goutal Mon Parfum Chérie par Camille – Die Ingredienzen verraten hier wenig über die Heftigkeit des Duftes (Kopfnote: Patchouli, Pflaume; Herznote: Heliotrop, Veilchen, Iris; Basisnote: Patchouli, Gewürze)… Wäre interessant, Camille Goutal, die den Duft ihrer Mutter gewidmet hat (die ihr seiner Zeit die wunderschöne Mädchenbirne Petite Chérie widmete), zu ihrem Verhältnis zu befragen sowie zu ihrem Mutterbild. Mon Parfum Chérie ist ein ziemlicher Kracher: Heftig viel Patchouli, erdig, aber staubtrocken und somit in Verbindung mit Veilchen und Iris eine pudrige Skinnote bildend, die Lippenstiftcharakter an den Tag legt. Überhaupt erinnert der Duft zusammen mit der fruchtigen Herbheit der Pflaume an eine kräftigere und chyprierte Variante von Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889. Mon Parfum Chérie ist aber die finstere Schwester, würde ich sagen. Was noch dunkler ist als das traditionelle Etablissement in Paris? Die Ledernoten, die Mon Parfum Chérie in der Basis samt einer bitteren Würzigkeit an den Tag legt. Gegen diese Reitgerten-Lady haben die unschuldigen Tanzmädchen im Moulin Rouge keine Chance.

David Jourquin ist ein neues Label – und ausnahmsweise mal ausschließlich für die Herrenwelt. Cuir Mandarine Jour pour Homme und Cuir Tabac Soir pour Homme heißen sie, die beiden Lederknaben, und sind, wie der Name schon verheißt, ein gut durchdachtes Duo für den ganzen Tag. Cuir Mandarine hätte, wie mir sofort klar wird, eigentlich Cuir Lavendel heißen sollen und wäre insofern etwas für Harmens Lavendel-Serie gewesen. Ob er ihm wohl gefallen würde, meinem Mitschreiberling? Ich glaube schon: Würziger Lavendel in der ihm üblichen eleganten Strenge, sehr klassisch ausgeprägt, aber von Mandarine fruchtig aufgelockert. Tabak begleitet aromatisch, während sich das Geschehen holzig auf glattem Leder räkelt. Ein cooler, dynamischer und eleganter Businessmann – ob der sich wohl abends auch aus dem Anzug schält? Nein. Tut er nicht. Er lässt die sportliche Mandarine weg und wirft sich würziger, aromatischer und ein bisschen erotischer, aber immer noch im Anzug (Wiederspricht sich das? Nein.) ins Nachtleben. Das Leder hier immer noch glatt, aber wärmer, facettierter, dominanter. Ein schönes Duo, wirklich – für den richtigen Mann. Für Frauen meines Erachtens nach weniger geeignet – ähnlich wie bei Knizes Ten (der in diesem Zusammenhang mein Lieblingsbeispiel ist) sind die beiden Düfte unverkennbar maskulin, ohne allerdings den Mann-Mann raushängen zu lassen.

Kommen wir zu einem weiteren netten Herrn, dem ehemaligen Männermodel Jacques Zolty, der es sich schon seit längerer Zeit auf der Karibikinsel St. Barthélemy, kurz: St. Barth, bequem gemacht und der uns von dort aus mit hübschen Düften erfreut: À bientôt heißt er, der neueste Streich – ein fröhlich zugerufenes „Bis bald!“, dessen Einladung ich gerade zu gerne folgen würde, urlaubsreif wie ich mal wieder bin.

Nach dem ersten Test würde ich gerne noch schneller in Richtung karibische Inseln entfleuchen, denn der neue Zolty ist wirklich ein Leckerchen: Fröhlich-herbe Hesperiden prickeln zitrisch vor sich hin wie eine Champagnerbowle, von aromatischen Kräutern, säuerlicher schwarzer Johannisbeere und wässrig-floralen Akzenten begleitet. In der Basis grün-grasiger Vetiver, die Kräuterchen aufgreifend, ein weiß-sauber-strahlendes Zedernholzbettchen und wärmende Ambrasonnenstrahlen. Meine Lieben, so lässt es sich leben!

