Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Ein Herren-Lavendel von Nicolaï

Geschrieben in Duft,Krautiges am 20.12.2011

Guten Morgen zusammen,

keine Sorge, vermutlich werde ich doch noch den einen oder anderen Lavendel aus dem Hut zaubern, bevor ich mich einem neuen Thema widmen muss. Ein beherzter Griff in die Pröbchensammlung bringt „Nicolaï pour Homme“ von Patricia de Nicolaï hervor.

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Die Kopfnoten sind wie folgt angegeben: Kopfnote: Galbanum, Orange, Minze; Herznote: Jasmin, Lavendel, Geranium; Basisnote: Eichenmoos, Zedernholz, Tannenbalsam, Tabak, Ambra, Labdanum (Zistrose)

Der eine oder andere wird sich jetzt denken: “Harmen, du Krampe, die Duftnoten kommen mir bekannt vor, schreibst Du eigentlich doppelt, oder was, geh doch heim!?” Daheim bin ich schon. Gewisse Ähnlichkeiten kann ich zum unlängst besprochenenRêverie au jardin“ von Andy Tauer durchaus feststellen, treffen doch auch hier Lavendel, Tannenbalsam, Ambra und Zedernholz aufeinander. Im direkten Vergleich zeigt sich allerdings, dass der Tauer um ein Mehrfaches krachiger, krautiger, grüner und waldiger ist und auch das Tannenbalsam fingerdick aufgelegt hat. Doch zurück zu Nicolaï: Im Auftakt werden die zitrischen Noten nicht versteckt – eine Orange, die durch die beigefügte Minze frischer herauskommt und so eher einer Zitrone gleicht. Die Minze verträgt sich sehr gut mit dem Lavendel im Herzen, ergänzen sie sich doch gegenseitig in ihrer frischen Krautigkeit. Getragen wird das Ganze von einer balsamisch-dunklen Note, die ich dem Galbanum, Ambra und Tannenbalsam anlaste. Hauchdünne Akzente von Eichenmoos und leicht floral-süße Einsprengsel akzentuieren den Duft und geben ihm eine angenehme Komplexität. In der Langzeitwirkung setzen sich die süßlichen Noten durch, immer aber begleitet von einer leichten Krautigkeit.

Wer also bei den Gartenträumereien des Herrn Tauer aussteigen musste, sollte sich durchaus einmal hieran versuchen. Ein edler Herrenduft, den ich mir ohne Probleme auch an einer lavendelbegeisterten Dame vorstellen kann, überhaupt finde ich, dass Lavendel meistens für beide Geschlechter taugt.

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In der Produktbeschreibung wird von Noten des Altweibersommers gesprochen – eine passende Assoziation, wie ich finde, übt doch gerade diese Zeit eine ganz eigene Faszination auf uns aus. Die langen Spinnenfäden, die wie die Haare alter Frauen aussehen – daher der Name –, Gerüche von gefallenem Laub auf der feuchten Erde und die letzten Sommerdüfte, die noch aus den Wiesen steigen…

Auch wenn wir jetzt mitten im Winter stecken, ein bisschen in den Herbst zurückspulen sollte erlaubt sein :-)

Viele Altherrengrüße von
Harmen

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Neuigkeiten die Dritte.


Wenn Herr Tauer von Lavendel träumt

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Grünes,Krautiges am 5.12.2011

Britannica LavenderUnd schon geht es weiter mit der Lavendelserie… übrigens habe ich gar nicht mehr so viele Düfte „auf Halde“, wenn Ihr also Vorschläge für Lavendeldüfte habt, die ich hier unbedingt einmal vorstellen sollte, dann nur heraus damit. Heute habe ich einen Duft auf dem Tisch, der, wie eine kurze Recherche zeigt, durchaus polarisiert. Die einen kommen mit den üblichen Vorurteilen von wegen Omas Schrank um die Ecke, die anderen sehen in ihm einen spannenden dunkel-grünen Duft: „Rêverie au jardin“ von Andy Tauer.

Ein Blick auf die Duftnoten lässt eine interessante Mischung erwarten:
Kopfnote: Lavendel, Galbanum, Bergamotte, Tannenbalsam, Rose; Herznote: Weihrauch, Ambrettesamen, Iris; Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Eichenmoos, Ambra, Sandelholz, Zedernholz

Unter den meisten Duftnoten kann ich mir etwas vorstellen – Galbanum gehört nicht dazu: Mein schlaues Buch verrät, dass es sich bei Galbanum um ein Gummiharz aus Steckenkraut-Arten aus dem Iran handelt, aus dem man wiederum per Wasserdampf-Destillation ein ätherisches Öl gewinnt. Dieses Öl soll grüne, waldige und balsamische Noten haben. Ich bin gespannt, ob ich es gleich entdecken kann.

Auf dem Duftstreifen ist der Lavendel sogleich präsent, aber auch eine frisch-würzige Komponente, die ich dem Tannenbalsam und auch ein wenig dem Galbanum zuschreiben möchte. In dieser Kombination ist das natürlich ein Kracher. Der ohnehin schon würzig-herbe Lavendel wird nun auch noch von einem Kiefernnadel-Tannenharz-Bergamotte-Verbund aufgerüstet, was selbst den Teststreifen zu einer äußerst intensiven Aromabombe macht.

