Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Sommerzeit Teil 2.

Geschrieben in Duft, Grünes, Hesperiden, Krautiges am 8.07.2010

Früher, das muß ich ganz ehrlich gestehen, war Sommer in jeder Hinsicht so gar nicht meines. Ich war ein Herbst/Winter-Typ durch und durch – vom Naturell her, was die Kleidung angeht, die Stimmung(en) sowie auch: die Düfte. Heute sind meine Lieblinge, die olfaktorischen, immer noch eher für die kälteren Jahreszeiten bestimmt, aber, wie es so ist – je länger man sich mit einer Thematik beschäftigt, desto breiter wird der Horizont. In Puncto Düfte hieß das bei mir: Während es früher die derben Kracher sein mußten, kann ich mich mittlerweile durchaus auch für etliche andere Duftrichtungen erwärmen und begeistern. Heute darf es auch mal ein Blümchen sein oder lecker Früchtchen, während früher nur einziehen durfte, was zumindest eine Duftnote aus dem altbekannten Dominaequipment zu bieten hatte: Leder oder Tabak oder wenigstens Weihrauch, drunter ging es bei mir nicht.

Dementsprechend spärlich war auch mein Sommerduftrepertoire – Zeiten waren das… Heutzutage gibt es derlei viele, gestern habe ich Euch schon einen Teil davon vorgestellt, heute und morgen geht es munter weiter damit.

Eine wirkliche Sommerallzweckwaffe ist Minze, wie ich finde. Luca Turin hat in seiner Rezension zu Guerlains Aqua Allegoria Herba Fresca recht deutlich auf den Punkt gebracht, was das Problem an und mit Minzdüften ist: Wie einen solchen kreieren, ohne den Verbraucher sofort an Zahncreme denken zu lassen? Ich habe keine Ahnung, ob diese Rechnung mit meinen beiden Minzlieblingen wirklich aufgeht – es ist mir aber eigentlich auch vollkommen gleich ;)

Guerlains Herba Fresca ist schon einer davon: Eine im Auftakt ihrem Namen mehr als gerecht werdende, scharfe Pfefferminze. Ganz alleine und aufrecht, für eine lange Zeit. Frisch, fast schon ätherisch. Und die Pfefferminze bekommt auch irgendwann Gesellschaft – eine sehr gesittete, weiche und zurückhaltende: dezent florale Anklänge sowie ein Hauch Tee, grüner Tee. Der saubere Touch weist auf eine sehr distinguierte Zeder in der Basis hin, darüber hinaus flankieren noch ein paar Hesperiden, vornehmlich Schalen von Zitrone oder Mandarinen das sommerliche Geschehen, das für ein Aqua Allegoria mit der Konsistenz eines Eau Fraîche eine durchaus sehr ordentliche Haltbarkeit vorweisen kann. Die Angaben zu den Duftnoten sind im Netz mal wieder sehr unterschiedlich ausgefallen, insofern lasse ich sie einfach weg.

Heeleys Menthe Fraîche ist meine zweite Lieblingsminze: Im Auftakt eine echte „Zahnarzt“Minze, ebenfalls scharf, aber weniger pfeffrig (als Herba Fresca) als vielmehr ausgesprochen kühl. Im Gegensatz zu Herba Fresca, der im Duftverlauf durch Florales sowie die Zeder schneller weich und sauber wird, verbleibt Heeley mit seiner Minze lange in eisigen Höhen, um diese dann durch die typisch aquatisch-floralen Noten von Lotos und Freesie harmonisch abzurunden. Matétee tut hier sein übriges und unterstreicht das Kalt-Nass-Frisch-Blumig-Anmutende. In der Basis weist Heeleys frische Minze durchaus auch saubere Zedernnoten vor, besitzt jedoch insgesamt mehr Kühle als der Minzbruder von Guerlain. Die Ingredienzen: Kopfnote: Minze, Bergamotte; Herznote: Matétee, Lotosblüte, Freesie; Basisnote: Zedernholz.

Minze läßt nicht nur aufatmen, sondern oftmals auch tief durchatmen – sie macht die Brust weit. Dieses Gefühl vermag wie kein anderer Duft Humiecki & Graefs Eau Radieuse zu vermitteln. Ich bin ein großer Fan des Labels, seines Konzeptes, mit Düften Uremotionen widerzuspiegeln. Und ich bin der Ansicht, daß man diesen Düften Zeit geben muß. So ging es mir ehrlicherweise mit Eau Radieuse auch, ich habe ein paar Testversuche gebraucht, bis sich mir der Duft in vollem Umfang erschloß – seitdem funktioniert kein heißer Sommer mehr ohne das wunderbar gleißende Eau Radieuse. Die Ingredienzen: Banane, Mandarinenschale, Zitrone, Minze, Rhabarber, Bambus. Wie bei Humiecki & Graef Teil des Konzeptes gibt es auch bei diesem Düftchen keinen pyramidalen Duftaufbau, sondern lediglich einen sternförmigen, eine gleichnzeitige Explosion aller Bestandteile… Ob man das nun so glaubt oder riecht ist eigentlich egal…

In jedem Falle soll Eau Radieuse eine moderne Cologne-Interpretation sein und als solches eine Hommage an die Heimatstadt des (einen) Firmeninhabers, an Köln, die Geburtsstadt des Eau de Cologne. Ein solches ist Eau Radieuse auch, aber ein ultramodernes, futuristisches, Konzeptkunst-angehauchtes, wie ich finde und auch bereits in unserer Artikelbeschreibung im Shop verlauten ließ. Der Meinung bin ich immer noch. Eau Radieuse springt einen sogleich an – mit einer mehr als kräftigen Portion mentholischer Pfefferminze, die einem sofort Kopf und Brust freibläst und alsbald den Blick oder vielmehr die Nase freigibt auf seltsam anmutende, aber sehr präsente, grün-schillernde Bananenblätter. Rhabarberfasern stiften bitter-fruchtige, heftige Herbheit und ein kleiner Bambusbursche wässert die Basis mit einem dezent aquatischen Hauch. Moderner geht nimmer – passender oder besser bei wirklich heißen Temperaturen auch nicht. Über 30 Grad lösen bei mir eben genau jenes Gefühl aus, für das Eau Radieuse steht: Die Sehnsucht, das Begehren, das Verlangen – nach ebenjenem Duft. I love it.

