Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Poire Belle Hélène…

Geschrieben in Chypre,Duft,Fruchtiges,Gourmand,Leder,Orientalen am 1.04.2011

… ist die französische Bezeichnung für jenes wundervolle Dessert, das bei uns Birne Helene heißt. Wird einem heute meist irgendein zusammengepanschter Haufen mit Birne, häufig noch aus der Dose, serviert, der in Sahne und Instantschokosauce zu ertrinken droht, ist das Original tatsächlich eine gar deliziöse Angelegenheit: Frische Birnen in Zucker pochiert, nach dem Auskühlen mit Vanilleeis angerichtet und gesäumt von kandierten Veilchen sowie überzogen von einer heißen Schokoladensauce – mmmmmhh!

Bei all den komischen Verschnitten, die einem diesbezüglich so serviert werden, muss ich immer an den grandiosen Loriot als Heinrich Lohse in Pappa ante Portas denken, der seiner Frau Renate (natürlich dargestellt von Evelyn Hamann) im Verlauf des Films den letzten Nerv raubt. Unter anderem schafft er das vor allem mit seiner Pedanterie, welche er auch im Bezug auf das Dessert Birne Helene auslebt, siehe hier (Szene kommt ganz am Schluss):

Ob nun Apfel, Pfirisch oder Birne – der eigentliche Schöpfer der Birne Helene hat sie wohl alle adäquat „verwurstet“: Auguste Escoffier, der als Gründer der modernen Grande Cuisine gilt, mit dem Guide Culinaire die Grundlage für die Kochkunst des 20. Jahrhunderts schuf und in legendären Hotels und Restaurants wie dem Savoy und dem Ritz kochte, erfand nicht nur das Dessert Birne Helene, sondern auch den Pfirsich Melba sowie einige andere bahnbrechende Kreationen. Die Birne Helene im übrigen wurde 1870 kreiert – zu Ehren der Uraufführung von Jacques Offenbachs Operette „Die Schöne Helena“ in Paris.

Kommen wir aber nun zu meinem eigentlichen Anliegen: Parfums MDCI haben gerade, wie ich neulich schon ankündigte, ihren zehnten Duft lanciert – La Belle Hélène, eine Hommage an die Birne Helene. Ich hatte das Thema des Duftes folgendermaßen beschrieben:

Der Fokus liegt bei diesem Duft, für den man den momentan omnipräsenten Bertrand Duchaufour verpflichtet (was ihn natürlich noch interessanter macht…) auf Osmanthus, jener eigenartigen Blüte mit ihrer aprikosig-ledrigen Anmutung. Duchaufour hat daraus wie man liest eine helle Schönheit gemacht, die sich auf zwei lichte Gourmandsäulen stützt: Die der Birne aus dem Dessert, einer saftigen, grünen und die der aprikosigen Osmanthusnatur. Die Ingredienzen: Birne, Aldehyde, Mandarine, Osmanthus, Limettenblüte, Rose, Ylang-Ylang, Iris, Weißdorn, Pflaume, Mirabelle, Myrrhe, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Ambra, Eichenmoos, weißer Moschus, Sandelholz und Süßholz (Lakritze).

Birnendessert und Gourmand… Ich kann mich dessen nicht entheben und muss sofort an Duchaufours letzten Duft denken, der das Etikett eines Gourmands trug und diesen Begriff sehr weitläufig interpretierte: Der wunderschöne Traversée du Bosphore für L’Artisan Parfumeur, das Irislederchen mit seinem leichten Gourmandanstrich von pudrigem Lokum, den ich hier bereits rezensierte. Auch bei der Birne Helene hier wird wohl kein knalliger Krawall-Gourmand zu erwarten sein – weder bei diesem Parfumeur noch wenn vorab bereits die Rede von chyprierten Anklängen ist, wie ich zwischendurch noch erfahren habe. Aber ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen und komme jetzt dann endlich auch mal zum Duft ;)

La Belle Hélène beginnt gleich mit ihrer Hauptprotagonistin, der Birne: Eine saftige, grüne und fest-fleischige stolze Vertreterin ihrer Gattung, flankiert von einer noch sehr jungen Aprikose. Jene letzte verwandelt sich in einem Zeitsprung im späteren Duftverlauf in ein getrocknetes und dezent süßes Exemplar, dass die papierne Trockenheit der Birne sowie die der alsbald auftauchenden Pflaume versüßt. Kontrastierend zu den verhaltenen Früchtchen gesellt sich etwas, was ich als eine lose Ähnlichkeit zu Traversée du Bosphore bezeichnen würde: Eine gar wundervolle Iris mit samtig-pudrigen Elementen, die von Rosenwasser noch verstärkt und durch eine elegante Ledernote unterstrichen werden, für die auch der hier sehr dunkel und überhaupt nicht fröhlich, sondern sehr sinnlich umgesetzte Osmanthus verantwortlich ist. Noten grüner und kandierter Veilchen säumen das Geschehen, von der Iris herrührend, welches mit einer warmen und dezent, vielmehr: abstrakt orientalischen Basis ausklingt: Ein subtiler Hauch Lakritze auf einem ambrierten Bett von Wattemoschus, sanft holzige Akzente und, ja – ein Chypre-Kissen.

Mir persönlich gefällt La Belle Hélène aus vielerlei Gründen sehr: Diese wunderschön umgesetzte trocken-fruchtige Birne, die Lokum-Anklänge von Rosenwasser und Pudernoten, das Irisledrige und die verhaltenen Orientalenanklängen in der Basis, vor allem aber auch das ambivalent-kontrastreiche Spiel der Osmanthusfacetten, jener fruchtigen Aprikosennoten im Widerschein der dunklen, pflaumig-ledrig gesäumten Seite der Blüte und das ganze noch umgesetzt als moderner Chypre – toll.

Wer Birnen liebt, wird um einen Test nicht herumkommen. Freunde von Herrn Duchaufour, vor dem ich – Chapeau – meinen Hut ziehe, auch nicht und wer seinen letzten L’Artisan Parfumeur-Duft Traversée du Bosphore liebte, erst recht nicht. Ansonsten sollten Liebhaber von besonderen Chypres einen Test wagen. Und wer Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889 mochte sollte auch mal die Nase offen halten.

Habt Ihr schon getestet? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Harvest1 – Birnenstillleben von Friedrich Plechschmidt, Pears and Plums 3 von michaelaw, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier erhalten Sie La Belle Hélène in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Auch heute nochmals…
Backe, backe Kuchen
Neuer Wind…


Grossmith…

Geschrieben in Chypre,Duft,Fougère,Orientalen am 8.03.2011

… ist eines der ältesten Parfumhäuser Englands. Es wurde 1835 in London gegründet und machte sich mit den üblichen Verdächtigen einen Namen: Seifen, Gesichtspuder, Körperpflege, Öle und vieles mehr, unter anderem natürlich mit – Parfums. Natürlich war das Familienunternehmen auch Hoflieferant einiger Königshäuser. Und erlitt im 19. Jahrhundert ein Schicksal, das viele Familienunternehmen teilen – es wurde 1980 „eingestampft“, genauer: die Produktion wurde eingestellt. Heute, über 30 Jahre später, erlebt es nun seine Renaissance – und zwar durch Simon Brooke, den Ur-Urenkel des Gründers John Grossmith, der das Unternehmen zurück in den Familienbesitz holte und ihm zu neuem Glanz verhelfen möchte.

Dafür kooperierte man mit dem in Grasse ansässigen Aromastoffhersteller Robertet und ließ nun die drei größten Erfolge des Hauses wieder aufleben: Hasu-No-Hana von 1888, Phul-Nana von 1891 und Sem-El-Nessim von 1906.

