Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Royal Crown…

Geschrieben in Duft,Orientalen,Solifloral am 25.01.2012

betont seine Herkunft schon im Namen – Königliches verspricht uns die neue Linie, die erst vor kurzem zusammen mit den Visconti-Düften Eingang in unser Sortiment fand. Von Visconti war ich, wie der geneigte Leser wissen wird, überraschend angetan – Grund genug, mich für Euch zu „opfern“ und mein geneigtes Näschen in der neuen Kollektion zu versenken…

Sieben Düfte sind es, die Euch und mich erwarten, nämlich: Noor, Tenebra und Poudre de Fleurs für die Damen, Rain, Musk Ubar und Tabac Royal für die Herren sowie Celebration für beide Geschlechter – unsere Beschäftigung für diese Woche.

Bemerkenswert sind vorab natürlich die Flakons: Die Linie präsentiert sich, Adel verpflichtet, in florentinischen Kristallflakons mit kunstfertig hergestelltem, von Hand mit Swarovski-Kristallen verziertem Deckel in Kronenform. Für den einen oder anderen Sammler sicher ein Augenschmaus.

Noor sieht sich als „Entdeckungsreise in die Welt des Weiblichen“, jenes „Universum der Femininität“ – ich will sehen, ob ich dabei folgen kann… „Sophisticated“ soll er sein und – ein Orientale. Für eine selbstbewusste Frau. Dafür haben Royal Crown tief in die holzige Harzkiste gegriffen, wie mir ein erster Blick auf die Ingredienzen verrät: Kopfnote: Koriander, Ylang-Ylang, Elemiharz; Herznote: Opoponax, Patchouli, Jasmin; Basisnote: Benzoeharz, Adlerholz (Oud), Myrrhe, Vetiver.

Nach einem ersten Schnuppertest frage ich mich nach dem Frauenbild, dass der Herr Parfumeur da so im Kopf hatte… In jedem Fall entspricht es sicherlich nicht dem gängigen Schönheitsideal der zum Teil fast schon in (Selbst)Auflösung inbegriffenen Size-Zero-oder-darunter-Frauen. Und auch nicht der Marschrichtung, die die meisten Mainstream-Parfums mittlerweile verfolgen, bei denen sauber gar nicht sauber genug riechen kann.

Noor zelebriert Wollust. Harzige Wollust. Eine überbordend-überschäumende Harz-Femme-Fatale in eine samtene Gewürzrobe gehüllt, mit einem ausladend-würzigen Holzhintern ausgestattet, der Begehrlichkeiten weckt. Hossa, was für ein Vollweib!

Tenebra, man riecht es gleich, huldigt der Tuberose – wir haben es also wieder mit einer Verführerin zu tun. Diesmal war der Duft schneller auf meinem Arm, als ich die Beschreibung lesen konnte – aber nach allem, was mir da entgegenweht, ist mir klar, dass man hier alles auf eine Karte gesetzt hat – die Tuberose. Und siehe da, im Text zum Duft, da steht es auch: Tenebra sei die fleisch-, pardon: duftgewordene Verführung in Reinform.

Entweder liegt es an meiner neu entflammten Tuberosenleidenschaft, die mir eine rosarote Brille beschert. Oder aber es sind mir wirklich bisher keine total vergurkten Soliflor-Tuberosen über den Weg gelaufen – zumindest keine, an die ich mich erinnern könnte. Tenebra schert ebenfalls nicht aus und reiht sich bei den Tuberosenschönheiten ein, die mir die letzten Monate unter die Nase kamen: Zitrische Herbheit zeigt sich im Auftakt, von zurückhaltend metallischen Akzenten untermalt, die von der Narzisse herrühren dürfte. Bittere Anklänge werden offenbar, die mich kurzfristig annehmen ließen, irgendwo Vetiver vorzufinden. Kein solcher ist angegeben, und die Bitterkeit nimmt uns an die Hand und führt uns in die Höhle der Löwin: Eine buttrige, narkotisierende Tuberose, wächsern und auf eine Art pfeffrig anmutend, auf einem weichen Lager von betörender Süße gebettet.

Fatal erinnert mich die Tuberose an ein Gedicht namens Sünde der Wienerin Lisa Baumfeld, die im zarten Alter von 19 Jahren 1897 verstarb:

Allein die Sünde ist unendlich reich …
(Loris.)
… Ein weißes Weib lehnt in den dunklen Falten
Mit steinig weißen, grau’nhaft schönen Gliedern,
An die sich gleißend eine Schlange schmiegt ….
Mit bleichem, sündhaft schönem Antlitz …
Aus seinen Zügen leuchtet, blaßroth schwellend,
Ein wundersüßer Mund, der vieles sagt,
Und lächelnd … viel verschweigt …
In ihrem Aug’, dem trunk’nen, zaubertiefen,
Brennt sehnsuchtsfeucht ein Blick, der lockt und fängt
Und schmeichelnd kost und tödlich wundet
Und glühendheiß macht und den Sinn verwirrt …
Wer bist du, seltsam Weib?
Was glüht in deinen Lippen?
Was rauscht sirenengleich
Aus deiner Augen Meer?
»Mein Name ist der älteste hienieden.
Ich bin im Hauch der starren Tuberose,
Der schweren, die in weißen Gluten brennt …
Ich bin, wo tolle Rhytmen wirbeln
Und Menschen lachend sich dem Klang hingeben
Und sinnberauschet in den Tod sich wirbeln …
In allem Dufte, der dich trunken macht
Und süß zu Tode küßt und duftet …
Bin im Accord, der brausend dich durchflutet,
Und deine Seele streichelt und zerreißt,
Dich elend macht und doch unsagbar glücklich!
Mein Reich ist, wenn der silberweiße Mond
Sein schimmernd Gift in Erdenwunden hinweint,
Und Lieb’ und Wahnsinn durch die Lüfte rasen …
In blassen schönen Frau’n kannst du mich fühlen.
Ich weh’ als Athem in des Mundes Gluten,
Ich zuck’ in ihrer Hand, die dich erbeben macht …
Ich bin im Duft der weichen Frauenhaare
Und hab’ an ihrer Brust, der kalten, dich durchfröstelt
Und fiebre in dem Kuß, der dir das Herz versengt …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen
Und weiß, dein Herz ist krank … ich küsse dich gesund!
In meinem Arm ist seliges Verbluten …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen …

Genug der duftenden Poesie für heute. Morgen geht es weiter mit Royal Crown – bis dahin alles Gute und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hans Hassenteufel: Tänzerin, Franz von Stuck (1893): Die Sünde, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Königliches – Royal Crown die Zweite.
Royal Crown die Dritte.
Duftverzeichnis L – Z


Viele kleine Italiener – Visconti die Dritte.

Heute geht es wie versprochen weiter mit Visconti – und selbst nach dem heutigen Tag werden wir mit dem Thema noch nicht abgeschlossen haben. Zu viele Düfte sind es einfach, und mich überrascht die Qualität dieser großen Kollektion sehr. Für gewöhnlich stimmt mich das immer ein wenig argwöhnisch, wenn eine Kollektion, von der ich noch nichts gehört habe, so viele Düfte hat oder gar mit so vielen Düften auf den Markt kommt. Hier aber habe ich dieser Tage schon einiges gerochen, das es mir durchaus angetan hat – und damit geht es munter weiter…

Akaba ist mein erster Kandidat, und lässt mich sofort schmunzeln: Eine echtes Unikat, eine Perle, das riecht man gleich. Und so eigenwillig und einzigartig, dass der Duft dafür sogleich einen Stein in meinem Brett einheimst. Was rieche ich auf den ersten Schnupperer? Trockenes würziges Heu, süßen aromatisierten Pfeifentabak mit Vanille und Lakritze. Drum herum holzt es noch ein wenig, Oud raucht außerordentlich zivilisiert vor sich hin im Hintergrund und Patchouli haucht Erdung ein. Aber im Grunde bleibt sich der Duft seinen Verlauf über treu. Und präsentiert eine so feine Mischung, dass es für Männlein und Weiblein mit Lakritzaffinität und Tabakleidenschaft eine wahre Freude sein dürfte.