Nach dem Aufsprühen auf die Haut bin ich überrascht, denn ich bin es mittlerweile gewohnt, dass sich die Kopfnoten eins zu eins wie auf dem Streifen wiederholen. In diesem Fall überhaupt nicht. Natürlich ist der Lavendel mit seinen Nadelholz-Kompagnons anwesend, aber der Rest vom Fest ganz deutlich auch. Die harzig-balsamischen Noten kommen klarer zum Tragen – ich denke das Galbanum kommt besser heraus und verbündet sich mit dem moschusartigen und blumigen Öl der Ambrettesamen sowie der Rose und dem Weihrauch. Was auf dem Duftstreifen intensiv krautig, harzig und frisch war, erweist sich auf der Haut im Verhältnis als insgesamt süßer mit einem blumigen Akzent, und was ich besonders ungewöhnlich finde ist, dass die Basis eigentlich kaum in Erscheinung tritt.

Ruined Wall, Coate Moor - geograph.org.uk - 1004031

Bei Traum und Garten hätte ich einen leichten, sommerlichen Blütenduft erwartet, aber das ist eine ganz falsche Fährte. Ich möchte überhaupt niemandem auf den Schlips treten, deswegen schreibe ich dies ausschließlich als meine Privatmeinung. „Rêverie au jardin“ ist eine ungewöhnliche Kreation, die den Mut hat, neue Wege zu gehen. Allein dafür schon großen Respekt. Meiner Meinung nach harmoniert die Komposition aber nicht optimal, zumindest nicht auf meiner Haut. Als Störfaktor würde ich das Tannenbalsam oder eben diese Nadelholzaspekte ausmachen, welche die Harmonie des Duftes unterlaufen. Auch nach längerer Zeit auf der Haut mag dieser Eindruck nicht schwinden und darüber hinaus geht der Lavendel leider auch unter.

Ich sehe hier keinen Garten, eher ein Waldrand, an dem einige Büsche blühen, eine verwunschene Lichtung, die nach geschlagenem Holz duftet und in ein dunkles Grün getaucht ist.

Deep-in-the-forest

Aber auch wenn der Duft meinen Geschmack nicht ganz trifft, bin ich beeindruckt von der unkonventionellen Vorgehensweise und kann allen Freunden extravaganter Düfte eine Probe dringend empfehlen. Ich denke, das ist ein Duft, der die Geister scheidet, aber wenn sich einer der Geister einmal dafür „be-geistert“ hat, ist es um ihn geschehen. Für jedes weitere Geister-Wortspiel lege ich fünf Euro ins Phrasenschwein, aber um diesem Spuk zu entgehen (Mist!), verabschiede ich mich lieber und bitte um reges Kommentieren, da ich sehr gespannt auf Eure Meinung bin.

Es grüßt aus dem dunklen Tann
Harmen

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A new star is born…


Ein Lavendel von Adel – Lavanda Nobile

Geschrieben in Duft,Krautiges am 2.12.2011

Und weiter geht es in meiner kleinen Reihe, die ganz dem Lavendel gewidmet ist. Ein Kandidat darf natürlich nicht fehlen: Lavanda Nobile von Nobile 1942. Mit seinen angegebenen Duftnoten muss er ein ganz feiner Duft sein, sodass schon vor einem ausgiebigen Test ganz Nobles erwartet werden darf: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Kardamom, Lavendel; Herznote: Lavendel, Maritime Noten, Guajakholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Benzoeharz, Eichenmoos.

Eine schöne Geschichte zu dem Duft gibt es obendrein, und diese will ich Euch auch nicht vorenthalten. Massimo Nobile kreierte diesen Duft als Erinnerung an seinen Vater, eine höchst persönliche Angelegenheit, welche mich auf die Idee bringt, Euch einmal zu fragen, wie Väter eigentlich riechen? Abgesehen von denjenigen Exemplaren, die durch stete Abwesenheit glänzen – diese riechen vermutlich nach L’Antimatière – habe ich doch schon im Gespräch mit vielen Leuten erfahren, dass sie einen ganz bestimmten Duft mit ihrem Vater verbinden.

Massimo Nobile beschreibt seinen Vater als einen Menschen, der eine natürliche Autorität besaß, der durch seine Art, sich zu kleiden, seine Gestik und seine verkörperten Prinzipien jemand war, der niemals um Erlaubnis fragen musste. Ein Mensch, der durch eine maßvolle Rede, geschliffene Umgangsformen und Entschlossenheit überzeugte. Kein Mann von großem Wuchs, aber mit einer imposanten Ausstrahlung, die Schönheit eines Mannes, der etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen hatte. Und obwohl er hinter vielen Düften stand, trug er selbst doch nur ein spezielles Parfum: einen klassischen Lavendel, der auch schon damals längst nicht mehr hergestellt wurde. Massimo Nobile beschreibt, dass dieser Duft ihn geradezu kleidete, zu seinem Charakter passte und alle Dinge durchdrang, mit denen er zu schaffen hatte. „Ich weiß nicht, ob ‘Lavanda Nobile’ seinen Duft hätte ersetzen können. Aber er ist für ihn kreiert, und ihm ist er zugeeignet. Meinem Vater.“ – Massimo Nobile.

Sea lavender and dunes - geograph.org.uk - 909470

Auf dem Teststreifen erwartet mich ein gesitteter Lavendel. Die durchaus krautigen und manchmal auch etwas bissigen Eigenschaften des Lavendels wurden durch frische Noten im Auftakt gekonnt austariert, ohne dessen Charakter aber zu verfremden. Bergamotte, Mandarine und Kardamom wurden zu einem frischen Aspekt vereint, der eigentlich nur Frische mitgibt, ohne aber die Einzelakteure groß in Erscheinung treten zu lassen. Auch auf der Haut das gleiche Bild, jedoch werde ich hier von kräftigen aquatischen Noten überrascht, die dem gesamten Duft ihren Stempel aufdrücken. Eine ganz neue Variante Lavendelduft. Hatten wir es bislang mit Lavendelkrachern reinster Güte zu tun oder mit distinguierten, englisch anmutenden Düften, haben wir hier nun einen neuen Typus vorliegen: den aquatischen Lavendel. Die Basisnoten darf man sich als leise Hintergrundmusik vorstellen, auch hier sind Hölzer und Harze in Moschus und Ambra artig eingebettet.

