Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Alle guten Dinge sind drei: Costume National, der “Rest”.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Solifloral am 3.09.2010

Heute also biete ich den Rest der Costume National-Düfte in meiner Rezension feil, wobei „Rest“ dem Ganzen nicht wirklich gerecht wird, assoziiert man mit „Rest“ doch Resterampe, Ladenhüter und Co. – das trifft auf die Düfte nun mal so überhaupt gar nicht zu.

Ich werde mich mal weiter entlang der chronologischen Reihenfolge bewegen, wie ich es gestern bereits begonnen hatte. Deshalb steht als nächstes Scent Gloss an, lanciert 2004, sowie Scent Cool Gloss, 2005 erschienen. Beide sind ebenfalls Werke des leider jung verstorbenen Laurent Bruyère und eine Fortsetzung, Erweiterung des ursprünglichen Scent-Trios.

„Wenn SCENT GLOSS ein Stoff wäre“, schwärmte Ennio Capasa, der Designer von Costume National (der natürlich auch für die schönen Flakons der Parfums verantwortlich ist), „wäre er roséfarben schimmernder Seidentaft.“

Das sagt schon viel aus – denn genauso in derselben Farbigkeit wie der Flakon des Duftes schimmert auch die Rose, welche in beiden Düften die Hauptrolle spielt: Eine junge, freundliche, helle, zwischen rosa und pink oszillierende Rose mit fruchtigen Anklängen. In Scent Gloss ist jenes Rose auf einem in allererster Linie weichen, zarten und sehr sauberen Moschusbett drapiert, und gewinnt durch Orchidee an samtiger Süße. Scent Cool Gloss dahingegen, der anstatt der Orchidee mit Sternanis und einer weiteren Rose aufwartet, ist dahingegen im Vergleich kühler und spritziger: Sternanis nehme ich nur abstrahiert als solchen wahr, und zwar in einer aquatisch anmutenden Frische, die mich ein wenig an die Anisinterpretation in Borsaris Mirra e Anice Stellato erinnert. Durch die doppelte Rose (es sind normale sowie bulgarische Rosen angegeben) liegt der Fokus in der Tat mehr auf jenen hellen Rosen, die mithilfe des Anis in ihrer wässrigen Fruchtigkeit verstärkt werden und tatsächlich einen „coolen“ Eindruck machen.

Beide Düfte sehe ich ausschließlich an Frauen, und hier eher jüngeren Alters – es gibt sicherlich sportlich-dynamische Frauen, denen der Duft unabhängig vom Alter steht, meines Erachtens nach wirkt er aber am schönsten an Jüngeren.

Bei 21 dürfen aber wieder alle mitmachen, versprochen ;) Es handelt sich hierbei um den Geburtstagsduft zum 21. Firmenjubiläum, der außerdem noch genau 21 Ingredienzen enthält: Bergamotte, Orangenblüte, Safran, Milch, Cumin, Pfeffer, Kaschmirholz, Gelée Royale, Muskatellersalbei, Moos, Weihrauch, Ambra, Sandelholz, Oud, Vetiver, Labdanum, Moschus, Vanille, Tonkabohne, Patchouli und Zedernholz.

Das erinnert mich auf den ersten Blick ein wenig an Guerlains Cologne du 68, angelehnt an die Hausnummer von Guerlain auf der Champs-Élysées, das ebenfalls 68 Ingredienzen enthielt. Jenes Cologne du 68 ist ein sehr angenehmer Duft mit einem interessanten Duftverlauf, der sich auch in meinem Besitz befindet, jenerwelcher mich immer ein bißchen an die phänomenalen Resteeintöpfe meiner Mutter erinnert: Aus allem, was sich noch fand und weg mußte, zauberte meine Mutter gerne mal eine Suppe oder einen Eintopf, der meistens vorzüglich mundete, aber so in keinem Kochbuch zu finden war und für den auch kein reguläres Rezept existierte.

In Guerlains Cologne du 68 ist ungefähr alles, was gut ist und demnach riecht der Duft auch einfach nur gut, auch wenn man natürlich die Masse der verwendeten Materialien nicht unbedingt herausriecht, wie auch?

21 stellt einen vor ähnlich unerreichbare Herausforderungen: Natürlich läßt sich nicht jede Ingredienz einzeln identifizieren, vor allem nicht, da der Duft eine herausragende Dichte an den Tag legt: 21 ist ein dicht gewebtes Ganzes, das wirklich, ja, milchig riecht. Karamellige Ambramilch mit holzig-herben Honignoten auf vanilleweicher Harzsüße.

Meine Lieben – ein echter Kracher und somit bei mir glatt auf Platz zwei gelandet hinter meinem Homme, den er für mich nicht stürzen kann. Ich bin mir aber sicher, daß die meisten anderen, darunter vor allem Ambra-Liebhaber, der 21 den Vorzug geben werden. Alles in allem eine sehr nette Reihe, die man durchaus einmal testen sollte!

Liebe Grüße und bis bald,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rose von Makio Kusahara, Morning Rose von Tomislav Alajbeg, beides via Stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Der große Auftritt…

Geschrieben in Duft, Solifloral am 24.08.2010

… ist es, welchem Pierre Guillaume mit seinem zweiten, wie gestern Bois Naufragé ebenfalls neuen und leider ebenfalls limitierten Duft Gardenia Grand Soir huldigt. In die Worte von Parfumerie Générale gefasst:

„Der intensive, sommernächtliche weiße Hauch der Gardenie, unterstützt durch die Vibration von Sandelholz – ein luxuriöses Abendparfum.“

Gardenie läßt mich immer sogleich an den Klassiker von Isabey denken, Gardenia: Eine wundervolle, aber, ja – altmodischer Gardenienduft, die man sich bestens an einem jener alten amerikanischen Filmstars vorstellen kann, an einer Hollywooddiva alter Garde. Eine tropische, überüppige, cremige, wachsige, dichte, dicke, süße Gardenie mit subtil salzigen Noten und einem Hauch Fruchtigkeit, die perfekt zur (hoffentlich falschen) Pelzstola paßt und mit den Heels und dem weitschwingenden Abendkleid harmoniert, dem tiefdekolletierten. Eins ist klar: Gardenia möchte ausgeführt werden. Gardenia ist kein Duft für jeden Tag, sondern einer für den großen (abendlichen?) Auftritt.