Einen schönen Tag Euch noch und fröhliches Schwitzen,

Eure Ulrike, die – auf den Geschmack gekommen – sich jetzt erstmal eine Eau Radieuse-Dusche gönnt.

Bildquelle: Peppermint von Hajnalka Ardai via stock.xchng, Frosty Peppermint von Dave Gostisha/ziptrivia.com via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Sommerzeit – und die Stunde fehlt einem morgens doch…..
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Paradise Found – Ninfeo Mio.

Geschrieben in Duft, Hesperiden, Holziges, Krautiges am 29.04.2010

ninfa2Getätigte Reisen, imaginäre Augenblicke und reale Orte sind es, die Parfumeure oft zu Düften beflügeln. Im Falle von Ninfeo Mio ist letzteres der Fall und wer glaubt, daß das Paradies verloren ward, der wird hier eines besseren belehrt: Ungefähr 60 Kilometer südlich von Rom liegen sie versteckt, die Gärten von Ninfa. Ninfa selbst ist ein kleines verfallenes Dörfchen, dessen Ursprung bis ins 12./13. Jahrhundert zurückreicht. Das Dorf selbst wurde circa zweihundert Jahre später verlassen (die Pest) und zum Teil zerstört. Danach wurde Ninfa sich selbst überlassen – bis sich im 20. Jahrhundert die adligen Besitzer des Landstrichs dazu entschlossen, aus demselben samt den Dorfruinen (ein Wachturm steht noch sowie einige Häuser und Grundrisse) einen botanischen Garten zu machen.

Das haben sie wohl, und zwar in aller Nachhaltigkeit: Einige Damen und Herren der besseren Gesellschaft haben sich an den Giardine e Rovine di Ninfa „abgearbeitet”, mit dem Resultat, daß eben jene heute zu den schönsten Gärten Italiens, ja, vielleicht auch: der Welt zählen. Als eine der romantischsten Gartenanlagen Europas werden die Gärten der Nymphe bezeichnet.

Annick Goutal Ninfeo MioEinst gehörte Ninfa zu dem die Sommerresidenz der Adelsfamilie Caetani umgebenden Park – die Familie hatte vor Ort weitläufige Ländereien. Bereits Prinz Gelasio Ceatani begann in den zwanziger Jahren mit der Anlage und Restauration des Gartens. Zwischendurch müssen wohl noch eine englische Adlige samt ihrer Tochter am Werk gewesen sein, welche unter anderem für das Pflanzen japanischer Ahorne, Bambus, diverse Bäume wie Eichen und Magnolien verantwortlich war. Die letzte Besitzerin war aber wohl wieder eine Caetani, Lelia Caetani, welche die Gärten der Stiftung Caetani di Sermoneta vermachte, die heute vom Landkreis, dem Lionsclub Latina und dem World Wildlife Fund (WWF) unterstützt wird.

Im ganzen Garten Eden muß es wohl sprudeln und plätschern, der namensgebende Ninfeo fließt hindurch, welcher seinen Ursprung in Ninfa hat, benannt nach der alten Tradition, nach denen Quellen als Nymphenheiligtümer galten. Und es blüht und es duftet überall: Tausende verschiedene Pflanzer, auch ungewöhnliche und vormalige Exoten (unter anderem dank den Engländerinnen), sind in den Gärten beheimatet und locken jährlich über 60.000 Touristen aus aller Welt an.

Annick Goutal Ninfeo Mio

Wie in jedem Paradies ist der Einlaß aber auch hier wohl nicht zu allen Zeiten machbar: Wer die Gärten besuchen möchte, sollte sich vorher bezüglich der nicht allzu großzügigen Öffnungszeiten erkundigen – so das, was man über die Giardine e Rovine di Ninfa zu lesen bekommt.

Haaach… bei den Bildern wird mir ganz schwer ums Herz – so wunderschön sieht dieser Garten aus, eine wahre Oase. Es gibt auch eine Flickr-Gruppe zum Thema, wer weiter in Bildern wühlen mag und Sehnsüchte wecken – gerne, hier.

Ninfeo Mio riecht, wie die Bilder scheinen: Nach Paradies. Nach Natur, nach unberührter. Und nach Alleinsein. Auch wenn man das vermutlich in jenen verwunschenen Gärten nie sein wird – sie wirken so erhaben, so entrückt, daß Gesellschaft eigentlich unvorstellbar erscheint.

Im Auftakt präsentiert sich der Duft bereits strahlend smaragdgrün, was auch kennzeichnend für ihn bleiben wird: Zitronenverbene mit der für sie typischen Intensität dominiert, umrankt von Galbanumharz, dem Waldmeisterharz, welches grüngrasig-blättrige Noten schafft, sowie einer noch grünen Feige. Im Herzen ist Ninfeo Mio ebenfalls ein Grüner, fein austariert wird er durch einen Hauch Lavendelwürze und kaum wahrnehmbare Bitterorange. Die Basis enthält meines Erachtens nach nur eines: Vanillezitronenblätter.

Ihr kennt keine Vanillezitronenblätter? Ich auch nicht. Ich bin mir aber sicher – wenn es ihn irgendwo gibt, den Vanillezitronenbaum, dann in den Nymphengärten, denn Ninfeo Mio riecht in der Basis exakt so: Eine zitrische Frische, die auf einem warmen Lager liegt, ein holzig anmutendes mit weichen Vanillekissen. Zum Niederknien.