Ein exzellenter Einstieg – und weiter geht es mit Rose Sauvage: Was steigt mir da in die holde Nase? Raumgreifend, ein wenig aldehydisch und mit Mandarine versehen, enthüllt sich hier ein gar meisterlich arrangiertes Blütenbouquet. Opulenter Jasmin, erdig-samtig-pudrige Iris und eine Mischung aus Rose, Patchouli sowie Tonka und Vanille, die mich sehr an einen meiner liebsten Düfte erinnert – Juliette has a Guns Lady Vengeance. Und überhaupt erinnert mich Rose Sauvage an eine gelungene Hochzeit zweier meiner absoluten Favoriten – besagte Rachegöttin sowie Iris Poudre, die ebenfalls Übermenschliche. Florale Frische in einer eigenartigen angewärmten Form, wie in Seide und Kaschmir gehüllt. Und zu allem Überfluss noch eine winzige Spur Tuberose. Ich bin hin und weg.

Rose Suprême, die zweite Rose, zeigt sich für mich auf meiner Haut deutlich chypriert. An eine Rose im Moos muss ich denken, eine zarte, im Halbschatten – das ist das Bild, dass ich zum Duft vor Augen habe. Eine luzide Rose, mit cremig-erdigem Veilchen und samtiger Iris im Gefolge, von herb-frischer Bergamotte beschienen und von Vetiver moosig-grasig umrankt.

Fleur de Nuit weckt vielfältige Assoziationen: Die Blume der Nacht lässt mich sofort an Nachtschwärmer denken, an Baudelaires Werk Les Fleurs du Mal und seinen vielbeschworenen dandyesken Flaneur, der beobachtend durch die Straßen zieht, … hach. Und der Duft enttäuscht nicht: Trocken, warm, süß, scharf und pfeffrig brodelt einem der Auftakt entgegen, und auf eine angenehme Weise animalisch. Sehr eigen- und überaus einzigartig, wobei gleichermaßen absolut tragbar. Nelke? Muskat? Piment? Pfeffer? Gemischt? Dazu kommen noch Rose und Jasmin, jetzt juckt es mich aber und ich wage einen Blick auf die Ingredienzen: Kopfnote: Peperoni (Chili), Muskatnuss, Mandarine, Bergamotte; Herznote: Jasmin, Türkische Rose, Nelke, Anis; Basisnote: Adlerholz (Oud), Sandelholz, Benzoeharz, Vanille, Honig, Moschus, Patchouli, Vetiver, Ambra.

Chili pfeffert also mit Muskat am Anfang und stiftet diese trockene Schärfe, die alsbald ambriert harzig wirkt. Oud hüllt rauchig-holzig-harzig ein, während Vanille cremig-süß untermalt. Harzige Hölzer dominieren den Verlauf, in enger Umarmung mit dem honigverzierten Blütenduo, während der anfänglich trocken-scharfe Unterton den ganzen Duft über bestehen bleibt.

So etwas, meine Lieben, habe ich so noch nicht, vermutlich noch nie gerochen. Das hier hätte auch von Lutens sein können – und zwar vom alten, der noch mit jedem Duft einen echten Knaller produzierte. Denkt bitte an Klassiker wie Chergui – Fleur de Nuit ist meines Erachtens nach durchaus vergleichbar.

Damit möchte ich die Visconti-Serie erstmal abschließen – vorübergehend. Denn jetzt, nach ein paar Testtagen, bin ich doch so überzeugt dass ich Euch auch irgendwann mal in naher Zukunft den Rest der Kollektion vorstellen werde.

Wie sieht es aus, habt Ihr schon getestet? Eure Meinungen?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Michel Gobin (nach 1681): Junger Mann mit Pfeife, Pink Rose von Socyo/Bruno Sersocima, Chili von hejboel/Henrik Jensen, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Viele kleine Italiener – Visconti die Zweite.
In 80 Tagen…
Duftverzeichnis


Viele kleine Italiener – Visconti die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Orientalen,Solifloral am 22.12.2011

Weiter geht es mit Antonio Visconti, jener umfangreichen neuen Kollektion.

Rebel – ein echter Rebell riecht natürlich nach…? Patchouli. Hätte mir klar sein müssen… Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Rebellen und einem Revolutionär? Egal, zumindest sehen sie sich beide als Freiheitskämpfer, soviel lässt sich an Gemeinsamkeit sicher feststellen. Unser Rebell hier hat ein güldenes Patchouliherz und trägt ein großes Feuer in sich, dass ihn zum neuen Patchoulihelden werden lassen kann: Samtig, erdig, süß und mit einer gehörigen Portion Kakao und Puder(zucker) erobert er das Feld, mit glitzernden Mandarinen- und Ylang-Sprenklern bekränzt. Erstaunlich viel Frucht zeigt sich da im Hintergrund – genauso wie ein Röschen, das wohl für die Ideale steht. Keine schlechte Mischung, Rose und Patchouli, wir kennen es von L’Artisan Parfumeurs Voleur de Roses. Jener Duft unterscheidet sich aber sehr von dieser eher gourmandig angehauchten Variante, die viel mehr an Patchouligrößen wie Mazzolaris Patchouly oder Lutens’ Borneo 1834 erinnern will.

Alhambra verdankt seinen Namen jener maurischen Stadtburg in Granada, die seit den 80ern Weltkulturerbe ist und zu den bedeutendsten Bauwerken der islamischen Kunst zählt. Wenn wundert es da, dass der Duft ein Orientale ist? Die Priorität liegt ganz klar auf der Kombination aus warmen Harzen und kantig-charakteristischem Oud, eine wunderschöne Melange, die von Rosen und Safran veredelt wird. Ein leiser Hauch Bergamotte schimmert in der Kopfnote, Koriander stiftet zarte dunkelgrün-aromatische Anklänge und Patchouli haucht dem ganzen noch mehr erdige Wärme und süße Tiefe ein. Ein Fest für Harz- und Patchoulifreunde, keine Frage.

La Divinia Tubereuse ist der nächste Duft in der Reihe – und geschwärmt habe ich schon bei der Beschreibung in unserem Shop:

„Tuberose, die Göttliche – das würde wohl auch Grenouille so sehen, der Protagonist in Süßkinds bekanntem Roman „Das Parfum“. Tuberose, jene edelste der Blüten, deren Duft so schwierig zu gewinnen ist. Jene, die ihre Seele nicht gerne preisgibt und deshalb so kostbar ist.

