Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Südländisches Temperament – Azzaro pour homme

Geschrieben in Duft,Krautiges am 6.02.2012

Gerade wegen der eisigen Temperaturen kommt ein südländischer Lavendelduft äußerst gelegen. Noch im Dezember schickten mir die freundlichen Damen von Clarins „Azzaro pour homme“ zu, ein Duft, der mir mehrfach für die Lavendelserie empfohlen wurde und der ohne Frage, und auch nach Herrn Turins Meinung, zu den populärsten und besten Herrendüften gehört.

1978 lanciert, war er aus der Zusammenarbeit des Modeschöpfers und Namensgebers Loris Azzaro (*1933-†2003) mit dem deutschen Unternehmer und Kosmetikexperten Richard Wirtz entstanden. Kreativität, Glamour, die Welt der Mode mit ihren Stars trafen auf soliden Geschäftssinn und freien Unternehmergeist – eine Kombination, die geradezu erfolgreich sein musste.

Angekündigt wird Azzaro pour homme als Fougère – die Duftnoten Zitronatzitrone, Sternanis, Rose, Jasmin, Patchouli, Zedernholz, Vanille oder Tonkabohne finde ich angegeben. Im Grunde handelt es sich bei einem Fougère um einen Duftakkord aus Lavendel, Eichenmoos und Cumarin. An anderer Stelle finde ich ein wenig ausführlichere Duftnoten: Kopfnote: Anis, Basilikum, Bergamotte, Iris, Kümmel, Lavendel, Muskatellersalbei, Zitrone; Herznote: Kardamom, Patchouli, Sandelholz, Vetiver, Wacholderbeere, Zedernholz; Basisnote: Amber, Eichenmoos, Leder, Moschus, Tonkabohne. Nun, ein eigener Test wird hoffentlich Klarheit bringen.

Auf dem Duftstreifen erweist sich dieser Duft in Summe als holzig, krautig und zitrisch-frisch: Zitrone und Kardamom, Hölzer und Lavendel bilden die Hauptnoten von Azzaro pour Homme und verbinden sich zu einem durch und durch maskulinen Duft. Meines Erachtens für eine Frau untragbar. Fingerdick aufgetragene Männlichkeit mit einer geradezu lauten Krautigkeit – der eine oder andere mag mir widersprechen, aber hier sehe ich überhaupt kein Understatement. Liest man sich durch die Foren und Blogs, so findet man äußerst geteilte Meinungen zu diesem Duft. Von klassischer Männlichkeit ist da die Rede oder aber vom Mief der 80er Jahre. Ich finde beide Extreme unzutreffend.

Nehmen wir einfach Cool Water – ein toller Duft, der seine Hochzeit hinter sich hat – ein großer Meilenstein der Herrendüfte – er wurde immerhin auch von Pierre Bourdon (verantwortlich auch für die beiden Mark Birley-Düfte) geschaffen. So verhält es sich auch mit Azzaro pour homme. Ein höchst interessant komponierter Duft, dem meines Erachtens – wie vielen anderen Fougère-Düften auch – der Charme der 80er anhaftet. Als frisches Gesicht steht heute Enrique Iglesias für Azzaro pour homme, sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn der Flakon für die Duftkomposition nicht wesentlich ist: hier hätte man auch einmal nachziehen können.

Azzaro pour homme ist ein kraftvoller Fougère-Duft, der durch seinen bis heute anhaltenden Erfolg auch seine Kritiker in die Schranken verweist. Wer allgemein mit Fougère-Düften nichts anfangen kann, wird hier auch nicht bekehrt. Wer diesen aber offen gegenübersteht, sollte unbedingt einmal testen! Ein Duft für einen selbstbewussten und erfolgsorientierten Mann, der seine Leistungen auch nach außen zu zeigen weiß.

Ganz viele Grüße sendet Euch
Harmen

Die Lavendelserie im Überblick:
Caldey Island Perfumes – Caldey Island Lavender
Nicolaï – Nicolaï pour homme
Andy Tauer – Rêverie au jardin
Nobile 1942 – Lavanda Nobile
Lorenzo Villoresi – Wild Lavender
Czech & Speake – Oxford & Cambridge
Parfums d’Orsay – Arôme 3
État Libre d’Orange – Antihéros

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Maison de Haute Parfumerie à Paris…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand,Krautiges am 18.01.2012

… ist der vielsagende und wohlklingende Zusatz der neuen Nischenduftmarke Atelier Flou, welche in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 auf einmal „aufpoppte“ und gleich mit acht Düften aufzuwarten vermochte.

Was oder vielmehr wer verbirgt sich dahinter? Ein Herr namens Jean‐François Cabos, dem der konventionelle Parfummarkt nicht viel bieten konnte und der als begeisterter Duftfan deshalb beschloss, sich auf das typisch französische Traditionshandwerk der Parfumeurskunst zu besinnen und seine Düfte einfach gleich selbst zu kreieren, vielmehr – kreieren zu lassen. Und zwar von Jacques Chabert, über den man nicht allzu viel findet, dem man aber Lentisque von Parfums 06130 nachsagt – ein zu Unrecht vollkommen unterschätzter Duft. Und bei Chanel und Guerlain soll er tätig gewesen sein – eine große Vergangenheit in großen Häusern, die auch Cabos, der Firmengründer von Atelier Flou, vorzuweisen hat: Er war Managing Director bei Balenciaga, bis diese von Gucci aufgekauft wurden. Chabert und Cabos kannten sich seit Jahren, was vermutlich auch die ungewöhnliche Art und Weise der Briefings für die Düfte möglich machte: Cabos zeigte Chabert dafür Zeichnungen, Texte, Bilder und Gedichte, und nach fünf Jahren enger Zusammenarbeit war man am Ziel angekommen: Acht Düfte, ganz gerecht vier für die Frauenwelt und vier für die Herren der Schöpfung, waren als Ergebnis emsiger Arbeit entstanden. Und diese trägt ihre Früchte: Das Feedback war exzellent, auch Kollegen äußern sich überaus wohlwollend.