Für mich ein innovativer und wirklich umwerfend schöner Frühlings-/Sommerbegleiter – die Zitronenverbene allerdings, die sollte man schon mögen.

Ich mag sie und will ihn haben, den Duft, jawohl. Wenn schon kein Urlaub in Sicht ist, sollte wenigstens ein Fläschchen davon drin sein, oder nicht?

Es grüßt Euch ganz herzlich,

Eure Ulrike.

P.S.: Vor lauter Träumerei habe ich die Ingredienzen vergessen – hier sind sie: Kopfnote: Zitrusfrüchte, Zitrone, Galbanumharz, Verbena (Eisenkraut); Herznote: Bitterorange, Lentisque-Extrakt (Blätter der Pistazie), Lavendel; Basisnote: Nadelholz, Feige, Zitronenbaumholz, Zedernholz.

Bildquelle: Blossoming Magnolia in Ninfa von Monika Vlasak, Scorcio dei Giardini di Ninfa von Didimo69, Henrietta Rae: Water Nymphs – alles via Wikicommons, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Nasomatto – Absinth – Der Duft gewaltiger Gefühle.
Winterneuheiten Teil 2.


Frühlingsgefühle…

Geschrieben in Duft, Hesperiden, Krautiges, Leder, Tabak & Rauchiges am 30.03.2010

… beginnen nun auch bei mir so langsam. Kalendarisch hat er ja bereits vorletzte Woche angefangen, genauer: Am Samstag, den 20. März war es soweit – der Frühling war da. Und in der Tat haben wir davon in weiten Teilen Deutschlands auch schon etwas gespürt Ende letzter Woche. So wirklich überzeugend und dauerhaft war das alles noch nicht, aber vielleicht ist er einfach aus der Übung, der gute Frühling, und muß sich erst „warmlaufen”, wie bei Theodor Fontane:

apfelbluteNun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
“Er kam, er kam ja immer noch”
Die Bäume nicken sich’s zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muß.
Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt; “Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.”
O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du.

Mein Fuß hat sich zwar noch nicht in die Sommerschuhe gewagt, ich bin aber bereits gewappnet und pedikürt. Mein Geldbeutel läßt eine neue Garderobe gerade mal nicht zu, da ich aber ohnehin ein antizyklischer Käufer aus Bedürfnis, nicht aus Bedarf heraus bin ist auch jenes nicht so tragisch – genügend Kleidungsstücke harren noch des ersten Tragens… Mein Herz aber hat sich schon getraut und gewagt: Frühlingsgefühle müssen olfaktorisch unterstützt werden – so ließ ich Herzenswünschen Taten folgen und habe – the same procedure as every year – meine Duftbestände einmal mehr „umgegraben”, um Frühlingshaftes zutage zu fördern.

Und habe Euch just eine Liste meiner Lieblingsfrühlingsboten erstellt, die ich gerne mit Euch teilen mag – verknüpft natürlich mit der Frage nach EUREN Lieblingen! Die Reihenfolge spielt im übrigen keine Rolle und ist bewußt unbewußt gewählt ;)

The Different Company Divine Bergamote
Vor einigen Tagen schon zur Sprache gekommen: Meine Lieblingsbergamotte. Nomen ist hier omen, absolut: Eine Göttliche, sanft, elegant, feminin, erwachsen und sich permanent verändernd im stetigen Spiel. Süße, spritzig-prickelnde Hesperidenfrische, Ingwertee, säuerlich-herbfruchtiger Rhabarber = die immer ein wenig melancholische Leichtigkeit des Seins – herrlich!

Parfum d'Empire Eau de GloireParfum d’Empire Eau de Gloire
Eine Hommage an Napoleon Bonaparte und nach dessen angeblichen Duftvorlieben hergestellt. Kleine Männer mit großem Ego hin oder her, mir alles ganz gleich, ich brauche nur: Den Duft. Den Eau de Gloire eignet sich ganz hervorragend für den Frühling: Hesperiden in einem klassischen strengen Kräutermantel, ein Tupfer Tee für die Weite um die Brust und ein wenig Anis und Immortelle, die mit ihren charakteristischen Dufteigenschaften eine trockene, fast lakritzige Süße bescheren. Ledernoten gruppieren sich hinzu samt frischer Tabakblätter, die von einer Basis von Weihrauch und Eichenmoos getragen werden. Ein wunderschöner krautig-(er)frisch(end)er Geselle und einer der wenigen im Frühjahr/Sommer wirklich tragbaren Lederdüfte.

Vip Room Signature (leider discontinued)
Vip Rooms Signature, den ich neulich in der Lederserie bereits erwähnte, ist auch eines jener Sommerlederchen: Ein herrlich fruchtig-floraler, exotischer Lederling, sehr feminin und sinnlich. Spritzige Ananas und betörend-tropische Tiaréblüte treffen hier auf feinstes, buttrig-weiches Wildleder. Untermalt wird das Ganze durch pudrige Vanille, samtene Iris sowie Harze und Sandelholz. Man nehme, wie ich schon sagte, Maitre Parfumeur et Gantiers Bahiana, einen meiner Sommerfavoriten, und kreuze diesen mit Annick Menardos kongenialem Bulgari Black. Dann dürfte man in etwa bei Vip Room landen. Ein echter Jammer, daß dieser Duft nicht mehr produziert wird. Allerdings hat man manchmal noch Glück bei Ebay…

Hermès Hermessence Osmanthe Yunnan
Und schon wieder ein Lederchen, wenn auch ein gut verstecktes: Ja, Osmanthe Yunnan ist ein Lederchen. Aber – nicht nur. Und dürfte deshalb auch Nicht-Leder-Herzen höher schlagen lassen. Jean Claude Ellena, Hermès-Hausparfumeur in seinem Element: Puristisch-minimalistische Düfte, transparent und luzide, aber trotzdem komplex. Siehe auch Divine Bergamot. Und hier sind durchaus bestimmte Ähnlichkeiten feststellbar, aber riecht selbst. Ich finde Osmanthus hier perfekt umgesetzt: Fruchtig-frisch mit den ihm typischen Aprikosen/Pfirsich-Noten ist jener mit subtil rauchigen Teenoten versetzt, die im Zusammenspiel mit Freesie für sanft-wässrige Anklänge sorgen, unterstrichen von einem Hauch zarten Wildleders. Edel. Elegant. Understatement. Und sowas von perfekt für den Frühling.

