Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Landschaften, Mythen, Szenerien – Die Düfte von Gritti

Die Düfte „Aqua Incanta“, „Damascus“ und „Doped Tuberose“ der Familie Gritti aus Venedig habe ich Euch gestern vorgestellt. Heute geht es mit „Fanós“, „Noctem Arabs“ und „Preludio“ weiter.

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fan_s Nicht ganz von dieser Welt, im Reich der Mythen scheint „Fanós“ verortet zu sein:

Über das Meer erreiche ich die Insel der Nymphe, es entführt mich ein Zauber, orientalische und okzidentalische Gerüche vermischen sich. Beseelt begebe ich mich auf die Suche nach etwas Unerreichbarem …

Helle Gewürze – vor allem Zimt und Kardamom – treffen auf grüne Veilchen- und Mimosennoten. Sandelholz, Orangenblüten, Vanille und Ambra sollen noch mit von der Partie sein, lassen sich aber nur schwer ausmachen. Meines Erachtens ist „Fanós“ bis jetzt der schwierigste Duft der Kollektion. Obwohl helle Gewürze und grüne Noten zusammen durchaus vorstellbar sind, gehen sie meines Erachtens hier nicht so recht zusammen. Eine schräge, aber dafür umso interessantere Mischung.

Duftkomposition:
Kopfnote: Ingwer, Kardamom, Zimt
Herznote: Veilchen, Mimose, Sandelholz
Basisnote: Orangenblüte, Vanille, Ambra

noctem_arabs Bei dem Namen „Noctem Arabs“ ist ein Orientale beinahe Pflicht.

Der unendliche Horizont der Wüste, die geheimnisvollen Schatten, Pferde, die mit halsbrecherischer Geschwindigkeit von den Prinzen der Himmel geritten werden. In einem Moment hält alles an. Die Begegnung mit einer Frau, deren Schönheit ich gesucht und nun gefunden habe.

In dieser Szenerie dominiert das Oud bereits auf den ersten Riecher. Und dieses Oud wurde mit Hölzern verstärkt, trocken, glühend, tief und auch weich. Wow! Ich kann von Oud nicht genug bekommen, obwohl die Kreationen mittlerweile Legion sind. Deswegen gefällt mir „Noctem Arabs“ bis jetzt am besten.

Duftkomposition:
Kopfnote: Tabak, Patchouli, Virginia-Zedernholz
Herznote: Adlerholz (Oud), Sandelholz
Basisnote: Moschus, Ambra, Myrrhe

preludio Einen Auftakt, ein Vorzeichen kündigt „Preludio“ an, doch was soll folgen?

Eine warme südliche Brise, die am Rande des Horizonts ein ruhiges smaragdgrünes Meer streichelt. Dann, plötzlich, ein frischer Ostwind, der den Duft von Geheimnis und Magie mit sich bringt …

Dieses Naturschauspiel, dieses Landschaftsgemälde verströmt tatsächlich eine Aufbruchstimmung. Aquatisch, würzig und auch etwas fruchtig – mit saftiger Melone und frischer Zitrone – geht es los, hinzu kommen noch leichte Holz- und Moschusnoten. Keine fundamental neue Interpretation der aquatischen Düfte, aber eine angenehme und natürlich wirkende Variante dieses Themas.

Duftkomposition:
Kopfnote: Lavendel, Aromatische Noten, Wassermelone, Zitrone
Herznote: Hölzer, Sandelholz, Pinie (Kiefer), Tabak
Basisnote: Ambra, Borretsch, Moschus

Abschließend lässt sich sagen, dass die Kollektion von Gritti ein breites Spektrum an Düften abdeckt, die allesamt sehr gut gemacht sind. Meine beiden persönlichen Favoriten sind der Zimtduft „Damascus“ und der Oudduft „Noctem Arabs“. Welche sind Eure Lieblinge?

Liebe Grüße
Harmen

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Sustinet nec fatiscit – Die Düfte der Familie Gritti
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Sustinet nec fatiscit – Die Düfte der Familie Gritti

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Heute und morgen machen wir mal wieder eine kleine Reise durch Raum und Zeit … es geht nach Venedig ins 16. Jahrhundert …

Die Familie Gritti ist eine Familie von Parfümeuren, die ihre eigene Linie bereits 2010 lancierte. Ihre Kreationen gehen auf alte Rezepturen zurück, die ihr Vorfahr, der berühmte Alvise bzw. Lodovico Gritti im 16. Jahrhundert entwickelt haben soll. Auch bei dem oben abgebildeten Logo blieb man ganz der Tradition treu und stützte sich auf das Familienwappen, dessen Motto auf dem Banner „Sustinet nec fatiscit“ nur frei übersetzt werden kann, etwa sinngemäß „Widerstehen, nicht wanken“ oder „Do not sway in the face of hardship“, wie es auf der Gritti-Webseite übersetzt wird.

Lodovico Gritti.jpg

Ihren berühmten Ahnen stellt die Familie folgendermaßen vor:

Während des 16. Jahrhunderts, mitten in der Renaissance und der Pracht der Serenissima Repubblica di Venezia, lebte Alvise Gritti, ein adliger Physiker, Alchemist und Reisender, aber vor allem ein brillanter und verwegener Geist.

Umgeben war er von der Familie des Dogen und seinem Hof mit all seinen Lastern, seinen Intrigen und Geheimnissen. Er macht sich von Venedig aus Richtung Osten auf den Weg ins Morgenland, wie ein Prinz auf der Suche nach etwas Neuem. Inmitten der Städte, der Völker, der Kulturen taucht Alvise in das flüchtige Reich der Aromen ein und beginnt mit einer introspektiven Reise.

Alvise kehrt an den venezianischen Hof zurück, exzentrisch und charmant, aber als anderer Mensch, der von der Angst besessen ist, die gewonnenen Erfahrungen zu vergessen.

Er arbeitet lange und schwer und schreibt viele einzelne Notizen auf, die – mit größter Rücksicht auf seine beschriebenen olfaktorischen Bilder – in der Gritti-Kollektion zum Leben erweckt wurden.

Er zeichnet die bedeutendsten Etappen seiner spirituellen Reise nach, indem er die künstlerische Sprache anwendete, die er am besten kannte: das Parfum.

Schauen wir also einmal, was uns Alvise Gritti Feines von seinen Reisen mitgebracht hat, jeweils drei Kreationen sollen es heute und morgen sein.

aqua_incanta Aqua Incanta erzählt die Geschichte einer magischen Begegnung in den Straßen von Medina.

