Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Von der Liebe – MariaLux die Zweite.

Gestern hatte ich bereits mit Truly, dem ersten Duft des Trios begonnen, das die Künstlerin Lilian Driessen unter dem Namen MariaLux, ihres Alter Egos, letztes Jahr lancierte. Heute möchte ich Euch die anderen beiden Düfte vorstellen, Madly und Deeply. Madly steht für die „verborgene Liebe, die Liebe der Geliebten“, während Deeply Abgründe der Liebe auslotet – für die „schmerzvolle, tiefgründige Liebe“ stehend.

Madly… assoziiere ich im Zusammenhang mit der Liebe als Verrückt-Sein, Verrückt-Nacheinander-Sein. Leidenschaft, auch sexueller Natur. Anziehung, geistige, körperliche, seelische. Wen wundert also, dass Madly von samtener Wärme ist, und das bereits von Anfang an: Pulverig-pudrig warm und gefühlvoll offeriert er einen dichten olfaktorischen Teppich, dessen einzelne Ingredienzen einen vor ein Rätsel stellen – irgendwo da drinnen vermute ich Weißblüher, etwas narkotisierend, vermutlich Tuberose, fein verwoben in hellen Harzen und anfänglich von etwas würzig-krautigem wie beispielsweise Angelika eingeleutet. Und dann finden sich da noch Tabaknoten, ähnlich sinister-süße wie in Serge Lutens’ Fumerie Turque, die in cremig-skinnigen Anklängen baden.

Ich könnte mir vorstellen, dass Madly Frauen gefällt, die durchaus auf der Suche nach etwas Hautnahmen sind, dabei aber kokett-verführerische Vorwitzigkeit mögen – Fifi Chachnil wäre der Kandidat, der mir einfallen würde, müsste ich geistige Verwandte benennen.

Deeply allerdings tendiert in eine ganz andere Richtung, wie ich bereits in unserem Shop schrieb und mich an dieser Stelle gleich selbst zitiere:

„Deeply ist – ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis der Liebe, ein Bekenntnis der Leidenschaft. „Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“, das wusste schon Friedrich Nietzsches Zarathustra – und die Liebe, sie sucht nichts anderes. Deeply vereinigt, verschmelzt – Ambra und Zimt, eine Amour Fou, die mit ihrem lichterlohen Feuer alles hell erstrahlen lässt. Würzig und von scharfer Süße, gourmandig, skinnig, lieblich und kokett, von fruchtigen Anklängen, der Ahnung eines Apfels begleitet und harzig anmutend leuchtet Deeply alle Facetten der Leidenschaft aus und vermag damit zu betören.“

Dass diese Form der Liebe ihre schmerzhaften Seiten hat, ihre Untiefen, dass der Grund bei dieser Art unsicher ist – das glaube ich gleich: Deeply ist loderndes Feuer der Leidenschaft, eine Harzexplosion der ganz besonderen Sorte: Ambra und Zimt als glühendes Liebespaar in inniger Umarmung, würzig, charaktervoll, harzig und scharf-sexy-süß. Karamell-holzige Anklänge gerösteter Natur strömen meiner Nase entgegen, die mich an eine dicke, krosse Glasur erinnern, die Glasur eines – … Bratapfelkuchens, der sich an einer Ecke süß-verkokelt zeigt. Hat sich da wohl ein bisschen Oud hinein verirrt?

Ihr wollt Vergleiche? Deeply riecht für mich wie das Kind einer heißblütigen Liaison von Nasomattos Black Afgano und Hermès’ Ambre Narguile aus der Hermessence-Kollektion – und ist damit mächtig und unbedingt habenswert.

Habt Ihr schon getestet? Was gefällt, was nicht, ist eine (neue) Liebe dabei?

Ich bin gespannt!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: MariaLux; MADLY: Oh lover, make me yours again / DEEPLY: Pain & Pleasure, Faith & Fear.

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Duftverzeichnis L – Z
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MariaLux…

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 1.02.2012

war eine der letzten Marken, die uns letztes Jahr ins Haus trudelten, und ließ mich sofort aufhorchen. Hinter dem wohlklingenden Namen steckt die niederländische Designerin Lilian Driessen, die sich selbst eine duftende Liebeserklärung machte: Drei Düfte sind es, die sie ihrem als Muse fungierenden Alter Ego MariaLux widmet – Truly, Madly und Deeply.

Driessen, die sich ihren Namen mit verschiedenen Mode- und Möbelkreationen sowie Shopkonzepten für Stores in London („Avery“ – googelt mal, ein toller Shop!), Modena und New Orleans machte, verrät über MariaLux, dass der Name „Maria“ das Bild der Jungfrau evoziere, der Mutter und der Geliebten. „Lux“ wiederum stehe für Licht, Luxus und Lust:

„Das ‘L’ bin ich, Lilian Driessen, Designerin und Kreativchefin. Ich kleide ein. Ich arbeite in diesem Beruf seit 1987. Ich umfasse die laufende Arbeit, die Mühe und die allgemeine Aufregung, die immer mit diesen Prozessen einhergeht. Da ich berühre und berührt wurde, habe ich viele Geschichten zu erzählen. Unser Haus kreiert anarchisch geschneiderte Eleganz und reinen Luxus. Ausgeführt und hergestellt von Meistern ihres Fachs. Allem was wir tun, nähern wir uns mit voller Aufmerksamkeit. Wir bieten Exklusivität, Abgrenzung und Individualität in einer bedachten, aber ungezwungenen Art und Weise.“

Zu den Düften, die von Alessandro Gualtieri kreiert wurden (die Nase von Nasomatto) gibt uns die Künstlerin ein Gedicht mit auf den Weg, vielmehr einen Liebesbrief:

Dearest,
EVERYTHING I OWN SMELLS OF YOU.
This project has been created with all my love:
This is me, it’s my lovestory.
Where something beyond and infinite
Becomes so small in your hands.
You can hold me, use me, abandon me,
Conceal me behind your dreams.
Take me, carry me, wear me. To lay me down again.
You will smell of me and I’ll belong to you.
It’s you, your lovestory.
Yours truly, madly, deeply,
MariaLux

Truly steht für die „ewige Liebe“, Madly, für die „verborgene Liebe, die Liebe der Geliebten“ und Deeply für die Abgründe der Liebe, für die „schmerzvolle, tiefgründige Liebe“. Frau Driessen schöpft, wie man sieht, aus den vollen: Keine Regung der Liebe scheint ihr fremd, wollen wir mal sehen, ob sie auch parfumtechnisch alle Facetten illuminiert.

