Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Cashmere-Queen…

… Iris von Arnim hat es sich nicht nehmen lassen: Wie viele andere große und kleine Modedesigner hat auch sie jetzt ihren Signatureduft – und das dank der (Mit)Hilfe von der Hamburger Parfumeurin Kim Weisswange. Bleiben wir erstmal bei dieser Dame: Weder männlich noch französischer Herkunft betätigt sie sich trotzdem bereits seit über 20 Jahren als Parfumeurin, nachdem sie mit neunzehn eine dementsprechende Ausbildung in New York absolvierte. Mit ihrer Geschaftspartnerin Hedda Möller betreibt sie die Firma Home of Fragrance, mit welcher sie Produkte für diverse Unternehmen und Unternehmungen kreiert(e): Eine Kosmetikserie für Ipari, Düfte für den Otto-Versand, Bioduftsprays für den Ökogroßhändler Weiling – hier kommt so einiges zusammen, so steht auch Prinz Charles in der Reihe derer, die bereits einen Duft oder gar Düfte von Weisswange erhielten, Madonna, Glenn Close und George Michael hüllen sich in Weisswangesche Duftschwaden und Briatore, der alte Formel1-Casanova ließ sich von ebenjener Dame den Signatureduft für seine stilsicher Billionaire Couture getaufte Modemarke entwickeln. Frau Weisswange scheint also gut im Geschäft zu sein. Und hat in der jüngsten Vergangenheit gleich drei Klamottenlabels, im übrigen alle ebenfalls aus Hamburg, zu Signaturedüften verholfen: Herr von Eden, Uli Schneider und eben Iris von Arnim.

Iris von Arnim ist für mich so etwas wie die Diane von Fürstenberg der Wolle würde ich sagen: Durchweg (fast) immer sehr klassische Designs mit einfachen Schnitten, welche häufig mit einem kleinen raffinierten Twist brillieren und überaus feminin sind, darüber hinaus natürlich nur aus besten Materialien gearbeitet werden. So erfreut sich Frau Arnim bereis seit über dreißig Jahren eines besten Rufes in Sachen hochpreisiger Strickmode und erhielt so den ehrfurchtsvollen Spitznamen der Cashmere-Queen.

Soviel zu den beiden Damen also. Eine Kaschmirstrickerin auf olfaktorischen Abwegen – das hatten wir schon mal: Herr Fissore, ebenfalls Kaschmirhersteller im oberen Preis-, nämlich Luxussegment, hat sich ebenfalls bereits an einigen Düften versucht, und das durchaus mit Erfolg. Ich persönlich liebe vor allem seinen ersten beiden Düfte und hiervon Fissore for Men, einen seidig-weichen und sehr hautnahen zarten Gewürzling, der für mich a) ein bißchen nach nassen Steinen riecht – ein Geruch, den ich liebe und b) mit seiner kontemplativen Aura eine Ähnlichkeit zu Düften wie Costes 1, Il Profumo Touaregh, Montales Greyland sowie A quiet morning von Miller et Bertaux aufweist. Und dann sind da noch die Italiener von Acqua di Biella, die sich mit ihrer Kollektion Le vie della Lana der olfaktorischen Interpretation der Edelwollstoffe angenommen haben. Ich hatte davon bereits hier berichtet und beide Düfte schon rezensiert – Cashmere Twill und Kid Mohair, beides meines Erachtens nach sehr gelungene Kuscheldüfte, der erste mit hinreißenden Himbeernoten und zweiterer mit sehr leckerer Mango (ohnehin zwei Früchtchen, die leider nicht allzu oft in vernünftiger Variante in Düfte gelangen…).

Iris von Arnims wollenes Vergnügen scheint sich im Gegensatz zu Cashmere Twill, einem leichten Sommercashmere in seidiger Ausführung, wohl eher an der Winterkollektion orientiert zu haben, der dicken vier- oder sechsfädigen: Frisch aufgesprüht verdichten sich bereits nach einigen Augenblicken die Ingredienzen zu einer Art Aura und machen es annähernd unmöglich, jeder einzelnen Zutat auf die Spur zu kommen. Ohne die Ingredienzen vor Augen zu haben rieche ich deutlich Ambra heraus sowie einige animalischen Akzente, welche vermutlich Harzen geschuldet sind, darüber hinaus Sandelholz, welches recht gut zu vernehmen ist. Es tritt eine der geneigten Nase eventuell als „Knetnote“ bekannte Facette auf (siehe zum Beispiel in Diors Hypnotic Poison von der genialen Annick Menardo), welche ich persönlich auf ein Zusammenspiel von Vanille, Tonkabohne und/oder Heliotrop mit animalischen Anklängen sowie Blüten zurückführe, darüber hinaus zeigen sich deutlich erdige Töne, die den Patchouli erkennen und die Iris erahnen lassen, letztere auch, weil Iris von Arnims Düftchen desweiteren eine gewisse samtige Pudrigkeit an den Tag legt.

Ich rieche hier demgemäß nichts, was mich an die oben genannten, eher helleren Wolldüfte erinnert – hier handelt es sich um einen betont harzig-vanilligen Duft, für einen Orientalen oder einen Gourmand ein wenig zu zurückhaltend, zu hautnah, zu kuschelig, aber dennoch in beide Richtungen tendierend und mit einer Prise Tier ausgestattet.

Etwas irritiert hinterläßt mich allerdings die Differenz zwischen dem, was mir von meiner Haut entgegenströmt sowie dem, was sich auf dem Duftstreifen entwickelt: Hier zeigt sich der Duft deutlich floraler, leichter, seidiger – trotz allem noch weit entfernt von seinen wollenen Parfumgesellen. Parfum ist auch genau das Stichwort – Iris von Arnims Signature ist parfumiger als alle oben genannten Wolldüfte, ist inszenierter, weniger beiläufig und kuschelig, sondern noch eher für den Auftritt geschaffen, obgleich es auch ein „Einmummel“-Duft sein kann, gemäß seinem in diesem Falle definitiv mehrfädigem Kaschmirnamenspaten – in dieser Eigenschaft erinnert er mich dann in der Tat an den Costes 2.

Wie sieht es bei Euch aus? Wer kennt welchen oder wen, wer mag was? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Australian Cashmere Goats von Pontman/Paul Esson via Wiki Commons, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Neues von Juliette Has A Gun: Citizen Queen
Acqua di Biella – Le Vie della Lana – Cashmere Twill
Endlich erhältlich: Juliette Has a Gun – Citizen Queen


Edelmetall.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Fruchtiges, Holziges, Orientalen am 17.06.2010

Den Edelmetallen sind die beiden neuen Düfte von Profumi del Forte gewidmet, genauer: Gold und Platin, Namenspaten und Inspirationsquellen für die zwei Ergänzungen, die Fortsetzung(en) der Versilia-Linie.

Gewohnheitsmäßig hat der Chefparfumeur wieder Einblicke in sein Tagebuch gegeben, welches den wahren Poeten in ihm zutage fördert – das Pressematerial ist wie immer wortgewaltig ausgefallen:

„Gold und Platin: Tag und Nacht. Männliches Ego und weibliche Essenz. Das Offensichtliche und das Geheime. Glänzendes Gold von edler Reinheit. Archaisches Platin, geheimnisvolle Alchemie. “

Und weiter:

„Aurum und Platinum sind in Duft gefasste Freude, brillante Parfums, duftende Goldbarren der Eleganz von Versilia, in einer limitierten Auflage. “

Soviel zum allgemeinen „Rezept“. Nun aber zu den beiden Düften.

Versilia Aurum liest sich wie ein sommerlicher fruchtig-floraler Charmeur mit seinen Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Pflaume, Erdbeere; Herznote: Herznote: Rose, Jasmin,Tuberose, Maiglöckchen, Ylang-Ylang, Iris, Sonnenblume, Orchidee; Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Perubalsam, Tolubalsam, Sandelholz, weißer Moschus, Ambra.