In diesem Sinne – bis morgen, Euch allen einen schönen Tag!

Liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: Pears and Plums 3 von MichaelaW, Moulin Rouge von Andreas Praefcke, Shell Beach St. Barts von Nolangaskill, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Viele kleine Italiener – Visconti die Dritte.

Heute geht es wie versprochen weiter mit Visconti – und selbst nach dem heutigen Tag werden wir mit dem Thema noch nicht abgeschlossen haben. Zu viele Düfte sind es einfach, und mich überrascht die Qualität dieser großen Kollektion sehr. Für gewöhnlich stimmt mich das immer ein wenig argwöhnisch, wenn eine Kollektion, von der ich noch nichts gehört habe, so viele Düfte hat oder gar mit so vielen Düften auf den Markt kommt. Hier aber habe ich dieser Tage schon einiges gerochen, das es mir durchaus angetan hat – und damit geht es munter weiter…

Akaba ist mein erster Kandidat, und lässt mich sofort schmunzeln: Eine echtes Unikat, eine Perle, das riecht man gleich. Und so eigenwillig und einzigartig, dass der Duft dafür sogleich einen Stein in meinem Brett einheimst. Was rieche ich auf den ersten Schnupperer? Trockenes würziges Heu, süßen aromatisierten Pfeifentabak mit Vanille und Lakritze. Drum herum holzt es noch ein wenig, Oud raucht außerordentlich zivilisiert vor sich hin im Hintergrund und Patchouli haucht Erdung ein. Aber im Grunde bleibt sich der Duft seinen Verlauf über treu. Und präsentiert eine so feine Mischung, dass es für Männlein und Weiblein mit Lakritzaffinität und Tabakleidenschaft eine wahre Freude sein dürfte.

Ein exzellenter Einstieg – und weiter geht es mit Rose Sauvage: Was steigt mir da in die holde Nase? Raumgreifend, ein wenig aldehydisch und mit Mandarine versehen, enthüllt sich hier ein gar meisterlich arrangiertes Blütenbouquet. Opulenter Jasmin, erdig-samtig-pudrige Iris und eine Mischung aus Rose, Patchouli sowie Tonka und Vanille, die mich sehr an einen meiner liebsten Düfte erinnert – Juliette has a Guns Lady Vengeance. Und überhaupt erinnert mich Rose Sauvage an eine gelungene Hochzeit zweier meiner absoluten Favoriten – besagte Rachegöttin sowie Iris Poudre, die ebenfalls Übermenschliche. Florale Frische in einer eigenartigen angewärmten Form, wie in Seide und Kaschmir gehüllt. Und zu allem Überfluss noch eine winzige Spur Tuberose. Ich bin hin und weg.

Rose Suprême, die zweite Rose, zeigt sich für mich auf meiner Haut deutlich chypriert. An eine Rose im Moos muss ich denken, eine zarte, im Halbschatten – das ist das Bild, dass ich zum Duft vor Augen habe. Eine luzide Rose, mit cremig-erdigem Veilchen und samtiger Iris im Gefolge, von herb-frischer Bergamotte beschienen und von Vetiver moosig-grasig umrankt.

Fleur de Nuit weckt vielfältige Assoziationen: Die Blume der Nacht lässt mich sofort an Nachtschwärmer denken, an Baudelaires Werk Les Fleurs du Mal und seinen vielbeschworenen dandyesken Flaneur, der beobachtend durch die Straßen zieht, … hach. Und der Duft enttäuscht nicht: Trocken, warm, süß, scharf und pfeffrig brodelt einem der Auftakt entgegen, und auf eine angenehme Weise animalisch. Sehr eigen- und überaus einzigartig, wobei gleichermaßen absolut tragbar. Nelke? Muskat? Piment? Pfeffer? Gemischt? Dazu kommen noch Rose und Jasmin, jetzt juckt es mich aber und ich wage einen Blick auf die Ingredienzen: Kopfnote: Peperoni (Chili), Muskatnuss, Mandarine, Bergamotte; Herznote: Jasmin, Türkische Rose, Nelke, Anis; Basisnote: Adlerholz (Oud), Sandelholz, Benzoeharz, Vanille, Honig, Moschus, Patchouli, Vetiver, Ambra.

