Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Royal Crown…

Geschrieben in Duft,Orientalen,Solifloral am 25.01.2012

betont seine Herkunft schon im Namen – Königliches verspricht uns die neue Linie, die erst vor kurzem zusammen mit den Visconti-Düften Eingang in unser Sortiment fand. Von Visconti war ich, wie der geneigte Leser wissen wird, überraschend angetan – Grund genug, mich für Euch zu „opfern“ und mein geneigtes Näschen in der neuen Kollektion zu versenken…

Sieben Düfte sind es, die Euch und mich erwarten, nämlich: Noor, Tenebra und Poudre de Fleurs für die Damen, Rain, Musk Ubar und Tabac Royal für die Herren sowie Celebration für beide Geschlechter – unsere Beschäftigung für diese Woche.

Bemerkenswert sind vorab natürlich die Flakons: Die Linie präsentiert sich, Adel verpflichtet, in florentinischen Kristallflakons mit kunstfertig hergestelltem, von Hand mit Swarovski-Kristallen verziertem Deckel in Kronenform. Für den einen oder anderen Sammler sicher ein Augenschmaus.

Noor sieht sich als „Entdeckungsreise in die Welt des Weiblichen“, jenes „Universum der Femininität“ – ich will sehen, ob ich dabei folgen kann… „Sophisticated“ soll er sein und – ein Orientale. Für eine selbstbewusste Frau. Dafür haben Royal Crown tief in die holzige Harzkiste gegriffen, wie mir ein erster Blick auf die Ingredienzen verrät: Kopfnote: Koriander, Ylang-Ylang, Elemiharz; Herznote: Opoponax, Patchouli, Jasmin; Basisnote: Benzoeharz, Adlerholz (Oud), Myrrhe, Vetiver.

Nach einem ersten Schnuppertest frage ich mich nach dem Frauenbild, dass der Herr Parfumeur da so im Kopf hatte… In jedem Fall entspricht es sicherlich nicht dem gängigen Schönheitsideal der zum Teil fast schon in (Selbst)Auflösung inbegriffenen Size-Zero-oder-darunter-Frauen. Und auch nicht der Marschrichtung, die die meisten Mainstream-Parfums mittlerweile verfolgen, bei denen sauber gar nicht sauber genug riechen kann.

Noor zelebriert Wollust. Harzige Wollust. Eine überbordend-überschäumende Harz-Femme-Fatale in eine samtene Gewürzrobe gehüllt, mit einem ausladend-würzigen Holzhintern ausgestattet, der Begehrlichkeiten weckt. Hossa, was für ein Vollweib!

Tenebra, man riecht es gleich, huldigt der Tuberose – wir haben es also wieder mit einer Verführerin zu tun. Diesmal war der Duft schneller auf meinem Arm, als ich die Beschreibung lesen konnte – aber nach allem, was mir da entgegenweht, ist mir klar, dass man hier alles auf eine Karte gesetzt hat – die Tuberose. Und siehe da, im Text zum Duft, da steht es auch: Tenebra sei die fleisch-, pardon: duftgewordene Verführung in Reinform.

Entweder liegt es an meiner neu entflammten Tuberosenleidenschaft, die mir eine rosarote Brille beschert. Oder aber es sind mir wirklich bisher keine total vergurkten Soliflor-Tuberosen über den Weg gelaufen – zumindest keine, an die ich mich erinnern könnte. Tenebra schert ebenfalls nicht aus und reiht sich bei den Tuberosenschönheiten ein, die mir die letzten Monate unter die Nase kamen: Zitrische Herbheit zeigt sich im Auftakt, von zurückhaltend metallischen Akzenten untermalt, die von der Narzisse herrühren dürfte. Bittere Anklänge werden offenbar, die mich kurzfristig annehmen ließen, irgendwo Vetiver vorzufinden. Kein solcher ist angegeben, und die Bitterkeit nimmt uns an die Hand und führt uns in die Höhle der Löwin: Eine buttrige, narkotisierende Tuberose, wächsern und auf eine Art pfeffrig anmutend, auf einem weichen Lager von betörender Süße gebettet.

Fatal erinnert mich die Tuberose an ein Gedicht namens Sünde der Wienerin Lisa Baumfeld, die im zarten Alter von 19 Jahren 1897 verstarb:

Allein die Sünde ist unendlich reich …
(Loris.)
… Ein weißes Weib lehnt in den dunklen Falten
Mit steinig weißen, grau’nhaft schönen Gliedern,
An die sich gleißend eine Schlange schmiegt ….
Mit bleichem, sündhaft schönem Antlitz …
Aus seinen Zügen leuchtet, blaßroth schwellend,
Ein wundersüßer Mund, der vieles sagt,
Und lächelnd … viel verschweigt …
In ihrem Aug’, dem trunk’nen, zaubertiefen,
Brennt sehnsuchtsfeucht ein Blick, der lockt und fängt
Und schmeichelnd kost und tödlich wundet
Und glühendheiß macht und den Sinn verwirrt …
Wer bist du, seltsam Weib?
Was glüht in deinen Lippen?
Was rauscht sirenengleich
Aus deiner Augen Meer?
»Mein Name ist der älteste hienieden.
Ich bin im Hauch der starren Tuberose,
Der schweren, die in weißen Gluten brennt …
Ich bin, wo tolle Rhytmen wirbeln
Und Menschen lachend sich dem Klang hingeben
Und sinnberauschet in den Tod sich wirbeln …
In allem Dufte, der dich trunken macht
Und süß zu Tode küßt und duftet …
Bin im Accord, der brausend dich durchflutet,
Und deine Seele streichelt und zerreißt,
Dich elend macht und doch unsagbar glücklich!
Mein Reich ist, wenn der silberweiße Mond
Sein schimmernd Gift in Erdenwunden hinweint,
Und Lieb’ und Wahnsinn durch die Lüfte rasen …
In blassen schönen Frau’n kannst du mich fühlen.
Ich weh’ als Athem in des Mundes Gluten,
Ich zuck’ in ihrer Hand, die dich erbeben macht …
Ich bin im Duft der weichen Frauenhaare
Und hab’ an ihrer Brust, der kalten, dich durchfröstelt
Und fiebre in dem Kuß, der dir das Herz versengt …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen
Und weiß, dein Herz ist krank … ich küsse dich gesund!
In meinem Arm ist seliges Verbluten …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen …

Genug der duftenden Poesie für heute. Morgen geht es weiter mit Royal Crown – bis dahin alles Gute und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hans Hassenteufel: Tänzerin, Franz von Stuck (1893): Die Sünde, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Royal Crown die Dritte.
Duftverzeichnis L – Z


Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes,Holziges,Solifloral am 17.01.2012