Visconti hat dieser Blume, von der schon Baudelaire und Goethe schwärmten, ein olfaktorisches Denkmal gesetzt – die Blüte des Begehrens, deren Duft in dieser Ausfertigung unstillbare Begierde in uns weckt: La Divinia Tubereuse ist ein Meisterwerk und vermag es auf unnachahmliche Art und Weise, all jene Facetten abzubilden, für die man Tuberosen lieben (und auch hassen) kann. Als Inkarnation der Sinnlichkeit präsentiert sich jene Femme Fatale der Flora hier, buttrig-cremig, opulent weißfleischig und wächsern und verdreht so Nasen und Köpfe – Gegenwehr absolut zwecklos.“

Wie Ihr als geneigte Leser wohl bemerkt habt, haben es mir Blümchen in letzter Zeit sehr angetan, allen voran Tuberosen. Eine lange und sehr langsame, vorsichtige Annäherung. Jetzt aber kann ich kaum genug bekommen von dieser gefährlichen großen Blüte. Und La Divina Tubereuse ist ein ganz vorzügliches Exemplar, ein Duft, bei dem ich direkt noch schwach werden könnte, obgleich dieses Jahr schon drei hervorragende Tuberosen bei mir Einzug hielten. Im Auftakt für kurze Zeit schüchtern und grün taut unsere Diva alsbald auf und offenbart ihr eigentliches Naturell: Sinnlich und fleischig zeigt sie sich, wächsern weiß und nach allerfeinster Buttercreme duftend, von likörig-beschwipsten Noten und fruchtigen Anklängen begleitet. Ein erdiger Hauch umweht sie, latent umhüllt von versteckt karamelligen Akzenten.

Diese Tuberose, der jegliche mentholisch-metallisch-scharfen Noten fehlen und der auch jenes pilzige Moment, das in Gardeniendüften oftmals hervortritt, abgeht, muss sich nicht verstecken vor der Konkurrenz. Und erst recht nicht vor den großen Tuberosennamen – Viscontis Tuberose spielt meines Erachtens nach in der ersten Liga – und das obgleich es da draußen einige exzellente Tuberosen gibt wie ihr wisst.

Morgen geht es weiter mit Herrn Visconti – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Alhambra von Solipsist/Andrew Dunn, Tuberose von Pkgmohan, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Viele kleine Italiener – Visconti die Dritte.
In 80 Tagen…
Duftverzeichnis


Eau de Fröhliche – Teil 1.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Orientalen am 17.08.2011

Ist sie jetzt völlig durchgedreht, ein Weihnachtswasser im Winter Sommer? Das wird sich der eine oder andere denken. Und ja, zugegebenermaßen, der Name erinnert spontan an Weihnachten, aber eigentlich ist er ganz wörtlich zu nehmen: Heiter geht es bei diesem Duft zu, und das obgleich die Hauptrolle von Weihrauch gespielt wird. Aber beginnen wir zuerst einmal von vorne – und zwar mit Erik Kormann.

Dessen Name und Person dürfte einigen Duftfans und/oder Berlinbesuchern ein Begriff sein: Erik Kormann schreibt das meines Erachtens nach ganz hervorragende Aromatische Blog, ein Blog über Düfte, duftende Rohstoffe und die hohe Kunst des Parfumhandwerks. Letzterem widmet er sich auch selbst mit Begeisterung und kreierte bereits Juli, August und September, drei Düfte, die den Anfang einer Monatsserie bilden. Diese Düfte kann man auch erwerben, und zwar in Kormanns wunderschönem Ladengeschäft, welches er seit 2001 mit seiner Partnerin Xenia Trost betreibt: 1000 & 1 Seife heißt die Seifenwerkstatt, die mittlerweile in den Rosenhöfen direkt am Durchgang zu den Hackeschen Höfen zu finden ist.

Dort findet man jede Seife, die das Herz begehrt: Von der „normalen“ Handwaschseife über die Shampooseife, Babyseife, Peelingseife, Rasierseife und viele mehr – alle mit viel Liebe handgefertigt und in individuell gestalteten Verpackungen zu erwerben. Man wird kaum eine Seife finden, die Erik Kormann nicht herstellen und bieten kann. Viele davon zeigt er in seiner stetig wachsenden Seifensammlung mit Exponanten aus aller Welt, die sich vor Ort bestaunen lassen. Zu den Klassikern des Hauses gehören unter anderem die „ZimtZiege“, eine Seife mit Ziegenmilch und Zimtaroma, „Tabula Rasa“, eine Peeling- und Rasierseife für Männer mit einem sanften Vetiver- und Kardamomaroma, „Kaffeeklatsch“ eine Seife, die unangenehme Küchengerüche von den Händen entfernt, „Mama Mia“, eine Seife für die besonderen Bedürfnisse Schwangerer und noch etliche weitere.

Der sympathische Erik Kormann selbst scheint ganz offensichtlich eine schillernde Persönlichkeit zu sein: Im Jahre 1966 geboren, betätigte er sich nach seiner schulischen Laufbahn als Tischler, archäologischer Ausgrabungstechniker, Kameraassistent sowie Bildjournalist, absolvierte ein Magister-Studium mit den Fächerschwerpunkten Kulturwissenschaft, Ästhetik, Gender-Studies als auch Musikwissenschaft und – stolperte natürlich irgendwann über Düfte, wie man an seinen jetzigen Tätigkeiten ablesen kann. Eine glühende Passion für Duftendes – das kennen wir doch irgendwoher…

Wie der Zufall es so wollte bekam Kormann vor nicht allzu langer Zeit nun ein Weihrauchöl in die Hände – und stellte sofort fest, dass er da einen ganz besonderen Schatz gefunden hatte: Tiefdunkel, dickflüssig und von einer merkwürdigen Süße – dieser Weihrauch zeigte sich von ganz besonderer und seltener Qualität, war einer wie keiner. Und Kormann, der zu diesem Zeitpunkt schon geübter war im Kreieren von Düften beschloss, den Weihrauch mit der Welt zu teilen und aus dem Bottich voll reinen Weihrauchglücks Düfte herzustellen.

Seine Intention war es, diesen kostbaren Rohstoff auf ganz besondere Art und Weise umzusetzen: Ein orientalisches Parfum sollte es sein, und zwar eines, dass nicht nur die Natur des Weihrauchs an sich, sondern die jenes ganz speziellen Öls einzufangen vermag. Denn Kormann war (und ist) ganz eingenommen von diesem Stöffchen, und das, obgleich er sich selbst nicht unbedingt als Weihrauchliebhaber bezeichnete – davor, vor diesem Öl, wie er betont.

Gesagt, getan – Eau de Fröhliche ist fertig, endlich. Und Herr Kormann hat sich dazu entschieden, den Duft mit uns zusammen zu verkaufen, worüber wir uns ganz außerordentlich gefreut haben.

Herr Kormann war so lieb, mir darüber hinaus Rede und Antwort zu stehen, mir ausführliche Informationen zu seinem Duft zu erzählen und auch zu schreiben. Jene möchte ich in jedem Falle für Euch einbinden, da sie ein Hintergrundwissen vermitteln, welches für Euch Duftfans sicherlich interessant sein dürfte.

Heute belasse ich es erst einmal mit der Vorgeschichte zum Duft, morgen erwartet Euch dann die genaue Beschreibung des Duftes sowie dessen Herstellungsprozesses.

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Fröhliche Ostern…
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Eau de Fröhliche – Teil 2.


Mona di Orios Vorliebe…

für den goldenen Schnitt hatten wir ja bereits vor nicht allzu langer Zeit kennengelernt – im April diesen Jahres berichtete ich über die Einführung ihrer neuen Kollektion Les Nombres d’Or:

Der goldene Schnitt… oder auch die Göttliche Teilung stellt ein bestimmtes Strecken-/Größenverhältnis dar, welches ideale Proportionen vorweist und insofern seit der griechischen Antike als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie und somit auch Schönheit gesehen wird. Der Goldene Schnitt wird nicht nur in der Kunst, der Architektur, der Malerei, der Photographie usw. angewendet, er kommt auch in der Natur selbst vor. Und war, wie ich bereits letztes Jahr berichtete, die Inspiration für Mona di Orios neue Duftkollektion Les Nombres d’Or. Nach eigenem Bekunden half der Goldene Schnitt ihr, Schönheit zu verstehen, eine diesbezügliche Perspektive zu finden.

