Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Dr. Vranjes’ Geburtstagsfest mit „Oud Nobile“

Geschrieben in Gewürziges,Hesperiden,Orientalen,Raumdüfte am 31.03.2014

Logo_Dr Vranjes + Marchio Kopie

Raumduft-Fans kennen ihn hundertprozentig, denn Dr. Vranjes feiert in diesem Jahr bereits sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Weltweit vertreten, unter Raumduftkennern hochgeschätzt – und vor allem seine großen Raumduftflaschen werden von aufmerksamen Beobachtern immer wieder in den Foyers der weltbesten Hotels gesichtet.

1983 eröffnete Dr. Paolo Vranjes seine Antica Officina del Farmacista im geschichtsträchtigen Florenz und ließ sich von der besonderen Atmosphäre dieser Stadt bei seinen Düften inspirieren. So sind die Glasflaschen der berühmten Kuppel der örtlichen Kathedrale nachempfunden. Wie dem auch sei, uns interessiert natürlich ein bisschen mehr, welcher Geist denn nun aus der Flasche strömt.

Etwas über 30 verschiedene Düfte sind es, aus denen der geneigte Käufer wählen kann. Ich hatte vor einiger Zeit die Ehre und das Vergnügen, allesamt einmal durchzuschnuppern. Wie es immer so ist, ganz objektiv kann ich sagen, dass sie sehr hochwertig und gekonnt komponiert wurden, auch wenn mich natürlich ganz subjektiv nicht alle gleichermaßen begeisterten.

Herausgreifen möchte ich aber die neueste Kreation des Hauses, gewissermaßen den Geburtstagsduft, den sich Dr. Vranjes selbst spendierte. Wie kann man es richtig krachen lassen? Genau, indem man einfach eine der teuersten Essenzen der Welt nimmt und das ganze dann „Oud Nobile“ tauft. Wir werden nicht müde zu erwähnen, dass es mittlerweile an Oud-Kreationen wahrlich keinen Mangel mehr gibt, aber sei’s drum, ich liebe das Zeug, je knackiger, desto besser. Wie sich das Pilzabwehrharz allerdings als Raumduft macht, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Deswegen war es umso erfreulicher, dass mir der freundliche Vertrieb der Marke ein Exemplar zum Testen zur Verfügung gestellt hat – hier noch einmal ganz vielen Dank an das Team von c.l.u.b. brands – sodass ich Euch auch hier aus erster Hand berichten kann.

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„Oud Nobile“ macht mich erst einmal sprachlos, so umwerfend ist er. Preislich liegt dieser Raumduft über den anderen, was aber an der extrem hohen Ölkonzentration von 30 % liegt – dies ist durchaus spürbar, wenn man die Flüssigkeit mit dem Finger berührt und man riecht die hohe Intensität einfach auch. Dabei ist zu beachten, dass der Duft etwas länger als gewöhnlich braucht, um die Stäbchen hochzuwandern. Im Wesentlichen sind es zwei Komponenten, die den Duft ausmachen: Eine Schicht zitrischer Noten, funkelnd, frisch, glänzend und darunter als Gegenspieler das Oud, das aber keineswegs knarzt, wie man es vermuten könnte. Es ist als Oud absolut erkennbar, nur wurden seine angenehmen Seiten vortrefflich herausgearbeitet. Dunkelholzig, weich, ledrig, aber keinesfalls bitter oder medizinisch und immer wieder durchsetzt von einer zitrischen Fruchtigkeit. Hut ab vor dieser gekonnten Komposition! Ich denke, hier können auch Oud-Meider auf ihre Kosten kommen.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Neroli
Herznote: Adlerholz (Oud)
Basisnote: Myrrhe, Weihrauch

Ein weiterer Raumduft von Dr. Vranjes, den ich ganz hervorragend finde, ist Chinotto Pepe. Wir haben es hier mit orangenlastigen zitrischen Noten zu tun, die wunderbar pfeffrige Noten mit sich bringen, dabei immer leicht, freundlich und hell. Dieser Duft steht seit einigen Monaten in meinem Wohnzimmer. Die Duftintensität ist ausgewogen, nie zu stark oder aufdringlich – glaubt mir, da bin ich empfindlich – zudem kann man die Stäbchen einfach umdrehen, falls man es doch etwas kräftiger haben möchte.

DrV_250ml_Chinotto Pepe

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zitrische Noten
Herznote: Myrte, Orange
Basisnote: Pfeffer

05-Rosso Nobile-decanter copiaMeine letzte Empfehlung aus dieser Kollektion ist „Rosso Nobile“, den es neben der normalen Flasche auch in einem äußerst dekorativen, mit einer Gravur versehenen Dekanter mit echten Weinreben gibt, die anstelle der üblichen Stäbchen eingesetzt werden. Auch wenn hier ganz bewusst an den Charme eines guten Rotweins erinnert wird, zeigt sich der Duft niemals alkoholisch im eigentlichen Sinne. Vor allem fruchtige Noten sind es, die mit einem dezenten Holzton die feinen Tannine eines guten Roten heraufbeschwören, vielleicht kann man aber auch einfach an einen hochwertigen unvergorenen Traubensaft denken.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Orange
Herznote: Veilchen, Magnolie, Pflaume, Erdbeere, Himbeere
Basisnote: Birke, Hölzer, Wein

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe mich lange gegen eine Raumbeduftung gesträubt, bin aber eines Besseren belehrt worden. Ein guter Raumduft bereichert das Zuhause, verbreitet eine wohnliche Atmosphäre und macht schlicht und einfach Freude. In der breiten Duftpalette von Dr. Vranjes ist für jede anspruchsvolle Nase etwas dabei, sei es ein frischer, floraler, aquatischer oder fruchtiger Duft – oder sogar Oud. Gerne berate ich Euch. Hinterlasst mir einfach einen Kommentar mit Euren Duftvorlieben und ich suche Euch passende Kandidaten heraus.

Liebe Grüße
von Harmen

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„La Fumée Ottoman“ – so elegant ist Weihrauch!

Recht neu in unserem Sortiment ist der Duft „La Fumée Ottoman“ aus dem Hause Miller Harris. Ich finde, solche Düfte passen perfekt in die Winterzeit, gewürzig, orientalisch und mit einem Hauch von Geschichte.

Diese neue Kreation von Miller Harris ist eine limitierte Edition – inspiriert von dem legendären Duft „La Fumée“. „La Fumée Ottoman“ ist ein opulenter orientalischer Duft, der die Mystik des Osmanischen Reiches in sich trägt.

Wer sich noch einmal über den Ausgangsduft „La Fumée“ informieren möchte, sollte sich an dieser Stelle Ulrikes Bericht zu Gemüte führen.

la-fumee-ottoman

Die Duftnoten
Kopfnote: Bergamotte, Kardamom, Türkische Rose, Kumin
Herznote: Weihrauch, Zedernholz, Patchouli
Basisnote: Rauchige Noten, Ambra

Die Duftnoten tragen absolut das Zeug in sich, einen wahren Orientalen-Kracher zu erzeugen, und auch der Name deutet in diese Richtung. Ich musste bei Rauch und Orient ganz klischeehaft an Wasserpfeifen denken – aber dann kam doch alles ganz anders als gedacht.

