Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Landschaften, Mythen, Szenerien – Die Düfte von Gritti

Die Düfte „Aqua Incanta“, „Damascus“ und „Doped Tuberose“ der Familie Gritti aus Venedig habe ich Euch gestern vorgestellt. Heute geht es mit „Fanós“, „Noctem Arabs“ und „Preludio“ weiter.

Gentile Bellini 004

fan_s Nicht ganz von dieser Welt, im Reich der Mythen scheint „Fanós“ verortet zu sein:

Über das Meer erreiche ich die Insel der Nymphe, es entführt mich ein Zauber, orientalische und okzidentalische Gerüche vermischen sich. Beseelt begebe ich mich auf die Suche nach etwas Unerreichbarem …

Helle Gewürze – vor allem Zimt und Kardamom – treffen auf grüne Veilchen- und Mimosennoten. Sandelholz, Orangenblüten, Vanille und Ambra sollen noch mit von der Partie sein, lassen sich aber nur schwer ausmachen. Meines Erachtens ist „Fanós“ bis jetzt der schwierigste Duft der Kollektion. Obwohl helle Gewürze und grüne Noten zusammen durchaus vorstellbar sind, gehen sie meines Erachtens hier nicht so recht zusammen. Eine schräge, aber dafür umso interessantere Mischung.

Duftkomposition:
Kopfnote: Ingwer, Kardamom, Zimt
Herznote: Veilchen, Mimose, Sandelholz
Basisnote: Orangenblüte, Vanille, Ambra

noctem_arabs Bei dem Namen „Noctem Arabs“ ist ein Orientale beinahe Pflicht.

Der unendliche Horizont der Wüste, die geheimnisvollen Schatten, Pferde, die mit halsbrecherischer Geschwindigkeit von den Prinzen der Himmel geritten werden. In einem Moment hält alles an. Die Begegnung mit einer Frau, deren Schönheit ich gesucht und nun gefunden habe.

In dieser Szenerie dominiert das Oud bereits auf den ersten Riecher. Und dieses Oud wurde mit Hölzern verstärkt, trocken, glühend, tief und auch weich. Wow! Ich kann von Oud nicht genug bekommen, obwohl die Kreationen mittlerweile Legion sind. Deswegen gefällt mir „Noctem Arabs“ bis jetzt am besten.

Duftkomposition:
Kopfnote: Tabak, Patchouli, Virginia-Zedernholz
Herznote: Adlerholz (Oud), Sandelholz
Basisnote: Moschus, Ambra, Myrrhe

preludio Einen Auftakt, ein Vorzeichen kündigt „Preludio“ an, doch was soll folgen?

Eine warme südliche Brise, die am Rande des Horizonts ein ruhiges smaragdgrünes Meer streichelt. Dann, plötzlich, ein frischer Ostwind, der den Duft von Geheimnis und Magie mit sich bringt …

Dieses Naturschauspiel, dieses Landschaftsgemälde verströmt tatsächlich eine Aufbruchstimmung. Aquatisch, würzig und auch etwas fruchtig – mit saftiger Melone und frischer Zitrone – geht es los, hinzu kommen noch leichte Holz- und Moschusnoten. Keine fundamental neue Interpretation der aquatischen Düfte, aber eine angenehme und natürlich wirkende Variante dieses Themas.

Duftkomposition:
Kopfnote: Lavendel, Aromatische Noten, Wassermelone, Zitrone
Herznote: Hölzer, Sandelholz, Pinie (Kiefer), Tabak
Basisnote: Ambra, Borretsch, Moschus

Abschließend lässt sich sagen, dass die Kollektion von Gritti ein breites Spektrum an Düften abdeckt, die allesamt sehr gut gemacht sind. Meine beiden persönlichen Favoriten sind der Zimtduft „Damascus“ und der Oudduft „Noctem Arabs“. Welche sind Eure Lieblinge?

Liebe Grüße
Harmen

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Vom Orient …

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 18.07.2014

… erzählen uns Evody heute, und zwar mit dem zweiten Duft der neuen Collection d’Ailleurs, die ich gestern bereits angefangen hatte Euch vorzustellen.

Vergesst nicht, es läuft parallel eine Verlosung: Evodys deutscher Vertrieb war so freundlich, uns von den drei neuen Duftschönheiten jeweils einen Flakon zum Verlosen zur Verfügung zu stellen. Wie Ihr daran teilnehmen könnt? Ganz einfach: Kommentiert den heutigen oder den morgigen Artikel und verratet mir, welchen Duft Ihr warum gewinnen wollt. Zeit habt Ihr dazu bis Sonntag, 20.07., 24 Uhr. Am Montag werden dann die Gewinner verraten.

Noir d’Orient heißt unser zweiter Kandidat, den wir uns jetzt gleich ansehen werden:

“Die Gewürzroute hält so viele Geheimnisse und Schätze bereit. Eine Straße mit einem heißen und feuchten Herz, wo die starken und berauschenden Weihrauchschwaden in die von der Sonne verbrannten Ebenen führen. Indien wühlt auf.

In Puducherry stellt sich die koloniale „weiße Stadt“ ihrem schwarzen Viertel entgegen. Begeisterung, Frustration, Freude, Not … eine Straße der extremen Gefühle. Noch weiter im Süden – Kerala und der Fluss, die exotisch üppigen Wälder. Man atmet die Gischt des Indischen Ozeans, noch bevor man in Mysore ankommt, ein legendärer Name … der Palast und natürlich die Gewürze … graue Ambra, die entlang der Küste strandet, krönt diese atemberaubende Reise. „Noir d’Orient“ entstand rund um die duftenden Reichtümer Indiens.