Frisch, aquatisch und bislang auch die modernste Interpretation eines Lavendels, ganz klar für beide Geschlechter geeignet. Mir persönlich gefällt er ausgesprochen gut. Was denkt Ihr?

Es grüßt Euch
Harmen

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Parfums für die lieben Kleinen…


Ein italienischer Lavendel von Villoresi

Geschrieben in Duft,Krautiges am 21.11.2011

Wie bereits verkündet, setze ich mich momentan intensiver mit dem Thema Lavendeldüfte auseinander. Mit Lorenzo VilloresisWild Lavender“ bin ich diesbezüglich ebenso fündig geworden und möchte Euch diesen heute vorstellen. Zuletzt war Czech & SpeakesOxford & Cambridge“ an der Reihe, mit dem wir einen äußerst britisch-kultivierten Universitätsduft vorliegen hatten.

Villoresis Namensgebung lässt auf eine wilde oder ursprüngliche Variante schließen, vielleicht das Kontrastprogramm zu dem akademischen Vertreter? Jedenfalls versprechen die Duftnoten eine frische Interpretation:

Kopfnote: Lavendel, Bergamotte, Zitrone, Iris, Koriander, Elemiharz, Lorbeer, Galbanum; Herznote: Gewürznelke, Muskatellersalbei, Wacholder, Pfeffer; Basisnote: Tonkabohne, Moschus, Rosmarin

Schon der Duftstreifen präsentiert einen ganz feinen, frischen Lavendel, der mit leicht süßlichen Noten akzentuiert wird. Auf der Haut ist es ganz klar der Lavendel, der von Beginn an das Heft in der Hand hat. Zitrische Noten von Bergamotte und Zitrone gesellen sich hinzu. Offen gesagt dominiert der Lavendel so stark, dass die anderen angegebenen Komponenten kaum wahrnehmbar sind. Ich möchte behaupten, dass die harzigen Noten von Galbanum und Elemiharz genauso geschluckt werden wie die anderen Noten. Sicherlich unterstreichen diese Bestandteile den Lavendel, ohne aber selbst deutlich in Erscheinung zu treten. Außer leichten würzigen, möglicherweise pfeffrigen Andeutungen lassen sich diese nicht genauer bestimmen. Wie geht es Euch dabei?

Lavender

Dieser Duft ist ganz seinem Protagonisten verpflichtet. Die Duftnoten tragen ganz im Sinne einer Teamarbeit ihren Star, den Lavendel, stützen ihn und geben ihm Durchschlagskraft. Erst in der Langzeitwirkung vermögen die anderen etwas durchzuscheinen: Moschustöne, Tonkabohne und etwas Rosmarin meine ich erkennen zu können, nur ein Hauch von Zedernholz scheint entweder verschwiegen worden zu sein oder ich täusche mich ganz einfach.

Auch wenn wir es hier mit einer cologneartigen, italienischen Interpretation zu tun haben, konnte sich Herr Villoresi wohl auch nicht ganz von der Englandassoziation freimachen. So hieß der Duft ursprünglich „Inglese“ (Englisch). Vielleicht hat sich ein Englishman nicht nach New York, sondern in die südlichen Gefilde verirrt…

Ein ganz edler Duft, ebenso auch für Damen geeignet und deswegen zurecht als Unisexduft ausgewiesen. Vielleicht werde ich am Ende meiner Serie einen Favoriten küren. Die bisher erwähnten Lavendeldüfte machen es mir allerdings schwer, mich jetzt schon festzulegen. Alle haben auf ihre Art und Weise einen ganz besonderen Charakter und wenn man Lavendel einfach mag, müsste schon viel passieren, um ihn auf gut Deutsch zu versauen – oder hat jemand einen Vorschlag, der mich eines Besseren belehrt? ;-)

Viele Grüße von
Harmen

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Riecht wie bei Oma im Schrank? Im Gegenteil!

Geschrieben in Duft,Krautiges am 7.11.2011

Vor kurzem habe ich einmal fallen lassen, dass ich doch eine kleine Lavendelserie starten könnte. Ausschlaggebend für die Idee waren zwei Düfte: der schon im Februar besprocheneAntihéros“ von État Libre d’Orange sowie der erst kürzlich rezensierteArôme 3“ von Parfums d’Orsay. Um richtig in Stimmung zu kommen, habe ich mir kurzerhand beide aufgesprüht und schwelge nun in Lavendelwolken. Der Antiheld erweist sich als der konsequentere Vertreter der Gattung Lavendel, klar, ohne Umschweife und geradeaus. Bei der Kreation von Parfums d’Orsay wurden zehn Duftnoten mehr verwendet, was sich natürlich in der Komplexität des Duftes widerspiegelt: hier wurde der Lavendel in einen ganzen Verbund an Noten eingebettet, was ihm einen letzten Schliff gibt.

Lavender field

Liebe Leser, heute habe ich mir Czech & SpeakesOxford & Cambridge – Traditional Lavender“ vorgeknöpft. Frisch auf den Streifen gesprüht werde ich von einer Lavendelwalze überrollt, die dem Auftakt von „Antihéros“ in nichts nachsteht. Aber trotzdem erweist sich der Czech & Speakesche Auftakt als frischer, um genau zu sein als minzig.

