Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Feueralarm…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Hesperiden,Leder am 25.04.2012

Über A Lab on Fire hatte ich vor einiger Zeit bereits berichtet, nämlich hier:

„A Lab on Fire, jene kleine Marke, die aus S-Perfume hervorgegangen ist, macht mit neuen Düften von sich reden: Irgendwie ein Geheimtipp, mysteriös umfirmiert und eigentlich immer exzellente Parfumeure am Start – man sollte sich die Düfte, die uns hier erwarten, einmal näher anschauen! Nach L’Anonyme ou OP-1475-A kommt jetzt Rose Rebelle SC-7545 auf den (wohl ausschließlich europäischen) Markt, ein Rosenduft mit Baldrian, roter Johannisbeere, Efeublättern, bulgarischer und türkischer Rose, Labdanum, Moschus.

Neben Rose Rebelle ist What We Do Is Secret der zweite neue Duft von A Lab on Fire dieses Jahr: „What We Do Is Secret is the olfactive footprint of A Lab on Fire. It is unusual without being strange, rich without money, fresh without green, masculine without male.“ Die Noten: Bergamotte, Muskatnuss, Pfeffer, Leder, Jasmin, Sandelholz, Birkenholz, Patchouli.

Darüber hinaus erwarten uns in nächster Zeit: What We Do In Paris Is Secret (kreiert vom legendären Dominique Ropion, kommt Ende 2011) und Sweet Dream 2003 (von Thierry Wasser geschaffen, kommt Anfang 2012).“

Beginnen wir aber erst einmal mit der Eigenauskunft von A Lab on Fire:

„A Lab on Fire is THE Unlikely Company: an enigma wrapped in mystery. We are an ingenious niche-limited production fragrance house in a surprisingly compact waterfront studio-within-a-studio that looks across the East River to Manhattan. We emphasize the hands-on aspects of creating original fragrances along with our priorities for their safety, stability, freshness and quality. Each fragrance, created by a famous nose, is batched at a state-of-the-art factory in New Jersey but packaged by Brooklyn neighborhood artists whose hand-labeling sometimes results in serendipitous touches that lend individual character to each bottle.“

Freigeister aus Brooklyn sind sie also, was mich sofort an eine Internetseite denken lässt, auf der ich sehr gerne stöbere: The Makers Project, ein Fotoprojekt von Jennifer Causey, die Menschen fotografiert, die in Brooklyn wohnen und dort mit ihren Händen Dinge erschaffen – Mode, Design, Möbel, Schokolade, Düfte, Schmuck, Porzellan und vieles mehr. Wunderschön fotografiert und minimalistisch präsentiert. Schaut Euch bitte auch die Schokoladenmacher an, die meine persönlichen Lieblinge sind. A Lab on Fire würden vermutlich sehr gut auf diese Seite passen, nehme ich an.

Kennt denn noch jemand das frühere Projekt der ominösen Macher, S-Perfume? Ich hatte vor etlichen Jahren einmal getestet. Es waren drei Düfte, 100% Love kreiert von Sophia Grosjman, S-ex von Christophe Laudamiel und S-Perfume Classic, der früher Jet-Scent 1.0 hieß und von Alberto Morillas & Christophe Laudamiel. Kritikerlieblinge waren sie, Turin und Burr waren begeistert – und man fragte sich, wie diese Herren Künstler dazu kamen, solch Topparfumeure für ihre Düfte gewinnen zu können. Denn dementsprechend war das Ergebnis: Die Liebe ist eine sehr schöne kakaopudrige Rose, der Signature ist ein seltsam-schöner Strandduft und Sex wollte man ständig haben, so ledrig-eigen duftete er.

Hochkarätig geht es auch mit der Parfumeursbesetzung des neuen Projekts weiter, wie Ihr oben lesen konntet. L’Anonyme ou OP-1475-A und What We Do In Paris Is Secret werde ich Euch heute vorstellen.

Der Anonymus wurde von Olivier Polge geschaffen, dem das Parfum als Sohn von Jacques Polge bereits in die Wiege gelegt wurde. Ausgangspunkt war eine sympathische und etwas provokante Frage:

„It started with a simple question: “Why is a bottle of niche fragrance so expensive?” It didn’t take A Lab On Fire long time to find out a simple fact – if an awesome designer soap bar can be less than twenty dollars, so can be a fragrance created by the brightest talent using the best materials.“

Gesagt, getan – wie so oft in kleiner Größe aufgelegt, nämlich in 15ml finde ich den ursprünglich in den Staaten auf 15 Dollar angesetzten Duft in der Tat sehr preiswert, aber nicht klassischerweise „billig“ (100ml = 100 Dollar). Nichtsdestotrotz bin ich ganz verzückt von dem vom Stil her mit dem Etikette „spiritual, minimalist“ bedachten Duft. Bereits auf der Messe hat es mich umgetrieben, was an dem Stand so unglaublich riecht – die Präsenz ist unglaublich, er leuchtet schon von weitem, strahlt, auf seine luzide Art. In der Kopfnote vermählen sich Bergamotte und Geranium auf eine selten dagewesene und exzellent harmonierende Weise: Anfänglich zitrisch-prickelnd und säuerlich-bitzelnd in der Nase kitzelnd verwandelt sich das Duo alsbald in eine übermächtige Hesperidenaura, die in majestätischer Hesperidenherbe saubere Frische und minzige Wässrigkeit ausstrahlt. Kühl ist er, dieser Auftakt, der lange nachhallt – und über die Maßen eingängig, prägnant, das er einem so schnell nicht mehr aus Kopf und Nase will. Im Verlauf zeigt sich Unterholz, von zart-würziger und nur verhalten warmer Ambra kontrastiert, die hier, wie ich meinen möchte, mit Sandelholz antritt. Und, nicht zu vergessen – Leder. Ein Hauch Wildleder rundet die Szenerie ab, sandfarben scheinend.

After the rain, comes a rainbow!

Freunde von puristischen Düften, gerne auch Konzeptdüften (allerdings nicht der abgedrehten Variante, unser Anonymus hier ist sehr tragbar) sollten sich den Duft einmal näher anschauen. Comme des Garçons, Humiecki & Graef, Andrée Putman, Le Labo, Escentric Molecules – das wären meine Eckdaten, Liebhaber dieser Firmen machen mit diesem Duft garantiert nichts falsch.

Bei mir zieht ein Fläschchen ein – das wusste ich schon auf der Messe. Mit What We Do In Paris Is Secret wird es mir vermutlich sehr ähnlich gehen, denn auch hier ist dem Meister ein wirklicher Treffer gelungen: Mit Meister ist Herr Ropion gemeint, der nicht nur sein Handwerk exzellent beherrscht und somit ein wahrer Könner ist – er hat sich wohl noch, frei nach Nietzsches Zarathustra (“Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.”) ein bisschen Chaos bewahrt, was die Brooklyner Jungs mit „wild at heart“ beschreiben. Denn in der Tat ist das Pariser Geheimnis exzentrisch, sinnlich und in höchstem Maße eigenwillig und seltsam, was den Duft umso habenswerter macht.

Guess what... Macro lychee!

Litschi, jener kleine Exot, ist hier kopfüber in den Honigtopf gesprungen, woraus ein unwiderstehliches Gemisch entsteht: Satt-süßes Litschifruchtfleisch, betörend und mit einer leichten Rosennote, in Kombination mit überbordend süß-würzigem Honig. Untermalt wird diese Amour Fou von cremig-süßer (ja, schon wieder!) Vanille und sanften Harzen, während Heliotrop Mandelanklänge stiftet.