Die Ouvertüre ist von Weihrauch erfüllt, eine Hommage an die Heiterkeit dieses Volkes. Das Herz enthüllt einen ganzen Schwall an Gewürzen – heiß, sinnlich und intensiv, Nelke, Zimt … Dann lässt die Seele, animalisch und zärtlich zugleich, den Noten von Patschuli verbunden mit Treibhölzern Platz und enthüllt einen Akkord aus bernsteinfarbenem Rum. Ein orientalischer Hauch, berauschend.”

evodynoirdorient

Noir d’Orients Duftnoten: Kopfnote: Weihrauch; Herznote: Gewürznelke, Zimt; Basisnote: Hölzer, Rum, Patchouli.

Ein reiner Weihrauch-Duft? Nein, das ist er nicht. Und für mich ist es auch kein wirklicher Orientale, wenn ich ehrlich bin, was den Duft für mich persönlich in diesem Falle noch schöner macht. In Indien war ich leider noch nie, etwas, das dringend einmal nachgeholt werden muss, aber … ich stelle mir auch Indien anders vor. Beschränkt man sich eher auf die Gewürzroute beziehungsweise die Assoziationen mit derselben, dann, ja dann kann ich folgen. Vielleicht auch nur wegen Lubins Idole, der für mich eine entfernte Ähnlichkeit besitzt, vielmehr in die gleiche Richtung zielt wie Noir d’Orient.

Day 25: Smile!

Kräftiger erhabener Weihrauch, eher würzig als kühl, rauchig und leicht an den Duft heißer Steine erinnernd, verschmilzt hier mit einem sehr dominanten, süß-scharfen Zimt, der auf geniale Art und Weise in köstlichen Rum getaucht sich zeigt. Likörig, honigartig und mit Südfrüchte-Anmutung ausgestattet schafft dieses leckere Tröpfchen einen mehr als anziehenden Duftkörper und stattet mit ordentlich Volumen aus. Weder auf meiner Haut noch auf dem Duftstreifen ist die Nelke hervorstechend, vielmehr unterstreicht sie den Charakter der bisher vorhandenen genialen Truppe. Patchouli und Hölzer in der Basis vervollkommnen den Duft mit, klar, Holzigkeit, sachtem (Kakao?)Puder, einem Quentchen Erdigkeit und festigen seinen außerordentlichen Charakter.

Kraken Rum

Noir d’Orient kann von beiden Geschlechtern getragen werden und wird selbstredend ein Lieblingsduft vieler: Zimt ist ja für einige ein echtes Reizwort, Weihrauch hat auch viele Fans und Rumnoten lassen das Herzchen einiger meiner Leser/innen hüpfen – in dieser Kombination sind alle drei ziemlich unwiderstehlich, das kann ich Euch versprechen!

Weiter geht es mit Ombre Fumée:

“La Réunion, eine spektakuläre Insel und fernab vom Klischee einer tropischen Insel, diese Insel verdient es erobert zu werden … Häufige Eruptionen lassen einen dunklen dichten Rauch ausströmen, aber die Erde bleibt ruhig. Endlose Wurzeln verhindern zerstörerische Erschütterungen. Lunar und vulkanisch, der Kontrast ist umso rätselhafter, je mehr man die Großartigkeit der Wasserfälle und des grünen, unendlichen Dschungels entdeckt. Eine Mischung aus Piment, umhüllt von Sanftheit und Wärme … lukullisch Bourbon genannt, seine Üppigkeit berauscht und macht atemlos …

Ombre Fumée“ ist eine Ode an das Vetiver. Dieser Grundstoff ist der Reichtum der Insel Réunion. Das Vetiver wird umhüllt von dunklen mysteriösen und sinnlichen Noten, aber ebenso von grünen und frischen, um die Ambivalenz der Flora zu charakterisieren. In der Kopfnote, eine Explosion aus Zitrusfrüchten. Die Orange und die Zitrone eröffnen diesen Duft mit klaren und erfrischenden Noten. Dieser frischen Seite folgt schnell die aromatische Sanftheit der Zypresse. Und dann stellt sich die pudrige Note von Iris verbunden mit schwarzem Pfeffer ein, warm und knisternd. Das Vetiver wird nun dunkel. Die bittere Schwärze der Tonkabohne wird sinnlich von grauer Ambra und dem animalischen, hirschledernen Akkord gebändigt.”

evodyombrefumee

Vetiver, Vetiver, Vetiver! Dieses Gras lässt mich in schöner Regelmäßigkeit verlocken – ich liebe diese Ingredienz, und zwar schon seit Anbeginn meiner Parfumleidenschaft. Ombre Fumée ist für mich ein Meisterwerk – und das obgleich ich bereits diverse Vetiverdüfte mein Eigen nenne.

Cirque de Mafate vue du Maido - La Reunion

Dunkles, rauchig-grasiges und verhalten salziges Vetiver, das seinem Namen – Ombre Fumée, der rauchige Schatten, die rauchige Finsternis – alle Ehre macht. Von prickelnden Hesperidensternchen beleuchtet, eine Kombination, die immer funktioniert, verbindet sich das göttliche Gras mit herb-holziger Zypresse, ernst und klar, sowie Iris, erdig, erhaben und sacht seidig-pudrig. Pfeffer kontrastiert gekonnt und harmoniert hervorragend mit den Anklängen vom Tier, den ledernen, die den starken Charakter des Duftes unterstreichen. Die ambrierte Basis zeigt sich warm, würzig und von einer dezenten Harzsüße, den Duft ideal abrundend.

Ein markanter, innovativer Vetiverduft, von Männlein wie Weiblein tragbar. Für mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Must-have und eine perfekte Ergänzung meiner kleinen Vetiversammlung.

Und? Habt Ihr schon einen Favoriten?

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Gefühlsexplosionen …

Geschrieben in Duft,Holziges,Solifloral am 8.07.2014

… servieren uns L’Artisan Parfumeur: Aus drei mach sechs – drei neue Explosions d’Émotions-Düfte wurden soeben lanciert – und dazu hat uns der Vertrieb, wie Ihr seit gestern wisst, freundlicherweise zwei Flakons der Klassiker zum Verlosen zur Verfügung gestellt, und zwar mit Originalunterschriften von Bertrand Duchaufour. Dieser zeichnet sich verantwortlich für die komplette Linie und hat uns mit den ersten drei Düften bereits Besonderes offeriert: Innovative und bemerkenswerte Parfums sind sie, die in der Tat Gefühlsaufwallungen bei mir generierten. Schauen wir, ob die neuen drei Düfte dazu auch in der Lage sind – wir sehen sie uns diese Woche genauer an.