Eine Kombination, die meines Erachtens hervorragend zusammenpasst. Im Kopf sind außerdem noch Bergamotte und Rosmarin angegeben, mal sehen, ob diese auf der Haut deutlicher herauskommen. Dort kommt die Pfefferminze noch klarer zum Tragen. Was den Rosmarin anbelangt denke ich, dass dieser vom Lavendel geschluckt wird, da beide eine gewisse Krautigkeit besitzen. Das Gleiche gilt auch für die Basis, auch hier ragt der Lavendel weit hinein, ohne dass aber das Sandelholz und das Eichenmoos untergehen. Der Nachklang ist eindeutig holzig mit einem ganz leichten Hauch von Leder (ich verdächtige das Eichenmoos), was dem Duft einen konservativen Charakter verleiht. Dass bei dieser Namensgebung kein Kaugummiduft zu erwarten ist, ist auch klar.

Oxford und Cambridge, die beiden britischen Eliteuniverstäten, passen hervorragend zu diesem Duft. Ein gebildeter Lavendel, durch und durch kultiviert und mit dem herben Charme britischer Traditionen versehen. Neben dem unlängst besprochenen Ivy League von Domenico Caraceni sicherlich ein Uni-Duft, der noch etwas mehr von der altehrwürdigen Atmosphäre des “Alten Europa” zu erzählen weiß.

Merton College library hall

Mir gefällt der Duft sehr gut. Keine Frage, man muss ein Freund von Lavendel sein und darf nicht vor konservativen Düften zurückschrecken. Ein Test ist er aber allemal wert

Hier noch die harten Fakten: Kopfnote: Bergamotte, Pfefferminze, Rosmarin; Herznote: Lavendel; Basisnote: Eichenmoos, Sandelholz.

In Kürze folgen weitere Lavendeldüfte, versprochen! Habt Ihr Favoriten?

Liebe Grüße
Harmen

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Kunst, Kultur & Kreativität – Six Scents Series 3.

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes,Krautiges am 4.10.2011

Endlich! … werden einige von Euch denken – Christiane? ;) Lange hatte ich sie schon angekündigt und meiner Ankündigung bisher keine Taten, vielmehr Rezensionen folgen lassen. Damit ist ab heute Schluss – diese Woche steht ganz im Sinne der neuen und somit dritten Serie von Six Scents.

Six Scents, wer war das noch einmal? Wie immer eine Kooperation – zwischen Grafikdesignern, einem Aromastoffhersteller, Designern und Parfumeuren. Kreativität und Kultur – und das zu einem guten Zweck. Sechs Designer und sechs Parfumeure schaffen sechs Düfte – und spenden.

Das diesjährige Motto ist „Innocence to Experience“:

„Six Scents Series Three is an exploration into the nature of childhood memories and the influence of adolescence on identity. Six designers from six different parts of the world have been invited to remember the most definitive experiences of their youth that led to their sense of identity today and to recall some of their most intimate childhood memories involving the sense of smell. Exploring the stories from one through six, innocence begins to fade and rebellion, reality and mischief kick in. In addition, a group of contemporary artists have been invited to interpret the progression from innocence to experience through film. A portion of the proceeds will go to War Child International (warchild.ca) in support of children who have not had the good fortune to experience the same freedom of childhood and adolescence.“

Der Einfluss der Jugend auf die Identität – eine schöne Idee. Und die Spenden gehen an Kinder der kanadischen Organisation War Child International, die Kriegsopfern hilft, Kindern, die keine solch heilen Kindheitserinnerungen sammeln konnten wie die Kreativlinge. Deren Ideen gehen natürlich weit über die Düfte hinaus – das Packaging der Series 3 ist einfach atemberaubend: Außer limitierten nummerierten Flakons ist jede Schachtel mit einem von Robert Knoke entworfenen Porträt derjenigen verziert, die ihn geschaffen haben. Darüber hinaus liegt jedem Duft eine DVD mit folgenden Kurzfilmen bei: Le Viol de La Meduse von Alia Raza, Dom, 13. Savannah, 16’ von Lucas Michael, Boobs & Flowers von Olaf Breuning, Untitled, 2010 von Sue de Beer, A little wonder von Rainer Judd, Transition von Tim Richardson, First Kiss von Iain Forsyth & Jane Pollard, Pretty Wise von Heather Sommerfield, Deflowering Lily von James Widgren, Gary Gunn & Kaya Sorhaindo (ein Teil davon lässt sich auf deren Webseite ansehen) und Making Scents of Memories – die Six Scents: Series Three-Dokumentation, die man hier vorab schon bewundern kann:

Ein Projekt, dass es mir sehr angetan hat – unter einem immer ansprechenden Motto versammeln sich vielversprechende Nachwuchskünstler aus der Haute Couture und dem Parfummarkt und schaffen etwas zusammen. Dabei kam bisher nur Tolles heraus, ich bin ein echter Fan der beiden letzten Serien, schauen wir, was dieses so mit sich bringt.

Und beginnen heute mit No. 1, Beau Bow von Alexis Mabille und Rodrigo Flores-Roux.

„It was a fantastic experience to be immersed in Alexis’ world. His impeccable taste, his enormous knowledge of the history of art, fashion and design, and a deep love for garden flowers „that are somewhat vintage or out of fashion“ provided a lot of fun and inspiration. Alexis wanted his fragrance to be very chic, very bourgeois, quintessentially French. Both of us share a nostalgic memory of the ideal image of France in the 1970’s, elegantly modern, but strangely, still romantic, a bit hazy, like a David Hamilton photograph. I picture Alexis as a kid, with his cat as inseparable sidekick, already thinking about the bow laden dresses of his brilliant future. A sweet boy with a conviction… just like the fragrance structure we chose to develop. We re-imagined the fresh and elegant “Eau Fraiche” structure so popular in France in the 70’s, and gave it a jolt… and a twist… Our result: the crisply fragrant image of a very chic and cultured French teenager who enjoys his quirks and is eager to discover the world, making love to it for the first time and breathing it all in.“ – Rodrigo Flores-Roux.