Ich werde mich mal brav an die Reihenfolge halten und Euch heute erstmal Truly vorstellen – morgen folgen dann Madly und Deeply. Wie immer bei Herrn Gualtieri ist betreffs der Ingredienzen fröhliches Rätselraten angesagt – die Künstler hüllen sich in einen duftenden Mantel des Schweigens.

Truly steht also für die ewige Liebe… ein kleines Brainstorming – bei ewiger Liebe denke ich natürlich an viele klassische Liebespaare, die Literatur und Kunst so für uns bereithalten. Aber Achtung – viele davon endeten tragisch. Und splittet man diese Liebesvorstellungen, die oben angedachten, auf, dann dürfte sich in Truly nicht allzu viel des tragischen Liebesschmerzes finden, nein. Vielmehr interpretiere ich diese ewige Liebe wie das (Lebens)Glück: Im Deutschen leider überhaupt nicht ausdifferenziert, existieren in den meisten anderen Sprachen mehrere Worte für Glück, was dessen Aufteilung in das (temporär bestehende) Zufallsglück und jenes Glück, das den Zustand der Glückseligkeit meint, zulässt. Driessens Liebe, die sie mit Truly meint, verstehe ich als Glückseligkeit, als einen Zustand der tiefen Befriedigung und der Harmonie, angefüllt mit Gewissheit.

Insofern überrascht es mich auch nicht, in welcher Form ich Truly auf meinem Arm wiederfinde: Reinheit strahlt der Duft aus und Zuversicht, Geborgenheit und Balance. In wollweißen Tönen gemalt, eher dahingehaucht, präsentiert sich diese Ode an die immerwährende Liebe: Pudrig, cremig und milchig in seinem Herzen zart verhangene florale Anklänge verbergend. Ich tippe auf eine pudrig-erdige Iris und vielleicht ein Röschen, von Weißblühern begleitet. Der Teststreifen gaukelt mir prickelnde Hesperiden- oder Aldehydsternchen im Kopf vor, meine Haut allerdings verschlingt diese vollkommen zugunsten dieses erotischen Skinduftes, der sich lieblich-schmachtend und kokett-verführerisch in seiner leichten Süße darstellt und auf seine Art herrlich indifferent ist.

Für mich passt es perfekt überein, das Bild in meinem Kopf und der Duft. Deshalb bin ich gespannt auf die restlichen beiden Düfte, die ich Euch morgen vorstellen werde.

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: MariaLux Truly – “I will wait for you for a 1000 years”

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Königliches – Royal Crown die Zweite.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Tabak & Rauchiges am 26.01.2012

Die Nase königlich erhoben, werde ich mich heute für Euch erneut der Royal Crown-Kollektion widmen, mit deren Rezension ich gestern bereits begonnen habe. Heute auf dem Programm: Poudre de Fleurs und Tabac Royal.

Poudre de Fleurs kündigt sich an als „Inkarnation der absoluten Sinnlichkeit“, die sich in einem opulenten Blütenbouquet manifestiert, den „Glamour“ und die Eleganz eines „kostbaren Juwels“ ausstrahlend. Ausgeprägte Weiblichkeit geht damit natürlich auch einher, das dürfte klar sein. Dann werde ich gleich ganz Frau – und sprühe mir Poudre de Fleurs auf den Arm…

Femininität wird hier – auf altmodische, aber durchaus anziehende Art und Weise aufgefasst, was man aus den Noten nicht auf den ersten Blick erkennen kann: Kopfnote: Neroli, Limette, Mandarinenblätter; Herznote: Rose, Jasmin, Gardenie; Basisnote: Vanille, Patchouli, Sandelholz.

Poudre de Fleurs ist, wie der Name schon verrät, überaus pudrig und mit einem ausdrucksvollen Blütenherz ausgestattet. Der Auftakt ist fruchtig, eher aldehydig, während die Basis vollmundig mit einem unschlagbaren Trio brilliert – Vanille, Patchouli und Sandelholz. Patchouli ist wie immer das Bindeglied, ein wenig harzig anmutenden haucht es dem Geschehen nachhaltig(e) Tiefe ein. Sandelholz wärmt auf die ihm genuine süß-würzig-holzige Art, während Vanille die pudrigen Akzente vertieft.

Poudre de Fleurs ist kein moderner Duft, aber nichtsdestotrotz eine Schönheit. Mich persönlich erinnert er ein wenig an die alten Chanel-Düfte, vor allem an No. 22 und No. 5.

Tabac Royal macht nun den Anfang der Männerriege und wartet mit folgenden Ingredienzen auf: Kopfnote: Zimt, Zitrone, Rosa Pfeffer; Herznote: Tabakblätter, Heliotrop, Vanille; Basisnote: Sandelholz, Tabak, Patchouli.

Eine interessante Mischung, die mich da, frisch aufgesprüht, im Näschen kitzelt: Pfeffrig und süß, würzig und scharf – Zimt und Pfeffer leisten ganze Arbeit, und das auf zugleich warme und ebenfalls frische Art. Für letzteres ist die Zitrusfrucht zuständig, die anfänglich das Geschehen erhellt, um sich alsbald dezent zurückzuziehen und den Weg freizumachen für die eigentlichen Protagonisten des Duftes: Vornehmlich Tabak, wie der Name schon sagt, samt diverser Lakaien, die seinen glanzvollen Auftritt nach Kräften unterstützen und so gut wie jede Facette ausleuchten, die man vom Tabak so kennen mag. Weich-cremige Vanille, von Heliotrop verstärkt und untermalt, Sandel holzt süß-würzig vor sich, während Patchouli nachhaltig den Rücken stärkt.

Ein raumgreifender Tabakduft, das dürfte klar sein – für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Als Mann sollte man allerdings nicht vor süßer Wärme und warmer Süße zurückschrecken – sonst wird es hiermit nichts. Ansonsten ist Tabac Royal eine ganz veritable Wahl, vor allem, weil er im Gegensatz zu den wenigen Artverwandten – Tom Fords Tobacco Vanille, Odoris (leider eingestellter) Tabacco und Casamorati 1888 Bouquet Ideale – weniger süß, was dem einen oder anderen sicher entgegenkommen dürfte.