Ambre, Musc und Cuir (Leder) machten den Anfang jener Kollektion, die Madame di Orio nun flugs um (gleich) drei weitere Düfte ergänzt hat: Vétyver, Vanille und Tubéreuse. Nachdem mich das erste Trio bereits positiv zu überraschen wusste habe ich mich für Euch umgehend ins Getümmel gestürzt und getestet…

Vétyver war mein erster Testkandidat und wird das Herz eines jeden Freunds dieses Grases sicher höher schlagen lassen: Hier sehen sich alle Facetten des wunderbaren Vetivers vereinigt – bittere Herbheit, grüne Grasigkeit, verhaltene Rauchigkeit, eine gewisse, an Minze gemahnende Frische, krautige Trockenheit. Perfekt gewählt erscheinen die Zutaten, welche die verschiedenen Seiten des Vetivers zum Strahlen bringen: Ingwer stiftet frisch-herbe Fruchtigkeit und unterstreicht die Trockenheit, Grapefruit spendet salzige sowie zitrisch-säuerliche Anklänge, Muskat würzt pfeffrig akzentuierend und Muskatellersalbei verleiht einen subtil-floralen Anstrich.

Je länger ich den Duft auf der Haut habe, desto mehr Verwandte fallen mir ein – und die sind wirklich alle blauen Blutes: Chanels Sycomore, The Different Companys Sél de Vetiver sowie Malles Vetiver Extraordinaire. Und eine Prise des göttlichen Route du Vétiver von Maître Parfumeur et Gantier. Allerdings – der alten Variante, meines Erachtens nach hat sich der Duft nämlich verändert die letzten Jahre, sachter ist er geworden, gefälliger, leider. Aber zurück zu Mona di Orios Vétyver: Ich als Vetiver-Fan bekomme natürlich nie genug und habe die Nase noch lange nicht voll von dieser herrlichen Zutat. Und könnte mir durchaus vorstellen, dass dies hier Vetiver-Duft XY in meinem Repertoire werden könnte.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Ingwer, Grapefruit; Herznote: Muskatnuss, Muskatellersalbei, Labdanum (Zistrose); Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Moschus, Patchouli, Virginia-Zedernholz.

Vanille nun wiederum gehört nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Ingredienzen, obgleich es einige vanillezentrierte Düfte gibt, die auch mich für sich einzunehmen vermochten – wen es interessiert, es waren oder vielmehr sind: Annick Goutals Vanille Exquise, Diptyques Eau Duelle und Bois 1920 La Vaniglia. Wenn wir im übrigen gerade bei Bois 1920 sind: Bois 1920 sowie Odori gehen sehr zu meinem Bedauern vom Markt, die Produktion wurde bereits eingestellt. Wer noch einen Duft braucht sollte sich jetzt schnellstmöglich eindecken, bald gibt es sie nicht mehr.

Die Inspiration zu Vanille liest sich ähnlich wie die zu Lubins Idole: Gewürzstraße, ein altes Schiff, das gen Madagaskar unterwegs ist oder irgendwo anders dort herumschippert und kostbare Ladung in seinem Bauche trägt – Rumfässer, Orangen, Vanilleschoten, Ylang-Ylang, Gewürze, Sandelholz und dergleichen.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Rum, Bitterorange, Nelke; Herznote: Vanille, Guajakholz, Ylang-Ylang, Tolubalsam, Petitgrain; Basisnote: Vetiver, Sandelholz, Tonkabohne, Leder, Moschus, Ambra.

Vanille wird als Gourmand beschrieben – und letztendlich ist der Duft das auch, irgendwie. Aber nicht das, was sich Zuckerschnuten und Süßmäuler normalerweise darunter vorstellen – uns erwartet hier weder keksige Fröhlichkeit noch ausgelassene Milchspeiseheiterkeit. Den Auftakt übernehmen wie bei der Weihnachtsbäckerei Bitterorangenschalen, die sich alsbald in einer Rumbowle wiederfinden. Gewürznelke satt, pfeffrig-scharf und trocken, später in ambrierter Gesellschaft, während Vanille und Tonkabohne sanft wärmend die Zeit versüßen. Hölzer und Vetiver zeichnen einen Hintergrund von rauchiger Holzigkeit, ich kann die vielen verschiedenen Fässer im Rumpf des Schiffes richtig riechen… die im übrigen auf einem opulenten, würzig-warmen Vanillebett lagern. Diese wird nämlich immer präsenter im Laufe der Zeit. Und verharrt bis zum Ende in inniger Umarmung mit einem Lederchen, welches meiner Ansicht nach von einer Weihrauchaura umweht wird.

Ein Abenteuerduft in bester Tradition eines sehr trockenen Gewürzorientalen. Müsste ich eine grobe Richtung benennen würde ich erinnern an Malles Noir Épices, Sinfonia di Notes Poudre d’Épices und Washington Tremletts Clove Absolute, vielleicht auch Villoresis Garofano. Eine Prise Micallefs Gaïac dazu und einmal von Herrn Lutens umgerührt – fertig. Und sehr sehr nett. Durchaus in der Tradition jener von mir oben genannten eher unkonventionellen Erwachsenen-Vanille-Variationen, was mich meine Vanilleliste nun um einen weiteren Duft erweitern lässt.

Tubéreuse ist der dritte Duft im Bunde. Von der Parfumeurin „Tuberose der Dämmerung“ getauft soll sie eine grünere und frischere Tuberoseninterpretation darstellen und ist in der Tat ein sehr zivilisierter Weißblüher: Zitrische Herbheit der Bergamotte von Pfeffer kokett kontrastiert, dezente, leise aufblitzende grün-minzige Anklänge. Im Herzen von cremig-weicher, vanillig-mandelig kredenzter Tuberose geprägt, die durch Kokosnuss süß-würzige Akzente erfährt. Die Basis vertieft die vorherrschende Weiche und Wärme.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Rosa Pfeffer; Herznote: Tuberose, Heliotrop, Kokosnuss; Basisnote: Benzoeharz, Moschus.

Eine schöne und absolut tragbare (!) Tuberoseninterpretation, mit der sich sicher sowohl Freunde als auch Feinde dieses Weißblühers anfreunden können.

Im übrigen an dieser Stelle Kompliment an Madame di Orio – mir imponiert diese ihre neue Kollektion. Vielleicht sollte ich mir ihre früheren Kreationen doch nochmals näher anschauen…

Grübelnde Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquellen: Pirate Ship von tap78/Tomasz A. Poszwa, Tuberose von Aruna, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Les Nombres d’Or-Kollektion in unserem Shop.

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Der Goldene Schnitt…
Freitagsverlosung.
Duftverzeichnis L – Z


Asche auf mein Haupt…

Geschrieben in Chypre,Duft,Orientalen,Reines und Pudriges am 24.06.2011

Kennt Ihr das auch? Manchmal gibt es sie einfach, diese Düfte oder auch ganze Häuser, die einen aus manchmal sehr bewussten Gründen, oft aber auch aufgrund von völlig unreflektierten Ursachen nicht brennend interessieren, für eine Zeit (ein sehr dehnbarer Begriff, ich weiß…) unter den Tisch fallen, aus dem Radar entschwinden. Und irgendwann fällt man dann über jenen Duft oder eben auch einen Duft jenes Hauses, wie es der Zufall so will – und schämt sich. Weil man ein Juwel verpasst hat, manchmal sogar viel zu lange. Weil man sich fragt, wieso. Und keine triftigen Antworten auf diese Frage kennt.