La Terre magmatique

Paris – die Stadt der Liebe. Und natürlich der Sünde. Ich will gar nicht wissen, für WAS für eine Art Geheimnis dieser Duft steht… Oh lala sage ich da bloß…

Und verabschiede mich an dieser Stelle von Euch – ein schönes Wochenende Ihr Lieben!

Herzlichst,

Eure Ulrike.

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Duftverzeichnis


Officina delle Essenze…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Hesperiden,Reines und Pudriges am 24.04.2012

sind uns, wie gestern bereits angekündigt, auf der Messe über den Weg gelaufen. Passion, Kreativität und Einzigartigkeit ist das Leitmotiv, die Philosophie des Hauses. Ein Haus des Duftes, nicht erst seit heute: Maurizio Lembo führt in dritter Generation die Parfumerie seiner Familie und erfüllte sich mit Officina delle Essenze den Traum einer eigenen Duftkollektion Als leidenschaftlicher Duftliebhaber verbrachte er schon als kleines Kind ganze Tage in dem Familienunternehmen und erinnert sich bis heute noch an das behütende Gefühl, das ihn umgab, wenn er seinen ersten Duft namens Messire trug.

Kindheitserinnerungen wollte Lembo deshalb wieder aufleben lassen mit den Motiven seiner Duftkollektion: Puro Lino, Puro Talco, Puro Neroli, Musc Puro und zuletzt Puro Fico, die ich Euch heute gerne vorstellen möchte. Die ganze Kollektion ist betont minimalistisch interpretiert – es stand der Gedanke im Vordergrund, einer Note, einer Impression Ausdruck zu verleihen, einer einzelnen Momentaufnahme. Und das dafür zu 100 Prozent: Die Düfte gibt es alle als Acqua di Parfumo, das eine Art Cologne-Charakter und -konzentration hat und als Körperspray, leichtes Parfum sowie für Stoffe (fleckenfrei!) und Räume verwendet werden kann , sowie als Parfumextrait mit einer sagenhaft hohen Konzentration von 30 Prozent.

Puro Lino ist der erste Duft der Linie und wurd 2006 kreiert – die Inspirationsquelle, ganz klar: Frisch gewaschene Leinenwäsche, zum Trocknen in einem herrlichen mediterranen Garten aufgehängt, in dem es grünt und blüht, von der Sonne beschienen.

Der Auftakt ist von Aldehyden geprägt, die zusammen mit Moschus Weichheit und Reinheit vermitteln, denen für mich aber auch die naturbelassene grobe Leinenstruktur innewohnt, für die man dieses Material so schätzt. Irgendwo in der duftenden Verbindung von Zitronenverbene und den fruchtig-staubigen Aldehyden liegt das Geheimnis jener Leinenimpression, jenes reinweißen, fröhlich in der Sonne vor sich hin knitternden Stoffes. Die Kulisse dazu ist klar: Ein sommerlicher Garten am Morgen, in dem man natürlich ganz alleine steht und die Wäsche aufhängt. Oder noch besser – unter einem Baum sitzt, die nackten Füße im Gras, den Bienchen bei ihrer Arbeit im Jasmin zuschauend Müßiggang betreibend.

"...something else, something fragile as a soap bubble,  and just as beautiful." 21/366

2008 folgten dann zwei weitere Düfte – Puro Talco und Puro Neroli. Puro Talco ist eine mehr als nette Assoziation: Nochmal Kind sein, ein Schaumbad einlassen, das bis zum Himmel, vielmehr: der Badezimmerdecke emporsteigt. Darin planschen, bis der Schaum sich verflüchtigt und die Haut schon aufgeweicht ist, um dann mit Talkumpuder bestreut wie ein kleines Prinzesschen im mütterlichen Bademantel wieder taufrisch zu sein. Doch halt – die Creme darf nicht fehlen trotz des Puders. All das hat man auch in Puro Talco hineingepackt: Cremige und pudrige Süße satt, die ein pastellrosafarbenes Gefühl der Wohligkeit erzeugen, dass es einem ganz warm ums Herz wird. Dafür verantwortlich sind fein vor sich hin glitzernde Hesperidensterne, Damaszenerrose, Iris, Vanille und Ylang. Und ich bin mir ganz sicher, dass dieses hellrosane Träumchen ganz vielen Frauen gefallen wird, weil es ein echter Seelenschmeichler und Wohlfühler ist.

Looks like Bath bubbles

Neroli ist keine Orangenblüte, nein. Neroli ist die Blüte der Bitterorange – und dementsprechend geht ihr immer etwas von dem Süßfloralen ab, das Orangenblüte in Hülle und Fülle besitzt. Bei Puro Neroli hat man gekonnt jene herb-bittere Seite betont und sich nicht darauf eingelassen, das xte belanglose Orangenblütenwässerchen zu komponieren. Puro Neroli dominiert mit herb-spritziger Bergamotte, die sich von bitteren Zitronenblättern begleitet sieht, an geraspelte Zitronenschale erinnernd. Dazu gesellen sich Neroli, Orangenblüten und Ylang, wobei die florale Süße, die die letzten beiden Kandidaten im Normalfall an den Tag legen, hier zugunsten einer säuerlichen Frische verdrängt wird. Leuchtend, intensiv und dynamisch ist Puro Neroli, und für den Sommer eine willkommene Erfrischung für potentielle Träger jeden Geschlechts.

Frank Lloyd Wright's Fallingwater

Musc Pure [sic!] stammt aus dem Jahre 2010 und ist… ganz anders, als ich mir ihn vorgestellt hätte. Bei einem reinen Moschusduft denke ich ehrlicherweise mit Schrecken an diese ganzen nichtssagenden Weichlinge, von denen man mit zahlreichen bereits das Vergnügen hatte. Hier hat man allerdings mit Eichenmoos kombiniert (was mich spontan an Muschio Bianco von Acca Kappa erinnert, einen unserer Bestseller), Vetiver, Sandelholz und Farn hinzugefügt – und heraus kommt ein mehr als adrettes und sehr schmeichelhaftes Düftchen. Auch wenn ich das Waldbild, das die Firma dazu zeigt, unpassend finde – Musc Pure hat etwas von Draußen-Sein, hier weht eine zarte Brise, und es zeigt sich tatsächlich irgendwo ein moosbewachsener Hain. Allerdings ist man selbst nicht schon seit drei Stunden durch eben diesen getrabt, sondern schaut sich das von der Veranda aus an… Frank Lloyd Wrights Falling Water? Ja, das ist es für mich. Auf der Terrasse von diesem, einem meiner Traumhäuser, sitzt er, der Mann, der es sich rein hypothetisch leisten kann – und relaxt, fein gepflegt und wohlduftend. Mmmmh. Würde mich sofort danebensetzen.

Puro Fico, der neueste Streich, ist ein Vollblutfeigling und für mich als Feigenfan natürlich der schönste Duft der Kollektion. Feigenmilch und -blätter, ein Schuss Mandelmilch, ein Hauch Kokos sowie Sandelholz und Galbanum, von ein paar maritimen Noten begleitet. Puro Fico ist einfach nur – toll. Eine schöne grüne Feige, von zarten Milchakzenten und sanfter Mandelsüße begleitet, die von verhaltenen (!) Kokosakzenten gewürzt wird (auch für Nicht-Kokos-Liebhaber wie mich zu ertragen). Sandelholz wärmt sonnenstrahlend von unten, während der Kopf Meeresfrische suggeriert. Für einen gelungenen Duft braucht es manchmal nicht viel.