Die Rezension von Herrn Zoltys À bientôt dieser Tage hat mich an ein lange gehegtes Versprechen erinnert, das ich heute endlich einlösen möchte: Ein wirklich Vergessener, lange Vergessener und absolut zu Unrecht vergessener Duft – extra für die liebe Christiane, Simone Cosac, Perle de Bianca. Ende 2010 hatte ich von Trama geschwärmt und verkündet, mich bald des anderen Cosac-Duftes anzunehmen, was bis heute noch nicht passiert ist, Asche auf mein Haupt. Dabei ist Perle de Bianca, dessen etwas tiffiges Outfit wohl einige abschrecken dürfte, jede Rezension wert! Wer einen madamigen Duft hinter diesem Flakon vermutet, ist vollkommen auf dem Holzweg: Perle de Bianca ist eigentlich ein sehr einfacher Duft und ähnelt ein bisschen der Slowfood-Bewegung. Die Ingredienzen sind überschaubar, sehr sogar – Neroli im Kopf, Iris, Jasmin und Brombeere im Herzen und eine Basis aus Ambra, Moschus und Weihrauch. Was sich wenig spektakulär anhört, entpuppt sich als zarter sinnlicher Duft: Im Auftakt zitrisch-herb und säuerlich bitzelnd durch die Früchtchen rieche ich in deren Zusammenspiel sogar kurz eine Stachelbeere und dezente grün-grasige Akzente. Der Fokus geht alsbald auf den Boden unter den Früchtchen – erdig-pudrig wurzelt Iris und stiftet Seidenweiche, während Jasmin zart vor sich hin knospt. Das Zusammenspiel von Iris und Jasmin sowie Brombeere und Bergamotte ist himmlisch und wird auf gekonnte Weise untermalt von aromatischer, brusterweiternder und fein-süßer Myrrhe, bis es auf einem warm-weichen Lager Ruhe findet. Ein erlesen schöner, leiser, femininer Duft.

Silvana Casoli von Il Profumo war einmal mehr überaus fleißig – und hat ihre Kollektion gleich um vier neue Düfte erweitert: Santal Rouge, Songe de Tulipe, Blanche Jacinthe und Fleur de Bambù erwecken den Eindruck, als künden sie vom nahenden Frühling – auf den ich, obgleich es noch nicht einmal wirklich verschneiter Winter war, mittlerweile schon wieder Lust hätte…

Santal Rouge überrascht mit zitrischen Noten im Kopf, die alsbald von Unterholz eingeholt werden: Samtiges Sandelholz bahnt sich seinen Weg, von zimtig-würzigen Anklängen samt einer Gewürznelke begleitet. Eine dezent-säuerliche Frucht vermag ich zu entdecken, Johannisbeere? Ein Blick auf die Ingredienzen sagt mir, dass das möglich wäre: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Rote Beeren, Sandelholz, Nelke; Basisnote: Rosenholz, Gewürznelke.

Santal Rouge entfaltet einen eigenartigen Reiz: Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich kein ausgeprägter Sandelholzfan bin? Es erinnert mich allzu oft an Herrenfriseure, Rasierwasser und ähnliches – nicht unangenehm, aber nicht unbedingt das, wonach es mich zu duften gelüstet. Santal Rouge haftet auch etwas dieses, ich nenne es mal „Altherrencharmes“ an, der sich aber als fast unumgänglich bei dieser Ingredienz entpuppt. Gepaart und aufgelockert zeigt sich das Hölzchen allerdings von den säuerlich-prickelnden Fruchtnoten von Beeren und Hesperiden. Diese generieren eine eigentümliche Frische, die Santal Rouge unbestritten zu einem zeitgemäßen Vertreter seiner Gattung machen, für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar.

Songe de Tulipe zaubert mir beim Aufsprühen sofort ein strahlendes Lächeln ins Gesicht – und lange habe ich überlegt, an was er mich erinnert… Der Tulpe ist er gewidmet, der Duft. Einen ebensolchen und sehr schönen Vertreter gibt es ja von Byredo – Casolis Tulpe ist aber anders: Weniger wässrig-transparent und ein bisschen… fruchtiger? Als Ingredienz ist nur die Tulpe angegeben, ich bin mir aber nahezu sicher, dass Songe de Tulipe auf meiner Haut nicht nur süß-floral duftet und feucht, sondern auch nach… Sorbet. Da ist sie, die Kindheitserinnerung an das kleine, pittoreske italienische Eiscafé. Der Duft von einem exzellenten zart-schmelzenden Beerensorbet, Himbeere oder Erdbeere, erobert meine Nase. Von sanfter Süße und mit einem Keks garniert zeigt sich Songe de Tulipe auf meiner Haut, alsbald eingeholt von einem Hauch minzig-süßer Frische. Welch schöner Frühlingsbegleiter – nach Coquelicot meine zweite Lieblings-Il-Profumo-Blume.

Blanche Jacinthe ist eine Hommage an die Wasserhyazinthe – und riecht dafür auch ganz typisch: Dieser besondere Blütenduft, der auf seine ihm genuine Art einen Großteil der Elemente miteinander verschmelzen lässt: Wasser, Erde und Luft finden sich, während auf das Feuer zugunsten des Metalls verzichtet wird. Eine beschwingte Blütensüße wird von dunkelgrün-chypriertem Blattwerk kontrastiert, während der Duft von einer sachte ambrierten Moschusbasis getragen wird.

Fleur de Bambù lässt mich sofort schmunzeln – der Bambusblüte gewidmet, vereint er etliche Zutaten, die man in einem solchen Duft vermuten würde: Rica Rica (ein Eisenkrautgewächs, vornehmlich in Südamerika beheimatet), Bambus, Seerose, Lotosblüte, Reis, Milch und Efeu. Jene für die verwendeten Blüten so typische wässsrig-florale Aura lässt sich sofort entdecken, von fein-transparenter Süße begleitet. Grüne Anklänge, hinter denen ich sogar meine, zeitweise eine überaus unreife Banane oder vielmehr deren Blätter wahrzunehmen. Und Reis, vielmehr – Milchreis, der irgendwo am Rande dieser Impression körnt und cremt, von sanft-koketter Süße begleitet. Aber keine Angst – genügend Sauberkeit findet sich hier natürlich auch, wie es sich für einen Bambusduft gehört. Für Freunde dieser Sorte Düfte empfiehlt sich mit Sicherheit ein Test.

Wie bei Il Profumo üblich sind die Düfte zum Layern empfohlen. Wie steht Ihr eigentlich dazu? Il Profumo ist ja nicht die einzige Firma, die diesem Konzept frönt, Jo Malone und Etro sind ebenfalls bekannt dafür, um nur einige zu nennen… Layert Ihr gerne? Layert Ihr viel? Was layert Ihr – Düfte, die speziell dafür gedacht sind oder alles kreuz und quer? Und – was für Kombinationen haben es Euch angetan?

Gespannte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gelbe Tulpen von Warburg, August Macke (1911): Hyazinthen, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Andrea Maacks duftende Kunstwerke – Teil 3.

Geschrieben in Duft,Leder,Solifloral am 13.01.2012

Island war diese Woche Thema, und zwar mit der Duftkollektion von Andrea Maack, deren letzte zwei Düfte heute an der Reihe sind – Silk und Dark, unterschiedlicher kann es auf den ersten Blick kaum werden.

