Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Parfums für die lieben Kleinen…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Solifloral am 30.11.2011

… gibt es ja einige, und wie meine Erfahrung zeigt, sind es für gewöhnlich nicht mal die Schlechtesten, was Ihr an dieser Stelle als schwäbisches Kompliment werten dürft. Für den einen oder anderen Nichtschwaben, der mit unserer Gattung noch nicht in Berührung gekommen ist: Das höchste Kompliment eines Schwaben ist jenes, dass er schon Schlechteres gehabt, beispielsweise nach einem Essen, dass er schon Schlechteres gegessen habe. Die Kenntnis des schwäbischen Charmes ist eine unerlässliche Voraussetzung für menschliche Interaktion jeder Art mit uns, insofern seid Ihr ja jetzt gewappnet. Aber kehren wir wieder zurück zum Thema – Kinderdüfte.

Bulgari erfreut uns schon seit Jahren mit Petits et Mamans, seinem Duft für kleine Kinder und deren Mütter. Alkoholfrei und in der Anmutung pudrig, rein, unschuldig und kuschelig hat der Duft nicht wenige erwachsene Fans. Auch wenn ich nun als Kinderlose über keine praktische Erfahrung verfüge – mein Baby würde ich, denke ich, nicht unbedingt mit Düften einsprühen. Aber für kleine Mädchen und auch Buben finde ich das eigentlich eine zauberhafte Idee. Viele von uns dürften das ja auch kennen und in den Biographien von so gut wie jedem Parfumeur steht eine ähnliche Geschichte: Das Bestaunen der mütterlichen Parfums im zarten Alter samt dem unbedingten Bedürfnis, an diesen zu schnuppern, diese zu tragen.

Nobile 1942 überraschten mich auf der Messe vor zwei Jahren mit zwei Parfumsets für Kinder, einem für Mädchen und einem für Jungs. Alla Corte del Re genannt trägt das Mädchenset den Beinamen Rosa Incantevole und das für Jungen heißt Cedro Atlas. Ich weiß noch, wie begeistert ich damals von den jeweils drei Düften im Set war: Einfache, wenig komplexe, aber kindgerechte, freundliche Düfte zum Layern, was den lieben Kleinen sicher besonderen Spaß machen dürfte. Und dann war da noch dieser tolle Erdbeerduft in dem Set für Mädchen, der nur noch durch den „Cola“ benannten Duft bei den Jungs getoppt wurde: Der Name ist hier absolut Programm. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie das dem Parfumeur gelungen sein mag, Cola riecht aber wirklich nach Cola. Und macht somit unglaublich viel Spaß, weswegen ich den Duft sicher nicht nur kleinen Jungs ans Herz lege!

Überhaupt ist das doch ein wichtiger Aspekt an Parfums: Manchmal gibt es einfach Situationen, an denen man das Bedürfnis nach einem Duft hat, der einen einfach heiter, fröhlich, lustig stimmt. Und dann darf der Duft vielleicht auch etwas einfacher, kindlicher sein.

Ein Grund, weshalb mich Prudence Paris, deren Damendüfte ich letzte Woche vorgestellt hatte sowie gestern die Herren, mit ihren Kinderdüften vollkommen für sich einnehmen konnten: Mademoiselle heißen sie, die zwei Grazien, und sind den Mädchen gewidmet.

Mit dem einen Mademoiselle-Duft werde ich auf der Stelle selbst wieder zum Mädchen, und nicht nur das: Was mir da von Teststreifen und Handgelenk entgegenweht erfüllt mich augenblicklich mit Lebenslust und Freude, anders kann ich das nicht sagen. Beeren sind es, und zwar ein sehr deutlich wahrzunehmendes Trio aus Himbeere, Erdbeere und Brombeere. Bei meinen Eltern zu Hause gab es die immer mit einem Hauch Zucker bestäubt, manchmal Puderzucker, manchmal normaler Zucker. Den rieche ich hier auch, mit einer feinen Prise Vanille vermischt. Und ich rieche noch eine bitzelnde Kindheitserinnerung: Ahoi Brause, meine zweitliebste, nämlich Himbeere.

Was für ein schöner, kleiner Duft, denke ich – und habe mich gerade umentschieden: Das kleine Fläschchen, das hier vor mir steht, kann ich unmöglich an die Tochter meiner Freundin weiterverschenken. Zumindest nicht, ohne mir vorher ein kleines bisschen abgezweigt zu haben.

Mademoiselle die Zweite zeigt sich ähnlich bezaubernd: Saftige Mandarine und helle Rose in der Kopfnote, würzig-warmer Anis ohne Ouzoanklänge und überaus üppige Orangenblüten, fruchtig-floral und von einer herzigen Honigsüße, die von der pudrig-warmen Basis aus Vanille und Ambra gekonnt abgerundet werden.

Orangenblüte sollte man hier schon mögen, da sie eine zentrale Rolle spielt. Wer das tut, könnte mit jenem feinen Düftchen aber vielleicht einen Anwärter auf seinen Orangenblüten-Holy-Grail finden, den Mademoiselle weiß durchaus als ebensolcher zu überzeugen und wird somit auch viele erwachsene Mädchen verzücken.

Nun haben wir alle Prudence-Düfte besprochen, ich bin richtig stolz auf mich. Moment – nicht alle: Einen Haustierduft hat Madame Kilgour noch parat, der aromatherapeutisch wirken soll und mit Hilfe von Veterinärmedizinern entwickelt wurde. Und, ganz ehrlich? Nach dieser ganzen Kollektion würde ich den auch wahnsinnig gerne mal testen, zumal eine meiner Katzendamen auch ganz verrückt nach Düften ist…

In diesem Sinne gehe ich jetzt erst mal die Katzen bespielen und wünsche Euch einen schönen Tag -

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Canvas Baby Girl Polka Dot Shoes von Katerina Chuchuva, Berry Mix von Nicolas Raymond, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Da heute…


Prudence Paris Teil 2.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 23.11.2011

Diese Woche ist Prudence-Paris-Woche und heute klemme ich mir deshalb Duft No. 2, No. 3 und No. 4 für Euch unter die Nase.

Prudence No. 2 ist, wie ich bei uns im Shop schon geschrieben habe, eine Ode an die Rose, jene Blume der Liebe. Rosendüfte gibt es viele – dieses Argument ist durchaus stichhaltig und ein berechtigter Einwand. Allerdings ist die Rose eben nicht nur sehr beliebt, sondern bietet darüber hinaus auch etliche Facetten, die es auszuloten gilt. Mit No. 2 hat die Parfumeurin sich das zu Herzen genommen und einen kleinen, feinen Rosenduft kreiert, der sich auf eher leiseren Sohlen in die Herzen der einen oder anderen Dame schleichen wird.

Ein dichtes, volles Bouquet verschiedener Rosensorten, unter anderem Provence-Rose und Damaszener Rose, geben sich hier ein Stelldichein, schillernd und frisch die unterschiedlichen geruchlichen Seiten der Rose(n) abbildend: Frische, Fruchtigkeit, dezente Säuerlichkeit, pfefferminzige und auf meiner Haut auch himbeerige Anklänge. Luzidität, ätherische fast schon, von einem Blattgrünkrönchen geschmückt und herrlich von Sternanis kontrastiert.