Eine solche soll nun die gleichnamige Gardenie von Herrn Guillaume auch sein. Zum Thema Gardenie sollte nicht unerwähnt gelassen werden, daß Gardenie eigentlich immer irgendwie eine Fälschung ist: Natürliche Gardenie wird gar nicht eingesetzt, laut dem Parfumhistoriker Octavian Coifan (siehe dessen Blog 1000 Fragrances) nicht mehr – in den 30ern gab es wohl letzte Reste einer teuren Essenz. Luca Turin hat in NY einen Shop entdeckt, der jenes wohl wieder zu horrenden Preisen führt, über 70 Jahre später. Gardeniendüfte werden ergo über einen Akkord gebaut, in welchem oft andere Weißblüher anstattdessen duften, ob nun natürliche oder synthetische. Nicht fehlen darf natürlich auch jene pilzige Komponente, die der Gardenie als einziger Blume so eigen ist.

Zurück zum Ausgangspunkt – Pierre Guillaumes Gardenia Grand Soir. Sollte ich hier auf die Doppeldeutigkeit des Terminus Le Grand Soir aufmerksam machen? Der für einen revolutionären Bruch steht und gerne auch mal von den Kommunisten und Anarchisten benutzt wurde? Verbirgt sich gar hinter der schönen stolzen weißen Blüte eine Revoluzzerin?

Ihr seht schon, heute vergaloppieren mir meine Gedanken mitunter. Gardenia Grand Soir bricht aber in der Tat – nämlich zumindest auf dem Papierstreifen, und zwar mit dem Konzept der gängigen Gardeniendüfte. Diese Gardenie kommt dahergeweht, luzide, leicht, luftig. Eine ätherische Blüte mit feiner milchiger Süße, einem Tupfer Fruchtigkeit und ansprechend umrankt von leuchtendem Blattgrün.

Als weniger großer Fan weißer Blüten – ich bin dafür einfach zu… nein, anders: diese sind mir zu… feminin feminin – bin ich begeistert, ähnlich wie ich es letztes Jahr schon bei dem sehr gelungenen und ungewöhnlichen Matin D’Orage von Goutal war, den ich auch schon längst einmal rezensieren wollte. Beide verknüpfe ich aufgrund ihrer Transzendenz gedanklich mit asiatischem – wo sollte die Harmonie auch sonst wohnen außer dort…

Auf meiner Haut, das muß ich leider zugeben, entpuppt sich Gardenia Grand Soir dann weniger als die zarte, sanfte Revoluzzerin, sondern vielmehr ganz konträr als jene Verführerin, die Ausgeh-Gardenia für den großen Auftritt: Ein wenig an Carnal Flower erinnernd, jene Tuberose allererster Güte aus der Frédéric Malle-Kollektion, versucht mich hier ein weißblühender Profi zu umgarnen in kokosangehauchter cremiger Sahnigkeit. Keine Frucht. So gut wie kein Grün. Und das in mehrmaligen Anläufen. Wunderschön, keine Frage – aber auf meiner Haut leider nicht so, wie auf dem Teststreifen. Und jenen Duft, den hätte ich sofort haben müssen. Die Grazie auf meinem Handgelenk ist nicht minder betörend, aber eben nichts für mich.

Ich bin mir aber sicher, daß viele unter Euch sie mögen werden, insofern muß ich der Verstoßenen gegenüber kein schlechtes Gewissen haben ;)

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hashiguchi Goyõ (ca. 1920): Woman at a Hot Spring Hotel via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Denn alle Lust will Ewigkeit – Die Neuen von Bois 1920.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Florientalisch, Solifloral am 29.07.2010

Dieser Tage kann ich endlich alte Versprechen einlösen: Vielleicht erinnern sich einige von Euch noch an den Dreiteiler hier im Blog über die Messe Global Art of Perfumes, indem ich Euch den Mund wässrig gemacht hatte mit einigen neuen Düften, die ich dort bereits schnuppern durfte. Nun ist es endlich soweit – so gut wie alle Düfte, die ich dort bewunderte, sind veröffentlicht und ich stehe jetzt in der Bringschuld, die Rezensionen dazu zu liefern.

Diese erfülle ich natürlich allzu gerne und möchte heute mit den drei neuen Düften von Bois 1920 beginnen, La Vaniglia, Notturno Fiorentino und Kimono Rose, zusammen unter dem Namen La Voluttuose erschienen, der Name der Kollektion, einer, die vielleicht noch ausbaufähig ist? Man weiß es nicht, noch nicht. In jedem Falle aber der Damenwelt gewidmet – nicht weiter verwunderlich bei der Übersetzung von La Voluttuose – die Wollust, Wollüstige…

Kimono Rose ist mitnichten eine japanische Rose, wie einen der Name vielleicht vermuten lassen mag, nein – die Interpretation des Namens muß assoziativer, freier erfolgen: Ein klassischer japanischer Kimono ist normalerweise aus Seide, ergo einem leichten, fließenden Material… Diese Rose hier hat ebenfalls einen solchen Charakter, luftig und unbeschwert präsentiert sie sich in Gesellschaft dezent säuerlicher Früchte – die gesamte Kopfnote aus Bergamotte, Mandarine, Cassis und Litschi ist sehr gut einzeln auszumachen. Dazu gesellt sich ein zartes und absolut nicht madamiges Maiglöckchen, welches ohnehin wie man an einigen der letzten Maiglöckchendüfte sehen konnte, sehr gut mit fruchtig-herben Noten wie der Johannisbeere interagiert. Bambus stiftet wässrige Herbheit im Hintergrund, während die Basis den Duft warm-holzig abfedert.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Schwarze Johannisbeere, Litschi; Herznote: Bulgarische Rose, Türkische Rose, Maiglöckchen, Bambus; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Ambra.