Der erste Eindruck: huch, der ist ja ganz weich, der will nur spielen! Auf dem Duftstreifen tummeln sich allerhand Gewürze, von denen ich in der Duftnotenliste Safran vermisse, oder ist das pures Wunschdenken, dass mein Duftgedächtnis langsam selbstständig Duftnoten hinzuerfindet?

Zu Beginn sind sie da die herben Bergamottetöne, würziger-frischer Kardamom, die eigentümliche Art von Kumin, die Rose mag etwas untergehen bei diesen Gesellen. Die holzigen Seiten des Weihrauchs werden vom Zedernholz harmonisch verlängert, was eine allzu heftige Rauchigkeit verhindert – aber sie ist trotzdem da. Sonst würde der Duft seinen Namen gänzlich zu Unrecht tragen. Diese Rauchigkeit wird ganz weich und verschmilzt allmählich mit der Haut.

Herbstgeruch | smell of autumn

Die ganze Komposition wurde ausgewogen und für die europäische Nase konzipiert. Zwar ist „La Fumée Ottoman“ ein Eau de Parfum, trotzdem wurde bei der Intensität Maß gehalten, so dass ich dem Duft Alltags- und auch Bürotauglichkeit attestieren würde. Ach ja, Weihrauch, da stellt sich ja immer die Frage, ob Kirchenduft oder nicht. Keine Sorge, dieser Duft ist ganz profan, aber nur im kirchlichen Sinne. Meines Erachtens ist er nämlich ein tragbarer Gewürz-Weihrauch-Orientale, zurückgenommen, wohldosiert und damit äußerst elegant und übrigens auch unisex. Hut ab!

Ganz viele Grüße
von Harmen

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Laboratorio Olfattivos „Kashnoir“: Narkotische Blüten und Zaubergewürze

Gerne befassen sich Parfums thematisch mit dem Verbotenen und Geheimnisvollen, Lust und Anziehung, Rausch und Ekstase. Immer wieder bewahrheitet sich die Annahme, dass Düfte oftmals ganz gezielt an das Unbewusste, Irrationale und Emotionale adressiert sind. Explizit zum Beispiel auch bei Nasomatto, aber mehr oder weniger unterschwellig bei sehr vielen Duftkonzepten, ganz gleich ob Mainstream oder Nische. Als „weiche Droge“ wird auch der neue Duft von Laboratorio Olfattivo angekündigt, der voraussichtlich in den nächsten Tagen bei uns erhältlich sein wird. Glücklicherweise habe ich schon eine Probe bekommen und stelle Euch dieses vollkommen legale Rauschmittel einmal vor.

Kashnoir“ lautet der Name – sicherlich ein Kunstwort, möglicherweise eine Zusammenziehung von „Kaschmir“ und „noir“ – und so wird auch im Produkttext von einer Reise in den „verbotenen und geheimnisvollen Osten“ berichtet, Kaschmir würde geografisch schon ganz gut passen, da sich dieses Gebiet heutzutage über die Länder Indien, Pakistan und China erstreckt.

Kashnoir

Der als Florientale oder holziger Orientale bezeichnete Duft hält am Anfang einige Zitrusfrüchte bereit, die von Zitrone und Bergamotte vertreten werden. Ein Hauch krautigen Lavendels bildet das passende Zwischenstück für das Herz des Duftes, denn hier wurde blumig-würziger Koriander eingesetzt. Durchaus deutlich vertiefen Rose und Orangenblüte seine florale Eigenschaft. In der Basis sind es vor allem Patchoulinoten sowie balsamisches Benzoeharz, die den Ton angeben.

Die Duftnoten
Kopfnote: Zitrone, Bergamotte, Lavendel
Herznote: Koriander, Rose, Orangenblüte
Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Heliotrop, Vanille

„Narkotische Blüten, psychotrope Kräuter und Zaubergewürze“ – unter dieser Vorgabe steht „Kashnoir“ und mir ist klar, welche Idee hier verfolgt wurde. Durch das Zusammenspiel der leuchtenden Hesperiden mit kräftigen Blütennoten entsteht der Eindruck eines in psychedelischen Mustern schillernden Duftes, welcher durch eine dunkle Seite in der Basis etwas Verruchtes und Geheimnisvolles erhält, als sei er nicht ganz von dieser Welt. Heliotrop und Vanille blitzen hier und da, können sich aber nicht dauerhaft durchsetzen wie Irrlichter, die sich der direkten Wahrnehmung entziehen. Wie so oft bei orientalischen Düften kommt es mir vor, als sei irgendwo eine herbe Honignote versteckt – dies mag aber auch nur ein ganz subjektiver Eindruck sein.

Red and White Flower - Fractal Mosaic, v.2

Ihr seht schon, „Kashnoir“ ist kein ganz einfacher Duft – soll er sicher auch nicht sein – ein Duft, der wohl kein Vollblutorientale ist, was mich an die eine oder andere Kreation von Eutopie denken lässt. Vielleicht sind es die Hesperiden, welche die italienische Provenienz der Komposition verraten und den Duft für die europäische Nase zugänglicher machen.

Ich bin sehr gespannt, was Ihr zu dem Duft sagen werdet, meiner Meinung nach ein wirklich spannender und außergewöhnlicher Geselle :-)

Liebe Grüße
von Harmen

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Tola…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Orientalen am 26.11.2013

… ist neu in unserem Sortiment und das Label eines Herren, dessen Namen ich nur schwer aussprechen kann: Dhaher Bin Dhaher. Der Name selbst geht auf eine alte indische Maßeinheit zurück: Tola existierte vor der Einführung des metrischen Maßsystems im Jahre 1833 und entsprach einer Silberrupie (11,7g). Heutzutage verwendet man Tola als solches nur noch, um ganz besondere, kostbare Erzeugnisse zu wiegen. Das deutet natürlich bereits auf die Wertigkeit hin, die Bin Dhaher seiner Marke beimisst, die Qualität, die er uns bietet. Darüber steht Tola für Bin Daher auch als Inbegriff von Erinnerungen, dem Schwelgen in eben jenen. Alle seine Düfte sind Erzählungen. Geschichten, die von seiner Kindheit inspiriert wurden, als er mit seiner Mutter und seiner Schwester zusammen Bukhoor und Parfumöle herstellt. Und Märchen, die von längst vergangenen Zeiten erzählen.

anbarDas Label Tola gibt es seit Mitte 2010 und die Voyage Collection beinhaltet sechs Düfte, die uns mitnehmen sollen auf eine „alchemistische Reise“. Dann folgen wir doch Bin Dhaher die nächsten Tage, würde ich sagen.

Anbar“ ist, der eine oder andere wird es bereits wissen oder vermuten, das arabische Wort für Ambra:

„Als er sein Netz ins offene Meer warf und es aus dem Wasser wieder einholte, fielen seine Augen auf die mystische Schönheit. Er war sofort verzaubert, denn es war eine Meerjungfrau. „Anbar“ ist ein reicher, einladender Unisexduft, der an eine neue Liebe erinnert. Sonderbar, aufregend und äußerst persönlich.“

Unisex gefällt mir in diesem Zusammenhang als Begriff überhaupt nicht, was aber häufiger der Fall ist. Unisex hört sich an wie… CK One. Metrosexuell. Hipster. Das ist hier mit Sicherheit nicht gemeint, den Anbar, das erkennt man schon auf den ersten Blick, ist ein waschechter Orientale: Kopfnote: Apfel, Pflaume, Erdbeere, Orange; Herznote: Nelke, Iris, Jasmin, Zimt; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Benzoeharz, Labdanum (Zistrose), Weihrauch, Tonkabohne, Vanille, Moschus, Ambra.

plum

Anbar gefällt mir schon auf den ersten Schnupperer, wofür mir sofort drei Gründe einfallen: Es ist ein Ambraduft, aber kein weiterer komplett monothematischer. Anbar hat eine solch schöne Pflaume im Auftakt, dass ich unmittelbar ins Schwärmen gerate. Anbar ist ein moderner Gourmandorientale, und zwar ein äußerst erwachsener – somit gehört er einer seltenen Spezies an.