Wie steht Ihr denn zu Tabakdüften? Und, wenn Ihr Gefallen daran findet, welche habt Ihr in Eurem Repertoire? Hier bei mir steht natürlich Tabac Blond von Caron und besagter Odori-Duft, den ich sehr mag. Von Tom Fords süßem Honig-Vanille-Tabak gibt es ebenfalls ein kleines Fläschchen. Darüber hinaus wäre noch Feuilles de Tabac von Miller Harris zu nennen, einer meiner Uralt-Lieblinge und einer der wenigen Düfte, von dem ich in der Tat schon fast zwei ganze Flaschen verbraucht habe, da er lange für mich ein absoluter Immergeher war. Und bei Euch, was steht da so rum, was ist in Benutzung?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Milton H. Greene: Marilyn Monroe – Promotional photograph for the 1957 film “The Prince and the Showgirl”, The smoker’s promenade (New York: Published by Currier & Ives, 1876), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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In 80 Tagen…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Gourmand,Holziges,Reines und Pudriges am 21.12.2011

um die Erde reiste Phileas Fogg im gleichnamigen Roman des Franzosen Jules Verne – und wir, meine Lieben, wir reisen in drei Tagen um, vielmehr: durch die Welt des Herrn Antonio Visconti. Dessen Duftkollektion ist nämlich dieser Tage bei uns ins Sortiment genommen – für mich Anlass genug, mir diese bis dato für mich komplett unbekannte Linie einmal ausführlich zur Brust zu nehmen und unter die Nase zu klemmen.

Antonio Visconti selbst war ein – Handschuhmacher, ansässig in Paris, der später in Italien die hohe Kunst des Parfumeurshandwerks erlernte. Über 150 Jahre ist das jetzt her – und die Kollektion ehrt jenes Handwerk, indem sie ausschließlich aus erlesenen Ingredienzen besteht, meisterlich umgesetzte Düfte offeriert und mit sehr hohen Konzentrationen brilliert. Soviel zum Hersteller, stürzen wir uns doch gleich ins wohlduftende Getümmel…

Le Temps d’Hiver, die Zeit des Schnees… sollte ja jetzt gerade sein, passt also eigentlich ganz gut. Und Schnee sieht man hier ähnlich umgesetzt wie bei einem anderen Italiener, dem Philosophen Lorenzo Villoresi: Ein Puderzuckerwintermärchen. Die Verwandtschaft mit Teint de Neige ist nicht von der Hand zu weisen, Le Temps d’Hiver ist aber für mich erträglicher, weil einen Tick weniger süß-pudrig-opulent. Was jetzt aber nicht heißt, dass es hier nur verhalten pudrig zur Sache geht: Ein weicher Wintertraum von Mandelwatte in Blütenmilch getaucht, von Samtmarzipan umhüllt und in Hautcreme gebadet.

Cœur de Vanille, das Vanilleherz, wird nicht nur die Herzen von Vanilleliebhabern höher schlagen lassen: Haselnuss, schönste Haselnuss findet sich hier in diesem kleinen Gourmandschätzchen. Eine geröstet-nussig-rauchige Vanille, von pudrigem Kakao verfeinert und von holzigen Anklängen untermalt. Trockene (Ge)Würzigkeit, süße Pfefferschärfe – eine ungewohnte Vanilleinterpretation, die Vanillefans noch zu überraschen vermag und Gegner klassischer Vanilledüfte ebenfalls. Die könnte sie sich nämlich ebenfalls zu Freunden machen.

Bois de Gayac zielt in eine gänzlich andere Richtung: In Micallefschen Gaïacträumen verharrend, hatte ich mir eigentlich einen warmen Holzling vorgestellt. Den entdecke ich hier nicht, oder vielmehr: ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Von einem selbstsicheren Mann ist da die Rede, von dampfender Erde und rauchigem Holz, von Ritualen, Spiritualität und Wellness. Ein bisschen viel Tamtam und Blabla enthüllt einige Sekunden später einen wirklich außerordentlich schönen Duft: Balsamisches Guajakholz von verhalten süßer Wärme vor einem dezent harzigen Hintergrund, von aquatisch anmutenden Zitrusfrüchten, vornehmlich Orange, gekonnt akzentuiert. Ein überaus schönes Hölzchen, elegant, maskulin und dynamisch – sicherlich aber auch an der richtigen Frau ein Treffer.

Soir de Mer, der Abend am Meer, wird natürlich richtig aquatisch, aber auf eine tolle maritime Art und Weise. Will sagen – man riecht sofort, dass wir es hier mit keinem Discounter-Duschgel-Aroma zu tun haben, ganz im Gegenteil: Der Abend am Meer ist meisterlich umgesetzt mit zitrischen Sternchen, die von luzider Rose durchdrungen werden, Jasmin und schwarze Johannisbeere im Herz sowie Seegräser, Iris, Adlerholz und Tonka in der Basis. Aber was erzähle ich, der Eindruck ist es, der zählt. Ich finde mich hier wieder beim Rendezvous im einsamen Strandlokal, mit einem Mann, der zwar eine unterschwellige Süße offenbart, aber fern von jeglichen Süßholzrasplern rangiert. Für diesen Nicht-Berlusconi und Nicht-Briatore ist dieser Duft perfekt – wohltemperiert und von selbstbewusster, aber keineswegs aufdringlicher Virilität.

Bisheriges Fazit: Bella Italia! Typisch italienisch – und das ist Gott sei Dank dufttechnisch ein Gütesiegel!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Snow Hikes von Michael Faes, Hazelnut von Eran Chesnutt, Evening at Trieste von MichaelaW, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 13
Winterneuheiten.


Prudence Paris Teil 2.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 23.11.2011

Diese Woche ist Prudence-Paris-Woche und heute klemme ich mir deshalb Duft No. 2, No. 3 und No. 4 für Euch unter die Nase.

Prudence No. 2 ist, wie ich bei uns im Shop schon geschrieben habe, eine Ode an die Rose, jene Blume der Liebe. Rosendüfte gibt es viele – dieses Argument ist durchaus stichhaltig und ein berechtigter Einwand. Allerdings ist die Rose eben nicht nur sehr beliebt, sondern bietet darüber hinaus auch etliche Facetten, die es auszuloten gilt. Mit No. 2 hat die Parfumeurin sich das zu Herzen genommen und einen kleinen, feinen Rosenduft kreiert, der sich auf eher leiseren Sohlen in die Herzen der einen oder anderen Dame schleichen wird.

Ein dichtes, volles Bouquet verschiedener Rosensorten, unter anderem Provence-Rose und Damaszener Rose, geben sich hier ein Stelldichein, schillernd und frisch die unterschiedlichen geruchlichen Seiten der Rose(n) abbildend: Frische, Fruchtigkeit, dezente Säuerlichkeit, pfefferminzige und auf meiner Haut auch himbeerige Anklänge. Luzidität, ätherische fast schon, von einem Blattgrünkrönchen geschmückt und herrlich von Sternanis kontrastiert.