„Silk feels like a delicate fabric touching the skin. Drawing inspiration from original hand-drawn prints, it is a scent of timeless luxury, paying tribute to French fashion houses with a heritage of silk scarves. The idea of Silk is to enhance the feeling of wearing a perfume – its powdery, airy, earthy, leathery aura makes you imagine a silky smoothness caressing your neck.“

Eine Hommage an die französischen Modehäuser mit ihren Seidenschals – gemeint ist hier sicher vor allem auch Hermès. Aber keine Angst, so klassisch geht es bei Andrea Maack nicht zu. Auf den ersten Blick ist es gar nicht das, was ich mir unter Seide vorstelle – Seide, das war in meiner Assoziation etwas, nun ja, Leichtes, das den Spagat zwischen warm und kühl spielend ausbalanciert. Silk mit seinen Ingredienzen zielt irgendwie in eine ganz andere Ecke: Veilchenblätter, Freesien, Limettenbaum, Leinen, Magnolie, Labdanum, „Erde“, Papyrus, Vanille, Ambra.

Agrumenschalen, aquatisch-wässrige Blüten, von einer eigentümlichen fruchtigen Süße begleitet. Sauber wird es dann, frisch ist es ohnehin schon und bleibt es auch. Und grasig-grün. Lange versenke ich meine Nase in dem Duft – um schlussendlich darauf zu kommen: Für mich riecht Silk mittig nach blühendem Klee, und zwar blühendem weißem Klee, den man mitsamt seiner erdigen Wurzel aus dem Erdreich pflückt.

Je länger ich mich mit dem Duft beschäftige, desto besser kann ich verstehen, was Maack damit meint und kann ihre Seidenassoziation nachvollziehen – nur gelb muss er für mich sein, der Seidenschal, mit weißer Musterung, vielleicht weißen Polkadots? Denn Gelb ist die Farbe, die ich mit Silk assoziiere.

Dark beschwört, wie der Name vermuten lässt, vermutlich andere Bilder herauf:

„Dark is heavily oxidized rose mixed with violets and leather. Its a take on the classic rose note, a bloody, flowery, leathery, seductive perfume with a purpose. The heavy metallic note in the scent brings an unexpected surprise while its animalistic and powdery side suggests certain comfort both reassuring and protective. Dark is a scent with a mind of its own, and it can take you to places you never dreamed of going.“

Plätze, von denen ich nie gewagt hatte zu träumen? Schon wieder große Versprechen, Frau Maack – schauen wir, ob Dark sie einzulösen vermag.

Dark ist – eindrucksvoll. Wuchtig. Voluminös. Raumgreifend. Extrem. Und auch hier fällt man, falle ich über die eigenen klischeebeladenen oder, freundlicher: empirisch erschlossenen Vorurteile: Düster in Kombination mit Rose hätte ich mir anders vorgestellt – zumindest wären die ersten Gedanken in eine andere Richtung gewandert. Montales Oudrosen wären mir in den Sinn gekommen, mit denen Dark so gar keine Ähnlichkeit besitzt. Von zitrisch-säuerlicher Gewalt zeigt sich Dark in der Kopfnote, ein überschäumendes Temperament, dass er da an den Tag legt, von Pfefferkörnern kokett kontrastiert. Durchdringend sind sie, die Hesperiden, und lassen auch im späteren Duftverlauf nicht von meiner Nase ab. Den Apfel, den grünen, entdecke ich ebenfalls, sich vornehm hinter der Agrumenfront zurückhaltend. Und eine Rose, groß und beeindruckend, strahlend. Mit metallischen Noten, luzide und durch und durch kühl, scharf, dornig.

Die metallische Rose erinnert mich an Clemency von Humiecki & Graef sowie Rossy de Palmas Eau de Protection von État Libre d’Orange. Der Duft in seiner Gesamtheit duldet allerdings keine Vergleiche, einzig einen möchte ich einwerfen, einen entfernten: Rose Noir von Byredo. Ebenfalls von einer kraftvollen suggestiven Präsenz erschließt sich auch hier die Finsternis-Assoziation erst auf den zweiten Blick, dann aber in voller Größe.

Eigenartig, sonderbar und bemerkenswert sind sie, die Düfte von Andrea Maack. Und haben damit bei mir schon wieder voll ins Schwarze getroffen, auch oder gerade weil ich einige Anläufe brauchte. Und bei Euch, wie sieht es aus meine Lieben, schon probiert, schon infiziert?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Coloured Stripes von kodakgold/Samuel Rosa, White clover von speedy2/Jef Bettens, Ausbruch des Geysir Strokkur in Island von Andreas Tille, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Andrea Maacks duftende Kunstwerke – Teil 2.
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Freitagsverlosung.


Viele kleine Italiener – Visconti die Dritte.

Heute geht es wie versprochen weiter mit Visconti – und selbst nach dem heutigen Tag werden wir mit dem Thema noch nicht abgeschlossen haben. Zu viele Düfte sind es einfach, und mich überrascht die Qualität dieser großen Kollektion sehr. Für gewöhnlich stimmt mich das immer ein wenig argwöhnisch, wenn eine Kollektion, von der ich noch nichts gehört habe, so viele Düfte hat oder gar mit so vielen Düften auf den Markt kommt. Hier aber habe ich dieser Tage schon einiges gerochen, das es mir durchaus angetan hat – und damit geht es munter weiter…

Akaba ist mein erster Kandidat, und lässt mich sofort schmunzeln: Eine echtes Unikat, eine Perle, das riecht man gleich. Und so eigenwillig und einzigartig, dass der Duft dafür sogleich einen Stein in meinem Brett einheimst. Was rieche ich auf den ersten Schnupperer? Trockenes würziges Heu, süßen aromatisierten Pfeifentabak mit Vanille und Lakritze. Drum herum holzt es noch ein wenig, Oud raucht außerordentlich zivilisiert vor sich hin im Hintergrund und Patchouli haucht Erdung ein. Aber im Grunde bleibt sich der Duft seinen Verlauf über treu. Und präsentiert eine so feine Mischung, dass es für Männlein und Weiblein mit Lakritzaffinität und Tabakleidenschaft eine wahre Freude sein dürfte.

Ein exzellenter Einstieg – und weiter geht es mit Rose Sauvage: Was steigt mir da in die holde Nase? Raumgreifend, ein wenig aldehydisch und mit Mandarine versehen, enthüllt sich hier ein gar meisterlich arrangiertes Blütenbouquet. Opulenter Jasmin, erdig-samtig-pudrige Iris und eine Mischung aus Rose, Patchouli sowie Tonka und Vanille, die mich sehr an einen meiner liebsten Düfte erinnert – Juliette has a Guns Lady Vengeance. Und überhaupt erinnert mich Rose Sauvage an eine gelungene Hochzeit zweier meiner absoluten Favoriten – besagte Rachegöttin sowie Iris Poudre, die ebenfalls Übermenschliche. Florale Frische in einer eigenartigen angewärmten Form, wie in Seide und Kaschmir gehüllt. Und zu allem Überfluss noch eine winzige Spur Tuberose. Ich bin hin und weg.

Rose Suprême, die zweite Rose, zeigt sich für mich auf meiner Haut deutlich chypriert. An eine Rose im Moos muss ich denken, eine zarte, im Halbschatten – das ist das Bild, dass ich zum Duft vor Augen habe. Eine luzide Rose, mit cremig-erdigem Veilchen und samtiger Iris im Gefolge, von herb-frischer Bergamotte beschienen und von Vetiver moosig-grasig umrankt.