Diese Idee ist natürlich wieder genau meins: Parfum ist Kulturgut und eine solch alte Firma „sterben zu lassen“ ist nicht nur ein (kunst)handwerklicher, sondern auch ein kultureller Verlust. So war ich gespannt auf die drei Düfte, die ich Euch hier jetzt vorstellen mag.

Hasu-No-Hana ist der japanischen Lotuslilie gewidmet. Liest man das oder vielmehr: lese ich das, denke ich an – Ätherisches. Lilie, ja, aber – leicht, aquatisch. Dieser Eindruck wird bereits vereitelt durch die nähere Beschreibung des Duftes, die „orientalische Facetten“ und „Chypre“ ankündigt, auf einer „holzigen, trockenen und sehr sinnlichen Basis.“ Ein Blick auf die Ingredienzen lässt ähnliches erahnen: Kopfnote: Bergamotte, Bitterorange; Herznote: Rose, Jasmin, Ylang-Ylang, Iris; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos, Vetiver, Zedernholz, Sandelholz, Tonkabohne.

Und, in der Tat – genau das ist es, was sich da offenbart: Ein orientalischer Chypre oder auch: ein chyprierter Orientale. Eine Handvoll Hesperiden im Auftakt brilliert er durch sein übervolles Herz, das eine gelungene Hochzeit beider Duftfamilien, beider Welten offenbart. Satte Chypreakkorde mit Lederanklängen in Kombination mit üppigen Blüten und einer warmen orientalischen Süße, die in würzig-holziger Samtigkeit ausklingt.

Die Lilie erkenne ich hier nicht, und eine asiatische gleich gar nicht – aber vielleicht, sehr wahrscheinlich ist es nur eine Assoziation, und jene kann ich nachvollziehen, wenngleich auch nicht mit meinem Begriff von Asien in Einklang bringen. Ein Klassiker durch und durch, aber zeitgemäß und zeitlos. Und überaus weiblich.

Phul-Nana ist Hindi und heißt übersetzt soviel wie „schöne Blume“ und soll ein Bouquet der reizendsten indischen Blüten darstellen. 1891 kreiert, vermählt Phul-Nana die Impression eines Kräuter- mit einem Blumengarten und ebnete so laut der Firma den Weg für diverse orientalische Kreationen, die da folgen sollten. Dabei bezeichnet ihn diese als „frische und süße florale Komposition“ mit aromatischen Fougère-Anklängen auf einer sanften, holzig-warmen Basis. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Neroli; Herznote: Geranium, Tuberose, Ylang-Ylang; Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Zedernholz, Sandelholz, Opoponax, Tonkabohne, Bourbon-Vanille.

Auch wenn ich Lavendel für Fougèregewitter hier vermisse, vermag ich doch diejenigen krautigen und kräuterigen Anklänge zu entdecken, die hier beschrieben werden: Dichte Anklänge von Zitrusfrüchten samt den ihnen anhängigen Bäumen, zu deren Wurzeln sich nicht nur Moos, sondern auch unzählige Kräuter und Kräutlein tummeln im warmen Sonnenlicht, von zahllosen Blumen begleitet, die ihre Häupter gen Sonne recken. Geranium spendiert einmal mehr minzige Rosennoten, welche von überschwänglichen weißen Blüten begleitet werden, die auf einer überaus warmen, harzigen Basis ruhen, von holzigen Noten gesäumt. Altmodisch, aber schön. Und durchaus tragbar, eben – ein weiterer Klassiker.

Mit einem ebensolchen geht es morgen weiter: Der dritte und letzte in der Reihe, Sheem-El-Nessim.

Bis dahin alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die Düfte von Grossmith in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Grossmith die Zweite…
Unsere Leser stellen sich vor: Teil I – Margot.
Neuer Wind Teil 4.


Die Vergessenen: Micallef & Masaki Matsushima.

Heute betreibe ich einmal Prävention: Hier liegen sie nun seit einer Woche auf meinem Schreibtisch, die Proben der beiden neuen Düfte aus dem Hause Micallef genauso wie aus dem Hause Matsushima. Und bevor sie noch weiter in den Hintergrund rücken und (ganz) in Vergessenheit geraten aufgrund aktuellerer Düfte fasse ich sie heute in einer Kurzrezension zusammen.

M aus dem Hause Micallef ist mal wieder eine Limited Edition, die sich standesgemäß in prächtiger Form präsentiert – Martine Micallef ist ja bekannt für ihre eigenhändig verzierten Künstlerflakons, so ist auch dieser von Hand beklebt mit Swarovskikristallen. Die Ingredienzen: Kopfnote: Koriander, Orangenblüte; Herznote: Jasmin, Geranium, Iris; Basisnote: Patchouli, Moschus, Sandelholz, Vanille.

Frisch aufgesprüht offenbart M likörig-orangige Noten, die durch Koriander alsbald würzig-pfeffrig akzentuiert werden. Die Basis drängt sich bereits vorlaut ins Bild und zeichnet nicht nur weich, sondern auch süß und warm – Sandelholz und Vanille tun sich hier in samtener, von Iris unterstützter Süße hervor. Patchouli haucht Tiefe ein, während Moschus cremig-weiche Ansätze verstärkt – und über all dem thront ein dichter, opulent blühender Jasmin, der von frisch-rosigem Geranium eingerahmt wird.

Zuerst dachte ich an The Different Companys Jasmin de Nuit, dieser gibt aber allenfalls eine grobe Richtung vor. Micallefs M ist schwerer und orientalischer, ohne wirklich orientalisch zu sein. Und könnte unter Umständen sogar an dem einen oder anderen Mann wirklich vorteilhaft wirken.

[Edit: Ein kleiner Nachtrag zu M: M ist der neue alte Jewel, der aufgrund von Namensstreitigkeiten nicht mehr unter eben jenem verkauft werden darf.]

Leuchtend rot zeigt sich nicht nur der Flakon von Micallefs Duft Special Edition, Rot scheint auch das olfaktorische Thema des Duftes zu sein, das sich, Achtung Kalauer, wie ein roter Faden durch eben jenen zieht. Frische und dezent aquatische Fruchtigkeit von rotem Obst, vornehmlich (Johannis)Beeren, Melone und rotbackigen Äpfelchen, bespritzt mit Rosenwasser und auf einer warmen und süß-holzigen Basis ruhend, die durchaus einen ambrierten Eindruck macht, Lokum-Eindrücke inklusive.

Shiro von Matsuki Matsushima kommt ganz in Weiß daher – und das ist für ihn wie das Rot für Micallefs Special Edition exakt die richtige Farbe, wie auch schon der Name sagt: Shiro bedeutet nämlich weiß oder auch rein. Die Intention sollte damit klar sein, wird aber nach einem Blick auf die Ingredienzen noch ein wenig eindrücklicher: Kopfnote: Baumwollblüte, Rosen, Alpenveilchen; Herznote: Leinen; Basisnote: Fichtenbalsam, Iris, Moschus. Nomen est Omen bestätigt sich hier absolut: Shiro ist frisch, sauber, dezent aquatisch, ein klein wenig floral und in der Basis verhalten süß, aber rundum weich und knuffig. Ein unverfänglicher Begleiter für all die Freunde von Wäsche-Düften, Skin-Düften sowie der neuen Nicht-Parfums.