“Getreu der Vision ihres Gründers, Herrn Laporte, setzt das Pariser Kult-Parfumhaus einen neuen Standard mit diesen außergewöhnlichen Düften.

Diese Kreationen übersetzen die außergewöhnliche emotionale Kraft von Düften, die ohne Kompromisse von dem Meister-Parfumeur Bertrand Duchaufour geschaffen wurden. L‘Artisan Parfumeur und Bertrand Duchaufour teilen eine Vision: die emotionale Kraft olfaktorischer Kunst einzufangen.

L’Artisan Parfumeur präsentiert die „Explosionen der Gefühle“ – Explosions d’Émotions. Der Name der Linie ist Programm. Bekanntermaßen ist der Geruchssinn, gemeinsam mit dem Tastsinn, der direkteste und intimste aller Sinne. Seine Eindrücke werden direkt in Emotionen umgesetzt, ohne vorher durch rationale Betrachtungen gefiltert zu werden. Und genau dies ist das Ziel der Düfte der Linie! Weitab des üblichen pyramidalen Duftaufbaus gehen die Strukturen dieser Düfte neue Wege. Ihre Harmonien und Facetten wurden mit dem Ziel ausgewählt, verschiedene Emotionen darzustellen und hervorzurufen.”

Rappelle-Toi ist der erste Kandidat, und sein Name, der soviel wie “Erinnere Dich” bedeutet, verkündet, dass wir “die innere Schönheit erleben sollen”:

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„Reflexion über das Menschsein hinaus. Suche nach sich Selbst. Sehnsucht nach dem Nirwana“. Bertrand Duchaufour

“Ein nachdenklicher und berührender Duft, wie eine Tür zu unseren innersten Gedanken. Getragen vom Duft der Gardenie, die sanft ihre anmutigen Blütenblätter ausbreitet. Vibrierender Szechuanpfeffer, erstmals in der Haute Parfumerie verwendet, belebt diese prachtvolle, narkotisierende Blume, die schließlich umhüllt wird von Moschus und weichem Sandelholz mit Honigakzenten.

Wäre „Rappelle-Toi“ …
… eine Kunst: Malerei
… eine Farbe: Violett (zart, verträumt)
… eine Musik: Bossa Nova
… ein Wein: „Muscat de Beaumes de Venise“, süßer Muskatwein – blumig, elegant und süß
… ein Schmuckstück: ein mit Diamanten besetzter Ring
… ein Sprichwort: „Solange mein Herz schlägt, wird es Dir sagen: Erinnere Dich!“ A. de Musset”

Bossa Nova – da denkt man natürlich gleich an den Klassiker, der diese Musikrichtung eingeläutet hat:

Ist das was für Euch? Beziehungsweise – was für Musik hört, liebt Ihr?

Duchaufour hat Rappelle-Toi mit folgenden Ingredienzen in Szene gesetzt: Kopfnote: Gin, Szechuanpfeffer; Herznote: Gardenie, Weihrauch; Basisnote: Sandelholz, Honig.

Rappelle-Toi ist, wie schon zu erwarten war, ein ungewöhnlicher Duft: Gleichermaßen kühl und dämpfig, fast schon schwül, oszilliert er auf meiner Haut und lässt mich mit der Nase am Handgelenk kleben. Eine opulente Gardenie, die fast schon tuberosenartig wirkt (und ja auch allzu oft auf Basis von Tuberosen kreiert wird), etwas an Kaugummi erinnernd, melancholisch und kühl, dezent mentholisch. Gin zaubert hier Anleihen von Wacholderbeeren und deren herber Fruchtigkeit samt unterschwelligen holzigen Anklängen, während Pfeffer leuchtende Kontrastpunkte setzt. Der Weihrauch hüllt in sachte rauchige Schwaden, die ätherisch anmuten, während glimmend-glitzernder Honig die zart-süß einlullende Hautnähe herstellt, von würzig-warmem und verhalten pudrigem Sandelholz unterstützt.

Dancing Lady

Ein Spiel mit Kontrasten, kostbar, anmutig und wundervoll – und einmal mehr fällt mir kein Vergleich ein, wie bei allen anderen Explosions d’Émotions-Düften auch nicht. Duchaufour zeigt sich – einmal mehr – als wahrer Meister seines Faches und ich möchte wirklich gerne wissen, wie er es schafft, ständig derart Innovatives aus seinem Parfumeursärmel purzeln zu lassen … Ich bin sehr gespannt auf den Rest der Kollektion – Ihr auch?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Nachdem …

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 27.06.2014

erikkormannseptember2… wir uns gestern die Kooperation der Herren Kormann, Kraft und Alchenberger gewidmet hatten, mag ich heute mit Euch noch einen Blick auf den neuen September werfen, den Erik Kormann soeben lanciert hat. September, neu? Ja, genau. Den gab es schon einmal – und dann war er ausverkauft, kam erneut auf den Markt und jetzt haben wir es mit der dritten Version zu tun, September 3.1 quasi. An jeder Version hat Kormann noch etwas gearbeitet und verändert, werfen wir doch mal einen Blick auf die ersten beiden Düfte, die ich bereits hier besprochen hatte: Im ersten September verwendete Erik folgende Duftstoffe, die ich Euch gestern auch bereits näher erklärt hatte: Iso e Super, Hedione, Galaxolid, Polysantol, Javanol (pur, 6%), Timberol, echtes Sandelholz-Öl, Ketamber und Citral.