Im Gegensatz zu normalem Anis empfinde ich den Geruch von Sternanis immer als zurückhaltender, komplexer und harmonischer. Anis erinnert mich in Düften, siehe zum Beispiel Etros Anice, immer sehr an Ouzo, einen der leider einzigen Exportschlager Griechenlands. Zum Essen – hervorragend, aber bitte nicht zu viel davon. Auf meiner Haut fühle ich mich mit derlei Düften immer so, als ob ich in ein Ouzofass gefallen wäre und rechne jederzeit damit, von der Polizei an- und aufgehalten zu werden. Die meisten Düfte, in denen Sternanis vertreten ist und die mir aus dem Stegreif einfallen wie Borsaris Mirra e Anice Stellato oder Byredos Fantastic Man, weisen Sternanis-Noten auf, die überhaupt nicht an den durchdringenden Duft von Anis erinnern, sondern eher süßlich-frisch und gleichzeitig warm-würzig aromatisch wirken. Und das, obgleich Sternanis und Anis – die im übrigen NICHT verwandt sind – eine ähnliche Zusammensetzung der ätherischen Öle aufweisen und deshalb ähnlich schmecken sowie riechen und wirklich für dieselben Zwecke verwendet werden.

Nun, in jedem Falle zeigt sich jener Magnolienverwandter in der No. 2 als perfekte Ergänzung zur Rose, deren weiche warme Basis aus Vanille und Ambra wunderbar abfedernd. Das Duo aus Rosen und Sternanis harmoniert exzellent und offeriert sanfte aromatische Frische und Wärme, die auf jener warmen Basis zur Ruhe kommt.

Mich erinnert der Duft immer ein bisschen an – ich weiß nicht, einen Raum, in dem etwas Handwerkliches betrieben wird. Eine Küche in einem alten Bauernhaus vielleicht, in der das Rosenwasser für die Konfektherstellung bereitsteht? Eine alte Apotheke, in der man auch Rosenblätter kaufen kann? Eine schöne Stube in einem alten Haus, in der Kosmetik selbst hergestellt wird? In diese Richtung gehen die Impressionen, die ich zur No. 2 im Kopf habe und die diesen friedvollen und freundlichen Duft für mich bebildern.

Prudence No. 3 bietet auch Rosenwasser, allerdings kann dieses hier nur in Kosmetik oder Haarpflege gelandet sein, denn der Duft entführt uns nach anfänglicher floraler Koketterie gleich ins Boudoir: Während der Auftakt von rosenrotem Rosenwasser, lilablassblauen Veilchen und von Blattgrün umranktem Jasmin geprägt ist, von Bergamottesternchen zart beleuchtet, findet man sich alsbald in ganz anderen Gefilden wieder. Ich fühle mich erinnert an das Umkleidezimmer eines großen Stars, vielleicht einer Sängerin, Tänzerin oder Schauspielerin, das über und über mit Blumengrüßen mehr oder minder schüchterner, aber unzähliger Verehrer gefüllt ist. Und natürlich einen Schminktisch beherbergt, auf dem sich Schminkutensilien wie kostbare Puderdosen mit riesigen Quasten und Lippenstifte in kraftvollen Farben türmen. Ganz großes Kino – für Fans pudriger Düfte, die Weißblüher nicht scheuen.

Prudence No. 4 verwirrt mich vollkommen: Ein weißblühendes Herz ist gelistet, Jasmin, Maiglöckchen, Magnolie sowie Veilchen, Nelke und Pflaume, frische Bergamotte im Kopf und Vanille in der Basis… und ich rieche permanent Melone beim Aufsprühen. Vielleicht habe ich schon zu viel Melone gelesen, in den Beschreibungen der anderen Düfte, die da noch kommen? Ich weiß es nicht, wußte es nicht, beim ersten, zweiten Mal. Mittlerweile, zig Tests später, bin ich schlauer: Die säuerlich-fruchtigen Bergamottesprenkler sind es, die zusammen mit wässriger Magnolienblüte meine Nase durcheinander brachten. Alsbald allerdings gesellt sich zu deren Düft ein überaus üppiger Jasmin süß-fruchtiger Natur, von frisch-sauberem Maiglöckchen begleitet und von würzig-ernster, ein wenig bitter-grüner Nelke kontrastiert. Fruchtig-herbe Noten kommen ins Spiel, eine noch nicht ausgereifte Pflaume, satt-fleischig und saftig. Und die Basis rundet mit würziger Vanillesüße ab, die den Anschein erweckt, als hätte sie sich auf einem Sandelholzstühlchen niedergelassen.

Morgen geht es weiter mit Prudence Paris – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Detailaufnahme einer Rose von Erixsen, Salt and Light von kslyesmith, Junge Dame im Boudoir (1829, Maler unbekannt), some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Die Herren von Prudence Paris.
Prudence Paris Teil 3.
Prudence Paris Teil 4.


LM Parfums – die Zweite.

Geschrieben in Duft,Leder,Reines und Pudriges,Tabak & Rauchiges am 4.11.2011

Drei von vier Düften aus der LM Parfums-Kollektion stehen noch aus – die möchte ich Euch heute vorstellen, beginnend mit O des Soupirs.

Ein nettes Wortspiel, das diesen Duft hier ziert, „soupir“ heißt nämlich Seufzer und „O“ steht hier demgemäß für „eau“, das Wasser, als auch für den Ausspruch oder eher Lautäußerung:

„Peony petals peek hemmed purple with a sigh and whisper its secrets … ballet rose gardens mixed with hawthorn impish, innocent to the orange blossom and subtle blue heliotrope. Languorous fragrance that abandons the banks where grows the water lilies and purple hyacinths.“

Ein pudriger Traum, würde ich sagen: Heliotrop ist raumgreifend erkennbar und pudert mandelig vor sich hin, von wässrigen Blüten untermalt. Hagedorn, der in Düften nicht sehr häufige, stiftet herb-bitter-krautige Aspekte, von golden-honighaft-fruchtsüß anmutender Orangenblüte sanft abgemildert, während Rose dem Duft minzige Frische einhaucht.

Nicht unbedingt etwas für Männer, die Damenwelt darf dafür genauer hinsehen: Wer pudrige Düfte liebt und darin florale Akzente schätzt, der wird hier um einen Test nicht herumkommen. Die Zutaten für diesen Hautschmeichler: Kopfnote: Rose, Weißdorn, Hyazinthe; Herznote: Nymphaea (Seerose), Pfingstrose, Orangenblüte; Basisnote: Heliotrop, Weißer Moschus.

Welche beiden Ingredienzen fehlen jetzt noch? Richtig – Patchouli und Ambra, jedem von ihnen ein Duft gewidmet.

„The Patchouly Bohème, sensual and insolent dressed in precious woods, spices intoxicating … It sows confusion, mystery, we hugged its wake profound and haunting, like a play of shadows and light with hints of leather, tobacco, resin tolu and tonka bean.“

Bohème, aha, man grenzt sich also ab – intellektuell möchte man sein (und natürlich auch wirken), und richtet sich natürlich in irgendeiner Form gegen den Mainstream. Nun – einen Patchouli-Duft in einer solch überschaubaren Linie ist jetzt nicht wirklich eine neue Idee geschweige denn Nische, dieses nette Kleinod hebt sich trotzdem wohltuend von der Flut der Patchouli-Kandidaten ab: Anfänglich minzig-kampherartigen Auftakts schält sich alsbald unser lieber Gruftifreund heraus, ein erdig-süßer, verhalten modrig-feuchter Patchouli, der in seinem Herzen eine ganz besondere Leidenschaft offenbart – Tabak. Süße Tabakblätter, die trockene Würze generieren, wildledrig eingerahmt, von Harzen samtig-süß untermalt und von einer Prise Vanille abgerundet.

Alte Zutat, neuer Twist – mit Hilfe von Folgendem sehr nett umgesetzt: Kopfnote: Geraniumblätter, Hölzer; Herznote: Patchouli, Virginia-Tabak, Leder; Basisnote: Moschus, Tolubalsam, Tonkabohne.

Ambre Muscadin weiß ebenfalls zu überraschen:

„The opulence of the atlas cedar adorned with mystery. A bold violet, a charmer vetyver rise up its natural elegance. White honey, lascivious vanilla, highlights its facets flesh and velvety. Then Amber reveals its heart of a sensuous mosaic cryptic, balsamic radiates the charms of the Orient…“

Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie enttäuscht ich war, als ich Serge Lutens’ Muscs Koublaï Khän erneut testen durfte, als er in der Exportlinie nach Deutschland kam: Kein Tier – so lässt sich meine Bitterkeit auf den Punkt bringen. Wo war sie, die Bergziege, die ich hier in Erinnerung hatte? Das Animalische fehlte mir in diesem Moschus, der sich auf meiner Haut wie ein zahmes weiches und weißes Wölkchen gerierte. Ambre Muscadin ist nun ungefähr das, was ich mir unter Lutens’ Duft vorgestellt habe: Deliziöse Moschusweichheit mit pudriger Vanille von samtener Opulenz. Holzig-strenge Zeder, likörig-sähmige Honigsüße und, da, mittendrin – ein Tier. Mindestens eines. Ein wenig Holzfeuer im Hintergrund, glimmende Harze… doch, hier kann man durchaus verweilen, meine Lieben!

Habt Ihr denn schon getestet?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Paul Gustave Fischer (1916): The Bathers, Nubian Ibex in Negev von Little Savage, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von LM Parfums in unserem Shop.

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Dior Parfums präsentiert eine köstliche „Vintage“-Kollektion
Duftverzeichnis L – Z
Sommerliche Novitäten die Zweite.


Six Scents Series 3 – die Dritte.

Geschrieben in Duft,Grünes,Holziges,Reines und Pudriges am 6.10.2011

Halbzeit – drei Düfte haben wir schon besprochen, drei Düfte folgen noch aus der Six Scents Series 3. Flott geht es weiter – mit Duft Vier: Ascent heißt er und wurde geschaffen von Rad Hourani und Christophe Raynaud.

Rad Hourani, das erwähnte ich schon einmal, sieht für meine Augen aus wie eine futuristische (und, pardon, jüngere) Version von Karl Lagerfeld – und macht avantgardistische Mode, die stark an Rick Owens erinnert mit einem japanisch-belgischen Einschlag, passt demnach perfekt in die Riege der Six Scents-Designer.

Raynaud wollte mit Ascent Houranis Idee des „Cycle of Life“ einfangen, die er dessen Werken zugrunde gelegt sieht – From Ashes to Ashes, wie bei David Bowie. Deshalb ist in diesem ambivalenten Duft auch alles drin, vom Babypuder bis hin zum Weihrauch:

„I was inspired by Rad’s vision of the cycle of life, going from birth to death, from ashes to ashes, as in David Bowie’s song. Origin of life is expressed by a fresh accord, green and watery, like a drop of sperm. Childhood is evoked by baby powder, it’s a musky and powdery scent. Midlife is expressed by a leathery note, comfortable yet strong like a leather jacket. Then the end of life is symbolised by incense, not a morbid, but a liturgic odor, evoking the ambiance of the churches. The results is a contrasting fragrance, luminous yet dark, shiny and mate, like Rad’s fashion.” Christophe Raynaud.

Babypuder und Weihrauch? Luzidität und dunkles Strahlen? Alles in einem Duft? Ja, definitiv. Ein fruchtig-mehliges Birnchen im Auftakt leitet über, kopfüber in die Weißwäsche, die vor Frische nur so strotzt. Ein bisschen wie ein Medium komme ich mir vor oder ein Rauschgoldengelchen, wie ich mit platinblond-silberleuchtendem Haar dem was auch immer entsteige, in reinweiße Gewänder gehüllt… Gecremt, gesalbt, gepudert mit einer seidengleichen Haut fühle ich mich rein. Und doch, von irgendwo her weht sie herüber, hat sie mich doch wieder erwischt – die Endlichkeit, die omnipräsente Vergänglichkeit. Wollrauchig Grau zeigt er sich, der Weihrauch, und kitzelt Reflexionen hervor, Kontraste heraus, ein bisschen nur, gerade genug, um melancholisch zu stimmen.

Eigentlich nicht meins, aber eigentlich nicht so falsch – und erst recht interessant, wenn man sich die Klamotten dazu ansieht, die ziemlich genau meiner Kragenweite entsprechen. Bin gespannt, ob Ascent einige derjenigen erreichen wird, die wie ich ansonsten keine ausgesprochenen Clean-Fans sind, aber immer mal wieder einen Versuch wagen. Der Weihrauch hat was, meine Haut zaubert ihn immer wieder schillernd hervor – in diesem Kontext wirklich interessant meine Lieben! Grünes Blattwerk vermag ich im übrigen absolut nicht zu entdecken, auch Wasser oder aquatische Anklänge sehe ich hier nicht. Die Sauberkeit allein, die mag ein wenig wässrig erscheinen, ja.