Art Homme haut in eine ganz andere und für Japaner durchaus ungewöhnliche Kerbe: Die Maskuline. Roarrr. Die Ingredienzen: Kopfnote: Kardamom, Schwarzer Pfeffer, Mandarine; Herznote: Orangenblüte, Iris, Patchouli; Basisnote: Fichtenbalsam, Hölzer, Weißer Moschus. Im Auftakt gewürzte Hesperiden, die durch den Pfeffer einen interessanten Kontrast erfahren, von distinguierten floralen Akzenten ergänzt und auf einem dicken Baum ruhend, will sagen: Deutlich balsamische Hölzer in der Basis, die den Duft positiv überschatten. Ungewöhnlich entschlossen männlich für einen Asiaten.

Habt Ihr davon schon was getestet? Was gefällt und/oder spricht an?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Ein Tag unter dem Feigenbaum: Micallef – Sous le Figuier
Duftverzeichnis L – Z
Die Vergessenen II


Jaisalmer

Mit Jaisalmer möchte ich Euch einen Duft aus der Series 3 – Incense Reihe von Comme des Garçons vorstellen. Stephanie hatte bereits in ihrer Birnen-Reihe über Zagorsk, einen weiteren Duft aus dieser Serie geschrieben. Beide wurden von Evelyne Boulanger kreiert, die unter anderem bereits für Amouage, Jil Sander und Givenchy gearbeitet hatte. Nachdem sich die beiden vorhergehenden Serien jeweils den Themen „Blätter“ und „rote Duftnoten“ angenommen hatten, ist die dritte Serie nun ganz dem Weihrauch gewidmet.

Rei Kawakubo, Gründerin des Anti-Fashion-Labels Comme des Garçons beleuchtet in dieser Konzeptserie die Tatsache, dass Weihrauch quer durch alle Weltreligionen und auf nahezu allen Kontinenten bereits Verwendung fand; die einzelnen Düfte tragen zudem allesamt Städtenamen, denen die vorherrschende Glaubensrichtung eindeutig zugeordnet werden kann: Avignon (Frankreich – Katholizismus), Jaisalmer (Indien – Hinduismus), Kyoto (Japan – Buddhismus), Quarzazate (Marokko – Islam) und Zagorsk (Russland – Orthodoxe Kirche).

Incense #2

Das deutsche Wort Weihrauch offenbart die spirituelle und religiöse Bedeutung. Im Althochdeutschen bedeutet „wihen“ heilig oder geweiht, und unser Weihnachten geht auf dieselbe Wurzel zurück. Meist assoziieren wir mit dem Wort die Räucherstoffe der katholischen Kirche, obwohl das Räuchern viel älter ist und sein Ursprung im Schamanismus liegt. Von ihm haben es die später entstandenen Religionen übernommen. In der katholischen Kirche wird Weihrauch vor allem in der Messe, bei Prozessionen und Andachten sowie bei Begräbnissen verwendet. Im Buddhismus dient Weihrauch vor allem als Opfergabe. Im Hinduismus wird Weihrauch bei Totenbestattungen verbrannt in dem Glauben, er locke reine Geister an. Im Islam werden die Leichentücher mit Weihrauch parfümiert, in welche die Verstorbenen eingewickelt werden, aber ist auch Bestandteil der islamischen Medizin. In der orthodoxen Kirche gilt Weihrauch als Symbol des Gebets.

Cat at Restaurant Jaisalmer fortJaisalmer ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Rajastan und inmitten der Wüste Thar gelegen. Den Beinamen „die goldene Stadt“ trägt sie, weil sie fast komplett aus gelbem Sandstein gebaut ist. Früher lag Jaisalmer auf einer Kamel-Route, die von Kaufleuten zwischen Indien und Vorderasien genutzt wurde und war ein bedeutender Warenumschlagplatz. Heute ist die Stadt hauptsächlich als Touristenattraktion bekannt.

Der Weihrauch und das Holz, von Anfang an sehr präsent, sind gebettet auf ein rauchiges, schwarzes Herz. Tiefschwarz ist mein erster Eindruck. Warme Gewürznoten gesellen sich dazu, haben aber erst einmal nur eine Nebenrolle. Mit der Zeit verliert der Weihrauch seine Schärfe, wird milder und Kardamon, Piment und Zimt bekommen Raum, sich zu entfalten. Ambra und Bezoeharz gesellen sich in der Basis dazu und verleihen dem Parfum eine balsamisch-süßliche Note. Ein waschechter Orientale, meine Damen und Herren! Weihrauch, Holz, Gewürze – alles da und zwar im Überfluss.

Diesen Duft habe ich vor Jahren einer sehr guten Freundin geschenkt. Ich wusste zwar, dass sie einige Comme de Garçons-Düfte mochte, aber ein Wagnis war es doch, ist Jaisalmer doch sehr anders als etwa das Eau de Parfum. Die Weihrauch-Serie war damals ganz frisch auf dem Markt, die Gefahr also nicht allzu groß, dass sie ihn schon hatte. Ich fand ihn sogleich wunderschön. Sie freute sich darüber und bestätigt einige Male, dass sie ihn mochte. Aber so richtig überzeugt davon war ich erst vor kurzem, als sie mir verriet, dass sie ihn wieder nachgekauft hatte… Eine schöne Bestätigung für ein gelungenes Geschenk! Wie gerne würde ich öfter Parfums verschenken, doch so richtig oft habe ich mich das noch nicht getraut… zu groß ist die Gefahr, dass man daneben liegt oder dass sich die beschenkte Person nicht zu sagen traut, dass sie den Duft nicht mag.

Ich bin sehr gespannt auf die anderen Düfte in dieser Reihe. Ich habe sie seit damals nicht mehr gerochen. Ich werde Euch ganz sicher in nächster Zeit alle vorstellen. Versprochen! Wie geht es Euch damit? Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht mit Parfum-Geschenken?
Ich bin gespannt…

Herzliche Grüße,
Mariela

Bildquellen: Incense #2 by echiner1, on Flickr, Cat at Restaurant Jaisalmer fort by amanderson2, on Flickr – some rights reserved, vielen Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Comme des Garçons – Kyoto
Comme des Garçons – Ouarzazate
Alles ist gut, was gut endet


Maharadjah…

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges,Orientalen am 21.12.2010

… ist nicht nur die Bezeichnung eines Großkönigs oder -fürsten und somit ein indischer Herrschertitel – es ist auch der Name eines der meines Erachtens nach schönsten Orientalen überhaupt, in diesem Falle aus dem Hause Nicolaï. Steffi hatte ja bereits vor einiger Zeit einige Düfte von Patricia de Nicolaï vorgestellt, jenem Sproß der Guerlain-Famile, deren eigenes Haus völlig zu Unrecht oftmals eher unter ferner liefen läuft. Wie schade, fällt doch hier der Apfel nicht weit vom Baum, wie man so schön sagt – Madame Nicolaï trägt das große Erbe mit Würde und besitzt ein überaus gutes Händchen dafür, Schönheit, Eleganz und Dezenz olfaktorisch umzusetzen.

Maharadjah nun steht dem in nichts nach, ist aber, das sei vorab bemerkt, sicherlich einer der – mmmh, ich will mal sagen kontroversen Düfte, von denen es in dieser Linie nicht allzu viele gibt, neutral bemerkt. Will sagen: Frau Nicolaïs Stil widerspricht der Natur des Kontroversen. Maharadjah aber ist ein Spalter – ich denke, entweder man liebt ihn oder man kann ihn nicht ertragen. Bei mir ist eindeutig ersteres der Fall, auch wenn ich ihn nicht besitze, weil ich ihn zu selten tragen würde. Ich bin einfach im Normalfall nicht der Mensch, der Träger für Orientalen.