Das Ergebnis davon war ein beschwingt-heiterer Duft mit herben Anklängen: Verantwortlich dafür war eine leichte Wodka-Note, die einen beschwipst umschwirrte im Auftakt und hernach den Weg freimachte für ein gleichermaßen kokettes wie leichtes Duo von Zitronengras und Javanol, jenem floral-fruchtig-(sandel)holzigen Chemical, das es Erik so angetan hat und ihn überhaupt erst zu der Kreation des Duftes verleitete. Das Javanol bildete in jedem Fall die kraftvolle Basis, die von einer warmen und holzigen Wärme war, ohne jemals zuviel zu werden. Ein toller Stoff – und einer, der über eine unglaubliche Sillage verfügt. Auf der Haut hält er lange, auf Stoffen ewig – und erfreut(e) mich oft noch Wochen nach dem Tragen an Schals.

September Nr. 2 wartete mit einigen Veränderungen auf, wie Erik Kormann selbst in seinem tollen Aromatischen Blog beschrieben hat:

erikkormannseptember„Ursprünglich hatte der Duft eine leicht beschwipste Lemongrass-Kopfnote (mit etwas Grapefruit), was aber doch einige Leute, mich incl., gestört hat. Deshalb tauschte ich jetzt diese Kopfnote aus und nun gibt es dafür eine wirklich harmonische, fruchtig-süße Orange. Ein Herz im Sinne einer richtigen Komposition hat der Duft nicht. Wozu auch, schließlich wollen wir uns mal nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten. Einfach nur reichlich Hedione und fertig. Damit bekommt die fruchtige Kopfnote eine gute Haftung und in der Mittelnote treffen sich damit das zart blumige Hedione, noch etwas Orange aus der Kopfnote und erste Anklänge von der Basis, die aus zwei verschiedenen Sandelholzriechstoffen besteht (einer davon ist das Javanol), dazu eine leicht ambrierte Holznote (Ketamber) und etwas Moschus.

Und jetzt will ich ihnen verraten, was ich getan habe. Wie man Javanol verwendet, schrieb ich bereits [Nämlich so: „Man muß vielleicht noch wissen, daß dieser in der konzentrierten Form recht schwache Duftstoff in einem Parfum von absolut durchschlagender Wirkung ist. Wer Parfum selber mischen möchte und mit JAVANOL arbeiten will, dem kann ich nur empfehlen, sich eine 10%ige Lösung anzufertigen und von dieser Lösung max. drei bis fünf Prozent in einem Duft zu verwenden. Sie können auch mehr nehmen, aber das wird deshalb nicht stärker riechen (das ist eine wichtige Erfahrung. Mit Lavendel ginge das nicht)].

Allerdings geht es auch anders! Gute 8% pur. Es hätten auch 4 sein können, für die Wahrnehmung macht das keinen Unterschied! Aber mit 8% riecht es einfach noch länger nach Javanol. Zumal dieser Duftstoff ohnehin eine Haftung hat, die man nicht in Stunden oder 1-2 Tagen, sondern vielleicht in Wochen angeben sollte. Ein im Chemical eingetauchter Papierstreifen riecht jedenfalls locker 3-4 Wochen und wenn einige Leute meinen, der Duft hätte keine Haftung, dann empfehle ich Hanns Hatt, “Das Maiglöckchen-Phänomen”, S. 58, das Kapitel mit der Überschrift: “Adaption – Wenn die Nase einen Geruchsreiz ausblendet”. Javanol riecht einfach länger, in einer Mischung mit anderen Duftstoffen und Ethanol zudem intensiver als im Rohzustand, als alle anderen Stoffe in diesem Parfum. Ein weiterer Grund, nicht nur Javanol zu nehmen. In der Kombination entfaltet dieses Chemical erst so richtig seine durchschlagende Wirkung.

Das ist der September. Und weil Javanol länger, viel länger als Hedione, Moschus, Iso e Super und natürliches Sandelholz riecht, duftet mein September für lange Zeit nach JAVANOL.“

Ich selbst hatte natürlich auch eine Meinung zum zweiten September, nämlich folgende: Auch, wenn an den Inhaltsstoffen nicht viel geändert wurde, hat der neue September für mich eine komplett andere Aussage: Leichter ist er geworden, fröhlicher und unbeschwerter. September der Erste atmete mit seinem Wodkakuss und dem Zitronengras ein bisschen mehr… die melancholische „Leichtigkeit“ des Seins. September der Zweite ist… optimistischer. Und gefällt mir, entgegen meinen sonstigen Vorlieben, in der Tat besser. Ein lebensfroher Duft voller Energie, die mandarinenhaft anmutende Orangennote verhilft zu frühlingshaftem Aufwind. Einfach, aber wirkungsvoll – und insofern einfach ein perfekter Begleiter für die hoffentlich jetzt bald mal eintretenden wärmeren Jahreszeiten!

September 3.1 nun wurde erneut überarbeitet und verfeinert, und brilliert vor allem mit einer alten neuen Note, einem Orangenöl, das aus dem Hause Bell Flavors & Fragrances stammt. Zu dieser besonderen Spezialität ist Folgendes zu sagen:

„Süßes Orangenöl besteht normalerweise zu ca. 97% aus Limonen und zu ca. 3% aus sauerstoffhaltigen Verbindungen, wie Aldehyde (hauptsächlich Decanal, Octanal) und Monoterpenalkoholen (Linalool). Diese sauerstoffhaltigen Verbindungen sind aber wesentlich für das typische Orangenaroma verantwortlich, während das Limonen praktisch nicht zum Geruchs- und Geschmackprofil beiträgt. Durch verschiedene Verfahren kann man nun die sauerstoffhaltigen Verbindungen anreichern und das Limonen entsprechend reduzieren. Man spricht dann von terpenfreien, bzw. terpenarmen ätherischen Ölen. Es gibt verschiedene Anreicherungsgrade. Das im September benutzte Orangenöl ist z. Bsp. auf einen (berechneten, also theoretischen) Aldehydgehalt von 10% eingestellt.“

Oranges And Lemons

Erik Kormann äußerte mir gegenüber bereits ganz begeistert, dass für ihn der September jetzt so ist, wie er ihn sich immer gewünscht hatte – und ich teile diese Begeisterung absolut: Schon September 2.1 war für mich ein echter Gutes-Wetter-Gute-Laune-Alleskönner, September 3.1 toppt das allerdings noch um Längen. Die Orangennote ist derart authentisch, saftig und lecker, das ich für den Träger keinerlei Garantien übernehmen kann, dass er nicht zum Suarez-Opfer werden könnte … Mandarinig-orangig spendet September 3.1 Energie und Kraft, wirkt sonnengetankt und positiv. Und das Javenol würzt pudrig und hautnah darunter – eine perfekte Kombination, ein sehr schöner Duft und ein hervorragender Preis. Testen, meine Lieben!