Als allererstes nehme ich jene Pflaume wahr, üppig, saftig, fleischig und reif. Es schillern ein paar Momente gelb-rote Äpfel und Beeren, die ich wahrscheinlich wirklich als Erdbeere identifiziert hätte, um sich hernach mit den Pflaumen zu einem Kompott zu vermischen, das likörigen Beigeschmack offenbart. Gewürznelken sind darin enthalten genauso wie Zimt, der vor allem über die Pflaumen gestäubt wurde. Es pudert süß und ein wenig mandelig, während von unten die wärmende Kraft der Harze Anbars Charakter festigt. Zarter Rauch adelt den Duft und verhalten-knarzige, streng-saubere Zeder rundet gelungen ab.

Anbar ist wollüstig, von überschäumender Lebensfreude und verlockend, betörend. Ein herrlicher, selbstbewusster Duft, der Freunde von Hèrmes’ Ambre Narguile begeistern wird.

Comerre Leon Francois An Eastern Beauty

Gulbadan, unser Duft Nummer Zwei, trägt seinen Namen zu Ehren einer Prinzessin: Gulbadan Begum (1523 – 1603) war eine persisch-türkische Prinzessin, die Tochter eines Kaisers von Indien und mit den höchsten Linien der zentralasiatischen Aristokratie verwandt. „Gulbadan“ heißt „mit dem Körper einer Rose“ auf Persisch.

„Eine leichte Herbstbrise trägt den Duft frischer Blumen aus dem Innenhof heraus, während ihre Hand zärtlich die Blüte einer Rose streichelt. Das Geschenk eines Verehrers. Eine Spur von Jasmin, Rose und Orchidee schwebt in der Luft. Gulbadan fängt das Wesen dieser orientalischen Geschichte zweier Liebender mit der subtilen Feinfühligkeit weiblicher Sinne ein.“

tolaguldabanZu Gulbadans Liebesleben gibt es nicht allzu viel berichten, da ihr ganzes Leben immer noch Geheimnisse aufgibt: Mit 17 Jahren wurde sie wohl verheiratet, ihr Mann, mit dem sie mindestens einen Sohn hatte, verstarb wesentlich früher als sie. Ob er damit gemeint ist, ob Gulbadan, die eine sehr gebildete Frau mit vielfältigen Talenten unter anderem musikalischer und literarischer Natur hatte, noch jemand anderes hatte, für den ihr Herz entflammte?

Meines in jedem Fall hüpft schon auf den ersten Riecher bei dem nach Gulbadan benannten Duft: Oud, hach, geliebtes! Und einmal ganz anders verpackt – nämlich eingebettet in ein Stillleben aus Früchten. Zarter Pfirsich schmeichelt samtig-reif meiner Nase, die in derselben Sekunde von prickelnder Ananas gekitzelt wird. Zitrische Rosen stiften Frische und Geranium spendet minzige Anklänge, während Maiglöckchen frische Sauberkeit verströmt. Das möchte alles auf den ersten Blick so gar nicht zu einem Oudduft passen – vor allem, da wir es hier mit einem wirklich ausgeprägt animalischen Oud zu tun haben. Die Kombination harmoniert vorzüglich und wir haben damit einen sehr seltenen Oudkandidaten vor uns. Aber, liebe Freunde, ich will an dieser Stelle ehrlich sein: Gulbadan hätte auch ein Duft aus Xerjoffs Oud Stars-Kollektion sein können. Wer jetzt schon panisch zuckt, der muss sich gar nicht erst an die Prinzessin wagen.

Edwin Longsden Long - The Date Seller

Je „älter“ diese wird auf meiner Haut, desto strahlender zeigt sie sich: Das animalische Oud rückt in den Hintergrund und lässt den dominanteren Blüten den Vortritt: Jasmin, Orchidee und Orangenblüte, weißblühend, betörend, leuchtend und strahlend von Nektarsüße begleitet. Die Basis darunter zeigt sich so, wie es sich für eine Herrscherin gehört: Ein vielfältiges Gefolge, dass im Hintergrund dafür sorgt, dass die Protagonistin zum Strahlen kommt, in unserem Fall das fruchtig-florale Stillleben mit ordentlich Oud. Ambrierte Hölzer und Harze sorgen für Wärme, während Moschus und Vanille den Duft würzig-cremig vervollkommnen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Limette, Gardenie, Pfirsich, Pflaume, Apfel, Ananas, Anis; Herznote: Orchidee, Ylang-Ylang, Geranium, Flieder, Rose, Jasmin, Maiglöckchen, Iris, Orangenblüte; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Sandelholz, Adlerholz (Oud), Styraxharz, Moschus, Vetiver, Eichenmoos, Ambra, Vanille.

Nach meinem Empfinden ein toller Einstand – ich freue mich auf die nächsten Düfte von Tola, die uns dieser Tage erwarten!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Enrico Buccella…

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Leder,Orientalen am 9.10.2013

… hat uns letzte Woche schon auf Trab gehalten mit seinen Neuveröffentlichungen für sein Label Les Voiles Dépliées. Auch für seine anderen Marken war er aktiv: Sigilli darf sich über Khanbaliq (ja, genau so heißt der Duft) freuen, während Cerchi Nell’Acqua gleich zwei Zuwächse verzeichnen dürfen, E Star Five und Armònia. Alle drei heute im kurzen Rundumblick – und los geht’s!

Liu-Kuan-Tao-Jagd

khanbaliqKhanbaliq – das Parfum hat weder aus Mittelerde „rübergemacht“ noch ist es nach einem Ork-Häuptling benannt, nein: Khanbaliq, die Stadt des Khans, ist der frühere Name Pekings, als es noch unter der Herrschaft der Mongolen stand (diese begann, um genau zu sein, im 13. Jahrhundert – Kaiser wurde Kublai Khan, den kennen wir ja schon von einem anderen Duft!) – auch Marco Polo schrieb darüber. Bei Sigilli ist etwas zu lesen von einer exotischen Stadt, die dem Entdecker eine Fülle von Blumen, Früchten, Gewürzen und Kräutern bot, über die er berichten konnte: Pflaumen, Pfingstrosen, Telosma (Chinesisches Veilchen), Bitterorangen und Patchouli, um nur einige jener fremdländischen Kostbarkeiten zu nennen.

Khanbaliq ist, wie einige der letzten Sigillis, ein wirkliches Unikat und dermaßen bildgewaltig, dass mir der Duft schon auf den ersten Schnupperer ein Lächeln ins Gesicht zaubert: Die stürmische Liebesheirat von Serge Lutens und Keiko Mecheri, die sich in ihrer Hochzeitsnacht an Heeleys Esprit du Tigre berauschen. Könnt Ihr mir folgen?

plums

Hier verschmilzt im Eifer des Gefechts Feuriges mit Fruchtigem, Scharfes mit Süßem, Würziges mit Warmem und Florales mit Weichem – alles zusammen und auf einmal. Zimtgepuderter Ingwer, gepfefferte Bitterorange, mit scharfen Gewürznelken gespickte Pflaume, ein Hauch Pfingstrosenlöschwasser und erdiges Veilchen, auf warmer Ambra gebettet.