Madame Nicolaï gibt uns mit ihrem Maharadscha auch ein kleines Rätsel auf: Soeben auf der Webseite recherchiert, wird Maharadjah als Damenduft gelistet, genauso wie sein Pendant Maharanih – eigentlich müsste ersterer demnach der maskuline Part sein, zumindest dem Namen nach. Mein Maharanih-Test ist lange her, genau kann ich es nicht mehr beziffern, welcher der beiden nun weiblicher oder männlicher ist – in jedem Falle halte ich beide, besonders aber Maharadjah für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Vorausgesetzt – der Duft passt zur Person, zum Naturell.

Maharadjah öffnet mit einer übermächtigen Lavendelgewalt, ein tief dunkelvioletter Lavendel, der annähernd aromatherapeutisch wirkt, beruhigend, kraftvoll, ernsthaft und stolz. Jener ist der unangefochtene Herrscher des Duftes, getragen von einer sich alsbald nicht minder selbstbewusst auftretenden Dienerschaft von verhalten scharfem Zimt, dessen Süße von Sandelholz und dessen Würze von Gewürznelke verstärkt wird, während Patchouli dem Duft seine unendliche Tiefe einhaucht. Oder sind es gar nicht die Lakaien des Lavendelgroßkönigs? Vielleicht die weibliche Dienerschaft, ein Teil des Harems gar – so verbunden und innig leidenschaftlich gibt sich die Gruppe, die zusammen verschmilzt zu einer fast mystisch anmutenden cremigen Tiefe, die absolut einzigartig ist.

Ein gleichzeitig opulenter, aber auch reduzierter Orientale. Von einer unnachahmlichen Farbenpracht zeigt sich Maharadjah zugleich zurückhaltend, niemals aufdringlich sondern weise, überlegen und vertraut, Vertrauen weckend, beschützend. Dabei wohnt ihm aber immer ein Funken Melancholie inne, eine bittere Süße…

Mich erinnert Nicolaïs Kunstwerk sehr an einen Film – The Fall von Tarsem Singh. Ein Drama mit märchenhaft phantastischen, ja: Phantasielementen, das vor allem durch seine wunderschöne und atemberaubende Ästhetik beeindruckt.

Kennt Ihr eines von beiden, den Duft, den Film?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Kinoplakat & Bilder aus “The Fall” , some rights reserved.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Ein Fetisch…
Vom Lavendel geküsst
Auf der Suche nach dem heiligen (Duft)Gral…


Huitième Art die Zweite.

Anders als gestern angekündigt, geht es mit dem ersten der Düfte aus der neuen Kollektion von Parfumerie Générale-Mastermind Pierre Guillaume nicht gourmandig weiter – aber, Fans des olfaktorischen Naschwerks, es ist noch einiges für Euch dabei, keine Angst!

Aube Pashmina, Duft Nummer 3 erweckt beim alleinigen Lesen des Namens vollkommen falsche Assoziationen – dabei zollt Guillaume hier einem „in Tau stehendem Garten“ Tribut, über dem gerade die Sonne aufgeht: Basilikum, Rosmarin, Tomatenblätter und Johannisbeeren wachsen dort nebst Geranium. Darüber hinaus ist noch die Rede von Jasmin-Orangen-Sandelholz-Schwingungen… Letzteres vermag ich beim besten Willen nicht zu entdecken. Dafür ein sehr ernsthaftes, dunkelgrün leuchtendes Kräuterstillleben, das vornehmlich nach Tomatenblättern und Johannisbeere duftet, kühl und mit bitterem Selbstbewusstsein. Erinnert mich persönlich ein wenig an Odoris kongenialen und für mich immer noch ungeschlagenen Abenteurer Gli Odori, der sich zum Stelldichein mit d’Orsays Feuilles de Tomates-Raumspray verabredet hat, während Papyrus de Ciane und Jardin de Kerylos um die Ecke linsen, wobei letzterer seine Feigenfrüchte verloren hat. Erfrischend andere Erfrischung für die wärmeren Monate im Jahr. [Edit: Der Name steht für Guillaume für das Erleben des Duftes der Morgendämmerung, der Morgenröte, die über einem Garten liegt, umgeben von der Süße und Sanftheit von einer Pashmina]

Duft Nummer 4 heißt Manguier Métisse und, man ahnt es schon, nimmt sich ebenfalls einem eher seltener olfaktorisch verwendeten Früchtchen an – der Mango. Was gibt es da schon groß – Mango Manga von Montale, jener eher grellere Vertreter, Duchaufours Timbuktu, der eher kontemplative, für L’Artisan Parfumeur, Kid Mohair aus der Woll-Reihe Le Vie della Lana von Acqua di Biella, mehr mag mir aus dem Stegreif nicht einfallen. Ein bisschen ungeschickt übersetzt ist das Pressematerial für Manguier Métisse: „Ein Metapher für Holz; ein lieblicher, hartnäckiger Blütennektar mit frischen Mangoauszügen… Ein Mangorinde-Doppelakkord mit fruchtigem Aroma und einigen Teeblättern, vereint unter dem wärmenden exotischen Zucker der Frangipaniblüte.“ Holzig? Ja, ein wenig. In allererster Linie aber zu 200% Liebreiz, hervorgerufen durch tropisch-süße und betörende florale Noten im Duett mit fruchtigen Mangoanklängen. Eine Prise brauner Kandiszucker und irgendeine Zutat, die die vanillige Cremigkeit der Frangipani noch unterstreicht – vielleicht tatsächlich Vanille oder auch Tonkabohne und ein wenig Teeblätterzierrat am Rande… Fertig ist das exotische Stillleben.

Mit Ambre Céruléen, der Nummer 5, ist Guillaume ganz in einem seiner Elemente: Ein mächtiger heller Harzorientale, dessen Textchen aus dem Pressematerial sich in vornehmer Zurückhaltung übt und somit leicht am Duft vorbeischreibt: „Ein pudriger Balsam mit leichtem Amber… Opoponax, Tonkabohne und Sandelholz, zart beschienen von wertvollen biologischen Eisenkrautauszügen aus Marokko.“ Verbena muss man mögen – wer sie nicht mag, ist hier auch nicht verkehrt, ihr ansonsten oft gar nicht so zartes, zitronen-krautiges Stimmchen kann sich hier nur sehr schwer Gehör verschaffen, die anderen drei Noten, die sich logischerweise gegenseitig noch potenzieren, überwiegen eindeutig. Opulent und ausladend sind sie hier, die Harze und der Rest, die Wärme und Süße generieren, begleitet von leichtem Rauch und holzigem Hauch sowie einem winzigen Tupfer – Verbena. Ein Fest für Harzfreunde und Orientalenliebhaber, für alle anderen logischerweise wohl eher nichts. [Zu Ambre Céruléen fiel Guillaume Folgendes ein: "AMBRE CERULEAN: Cerulean Amber, cerulean = blue-green light, to express the idea of a very etheral and aerial amber."]

Morgen folgt der Rest der Kollektion, ergo – bleibt dabei und habt bis dahin eine gute Zeit,

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Tomato von Graham Soult, Unriped Mango von Asif Akbar, alles via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis


Dieser Geruch war eine Mischung

Geschrieben in Duft,Orientalen am 8.10.2010

aus beidem, aus Flüchtigem und Schwerem, keine Mischung davon, eine Einheit, und dazu gering und schwach und dennoch solid und tragend, wie ein Stück dünner schillernder Seide… und auch wieder nicht wie Seide, sondern wie honigsüße Milch, in der sich Biskuit löst – was ja nun beim besten Willen nicht zusammen ging: Milch und Seide! Unbegreiflich dieser Duft, unbeschreiblich, in keiner Weise einzuordnen, es durfte ihn eigentlich gar nicht geben. Und doch war er da in herrlichster Selbstverständlichkeit. Grenouille folgte ihm, mit bänglich pochendem Herzen, denn er ahnte, dass nicht er dem Duft folgte, sondern dass der Duft ihn gefangen genommen hatte und nun unwiderstehlich zu sich zog.