Die Kombination aus Sauberkeit, Frische und Weiche, die diesem floralen Düftchen innewohnt, gepaart mit einer sanften Süße, die jedoch eine besondere Durchdringlichkeit an den Tag legt, erinnert mich ein wenig an die Rosen von Juliette has a Gun: Die dritte im Bunde könnte Kimono Rose sein, eine Kreuzung aus Lady Vengeance und Miss Charming – und dann paßt der asiatische Name schon wieder, bin ich mir doch ziemlich sicher, daß sich Herr Ricci bei der Namensgebung durch die beiden gleichnamigen koreanischen Filme beeinflussen ließ…

La Vaniglia, die Vanille, hört sich auf italienisch so wunderbar watteweich an, daß man auch hier durch den Namen auf eine völlig falsche Fährte gelenkt wird: Keine Backpulvervanille, auch nicht girliesk und erst recht nicht genuin gourmandig ist diese Vanilleinterpretation, nein. Frisch aufgesprüht überrascht eine minzige, durch ebenjene sowie Pfeffer doppelt scharfe und mit Zitrusfrüchten angereicherte Kopfnote, die bereits den Hauptprotagonisten im Hintergrund offenbart, der sich alsbald seinen Weg auf die Bühne bahnt – die Vanille. Jenewelche wird den ganzen Duftverlauf über von zwei Akzenten bereichert: Einer pfeffrig-würzigen und eher kühlen Schärfe samt Rauchschwaden, zusammengesetzt aus Minze, Pfeffer und Weihrauch und unterstrichen durch Patchouli, sowie herb-fruchtigen Noten der Hesperiden und des Ingwers, darüber hinaus meine ich auch ein Lederchen entdecken zu können…

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Minze, Pfeffer; Herznote: Weihrauch, Patchouli, Ingwer; Basisnote: Vanille.

Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich für eine Vanille. Und mit Sicherheit kein Kandidat für unsere Naschkätzchen, die Gourmandfraktion. Aber endlich mal eine Vanille, die auch für all diejenigen tragbar scheint, die eine erwachsene, eine gewagte, eine weniger süße Vanille suchen mit einer gehörigen Portion Rauch und denen Vanille Exquise von Goutal in dieser Hinsicht noch zu schüchtern war. Und, vor allem: Eine Vanille, die neben Frauen auch Männern ganz hervorragend stehen dürfte. Wenn es interessiert – ich fühle mich ein bißchen an Villoresi erinnert, vor allem an Piper Nigrum, verheiratet mit Goutals eben genannter Vanille.

Notturno Fiorentino, die florentinische Nacht, ist eine Verführerin, wie schon die Beschreibung verrät: „Surrounded by a mysterious mystique and aura, and every man who smell it will never forget the woman who wore it…“ – Umgeben von einer mysteriösen und mythischen Aura, die es jedem Mann verunmöglicht, jene Frau zu vergessen, die diesen Duft getragen hatte… Tja meine Damen, so hoch möchte ich nicht stapeln, aber Notturno weiß sehr wohl in seinen Bann zu ziehen meine ich: Würzige Schärfe in der Kopfnote läßt einen die Hesperiden übersehen und gleichsam sofort in das Herz vorstoßen, jenes florale, mit seinen beiden Betörerinnen Jasmin und Rose, umgarnt von säuerlicher Cassis. Ein zarter Rauchschleier legt sich über das Geschehen und bringt satten Honig auf stattlichen Hölzern mit sich, quasi Zimthonigholz, das den Duft in seine weiche und warme Basis geleitet.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, schwarzer Pfeffer; Herznote: Jasmin, Rose, schwarze Johannisbeere; Basisnote: Tonkabohne, Vanille, weißer Moschus, Zedernholz.

Ein sehr ansprechender Neustart einer Kollektion Herr Galardi würde ich sagen – ich bin angetan, sehr. Und, wie schon bei Nietzsche zu lesen: „Denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“ – so kann man natürlich auch von der Wollust nicht genug bekommen, deshalb bitte: MEHR!

Unersättliche Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Japanese Woman von Andres Ojedo, Covers von Carl Acreman, beide via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Das zu Unrecht vernachlässigte Parmaveilchen von Borsari 1870.

Geschrieben in Duft, Solifloral am 27.05.2010

Eigentlich kann man eine Rezension kaum so anfangen, ich tue es trotzdem – ich weiß auch nicht. Ich weiß auch nicht, warum ich bisher nie Notiz genommen habe von Borsaris Klassiker Violetta di Parma. Natürlich, man weiß, ich weiß – ein alter Duft mit einer ewig langen Geschichte, eine Firma mit einer langen Tradition und so weiter… Eigentlich sollte man sich ja als Parfumista, als Parfumfan durch alle Klassiker einmal durchschnuppern. Ich habe es auch gemacht im Nischenduftbereich sowie in großen Teilen auch im Mainstreamsektor. Aber – natürlich gibt es blinde Flecken in dem Kenntnisbereich. Mut zur Lücke, wie man so schön sagt. Bisher hat mich die Violetta di Parma-Lücke nicht allzu sehr gejuckt, salopp formuliert.

Dieser Tage habe ich sie ausgemerzt, die Lücke. Und, siehe da, welch unerwartete Blüten abseits des Wegesrandes blühen… Violetta di Parma erinnert mich sofort an das wunderschöne Veilchengedicht des Romantikers Friedrich Schlegel:

“Seht der neubewachsenen Erden
Zarte Kleidung blaulicht werden,
Weil der Veilchen Purpurpracht
Zwischen Gras und Blättern lacht.”

An einen solchen Moment erinnert Violetta di Parma: Ein Morgen nahe des Waldes, die Sonne schickt sich bereits an, einen hellen Tag bescheren zu wollen und im Halbschatten, zwischen dunklen Farn finden sich die strahlend violetten Veilchen, auf deren Blättern noch einige Reste an Tau verblieben sind. Langsam trocknet dieser in den Strahlen der aufgehenden Sonne, welche sich durch das waldige Dickicht trauen.