芍藥花飾

Nichts für jedermann aber sicherlich die Welt für ganz bestimmte Menschen, denn Khanbaliq ist schon sehr besonders!

estarfiveE Star Five ist eine Hommage an die Esxence, so Buccella:

„Meine Absicht war es, die ersten fünf Jahre der Messe Esxence mit einer Kreation zu feiern, die nicht zu extrem ist und exzellente Duftrohstoffe aus aller Welt beinhaltet.“

Das ist im und womit huldigt man am besten einer italienischen Messe? Genau – mit einem Hesperidenduft. Der Auftakt gehört ganz unseren Agrumenfreunden: Zitrone, prickelnd und spritzig, fast ein wenig an sommerliche Brause erinnernd. Herb-fruchtig-saftige Bergamotte, Blüten von Hesperidenbäumen und Blattwerk, dunkelgrün schillerndes Blattwerk. Dieses Stillleben sieht sich von Zimt und Gewürznelke gekonnt akzentuiert – feine Süße, verhaltene Schärfe und sachte Wärme, die von Edelhölzern samt Sandelholz später aufgegriffen und ausgebaut wird. Patchouli braucht es natürlich auch, das hervorragend mit dem zimtigen Sandel harmoniert und dessen würzig-warme Süße ausbaut, den später im Duftverlauf balsamischen Charakter von E Star Five unterstreichend. Lavendelkraut balanciert den Duft zusammen mit Vetiver aus, stiftet krautig-grasige und dezent rauchige Facetten, die ein schönes Gegengewicht zu der moosumschlungenen warmen Basis bilden.

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Klassisch ist der Duft – und irgendwie auch wieder nicht. Der Übergang zwischen der Zitrusfrüchtefrische und der balsamisch-orientalischen Basis ist zwar nicht absolut unüblich, gestaltet sich aber hier durchaus gewagt und demnach auch interessant. Und zwar sowohl für Frauen als auch für Männer, meine Lieben!

EvelyndeMorganHarmoniaArmònia trägt seinen Namen zu Ehren der gleichnamigen Göttin, auch Harmonia genannt. Diese ist, wie ihr Name schon verrät, die Göttin der Harmonie und der Eintracht. Und das trotz der Eltern – Ares und Aphrodite, der Gott des Krieges und die Göttin der Liebe, der Schönheit, des Begehrens… Allerdings ist natürlich nicht alles in Armònias Biographie eitel Sonnenschein: Der Legende nach bekam sie von ihrem Gatten Kadmos, des Königs von Theben, ein Halsband zur Hochzeit geschenkt, das jedem, der es trug, Schönheit verliehen haben soll. Dieses Halsband hat in der späteren Geschichte wohl nur Unheil angerichtet, da es Zwietracht und Mord nach sich zog – wohl der Gier und der Hinterlist der Menschen geschuldet. Lest ruhig einmal nach, wie sich die Legenden um dieses Schmuckstück ranken.

Armònia soll, genauso wie das Halsband, die „magische Kraft“ besitzen, „Wohlbefinden und Emotionen“ hervorzurufen, für Harmonie und Erleuchtung zu sorgen. Das Ziel sei „physisches, mentales, emotionales und spirituelles inneres Wohlbefinden“ – hört sich gut an, funktioniert aber nur, wenn man sich nicht an den Raffzähnen orientiert, die das sagenumwobene Halsband als Mittel zum Zweck genutzt haben. Aber kehren wir zurück von den Sagen in die Realität und zum Duft.

Armònia ist kein komplexer Duft, muss er aber auch nicht sein. Er brilliert mit einem schönen Gleichgewicht, dass er zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen Duftrichtungen zaubert: Einerseits haben wir da die Hesperiden – typisch italienisch, saftig, zitrisch, prickelnd, dynamisch und saftig, Mandarinen, aber vor allem Zitronen und Bergamotte. Und andererseits – ist ein Kracher: Fettes Glattleder, grün-schwarz-funkelnder Koriander, knarzige Hölzer und Ambrawärme, von kakaopudrig-erdigem Patchouli geküsst.

Maskulin – yep, definitiv. Aber sehr wohl auch von der richtigen Frau tragbar. Um Armònia zu mögen, sollte man keine Scheu vor Ambra-Lederchen haben und italienische Düfte im Stile von beispielsweise Mazzolari mögen.

Und, war oder besser ist etwas für Euch dabei?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Les Voiles Dépliées…

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Orientalen am 2.10.2013

… bescherten uns soeben gleich ein ganzes Quartett an Neulancierungen, und zwar Agrakal, Flowers&Things, Vanilla und Tuberosa. Fleißig war er, der Herr Buccella, der außerdem auch noch einiges Neues für Cerchi Nell’Acqua als auch Sigili kreiert hat, seine anderen beiden Marken. Diesen wenden wir uns natürlich ebenso zu, allerdings… Gemach, gemach, das dauert noch ein paar Tage ;) Heute beginnen wir zuerst einmal mit Agrakal und den Blüten.

Agrakal, der Name des ersten Duftes steht für das Volk der Berber für „das Meer in der Mitte“, das Mittelmeer. Agrakal ist demnach ein olfaktorischer „Rundumschlag“, möchte der Duft doch all die Noten einfangen, die die Länder prägen, die an das Mittelmeer angrenzen. Ein Blick auf die Ingredienzen bestätigt meine (und vermutlich auch Eure?) Vermutungen sofort: Hesperiden, Kraut und Kräuter satt – Kopfnote: Orange, Zitrone; Herznote: Lavendel, Rosmarin, Neroli, Minze; Basisnote: Patchouli, Moschus, Zedernholz.

Villa del Cigliano

Einmal eingetaucht… merkt man sofort, dass man es hier mit einem Duft nach dem Strickmuster eines klassischen Colognes zu tun hat: Spritzig-herb-bitzelnde Zitrone beißt mich in mein Näschen, kitzelt und prickelt, begleitet von einer perfekten Hohes-C-Orange voller Saft. Ein paar Kräuterchen ducken sich hindurch, von denen vor allem ernst-würziger Lavendel, kühlende Minze und charakteristischer Rosmarin hervorstechen, die vor meinem inneren Auge einen mediterranen Garten direkt vor dem Küchenfenster zur Morgenzeit entstehen lassen. Von fern weht der Wind maritime Anklänge herüber und kündet von nahegelegenen Hesperidengärten in voller Blüte. Und die Basis, ja, die Basis vermittelt hier einen sehr persönlichen Eindruck: Der Rest des Duftes und dessen Verlaufs kündet meiner Meinung nach von der unmittelbaren Umgebung, kreiert deren Impression. Die Basis dahingegen ist skinniger, hautnaher intimer: Sie hinterlässt mich frisch geduscht, gut eingecremt und in einen Bademantel gehüllt in der Kühle der Morgenröte, jener angenehm einsamen Stille, die einen neuen Tag begrüßt.