Einmal wieder befassen wir uns heute mit einem Duft, der mich zu literarischen Höhenflügen inspiriert. Der begeisterte Parfumliebhaber mag das Zitat schon gleich erkannt haben (die Erwähnung des Protagonisten erleichtert die Identifizierung um einiges), jawohl: Das Parfum von Herrn Süskind. Wohlwahr ein Klassiker, das muss man zugeben und zwar egal, ob man Parfums mag oder nicht. Die genannte Szene ist jene, in der der Hauptcharakter Grenouille zum ersten Mal dem Geruch eines jungen Mädchens erliegt, diesem folgt und es schließlich, im Eifer des Gefechts, tötet – die Szene der Verführung Grenouilles durch den unvergleichlichen Duft eines jungen Mädchens. Eine Szene, die das gesamte weitere Leben des jungen Mannes verändern sollte.

Eigentlich wäre ja Uli viel geeigneter für den heutigen Artikel, beschäftigt sie sich doch in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema des Verführers. Tja, aber wie das Schicksal es will, befindet sich das Phiölchen des heutigen Duftes in meinem Besitz, von daher müsst ihr mit mir und meinen nicht ganz so versierten Kenntnissen zum Thema Verführung vorlieb nehmen. Ich gebe mir natürlich trotzdem Mühe. Aber daran habt Ihr auch keinen Zweifel, dessen bin ich mir sicher. :-)

Nun aber genug des Vorgeplänkels! Möchten wir doch auch noch auf den heutigen Duft zu sprechen kommen, welcher kein geringerer als der Krawall-Moschus aus dem Hause Frédéric Malle ist: Musc Ravageur. Der Name des Duftes lässt schon ein wenig erahnen, womit wir es zu tun haben. Das französische Wort ‚ravageur’ bedeutet wörtlich übersetzt: Schädling, zerstörerisch und verheerend, um nur drei mögliche deutsche Begriffe zu nennen. In Hinblick auf den Duft würde ich letzteres bevorzugen, denn man kann Musc Ravageur als vieles bezeichnen, aber als zerstörerischen Schädling ganz gewiss nicht. Nein, verheerend ist ein besseres Wort, aber auch dieses würde ich nicht so negativ geprägt auslegen, nicht im Sinne von furchtbar, schrecklich, grässlich. Nein: wild, gewaltig, heftig. Das sind Attribute, die dem Malleschen Moschus zugeordnet werden können. In Kombination mit Musc, also Moschus ergibt sich hier ein animalischer Verführer, der einmal aufgetragen, ungeahnte Wirkungen haben kann – überwältigend, berauschend, unwiderstehlich. Ein ähnliches Duftbild malt auch der Hersteller Frédéric Malle:

Sensual and sophisticated. Powerful yet perfectly controlled. Dramatic and mysterious.

Geschaffen vom etwas knautschgesichtigen Maurice Roucel (mal mit, mal ohne Schnubbi), der seine Karriere 1973 bei Chanel begann, zuerst noch als Chemiker, bevor er 1978 ins kreative Parfumeursfach überwechselte. Seither arbeitet er bei namhaften Duftstoff- und Aromenherstellern, die Euch hinlänglich bekannt sein dürften, daher erspare Euch und mir das gebetsmühlenartige Herunterrasseln eben dieser. Die kreativen Auswüchse seines Schaffens finden sich im Sortiment von Serge Lutens (Silver Iris Mist), Le Labo (Ciste 18 / Jasmin 17), Amouage (Reflection Woman), aber auch bei Hermès (24 Faubourg), Bond No. 9, Guerlain und Linari. Ein fleißges Männlein, der Herr Roucel. Sehen wir es als Bestätigung des Sprichwortes „Ohne Fleiß, kein Preis“ an, dass er schon mehrfach mit einem ebensolchen geehrt wurde, unter anderem dem Prix François Coty (2002) sowie dem französischen und amerikanischen FiFi.

Mit Musc Ravageur gelang ihm, der anscheinend gerne eine gewisse Magnolienart als Signatur in seinen Düften unterbringt, ein absolut afloraler Duft. Kein einziges Blümchen unterstützt den Verführer, dabei besitzen doch so viele betörende Kräfte; denke ich da nur an die sinnlichen Kopfverdreher Tuberose und Jasmin, die so manches Damenherz zum Schmelzen bringen und die Beine so manchen Mannes zittrig werden lassen. Aber nein, unser Verzaubermoschus ist ganz auf sich gestellt. Wirklich ganz auf sich? Nein, ein paar wackere Gesellen begleiten ihn auf seinem duftenden Weg.

Die Duftnoten: Bergamotte, Mandarine, Zimt, Vanille, Moschus, Ambra.

Eine schöne Truppe an Gleichgesinnten hat er da um sich geschart. Die aromatherapeutischen Auswirkungen der einzelnen Ingredienzien lesen sich wie ein Handbuch der Verführung: Bergamotte, Mandarine und Vanille wirken harmonisierend, lösen Ängste und Verspannungen und schenken Inspirationen. Letzteres ist auch dem Zimt zu eigen, der außerdem noch aphrodisierend und entspannend wirkt. Als Sahnhäubchen oben drauf wirken Moschus und Ambra, die beiden animalischen Vertreter, noch zusätzlich hochgradig erotisierend. Ich sehe schon, wer in den Bann dieses Roucel-Duftes gerät, erliegt der Verführung – sofort und widerstandslos; ganz wie der junge Grenouille.

Doch hält der Duft, was er verspricht? Teststreifen und Haut sind ihm auf alle Fälle auf die gleiche Art und Weise erlegen: voll und ganz. Frisch aufgesprüht zeigt sich Musc Ravageur zuerst noch von seiner zitrisch-fruchtigen Seite, doch von Beginn an ist die weiche Moschusnote schon deutlich mit von der Partie. Zuerst gepaart mit eben jenen Noten von Bergamotte und Mandarine, im weiteren Verlauf von Gewürzen begleitet, sprich: Zimt. Dieser zeichnet sich mehr durch eine intensive Würze aus, denn durch Süße. Überhaupt finde ich den Duft bis zu diesem Punkt nicht allzu süß; vielmehr süßlich, warm, weich, kuschelig, aber gleichzeitig auch anregend, animierend. Vanille trifft schließlich zur illustren Runde, bringt die dunkel-zartrauchigen Noten der Bourbon-Variante mit ins moschuslastige Spiel. Ambra leitet die verführerische Duftkomposition auf ein süßes tief-balsamisches Lager, das erdige und holzige Akzente aufweist.