Violetta di ParmaVioletta di Parma ist entzückend, wirklich. Vielleicht auch, weil dieses wunderschöne Veilchen genau so ist wie seine natürlichen Vertreter: Zurückhaltend, ein wenig schüchtern, sanft und zart. Kein bißchen wie die vielen anderen Veilchenparfums, die ich so kennenlernen durfte und die mich mit einer Ausnahme – Humiecki & Graefs Geste – allesamt in die Flucht geschlagen haben: Weit und breit keine pappsüßen Veilchenpastillen. Und: Keine aufgehübschte überschminkte Greisin, keine pudrig-verstaubte Madame, keine bis zum Limit auf wollüstig getrimmte Überreife – Violetta di Parma ist genau das Gegenteil: Ein natürliches, einfaches und dadurch ganz zauberhaftes Veilchenmädchen und mit Sicherheit einer der authentischsten Veilchendüfte überhaupt.

Ich kenne keinen anderen, der auch nur ansatzweise dazu in der Lage wäre, echte Veilchen, wie wir sie kennen und ich sie liebe – ihr auch? – derart realistisch einzufangen – unbeschwert, leicht, eine gewisse Grüne in sich tragend und verhaltene Blütensüße, ganz bezaubernd. Violetta di Parma gehört absolut zu Recht in die Riege der Klassiker und ich hoffe, er wird uns noch lange erhalten bleiben. Für Freunde von „alten” Blumendüften wie zum Beispiel Houbigants Quelques Fleurs ist Violetta di Parma ein unbedingtes Must-Try.

Shame on me, daß ich so lange an solch einer Schönheit vorbeigehen konnte.

Für diejenigen welchen, die Violetta di Parma bereits kennen: Auf der Messe erzählte uns der Vertreter, der Duft sei leicht modifiziert worden, ein wenig modernisiert. In Anbetracht meiner nicht vorhandenen Vergleichsmöglichkeiten kann ich dazu nicht wirklich etwas sagen – sollte es jemand von Euch können bin ich natürlich sehr neugierig!

Neugierig bin ich auch darauf, wie ihr zu Veilchen steht – in natura und in der Flasche ;)

Einen schönen Tag allseits und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Violetta di Parma ist wohl ebenfalls ein außerordentlich guter Layer-Duft – einige Parfumistas erzielten damit sehr gute Resultate, wie in diversen Boards und Foren zu lesen, auch Now smell this berichtet darüber, siehe hier.

Bildquelle: Violets and Lace von Karen Barefoot via stockxchng, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Vollkommen untergegangen…

Geschrieben in Duft, Grünes, Solifloral am 26.05.2010

… in den Massen an Neuveröffentlichungen ist unter anderem Lily Beach von Jacques Zolty – zu Unrecht, wie ich finde. Das fiel mir bereits bei einem ausgedehnten Test auf, neulich allerdings erinnerte mich Christiane nochmals daran – lieben Dank dafür :) –, als sie einen diesbezüglichen Kommentar zu unserer „Suche nach dem heiligen Gral“ verfasste. Mir hatte bereits vor Jahren der erste Zolty-Duft ganz gut gefallen, ich habe ihn als grün-krautig sowie holzig-rauchigen Frühlingsbegleiter in Erinnerung, aromatisch und angenehm. Ein erneuter Test wäre vielleicht mal fällig…

Ich bin wohl zu jung um mich an Jacques Zolty noch erinnern zu können – er war in den Siebziger / Achtziger Jahren eines der gefragtesten, natürlich auch schauspielernden Herrenmodels des Planeten. Und somit unterwegs auf dem ganzen Globus. Allerdings hat es ihm nach eigenem Bekunden nirgends besser gefallen als auf St. Barths, wo er jetzt mit seiner Familie lebt und als Parfumdesigner arbeitet.

Lily Beach soll nun das feminine Pendant zu dem Herrenduft darstellen und ist eine Hommage an die berühmte Lilienblüte, oft als Symbol der Insel St. Barthélémy verwendet. Gleichzeitig soll Lily Beach allerdings auch die Verkörperung des Duftes einer Frau sein, welche empfindsam, sensibel und spirituell (oder meinten die Damen und Herren geistreich?) ist und eine unwiderstehliche verführerische Ausstrahlung besitzt. Inspiriert durch St. Barth selbst, dieses „karibische Paradies“, so Zolty, sowie dessen Blütenpracht und, natürlich – dessen einheimische Frauen und deren Lebensstil und Lebenslust. So, dann wollen wir doch mal sehen oder besser: riechen…

Frisch aufgesprüht entführt uns Lily Beach erstmal in die Weiten eines Blumenladens oder auch Gewächshauses: Kennt Ihr diesen unnachahmlichen Duft frischer und soeben geschnittener Pflanzen, von sich mischenden Gerüchen verschiedenster Blüten, welche sich mit allem möglichen Blattgrün, Farnen und Gräsern vermischen? So empfängt die Lilie, die sich alsbald verwandelt, solifloraler wird, das grüne Moment beibehaltend: Es tut sich eine üppige Blüte hervor, weißblühend, die mich in ihrer Süße an jene Facette opulenter Tuberosen erinnert, ohne jedoch deren narkotisierend-cremige Dichte zu besitzen. Exotisch tropisch anmutend, ja, allerdings mit der ihr eigenen Frische auch eine gewisse Dezenz lebend. Kardamom würzt hintergrundig, während von der besagten Nelke weder auf meiner Haut noch auf dem Teststreifen viel wahrzunehmen ist… vielleicht auch gar nicht soo schlimm…

Lily Beach wohnt eine Leichtigkeit inne, die ich sehr gut mit dem Thema Strand und Wasser assozieren kann und welche durch das sauber-seifig-luftige Zedernholz sowie wärmenden Moschus in der Basis noch unterstrichen wird. Ein floraler Duft, nahe am Wasser situiert, aber weder wässrig noch aquatisch noch maritim. Solifloral, nicht zuviel, aber doch intensiv, feminin, sinnlich (jawohl!) und überaus haltbar – ich bin mir sicher, er wird die Herzen einiger Blümchenfans höher springen lassen.