Chili pfeffert also mit Muskat am Anfang und stiftet diese trockene Schärfe, die alsbald ambriert harzig wirkt. Oud hüllt rauchig-holzig-harzig ein, während Vanille cremig-süß untermalt. Harzige Hölzer dominieren den Verlauf, in enger Umarmung mit dem honigverzierten Blütenduo, während der anfänglich trocken-scharfe Unterton den ganzen Duft über bestehen bleibt.

So etwas, meine Lieben, habe ich so noch nicht, vermutlich noch nie gerochen. Das hier hätte auch von Lutens sein können – und zwar vom alten, der noch mit jedem Duft einen echten Knaller produzierte. Denkt bitte an Klassiker wie Chergui – Fleur de Nuit ist meines Erachtens nach durchaus vergleichbar.

Damit möchte ich die Visconti-Serie erstmal abschließen – vorübergehend. Denn jetzt, nach ein paar Testtagen, bin ich doch so überzeugt dass ich Euch auch irgendwann mal in naher Zukunft den Rest der Kollektion vorstellen werde.

Wie sieht es aus, habt Ihr schon getestet? Eure Meinungen?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Michel Gobin (nach 1681): Junger Mann mit Pfeife, Pink Rose von Socyo/Bruno Sersocima, Chili von hejboel/Henrik Jensen, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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In 80 Tagen…
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LM Parfums – die Zweite.

Geschrieben in Duft,Leder,Reines und Pudriges,Tabak & Rauchiges am 4.11.2011

Drei von vier Düften aus der LM Parfums-Kollektion stehen noch aus – die möchte ich Euch heute vorstellen, beginnend mit O des Soupirs.

Ein nettes Wortspiel, das diesen Duft hier ziert, „soupir“ heißt nämlich Seufzer und „O“ steht hier demgemäß für „eau“, das Wasser, als auch für den Ausspruch oder eher Lautäußerung:

„Peony petals peek hemmed purple with a sigh and whisper its secrets … ballet rose gardens mixed with hawthorn impish, innocent to the orange blossom and subtle blue heliotrope. Languorous fragrance that abandons the banks where grows the water lilies and purple hyacinths.“

Ein pudriger Traum, würde ich sagen: Heliotrop ist raumgreifend erkennbar und pudert mandelig vor sich hin, von wässrigen Blüten untermalt. Hagedorn, der in Düften nicht sehr häufige, stiftet herb-bitter-krautige Aspekte, von golden-honighaft-fruchtsüß anmutender Orangenblüte sanft abgemildert, während Rose dem Duft minzige Frische einhaucht.

Nicht unbedingt etwas für Männer, die Damenwelt darf dafür genauer hinsehen: Wer pudrige Düfte liebt und darin florale Akzente schätzt, der wird hier um einen Test nicht herumkommen. Die Zutaten für diesen Hautschmeichler: Kopfnote: Rose, Weißdorn, Hyazinthe; Herznote: Nymphaea (Seerose), Pfingstrose, Orangenblüte; Basisnote: Heliotrop, Weißer Moschus.

Welche beiden Ingredienzen fehlen jetzt noch? Richtig – Patchouli und Ambra, jedem von ihnen ein Duft gewidmet.