Die Extraits haben eine herausragende Haltbarkeit, was aufgrund ihrer Konzentration auch nicht weiter verwunderlich ist. Phänomenal finde ich in diesem Zusammenhang auch den Preis – knapp 50 Euro für 100ml des Acqua di Profumo und etwas über 70 Euro für 50ml der Parfumextraits. Da kann wirklich keiner meckern.

Habt Ihr schon getestet? Was oder wer gefällt? Und, wenn nicht – auf wen seid Ihr neugierig?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Duftverzeichnis L – Z
Eine neue Kollektion…
Global Art of Perfumery – Die Fünfte.


Ein Duft aus altem, schottischen Adel – Lonach

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 16.04.2012

Das Wort Lonach hat sogleich einen Schlüsselreiz bei mit ausgelöst, klingt es doch schwer nach einem jener schottischen Feuerwasser, die sich mit altertümlich anmutenden keltischen Namen schmücken. Und in der Tat gibt es einen so benannten Whisky. Lonach steht aber viel mehr noch für die „Lonach Highland Gathering & Games“, einer Veranstaltung, die an jedem vierten Samstag im August im Bellabeg Park in Strathdon stattfindet.

1823 wurden sie von einem gewissen Sir Charles Forbes gegründet. Bei derartigen Highland Games handelt es sich um eine traditionell schottische Angelegenheit, es werden sportliche Wettkämpfe ausgetragen, das Dudelsackspiel darf natürlich nicht fehlen und die landestypischen Trachten werden ausgeführt.

bekilted relay

Brauchtumspflege mit Männern in Röcken, die unter dem Patronat eines Sir James Forbes of Newe stattfindet, einem direkten Nachfahren des bereits erwähnten Gründers.

Wer sich mit Nischendüften gut auskennt, dürfte längst erraten haben, dass wir es heute mit „Lonach“ von Castle Forbes zu tun haben. Da dieses Haus, das sich selbst als kleinste Parfümerie der Welt bezeichnet, hier im Duft-Tagebuch noch nicht vorgestellt wurde, erlaube ich mir noch ein paar Worte darüber fallen zu lassen.

In dem 1815 erbauten Schloss wohnt heute Lord Malcolm Forbes und kann dabei den Blick nicht nur über seine Ländereien schweifen lassen, sondern auch über eine Ahnenreihe, die bis ins 12. Jahrhundert zum Ahnherrn Forbes tartan (Vestiarium Scoticum)Oconochar zurückreicht, der die Gegend um Aberdeenshire erst dadurch bewohnbar machte, indem er den ursprünglich dort ansässigen Bären tötete. Was nun die Düfte anbelangt, scheint aber seine Frau Jinny federführend zu sein. Mit dem befreundeten Parfumeur Andrew French wurden die Düfte entwickelt, die alle mit dem Tartan des Forbes-Clans ummantelt sind und sowohl Hirschwappen als auch das Motto des Clans „Grace me Guide“ – „Ziere meine Führung“ tragen.

Die fast schon obligatorische Verschrobenheit solcher Familien lässt sich auch hier finden. Auf der Webseite des Castle Forbes wird nicht nur Geschichtliches geboten. Im Schloss lassen sich Übernachtungen buchen, man kann Angeln gehen, Düfte genießen und sich begraben lassen, kein Witz. Wer seine sterbliche Hülle in keltischer Szenerie in der Nähe eines Jahrtausende alten Steinkreises begraben wissen möchte, kann hier eine letzte Ruhestätte vorbestellen. Ein ganzheitlicher und nachhaltiger Erholungsansatz, wie ich finde.

cothiemuir wood recumbent stone circle

Wenig aussagekräftig erscheint mir der Duft auf dem Teststreifen zu sein, frisch, mit leicht süßlichen Anklängen und holzigen Tönen, ein sauberer klassischer Geselle. Wie so oft wird auch hier der Hauttest Klarheit bringen. Ich würde mir natürlich nie erlauben, einem schottischen Duft britisches Understatement zu unterstellen. Eine Noblesse durchweht den Duft aber zweifelsohne.

Ein zitrischer Auftakt unter Leitung der Bergamotte wird von leicht würzigen Korianderakzenten begleitet. Die Herznoten darf man sich getrost als entfernte Anspielung vorstellen, Fruchtiges meldet sich durch eine gewisse Süße zu Wort. Am deutlichsten erscheint noch das Sandelholz, dessen saubere Holzigkeit von einer leichten Herbheit des Vetivers und die Süße wiederum von Patchouli unterstützt wird. Ihr seht schon, hier haut keiner der Protagonisten auf die Pauke, eine durch und durch runde Komposition. Am besten lässt sich Lonach als sauber-holziger, klassischer Herrenduft mit süßen Einsprengseln beschreiben, der jedoch ohne Frage auch einer Dame trefflich stehen würde.

Viele Grüße sendet Euch
Harmen

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Duftverzeichnis
Manufakturen
Granada…


Farmacia…

Geschrieben in Blüten,Duft,Gourmand,Holziges,Reines und Pudriges am 13.04.2012

…sind seit letztem Jahr in unserem Sortiment vertreten. Wie Ihr Euch vielleicht erinnern könnt, hatte ich das zum Anlass genommen, einen Großteil der Duftkollektion jener altehrwürdigen florentinischen Apotheke unter die Lupe zu nehmen oder besser: mir unter die Nase zu klemmen. Erinnern wir uns nochmals kurz an die Geschichte des Traditionshauses, die ich zu diesem Anlass erzählt habe:

„Die Geschichte des florentinischen Unternehmens geht lange zurück, die Marke gilt als eine der ältesten in Italien: Das Jahr 1561 kann als Geburtsstunde gelten, als der Kräuterspezialist und Chemiker Domenico di Vincenzo di Domenico Brunetti, seinen Laden in den jetzigen Räumlichkeiten eröffnet, wo bereits zuvor Benediktinernonnen des Ordens San Nicolo ein ähnliches Geschäft betrieben. Die Apotheke wechselte in den Wirren der Zeit immer wieder ihre Besitzer, bis sie letztendlich von der Familie Azzerlini erworben wurde, die die Marke nun schon seit drei Generationen als Familienbetrieb führt.“

Vier Artikel hatte ich der vielfältigen Kollektion gewidmet – und war überaus angetan von einigen der Düften. Insofern kann ich durchaus von einer gewissen Erwartungshaltung sprechen, die ich dieser Tage hegte, als der neueste Streich bei mir eintrudelte: XLLENCE heißt sie, die neue Linie, und besteht (erst einmal?) aus drei Düften – Talc Gourmand und Sweet Musk für die Damenwelt sowie Vetyver Incenso für die Herren der Schöpfung. In Flaschen mit 250ml Inhalt präsentieren sie sich – was mich zu der irrigen Annahme verleitete, dass es sich um Colognes handelt. Weit gefehlt – Eau de Parfums sind es, und zwar alle drei. Das Packaging gefällt mir ausnehmend gut: Schlichte Schüttflakons in minimalistisch-edler Verpackung mit einem nostalgisch anmutenden Sprühaufsatz als zusätzliche Option. Betreffs der Größe höre ich jetzt schon das Seufzen einiger von Euch: „250ml, wie soll ich das jemals aufbrauchen? Wieso gibt es das nicht kleiner?“ – und, zugegeben, ich kann es nachvollziehen. Vor allem, da die Größe natürlich Auswirkungen auf den Preis hat – 250ml für 295 Euro. Aber sehen wir uns zuerst die Düfte näher an.