Einen schönen Tag Euch allen und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Session on the Beach 4 von Piotr BiziorPink Lily 2 von Darko Skender, beides via stockxchng, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Maiglöckchen oder: Von Männern und Frauen…

Geschrieben in Duft, Solifloral am 20.05.2010

Es ist Mai. Und endlich frühlingshaft, (fast schon) sommerlich. Das Blog will befüllt werden, was liegt näher, ein spezifisches Thema zu wählen, vielleicht gar: ein maienspezifisches Thema? Ja, richtig, ich steuere das Maiglöckchen an.

Bei meiner Recherche zum Thema bin ich auf folgende Kolumne bei www.kolumnen.de gestoßen, die aus der Feder beziehungsweise aus den Tasten eines Herrn namens Stefan Schrahe stammt: Der Duft von Maiglöckchen, siehe hier.

Ein nettes und lesenswertes Textchen wie ich finde – nicht nur, weil es kurzweilig und witzig geschrieben ist, sondern weil man einiges über Männlein und Weiblein erfährt, was man natürlich ohnehin schon wußte… Herr Schrahe hatte wie ich vor, einen Text über Maiglöckchen zu verfassen und begab sich ebenfalls im WWW auf die Suche nach Hintergrundinformation – mit spärlicher Ausbeute und stetig fallendem Interesse…

Und wo landet man dann als Mann? Nicht bei dem mythologischen Ursprung des Maiglöckchens, das einerseits aus den Tränen Marias unter dem Kreuze Jesu entstanden sein soll oder andererseits aus dem Blut des französischen Heiligen Saint Leonard gewachsen sein soll, das dieser im Kampf gegen einen Drachen ließ, nein… Auch nicht bei der Symbolik des reinweißen Blümchens, das oft mit Unschuld und Reinheit gleichgesetzt wird und deshalb allzugerne Brautsträuße schmückt und eine Lieblingsblume der Frau Napoleons, der Kaiserin Joséphine war. Nein, Mann landet beim Sex. Weil sich Maiglöckchen nämlich angeblich positiv auf Spermien auswirkt laut einer in dem Magazin Science veröffentlichten Studie – sie dienen quasi als eine Art Gaspedal, beschleunigen sie beziehungsweise ihr Geruch doch gar die Geschwindigkeit der Spermien. Für Herrn Schrahe nimmt so die Anfangszeile des Gedichtes von Fallersleben namens „Maiglöckchen läutet in dem Tal“ gleich eine ganz andere Bedeutung an…

Aha. Typisch Mann – könnte ich jetzt sagen. Oder mir zumindest denken. Denn, ganz abgesehen davon, daß ich das Fallersleben-Gedicht gar nicht schlecht finde, ist meine Assoziation bei Maiglöckchen eine ganz andere: Im Regelfall denke ich an Omaparfums. Leider. Und somit auch irgendwie an Talpunkte, aber ganz anderer, nämlich olfaktorischer Natur.

Maiglöckchen zeitgemäß umzusetzen, von mir aus nicht unbedingt avantgardistisch oder futuristsch, aber doch zumindest jung oder auch junggeblieben – das scheint keine so einfache Aufgabe zu sein. Sehr Ihr das auch so? Ich kenne ehrlicherweise sehr sehr wenige Düfte mit präsentem Maiglöckchen, die ich tragen würde oder auch nur: ertragen kann. Morgane Le Fay Classic, der leider vergriffene, gehört dazu, von dem ich eine Flasche wie einen Schatz in meinem Regal hüte. Sein Quasi-Nachfolger Yellow ebenfalls. Van Cleef & Arpels Muguet Blanc sowie das Maiherz von Parfums MDCI und Delrae Roths Début. Viel mehr fällt mir auf Anhieb gerade mal nicht ein und obschon es noch ein paar Kandidaten geben wird – allzu viele werden es wohl aber nicht sein…

Micallefs Lucky Charm durften wir bereits auf der Messe in Düsseldorf entdecken und – der Duft ist eine wirkliche Ausnahme. Ein rares Juwel, denn es scheint Frau Micallef ganz vorzüglich gelungen zu sein, ein Maiglöckchen in den Mittelpunkt des Duftes zu stellen und jenen mit einer Leichtigkeit und Frische zu versehen, die im Rahmen dieser Düfte ihresgleichen sucht.

Virtuos setzte man hier jenen Liebreiz des kleinen Frühlingsboten um, indem man seinen Duft so authentisch wie möglich einzufangen versuchte: Maiglöckchen, soeben gepflücktes, weht der geneigten Nase entgegen samt der ihm eigenen unschuldigen Honigsüße, von frischem eigenen Blattgrün umfangen und garniert mit herb-säuerlichen Fruchtnoten von Mandarine, schwarzer Johannisbeere und Pflaume. Die Bienenwachsnote in der Basis sorgt für wirklich lediglich dahingehauchte Gourmandanklänge, gleich der fernen Ahnung frischen Backwerks.

Weder pudrig noch pappig, nicht madamig, altbacken und/oder omahaft, nein – jung, beschwingt, frühlingshaft, leicht und traumhaft schön. Auch wenn Lucky Charm limitiert ist (ich weiß…), der Preis kein Schnäppchen und der Flakon nicht jedermanns Sache – für Fans von leichten Blütendüften, von Midgardens Summersent und von Maiglöckchen ganz speziell ist das auf jeden Fall ein Probiermuß.

Liebe Grüße und einen schönen Tag Euch allen,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Convallaria Majalis von Kurt Stueber via wikicommons, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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One Night in Paris…

Geschrieben in Duft, Solifloral am 14.05.2010

Sehnsüchtig erwartet wird er, der Neue aus dem Hause L’Artisan Parfumeur: Natürlich wieder von Bertrand Duchaufour, der mittlerweile Hausparfumeur bei L’Artisan ist und sich diesmal der Tuberose angenommen hat.