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch,

Eure Ulrike.

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Wo fange ich an…
Erik Kormann…
Die drei glücklichen Gewinner des September-Remix’


Wo fange ich an…

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 26.06.2014

… – das ist heute die Frage – wo ich aufhöre, das ist schon klar… und zwar bei Borobudur.

Der geneigte Blogleser wird sich vielleicht daran erinnern, dass ich Erik Kormanns September ausführlich im Blog besprochen habe. Zwei Versionen, zwei aufeinanderfolgende, gab es bereits aufgrund des großen Erfolgs des Duftes, der in allererster Linie auf einer großartigen Idee, der Kombination von zwei Komponenten beruht – Javanol, ein synthetisches Sandelholzmolekül, und Orange. Wegen der immensen Nachfrage nach diesem Monatsduft überarbeitete Kormann seinen ersten September-Entwurf erneut – und lancierte letztes Jahr September die Zweite.

kraftremixseptemberJener September wurde von Dr. Philip Kraft entdeckt, seines Zeichens Riechstoffchemiker bei Givaudan, der sich sofort in dessen Konzept verguckte und für sich privat einen Remix kreierte, von dem er mir dankenswerter Weise einige Fläschchen für Euch zur Verfügung stellte, die wir damals hier im Blog verlosen durften.

Daraus geboren ist eine Zusammenarbeit zwischen Kormann und Kraft, die in Folge zusammen Kormanns dritten Weihrauchduft, Eau de Fröhliche 3, schufen – ein Johannisbeer-Weihrauch, in dem unter anderem das von Kraft erfundene Molekül Cassyran eine prägende Rolle spielt. Des weiteren schwelte aber dennoch der Wunsch, eine Septembervariation auf Basis des Remixes von Kraft vorzustellen – und hier ist sie nun und hört auf den klangvollen Namen Borobudur.

Wer die ganze Hintergrundgeschichte noch nicht en detail kennt, kann sich diese gerne einmal hier zu Gemüte führen: September & Remix, Kraft-Remix.

borobudur

Nun aber zu Borobudur:

„Eine Idee, die drei Männer infiziert. Und – das herrliche Ergebnis: Borobudur.

Erik Kormanns September war es, der – nicht nur bei uns – einschlug wie eine Bombe: Diese Mischung aus Javanol, einem Sandelholzmolekül, und Orange – sie faszinierte, unsere Kunden und Dr. Philip Kraft, seines Zeichens Riechstoffchemiker bei Givaudan. Kraft fertigte einen Remix, ganz alleine für sich, und alsbald war der Weg für eine Kooperation geebnet: Kormann und Kraft zusammen. Es entstand zuallererst Eau de Fröhliche No. 3 und danach Borobudur, eine Variation zu Kormanns September.

Borobudur ist aus dem Herzblut und dem Können von drei Männern entstanden: Erik Kormann, der die Idee und den Ur-Duft gebar. Philip Kraft, der diesen September begeistert überarbeitete und Alain Alchenberger, Parfumeur bei Givaudan, der Borobudur den letzten Schliff verlieh.

Erfrischend und gleichermaßen erotisch soll Borobudur sein mit seinen virilen Sandelholznoten und der dynamischen Orange, von Geranium in ihrer frischen Strahlkraft untermalt. Für uns ist er ein wahres Zauberwerk auf der Haut. Und zwar ein Duft, der sowohl an Frauen als auch an Männern wirkt.“

Javanol und Sinensal – zwei Stoffe, die ein absolut unterschiedliches Verdampfungsprofil und somit auch eine ganz andere Verweildauer haben. Das ist der Reiz, der Kick an Borobudur, der seinen Namen der gleichnamigen buddhistischen Tempelanlage auf Java verdankt, die seit den 90ern UNESCO-Weltkulturerbe ist. Eingang in den Duft fand auch eine ganz spezielle Orange aus der Nachbarschaft, die sogenannte Bali-Orange, die, abgesehen von typischer Saftigkeit eine ihr genuine bittere metallische Note erhält, die hervorragend mit dem Sandelholzduft des Javanols harmoniert. Jene Bali-Orange bildet zusammen mit dem Sinensal den Gegenpol zu der holzig-warmen Würze des Javanols, leuchtet und strahlt ergo unter diesem hervor wie es beispielsweise in Chanels No. 5 die Aldehyde unter Rose und Jasmin tun.

Drops On Bright Orange Flower

Darüber hinaus finden sich Noten von Geranium, grün-strahlend und frisch, sowie Tagetes, des Weiteren ein kostbares Vanilleresinoid (mittels einer speziellen Destillation aus den Schoten gewonnen) sowie Moschus.