Ein nostalgischer Duft, einer Hamilton-Fotografie gleich, typisch französisch, elegant und schick – wie die Kleider des Herrn Mabille, eingefangen in einem Eau Fraîche unter Zuhilfenahme von so vielen Zutaten, dass ich sie unmöglich alle hier listen kann – oder doch: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte, Orange, Lavendel, Basilikum, Minze, Veilchenblätter, Galbanum; Herznote: Jasmin, Magnolia, Rose, Alpenveilchen, Geißblatt; Basisnote: Chypre-Akzent, Vetiver, Moos, Iris und Kephalis, eine von Givaudan kreierte Note („Kephalis is a very versatile and rich product, used as a long lasting heart/basic note. It blends well with floral notes – jasmine, rose, violet, lavender, etc. – as well as sophisticated amber, woody-aldehydic, tobacco and masculine creations.“).

Wenn ich mir so Mabilles Kleiderkreationen bei Google vor Augen führe – ihn kannte ich nämlich in der Tat noch nicht – dann passt der Duft ganz schön gut. Ich fühle mich erinnert – an Françoise Sagan, an Bonjour Tristesse und ihre anderen Werke, Frauenliteratur, ja. Aber nett, französisch, melancholisch, ein bisschen kitschig. Und immer voll von jenen gut angezogenen Frauenfiguren, die durch irgendwas, meist – irgendwen ins Leid gestürzt werden. Aber ich schweife ab ;)

Sehr nett, sehr frühlingshaft, zitrische Prickelei in der Kopfnote und ozonige Anklänge, sanfter Hauch Kräuter, frische minzige Anklänge und zarte Blüten. Vor allem Geißblatt zeigt sich präsent und naturaliter sehr heiter – erinnert ein wenig an Annick Goutals leichtere Kreationen. Sauber ist es, das Düftchen, und wie eine Frühlingsbrise, dabei aber keineswegs unnatürlich-artifiziell wie manch amerikanischer Sauberduft. Jugendliche Leichtigkeit des Seins in adretter Verpackung.

Damit fängt die dritte Serie ja schon mal ziemlich gut an – mal schauen wie es weiter geht dieser Tage…

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Six Scents Series 3, Claude Monet (1886): Essai de figure en plein-air: Femme à l’ombrelle tournée vers la gauche, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Six Scents Series 3 in unserem Shop.

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Six Scents – Von denen, die auszogen, die Welt zu verändern…
Six Scents Series 3 – die Dritte.
Neuigkeiten die Fünfte und Letzte.


Der Garten des Dichters…

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden,Krautiges am 12.08.2011

Jardin du Poète heißt er, der neue Duft aus dem Hause Eau d’Italie, für den einmal mehr der omnipräsente Bertrand Duchaufour verpflichtet wurde.

„The inspiration for this fragrance is a tale from a bygone era, when nations where ruled by poets, and poets were sacred to Apollo. In those days Sicily was a Greek colony, Syracuse was a fragrant court, and its gardens vibrated with the scent of citrus orchards and rows of aromatic plants. Thus “Jardin du Poete”, the poet’s garden, a luminous fragrance to evoke Sicily and all things Sicilian.“

Ein Land von heiligen Dichtern regiert – erinnert mich spontan ein bisschen an Schillers ästhetische Erziehung und an die imposanten (und äußerst theorielastigen) Tagträumereien der Romantiker: „Die Welt muss romantisiert werden!“, so forderte Novalis, und gab auch gleich die Alltagsanleitung für jene poetische Überhöhung der Dinge: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es.“ Eine Prise Umdeutung schadet im Leben nicht, auch wenn nicht alles Einstellungssache ist, lässt sich viel damit beheben.

Monsieur Duchaufour hatte in jedem Falle einen Superlativ im Blick, als er Jardin du Poète kreierte, und zeigt einmal mehr was für ein phantastisches Händchen er als Parfumeur besitzt.

Der Auftakt des Duftes gleicht einem Schritt in einen paradiesgleichen Hesperidengarten: Agrumen in Hülle und Fülle – saftige Mandarinen, leuchtende Bitterorange und säuerliche Grapefruit, die alsbald den Blick freilassen auf einen gar herrlichen Kräutergarten. Basilikum, bitter und dunkelgrün, leuchtet und strahlt, und ich vermeine dahinter Tomatensträucher zu erblicken. Denn die zerriebenen Blätter von Tomaten rieche ich, ähnlich wie in dem von mir sehr geliebten Raumspray Feuilles de Tomate von Parfums d’Orsay. Frisch, grün, leicht herb und von jener seltsamen Art „Fruchtigkeit“ begleitet, die Tomaten so an sich haben. In diesem beeindruckenden aromatischen Überfluss lässt sich vortrefflich schwelgen, er begleitet ein weit in den Duft hinein, bis später eine trockene Wärme an Einfluss gewinnt: Würzige Heunoten von sich sehr zivilisiert benehmender Immortelle (ohne Maggianleihen, versprochen!) stiften ebendiese, während Vetiver und Zypresse holzig-grüne Akzente setzen samt eines leichten Hauch Rauchs, von der Basis aus Moschus subtile Weichheit erfahrend.