pink macaron

Talc Gourmand lässt vermutlich dem Namen nach schon einige Herzen da draußen höher schlagen: Puder, Babypuder, Hautpuder, Körperpuder. Eine Duftrichtung, die viele Fans hat. Ich bin dafür nur sehr bedingt zu haben… könnte aber bereits nach drei Sekunden in meinen Talc Gourmand-benetzten Finger beißen: Was ist das Leckeres? Das ist gemein. Pudrig ist es, was mir da entgegenduftet, und ja, es riecht auch nach Haut, nach warmer Haut, nach eingepuderter, gepflegter, warmer Haut. Aber es riecht nach so viel mehr – Gourmandnoten umgarnen mein Näschen und bezirzen meine Sinne. Unter der dicken Schicht von Talkumpuder verbirgt sich zart-fließender Honig und sanft-zuckriges Karamell. Und der Puder selbst hat auch noch mehr zu bieten: Anklänge von Kakao und Vanillecreme, fein-würziger, von marzipanigem Heliotrop unterstrichen und floral untermalt. In der Basis würzt Sandel ein wenig vor sich hin, fällt aber wenig ins Gewicht, da sich der Gesamteindruck des Duftes im Verlauf desselben wenig ändert – und das ist in diesem Falle auch gut so. Diese Verlockung könnte von mir aus ewig währen. Und das mir, die ich doch gar nicht…

Meine Damen – das ist die ultimative (Körper)Puderversuchung! Ein Must-Try für Liebhaber pudriger Düfte. Und im übrigen aufgrund seiner latenten Gourmandanklänge auch etwas für diejenigen, die der Sparte an Lokum-Düften verfallen sind.

Pink October

Meine Neugierde ist genährt – könnte auch Sweet Musk entgegen des für mich persönlich zu liebreizenden Namens etwas für mich sein? Nein, eher nicht. Das tut dem Duft aber keinen Abbruch: Sweet Musk ist, entgegen dem, was sein Name evozieren mag, kein reiner schlichter Moschus. Es ist fruchtig-floraler, heiterer Moschus, der seine Süße, die im Namen enthaltene, aus dem üppigen Blütenmeer und seinen fruchtigen Anklängen zieht. Sonnenwarme, fruchtige Rose und erfreulich un-indolischer, überbordend blühender, fröhlicher Jasmin, von watteweichem Muckelmoschus getragen, jenem Hauptprotagonisten, der sich in der Basis von sahniger Vanille mit einer Prise Würze und keksiger Ambra feiern lässt, um abschließend eine sachte Sauberkeit an den Tag zu legen. Feminin und fein. Aber nichts für mich, leider.

Shadows

Schauen wir uns doch mal unseren Mann an: Vetyver Incenso verspricht, klar, Vetiver und Weihrauch. Und beginnt schon äußerst vielversprechend: Mit zitrischem Elan von Pampelmusen und Bergamotte, in ihrer Herbheit durch fruchtig-bitteren Ingwer tatkräftig unterstützt. Wacholder linst auch schon hervor aus dem Herz, und fügt sich nahtlos in die Fruchtherbheit ein. Das Herz ist ansonsten frisch, elegant, leichtfüssig – von kühlem und sehr zivilisiertem Weihrauch geprägt, der die Hauptfigur galant in den Mittelpunkt rückt: Grasig-grüner, salziger und sanft-rauchiger Vetiver, der an Klassiker wie Chanels Sycomore und The Different Companys Sel de Vétiver erinnert. Die Basis erscheint dahingehaucht, nur dazu da, um dem Rest gekonnt abzurunden, harmonisch zu vervollkommnen und dem ohnehin bereits vorhandenen Charakter noch mehr Geist und Tiefe einzuhauchen. Zeder, Patchouli, Ambra und Eichenmoos scheinen dazu ein gutes Team zu sein.

Keine Frage – ich mag diesen sportlich-eleganten, gleichermaßen klassischen wie modernen Vetiver. Aber das war auch zu erwarten, oder? ;)

Habt Ihr schon getestet, spricht Euch einer an?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Farmacia SS. Annunziata die Dritte.
Die Düfte, die aus der Apotheke kamen.
Farmacia SS. Annunziata die Vierte.


Wenn wir…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft am 12.04.2012

…an Regen denken, evoziert der Begriff bei den meisten von uns sofort Unfarben: Grau in grau verhangen zeichnet man sich in Gedanken die Szenerie dazu, von düsteren Farben geprägt und oftmals eher trister Stimmung begleitet. Eigentlich hätte man das von Lyn Harris doch auch erwartet, oder? Wo, wenn nicht in England ist Regen trostlos, unangenehm nass und lässt einen frösteln, unabhängig von der Temperatur? Die Nase hinter Miller Harris hat sich zu ihrem Duft La Pluie, dem Regen, aber etwas ganz anderes einfallen lassen, nämlich einen „exotischen Regensturm mit vielen weißen Blüten und einem geheimen Regenwolkenakkord.“ So lautete übersetzt die Beschreibung zu La Pluie, die die Firma in ihrem Pressematerial nochmal ein wenig genauer ausführt:

„Conjuring the inky blue-black of clouds heavy with rain and the heightened sense of expectancy before a thunderstorm, this fragrance is richly suggestive of tropical showers and the balmy climate of a far away island. Top notes of bergamot Italy, tangerine, lavender and a hint of blé absolute (wheat) refresh the heart of wet, white flowers. The centrepiece is a tropical accord of ylang ylang absolute from the Comoro islands, framed by Egyptian cassie absolute, jasmine absolute and Tunisian Orange flowers. The warm and sensual base is finally revealed with vetiver bourbon and vanilla bourbon which take their name from their country of origin, the Ile de Bourbon, an old, forgotten name for the Island of Réunion.“

it rained...

Nicht nur die Nacht ist aus Tinte gemacht – auch die Wolken, zumindest hier bei Lyn Harris, die beileibe nicht die erste Parfumeurin ist, welche sich von Regen und Sturm inspirieren ließ: Jean-Claude Ellena zauberte für Frédéric Malle das betörende Regenaquarell Angeliques sous la Pluie und Mark Buxton kreierte für Calé Fragranze d’Autore den mysteriösen Gewitterauftakt Roboris, sein Kollege Maurizio Cerizza die Post-Gewitter-Impression Fulgor. Bei Annick Goutal findet sich Un Matin d’Orage, ihre Interpretation eines blühenden asiatischen Gartens nach einem Platzregen im trocknenden Sonnenlicht. Für mich hängt beim Terminus des Regens die zu erreichende Latte in Anbetracht der genannten Beispiele sehr hoch – wir werden sehen, ob Frau Harris mithalten kann.