Fleur de Nuit weckt vielfältige Assoziationen: Die Blume der Nacht lässt mich sofort an Nachtschwärmer denken, an Baudelaires Werk Les Fleurs du Mal und seinen vielbeschworenen dandyesken Flaneur, der beobachtend durch die Straßen zieht, … hach. Und der Duft enttäuscht nicht: Trocken, warm, süß, scharf und pfeffrig brodelt einem der Auftakt entgegen, und auf eine angenehme Weise animalisch. Sehr eigen- und überaus einzigartig, wobei gleichermaßen absolut tragbar. Nelke? Muskat? Piment? Pfeffer? Gemischt? Dazu kommen noch Rose und Jasmin, jetzt juckt es mich aber und ich wage einen Blick auf die Ingredienzen: Kopfnote: Peperoni (Chili), Muskatnuss, Mandarine, Bergamotte; Herznote: Jasmin, Türkische Rose, Nelke, Anis; Basisnote: Adlerholz (Oud), Sandelholz, Benzoeharz, Vanille, Honig, Moschus, Patchouli, Vetiver, Ambra.

Chili pfeffert also mit Muskat am Anfang und stiftet diese trockene Schärfe, die alsbald ambriert harzig wirkt. Oud hüllt rauchig-holzig-harzig ein, während Vanille cremig-süß untermalt. Harzige Hölzer dominieren den Verlauf, in enger Umarmung mit dem honigverzierten Blütenduo, während der anfänglich trocken-scharfe Unterton den ganzen Duft über bestehen bleibt.

So etwas, meine Lieben, habe ich so noch nicht, vermutlich noch nie gerochen. Das hier hätte auch von Lutens sein können – und zwar vom alten, der noch mit jedem Duft einen echten Knaller produzierte. Denkt bitte an Klassiker wie Chergui – Fleur de Nuit ist meines Erachtens nach durchaus vergleichbar.

Damit möchte ich die Visconti-Serie erstmal abschließen – vorübergehend. Denn jetzt, nach ein paar Testtagen, bin ich doch so überzeugt dass ich Euch auch irgendwann mal in naher Zukunft den Rest der Kollektion vorstellen werde.

Wie sieht es aus, habt Ihr schon getestet? Eure Meinungen?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Michel Gobin (nach 1681): Junger Mann mit Pfeife, Pink Rose von Socyo/Bruno Sersocima, Chili von hejboel/Henrik Jensen, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Viele kleine Italiener – Visconti die Zweite.
In 80 Tagen…
Duftverzeichnis


Viele kleine Italiener – Visconti die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Orientalen,Solifloral am 22.12.2011

Weiter geht es mit Antonio Visconti, jener umfangreichen neuen Kollektion.

Rebel – ein echter Rebell riecht natürlich nach…? Patchouli. Hätte mir klar sein müssen… Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Rebellen und einem Revolutionär? Egal, zumindest sehen sie sich beide als Freiheitskämpfer, soviel lässt sich an Gemeinsamkeit sicher feststellen. Unser Rebell hier hat ein güldenes Patchouliherz und trägt ein großes Feuer in sich, dass ihn zum neuen Patchoulihelden werden lassen kann: Samtig, erdig, süß und mit einer gehörigen Portion Kakao und Puder(zucker) erobert er das Feld, mit glitzernden Mandarinen- und Ylang-Sprenklern bekränzt. Erstaunlich viel Frucht zeigt sich da im Hintergrund – genauso wie ein Röschen, das wohl für die Ideale steht. Keine schlechte Mischung, Rose und Patchouli, wir kennen es von L’Artisan Parfumeurs Voleur de Roses. Jener Duft unterscheidet sich aber sehr von dieser eher gourmandig angehauchten Variante, die viel mehr an Patchouligrößen wie Mazzolaris Patchouly oder Lutens’ Borneo 1834 erinnern will.

Alhambra verdankt seinen Namen jener maurischen Stadtburg in Granada, die seit den 80ern Weltkulturerbe ist und zu den bedeutendsten Bauwerken der islamischen Kunst zählt. Wenn wundert es da, dass der Duft ein Orientale ist? Die Priorität liegt ganz klar auf der Kombination aus warmen Harzen und kantig-charakteristischem Oud, eine wunderschöne Melange, die von Rosen und Safran veredelt wird. Ein leiser Hauch Bergamotte schimmert in der Kopfnote, Koriander stiftet zarte dunkelgrün-aromatische Anklänge und Patchouli haucht dem ganzen noch mehr erdige Wärme und süße Tiefe ein. Ein Fest für Harz- und Patchoulifreunde, keine Frage.

La Divinia Tubereuse ist der nächste Duft in der Reihe – und geschwärmt habe ich schon bei der Beschreibung in unserem Shop:

„Tuberose, die Göttliche – das würde wohl auch Grenouille so sehen, der Protagonist in Süßkinds bekanntem Roman „Das Parfum“. Tuberose, jene edelste der Blüten, deren Duft so schwierig zu gewinnen ist. Jene, die ihre Seele nicht gerne preisgibt und deshalb so kostbar ist.

Visconti hat dieser Blume, von der schon Baudelaire und Goethe schwärmten, ein olfaktorisches Denkmal gesetzt – die Blüte des Begehrens, deren Duft in dieser Ausfertigung unstillbare Begierde in uns weckt: La Divinia Tubereuse ist ein Meisterwerk und vermag es auf unnachahmliche Art und Weise, all jene Facetten abzubilden, für die man Tuberosen lieben (und auch hassen) kann. Als Inkarnation der Sinnlichkeit präsentiert sich jene Femme Fatale der Flora hier, buttrig-cremig, opulent weißfleischig und wächsern und verdreht so Nasen und Köpfe – Gegenwehr absolut zwecklos.“

Wie Ihr als geneigte Leser wohl bemerkt habt, haben es mir Blümchen in letzter Zeit sehr angetan, allen voran Tuberosen. Eine lange und sehr langsame, vorsichtige Annäherung. Jetzt aber kann ich kaum genug bekommen von dieser gefährlichen großen Blüte. Und La Divina Tubereuse ist ein ganz vorzügliches Exemplar, ein Duft, bei dem ich direkt noch schwach werden könnte, obgleich dieses Jahr schon drei hervorragende Tuberosen bei mir Einzug hielten. Im Auftakt für kurze Zeit schüchtern und grün taut unsere Diva alsbald auf und offenbart ihr eigentliches Naturell: Sinnlich und fleischig zeigt sie sich, wächsern weiß und nach allerfeinster Buttercreme duftend, von likörig-beschwipsten Noten und fruchtigen Anklängen begleitet. Ein erdiger Hauch umweht sie, latent umhüllt von versteckt karamelligen Akzenten.

Diese Tuberose, der jegliche mentholisch-metallisch-scharfen Noten fehlen und der auch jenes pilzige Moment, das in Gardeniendüften oftmals hervortritt, abgeht, muss sich nicht verstecken vor der Konkurrenz. Und erst recht nicht vor den großen Tuberosennamen – Viscontis Tuberose spielt meines Erachtens nach in der ersten Liga – und das obgleich es da draußen einige exzellente Tuberosen gibt wie ihr wisst.

Morgen geht es weiter mit Herrn Visconti – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Alhambra von Solipsist/Andrew Dunn, Tuberose von Pkgmohan, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Viele kleine Italiener – Visconti die Dritte.
In 80 Tagen…
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Parfums für die lieben Kleinen…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Solifloral am 30.11.2011

… gibt es ja einige, und wie meine Erfahrung zeigt, sind es für gewöhnlich nicht mal die Schlechtesten, was Ihr an dieser Stelle als schwäbisches Kompliment werten dürft. Für den einen oder anderen Nichtschwaben, der mit unserer Gattung noch nicht in Berührung gekommen ist: Das höchste Kompliment eines Schwaben ist jenes, dass er schon Schlechteres gehabt, beispielsweise nach einem Essen, dass er schon Schlechteres gegessen habe. Die Kenntnis des schwäbischen Charmes ist eine unerlässliche Voraussetzung für menschliche Interaktion jeder Art mit uns, insofern seid Ihr ja jetzt gewappnet. Aber kehren wir wieder zurück zum Thema – Kinderdüfte.

Bulgari erfreut uns schon seit Jahren mit Petits et Mamans, seinem Duft für kleine Kinder und deren Mütter. Alkoholfrei und in der Anmutung pudrig, rein, unschuldig und kuschelig hat der Duft nicht wenige erwachsene Fans. Auch wenn ich nun als Kinderlose über keine praktische Erfahrung verfüge – mein Baby würde ich, denke ich, nicht unbedingt mit Düften einsprühen. Aber für kleine Mädchen und auch Buben finde ich das eigentlich eine zauberhafte Idee. Viele von uns dürften das ja auch kennen und in den Biographien von so gut wie jedem Parfumeur steht eine ähnliche Geschichte: Das Bestaunen der mütterlichen Parfums im zarten Alter samt dem unbedingten Bedürfnis, an diesen zu schnuppern, diese zu tragen.

Nobile 1942 überraschten mich auf der Messe vor zwei Jahren mit zwei Parfumsets für Kinder, einem für Mädchen und einem für Jungs. Alla Corte del Re genannt trägt das Mädchenset den Beinamen Rosa Incantevole und das für Jungen heißt Cedro Atlas. Ich weiß noch, wie begeistert ich damals von den jeweils drei Düften im Set war: Einfache, wenig komplexe, aber kindgerechte, freundliche Düfte zum Layern, was den lieben Kleinen sicher besonderen Spaß machen dürfte. Und dann war da noch dieser tolle Erdbeerduft in dem Set für Mädchen, der nur noch durch den „Cola“ benannten Duft bei den Jungs getoppt wurde: Der Name ist hier absolut Programm. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie das dem Parfumeur gelungen sein mag, Cola riecht aber wirklich nach Cola. Und macht somit unglaublich viel Spaß, weswegen ich den Duft sicher nicht nur kleinen Jungs ans Herz lege!

Überhaupt ist das doch ein wichtiger Aspekt an Parfums: Manchmal gibt es einfach Situationen, an denen man das Bedürfnis nach einem Duft hat, der einen einfach heiter, fröhlich, lustig stimmt. Und dann darf der Duft vielleicht auch etwas einfacher, kindlicher sein.

Ein Grund, weshalb mich Prudence Paris, deren Damendüfte ich letzte Woche vorgestellt hatte sowie gestern die Herren, mit ihren Kinderdüften vollkommen für sich einnehmen konnten: Mademoiselle heißen sie, die zwei Grazien, und sind den Mädchen gewidmet.

Mit dem einen Mademoiselle-Duft werde ich auf der Stelle selbst wieder zum Mädchen, und nicht nur das: Was mir da von Teststreifen und Handgelenk entgegenweht erfüllt mich augenblicklich mit Lebenslust und Freude, anders kann ich das nicht sagen. Beeren sind es, und zwar ein sehr deutlich wahrzunehmendes Trio aus Himbeere, Erdbeere und Brombeere. Bei meinen Eltern zu Hause gab es die immer mit einem Hauch Zucker bestäubt, manchmal Puderzucker, manchmal normaler Zucker. Den rieche ich hier auch, mit einer feinen Prise Vanille vermischt. Und ich rieche noch eine bitzelnde Kindheitserinnerung: Ahoi Brause, meine zweitliebste, nämlich Himbeere.

Was für ein schöner, kleiner Duft, denke ich – und habe mich gerade umentschieden: Das kleine Fläschchen, das hier vor mir steht, kann ich unmöglich an die Tochter meiner Freundin weiterverschenken. Zumindest nicht, ohne mir vorher ein kleines bisschen abgezweigt zu haben.

Mademoiselle die Zweite zeigt sich ähnlich bezaubernd: Saftige Mandarine und helle Rose in der Kopfnote, würzig-warmer Anis ohne Ouzoanklänge und überaus üppige Orangenblüten, fruchtig-floral und von einer herzigen Honigsüße, die von der pudrig-warmen Basis aus Vanille und Ambra gekonnt abgerundet werden.

Orangenblüte sollte man hier schon mögen, da sie eine zentrale Rolle spielt. Wer das tut, könnte mit jenem feinen Düftchen aber vielleicht einen Anwärter auf seinen Orangenblüten-Holy-Grail finden, den Mademoiselle weiß durchaus als ebensolcher zu überzeugen und wird somit auch viele erwachsene Mädchen verzücken.

Nun haben wir alle Prudence-Düfte besprochen, ich bin richtig stolz auf mich. Moment – nicht alle: Einen Haustierduft hat Madame Kilgour noch parat, der aromatherapeutisch wirken soll und mit Hilfe von Veterinärmedizinern entwickelt wurde. Und, ganz ehrlich? Nach dieser ganzen Kollektion würde ich den auch wahnsinnig gerne mal testen, zumal eine meiner Katzendamen auch ganz verrückt nach Düften ist…

In diesem Sinne gehe ich jetzt erst mal die Katzen bespielen und wünsche Euch einen schönen Tag -

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Canvas Baby Girl Polka Dot Shoes von Katerina Chuchuva, Berry Mix von Nicolas Raymond, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Alles Gute für das neue Jahr 2009!
Impressionen von der Pitti Fragranze in Florenz
Da heute…


Prudence Paris Teil 2.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 23.11.2011

Diese Woche ist Prudence-Paris-Woche und heute klemme ich mir deshalb Duft No. 2, No. 3 und No. 4 für Euch unter die Nase.

Prudence No. 2 ist, wie ich bei uns im Shop schon geschrieben habe, eine Ode an die Rose, jene Blume der Liebe. Rosendüfte gibt es viele – dieses Argument ist durchaus stichhaltig und ein berechtigter Einwand. Allerdings ist die Rose eben nicht nur sehr beliebt, sondern bietet darüber hinaus auch etliche Facetten, die es auszuloten gilt. Mit No. 2 hat die Parfumeurin sich das zu Herzen genommen und einen kleinen, feinen Rosenduft kreiert, der sich auf eher leiseren Sohlen in die Herzen der einen oder anderen Dame schleichen wird.

Ein dichtes, volles Bouquet verschiedener Rosensorten, unter anderem Provence-Rose und Damaszener Rose, geben sich hier ein Stelldichein, schillernd und frisch die unterschiedlichen geruchlichen Seiten der Rose(n) abbildend: Frische, Fruchtigkeit, dezente Säuerlichkeit, pfefferminzige und auf meiner Haut auch himbeerige Anklänge. Luzidität, ätherische fast schon, von einem Blattgrünkrönchen geschmückt und herrlich von Sternanis kontrastiert.

Im Gegensatz zu normalem Anis empfinde ich den Geruch von Sternanis immer als zurückhaltender, komplexer und harmonischer. Anis erinnert mich in Düften, siehe zum Beispiel Etros Anice, immer sehr an Ouzo, einen der leider einzigen Exportschlager Griechenlands. Zum Essen – hervorragend, aber bitte nicht zu viel davon. Auf meiner Haut fühle ich mich mit derlei Düften immer so, als ob ich in ein Ouzofass gefallen wäre und rechne jederzeit damit, von der Polizei an- und aufgehalten zu werden. Die meisten Düfte, in denen Sternanis vertreten ist und die mir aus dem Stegreif einfallen wie Borsaris Mirra e Anice Stellato oder Byredos Fantastic Man, weisen Sternanis-Noten auf, die überhaupt nicht an den durchdringenden Duft von Anis erinnern, sondern eher süßlich-frisch und gleichzeitig warm-würzig aromatisch wirken. Und das, obgleich Sternanis und Anis – die im übrigen NICHT verwandt sind – eine ähnliche Zusammensetzung der ätherischen Öle aufweisen und deshalb ähnlich schmecken sowie riechen und wirklich für dieselben Zwecke verwendet werden.

Nun, in jedem Falle zeigt sich jener Magnolienverwandter in der No. 2 als perfekte Ergänzung zur Rose, deren weiche warme Basis aus Vanille und Ambra wunderbar abfedernd. Das Duo aus Rosen und Sternanis harmoniert exzellent und offeriert sanfte aromatische Frische und Wärme, die auf jener warmen Basis zur Ruhe kommt.

Mich erinnert der Duft immer ein bisschen an – ich weiß nicht, einen Raum, in dem etwas Handwerkliches betrieben wird. Eine Küche in einem alten Bauernhaus vielleicht, in der das Rosenwasser für die Konfektherstellung bereitsteht? Eine alte Apotheke, in der man auch Rosenblätter kaufen kann? Eine schöne Stube in einem alten Haus, in der Kosmetik selbst hergestellt wird? In diese Richtung gehen die Impressionen, die ich zur No. 2 im Kopf habe und die diesen friedvollen und freundlichen Duft für mich bebildern.

Prudence No. 3 bietet auch Rosenwasser, allerdings kann dieses hier nur in Kosmetik oder Haarpflege gelandet sein, denn der Duft entführt uns nach anfänglicher floraler Koketterie gleich ins Boudoir: Während der Auftakt von rosenrotem Rosenwasser, lilablassblauen Veilchen und von Blattgrün umranktem Jasmin geprägt ist, von Bergamottesternchen zart beleuchtet, findet man sich alsbald in ganz anderen Gefilden wieder. Ich fühle mich erinnert an das Umkleidezimmer eines großen Stars, vielleicht einer Sängerin, Tänzerin oder Schauspielerin, das über und über mit Blumengrüßen mehr oder minder schüchterner, aber unzähliger Verehrer gefüllt ist. Und natürlich einen Schminktisch beherbergt, auf dem sich Schminkutensilien wie kostbare Puderdosen mit riesigen Quasten und Lippenstifte in kraftvollen Farben türmen. Ganz großes Kino – für Fans pudriger Düfte, die Weißblüher nicht scheuen.

Prudence No. 4 verwirrt mich vollkommen: Ein weißblühendes Herz ist gelistet, Jasmin, Maiglöckchen, Magnolie sowie Veilchen, Nelke und Pflaume, frische Bergamotte im Kopf und Vanille in der Basis… und ich rieche permanent Melone beim Aufsprühen. Vielleicht habe ich schon zu viel Melone gelesen, in den Beschreibungen der anderen Düfte, die da noch kommen? Ich weiß es nicht, wußte es nicht, beim ersten, zweiten Mal. Mittlerweile, zig Tests später, bin ich schlauer: Die säuerlich-fruchtigen Bergamottesprenkler sind es, die zusammen mit wässriger Magnolienblüte meine Nase durcheinander brachten. Alsbald allerdings gesellt sich zu deren Düft ein überaus üppiger Jasmin süß-fruchtiger Natur, von frisch-sauberem Maiglöckchen begleitet und von würzig-ernster, ein wenig bitter-grüner Nelke kontrastiert. Fruchtig-herbe Noten kommen ins Spiel, eine noch nicht ausgereifte Pflaume, satt-fleischig und saftig. Und die Basis rundet mit würziger Vanillesüße ab, die den Anschein erweckt, als hätte sie sich auf einem Sandelholzstühlchen niedergelassen.

Morgen geht es weiter mit Prudence Paris – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Detailaufnahme einer Rose von Erixsen, Salt and Light von kslyesmith, Junge Dame im Boudoir (1829, Maler unbekannt), some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Solifloral am 10.11.2011

Orchidée Vanille ist die Nummer Drei unserer Collection Extraordinaire, die ich mir für Euch unter die Nase klemme, und wurde von Randa Hammami kreiert. Randa Hammami, eine Dame, war mir bisher nicht namentlich bekannt – nach kurzer Recherche offenbart sich, dass sie kein unbeschriebenes Blatt ist: Epic Man von Amouage geht auf ihr Konto, ebenso Cruel Gardenia, Garden Sensuel sowie L’Instant Magique für Guerlain. Gar nicht so viel, mit Orchidée Vanille katapultiert sich Madame aber sofort in den ewige Bestenliste der Vanille-Düfte – und wie wir ja wissen, allzu viele sind es nicht. Zu synthetisch, zu pappig, zu klebrig-süß sind viele Gesellen, erwachsene und vor allem auch komplexe Vanilledüfte sind eher seltener zu finden.

Indults Tihota ist einer davon, Goutals rauchige Vanille Exquise sowie Guerlains Spiritueuse Double Vanille und noch einige mehr – Orchidée Vanille gesellt sich sofort dazu.

Hammami fabriziert mit Vanille in ihrem an den Ursprung derselben, jene Orchidee erinnernden Duft ähnliches, wie Ellena für Hermès mit der Ingredienz Ambra in Ambre Narguile anstellte: Sie verwandelt eine olfaktorische Süßigkeit in Naschwerk für Erwachsene. Von der Blüte hat der Duft die Strahlkraft, das betörende Moment, seine Verführungskünste gehen aber hauptsächlich auf das Konto des gourmandigen Anstriches, den im Hammami gönnt. In ein Mandelkleid steckt sie die laszive Diva, einen seidigen Hauch Marzipans, von einem zarten Nebel Schokolade umhüllt. Orange und vor allem Litschi stiften eine Spur Fruchtigkeit, die sich perfekt mit der Rosenfrische im Herzen ergänzt, welche gekonnt die süße Wärme des Duftes ausbalanciert. Veilchen pudert und erdet ein wenig, während die Basis mit Tonkabohne, Moschus und Zedernholz das überaus warme, würzige Wesen des Duftes aufgreift.

Ausladend, die Vanille in all ihren Facetten auslotend: Cremig-milchig und würzig-süß, verfeinert mit allerfeinsten Zutaten. Wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft?

Lys Carmin, Duft Nummer Vier, ist eine Lilie – und keine alltägliche. Bei mir ist der Duft sofort in meinen Bestand gewandert, soviel sei schon einmal verraten.

Lilien in natura bereiten vielen Kopfschmerzen, bei Düften gibt es eigentlich vornehmlich zwei Varianten: Diejenigen, die eben diesen doch sehr eigenen und opulenten Lilienduft einfangen wie zum Beispiel Yosh Hans Stargazer , Frédéric Malles Lys Meditéranée oder Penhaligon’s Lily & Spice. Oder eben diejenigen, die klar, leuchtend, sauber daherkommen und eher zurückhaltender Natur sind – Serge Lutens’ Un Lys ist dafür ein Beispiel oder Annick Goutals Des Lys.

Nathalie Cetto, die Lys Carmin geschaffen hat, geht einen ganz anderen Weg: „The perfumer has not rendered the purity of the flower, neither its intoxicating aura, but the nectar that is floating on a surface of satinwood in a heavy fluidity“ – wie man bei Octavian Coifan lesen kann, und dem muss ich mich uneingeschränkt anschließen.

Lys Carmin fängt weder die Aura der riesigen Blüten ein, die einen gierig umgarnen und einem die Sinne betören. Auch ist nicht die holde, weiße Blume mit ihrem reinen Image das abzubildende Ziel. Eher ist es der Nektar, der heraustropft aus dem blühenden Wunder, den Feisthauer hier eingefangen hat: Schüchterne Lilie in eigenartiger Ambivalenz – luftige Frische mit wässrigen Anklängen und feinem Grün, denen eine holzige und würzige Wärme gegenübergesetzt wird. Dazu süße Zimt- und subtile Pfefferschärfe nebst honighaft-fruchtiger Ylang-Ylang-Süße, untermalt von milchig-pudriger Vanille.

Sinnlich und sehr besonders, gleichermaßen verführerisch, aber doch auf moderne Art feminin.

Mal schauen, was die restlichen beiden Düfte für uns noch bereithalten – diese folgen morgen.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Vanilla Planifolia von H. Zell, Lilium Gran Paradiso / Real Jardín Botánico de Madrid von Cillas, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

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Geschrieben in Duft,Solifloral am 9.11.2011

Muguet Blanc, der zweite Duft aus der Collection Extraordinaire aus dem Hause Van Cleef & Arpels, ist, wie es scheint, hochumstritten und wird kontrovers diskutiert: Ein Duft, der die Geister scheidet. Wieso? Dem möchte ich ein wenig auf den Grund gehen…

In Lena Brombachers Blog Olfactorialist ist das Blümchen auf Platz Sechs ihrer Frühlingslieblinge gelandet mit folgender Begründung:

„Dieser liebliche Maiglöckchenduft läutet den Frühling ein. Fröhlich und leicht, verspielt und grün. Der Duft ist wie der Flakon – elegant und schlicht, denn Parfumeur Antoine Maisondieu war es wichtig, das Maiglöckchen auf möglichst puristische Weise zu präsentieren.“

Patty von Perfume Posse zeigt sich ganz hin und weg von Muguet Blanc:

„It is breathtaking, its opening the perfect note soaring into the air on a cold winter day, something that feels like it shouldn’t exist, contrasts of cold and sweet and wood — conjuring up spring in your head where no spring exists. As it dries down, it warms and softens into the skin and loses the chilliness. Notes of lily of the valley, peony, neroli and cedar are pretty simple, but rendered elegant. It’s a stunnah. And this last and lasts and emotes fairly loudly. The first time I spritzed it on, the whole house knew in 3 minutes that a new perfume had arrived, they were all looking for it.  Several hours in, it’s still wafting and drifting and just being lovely.“

Octavian Coifan äußerst sich in seinem Blog 1000 Fragrances für meine Begriffe eher neutral, spricht aber an, was eigentlich des Pudels Kern, das Problem am Maiglöckchen ist: Dessen Geschichte, vielmehr: dessen legendäre Vorgänger:

„A lily of the valley is today a challenge for a perfumer, not because it is very easy to obtain the major accord but this flower has a strong legacy – the (now) lost perfume Diorissimo. It is also a challenge because lily of the valley became the standard of clean notes and it is widely used in functional perfumery […].“

Resultierend daraus folgt als Ergebnis seiner Rezension:

„Muguet Blanc from Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire is a symphony of clean for a luxury Laundromat to be used as an concentrated option to Aqua Universalis (Maison Francis Kurkdjian).“

Für Nowsmellthis hat Muguet Blanc komplett verloren:

„For my part, Muguet Blanc represents nearly everything that makes me sad about modern perfumery. It’s gorgeous, yes, but also clean, even brutally so. The subtle animalic touches that make Diorissimo both spring-like and sexy are entirely absent— Muguet Blanc is too beautifully done (and expensive) to be an air freshener, but if you wanted a really, really nice air freshener and didn’t mind paying premium, it would do the trick. It’s clean as a whistle. Muguet Blanc does something else that is unique to modern fragrance, and that I’ll have a hard time putting into words. It’s diffusive and radiant: it moves through space in a very 3 dimensional way while maintaining a sense of lightness and transparency. But at the same time, it feels utterly flat. Diorissimo sparkles and dances — it has a kind of depth and movement about it. Muguet Blanc fills the room, then just sits there, beautiful but lifeless.“

Bei privaten Parfumliebhabern ist die Bandbreite des Echos ähnlich breit – so liest man bei Parfumo.de etwas von „zart nervig“ oder von einem „ordinären Maiglöckchen“, bei der amerikanischen Makeupalley.com ist dagegen von „Just Heaven“ die Rede oder schlicht vom Ende einer langen Suche: „Oh Muguet Blanc! where have you been all my life?“

Mir leuchtet ein, woher diese extreme Gespaltenheit kommt: Einerseits ist Maiglöckchen eine jener Ingredienzen, die schlicht nicht jeder mag. Manche assoziieren es mit Omas Wäsche, attestieren ihm ein angestaubtes Image. Das kann es haben, muss es aber nicht – wenn es gut interpretiert ist. Trotz allem – entweder man mag es oder eben auch nicht. Andererseits ist es eben für die, die Maiglöckchen mögen, meist dann schon gleich lieben, nicht einfach, einen neuen Duft bestehen zu lassen – muss dieser sich doch mit den ganz Großen messen lassen, allen voran der Maiglöckchenklassiker schlechthin, Diorissimo von Dior, aber auch Muguet du Bonheur von Caron. Hier sind die Schmerzen groß, da beide Opfer des Reformulierens geworden sind, was sie zu Schatten ihrer selbst werden ließ – das macht es einem neuen Maiglöckchen auch nicht einfacher.

Aber wenden wir uns dem eigentlich Objekt zu: Die Nase hinter Muguet Blanc ist Antoine Maisondieu, überaus talentiert und verantwortlich für Düfte wie Féerie, auch Van Cleef & Arpels, diverse Düfte für État Libre d’Orange, Gucci Rush for Men, Funny für Moschino, einiges für Burberry, Magnolia Nobile für Acqua di Parma, Monocle Scent Two: Laurel und Stephen Jones für Comme des Garçons, darüber hinaus arbeitete er für Lanvin, Paul Smith, Quiksilver, Armani und andere.

Maisondieus Maiglöckchen ist eine strahlende, eine reinweiße, luzide, übermächtige Blüte. Eine, die von Wässrigkeit durchzogen ist, von taubenetztem Blattwerk flankiert wird und durch ihre ozonig-luftigen und metallischen Akzente eine fast überirdisch kühle und saubere Ausstrahlung hat. Pfingstrose unterstreicht die aquatischen Anklänge, während Neroli anonym Fruchtigkeit generiert, die mich in diesem Zusammenhang eher an Birne denken lässt. Die Basis ist von watteweichem Moschus, von sanften Hölzern abgerundet.

Ich muss sagen, dass ich beide Seiten verstehen kann: Ich kann den Vorwurf nachvollziehen, der, überspitzt gesagt, Muguet Blanc in all seiner Perfektion Seelenlosigkeit vorwirft. Denn schlechtes Handwerk kann man Maisondieu nun wahrlich nicht nachsagen, der Duft ist exzellent gemacht.

Nur – ist er, wie vieles, Geschmackssache. Bei mir ist er eingezogen. Wieso? Weil ich ein Maiglöckchenfan bin. Und weil ich der Ansicht bin, dass es Tage in meinem Leben gibt, an denen ich mich in perfekter, strahlend-sauberer Schönheit sonnen möchte, einer oberflächlichen, die weder Tiefgang noch Kanten hat. Die einfach nur schön ist in ihrer hervorragenden gemachten Art und Weise. Lässt man sich darauf ein, dann trägt einen Muguet Blanc über all die irdischen Unwegbarkeiten und Scheußlichkeiten, die die Welt so zu bieten hat, hinweg und stimmt einen – fröhlich. Ich brauche das hin und wieder.

Ihr auch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: lilies of the valley von kalilo/Ann-Kathrin Rehse, Maianthemum bifolium /Kleines Maiglockchen, Convallaria bifolia aus Johann Georg Sturm (1796): Deutschlands Flora, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

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Geschrieben in Duft,Solifloral am 8.11.2011

Van Cleef & Arpels dürften dem einen oder anderen bereits bekannt sein – durch diverse, in den gängigen Parfümerien zu findende Düfte wie zum Beispiel First, Birmane, Tsar, Murmure, oder auch neuere Kreationen wie Féerie. Die Firma ist schon länger (erfolgreich) auf dem Parfummarkt tätig, ist aber von Haus aus – ein Juwelier.

Gegründet 1896 von Charles Arpels und Alfred van Cleef, öffnete man die erste Boutique bereits 1906 am damals schon edlen Place Vêndome in Paris und machte sich von Anfang an einen Namen als exklusiver Hersteller von Uhren und Schmuck. Vor allem die Kenntnis im Schleifen von Edelsteinen brachte Renommee, unter anderem die Einführung der bahnbrechenden Methode des Mystery Settings.

2009 folgte man dann den Spuren anderer Luxusunternehmen wie Dior, Chanel oder Armani und lancierte eine ganz besondere Kollektion von Luxusparfums, Collection Extraordinaire genannt. Sechs Düfte an der Zahl, denen man vor nicht allzu langer Zeit einen siebten folgen ließ – Precious Oud, der alsbald verfügbar sein wird.

Wir haben diese kleine feine Kollektion neulich auch aufgenommen – Grund genug für mich, Sie Euch einmal in ihrer Gesamtheit zu präsentieren. Bereits bei ihrem Erscheinen hatte Sie mich aufhorchen lassen, haben sich Van Cleef & Arpels doch nicht lumpen lassen und eine ganze Reihe exzellenter Parfumeure verpflichtet – mittlerweile sind auch schon einige Fläschchen in meinem Bestand eingezogen, weswegen ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass sich ein Test lohnt meine Lieben!

Beginnen möche ich mit Gardénia Pétale, einer Gardenienschönheit aus der Hand von Nathalie Feisthauer. Feisthauer ist uns bereits ein Begriff, hat sie uns doch schon einige schöne Düfte beschert: Sie entwarf Einiges für das krawallige Pop-Art-Label État Libre d’Orange, dann den legendären sonderbaren Gewürzling Yohji Yamamoto pour Femme, Eau de Merveilles von Hermès, Blonde für Versace, Must de Cartier pour Homme, Guerrilla 2 für Comme des Garçons sowie letztens Honour Man für Amouage.

Gardenie ist immer so ein Thema, ich hatte mich dazu schon anlässlich Pierre Guillaumes Duft Gardenia Grand Soir von Parfumerie Générale ausgelassen:

„Zum Thema Gardenie sollte nicht unerwähnt gelassen werden, daß Gardenie eigentlich immer irgendwie eine Fälschung ist: Natürliche Gardenie wird gar nicht eingesetzt, laut dem Parfumhistoriker Octavian Coifan (siehe dessen Blog 1000 Fragrances) nicht mehr – in den 30ern gab es wohl letzte Reste einer teuren Essenz. Luca Turin hat in NY einen Shop entdeckt, der jenes wohl wieder zu horrenden Preisen führt, über 70 Jahre später. Gardeniendüfte werden ergo über einen Akkord gebaut, in welchem oft andere Weißblüher anstatt derselben duften, ob nun natürliche oder synthetische. Nicht fehlen darf natürlich auch jene pilzige Komponente, die der Gardenie als einziger Blume so eigen ist.“

Feisthauer greift meines Erachtens hier (wie häufig) auf Tuberose zurück, um Gardenie zum Strahlen zu bringen, und leuchtet diese mit einem reinweißen sauberen Maiglöckchen aus. Zarte Süße umgarnt meine Nase, üppig und kokett, aber nichtsdestotrotz auf eine Art und Weise schüchtern – mit grünen Anklängen unterlegt wie Delrae Roths geniale Tuberose Amoureuse zeigt sich dieses Pflänzlein und von zitrisch-glitzernden Sternchen durchsetzt. Präsent, aber nie schwülstig-warm zeigt sie sich, die Blüte, und offenbart im Duftverlauf seidig-samtige Pudrigkeit, die herrlich mit der Haut verschmilzt.

Ob man nun in den sauren Apfel der eigentlich typischen Gardenienpilzigkeit beißen muss, um einen authentischen Gardenienduft zu kreieren? Feisthauer tut es nicht – und meines Erachtens nach tut es der Schönheit des Duftes keinen Abbruch. Wie schrieb die französische Skandalautorin Colette über die Gardenie? „Ein zartgrün getöntes Weiß – so wie ihr Fruchtfleisch“. Jene Beschreibung trifft es ziemlich genau – bitte aber vorzustellen als Blütenmeer.

Ein cremiges, sanftes weißes Blütenmeer von Blattgrün umrankt, das sich skinnig und feminin entwickelt und meines Erachtens nach das Herz von Blumenfreunden, hier vor allem auch: Tuberosenfreunden höher schlagen lassen wird. Wer schon immer eine tragbare Tuberose gesucht hat und (trotz einiger wirklich sehr schöner Optionen) noch nicht fündig wurde – für den wäre Gardénia Pétale vielleicht eine lohnenswerte Alternative!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gardenia Flower von Erin Silversmith, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

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