Jardin du Poète ist grün-aromatisch, überaus authentisch, zitrisch und gleichermaßen durchgängig frisch wie sonnengewärmt. Mir will der Duft wie eine Kindheitserinnerung scheinen, an einen Garten Eden, einen einsamen. Ans Paradies. Und weckt so gedankliche Querverweise, die ich Euch nicht vorenthalten will: Die erhabene Einsamkeit eines Goutalschen Ninfeo Mios, das grüne Strahlen eines oder dasjenige von Odoris Gli Odori ohne Transpira… äh, Kumin. Heu und Bitterorange bei Ellenas Klassiker Bigarade Concentrée abgeschaut und das Zitrusfrüchte-Ensemble aus einem jener Vorzeige-Hesperiden wie zum Beispiel Atelier Colognes Orange Sanguine.

Sollte Sizilien auch nur in Ansätzen derart überzeugend sein wie Jardin du Poète, so steht es auf meiner Reiseliste demnächst ganz weit oben. Aber, wer weiß – noch mehr so schöne Düfte und es muss vielleicht dann doch zunächst das Geburtshaus der Eau d’Italie-Kollektion sein, Le Sirenuse in Positano, in dem ich zu weilen gedenke. Ich sehe schon, eine Italienrundreise wäre auch nicht so schlecht…

Einen schönen Tag Euch noch sowie ein ebensolches Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike, nach einer “Reise-Woche” in Urlaubsplänen schwelgend.

Bildquelle: “Palermo (Sicilia). Travel poster shows a garden courtyard with arcade and tower of San Giovanni degli Eremiti in Palermo, Sicily. Print by Stab. A. Marzi, Roma, for ENIT (Ente Nazionale Italiano per il Turismo), ca. 1920.” von trialsanderrors, Citrus aurantium chinotto von Raul654, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Jardin du Poète in unserem Shop.

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Du spürst wie die Blumen
Die Anthology-Collection…
Ein Tag unter dem Feigenbaum: Micallef – Sous le Figuier


Histoires de Parfums – 1740 – Marquis de Sade

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges am 1.08.2011

Sade (van Loo)

Ein weiterer Duft also, der dem berüchtigten Marquis de Sade gewidmet ist. Die Älteren unter uns werden sich bestimmt noch an Marielas und meine Duftrezension zu Nez à Nez’ Ambre à Sade erinnern, dem quietschebunten Walderdbeerduft, bei dem wir nun überhaupt nicht darauf kamen, inwiefern er mit dem lüsternen Markgrafen in Verbindung steht.

Ich darf es schon verraten. Das wird nun vorerst die letzte Besprechung aus der Histoires de Parfums-Reihe sein. Ob 1740 – Marquis de Sade die Krone als bester Duft davonträgt, wird sich in Kürze zeigen.

Kopfnote: Bergamotte, Davana; Herznote: Patchouli, Sand-Strohblume, Kardamom, Koriander; Basisnote: Zedernholz, Elemiharz, Leder, Labdanum (Zistrose)
…klingt doch nach einem Duft mit Potential!

Auf dem Teststreifen erweist sich Marquis de Sade als holzig, ledrig und auch ein wenig harzig. Eine unterschwellig süße Note ist zudem wahrnehmbar. Eine gewisse Würze von Kardamom sowie Kräuternoten von Davana lassen sich ausmachen. Auf der Haut kommt die Würze besser zum Tragen, sodass ich ohne Duftnotenangabe auf Vetiver getippt hätte. Geradezu trocken erscheinen nun auch die Holznoten und ich bin mir nicht sicher, welchem Akteur dies anzulasten ist. Eine kurzes Nachschlagen in einem Fachbuch bringt mich auf eine Spur: Davana vereint krautige und teeähnliche Aspekte mit Noten, die an Whisky oder Cognac erinnern sowie holzige Ambranoten beinhalten. Das würde doch eigentlich gut passen, oder? Ein Telefonat mit Uli bringt Licht in die Sache: es ist die Sand-Strohblume bzw. Imortelle, die hier das Heft in der Hand hat und mit ihren würzigen Noten bekanntermaßen die Geister scheidet.

Gnaphalium arenarium Sturm30

So wie es aussieht, habe ich mir die besten Düfte dieser Reihe ganz unbewusst für den Schluss aufgehoben, denn auch “1969 Révolte” gefiel mir in meiner letzten Besprechung sehr gut. Auch dieser Kandidat zeigt sehr viel mehr Charakter als es die ersten Düfte vermuten ließen.

Marquis de Sade ist wahrscheinlich eher für einen Herbst- oder Wintertag geeignet und dürfte tendenziell einem Mann besser stehen. Schwülstige oder gar erotische Momente, die der Titel implizit ankündigt, finden sich hier meines Erachtens nicht. Ein Test auf der Haut ist aber geboten, denn hier kommt der Duft weitaus kraftvoller daher als auf dem Streifen.

Doch wer war nun dieser Marquis de Sade, nach dem der Sadismus benannt wurde? Geboren wurde er 1740 und auf den wohlklingenden Namen Donatien Alphonse François getauft. Weltruhm erlangte er vor allem durch seine Schriften, welche man neben seinen kirchenfeindlichen und philosophischen Romanen, ganz klar der harten Pornographie zuordnen kann. Der Marquis ließ sich nicht davon abhalten, diese drastischen Darstellungen auch im echten Leben durchzuturnen, sodass es mehrere Klagen gab, bei denen er einigermaßen glimpflich davonkam, letzlich aber in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. Was war passiert? Zwei Prostituierte bezichtigten ihn, sie mit Aphrodisiaka gefügig gemacht und zu Gruppensex und Analverkehr gezwungen zu haben. Nach einer Flucht und weiteren Untaten wurde er schließlich eingesperrt und das Todesurteil aufgehoben. Die Zeit im Gefängnis bot ihm nun die Möglichkeit, sich schriftstellerisch auszutoben und bekannte Werke wie “Die 120 Tage von Sodom” zu verfassen. Als Gefangener in der Bastille rief er im Revolutionsjahr 1789 der demonstrierenden Menge zu: “Sie töten die Gefangenen hier drinnen!”, woraufhin man ihn in die Irrenanstalt brachte. Weitere Gefängnisaufenthalte sollten folgen und auch der große literarische Durchbruch gelang ihm zu Lebzeiten nie.