Ibiza Villa Pool

Ein erfrischender, dynamischer und natürlicher Duft, der sowohl für Frauen als auch Männer ein toller Begleiter ist – allerdings, wie ich finde, eher in den wärmeren Monaten. Das Lancierungsdatum ist irgendwie ungeschickt, eine Testempfehlung oder zumindest -notiz mag ich aber trotzdem geben.

Flowers&Things, unser zweiter Kandidat, passt besser in die kommende Jahreszeit und erinnert mich anfänglich ganz fatal an einen Mainstreamerliebling von mir, den ich über Jahre hinweg vergöttert habe: Cašmir von Chopard. Je länger ich Flowers&Things beobachte, desto mehr verliert sich diese frappierende Ähnlichkeit, allerdings ist sie in Spuren auch später noch vorhanden. Flowers&Things ist – weniger süß, krautiger und würziger, nichtsdestotrotz aber ein vanilledominierter Orientale mit floralen Noten (ein Florientale wäre, wie ich finde, zu weit gegriffen).

Exkurs: Was für Mainstreamer habt Ihr damals geliebt, welche Düfte haben Euch über Jahre begleitet und bekleidet? Bei mir waren es, neben dem bereits genannten, vor allem Boudoir von Westwood, Hypnotic Poison von Dior und Aromatics Elixier von Clinique.

tongue by afornick

flowersthingsAber schauen wir uns zuerst einmal die Ingredienzen von Flowers&Things an: Kopfnote: Orange, Zitrone; Herznote: Lavendel, Rosmarin, Neroli, Minze; Basisnote: Patchouli, Moschus, Zedernholz.

Der Auftakt ist, wie schon erwähnt, für mich Cašmir in Reinform: Pudrigste Vanille, heftiger schwerer Orientaleneinschlag von üppiger Süße… nach einer Weile lichtet sich dann das Geschehen und offenbart krautigen Lavendel, scharf-würzig-süße Gewürznelken und fruchtige Rosenfrische, die miteinander im Vanillemilchbad versinken dürfen. Ylang beschert tropisch-fruchtig-florale Exotennuancen, die sirenengleich locken und einem das Bad wie die Erlösung überhaupt anpreisen. Und, ich muss schon sagen – wer auf derlei Düfte steht der wird dieser Verlockung wohl erliegen… müssen! ;)

Ich persönlich schätze den Duft, mir ist er aber für mich zu pudrig-vanillig und zu feminin. Wer das allerdings zu schätzen weiß, sollte sich vom nichtssagenden und lieblos ausgewählten Namen nicht abschrecken lassen.

Übermorgen geht es weiter mit den restlichen zwei Düften von Les Voiles Dépliées – bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

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Wie duftet Reichtum? Parfums MDCI – „Chypre Palatin“

Invasion Barbare“ lautete der stürmische Titel des letzten Duftes, den ich hier von Parfums MDCI untersuchte und für mehr als gut befand. „Chypre Palatin“ soll heute im Rampenlicht stehen. „Chypre“ ist geläufig, bei „Palatin“ hingegen stehen einige Bedeutungsmöglichkeiten zur Auswahl. Die wahrscheinlichste liegt wohl im Namen einer der Sieben Hügel Roms. Palatin bezeichnete aber auch das höchste Amt im früheren Königreich Ungarn sowie einen tuchartigen Umhängekragen, der in der altpfälzischen Tracht seinen Ursprung hat und durch Lieselotte von der Pfalz in Frankreich beliebt wurde. Im Französischen ist der Palatin auch der Pfalzgraf und der Name „Pfalz“ geht wiederum auf den römischen Hügel Palatin zurück, denn Wikipedia weiß:

Unter einer Pfalz verstand man im Früh- und Hochmittelalter entstandene (Wohn-)Stützpunkte für den reisenden König (seltener auch für einen Bischof als Territorialherrn, der dem König gegenüber in Gastungspflicht stand). Der Begriff entstand in Anlehnung an den Palatin, einer der sieben Hügel Roms, auf dem in weiten Teilen der römischen Kaiserzeit Augustus residierte (Domus Augustana).

Chypre Palatin

Duftkomposition:
Kopfnote: Hyazinthe, Clementine, Aldehyde, Labdanum (Zistrose), Galbanum, Thymian, Lavendel; Herznote: Rose, Jasmin, Iris, Backpflaume, Gardenie; Basisnote: Benzoeharz, Styraxharz, Leder, Vanille, Tolubalsam, Castoreum, Costus, Eichenmoos, Sand-Strohblume

Kein Geringerer als Bertrand Duchaufour steht hinter dieser Kreation, die bereits in der Ehrfurcht einflößenden Duftnotenangabe sowie der an den Refillflakon gehängten Troddel die Komplexität der Schöpfung erahnen lässt. Ja und wenn man sich das Werk nun aufsprüht, wird schnell klar, dass man vier Pfoten und eine feuchte Schnauze bräuchte, um die einzelnen Komponenten für sich genau zu identifizieren. Der klassische Chypre-Aufbau ist als solcher zu erkennen, so befinden sich unter anderem zitrische Noten im Kopf, Rose im Herzen und reichlich Eichenmoos in der Basis, wurde aber moderner und nicht so „nostalgisch“ – andere würden sagen „antiquiert“ – umgesetzt.

2010-03-13 03-14 Köln 166 Wallraf-Richartz-Museum, Georg Osterwald, Blick vom Palatin auf Rom, Detail

Opulenz, Opulenz ist das Motto, da blüht es nach allen Regeln der Kunst, weiße Blüten – Jasmin, Gardenie, aber auch Vanille und Süßigkeit zeigt sich über der watteweichen Pudrigkeit recht deutlich. Mein erster Eindruck war: auch für Männer? Ausgeschlossen! Je länger ich aber herumschnuppere, desto mehr könnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden. Auf der Haut ist der Duft ebenfalls überwältigend, vor allem die Blüten, die von würzigen, manchmal fast tierisch anmutenden Noten begleitet werden. Dabei sind das wohl die Vorboten der Harze und balsamischen Noten, die langsam aber immer stärker Fahrt aufnehmen und schließlich im Zusammenspiel mit dem Eichenmoos für den weichen Ausklang sorgen. Ein durchaus würziger, warmer und opulenter Unterbau orientalischen Ausmaßes, der unter der Blütenpracht schlummert und dann erwacht.

„Chypre Palatin“ ist sicher kein avantgardistischer oder allzu moderner Duft, denn er zeigt genug Traditionsbewusstsein, um der alten Duftfamilie Chypre treu zu bleiben. Mich fasziniert an dem Duft seine ungeheure Vielschichtigkeit. Zwar ist er zweifelsohne ein schwerer und reich ausgestatter Vertreter seiner Gattung, trotzdem wehen immer wieder auch leichte durchsichtige Elemente hindurch, die von den dominanten Bestandteilen nicht erschlagen werden, wie man vermuten könnte. Wirklich luxuriös und komplex! Ein Duft für Damen und experimentierfreudige Männer, ja, ich habe meine Meinung revidiert.