Zur Nummer 5, genannt #087, zitiere ich mich einmal selbst:

Die Nummer 5 ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Daisuke Obana, dem Designer des japanischen Kultherrenlabels N. Hoolywood [sic!], das sich gerne mal von den 20er, 30er Jahren inspirieren lässt und Stephen Nilsen. Nilsen sah sich bemüht, eine bestimmte Momentaufnahme im Leben Obanas festzuhalten: Als dieser vor circa dreißig Jahren aus Japan kommend auf dem Flughafen in Los Angeles landete. Eine Prise der Gerüche beider Länder, ein bisschen Motoröl in Erinnerung an des Vaters Auto, salzige Anklänge, die an das Meer erinnern, Hölzer und einiges mehr sind an Ingredienzen geboten, wie man lesen kann:

„For Daisuke’s fragrance, I wanted to capture a quintessential moment from his life that had made an impression on him – an olfactive snapshot that defines who he is. When we first spoke, he wanted a fragrance to recreate the feeling of arriving in Los Angeles airport from Japan 30 years ago. And as I got to know him, I found that the moment was actually a culmination of memories from his past – a contrasting combination of elements from nature and childhood: the smell of engine oil in his father’s car; getting off at the Kugenuma Beach train station and inhaling the saltiness of the ocean; the mysterious scent of Kurobe dam releasing water on a cloudy, snowy day; and the clean, relaxing feeling of grooming and bathing captured through the scent of the hiba tree, hinoki wood, cypress, nutmeg and rosemary. As we worked together on the fragrance, I also found that woody notes resonated positively with his current state of mind, so I faceted the base notes with sandalwood and fir balsam for an olfactive echo between his past and present.“ Stephen Nilsen.

Mich erinnert #087 sehr positiv an zwei verschiedene Düfte oder auch Duftrichtungen: Einerseits an jene grünen von Zypresse und/oder auch deren japanische Verwandte Hinoki besiedelten Düfte wie zum Beispiel The Spirit of Wood aus der ersten Six Scents Serie, in dem sich beide fanden oder auch Comme des Garçons Monocle Scent One: Hinoki. Und andererseits an einen alten skurrilen Liebling von mir – Nostalgia von Santa Maria Novella.

Solltet Ihr die Gelegenheit haben letzteren einmal zu testen – lass sie nicht verstreichen! Nostalgia ist einem Autorennen gewidmet und riecht nach der perfekten Begleitung für die Mille Miglia, jene bekannteste Oldtimer-Rallye der Welt: Das Reifengummi mitsamt seinen Verschleißspuren, lederbezogene Sitze, ein Klecks Motoröl und nicht zuletzt auch die schöne mediterrane Landschaft Italiens, durch die sich die Strecke schlängelt. Ein paar zitrische Spritzer und knarzige Hesperidenbäume, unter denen sich hervorragend ein Zigarettenpäuschen einlegen lässt in der Wärme der frühsommerlichen Sonne.

In #087 finden beide Welten zusammen: Frisch und grün ist es hier, aber nicht grasig, sondern deutlich nach Koniferen duftend. Zypresse und Rosmarin treten deutlich zutage in holzig-harziger Pracht, kontrastiert von – Salzwasser und, ja, tatsächlich, an Motoröl und kühles Leder erinnernde Noten. Sehr interessant, sehr tragbar und sehr schön, wie ich finde.

Einen schönen Tag Euch noch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Graffiti of angels in Nizhny Novgorod von Андрей Романенко, Japanese Yew Trees von komekue, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Six Scents Series 3 in unserem Shop.

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Neuigkeiten die Fünfte und Letzte.


Eine Ikone Amerikas…

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 30.09.2011

war sie, ist sie – und nicht nur Amerikas: Die Rede ist von Marilyn Monroe, jener Filmlegende, die eigentlich auf den schlichten Namen Norma Jeane Baker getauft wurde. Aus in jeder Hinsicht eher armen Verhältnissen stammend schaffte sie einen von vielen „American Ways of Life“ – von unten bis ganz nach oben: Ungewolltes Kind, überforderte Mutter, Pflegefamilien und Heirat mit 16, wodurch ihr eine weitere Ausbildung verwehrt blieb. Hernach Montagearbeiten in einer Rüstungsfabrik, von wo aus sie dann 1945 als Pin-Up-Girl durchstartete. Eine Ausbildung als Mannequin folgte und von da an ging es steil nach oben und der Weg bis zum Film war nicht mehr weit: Der Durchbruch kam unter anderem in einer Nebenrolle in dem Marx Brothers Film Love Happy und von da an schauspielerte und sang sich Marilyn Monroe bis zu ihrem Tod im Jahre 1962 durch die Welt.

Als „archetypisches Sexsymbol und Filmikone des 20. Jahrhunderts“, wie sie bei Wiki bezeichnet wird, die Generationen von Männern den Kopf verdrehte, starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten, was bis heute zu Gerüchten und Verschwörungstheorien jeglicher Art animiert. Fest steht aber, dass Marilyn Monroe eine ambivalente Person war: Lange Jahre war sie tablettensüchtig, hatte verschiedene schwierige Ehen – unter anderem mit Joe di Maggio und Arthur Miller – und litt wohl an einer manischen Depression, was vielleicht unter anderem auch dem Druck geschuldet war, ihrem Image gerecht zu werden. Extrem ist hier auch die äußere Wandlung der Norma Jeane Baker über die Jahre: Anfänglich eine attraktive Naturschönheit mit brünetter Haarfarbe und authentisch-naiv-fröhlicher Ausstrahlung verwandelte sie sich über die Jahre in die perfekte platinblonde Sexbombe, eine Venusfalle.

Oft stellte man sie gerne als blondes Dummchen hin, als deppertes Weibchen – ganz so einfach kann es, kann sie wohl nicht gewesen sein, wie ein Buch mit bisher unbekannten Briefen, Notizen und Gedichten vor etwa einem Jahr zeigte, unter anderem der Spiegel hatte darüber berichtet.

“Verdammt, ich wünschte ich wäre tot – gar nicht vorhanden – fort von hier – von überall, nur wie …” – das sind die letzten Zeilen eines Gedichts aus ihrer Feder, einer, die eine verzweifelte, unglückliche Schreiberin verraten. Eine, bei der man es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht hat mit der Beurteilung und der Schublade, in die man sie gepackt hat.

… das nun ist eine perfekte Überleitung: Auch ich habe es mir zu einfach gemacht – aber nicht mit Marilyn, sondern mit Nez à Nez. Und Nez à Nez, die Firma, haben es sich ganz im Gegensatz dazu gar nicht leicht gemacht mit Madame Baker.