Ein Kracher ist Musc Ravageur ohne Zweifel. Ein Verführer nur für die, die es zulassen. Schätze ich ihn doch als einen ein, der die Geister spaltet – entweder man liebt ihn oder nicht. Ich persönlich finde ihn toll, würde ihn aber nicht tragen wollen, da mir doch eine Spur zu heftig ist. Wie der Name schon sagt: ein echter Krawall-Moschus eben. :-)

Noch ganz betört grüße ich Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Jupiter und Antiope von Antoine Watteau und Maurice Roucel von Guillaume Luisetti – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Macht des Duftes – ein Gedankenspiel (3)
Die Macht des Duftes – ein Gedankenspiel (2)
PLASTIK, PLASTIK, PLASTIK oder Kunstleder versus Lederkunst


Die Cashmere-Queen…

… Iris von Arnim hat es sich nicht nehmen lassen: Wie viele andere große und kleine Modedesigner hat auch sie jetzt ihren Signatureduft – und das dank der (Mit)Hilfe von der Hamburger Parfumeurin Kim Weisswange. Bleiben wir erstmal bei dieser Dame: Weder männlich noch französischer Herkunft betätigt sie sich trotzdem bereits seit über 20 Jahren als Parfumeurin, nachdem sie mit neunzehn eine dementsprechende Ausbildung in New York absolvierte. Mit ihrer Geschaftspartnerin Hedda Möller betreibt sie die Firma Home of Fragrance, mit welcher sie Produkte für diverse Unternehmen und Unternehmungen kreiert(e): Eine Kosmetikserie für Ipari, Düfte für den Otto-Versand, Bioduftsprays für den Ökogroßhändler Weiling – hier kommt so einiges zusammen, so steht auch Prinz Charles in der Reihe derer, die bereits einen Duft oder gar Düfte von Weisswange erhielten, Madonna, Glenn Close und George Michael hüllen sich in Weisswangesche Duftschwaden und Briatore, der alte Formel1-Casanova ließ sich von ebenjener Dame den Signatureduft für seine stilsicher Billionaire Couture getaufte Modemarke entwickeln. Frau Weisswange scheint also gut im Geschäft zu sein. Und hat in der jüngsten Vergangenheit gleich drei Klamottenlabels, im übrigen alle ebenfalls aus Hamburg, zu Signaturedüften verholfen: Herr von Eden, Uli Schneider und eben Iris von Arnim.

Iris von Arnim ist für mich so etwas wie die Diane von Fürstenberg der Wolle würde ich sagen: Durchweg (fast) immer sehr klassische Designs mit einfachen Schnitten, welche häufig mit einem kleinen raffinierten Twist brillieren und überaus feminin sind, darüber hinaus natürlich nur aus besten Materialien gearbeitet werden. So erfreut sich Frau Arnim bereis seit über dreißig Jahren eines besten Rufes in Sachen hochpreisiger Strickmode und erhielt so den ehrfurchtsvollen Spitznamen der Cashmere-Queen.

Soviel zu den beiden Damen also. Eine Kaschmirstrickerin auf olfaktorischen Abwegen – das hatten wir schon mal: Herr Fissore, ebenfalls Kaschmirhersteller im oberen Preis-, nämlich Luxussegment, hat sich ebenfalls bereits an einigen Düften versucht, und das durchaus mit Erfolg. Ich persönlich liebe vor allem seinen ersten beiden Düfte und hiervon Fissore for Men, einen seidig-weichen und sehr hautnahen zarten Gewürzling, der für mich a) ein bißchen nach nassen Steinen riecht – ein Geruch, den ich liebe und b) mit seiner kontemplativen Aura eine Ähnlichkeit zu Düften wie Costes 1, Il Profumo Touaregh, Montales Greyland sowie A quiet morning von Miller et Bertaux aufweist. Und dann sind da noch die Italiener von Acqua di Biella, die sich mit ihrer Kollektion Le vie della Lana der olfaktorischen Interpretation der Edelwollstoffe angenommen haben. Ich hatte davon bereits hier berichtet und beide Düfte schon rezensiert – Cashmere Twill und Kid Mohair, beides meines Erachtens nach sehr gelungene Kuscheldüfte, der erste mit hinreißenden Himbeernoten und zweiterer mit sehr leckerer Mango (ohnehin zwei Früchtchen, die leider nicht allzu oft in vernünftiger Variante in Düfte gelangen…).

Iris von Arnims wollenes Vergnügen scheint sich im Gegensatz zu Cashmere Twill, einem leichten Sommercashmere in seidiger Ausführung, wohl eher an der Winterkollektion orientiert zu haben, der dicken vier- oder sechsfädigen: Frisch aufgesprüht verdichten sich bereits nach einigen Augenblicken die Ingredienzen zu einer Art Aura und machen es annähernd unmöglich, jeder einzelnen Zutat auf die Spur zu kommen. Ohne die Ingredienzen vor Augen zu haben rieche ich deutlich Ambra heraus sowie einige animalischen Akzente, welche vermutlich Harzen geschuldet sind, darüber hinaus Sandelholz, welches recht gut zu vernehmen ist. Es tritt eine der geneigten Nase eventuell als „Knetnote“ bekannte Facette auf (siehe zum Beispiel in Diors Hypnotic Poison von der genialen Annick Ménardo), welche ich persönlich auf ein Zusammenspiel von Vanille, Tonkabohne und/oder Heliotrop mit animalischen Anklängen sowie Blüten zurückführe, darüber hinaus zeigen sich deutlich erdige Töne, die den Patchouli erkennen und die Iris erahnen lassen, letztere auch, weil Iris von Arnims Düftchen desweiteren eine gewisse samtige Pudrigkeit an den Tag legt.

Ich rieche hier demgemäß nichts, was mich an die oben genannten, eher helleren Wolldüfte erinnert – hier handelt es sich um einen betont harzig-vanilligen Duft, für einen Orientalen oder einen Gourmand ein wenig zu zurückhaltend, zu hautnah, zu kuschelig, aber dennoch in beide Richtungen tendierend und mit einer Prise Tier ausgestattet.

Etwas irritiert hinterläßt mich allerdings die Differenz zwischen dem, was mir von meiner Haut entgegenströmt sowie dem, was sich auf dem Duftstreifen entwickelt: Hier zeigt sich der Duft deutlich floraler, leichter, seidiger – trotz allem noch weit entfernt von seinen wollenen Parfumgesellen. Parfum ist auch genau das Stichwort – Iris von Arnims Signature ist parfumiger als alle oben genannten Wolldüfte, ist inszenierter, weniger beiläufig und kuschelig, sondern noch eher für den Auftritt geschaffen, obgleich es auch ein „Einmummel“-Duft sein kann, gemäß seinem in diesem Falle definitiv mehrfädigem Kaschmirnamenspaten – in dieser Eigenschaft erinnert er mich dann in der Tat an den Costes 2.

Wie sieht es bei Euch aus? Wer kennt welchen oder wen, wer mag was? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Australian Cashmere Goats von Pontman/Paul Esson via Wiki Commons, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Weich wie eine Feder
Die Schöne und das Biest: Delicious Closet Queen
Woll-Lust.


Edelmetall.

Den Edelmetallen sind die beiden neuen Düfte von Profumi del Forte gewidmet, genauer: Gold und Platin, Namenspaten und Inspirationsquellen für die zwei Ergänzungen, die Fortsetzung(en) der Versilia-Linie.

Gewohnheitsmäßig hat der Chefparfumeur wieder Einblicke in sein Tagebuch gegeben, welches den wahren Poeten in ihm zutage fördert – das Pressematerial ist wie immer wortgewaltig ausgefallen:

„Gold und Platin: Tag und Nacht. Männliches Ego und weibliche Essenz. Das Offensichtliche und das Geheime. Glänzendes Gold von edler Reinheit. Archaisches Platin, geheimnisvolle Alchemie.“

Und weiter:

„Aurum und Platinum sind in Duft gefasste Freude, brillante Parfums, duftende Goldbarren der Eleganz von Versilia, in einer limitierten Auflage.“

Soviel zum allgemeinen „Rezept“. Nun aber zu den beiden Düften.

Versilia Aurum liest sich wie ein sommerlicher fruchtig-floraler Charmeur mit seinen Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Pflaume, Erdbeere; Herznote: Herznote: Rose, Jasmin,Tuberose, Maiglöckchen, Ylang-Ylang, Iris, Sonnenblume, Orchidee; Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Perubalsam, Tolubalsam, Sandelholz, weißer Moschus, Ambra.