Im Gegensatz zu normalem Anis empfinde ich den Geruch von Sternanis immer als zurückhaltender, komplexer und harmonischer. Anis erinnert mich in Düften, siehe zum Beispiel Etros Anice, immer sehr an Ouzo, einen der leider einzigen Exportschlager Griechenlands. Zum Essen – hervorragend, aber bitte nicht zu viel davon. Auf meiner Haut fühle ich mich mit derlei Düften immer so, als ob ich in ein Ouzofass gefallen wäre und rechne jederzeit damit, von der Polizei an- und aufgehalten zu werden. Die meisten Düfte, in denen Sternanis vertreten ist und die mir aus dem Stegreif einfallen wie Borsaris Mirra e Anice Stellato oder Byredos Fantastic Man, weisen Sternanis-Noten auf, die überhaupt nicht an den durchdringenden Duft von Anis erinnern, sondern eher süßlich-frisch und gleichzeitig warm-würzig aromatisch wirken. Und das, obgleich Sternanis und Anis – die im übrigen NICHT verwandt sind – eine ähnliche Zusammensetzung der ätherischen Öle aufweisen und deshalb ähnlich schmecken sowie riechen und wirklich für dieselben Zwecke verwendet werden.

Nun, in jedem Falle zeigt sich jener Magnolienverwandter in der No. 2 als perfekte Ergänzung zur Rose, deren weiche warme Basis aus Vanille und Ambra wunderbar abfedernd. Das Duo aus Rosen und Sternanis harmoniert exzellent und offeriert sanfte aromatische Frische und Wärme, die auf jener warmen Basis zur Ruhe kommt.

Mich erinnert der Duft immer ein bisschen an – ich weiß nicht, einen Raum, in dem etwas Handwerkliches betrieben wird. Eine Küche in einem alten Bauernhaus vielleicht, in der das Rosenwasser für die Konfektherstellung bereitsteht? Eine alte Apotheke, in der man auch Rosenblätter kaufen kann? Eine schöne Stube in einem alten Haus, in der Kosmetik selbst hergestellt wird? In diese Richtung gehen die Impressionen, die ich zur No. 2 im Kopf habe und die diesen friedvollen und freundlichen Duft für mich bebildern.

Prudence No. 3 bietet auch Rosenwasser, allerdings kann dieses hier nur in Kosmetik oder Haarpflege gelandet sein, denn der Duft entführt uns nach anfänglicher floraler Koketterie gleich ins Boudoir: Während der Auftakt von rosenrotem Rosenwasser, lilablassblauen Veilchen und von Blattgrün umranktem Jasmin geprägt ist, von Bergamottesternchen zart beleuchtet, findet man sich alsbald in ganz anderen Gefilden wieder. Ich fühle mich erinnert an das Umkleidezimmer eines großen Stars, vielleicht einer Sängerin, Tänzerin oder Schauspielerin, das über und über mit Blumengrüßen mehr oder minder schüchterner, aber unzähliger Verehrer gefüllt ist. Und natürlich einen Schminktisch beherbergt, auf dem sich Schminkutensilien wie kostbare Puderdosen mit riesigen Quasten und Lippenstifte in kraftvollen Farben türmen. Ganz großes Kino – für Fans pudriger Düfte, die Weißblüher nicht scheuen.

Prudence No. 4 verwirrt mich vollkommen: Ein weißblühendes Herz ist gelistet, Jasmin, Maiglöckchen, Magnolie sowie Veilchen, Nelke und Pflaume, frische Bergamotte im Kopf und Vanille in der Basis… und ich rieche permanent Melone beim Aufsprühen. Vielleicht habe ich schon zu viel Melone gelesen, in den Beschreibungen der anderen Düfte, die da noch kommen? Ich weiß es nicht, wußte es nicht, beim ersten, zweiten Mal. Mittlerweile, zig Tests später, bin ich schlauer: Die säuerlich-fruchtigen Bergamottesprenkler sind es, die zusammen mit wässriger Magnolienblüte meine Nase durcheinander brachten. Alsbald allerdings gesellt sich zu deren Düft ein überaus üppiger Jasmin süß-fruchtiger Natur, von frisch-sauberem Maiglöckchen begleitet und von würzig-ernster, ein wenig bitter-grüner Nelke kontrastiert. Fruchtig-herbe Noten kommen ins Spiel, eine noch nicht ausgereifte Pflaume, satt-fleischig und saftig. Und die Basis rundet mit würziger Vanillesüße ab, die den Anschein erweckt, als hätte sie sich auf einem Sandelholzstühlchen niedergelassen.

Morgen geht es weiter mit Prudence Paris – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Detailaufnahme einer Rose von Erixsen, Salt and Light von kslyesmith, Junge Dame im Boudoir (1829, Maler unbekannt), some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Solifloral am 10.11.2011

Orchidée Vanille ist die Nummer Drei unserer Collection Extraordinaire, die ich mir für Euch unter die Nase klemme, und wurde von Randa Hammami kreiert. Randa Hammami, eine Dame, war mir bisher nicht namentlich bekannt – nach kurzer Recherche offenbart sich, dass sie kein unbeschriebenes Blatt ist: Epic Man von Amouage geht auf ihr Konto, ebenso Cruel Gardenia, Garden Sensuel sowie L’Instant Magique für Guerlain. Gar nicht so viel, mit Orchidée Vanille katapultiert sich Madame aber sofort in den ewige Bestenliste der Vanille-Düfte – und wie wir ja wissen, allzu viele sind es nicht. Zu synthetisch, zu pappig, zu klebrig-süß sind viele Gesellen, erwachsene und vor allem auch komplexe Vanilledüfte sind eher seltener zu finden.

Indults Tihota ist einer davon, Goutals rauchige Vanille Exquise sowie Guerlains Spiritueuse Double Vanille und noch einige mehr – Orchidée Vanille gesellt sich sofort dazu.

Hammami fabriziert mit Vanille in ihrem an den Ursprung derselben, jene Orchidee erinnernden Duft ähnliches, wie Ellena für Hermès mit der Ingredienz Ambra in Ambre Narguile anstellte: Sie verwandelt eine olfaktorische Süßigkeit in Naschwerk für Erwachsene. Von der Blüte hat der Duft die Strahlkraft, das betörende Moment, seine Verführungskünste gehen aber hauptsächlich auf das Konto des gourmandigen Anstriches, den im Hammami gönnt. In ein Mandelkleid steckt sie die laszive Diva, einen seidigen Hauch Marzipans, von einem zarten Nebel Schokolade umhüllt. Orange und vor allem Litschi stiften eine Spur Fruchtigkeit, die sich perfekt mit der Rosenfrische im Herzen ergänzt, welche gekonnt die süße Wärme des Duftes ausbalanciert. Veilchen pudert und erdet ein wenig, während die Basis mit Tonkabohne, Moschus und Zedernholz das überaus warme, würzige Wesen des Duftes aufgreift.