Für mich riecht Borobudur wie ein – … richtig leckerer Sportler: Einerseits frisch, dynamisch, energiegeladen durch die satten Orangennoten, andererseits aber auch männlich, markant, würzig durch das weich-pudrige Sandelholz. Eine gegensätzliche Kombination, die sowohl an Männlein als auch an Weiblein sehr sehr anziehend duften kann…

Habt Ihr schon getestet? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Gestern…


Nasomattos großes Finale, inszeniert als „Blamage“

Geschrieben in Duft,Holziges,Tabak & Rauchiges am 17.06.2014

Nicht jeder Duft verdient es, in den höchsten Tönen gelobt zu werden, natürlich kommen aber viele Kreationen in feinstem Werbedeutsch daher, das vor Superlativen nur so strotzt: da ist nur vom Edelsten und Bestestesten und dergleichen zu lesen.
Umso überraschender also, wenn ein Duft folgendermaßen angekündigt wird: „Dieses Parfüm ist Teil des Projektes Nasomatto. Der Duft ist eine törichte und unglückselige Kreation, ausgelöst duch [sic!] schlechtes Urteilsvermögen und mangelnde Sorgfalt.“ [Diese floss auch in die Kreation des Textes ein ;-)] Für uns Parfumfreunde in jedem Fall eine absolut unzureichende Beschreibung eines Dufts, weswegen ich mich bemüht habe, für den Shop ein wenig mehr daraus zu machen:

Natürlich kennen wir die „verrückte Nase“ – Alessandro Gualtieri nun lange genug, um das Ausmaß seiner Koketterie und sympathisch-kreativen Kauzigkeit zu ermessen. Ein erfrischende Selbstironie prägt das Konzept dieses Duftes, die Idee, das große Finale als Blamage zu inszenieren. Wir lassen uns aber nicht auf Abwege führen, sondern erwarten ein Parfum in gewohnt bester Qualität, auch wenn sich dieses aus den Fehlschlägen bei der Kreation eines Parfums inspiriert sieht, also eine Reflexion des künstlerischen Prozesses selbst ist.

Passend zu diesem Ansatz wurde auch der Flakon gestaltet, ein rechteckiges Holzklötzchen, auf dem eine Scheibe Birkenholz thront (aus Plastik), die entweder unters Auto gekommen ist, dem gemeinen Borkenkäfer anheimgefallen oder von der verrückten Nase selbst spechtartig angepickt wurde. Wir werden es vermutlich nie genau erfahren.

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Auf den ersten Riecher erkennt man die nasomattotypische Handschrift, die fast schon chemisch und narkotisierend wirkenden hellen Gewürznoten. Wie gewohnt lässt uns Nasomatto in der Luft hängen, was die Duftnoten angeht. Man denkt aber an helle Hölzer […]. Vielleicht ist dies die richtige Spur: holzig, medizinisch und auch etwas rauchig anmutend, könnte Birkenholz oder Birkenteer Anstoß der Kreation gewesen sein. Wir sehen „Blamage“ als maßlose Untertreibung an und danken Herrn Gualtieri herzlich für zehn herausragende und bereichernde Kreationen.

Ja, Ihr habt leider richtig gelesen: das war es! Keine provokanten und durchgeknallten Nasomatto-Düfte mehr. Schade, denn gerade „Blamage“ ist meiner Meinung nach ein absolut großartiger Duft, dem noch viele weitere hätten folgen dürfen.

Bei meinen Recherchen bin ich übrigens auf diese Dokumentation gestoßen: „The Nose. Searching for Blamage“ Schaut mal hinein, das sieht sehr vielversprechend aus. Oder hat sie jemand von Euch schon gesehen?

Wer noch einmal die Düfte von Nasomatto Revue passieren lassen möchte, darf gerne unsere Artikel lesen, die allesamt von großer Begeisterung geprägt sind:

Absinth – Die Beschwörung der Grünen Fee
Black Afgano – Sich Haschisch spritzen
China White – Nasomatto hat den Schlüssel zum Giftschrank
Duro – „Was ein Mann schöner ist wie ein Aff’…“
Hindu Grass – „Der Dampf meines Atems”
Narcotic Venus – L’Origine du monde
Nuda – Nude – Nackt.
Pardon…
Silver Musk – Nicht von dieser Welt

Habt Ihr „Blamage“ schon getestet? Im Netz ist ja zu lesen, dass er nicht unbedingt jedem so gut gefällt :-)

Liebe Grüße
Harmen

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Sich Haschisch spritzen
Die Beschwörung der Grünen Fee
Duftverzeichnis L – Z


Loewe – 7 – Original und Sportvariante

LoeweSchon vor längerer Zeit habe ich den Herstellertext von Loewe für unseren Shop geschrieben, dann aber die Marke wieder ein wenig aus den Augen verloren. Wir sprechen hier übrigens nicht von dem kriselnden deutschen Flimmerkistenhersteller, sondern von dem spanischen Label, das durch seine Luxuslederwaren bekannt wurde. Da wir über Loewe im Duft-Tagebuch noch nicht berichtet haben, kommt hier ein knackiger Abriss der Unternehmensgeschichte. Zwei spanische Handwerker eröffneten im Jahre 1846 einen lederverarbeitenden Betrieb, zu dem 1872 der deutsche Lederspezialist Enrique Roessberg Loewe hinzustoßen sollte. 1905 erlangte Loewe den Status des Lieferanten für das spanische Königshaus, was nun sicherlich dem gesunden Unternehmenswachstum nicht abträglich war. 1945 entwarf der Designer Peréz de Rozas Taschen aus Boxcalf, welche schnell zum Erkennungszeichen der Marke schlechthin avancierten. Es folgten Boutique-Eröffnungen rund um den Globus und große Designer wie Karl Lagerfeld, Giorgio Armani und Laura Biagiotti prägten das Erscheinungsbild des Hauses. Mode, dann Parfums – eine fast logische Konsequenz: 1972 brachte Loewe den ersten Damenduft mit dem schlichten Namen „L“ auf den Markt, Mitte der 80er Jahre folgte der Duft „Air Loewe“, welcher sich bis heute einer großen Beliebtheit erfreut. Seit dem Jahr 2000 wird die Parfumkollektion kontinuierlich erweitert wie zum Beispiel 2009 mit „I Loewe You“.

loewe-sport

Diese koninuierliche Erweiterung des Programms ist auch Anlass für diesen Artikel. Vor Kurzem erst kam eine neue Kollektion von Loewe herein, Loewe Sport, die die vier erfolgreichsten Herrendüfte des Hauses neu und sportlich interpretiert. Meine Idee war es, Euch nun die Düfte immer paarweise vorzustellen, auf der einen Seite der Ausgangsduft, auf der anderen Seite die neue Sportversion.