Des Parfumeurs Intention war diejenige eines Alchimisten – der Versuch, den Geist des Goldes einzufangen und olfaktorisch wiederzugeben:

„Ich habe eine lange Zeit ausprobiert: Ich erforschte, roch, kreierte und sortierte Dutzende von Duftmischungen auf meiner Suche nach dem Parfum aus, das den Geist dieses allerwertvollsten Metalls, des Goldes, wiedergeben würde. Ein Duft, der kostbar ist, aber nicht anmaßend oder überheblich wirkt. Am Ende habe ich, glaube ich, den richtigen Weg gefunden – mit einem Mix aus süß und warm, einer zarten Balance zwischen Früchten und Blumen, Hölzern, Harzen, Meeresbrisen und aphrodisierenden Erinnerungen. Mein Aurum ist ein Juwel, der mit Stil an den süßesten Sommerabenden getragen werden soll.”

Aurum ist meines Erachtens nach ein perfekt weiblicher Duft, dem ein sehr sinnliches Moment innewohnt. Im Auftakt dominieren Fruchtnoten, vor allem saftige Orange macht sich bemerkbar, erscheint aber bereits ambriert sich auf einem harzig-warmen Lager präsentierend. Begleitet von Pflaume – eher mehr – und Erdbeere – eher weniger – gesellen sich alsbald die Blumen zu dem fruchtigen Stilleben: Erwachsene Iris, pudrig und mit dezenten erdverbundenen Anklängen sowie cremige Weißblütler, allen voran Orchidee. Die Harze zeigen eine allumfassende Präsenz, sie hüllen den Duft sowie auch den Träger wohlig-warm ein und offerieren Noten von Vanille und einer Ahnung von Mandel.

Ein sinnlicher Wohlfühlduft und sehr „comfy“, vor allem die omnipräsente Basis ist weich, warm und fluffy, überzeugt durch ihre orientalische Süße, die aber nie too much ist und durchaus erwachsen zu wirken versteht. Will sagen: Hier erwartet einen keine girlieske florale Süßigkeit mit quietschigen Fruchtnoten, ganz im Gegenteil.

Mir persönlich beschert Aurum in der Tat solches Wohlgefühl, daß ich mir durchaus überlege, ihm einen Platz in meiner Sammlung einzuräumen – selten für einen solchen Duft, weil eigentlich absolut nicht mein Beuteschema.

Ganz meinem Beuteschema entsprechend und somit heißer Kandidat für einen neuen Frühlings-/Sommerduft ist für mich Platinum. Versilia Platinum ist, der Name sagt es schon, einem anderen Edelmetall gewidmet, dem Platin. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, Rosa Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Rhabarber, Myrrhe; Herznote: Geranium, Freesie, Magnolie, Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Vanille, Strohblume, Eichenmoos, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Patchouli.

Was hat uns hierzu das Tagebuch zu sagen?

„An dem Tag, als ich die Gipfel der Apuanischen Alpen erreichte, versunken in die Betrachtung des Meeres, war ich gefangen zwischen ganz unterschiedlichen Welten, die ich mit einem Blick umfassen konnte: die brennende Sonne auf den Stränden und die glasklare Spiegelung der Marmorberge hinter mir, das intensive Blau des tyrrhenischen Meeres und das starke Grün der Kastanienwälder, die fließende Schönheit des Strandes im Sommer und die ewige Schlichtheit dieses glühend heißen Teils von Versilia. Ich stellte mir den Charme eines Parfums vor, das die Landschaft mit ihren weit auseinander liegenden Stimmungen, geschmeidig und mysteriös, bekannt und doch anders als jedes andere Parfum umfasst. Ein einzigartiger Duft, wie das kostbarste der Metalle, das Platin.’’

Und weiter:

„Einzigartig und kostbar. Das Feuer der ewigen Gegensätze: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Tag und Nacht, Gold und Silber. Der Duft beginnt frisch und würzig mit Zitrusnoten, wird reichhaltig mit blumigen Aromen – Geranium, Freesie, Rose, Maiglöckchen…..und schlussendlich warm und intensiv. Er erinnert an die hölzernen Töne von Zedern, die trockene Note des Vetiver und die exotische Note von Weihrauch und Patchouli. Ein starkes und doch rätselhaftes Parfum.“

Ganz ehrlich? Anfänglich war dieser Duft für mich nur der Noten wegen halbwegs interessant, halbwegs. Und ich war ehrlich überrascht von dem wundervollen Resultat, sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut.

Ambivalenz und Unikatcharakter, diese Worthülsen, um die man wohl nicht drumherum kommt in einem anständigen Text und derer ich mich auch ab und an bediene, wie ich zugeben muß. Hier sieht man aber meines Erachtens nach einmal mehr, wie nichtssagend letzteres Textchen ist. Ein frisch-würziger Auftakt mit zitrischen Noten, ergänzt von einem floralen Herzen und ein paar Harzen und Hölzern in der Basis. Ein Irgendjemand oder besser: ein Jedermann.

Das ist Platinum aber absolut nicht. Es erwartet einen hier ein sehr eigenständiger Charakter mit einer sehr großen Anziehungs- und Strahlkraft. Die Kopfnoten sind in erster Linie geprägt durch zwei sehr dominante Früchtchen: Ausgeprägte herbe Rhabarberfrische und säuerlich-prickelnde Grapefruit, gepfeffert serviert und dezent von Myrrhe untermalt. Meine Nase nimmt bereits den aus der Basis nach vorne drängenden ungestümen Vetiver war und bis weit ins Herz erinnert mich der Duft an dieser Stelle an eine komplexere Variante meines geliebten Sel de Vétiver von The Different Company, nur eben angereichert mit einer kräftigen Portion Rhabarber, sehr authentischem und somit seltenem im übrigen. Verhalten kommen alsbald besagte Blüten ins Spiel, von denen ich allerdings lediglich das gleißende Geranium herausrieche sowie später die eigentümliche Würze der italienischen Strohblume, auch Immortelle genannt. Anfangs eher kühl, frisch und herb-fruchtig gewinnt der Duft mit seinem Verlauf an Ruhe und Wärme. Letztere entsteht vornehmlich durch die Hölzer in der Basis in Begleitung von Weihrauch und Patchouli, was dafür verantwortlich ist, daß diese Form der Wärme eine eher kühle Variante ist. Ein Oxymoron, eigentlich, ich weiß – aber vielleicht versteht ja trotzdem wer, wie ich das meine ;)

Für mich waren die beiden Düfte der Kollektion eine echte Überraschung muß ich gestehen. Bisher haben mir alle Düfte gefallen, gelungen beherrschte Handwerkskunst, allerdings nichts dabei, daß ich unbedingt hätte haben müssen. Für mich ganz persönlich zu viele Hesperiden, da habe ich schon meine wenigen Lieblinge, mal ein schöner Ambraduft, damit bin ich auch schon versorgt, schöne feminine Düfte – die kommen für mich oft nicht in Frage… Zugegeben, by Night Black wäre vielleicht noch etwas, ja… Diese neuen beiden Düfte aber lassen mich regelrecht ins Schwärmen kommen – ich finde sie nämlich ziemlich herausstechend und vor allen Dingen auch wirklich sehr aussagekräftig.

Ich bin sehr gespannt was Ihr von den beiden Schätzen haltet – laßt es mich wissen bitte!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Alles neu macht der Mai…
Duftverzeichnis L – Z


SoOud.