Roja Dove, Duftexperte bei Harrods und selbst Parfumeur, tat Folgendes kund:„Jacques Chabert, das kreative Genie hinter einigen großen Klassikern, verbündete sich mit Jean‐François Cabos, um ein überwältigendes neues Dufthaus zu gründen – Atelier Flou ist zweifelsohne die neue Haute Parfumerie.“

Haute Couture mag ich, Haute Parfumerie natürlich auch – so stürze ich mich nun als altes Trüffelschwein für Euch ins olfaktorische Getümmel, immer auf der Suche nach einem neuen Holy Grail…

Beginnen wir mit den Damen, das lässt mir gleich Luft für eine Beichte: Ten Nine, Paradis Paradis, Shamsin und Sloane Rose heißen die Düfte – letzteren muss ich leider später nachliefern, zum Zeitpunkt des Schreibens meiner Rezension war leider kein Muster für mich verfügbar.

Ten Nine wird so charakterisiert:

„Greedy, Careless, Devouring the life with full teeth. The explosion of a splendid fruit cocktail, with the irresistible aroma of the chocolate and the refreshing touch of the so smart green tea underlined by a voluptuous attar of carvi of Hungary for this fragrance which tastes like a magic moment of life fully crunched. Greedy pleasure.“

Früchte, ehrlich? Soviel Frucht vermag ich hier nicht zu entdecken, das stört mich aber auch nicht weiter: Beeren finde ich, wenn ich mich bemühe, in allererster Linie aber zauberhaft kakao-pudrige Schokoladenanklänge, die zimtig anmutenden Harzen sanft-würzig unterstrichen werden. Eine Prise Kümmel, auf dem Teststreifen sehr viel deutlicher zu erkennen als auf meiner Haut, ein paar Zitronensternchen leuchten am Rand den Weg, der über verhalten krautig-ernste Akzente (Lavendel!) in eine deliziös-ambrierte Basis führt.

Die Diskrepanz zwischen Teststreifen und Haut ist frappierend: Der Teststreifen zeigt sich frischer, offeriert Kräuter und somit Gartenimpressionen, von After-Eight-Leckereien versüßt. Auf meiner Haut kommt das alles weniger zum Tragen und es dominiert eine trockene Wärme, die mit allen möglichen Schokoladenfacetten und -nuancen brilliert. Ein eigener Test, der ja ohnehin immer angeraten wird, ist hier unerlässlich.

In jedem Falle scheint mir das ein schöner Einstieg gewesen zu sein – ich bin gespannt, was uns diese Woche mit Atelier Flou noch erwartet!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Various Chocolate Types von Fir0002/Flagstaffotos, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Ein Lavendel, aus den Händen von Mönchen

Geschrieben in Duft,Krautiges am 10.01.2012

Auf mehrfache Empfehlung hin bestellte ich mir Anfang Dezember den bekannten „Caldey Island Lavender“. Als er mich vor Weihnachten noch erreichte, öffnete ich den grauen Papierumschlag, welcher, wie so viele Briefe aus dem Königreich, von der Queen geziert wurde. In dem Umschlag befand sich nun das Parfum, verpackt in eine Schutzfolie. Natürlich musste ich hier schon einmal meine Nase hinhalten, und nicht vergebens, denn die Folie roch schon wie eine mittelalterliche Kirche, von denen ich auf einer Bildungsreise in England bereits unzählige besucht hatte. Ich denke, es ist nicht nur eine Unart meinerseits, schon an der Verpackung herumzuschnüffeln, ich sehe es bei anderen immer wieder, und wir sollten einfach einmal festhalten, dass das Dufterlebnis bereits mit dem Geruch der Verpackung beginnt. Ausgewickelt, verstärkte sich dieser Eindruck noch, und wir werden sehen, ob es der Muff der tausend Jahre ist oder ein erster Eindruck, der aus dem Fläschchen entweicht. Übrigens schlage ich vor, die Duftpyramide in ein Quadrat zu setzen und eine, sagen wir Marginalnote oder Verpackungsnote, einzuführen.

20110227-Caldey Island

Caldey Island, oder wie sie auf Walisisch heißt, Ynys Bŷr, ist eine Insel vor der südlichen Küste von Wales. Dieses kleine Eiland misst gerade einmal 2,4 km in der Länge und 1,6 km in der Breite und beherbergt ein kleines Dorf sowie das bekannte Kloster, von dem hier noch die Rede sein wird.

CaldeyIslandAbbey

Schon seit dem 6. Jahrhundert gibt es dort Mönche, heute sind es Zisterzienser, die in dem 1910 errichteten Klostergebäude wohnen. Von der langen Geschichte zeugt eine normannische Kapelle aus dem 12. Jahrhundert und vor allem der Caldey-Stein aus dem 6. Jahrhundert, der neben einer lateinischen Inschrift auch ein so genanntes Ogam trägt, alte Schriftzeichen aus dieser Zeit.