Loewe 7Loewe 7 Sport
Loewe EsenciaLoewe Esencia Sport
Loewe pour HommeLoewe pour Homme Sport
Loewe Solo LoeweLoewe Solo Loewe Sport

Die Idee hinter der „Loewe Sport“-Kollektion ist der Sport der Gentlemen – Traditionssport, der auf die Werte des 21. Jahrhunderts trifft. Hierfür stehen vier spanische Sportler, die auf dem Bild oben zu sehen sind:

· Loewe pour Homme Sport mit Javier Hernanz, Ruder-Champion
· Esencia Loewe Sport mit Iñaki Osa, Cesta-Punta-Champion
· Solo Loewe Sport mit Arturo Gracia, Champion im Bogenschießen
· 7 Loewe Sport mit Jordi Bargalló, Rollhockey-Champion

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„Loewe 7“ legt überraschend spritzig und dynamisch los. Kräftige Pfeffernoten legen sich von Beginn an ins Zeug und vermischen sich angenehm mit harzigem Weihrauch, holzigen Noten sowie Vetiver. Die übrigen Noten Apfel, Rose, Maiglöckchen, Neroli und Moschus verbleiben im Hintergrund und lassen so den entschieden maskulinen Noten den Vortritt. Sie sind als leichtest aquatische Tendenzen sowie hauchdünne Fruchtaromen wahrnehmbar. Nach einer Weile meint man noch Patchouli oder Gewürznelke wahrzunehmen – entweder das Ergebnis dieser Mischung oder geheimgehaltene Duftbestandteile. Ich rieche und rieche und diese Gewürznelke wird immer dominanter, bis ich versucht bin, hier von einem klaren Gewürznelkenduft mit Glühweinanleihen zu sprechen. Ihr seht, dieser Duft hält eine spannende Duftentwicklung bereit, die sicher auch von Haut zu Haut unterschiedlich verläuft. Wirklich abgefahren, was hier gerade passiert.

„Loewe 7 Sport“ hat mit seinem Vorgänger wenig gemein. Fruchtige Mandarine und saure Yuzufrucht treffen auf die grünen Noten von Minze und Tomatenblättern – auch hier mit einem aquatischen Einschlag. Auf der Haut gefällt er mit bedeutend besser, da hier die aquatischen Anklänge eher verschluckt werden. Ein durch und durch dynamischer, frischer Hesperidenduft mit grüner Seele. Die Basis von Weihrauch und Ambra bleibt nahezu stumm. Grundsolide, wer es extravaganter mag, ist bei dem Ursprungsduft besser aufgehoben.

Beide Düfte besitzen ihre ganz eigene Dynamik, der eine eher pfeffrig-gewürzig, der andere eher zitrisch und grün. Beide Düfte kann ich vor allem den Herren der Schöpfung vorbehaltlos empfehlen.

Liebe Grüße
Harmen

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Laliques Traumpaar „Encre Noire“

Geschrieben in Duft,Holziges,Krautiges,Reines und Pudriges am 10.03.2014

Letzten Montag – in der Rezension von „Encre Noir Sport“ – habe ich Euch versprochen, auch „Encre Noir Pour Elle“ und „Encre Noir Pour Homme“ von Lalique vorzustellen. Ich hoffe, Ihr habt außerdem die kleine Abstinenz vom Duft-Tagebuch gut überstanden. :-)

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„Encre Noire Pour Homme“ – wie mag wohl diese schwarze Tinte riechen? Wie Comme des Garçons’ Nr. „2“, die von der japanischen Sumi-Tinte inspiriert wurde (s. Bericht hier)? Parfümeurin Nathalie Lorson ging 2006 einen anderen Weg und interpretierte das Süßgras Vetiver für ihre Zwecke. Übrigens, zum Thema Vetiver fällt mir immer der sehr unterhaltsam geschrieben Artikel von Erik Kormann in seinem aromatischen Blog ein – sehr lesenswert.

Der Vetiverduft von Lalique enttäuscht keinerlei Erwartungen: erdig, holzig, wurzelig und rauchig mutet er an, ganz wie man es erwartet und haben möchte. Im Kopf waltet die Zypresse ihres Amtes und fügt dem Ganzen frische und leicht nadelhölzerne Aspekte hinzu. Moschus und Kaschmirholz in der Basis unterstreichen wiederum die holzigen Charakterzüge von „Encre Noire Pour Homme“.

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Statt in tintenschwarzer Nacht zu versinken und den Mond anzuheulen, sehe ich hier einen dynamischen, taghellen Herrenduft. Kein Tauchgang im Tintenfass, vielmehr ein lässiger, aber gekonnter Schriftzug auf einem weichen handgeschöpften Papier.
Meine Herren, wer auf der Suche nach einem feinen profilierten Parfum ist, dem unterschreibe ich mit „Encre Noire“, dass er hier fündig werden kann.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zypresse
Herznote: Vetiver
Basisnote: Moschus, Kaschmirholz

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Der drei Jahre später erschienene „Encre Noire Pour Elle“ enthält in der Basis zwar auch Vetiver, im Gesamtbild aber lang nicht so prominent vertreten. Der kalligraphische Dekor des Flakons greift dabei das Tintenthema wieder auf. Parfümeurin Christine Nagel schuf mit diesem Duft einen weichen pudrigen Duft, in dem Moschus und Rose die Hauptrolle spielen. Frische Bergamotteakzente leuchten hier und da hervor, Ambrette unterstreicht das Pudrige und Freesie sowie Osmanthus die florale Komponente. Sicherlich ist es auch Osmanthus, der die leicht fruchtigen und süßen pfirsichartigen Töne transportiert. Diese kommen bei mir vor allem auf der Haut deutlicher heraus – die kühle und fast metallisch erscheinende Rose konstrastierend.