Viele Grüße
von Harmen

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EgoFacto – The Tail of your Trails…

Geschrieben in Duft,Orientalen,Reines und Pudriges am 15.05.2013

Auswahl_004… ist der Slogan zu unserem Neuankömmling im Shop: Die Geschichte(n) zu unserer Reise. Der Macher hinter der Marke ist Pierre Aulas, ein anerkannter Duftexperte und Fragrance Consultant, dessen Karriere sich sehr ambitioniert liest: Weder aus einer Parfumeursfamilie stammend noch von Mutters oder Großmutters Duftregalen beeindruckt worden und nicht aus Grasse kommend, waren es bei ihm glückliche Zufälle oder Fügungen des Schicksals, je nach Gusto. Als Marketingmann in der Branche arbeitend, entdeckte er die Begeisterung für das duftproduzierende Gewerbe – und wurde selbst entdeckt aufgrund seiner exzellenten Riechfähigkeiten. Und zwar zuerst durch die Firma Mane, die im die Möglichkeit verschaffte, seinen Geruchssinn zu vertiefen und zu verbessern, und später durch den Aromastoffhersteller Firmenich, die ihn als perfekten Mittelsmann zwischen den Parfumeuren und der anderen Seite sahen. Aulas akzeptierte – unter einer Bedingung: Er wollte unbedingt an den Mugler-Parfumprojekten mitarbeiten. Man kam zu einer Einigung – und Aulas traf einen Menschen, der ihn sehr inspirieren sollte: Die frühere Thierry Mugler-Perfumes-Chefin Véra Strubi. Zusammen arbeiteten die beiden über zehn Jahre lang. Zehn erfolgreiche Jahre, in denen solche Parfums wie das Thierry Mugler Cologne und Alien auf den Markt kamen. Strubi war es schlussendlich auch, die Aulas dazu ermutigte, eine eigene Consulting-Firma zu gründen, woraus Art of Nose entstand. Erster Kunde der Firma: Véra Strubi. Beratend tätig war Aulas in Folge für alle möglichen Firmen, darunter Balenciaga, L’Occitane, Jil Sander, Choé, Cavalli, Pucci, Fendi und andere.

Auswahl_003Parallel keimte, wie kann es auch anders sein, natürlich der Wunsch in ihm, ein eigenes Parfumhaus zu haben, ein eigenes Label, wozu sich Aulas 2009 entschloss. Genug Kontakte und Freunde hatte er ja mittlerweile in der Branche, was sich auch an der Auswahl exzellenter Parfumeure zeigt, die für Aulas tätig waren: Dominique Ropion, Alberto Morillas, Laurent Bruyière, Anne Flipo sowie Jean und Aurélien Guichard. Muss ich dazu noch etwas sagen? Ich werde es tun, weil die Parfumschöpfungen, die sich hinter den Namen verbergen, so bemerkenswert sind.

Dominique Ropion ist ein Altmeister, verantwortlich für Düfte wie Ysatis und Amarige für Givenchy, Kenzo Jungle, Amor Amor für Cacharel, Alien (und andere) für Mugler, diverses für Armani, Burberry, Chopard, Gucci, Yves Saint Laurent und viele weitere. Darüber hinaus hat er einige Schönheiten für Malle geschaffen wie zum Beispiel Vétiver Extraordinaire, Carnal Flower, Géranium pour Monsieur, Une Fleur de Cassie und Portrait of a Lady sowie den schönen Homme und So Nude für Costume National.

Alberto Morillas Kundenliste liest sich nicht minder schick: Givenchy, Cartier, Lanvin, Bulgari, Giorgio Armani, Caroline Herrera, Lancôme, Issey Miyake. Kenzo, Narciso Rodriguez gehören zu seinen regelmäßigen Kunden. Des weiteren ist er die Nase hinter Thierry Muglers Cologne, Yves Saint Laurents kommerziellem Ouderfolg M7, Estée Lauders Intuition und Pleasures, Cartiers leider eingestellter Schönling Le Baiser du Dragon, Marc Jacobs Daisy (und diverse Variationen davon) und Lancômes Miracle. Was die sogenannte Nische angeht gehen unter anderem Acqua Dezima von Eau d’Italie, Vanille 44 für Le Labo, S-Perfume für S-Perfume (den Vorgänger von A Lab on Fire), Aspreys Purple Water und Amouages Opus VII auf sein Konto.

Laurent Bruyière schuf Düfte für Ferragamo, Gloria Vanderbilt, Thierry Mugler, Escada, Costume National, Yves Saint Laurent und Escada, unter anderem Alien in Zusammenarbeit mit Ropion sowie Amor Amor für Cacharel, ebenfalls mit Ropion. Im Alter von nur 43 Jahren verstarb er leider vor einigen Jahren.

Anne Flipo ist sicherlich vielen ebenfalls ein Begriff, diese Dame der Blüten: Verte Violette, La Chasse aux Papillons, Mimosa pour moi, Iris Pallida, Œillet Sauvage, Ananas Fizz, Fleur d’Oranger und Fleur de Narcisse von L’Artisan stammen von ihr, darüber hinaus beispielsweise der schöne La Nuit de L’Homme von Yves Saint Laurent.

Und zu guter Letzt noch die beiden Guichards: Aurélien hat so gut wie die ganze Flotte von Piguet kreiert, des weiteren einiges von Bond No. 9, für Kenzo, Escada, Miyake, Galliano, Gaultier und Davidoff erschaffen. Jean war zum Teil mit von der Partie, hat aber selbst diverse Klassiker zu verzeichnen: Obsession von Calvin Klein, Loulou und Eden von Cacharel, Asja von Fendi oder Parfum de Peau von Montana. Und ein weiteres hübsches Kleinod bleibt da noch übrig – der wunderbare Fifi Chachnil.

Jetzt dröhnen Euch die Ohren, oder? Wird Zeit, uns die Düfte virtuell unter die Nasen zu klemmen. Beginnen wir heute mit Piège à Filles:
Le plus bel amour de Don Juan

„Constructed on a round and snug “feminine” accord, in which the heliotrope flower and almond are dominant, it numbs the vigilance of anyone it wants to seduce, and is the ultimate weapon of a Don Juan, a rather talented hunter. The spicy notes of cumin come through afterwards, followed by its animalic facets. It’s too late. He’s got her trapped.“

Der Don Juan, der ewige Verführer – reine Lust, pure Leidenschaft, verliebt in die Verliebtheit, der Verführung verfallen. Ob der Duft dieser geschichtenumrankten Figur oder vielmehr: diesem vielschichtigen Motiv gerecht wird? Don Juan ist ja vielmehr die Personifikation der Leidenschaft, also abstrakt und nicht unbedingt in einer Figur darstellbar – so zumindest sieht es mein Dissertationsopfer Sören Kierkegaard, der einige interessante Überlegungen dazu angestellt hat, rekurrierend auf Mozarts Don Giovanni.