Nuit de Tuberéuse, die Nacht der Tuberose, ein „Parfum für aufregende Sommernächte in Paris“, wie das Pressematerial verspricht, denn, so daß Pressematerial:

„Pariser Sommernächte sind zu romantisch, als dass man ihnen widerstehen könnte. Die hellen Lichter und das pulsierende Nachtleben der Stadt sind berauschend, fast schon hypnotisch. Sie sind von einer durchscheinenden Anmut, besitzen eine geheime Sinnlichkeit voller verstörender Magie, die die Sinne elektrifiziert.“

So unwiderstehlich wie die Nächte der französischen Hauptstadt, die gerne als „romantischste (Haupt)Stadt der Welt“ gehandelt wird und wie Venedig als (Welt)Stadt der Liebe gilt, soll also auch die Nacht der Tuberose sein… Daß Paris anbetungswürdig ist daran besteht kein Zweifel – was für viele Künstler galt und gilt, trifft auch auf etliche Normalsterbliche zu: Der Lutetia verfallen, Paris, der Schönen und Mutter der Kunst, wie Georg Heym in seinem schwärmerischen Gedicht Sehnsucht nach Paris schreibt. Ein Blick in Googles Streetview – umstritten, aber nicht reizlos – wird auch jeden Kenntnislosen überzeugen…

Überzeugt hat auch Herr Duchaufour bereits in seiner Laufbahn – der „innovative Alchimist“, wie ihn L’Artisan Parfumeur beschreibt, kreierte vor seiner festen Tätigkeit dort bereits unter anderem deren Düfte Timbuktu, Piment Brûlant, Poivre Piquant, Dzongkha und Fleur de Liane geschaffen sowie etliche Düfte für Comme des Garçons (Calamus, Mint, Avignon, Kyoto, Rhubarb etc.), Baume du Doge für Eau d’Italie und natürlich den von mir heißgeliebten Jubilation XXV for Men zum 25jährigen Bestehen des Hauses Amouage aus dem Oman.

Ein Meister des Würzigen und der Gewürzige, aber auch der transparenten Töne – und ein Händchen für Weihrauch und Konsorten… Insofern war von vorneherein klar, daß Nuit de Tubéreuse keine Tuberose von der Stange werden konnte – zumindest für mich. Und mich hat sie nicht enttäuscht, die Nachtblüherin des Herrn Duchaufour…

Aufregend, sinnliche und zeitgenössisch soll sie sein – das ist sie, und wie… Diese Tuberose unterscheidet sich von allem, was ich bisher kenne an Tuberosendüften – von Malle bis Lutens über Delrae Roth…

Bereits im Auftakt strömt einem die hypnotisierende Hauptfigur entgegen: Luzide und betörende Tuberose, allerdings ganz anders gebettet als sonst der Fall. Diese Tuberose sieht sich sofort flankiert von Pfeffer, dessen scharfe Würzigkeit von krautigem Engelwurz und Ginster unterstützt wird. Dazu gesellt sich überraschend deutlich wahrnehmbar fruchtig-herbe Mango, deren exotische Facette von Orangenblüte und Ylang im Herzen aufgegriffen werden. Im Laufe der Zeit gewinnt die Tuberose an Cremigkeit, dank dem akzentuierenden Pfeffer wahrt der Duft allerdings gelungen (s)eine Balance, ohne ins allzu Semifloral-Süße abzudriften. Die Basis läßt den Duft holzig-erwärmt ausklingen und untermalt nochmals dessen Würzigkeit.

Ein sinnlicher Duft und eine ungewöhnliche, weil herb-fruchtige (Mango-)Tuberose, modern, aber doch zeitlos umgesetzt. Und – sportlich zwar, weil frisch, aber eben doch – Femme Fatale. Von dieser Assoziation kann ich mich im Zusammenhang mit Tuberosen nie (ganz) verabschieden – und mußte spontan an ein weiteres femme-fatalistisches Pariser Nachtschattengewächs denken, dem ich diese Tuberose sofort „andichten“ würde: An die Stylistin Catherine Baba, die mit ihrem mondänen divaesk-dekadenten Old-Hollywood-Glamour-Modemix seitenweise Modeblogs zu füllen vermag…

Ganz ehrlich? Ich als Nicht-Blümchen, das heißt als Besitzer von verschwindend wenigen Blütendüften (ok, nehmen wir Iris und Rose mal aus, da gibt es ja viele dunkle Gesellen für mich…) war head-over-heels verliebt und trage seit Wochen bei den gestiegenen Temperaturen nichts anderes. Ich brauche eine Flasche. Und, wohlgemerkt: Ich spreche von ganz existentiellem Brauchen, nicht von zierenden Bedürfnissen…

Bin mal gespannt wie es Euch damit geht…

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

P.S.: (Fast) vergessen, die Ingredienzen: Kopfnote: rosa Pfeffer, Angelika/Engelwurz, Kaskarillabaum, Mandarine, ; Herznote: Ylang-Ylang, Orangenblüte, Mango, Tuberose, Rose, Ginster; Basisnote: Nelke, Hölzer, Sandelholz, Labdanum, Moschus.

Bildquelle: Catherine Baba, zweiteres fotografiert von Ali Mahdavi, some rights reserved. Für weitere Inspiration und Information: www.catherinebaba.com

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Tuberose die Dritte…

Geschrieben in Duft, Solifloral, Tabak & Rauchiges am 13.05.2010

Ich bin ein Freund des Hauses Histoires de Parfums, mag einige der bisherigen Düfte, unter anderem Vert Pivoine sowie den Sadisten, 1740 Marquis de Sade, sehr gerne. Den Weg, den Gérald Ghislain aber seit Moulin Rouge 1889 einschlägt, empfinde ich als absolut beeindruckend: Schon bei jenem faszinierte mich kürzlich die Vielfalt der Bilder, die dieser evozierte, der Farbenrausch und die vorherrschende olfaktorische skinnige Trockenheit. Dieser angenehm an frühere Kosmetik, an Lippenstifte oder Puder erinnernde vollkommen trockene Süße, hautnah und intim, dabei auch ein bißchen… verrucht? Verführerisch? In jedem Falle – erwachsen. Und somit paßt sie meines Erachtens nach optimal zu der Tuberosenmotivik.

Exakt jenes geruchliche Moment der Trockenheit findet sich meines Erachtens nach sowohl in der No. 1, La Capricieuse, als auch in der No. 3, der Animalischen, welche ich heute noch rezensieren möchte.