Des Parfumeurs Intention war diejenige eines Alchimisten – der Versuch, den Geist des Goldes einzufangen und olfaktorisch wiederzugeben:

„Ich habe eine lange Zeit ausprobiert: Ich erforschte, roch, kreierte und sortierte Dutzende von Duftmischungen auf meiner Suche nach dem Parfum aus, das den Geist dieses allerwertvollsten Metalls, des Goldes, wiedergeben würde. Ein Duft, der kostbar ist, aber nicht anmaßend oder überheblich wirkt. Am Ende habe ich, glaube ich, den richtigen Weg gefunden – mit einem Mix aus süß und warm, einer zarten Balance zwischen Früchten und Blumen, Hölzern, Harzen, Meeresbrisen und aphrodisierenden Erinnerungen. Mein Aurum ist ein Juwel, der mit Stil an den süßesten Sommerabenden getragen werden soll.”

Aurum ist meines Erachtens nach ein perfekt weiblicher Duft, dem ein sehr sinnliches Moment innewohnt. Im Auftakt dominieren Fruchtnoten, vor allem saftige Orange macht sich bemerkbar, erscheint aber bereits ambriert sich auf einem harzig-warmen Lager präsentierend. Begleitet von Pflaume – eher mehr – und Erdbeere – eher weniger – gesellen sich alsbald die Blumen zu dem fruchtigen Stilleben: Erwachsene Iris, pudrig und mit dezenten erdverbundenen Anklängen sowie cremige Weißblütler, allen voran Orchidee. Die Harze zeigen eine allumfassende Präsenz, sie hüllen den Duft sowie auch den Träger wohlig-warm ein und offerieren Noten von Vanille und einer Ahnung von Mandel.

Ein sinnlicher Wohlfühlduft und sehr „comfy“, vor allem die omnipräsente Basis ist weich, warm und fluffy, überzeugt durch ihre orientalische Süße, die aber nie too much ist und durchaus erwachsen zu wirken versteht. Will sagen: Hier erwartet einen keine girlieske florale Süßigkeit mit quietschigen Fruchtnoten, ganz im Gegenteil.

Mir persönlich beschert Aurum in der Tat solches Wohlgefühl, daß ich mir durchaus überlege, ihm einen Platz in meiner Sammlung einzuräumen – selten für einen solchen Duft, weil eigentlich absolut nicht mein Beuteschema.

Ganz meinem Beuteschema entsprechend und somit heißer Kandidat für einen neuen Frühlings-/Sommerduft ist für mich Platinum. Versilia Platinum ist, der Name sagt es schon, einem anderen Edelmetall gewidmet, dem Platin. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, Rosa Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Rhabarber, Myrrhe; Herznote: Geranium, Freesie, Magnolie, Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Vanille, Strohblume, Eichenmoos, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Patchouli.

Was hat uns hierzu das Tagebuch zu sagen?

„An dem Tag, als ich die Gipfel der Apuanischen Alpen erreichte, versunken in die Betrachtung des Meeres, war ich gefangen zwischen ganz unterschiedlichen Welten, die ich mit einem Blick umfassen konnte: die brennende Sonne auf den Stränden und die glasklare Spiegelung der Marmorberge hinter mir, das intensive Blau des tyrrhenischen Meeres und das starke Grün der Kastanienwälder, die fließende Schönheit des Strandes im Sommer und die ewige Schlichtheit dieses glühend heißen Teils von Versilia. Ich stellte mir den Charme eines Parfums vor, das die Landschaft mit ihren weit auseinander liegenden Stimmungen, geschmeidig und mysteriös, bekannt und doch anders als jedes andere Parfum umfasst. Ein einzigartiger Duft, wie das kostbarste der Metalle, das Platin.’’

Und weiter:

„Einzigartig und kostbar.Das Feuer der ewigen Gegensätze: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Tag und Nacht, Gold und Silber. Der Duft beginnt frisch und würzig mit Zitrusnoten, wird reichhaltig mit blumigen Aromen – Geranium, Freesie, Rose, Maiglöckchen…..und schlussendlich warm und intensiv. Er erinnert an die hölzernen Töne von Zedern, die trockene Note des Vetiver und die exotische Note von Weihrauch und Patchouli. Ein starkes und doch rätselhaftes Parfum.“

Ganz ehrlich? Anfänglich war dieser Duft für mich nur der Noten wegen halbwegs interessant, halbwegs. Und ich war ehrlich überrascht von dem wundervollen Resultat, sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut.

Ambivalenz und Unikatcharakter, diese Worthülsen, um die man wohl nicht drumherum kommt in einem anständigen Text und derer ich mich auch ab und an bediene, wie ich zugeben muß. Hier sieht man aber meines Erachtens nach einmal mehr, wie nichtssagend letzteres Textchen ist. Ein frisch-würziger Auftakt mit zitrischen Noten, ergänzt von einem floralen Herzen und ein paar Harzen und Hölzern in der Basis. Ein Irgendjemand oder besser: ein Jedermann.

Das ist Platinum aber absolut nicht. Es erwartet einen hier ein sehr eigenständiger Charakter mit einer sehr großen Anziehungs- und Strahlkraft. Die Kopfnoten sind in erster Linie geprägt durch zwei sehr dominante Früchtchen: Ausgeprägte herbe Rhabarberfrische und säuerlich-prickelnde Grapefruit, gepfeffert serviert und dezent von Myrrhe untermalt. Meine Nase nimmt bereits den aus der Basis nach vorne drängenden ungestümen Vetiver war und bis weit ins Herz erinnert mich der Duft an dieser Stelle an eine komplexere Variante meines geliebten Sel de Vetiver von The Different Company, nur eben angereichert mit einer kräftigen Portion Rhabarber, sehr authentischem und somit seltenem im übrigen. Verhalten kommen alsbald besagte Blüten ins Spiel, von denen ich allerdings lediglich das gleißende Geranium herausrieche sowie später die eigentümliche Würze der italienischen Strohblume, auch Immortelle genannt. Anfangs eher kühl, frisch und herb-fruchtig gewinnt der Duft mit seinem Verlauf an Ruhe und Wärme. Letztere entsteht vornehmlich durch die Hölzer in der Basis in Begleitung von Weihrauch und Patchouli, was dafür verantwortlich ist, daß diese Form der Wärme eine eher kühle Variante ist. Ein Oxymoron, eigentlich, ich weiß – aber vielleicht versteht ja trotzdem wer, wie ich das meine ;)

Für mich waren die beiden Düfte der Kollektion eine echte Überraschung muß ich gestehen. Bisher haben mir alle Düfte gefallen, gelungen beherrschte Handwerkskunst, allerdings nichts dabei, daß ich unbedingt hätte haben müssen. Für mich ganz persönlich zu viele Hesperiden, da habe ich schon meine wenigen Lieblinge, mal ein schöner Ambraduft, damit bin ich auch schon versorgt, schöne feminine Düfte – die kommen für mich oft nicht in Frage… Zugegeben, by Night Black wäre vielleicht noch etwas, ja… Diese neuen beiden Düfte aber lassen mich regelrecht ins Schwärmen kommen – ich finde sie nämlich ziemlich herausstechend und vor allen Dingen auch wirklich sehr aussagekräftig.

Ich bin sehr gespannt was Ihr von den beiden Schätzen haltet – laßt es mich wissen bitte!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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TOUS – Touch Duft- und Kosmetikset
Duftverzeichnis L – Z
Alles neu macht der Mai…


SoOud.

Geschrieben in Duft, Holziges, Orientalen, Tabak & Rauchiges am 19.05.2010

Gestern hatte ich ja bereits einiges zu der leider mehr als prekären Situation von Oud als Rohstoff erzählt.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt es trotzdem eine wunderschöne Parfumingredienz und es gibt auch dieses Jahr eine weitere neue Firma, die sich ganz dem Thema Oud verschrieben hat, ja es sogar im Namen trägt: SoOud oder auch So Oud gaben sich auf der Mailänder Esxence das erste Mal die Ehre und werden uns in allernächster Zukunft auch in Deutschland zu beglücken (ver)suchen.