Auswahl_002Die Zutaten von Flipos Verführung, ihrem Verführer, sind schlau gewählt: Zitrusfrüchte, Kumin, Mandel, Heliotrop und Hölzer. Und was das Persönlichkeitsprofil des Trägers angeht, stapelt man hoch:

„No need for kid gloves! This man is a real man, a lady-killer. But does this preclude tenderness and sensitivity?“

Ja, ja und ja. Dieser geballten Ladung Verführung wohnt natürlich auch Sanftheit, anschmiegsame inne – wie sonst sollte sie funktionieren? Der Auftakt des Duftes glänzt mit Leichtigkeit, zitrisch-prickelnder, neugierig stimmender. Säuerliche Hesperidenfrische, die alsbald die dahinterliegende Wärme erahnen lässt. Erste samtige Anklänge lassen sich erhaschen, die von einer herausfordernden Würzigkeit geprägt sind – Kumin drängt sich charmant hervor, umgehend Ambivalenz heraufbeschwörend: Hier ist er, der Macho. Einer, den animalische Anklänge begleiten wie den Reiter auf dem Emblem des Flakons das Pferd. Eine sehr interessante Mischung, zumal sie von leisen Blüten und bittersüßem Marzipan getragen wird, auf edlen Hölzern ruhend. Und dann ist da noch diese orientalisch anmutende Hitze, die von unten lodert, und von der man sich fragt, woher sie denn kommt, die samtige…

Die Jagd(saison) ist eröffnet, wie Aulas in seinem netten Video zum Duft eben jenem bescheinigt. Das glaube ich wohl, denn Piège à Filles, die Mädchenfalle, wird einigen Damen den Kopf verdrehen – ob nun auf der eigenen Haut oder auf der eines mutigen Mannes, der sich einen solchen Duft zutraut. Denn typisch maskulin ist er nicht – aber wer sagt denn, dass Mann immer vorhersehbar sein muss und Männlichkeit sich immer prollig-offensiv und platt ausdrücken muss…

Ich für meinen Teil würde einen derartigen Duft sehr gerne mal am (richtigen) Mann riechen!

Verliebte Grüße,

Eure Ulrike.

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Jul et Mad – Amour de Palazzo

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Orientalen am 14.03.2013

des neuen Labels Jul et Mad erzählt von einem Liebesurlaub und dem Beginn oder vielmehr dem Wachsen der gegenseitigen Leidenschaft von, der Name sagt es schon, Jul und Mad. Das sind, wie ich gestern bereits berichtet, die Gründe des Hauses und, unschwer zu erkennen – Jul und Mad sind ein Liebespaar. Eines, das seine Geschichte mit einer Duftkollektion erzählt. Für jedes Kapitel der Liebe ein Duft. So, wie es gestern angefangen hat und, ich verrate es schon, auch noch weitergeht, kann man nur hoffen, dass diese Liebe von unendlicher Dauer sein wird und noch etliche Kapitel mehr aufweisen wird, die Vorlage für derlei bezaubernde Düfte sein werden.

amourdepalHeute lassen wir uns von Jul et Mad mit Amour de Palazzo nach Venedig entführen, der Stadt der Liebe:

La Serenissima – Venedig… der Ort wachsender Leidenschaft.

Sie ist es wirklich… Venedig enthüllt sich unserem begeisterten Blick wie das unendliche Dekor eines Traumtheaters. Hohe Fassaden erheben sich nackt aus den dunklen Wassern des Canal Grande, leicht verhüllt von den Nebeln der Morgendämmerung, nackt, aber schnell von den schillernden Girlanden der Sonnenstrahlen verziert. Bald wird man die drei Ankündigungssignale des Balls hören: die kostümierten Gäste werden dann den Ballsaal und die Balkone mit vielfarbigen Stickereien und Seidenstoffen füllen. Wird der Tag dieser magischen Nacht ein Ende bereiten? Im Halbdunkel liegen die sich kreuzenden, verschlungenen engen Gassen und Kanäle, von Brücken überquert. Hand in Hand, trunken von Liebe. Trunken vom langen Tanz. Wir gehen durch diese von Geschichte durchdrungenen Labyrinthe, um unseren Geist nach dieser verzauberten Nacht zu beruhigen: die langen Gänge des prächtigen Palazzo, den wir gerade erst verließen, seine reich dekorierten Ballsäle, so wunderbar im Licht der hängenden Kronleuchter. Die ersten Zeichen der Morgendämmerung zeigen sich in der „Serenissima”. Das opulente und schwere Parfum aus kostbaren Hölzern und von Ledermöbeln, welche von den Jahrhunderten auf Hochglanz poliert wurden, vermischt sich angenehm mit den lieblichen und heimeligen Düften, die aus den umliegenden Gärten emporsteigen. Die Feuchtigkeit der alten Steine und die uns umgebende Lagune sind stets an unserer Seite… Ist es ein Traum oder Wirklichkeit? Es spielt eigentlich keine Rolle… Hier befinden wir uns in vollkommener Harmonie, wir fühlen uns frei, frei uns zu lieben, frei, gemeinsam von einem Glück zu kosten… Frei, den Augenblick zu genießen… Jede einzelne Geste, ganz gleich wie einfach, wird nun von tiefer Bedeutung erfüllt.

Die edle Palette an Inhaltstoffen, die in dieser Kreation verwendet wurde, verleiht diesem Duft seinen kostbaren Charakter: ein würziger Beginn, frisch und leicht gourmandig zugleich, der den Weg für das Herz des Parfums freigibt, wo florale, holzige und ledrige Noten perfekt harmonieren… Ein göttlicher, herrlicher Ambra-Oud-Akkord zeigt sich sogleich, getragen von verführerischen animalischen Noten… Berauschend und unwiderstehlich…“

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Ein Oudduft, werden jetzt viele jammern… Aber ein ganz besonderer… Einmal auf der Haut, strömt mir als allererstes eine kühle und kühne Gewürzmischung entgegen: Pfeffrige und nelkige Schärfe von einer süß-samtigen Würze, aber dennoch kühl-holzig und trocken. Ingwer erweist sich als echte Bereicherung: Mittels der ihm eigenen Fruchtigkeit schafft er Balance, erweitert das Duftspektrum und verhindert, dass die Trockenheit Überhand gewinnt. Erdig, pudrig, samtig und verhalten holzig zeigt sich Amour de Palazzo fortan, offenbart aber alsbald das Geheimnis seiner Basis, die überaus erotisch ist: Zart kokelnde Harze, warme sinnliche Ambra und Oudleder, markantes. Gleichermaßen sanft wie wild, zart und unzähmbar ist diese Liebe, die lodernde Leidenschaft in sich trägt durch deutlich animalische, aber ihrer Natur nach wohlerzogene animalische Anklänge.

Dieser Moment einer Liebe, der Liebe von Jul et Mad, ist einer der schönsten, aber genauso gut einer der vielen schönen – denn die Liebe, sie hat ja viele Facetten… Mich begeistert Amour de Palazzo, dieser erotische Orientale, genauso wie Terrasse à St.-Germain – und ich bin gespannt, ob es Jul et Mads dritter Duft morgen ebenso tut. Ihr auch?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Robert Piguets Nouvelle Collection…

ist neulich bei uns im Shop gelandet, nachdem ich sie ja bereits vor einiger Zeit angekündigt hatte hier im Blog. Ich muss gestehen – ich war sehr neugierig, hat die Firma doch bei mir schon immer einen gut für den grandiosen Banditen. Auch die Neuveröffentlichungen der letzten Jahre waren hübsch, und jetzt gibt es gleich fünf neue Düfte… Ich finde es toll, dass man diese altehrwürdige Marke wiederbelebt hat, dass man dieses traditionsreiche Unternehmen nicht komplett in Vergessenheit geraten lässt. Und, vor allem: Dass man die herrlichen alten Klassiker nicht sterben lässt. Was wäre eine Welt ohne Bandit oder Fracas, jene genialen Kompositionen aus den Händen der legendären Parfumeurin Germaine Cellier?