Die Wilde, Leidenschaftliche, Animalische… beginnt mit einem kurzen Intermezzo von Neroli und Orange, welches aber alsbald die Bühne räumt für ausgeprägte Tuberosen- und Pflaumennoten, intensiv und dominant, welche wiederum von besagter Trockenheit begleitet werden. Von Gräsern, getrockneten und Kräutern ist die Rede im Pressematerial – diese rieche ich, alle aber getrocknet und trocken, ergänzt von zimtigen Anklängen würzig-süßer Schärfe, welche allerdings auch von der Immortelle aus der Basis herrühren könn(t)en. Diese gestaltet sich besonnen aber bestimmt mit aromatischen Noten besagter Strohblume und hellem Tabak.

Für mich ist der Duft das Resultat einer Ménage à Trois, einer geheimen: Madame Tuberose suchte sich zwei Liebhaber, nämlich Marquis de Sade und Dandy (Parfums d’Orsay), mit welchen sie sich zu einem diskreten Stelldichein verabredete. Heraus kam – L’Animale, ein Vollblutweib.

Keine typische Tuberose, mitnichten, und auch deshalb gerade sehr testenswert. Sehr gut gelungen und in meiner Phantasie durchaus lecker an einem Kerl – dem richtigen oder besser: passenden natürlich vorausgesetzt ;)

Was haltet Ihr von dem Trio? Habt Ihr es schon testen können? Und seht Ihr ebenfalls einen neuen Aspekt in der Handschrift Ghislains? Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinungen!

Morgen folgt noch eine weitere Tuberose, um die Woche komplett zu machen: Diejenige des Herrn Duchaufour, Nuit de Tubéreuse.

Bis dahin alles Liebe und viele Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gustav Klimt: Hygeia via wikicommons – lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Das ewig Weibliche…

Geschrieben in Duft, Solifloral am 12.05.2010

… läßt sich mitnichten mittels einer Facette darstellen, ergo entschied sich Gérald Ghislain von Histoires de Parfums eben für drei: Drei neue Tuberosendüfte huldigen drei verschiedenen Frauentypen oder vielleicht vielmehr: drei verschiedenen Facetten des Weiblichen.

Les Tubéreuses bestehen aus 1 – La Capricieuse, 2 – La Virginale und 3 – L’Animale. Die Kapriziöse, die Unschuldige oder auch Jungfräuliche und die Animalische, Hemmungslose, Wilde?

Die kapriziöse Diva trägt nicht umsonst die Nummer Eins… Bergamotte dient lediglich als temporärer Auftakt, der den Weg ebnet ins tiefste Herz des Duftes: Eine mächtige Tuberose, in voller Blüte stehend nebst einer ebenfalls sehr dominanten, samtig-erdigen Iris. Dieses stolze Duo korrespondiert hervorragend mit der buttrig-weichen Wildledernote, während Safrans Würze für salzig-skinnige Akzente sorgt und sich die Basis von einem Hauch dunkel-pudrigem Kakao unterstrichen sieht.

Ein sehr erwachsener Duft, allen voran durch die omnipräsente Iris, die auf meiner Haut wesentlich dominanter ist als die Tuberose. Die Ledernoten sind satt und stilprägend, durch den salzigen Hautton mimt La Capricieuse am ehesten ein wirklich teures Kleidungsstück aus Leder, welches direkt auf der Haut getragen wird – purer sublimer Luxus würde ich sagen. Eine Frau, die weiß, was sie will – so abgedroschen das auch klingen mag.

An der Nummer zwei hätte Nabokov seine wahre Freude gehabt: La Virginale ist eine kleine Lolita. Das erinnert mich eine amüsante Stelle bei Pitigrilli, der sich in einem seiner Werke darüber ausläßt, weshalb Nonnen in Klöstern immer so unglaublich unattraktiv sein müßten – er, wäre er derjenige, der diese „Stellen“ besetzen würde, er würde sie mit den attraktivsten aller Frauen besetzen und nicht mit derlei Besen, diese würden einem genau das Gegenteil des Bezweckten vermitteln, nämlich, daß, wer der Sünde(n) widersteht, zu einer vertrockneten Jungfer werde ;)

Ich wage mir schon vorzustellen, woher die Unschuld in La Virginale rührt, denn tatsächlich atmet der Duft eine Helligkeit, die derlei Assoziationen hervorruft. Allerdings, genau wie in der Dialektik: Sobald der Begriff der Unschuld gesetzt ist, erweckt man auch das Gegenteil zum Leben, die Schuld oder besser: Sünde… und die Ahnung einer solchen findet man auch in La Virginale. Auch, wenn sie nicht weiß, was sie tut – hier weht bereits der Geist der Verführung… Tuberose in allerschönster Blüte, ergänzt von hesperidischen und fruchtigen Noten – Kirsche, tiefrot und deutlich zu vernehmen samt Mandarine, welche den Duft in sein dicht-florales Herz geleiten, das durch Tiaré und Frangipani eine überbordend exotische Ausrichtung erfährt.

Tropisch wirkt der Duft und betörend, kommt hier auch sozusagen die Schwester der Tuberose, ein weiterer weißer Nachtblüher, der Jasmin, ins Spiel. Unterstrichen wird die vollblütige Ausstrahlung des Herzens von einer Basis aus Hölzern, Patchouli und Vanille, welche für einen süß-warmen Hintergrund sorgen. Diese Unschuld ist zu tief, um wirklich unschuldig zu sein…

Einen schönen Tag und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Stone Face von Petr Kovar via stockxchng, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Die Tuberosenmanie…

Geschrieben in Duft, Solifloral, Wissenswertes am 11.05.2010

… hat den Duftmarkt fest in ihrem Griff: Was die letzten Jahre Oud war, welches inflationär in etlichen Parfums auftauchte – sehr zu meiner Freude, wie ich gestehen muß – ist wohl in diesem Jahr die Tuberose. Prada lancierte Infusion de Tuberose, Histoires de Parfums ein ganzes Trio zum Thema und von Bertrand Duchaufour, dem Hausparfumeur von L’Artisan Parfumeur, kam der lang ersehnte neue Duft des Hauses, Nuit de Tubéreuse.