Ich bin gespannt, wer den Duft schon getestet hat und was Ihr von ihm haltet!

Mit einem sadistischen Gelächter verabschiede ich mich
Harmen

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Tuberose die Dritte…
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Die Schöne und das Biest: Ambre à Sade


Die Vergessenen: Il Profumo Ginger & Cannabis.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Krautiges am 14.07.2011

Heute und morgen rutsche ich im Schnelldurchgang vier Italiener durch, die schon viel zu lange einer Rezension im Dufttagebuch harren und mich mittlerweile vorwurfsvoll-drohend mit ihrer Präsenz unter Druck setzen.

Silvana Casoli von Il Profumo hat ihre Osmo-Linie um zwei Düfte erweitert, Ginger und Cannabis. Zuerst in die Finger fällt mir Cannabis. Was soll ich sagen – meine bescheidenen sachkundigen Kenntnisse zu derlei Substanzen liegen Jahre zurück, ich habe sie aber anders in Erinnerung. Gualtieri, die verrückte Nase von Nasomatto, liegt da mit seinem phänomenalen und permanent ausverkauften Black Afgano schon sehr viel näher. Und trotzdem verstehe ich im Laufe der Entwicklung, was Casoli im Blick hatte: Einerseits krautig-kräuterig, aber trocken präsentiert sich der Duft, auf einem seltsam warmen, pudrigen Lager ruhend und mit leichter Süße versehen, zu der sich eine würzige Schärfe gesellt, die sich durchaus mit dem warmen Rauch von brennendem Hanf vergleichen lässt, eine eigenartig sauberen Hauch nach sich ziehend. Gewürznelke vermute ich und Moschus, zarte Mandeln und chypriert-krautige Anklänge. „Elegant, hypnotisch und provokativ“ passt also ganz gut, obgleich der Duft wirklich tragbar ist.

Ginger hat natürlich leichtes Spiel mit mir, zählt diese Ingredienz doch zu meinen Lieblingen: Im Auftakt prickelnd wie ein Schaumwein, mit einer zitrisch-säuerlichen Bitterkeit versehen geben sich einige Agrumenfrüchte ein dynamisches Stelldichein, dass von der ihm genuinen frischen, fruchtig-trockenen Herbheit des Ingwers harmonisch ergänzt wird. Im Abgang gibt es dann noch ein wenig fruchtiges grünes Gummibärchen à la Nasomatto Absinth. Absolut unkompliziert, nicht wahnsinnig komplex, aber schön – es muss nicht immer kompliziert sein. Ich kann mir den Duft bestens vorstellen als Begleiter für derlei heiße Tage, wie wir sie gerade vermehrt hatten. Genügend Leichtigkeit besitzt er, er macht aber auch den Kopf frei – „geballte Energie“, „ein Synonym für Vitalität“, „Lebensfreude weckend“, „ein klarer Geist und freie Gedanken“, die Beschreibungen sind wahrlich treffend für diesen „kraftvollen Duft“, dem ich im übrigen auch noch eine Note grünen Apfels andichte.

Morgen geht es weiter mit den Vergessenen von SigiliHesperia und Ea. Bis dahin liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht Euch Eure

Ulrike.

Bildquelle: Two varieties of ginger as sold in Haikou, Hainan, China von Anna Frodesiak, Cannabis Sativa von Michael Wolf, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Il Profumo Ginger Osmo und Cannabis Osmo in unserem Shop.

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Mona di Orios Vorliebe…

für den goldenen Schnitt hatten wir ja bereits vor nicht allzu langer Zeit kennengelernt – im April diesen Jahres berichtete ich über die Einführung ihrer neuen Kollektion Les Nombres d’Or:

Der goldene Schnitt… oder auch die Göttliche Teilung stellt ein bestimmtes Strecken-/Größenverhältnis dar, welches ideale Proportionen vorweist und insofern seit der griechischen Antike als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie und somit auch Schönheit gesehen wird. Der Goldene Schnitt wird nicht nur in der Kunst, der Architektur, der Malerei, der Photographie usw. angewendet, er kommt auch in der Natur selbst vor. Und war, wie ich bereits letztes Jahr berichtete, die Inspiration für Mona di Orios neue Duftkollektion Les Nombres d’Or. Nach eigenem Bekunden half der Goldene Schnitt ihr, Schönheit zu verstehen, eine diesbezügliche Perspektive zu finden.

Ambre, Musc und Cuir (Leder) machten den Anfang jener Kollektion, die Madame di Orio nun flugs um (gleich) drei weitere Düfte ergänzt hat: Vétyver, Vanille und Tubéreuse. Nachdem mich das erste Trio bereits positiv zu überraschen wusste habe ich mich für Euch umgehend ins Getümmel gestürzt und getestet…

Vétyver war mein erster Testkandidat und wird das Herz eines jeden Freunds dieses Grases sicher höher schlagen lassen: Hier sehen sich alle Facetten des wunderbaren Vetivers vereinigt – bittere Herbheit, grüne Grasigkeit, verhaltene Rauchigkeit, eine gewisse, an Minze gemahnende Frische, krautige Trockenheit. Perfekt gewählt erscheinen die Zutaten, welche die verschiedenen Seiten des Vetivers zum Strahlen bringen: Ingwer stiftet frisch-herbe Fruchtigkeit und unterstreicht die Trockenheit, Grapefruit spendet salzige sowie zitrisch-säuerliche Anklänge, Muskat würzt pfeffrig akzentuierend und Muskatellersalbei verleiht einen subtil-floralen Anstrich.