Die entschieden feminine Kreation hat mit dem Herrenduft trotz ihrer Pudrigkeit und Weichheit eine gewisse Distanziertheit gemein. Wer also Moschusdüfte liebt, Überschwang an Blüten und Früchten eher meidet, sollte sich „Encre Noire Pour Elle“ unbedingt zu Gemüte führen.

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Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Freesie, Ambrette
Herznote: Türkische Rose, Osmanthus, Ambra
Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Weißer Moschus

Da beide Düfte schon Weile auf dem Markt sind, kennen einige von Euch sie sicher schon. Seid Ihr Fans der Encre-Noire-Düfte? Lasst es mich wissen :-)

Liebe Grüße
von Harmen

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Lalique „Encre Noir Sport“ – Vetiver mit Rennstreifen?

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Holziges,Krautiges am 3.03.2014

Es ist höchste Zeit, auch einmal wieder etwas von Lalique zu berichten. Wie schön, dass wir mit dem neuen Duft „Encre Noir Sport“ passenderweise Gelegenheit dazu finden. Neuigkeiten sind immer ein bisschen spannender, deswegen fange ich mit „Encre Noir Sport“ an, werde aber auch in Kürze „Encre Noir Pour Homme“ und „Encre Noir Pour Elle“ nachlegen, versprochen.

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Schauen wir also einmal, was Lalique aus der schwarzen Tinte in Form eines Vetiverdufts gemacht haben. Sie selbst schreiben:

Lalique setzt die Erfolgsgeschichte des Klassikers „Encre Noire“ fort: gewohnt elegant, bereichert um eine dynamischere Facette. Der sportliche Charme der neuen Kreation trifft auf die Werte von Luxus und Raffinesse, Kennzeichen des Hauses Lalique. Zwischen den charakteristischen holzigen Noten entfaltet sich eine neue Frische.

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Ich schnuppere nun beidarmig und kann vorausschicken, dass die Sport-Variante lang nicht so viel Vetiver enthält. Tatsächlich zeigt sie von Beginn an einen dominanten aquatischen Zug, der von Zitrusfrüchten und frisch-würzigen Zypressen- und Lavendelnoten flankiert wird. Wer auf die aquatischen Düfte bereits Erde geschippt hat, sollte doch noch einmal innehalten, denn diesem Kandidat gelingt das Kunststück, diese inflationär eingesetzten Noten in neuer Weise zu darzustellen. Dabei werden zwar nicht alle Regeln der Kunst über Bord gekippt, aber mich persönlich überzeugt die Komposition.

Die Frische und Würzigkeit der Kopfnoten, die Weichheit und leichte Holzigkeit der Basisnoten umschließen den aquatischen Ton. Bourbon-Vetiver und rauchiger Vetiver aus Haiti sollen ebenfalls enthalten sein. Ich kann diese ehrlicherweise nicht im Einzelnen identifizieren, ich vermute, dass sie mit der Würzigkeit der Kopfnoten verschmelzen.

Die Duftnoten
Kopfnote: Grapefruit, Bergamotte, Zypresse, Lavendel
Herznote: Aquatische Noten, Muskatnuss, Vetiver
Basisnote: Kaschmirholz, Moschus

Freunde rauchiger und erdiger Vetiverdüfte sollten vielleicht eine Alternative suchen, wer aber einen äußerst angenehmen Duft sucht, der eher im Herrensegment anzusiedeln ist, wird mit „Encre Noir Sport“ genau das Richtige finden. Absolut passend zu den nun endlich steigenden Temperaturen :-)

Liebe Grüße
Harmen

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Weihrauch und Patchouli…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 26.02.2014

von Franck Boclet fehlen uns noch, nachdem wir uns gestern bereits die ersten zwei Düfte angeschaut hatten. Also auf ins olfaktorische Gestürm!

Incense von Franck Boclet und Parfumeurin Mélanie Leroux ist eine würzig-holzige Kreation. Der Weihrauch wird in den Kopfnoten von Kardamom, Zimt, Pfeffer und Rosa Pfeffer umschlossen. Das Herz wird von Benzoeharz erfüllt. Die Basis bietet eine Mischung aus Guajakholz, Sandelholz und Ebenholz, welche die Komposition abrundet und wärmt.“

Die Ingredienzen: Kopfnote: Kardamom, Zimt, Pfeffer, Rosa Pfeffer; Herznote: Benzoeharz; Basisnote: Guajakholz, Sandelholz, Ebenholz.

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Mmmmh! Zimt und Weihrauch – ich frage mich, wieso darauf noch keiner gekommen ist – zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich diese Kombination bereits einmal in einem Duft derart präsent wahrgenommen habe. Dabei ist sie berückend schön: Balsamisch-süßer Zimt von einer durch Pfeffer forcierten Schärfe, der sich mit kühl-aromatischem Weihrauchnebel vermählt. Pudrig und holzig geht es zu, die Basis, auf der unser Pärchen ruht – und Sandelholz tut hierbei sein übriges, indem es die warm-würzige Süße untermalt, von Guajakholz veredelt.

Ein schöner, harziger Holzling ist er, dieser Incense. Einer, der – leichter ist als viele seiner Genossen, was daran liegt, dass die Harzfraktion hier nicht überhand nimmt und zu sehr beschwert. Darüber hinaus lebt Incense seine Ambivalenz, indem er permanent zwischen seiner Weihrauchkühle und jener zimtgesüßt-harzigen Holzwärme oszilliert. Ein Duft, den ich mir sowohl an Frauen als an Männern sehr gut vorstellen kann und der echte Seelenschmeichlerqualitäten besitzt.

Patchouli ist eine Duftkomposition, in der holzig-orientalische Noten von Patchouli, von Zedernholz und Sandelholz getragen werden. Ambra, Benzoeharz und Tonkabohne bringen balsamische und süße Facetten hervor. Am Ende erweitern Vanille und Weißer Moschus die Kraft und Sinnlichkeit des Duftes.“

Die Ingredienzen: Kopfnote: Patchouli, Zedernholz, Sandelholz; