Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Costume National…

Geschrieben in Duft, Gewürziges, Holziges am 1.09.2010

… ist nicht nur ein ganz hervorragendes Klamottenlabel, das mein Herz schon seit Jahren mit seinem minimalistischen Stil samt raffinierter kleiner Details erfreut – die Italiener haben auch eine ganze Duftkollektion im Programm, die wir neulich ins Sortiment unseres Shops aufgenommen haben.

Ich bin ganz ehrlich: Natürlich hatte ich diese, trotzdem ich das Label schon lange kenne und schätze, größtenteils noch nicht getestet. Warum? Weil ich, ich gestehe es, bei sogenannten „Mainstream“-Düften, die man in vielerlei Parfumerien bekommen kann, die flächendeckender lanciert werden, immer lediglich semi-interessiert bin und viele Düfte wie die zum Beispiel die 28. Auflage eines Escada-Sommerduftes gar nicht teste (in dem Falle schon auch weil ich das Label ganz gruselig finde…). Eine Voreingenommenheit, die nicht immer richtig und angebracht ist – sind es doch mitunter dieselben Parfumeure, die jene Düfte für die ganzen herkömmlichen Parfumerielabels herstellen: Annick Menardo beispielsweise, die Göttliche, hat neben Le Labos Patchouli auch Bulgari(s) Black gemacht, den kongenialen. Und darüber hinaus noch Diors Hypnotic Poison. Kurkdjian, den wir von seinem eigenen Haus kennen sowie von einigen Düften für Juliette has a Gun, von Indult, der sich verantwortlich zeichnete für Guerlains Rose Barbare und Acqua di Parmas Iris Nobile wurde als Jungspund bekannt mit seinem Meisterwerk für Gaultier, Le Male – und fertigte weiter fleißig noch weitere Düfte für Gaultier, Elisabeth Arden, Joop! und Konsorten.

Wie das kommt? Weltweit gibt es diverse Aroma- und Duftstoffhersteller, einige davon teilen sich den Großteil des Marktes, nämlich Givaudan, IFF, Firmenich, Symrise und Takasago (siehe Blogroll). Diese stellen nicht nur Duftstoffe für Parfums her, sondern eben auch Aromen für Hygieneartikel, für Wasch- und Putzmittel sowie für den Verzehr, ergo für Speisen und Getränke. Einige Labels und Firmen aus dem Parfumeriebereich gehören ohnehin schon zu diesen Konzernen, für andere fertigen ebendiese deren Düfte an – mit hauseigenen Parfumeuren, die je nach dem mal Waschmittel und mal Parfum machen, wobei die bekannteren Stars vermutlich nur noch im Duftbereich agieren und nicht die Limited Edition eines Spülmittels in der Sommersambavariante erfinden müssen. So arbeiten viele unserer angebeteten Parfumeure vom Laborsessel eines dieser Konzerne aus – und betreiben nebenher oder parallel ihre eigenen Projekte, Labels, Kooperationen whatever, in denen sie mehr Freiheit(en) haben.

Ich vergleiche das immer ganz gerne mit der Arbeit eines Malers: Viele Mainstreamlabels erheben mittels der Trendforschung bestimmte zyklische Präferenzen und machen demgemäße Vorgaben. Nehmen wir einmal an, diesen Sommer seien Lotosblüte bei Damen und Grapefruitakzente bei Herren en vogue, im Winter soll die Frauenwelt nach Vanillekipferl riechen und der Mann nach Spekulatius. Nach diesem Schema soll der Parfumeur dann arbeiten, er bekommt oft recht strikte Angaben bezüglich der Inhaltsstoffe und vor allem dem (Liter)Preis, den die Essenz nachher kosten darf – ein bißchen, wie wenn man einem Maler eine Leinwand in die Hand drückt, die die Maße 30 x 40cm hat, ihm eine Palette mit verschiedenen Blautönen gibt sowie weiß und grau, ihm einen Pinsel mittlerer Dicke spendiert und von ihm eine Wasserinterpretation japanischer Natur haben mag. Viel Spielraum bleibt da oftmals nicht, was nicht heißt, das nicht auch mal ein hervorragender Duft herauskommen kann. Häufig aber dürfen auch die Komponenten eben eine bestimmte Preisgrenze nicht überschreiten – was man dem endgültigen Ergebnis mitunter auch „anriecht“, ganz abgesehen davon, daß es darauf getrimmt ist, einer breite(re)n Masse zu gefallen.

Viele der sogenannten Nischenduftfirmen machen derlei Vorgaben nicht, sie lassen den Parfumeuren oft freie Hand bezüglich der Duftkreationen, sowohl was deren Geruch angeht, das Thema als auch die Inhaltsstoffe beziehungsweise deren Preis. Der Parfumeur darf hier häufig verwenden, was sonst selten zum Einsatz kommt: Seltene und teure, weil rare oder sehr schwer herzustellende Essenzen natürlicher und zum Teil auch synthetischer Art. Zum Beispiel nicht irgendeinen Weihrauch, sondern den Silberweihrauch aus dem Oman, der als der beste weltweit gilt, nicht irgendeinen Moschus, sondern eine jener ganz schwer herzustellenden sehr hochwertigen synthetischen Verbindungen. Oder Oud des Adlerholzbaumes, über dessen zum Teil auch traurigen Raubbau ich bereits hier erzählte. Oder jene typischen Essenzen – Iriswurzel, Tuberose und Jasmin, die zu den teuersten gehören.

Darüber hinaus sind die meisten Kollektionen nicht darauf angelegt, gefällig zu sein im Sinne von einer Kompatibilität mit dem Massengeschmack. Diese Düfte muß nicht jeder mögen, nein – davon war schon Carons Gründer Ernest Daltroff überzeugt, der um die Zwanziger des 20. Jahrhunderts Düfte wie Tabac Blond lancierte, den ersten Tabak-Leder-Duft für Frauen, der rauchenden Frau gewidmet (damals ein Affront!) oder En Avion, jenen abenteuerlustigen Frauen gewidmet, die zu jener Zeit Charles Lindbergh nacheiferten und Flugrekorde (weiblicher Piloten) aufstellten.

Jetzt habe ich furchtbar lange ausgeholt – und dargelegt, was ich an Nischendüften, den sogenannten, so liebe: Jene unkonventionellen kleinen und großen Firmen, die ihrer Tradition schon seit Jahrhunderten folgen und gleichbleibend exzellente Produkte produzieren oder jene, die Neues wagen, gegen den Mainstream – alles in jedem Falle mit viel Herzblut und oft manuell kreiert mit aus Liebe zum Produkt und dem Glauben daran, daß es deshalb seine Freunde finden wird.

Jedoch finden sich aus bereits dargelegten Gründen auch bei jenen Labels, die breiter verkauft werden, Juwelen – viele werden hier auch gleich die richtigen nennen, z.B. Hermès, die sich den Luxus leisten, Jean Claude Ellena, einen der größten Parfumeure unserer Zeit als Hausparfumeur zu leisten. Oder Bulgari, die für die Erschaffung ihrer Düfte durchweg nur große Namen beauftragen.

Bei Costume National durfte ich neulich auf einem Shoppingstreifzug mit einer Duftfreundin – an dieser Stelle ein herzliches Hallo an Jutta, falls Du mitliest! ;) – ein solches Juwel in der Kollektion entdecken: Deren letzter Streich, schlicht Homme genannt.

Ein toller Mann, wirklich – und ein ganz und gar ungewöhnlicher, was einen nicht wirklich wundert, wenn man mal einen Blick auf den Parfumeur wirft: Der bei IFF tätige Dominique Ropion, einer der großen Namen der heutigen Zeit. Und wie gestaltet er unseren Mann? Unaufdringlich, aber doch durchdringend und von atemberaubender Präsenz. Eine dichte Komposition mit säuerlich-frischen Zitrusfrüchten im Auftakt, die jedoch bald eintauchen ins das atmosphärische Geflecht des Duftherzens: Dominante warm-würzige Noten von süßlich-scharfem Zimt getragen von einem harzig-rauchigen Holzlager mit Sandelholz, Labdanum und Patchouli… Die Haltbarkeit ist, genauso wie der Duft superb – ganz klar heiratsantragsgefährdet, dieser Mann äh kaufgefährdet dieser Duft äh ich…

Verwirrt-benebelte Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Morgen und übermorgen geht es weiter mit der restlichen Kollektion!

Bildquelle: Cinnamon Sticks von YappsCotta via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Mississippi Kid – Itasca von Lubin.

Geschrieben in Duft, Holziges am 2.08.2010

Auch Lubin hatte einige Neuigkeiten auf besagter Messe, der Global Art of Perfumes, die ich dieser Tage bereits ansprach und von der ich Euch vor einiger Zeit so ausschweifend berichtete. In diesem Bericht kam zum wiederholten Male meine Ehrfurcht vor diesem alten Haus durch, das bereits seit 1798 existiert (somit 30 Jahre älter ist als Guerlain) und vor einigen Jahren von dem ehemaligen Guerlain-Manager und damaligen Rochas-Marketingleiter Gilles Thévenin gerettet wurde. Dieser hatte Lubin vor dem sicheren Tod bewahrt, indem er das Haus kaufte und wieder aufbaute, bevor die Wella-Gruppe das damals unrentable, weil aufgekaufte und vernachlässigte Haus einstampfen konnte – die Rettung eines Stückes französischer Kulturgeschichte.

Da die alten Archive des ehemaligen Familienunternehmens zum großen Teil erhalten blieben, machte sich Thévenin die letzten Jahre daran, dieselben zu durchforsten und alte Klassiker des Hauses zum Teil im Original, zum Teil äußerst liebevoll überarbeitet wieder aufleben zu lassen und zu relancieren.

Mit den neuen Düften beschreitet Lubin nun einen neuen Weg: Keine alten Rezepturen sind es, sondern Variationen bereits bestehender Klassiker – gemeint sind Le Vetiver und L’Eau Neuve. Zu jedem dieser beiden Düfte gibt es eine doppelte olfaktorische Verneigung, nämlich gleich zwei Variationen: Zu Le Vetiver Itasca und Bluff und zu L’Eau Neuve Inédite und Figaro.

Leider haben uns bisher im Shop nur Inédite und Itasca erreicht, da der deutsche Vertrieb von Lubin die beiden restlichen Düfte erst nach der Sommerpause in Good Old Germany lanciert, ergo müßt ihr Euch mit einer Rezension der anderen beiden noch ein wenig gedulden – aber, erneutes Versprechen: ich reiche sie nach ;)

Beginnen werde ich heute mit Itasca. Itasca sieht sich inspiriert durch die Kindheitserinnerungen des amerikanischen Nationalhelden David Crockett, einem Kriegsheld und Politiker des 18./19. Jahrhunderts, dessen Leben Vorbild für eine Fernsehserie war und auch fürs Kino, unter anderem von Disney, verfilmt wurde. Benannt allerdings ist Itasca nach dem gleichnamigen See, dem Ursprung des Mississippi, mitten im waldigen Herzen von Minnesota gelegen. Dementsprechend soll der Duft „eine Reminiszenz an die Wälder, die den Itascasee umgaben und von den Algonkin-Indianern gehütet wurden, dort wo der Mississippi entspringt,“ sein.

Kreiert wurde Itasca von Lucien Ferrero, der bereits sein Vorbild Le Vetiver überarbeitete sowie das L’Eau Neuve, und beinhaltet folgende Ingredienzen: Itasca: Kopfnote: Neroli, Tagetes, Mandarine, Wachholderbeere, Grapefruit; Herznote: Gewürznelke, Tonkabohne, Muskatellersalbei, Muskatnuss, Geranium; Basisnote: Kiefer, Vetiver, Zedernholz, Weihrauch, Myrrhe, Ambra, Tannenbalsam.

Zarte Hesperiden umgarnen einen im Auftakt, augenscheinlich begleitet von Wacholder. Sehr bald werden jene eingeholt von einer holzigen Wärme mit einer leichten (Muskat)Würze sowie luzidem, hell glänzendem Geranium. Hier muß man gar nicht so sehr auseinander pulen, keine wirklich raumgreifende Analyse starten, das geht auch nicht wirklich, finde ich: Itasca ist wie ein dicht gewebter olfaktorischer Teppich, schlecht greifbar in seinen einzelnen Elementen, und vielleicht ist das auch an dieser Stelle überflüssig. Vielleicht gestaltet es sich ja ähnlich wie bei Gedichten – ganz abgesehen davon, daß man hier auch nicht immer auf eine wissenschaftliche Auseinandersetzung verzichten kann, gibt es doch manche, deren Stimmung man (sich persönlich) gewaltig kaputtanalysieren kann. Ergo weg mit der Deduktion, der detektivischen, nur eine Zusammenfassung noch: In Itasca ist Vetiver erkennbar und auch prominent, ein (sehr) rauchiger, der überwiegend zwischen einer aromatisch-frischen Kühle und einer balsamisch-holzigen Wärme oszilliert, würzig-harzige Elemente in sich tragend und als Akzente kleine funkelnde Hesperidenspritzer bergend.

Was soll ich sagen, Nationalheld hin oder her – ich mag ihn, diesen Auch-Vetiver, so wie sein Vorbild Le Vetiver, den wunderbaren Weihrauch-Vetiver. Und: Ich mag die Werbung dazu – ihr auch?

Morgen folgt noch Inédite, wie Ihr sehen werdet eine komplett andere „Baustelle“ – bis dahin alles Liebe, viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

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Jenseits von Afrika

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Holziges am 23.07.2010

Auf unserer zweiten Duftreise entführt uns Herr Duchaufour auf den schwarzen Kontinent, genauer: nach Mali. Der westafrikanische Staat blickt einer düsteren Zukunft entgegen. Ohnehin bereits eines der ärmsten Länder der Welt, breitet sich die Sahara, die bereits zwei Drittel der Landesfläche ausmacht, von Norden her immer weiter gen Süden aus. In den nördlichen Regionen Malis ist daher die Selbstversorgung der Einwohner durch Tierhaltung und Pflanzenbau nur unter äußerst schweren Bedingungen möglich. Im Süden ist die Situation noch etwas entspannter. Es kommt häufiger zu Niederschlägen, was die landwirtschaftliche Lage erleichtert, aber dennoch nicht einfach macht.

In Hinblick auf die heutige Situation des Landes ist es kaum vorstellbar, dass Mali vor einigen Jahrhunderten einmal ein mächtiges und reiches Handelszentrum war, ja, gar eines der wichtigsten Afrikas. Das Reich Mali bezog seinen Reichtum hauptsächlich aus dem Gold- und Salzhandel und den damit verbundenen Transportsteuern. Handelsstädte, wie Timbuktu, strotzten nur so vor wirtschaftlichem Reichtum und kultureller Blüte. Weit über die Landesgrenzen hinweg waren sie berühmt und von einer legendären Mystik umgeben, die sich bis in die heutige Zeit hält. Vom Prunk und der Pracht vergangener Zeiten ist im heutigen Timbuktu kaum mehr etwas zu entdecken. Armut, Arbeitslosigkeit und Bürgerkriege haben ihre Spuren hinterlassen. Die Nachwirkungen lassen so manchen der meist amerikanischen Touristen, die der Stadt mit dem klangvollen Namen einer reichen Vergangenheit einen Besuch abstatten, enttäuscht nach Hause zurückkehren.

Nicht amerikanisch, aber trotzdem Tourist war Herr Duchaufour als er das Land am Niger vor einigen Jahren besuchte. Wie ihm die Stadt rein optisch gefallen hat, darüber haben wir leider keine Auskünfte, aber zumindest muss Timbuktu ein olfaktorisches Erlebnis gewesen sein; inspirierte die Stadt den L’Artisanschen Chefparfumeur doch zu einer gleichnamigen Duftkreation, die schließlich als Teil der bereits mehrfach erwähnten Travel-Series vom französischen Parfumhaus lanciert wurde. Hauptinspirationsquelle war hier wohl das sogenannte Wusulan, eine traditionell-westafrikanische Mischung aus Gewürzen, Hölzern, Wurzeln und Harzen, die zur Heimbeduftung sowie als Parfumersatz dient. Die geheimen Rezepte variieren von Familie zu Familie und werden stets von Mutter zu Tochter weitergegeben. Das Wusulan soll nicht nur für gute Raumluft sorgen, sondern nebenbei auch aphrodisisch wirken und so das Glück und die Liebe in der Familie halten.

Die Duftnoten: Mango, Rosa Pfeffer, Kardamom, Weihrauch, Karo Karounde, Papyrus, Patchouli, Benzoeharz, Myrrhe.

Frisch aufgesprüht dominieren zuerst fruchtig-säuerliche Noten, die ich der Mango zuschreiben würde. Alsbald gesellen sich trocken-scharfer Pfeffer und würziger Kardamom hinzu. Letzterem fehlt hier allerdings die aromatisch-frische Note, weshalb ich in diesem Fall nicht auf grünen Kardamom tippen möchte, sondern mehr auf die würzige schwarze Sorte. Im Hintergrund vernehme ich zart-grünliche Nuancen, die ich auch auf die Mango zurückführen würde. Weihrauch tritt deutlich hervor, umspielt von süßlich-floraler Karo Karounde, die dem balsamisch-würzigen Räucherwerk einen Hauch Exotik verleiht. Papyrus setzt zudem trocken-holzige Akzente. In der Basis sorgen Patchouli und Myrrhe für eine wohlige Wärme, in der ich leicht-zitrische Noten wahrnehme, während Benzoeharz subtil-zartbitterschokoladige Momente erzeugt.

Um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen überrascht ob der doch tatsächlich vorhandenen Leichtigkeit des Duftes. Für einen Weihrauchduft erscheint er mir recht transparent, da hätte ich anhand der Duftnoten und der Wusulan-Assoziation etwas Durchschlagenderes (nicht unbedingt gewünscht, aber doch) erwartet. Überraschend also in Hinblick auf die Intensität. Die Damen und Herren von L’Artisan Parfumeur selbst stufen den Duft als „wild, yet sophisticated“ ein. Ich würde statt wild vielleicht eher ungewöhnlich sagen, aber bei sophisticated stimme ich zu. Elegant, komplex, raffiniert. Timbuktu ist gänzlich entspannt und in sich ruhend; kein Duft, der mit der Tür ins Haus fällt, vielmehr entwickelt er sich langsam und gemächlich (sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut) ohne aufdringlich zu wirken. Und bleibt seinem Träger auch sehr lange erhalten. Selbst nach dem Duschen duftete mein Arm noch deutlich danach.

Ein sehr schön gemachter Weihrauchduft, aber in meinem persönlichen Travel-Series-Ranking muss ich Timbuktu dennoch leider, leider auf den zweiten Platz verweisen; hinter Fleur de Liane, meinen neuen tropisch-grünen Dschungelfreund. :-)

Ein schönes Wochenende wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Caravan approaching Timbuktu in 1853 aus Travels and Discoveries in Northern and Central Africa von Prof. Dr. Heinrich Barth und Incense von Birdy – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Das Wandern ist des Müllers Lust

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 22.07.2010

Und nicht nur des Müllers, nein, auch des Parfumeurs oder besser: des Duchaufours. Selbiger, mit Vornamen Bertrand, reist nämlich unglaublich gerne und viel. Ob er auf seinen weltweiten Entdeckungstouren tatsächlich wandernd unterwegs ist, möchte ich zwar bezweifeln, aber so wie die Arbeit des Müllers heute maschinell und vollautomatisch vonstatten geht, legt man in Alltag und Urlaub die meisten Wegstrecken mittlerweile ja auch auf vier Rädern zurück und nicht mehr ausschließlich auf zwei Beinen. Der unaufhaltsame (und von mir immer gern erwähnte) Fortschritt macht auch vor dem guten alten Volkslied nicht halt, sondern regt viel mehr zu einer modernen Interpretation desselbigen an. ;-)

Der (wandernde oder fahrende) Globetrotter Duchaufour dürfte den geneigten Lesern jedenfalls hinlänglich bekannt sein: Seit 2008 ist er die kreative Chefnase bei der französischen Parfumschmiede L’Artisan Parfumeur. Auf sein Konto gehen diverse L’Artisan-Kreationen wie zum Beispiel Nuit de Tubéreuse, Al Oudh und Mechant Loup, einige Comme des Garçons-Düfte sowie Penhaligons Amaranthine, Eau d’Italies Baume du Doge, Amouages Jubiläumskracher Jubilation XXV, Acqua di Parmas toskanische Zypresse und viele, viele mehr. Ein emsig-kreativer Mann! Tja, wer viel arbeitet, und dann noch kreativ, braucht natürlich Phasen der Erholung. Gerne auch an fremden Orten, die inspirieren, die Phantasie anregen und den schöpferischen Tank reich mit neuen Eindrücken und Ideen füllen. Aus eben solchen kreativen Regenerationsphasen entstand die Travel-Series von L’Artisan Parfumeur: Düfte, die Herrn Duchaufours Erlebnisse und Impressionen einer Reise einfangen und nach seinem subjektiven Empfinden authentisch wiedergeben. Eine dieser Urlaubsschöpfungen haben Constantin und Uli bereits vorgestellt, Havana Vanille. Eine Ode an Kuba, angereichert mit Rum, Vanille, Gewürzen und natürlich Tabak. Karibik-Feeling pur also.

Unser heutiges Reiseziel entführt uns an einen Ort, der nicht allzu weit von Castros Insel entfernt ist: Panama. Der mittelamerikanische Tropenstaat, eingeklemmt zwischen Costa Rica und Kolumbien, ist berühmt für seinen gleichnamigen Kanal, der die Karibik mit dem Pazifik verbindet. Panama ist ein schmaler Landstreifen mit ziemlich viel Küste an zwei verschiedenen Ozeanen und: mit einigen vorgelagerten Inseln. Auf einer solchen, nämlich Bahia Honda, die ich leider trotz intensiver Suche auf diversen Landkarten nicht lokalisieren konnte, machte Herr Duchaufour zur Regenzeit Urlaub. Die Insel dominiert ein dichter Regenwald, der sich dem olfaktorisch-geneigten Besucher üppig-grün und saftig-dampfend präsentierte. Der exotisch-fremde, ja beinahe irreale Duft der wilden urspünglichen Natur beeindruckte Herrn Duchaufour derart, dass er beschloss, ihn in einem Parfum einzufangen. So entstand nach seiner Reise der Duft Fleur de Liane. Seine Eindrücke konservierte er, zumindest optisch, noch während seines Aufenthalts durch Fotographien und zahlreiche Aquarelle, die ihn in der so gegensätzlichen, da vollzivilisierten und zubetonierten Pariser Heimat an die mittelamerikanische Dschungelatmosphäre erinnern sollten.

Die Duftnoten: Grüne Noten, Fruchtige Noten, Guave, Magnolie, Tuberose, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Guajakholz.

Fleur de Liane beginnt grün, grüner, am grünsten. Selbst der Superlativ vermag die Üppigkeit des Auftakts nur rudimentär zu erfassen. Saftig-grüne Noten schillern mit fruchtig-feuchten Nuancen um die Wette. Ganz subtil vermag ich eine herbe Säuerlichkeit wahrzunehmen, die ich ganz frech der Guave in die Schuhe schieben möchte. Außerdem rieche ich eindeutig Banane heraus oder vielmehr: den Duft einer knackigen, da noch deutlich grünen Bananenschale, der sich im Moment des manuellen Aufbrechens eben jener mit den transparent-süßlichen Noten des jungen Bananenfruchtfleisches vereint. Als Liebhaber grünlicher Bananen, frohlocke ich an dieser Stelle. Lecker! Im Auftakt ein echter Kracher, wenn auch ein recht monochromer, beruhigt sich der Duft im weiteren Verlauf. Im Herzen dominieren florale Noten: Magnolie und Tuberose bringen deutlich aquatische Tendenzen und eine süßliche Cremigkeit mit ins Spiel. Allerdings präsentiert sich das Herz, im Gegensatz zum opulenten Auftakt, insgesamt eher dezent und zart. Die sonst häufig wuchtbrummig umgesetzten Weißblüher zeigen sich hier von einer transparent-ruhigen, ja beinahe kontemplativen Seite. Und so können sie sich auch ganz entspannt auf das leichte und helle Lager niederlassen, in welchem sich Vetiver, Zedernholz und Patchouli ein erdig-holziges Stelldichein geben, während Guajakholz im Hintergrund rauchig-florale Akzente setzt. Bravissimo!

Meines Erachtens ein wirklich sehr schöner Duft, erfrischend und gelassen zugleich. Ein idealer Alltagsbegleiter für das momentane sommerliche Wetter.

Tja, wenn das die mittelamerikanischen Dschungelimpressionen von Herrn Duchaufour sind, kann ich nur sagen: „Oh, wie schön ist Panama!“

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Costa Rica Santa Elena Skywalk von Dirk van der Made – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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„Wenn der Frühling kommt…

Geschrieben in Blüten, Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 12.07.2010

dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“, trällerte es in den 70er Jahren aus so manchem Radio. Ja, die bunten Frühlingsblüher sind in den Köpfen der Menschen immer noch genau so fest mit den Niederlanden verbunden wie Fleischtomaten, Gouda, Frau Antje, Clogs und Windmühlen (oder so wie Hape Kerkeling mit Königin Beatrix). Und diese Assoziation kommt nicht von ungefähr: aus den Niederlanden stammt etwa 80% der globalen Jahres-„Produktion“ an Tulpen.

Tja, aber die Zeiten ändern sich. In einer Welt, in der der Fernsehanschluss nur noch digital, dafür aber der Käse analog ist; in der der Normalbürger seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf nicht mehr über wässriges Treibhausgemüse deckt, sondern stattdessen hyperdietätische Softdrinks oder stilles Vulkangestein-Mineralwasser zu sich nimmt (hehe… ich selbst bin hier ein blühendes Beispiel); in der die TV-Dinosaurier Frau Antje, Frau de Mol und Frau Amado schon seit Urzeiten von unserer hiesigen Mattscheibe verschwunden sind und sich dafür unzählige, prima an die neuen Fernsehunterhaltungsbedingungen angepasste Casting-Reality-Doku-Shows im TV-Programm durchsetzen konnten (tja, die Evolution ist nicht aufzuhalten); in der Hape Kerkeling (leider) nur noch als Gisela respektive Werner in Werbespots für Anrührkaffee zu sehen ist; ja, in einer solchen Welt kommen Tulpen auch nicht mehr zwingend aus Amsterdam.

Ein besonders hübsches Exemplar fand zum Beispiel erst vor ein paar Wochen seinen Weg aus Stockholm zu mir. Und das, obwohl die Tulpenzeit doch da schon längst vorbei war. Doch diese ach so kurze Zeit des Frühjahres, wenn es in sämtlichen Vorgärten, Super- und Wochenmarkteimern nur so vor Tülpchen wimmelt, wurde durch die Lancierung des neuen Byredo-Duftes La Tulipe, zumindest olfaktorisch, verlängert. Herr Gorham, dessen Vorgängerdüfte die gute Uli ja bereits vorgestellt hat (zum Beispiel hier und hier und hier), war nach eigener Aussage schon seit jeher ein Freund der Zwiebelpflanze, so lag die Idee eines eigenen Tulpenduftes für ihn nahe. Augenmerk legte er hierbei nicht unbedingt auf eine möglichst authentische Umsetzung, sondern vielmehr:

„La Tulipe is built around the idea of the tulip – a flower reminiscent of morning moist gardens and by being one of the season’s first flowers to open its bud; the tulip has become a symbol for the rebirth of spring.“

Die Wiedergeburt des Frühlings soll er also einfangen. Schade, dass ich erst vor ein paar Wochen seiner habhaft werden konnte. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte ihn bereits im März geschnuppert, als hier noch alles unter einer eisigen Winterdecke lag und es nicht so aussah, als ob es überhaupt jemals wieder einmal Frühling werden würde…. ja, ich glaube, ich hätte mit und durch La Tulipe neue Hoffnung geschöpft. Tja, so musste ich mir in des Märzens Iden ohne diesen wunderbaren Duft warme Gedanken machen. Und schließlich hat es der gute Zephyr ja doch noch geschafft, uns den Lenz hierher zu wehen, den wir jetzt schon seit geraumer Zeit genießen dürfen. Und so sitze ich nun in der nachmittäglichen Julisonne, vor mir die Byredo’sche Tulpe und schnuppere vor mich hin.

Hier schon einmal die Duftnoten: Rhabarber, Alpenveilchen, Freesie, Tulpe, Hölzer, Vetiver.

Leicht zitrisch im Auftakt, was ich ob der säuerlichen Fruchtigkeit dem Rhabarber zuordnen würde, wird es plötzlich floral. Noten von… ja, von was eigentlich? Intuitiv muss ich an Flieder denken, wobei ich im direkten Vergleich mit Frau Giacobettis En passant wieder ein wenig davon Abstand nehme. Allerdings mit Vorbehalt, denn En passant ist natürlich ein weitaus filigraneres, zarteres und dezenteres Kaliber als die Stockholmer Tulpe. Aber dennoch: die Authentizität des Fliederduftes in En passant (und diese ist wirklich vorhanden, wenn ich mich an all die duftenden Fliederdolden in den Lindauer Vorgärten erinnere, in die ich noch vor ein paar Wochen jauchzend und juchzend meinen Rüssel zum Schnuppern hing) lässt einen direkten Vergleich zu und so muss ich die Byredo’sche Ingredienzienangabe bestätigen: kein Flieder in der Tulpe. Was mir hier so einen vorfliedert ist wohl vielmehr die Freesie, die sich satt und wuchtbrummig im Duftverlauf breitmacht und diesen, einmal geentert, auch nicht mehr freigibt. Gleich einem tanzenden Derwisch tollt sie süßlich-flirrend durch den Duft, stets begleitet von den für sie typischen aquatischen Tendenzen. Grünliche Noten, die möglicherweise der Tulpe geschuldet sein könnten, schwirren mit in dem floralen Ringelreihen und bringen diesen schließlich auf den hell-holzigen Boden der Tatsachen zurück.

Ja, das Stockholmer Tülpchen ist wirklich ein hübscher und überraschend lang anhaltender Duft. Wie ein intensiv duftender Frühlingsstrauß zaubert er ein Lächeln auf’s Gesicht, sorgt für gute Laune und induziert Frühlingsgefühle. Der namentliche, sehr konkrete Bezug auf eine bestimmte Blume, nämlich die Tulpe, mag angesichts des tatsächlichen Duftes für Verwirrung sorgen, aber da selbige ja nach Herrn Gorham eher sinnbildlich zu betrachten ist, kann man da geflissentlich ein Auge zudrücken. Ich jedenfalls freue mich sehr über das Düftchen, werde es auch gewiss den Sommer über das ein oder andere Mal tragen, mir aber sicherlich ein paar Sprüher aufheben, um mich im Februar nächsten Jahres durch La Tulipe daran erinnern zu lassen, dass der Frühling ganz bestimmt irgendwann kommen wird und mit ihm auch die ersten (echten) Tulpen. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Tulpen von John O’Neill – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Sommerzeit die Dritte.

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes, Hesperiden, Holziges am 9.07.2010

Beim Schreiben der Artikel dieser Woche mußte ich dann doch einigermaßen verwundert feststellen, daß ich mehr Sommerdüfte in meinem Schränkchen habe, als ich eigentlich erwartet und vermutet hatte… Und es sind immer noch einige übrig, die ich Euch nicht vorenthalten mag…

Zwei Gesellen der Hesperidenfraktion hatte ich vollkommen außer Acht gelassen – keine Ahnung warum.

Bei der Nummer eins ist der Name Programm: Mandarine Tout Simplement. Ganz simpel: Mandarine, nicht mehr und nicht weniger. Ist mir manchmal zu wenig, ist aber auch manchmal auch ganz genau richtig. Frau Giacobetti hat hier einen sehr leichten, leider nicht sehr haltbaren, aber absolut authentischen Mandarinenduft geschaffen – ein paar Mandarinensorten, ein Hauch Ingwer und ein wenig unaufdringlicher Moschus in der Basis – fertig. Riecht exakt wie eine frisch angebissene Mandarine, die einem vor lauter Saftigkeit ihr Fruchtfleisch entgegenschleudert.

Nummer zwei ist der Traumgarten überhaupt, das Paradies von Jean-Claude Ellena: Un Jardin en Méditerranée von bzw. für Hèrmes. Die meisten werden ihn kennen, deshalb lohnt es eigentlich nicht, der Worte viel zu verlieren: Eine grüne Feige im Duett mit zitrischen Noten, fein abgestimmt mit floralen Anklängen sowie kräuterigen Noten und einer subtil-holzigen Basis. Ein Klassiker und immer wieder, so oft man ihn auch riechen mag, etwas Besonderes.

Fruchtig geht es weiter mit einem Düftchen, das mir eigentlich auf den ersten Blick nicht hätte gefallen dürfen: Bahiana von Maître Parfumeur et Gantier. Bahiana, benannt nach den Frauen Bahias, dieses brasilianischen Bundeslandes, inspiriert durch deren lateinamerikanische Lebensfreude – ganz ehrlich? Ich mußte sofort, „Stille Tage im Klischee“, an Karneval denken und an pappsüße alkoholische Cocktails… Weit gefehlt. Bahiana vermittelt zwar durchaus tropisches Flair, und das nicht zu knapp – jedoch mangelt es dem Duft nicht an jener für MPG typischen Komplexität, darüber hinaus besitzt er einen Vorzug, den man nicht vielen exotisch anmutenden Düften nachsagen kann: Er ist erwachsen, sehr erwachsen. Im Auftakt mit spritzig-prickelnden frischen Hesperiden, genauer: Orange, Mandarine und Limone aufwartend überzeugt Bahiana im Herzen mit Grün-Floralem (Tagetes und Blattgrün) sowie einer wuchtig-saftigen Ananas, die zwar nirgends angegeben, aber in jedem Falle zu riechen ist. Die Basis untermalt den Duft cremig-zart mit feinen Harzen, einem Hauch trockener und nicht über die Maßen süßer Kokosnuss sowie Moschus und verschiedenen Hölzern. Für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar, ein echter Happy-Duft und dabei trotzdem raffiniert und, ja – edel. Selten für einen Duft dieser Art.

Wem Bahiana nicht genug Kokos offeriert, wer aber trotzdem nach einem nicht ganz herkömmlichen Südseedüftchen sucht, dem sei Creeds Virgin Island Water empfohlen: Für die Engländer und ihre ansonsten sehr klassischen und typisch britischen Düfte ziemlich modern, ist ihnen hier ein hübsches Exotensommerdüftchen gelungen mit Ananas und prominenter Kokosnuss, der trotz der eher jugendlicheren Ingredienzen erwachsen und durchaus elegant wirkt.

Creed hat noch eine weitere Ausnahme im Programm: Erolfa. Für mich einer der einzigen, als „aquatisch“ zu bezeichnenden Düfte, den ich tragen kann. Die Namensschöpfung, das ganz am Rande, setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Familie von Olivier Creed: Seinem Sohn Erwin, seiner Tochter Olivia, und deren Mutter Fabienne. Was soll ich sagen? Die Mitglieder der Familie müssen passionierte Segler sein. So, genau so, stelle ich mir (als Nichtsegler) einen Segeltörn im Mittelmeer vor: Zischende weiße Gischt, ein wenig krautig durch den Seetang, bricht sich am Rand des spiegelweißen Seglers, knallblaues Wasser, die Sonne scheint, der Wind weht – was will man mehr… Ok, zugegeben – ein bißchen klischeehaft diese Vorstellung, aber trotzdem schön. Erolfa vermittelt exakt jene Impression. Die Ingredienzen: Zitrusfrüchte und Bergamotte im Kopf (ich wette, da sind auch Mandarinen dabei), krautige Noten im Herzen und Ambra in der Basis.

Original Vetiver von Creed ist nun, wie soll ich sagen, alles – nur kein Vetiver. Nachdem ich dieser Tage mal wieder in Herrn Turins Perfumes – The Guide geblättert habe, wundert es mich nicht, daß er ihn nicht mag (was nicht immer ausschlaggebend ist und erst recht nicht so sein muß), mich wundert aber sehr, daß als Kurzzusammenfassung, wie er es immer gerne neben den Namen stehen hat, nicht zwei Worte stehen: „Not Vetiver“. Creed beschreiben ihren Vetiver folgendermaßen:

„True to its name, Original Vetiver is a dramatic re-invention of a vetiver-based scent. Whereas traditional vetiver fragrances are derived from the roots of the plant, Original Vetiver achieves a new and natural, original freshness by infusing the vetiver leaves into the blend.“

Was auch immer, wie auch immer: Erwartet man hier einen Vetiver, eine spezielle Facette desselben herausgearbeitet, interpretiert – man wird schwer enttäuscht sein. OV ist weder wirklich zitrisch-grasig-frisch noch erst recht nicht rauchig-herb. Weshalb stelle ich den Duft dann hier vor? Weil ich ihn trotzdem ganz wunderbar finde – wenn man sich eben von jeglicher Vetivererwartung freimacht. Stellt Euch vor, Ihr liegt auf einem knackig grünen englischen Rasen, Euch kitzelt das frische grüne Gras in der Nase und die Sonne scheint auf Euch, wärmt langsam Eure Haut, die Ihr Euch in weiser Voraussicht mit Sonnencreme eingeschmiert habt, und läßt den Geruch der sanft angewärmten Sonnencremehaut mit demjenigen frisch gepflückten Gräser verschmilzen – das dürfte ein ungefähr authentisches Bild unseres Original Vetiver wiedergeben. Insofern verzichte auch auf die Noten, die Creed dafür angibt – diese führen meines Erachtens nach nur in die Irre…

Nun aber möchte ich Eure Meinungen hören – zu den vorgestellten Düften, zu meiner kleinen Garderobe, zu Eurer Sommerausrüstung!

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Orange Slice von abcdz2000, Pearl von Clinton Cardozo, Badum’s Sails von Juandescal, alles via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Sommerzeit – und die Stunde fehlt einem morgens doch…..
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Edelmetall.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Fruchtiges, Holziges, Orientalen am 17.06.2010

Den Edelmetallen sind die beiden neuen Düfte von Profumi del Forte gewidmet, genauer: Gold und Platin, Namenspaten und Inspirationsquellen für die zwei Ergänzungen, die Fortsetzung(en) der Versilia-Linie.

Gewohnheitsmäßig hat der Chefparfumeur wieder Einblicke in sein Tagebuch gegeben, welches den wahren Poeten in ihm zutage fördert – das Pressematerial ist wie immer wortgewaltig ausgefallen:

„Gold und Platin: Tag und Nacht. Männliches Ego und weibliche Essenz. Das Offensichtliche und das Geheime. Glänzendes Gold von edler Reinheit. Archaisches Platin, geheimnisvolle Alchemie. “

Und weiter:

„Aurum und Platinum sind in Duft gefasste Freude, brillante Parfums, duftende Goldbarren der Eleganz von Versilia, in einer limitierten Auflage. “

Soviel zum allgemeinen „Rezept“. Nun aber zu den beiden Düften.

Versilia Aurum liest sich wie ein sommerlicher fruchtig-floraler Charmeur mit seinen Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Pflaume, Erdbeere; Herznote: Herznote: Rose, Jasmin,Tuberose, Maiglöckchen, Ylang-Ylang, Iris, Sonnenblume, Orchidee; Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Perubalsam, Tolubalsam, Sandelholz, weißer Moschus, Ambra.

Des Parfumeurs Intention war diejenige eines Alchimisten – der Versuch, den Geist des Goldes einzufangen und olfaktorisch wiederzugeben:

„Ich habe eine lange Zeit ausprobiert: Ich erforschte, roch, kreierte und sortierte Dutzende von Duftmischungen auf meiner Suche nach dem Parfum aus, das den Geist dieses allerwertvollsten Metalls, des Goldes, wiedergeben würde. Ein Duft, der kostbar ist, aber nicht anmaßend oder überheblich wirkt. Am Ende habe ich, glaube ich, den richtigen Weg gefunden – mit einem Mix aus süß und warm, einer zarten Balance zwischen Früchten und Blumen, Hölzern, Harzen, Meeresbrisen und aphrodisierenden Erinnerungen. Mein Aurum ist ein Juwel, der mit Stil an den süßesten Sommerabenden getragen werden soll.”

Aurum ist meines Erachtens nach ein perfekt weiblicher Duft, dem ein sehr sinnliches Moment innewohnt. Im Auftakt dominieren Fruchtnoten, vor allem saftige Orange macht sich bemerkbar, erscheint aber bereits ambriert sich auf einem harzig-warmen Lager präsentierend. Begleitet von Pflaume – eher mehr – und Erdbeere – eher weniger – gesellen sich alsbald die Blumen zu dem fruchtigen Stilleben: Erwachsene Iris, pudrig und mit dezenten erdverbundenen Anklängen sowie cremige Weißblütler, allen voran Orchidee. Die Harze zeigen eine allumfassende Präsenz, sie hüllen den Duft sowie auch den Träger wohlig-warm ein und offerieren Noten von Vanille und einer Ahnung von Mandel.

Ein sinnlicher Wohlfühlduft und sehr „comfy“, vor allem die omnipräsente Basis ist weich, warm und fluffy, überzeugt durch ihre orientalische Süße, die aber nie too much ist und durchaus erwachsen zu wirken versteht. Will sagen: Hier erwartet einen keine girlieske florale Süßigkeit mit quietschigen Fruchtnoten, ganz im Gegenteil.

Mir persönlich beschert Aurum in der Tat solches Wohlgefühl, daß ich mir durchaus überlege, ihm einen Platz in meiner Sammlung einzuräumen – selten für einen solchen Duft, weil eigentlich absolut nicht mein Beuteschema.

Ganz meinem Beuteschema entsprechend und somit heißer Kandidat für einen neuen Frühlings-/Sommerduft ist für mich Platinum. Versilia Platinum ist, der Name sagt es schon, einem anderen Edelmetall gewidmet, dem Platin. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, Rosa Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Rhabarber, Myrrhe; Herznote: Geranium, Freesie, Magnolie, Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Vanille, Strohblume, Eichenmoos, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Patchouli.

Was hat uns hierzu das Tagebuch zu sagen?

„An dem Tag, als ich die Gipfel der Apuanischen Alpen erreichte, versunken in die Betrachtung des Meeres, war ich gefangen zwischen ganz unterschiedlichen Welten, die ich mit einem Blick umfassen konnte: die brennende Sonne auf den Stränden und die glasklare Spiegelung der Marmorberge hinter mir, das intensive Blau des tyrrhenischen Meeres und das starke Grün der Kastanienwälder, die fließende Schönheit des Strandes im Sommer und die ewige Schlichtheit dieses glühend heißen Teils von Versilia. Ich stellte mir den Charme eines Parfums vor, das die Landschaft mit ihren weit auseinander liegenden Stimmungen, geschmeidig und mysteriös, bekannt und doch anders als jedes andere Parfum umfasst. Ein einzigartiger Duft, wie das kostbarste der Metalle, das Platin.’’

Und weiter:

„Einzigartig und kostbar.Das Feuer der ewigen Gegensätze: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Tag und Nacht, Gold und Silber. Der Duft beginnt frisch und würzig mit Zitrusnoten, wird reichhaltig mit blumigen Aromen – Geranium, Freesie, Rose, Maiglöckchen…..und schlussendlich warm und intensiv. Er erinnert an die hölzernen Töne von Zedern, die trockene Note des Vetiver und die exotische Note von Weihrauch und Patchouli. Ein starkes und doch rätselhaftes Parfum.“

Ganz ehrlich? Anfänglich war dieser Duft für mich nur der Noten wegen halbwegs interessant, halbwegs. Und ich war ehrlich überrascht von dem wundervollen Resultat, sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut.

Ambivalenz und Unikatcharakter, diese Worthülsen, um die man wohl nicht drumherum kommt in einem anständigen Text und derer ich mich auch ab und an bediene, wie ich zugeben muß. Hier sieht man aber meines Erachtens nach einmal mehr, wie nichtssagend letzteres Textchen ist. Ein frisch-würziger Auftakt mit zitrischen Noten, ergänzt von einem floralen Herzen und ein paar Harzen und Hölzern in der Basis. Ein Irgendjemand oder besser: ein Jedermann.

Das ist Platinum aber absolut nicht. Es erwartet einen hier ein sehr eigenständiger Charakter mit einer sehr großen Anziehungs- und Strahlkraft. Die Kopfnoten sind in erster Linie geprägt durch zwei sehr dominante Früchtchen: Ausgeprägte herbe Rhabarberfrische und säuerlich-prickelnde Grapefruit, gepfeffert serviert und dezent von Myrrhe untermalt. Meine Nase nimmt bereits den aus der Basis nach vorne drängenden ungestümen Vetiver war und bis weit ins Herz erinnert mich der Duft an dieser Stelle an eine komplexere Variante meines geliebten Sel de Vetiver von The Different Company, nur eben angereichert mit einer kräftigen Portion Rhabarber, sehr authentischem und somit seltenem im übrigen. Verhalten kommen alsbald besagte Blüten ins Spiel, von denen ich allerdings lediglich das gleißende Geranium herausrieche sowie später die eigentümliche Würze der italienischen Strohblume, auch Immortelle genannt. Anfangs eher kühl, frisch und herb-fruchtig gewinnt der Duft mit seinem Verlauf an Ruhe und Wärme. Letztere entsteht vornehmlich durch die Hölzer in der Basis in Begleitung von Weihrauch und Patchouli, was dafür verantwortlich ist, daß diese Form der Wärme eine eher kühle Variante ist. Ein Oxymoron, eigentlich, ich weiß – aber vielleicht versteht ja trotzdem wer, wie ich das meine ;)

Für mich waren die beiden Düfte der Kollektion eine echte Überraschung muß ich gestehen. Bisher haben mir alle Düfte gefallen, gelungen beherrschte Handwerkskunst, allerdings nichts dabei, daß ich unbedingt hätte haben müssen. Für mich ganz persönlich zu viele Hesperiden, da habe ich schon meine wenigen Lieblinge, mal ein schöner Ambraduft, damit bin ich auch schon versorgt, schöne feminine Düfte – die kommen für mich oft nicht in Frage… Zugegeben, by Night Black wäre vielleicht noch etwas, ja… Diese neuen beiden Düfte aber lassen mich regelrecht ins Schwärmen kommen – ich finde sie nämlich ziemlich herausstechend und vor allen Dingen auch wirklich sehr aussagekräftig.

Ich bin sehr gespannt was Ihr von den beiden Schätzen haltet – laßt es mich wissen bitte!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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TOUS – Touch Duft- und Kosmetikset
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Alles neu macht der Mai…


Von Creacrete zu Konkret Scent…

Geschrieben in Duft, Holziges, Reines und Pudriges am 11.06.2010

… oder so ähnlich könnte man den Stilwechsel oder besser: Wechsel des Mediums (be)nennen, den Alexa Lixfeld gerade hinter sich hat: Vom Beton zum Duft hüpfte die gebürtige Hannoveranerin scheinbar leichtfüßig. Das frühere Model Lixfeld ist Künstlerin, momentan in Hamburg lebend und arbeitend, und studierte in Köln, Pforzheim und Eindhoven Design. In den letzten Jahren machte sie vor allem mit einer Kreation auf sich aufmerksam, ihrer Beton-Kunst: Sie kreierte Geschirr aus Beton, was ihr den Anerkennungspreis der Quelle Innovationsstiftung sowie mehrere internationale Erfinderpreise einbrachte und den Namen “Creacrete” trägt, ein Neologismus, gebildet aus “creative” (kreativ) und “concrete” (Beton).

Jetzt tischt uns Madame Lixfeld Düfte auf, vier an der Zahl. Eigentlich sollte es ursprünglich nur einer werden, ein Signature, aber, wie es eben so ist… einer war nicht genug, wie mir Lixfeld auf der Messe erklärte. Ausschlaggebendes Moment für ihre Düfte war ein Augenblick in ihrem Leben, in dem sie eine ihrer Betonkreationen an einem sommerlichen Tag transportierte und plötzlich von der Idee besessen ward, ein anderes Medium für ihre Kreativität zu finden – eines, das nicht so endgültig ist, so hart und so ewig wie Beton. Ein transparentes, flüchtiges, weicheres und feminineres Medium, dem Vergänglichkeit innewohnt… was konnte dies anderes sein als ein Geruch, ein Duft.

So kam Lixfeld mit einem Parfumeur/einer Parfumeurin zusammen – der/die momentan noch (?) nicht genannt werden mag – und kreierte ihre Düfte, die allesamt Ausdruck ihrer Person und Persönlichkeit sind, Facetten ihrer selbst in unterschiedlichen Lebenslagen darstellen sollen. Die Flakons, in welchen sie sich präsentieren, erinnern ein wenig an diejenigen von Nasomatto – und greifen natürlich das alte Thema von Frau Lixfeld wieder auf: Beton. Sie tragen speziell gefertige Betonkappen als Verschlüsse.

Nun wollen wir uns die Düfte doch einmal näher anschauen.

AL No. 001 ist eine Romantikerin, kein Zweifel: Ein dahingehauchter frühlingshafter Duft, der die Leichtigkeit des Seins in vollen und ein wenig melancholischen Zügen bittersüß atmet. Kühle weiße Blüten – Jasmin und Maiglöckchen – in luftiger Qualität verbinden sich mit sanften Kräuternoten und herb-frischem weißem Tee. Die Basis ist geprägt von durch und durch sauberem weißem Moschus. Luzide, transparent, fast transzendent – hell und rein präsentiert sich die Nummer eins und ist für Freunde z.B. von Anamor All that Matters oder Narciso Rodriguez Essence oder Musk for Her Oil exakt das Richtige.

In AL No. 002 finden (Sandel)Holzfreunde Genugtuung: Ätherisch anmutend reiht sich Holz an Holz, kommt man von Hölzchen zu Stöckchen über Holz und Hölzer… Sandelholz und Zedernholz als geballte Kraft, ein Powerduo: Stark holzig, na klar, balsamisch-geerdet und mit fast zimtig anmutender Süße behaftet offenbaren sich rauchige Noten, die ganz offensichtlich von Vetiver und Patchouli stammen und auf die wärmend-gemütliche Basis von Vanille, Tonkabohne, Benzoeharz überleiten, welche durch einem winzigen Touch Jasmin und Karottensamen garniert wird. Für mich hätte irgendwo noch ein einsamer Lavendel in der Ecke blühen können, mag aber sein, daß ich mir den aus der Holzigkeit herfantasiere.

AL No. 003 wird als „exotic Fougère“ bezeichnet. Wir erinnern uns – Fougère, einer der klassischen Duftakkorde, gerne in Männerdüften verwendet und bestehend aus Lavendel, Eichenmoos und Cumarin, dem Waldmeistergesellen. Die „strong woody oriental accords“ sehe ich nicht, vielmehr rieche ich durchaus waldmeisterartige Noten mit einer verhaltenen Süße, darüber hinaus die versprochene Bergamotte sowie den Pfeffer und herb-krautigen Rosmarin. Alles in allem oder besser: alles zusammen vermischt sich in Kopf und Herz zu einer Einheit, die mich im absolut positiven Sinne an einen waldig-aquatischen Duft erinnert, wahrscheinlich an meine mittlerweile vollkommen abstrakte Vorstellung von Joop Nightflight, meine erste Begegnung mit einem aquatischen Duft und noch heute einer der wenigen, für den ich jedem (wirklich: JEDEM) Mann hinterherlechze… Patchouli findet sich auch noch in dem Düftchen sowie eine Basis aus Vanille und scharf-würzigem Zimt.

AL 004 ist neu und scheinbar noch nirgends zu erhalten. In jedem Falle erinnere ich mich an die pink besprühte Betonkappe… die der Duft in jedem Falle auch aufgreift. Ein Riotgirl, irgendwie, aber gleichzeitig auch unschuldig, und doch Lolita… Ein bißchen frische Wäsche, keksige Noten, aber auch Florales, sehr wahrscheinlich Weißblühendes vermag ich zu entdecken. Zarte Hesperidennoten, leicht „sparkling“ und eine fein-weiche Basis – Frau Lixfeld, wann bekommen wir mehr Infos zu dem Duft?

Für mehr Infos über die Künstlerin: http://www.alexalixfeld.com/

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

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Verbotene Früchte – Jo Malones Pomegranate Noir Cologne.

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Holziges am 4.06.2010

Der Granatapfel war schon seit je her ein mit verschiedenerlei Bedeutungen überfrachtetes Früchtchen. So galt er sowohl als Symbol für Reichtum, Leben und Fruchtbarkeit sowie Macht, weswegen er in der Heraldik auch gerne verwendet wurde, als auch als Motiv für Blut und Tod. Er gab der Granate seinen Namen wie auch dem Granaten, diesem tief dunkelroten Halbedelstein. Darüber hinaus fand er nicht nur Erwähnung in der griechischen Mythologie, wo er den Göttern des Hades, der Unterwelt zugeordnet wurde (Hades und Persephone), ihm kommt auch in der religiösen Symbolik eine wichtige Rolle zu, wie bereits Derrida feststellte.

Sowohl im Koran ist vom Granatapfel die Rede als auch in der Bibel: Im Hohelied Salomos zur Be- oder vielmehr: Umschreibung der Schönheit einer Frau. Desweiteren rätseln Forscher bereits seit Jahren, ob der Granatapfel, manchmal auch als Paradiesapfel bezeichnet, nicht auch jene verhängnisvolle Frucht war, die für Adam und Eva die Vertreibung aus dem Paradies nach sich zog. Im eigentlichen ursprünglichen alttestamentarischen Text war nämlich nie die Rede von einem Apfelbaum, dieser Trugschluß erwuchs aus einer Falschübersetzung des Wortes malum, das sowohl für böse als auch für Apfelbaum steht. Insofern ist die Frage nach der Frucht der Erkenntnis bis heute nicht eindeutig geklärt – der Granatapfel ist allerdings in der Tat ein heißer Anwärter dafür.

Warum? Er galt schon seit je her als Aphrodisiakum, seine vielen Kerne als ein Zeichen der Fruchtbarkeit, seine Form ähnelt der weiblichen Brust (ja, finden einige…), seine Farbe ist signalrot wie die Liebe und die Verführung – nur nachgewiesen hat es ihm noch niemand, die luststeigernde Wirkung.

Aber wenn wir schon beim Thema Lust sind – ich bekomme im fortschreitenden Frühling immer Lust auf Früchte. Und da ich keine ganz so Süße und erst recht nicht tropische bin, dürfen die Früchtchen gerne ein bißchen herb und/oder säuerlich sein. Hier erfüllt der Granatapfel natürlich gänzlich mein Beuteschema, einziger Wermutstropfen: Allzu viele Granatapfeldüfte gibt es nicht, mit prominentem Granatapfel mag mir ohnehin nichts einfallen außer – Melograno von Santa Maria Novella, und der konnte mich nicht glücklich stimmen, zu pudrig-kuschelig kam er daher, ergo zu wenig Frucht für meinen Geschmack und natürlich Grenats von Keiko Mecheri, in diesem Falle zu weiblich-rosig für mich.

Frau Malone allerdings schuf vor einigen Jahren etwas, das mich bis heute verzückt, obgleich ich ihren Duft nur selten trage: Pomegranate Noir.

Inspiriert durch ein rotes Seidenkleid (was auch sonst) und dem unverwechselbaren Charakter des Granatapfels – als Ingredienzen angegeben sind Himbeere, Pflaume, rosa Pfeffer und Granatapfel sowie Patchouli, Weihrauch und Hölzer, würzige.

Pomegranate Noir ist, was die Jo Malone-Düfte angeht, durchaus eine Ausnahme: Madame Malone frönt dem sogenannten Layering, einem Konzept, bei dem man die unterschiedlichen Düfte ihrer Kollektion übereinander sprühen und tragen soll, was mannigfaltigste Duftvariationen hervorbringt (wie auch bei den Italienern von Etro). Deshalb sind die meisten Malone-Düfte eher monothematisch und vor allem eher leichtere Gesellen. Pomegranate Noir ist dahingegen für einen Malone durchaus komplex und darüber hinaus von recht überzeugender Präsenz, vor allem auch für ein Cologne.

Frisch aufgesprüht baut sich hier ein überaus trockenes Früchtestilleben auf, rote Beeren, Himbeeren und likörig anmutende Pflaume, begleitet von einer ordentlichen Dosis scharfen Pfeffers. Granatapfel gesellt sich dazu und geleitet den Duft auf eine Basis holzig-erdiger und fein-rauchiger Noten von Weihrauch, Patchouli und Hölzern, die dem Duft rauchige Tiefe verleihen und somit eine gelungene Balance zu der trockenen Fruchtigkeit schaffen.

Das griechische Drama lag hier wirklich nicht fern so opulent und bestimmt präsentiert sich Pomegranate Noir – hübsch nachzulesen auch in der exzellenten Kurzreview von Eckhart Nickel in dem SZ-Magazin, siehe hier.

Sicherlich wird nicht jeder Pomegranate mögen, nein. Dafür ist dieser Grieche viel zu eigen(tümlich) – seltene Fruchtnoten in Kombination mit Weihrauch und Patchouli und von seltsamer Trockenheit… für mich wieder einer jener Düfte, nach denen ich circa fünf Mal im Jahr das Bedürfnis habe – und wehe, er steht dann nicht augenblicklich zu meiner Zerstreuung zur Verfügung… dann gibt es mehr als nur ein (griechisches) Drama, ich verspreche es…

Es grüßt ganz herzlich,

Eure Ulrike.

Bildquelle:  Pomegranate Fruits von Fir0002 / Flagstafffotos und Zaida Ben-Yusuf: Pomegranates via wikicommons, some rights reserved! Vielen lieben Dank.

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SoOud.

Geschrieben in Duft, Holziges, Orientalen, Tabak & Rauchiges am 19.05.2010

Gestern hatte ich ja bereits einiges zu der leider mehr als prekären Situation von Oud als Rohstoff erzählt.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt es trotzdem eine wunderschöne Parfumingredienz und es gibt auch dieses Jahr eine weitere neue Firma, die sich ganz dem Thema Oud verschrieben hat, ja es sogar im Namen trägt: SoOud oder auch So Oud gaben sich auf der Mailänder Esxence das erste Mal die Ehre und werden uns in allernächster Zukunft auch in Deutschland zu beglücken (ver)suchen.

„An invitation to discover inner beauty, beyond every dogma and ideology“ möchte SoOud sein, eine Einladung, innere Schönheit zu entdecken, ab- oder vielmehr: jenseits jeglichen Dogmas und jeglicher Ideologie.

„This and much more is to be found in SoOud, the new collection of fragrances created by a mysterious French nose with Intertrade Europe. And it is no surprise that the picture of a middle-eastern woman has been chosen, veiled with the classic niquab, to illustrate these entirely new and fascinating fragrances: SoOud is mystery, because it does not reveal the identity of its creator. “

Nun ja… Den Schleier des Mysteriösen bezüglich des Kreateurs kann ich für Euch lüften – Der Parfumeur hinter SoOud ist Stéphan Humbert Lucas, die Nase von Nez à Nez. Ansonsten halte ich den Zusatz bezüglich der Idiologie- und Dogmenferne für nicht ganz unnötig, da man als Symbol für den mysteriösen Charakter der Düfte eben den Niqab gewählt hat… Ich als alter Agnostiker finde das nicht ganz so glücklich gewählt, da für mich der Niqab oder auch Tschador eben – im übrigen genauso wie ein Kreuz – (in den allermeisten Fällen) als ein religiöses Symbol zu werten ist… Egal, Religion soll jetzt nicht unser Anliegen sein, obgleich ich mir vorstellen kann, daß einigen die Motivik der Firma doch aufstoßen wird.

Aber, SoOud meint es ja eben anders: „Because SoOud, apart from every cultural legacy, is a “battement d’aile au dessus du nid fragile et craintif”, a poetic homage by a mysterious nose to the beauty of the soul, to his women, to their dreams veiled by an ancient modesty. “ Eine poetische Hommage an die Schönheit der Frau, der weiblichen Seele. Soso. Octavian Coifan von 1000 Fragrances mutmaßt, daß der Name eventuell von der Saoud-Königsfamilie stammen könnte – in jedem Falle wohnt aber der ganzen Linie mächtig Adlerholz inne, nämlich in, so heißt es, außergewöhnlich hoher Konzentration.

Die Konzentration ist ohnehin etwas Neues, die Düfte werden nämlich als Parfum Nectar und Eau Fine präsentiert, wobei ersteres eine wesentlich höhere Konzentration besitzt als zweiteres. In jedem Falle durfte mein Chef im Gegensatz zu mir die Düfte schon testen und war wohl sehr angetan, das läßt mich zugegebenermaßen doch auch schon ein wenig mit den Hufen scharren, Oud, mein altes Lieblingsthema eben.

Sieben Düfte sind es, die uns erwarten:

Hajj the Sage – „Woodland Freshness“. Als frisch und holzig beschrieben mit einem (be)ruhigen(den) Nomadengeist. Kopfnote: Bergamotte, kandierte Mandarine, Sternanis; Herznote: Rosenholz, Osmanthus, Süßholz / Lakritze, Ingwer; Basisnote: Patchouli, Tolubalsam, Tabakblätter, Vetiver.

Fam the Mouth – „Floral Oud“. Beschrieben als intensives Erlebnis flammenroter Gewürze, in perfekter Harmonie kombiniert mit warmen holzigen Tönen in einer Umarmung von pudrig-floralen Tönen. Ja, wirklich. Nur mit den dazugehörigen Noten komme ich zum Teil (noch) nicht ganz klar: Kopfnote: Safran, Chili, Rose; Herznote: Adlerholz / Oud, Cashmeran, Rose sowie „Rubber Sap“ und „Vinyl Accord“; Basisnote: Sandelholz, Zedernholz, Milch und Moschus.

Asmar (the) Dark Brown – „Woody Amber“. Hier erwartet uns sicher etwas sehr Leckeres: „When Dorian Gray meets Sheherazade“, so das Pressematerial. Diese Begegnung interessiert mich in der Tat, vor allem in Verbindung mit einem versprochenen Ambraduft und diesen Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, weißer Honig, Nelke; Herznote: gerösteter Kaffee, Ambra, Traube(nmark); Basisnote: Ambra, Tabakblätter, Leder, Moschus, Vanille.

Al Jana the Garden – „Fresh, aromatic, watery, woody.“ Bio-zertifizierte Materialien sollen es sein in Form eines „transluziden Duftes“ vereinigt. Kopfnote: Thymian, Zitrone, Sternanis; Herznote: Immortelle, Ylang-Ylang, Zypresse, Muskatellersalbei; Basisnote: Virginia-Zedernholz, Vetiver, Sandelholz, Tonkabohne.

Ouris the Sublime – „Flowery, fruity, vanilla.“ Eine Symphonie pastelliger Farben soll es sein mit allen erdenklichen fruchtigen Noten, Blumen und Anklängen türkischer Süßigkeiten beziehungsweise Loukoum. Dazu dann Irisbutter und Mandelcreme und heraus kommt ein perfekter Damenduft – ich bin gespannt… Kopfnote: Pfirsich, Pflaume, schwarze Johannisbeere, Honig, Tagetes; Herznote: Jasmin, Zedernholz, Mandel; Basisnote: Iris, Vanille, Sandelholz, Tonkabohne.

Nùr the Light – „Dry Balsam.“ Nùr soll so etwas wie die „Augen, der Spiegel der Seele sein“ – davon ist zumindest die Rede, insofern erwartet uns hier sicher kein Doriansches Dunkelgewächs , nein, vielmehr ein perlig-pudriger Ambraduft der eher helleren Sorte. Kopfnote: Zitrone, Weihrauch, Kamille, Wermut; Herznote: Ambra, Zedernholz, Aprikose, Iris; Basisnote: Eichenmoos, russisches Leder, Bourbon-Vanille.

Burqua – „Woody with oriental hints of leather and amber.“ Und weiter: „Like pure blood flowing, mystical and fluid, from every temple, with tones of Chinese ink and bewitched by essences of hard wood, this anthracite fragrance is a liquid incense with a notable prestige and elegance.“ Ganz abgesehen davon, daß ich, oh Wunder, den Namen nicht mag, weil ich außer den 20er Jahre-Turbanen von Madame Baba, kürzlich in der Rezension von L’Artisans Nuit de Tubéreuse erwähnt, keine (Ver)Schleier(ungen) mag, hört sich das doch in der Tat sehr interessant an: Tintenoten… die erinnern mich gleich an den genialen Pure Oud. Und Leder wird auch versprochen sowie Weihrauch… Mhhhhmmm… Kopfnote: Jasmin, Rose, Veilchen, Kardamom, Salbei; Herznote: Leder, Benzoeharz, Myrrhe, Tinte, „Rubber Sap“ (Kautschuk? Latex?); Basisnote: Ambra, Teak, Patchouli, Guajakholz.

Sobald die Düfte ihren Weg auf meinen Schreibtisch gefunden haben folgt natürlich eine Rezension, versprochen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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