Eines dieser Häuser bisher war bei mir – ich gestehe: Nobile 1942. Einen Grund dafür gibt es keinen, nein. Oder, vielleicht, wenn ich einen an seinen Haaren herbeiziehen sollte – die zum Teil hochkomplizierten Namen der Düfte: Vespriesperidati beispielsweise – ich kann es mir mit meinem kläglichen, aus dem Französischen abgeleiteten Rudimentärverständnis der italienischen Sprache einfach nicht merken, sorry. Aber das kann ja eigentlich kein Grund sein, trotzdem nicht. Rückblickend kann ich lediglich sagen, dass die Dame von der Messe überaus nett und sympathisch war und dass ich die damalig erschienene Kinderkollektion Alla Corte del Re ebenfalls sehr ansprechend fand und niedlich von der Idee her. Darüber hinaus hatte ich auch ständige Erinnerungen: Die liebe Margot, die einige aus den Kommentaren kennen dürften, hat mich mehrfach daran erinnert und immer wieder dazu animiert, ich solle doch mal oben genanntes Düftchen testen und am besten gleich rezensieren. Des weiteren steht auch eine unbestritten sehr hübsche Abfüllung des Lavendelduftes Lavanda Nobile in meinem Duftschränkchen, die ich mir aus aktuellem Anlass doch noch sehr viel genauer unter die Nase klemmen werde.

Den aktuellen Anlass stellen zwei Neuveröffentlichungen des Hauses dar, die ich dieser Tage ausführlich getestet habe – und siehe da, zwei Perlen: Die Rede ist von Chypre 1942 Fragranza Suprema und Muschio Nobile. Zugegeben, keine besonders auffälligen Namen, ich weiß – wartet es aber ab meine Lieben!

Chypre 1942 hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Orangenblüte; Herznote: Tuberose, Jasmin, Damaszener Rose, Styraxharz; Basisnote: Moschus, Ambra.

Während der Duft sich auf meiner Haut alsbald erwärmt, zeigt er sich als auf dem Teststreifen noch länger in fruchtigen Hesperidenträumen verharrend. Hernach galoppiert jenes prachtvolle Düftchen schnell los ins von der Basis erhitzte Herz, ausladend von Blüten geziert: Jasmin, Tuberose und edle Damaszener Rose tun ihr übriges, ein altbewährtes Team – verführerisch, betörend, einlullend und gleichzeitig mit frischen Akzenten beschert, die einen schönen Gegenpol zu der warmen Harzbasis darstellen, die sich von moosigen Anklängen und Leder umrahmt sieht.

Chypre 1942 ist ein orientalisch angehauchter Chypre voller Eleganz, ein Bouquet ausladender Blüten, dessen Charakter deutlich weißfloral geprägt ist, von Ledernoten gesäumt, von rauchig-warm schwelender Harzsüße und würzigem Ambra getragen. Für mich von 0 auf 100 eines der besten Pferde im Stall der klassischen Chypredüfte und ein wirklich exzellenter Vertreter seiner Gattung.

Das ist auch der Duft, der sich hinter dem schlichten Namen Muschio Nobile verbirgt – und das aus meiner Feder, bin ich doch nicht gerade als großer Moschusliebhaber bekannt. Ein paar nenne ich mein Eigen, genauer: Anamor All that matters, Etro Musc und Narciso Rodriguez Musc Collection EdP Intense, das war es dann fast auch schon. Meist sind sie mir zu weich, kuschelig und – nun, unaussagekräftig, die Kandidaten. Und einen richtig dreckigen Moschus, der mich aus den Socken haut, den habe ich leider noch nicht gefunden – da bleibe ich so lange bei Malles erotischem Musc Ravageur, meinem letzten Moschus.

Muschio Nobiles Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Kardamom, Lavendel; Herznote: Lavendel, Maritime Noten, Guajakholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Benzoeharz, Eichenmoos.

Die Zutaten habe ich jetzt verraten – um sie sofort sträflich zu vernachlässigen, denn eigentlich sind sie mir völlig gleich: Frisch aufgesprüht rieche ich noch ein paar Spritzer Hesperiden, eine sachte zitrische Fruchtfrische, danach geht der Duft aber in ein großes Ganzes über, das ich persönlich nicht mehr auseinanderklamüsert bekomme. Vielleicht muss ich das aber auch einfach mal nicht tun. Ich rieche nur Kuschelmuschel, rieche Moschus, federleicht und hauchzart, sauber und überaus seidig weich, mit sanfter Vanillefärbung und – Madeleines. Frisch gebackene, saftige Madeleines. Vielleicht habe ich zuviel Proust gelesen, dessen Ich-Erzähler in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ seitenlang über den Geschmack von in Tee getunkten Madeleines schwärmt, die ihn an seine Kindheit erinnern (siehe hier), ich weiß es nicht – für mich ist Muschio Nobile wie ein olfaktorischer Kuss, Geborgenheit vermittelnd und Sicherheit sowie große Zuneigung. Muschio Nobile ist wie nach Hause kommen. Und stimmt so glücklich.

Normalerweise not my cup of tea – dieser Duft muss aber sehr sicher her. Und der Rest der Nobile 1942-Kollektion wird demnächst ebenfalls beäugt, mal sehen, was ich sonst noch für Knaller übersehen habe, schändlichst.

In diesem Sinne – beschämte, verschämte und schwärmerische Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Madeleines de Commercy von Bernard Leprêtre via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Nobile 1942-Kollektion in unserem Shop.

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Von infernalischen Feuern…
Meine ganz private Soap-Opera – Warum Seifen gerade ein Revival erleben
Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.


Die Damen von Brecourt – Teil 2.

Nachdem ich vor Pfingsten bereits die ersten Damendüfte der Brecourt-Kollektion vorgestellt habe, Eau Blanche und Eau Trouble, folgen heute und morgen die restlichen Weibsen. An der Reihe sind heute die Orientalen, für die Emilie Bouge, die Nase hinter Brecourt, wohl wie sie selbst sagt eine besondere Schwäche hat: Ambre Noir, Agaressence und Harâm.

Ambre Noir, der Dunkelamber, ist gar nicht so ein düsterer Geselle wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen möchte: Die Sinnlichkeit der Ambra wollte Emilie Bouge herauskitzeln aus dieser kostbaren Ingredienz:

„The sensuality of this ingredient is as mysterious as a love potion with all its magnetic and solar powers.“

Mysteriös wie eine Liebestrunk – haach… Dafür sorgte Madame mit folgenden Zutaten: Kopfnote: Bergamotte, Magnolie, Myrrhe; Herznote: Sandelholz, Iris, Ambra, Labdanum; Basisnote: Ambra, Vanille, Moschus.

Ich würde behaupten wollen, dass das ziemlich gut gelungen ist: Harziger Pluralismus, opulent, aber nicht krachend. Warme Süße und süße Wärme, trocken, würzig, cremig, samtig und von zarten Blüten umrankt. Magnolie tritt in der Tat deutlich hervor – und ergänzt sich wider Erwarten, ich hätte es nicht gedacht, hervorragend mit der vorherrschenden Wärme, die immer angenehm ist, aber niemals zur Hitze wird. Ein sanfter und trockener Ambrageselle mit floralen Touch.

Heutzutage muss eine Kollektion, wenn sie etwas auf sich hält, in jedem Fall einen Oudduft zu bieten haben. So gibt es eben jenen auch bei Brecourt – Agaressence ist sein Name und er hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Safran, rosa Pfeffer, schwarze Johannisbeere, Pflaume, Oud; Herznote: Tuberose, Rose, Ylang-Ylang; Basisnote: Oud, Gurjanholz, Jatamansi, Amyrisholz, Sandelholz, Zibet.