„The Patchouly Bohème, sensual and insolent dressed in precious woods, spices intoxicating … It sows confusion, mystery, we hugged its wake profound and haunting, like a play of shadows and light with hints of leather, tobacco, resin tolu and tonka bean.“

Bohème, aha, man grenzt sich also ab – intellektuell möchte man sein (und natürlich auch wirken), und richtet sich natürlich in irgendeiner Form gegen den Mainstream. Nun – einen Patchouli-Duft in einer solch überschaubaren Linie ist jetzt nicht wirklich eine neue Idee geschweige denn Nische, dieses nette Kleinod hebt sich trotzdem wohltuend von der Flut der Patchouli-Kandidaten ab: Anfänglich minzig-kampherartigen Auftakts schält sich alsbald unser lieber Gruftifreund heraus, ein erdig-süßer, verhalten modrig-feuchter Patchouli, der in seinem Herzen eine ganz besondere Leidenschaft offenbart – Tabak. Süße Tabakblätter, die trockene Würze generieren, wildledrig eingerahmt, von Harzen samtig-süß untermalt und von einer Prise Vanille abgerundet.

Alte Zutat, neuer Twist – mit Hilfe von Folgendem sehr nett umgesetzt: Kopfnote: Geraniumblätter, Hölzer; Herznote: Patchouli, Virginia-Tabak, Leder; Basisnote: Moschus, Tolubalsam, Tonkabohne.

Ambre Muscadin weiß ebenfalls zu überraschen:

„The opulence of the atlas cedar adorned with mystery. A bold violet, a charmer vetyver rise up its natural elegance. White honey, lascivious vanilla, highlights its facets flesh and velvety. Then Amber reveals its heart of a sensuous mosaic cryptic, balsamic radiates the charms of the Orient…“

Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie enttäuscht ich war, als ich Serge Lutens’ Muscs Koublaï Khän erneut testen durfte, als er in der Exportlinie nach Deutschland kam: Kein Tier – so lässt sich meine Bitterkeit auf den Punkt bringen. Wo war sie, die Bergziege, die ich hier in Erinnerung hatte? Das Animalische fehlte mir in diesem Moschus, der sich auf meiner Haut wie ein zahmes weiches und weißes Wölkchen gerierte. Ambre Muscadin ist nun ungefähr das, was ich mir unter Lutens’ Duft vorgestellt habe: Deliziöse Moschusweichheit mit pudriger Vanille von samtener Opulenz. Holzig-strenge Zeder, likörig-sähmige Honigsüße und, da, mittendrin – ein Tier. Mindestens eines. Ein wenig Holzfeuer im Hintergrund, glimmende Harze… doch, hier kann man durchaus verweilen, meine Lieben!

Habt Ihr denn schon getestet?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Paul Gustave Fischer (1916): The Bathers, Nubian Ibex in Negev von Little Savage, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von LM Parfums in unserem Shop.

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Echte Kerle: Caracenis Maßanzug aus Eau de Toilette

Nach unserem Ausflug in die Liga der Eliteunis mit Ivy League geht es heute mit dem “Eau de Toilette” und Signaturduft aus dem Hause Domenico Caraceni weiter. Angekündigt wird der Duft als klassisch, an Chypredüfte erinnernd, was mich etwas vorsichtig werden lässt, denn bei diesen bin ich gelinde gesagt schwierig. Zu oft überwiegen die Altherren-Assoziationen. Aber nichtsdestoweniger – hinein ins geschneiderte Vergnügen!

Dorothy McGuire and Gregory Peck in Gentleman's Agreement trailer

Petitgrain gibt dem Duft einen zitrisch-herben Auftakt und wird doch rasch von der Rose abgelöst, die den Duft dominiert. Ein Rosenduft für Herren, geht das? …mag man sich da fragen. Es geht und das sogar sehr gut, und weiblich im herkömmlichen Sinne wirkt er auch nicht. Dies liegt vor allem an den herb-frischen, manchmal ins Minzige gehenden Noten, die im Auftakt durch Petitgrain, im Herzen durch Bitterorange und in der Basis mit Zypresse stets vorhanden sind. Tabak und Weihrauch tun ihr Übriges dazu, wobei gerade der Weihrauch doch vor allem in der Langzeitwirkung wahrnehmbar wird und dem Duft rauchige Eigenschaften mitgibt.