Ausladend, die Vanille in all ihren Facetten auslotend: Cremig-milchig und würzig-süß, verfeinert mit allerfeinsten Zutaten. Wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft?

Lys Carmin, Duft Nummer Vier, ist eine Lilie – und keine alltägliche. Bei mir ist der Duft sofort in meinen Bestand gewandert, soviel sei schon einmal verraten.

Lilien in natura bereiten vielen Kopfschmerzen, bei Düften gibt es eigentlich vornehmlich zwei Varianten: Diejenigen, die eben diesen doch sehr eigenen und opulenten Lilienduft einfangen wie zum Beispiel Yosh Hans Stargazer , Frédéric Malles Lys Meditéranée oder Penhaligon’s Lily & Spice. Oder eben diejenigen, die klar, leuchtend, sauber daherkommen und eher zurückhaltender Natur sind – Serge Lutens’ Un Lys ist dafür ein Beispiel oder Annick Goutals Des Lys.

Nathalie Cetto, die Lys Carmin geschaffen hat, geht einen ganz anderen Weg: „The perfumer has not rendered the purity of the flower, neither its intoxicating aura, but the nectar that is floating on a surface of satinwood in a heavy fluidity“ – wie man bei Octavian Coifan lesen kann, und dem muss ich mich uneingeschränkt anschließen.

Lys Carmin fängt weder die Aura der riesigen Blüten ein, die einen gierig umgarnen und einem die Sinne betören. Auch ist nicht die holde, weiße Blume mit ihrem reinen Image das abzubildende Ziel. Eher ist es der Nektar, der heraustropft aus dem blühenden Wunder, den Feisthauer hier eingefangen hat: Schüchterne Lilie in eigenartiger Ambivalenz – luftige Frische mit wässrigen Anklängen und feinem Grün, denen eine holzige und würzige Wärme gegenübergesetzt wird. Dazu süße Zimt- und subtile Pfefferschärfe nebst honighaft-fruchtiger Ylang-Ylang-Süße, untermalt von milchig-pudriger Vanille.

Sinnlich und sehr besonders, gleichermaßen verführerisch, aber doch auf moderne Art feminin.

Mal schauen, was die restlichen beiden Düfte für uns noch bereithalten – diese folgen morgen.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Vanilla Planifolia von H. Zell, Lilium Gran Paradiso / Real Jardín Botánico de Madrid von Cillas, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

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Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.

Geschrieben in Duft,Solifloral am 9.11.2011

Muguet Blanc, der zweite Duft aus der Collection Extraordinaire aus dem Hause Van Cleef & Arpels, ist, wie es scheint, hochumstritten und wird kontrovers diskutiert: Ein Duft, der die Geister scheidet. Wieso? Dem möchte ich ein wenig auf den Grund gehen…

In Lena Brombachers Blog Olfactorialist ist das Blümchen auf Platz Sechs ihrer Frühlingslieblinge gelandet mit folgender Begründung:

„Dieser liebliche Maiglöckchenduft läutet den Frühling ein. Fröhlich und leicht, verspielt und grün. Der Duft ist wie der Flakon – elegant und schlicht, denn Parfumeur Antoine Maisondieu war es wichtig, das Maiglöckchen auf möglichst puristische Weise zu präsentieren.“

Patty von Perfume Posse zeigt sich ganz hin und weg von Muguet Blanc:

„It is breathtaking, its opening the perfect note soaring into the air on a cold winter day, something that feels like it shouldn’t exist, contrasts of cold and sweet and wood — conjuring up spring in your head where no spring exists. As it dries down, it warms and softens into the skin and loses the chilliness. Notes of lily of the valley, peony, neroli and cedar are pretty simple, but rendered elegant. It’s a stunnah. And this last and lasts and emotes fairly loudly. The first time I spritzed it on, the whole house knew in 3 minutes that a new perfume had arrived, they were all looking for it.  Several hours in, it’s still wafting and drifting and just being lovely.“

Octavian Coifan äußerst sich in seinem Blog 1000 Fragrances für meine Begriffe eher neutral, spricht aber an, was eigentlich des Pudels Kern, das Problem am Maiglöckchen ist: Dessen Geschichte, vielmehr: dessen legendäre Vorgänger:

„A lily of the valley is today a challenge for a perfumer, not because it is very easy to obtain the major accord but this flower has a strong legacy – the (now) lost perfume Diorissimo. It is also a challenge because lily of the valley became the standard of clean notes and it is widely used in functional perfumery […].“

Resultierend daraus folgt als Ergebnis seiner Rezension:

„Muguet Blanc from Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire is a symphony of clean for a luxury Laundromat to be used as an concentrated option to Aqua Universalis (Maison Francis Kurkdjian).“

Für Nowsmellthis hat Muguet Blanc komplett verloren:

„For my part, Muguet Blanc represents nearly everything that makes me sad about modern perfumery. It’s gorgeous, yes, but also clean, even brutally so. The subtle animalic touches that make Diorissimo both spring-like and sexy are entirely absent— Muguet Blanc is too beautifully done (and expensive) to be an air freshener, but if you wanted a really, really nice air freshener and didn’t mind paying premium, it would do the trick. It’s clean as a whistle. Muguet Blanc does something else that is unique to modern fragrance, and that I’ll have a hard time putting into words. It’s diffusive and radiant: it moves through space in a very 3 dimensional way while maintaining a sense of lightness and transparency. But at the same time, it feels utterly flat. Diorissimo sparkles and dances — it has a kind of depth and movement about it. Muguet Blanc fills the room, then just sits there, beautiful but lifeless.“

Bei privaten Parfumliebhabern ist die Bandbreite des Echos ähnlich breit – so liest man bei Parfumo.de etwas von „zart nervig“ oder von einem „ordinären Maiglöckchen“, bei der amerikanischen Makeupalley.com ist dagegen von „Just Heaven“ die Rede oder schlicht vom Ende einer langen Suche: „Oh Muguet Blanc! where have you been all my life?“

Mir leuchtet ein, woher diese extreme Gespaltenheit kommt: Einerseits ist Maiglöckchen eine jener Ingredienzen, die schlicht nicht jeder mag. Manche assoziieren es mit Omas Wäsche, attestieren ihm ein angestaubtes Image. Das kann es haben, muss es aber nicht – wenn es gut interpretiert ist. Trotz allem – entweder man mag es oder eben auch nicht. Andererseits ist es eben für die, die Maiglöckchen mögen, meist dann schon gleich lieben, nicht einfach, einen neuen Duft bestehen zu lassen – muss dieser sich doch mit den ganz Großen messen lassen, allen voran der Maiglöckchenklassiker schlechthin, Diorissimo von Dior, aber auch Muguet du Bonheur von Caron. Hier sind die Schmerzen groß, da beide Opfer des Reformulierens geworden sind, was sie zu Schatten ihrer selbst werden ließ – das macht es einem neuen Maiglöckchen auch nicht einfacher.