Immortelle Marilyn heißt der neue Duft aus dem Hause und ist eine Hommage an die Leinwandgöttin, die am 01.06. dieses Jahres 85 Jahre alt geworden wäre. Und die Hommage ist gelungen – vielleicht gerade deshalb, weil Nez à Nez sich ganz augen- oder besser nasenscheinlich um Komplexität bemühten, innen daran lag, die Facetten von Monroe einzufangen, ihre Ambivalenz und gleichzeitig einen Duft zu kreieren, der ihre überbordende Weiblichkeit einfängt.

Immortelle Marilyn ist – in einem Wort: Haselnussheuseide. Herrliche Haselnussheuseide.

Im Auftakt schillert zarte Himbeere, saftig und mit der ihr genuinen samtigen Süße behaftet, welche alsbald überleitet in – Haselnuss, allerschönste Haselnuss, mit einem Hauch Nougat. Üppig, sowohl auf meiner Haut als auch auf dem Teststreifen – und wunderschön, jene in Düften doch leider so selten anzutreffende Note. Immortelle würzt, viel dezenter als vielleicht gewohnt, und lässt die Sonne aufgehen über diesem schönen Kleinod – strahlt warm und beschützend, trocknet. Sacht pudrige Iris in gewohnt exzellenter Harmonie mit Wildleder, seidenweichem. Und die Basis sorgt dafür, dass die ohnehin schon auf eigenartige Weise skinnigen Elemente des Duftes noch untermalt werden, ähnlich wie bei Histoires de Parfums’ Moulin Rouge 1889.

Wieso ich es mir zu einfach gemacht habe? Ich gestehe – weil ich Nez à Nez irgendwann für mich abgeschrieben hatte. Die ersten Düfte waren alle nichts für mich, gar nichts. Und somit bin ich irgendwann gedanklich und nasentechnisch ausgestiegen – und war erst wieder völlig überraschend für mich selbst bei Hiroshima Mon Amour wieder mit von der Partie.

Es hat sich gelohnt – Immortelle Marilyn ist einfach nur schön. Und auf so zauberhafte Art und Weise feminin, wie es zum Beispiel auch Etat Libre d’Oranges Like This! ist, der für mich eine der besten Neulancierungen des letzten Jahres war oder besagter Moulin Rouge.

Habt Ihr schon getestet, hat Euch Immortelle Marilyn schon verführt? Ich bin mir sicher, hätte die echte Marilyn diesen Duft hier gekannt – es hätte keinen Grund mehr gegeben, (nur) mit Chanel No. 5 ins Bett zu gehen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike

Bildquelle: Marilyn Monroe – Yank Army Weekly (1945), Porträt Marilyn Monroe (2003) von Ralph Krampe, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Nez à Nez in unserem Shop.

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Duft im Blut – Blood Concept.

Im Laufe der Zeit laufen einem ja jede Menge schräger und ausgefallener Duftkonzepte über den Weg: Petite Mort – Parfum d’une Femme von Marc Atlan, der Duft der weiblichen Lust oder so ähnlich sowie Etat Libre d’Oranges männliches Pendant Sécrétions Magnifiques, dann natürlich Madame Kawakubos (mal mehr, mal weniger) verrückte Duftausflüge mit ihren ganzen Serien für Comme des Garçons, Geza Schöns Projekte wie Escentric Molecules, Elternhaus, The Beautiful Mind oder Boudicca sowie auch die Düfte von Christophe Laudamiel, gerne mal zusammen mit Christoph Hornetz geschaffen (Les Christoph’s) – Kiki Smith, der Duft nach Pflanzensex als Hommage an die bereits verstorbene Gegenwartskünstlerin, Humiecki & Graefs Kollektion der Uremotionen und viele mehr.

Blood Concept erweitert dieses bunt-fröhliche Raritätensammelsurium um eine weitere Kollektion: Vier Düfte – 0, A, B, AB -, nach den Blutgruppen benannt. Reduziert, mysteriös und konzeptuell, die Evolution des Menschen im Blick und dessen Individualität:

„Filled with legends and meanings, blood is soaked with mystery‚ fascination and respect. it’s the most tested and studied part of human body and it guards a multitude of secrets that reveals our inner and unique way of being. BLOOD CONCEPT is a private celebration of the vivid and fascinating liquid that flows in our veins. Because blood is actually the river of life.

A, B, AB and 0, retrace the evolution of manhood through time and its record of information, history and mutation, so well kept in the vital flushing of blood. BLOOD CONCEPT is a mystic ritual with no flowers to be found: deep as primeval Africa in 0‚ aromatic as the scent of familiar land in A, bold as unpredictable itineraries in B, bold and sharp as a metropolitan skyline in AB.

Ending each time with the same subtle and mysterious note: a metallic vague suspicion.“

Hinter diesem Konzept steckt Antonio Zuddas, seines Zeichens Fotograf und Werbetexter, sowie Giovanni Castelli, Modedesigner.

„Let it flow“ – in diesem Sinne, lassen wir es bluten!

0 – Type: Unisex; System: Visceral and intense. From the depths of the earth. Carnal and primitive.“

Dampfig, ledrig, erdig und süß zeigt sich 0, ein bisschen wie regennasse Erde nach einem Sommergewitter. Eine verstohlene Fruchtigkeit drängt sich mir auf, beerig vielleicht? Und Moose satt, warm, weich und nass. Mich erinnert unsere Blutgruppe hier sehr an Tom Fords Tuscan Leather und Mark Birleys Charles Street, letzterer natürlich exklusive des Kaffees.

A – Type: Unisex; System: Green and aromatic. A symbiotic relationship with nature. Reassuring and clean.“

Neongrün duftet es mir entgegen: Bittere Halme, Gräser, Blätter, zerstoßen und zerdrückt, saftig. Zitrische Lauge überschwemmt meine Nase, während eine eigenartig seifige Süße für seltsam saubere Akzente sorgt. Natürlich? Mmhhh… nein. Eher ein grell-farbenfroh-übertriebenes La Chappelle-Bild von einer viel zu grünen Wiese. Für mich eindeutig nichts, sorry.