Chukovsky by Repin

Ein wirklich außergewöhnlicher Duft und meines Erachtens nichts für den Alltag. Ich denke hier eher an einen festlichen Anlass: Mann trägt Anzug und Krawatte, im besten Falle natürlich einen maßgeschneiderten Caraceni und es handelt sich um gesittete Feierlichkeiten. ;-)

Das Eau de Toilette von Caraceni ist mit seinen Rosenanteilen natürlich kein jubeljunger Duft, das ist klar. Durch die frischen Noten und die rauchige Basis werden ihm allerdings auch die vermeintlich altmodischen Seiten genommen, so dass ein zwischen Tradition und Moderne austarierter Duft entsteht. Ich bin ein wenig über mich selbst überrascht, wie gut er mir gefällt – im Übrigen halte ich ihn für sehr viel spannender als Ivy League. Ich werde mir den Duft für die nächste Gelegenheit aufheben, bei der ein feiner Zwirn vonnöten ist – vielleicht eine Hochzeit?

„Il faut neuf tailleurs pour faire un homme”, sagt ein bretonisches Sprichwort – Man braucht neun Schneider, um einen Mann zu machen. Nachdem wir nun Caraceni und seine Düfte kennengelernt haben können wir getrost bei einem guten Schneider bleiben und wenn dieser auch noch gute Düfte macht, ist der Mann komplett oder vielleicht sogar perfekt.

Viele maßgeschneiderte Grüße von
Harmen

PS: Die vollständigen Duftnoten: Kopfnote: Petitgrain, Styraxharz, Geranium; Herznote: Neroli, Bitterorange, Rose, Tabak; Basisnote: Zypresse, Weihrauch

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Die Düfte, die aus der Apotheke kamen.

Farmacia SS. Annunziata trudelten neulich bei uns im Shop ein – und da ich mir ohnehin schon länger einmal vorgenommen hatte, mir diese Düftchen ausführlicher unter die Lupe, vielmehr: Nase zu nehmen, werde ich das jetzt als Anlass werten.

Die Geschichte des florentinischen Unternehmens geht lange zurück, die Marke gilt als eine der ältesten in Italien: Das Jahr 1561 kann als Geburtsstunde gelten, als der Kräuterspezialist und Chemiker Domenico di Vincenzo di Domenico Brunetti, seinen Laden in den jetzigen Räumlichkeiten eröffnet, wo bereits zuvor Benediktinernonnen des Ordens San Nicolo ein ähnliches Geschäft betrieben. Die Apotheke wechselte in den Wirren der Zeit immer wieder ihre Besitzer, bis sie letztendlich von der Familie Azzerlini erworben wurde, die die Marke nun schon seit drei Generationen als Familienbetrieb führt.

Toll sieht es wohl in dem Geschäft direkt vor Ort in Florenz aus, da die alte Einrichtung noch vorhanden ist – sollte es Euch also einmal in die Nähe verschlagen, stattet der alten Apotheke ruhig einmal einen Besuch ab.

Das Portfolio der Düfte ist relativ breit, deshalb werden sie mich und somit auch Euch die komplette Woche begleiten. Beginnen möchte ich heute mit den meines Erachtens nach bekanntesten Kreationen des Hauses, mit Ambra Nera, Vaniglia del Madagascar und Patchouly Indonesiano.

Für eine jede italienische Duftkollektion ist er unerlässlich, man braucht ihn, keine Frage – den Ambra-Duft. Von ihm ist hier die Rede, selbstverständlich. Traditionell hat man es im Hause Farmacia angepackt, das Thema: Ein kraftstrotzender Geselle ist es geworden, mächtig, potent. Einer, der seinen Freunden von Mazzolari oder Profumum in nichts nachsteht. Eukalyptus in der Kopfnote sorgt, wie schon in Odoris Tabacco, für einen überraschend kühlen Kopf als Kontrast zu dem überbordend emotionalen und leidenschaftlichen Herz: Benzoe und dunkle Ambra gehen eine harzig-süße und dezent rauchige, weil ziemlich feurige Liaison ein, gebettet auf einem würzigen Lager weicher Vanillecreme. Kontrastiert wird diese sehr passende, nach dem Motto: „Gleich zu gleich gesellt sich gern“ verfahrende Liebesgeschichte von holzig-sauberem, gestrengem Zedernholz sowie Patchouli und Vetiver in der Basis, die dem Ganzen erdige Bodenhaftung verleihen, die rauchigen Aspekte untermalend.