Aber wenden wir uns dem eigentlich Objekt zu: Die Nase hinter Muguet Blanc ist Antoine Maisondieu, überaus talentiert und verantwortlich für Düfte wie Féerie, auch Van Cleef & Arpels, diverse Düfte für État Libre d’Orange, Gucci Rush for Men, Funny für Moschino, einiges für Burberry, Magnolia Nobile für Acqua di Parma, Monocle Scent Two: Laurel und Stephen Jones für Comme des Garçons, darüber hinaus arbeitete er für Lanvin, Paul Smith, Quiksilver, Armani und andere.

Maisondieus Maiglöckchen ist eine strahlende, eine reinweiße, luzide, übermächtige Blüte. Eine, die von Wässrigkeit durchzogen ist, von taubenetztem Blattwerk flankiert wird und durch ihre ozonig-luftigen und metallischen Akzente eine fast überirdisch kühle und saubere Ausstrahlung hat. Pfingstrose unterstreicht die aquatischen Anklänge, während Neroli anonym Fruchtigkeit generiert, die mich in diesem Zusammenhang eher an Birne denken lässt. Die Basis ist von watteweichem Moschus, von sanften Hölzern abgerundet.

Ich muss sagen, dass ich beide Seiten verstehen kann: Ich kann den Vorwurf nachvollziehen, der, überspitzt gesagt, Muguet Blanc in all seiner Perfektion Seelenlosigkeit vorwirft. Denn schlechtes Handwerk kann man Maisondieu nun wahrlich nicht nachsagen, der Duft ist exzellent gemacht.

Nur – ist er, wie vieles, Geschmackssache. Bei mir ist er eingezogen. Wieso? Weil ich ein Maiglöckchenfan bin. Und weil ich der Ansicht bin, dass es Tage in meinem Leben gibt, an denen ich mich in perfekter, strahlend-sauberer Schönheit sonnen möchte, einer oberflächlichen, die weder Tiefgang noch Kanten hat. Die einfach nur schön ist in ihrer hervorragenden gemachten Art und Weise. Lässt man sich darauf ein, dann trägt einen Muguet Blanc über all die irdischen Unwegbarkeiten und Scheußlichkeiten, die die Welt so zu bieten hat, hinweg und stimmt einen – fröhlich. Ich brauche das hin und wieder.

Ihr auch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: lilies of the valley von kalilo/Ann-Kathrin Rehse, Maianthemum bifolium /Kleines Maiglockchen, Convallaria bifolia aus Johann Georg Sturm (1796): Deutschlands Flora, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

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Geschrieben in Duft,Solifloral am 8.11.2011

Van Cleef & Arpels dürften dem einen oder anderen bereits bekannt sein – durch diverse, in den gängigen Parfümerien zu findende Düfte wie zum Beispiel First, Birmane, Tsar, Murmure, oder auch neuere Kreationen wie Féerie. Die Firma ist schon länger (erfolgreich) auf dem Parfummarkt tätig, ist aber von Haus aus – ein Juwelier.

Gegründet 1896 von Charles Arpels und Alfred van Cleef, öffnete man die erste Boutique bereits 1906 am damals schon edlen Place Vêndome in Paris und machte sich von Anfang an einen Namen als exklusiver Hersteller von Uhren und Schmuck. Vor allem die Kenntnis im Schleifen von Edelsteinen brachte Renommee, unter anderem die Einführung der bahnbrechenden Methode des Mystery Settings.

2009 folgte man dann den Spuren anderer Luxusunternehmen wie Dior, Chanel oder Armani und lancierte eine ganz besondere Kollektion von Luxusparfums, Collection Extraordinaire genannt. Sechs Düfte an der Zahl, denen man vor nicht allzu langer Zeit einen siebten folgen ließ – Precious Oud, der alsbald verfügbar sein wird.

Wir haben diese kleine feine Kollektion neulich auch aufgenommen – Grund genug für mich, Sie Euch einmal in ihrer Gesamtheit zu präsentieren. Bereits bei ihrem Erscheinen hatte Sie mich aufhorchen lassen, haben sich Van Cleef & Arpels doch nicht lumpen lassen und eine ganze Reihe exzellenter Parfumeure verpflichtet – mittlerweile sind auch schon einige Fläschchen in meinem Bestand eingezogen, weswegen ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass sich ein Test lohnt meine Lieben!

Beginnen möche ich mit Gardénia Pétale, einer Gardenienschönheit aus der Hand von Nathalie Feisthauer. Feisthauer ist uns bereits ein Begriff, hat sie uns doch schon einige schöne Düfte beschert: Sie entwarf Einiges für das krawallige Pop-Art-Label État Libre d’Orange, dann den legendären sonderbaren Gewürzling Yohji Yamamoto pour Femme, Eau de Merveilles von Hermès, Blonde für Versace, Must de Cartier pour Homme, Guerrilla 2 für Comme des Garçons sowie letztens Honour Man für Amouage.

Gardenie ist immer so ein Thema, ich hatte mich dazu schon anlässlich Pierre Guillaumes Duft Gardenia Grand Soir von Parfumerie Générale ausgelassen:

„Zum Thema Gardenie sollte nicht unerwähnt gelassen werden, daß Gardenie eigentlich immer irgendwie eine Fälschung ist: Natürliche Gardenie wird gar nicht eingesetzt, laut dem Parfumhistoriker Octavian Coifan (siehe dessen Blog 1000 Fragrances) nicht mehr – in den 30ern gab es wohl letzte Reste einer teuren Essenz. Luca Turin hat in NY einen Shop entdeckt, der jenes wohl wieder zu horrenden Preisen führt, über 70 Jahre später. Gardeniendüfte werden ergo über einen Akkord gebaut, in welchem oft andere Weißblüher anstatt derselben duften, ob nun natürliche oder synthetische. Nicht fehlen darf natürlich auch jene pilzige Komponente, die der Gardenie als einziger Blume so eigen ist.“

Feisthauer greift meines Erachtens hier (wie häufig) auf Tuberose zurück, um Gardenie zum Strahlen zu bringen, und leuchtet diese mit einem reinweißen sauberen Maiglöckchen aus. Zarte Süße umgarnt meine Nase, üppig und kokett, aber nichtsdestotrotz auf eine Art und Weise schüchtern – mit grünen Anklängen unterlegt wie Delrae Roths geniale Tuberose Amoureuse zeigt sich dieses Pflänzlein und von zitrisch-glitzernden Sternchen durchsetzt. Präsent, aber nie schwülstig-warm zeigt sie sich, die Blüte, und offenbart im Duftverlauf seidig-samtige Pudrigkeit, die herrlich mit der Haut verschmilzt.

Ob man nun in den sauren Apfel der eigentlich typischen Gardenienpilzigkeit beißen muss, um einen authentischen Gardenienduft zu kreieren? Feisthauer tut es nicht – und meines Erachtens nach tut es der Schönheit des Duftes keinen Abbruch. Wie schrieb die französische Skandalautorin Colette über die Gardenie? „Ein zartgrün getöntes Weiß – so wie ihr Fruchtfleisch“. Jene Beschreibung trifft es ziemlich genau – bitte aber vorzustellen als Blütenmeer.