Geschrieben in Duft,Holziges,Orientalen,Tabak & Rauchiges am 19.05.2010

Gestern hatte ich ja bereits einiges zu der leider mehr als prekären Situation von Oud als Rohstoff erzählt.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt es trotzdem eine wunderschöne Parfumingredienz und es gibt auch dieses Jahr eine weitere neue Firma, die sich ganz dem Thema Oud verschrieben hat, ja es sogar im Namen trägt: SoOud oder auch So Oud gaben sich auf der Mailänder Esxence das erste Mal die Ehre und werden uns in allernächster Zukunft auch in Deutschland zu beglücken (ver)suchen.

„An invitation to discover inner beauty, beyond every dogma and ideology“ möchte SoOud sein, eine Einladung, innere Schönheit zu entdecken, ab- oder vielmehr: jenseits jeglichen Dogmas und jeglicher Ideologie.

„This and much more is to be found in SoOud, the new collection of fragrances created by a mysterious French nose with Intertrade Europe. And it is no surprise that the picture of a middle-eastern woman has been chosen, veiled with the classic niquab, to illustrate these entirely new and fascinating fragrances: SoOud is mystery, because it does not reveal the identity of its creator. “

Nun ja… Den Schleier des Mysteriösen bezüglich des Kreateurs kann ich für Euch lüften – Der Parfumeur hinter SoOud ist Stéphan Humbert Lucas, die Nase von Nez à Nez. Ansonsten halte ich den Zusatz bezüglich der Ideologie- und Dogmenferne für nicht ganz unnötig, da man als Symbol für den mysteriösen Charakter der Düfte eben den Niqab gewählt hat… Ich als alter Agnostiker finde das nicht ganz so glücklich gewählt, da für mich der Niqab oder auch Tschador eben – im übrigen genauso wie ein Kreuz – (in den allermeisten Fällen) als ein religiöses Symbol zu werten ist… Egal, Religion soll jetzt nicht unser Anliegen sein, obgleich ich mir vorstellen kann, daß einigen die Motivik der Firma doch aufstoßen wird.

Aber, SoOud meint es ja eben anders: „Because SoOud, apart from every cultural legacy, is a “battement d’aile au dessus du nid fragile et craintif”, a poetic homage by a mysterious nose to the beauty of the soul, to his women, to their dreams veiled by an ancient modesty. “ Eine poetische Hommage an die Schönheit der Frau, der weiblichen Seele. Soso. Octavian Coifan von 1000 Fragrances mutmaßt, daß der Name eventuell von der Saoud-Königsfamilie stammen könnte – in jedem Falle wohnt aber der ganzen Linie mächtig Adlerholz inne, nämlich in, so heißt es, außergewöhnlich hoher Konzentration.

Die Konzentration ist ohnehin etwas Neues, die Düfte werden nämlich als Parfum Nectar und Eau Fine präsentiert, wobei ersteres eine wesentlich höhere Konzentration besitzt als zweiteres. In jedem Falle durfte mein Chef im Gegensatz zu mir die Düfte schon testen und war wohl sehr angetan, das läßt mich zugegebenermaßen doch auch schon ein wenig mit den Hufen scharren, Oud, mein altes Lieblingsthema eben.

Sieben Düfte sind es, die uns erwarten:

Hajj the Sage – „Woodland Freshness“. Als frisch und holzig beschrieben mit einem (be)ruhigen(den) Nomadengeist. Kopfnote: Bergamotte, kandierte Mandarine, Sternanis; Herznote: Rosenholz, Osmanthus, Süßholz / Lakritze, Ingwer; Basisnote: Patchouli, Tolubalsam, Tabakblätter, Vetiver.

Fam the Mouth – „Floral Oud“. Beschrieben als intensives Erlebnis flammenroter Gewürze, in perfekter Harmonie kombiniert mit warmen holzigen Tönen in einer Umarmung von pudrig-floralen Tönen. Ja, wirklich. Nur mit den dazugehörigen Noten komme ich zum Teil (noch) nicht ganz klar: Kopfnote: Safran, Chili, Rose; Herznote: Adlerholz / Oud, Cashmeran, Rose sowie „Rubber Sap“ und „Vinyl Accord“; Basisnote: Sandelholz, Zedernholz, Milch und Moschus.

Asmar (the) Dark Brown – „Woody Amber“. Hier erwartet uns sicher etwas sehr Leckeres: „When Dorian Gray meets Sheherazade“, so das Pressematerial. Diese Begegnung interessiert mich in der Tat, vor allem in Verbindung mit einem versprochenen Ambraduft und diesen Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, weißer Honig, Nelke; Herznote: gerösteter Kaffee, Ambra, Traube(nmark); Basisnote: Ambra, Tabakblätter, Leder, Moschus, Vanille.

Al Jana the Garden – „Fresh, aromatic, watery, woody.“ Bio-zertifizierte Materialien sollen es sein in Form eines „transluziden Duftes“ vereinigt. Kopfnote: Thymian, Zitrone, Sternanis; Herznote: Immortelle, Ylang-Ylang, Zypresse, Muskatellersalbei; Basisnote: Virginia-Zedernholz, Vetiver, Sandelholz, Tonkabohne.

Ouris the Sublime – „Flowery, fruity, vanilla.“ Eine Symphonie pastelliger Farben soll es sein mit allen erdenklichen fruchtigen Noten, Blumen und Anklängen türkischer Süßigkeiten beziehungsweise Loukoum. Dazu dann Irisbutter und Mandelcreme und heraus kommt ein perfekter Damenduft – ich bin gespannt… Kopfnote: Pfirsich, Pflaume, schwarze Johannisbeere, Honig, Tagetes; Herznote: Jasmin, Zedernholz, Mandel; Basisnote: Iris, Vanille, Sandelholz, Tonkabohne.

Nùr the Light – „Dry Balsam.“ Nùr soll so etwas wie die „Augen, der Spiegel der Seele sein“ – davon ist zumindest die Rede, insofern erwartet uns hier sicher kein Doriansches Dunkelgewächs , nein, vielmehr ein perlig-pudriger Ambraduft der eher helleren Sorte. Kopfnote: Zitrone, Weihrauch, Kamille, Wermut; Herznote: Ambra, Zedernholz, Aprikose, Iris; Basisnote: Eichenmoos, russisches Leder, Bourbon-Vanille.

Burqa – „Woody with oriental hints of leather and amber.“ Und weiter: „Like pure blood flowing, mystical and fluid, from every temple, with tones of Chinese ink and bewitched by essences of hard wood, this anthracite fragrance is a liquid incense with a notable prestige and elegance.“ Ganz abgesehen davon, daß ich, oh Wunder, den Namen nicht mag, weil ich außer den 20er Jahre-Turbanen von Madame Baba, kürzlich in der Rezension von L’Artisans Nuit de Tubéreuse erwähnt, keine (Ver)Schleier(ungen) mag, hört sich das doch in der Tat sehr interessant an: Tintenoten… die erinnern mich gleich an den genialen Pure Oud. Und Leder wird auch versprochen sowie Weihrauch… Mhhhhmmm… Kopfnote: Jasmin, Rose, Veilchen, Kardamom, Salbei; Herznote: Leder, Benzoeharz, Myrrhe, Tinte, „Rubber Sap“ (Kautschuk? Latex?); Basisnote: Ambra, Teak, Patchouli, Guajakholz.

Sobald die Düfte ihren Weg auf meinen Schreibtisch gefunden haben folgt natürlich eine Rezension, versprochen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Eine neue Kollektion…
Duftverzeichnis L – Z


« Neue BeiträgeÄltere Beiträge »
blogarama.com

BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Directory & Search engine Beauty Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Proudly powered by Wordpress - Impressum