Viel bekannt ist nicht über die Tuberose, auch Nachthyazinthe: Sie stammt höchstwahrscheinlich aus Mexiko und wurde wohl im 17. Jahrhundert von dort aus nach Europa importiert, in Indien aber ebenfalls bereits schon (seit) Mitte des 17. Jahrhunderts kultiviert. Sie ist der Gattung nach eine Agave, der Unterfamilie der Agavengewächse entstammend und zeigt sich als einer Zwiebel entspringende fleischige Pflanze, die über einen ährenartigen Blütenstand verfügt. In wachsigem Weiß gehalten verströmt dieser einen intensiven Duft: Schwer und süß, annähernd honiggleich und vor allem eines – betörend, verführerisch.

Als typischer weißer Nachtblüher ähnelt sie – auch geruchstechnisch – dem Jasmin, welcher ebenfalls in Anbau, Ernte und Ertrag ein schwieriges Pflänzchen darstellt. Noch heute extrem teuer und kompliziert in der Handhabung faszinierte er bereits früher die Menschheit, so auch den gerade in Grasse angekommenen Grenouille in Patrick Süskinds Parfum:

“Ende Juli begann die Zeit des Jasmins, im August die der Nachthyazinthe. Beide Blumen waren von so exquisitem und zugleich fragilem Parfum, daß ihre Blüten nicht nur vor Sonnenaufgang gepflückt werden mußten, sondern auch die speziellste, zarteste Verarbeitung erheischten. Wärme verminderte ihren Duft, das plötzliche Bad im heißen Mazerationsfett hätte ihn völlig zerstört. Diese edelsten aller Blüten ließen sich ihre Seele nicht einfach entreißen, man mußte sie ihnen regelrecht abschmeicheln. In einem besonderen Beduftungsraum wurden sie auf mit kühlem Fett bestrichene Platten gestreut oder locker in ölgetränkte Tücher gehüllt und mußten sich langsam zu Tode schlafen. Erst nach drei oder vier Tagen waren sie verwelkt und hatten ihren Duft an das benachbarte Fett und Öl abgeatmet. Dann zupfte man sie vorsichtig ab und streute frische Blüten aus. Der Vorgang wurde wohl zehn, zwanzig Mal wiederholt, und bis sich die Pomade sattgesogen hatte und das duftende Öl aus den Tüchern abgepreßt werden konnte, war es September geworden. Die Ausbeute war noch um ein Wesentliches geringer als bei der Mazeration. Die Qualität aber einer solchen durch kalte Enfleurage gewonnenen Jasminpaste oder eines Huile Antique de Tubereuse übertraf die jedes anderen Produkts der parfümistischen Kunst an Feinheit und Originaltreue.”

Von Erotik ist hier ebenfalls ein paar Zeilen weiter die Rede, wie auch nicht, in Anbetracht einer solch narkotisierenden Blüte? Mein Verhältnis zu weißen Blüten ist normalerweise ein sehr zurückhaltendes. Tuberose allerdings liebe ich, auch wenn ich bisher nur exakt zwei Tuberosendüfte auf meine Haut ließ, selten – es sind Amoureuse von Delrae Roth und die Tubereuse Criminelle von Serge Lutens.

Letzterer Herr hat mich, ich werde es nicht müde zu erwähnen, auf die Tuberose gebracht – mit einem Interview vor einigen Jahren, in einem Printmedium. Ich hab es hier vorliegen, da ausgerissen, aber vergessen, eine Notiz zu machen – keine Ahnung mehr, aus was für einer Zeitschrift es stammt, leider. In besagtem Interview bekennt Lutens seine Leidenschaft zu der Poesie von Jean Genet, Rainer Maria Rilke, Gérard de Nerval und Charles Baudelaire, dem Poète Maudite, den er als seinen Lieblingsdichter bezeichnet:

„Ich liebe seine gesamte Poesie. Baudelaire verkörpert in seiner Dichtung die Liebenden, die Nacht, die Schönheit, den Tod, die Hässlichkeit. …“

Gefragt nach dem Warum antwortet Lutens folgendermaßen:

„Charles Baudelaire fängt das ein, was die Schönheit in ihrer Eigenart ausmacht – mit ihrer transzendenten und fleischlichen Seite. Er findet Schönheit in Ruhe, in Duft, in Schmuck in Geräuschen und auch in der Hässlichkeit. Seine Sicht der Erotik ist stark mit dem Tod verbunden. Baudelaire ist ein Romantiker, öffnet gleichzeitig die Tür zur Moderne.“

Für mich gibt es keine andere in der Parfumfabrikation verwendete Blüte, die jene Art von Ästhetik der Erotik oder besser: Erotik der Ästhetik besser darzustellen vermögen könnte als die Tuberose. Die Tuberose, diese höchst empfindliche Königin der Nacht in weißes Wachs gegossen, wunderschön, auf fast schon schmerzhafte Weise betörend süß und – vergänglich, ach so vergänglich. Und somit auch auf eine Art morbide anmutend.

Deshalb sollte für mich eine Tuberose auch erwachsen interpretiert werden – nicht unbedingt „nicht jugendfrei“, obgleich das natürlich auch eine Option ist, in jedem Falle aber nicht girliesk.

Ich werde Euch in den folgenden Tagen sowohl die drei Tuberosen von Histoires vorstellen als auch das neueste Werk von Bertrand Duchaufour. Und ich kann Euch bereits jetzt sagen: Es lohnt sich zu schnuppern… und natürlich weiterzulesen ;)

In diesem Sinne – hoffentlich bis morgen!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Polianthes Tuberosa von Forest & Kim Starr via wikicommons – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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The Different Company – Un Parfum d’Ailleurs et Fleurs
Ambre Gris – Eine Hommage an einen der edelsten und ursprünglichsten Duftstoffe
Parfums Serge Lutens – Cèdre – das neue Mitglied in der Serge Lutens Parfum-Kollektion


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