Ein cremiges, sanftes weißes Blütenmeer von Blattgrün umrankt, das sich skinnig und feminin entwickelt und meines Erachtens nach das Herz von Blumenfreunden, hier vor allem auch: Tuberosenfreunden höher schlagen lassen wird. Wer schon immer eine tragbare Tuberose gesucht hat und (trotz einiger wirklich sehr schöner Optionen) noch nicht fündig wurde – für den wäre Gardénia Pétale vielleicht eine lohnenswerte Alternative!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gardenia Flower von Erin Silversmith, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Reisen mit Molton Brown die Zweite.

Nach London zu Molton Brown geht es heute erneut – und zwar einmal via China mit Lijiang und einmal via Indonesien mit Singosari, den beiden asiatischen Düften der Navigation Through Scents-Kollektion.

Lijiang verwirrt erst einmal – gemeint ist wohl nicht die Stadt Lijiang, auf Deutsch Stadt am schönen Fluss (gemeint ist Li), in der chinesischen Provinz Yunnan gelegen und unter diesem Namen im 13. Jahrhundert nach der Eroberung der Region durch Kublai Khan gegründet (der uns nicht nur historisch, sondern auch durch den Duft von Serge Lutens ein Begriff ist ;)). Die Rede ist hier wohl von dem Fluss Li Jiang oder auch Li-Fluss, der sich 437 lange Kilometer durch die Volksrepublik schlängelt und für die ihn umgebenden schönen Landschaften berühmt wurde.

Auf eben jenen Fluss lädt uns der Duft ein, auf ein Bambussegelboot, mit dem man die Ufer entlangfährt, getragen von den sanften Wellen und getrieben von einer leichten Brise… und seid Euch sicher, auf diesem Segelboot sitzt auch eine typisch asiatischen Schönheiten mit milchig-transparenter Haut, fragil, feminin und anmutig, gehüllt in einen traditionellen Seidenkimono. Genau wie dieser umfließt einen Lijiang, jene Impression einfangend: Weißer Tee in unschuldig-reiner Frische zeichnet die Aura, während Osmanthus keck die ewig jugendliche Pfirsichhaut in ihrer subtilen Süße malt. Moschus stiftet seidene Weichheit und Vetiver haucht grasige Rauchigkeit ein, die an das Gleiten im Wasser gemahnt, von subtiler grüner Frische begleitet. Kontrastiert wird das Bild von einer Prise rosa Pfeffer, dezente Schärfe, die Spannung generiert.

Ein zarter Duft wie ein Aquarell, ein bisschen an Memos Inlé erinnernd, der sich thematisch ebenfalls an Asien orientiert.

Unsere weitere Reise führt uns ins Inselreich Indonesien: Singosari begibt sich olfaktorisch auf die Spuren der alten Gewürzroute, welche von Europa um die Spitze Afrikas herum über Südindien nach Indonesien führte, und dort vor allem zu den Molukken, den Gewürzinseln. Von Monsun ist die Rede, „blutwarmem“ Regen, Tempelruinen und grünem Dschungel – hört sich für mich alles schon wieder schwer nach Joseph Conrad und Heart of Darkness an. „Spicy-woody“ soll er sein, der Duft voller Abenteuer, und eventuell Wunder beinhalten – schauen wir mal, ob er mich auch zum Staunen bringt auf meiner Entdeckerschnuppertour…

Entgegen weht mir als allererstes Ingwer, den wir in letzter Zeit häufiger mal hatten – scheint eine Lieblingsingredienz der Nachwuchsparfumeurin Jennifer Jambon zu sein, die die Nase hinter der ganzen Kollektion ist. Herb-säuerliche Fruchtigkeit von trockener Strenge, die alsbald auf interessante Art und Weise von zwei polarisierenden Kontrahenten umgarnt wird: Kühler hoheitlicher Weihrauch düster-sakralen Charakters sieht sich der warmen Würze und kecken Schärfe von Muskat und süßem Zimt gegenüber – ein einnehmendes Trio, in Koketterie sich ergeben, von rauchigem Vetiver und samtig-erdigem Patchouli untermalt.

Ob die Gewürzroutenassoziation ein Garant für gute Düfte ist? Mmhhh, Lubins bereits gestern angesprochener Idole ist ein schönes Beispiel dafür, hinter dem sich Sangosari keinesfalls verstecken muss. Ebenso gelungen finde ich hier vor allen Dingen auch, dass wir es wieder mit einem jener großartigen Gewürzlinge zu tun haben, der als Kontrast zu dem Trockenen, Würzigen, zum Teil Süßen eine Frucht setzt – ein weiteres Beispiel hierfür wäre Michel Roudnitskas Noir Épices für Frédéric Malle.

Folgen wir Herodots Einteilung der Welt in Kontinente, die das gesamte Altertum über als gültig angesehen wurde, fehlt uns nach Afrika und Asien jetzt noch Europa. Das erledigen wir am Montag – und weil ich nicht so bin spendiere ich noch Amerika ;)

Liebe Grüße, ein schönes Wochenende und bis bald,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Image at the Lijiang River (Guanxi / China) von Miguel A. Monjas, Boat prow von jmnb56/Jesús Manuel Nieto Bobadilla, some rights reserved – vielen lieben Dank!
Hier finden Sie die Navigation Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

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Freitagsverlosung.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.
Reisen mit Molton Brown die Dritte.


Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Solifloral am 15.09.2011

Heute ist sie endlich an der Reihe, die brandneue Molton Brown-Duftkollektion „Navigation Through Scents“, mit dem Slogan „four countries, five scents, many memories“ beworben. Reisen durch Düfte, wer von uns kennt das nicht? Gerüche, die einen entführen – in fremde Länder, an versteckte Orte, geliebte Plätze. Die Erinnerungen evozieren, Sehnsucht heraufbeschwören – an vergangene Zeiten, Menschen und Situationen.

„A brief history of perfume, told through five distinct fragrances. From lost worlds, along ancient silk and spice routes to a brave New World.“

Eine kleine Geschichte des Parfums, erzählt mit fünf unterschiedlichen Düften. Ein nicht unbedingt neuer, aber immer wieder netter Ansatz. Alle Wege führen natürlich nach London – dem Sitz Molton Browns. Aber von unterschiedlichen Richtungen aus – nämlich von Orten, die eine gewichtige Rolle spiel(t)en in der Parfumhistorie. Von denen man Rohstoffe importierte, wertvolle, um Ingredienzen zu kreieren, die die Menschen verzaubern sollten. Machen wir uns also mit Molton Brown auf die Reise…

Der erste Duft ist Iunu, altägyptisch für Heliopolis, die Sonnenstadt, in der Nähe Kairos gelegen. Wo im heutigen Ägypten nur noch ein Ruinenfeld vorzufinden ist, florierte mehr als 2000 Jahre vor Christus das Leben, ganz abgesehen davon, dass die Stadt auch mythologisch eine wichtige Rolle spielt: Sie gilt als Geburtsstätte der Götter.

Was liegt näher, als einen ägyptischen Sonnenuntergang im Nildelta in Jasmin zu gießen? Sinnlich, warm und dunkel soll er sein… und erwischt mich erstmal eiskalt auf der Haut: Idole? Nennt meine Nase verrückt und mich verschroben, aber ich meine Lubins schönen Giacobetti-Duft zu erkennen, welcher ja auch immerhin der alten Gewürzroute gewidmet ist – ich hatte ihn hier rezensiert. Mit der Entwicklung des Duftes verblasst diese Assoziation, eine Ähnlichkeit sehe ich aber immer noch und diese bleibt bestehen, trotz der unterschiedlichen Ingredienzen. Iunu beginnt mit jener für Ingwer typischen fruchtig-herben Trockenheit, die dessen Freunde so sehr schätzen, welche sich hier mit dillähnlich erscheinendem Elemiharz und scharf-würzigem Pfeffer ein Stelldichein gibt. Üppig blühender Jasmin von warmer Blütensüße bildet den Gegenpol und rundet den Duft auf einer weiche Tiefe verleihenden Basis von Patchouli und Eichenmoos ruhend gelungen ab. Und doch rieche ich da noch mehr – nicht mehr als ein Hauch, aber definitiv existent, entsprungen aus der Melange der Zutaten: Fruchtigkeit, trockene, likörig anmutend. Rumähnlich und nach Rosinen duftend – eine, vielmehr die große Parallele zu Lubins Idole, obgleich es sich hier um zwei deutlich verschiedene Düfte handelt. Auf dem Teststreifen zeigt sich diese Facette nicht so ausgeprägt, wie sie auf meiner Haut in Erscheinung tritt – ich bin also gespannt, ob Ihr diesen Twist ebenfalls wiederfinden könnt.

Iunu ist kein typischer Jasmin – wer hier ein riesige Femme-Fatale-Männerfresser-Blüte erwartet wird wohl enttäuscht werden. Auch hat Iunu keine wirkliche Ähnlichkeit mit The Different Companys Jasmin de Nuit, der einem zu in Jasmin getränkten Nächten vielleicht einfallen wird. Vielmehr gleicht Iunu einer Stimmung, einer Aura, die einen umfängt, betört. Und gleichzeitig auch einem Bild, einer nächtlichen Impression eines arabischen Landes, einer arabischen Stadt. Obgleich Monsieur Lutens sicher Freude an dem Düftchen hätte, hätte (und hat) er derlei Themen schwülstiger Ausdruck verliehen: Iunu ist zwar warm-würzig und opulent floral, besitzt aber nicht jene Hitze, die zum Beispiel die alten Lutens-Düfte auszeichnet und welche ich zwar mag, aber ehrlicherweise nur sehr selten tragen und vor allem ertragen kann. Zu Iunu würde ich deshalb ohne Zögern und sehr gerne greifen, auch, weil er zwar ein potenter Duft ist, ihm aber jenes indolisch Anstrengende vollkommen abgeht, das viele seiner Jasminschwestern besitzen.

Ein gelungener Einstieg, der Lust macht auf mehr – morgen hier :)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Clouds at Egypt Sky 2 von jarto2003/Mostafa Emad, Pharao is watching von zchizzerz/Jeff Vergara, some rights reserved – vielen lieben Dank!
Hier finden Sie die Navigaton Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

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Reisen mit Molton Brown die Dritte.
Reisen mit Molton Brown die Zweite.
Freitagsverlosung.


Molton Brown…

Geschrieben in Duft,Solifloral am 13.09.2011

… dürfte den meisten durch seine hervorragenden Badeprodukte bekannt sein: Das aus einem in den 70er Jahren gegründeten Londoner Friseursalon hervorgegangene Unternehmen zeichnet sich schon seit langer Zeit durch Duschgele und Badezusätze, Body Lotions, Haarpflege, Kerzen und auch flüssige Handwaschseifen aus.

Aus dem Stegreif fallen mir zig Haushalte von Freunden ein, in deren Bädern man sowohl die Seifen als auch die Badeprodukte findet – und das auch bei Menschen, die Parfums sonst eher zurückhaltend verwenden. Ich kann es verstehen, sind die tierversuchsfreien Produkte doch durchgehend wunderschön und vor allem natürlich duftend. Was die Seifen angeht sind es vor allem Naran Ji und White Mulberry, die viele in Verzückung geraten lassen: Sonnengereifte saftige Orangen und Grapefruitkerne in ersterer machen beim Händewaschen schon nachhaltig gute Laune. Und Nummer Zwei überzeugt mit grün-fruchtiger Frische von Maulbeere, Mimose, Elemiharz und grünem Tee. Auch das Duschgelrepertoire kann sich sehen lassen und bietet Passendes für jeden Geschmack: Der wärmende Kuschelmuschel-Kandidat Relaxing Yuan Zhi beispielsweise, der kontemplative Blissful Templetree mit Frangipani und Patchouli, die bei Männern (und wie immer auch Frauen!) sehr beliebten Duftrichtungen Invigorating Suma Ginseng, ein herber Ginseng-Wacholder-Schönling sowie Re-Charge Black Pepper, ein frischer Pfeffer-Kick zum Aufwachen – um nur einige zu nennen.

Auch bei mir stehen etliche Fläschchen davon herum, ich gestehe. Deshalb habe ich mich besonders gefreut, als mir zu Ohren kam, dass sich die Firma nun an Parfums versucht: Zwei Linien innerhalb des Sortiments gibt es – einmal die „normale“ Eau de Toilette-Kollektion, die Düfte der anderen Produkte aufgreift, sowie die eben erschienene Navigation Through Scents-Kollektion. Beide möchte ich Euch in den folgenden Tagen vorstellen.

Aus der Eau de Toilette-Kollektion werde ich exemplarisch einige Düfte herausgreifen, nämlich Heavenly Gingerlily, Re-Charge Black Pepper, Cool Buchu und Bracing Silverbirch.

Heavenly Gingerlily ist mein Molton Brown-Lieblingsduft aus der eher femininen Richtung: Als „floral-aquatisch“ wird er beschrieben und soll die anregend-exotischen Aromen der Südsee einfangen. Ein dezenter Widerspruch, der sich für mich hier auftut: Bei fremdländischen Südseearomen denke ich entweder an Tropenfrüchte oder an opulente Weißblüher in Kombination mit Vanille/Tonka-Noten, eventuell Harzen – und nicht an Aquatisches, das mich ohnehin meist zurückschrecken lässt. Weit gefehlt – Heavenly Gingerlily ist in der Tat aquatisch, allerdings nicht in dem künstlich-plastikhaften Sinne, der an billige Deos erinnert. Ein maritim-krautiger Hauch, getragen von Ingwerherbheit und frisch-grünem Kardamom, vermählt sich hier mit dem gezügelt-zivilisierten Weißblüher-Duo Jasmin und Tuberose, die mit ihrer transparent anmutenden Erscheinung eher an Wasserlilien erinnern. Die Basis von Patchouli und Moschus stiftet warme Weichheit und verleiht dem Duft Tiefe.

Ein leichter Duft mit schönen fruchtig-herben Ingwerakzenten, der Freunden von letzteren in jedem Falle zusagen dürfte. Wer also zum Beispiel die Origins-Ginger-Reihe liebt, sollte hier testen, keine Frage!

Ich finde es toll, dass es zu dieser Duftrichtung auch ein Parfum gibt – das hat auch umgekehrt den Vorteil, dass man sich, wenn einen die Leidenschaft richtig gepackt hat, rundum versorgen kann: Heavenly Gingerlily gibt es dufttechnisch als Shimmering Fragrance mit kleinen Schimmerpartikeln und als Eau Fraîche, im Restsortiment auch als Duschgel, Body Cream und als Kerze.

Morgen geht es weiter mit den anderen drei Kandidaten – bis dahin eine gute Zeit und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hedychium Carneum (der Familie der Ingwergewächse zugehörig) von Juni, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung.
Molton Brown – EdT’s die Zweite.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.


Organic Glam…

… heißt unsere neue Ökofirma, nach Honoré des Prés und Patyka ein weiteres Unternehmen, das zu 100% natürliche Düfte herstellt. Schauen wir uns mal die Historie an: Organic Glam gehören zu The Organic Pharmacy, welche im Jahre 2000 durch die Apothekerin Margo Marrone gegründet wurde. Die erste Filiale wurde in Londons Kings Road im Herzen Chelseas eröffnet und dank des allgemeinen LOHA-Trends folgten rasch weitere, 2008 sogar die erste in Los Angeles. Nach Kosmetik- und Gesundheitsprodukten nahm man jetzt folgerichtig auch eigene Düfte mit ins Sortiment, die sorgfältig entwickelt wurden: Die Organic Glam-Parfums sind zu 100% natürlich und 85% organisch und sind frei vom synthetischen Duftstoffe, synthetischen Farbstoffe, Phtalate (= Duftverstärker) und tierischen Inhaltsstoffe.

Fünf an der Zahl sind es und ich dachte, ich nehme sie mir mal zur Brust und klemme sie mir für Euch unter die Nase. Die Orangenblüte muss leider noch warten, die war als Pröbchen für mich noch nicht vorrätig, ich verspreche aber, ich reiche sie nach. Heute also die “restlichen” vier Düfte von Organic Glam, beginnend mit der Zitrone:

Citron sieht sich inspiriert von „der Schönheit der süditalienischen Riviera“ und beinhaltet folgende Zutaten: Kopfnote: Zitrone, Bergamotte; Herznote: Orangenblüte, Ylang-Ylang; Basisnote: Patchouli, Neroli, Orangenblüte.

Frisch, zitrisch und kühl steigen mir die eher säuerlichen Hesperiden der Kopfnote in die Nase, prickelnd wie ein erfrischendes Zitronenbrausebonbon. Dieses bitzelnde Moment begleitet den Duft Citron seinen ganzen Verlauf, welcher sich noch von zarten Agrumenblüten versüßt sieht und an Altersmilde gewinnt, insgesamt aber doch eines bleibt: Ein Zitronenduft. Bei heißen Temperaturen herrlich erfrischend (was bereits von dem splashigen Bildchen signalisiert wird) und mit Sicherheit etwas für Freunde von mediterranen Zitrusdüften wie zum Beispiel Carthusias Mediterraneo.

Jasmine, Duft Nr. 2, ist dem sommerlichen Duft blühenden Jasmins gewidmet – und präsentiert neben seinem aus Ägypten stammenden Hauptprotagonisten noch Ylang-Ylang, eine Prise Bergamotte sowie Sandelholz. Auf dem Teststreifen zeigt sich ein herrlicher und natürlich opulent blühender Jasmin, von einer zurückhaltenden Zitrusfrische kontrastiert und von zarter floraler Fruchtsüße unterstrichen, auf einem warm-holzigen Sandelbettchen sich räkelnd. Auf meiner Haut drängen aus diesem schönen und auffälligen Blütenmeer leider viel zu viele indolische Noten an die Oberfläche – bei aller neu gewonnenen Liebe zu weißen Blüten, dieser Kandidat und ich passen leider gar nicht zusammen. Durchaus schade, denn man merkt dem Duft seine hochwertigen natürlichen Ingredienzen an und seine blühende Pracht hat etwas sehr Betörendes – für mich leider nur auf dem Teststreifen.

Oriental Blossom soll eine „Reise durch den Orient“ darstellen, eine, auf der man mysthischen verschleierten Schönheiten begegnet, reiche Farben sieht sowie geschmückte Gärten und man beständig den Duft warmer Gewürze in der Nase hat. Dieses Bestreben setzt man mit folgenden Zutaten olfaktorisch in die Tat um: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Mandarine; Herznote: Zimt, Gewürznelke, Rose, Neroli; Basisnote: Eichenmoos, Vetiver, Pfeffer, Vanille, Ylang-Ylang. Ein wahrhaft schöner Florientale: Basar, Gewürzmarkt, aber auch naher Garten mit Beeten voller Blumen. Rosendüfte und Öle, vielleicht auf der Haut schöner Frauen. Und irgendwo zwischen der warmen Zimtschärfe und den holzig-gewürzigen Anklängen finden sich auch getrocknete Früchte, Datteln vielleicht, Rosinen, ein Hauch Aprikose… Oriental Blossom hätte dem frühen Serge Lutens ebenfalls gut gefallen. Dem, der noch gerne mit dem Amber-Sultan gespielt hat auf dem Arabie-Markt. Und Fans von Washington Tremletts Clove Absolute werden sich ebenfalls angetan zeigen.

Oud, vierter und letzter Kandidat – „a journey through an Arabian Souk“, jenen berühmten Weihrauch- und Gewürzmarkt, auf dem der Duft von Zedernholz, Oud und Sandelholz die Luft erfüllt und einem Kopf und Nase verdreht. Die Ingredienzen des Duftes: Kopfnote: Zedernholz, Oud, schwarzer Pfeffer, Kardamom; Herznote: Rose; Basisnote: Sandelholz, Vetiver und Tonkabohne. Oud geht als Thematik sicher einigen mittlerweile auf die Nerven – kein Wunder, war es doch der gerade wieder verebbende Trend. Und doch finden sich immer wieder Nachzügler – zum Glück. Das sage ich jetzt nicht nur als erklärter Oudfan, der nicht so schnell die Nase voll hat. Oud ist ein wirklich feiner Vertreter seiner Gattung, der ganz bestimmt auch denjenigen Nasen schmeicheln wird, die sonst keine allzu große Leidenschaft für Oud hegen. Ein kontemplativer Duft ist es, der von dem Dreigestirn Zedernholz, Sandelholz und Oud lebt. Das funktioniert mit sehr hochwertigen Zutaten richtig gut, wie man bereits bei 10 Corso Como gesehen hat oder auch bei Loggia dei Mercanti von La Collina Toscana. Eine ähnliche Perle ist auch Oud: Oszillierend zwischen verhaltener samtig anmutender Wärme und seidiger Kühle, im Herzen eine luzide frisch-minzige Rose, in Rauch gekleidet. Kantig und ein bisschen unnahbar, aber stolz und wunderschön, mein erklärter Liebling der Kollektion. [EDIT: Nach weiteren Test kann ich das nur bestätigten, vor allem habe ich mich in die Basis verliebt: Hier dominiert Sandelholzsüße in einer Menage à Trois in wilder Amour Fou mit rauchigem Oud und ernster Zeder verwoben - herrlich. Und es mangelt dem Duft Oud an exakt jenem für mich in Loggia dei Mercanti störenden, für mich etwas zu würzigem Moment. Insofern für mich ein echter Kaufkandidat.]

Und Eurer? Habt Ihr schon getestet, was haltet Ihr von der Kollektion?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die Kollektion von Organic Glam in unserem Shop.

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Impressum
Kurz vor knapp die Dritte – die letzten Neuigkeiten 2011.
Die Vergessenen – Ménage à Trois mit Atelier Flou, Parfums de Rosine und 10 Corso Como.


Farmacia SS. Annunziata die Vierte.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 26.08.2011

Heute ist Freitag, der letzte Tag der Woche und auch der letzte Tag unserer Farmacia SS. Annunziata-Reihe: Von Dienstag an hatte ich Euch die Düfte der italienischen Apotheke vorgestellt und schließe Woche und Kollektion heute ab mit Kama, Nero, 450, Takis und Isos.

Hinter dem schlichten Namen Kama versteckt sich so einiges… Wiki klärt uns umgehend auf: Kama ist nicht nur der Name von ein paar Flüsschen und Ortschaften, sondern vor allem auch der einer altägyptischen Königin. Darüber hinaus steht Kama im Hinduismus als eines der vier Lebensziele des Menschen:

„Kãma (Sanskrit काम, “weltlicher Genuss”, „Verlangen“) oft einseitig als “Lust” oder “Sexuelles Verlangen” übersetzt, gilt im Hinduismus als eines der vier Purusharthas, die “vier Lebensziele des Menschen”.

Die weiteren drei sind Artha, Wohlstand und Erfolg, Dharma, ein Leben entsprechend den sozialen und kosmischen Gesetzen sowie Moksha, die Erlösung.

Hindus lehnen weltliches Streben, Lust und Verlangen nach Wohlstand nicht als unmoralisch ab, diese sind jedoch den beiden anderen Zielen, Dharma und Erlösung, untergeordnet. Ist für das tägliche Leben die Erfüllung des Dharma das wichtigste Leitziel, so sind doch für das Leben als Haushalter auch Artha und Kama notwendig. Doch obwohl hinduistische Tradition und Gesellschaft einerseits die Legitimität von Kama anerkennen, gehört der Begriff auch zu den sogenannten “Sechs Feinden”, den Übeln, die der Mensch auf dem Weg zur Erlösung überwinden muss.“

Es geht also bei Kama ums Gleichgewicht, die goldene Mitte. Das passt gar nicht so schlecht zu dem Duft, dem gleichnamigen aus dem Hause Farmacia: Kama schwebt mehr, als das er sich (fest)setzt, verbleibt im Unkonkreten, und das auf eine ganz und gar entzückende Weise. Der Duft wagt den Balanceakt zwischen Agrumenfrische, fruchtigen Anklängen und floralen Verweisen, sanft in eine Puderwolke gehüllt und von einer vanillig-cremigen Harzbasis getragen. Feminin – ja. Und Puder sollte man mögen. Ansonsten ist das allerdings ein Duft für all jene weiblichen Wesen, die sich vor allzu greifbaren, allzu dominanten oder auch kantigen Düften fürchten und für die Sinnlichkeit nicht unbedingt einhergeht mit offenkundiger Offensivität.

Nero, auch ein Herrschername, der aus dem Sabinischen kommend soviel wie tatkräftig, stark bedeutet. Wer hier allerdings einen Kracher erwartet, einen vielleicht gar feurigen, den wird Nero überraschen: Nero ist ein Charmeur und Frauenversteher. Ein zart-lakritziger Hauch, der von Dill und Basilikum subtil-maskuline Akzente erfährt, auf einer überaus weich-verständnisvollen Basis ruhend. Hier ist kein herrschsüchtig-zorniger Despot am Werke, nein – wir haben es hier mit dem metrosexuellen Mann des 21. Jahrhunderts zu tun: Sensibel und weich, aber auch standfest und kernig. Fein, weil vertraut, aber doch mit aufregenden Twists. Und nicht zu vergessen die nette Lakritznote, die leider viel zu selten in Düften zitiert wird.

450 ist, wie unschwer zu erraten, ein Jubiläumsduft. Gleich zwei davon werden gefeiert: Das 450jährige Bestehen der eigenen Firma, gegründet 1561. Und das 150jährige Bestehen des vereinten Italiens, dem ja auch Il Profumo. Profumi del Forte, Boellis und andere Düfte widmeten. 450 ist in allererster Linie ein Irisduft und greift somit die Wappenpflanze der Farmacia-Heimatstadt Florenz auf: Rauchig-erdige und gleichzeitig samtig-pudrige Iris, flankiert von aromatisch-würzigen Noten auf einem Lager von weichem Moschus sanft zur Ruhe kommend. Traditionell ist 450 somit – und sicherlich nicht wahnsinnig innovativ, muss er aber auch nicht sein: Als altem Irisfan gefällt er mir natürlich gleich, eine schöne Hommage an diese anmutige Blume. Von der Richtung her erinnert 450 an Odoris Iris, ist aber weniger pudrig und ein bisschen besser unisex tragbar.

Takis’ Ingredienzen erinnern an einen Garten, einen mediterran angehauchten, wie man ihn hier in unseren Breitengraden mittlerweile auch häufiger findet: Eiche, Moschus, Rose, Salbei, Thymian, Vanille, Ylang-Ylang und Zitrone. Derlei Gärten haben in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit Takis: Meist von irgendwie intellektuellen Mittdreißiger/-vierzigern angelehnt, folgen sie dem aktuellen Trend und schaffen den Balanceakt zwischen Modernität und Tradition, geben mit fremdländischen Anleihen Auskunft über das Weltbürgertum ihrer Besitzer und mit dem Kräutergärtchen erzählen sie über deren Besinnung auf alte Tugenden. Takis ist modern, seifig-sauber mit holzigen Anklängen, ein bisschen exotisch, aber trotzdem auch vertraut und bedächtig.

Letzteres ist Isos nun gar nicht: Mich auf den ersten Riecher an Penhaligon’s 1870 erinnernd, nämlich aquatisch-pfeffrig sich präsentierend schütte ich nach – mit dem Ergebnis, dass mich Isos erstmal gewaltig in die Nase beißt. Pfeffer satt, der in seiner Schärfe von Gewürznelke ebenbürtige Verstärkung erfährt. Dem gegenübergestellt zeigt sich eine fast ätherisch anmutende Frische, von mentholischer Pfefferminze und aquatischen Akzenten kreiert und von einer Basis aus sauberen Hölzern unterlegt. Das gefällt mir, sehr sogar.

Habt Ihr denn schon getestet, gibt es erste Favoriten? Was interessiert Euch? Ich bin gespannt und wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Liquorice Wheels von Pikaluk, Iris Germanica von H. Zell, Pfefferminze von Aleksa Lukic, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Farmacia SS. Annunziata in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Farmacia SS. Annunziata die Dritte.
Die Düfte, die aus der Apotheke kamen.
Farmacia SS. Annunziata die Zweite.


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