Je länger ich den Duft auf der Haut habe, desto mehr Verwandte fallen mir ein – und die sind wirklich alle blauen Blutes: Chanels Sycomore, The Different Companys Sél de Vetiver sowie Malles Vetiver Extraordinaire. Und eine Prise des göttlichen Route du Vétiver von Maître Parfumeur et Gantier. Allerdings – der alten Variante, meines Erachtens nach hat sich der Duft nämlich verändert die letzten Jahre, sachter ist er geworden, gefälliger, leider. Aber zurück zu Mona di Orios Vétyver: Ich als Vetiver-Fan bekomme natürlich nie genug und habe die Nase noch lange nicht voll von dieser herrlichen Zutat. Und könnte mir durchaus vorstellen, dass dies hier Vetiver-Duft XY in meinem Repertoire werden könnte.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Ingwer, Grapefruit; Herznote: Muskatnuss, Muskatellersalbei, Labdanum (Zistrose); Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Moschus, Patchouli, Virginia-Zedernholz.

Vanille nun wiederum gehört nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Ingredienzen, obgleich es einige vanillezentrierte Düfte gibt, die auch mich für sich einzunehmen vermochten – wen es interessiert, es waren oder vielmehr sind: Annick Goutals Vanille Exquise, Diptyques Eau Duelle und Bois 1920 La Vaniglia. Wenn wir im übrigen gerade bei Bois 1920 sind: Bois 1920 sowie Odori gehen sehr zu meinem Bedauern vom Markt, die Produktion wurde bereits eingestellt. Wer noch einen Duft braucht sollte sich jetzt schnellstmöglich eindecken, bald gibt es sie nicht mehr.

Die Inspiration zu Vanille liest sich ähnlich wie die zu Lubins Idole: Gewürzstraße, ein altes Schiff, das gen Madagaskar unterwegs ist oder irgendwo anders dort herumschippert und kostbare Ladung in seinem Bauche trägt – Rumfässer, Orangen, Vanilleschoten, Ylang-Ylang, Gewürze, Sandelholz und dergleichen.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Rum, Bitterorange, Nelke; Herznote: Vanille, Guajakholz, Ylang-Ylang, Tolubalsam, Petitgrain; Basisnote: Vetiver, Sandelholz, Tonkabohne, Leder, Moschus, Ambra.

Vanille wird als Gourmand beschrieben – und letztendlich ist der Duft das auch, irgendwie. Aber nicht das, was sich Zuckerschnuten und Süßmäuler normalerweise darunter vorstellen – uns erwartet hier weder keksige Fröhlichkeit noch ausgelassene Milchspeiseheiterkeit. Den Auftakt übernehmen wie bei der Weihnachtsbäckerei Bitterorangenschalen, die sich alsbald in einer Rumbowle wiederfinden. Gewürznelke satt, pfeffrig-scharf und trocken, später in ambrierter Gesellschaft, während Vanille und Tonkabohne sanft wärmend die Zeit versüßen. Hölzer und Vetiver zeichnen einen Hintergrund von rauchiger Holzigkeit, ich kann die vielen verschiedenen Fässer im Rumpf des Schiffes richtig riechen… die im übrigen auf einem opulenten, würzig-warmen Vanillebett lagern. Diese wird nämlich immer präsenter im Laufe der Zeit. Und verharrt bis zum Ende in inniger Umarmung mit einem Lederchen, welches meiner Ansicht nach von einer Weihrauchaura umweht wird.

Ein Abenteuerduft in bester Tradition eines sehr trockenen Gewürzorientalen. Müsste ich eine grobe Richtung benennen würde ich erinnern an Malles Noir Épices, Sinfonia di Notes Poudre d’Épices und Washington Tremletts Clove Absolute, vielleicht auch Villoresis Garofano. Eine Prise Micallefs Gaïac dazu und einmal von Herrn Lutens umgerührt – fertig. Und sehr sehr nett. Durchaus in der Tradition jener von mir oben genannten eher unkonventionellen Erwachsenen-Vanille-Variationen, was mich meine Vanilleliste nun um einen weiteren Duft erweitern lässt.

Tubéreuse ist der dritte Duft im Bunde. Von der Parfumeurin „Tuberose der Dämmerung“ getauft soll sie eine grünere und frischere Tuberoseninterpretation darstellen und ist in der Tat ein sehr zivilisierter Weißblüher: Zitrische Herbheit der Bergamotte von Pfeffer kokett kontrastiert, dezente, leise aufblitzende grün-minzige Anklänge. Im Herzen von cremig-weicher, vanillig-mandelig kredenzter Tuberose geprägt, die durch Kokosnuss süß-würzige Akzente erfährt. Die Basis vertieft die vorherrschende Weiche und Wärme.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Rosa Pfeffer; Herznote: Tuberose, Heliotrop, Kokosnuss; Basisnote: Benzoeharz, Moschus.

Eine schöne und absolut tragbare (!) Tuberoseninterpretation, mit der sich sicher sowohl Freunde als auch Feinde dieses Weißblühers anfreunden können.

Im übrigen an dieser Stelle Kompliment an Madame di Orio – mir imponiert diese ihre neue Kollektion. Vielleicht sollte ich mir ihre früheren Kreationen doch nochmals näher anschauen…

Grübelnde Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquellen: Pirate Ship von tap78/Tomasz A. Poszwa, Tuberose von Aruna, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Les Nombres d’Or-Kollektion in unserem Shop.

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