Ich verfolgte ihren duftenden Weg durch die Gassen der belebten Medina, ohne ihr Gesicht zu kennen. Trunken von dem Geruch, traf ich ihren Blick und sah die süßesten Noten über ihr Profil gleiten. Ein Hauch Gewürze in das Haar gewebt. Hat ihre bloße Anwesenheit die Luft verzaubert? Ich verliebte mich sofort …

Florale Noten mit Iris und Rose verströmen die Lockstoffe, die unseren verzauberten Protagonisten durch die Gassen eilen lassen. Die Blüten, ein wenig minzig, köstlich verfeinert mit Vanille und mit entschieden pudrig-warmen Noten verbunden. Benzoeharz, Ambra und Hölzer spenden Weichheit, Sinnlichkeit und runden diesen Duft ab. Auch wenn diese Geschichte im Orient spielt, diente dieser eher als Inspiration. So entstand ein charmanter, schmeichelnder, aber durchaus westlicher Duft, der etwas vom Geheimnis des Orients und von der Sehnsucht nach der großen Liebe durchscheinen lässt. Perfekt für wahre Romantikerinnen.

Duftkomposition:
Kopfnote: Florale Noten, Rose, Iris
Herznote: Vanille, Pudrige Noten
Basisnote: Benzoeharz, Ambra, Hölzer

damascus Mit Damascus kommen wir von der unerreichbar scheinenden geheimnisvollen Schönheit zur leidenschaftlichen Liebesnacht, wie uns die Kurzvorstellung deutlich macht:

Überraschend wie eine unerwartete sinnliche Begegnung in einer heißen Nacht. Eine verführerische Frau, mit ihren Geheimnissen, ihr Duft, der sich im Raum verteilt. Die zerknitterten Leintücher, Körper in Leidenschaft vereint …

Prickelnd und scharf, das sind hier zweifelsohne die richtigen Schlagworte, denn saftige Orange trifft auf den charakteristischen Zimt. Dieses Kopffeuerwerk wird von betörenden Myrrhe-, Sandelholz- und Tabaknoten flankiert. Die Basis aus Ambra und Patchouli vereint nicht nur diese gegensätzlichen Noten, sondern fächert das ungewöhnlich vielseitige Duftspektrum noch weiter auf. Eine aufregende Affäre, ebenfalls orientalisch inspiriert, voll unerwarteter Wendungen. Ein Abenteuer für sie und ihn.

Duftkomposition:
Kopfnote: Orange, Zimt, Neroli
Herznote: Myrrhe, Sandelholz, Tabak
Basisnote: Ambra, Patchouli

doped_tuberose Was soll uns Doped Tuberose sagen? Doping für die Tuberose, nur für die Tuberose?

Ein sinnlicher Schauer streichelt deinen Rücken. Ein narkotisierender Duft durchdringt dich und lässt dich nicht entkommen. Dein Herz rast, ein Mantel aus Samt umhüllt dich und deine Gedanken schwinden dahin …

Natürlich ist sie da, die fleischliche Tuberose, wie man sie kennt. Sie ist „doped“ und es bleibt uns überlassen, ob wir sie als aufgeputscht, betäubt bzw. narkotisiert empfinden wollen. Fest steht, dass Bergamotte, Zitrone und Lavendel nur das Appetithäppchen sind und schon bald von der Wucht der Tuberose überlagert werden. Verstärkung erhält diese vom Weißblüherkollegen Jasmin, mit tiefen Untertönen von ekstatisch-religiösem Weihrauch stammend, unterlegt von einem Basistrio aus Patchouli, Benzoeharz und Zedernholz, welches den Chyprecharakter der Komposition vollendet. Damit ist „Doped Tuberose“ ohne Frage der profilierteste der drei Düfte.

Duftkomposition:
Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Lavendel
Herznote: Tuberose, Jasmin, Weihrauch
Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Zedernholz

Morgen geht es mit „Fanós“, „Noctem Arabs“ und „Preludio“ weiter. Ich freue mich!

Liebe Grüße
Harmen

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Oud Save the…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Leder,Orientalen am 6.06.2014

… Queen – und natürlich den King auch. Auf diesen netten Namen hören die beiden Düfte der Oud Collection aus dem Hause Atkinsons 1799, die wir uns heute näher ansehen werden. Wie auch gestern brilliert die Firma mit sehr netten Texten – so auch zu dieser Kollektion:

atkinsons4Oud Save The King und Oud Save The Queen. Ladies and Gentlemen – Stand up please and welcome Atkinsons Oud Creations! Ladies and Gentlemen: Stellen Sie sich London in den Roaring Twenties vor! Die Glitzer-Schaufenster und die imposante Fassade des Atkinsons-Gebäudes. Das legendäre Portal, durch das kein Geringerer als Kronprinz Mohammed Ali Ibrahim tritt, einer der extravagantesten Dandys seiner Zeit, Auto- und Luxusfreak. In seinem Gefolge seine neueste Eroberung, Hollywood-Filmstar Mabel Normand. Dies alleine schon eine Sensation – wäre da nicht auch noch das tragische, einer Staatsaffäre gleichkommende Dekret seines Onkels, dem King Fuad I. von Ägypten, der dem Prinzen verboten hat, diese Frau zu heiraten. Dennoch – der Prinz möchte seiner Gefährtin einen Liebesbeweis schenken! Der Prinz hat einen Auftrag für das Dufthaus Atkinsons. Er möchte, dass Atkinsons für ihn und seine Geliebte ein auserlesenes Parfum kreiert. Eines, das die Welt noch nie erlebt hat. So hat er eine kostbar geschnitzte Holzkassette bei sich. Darin der teuerste Duftstoff, den die Welt damals kannte: das kostbare Harz des Adlerholzbaumes, im Orient Oud oder auch „The liquid gold of the Orient“ genannt. Oud – seufzen die Parfumeure flüsternd, während sie bei einer Tasse englischen Tees über die Kreationen für den Prinzen nachsinnen: Oud Save The King und Oud Save The Queen.“

Atkinsonsoud

Ob diese Geschichte der Wahrheit entspricht mit den Düften, den extra ersonnenen? Ich habe keine Ahnung. Jenes Paar aber gab es nachweislich – ob sie allerdings ein Liebespaar waren? Eine Quelle habe ich gefunden, dort werden sie eher als Freunde bezeichnet, vielmehr zumindest von seitens Mabel Normand aus ;) Vielleicht wollt Ihr ja nachlesen – seht hier.

Unseren (Oud)Genuss soll es nicht trüben, zumal in der Quelle auch die Rede davon war, dass der Kronprinz gerne im Luxus schwelgte und seine Freundin mit Luxus, unter anderem auch mit Düften, überhäufte.

Vorhang auf für: Oud Save the Queen! Die Ingredienzen: Kopfnote: Earl Grey Tee, Gewürznelke, Bergamotte; Herznote: Jasmin, Orangenblüte; Basisnote: Agarwood (Oud), Tonkabohne, Guajakholz.

jasmine

Oud mit Blüten – das gibt es, nehmen wir mal die Rose aus, einfach viel zu wenig. Van Cleef & Arpels hat mit Precious Oud eine herrliche Oudtuberose geschaffen, die mich mit der nicht in den Duftnoten vorhandenen Ananas, meiner imaginären, immer wieder betört. Xerjoffs Oud Stars präsentieren mit Najaf, jetzt Zanzibar, und mit Al Khatt die zwei wunderbarsten Oudblüten, die mir jemals über den Weg gelaufen sind: Osmanthus und Jasmin huldigen die beiden, und die Düfte, die, ehrlicherweise nicht für jeden tragbar sind/erscheinen wollen, sind für mich die erotischsten Oudblüten, die ich jemals erfahren durfte.

Oud Save the Queen geht einen Mittelweg, würde ich sagen: Während Xerjoff mit den Oud Stars eine herrliche, wenngleich auch für europäische Nasen bisweilen etwas schwieriger zugängliche Kollektion geschaffen haben, versuchen sich viele andere Hersteller an betont europäischen, oft französischen Interpretationen dieser Ingredienz. Es gibt in diesem Bereich viele schöne Düfte, keine Frage, für mich darf Oud aber gerne etwas mehr knallen, krachen und knarzen. Und Oud Save the Queen tut das: Diese Königin ist wesentlich waghalsiger, als ich es von einem englischen Haus, zumal einem solch traditionellen, nach dem Auftakt von gestern mit 24 Old Bond Street erwartet hätte – was mich außerordentlich erfreut.

Der spritzig-dynamische, herb-frische Auftakt ebnet den (eher kurzen) Weg hinein in das ausnehmend orientalische Herz: Warm, würzig, holzig und rauchig bahnt sich das Oud seinen Weg, und umgarnt den bisweilen indolischen, opulenten Jasmin. Was für eine Liaison! Likörig-satt schmiegen sie sich aneinander, trockenfruchtige Anmutungen erahnen lassend. Guajakholz balsamt und salbt, unterstreicht damit die Holzwürze, die von Tonka erneut vanillecremig-pudernd aufgegriffen wird.

jasmine

Ein femininer, verführerischer und wollüstiger Oudduft von ausschweifend orientalischem Naturell, der gleichzeitig durch seine moderne Komposition beeindruckt. Ob der König mithalten kann mit der Schönheit dieser Königin?

Ja, kann er. Und wie. Nagarmotha, Iris und Oud stechen mir sogleich ins Auge, gefolgt von edlen Ledernoten. Iris, pudrig, oudig-rauchig-holzig, ledrig, samtig, erdig-kräuterig von Nagarmotha geküsst. Earl Grey haucht zusätzlichen Rauch ein, akzentuiert herb, während balsamische Harze samtige Wärme stiften, von einer verführerischen Süße veredelt. Sandel würzt sacht im Hintergrund, das herrlich charakteristische Guajakholz anmutig in Szene setzend.

Unbenannt

Mir gefällt hier der etwas kühlere Mann, Oud Save the King, aufgrund meiner Vorlieben – Nagarmotha, Iris – etwas besser. Fakt ist aber, dass diese zwei Ouddüfte sehr besonders sind und hervorragend komponiert. Die Sillage ist im übrigen sehr gut – ich habe über Nacht getestet ;)

Ich freue mich richtig auf den Rest der Kollektion – Ihr Euch auch?

Viele liebe Grüße und schöne Pfingsten Euch allen,

Eure Ulrike.

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Dr. Vranjes’ Geburtstagsfest mit „Oud Nobile“

Geschrieben in Gewürziges,Hesperiden,Orientalen,Raumdüfte am 31.03.2014

Logo_Dr Vranjes + Marchio Kopie

Raumduft-Fans kennen ihn hundertprozentig, denn Dr. Vranjes feiert in diesem Jahr bereits sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Weltweit vertreten, unter Raumduftkennern hochgeschätzt – und vor allem seine großen Raumduftflaschen werden von aufmerksamen Beobachtern immer wieder in den Foyers der weltbesten Hotels gesichtet.

1983 eröffnete Dr. Paolo Vranjes seine Antica Officina del Farmacista im geschichtsträchtigen Florenz und ließ sich von der besonderen Atmosphäre dieser Stadt bei seinen Düften inspirieren. So sind die Glasflaschen der berühmten Kuppel der örtlichen Kathedrale nachempfunden. Wie dem auch sei, uns interessiert natürlich ein bisschen mehr, welcher Geist denn nun aus der Flasche strömt.

Etwas über 30 verschiedene Düfte sind es, aus denen der geneigte Käufer wählen kann. Ich hatte vor einiger Zeit die Ehre und das Vergnügen, allesamt einmal durchzuschnuppern. Wie es immer so ist, ganz objektiv kann ich sagen, dass sie sehr hochwertig und gekonnt komponiert wurden, auch wenn mich natürlich ganz subjektiv nicht alle gleichermaßen begeisterten.

Herausgreifen möchte ich aber die neueste Kreation des Hauses, gewissermaßen den Geburtstagsduft, den sich Dr. Vranjes selbst spendierte. Wie kann man es richtig krachen lassen? Genau, indem man einfach eine der teuersten Essenzen der Welt nimmt und das ganze dann „Oud Nobile“ tauft. Wir werden nicht müde zu erwähnen, dass es mittlerweile an Oud-Kreationen wahrlich keinen Mangel mehr gibt, aber sei’s drum, ich liebe das Zeug, je knackiger, desto besser. Wie sich das Pilzabwehrharz allerdings als Raumduft macht, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Deswegen war es umso erfreulicher, dass mir der freundliche Vertrieb der Marke ein Exemplar zum Testen zur Verfügung gestellt hat – hier noch einmal ganz vielen Dank an das Team von c.l.u.b. brands – sodass ich Euch auch hier aus erster Hand berichten kann.

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„Oud Nobile“ macht mich erst einmal sprachlos, so umwerfend ist er. Preislich liegt dieser Raumduft über den anderen, was aber an der extrem hohen Ölkonzentration von 30 % liegt – dies ist durchaus spürbar, wenn man die Flüssigkeit mit dem Finger berührt und man riecht die hohe Intensität einfach auch. Dabei ist zu beachten, dass der Duft etwas länger als gewöhnlich braucht, um die Stäbchen hochzuwandern. Im Wesentlichen sind es zwei Komponenten, die den Duft ausmachen: Eine Schicht zitrischer Noten, funkelnd, frisch, glänzend und darunter als Gegenspieler das Oud, das aber keineswegs knarzt, wie man es vermuten könnte. Es ist als Oud absolut erkennbar, nur wurden seine angenehmen Seiten vortrefflich herausgearbeitet. Dunkelholzig, weich, ledrig, aber keinesfalls bitter oder medizinisch und immer wieder durchsetzt von einer zitrischen Fruchtigkeit. Hut ab vor dieser gekonnten Komposition! Ich denke, hier können auch Oud-Meider auf ihre Kosten kommen.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Neroli
Herznote: Adlerholz (Oud)
Basisnote: Myrrhe, Weihrauch

Ein weiterer Raumduft von Dr. Vranjes, den ich ganz hervorragend finde, ist Chinotto Pepe. Wir haben es hier mit orangenlastigen zitrischen Noten zu tun, die wunderbar pfeffrige Noten mit sich bringen, dabei immer leicht, freundlich und hell. Dieser Duft steht seit einigen Monaten in meinem Wohnzimmer. Die Duftintensität ist ausgewogen, nie zu stark oder aufdringlich – glaubt mir, da bin ich empfindlich – zudem kann man die Stäbchen einfach umdrehen, falls man es doch etwas kräftiger haben möchte.

DrV_250ml_Chinotto Pepe

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zitrische Noten
Herznote: Myrte, Orange
Basisnote: Pfeffer

05-Rosso Nobile-decanter copiaMeine letzte Empfehlung aus dieser Kollektion ist „Rosso Nobile“, den es neben der normalen Flasche auch in einem äußerst dekorativen, mit einer Gravur versehenen Dekanter mit echten Weinreben gibt, die anstelle der üblichen Stäbchen eingesetzt werden. Auch wenn hier ganz bewusst an den Charme eines guten Rotweins erinnert wird, zeigt sich der Duft niemals alkoholisch im eigentlichen Sinne. Vor allem fruchtige Noten sind es, die mit einem dezenten Holzton die feinen Tannine eines guten Roten heraufbeschwören, vielleicht kann man aber auch einfach an einen hochwertigen unvergorenen Traubensaft denken.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Orange
Herznote: Veilchen, Magnolie, Pflaume, Erdbeere, Himbeere
Basisnote: Birke, Hölzer, Wein

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe mich lange gegen eine Raumbeduftung gesträubt, bin aber eines Besseren belehrt worden. Ein guter Raumduft bereichert das Zuhause, verbreitet eine wohnliche Atmosphäre und macht schlicht und einfach Freude. In der breiten Duftpalette von Dr. Vranjes ist für jede anspruchsvolle Nase etwas dabei, sei es ein frischer, floraler, aquatischer oder fruchtiger Duft – oder sogar Oud. Gerne berate ich Euch. Hinterlasst mir einfach einen Kommentar mit Euren Duftvorlieben und ich suche Euch passende Kandidaten heraus.

Liebe Grüße
von Harmen

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„La Fumée Ottoman“ – so elegant ist Weihrauch!

Recht neu in unserem Sortiment ist der Duft „La Fumée Ottoman“ aus dem Hause Miller Harris. Ich finde, solche Düfte passen perfekt in die Winterzeit, gewürzig, orientalisch und mit einem Hauch von Geschichte.

Diese neue Kreation von Miller Harris ist eine limitierte Edition – inspiriert von dem legendären Duft „La Fumée“. „La Fumée Ottoman“ ist ein opulenter orientalischer Duft, der die Mystik des Osmanischen Reiches in sich trägt.

Wer sich noch einmal über den Ausgangsduft „La Fumée“ informieren möchte, sollte sich an dieser Stelle Ulrikes Bericht zu Gemüte führen.

la-fumee-ottoman

Die Duftnoten
Kopfnote: Bergamotte, Kardamom, Türkische Rose, Kumin
Herznote: Weihrauch, Zedernholz, Patchouli
Basisnote: Rauchige Noten, Ambra

Die Duftnoten tragen absolut das Zeug in sich, einen wahren Orientalen-Kracher zu erzeugen, und auch der Name deutet in diese Richtung. Ich musste bei Rauch und Orient ganz klischeehaft an Wasserpfeifen denken – aber dann kam doch alles ganz anders als gedacht.

Der erste Eindruck: huch, der ist ja ganz weich, der will nur spielen! Auf dem Duftstreifen tummeln sich allerhand Gewürze, von denen ich in der Duftnotenliste Safran vermisse, oder ist das pures Wunschdenken, dass mein Duftgedächtnis langsam selbstständig Duftnoten hinzuerfindet?

Zu Beginn sind sie da die herben Bergamottetöne, würziger-frischer Kardamom, die eigentümliche Art von Kumin, die Rose mag etwas untergehen bei diesen Gesellen. Die holzigen Seiten des Weihrauchs werden vom Zedernholz harmonisch verlängert, was eine allzu heftige Rauchigkeit verhindert – aber sie ist trotzdem da. Sonst würde der Duft seinen Namen gänzlich zu Unrecht tragen. Diese Rauchigkeit wird ganz weich und verschmilzt allmählich mit der Haut.

Herbstgeruch | smell of autumn

Die ganze Komposition wurde ausgewogen und für die europäische Nase konzipiert. Zwar ist „La Fumée Ottoman“ ein Eau de Parfum, trotzdem wurde bei der Intensität Maß gehalten, so dass ich dem Duft Alltags- und auch Bürotauglichkeit attestieren würde. Ach ja, Weihrauch, da stellt sich ja immer die Frage, ob Kirchenduft oder nicht. Keine Sorge, dieser Duft ist ganz profan, aber nur im kirchlichen Sinne. Meines Erachtens ist er nämlich ein tragbarer Gewürz-Weihrauch-Orientale, zurückgenommen, wohldosiert und damit äußerst elegant und übrigens auch unisex. Hut ab!

Ganz viele Grüße
von Harmen

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Laboratorio Olfattivos „Kashnoir“: Narkotische Blüten und Zaubergewürze

Gerne befassen sich Parfums thematisch mit dem Verbotenen und Geheimnisvollen, Lust und Anziehung, Rausch und Ekstase. Immer wieder bewahrheitet sich die Annahme, dass Düfte oftmals ganz gezielt an das Unbewusste, Irrationale und Emotionale adressiert sind. Explizit zum Beispiel auch bei Nasomatto, aber mehr oder weniger unterschwellig bei sehr vielen Duftkonzepten, ganz gleich ob Mainstream oder Nische. Als „weiche Droge“ wird auch der neue Duft von Laboratorio Olfattivo angekündigt, der voraussichtlich in den nächsten Tagen bei uns erhältlich sein wird. Glücklicherweise habe ich schon eine Probe bekommen und stelle Euch dieses vollkommen legale Rauschmittel einmal vor.

Kashnoir“ lautet der Name – sicherlich ein Kunstwort, möglicherweise eine Zusammenziehung von „Kaschmir“ und „noir“ – und so wird auch im Produkttext von einer Reise in den „verbotenen und geheimnisvollen Osten“ berichtet, Kaschmir würde geografisch schon ganz gut passen, da sich dieses Gebiet heutzutage über die Länder Indien, Pakistan und China erstreckt.

Kashnoir

Der als Florientale oder holziger Orientale bezeichnete Duft hält am Anfang einige Zitrusfrüchte bereit, die von Zitrone und Bergamotte vertreten werden. Ein Hauch krautigen Lavendels bildet das passende Zwischenstück für das Herz des Duftes, denn hier wurde blumig-würziger Koriander eingesetzt. Durchaus deutlich vertiefen Rose und Orangenblüte seine florale Eigenschaft. In der Basis sind es vor allem Patchoulinoten sowie balsamisches Benzoeharz, die den Ton angeben.

Die Duftnoten
Kopfnote: Zitrone, Bergamotte, Lavendel
Herznote: Koriander, Rose, Orangenblüte
Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Heliotrop, Vanille

„Narkotische Blüten, psychotrope Kräuter und Zaubergewürze“ – unter dieser Vorgabe steht „Kashnoir“ und mir ist klar, welche Idee hier verfolgt wurde. Durch das Zusammenspiel der leuchtenden Hesperiden mit kräftigen Blütennoten entsteht der Eindruck eines in psychedelischen Mustern schillernden Duftes, welcher durch eine dunkle Seite in der Basis etwas Verruchtes und Geheimnisvolles erhält, als sei er nicht ganz von dieser Welt. Heliotrop und Vanille blitzen hier und da, können sich aber nicht dauerhaft durchsetzen wie Irrlichter, die sich der direkten Wahrnehmung entziehen. Wie so oft bei orientalischen Düften kommt es mir vor, als sei irgendwo eine herbe Honignote versteckt – dies mag aber auch nur ein ganz subjektiver Eindruck sein.

Red and White Flower - Fractal Mosaic, v.2

Ihr seht schon, „Kashnoir“ ist kein ganz einfacher Duft – soll er sicher auch nicht sein – ein Duft, der wohl kein Vollblutorientale ist, was mich an die eine oder andere Kreation von Eutopie denken lässt. Vielleicht sind es die Hesperiden, welche die italienische Provenienz der Komposition verraten und den Duft für die europäische Nase zugänglicher machen.

Ich bin sehr gespannt, was Ihr zu dem Duft sagen werdet, meiner Meinung nach ein wirklich spannender und außergewöhnlicher Geselle :-)

Liebe Grüße
von Harmen

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Tola…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Orientalen am 26.11.2013

… ist neu in unserem Sortiment und das Label eines Herren, dessen Namen ich nur schwer aussprechen kann: Dhaher Bin Dhaher. Der Name selbst geht auf eine alte indische Maßeinheit zurück: Tola existierte vor der Einführung des metrischen Maßsystems im Jahre 1833 und entsprach einer Silberrupie (11,7g). Heutzutage verwendet man Tola als solches nur noch, um ganz besondere, kostbare Erzeugnisse zu wiegen. Das deutet natürlich bereits auf die Wertigkeit hin, die Bin Dhaher seiner Marke beimisst, die Qualität, die er uns bietet. Darüber steht Tola für Bin Daher auch als Inbegriff von Erinnerungen, dem Schwelgen in eben jenen. Alle seine Düfte sind Erzählungen. Geschichten, die von seiner Kindheit inspiriert wurden, als er mit seiner Mutter und seiner Schwester zusammen Bukhoor und Parfumöle herstellt. Und Märchen, die von längst vergangenen Zeiten erzählen.

anbarDas Label Tola gibt es seit Mitte 2010 und die Voyage Collection beinhaltet sechs Düfte, die uns mitnehmen sollen auf eine „alchemistische Reise“. Dann folgen wir doch Bin Dhaher die nächsten Tage, würde ich sagen.

Anbar“ ist, der eine oder andere wird es bereits wissen oder vermuten, das arabische Wort für Ambra:

„Als er sein Netz ins offene Meer warf und es aus dem Wasser wieder einholte, fielen seine Augen auf die mystische Schönheit. Er war sofort verzaubert, denn es war eine Meerjungfrau. „Anbar“ ist ein reicher, einladender Unisexduft, der an eine neue Liebe erinnert. Sonderbar, aufregend und äußerst persönlich.“

Unisex gefällt mir in diesem Zusammenhang als Begriff überhaupt nicht, was aber häufiger der Fall ist. Unisex hört sich an wie… CK One. Metrosexuell. Hipster. Das ist hier mit Sicherheit nicht gemeint, den Anbar, das erkennt man schon auf den ersten Blick, ist ein waschechter Orientale: Kopfnote: Apfel, Pflaume, Erdbeere, Orange; Herznote: Nelke, Iris, Jasmin, Zimt; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Benzoeharz, Labdanum (Zistrose), Weihrauch, Tonkabohne, Vanille, Moschus, Ambra.

plum

Anbar gefällt mir schon auf den ersten Schnupperer, wofür mir sofort drei Gründe einfallen: Es ist ein Ambraduft, aber kein weiterer komplett monothematischer. Anbar hat eine solch schöne Pflaume im Auftakt, dass ich unmittelbar ins Schwärmen gerate. Anbar ist ein moderner Gourmandorientale, und zwar ein äußerst erwachsener – somit gehört er einer seltenen Spezies an.

Als allererstes nehme ich jene Pflaume wahr, üppig, saftig, fleischig und reif. Es schillern ein paar Momente gelb-rote Äpfel und Beeren, die ich wahrscheinlich wirklich als Erdbeere identifiziert hätte, um sich hernach mit den Pflaumen zu einem Kompott zu vermischen, das likörigen Beigeschmack offenbart. Gewürznelken sind darin enthalten genauso wie Zimt, der vor allem über die Pflaumen gestäubt wurde. Es pudert süß und ein wenig mandelig, während von unten die wärmende Kraft der Harze Anbars Charakter festigt. Zarter Rauch adelt den Duft und verhalten-knarzige, streng-saubere Zeder rundet gelungen ab.

Anbar ist wollüstig, von überschäumender Lebensfreude und verlockend, betörend. Ein herrlicher, selbstbewusster Duft, der Freunde von Hèrmes’ Ambre Narguile begeistern wird.

Comerre Leon Francois An Eastern Beauty

Gulbadan, unser Duft Nummer Zwei, trägt seinen Namen zu Ehren einer Prinzessin: Gulbadan Begum (1523 – 1603) war eine persisch-türkische Prinzessin, die Tochter eines Kaisers von Indien und mit den höchsten Linien der zentralasiatischen Aristokratie verwandt. „Gulbadan“ heißt „mit dem Körper einer Rose“ auf Persisch.

„Eine leichte Herbstbrise trägt den Duft frischer Blumen aus dem Innenhof heraus, während ihre Hand zärtlich die Blüte einer Rose streichelt. Das Geschenk eines Verehrers. Eine Spur von Jasmin, Rose und Orchidee schwebt in der Luft. Gulbadan fängt das Wesen dieser orientalischen Geschichte zweier Liebender mit der subtilen Feinfühligkeit weiblicher Sinne ein.“

tolaguldabanZu Gulbadans Liebesleben gibt es nicht allzu viel berichten, da ihr ganzes Leben immer noch Geheimnisse aufgibt: Mit 17 Jahren wurde sie wohl verheiratet, ihr Mann, mit dem sie mindestens einen Sohn hatte, verstarb wesentlich früher als sie. Ob er damit gemeint ist, ob Gulbadan, die eine sehr gebildete Frau mit vielfältigen Talenten unter anderem musikalischer und literarischer Natur hatte, noch jemand anderes hatte, für den ihr Herz entflammte?

Meines in jedem Fall hüpft schon auf den ersten Riecher bei dem nach Gulbadan benannten Duft: Oud, hach, geliebtes! Und einmal ganz anders verpackt – nämlich eingebettet in ein Stillleben aus Früchten. Zarter Pfirsich schmeichelt samtig-reif meiner Nase, die in derselben Sekunde von prickelnder Ananas gekitzelt wird. Zitrische Rosen stiften Frische und Geranium spendet minzige Anklänge, während Maiglöckchen frische Sauberkeit verströmt. Das möchte alles auf den ersten Blick so gar nicht zu einem Oudduft passen – vor allem, da wir es hier mit einem wirklich ausgeprägt animalischen Oud zu tun haben. Die Kombination harmoniert vorzüglich und wir haben damit einen sehr seltenen Oudkandidaten vor uns. Aber, liebe Freunde, ich will an dieser Stelle ehrlich sein: Gulbadan hätte auch ein Duft aus Xerjoffs Oud Stars-Kollektion sein können. Wer jetzt schon panisch zuckt, der muss sich gar nicht erst an die Prinzessin wagen.

Edwin Longsden Long - The Date Seller

Je „älter“ diese wird auf meiner Haut, desto strahlender zeigt sie sich: Das animalische Oud rückt in den Hintergrund und lässt den dominanteren Blüten den Vortritt: Jasmin, Orchidee und Orangenblüte, weißblühend, betörend, leuchtend und strahlend von Nektarsüße begleitet. Die Basis darunter zeigt sich so, wie es sich für eine Herrscherin gehört: Ein vielfältiges Gefolge, dass im Hintergrund dafür sorgt, dass die Protagonistin zum Strahlen kommt, in unserem Fall das fruchtig-florale Stillleben mit ordentlich Oud. Ambrierte Hölzer und Harze sorgen für Wärme, während Moschus und Vanille den Duft würzig-cremig vervollkommnen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Limette, Gardenie, Pfirsich, Pflaume, Apfel, Ananas, Anis; Herznote: Orchidee, Ylang-Ylang, Geranium, Flieder, Rose, Jasmin, Maiglöckchen, Iris, Orangenblüte; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Sandelholz, Adlerholz (Oud), Styraxharz, Moschus, Vetiver, Eichenmoos, Ambra, Vanille.

Nach meinem Empfinden ein toller Einstand – ich freue mich auf die nächsten Düfte von Tola, die uns dieser Tage erwarten!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Enrico Buccella…

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Leder,Orientalen am 9.10.2013

… hat uns letzte Woche schon auf Trab gehalten mit seinen Neuveröffentlichungen für sein Label Les Voiles Dépliées. Auch für seine anderen Marken war er aktiv: Sigilli darf sich über Khanbaliq (ja, genau so heißt der Duft) freuen, während Cerchi Nell’Acqua gleich zwei Zuwächse verzeichnen dürfen, E Star Five und Armònia. Alle drei heute im kurzen Rundumblick – und los geht’s!

Liu-Kuan-Tao-Jagd

khanbaliqKhanbaliq – das Parfum hat weder aus Mittelerde „rübergemacht“ noch ist es nach einem Ork-Häuptling benannt, nein: Khanbaliq, die Stadt des Khans, ist der frühere Name Pekings, als es noch unter der Herrschaft der Mongolen stand (diese begann, um genau zu sein, im 13. Jahrhundert – Kaiser wurde Kublai Khan, den kennen wir ja schon von einem anderen Duft!) – auch Marco Polo schrieb darüber. Bei Sigilli ist etwas zu lesen von einer exotischen Stadt, die dem Entdecker eine Fülle von Blumen, Früchten, Gewürzen und Kräutern bot, über die er berichten konnte: Pflaumen, Pfingstrosen, Telosma (Chinesisches Veilchen), Bitterorangen und Patchouli, um nur einige jener fremdländischen Kostbarkeiten zu nennen.

Khanbaliq ist, wie einige der letzten Sigillis, ein wirkliches Unikat und dermaßen bildgewaltig, dass mir der Duft schon auf den ersten Schnupperer ein Lächeln ins Gesicht zaubert: Die stürmische Liebesheirat von Serge Lutens und Keiko Mecheri, die sich in ihrer Hochzeitsnacht an Heeleys Esprit du Tigre berauschen. Könnt Ihr mir folgen?

plums

Hier verschmilzt im Eifer des Gefechts Feuriges mit Fruchtigem, Scharfes mit Süßem, Würziges mit Warmem und Florales mit Weichem – alles zusammen und auf einmal. Zimtgepuderter Ingwer, gepfefferte Bitterorange, mit scharfen Gewürznelken gespickte Pflaume, ein Hauch Pfingstrosenlöschwasser und erdiges Veilchen, auf warmer Ambra gebettet.

芍藥花飾

Nichts für jedermann aber sicherlich die Welt für ganz bestimmte Menschen, denn Khanbaliq ist schon sehr besonders!

estarfiveE Star Five ist eine Hommage an die Esxence, so Buccella:

„Meine Absicht war es, die ersten fünf Jahre der Messe Esxence mit einer Kreation zu feiern, die nicht zu extrem ist und exzellente Duftrohstoffe aus aller Welt beinhaltet.“

Das ist im und womit huldigt man am besten einer italienischen Messe? Genau – mit einem Hesperidenduft. Der Auftakt gehört ganz unseren Agrumenfreunden: Zitrone, prickelnd und spritzig, fast ein wenig an sommerliche Brause erinnernd. Herb-fruchtig-saftige Bergamotte, Blüten von Hesperidenbäumen und Blattwerk, dunkelgrün schillerndes Blattwerk. Dieses Stillleben sieht sich von Zimt und Gewürznelke gekonnt akzentuiert – feine Süße, verhaltene Schärfe und sachte Wärme, die von Edelhölzern samt Sandelholz später aufgegriffen und ausgebaut wird. Patchouli braucht es natürlich auch, das hervorragend mit dem zimtigen Sandel harmoniert und dessen würzig-warme Süße ausbaut, den später im Duftverlauf balsamischen Charakter von E Star Five unterstreichend. Lavendelkraut balanciert den Duft zusammen mit Vetiver aus, stiftet krautig-grasige und dezent rauchige Facetten, die ein schönes Gegengewicht zu der moosumschlungenen warmen Basis bilden.

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Klassisch ist der Duft – und irgendwie auch wieder nicht. Der Übergang zwischen der Zitrusfrüchtefrische und der balsamisch-orientalischen Basis ist zwar nicht absolut unüblich, gestaltet sich aber hier durchaus gewagt und demnach auch interessant. Und zwar sowohl für Frauen als auch für Männer, meine Lieben!

EvelyndeMorganHarmoniaArmònia trägt seinen Namen zu Ehren der gleichnamigen Göttin, auch Harmonia genannt. Diese ist, wie ihr Name schon verrät, die Göttin der Harmonie und der Eintracht. Und das trotz der Eltern – Ares und Aphrodite, der Gott des Krieges und die Göttin der Liebe, der Schönheit, des Begehrens… Allerdings ist natürlich nicht alles in Armònias Biographie eitel Sonnenschein: Der Legende nach bekam sie von ihrem Gatten Kadmos, des Königs von Theben, ein Halsband zur Hochzeit geschenkt, das jedem, der es trug, Schönheit verliehen haben soll. Dieses Halsband hat in der späteren Geschichte wohl nur Unheil angerichtet, da es Zwietracht und Mord nach sich zog – wohl der Gier und der Hinterlist der Menschen geschuldet. Lest ruhig einmal nach, wie sich die Legenden um dieses Schmuckstück ranken.

Armònia soll, genauso wie das Halsband, die „magische Kraft“ besitzen, „Wohlbefinden und Emotionen“ hervorzurufen, für Harmonie und Erleuchtung zu sorgen. Das Ziel sei „physisches, mentales, emotionales und spirituelles inneres Wohlbefinden“ – hört sich gut an, funktioniert aber nur, wenn man sich nicht an den Raffzähnen orientiert, die das sagenumwobene Halsband als Mittel zum Zweck genutzt haben. Aber kehren wir zurück von den Sagen in die Realität und zum Duft.

Armònia ist kein komplexer Duft, muss er aber auch nicht sein. Er brilliert mit einem schönen Gleichgewicht, dass er zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen Duftrichtungen zaubert: Einerseits haben wir da die Hesperiden – typisch italienisch, saftig, zitrisch, prickelnd, dynamisch und saftig, Mandarinen, aber vor allem Zitronen und Bergamotte. Und andererseits – ist ein Kracher: Fettes Glattleder, grün-schwarz-funkelnder Koriander, knarzige Hölzer und Ambrawärme, von kakaopudrig-erdigem Patchouli geküsst.

Maskulin – yep, definitiv. Aber sehr wohl auch von der richtigen Frau tragbar. Um Armònia zu mögen, sollte man keine Scheu vor Ambra-Lederchen haben und italienische Düfte im Stile von beispielsweise Mazzolari mögen.

Und, war oder besser ist etwas für Euch dabei?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Les Voiles Dépliées…

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Orientalen am 2.10.2013

… bescherten uns soeben gleich ein ganzes Quartett an Neulancierungen, und zwar Agrakal, Flowers&Things, Vanilla und Tuberosa. Fleißig war er, der Herr Buccella, der außerdem auch noch einiges Neues für Cerchi Nell’Acqua als auch Sigili kreiert hat, seine anderen beiden Marken. Diesen wenden wir uns natürlich ebenso zu, allerdings… Gemach, gemach, das dauert noch ein paar Tage ;) Heute beginnen wir zuerst einmal mit Agrakal und den Blüten.

Agrakal, der Name des ersten Duftes steht für das Volk der Berber für „das Meer in der Mitte“, das Mittelmeer. Agrakal ist demnach ein olfaktorischer „Rundumschlag“, möchte der Duft doch all die Noten einfangen, die die Länder prägen, die an das Mittelmeer angrenzen. Ein Blick auf die Ingredienzen bestätigt meine (und vermutlich auch Eure?) Vermutungen sofort: Hesperiden, Kraut und Kräuter satt – Kopfnote: Orange, Zitrone; Herznote: Lavendel, Rosmarin, Neroli, Minze; Basisnote: Patchouli, Moschus, Zedernholz.

Villa del Cigliano

Einmal eingetaucht… merkt man sofort, dass man es hier mit einem Duft nach dem Strickmuster eines klassischen Colognes zu tun hat: Spritzig-herb-bitzelnde Zitrone beißt mich in mein Näschen, kitzelt und prickelt, begleitet von einer perfekten Hohes-C-Orange voller Saft. Ein paar Kräuterchen ducken sich hindurch, von denen vor allem ernst-würziger Lavendel, kühlende Minze und charakteristischer Rosmarin hervorstechen, die vor meinem inneren Auge einen mediterranen Garten direkt vor dem Küchenfenster zur Morgenzeit entstehen lassen. Von fern weht der Wind maritime Anklänge herüber und kündet von nahegelegenen Hesperidengärten in voller Blüte. Und die Basis, ja, die Basis vermittelt hier einen sehr persönlichen Eindruck: Der Rest des Duftes und dessen Verlaufs kündet meiner Meinung nach von der unmittelbaren Umgebung, kreiert deren Impression. Die Basis dahingegen ist skinniger, hautnaher intimer: Sie hinterlässt mich frisch geduscht, gut eingecremt und in einen Bademantel gehüllt in der Kühle der Morgenröte, jener angenehm einsamen Stille, die einen neuen Tag begrüßt.

Ibiza Villa Pool

Ein erfrischender, dynamischer und natürlicher Duft, der sowohl für Frauen als auch Männer ein toller Begleiter ist – allerdings, wie ich finde, eher in den wärmeren Monaten. Das Lancierungsdatum ist irgendwie ungeschickt, eine Testempfehlung oder zumindest -notiz mag ich aber trotzdem geben.

Flowers&Things, unser zweiter Kandidat, passt besser in die kommende Jahreszeit und erinnert mich anfänglich ganz fatal an einen Mainstreamerliebling von mir, den ich über Jahre hinweg vergöttert habe: Cašmir von Chopard. Je länger ich Flowers&Things beobachte, desto mehr verliert sich diese frappierende Ähnlichkeit, allerdings ist sie in Spuren auch später noch vorhanden. Flowers&Things ist – weniger süß, krautiger und würziger, nichtsdestotrotz aber ein vanilledominierter Orientale mit floralen Noten (ein Florientale wäre, wie ich finde, zu weit gegriffen).

Exkurs: Was für Mainstreamer habt Ihr damals geliebt, welche Düfte haben Euch über Jahre begleitet und bekleidet? Bei mir waren es, neben dem bereits genannten, vor allem Boudoir von Westwood, Hypnotic Poison von Dior und Aromatics Elixier von Clinique.

tongue by afornick

flowersthingsAber schauen wir uns zuerst einmal die Ingredienzen von Flowers&Things an: Kopfnote: Orange, Zitrone; Herznote: Lavendel, Rosmarin, Neroli, Minze; Basisnote: Patchouli, Moschus, Zedernholz.

Der Auftakt ist, wie schon erwähnt, für mich Cašmir in Reinform: Pudrigste Vanille, heftiger schwerer Orientaleneinschlag von üppiger Süße… nach einer Weile lichtet sich dann das Geschehen und offenbart krautigen Lavendel, scharf-würzig-süße Gewürznelken und fruchtige Rosenfrische, die miteinander im Vanillemilchbad versinken dürfen. Ylang beschert tropisch-fruchtig-florale Exotennuancen, die sirenengleich locken und einem das Bad wie die Erlösung überhaupt anpreisen. Und, ich muss schon sagen – wer auf derlei Düfte steht der wird dieser Verlockung wohl erliegen… müssen! ;)

Ich persönlich schätze den Duft, mir ist er aber für mich zu pudrig-vanillig und zu feminin. Wer das allerdings zu schätzen weiß, sollte sich vom nichtssagenden und lieblos ausgewählten Namen nicht abschrecken lassen.

Übermorgen geht es weiter mit den restlichen zwei Düften von Les Voiles Dépliées – bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

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Wie duftet Reichtum? Parfums MDCI – „Chypre Palatin“

Invasion Barbare“ lautete der stürmische Titel des letzten Duftes, den ich hier von Parfums MDCI untersuchte und für mehr als gut befand. „Chypre Palatin“ soll heute im Rampenlicht stehen. „Chypre“ ist geläufig, bei „Palatin“ hingegen stehen einige Bedeutungsmöglichkeiten zur Auswahl. Die wahrscheinlichste liegt wohl im Namen einer der Sieben Hügel Roms. Palatin bezeichnete aber auch das höchste Amt im früheren Königreich Ungarn sowie einen tuchartigen Umhängekragen, der in der altpfälzischen Tracht seinen Ursprung hat und durch Lieselotte von der Pfalz in Frankreich beliebt wurde. Im Französischen ist der Palatin auch der Pfalzgraf und der Name „Pfalz“ geht wiederum auf den römischen Hügel Palatin zurück, denn Wikipedia weiß:

Unter einer Pfalz verstand man im Früh- und Hochmittelalter entstandene (Wohn-)Stützpunkte für den reisenden König (seltener auch für einen Bischof als Territorialherrn, der dem König gegenüber in Gastungspflicht stand). Der Begriff entstand in Anlehnung an den Palatin, einer der sieben Hügel Roms, auf dem in weiten Teilen der römischen Kaiserzeit Augustus residierte (Domus Augustana).

Chypre Palatin

Duftkomposition:
Kopfnote: Hyazinthe, Clementine, Aldehyde, Labdanum (Zistrose), Galbanum, Thymian, Lavendel; Herznote: Rose, Jasmin, Iris, Backpflaume, Gardenie; Basisnote: Benzoeharz, Styraxharz, Leder, Vanille, Tolubalsam, Castoreum, Costus, Eichenmoos, Sand-Strohblume

Kein Geringerer als Bertrand Duchaufour steht hinter dieser Kreation, die bereits in der Ehrfurcht einflößenden Duftnotenangabe sowie der an den Refillflakon gehängten Troddel die Komplexität der Schöpfung erahnen lässt. Ja und wenn man sich das Werk nun aufsprüht, wird schnell klar, dass man vier Pfoten und eine feuchte Schnauze bräuchte, um die einzelnen Komponenten für sich genau zu identifizieren. Der klassische Chypre-Aufbau ist als solcher zu erkennen, so befinden sich unter anderem zitrische Noten im Kopf, Rose im Herzen und reichlich Eichenmoos in der Basis, wurde aber moderner und nicht so „nostalgisch“ – andere würden sagen „antiquiert“ – umgesetzt.

2010-03-13 03-14 Köln 166 Wallraf-Richartz-Museum, Georg Osterwald, Blick vom Palatin auf Rom, Detail

Opulenz, Opulenz ist das Motto, da blüht es nach allen Regeln der Kunst, weiße Blüten – Jasmin, Gardenie, aber auch Vanille und Süßigkeit zeigt sich über der watteweichen Pudrigkeit recht deutlich. Mein erster Eindruck war: auch für Männer? Ausgeschlossen! Je länger ich aber herumschnuppere, desto mehr könnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden. Auf der Haut ist der Duft ebenfalls überwältigend, vor allem die Blüten, die von würzigen, manchmal fast tierisch anmutenden Noten begleitet werden. Dabei sind das wohl die Vorboten der Harze und balsamischen Noten, die langsam aber immer stärker Fahrt aufnehmen und schließlich im Zusammenspiel mit dem Eichenmoos für den weichen Ausklang sorgen. Ein durchaus würziger, warmer und opulenter Unterbau orientalischen Ausmaßes, der unter der Blütenpracht schlummert und dann erwacht.

„Chypre Palatin“ ist sicher kein avantgardistischer oder allzu moderner Duft, denn er zeigt genug Traditionsbewusstsein, um der alten Duftfamilie Chypre treu zu bleiben. Mich fasziniert an dem Duft seine ungeheure Vielschichtigkeit. Zwar ist er zweifelsohne ein schwerer und reich ausgestatter Vertreter seiner Gattung, trotzdem wehen immer wieder auch leichte durchsichtige Elemente hindurch, die von den dominanten Bestandteilen nicht erschlagen werden, wie man vermuten könnte. Wirklich luxuriös und komplex! Ein Duft für Damen und experimentierfreudige Männer, ja, ich habe meine Meinung revidiert.

Viele Grüße
von Harmen

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