Bergamotte, Mandarine, Lavendel und Weizen sowie nasse, weiße Blüten – Ylang, Kassie, Jasmin und Orangenblüte, gebettet auf einer Basis aus Vetiver und Vanille. Das hört sich für mich nicht besonders spektakulär an – und wenn dann noch von Regen die Rede ist, befürchte ich trotz oder wegen meiner hohen Erwartung wie bei jedem solchen Duft eine mir den Atem im negativen Sinne raubende Mischung aus aquatischen Knallern aus der Synthetikküche. Die Verbindung mit weißen Blüten könnte jenes Schreckensszenario noch potenzieren…

…tritt aber nicht ein, ganz im Gegenteil: La Pluie ist anders, ganz anders. Das ist weder ein Wolkenbruch in England noch ein Gewitter über dem Strand in Phuket, wo sich rotbäuchige Engländer im Sand aalen und auch kein Unwetter über Langnese-Malle.

La Pluie ist sachter Regen, sanft. Ein feiner Schauer von fragilsten Tröpfchen, die sich anfühlen wie warmer Nebel auf der Haut. Der Duft lässt sich schlecht auseinanderfisseln, er besteht als Ganzes, als olfaktorisch gewebter, graziler Duftteppich, bereits kurz nach dem Aufsprühen. Die ersten Sekunden werden von zitrisch-prickelnd-saftigen Hesperiden dominiert, die von grünen Noten umrankt werden. Blattwerk? Ich weiß es nicht, will es nicht wissen – denn La Pluie lebt von seiner Indifferenz. Hauchzart zelebriert er sich als zauberhaftes Nichts auf der Haut, das so viel mehr ist als das Gegenteil von Etwas: Feinste grüne Töne vermengen sich mit floralen Noten, einer subtilen Süße, einer unausgesprochenen Wässrigkeit sowie einer vanilligen Wärme mit Cerealienanmutung, die mich bisweilen an Lostmarc’hs Lann-Ael erinnern. Luftige Lavendelvanille für einige Augenblicke, dann wird mir wieder grün vor Augen, bevor tropische Blüten vor mir aufblitzen. Einige Momente vermag ich pudrige Iris zu entdecken mit erdfeuchten Wurzeln, bis sie sich meines Blickes wieder entzieht und in einer cremigen Frische entschwindet.

 HAND IN HAND IS THE ONLY WAY TO LAND

La Pluie wird kein Duft sein für jedermann: Er wird vielen zu leise sein, zu unentschlossen. Dabei ist gerade das, wie ich finde, sein großer Trumpf: Ich liebe seine Unbestimmtheit. Finde, dass es viel mehr solche Parfums geben sollte. La Pluie stellt für mich die Sorte olfaktorisches Nichts dar, an der sich viele Parfumhersteller orientieren sollten, wenn sie einmal einen sauberen, kleinen, feinen Duft kreieren wollen, an der überparfumierten Welt krankend. Aus diesem Vorsatz entstehen nämlich allzu oft ziemlich charakterlose, flache Kandidaten – etwas, das man von La Pluie absolut nicht behaupten kann. Ein exzellentes Beispiel für einen transparenten, leichten Duft, der nichtsdestotrotz oder gerade deswegen über eine ganze Menge Aussagekraft verfügt.

Habt Ihr sie schon getestet, die beiden Miller Harris-Düfte? Sie sind ja schon eine ganze Zeit auf dem Markt. La Pluie könnte ein wunderbarer Kandidat für das Frühjahr werden – mal sehen, ob ich dauerhaft widerstehen kann…

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Fremdgegangen…
Freitagsverlosung
Freitagsverlosung.


Miller Harris…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 11.04.2012

…lancierte vor einiger Zeit schon zwei neue Düfte, die eigentlich bereits reif für unsere Vergessenen-Serie wären: Zu lange warteten sie jetzt schon auf ihre Rezension, immer kam etwas dazwischen – dabei bin ich durchaus angetan von den beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten… Aber von vorne: La Fumée und La Pluie heißen die beiden, und sind natürlich britisch-brav einmal an Männlein und einmal an Weiblein gerichtet – dann hört es aber auch schon auf mit der Angepasstheit…

La Fumée, der Rauch, verspricht ein süchtig-machendes Düftchen zu sein, ein rauchig-holziger Wirbelwind, dem man sich nicht verwehren kann. Dafür hat Lyn Harris auch ordentlich tief in die Kiste der Holze und Harze gegriffen: Labdanum und Elemiharz, Weihrauch aus dem Jemen, Birkenteer und Ambra sowie Zedern- und Sandelholz finden sich hier. Bei soviel geballter Kraft fallen Geranium, Kardamom, Koriander, Papyrus und Kumin nicht mehr wirklich ins Gewicht, mag man denken – wir werden es gleich testen.
Nanzenji Temple Kyoto
Ich ahne in jedem Fall schon Gefahr… Harris hat ein Händchen dafür, kontemplative Düfte kongenial umzusetzen: Für mich reicht dafür als Beweis ihr wunderschöner En Sens de Bois, den ich vor einiger Zeit rezensiert habe – siehe hier. Inspiration für En Sens de Bois war Kyoto mit seinen traditionell japanischen Gärten – und exakt das vermochte Harris umzusetzen: Mit En Sens de Bois hat sie eine olfaktorische Meditation geschaffen, einen in Duft gegossenen Zengarten mitsamt seiner erhabenen Aura, seiner Ruhe. Ein Duft so voller stiller Ruhe, von der man zehren kann. Ein Ort, eine duftende Insel, die man aufsucht – um sich zu entspannen, um zu sich zu kommen, um Kraft zu schöpfen.
暖阳(Basilica In The Sunshine,Litang Temple,Sichuan,CHINA)

Mit La Fumée ist Harris meines Erachtens nach Ähnliches gelungen, Harris entführt uns hier ebenfalls an einen stillen, erhabenen Ort, der, wie ich finde, ebenfalls in Asien liegt – in ein buddhistisches Kloster. Ich kann nicht anders, exakt das ist meine Assoziation. Frisch aufgesprüht weht mir Birkenteer entgegen, der Nebelschwaden kühlen Weihrauchs hinter sich herzieht. Kalter Stein und die Wärme von schwelender Holzkohle, kokelnd, auf der die süßen Harze vor sich hin glühen, die Luft mit ihrem Duft schwängernd. Der Rauch von Sandelholzräucherstäbchen schwingt sich empor, vermengt sich mit dem harzigen Nebel und weht hinweg über altes Pergament, durch samten-seidige Gebetsfahnen hindurch in den Tag. Ernst riecht er, der Duft, bedächtig, aber auch vertraut, Geborgenheit vermittelnd, beschützend und behütend.

Was für eine Schönheit, was für ein Duft. Wie wundervoll hier Wärme und Kühle ausbalanciert sind, wie sich Harze und Hölzer miteinander vermählen und wie herrlich prächtig das Resultat ist, ohne auf irgendeine Weise vordergründig oder prätentiös-präsent zu wirken.