Ihre Inspirationen zu diesem „floriental-fruchtig-holzigen“ Duft holte sich Madame Bouge direkt vor Ort im arabischen Land – in Dubai:

„I was walking through a souk in Dubai one morning when I was overcome by the bakhour fumes emanating from a nearby shop that was diffusing a strong odour of Oudh. Time seemed to have stopped. This was the first time that a fragrance has affected me so strongly.“

Einen tiefen Eindruck hat die Ingredienz Oud bei ihr hinterlassen – ich kann es gut nachvollziehen, denn mir geht es genauso. Jedoch wird einen die eigene Erwartungshaltung an Agaressence enttäuschen, nimmt man den Namen zu wörtlich: Oud ist vorhanden, keine Frage, aber der Duft ist vielmehr ein femininer Florientale mit ausgeprägt fruchtigen Anklängen. Ein betörendes Blütenbouquet, flankiert von opulenten Pflaumennoten sowie kontrastierender schwarzer Johannisbeere, auf einem Teller von samtenen Hölzern drapiert. Eine sündig-sinnliche Fruchtbombe, aber eher hellerer Natur und nicht so dunkel, mysteriös und unbändig, wie man oder besser: ich mir einen Oudduft vorstellen würde.

Ganz anders ist da Harâm, der für mich eine vortreffliche Hommage an die Duftfamilie der Orientalen ist und es auf wunderbare Weise vermag, all deren Vorzüge zu vereinen. Für Bouge ist es ihre Ode an das Orientalische und, ferner, an die erotische Seite einer Frau:

„My taste for the oriental culture inspired me in this scorching perfume whereby instinct cohabits with refinement. Haram forbids temptation. I wanted to give it as an accessory to the woman who is not afraid to liberate the erotic side of herself.“

Harâm überzeugt, von Anfang an: Trockene Süße umfängt meine Nase, jene von gedörrten und getrockneten Früchten, Datteln und Aprikosen auf dunklem Samt präsentiert neben Gläsern von sämigem Honig. Von der Sonne verblichene Hölzer und Leder zeichnen den Eindruck eines arabischen Marktes, von Ständen in der Glut, von Pferden, Eseln und anderem Getier zwischen kostbaren Gewürzen und Raucherbars an den Ecken.

Meine Lieben, Harâm ist einfach wundervoll: Stellt Euch bitte vor, Ihr wandelt von Serge Lutens Arabie über L’Artisan Parfumeurs Al Oudh nach Serge Lutens Fumerie Turque, welche alle eine Liaison mit Ginestets Botrytis eingegangen sind – reicht das für einen kleinen Vorgeschmack? Für mich einer, genauer: der zweite Star der Linie und für Orientalenfans, die Honig nicht scheuen, ein unbedingtes Must-Try!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Foto von Souk Et-Trouk, Tunis, Tunesien (aufgenommen im Jahre 1899), Carl Spitzweg (ca. 1860): Im türkischen Basar, Jean-Léon Gérôme (1824 – 1904): Dancer with Tambourine, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Damenkollektion von Brecourt in unserem Shop.

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Brecourt…

Geschrieben in Duft,Echte Kerle,Hesperiden,Holziges,Orientalen am 8.06.2011

lautet der Name eines neu oder besser erneut ins Leben gerufenen französischen Hauses. Verantwortlich für die Quasi-Renaissance ist Emilie Bouge, deren Großeltern das Parfumhaus „Bruno Court“ betrieben, einen 1812 in Grasse gegründeten Familienbetrieb. Dieser wurde wohl in den Sechzigern von Mane geschluckt, was das Ende des vorher unabhängigen Hauses bedeutete. Bouge lag somit – wie einigen anderen auch, siehe Patricia de Nicolaï oder auch Romano Ricci (Juliette has a Gun) – das Parfum bereits in der Wiege: Sie wuchs ebenfalls in Grasse auf, wie das Pressematerial ausmalt zwischen wertvollen Baccarat-Flakons und kostbaren Ingredienzen für die Parfums des russischen Zarenhauses. Sie absolvierte natürlich jene klassische Ausbildung, die so gut wie jeder Parfumeur von Rang und Namen hinter sich hat: Ein Studium an der legendären, von Jean-Paul Guerlain gegründeten ISIPCA. Bevor sie sich nun einen Lebenstraum erfüllte und das Erbe ihrer Familie mit ihrer Firma Brecourt wieder aufleben ließ, arbeitete sie für Charabot und kreierte unter anderem Düfte für Clarins, Esteban, Salvador Dalí, Isabel Derroisné und weitere.

„From my first trials, each of my creations bears a part of an ccomplishment in a job which I always dream of. Through my company, Brécourt, I wanted to freely explore all the modern contours of a polysensorial formulation. If the olfactive emotion is a subtle amalgam between the fragrance, a person and a context; I see the context as the most important emotional vector because it recalls to mind all the memories of the other senses: this had been my major inspirational source. I have therefore put into a bottle the places and the special moments to highlight the personality of those who might take pleasure in it. To feel a scent is to explore humanity from the inside.“

Düfte, Emotionen, Gefühle – nicht neu, aber immer wieder zutreffend. Und Frau Bouge war enorm fleißig: Elf Düfte umfasst ihre Brecourt-Kollektion zu deren Beginn, sieben als Damen- und vier als Herrendüfte klassifiziert – diesen widmen wir uns diese Woche.

Nachdem sonst immer die Frauen zuerst dran sind beginne ich diesmal mit den Herren, genauer: mit den ersten beiden Herrendüften: Mauvais Garçon und Esprit Mondain.

Mauvais Garçon, in etwa „böser Junge“ ist natürlich ein kokett gewählter Name, und wenn man Bouges Zeilen dazu ließt, würde man doch gerne etwas mehr zu den Hintergründen des Duftes wissen:

„He thought that he could seduce the whole world with his physique and virile attitudes. He almost convinced me by his guile and polish. Too late, I realised that he is a bad boy…“

Ein Verführer, der ihr den Kopf verdrehte? Eine leidenschaftliche Liaison, eine verflossene Liebschaft oder Affäre? Was da vorgefallen ist werden wir nie erfahren, denke ich… Dem Duft nach zu urteilen muss es aber äußerst reizvoll gewesen sein: Ein Hesperidenspritzer in der Kopfnote hält sich der Duft nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und kommt alsbald zur Sache. Streng-muskulöser Lavendel, eine Prise Muskat und Zimt für die Schärfe, ein Hauch floraler Träume, nicht näher definiert und – jede Menge Haut, weiche, warme und süße Haut, von der Basis aus Sandel- und Zedernholz, Patchouli sowie Tonkabohne und Vanille vortrefflich gezeichnet und von einer sehr erotischen… Würze.

Als „oriental, woody, spicy“ würde ich persönlich den Duft nicht bezeichnen. Aber viril, maskulin, roarrr – das kann ich definitiv unterschreiben. Und das obgleich ich Vanille an Männer tatsächlich nicht schätze – normalerweise… Mauvais Garçon allerdings ist was anderes, sozusagen die wirklich männliche Variante von Givenchys Pi – falls mein alter Kumpel Arthur mitlesen sollte: Kaufen! Tragen! [Anmerkung am Rande: Auch wenn Du vermutlich kein solches Sixpack mehr hast wie auf dem Pressefoto...]