„An invitation to discover inner beauty, beyond every dogma and ideology“ möchte SoOud sein, eine Einladung, innere Schönheit zu entdecken, ab- oder vielmehr: jenseits jeglichen Dogmas und jeglicher Ideologie.

„This and much more is to be found in SoOud, the new collection of fragrances created by a mysterious French nose with Intertrade Europe. And it is no surprise that the picture of a middle-eastern woman has been chosen, veiled with the classic niquab, to illustrate these entirely new and fascinating fragrances: SoOud is mystery, because it does not reveal the identity of its creator. “

Nun ja… Den Schleier des Mysteriösen bezüglich des Kreateurs kann ich für Euch lüften – Der Parfumeur hinter SoOud ist Stéphan Humbert Lucas, die Nase von Nez à Nez. Ansonsten halte ich den Zusatz bezüglich der Idiologie- und Dogmenferne für nicht ganz unnötig, da man als Symbol für den mysteriösen Charakter der Düfte eben den Niqab gewählt hat… Ich als alter Agnostiker finde das nicht ganz so glücklich gewählt, da für mich der Niqab oder auch Tschador eben – im übrigen genauso wie ein Kreuz – (in den allermeisten Fällen) als ein religiöses Symbol zu werten ist… Egal, Religion soll jetzt nicht unser Anliegen sein, obgleich ich mir vorstellen kann, daß einigen die Motivik der Firma doch aufstoßen wird.

Aber, SoOud meint es ja eben anders: „Because SoOud, apart from every cultural legacy, is a “battement d’aile au dessus du nid fragile et craintif”, a poetic homage by a mysterious nose to the beauty of the soul, to his women, to their dreams veiled by an ancient modesty. “ Eine poetische Hommage an die Schönheit der Frau, der weiblichen Seele. Soso. Octavian Coifan von 1000 Fragrances mutmaßt, daß der Name eventuell von der Saoud-Königsfamilie stammen könnte – in jedem Falle wohnt aber der ganzen Linie mächtig Adlerholz inne, nämlich in, so heißt es, außergewöhnlich hoher Konzentration.

Die Konzentration ist ohnehin etwas Neues, die Düfte werden nämlich als Parfum Nectar und Eau Fine präsentiert, wobei ersteres eine wesentlich höhere Konzentration besitzt als zweiteres. In jedem Falle durfte mein Chef im Gegensatz zu mir die Düfte schon testen und war wohl sehr angetan, das läßt mich zugegebenermaßen doch auch schon ein wenig mit den Hufen scharren, Oud, mein altes Lieblingsthema eben.

Sieben Düfte sind es, die uns erwarten:

Hajj the Sage – „Woodland Freshness“. Als frisch und holzig beschrieben mit einem (be)ruhigen(den) Nomadengeist. Kopfnote: Bergamotte, kandierte Mandarine, Sternanis; Herznote: Rosenholz, Osmanthus, Süßholz / Lakritze, Ingwer; Basisnote: Patchouli, Tolubalsam, Tabakblätter, Vetiver.

Fam the Mouth – „Floral Oud“. Beschrieben als intensives Erlebnis flammenroter Gewürze, in perfekter Harmonie kombiniert mit warmen holzigen Tönen in einer Umarmung von pudrig-floralen Tönen. Ja, wirklich. Nur mit den dazugehörigen Noten komme ich zum Teil (noch) nicht ganz klar: Kopfnote: Safran, Chili, Rose; Herznote: Adlerholz / Oud, Cashmeran, Rose sowie „Rubber Sap“ und „Vinyl Accord“; Basisnote: Sandelholz, Zedernholz, Milch und Moschus.

Asmar (the) Dark Brown – „Woody Amber“. Hier erwartet uns sicher etwas sehr Leckeres: „When Dorian Gray meets Sheherazade“, so das Pressematerial. Diese Begegnung interessiert mich in der Tat, vor allem in Verbindung mit einem versprochenen Ambraduft und diesen Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, weißer Honig, Nelke; Herznote: gerösteter Kaffee, Ambra, Traube(nmark); Basisnote: Ambra, Tabakblätter, Leder, Moschus, Vanille.

Al Jana the Garden – „Fresh, aromatic, watery, woody.“ Bio-zertifizierte Materialien sollen es sein in Form eines „transluziden Duftes“ vereinigt. Kopfnote: Thymian, Zitrone, Sternanis; Herznote: Immortelle, Ylang-Ylang, Zypresse, Muskatellersalbei; Basisnote: Virginia-Zedernholz, Vetiver, Sandelholz, Tonkabohne.

Ouris the Sublime – „Flowery, fruity, vanilla.“ Eine Symphonie pastelliger Farben soll es sein mit allen erdenklichen fruchtigen Noten, Blumen und Anklängen türkischer Süßigkeiten beziehungsweise Loukoum. Dazu dann Irisbutter und Mandelcreme und heraus kommt ein perfekter Damenduft – ich bin gespannt… Kopfnote: Pfirsich, Pflaume, schwarze Johannisbeere, Honig, Tagetes; Herznote: Jasmin, Zedernholz, Mandel; Basisnote: Iris, Vanille, Sandelholz, Tonkabohne.

Nùr the Light – „Dry Balsam.“ Nùr soll so etwas wie die „Augen, der Spiegel der Seele sein“ – davon ist zumindest die Rede, insofern erwartet uns hier sicher kein Doriansches Dunkelgewächs , nein, vielmehr ein perlig-pudriger Ambraduft der eher helleren Sorte. Kopfnote: Zitrone, Weihrauch, Kamille, Wermut; Herznote: Ambra, Zedernholz, Aprikose, Iris; Basisnote: Eichenmoos, russisches Leder, Bourbon-Vanille.

Burqua – „Woody with oriental hints of leather and amber.“ Und weiter: „Like pure blood flowing, mystical and fluid, from every temple, with tones of Chinese ink and bewitched by essences of hard wood, this anthracite fragrance is a liquid incense with a notable prestige and elegance.“ Ganz abgesehen davon, daß ich, oh Wunder, den Namen nicht mag, weil ich außer den 20er Jahre-Turbanen von Madame Baba, kürzlich in der Rezension von L’Artisans Nuit de Tubéreuse erwähnt, keine (Ver)Schleier(ungen) mag, hört sich das doch in der Tat sehr interessant an: Tintenoten… die erinnern mich gleich an den genialen Pure Oud. Und Leder wird auch versprochen sowie Weihrauch… Mhhhhmmm… Kopfnote: Jasmin, Rose, Veilchen, Kardamom, Salbei; Herznote: Leder, Benzoeharz, Myrrhe, Tinte, „Rubber Sap“ (Kautschuk? Latex?); Basisnote: Ambra, Teak, Patchouli, Guajakholz.

Sobald die Düfte ihren Weg auf meinen Schreibtisch gefunden haben folgt natürlich eine Rezension, versprochen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Das olfaktorische Laboratorium – Laboratorio Olfattivo, Teil 1.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Orientalen am 20.04.2010

Mit Laboratorio Olfattivo haben uns die Italiener mal wieder eine kleine, feine Nischenduftmarke beschert, die mich durchaus zu verzücken wußte: Vier Düfte sind es, mit denen die Römer erst einmal starten und diese sind durchweg nicht nur gelungen, sondern mit knapp 90 Euro für 100ml auch mal preislich erfrischend günstig angesetzt.

Ich persönlich habe immer eine innere Preismesslatte vor Augen: Düfte, die mit 100ml bei um die 80 bis 95 Euro liegen, müssen sich meines Erachtens nach qualitativ mit L’Artisan Parfumeur messen lassen – ohnehin eine meiner früheren Lieblingslinien. Oder mit Juliette has a Gun. Dann gibt es noch die Sparte von 100 bis circa 150 Euro und jenen Bereich, in dem die Luft dünn wird und welcher nur spärlich besiedelt ist: Die Düfte ab, sagen wir mal: 180 Euro und aufwärts. Hier habe ich von der Qualität und vom allgemeinen Anspruch dann immer genau zwei Firmen vor Augen: Amouage und Parfums MDCI.

Je mehr Firmen auf den Markt drängen, und der Nischenduftmarkt gewinnt und wächst ja stetig in den vergangenen Jahren, desto häufiger werden diesbezüglich auch mal Ansprüche enttäuscht. Zumindest meine.

Hier kann ich jedoch guten Gewissens behaupten, daß dem nicht so ist. Drum möchte ich Euch auch die Düftchen vorstellen – ich bin mir sicher, der eine oder andere dürfte einige Fans da draußen finden…

Heute möchte ich mit Alkemi und Alambar beginnen, die beide in der orientalischen Ecke angesiedelt sind.

goldAlkemi wurde kreiert von Marie Duchêne, die hier, wie die Firmenbeschreibung verlauten läßt, Hölzer und Harze in olfaktorisches Gold verwandeln wollte. Was das Strahlen angeht, dürfte sie das in der Tat geschafft haben: Alkemi leuchtet wie sein metallener Bruder von innen heraus – ein balsamisches engmaschiges Duftgewebe, ein sehr sehr schöner Orientale, der mich allerdings eher an Harry Potters Giftkammern denken läßt als an einen orientalischen Basar, aber egal… Harze, Weihrauch und Hölzer werden von Ylang, Ambra und Vanille so eingerahmt, daß sie jenen ein wenig die Unnachgiebigkeit nehmen. Dominanter Weihrauch, Patchouli und Zedernholz umgarnt von warmsüßer Myrrhe, Ambra, Vanille sowie dem leicht floral-exotischen Ylang-Ylang. Hypnotisch irgendwie, da von annähernd ätherischer Qualität und sehr langanhaltend.

alchemyAlambar muß schon einem mächtigen Zauberspruch entwachsen sein – Ambrakadabra, wie es so nett in der Firmenbeschreibung heißt… Der Duft von Enrico Buccella offenbart eine kräftig-trocken-würzige Wolke mit pfeffrig-würzigem Zimt samt einer gewissen Schärfe. Trotz seiner überwiegenden und durchgängigen Trockenheit besitzt er Wärme vorhanden, eine weiche, fast vanillige Wärme, die einen angenehmen Kontrast zu dem ihm innewohnenden Feuer darstellt. Im Gegensatz zu Alkemi ist es nämlich kein Leuchten, sondern ein brennendes Glühen, das Alambar umfängt. Ein verdammt schöner Ambraduft für Orientalenliebhaber, der für mich in Richtung von Goutals Ambre Fétiche geht und aufgrund seiner Gourmandanklänge auch etwas für Freunde von PG’s Felanilla sein dürfte.

Darüber hinaus, das muß erwähnt werden – mich erinnert die Handschrift der beiden Düfte, obgleich von unterschiedlichen Parfumeuren, doch schon ein wenig an jene der „alten” Lutens, von denen ich/wir es neulich auch im Rahmen meines Arabie-Artikels hatten. Arabie, Ambre Sultan und Co. – wer diese Düfte liebt, sollte sich einen Test der beiden obigen nicht entgehen lassen! Und – sie halten „Bombe”, wenn ihr so wollt.

Morgen erwarten Euch die restlichen beiden Laboratorios, Daimiris und Cozumel.

Bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gold von Andris Kovacs und Alchemy Laboratory 3 von Adam Korzeniewski – via stockxchng, vielen lieben Dank!

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Umé…

Geschrieben in Chypre, Duft, Fruchtiges, Orientalen am 12.03.2010

ist mein ganz persönlicher Keiko Mecheri Favorit – zumindest von den „alten” Düften. Bei den neueren Irisdüften ist durchaus auch etwas für mich dabei, der Cuir Cordoba ließ mich auch nicht kalt – aber, ganz generell, ich gestehe: Ich war noch nie ein großer Mecheri-Fan. Vermutlich sind sie mir bisweilen – zu süß, zu weiblich, zu… nun, eben, einfach nicht meins.

Nur Umé, Umé liebe ich, obgleich ich ihn selbst kaum trage. Und obgleich es durchaus auch andere schöne Pflaumendüfte gibt wie zum Beispiel Parfum d’Orsays Dandy von letzter Woche. Ein paar andere habe ich mir bereits herausgekramt und werde diese Thematik lose verfolgen, eignet sich doch die jetzige Jahreszeit noch perfekt für Pflaumen und deren oft üppigere Fruchtigkeit. Üppig ist im Zusammenhang mit Umé genau das richtige Wort.

Aber ich werde jetzt erst noch einmal gewollt abschweifen. Nämlich zu Mecheri. Ein Aspekt, der mich ganz subjektiv an Mecheri etwas stört entsprang vielleicht (m)einer enttäuschten Erwartungshaltung: Als ich das erste Mal über ihre Düfte stolperte, erwartete ich etwas – Asiatisches. Japanisches. Oder, besser: Etwas, was ich mir als semi-vorgebildeter Europäer unter einem asiatischen Duft vorstelle. Ätherische Züge, eine gewisse Strenge, Transparenz, Zurückhaltung, Unergründlichkeit, eine gewisse Melancholie, die die vermeintliche Leichtigkeit des Seins naturaliter durchdringt. Davon kann bei Mecheri nun wahrlich nicht die Rede sein. Das ist eben nicht Mecheri. Und war eben nichts für mich.

Für mich, die ich schon seit langer Zeit vor allem der japanischen Literatur verfallen bin, derjenigen aus dem 20. Jahrhundert. Kawabata, Mishima, Akutagawa, Dazai, Inoue, Ōe und wie sie alle heißen. Den Zugang dazu fand ich, wie viele, vor Jahren über – Murakami, den zeitgenössischen Bestsellerautor und zwar über seine „Gefährliche Geliebte”. Ein Roman über einen erfolgreichen Geschäftsmann, der an der Erinnerung an seine erste Liebe krankt und leidet, weil er sich Jahre nicht von der Vorstellung an sie befreien kann, diese seine Sandkastenliebe, was er retrospektiv an vor allem an einer Situation festmacht, welche er in folgende Worte faßt: „Das Gefühl, ihre Hand zu halten, hat mich nie wieder verlassen. [...] Es war lediglich die kleine, warme Hand eines zwölfjährigen Mädchens, aber diese fünf Finger, diese Handfläche waren wie eine Vitrine, die absollut alles enthielt, was ich wissen wollte – und was ich wissen mußte. Indem sie meine Hand nahm, zeigte sie mir, was dieses „alles” war. Zeigte mir, daß es hier, in der realen Welt, einen solchen Ort gab. [...] Es erfüllte mich mit Seligkeit, daß sie meine Hand gehalten hatte. Ihre sanfte Berührung wärmte mir noch tagelang das Herz. Zugleich verwirrte mich dieses Gefühl, machte mich ratlos, in gewisser Weise sogar traurig. Wie würde ich nur je mit dieser Wärme fertig werden können.” (20)

Dieses Sehnen, dieses defizitäre Moment, dieses Nicht-Ganz-Sein ohne den Anderen ist typisch für die japanische Literatur. Und für mich somit auch etwas, daß ich ganz fest mit Japanischem verbinde, ohne je Japan besucht zu haben – diese mitschwingende Traurigkeit aus der Vergänglichkeit heraus. So ist für mich eigentlich auch die Iris jene welche Blüte, die ich am besten mit japanischen Düften und somit auch ihren Trägerinnen, den Frauen, gedanklich in Einklang bringe.

Eine kühle und kühne überlegene Iris wie die anbetungswürdige Iris Pallida von L’Artisan Parfumeur. Oder eine elegant-zurückhaltende wie jene von Meisterparfumeur Pierre Bourdon für Roméa d’Améor kreierte namens Les Impériatrices Japonaises. Perfekt an einer Adligen, an einer Frau aus gutem Hause, an einer Intellektuellen und auch an einer Geisha, jenen in Liebeskünsten bewanderten Frauen. Was aber trägt exakt diese – abends?

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Ich glaube, sie trägt abends oder besser: nachts eben keine Iris. Sondern Ume. Weil Umé so opulent ist, so reich und so wollüstig. So tief, so verführerisch und so prachtvoll. Intelligent, dekadent und sinnlich – kein Wunder, steht die Blüte der gleichnamigen japanischen Pflaume für Femininität, Schönheit und Erhabenheit. Im Auftakt zeigt Umé einen Hauch Hesperiden, die aber fast sofort von einer likörigen Fruchtigkeit überlagert werden, die gleich den Weg ebnet in das ausladende Herz: Pfirsichhafter Osmanthus umrankt von Blüten, unter anderem betörender Jasmin und eben – die Pflaume, die Hauptprotagonistin, die im Duftverlauf an Würze und Tiefe gewinnt und sich in der Basis auf einem warm-würzigen Lager bettet, stetig umweht von einer leichten Chypre-Ahnung.

Mich erinnert Umé immer an all jene großen Worte, die ich so passend für mich vielfach in japanischer Literatur wiedergefunden habe, die sich so ambivalent verhalten und zum Teil gegensätzlich: An Schönheit und an Trauer, an Glück, Jugend und Vergänglichkeit, an Tiefe und Leichtigkeit, an Liebe, an Gleichgültigkeit, an Alter und an Reife, – diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen… Für mich ist Umé „voll” – diese Fülle muß man aushalten können. Kann ich nicht immer, will ich nicht immer. Wenn dann ist aber Umé genau richtig.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Bevor ich es vergesse – die Ingredienzen zu Umé: Kopfnote: japanische Pflaume, Bergamotte; Herznote: Osmanthus, Glyzinie, Sasanqua-Kamelie, Jasmin; Basisnote: Gewürze, Hölzer, Eichenmoos, Patchouli.

Bildquelle: Geishas von Michelle Miralles via stockxchng – vielen lieben Dank!
Literarische Quelle: Haruki Murakami: Die gefährliche Geliebte, 10. Auflage, btb-Verlag, München 2002.

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Nur ein einziges Mal…

Geschrieben in Duft, Gewürziges, Gourmand, Orientalen am 16.02.2010

… im Jahr trage ich manche meiner Düfte. Aber wehe, sie wären an genau diesem einen speziellen Tag dann nicht greifbar für mich… Kennt Ihr das? Ich habe einige Düfte in meinem Repertoire, bei denen ich mich dann auch redlich bemüht habe, sie mir mit einer Freundin zu teilen, mir eine halbe Flasche zu ertauschen oder ähnliches… weil ich weiß, daß ich im Leben nie eine komplette Flasche verbrauchen werde, ganz im Gegenteil: Sie sind Teil einer Spezialeinheit, die ein paar Mal (an ein bis zwei Händen abgezählt), manche davon aber wirklich auch nur ein Mal im Jahr zum Einsatz kommt. Habt Ihr auch solche Düfte? Und wenn ja, welche?

arabieEin ganz typischer dieser Kandidaten ist bei mir Serge Lutens’ Arabie. Arabie stammt noch aus der alten Garde, er ist einer der frühen Düfte aus der Lutenschen Exportkollektion – und ich hoffe, er bleibt dort immer drin. Nachdem erst neulich die Ankündigung der Einstellung einiger Düfte die Liebhaber in den Foren erschreckte – verschwinden werden: Santal Blanc (und nicht Clair de Musc, wie ursprünglich verlautet wurde), Douce Amère, Chypre Rouge und Miel de Bois. Jetziger Stand der Dinge ist – sie verbleiben alle in der Pariser Kollektion. [Edit: Der neueste Stand: Nur Miel de Bois ist betroffen.] Aber – kommen wir zurück zu Arabie.

arabie2Inspirationsquelle für Arabie war, das ist jetzt nicht wirklich schwer, der Orient, das Morgenland, die arabische Welt: 1001 Nacht, Haremsdamen im Serail der Kalifen und Sultane, flirrende Hitze und Wüstensand, Basare, Gaukler und Händler. Was Fundament für Märchen, Legenden und Filme war und Abenteurer aus aller Welt anzog und immer noch zieht, wurde in Arabie von Lutens zu einem Duft verwoben.

Arabie war eine meiner ersten Begegnungen mit dem Nischenduftmarkt und verkörpert für mich annähernd alles, was ein guter Nischenduft können muß. Versteht mich nicht falsch – man muß Arabie nicht mögen. Aber neidlos anerkennen, welche Emotionen und vor allem Vorstellungen Arabie wecken kann, welche Bilder Arabie vor Augen ruft: Arabie schafft es mit einem Sprühstoß, einen kompletten arabischen Basar vor meinen Augen auferstehen zu lassen mit Ständen aus altem Holz, prall gefüllt mit allerlei Gewürzen in leuchtenden Farben, mit bunt gekleideten Menschen, exotisch anmutenden Früchten, Tieren und alten Möbeln – genau so einen Markt, wie ich ihn auf Reisen in Nordafrika schon besucht habe und wie ich ihn bereits aus alten Abenteuerfilmen in Kodakfarben kannte…

arabie1Einmal, mindestens einmal im Jahr brauche ich das. Arabie, der als Orientale fungiert, hat laut Lutens folgende Ingredienzen: Zedernholz, kandierte Mandarinenschale, getrocknete Feigen und Datteln – ich rieche da aber noch einiges mehr. Sofort beim Sprühen entfaltet Arabie seinen Glanz und seine Opulenz: Hölzer und Harze nimmt man wahr genauso wie getrocknete Früchte samt der ihnen eigenen Süße – alles in einer Präsenz, die einen fast schwindeln macht. Gewürze meine ich zu erkennen, Muskat und eventuell eine Prise Kumin, Sandelholz und ein wenig Ambra könnte sich auch in der Basis verbergen. Es ist sehr schwierig, Arabie komplett zu analysieren, da er so „reich” ist und homogen in seiner Vielfalt.

Ein starker sonniger Duft für – besondere Momente finde ich. Bitte vorher testen, Arabie ist sehr speziell. Er ist sicher „unisex”, wobei man dieses verwaschene Wort mit solch einem Duft zusammen nicht verwenden sollte. Er ist – tragbar für Männlein wie Weiblein aber bedarf sicher einer gut gewählten Gelegenheit beziehungsweise eines Anlasses…

Hängt Euer Herz auch an einigen „alten” Lutens-Düften? Und welches sind Eure (generellen) Lieblinge aus der Lutens-Kollektion?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquellen, von oben nach unten: Vielen herzlichen Dank an Kavewall sowie Simon Gurney für das Foto Topkapi Palace und Yvan Lagarrigue für sein Basar-Foto via stock.xchng!

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Es weihnachtet…

Geschrieben in Blüten, Duft, Gewürziges, Orientalen am 24.12.2009

Heute ist der Tag nun gekommen – Weihnachten. Ich hoffe, alle von Euch haben Ihren Besorgungsmarathon ohne großen Streß und noch größere Nervenverluste hinter sich bringen können, um sich jetzt ganz dem Weihnachtsfeste und der Geruhsamkeit der folgenden Feiertage hinzuwenden.

Wie jedes Jahr ist die Weihnachtszeit bei mir immer eine (selbst)reflektierende, bisweilen sentimentale, häufig durchaus nostalgische Periode und so sind mir dieser Tage einige Weihnachtsklassiker wieder eingefallen.

Eine meiner Tanten wohnt schon seit über vierzig Jahren in den Staaten und beehrt meine Familie und mich seit Jahrzehnten mit riesigen Päckchen – zu Ostern, zu Geburtstagen und, die größten Päckchen, zu Weihnachten. Als Kind war es für mich alljährlich ein Erlebnis, diese großen Pakete zu öffnen. Was hierzulande oft als Kitsch bezeichnet wurde, begeisterte mich: Bunteste Weihnachtskugeln, wallende Prinzessinnengewänder – meine Tante wußte schon sehr genau, wie man kleine Mädchen erfreut. Auch Bücher waren häufiger darunter und so machte ich bereits früh die Bekanntschaft mit meiner bis heute liebsten Weihnachtsfigur: Rudolph, das rotnasige Rentier.

Ohnehin mag ich Geschichten um Outlaws und habe eine ausgeprägte Sympathie für Underdogs. Rudolph war wahrscheinlich einer der ersten Außenseiter in meinem Leben, der mein Herz im Sturm eroberte – genauso wie die Herzen vieler vieler anderer Kinder. Bereits seit 1822 wußte jedes (zumindest amerikanische) Kind, daß der Schlitten von Santa Claus, dem Weihnachtsmann, von acht Rentieren gezogen wird, die auf die Namen Dancer, Donder, Dasher, Prancer, Vixen, Comet, Cupid und Blitzen hören und der Geschichte „A visit from St. Nicholas” (oder auch: Twas the Night before Christmas) des New Yorker Dichters und Professors Clement Clarke Moore entstammen. Etliche Jahre später, 1939, gesellte sich Rudolf als Rentier Nummer Neun dazu, erfunden von Robert L. May im Auftrag der amerikanischen Kaufhauskette Montgomery Ward. Diese hatte eine Haustradition: Als Werbegeschenk überreichte man den hauseigenen Kunden jedes Jahr zu Weihnachten ein Kinderbuch. Irgendwann wurde beschlossen, diese Bücher nicht mehr einzukaufen, sondern selbst als Herausgeber zu fungieren und so erfand May als Angestellter des Hauses die Geschichte von Rudolph: Das Rentier Rudolph, das als einziges eine rote Nase hat und wegen deren Leuchtkraft ausgegrenzt und aufgezogen wird von seinen Artgenossen. Bis zu dem Weihnachten, das so neblich ist, daß Santa Claus nur mit Hilfe Rudolphs die Geschenke rechtzeitig ausliefern kann – Rudolphs Nase nämlich leuchtet ihm den Weg. Und so wird Rudolph zum ersten Rentier, das fortan an vorderster Position den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen darf.

Bei youtube.com, der unerschöpflichen Quelle, habe ich sogar den Cartoon von Max Fleischer dazu gefunden, der mich als Kind so faszinierte – vielleicht werden ja auch bei Euch Reminiszenzen wach?


Ebenfalls ein Klassiker ist natürlich Carons Nuit de Noël. 1922 kreiert von Caron-Besitzer und Selfmade-Parfumeur Ernest Daltroff, erfreut sich der Duft bis heute vieler Fans, sagt nicht nur Lagerfeld von sich, daß er im Dezember keine anderen Parfums außer Nuit de Noël verwende…

Caron war schon immer ein Haus von und für Exzentriker und von dem Freigeist des federführenden Inhaberpärchens geprägt: Ernest Daltroff, Sohn aus reichem Hause, weitgereist und mit einer ausgeprägten Leidenschaft für Parfums und seine Frau und Muse Félicie Vanpouille, Modemacherin und Designerin, die seit ihrem Einstand bei Caron den, wenn man so will, PR- und Marketing-Bereich übernahm. Sie schrieb und zeichnete alle Annnoncen selbst, überlegte sich die Namen der Düfte und kreierte deren Flakons und Verpackungen. Dank ihrer Mitarbeit kamen die Geschäfte langsam in Schwung und Caron avancierte zu einem der ersten Häuser der damaligen Zeit – einem Ruf, von dem das Haus bis heute zehren kann. Ein durchschlagender Erfolg war etlichen Düften beschert, so unter anderem dem 1911 erschienen Narcisse Noir, der Stummfilmdiva Gloria Swanson gewidmet, 1919 erschien Tabac Blonde, Daltroffs Huldigung an die rauchende Frau – damals mitnichten gesellschaftlich akzeptiert – , 1927 En Avion und in den Fünfzigern Coup de Fouet, der Peitschenhieb, mein Liebling – um nur einige zu nennen.

Nuit de Noël war ebenfalls ein Bestseller, in dem Jahrzehnt der Zwanziger einer der wichtigsten Düfte überhaupt – soviel einmal zur, wie ich finde, beeindruckenden Geschichte.

Ihr seht, das Outlaw-Thema läßt mich heute bei den Klassikern auch nicht los ;) Ich verehre Caron als Haus – ich liebe diese Exzentrik, die Intention, die Düfte besonderen Menschen zu widmen und nicht jedem gefallen zu wollen. Und ich liebe die durchweg ausgefallenen alten Caron-Düfte, die der Odem vergangener Zeiten umweht. Ich scheue mich, hier das Wort old fashioned zu verwenden – sie sind es, ja. Aber sie sind nicht altmodisch in und mit dieser negativen Konnotation wie wir das Wort gerne verstehen. Nein – die Düfte sind nostalgisch. Aber all jenen Klassikern merkt man bis heute an, welch famose Parfumeurskunst dahinter steckt. Und tragbar sind sie alle noch bis zum heutigen Tage, ganz selbstverständlich – können sie qualitativ ohne weiteres mit dem mithalten, was uns der Markt dieser Tage so präsentiert.

Nun, was Nuit de Noël angeht, rekurriere ich gleich nochmals auf Clement Clarke Moore und den Anfang seiner Geschichte, welcher folgendermaßen lautet: „Twas the night before Christmas, when all through the house not a creature was stirring, not even a mouse.” – Alles ist weiß, schneebedeckt und still, von einer majestätischen Ruhe… Diesen Zauber entdecke ich auch in Nuit de Noël, den man langsam auf sich wirken lassen sollte, braucht man doch ein Weilchen, um seine Komplexität voll zu erfassen.

Zuerst aber die Ingredienzen: Rose, Ylang-Ylang, Jasmin, Sandelholz, Hölzer, Moschus, sächsisches Moos, Ambra.

Direkt im Auftakt riecht Nuit de Noël tiefdunkel tintig und offenbart bereits seine dezenten, aber einzigartigen animalischen Akzente – herrührend von dem speziellen sächsischen Moos, einer Parfumbasis, die von Fachleuten als die originellste der Zwanziger bezeichnet wird. Diese bleibt im Duftverlauf bestehen, wird jedoch alsbald von einer dunklen, nelkenpfeffrigen Würze ergänzt. Aldehyde meine ich zu entdecken, ein Hauch dieser typischen Haarsprayfruchtigkeit, aufgefangen von einer Rose und samtig-moosigen Tönen sowie einer gourmandigen Aura, die stark an einen guten Cognac erinnert. Der Drydown, der die Hölzer ins Spiel bringt, ist, wie der ganze Duft, auf wundervolle Weise zugleich warm und von einer gewissen Süße geprägt aber immer auch trocken.

Nuit de Noël ist eine zeitlos schöne Weihnachtsnacht, definitiv.

Eine solche wünsche ich Euch ebenfalls von Herzen: Wunderbare Weihnachten und eine schöne besinnliche Zeit im Kreise der Menschen, die Euch am nächsten stehen! Und haltet Euch schön an Wilhelm Busch und treibt es nicht zu bunt, denn: „Zu Weihnachten getanzt im Schnee – zu Ostern Frost im Zeh.”

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Duftverzeichnis


Oxymoronalarm – Oriental Lounge von The Different Company.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Orientalen am 13.11.2009

Ein Oxymoron begegnet uns gerne mal im Alltag: In moderner Literatur aber auch in ganz profanen Situationen tauchen sie auf, diese rhetorischen Figürchen, die zwei gegensätzliche Begriffe beherbergen. Angefangen vom Minuswachstum über den weißen Raben, die Hassliebe und die Eile mit der Weile. Jedoch handelt es sich auch oft um einen Lapsus, ein unfreiwilliges Oxymoron aus Nachlässigkeit oder mangels besseren Wissens, worauf Herr Sick mit Sicherheit in einer seiner Kolumnen auch schon aufmerksam gemacht hat… Ein echtes Oxymoron hingegen ist ein bewußt gewähltes Stilmittel.

Im übertragenen Sinne entdecke ich in der Welt der Düfte entdecke auch immer wieder mal Oxymora. Eines davon ist der neue The Different Company Duft Oriental Lounge – warum will ich Euch gleich erklären…

Zuerst aber die Ingredienzen: Caloupilé (sogenannte Curryblätter des Currybaums namens Murraya koenigii), Bergamotte, Ambra, Tonkabohne, Rose, Labdanum und Satinwood (meint wohl Zanthoxylum – sowohl Früchte als auch Öl des Bäumchens werden in der chinesischen Küche, Medizin und im Haushalt verwendet).

Oriental Lounge möchte eine moderne Variation eines Orientalen sein, dieser klassischen Duftfamilie, eine moderne Interpretation der 1001er Nacht-Thematik. Geschaffen wurde der Duft von Céline Ellena, der Tochter von Jean Claude Ellena, The Different Company-Gründer, Hermès-Hausparfumeur und Parfumeursgenie in Personalunion.

Oriental Lounge Céline Ellena„Oriental Lounge”, so schwärmt die Parfumeurin, die bereits einige Düfte für des Vaters Firma kreierte, „- das ist ein Duft, mysteriös und leuchtend zugleich, aufwühlend und provokativ. Ein moderner und raffinierter Amber, den ich auch gern zu einer Jeans oder einem weißen T-Shirt trage. Es ist ein frisches und feinsinniges Parfum für diejenigen, die auf der Suche nach einem angenehmen, sinnlichen und echten orientalischen Duft sind.”

Mmmmh. Ein echter Orientale. In einigen Artikeln im Internet war daraufhin etwas von „dem perfekten Winterduft” zu lesen. Nein, dem kann ich mich nicht anschließen – ich finde Oriental Lounge zwar sehr vielseitig tragbar, ergo auch im Winter, würde ihn aber eigentlich für alle Jahreszeiten, den Sommer mal ausgenommen, empfehlen.

Wo ist es nun, das Oxymoron, wo hat es sich versteckt? Nun, ein klassisch orientalisches Parfum beinhaltet schwere Blüten, oft auch exotischer Natur, Balsamisches, Harze, Gewürze und teils animalische Komponenten. Dem Charakter nach sind solche Düfte eher schwer, vornehmlich für die kalte Jahreszeit und/oder den Abend reserviert. Und – sie sind oft opulent, manchmal barock anmutend in ihrer Vielfalt.

Dementsprechend überrascht reagierte ich auch, als ich den Duft das erste Mal aufsprühte. Nein, es lag nicht an meiner Haut, der Teststreifen reagiert auch nicht viel anders…

Oriental Lounge beginnt herbfrisch mit zitrischen Akzenten durch Bergamotte. Die Curryblätter entfalten tatsächlich ein dezentes Curryaroma und kreieren im Zusammenspiel mit der Bergamotte annähernd minzig anmutende Anklänge. Ab dem Duftherzen wird es noch ambivalenter: Die Frische bleibt im Hintergrund bis in die Basis erhalten, jedoch übernimmt nun Ambra das Ruder. Von zurückhaltenden Rosennoten begleitet wird der Duft in seiner Basis von Labdanum und Holz sowie Tonkabohne weich aufgefangen.

The Different Company Oriental Lounge

Mit Oriental Lounge hat Céline Ellena einen leichten, fast schon puristischen, modernen Orientalen geschaffen mit bisweilen annähernd frischen Elementen – eine Art intellektuellen Orientalen und insofern eine Kombination, die für mich bisher eigentlich so gut wie undenkbar war, die ich aber bei näherer Betrachtung ziemlich ungewöhnlich und wirklich interessant finde – und die bei mir auf der Haut sehr relaxend rüberkommt.

Insofern wundert Euch nicht über das Bild, es drückt ein paar Attribute aus, die ich mit Oriental Lounge verbinde: Orient (weil Afrika), Modernität, Sonne, Relaxen und – Lounge, das hätte ich nämlich ein bißchen wörtlicher nehmen sollen, dann wäre ich anfänglich gedanklich nicht in Agatha Christies Orientexpress und Lawrence von Arabien-Phantasien steckengeblieben ;)

Bin gespannt ob Euch der Duft genauso überrascht!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Auf dem (englischsprachigen) Blog Grain de Musc ist ein Interview mit Céline Ellena zu Oriental Lounge zu lesen – siehe hier!

Bildquelle

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Duftverzeichnis L – Z


Von einem, der auszog, die Welt zu entdecken…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Holziges, Leder, Orientalen am 11.11.2009

Herr Duchaufour und die Reiselust… Bertrand Duchaufour hat definitiv einen Namen in der Branche. Bekannt durch viele L’Artisan Parfumeur-Düfte, wo er mittlerweile Hausparfumeur ist, kreierte er auch für andere Firmen Wunderbares, das zum Teil großes Aufsehen erregte und etliche Liebhaber fand: So sind zum Beispiel Amouages Jubilation XXV-Düfte von ihm, für deren Männerduft ich sterben könnte, der schöne Gewürzling Baume du Doge von Eau d’Italie sowie deren anmutiges Gothic-Rosenmädchen Paestum Rose. Etliche Comme des Garçons-Düfte (Calamus, Mint, Harissa, Sequoia, Kyoto, Avignon und die komplette Series 5) gehen genauso auf sein Konto wie nicht zuletzt Cipresso di Toscana und das Colognia Assoluta (in Zusammenarbeit mit Jean Claude Ellena) – beide von Acqua di Parma.

Jedoch – bei L’Artisan Parfumeur hat Duchaufour nicht nur die meisten, sondern auch einige seiner schönsten Düfte lanciert: Angefangen bei Mechant Loup und Patchouli Patch sowie Piment Brûlant und Poivre Piquant aus dem Les Épices de la Passion-Set. Und, nicht zu vergessen: Seine Travel-Kollektion. Reise sei hier mitnichten verstanden als spezielle Reiseverpackung – nein, andersherum: Die Inspiration(en) dieser Düfte entstand(en) auf Duchaufours Reisen, und jeder Duft bildet einen anderen Augenblick ab, eine Momentaufnahme eines fernen Landes.

Eigentlich ja logisch, daß sich Parfumeure – genauso wie Literaten, Maler und viele mehr, besser: Künstler im Allgemeinen – durch alles und jeden in ihrer Umgebung inspirieren lassen, daß jede Kleinigkeit als Katalysator dienen kann, als Fokus, als Zentrum einer neuen Kreation. Und Reisen an und für sich sind naturaliter perfekt geeignet für neue Einflüsse, für Innovation.

Aber: Duchaufours Travelkollektion ist durchweg dermaßen gut gemacht. Und sie vermag seine (Reise)Impressionen auf so eindrucksvolle Weise zu vermitteln, daß einem alsbald klar wird, daß dieser Verweis mitnichten ein semikreativer Marketingkniff ist sondern – ja, die schlichte und schöne Idee eines olfaktorischen Reisetagebuchs.

Timbuktu machte damals den fulminanten Anfang, danach kamen Dzongkha, Fleur de Liane und der kürzlich erschienene Havana Vanille.

Nun legt Duchaufour prompt nach: Al Oudh ist sein neuester Streich, deutsch: Das Oud. Schlicht und einfach dieser Name, und somit auch ein wenig provokant. Ist doch gerade Oud, das aus dem Harz des Adlerholzes gewonnene Öl, die, sagen wir mal: Ingredienz der Saison – davon hatte ich es ja bereits in meiner Midnight Oud-Rezension.