Dharma student studies after the Hevajra empowerment on Bodhisattva day, inside Tharlam Monastery of Tibetan Buddhism, Bodha, Kathmandu, Nepal

Tibetan Buddhist prayer wheels decorated with katags, Om Mani Padme Hung, mantra, Sakya Monastery of Tibetan Buddhism, Greenwood, Seattle, Washington, USALa Fumée ist ein Kraftort, und das meine ich ganz unesoterisch. Weihrauchfreunde dürften wissen, was ich meine: Eine Trutzburg im Alltag. Rückgrat. Und La Fumée ist dafür, für einen Weihrauch in sich tragenden harzenden Holzling, ziemlich gefällig. Kein Anfängerweihrauch wie der zart-florale Passage d’Enfer von L’Artisan Parfumeur oder der sehr schöne ruhige und zahme Encens Flamboyant. Aber eben doch weit verträglicher als Kracher wie Norma Kamalis leider vergriffene FSK-18-Variante Incense, Etros Messe de Minuit, die kalte Kathedrale, oder auch einige Kandidaten der beeindruckenden Incense-Series von Comme des Garçons. La Fumée dürfte hier eine schöne Lücke füllen: Prägnant, aber gleichwohl kein fröstelnder Kirchenweihrauch, sondern wohlige duftende Alltagsauszeit für Kopf und Geist, so etwas wie Yoga in Flaschen vielleicht.

Ich hoffe, ich habe Euch ein wenig neugierig gemacht – das bleibt Ihr auch bitte, denn La Pluie morgen hat es ebenfalls verdient!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Freitagsverlosung.
Miller Harris’ Sommerherz
Freitagsverlosung.


Patricia de Nicolaïs New-York-Interpretation

Geschrieben in Chypre,Duft am 10.04.2012

Wenn sogar ein Luca Turin Bestnoten zückt, sollte man zumindest einmal aufhorchen. „New York“ von Patricia de Nicolaï ist ein echter Spalter, wie mir eine kurze Recherche bestätigt. Ich bin mir relativ sicher, dass es die Kombination aus einer kräftigen Zitrone mit Patchouli ist, die da die Geister scheidet, denn nach einem spritzig-zitronigen Auftakt folgt ein krautig-pfeffriger Einschlag. Dieser wird sogleich von erdig-warmen Patchouli-Ambra-Tönen flankiert, dunkel und bissig anmutender Vetiver im Verbund mit Eichenmoos unterstreicht diesen Eindruck noch. Die Zitrone bleibt ungewöhnlich lange präsent. Die würzige Komponente setzt sich aus pfeffrig-holzigen Tönen zusammen, manch einer mag hier noch Gewürznelke oder Thymian oder gar Paprika vernehmen, Lavendel spielt in jedem Fall eine Rolle – ganz klar lässt sich das nicht auseinanderziehen. Als Duftnoten gibt die Herstellerin folgende an: Kopfnote: Zitrone, Petitgrain, Bergamotte, Lavendel, Beifuß; Herznote: Piment, Pfeffer, Patchouli, Zedernholz; Basisnote: Vanille, Leder, Ambra.

Mulberry Street NYC c1900 LOC 3g04637u edit

Ein komplexer Charakter ist New York von Nicolaï. Verschiedenste Facetten leuchten im Duftverlauf auf, neuartige und mutige Nuancen, kräftig, bissig und leuchtend, aber auch von erdiger Dunkelheit erfüllt… all dies jedoch eingebettet in das klassische Gewand eines Chypre.

Little Italy1989 bereits erschienen hätte New York aber durchaus auch einige Jahrzehnte älter sein können. Ich bringe diesen klassisch anmutenden Duft nun nicht direkt mit der pulsierenden Metropole New York zusammen, außer vielleicht wenn wir in die alten sepiafarbenen Zeiten Little Italys zurückkehren, wie man sie aus dem Kino kennt, wo elegant gekleidete Herren Geschäften aller Art nachgingen. „New York“ ist kein hipper Stadtduft und soll es vermutlich auch gar nicht sein. Die Komplexität scheint der Schlüssel zu seinem Verständnis zu sein. Ein Schmelztiegel verschiedener Assoziationen, heller und dunkler Elemente, Neues und Altes koexistiert, Kulturen vermischen sich, doch all dies im Rahmen der Stadt, welche die zugegebener­maßen fließenden und durchlässigen Grenzen markiert. Es sind natürlich die sizilianischen Zitronen, die mich auf die Little-Italy-Fährte brachten, und die Kräuter und Gewürze der Südländer. Doch der so versiert angetäuschte Chypre hat noch etwas mehr zu bieten, als die Tradition seiner Gattung zu repetieren. Wer Chypres an und für sich nicht mag, steigt vermutlich bei den vieldeutigen Einsprengseln vollständig aus, deren Deutung von Zimt bis Paprika reicht. „New York“ sperrt sich einem leichten Verständnis und lässt sich auch durch einen dritten Blick nicht durchschauen.

Wäre „New York“ ein Mensch, dann ein Charakter, dem es gleichgültig ist, ob man ihn mag oder nicht, der aber mehr zu bieten hat als lässige Selbstgefälligkeit. Man muss sich länger mit ihm beschäftigen, um ihn schätzen zu lernen und vielleicht auch ein bisschen mit ihm kämpfen, bis man ihn mag. Ich muss noch ein bisschen kämpfen, so viel Ehrlichkeit verdient „New York“.

Ganz viele Grüße von
Harmen

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Der Göttervater…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 5.04.2012

…hat uns mal wieder reich beschenkt – oder vielmehr die, die sich nach ihm benannt haben: Der trendige Conceptstore Odin aus New York, der leider nur Männer mit seinen Klamotten bedient, hat uns zwei weitere Düfte beschert – Odin 06 und Odin 07. Einige werden jetzt sicher stutzen: Die szenigen Herrenausstatter hatten zuerst mit drei Düften gestartet, 01 Nomad, der jetzt Sunda heißt, 02 Owari und 03 Century. Hernach stieß Odin 04 hinzu – Petrana. Und jetzt geht es mit 06 weiter? Ganz recht – die Nummer Fünf hat man, ich betone: nicht ich, ganz nonchalant einfach weggelassen, aus Coolness- oder was weiß ich welchen Gründen. Ist mir völlig gleich, dann stürzen wir uns jetzt heute eben auf 06 und 07.

06 ist schon etwas länger lanciert worden und heißt Amanu. Woher der Name kommt weiß keiner so genau – man könnte ja meinen, er wäre dem gleichnamigem Atoll gewidmet, das irgendwo in Französisch-Polynesien vor sich hindümpelt. Daran geht die Beschreibung dann aber haarscharf vorbei, will ich meinen:

„The primitive ambiance of southern Mediterranean peaks combined with the ancient fertility of Anatolian soils brings forth a herbaceous blend of verdant galbanum and raw lentisque. The cortex of Amanu revolves around the woody rusticity of cedarleaf and the heady complexity of jasmine sambac. Rooting textures of amberwood, musk and live moss endow this earthy scent with a lush maturity.“

April 9-13

Die Kopfnote beißt mich zuallererst zitrisch-keck in die Nase, zeigt sich aber alsbald versöhnlicher dank minzig-frischem Galbanum. Mastixharz entwickelt wie häufig im Duftverlauf lavendelartige Anklänge und würzt, während ich darüber hinaus bitteres grünes Blattwerk vernehme – sollen das die benannten Zedernblätter sein? Ein changierendes Grün, herb, frisch, aromatisch schillernd und einen überaus lebendigen Eindruck suggerierend. Und wo sind die Blütchen? Wenn ich die Nase ganz tief in dem Duft versenke, vermag ich sie zu entdecken – irgendwo im grünen Dickicht. Jasmin, Magnolie – ich weiß nicht, ob ich sie anhand der zarten weißfloralen Süße erkannt hätte, die sich hier verbirgt. Obgleich die Agrumenfrucht Blutorange anfänglich so dominant war, bleibt im Duftverlauf nicht viel Zitrisches übrig. Vielmehr entwickelt sich der Duft zu einem komplexen Grünling, der mich an Six Scents Series 01 No. 03, Spirit of Wood erinnert sowie Reminiszenzen an Duchaufours Jardin du Poète für Eau d’Italie weckt (welcher allerdings deutlich kräuterlastiger ist). Ein frisch-grüner Duft, der ganz bestimmt ein schöner Begleiter für sommerliche Temperaturen darstellt.