Jo Malone Black Vetyver CaféJo Malone Black Vetyver Café Cologne
Wie ich neulich am Counter meines Vertrauens sah, nun endlich auch in Deutschland gelandet und erhältlich: Black Vetyver Café. Bei mir weilt schon seit Jahren eine Flasche, denn: Ich liebe Kaffee. Und: Ich liebe Vetiver. Black Vetyver Café ist ein typischer Malone und somit auch ein typischer Engländer: Ecken und Kanten sucht man vergebens, aber, ganz ehrlich – die braucht man auch nicht immer. Zwischendurch darf es auch ein Immergeher sein, und dafür sind die meisten Malones ja ohnehin prädestiniert, zumindest meines Erachtens nach. Black Vetyver Café ist ein Bestandteil ihres Layering-Konzeptes und somit wie die meisten seiner Malone-Kollegen nicht über die Maßen komplex. You get what you read: Grün-grasiger und verstohlen rauchiger, vermehrt aber frischer Vetiver mit einer Sauberkomponente trifft auf zum Teil noch grüne, dennoch leicht angeröstete und würzige Kaffeebohnen. Sehr nett wie ich finde.

Welches sind denn nun Eure FRÜHLINGSFAVORITEN? Ich bin gespannt. Und Ihr dürft es auch sein, morgen gibt es nämlich einen Bericht von der Messe und übermorgen Teil 2 meiner Frühlingsboten ;)

Liebe Grüße und einen schönen Tag Euch,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Apple Blossom von Rai Varpunen, Tea Leaves von kira69, Freshly Roasted von Courtney Francis – alle via stockxchng, some rights reserved. Vielen Dank!

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Das Wandern ist des Müllers Lust


Frühlingsboten…

Geschrieben in Duft, Hesperiden, Krautiges am 8.03.2010

Dieser Tage hat sich trotz Orkantief Xynthia die Sonne ein wenig vorgetraut – kaum zu glauben nach Wochen verhangenen Grau-in-Graus. Und mir ist einmal mehr aufgefallen, wie sehr mir nach Frühling ist: Ich freue mich so sehr auf den ersten Tag im Straßencafé samt Sonnenstrahlen auf meiner Haut, die mir vielleicht sogar die Füße in den offenen Schuhen wärmen. In jedem Falle aber die Seele – die dürstet nämlich nach Licht, nach SONNE.

Sehnsuchtsvoll wühle ich auch bereits in meinem Duftrepertoire nach adäquaten Frühlingsbegleitern – und bin dieser Tage unter anderem auf das hübsche Cologne-Trio von Diptyque gestoßen: L’Eau de l’Eau, L’Eau des Hesperides und L’Eau de Neroli. Veröffentlicht im Jahre 2008 sind die drei irgendwie ein wenig untergegangen – vielleicht, weil Colognes nicht jedermanns Fall sind (obgleich: die von Marc Jacobs verkaufen sich doch auch immer rasant gut…), vielleicht, weil es zu vieles anderes gab… Ich fand und finde sie aber – ziemlich erfrischend ergo so, wie ein gutes Cologne sein muß. Sie sind alle drei nicht verwegen oder gar futuristisch, nein, es sind klassische Colognes jedoch in einer originellen und durchaus innovativen Variante und mit deutlich individueller Ausprägung – ein Test lohnt deshalb durchaus, wenn man noch auf der Suche nach einem Immer-Geher für die kommenden beiden Jahreszeiten ist.

L’Eau de Neroli ist mein ganz klarer Favorit aus der Serie. Mit Sicherheit der klassischste Cologne-Vertreter aus der Reihe, was der Schönheit des Duftes keinen Abbruch tut, zumal er trotz allem genügend Originalität aufweist: In den Kopfnoten sorgt eine zitrisch-prickelnde Kühle für Erfrischung, welche alsbald in ein helles florales Herz übergeht: Neroli und Orangenblüte blühen im Doppelpack in der ihnen eigenen dahingehauchten Leichtigkeit, garniert mit dem typischen Tupfer Fruchtsüße, die hier noch von honigartig anmutendem Bienenwachs ergänzt wird. Die Basis wird wunderbar weich von zartem Moschus und Zedernholz aufgefangen. Heraus kommt ein herrlicher Begleiter für Frühling und Sommer, ein transparenter und charmanter Duft, der gute Laune vermittelt und mit seinen sauberen und skinnigen Elementen an Wäschedüfte erinnert – allerdings auf eine solch natürliche Weise, daß es bei mir der erste war, der den Einzug schaffte (ist das doch sonst gar nicht mein Thema, diese Wäschedüfte…).

rosmarinDas Hesperidenwasser L’Eau des Hesperides gibt mir Rätsel auf, da eine sehr große Diskrepanz zwischen dem Teststreifen und dem Resultat, das mir von meinem Arm aus entgegenduftet, wahrzunehmen ist: In den Kopfnoten ist die Entwicklung noch gleich. Eine schöne Bitterorange, ein wenig an Frédéric Malles Bigarade Concentrée erinnernd. So fährt das Düftchen dann auch auf dem Teststreifen fort – hier ist für mich häufiger eine Ähnlichkeit gegeben, obgleich L’Eau des Hesperides (ge)würziger ist – die Priorität liegt hier klar auf den Kräutern und dem Krautigen. Auf meinem Arm entwickelt sich das ganze ziemlich verrückt. Hier sticht nämlich etwas heraus, das eigentlich nicht im Duft enthalten sein sollte: Liebstöckel, unser allseits beliebtes Maggikraut. Gefällt es mir in einigen Düften durchaus gut (wie zum Beispiel in meinem geliebten Sel de Vetiver von The Different Company), rieche ich hier eigentlich nur noch nach – Küche. Leider. Für mich also nichts weil auf meiner Haut einfach zu extrem.

potpourri1L’Eau de l’Eau ist eine Hommage an Diptyques L’Eau, deren erster Duft, den ich ehrlicherweise nie getestet habe. Er soll auf einem alten französischen Potpourrirezept aus dem 16. Jahrhundert basieren, einem Rezept für Nelkenpomander. Bevor ich das gelesen hatte, hätte ich gedacht, es erwartet mich irgendetwas in der Art von – Frédéric Malles Eau d’Hiver vielleicht, oder Les Nez Antimatière. Also ein schöner verpacktes Nichts quasi. Dem ist aber nicht so, absolut nicht. Auch daß L’Eau de L’Eau ein Cologne ist oder besser: sein soll führt einen gedanklich auf vollkommen falsche Pfade, erwartet man doch Leichtigkeit, sommerliche. Weder Nihil noch Transparenz – L’Eau de l’Eau ist meines Erachtens nach auch eher der Begleiter für die verregneten Frühjahrstage. Der Auftakt ist zitrisch, geht aber alsbald über in einen dicht gewebten olfaktorischen Teppich: Orientalisch würde ich sagen trifft es hier nicht schlecht, obgleich nicht wirklich exotisch, aber – es findet sich genügend Wärme und Würze um den Begriff des Orientalen zu bemühen. Präsent und stimmig, eindringlich ohne eigentlich schwer zu sein ist der Duft von starker Intensität und sicher kein Leichtgewicht. Florale Noten, Würze und Gewürze sowie Harze – und doch auch wieder hautnah mit teils pudrigen, bisweilen fast skinnig anmutenden Elementen. Ich persönlich fühle mich hier ein bißchen an die Kopf- und Herznote von Coup de Fouet erinnert, ohne Leder mit mehr Puder. Ein bißchen Villoresis Garofano mit sanfterer Würzigkeit. Auf jeden Fall ist die Nelke auf meiner Haut sehr dominant, auf dem Teststreifen etwas weniger, aber immer noch vorherrschend. Kein Duft für mich, aber ein schöner Vertreter seiner Gattung – und mit Sicherheit einen Test wert für all jene, denen ihre Nelkenlieblinge als Parfum für Frühjahr / Sommer eher zu schwer sind.

Die Ingredienzen der Düfte:

L’Eau de Neroli: Kopfnote: Petitgrain, Verbena, Estragon, Bergamotte; Herznote: Orangenblüte, Neroli, Geranie
Basisnote: Bienenwachs, Zedernholz, weißer Moschus.

L’Eau des Hesperides: Kopfnote: Bitterorange, Mandarine, Zitrone, Petitgrain, Rosmarin, roter Thymian; Herznote: Minzblätter, Pfefferminze; Basisnote: Zedernholz, Moschus, Immortelle (Italienische Strohblume).

L’Eau de l’Eau: Kopfnote: Mandarine, Grapefruit, Zitrone, Petitgrain; Herznote: Gewürznelke, Zimt, Ingwer, rosa Pfeffer, Geranie, Orangenblüte, Lavendel; Basisnote: Benzoe, Patchouli, Tonkabohne.

Einen schönen Tag wünsche Ich Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rosemary von  Fantax und Potpourri 1 von Sabine Simon, beides via stockxchng – vielen lieben Dank!

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Alle guten Dinge sind drei…

Geschrieben in Duft, Krautiges, Tabak & Rauchiges am 29.01.2010

…und somit folgt als drittes und letztes heute eine Rezension zu Chaman’s Party, dem fünften und letzten Duft der Honoré des Prés-Kollektion und meinem besonderen Liebling.

Zuerst aber einmal zu den Ingredienzen: Vetiver, Basilikum, Guajakholz, Gewürznelke.

Honoré des Prés Chaman's PartyEin explosiver Duft, der sogar aphrodisierende Wirkung haben soll, so der Pressetext. Inspiriert durch einen Aufenthalt in einem Baumhaus in den Tiefen des Amazonasdschungels, des jungfräulichen sogar. Dort, in dieser Ursprünglichkeit, wo einen der Odem der feuchten Erde, der Bäume und ihrer Wurzeln umweht, wie sie auch schon zu den Zeiten der Urväter existierten, ein heiliger hölzerner Kokon. Ein anregender und ausgleichender Duft für Körper, Herz und Seele.

Jep. Hier hat wer gaaaanz tief in die Marketingtrickkiste gegriffen: Für all jene Menschen, die wissen, wie man mit der Kraft der Erde atmet. Oder sich erdet. Egal. Auf jeden Fall fühlte ich mich doch schon seeeehr an Joseph Conrad Heart of Darkness, das Herz der Finsternis von 1899 erinnert. DER Abenteuerroman. Eine Expedition in den Dschungel, die Gegensätze samt ihrer Ambivalenz(en) zutage fördert: Natur versus Kultur, Naturgesetz versus Moral. Und die kulturelle Errungenschaften oder das, was man als solche bezeichnet, in Frage stellt: Zivilisation, Kolonialisierung, Moral, Gerechtigkeit, Erziehung, Werte usw.. Wie sagte Bertrand Russell über Conrad: „Von allem, was er geschrieben hatte, bewunderte ich am meisten die furchtbare Erzählung Herz der Finsternis, die seine Lebensanschauung vollkommen ausdrückt: der leidlich moralische Kulturmensch auf dem gefahrvollen Weg über eine Kruste kaum erkalteter Lava, die jeden Augenblick durchbrechen und den Unvorsichtigen in heiß lodernde Abgründe sinken lassen kann.”

Ich hätte tanzen können wie Rumpelstilzchen um das lodernde Feuer, als ich Chaman’s Party auf meinen Arm roch: Hier hat es jemand ernst gemeint und ernst gemacht mit seiner Ankündigung. Das hier ist wirklich Heart of Darkness. Der Vetiver, der einem in den Kopfnoten entgegenspringt, hat eine enorme Präsenz, wobei die Priorität in diesem Duft bei dessen rauchiger Facette liegt – die Rauchnoten sind extrem und erinnern mich in dieser Intensität an meinen geliebten alten – schon lange reformulierten und dadurch leider abgeflachten – Route du Vetiver von Maitre Parfumeur et Gantier sowie an Le Labos Patchouli 24. Ja, das meine ich auch ernst. Daß die sonst eher gerne mal ätherisch veranlagte Frau Giacobetti hinter diesem brachialen Auftakt steckt, ließ meine Verwunderung, die positive, nicht kleiner werden. Im weiteren Duftverlauf bleibt der Vetiver noch eine ganze Weile krachig, hinzu kommt eine gekonnt balancierte Schärfe von dunkelgrünem Basilikum und trockener Gewürznelke, die im Laufe des Duftes eine zurückhaltende Süße entwickelt, allerdings nie in dem für sie typischen cremig-würzigen Ausmaß – wer Probleme mit Gewürznelken hat, möge sich in diesem Falle nicht unbedingt von vornherein davon schrecken lassen, die Gewürznelke hier ist untypisch umgesetzt und offenbart nicht alle jener Nelkenqualitäten. Gegen Ende der Party entwickelt der Duft in der Basis annäherungsweise etwas wie eine leichte Wärme – hier hat sich das Geschehen ein wenig beruhigt, der Duft schwelt ein bißchen gleich einem Feuer, um das ich aber immer noch tanzen würde bzw. tanze…

Chaman’s Party geht bei mir auf jeden Fall in den zweiten Test, ich finde den Duft besonders und schön, habe aber auch, das sei hier bemerkt, eine ausgeprägte Leidenschaft für Vetiver und Rauch. Der Duft hat meines Erachtens nach die beste Haltbarkeit im Vergleich mit den anderen Parfums aus der Kollektion.

Ich bin sehr gespannt, ob mich jemand zum Tanzen auf die Schamanenparty begleitet ;)

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch,

Eure Ulrike.

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Einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr
Boucheron ist ein französisches Traditionsunternehmen, das als Synonym für die schönen Dinge des Lebens steht
Herbstwonne 2 – Comme des Garçons.


Back to Nature… Honoré des Prés.

Geschrieben in Blüten, Duft, Grünes, Krautiges am 27.01.2010

… heißt es mittlerweile nicht nur im Bereich der Kosmetik, wo Marken wie Dr. Hauschka, Nuxe, Korres und viele mehr den Trend zum „Grünen”, zur Ökokosmetik schon vor Jahren begonnen und aufgegriffen haben.

Auch auf dem Duftmarkt bewegt sich da einiges. Die ersten Ökodüfte, die mir über den Weg liefen, waren damals die Parfums von Patyka, an die ich allerdings nur noch verschwommene Erinnerung besitze, obgleich ein, zwei recht gute Düfte dabei waren… L’Artisan Parfumeur brachte mit L’Eau de Jatamansi ebenfalls einen organischen Duft heraus, der das begehrte Ökosiegel Ecocert erhielt.

Mit Honoré des Prés ist jetzt eine neue Firma in diesem Bereich dazugekommen: „Truly Organic – Terribly French”, so die Eigenwerbung. Zu 100% natürliche Essenzen, hergestellt unter Verzicht auf Tierversuche, natürlich. Und (trotzdem) zu 200% französisch – unter Berufung auf Frankreichs alte Parfumeurstradition. Dazu haben sich Honoré des Prés niemand geringeres an Land gezogen als Olivia Giacobetti. Diese Dame ist nun wirklich kein unbeschriebenes Blatt unter den Parfumeuren, gehen doch unter anderem folgende Düfte auf ihr Konto: L’Artisan Parfumeur L’Eau de L’Artisan, Premier Figuier, Drôle de Rose, Navegar, Dzing, Passage d’Enfer, Tea for Two, Safran Troublant, Fou d’Absinthe, Mandarine Tout Simplement, Edition de Parfums Frédéric Malle En Passant, Hotel Costes No. 1, Andrée Putman Préparation Parfumée, Lubin Idole, Diptyque Philosykos, Iunx-Linie, Hermès Hiris, Penhaligon’s Elixir, etc. … ganz ansehnlich, oder?

Ich für meinen Teil mag eine ganze Menge von Signora Giacobetti (und habe auch nicht wenige Düfte von ihr zu Hause bei mir stehen…). Und war deshalb auch sehr gespannt auf die neuen Düfte, gleich fünf an der Zahl. Nachdem ich nun alle testen konnte, möchte ich meine Eindrücke mit Euch teilen.

Beginnen wir heute zuerst mit Nu Green und Bonté’s Bloom.

Nu Green – der Name impliziert bereits, was der Duft sein möchte. Nu Green ist inspiriert durch ein erfrischendes morgendliches Bad in einem naturbelassenen Felsenpool mitten im Herzen der Natur. So soll Nu Green belebend wirken und gleichzeitig entspannend, entgiftend. Ein Duft als bessere Hälfte quasi, als ergänzendes Element. Als Bollwerk gegen – den Rest. Oder so. Meine erste Assoziation war, man(n) möge es mir nachsehen: – Ein bißchen blaue Lagune nur ohne die junge Brooke Shields oder auch Robinson Crusoe. Nach dem Test sah das schon gleich anders aus…

Aber zuerst einmal zu den Ingredienzen: Grüne Minze, Gras, Moschus, Estragon, Zedernholz.
Nu Green beginnt, Nomen est Omen, grün. Aber grün nicht in jener knallgrünen Ausprägung, sondern zurückhaltend-zart mit einer leichten und dezent scharfen Kräuterwürze. Der ganze Duft offenbart saubere, frische Noten, die wohl der Zeder geschuldet sind, und welche von einer schlecht zu beschreibenden, ozonig-wässrigen Frische begleitet werden. Präsent ist durchgängig eine minzige Süße, die den Duft bis in die Basis begleitet.

Meine Lagunen- oder Wasserfall-im-Regenwald-Assoziation greift nach Kenntnis des Duftes nicht. Und meines Erachtens nach ist auch das von der Firmenbeschreibung gewählte Bild nicht völlig zutreffend. Für mich riecht Nu Green nach einem dieser wunderschönen, gekonnt arrangierten Kräutergärten, die man ab und an in der Elle Decoration und ähnlichen Hochglanz-Einrichtungs- und Wohnblättchen zu sehen bekommt und wie ihn eine frühere Freundin tatsächlich auch hatte: Ein verwunschenes Kleinod mit von der Sonne verwöhnten Kräutern, einem kleinen uralten Brunnen, vielleicht von altem Gemäuer eingefaßt und an eine wild sprießende Wiese angrenzend, eventuell von ein paar Bäumen eingerahmt. Kein großer Garten, sondern ein kleiner Zaubergarten, ein Ruhepol, ein Rückzugsbereich. Uneinsehbar. Exakt jenen Garten fängt Nu Green ein, vom Morgentau noch leicht feucht – und läßt zum tiefen tiefen Durchatmen und Entspannen ein.

Claude Monet: Femme avec un parasol, 1875Bonté’s Bloom ist wohl der Schwester des Gründers gewidmet, Bonté, und ist „exclusively girl play”, „romantic chic” und inspiriert durch einen traumgleichen Sommerurlaub, lustig durch bunte blühende Wiesen springend im leichten Kleidchen und von einer warmen Brise umweht, Schmetterlinge, usw. … Kein wirklich innovatives Bild, der Duft ist trotzdem schön. Als Ingredienzen sind angegeben: Sonnenblume, Kamille, zitrische Noten, Salbeiblätter, Irisbutter.
Bonté’s Bloom ist ein frischer, leiser und unprätentiöser leichter Sommerbote, es treffen hier zitrische Frische auf kräuterig-herben Salbei, Iris „erdet” und stiftet darüber hinaus leichte Cremigkeit, des weiteren sind deutliche Kamillenoten wahrzunehmen. Letzteres wird sicher einige freuen, erinnere ich mich doch daran, daß in einigen Boards wiederholt die Frage nach einem Kamilleduft aufgeworfen wurde. Bonté’s Bloom erinnert mich diesmal wirklich an die Sommerwiese: Die wilde blühende Wiese mit vereinzelten Kräutern, Blumen, Gräsern und eben der Kamille – alles getaucht in Sonnenstrahlen und einen lauen Sommerwind.

Sowohl Bonté’s Bloom als auch Nu Green sind eher leisere Kandidaten, wobei Nu Green noch der präsentere von beiden ist. Ich habe auf (der) Haut unterschiedliche Erfahrungen gemacht, empfehle ergo auf jeden Fall im Hinblick auf die Haltbarkeit einen eigenen Test.

Die restlichen Rezensionen der anderen Düfte folgen diese Woche noch. Bis dahin wünsche ich Euch erstmal einen schönen Tag und sende Euch

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bild: Claude Monet: Femme avec un parasol, 1875

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Living Nature – Ultra Nuorishing Mask
Dzongkha – Neuer Duft von L’Artisan Parfumeur
TOP SECRET ! Dzongkha – Neuer Duft von L’Artisan Parfumeur TOP SECRET !


Yin und Yang…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Holziges, Krautiges am 18.12.2009

… wer kennt sie nicht, die beiden gegensätzlichen Prinzipien aus der asiatischen, genauer: chinesischen Philosophie? Mir kam diese Assoziation gleich, als ich die beiden neuen Düfte der ebenfalls neuen Linie Versilia Vintage von Profumi del Forte erblickte. Ich gebe zu, nicht sonderlich einfallsreich, aber – die Flakons sind eben auch schwarz und weiß und auch die Verpackungen muten demgemäß an.

Profumi del Forte Versilia Vintage Boisé und Ambra MediterraneaDie Linie Versilia Vintage ist als Hommage an die gleichnamige Toskanaregion gedacht, eigentlich ebenso wie die komplette Profumi del Forte-Kollektion, die

Aber kommen wir zu den Düften, die ich vor einiger Zeit schon angekündigt hatte. Versilia Vintage Boisé stellt laut Pressetext „eine subtile und elitäre Komposition” dar. „Eine Reise entlang zitrusfrischer Essenzen,” wie es dort blumig heißt, „gefolgt von Lavendel und lieblichem Honig. Sie klingt mit schmeichelnden und zugleich markanten Noten sowie einem lang anhaltenden holzigen Aroma aus.”

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bitterorange, Bergamotte, Vetiver; Herznote: Lavendel, Geranium, Honig; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Tonkabohne, Elemiharz.

Boisé ist, ganz gemäß seiner farblichen Anmutung – es handelt sich hierbei um den schwarzen Flakon, den ich intuitiv als den intensiveren Duft eingeordnet hätte, vielleicht auch: den männlich(er)en von beiden – recht maskulin. Kein Duft, für den sich gar keine Frau findet, aber ich nehme an, daß er in der Hauptsache Männern besser zu Gesicht stehen wird. Der Auftakt von Boisé ist zitrisch-herb, wie es Bitterorange und Bergamotte auch vermuten lassen, in Kombination mit einer gekonnt bitter-grünen Schärfe des Vetivergrases. Lavendel zeigt sich sodann, eine erwachsene, ernste Facette desselben, krautig und ätherisch, der alsbald an Tiefe und auch an Wärme gewinnt: Sonnengetrocknet und -durchwirkt scheint er und erfährt durch satte Honignoten seine harmonische Abrundung, in der Basis begleitet von holzig-aromatischen Akzenten.

Profumi del Forte Versilia Vintage BoiséDas Lavendel und Honig eine tolle Kombination ist, weiß ich spätestens nachdem ich vor einigen Jahren in einem edlen Restaurant ein wundervolles Lavendel-Honig-Sorbet genießen durfte – ich hätte mich hineinsetzen können, träume heute noch davon und bin seither dermaßen angesteckt von dieser feinen Kombination. Insofern gefällt mir Boisé auch sehr gut, vor allem in seinem prächtigen, dunkelgrün-dunkelvioletten Herzen. Ich war beim Testen äußerst positiv überrascht von dem Duft – mittlerweile bin ich ein wenig voreingenommen bei diversen Düften, die ein Boisé oder Wood im Namen haben, da es zwar einige sehr schöne Holz(ige) Düfte gibt, allerdings auch einige relativ belanglos sind. Boisé nun ist auch holzig, aber für mich in allererster Linie ein Lavendeltraum.

Versilia Vintage Ambra Mediterranea symbolisiert laut Profumi del Forte„die Eleganz von Ambergris, gepaart mit der Fröhlichkeit der Orange. Liebliches Ylang-Ylang und warmes Zedernholz. Sanfte und strahlende Noten, die die Atmosphäre eines ruhigen und tiefgründigen Mittelmeers widerspiegeln.”

Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Koriander; Herznote: Ylang-Ylang, Jasmin; Basisnote: Ambra, Benzoeharz, Tolubalsam, Zedernholz, Patchouli, Weihrauch, Vanille, weißer Moschus.

Ambra Mediterranea beginnt orangen-gewürzig, offeriert aber sogleich auch seinen Hauptprotagonisten, die Ambra, samt einiger Harze und Weihrauch. Es geht also relativ schnell zur Sache, man sieht ja auch bereits an den Zutaten, daß man es hier mit einem ambrabasierten Orientalen zu tun hat. Die Basis ist würzig und voller Wärme, dank Vanille und Moschus hat sie einen angedeutet gourmandigen Touch, ist aber nicht übermäßig süß – der ganze Duft ist ohnehin trocken, ergo von trockener Süße. Ich würde sagen, Ambra Mediterranea ist ein Mittelgewicht, ein mittleres Kaliber: Durch Ylang-Ylang als floral-tropische Herznote wird und wirkt der Duft bisweilen etwas leichter, wobei das auch im Verhältnis zu sehen ist. Es gibt sehr viel schwerere Ambradüfte, allerdings ist Ambra Mediterranea auch kein Leichtgewicht wie beispielsweise L’Artisans Eau D’Ambre. Trotz allem halte ich ihn für alltagstauglich und würde ihn auch tagsüber ausführen. Eine relativ große Ähnlichkeit stelle ich, vor allem auf der Haut, zu Lutens’ Ambre Sultan fest. Letzterer gefällt mir, allerdings ist er mir immer etwas zu harsch gewesen, er besitzt ein Quentchen Unausgewogenheit, die mich häufiger davon abhält, ihn zu tragen, obgleich er einen Platz in meinem Repertoire hat. Ambra Mediterranea wäre da durchaus eine Alternative: Ihm fehlt dieses Quentchen oder, positiv ausgedrückt: Er ist sehr harmonisch und im Vergleich zu dem Lutens durch den floralen Akzent auch gezügelter, facettierter.

Welches ist Eurer Liebling?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch,

Ulrike.

P.S.: Wie immer Freitags auch heute unsere Probenaktion: Wer eines unserer fünf Probenpakete gewinnen mag, schreibe bitte bis Sonntag Nacht eine Mail an info@ausliebezumduft.de mit seiner Adresse und nenne uns einen weiteren Profumi del Forte-Duft.

Die Gewinner letzte Woche waren: Jutta L., Verena M., Carola T., Ute S. und Ingeborg A. – herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Schnuppern!

Bildquelle Lavendel, some rights reserved.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

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Gestrandet…

Geschrieben in Aquatisches, Duft, Holziges, Krautiges am 30.05.2008

… ist nun die erste Assoziation zum Thema Fernwehdüfte: Ein Duft nach Meer, nach Wasser und Strand ist für viele ein Muss im Sommer. Ein Grund, sich mal wieder einen Überblick zu verschaffen, was für olfaktorische Meere einem zur Verfügung stehen ;)

Beginnen möchte ich hier mit einem Klassiker: Creeds Erolfa. Ursprünglich der Willkommensduft in den Kabinen der Titanic, schlummern vom Original vermutlich noch etliche Flakons auf dem Meeresgrund. Olivier Creed lancierte den Duft über 80 Jahre später neu und benannte ihn zu Ehren seiner Familie nach den ersten Buchstaben seines Sohnes Erwin, seiner Tochter Olivia und seiner Frau Fabienne.

Ingredienzen: Kopfnote: Marinealgen, Seetangextrakt, Bergamotte; Herznote: Basilikum. Rosmarin, Koriander, Jasmin, Honigmelone, Orange, Mandarine, Limone; Basisnote: Zedernholz, Ambergris, Sandelholz

Erolfa beginnt sehr grün, der Auftakt ist geprägt durch die Kräuternoten von Rosmarin und Basilikum, die allerdings sehr schnell ergänzt werden durch leicht aquatische Noten und Hesperidenanklänge. Mit der Zeit festigt sich diese Meernote und gewinnt an Tiefe und Charakter durch hölzerne Nuancen.

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Weitere Einträge zu diesem Thema:

Parfums d’Imperfiction von Konstantin Mihov – exklusiv bei “…aus Liebe zum Duft!”
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