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Von Haus aus war Robert Piguet, der Firmengründer, Parfumeur und Modeschöpfer, und erblickte das Licht der Welt im Jahre 1898. Schon bald zog es ihn gegen den Willen der Familie nach Paris, wo er versuchte, sich in der Modewelt einen Namen zu machen, woran er zuerst mit Pauken und Trompeten scheiterte. Wo ein Wille ist, ist oft aber auch ein Weg, und so schaffte er es doch noch zu Ruhm, Ehre und Erfolg – Christian Dior, Hubert de Givenchy und Pierre Balmain gehörten zu seinen bekanntesten Schülern. Natürlich verkehrte Piguet auch in Künstlerkreisen, fertigte Kostüme für bekannte Stars wie Edith Piaf, Jean Cocteau oder Colette. Da Piguet allerdings keinen Nachfolger für sein Geschäft fand, schloss er es zwei Jahre vor seinem Tod im Jahre 1951.

Soviel zum historischen Hintergrund. Man bekommt die alten Düfte nach wie vor, die das Haus dufttechnisch so berühmt machten, welch ein Glück. Ein Teil davon, vielleicht auch alle, wurde sicher reformuliert, behutsam, allein wegen der heutigen Vorschriften (Tierschutz, Allergien etc.) – so wie mir scheint hat man dafür exakt einen Parfumeur gefunden, der bisher alles für das Haus gefertigt hat: Aurélien Guichard. Dieser werte Herr wurde bereits in die richtige Familie in der richtigen Stadt hineingeboren – seine Familie wohnt(e?) in Grasse und belieferte die Parfumhersteller mit Rohstoffen. Sein Vater, Jean Guichard, ist ebenfalls Parfumeur, der Direktor der Parfumeursschule von Givaudan und verantwortlich für Düfte wie Cacharel Loulou, Calvin Klein Obsession oder Fifi Chachnil. Der Sohnemann hat bereits eine ganze Reihe von Kreationen vorzuweisen außerhalb der Düfte für Piguet: Etliches für Kenzo, Nina Ricci, Azzaro, Davidoff und Thierry Mugler geht auf sein Konto, darüber hinaus Gucci Guilty, Issey Miyake Pleats Please, Guerlain Acqua Allegoria Anisia Bella sowie Comme des Garçons Play (der erste von 2007) als auch Andy Warhol Silver Factory sowie Chinatown für Bond No. 9.

Jetzt wissen wir alles – und ich würde sagen, wir stürzen uns nun auf die Düfte der Nouvelle Collection, deren Begleittexte Harmen so schön für den Shop übersetzt und überarbeitet hat.

Beginnen wir mit Casbah:

„Robert Piguet Parfums lädt sie zu einer Reise auf einem fliegenden Teppich nach Marokko ein – mit Casbah – einem eindrucksvollen und bezaubernden Duft. Casbah wurde von Marrakesch inspiriert und vermischt die Wärme marokkanischer Gewürze mit der strengen Eleganz des Atlas-Zedernholzes und rundet die Komposition mit kühler Iris ab. Modern und elegant – Casbah besitzt viele Wendungen und Überraschungen. Die Wärme flüstert von Schwarzem Pfeffer, und Muskatnuss empfängt die zarte, grüne Melodie der Angelika. Der sprudelnde Auftakt wird von einem Herz aus Iris abgemildert und von Tabakblättern umrahmt. Zedernholz bietet eine poliert erscheinende Kulisse für den komplexen, rauchigen Blütenakkord, während um salzigen Vetiver geschlungener Weihrauch das harmonische Finale bildet.“

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Das erste, was mir hier entgegenfliegt, ist Muskat, und zwar eine ordentliche Portion, getragen von einer balsamischen Wärme, die sich bald ausdifferenzierter zeigt: Süß-rauchiger Tabak umweht meine Nase, der allerdings deutlich abgemildert wird von weißen Lilien, die ihm eine herrlich Milde bescheren und ihn skinnig werden lässt. Weihrauch greift jene Rauchschwaden, die zarten, auf und führt sie fort, von einer leisen Pfeffernote begleitet und durch Vetiver bekräftigt. Zeder stiftet Sauberkeit, holzige, ernsthafte Sauberkeit, und unterstützt die milde Weichheit des Duftes, die in Verbindung mit seiner überaus prominenten Würze seinen Reiz ausmacht. Und dann ist da noch Angelika, Engelwurz, aromatisch, krautig, grün und würzig.

Mich erinnert Casbah entfernt etwas an den leider eingestellten Angelique Encens von Creed, den ja Marlene Dietrich so geliebt haben soll. Sie hat ja auch Piguets Banditen getragen, Casbah hätte ihr somit sicher auch gefallen. Ich in jedem Fall sehe ihn an Männlein wie Weiblein – ein schöner, markanter und trotzdem unaufdringlicher Orientale.

Bois Noir, unser zweiter Kandidat, verspricht Folgendes:

Bois Noir setzt auf reichhaltige Hölzer und warme Balsame, um seine Geschichte zu erzählen; das Ergebnis jedoch ist strahlend und nuanciert. Sandelholz und Patchouli bilden das bittersüße Herz der Komposition, Guajakholz verleiht ihr einen rauchig-rosigen Hauch. Eine Schicht aus Zedernholz mildert die Dunkelheit von Bois Noir und setzt streichelweiche Ambra sowie Moschus in Szene. Die Dunkelheit kostbarer Hölzer, die rauchige Wärme des Balsams und die Süße der üppigen Ambra. Mit Bois Noir fügt Robert Piguet seiner Kollektion ein avantgardistisches, holziges Elixier hinzu. Bois Noir vereint die legendäre Piguet-Eleganz mit moderner Raffinesse und bietet uns einen kultivierten und opulenten Duft an, für all jene, die keine Angst davor haben, ein stilistisches Zeichen zu setzen.“

and then they danced

Bittersüß? Ja, stimmt, und zwar absolut. Bois Noir, das schwarze Holz, hat in der Tat ein großes, bittersüßes Herz. Hätte ich dem Duft einen Namen gegeben, ich weiß nicht, ob ich ihn nach Holz benannt hätte. Und doch, unverkennbar – ein Hölzerner, aber ein deutlich harziger. Was für ein Vergnügen ist dieser Duft doch: Frisch aufgesprüht habe ich kurz das Gefühl, ein paar grüne Blättchen in der Nase zu haben, die sich allerdings alsbald verflüchtigen – Bois Noir kommt sofort zum Wesentlichen, dem Holz und den Harzen. Kurze Zeit nimmt man noch Baumharz war, es erinnert an Tannenharz, sämiges, dunkelbraun-grün-schillerndes. Im Laufe der Zeit allerdings zeigt sich Bois Noir immer trockener, wärmer und, ja, rauchiger. Wärme, ambrierte, karamellisiertes Holz, würzige Sandelholzanklänge, zimtige Kakaonoten von unserem Freund Patchouli sowie angekokeltes Holz von feiner Süße dank Labdanum. Sehr sehr schön.

Nach diesem gelungenen Auftakt freue ich mich richtig auf morgen, auf die restlichen drei Düfte der Nouvelle Collection von Robert Piguet – ich hoffe, Ihr auch?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Hat von Euch auch wer einen von den alten Piguet-Düften zu Hause im Schrank?

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Robert Piguets Nouvelle Collection – Die Zweite.
Frühlingsnovitäten 2012 – die Dritte.
Neuigkeiten die Dritte, 2011.


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