Esprit Mondain, der mondäne Geist, das hört sich nach einem noblen Gemüt an – und in der Tat, der Duft ist der (männlichen?) Eleganz gewidmet, für Bouge eine gekonnte Mischung aus Dezenz und Präsenz:

„For me, the height of elegance is to know when to symbolise/trace a discreet presence when the occasion calls for it. Worldly Spirit is a school for rigeur, serenity and delicacy.“

Mir war eigentlich schon vorher klar, was für eine Art Duft mich hier erwartet und Madame Bouge enttäuscht meine Erwartungen keinesfalls: Die frische Kopfnote, nach der es ihr gelüstete, ist ihr hervorragend gelungen – Zitrone, hell, prickelnd, zitrisch, und Galbanum, mit dezenten minzigen Waldmeisteranklängen, die in ihrem Zusammenspiel eine leicht aquatische (aber angenehme!) Note generieren und von einer Prise Pfeffer fachmännisch akzentuiert werden. Keine Ahnung, wo jetzt der Cabernet-Sauvignon-Akkord sein soll – davon kann ich mir höchstens ein Glas in der Hand dieses George-Clooney-Verschnittes vorstellen, der damit auf einer Terrasse irgendwo in mediterranen Gefilden steht in seinem Leinenanzug mit leicht geöffnetem Hemd und gebräunter, warmer Haut – ambrierte Zeder – und einfach nur gut aussieht.

Morgen geht es weiter mit den beiden restlichen Brecourt-Männern – bis dahin viele liebe Grüße und einen guten Start in die Woche -

Eure Ulrike.

Bildquelle: Die neueste Dandymode aus dem Journal des Dames et des Modes von 1831, Terrasse von Cerland, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Herren-Kollektion von Brecourt bei uns in unserem Shop.

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Opus V aus dem Hause Amouage…

Geschrieben in Duft,Holziges,Orientalen,Solifloral am 8.04.2011

… widmet sich vorrangig einer, von der man getrost sagen kann, dass sie wie keine ist: Der Iris oder auch Schwertlilie und somit einem echten Schwergewicht – nicht nur im Hinblick auf die Parfumeurskunst.

Über ihre jahrhundertealte Verwendung als Heilkunst ist vieles bekannt. Weniger schmeichelhaft hierbei ist, dass vor allem die Wurzel der Veilcheniris, die in der Parfumherstellung früher wie heute gerne verwendet wird und aufgrund ihres veilchenartigen Duftes in den meisten frühen Veilchendüften Verwendung fand, gerne als Brechmittel eingesetzt wurde – das nur ganz nebenbei. Gemeinhin blickt die Iris auf eine lange Kulturhistorik zurück, vor allem in der Kunst: Im Mittelalter war sie aufgrund der ihr allgemein zugeschriebenen Reinheit und Unschuld, Sittsamkeit und ihrer Leidensfähigkeit, was aus ihren schwertförmigen Blättern abgeleitet wurde, häufig in der Mariensymbolik vorzufinden. Darüber hinaus ist sie Vorbild für das Lilienzepter, jene stilisierte heraldische Lilie, welche in ihrer vereinfachten Form ebenfalls eine metaphysische Anspielung ist – auf die heilige Dreifaltigkeit. In Frankreich hat sie seit je her in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung, da man die Fleur-de-Lys (Lilienblüte) schon immer mit der französischen Monarchie verbindet. In Japan galt die Lilie als Blume des Siegers oder vielmehr des Sieges, was sie zu einem begehrten Motiv für den Jugendstil werden ließ mit seiner Nipponverehrung. In Ägypten war sie die Blume der Gottheiten Osiris und Horus und ihren Namen verdankt sie ebenfalls einer edlen Abstammung: Der gleichnamigen griechischen Gottheit und Götterbotin, jener Mittlerin zwischen Himmel und Erde, die für den Regenbogen steht (was im Griechischen, na was wohl, Iris heißt).

Und, um wieder in den Bereich des Olfaktorischen zu wechseln: In diesem nimmt sie ebenfalls eine bedeutsame Stellung ein. Nur eine Handvoll der über dreihundert verschiedenen Sorten werden für die Parfumherstellung verwendet – die oben genannte Veilcheniris, Iris Florentina oder Florentiner Schwertlilie, Iris Germanica, die deutsche Schwertlilie und natürlich die Königin Iris Pallida, die bleiche Schwertlilie. Ob Odins 04 Petrana nun nur eine Hommage an die schwarze Iris, die Iris Nigricans war oder diese auch wirklich verwendet wurde konnte ich noch nicht herausfinden – das war nämlich noch einer der Gedanken, der mir zum Thema durch den Kopf huschte. Die Destillation der Wurzel ist nicht einfach und braucht Zeit – somit ist Iris teuer und kostbar, einer der eher kostspieligeren Rohstoffe.

Und einer, der, adäquat umgesetzt einen wahrlich göttlichen Duft entwickeln kann, obgleich Iris so viele Facetten haben kann: Erdig kann sie wirken und samtig, hell, luzide, metallisch und kalt oder warm, pudrig und an Make-up erinnernd, sie kann papiern wirken, trocken, seltsam karottig-süß oder auch staubig. Manchmal weist sie Gourmandanleihen vor, kann bisweilen grün oder grau wirken und zum Teil milchig-cremig oder auch ledrig. Und an Beispielen exzellenter Düfte mangelt es auch nicht: Guerlains Klassiker L’Heure Bleue oder Chanels No. 19, Hermes Hiris, Serge Lutens Iris Silver Mist, Iris Gris von Fath, Iris Pallida von L’Artisan Parfumeur, bei Maître Parfumeur et Gantier findet sich Iris Bleu Gris und Fleur d’Iris sowie bei Heeley die Iris de Nuit, ein Duft namens Bois d’Iris findet sich sowohl bei The Different Company als auch bei Van Cleef & Arpels. Und da wären dann noch die ausgefallenen Interpretationen wie Andy Tauers leider vergriffener Duft Orris und LeLabos Iris 39.

Amouage nun wenden sich mit Opus V ebenfalls der Iris zu, auch wenn vordergründig vielleicht bei einem Blick auf die Ingredienzen Oud zuerst ins Auge stechen mag: Kopfnote: Iris, Rum; Herznote: Iris, Rose, Jasmin; Basisnote: Adlerholz (Oud), Zibet, Hölzer.

Die offizielle Beschreibung dazu lautet:

“This floral and woody neoclassical masterpiece is arresting, paying tribute to haute parfumerie while still remaining germane to modern day living. The raw and classical beauty of Orris and the seductive resonance of Agarwood strike a perfect balance that allows each to manifest symphonically in a trance-like aura while the juxtaposition of Rum and Rose in the top and heart notes expresses many nuances; fragmented yet unremitting in an ingenious composition. The fragrance is rounded off with an opulent leathery and woody base”

Ein floral-holziges neoklassizistisches Meisterwerk, dass sich um Iris und Oud/Adlerholz dreht und, wie man weiter lesen konnte – der modernen Zeit gewidmet ist: Einer Zeit des Internets, der Globalisierung und Globalität, der Vernetzung, der Kommunikation und so weiter… Erinnert mich an Heraklits Panta rhei, alles fließt, alles ist permanent im Fluss, in Bewegung. Ich finde es schon schwer, diese Ode (?) an jene Zeitphänomene mit einem Duft zusammenzubringen, rein gedanklich. Noch schwerer allerdings fällt es mir, den Zusammenhang mit beziehungsweise zu einem Amouage-Duft herzustellen, da dazu ein wesentlich, nun, avantgardistischerer, moderner, puristischer Hersteller mit einem anderen Image, auch einer anderen Bildsprache usw. gehören würde – zumindest für mich. Beim Testen des Duftes wird mir diese Inspirationsquelle auch nicht klarer, deshalb werde ich sie einfach geflissentlich ignorieren.

Im Auftakt weht mir eine luftige, leicht metallische Iris entgegen, perlend, mit dezenten erdigen Untertönen, welche alsbald Verstärkung bekommen von den typischen Oudanklängen. Eine seltsame Süße, gepaart mit Erde, ja, auch Schmutz. Likörige Anmutungen dringen hindurch, helle Rumnoten, ähnlich wie in Lubins Idole und by Kilians Straight to Heaven, weit weniger heftig aber als in Frapins 1697. Ich vermeine auch abstrakt fruchtige Akzente wahrzunehmen, weshalb mich der Duft kurzfristig an eine Melange aus Juliette has a Guns Midnight Oud (exklusive des Patchoulis) und den angesprochenen Odin 04 Petrana erinnert. Jener Eindruck verfliegt – was bleibt ist eine Melange aus einer feinen smoothen und femininen Iris, wie ich sie in Frédéric Malles Iris Poudre liebe, die sich allerdings hier in einem Luxusledermäntelchen mitsamt einem Gläschen Rum in der Hand präsentiert. Und jene lehnt nicht alleine an der Bar, sondern hat natürlich ein echtes Alphamännchen an ihrer Seite: Mächtiges Oud, holzig, balsamisch, seine eigenartige Süße charmant verströmend und geerdet. Die Schöne und das Biest – was will man mehr?

Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinungen zu dem Duft.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende -

Eure Ulrike.

Bildquelle: Franz-Eugen Köhler (1897): Köhler’s Medizinal-Pflanzen / Blasse Schwertlilie, Johann Georg Sturm (1796): Deutschlands Fauna / Iris Pallida, Joseph Jacobs John Dickson Batten (1916): Europa’s Fairy Book, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Amouage V in unserem Shop.

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Duftverzeichnis


Poire Belle Hélène…

Geschrieben in Chypre,Duft,Fruchtiges,Gourmand,Leder,Orientalen am 1.04.2011

… ist die französische Bezeichnung für jenes wundervolle Dessert, das bei uns Birne Helene heißt. Wird einem heute meist irgendein zusammengepanschter Haufen mit Birne, häufig noch aus der Dose, serviert, der in Sahne und Instantschokosauce zu ertrinken droht, ist das Original tatsächlich eine gar deliziöse Angelegenheit: Frische Birnen in Zucker pochiert, nach dem Auskühlen mit Vanilleeis angerichtet und gesäumt von kandierten Veilchen sowie überzogen von einer heißen Schokoladensauce – mmmmmhh!

Bei all den komischen Verschnitten, die einem diesbezüglich so serviert werden, muss ich immer an den grandiosen Loriot als Heinrich Lohse in Pappa ante Portas denken, der seiner Frau Renate (natürlich dargestellt von Evelyn Hamann) im Verlauf des Films den letzten Nerv raubt. Unter anderem schafft er das vor allem mit seiner Pedanterie, welche er auch im Bezug auf das Dessert Birne Helene auslebt, siehe hier (Szene kommt ganz am Schluss):

Ob nun Apfel, Pfirisch oder Birne – der eigentliche Schöpfer der Birne Helene hat sie wohl alle adäquat „verwurstet“: Auguste Escoffier, der als Gründer der modernen Grande Cuisine gilt, mit dem Guide Culinaire die Grundlage für die Kochkunst des 20. Jahrhunderts schuf und in legendären Hotels und Restaurants wie dem Savoy und dem Ritz kochte, erfand nicht nur das Dessert Birne Helene, sondern auch den Pfirsich Melba sowie einige andere bahnbrechende Kreationen. Die Birne Helene im übrigen wurde 1870 kreiert – zu Ehren der Uraufführung von Jacques Offenbachs Operette „Die Schöne Helena“ in Paris.

Kommen wir aber nun zu meinem eigentlichen Anliegen: Parfums MDCI haben gerade, wie ich neulich schon ankündigte, ihren zehnten Duft lanciert – La Belle Hélène, eine Hommage an die Birne Helene. Ich hatte das Thema des Duftes folgendermaßen beschrieben:

Der Fokus liegt bei diesem Duft, für den man den momentan omnipräsenten Bertrand Duchaufour verpflichtet (was ihn natürlich noch interessanter macht…) auf Osmanthus, jener eigenartigen Blüte mit ihrer aprikosig-ledrigen Anmutung. Duchaufour hat daraus wie man liest eine helle Schönheit gemacht, die sich auf zwei lichte Gourmandsäulen stützt: Die der Birne aus dem Dessert, einer saftigen, grünen und die der aprikosigen Osmanthusnatur. Die Ingredienzen: Birne, Aldehyde, Mandarine, Osmanthus, Limettenblüte, Rose, Ylang-Ylang, Iris, Weißdorn, Pflaume, Mirabelle, Myrrhe, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Ambra, Eichenmoos, weißer Moschus, Sandelholz und Süßholz (Lakritze).

Birnendessert und Gourmand… Ich kann mich dessen nicht entheben und muss sofort an Duchaufours letzten Duft denken, der das Etikett eines Gourmands trug und diesen Begriff sehr weitläufig interpretierte: Der wunderschöne Traversée du Bosphore für L’Artisan Parfumeur, das Irislederchen mit seinem leichten Gourmandanstrich von pudrigem Lokum, den ich hier bereits rezensierte. Auch bei der Birne Helene hier wird wohl kein knalliger Krawall-Gourmand zu erwarten sein – weder bei diesem Parfumeur noch wenn vorab bereits die Rede von chyprierten Anklängen ist, wie ich zwischendurch noch erfahren habe. Aber ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen und komme jetzt dann endlich auch mal zum Duft ;)

La Belle Hélène beginnt gleich mit ihrer Hauptprotagonistin, der Birne: Eine saftige, grüne und fest-fleischige stolze Vertreterin ihrer Gattung, flankiert von einer noch sehr jungen Aprikose. Jene letzte verwandelt sich in einem Zeitsprung im späteren Duftverlauf in ein getrocknetes und dezent süßes Exemplar, dass die papierne Trockenheit der Birne sowie die der alsbald auftauchenden Pflaume versüßt. Kontrastierend zu den verhaltenen Früchtchen gesellt sich etwas, was ich als eine lose Ähnlichkeit zu Traversée du Bosphore bezeichnen würde: Eine gar wundervolle Iris mit samtig-pudrigen Elementen, die von Rosenwasser noch verstärkt und durch eine elegante Ledernote unterstrichen werden, für die auch der hier sehr dunkel und überhaupt nicht fröhlich, sondern sehr sinnlich umgesetzte Osmanthus verantwortlich ist. Noten grüner und kandierter Veilchen säumen das Geschehen, von der Iris herrührend, welches mit einer warmen und dezent, vielmehr: abstrakt orientalischen Basis ausklingt: Ein subtiler Hauch Lakritze auf einem ambrierten Bett von Wattemoschus, sanft holzige Akzente und, ja – ein Chypre-Kissen.

Mir persönlich gefällt La Belle Hélène aus vielerlei Gründen sehr: Diese wunderschön umgesetzte trocken-fruchtige Birne, die Lokum-Anklänge von Rosenwasser und Pudernoten, das Irisledrige und die verhaltenen Orientalenanklängen in der Basis, vor allem aber auch das ambivalent-kontrastreiche Spiel der Osmanthusfacetten, jener fruchtigen Aprikosennoten im Widerschein der dunklen, pflaumig-ledrig gesäumten Seite der Blüte und das ganze noch umgesetzt als moderner Chypre – toll.

Wer Birnen liebt, wird um einen Test nicht herumkommen. Freunde von Herrn Duchaufour, vor dem ich – Chapeau – meinen Hut ziehe, auch nicht und wer seinen letzten L’Artisan Parfumeur-Duft Traversée du Bosphore liebte, erst recht nicht. Ansonsten sollten Liebhaber von besonderen Chypres einen Test wagen. Und wer Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889 mochte sollte auch mal die Nase offen halten.

Habt Ihr schon getestet? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Harvest1 – Birnenstillleben von Friedrich Plechschmidt, Pears and Plums 3 von michaelaw, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier erhalten Sie La Belle Hélène in unserem Shop.

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