Odin 07 hört auf den Namen Tanoke – erfahren wir ein wenig mehr dazu:

„The latest addition to Odin New York’s expanding fragrance library is the introduction of 07 Tanoke. Odin New York’s signature unisex fragrances mimic the exoticism of travel and demonstrate a modern approach to time-honored traditions by layering rich and complex notes. 07 Tanoke conjures the natural aromas of lush Californian landscapes near seaside terrains, amounting to a pure and recognizably American scent.“

Ein echter und erkennbar amerikanischer Duft? Ich gestehe, ich musste zuallererst an Popcorn denken (und somit im weiteren Sinne an die tollen Rummeplatzdüfte pc02 von Biehl Parfumkunstwerke und an Acqua e Zucchero von Profumum), dann an Coca-Cola, vertreten (und explizit so benannt) in dem bezaubernden Bubenparfumset Cedro Atlas von Nobile 1942 und dann an die ganze Sauberkeitswelle von Wie-frisch-geduscht-Parfums. Bei näherer Überlegung will das aber so gar nicht zu Odin passen, einem Shop, der eine beeindruckendes Modesortiment führt und bisher mit einem außerordentlich schönen, minimalistischen Duftportfolio brillierte.

Schauen wir uns den Duft doch einmal an: Kreiert wurde er von Corinne Cachen, die wohl über ein Jahr am Feintuning arbeitete, um die richtige Balance zwischen Stärke und Leichtigkeit zu finden. Man wollte nämlich beides – das knarzige Holz und das Wasser, angelehnt an Nordkalifornien.

Ritter Range, Ansel Adams Wilderness

Gut Ding will Weile haben – so auch bei Tanoke: Man hat es wohl beim W Magazine bereits in die Top Ten der Indie Fragrances geschafft. Mein Herz erobern Odin mit Tanoke, dem Naturburschen ebenfalls: Würzig, frisch, fruchtig, herb und pfeffrig zeigt sich der Knabe im Auftakt und lässt einen gleich ahnen, dass er bereit ist, einem zu zeigen, wo der Hammer hängt. Ingwer, scharf und fruchtig, von kantigem Pfeffer flankiert, und Bitterorange. Muskat würzt unterstützend, während sich eine ordentliche Portion Weihrauch über den Duft legt wie Nebel über einen See. Man ahnt es schon – ein See, kein offenes Meer. Und deshalb umringt von Bäumen, Bäumen, Bäumen. Holz satt ist hier die Devise, und Tanoke reizt das Thema ordentlich aus: Die Kombination von kühlem Weihrauch und Holz, vor allem Guajakholz ist beeindruckend, kühl, verhalten süß, immer noch pfeffrig und ziemlich entschlossen. Trotz allem ist Tanoke charmant – der Duft ist kein Grobklotz, vielmehr zeigt er sich auf der Haut als sensibler Mann-Mann mit Herz. Und ist, man höre und staune, deshalb meines Erachtens nach auch sehr gut für Frauen zu tragen. Darüber hinaus werde ich im Laufe des Duftes etwas gewahr, was mich erstaunt – einer über allem schwebenden sauberen Frische, die nach meinem Empfinden absolut passend ist, erinnert sie mich doch an die saubere Luft, die man in jener Landschaft erhaschen kann, der der Duft gewidmet ist.

Merced River, Little Yosemite Valley, Yosemite National Park

Wie immer haben mich Odin nicht enttäuscht. Ich freue mich schon auf weitere göttliche Düfte!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Duftverzeichnis L – Z


Von Gottheiten & Engeln – Memos Shams & Lalibela.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Florientalisch,Holziges am 4.04.2012

Entgegen meinem ursprünglichen Plan habe ich mich dazu entschlossen, nicht nur die vier angekündigten und bereits besprochenen Memo-Düfte zu rezensieren, Moon Safari, Granada, Manoa und Shams. Lalibela gibt es auch noch mit dazu. Mir macht My Memo wieder einmal ausgesprochen viel Freude dieser Tage, deshalb durfte auch mein etwas aus der Reihe schlagender Liebling Lalibela nicht fehlen. Beginnen wir aber erstmal mit Shams:

„Shams – An Oud in the house of the Sun. Shams means “sun” in Arabic. Legend has it that the persian god mithras climbed into his gold-covered chariot at dawn and whipped his horses forward to pull the sun across the sky until dusk. But at nightfall, on the verge of disappearing from the horizon, the sun was swallowed by a man, only to return to life at dawn… The sun makes our hearts swell in a hand-to-hand combat of pepper, ginger and saffron. It dazzles with a thousand desires and gives us power over the days and hours. Everyone gets lost in its scintillating, unreal brightness. Intoxicated with warmth, it accelerates our stride and consumes us in its passion. The only guide in the house of the sun is the haunting music of Oud, its main chords of Tonka bean, its dreams of wood and its promises of glorious love.“

Der Hintergrund von Shams ist natürlich äußerst geschichtsträchtig und bis heute noch nicht vollständig erforscht: Der Mithraskult, von dem hier die Rede ist, erfasste große Bereiche Kleinasiens, später des ganzen römischen Reichs und lief mit seiner Popularität fast dem Christentum den Rang ab. In jedem Falle ist er älter als das Christentum und zählt zu den wichtigsten orientalischen Mysterienreligionen. Der persische Gott Mithra allerdings ist noch eine Kleinigkeit älter – er wurde erstmals im 14. Jahrhundert vor Christus belegt und war bekannt dafür, in einem goldenen Streitwagen durch den Himmel zu kacheln.

Soviel zur Gottheit. Der eine oder andere von Euch wird aber gleich schon gar nichts mehr vom Duft wissen wollen, wenn ich erwähne, dass es in allererster Linie ein Oud-Duft ist, der aus folgenden Ingredienzen gemacht wurde: Pfeffer, Ingwer, Safran, Vetiver, „Papier“, Tonkabohne, Birke, Tolubalsam, Styraxharz und Oud.

Ouddüfte gab und gibt es viele, ich weiß. Und ich weiß auch, dass viele von Euch den Trend satt haben. Ich nehme mich da ausdrücklich aus, ist Oud doch für mich eine meiner Lieblingsingredienzen, ich kann, werde und will immer neue Düfte dieser Richtung testen. All diejenigen, denen es in letzter Zeit ein bisschen zu viel wurde mit dem Oudgetöse auf dem Parfummarkt: DIESEN hier, meine Lieben, solltet Ihr trotzdem testen!