Ambra Nera erfindet den Ambra-Duft nicht neu, das kann man nicht behaupten. Das allerdings ändert nichts an dem Fakt, dass Ambra Nera ein schöner, hervorragend ausbalancierter und toll umgesetzter Vertreter seiner Gattung ist, was ihm sicherlich viele Freunde bescheren wird – zu Recht.

Vaniglia del Madagascar hört ebenfalls auf einen recht unprätentiösen, schlichten Namen, der auch diesem Duft nicht wirklich gerecht wird. Der Vanille huldigt er und möchte scheinbar jeden für diese früher so kostbare Ingredienz gewinnen – ein Anliegen, das er durchaus erfolgreich erfüllen könnte. Soweit ich das sehe gilt er als einer der erfolgreichsten Düfte der Kollektion – ich kann es verstehen, und das obgleich ich, wie einige Leser wissen werden, kein ausgesprochener Vanille-Fan bin.

Im Auftakt zeigt er sich begleitet von einem zitrisch-prickelnden Hauch mediterraner Lebensfreude, um der geneigten Nase in Folge all jene Facetten zu offerieren, die die Vanille so zu bieten hat und für die sie geliebt wird: Cremige Süße, Milchigkeit, Wärme, dezent orientalisch anmutende ambrierte Würze, karamellisierte Anklänge und zarte Orchideenblüten.

Ein schöner, unverstellter Duft, gourmandig, aber erwachsenen, nie quietschig und auf keinen Fall „too much“. Vanille-Liebhabern wird er ohnehin das Herz höher schlagen lassen, aber auch diejenigen, die normalerweise wie ich keine passionierten Fans sind, könnte Vaniglia gefallen: Ähnlich wie bei Goutals Vanille Exquise haben wir es hier mit einem schönen, aber sehr zivilisierten und nicht über die Maßen süßen Exemplar zu tun (dem allerdings der Goutalsche Rauch abgeht, das sei bemerkt).

Patchouly Indonesiano ist ein mehr als überzeugender Vertreter seiner Zunft: Erdige Süße mit einem Hauch Hippie-Moder, kräftige Blattwerkanmutungen und krautige Anklänge. Mit stolz geschwellter Brust präsentiert er sich und zelebriert sein Selbst, gekrönt von samtig-öligen Honiganleihen, die ein wenig an Mazzolaris Meisterwerk Patchouly erinnern.

Ein sehr netter Auftakt dieser neuen Kollektion – ich bin gespannt was die Woche noch so bringt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Farmacia SS. Annunziata, John Singer Sargent (1880): Smoke of Ambergris, Vanilla Planifolia, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Farmacia SS. Annunziata in unserem Shop.

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Carner Barcelona…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Hesperiden,Tabak & Rauchiges am 22.07.2011

ist der Name eines neuen Labels, das vor nicht allzu langer Zeit am Firmament des Parfummarktes erschien.

Die Geschichte hinter der Firma ist schnell erzählt und ähnelt, neutral bemerkt, der von vielen solchen Unternehmen: Das Gesicht hinter Carner Barcelona ist Sara Carner, die schon seit frühester Kindheit duftverrückt war, was sich in ausufernder Sammelei von Parfumflakons und Duftkerzen äußerte sowie einem ausgeprägten Interesse an Düften. Nach einem Studium an der renommierten New Yorker Columbia University brach die Tochter eines Lederfabrikanten erstmal auf zu einer beruflichen Karriere im internationalen Kosmetikbusiness, wo sie mit den besten Köpfen der Branche arbeitete.