Liest man in Luca Turins Buch “Perfumes: The Guide” nach, so schwärmt dieser von dem Caldey Island Lavendelparfum: “simply the best lavender soliflore on earth”. Mit solch einem Lob, darf natürlich auch ein ausgezeichneter Lavendel erwartet werden. Die Idee, ein Parfum auf der Insel herzustellen, entstand aus dem Verkauf von Lavendelsträußen an Tagestouristen in den 1950er Jahren. Die ersten Düfte wurden begeistert aufgenommen und geschäftstüchtig wie die Brüder waren, wurde die Produktion angekurbelt: man gründete die Marke “Caldey Abbey Perfumes”, welche sich ganz der Herstellung hochwertiger und kultivierter Duftschöpfungen verschrieb. Um der Nachfrage gerecht zu werden und auch weil die kleine Insel natürlich nur über begrenzte Ressourcen verfügt, lagerten die Mönche die Produktion in den 70er Jahren aus.

Heute arbeitet der belgische Parfumeur Ivo Jacobs für die Mönche und nimmt Lavendelkissen von Caldey als Vorlage, um die berühmten Düfte sorgfältig zu formulieren. Die Essenzen werden daraufhin nach Caldey gebracht, wo sie von den Mönchen abgefüllt und verpackt werden. Und das machen sie nicht nur, um die Herzen der Parfumfreunde höher schlagen zu lassen. Die Parfums, Colognes, Badezusätze, Handlotionen, Rasierwasser, Seifen, aber auch Schokolade bilden einen Hauptpfeiler der Inselwirtschaft. Darüber hinaus werden die Lavendelsträuße und Lavendelkissen wieder im Parfumgeschäft der Insel verkauft. Übrigens sind die Herren Mönche mit einem Internetshop vertreten, wo man die Produkte (neben Touri-Nippes) zu unschlagbaren Preisen beziehen kann, siehe hier.

Zurück zum Thema “Caldey Island Lavender”. Mit Herrn Turins Zitat war schon klar, dass wir es mit einem “Soliflore” zu tun haben, einem Parfum, das eine Note zum Hauptthema hat, was wiederum nicht heißt, dass nicht auch andere Noten enthalten sein können. Ganz klar zeigt sich hier ein charakteristischer Lavendel, mit all seinen Eigenschaften: Frisch, sauber und krautig, man fühlt sich leicht an Minze erinnert. Auf der Haut hingegen zeigen sich auch balsamisch-florale Anklänge, sicherlich auch einer der Kandidaten, die sehr individuell mit der Haut reagieren. Also nun ein reiner Blindflug: 95% Lavendel, die restlichen Noten könnten zitrische Noten im Kopf sein, vielleicht ein wenig Zedernholz und sicher Moschus. Die Haltbarkeit lässt deutlich zu wünschen übrig.

Ihr seht schon, ich werde nicht hysterisch vor Begeisterung. Ein Lavendel, der einfach, klar und geradeaus ist, ähnlich wie “Antihéros“, nur dass dieser weitaus holziger und irgendwie auch rauer und moderner daherkommt. Also genug gemeckert. Caldey Island Lavender ist meines Erachtens ein gelungener, traditionell anmutender Lavendel, der denjenigen Männlein und Weiblein gefallen wird, die ihr Herz klassischen Lavendeldüften geschenkt haben. Aus der immer größer werdenden Palette an Lavendeldüften, die ich in letzter Zeit kennenlernen durfte, wird dieser nicht als Sieger meines Herzens hervorgehen. Einen Test rate ich bei fortgeschrittener Lavendelbegeisterung aber unbedingt an. Ganz berührend – das meine ich vollkommen ernst – sind auch die Einträge auf der “Prayer Page”, wo man den Mönchen Gebetsanliegen übermitteln kann, die diese dann in ihre Gebetsliste aufnehmen. Wer das Parfum nicht mag, kann zumindest auf geistliche Zuwendung bauen.

Ganz viele Grüße von
Harmen

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Ein Herren-Lavendel von Nicolaï

Geschrieben in Duft,Krautiges am 20.12.2011

Guten Morgen zusammen,

keine Sorge, vermutlich werde ich doch noch den einen oder anderen Lavendel aus dem Hut zaubern, bevor ich mich einem neuen Thema widmen muss. Ein beherzter Griff in die Pröbchensammlung bringt „Nicolaï pour Homme“ von Patricia de Nicolaï hervor.

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Die Kopfnoten sind wie folgt angegeben: Kopfnote: Galbanum, Orange, Minze; Herznote: Jasmin, Lavendel, Geranium; Basisnote: Eichenmoos, Zedernholz, Tannenbalsam, Tabak, Ambra, Labdanum (Zistrose)

Der eine oder andere wird sich jetzt denken: “Harmen, du Krampe, die Duftnoten kommen mir bekannt vor, schreibst Du eigentlich doppelt, oder was, geh doch heim!?” Daheim bin ich schon. Gewisse Ähnlichkeiten kann ich zum unlängst besprochenenRêverie au jardin“ von Andy Tauer durchaus feststellen, treffen doch auch hier Lavendel, Tannenbalsam, Ambra und Zedernholz aufeinander. Im direkten Vergleich zeigt sich allerdings, dass der Tauer um ein Mehrfaches krachiger, krautiger, grüner und waldiger ist und auch das Tannenbalsam fingerdick aufgelegt hat. Doch zurück zu Nicolaï: Im Auftakt werden die zitrischen Noten nicht versteckt – eine Orange, die durch die beigefügte Minze frischer herauskommt und so eher einer Zitrone gleicht. Die Minze verträgt sich sehr gut mit dem Lavendel im Herzen, ergänzen sie sich doch gegenseitig in ihrer frischen Krautigkeit. Getragen wird das Ganze von einer balsamisch-dunklen Note, die ich dem Galbanum, Ambra und Tannenbalsam anlaste. Hauchdünne Akzente von Eichenmoos und leicht floral-süße Einsprengsel akzentuieren den Duft und geben ihm eine angenehme Komplexität. In der Langzeitwirkung setzen sich die süßlichen Noten durch, immer aber begleitet von einer leichten Krautigkeit.