Denn Shams ist wirklich ein tolles Stöffchen: Pfeffrig im Auftakt leuchtet der so gut wie alle Facetten des Ouds aus – medizinische, holzige, kühle, harzige und sonderbar süß-warme Noten werden uns offeriert, von Pfeffer stetig begleitet und von einer schönen Harzaura umfangen. Die papierne Note lässt sich sehr gut erfassen und erinnert ein wenig an Meisterwerke wie Ménardos Bois d’Arménie für Guerlain oder by Kilians Pure Oud von Calice Becker aus der Arabian Nights Collection. Pfeffer und Papier vermengen sich im Laufe der Zeit zu einer rauchigen Trockenheit, die an Bibliotheken und vor allem Herrenzimmer erinnert. Diese Assoziation gefällt mir ohnehin sehr gut – ich finde, hier riecht es wie in einem Herrenzimmer, natürlich ohne Rauchverbot und mit Chesterfield-Ledermöbeln, in dem der orient-affine Besitzer ab und an außer Zigarren noch weiterem feinem Räucherwerk frönt. Schön!

Lalibela, meine unverhoffte Liebe, ist laut Beschreibung „a mystical rose“ und Namenspatron für den Duft ist die gleichnamige Stadt in Äthiopien: Auf über 2500 Metern Höhe gelegen ist sie weltweit für ihre elf monolithischen Kirchen bekannt, die im 12. Jahrhundert in Basaltlava gemeißelt wurden und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Genauso wie die anderen Orte und Legenden, denen Memo seine Düfte widmet, steckt auch Lalibela voller Geheimnisse: 1001 Geschichte rankt sich um die mythenreiche Stadt – so auch die, dass die Erbauer der Kirchen Engel gewesen sein sollen, die eines Nachts vom Himmel herabstiegen, um ihr Bauwerk bis zum Morgengrauen zu verrichten.

Des Duftes Genese hat sicher ein wenig länger gedauert, aus Engelshänden könnte er aber ebenfalls stammen: Süß-würzige Kokosmilch und vanillig anmutende Orchideenblüten umfangen mein Näslein, alsbald von einem majestätischen Chor aus ehrfurchtsvollen Harzen eingerahmt. Labdanum und Weihrauch, von Hölzern begleitet, von Vanille im Hintergrund zart untermalt. Patchouli sorgt für den Tiefgang, während Tabakblätter ambriert wirkende Rauchigkeit beitragen. Und das Herz quillt über vor cremigem, überhaupt nicht indolischem Jasmin, fruchtigen Rosen und Pfingstrose, gebettet auf samten-harziger Wärme.

Lalibela ist – wollüstig. Opulent. Erotisch. Feminin. Überbordend. Verschwenderisch. Und so toll, dass gerade ein kleines Fläschchen her musste. Obgleich ich eigentlich gar nicht der Typ für Lalibela bin und weiß, dass ich ihn nicht oft tragen werde – dann aber mit höchstem Vergnügen!

In diesem Sinne – ein schönen Tag Euch und viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

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Memo-Gewinnspiel im Duft-Tagebuch
Duftverzeichnis L – Z
Granada…


Granada…

Geschrieben in Blüten,Duft am 3.04.2012

ist nicht nur der Name einer Stadt in der gleichnamigen Provinz im Süden Spaniens, sondern auch der Name des neuesten Streichs aus dem Hause My Memo aus Paris: „A Song of Andalusian Jasmine“ soll es sein, also eine Ode an den Jasmin, den andalusischen.

„Midnight in the gardens of the Alhambra, the red castle. The wandering breeze brings to mind love. Under the waving jets of the fountains, as silent as the petrified marble. With my eyes closed, hands stretched out: I sleepwalk in your perfume. Cradle-me, song of jasmine, take me in your arms, my orange blossom. How dark it is, the wood of your guitars. They weep in the moonlight. How dark their hair is, your gypsies. Their skirts make my heart spin. Granada, I dream of your nights, so warm. In the heart of the romantic Nasrid Palace, atop the invincible Alcabeza citadel, relentlessly, my desire roams. Listen to my voice calling you. Granada, tonight I will be faithful to you. Your sky is above my land, my only light.“

Eine Liebeserklärung, und was für eine. An Granada. Und natürlich den Jasmin. Überhaupt ist das Textchen von Memo durchweg überschwänglich emotional, was mich im Zusammenhang mit Jasmin an jenes kleine, etwas kitschige Gedicht von Helene von Tiedemann, die unter dem Pseudonym Leon Vandersee schrieb (was sie auch nicht bekannter macht, nehme ich an), erinnert:

Süß duftet im Garten der bleiche Jasmin,
Leuchtkäfer umschwirren das lockende Grün:
„Komm, wandle mit mir durch die schweigende Nacht
und löscht die Glut, die du lächeln entfacht.
Nicht länger ertrag ich den tändelnden Scherz,
mit dem du mich marterst, o kommt an mein Herz,
ein Gott hat mir Schönheit und Jugend verliehn –“
schwer duftet im Garten der bleiche Jasmin.
Er wandelt mit ihr durch die schweigende Nacht,
zwei Arme umschlingen die Bebende sacht,
sie küsst ihn erschauernd und schmiegt sich an ihn –
schwül duftet, betäubend, der bleiche Jasmin . . .

Zu diesem passt auch der Duft recht gut: Granada winkt zu Anfang noch mit herb-säuerlicher Bergamotte, die sich allerdings schnell zurückzieht zugunsten der zwei Hauptprotagonisten – Jasmin und Orangenblüte. Die beiden umgarnen sich, als gäbe es kein Morgen mehr: Jasmin cremt in voller Weißblüte, zart und keck gleichermaßen, während Orangenblüte den ihr genuinen Joker zieht – fruchtig anmutende, honigsüße florale Süße. Ein weißes Blütenmeer mit einer gehörigen Portion feinstem Bienenhonig, das auf einem zauberhaft süß-waffeligen Vanille-Moschus-Lager zur Ruhe kommt.

Sehr feminin ist Granada, und genauso weit ausholend wie Vandersees Gedicht und Memos Duftvorlage. Ein opulenter Sommernachtstraum aus Blüten, den ich als relativer Jasmin-Neuling – Ihr wisst ja, mein Herz schlägt noch nicht allzu lange, dafür aber ganz doll für Weißblüher – ganz reizend finde. Warum? Weil er den Spagat schafft – jenen Spagat zwischen frischen, zum Teil auch grün anmutenden Jasmin-Düften wie zum Beispiel Floris‘ Night Scented Jasmine, Acqua di Parmas Gelsomino Nobile oder Atelier Flous Paradis Paradis und den eher schwereren Kandidaten, von denen es ja mehr als genug gibt wie zum Beispiel der schöne Jasmin de Nuit von The Different Company. Einerseits ist er hell, ihm fehlen jegliche Bestandteile, die ihn in einen (Fl)Orientalen verwandeln könnten. Andererseits aber ist er nicht wirklich transparent – die Orangenblüte verleiht ihm zu viel Süße und auch grüne Noten gehen ihm vollkommen ab. Insofern dürfte er eine willkommene Option sein für all diejenigen, die einen aussagekräftigen Jasmin suchen, der nicht allzu schwer sein sollte, aber auch kein Leichtgewicht sein darf.

Morgen geht es weiter mit der vorerst letzten Memo-Rezension, diesmal zu Shams – bis dahin alles Liebe und herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: A collage of some pictures of the city of Granada, in Andalusia, Spain von Venerock, Jasmine Flower von നിരക്ഷരൻ,some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Memo-Gewinnspiel im Duft-Tagebuch
My Memo…
Von Gottheiten & Engeln – Memos Shams & Lalibela.


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