„Die Reise ist der Mai, der alles neu macht” – so Thomas Mann einmal. Constantin, der den Duft ja bereits vor einiger Zeit hier rezensierte, hat er wohl komplett umgehauen, salopp formuliert. Constantin gestand aber auch, daß die Oud-Thematik für ihn parfumtechnisch eine noch relativ neue ist. Kann Al Oudh als Duft besagtes Mannsches Reiseversprechen einhalten: Macht Al Oudh alles neu, ist er neu, wirklich neu, und lohnt sich der Test (oder gar Erwerb) eines (vielleicht) xten Oud-Duftes?

Ich würde sagen: Ja. Und ich muß dazu erwähnen, daß ich a) ein ausgesprochener Oud-Fan bin ergo b) diverse Oud-Düfte mein Eigen nenne und deshalb c) mittlerweile doch etwas wählerischer geworden bin, da mein Repertoire bereits eine große Spannbreite an Oud-Düften umfaßt.

Zuerst zu den Ingredienzen: Kopfnote: Kardamom, Dattel, Kumin, rosa Pfeffer; Herznote: Rose, Adlerholz (Oud), Neroli, Weihrauch, Safran, Leder; Basisnote: Zibet, Castoreum, Sandelholz, Patchouli, Myrrhe, Vanille, Tonkabohne, Atlas-Zedernholz.

Frisch aufgesprüht entfaltet Al Oudh sofort fruchtig-alkoholische Punschnoten, in denen man die bisweilen pflaumig anmutende Dattel sofort erkennen kann. Pfeffrig-würzig geht es in das Herz über, in welchem das Oud vollständig zum Tragen kommt: Dunkelsamtig arrangiert nebst Rose und Safran, verziert durch ledrige Akzente erinnert dieses Herzstück am ehesten an andere Oud-Parfums. Hinein ragen allerdings animalische Noten, die so eher seltener vorkommen und bereits die Basis ankündigen: Diese oszilliert zwischen ebenjenen sowie harzigem, patchouligetränktem Waldhonig und einem warmwürzigen Vanillebett.

Oud sollte man schon mögen, möchte man Al Oudh als neuen Freund gewinnen. Allerdings ist die Duchaufoursche Auslegung von Oud, wie eigentlich auch zu erwarten war, orientalischer (zumindest in dem für europäische Nasen typischen Sinne) als die meisten anderen Oud-Düfte: Holziger und gewürziger – das ist ja seine Spezialität -, süßer und weniger medizinisch-düster, wie es bisweilen zum Beispiel bei einigen Montale-Düften der Fall ist.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Luxus auf Pump: Pradas neues „L’Eau Ambrée“ im herrlich nostalgischen Zerstäuber

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Orientalen am 3.11.2009

Es gibt Marken, denen man einfach vertraut. Bei denen man weiß, dass man ein Produkt nahezu unbesehen kaufen kann. In der Mode sind das ein paar wenige, von Jil Sander bis Anne Demeulemeester. Bei Parfums wird die Luft an der Spitze noch dünner. Aber eines dieser Beauty-Labels, deren Düfte ich kaufen würde, ohne sie vorher groß proberiechen zu müssen, ist auf jeden Fall Prada. Und schwupps, hier ist das neueste Familienmitglied: Ein orientalischer (was sonst!?) Hauch Ambra. Und wieder mal ein Volltreffer.

Daniela Andrier und ihr olfaktorisches Signum

Was soll ich über diese Frau sagen? Vielleicht erstmal die Eckdaten:
Daniela Andrier ist Pariserin, Preisgekrönte Parfumeurin, Mitt-vierzigerin, mehrfache Mutter und Ehefrau von Gilles Andrier, dem Geschäftsführer von Givaudan, einem der weltweit größten Hersteller von Aromen und Duftstoffen. Ihr verdanken wir bereits einige fabelhafte Parfums wie meinen früheren Liebling aus der Studienzeit, Guccis „Rush for Men“, Valentinos „Very Valentino“ oder Lancômes „Attraction“. Ihre größte Leistung besteht aber meiner Meinung nach in der exquisiten Kollektion der neueren Prada-Düfte. Auf ihr Konto gehen „Infusion d’Iris“, „Infusion d’Homme“ und „Amber pour Homme“. Diese Parfums muss ich wohl den wenigsten von Euch noch vorstellen. Allesamt haben längst Kult-Status erreicht und Fans weltweit gewonnen. Das Geheimnis? Dieser Prada-typische „Clean-Chic“, den alle diese Kreationen innehaben. Keine Spur aufdringlich, absolut tragbar und von einer betörenden Leichtigkeit.
Man hat nicht das Gefühl, sich parfümiert zu haben, sondern als würde der Duft aus unserem Inneren herrausstrahlen. Ihr merkt schon, ich liebe diese Düfte. Und nun beschert uns zum Herbst Madame Andrier einen neuen Lockstoff, der sich nahtlos einfügt in die bereits bestehenden Ambra-Düfte des Hauses – Prada Eau de Parfum,
Prada Intense, Prada Eau Tendre und Co.

Ambra – das diskrete Gold der Parfumeure

L'Eau AmbréeHolzig, balsamisch, mystisch – Ambra ist schwer zu beschreiben, doch aus dem aktuellen Trend leicht-orientalischer Düfte (ohne übertriebene Oppulenz) nicht wegzudenken. Aber keine Angst vor einem Orient-Hammer, wie es genug im Sortiment der Parfümerien gibt. „L’Eau Ambrée“ kommt mit einer heiteren, beschwingten Frische, die klassischen Ambra-Parfums leider meistens fehlt. Sanft abgemischt mit Zitrus-Klängen und femininer Wildrose wirkt der Duft völlig unprätentiös und schwerelos.
Auf den ersten Eindruck erinnert das L’Eau ein wenig an Infusion d’Iris, entfaltet aber rasch die sinnliche Tiefe des Ambras. Es ist ein Genuss!
Daniela Andrier erzählt in Interviews gerne, dass es eines ihrer Hobbys sei, tagsüber auf einer Parkbank zu sitzen und zu erraten, welches Parfum die Menschen tragen, die an ihr vorübergehen. Und bei diesem kleinen Vergnügen keimt manchmal eine Vision in ihr, die Ahnung für einen neuen Duft. Wenn es bei „L’Eau Ambrée“ genauso war (ich weiß es nicht), dann drängt sich mir automatisch das Bild einer jungen, sehr mondänen Französin auf – petite, fast zerbrechlich, aber selbstbewusst, die ihren hellbeigen Kaschmirmantel eng um sich geschlungen und ihre Lippen signalrot geschminkt hat. Für so eine Frau muss die moderne Ambra-Interpretation wie eine Offenbarung sein.
Sitzt diese Französin dann zuhause in ihrem Schlafzimmer, an einem kleinen Schminktisch (in meiner Fantasie sitzen solche Frauen immer an einem modernen Schminktisch), greift sie zu „L’Eau Ambrée“ und hüllt sich in den dezenten Duftschleier aus Vanille, sizilianischer Zitrone und Patchouli. Natürlich nicht mittels eines ordinären Splash-Falkons, sondern mit dem eleganten Pump-Deluxe-Zerstäubers, den jede Frau von Welt benutzen sollte. Ein Hauch Nostalgie, mit zeitgemäßem Schliff – der Flakon sieht so aus, wie das Parfum riecht. Köstlich, faszinierend, elegant.
„L’Eau Ambrée“ ist der vielleicht schönste Grund, mal wieder in eine Parfumerie zu gehen, in diese Kaufhäuser der Schönheit. Denn zwischen den unzähligen Massmarket-Produkten findet sich nun wieder ein kleines Juwel. Madame Andrier sei Dank.

Euer Constantin Herrmann

Prada - L'Eau Ambrée

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