Die Erinnerung an eine behütete Kindheit in Spanien blieb, an die Menschen dort, an einzigartige Orte, Begegnungen, verknüpft mit Erinnerungen und natürlich – Düften. Damit wuchs nicht nur der Wunsch, zurückzukehren, sondern auch das Bedürfnis, die Leidenschaft für Düfte auszuleben und, verknüpft mit den beruflichen Erfahrungen, zur Profession zu machen, was Carner nach ihrer Rückkehr nach Barcelona auch prompt in die Tat umsetzte.

Tardes und D600 heißen sie, die beiden ersten Düfte von Carner Barcelona, die ich mir heute für Euch unter die Nase klemmen werde.

Tardes ist, soweit zu lesen ist, eine Hommage an das friedliche Landleben in Katalonien und an einen schönen Spätsommernachmittag: Von Weizenfeldern im mediterranen Sommer ist die Rede und von Mandelbäumen, von goldenen Sonnenstrahlen, einer sanften Brise und entspanntem Müßiggang, nachgezeichnet mit folgenden Zutaten: Kopfnote: Geranium, Bulgarische Rose, Rosenholz, Mandel; Herznote: Virginia-Zedernholz, Sellerie, Pflaume; Basisnote: Tonkabohne, Moschus, Heliotrop.

Im Auftakt überwiegen fruchtige Pflaumennoten, von minzig-rosiger Frische umweht, welche in einer riesigen Wolke luftig-leichten Mandelschaums überleiten. Eine samtig-cremige, dezent marzipanige weiche Wattewolke von Mandeln, die im Verlauf des Duftes immer mehr Amarettini-Charakter annimmt. Ich bin mir so sicher, dass es da draußen viele (Frauen) gibt, die Tardes dafür lieben werden. Ein deliziöser Gourmandduft von sehr gut ausbalancierter Süße, weder vorlaut noch aufdringlich, sondern reif und erwachsen.

D600 (woher kommt eigentlich dieser Name?) soll den urbanen Lifestyle der Metropole Barcelona einfangen, genauer: deren morgendliches Erwachen: Die exotischen Gerüchte des „Mercat de la Boqueria” in den historischen Markthallen im Herzen der Stadt mischen sich mit der belebenden Kühle des nahen Meeres. Sie strömen durch die geöffneten Fenster, während sich Las Ramblas, Barcelonas große Prachtallee, langsam füllt und die Stadt ihre mitreißende Melodie aus fröhlicher Betriebsamkeit und geschäftigem Treiben erklingen lässt. „Vibrant spicy“ soll der Duft sein, mit einem „touch of mystery“, einem geheimnisvollen Hauch.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Schwarzer Pfeffer, Bergamotte, Grapefruit; Herznote: Kardamom, lris, Jasmin; Basisnote: Virginia-Zedernholz, Vanille, Vetiver.

Der Duft von rauchigem Zedernholz weht einem bereits im Auftakt entgegen, von Pfeffer gewürzt und mit zitrischen Sprenklern versehen, die hin und wieder hervorblitzen. Cremige Vanille von subtiler Süße geht eine aufregende Liaison ein mit Rauch und Holz, von einem floral-erdigen Hintergrund begleitet.

Mich persönlich erinnert D600 an etwas – und zwar an eine sehr zivilisierte Variante von Annick Ménardos göttlichem Patchouli 24 sowie an Byredos Gypsy Water. Dem geneigten Leser dürfte klar sein, dass er damit bei mir bereits gewonnen hat. Wobei zu bemerken gilt, dass Teststreifen und Haut sehr differente Fokussierungen zeigen: Das Papier bringt die Hesperiden dominanter hervor, während auf meiner Haut eine herrliche rauchige Vanille erstrahlt.

Wie sieht es bei Euch aus, habt Ihr schon getestet, was sagt Eure Hautchemie?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Mandelblüte von Manfred Heyde, Menjablanc von Tabalot, View from Palau Nacional towards Plaça d’Espanya, Barcelona von Baikonur, alles via Wiki, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte Tardes und D600 von Carner Barcelona in unserem Shop.

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