B – Type: Unisex; System: Woody and spicy. A brave traveller keen to discover the unknown. Nomadic and ecletic.“

B zeigt sich wie alle anderen Düfte unserer Blutgruppen sehr konzentriert – und das als Mann-Mann. Ein Latino-Macho ist es, aber durchaus einer, den man gleich nehmen würde – vielleicht ein Banderas oder ein Bardem? Sehr holzig, sehr würzig, sehr warm, sehr markant und, ja, süß ist er, der Duft – Hölzer satt, vielleicht ein bisschen Sandelholz, ambriert könnte er sein und auf jeden Fall mit ordentlich Moschus in der Basis. Darüber eventuell ein liköriger Schluck? Für mich geht er anfänglich ein bisschen in Richtung Lubins Idole, dieser Eindruck verflüchtig sich aber alsbald. Auch meine ich just in der flüchtigen Kopfnote Kamille wahrzunehmen – kann mir wer folgen? Und so männlich-kantig er ist, der Duft – an einer Frau wirkt er ganz bestimmt hervorragend, ich verspreche es.

AB – Type: Unisex; System: Synthetic and individualist. A loner chemist stumbling upon unavoidable changes. Unhibited and visionary.“

Bei Chemie, die unvorhersehbare Verbindungen eingeht und dem Wechsel unterliegt muss ich an meine Lieblingsserie Breaking Bad denken über jenen krebskranken Chemielehrer Walt, der seiner Familie etwas Geld hinterlassen möchte und deshalb anfängt Drogen zu kochen. Riecht es so bei Walt im Hightechlabor? Wo riecht es so? In einer Reinigung, vielleicht auch der, die sich über Walts geheimem Arbeitsplatz befindet. Einer Großreinigung voller metallischer Geräte. Dichte süßliche Dämpfe, die eine komische Trockenheit ausstrahlen. Und aufdringlich nach WEIß riechen, nach Reinheit, Sauberkeit, vermeintlich verheißungsvoll. Was anfänglich noch fruchtig-aldehydig begleitet wurde, irgendwo, driftet allmählich ins Frische, frisch Gewaschene ab, strahlt, wie die Wäsche in jener Reinigung, von metallischem Glanz veredelt.

Blood Concept zeigen sich wie zu erwarten war sehr – konzeptionell. Wer sich mit derlei Duftprojekten schwer tut wird auch an dieser Reihe hier keine Freude finden.

Habt Ihr schon getestet – mit welchen Ergebnissen, Eindrücken, Gefühlen?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Blood Concept, Grass von rpichler, At the saloon von ollinger/Oliver Brandt,  some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Blood Concept-Kollektion in unserem Shop.

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Und noch einmal – die Vergessenen.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Reines und Pudriges am 23.09.2011

Auch den letzten Tag dieser Woche widme ich meiner überquellenden Schublade und einigen Düftchen, die ich Euch schon zu lange vorenthalten habe: Heute stelle ich Euch Clean Summer Linen und Boadicea Regal vor.

Clean Summer Linen ist eine neue der mittlerweile fast unzähligen Varianten und Variationen des klassischen Clean-Duftes und wurde in den Staaten bereits im Frühling veröffentlicht – passend vor der Jahreszeit, derer sich der Duft inspirativ bedient:

„Inspired by the hot sunny days of summer where clean warm breezes mingle with the sun-ripened citrus of summer.“

In fröhlich gelb-terracottafarben verlaufender Flasche kommt die limitierte Edition daher und macht alleine schon von der Aufmachung her Lust auf – Sommer, Sonne, Sand und Strand, auf Urlaub und unbeschwerte Freude(n). Hesperidenfröhlichkeit allseits und ja, auch die Mirabelle vermag ich zu entdecken. Ehrlicherweise hätte ich die wahrscheinlich nicht sofort erkannt, zu selten hat man Mirabellen vor der Nase – subtil-fruchtiges Steinobst oder so ähnlich hätte der Befund gelautet, den ich für Euch in noch hübschere Worte gekleidet hätte. Zarte Rosen unterstreichen die verhalten süße Fruchtigkeit, die sich warm auf Hölzern bettet, welche ihre Süße aufgreifen.

Für jemand, der eigentlich keine Clean-Düfte mag, ist das hier ein durchaus netter Vertreter. Wie sagt der Schwabe so schön als höchstes Kompliment? „Hab scho Schlechteres gerocha“ – trifft in diesem Fall zu. Clean Summer Linen würde ich sogar tragen im Sommer – und die Farbe, ehrlich, die hat es mir angetan.

Michael Boadi war scheinbar trotz seiner neuen Firma Illuminum, die Middletons Hochzeitsduft stellte und somit zum Riesenhype avancierte, unterbeschäftigt und erweiterte seine Linie Boadicea um einen neuen Duft: Regal.

Hinter Regal verbirgt sich tatsächlich Königliches: Beim ersten Aufsprühen wird schon klar, dass wir es hier nicht mit einem Leichtgewicht zu tun haben. Mein erster Gedanke – Oud. Und ich schaue erstmal nach den Ingredienzen – scheinbar kein Oud, aber animalische Noten, die mir in ähnlicher Intensität, aber verschiedener Verpackung bisher nur in Mazzolaris Lui entgegenströmten. Gut gebrüllt, Löwe! Das riesige Tier trollt sich aber schon kurz danach, wahrscheinlich ist es ins Unterholz geflüchtet, in einem solchen befinden wir uns nämlich jetzt. Eine Lichtung im Wald sehe ich vor mir, eine mit Kräutern bewachsene, auf der sich auch so manches Blümelein tummelt. Minziges Geranium, das die hier moosig-chypriert wirkende Rose unterstreicht und Maiglöckchen, zartes, sowie ein erdiges Veilchen im Hintergrund, auf Hölzern gebettet.

Was soll ich sagen? Rotkäppchen und der böse Wolf, wäre das Bild, das mir als allererstes bei Regal in den Sinn kommt, von mir aus auch die Schöne und das Biest: Jugendlich-unschuldige Weiblichkeit von unverstellter Natürlichkeit und irgendwo dahinter – das Tier. Gefällt mir, wie zu erwarten war, gar nicht schlecht und erinnert mich von der Richtung her (!) – man möge mir die saloppen Worte nachsehen: Jungfrau trifft Schmuddelkind – ein bisschen an meine wunderschöne Entdeckung dieses Jahr, Andy Tauers Carillon pour un Ange.

Habt Ihr schon getestet? Seid Ihr Clean-Anhänger oder nicht und wie haltet Ihr es mit Boadicea?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Linen Field von bretz/Hervé de Brabandère, Sunset in Italy von goejsen, Rotkäppchen-Illustration von Carl Offterdinger (19. Jhdt.), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen: Il Profumo Ginger & Cannabis.
Die Vergessenen: Sigilli Hesperia & Ea.
Die Vergessenen – Ménage à Trois mit Atelier Flou, Parfums de Rosine und 10 Corso Como.


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