Wer also bei den Gartenträumereien des Herrn Tauer aussteigen musste, sollte sich durchaus einmal hieran versuchen. Ein edler Herrenduft, den ich mir ohne Probleme auch an einer lavendelbegeisterten Dame vorstellen kann, überhaupt finde ich, dass Lavendel meistens für beide Geschlechter taugt.

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In der Produktbeschreibung wird von Noten des Altweibersommers gesprochen – eine passende Assoziation, wie ich finde, übt doch gerade diese Zeit eine ganz eigene Faszination auf uns aus. Die langen Spinnenfäden, die wie die Haare alter Frauen aussehen – daher der Name –, Gerüche von gefallenem Laub auf der feuchten Erde und die letzten Sommerdüfte, die noch aus den Wiesen steigen…

Auch wenn wir jetzt mitten im Winter stecken, ein bisschen in den Herbst zurückspulen sollte erlaubt sein :-)

Viele Altherrengrüße von
Harmen

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Wenn Herr Tauer von Lavendel träumt

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Grünes,Krautiges am 5.12.2011

Britannica LavenderUnd schon geht es weiter mit der Lavendelserie… übrigens habe ich gar nicht mehr so viele Düfte „auf Halde“, wenn Ihr also Vorschläge für Lavendeldüfte habt, die ich hier unbedingt einmal vorstellen sollte, dann nur heraus damit. Heute habe ich einen Duft auf dem Tisch, der, wie eine kurze Recherche zeigt, durchaus polarisiert. Die einen kommen mit den üblichen Vorurteilen von wegen Omas Schrank um die Ecke, die anderen sehen in ihm einen spannenden dunkel-grünen Duft: „Rêverie au jardin“ von Andy Tauer.

Ein Blick auf die Duftnoten lässt eine interessante Mischung erwarten:
Kopfnote: Lavendel, Galbanum, Bergamotte, Tannenbalsam, Rose; Herznote: Weihrauch, Ambrettesamen, Iris; Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Eichenmoos, Ambra, Sandelholz, Zedernholz

Unter den meisten Duftnoten kann ich mir etwas vorstellen – Galbanum gehört nicht dazu: Mein schlaues Buch verrät, dass es sich bei Galbanum um ein Gummiharz aus Steckenkraut-Arten aus dem Iran handelt, aus dem man wiederum per Wasserdampf-Destillation ein ätherisches Öl gewinnt. Dieses Öl soll grüne, waldige und balsamische Noten haben. Ich bin gespannt, ob ich es gleich entdecken kann.

Auf dem Duftstreifen ist der Lavendel sogleich präsent, aber auch eine frisch-würzige Komponente, die ich dem Tannenbalsam und auch ein wenig dem Galbanum zuschreiben möchte. In dieser Kombination ist das natürlich ein Kracher. Der ohnehin schon würzig-herbe Lavendel wird nun auch noch von einem Kiefernnadel-Tannenharz-Bergamotte-Verbund aufgerüstet, was selbst den Teststreifen zu einer äußerst intensiven Aromabombe macht.

Nach dem Aufsprühen auf die Haut bin ich überrascht, denn ich bin es mittlerweile gewohnt, dass sich die Kopfnoten eins zu eins wie auf dem Streifen wiederholen. In diesem Fall überhaupt nicht. Natürlich ist der Lavendel mit seinen Nadelholz-Kompagnons anwesend, aber der Rest vom Fest ganz deutlich auch. Die harzig-balsamischen Noten kommen klarer zum Tragen – ich denke das Galbanum kommt besser heraus und verbündet sich mit dem moschusartigen und blumigen Öl der Ambrettesamen sowie der Rose und dem Weihrauch. Was auf dem Duftstreifen intensiv krautig, harzig und frisch war, erweist sich auf der Haut im Verhältnis als insgesamt süßer mit einem blumigen Akzent, und was ich besonders ungewöhnlich finde ist, dass die Basis eigentlich kaum in Erscheinung tritt.

Ruined Wall, Coate Moor - geograph.org.uk - 1004031

Bei Traum und Garten hätte ich einen leichten, sommerlichen Blütenduft erwartet, aber das ist eine ganz falsche Fährte. Ich möchte überhaupt niemandem auf den Schlips treten, deswegen schreibe ich dies ausschließlich als meine Privatmeinung. „Rêverie au jardin“ ist eine ungewöhnliche Kreation, die den Mut hat, neue Wege zu gehen. Allein dafür schon großen Respekt. Meiner Meinung nach harmoniert die Komposition aber nicht optimal, zumindest nicht auf meiner Haut. Als Störfaktor würde ich das Tannenbalsam oder eben diese Nadelholzaspekte ausmachen, welche die Harmonie des Duftes unterlaufen. Auch nach längerer Zeit auf der Haut mag dieser Eindruck nicht schwinden und darüber hinaus geht der Lavendel leider auch unter.

Ich sehe hier keinen Garten, eher ein Waldrand, an dem einige Büsche blühen, eine verwunschene Lichtung, die nach geschlagenem Holz duftet und in ein dunkles Grün getaucht ist.

Deep-in-the-forest

Aber auch wenn der Duft meinen Geschmack nicht ganz trifft, bin ich beeindruckt von der unkonventionellen Vorgehensweise und kann allen Freunden extravaganter Düfte eine Probe dringend empfehlen. Ich denke, das ist ein Duft, der die Geister scheidet, aber wenn sich einer der Geister einmal dafür „be-geistert“ hat, ist es um ihn geschehen. Für jedes weitere Geister-Wortspiel lege ich fünf Euro ins Phrasenschwein, aber um diesem Spuk zu entgehen (Mist!), verabschiede ich mich lieber und bitte um reges Kommentieren, da ich sehr gespannt auf Eure Meinung bin.

Es grüßt aus dem dunklen Tann
Harmen

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Ein Herren-Lavendel von Nicolaï
Südländisches Temperament – Azzaro pour homme
A new star is born…


Ein Lavendel von Adel – Lavanda Nobile

Geschrieben in Duft,Krautiges am 2.12.2011

Und weiter geht es in meiner kleinen Reihe, die ganz dem Lavendel gewidmet ist. Ein Kandidat darf natürlich nicht fehlen: Lavanda Nobile von Nobile 1942. Mit seinen angegebenen Duftnoten muss er ein ganz feiner Duft sein, sodass schon vor einem ausgiebigen Test ganz Nobles erwartet werden darf: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Kardamom, Lavendel; Herznote: Lavendel, Maritime Noten, Guajakholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Benzoeharz, Eichenmoos.

Eine schöne Geschichte zu dem Duft gibt es obendrein, und diese will ich Euch auch nicht vorenthalten. Massimo Nobile kreierte diesen Duft als Erinnerung an seinen Vater, eine höchst persönliche Angelegenheit, welche mich auf die Idee bringt, Euch einmal zu fragen, wie Väter eigentlich riechen? Abgesehen von denjenigen Exemplaren, die durch stete Abwesenheit glänzen – diese riechen vermutlich nach L’Antimatière – habe ich doch schon im Gespräch mit vielen Leuten erfahren, dass sie einen ganz bestimmten Duft mit ihrem Vater verbinden.

Massimo Nobile beschreibt seinen Vater als einen Menschen, der eine natürliche Autorität besaß, der durch seine Art, sich zu kleiden, seine Gestik und seine verkörperten Prinzipien jemand war, der niemals um Erlaubnis fragen musste. Ein Mensch, der durch eine maßvolle Rede, geschliffene Umgangsformen und Entschlossenheit überzeugte. Kein Mann von großem Wuchs, aber mit einer imposanten Ausstrahlung, die Schönheit eines Mannes, der etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen hatte. Und obwohl er hinter vielen Düften stand, trug er selbst doch nur ein spezielles Parfum: einen klassischen Lavendel, der auch schon damals längst nicht mehr hergestellt wurde. Massimo Nobile beschreibt, dass dieser Duft ihn geradezu kleidete, zu seinem Charakter passte und alle Dinge durchdrang, mit denen er zu schaffen hatte. „Ich weiß nicht, ob ‘Lavanda Nobile’ seinen Duft hätte ersetzen können. Aber er ist für ihn kreiert, und ihm ist er zugeeignet. Meinem Vater.“ – Massimo Nobile.

Sea lavender and dunes - geograph.org.uk - 909470

Auf dem Teststreifen erwartet mich ein gesitteter Lavendel. Die durchaus krautigen und manchmal auch etwas bissigen Eigenschaften des Lavendels wurden durch frische Noten im Auftakt gekonnt austariert, ohne dessen Charakter aber zu verfremden. Bergamotte, Mandarine und Kardamom wurden zu einem frischen Aspekt vereint, der eigentlich nur Frische mitgibt, ohne aber die Einzelakteure groß in Erscheinung treten zu lassen. Auch auf der Haut das gleiche Bild, jedoch werde ich hier von kräftigen aquatischen Noten überrascht, die dem gesamten Duft ihren Stempel aufdrücken. Eine ganz neue Variante Lavendelduft. Hatten wir es bislang mit Lavendelkrachern reinster Güte zu tun oder mit distinguierten, englisch anmutenden Düften, haben wir hier nun einen neuen Typus vorliegen: den aquatischen Lavendel. Die Basisnoten darf man sich als leise Hintergrundmusik vorstellen, auch hier sind Hölzer und Harze in Moschus und Ambra artig eingebettet.

Frisch, aquatisch und bislang auch die modernste Interpretation eines Lavendels, ganz klar für beide Geschlechter geeignet. Mir persönlich gefällt er ausgesprochen gut. Was denkt Ihr?

Es grüßt Euch
Harmen

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Asche auf mein Haupt…
Südländisches Temperament – Azzaro pour homme
Parfums für die lieben Kleinen…


Ein italienischer Lavendel von Villoresi

Geschrieben in Duft,Krautiges am 21.11.2011

Wie bereits verkündet, setze ich mich momentan intensiver mit dem Thema Lavendeldüfte auseinander. Mit Lorenzo VilloresisWild Lavender“ bin ich diesbezüglich ebenso fündig geworden und möchte Euch diesen heute vorstellen. Zuletzt war Czech & SpeakesOxford & Cambridge“ an der Reihe, mit dem wir einen äußerst britisch-kultivierten Universitätsduft vorliegen hatten.

Villoresis Namensgebung lässt auf eine wilde oder ursprüngliche Variante schließen, vielleicht das Kontrastprogramm zu dem akademischen Vertreter? Jedenfalls versprechen die Duftnoten eine frische Interpretation:

Kopfnote: Lavendel, Bergamotte, Zitrone, Iris, Koriander, Elemiharz, Lorbeer, Galbanum; Herznote: Gewürznelke, Muskatellersalbei, Wacholder, Pfeffer; Basisnote: Tonkabohne, Moschus, Rosmarin

Schon der Duftstreifen präsentiert einen ganz feinen, frischen Lavendel, der mit leicht süßlichen Noten akzentuiert wird. Auf der Haut ist es ganz klar der Lavendel, der von Beginn an das Heft in der Hand hat. Zitrische Noten von Bergamotte und Zitrone gesellen sich hinzu. Offen gesagt dominiert der Lavendel so stark, dass die anderen angegebenen Komponenten kaum wahrnehmbar sind. Ich möchte behaupten, dass die harzigen Noten von Galbanum und Elemiharz genauso geschluckt werden wie die anderen Noten. Sicherlich unterstreichen diese Bestandteile den Lavendel, ohne aber selbst deutlich in Erscheinung zu treten. Außer leichten würzigen, möglicherweise pfeffrigen Andeutungen lassen sich diese nicht genauer bestimmen. Wie geht es Euch dabei?

Lavender

Dieser Duft ist ganz seinem Protagonisten verpflichtet. Die Duftnoten tragen ganz im Sinne einer Teamarbeit ihren Star, den Lavendel, stützen ihn und geben ihm Durchschlagskraft. Erst in der Langzeitwirkung vermögen die anderen etwas durchzuscheinen: Moschustöne, Tonkabohne und etwas Rosmarin meine ich erkennen zu können, nur ein Hauch von Zedernholz scheint entweder verschwiegen worden zu sein oder ich täusche mich ganz einfach.

Auch wenn wir es hier mit einer cologneartigen, italienischen Interpretation zu tun haben, konnte sich Herr Villoresi wohl auch nicht ganz von der Englandassoziation freimachen. So hieß der Duft ursprünglich „Inglese“ (Englisch). Vielleicht hat sich ein Englishman nicht nach New York, sondern in die südlichen Gefilde verirrt…

Ein ganz edler Duft, ebenso auch für Damen geeignet und deswegen zurecht als Unisexduft ausgewiesen. Vielleicht werde ich am Ende meiner Serie einen Favoriten küren. Die bisher erwähnten Lavendeldüfte machen es mir allerdings schwer, mich jetzt schon festzulegen. Alle haben auf ihre Art und Weise einen ganz besonderen Charakter und wenn man Lavendel einfach mag, müsste schon viel passieren, um ihn auf gut Deutsch zu versauen – oder hat jemand einen Vorschlag, der mich eines Besseren belehrt? ;-)

Viele Grüße von
Harmen

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Riecht wie bei Oma im Schrank? Im Gegenteil!

Geschrieben in Duft,Krautiges am 7.11.2011

Vor kurzem habe ich einmal fallen lassen, dass ich doch eine kleine Lavendelserie starten könnte. Ausschlaggebend für die Idee waren zwei Düfte: der schon im Februar besprocheneAntihéros“ von État Libre d’Orange sowie der erst kürzlich rezensierteArôme 3“ von Parfums d’Orsay. Um richtig in Stimmung zu kommen, habe ich mir kurzerhand beide aufgesprüht und schwelge nun in Lavendelwolken. Der Antiheld erweist sich als der konsequentere Vertreter der Gattung Lavendel, klar, ohne Umschweife und geradeaus. Bei der Kreation von Parfums d’Orsay wurden zehn Duftnoten mehr verwendet, was sich natürlich in der Komplexität des Duftes widerspiegelt: hier wurde der Lavendel in einen ganzen Verbund an Noten eingebettet, was ihm einen letzten Schliff gibt.

Lavender field

Liebe Leser, heute habe ich mir Czech & SpeakesOxford & Cambridge – Traditional Lavender“ vorgeknöpft. Frisch auf den Streifen gesprüht werde ich von einer Lavendelwalze überrollt, die dem Auftakt von „Antihéros“ in nichts nachsteht. Aber trotzdem erweist sich der Czech & Speakesche Auftakt als frischer, um genau zu sein als minzig.

Eine Kombination, die meines Erachtens hervorragend zusammenpasst. Im Kopf sind außerdem noch Bergamotte und Rosmarin angegeben, mal sehen, ob diese auf der Haut deutlicher herauskommen. Dort kommt die Pfefferminze noch klarer zum Tragen. Was den Rosmarin anbelangt denke ich, dass dieser vom Lavendel geschluckt wird, da beide eine gewisse Krautigkeit besitzen. Das Gleiche gilt auch für die Basis, auch hier ragt der Lavendel weit hinein, ohne dass aber das Sandelholz und das Eichenmoos untergehen. Der Nachklang ist eindeutig holzig mit einem ganz leichten Hauch von Leder (ich verdächtige das Eichenmoos), was dem Duft einen konservativen Charakter verleiht. Dass bei dieser Namensgebung kein Kaugummiduft zu erwarten ist, ist auch klar.

Oxford und Cambridge, die beiden britischen Eliteuniverstäten, passen hervorragend zu diesem Duft. Ein gebildeter Lavendel, durch und durch kultiviert und mit dem herben Charme britischer Traditionen versehen. Neben dem unlängst besprochenen Ivy League von Domenico Caraceni sicherlich ein Uni-Duft, der noch etwas mehr von der altehrwürdigen Atmosphäre des “Alten Europa” zu erzählen weiß.

Merton College library hall

Mir gefällt der Duft sehr gut. Keine Frage, man muss ein Freund von Lavendel sein und darf nicht vor konservativen Düften zurückschrecken. Ein Test ist er aber allemal wert

Hier noch die harten Fakten: Kopfnote: Bergamotte, Pfefferminze, Rosmarin; Herznote: Lavendel; Basisnote: Eichenmoos, Sandelholz.

In Kürze folgen weitere Lavendeldüfte, versprochen! Habt Ihr Favoriten?

Liebe Grüße
Harmen

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Kunst, Kultur & Kreativität – Six Scents Series 3.

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes,Krautiges am 4.10.2011

Endlich! … werden einige von Euch denken – Christiane? ;) Lange hatte ich sie schon angekündigt und meiner Ankündigung bisher keine Taten, vielmehr Rezensionen folgen lassen. Damit ist ab heute Schluss – diese Woche steht ganz im Sinne der neuen und somit dritten Serie von Six Scents.

Six Scents, wer war das noch einmal? Wie immer eine Kooperation – zwischen Grafikdesignern, einem Aromastoffhersteller, Designern und Parfumeuren. Kreativität und Kultur – und das zu einem guten Zweck. Sechs Designer und sechs Parfumeure schaffen sechs Düfte – und spenden.

Das diesjährige Motto ist „Innocence to Experience“:

„Six Scents Series Three is an exploration into the nature of childhood memories and the influence of adolescence on identity. Six designers from six different parts of the world have been invited to remember the most definitive experiences of their youth that led to their sense of identity today and to recall some of their most intimate childhood memories involving the sense of smell. Exploring the stories from one through six, innocence begins to fade and rebellion, reality and mischief kick in. In addition, a group of contemporary artists have been invited to interpret the progression from innocence to experience through film. A portion of the proceeds will go to War Child International (warchild.ca) in support of children who have not had the good fortune to experience the same freedom of childhood and adolescence.“

Der Einfluss der Jugend auf die Identität – eine schöne Idee. Und die Spenden gehen an Kinder der kanadischen Organisation War Child International, die Kriegsopfern hilft, Kindern, die keine solch heilen Kindheitserinnerungen sammeln konnten wie die Kreativlinge. Deren Ideen gehen natürlich weit über die Düfte hinaus – das Packaging der Series 3 ist einfach atemberaubend: Außer limitierten nummerierten Flakons ist jede Schachtel mit einem von Robert Knoke entworfenen Porträt derjenigen verziert, die ihn geschaffen haben. Darüber hinaus liegt jedem Duft eine DVD mit folgenden Kurzfilmen bei: Le Viol de La Meduse von Alia Raza, Dom, 13. Savannah, 16’ von Lucas Michael, Boobs & Flowers von Olaf Breuning, Untitled, 2010 von Sue de Beer, A little wonder von Rainer Judd, Transition von Tim Richardson, First Kiss von Iain Forsyth & Jane Pollard, Pretty Wise von Heather Sommerfield, Deflowering Lily von James Widgren, Gary Gunn & Kaya Sorhaindo (ein Teil davon lässt sich auf deren Webseite ansehen) und Making Scents of Memories – die Six Scents: Series Three-Dokumentation, die man hier vorab schon bewundern kann:

Ein Projekt, dass es mir sehr angetan hat – unter einem immer ansprechenden Motto versammeln sich vielversprechende Nachwuchskünstler aus der Haute Couture und dem Parfummarkt und schaffen etwas zusammen. Dabei kam bisher nur Tolles heraus, ich bin ein echter Fan der beiden letzten Serien, schauen wir, was dieses so mit sich bringt.

Und beginnen heute mit No. 1, Beau Bow von Alexis Mabille und Rodrigo Flores-Roux.

„It was a fantastic experience to be immersed in Alexis’ world. His impeccable taste, his enormous knowledge of the history of art, fashion and design, and a deep love for garden flowers „that are somewhat vintage or out of fashion“ provided a lot of fun and inspiration. Alexis wanted his fragrance to be very chic, very bourgeois, quintessentially French. Both of us share a nostalgic memory of the ideal image of France in the 1970’s, elegantly modern, but strangely, still romantic, a bit hazy, like a David Hamilton photograph. I picture Alexis as a kid, with his cat as inseparable sidekick, already thinking about the bow laden dresses of his brilliant future. A sweet boy with a conviction… just like the fragrance structure we chose to develop. We re-imagined the fresh and elegant “Eau Fraiche” structure so popular in France in the 70’s, and gave it a jolt… and a twist… Our result: the crisply fragrant image of a very chic and cultured French teenager who enjoys his quirks and is eager to discover the world, making love to it for the first time and breathing it all in.“ – Rodrigo Flores-Roux.

Ein nostalgischer Duft, einer Hamilton-Fotografie gleich, typisch französisch, elegant und schick – wie die Kleider des Herrn Mabille, eingefangen in einem Eau Fraîche unter Zuhilfenahme von so vielen Zutaten, dass ich sie unmöglich alle hier listen kann – oder doch: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte, Orange, Lavendel, Basilikum, Minze, Veilchenblätter, Galbanum; Herznote: Jasmin, Magnolia, Rose, Alpenveilchen, Geißblatt; Basisnote: Chypre-Akzent, Vetiver, Moos, Iris und Kephalis, eine von Givaudan kreierte Note („Kephalis is a very versatile and rich product, used as a long lasting heart/basic note. It blends well with floral notes – jasmine, rose, violet, lavender, etc. – as well as sophisticated amber, woody-aldehydic, tobacco and masculine creations.“).

Wenn ich mir so Mabilles Kleiderkreationen bei Google vor Augen führe – ihn kannte ich nämlich in der Tat noch nicht – dann passt der Duft ganz schön gut. Ich fühle mich erinnert – an Françoise Sagan, an Bonjour Tristesse und ihre anderen Werke, Frauenliteratur, ja. Aber nett, französisch, melancholisch, ein bisschen kitschig. Und immer voll von jenen gut angezogenen Frauenfiguren, die durch irgendwas, meist – irgendwen ins Leid gestürzt werden. Aber ich schweife ab ;)

Sehr nett, sehr frühlingshaft, zitrische Prickelei in der Kopfnote und ozonige Anklänge, sanfter Hauch Kräuter, frische minzige Anklänge und zarte Blüten. Vor allem Geißblatt zeigt sich präsent und naturaliter sehr heiter – erinnert ein wenig an Annick Goutals leichtere Kreationen. Sauber ist es, das Düftchen, und wie eine Frühlingsbrise, dabei aber keineswegs unnatürlich-artifiziell wie manch amerikanischer Sauberduft. Jugendliche Leichtigkeit des Seins in adretter Verpackung.

Damit fängt die dritte Serie ja schon mal ziemlich gut an – mal schauen wie es weiter geht dieser Tage…

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Six Scents Series 3, Claude Monet (1886): Essai de figure en plein-air: Femme à l’ombrelle tournée vers la gauche, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Six Scents Series 3 in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Six Scents – Von denen, die auszogen, die Welt zu verändern…
Six Scents Series 3 – die Dritte.
Neuigkeiten die Fünfte und Letzte.


Der Garten des Dichters…

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden,Krautiges am 12.08.2011

Jardin du Poète heißt er, der neue Duft aus dem Hause Eau d’Italie, für den einmal mehr der omnipräsente Bertrand Duchaufour verpflichtet wurde.

„The inspiration for this fragrance is a tale from a bygone era, when nations where ruled by poets, and poets were sacred to Apollo. In those days Sicily was a Greek colony, Syracuse was a fragrant court, and its gardens vibrated with the scent of citrus orchards and rows of aromatic plants. Thus “Jardin du Poete”, the poet’s garden, a luminous fragrance to evoke Sicily and all things Sicilian.“

Ein Land von heiligen Dichtern regiert – erinnert mich spontan ein bisschen an Schillers ästhetische Erziehung und an die imposanten (und äußerst theorielastigen) Tagträumereien der Romantiker: „Die Welt muss romantisiert werden!“, so forderte Novalis, und gab auch gleich die Alltagsanleitung für jene poetische Überhöhung der Dinge: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es.“ Eine Prise Umdeutung schadet im Leben nicht, auch wenn nicht alles Einstellungssache ist, lässt sich viel damit beheben.

Monsieur Duchaufour hatte in jedem Falle einen Superlativ im Blick, als er Jardin du Poète kreierte, und zeigt einmal mehr was für ein phantastisches Händchen er als Parfumeur besitzt.

Der Auftakt des Duftes gleicht einem Schritt in einen paradiesgleichen Hesperidengarten: Agrumen in Hülle und Fülle – saftige Mandarinen, leuchtende Bitterorange und säuerliche Grapefruit, die alsbald den Blick freilassen auf einen gar herrlichen Kräutergarten. Basilikum, bitter und dunkelgrün, leuchtet und strahlt, und ich vermeine dahinter Tomatensträucher zu erblicken. Denn die zerriebenen Blätter von Tomaten rieche ich, ähnlich wie in dem von mir sehr geliebten Raumspray Feuilles de Tomate von Parfums d’Orsay. Frisch, grün, leicht herb und von jener seltsamen Art „Fruchtigkeit“ begleitet, die Tomaten so an sich haben. In diesem beeindruckenden aromatischen Überfluss lässt sich vortrefflich schwelgen, er begleitet ein weit in den Duft hinein, bis später eine trockene Wärme an Einfluss gewinnt: Würzige Heunoten von sich sehr zivilisiert benehmender Immortelle (ohne Maggianleihen, versprochen!) stiften ebendiese, während Vetiver und Zypresse holzig-grüne Akzente setzen samt eines leichten Hauch Rauchs, von der Basis aus Moschus subtile Weichheit erfahrend.

Jardin du Poète ist grün-aromatisch, überaus authentisch, zitrisch und gleichermaßen durchgängig frisch wie sonnengewärmt. Mir will der Duft wie eine Kindheitserinnerung scheinen, an einen Garten Eden, einen einsamen. Ans Paradies. Und weckt so gedankliche Querverweise, die ich Euch nicht vorenthalten will: Die erhabene Einsamkeit eines Goutalschen Ninfeo Mios, das grüne Strahlen eines oder dasjenige von Odoris Gli Odori ohne Transpira… äh, Kumin. Heu und Bitterorange bei Ellenas Klassiker Bigarade Concentrée abgeschaut und das Zitrusfrüchte-Ensemble aus einem jener Vorzeige-Hesperiden wie zum Beispiel Atelier Colognes Orange Sanguine.

Sollte Sizilien auch nur in Ansätzen derart überzeugend sein wie Jardin du Poète, so steht es auf meiner Reiseliste demnächst ganz weit oben. Aber, wer weiß – noch mehr so schöne Düfte und es muss vielleicht dann doch zunächst das Geburtshaus der Eau d’Italie-Kollektion sein, Le Sirenuse in Positano, in dem ich zu weilen gedenke. Ich sehe schon, eine Italienrundreise wäre auch nicht so schlecht…

Einen schönen Tag Euch noch sowie ein ebensolches Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike, nach einer “Reise-Woche” in Urlaubsplänen schwelgend.

Bildquelle: “Palermo (Sicilia). Travel poster shows a garden courtyard with arcade and tower of San Giovanni degli Eremiti in Palermo, Sicily. Print by Stab. A. Marzi, Roma, for ENIT (Ente Nazionale Italiano per il Turismo), ca. 1920.” von trialsanderrors, Citrus aurantium chinotto von Raul654, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Jardin du Poète in unserem Shop.

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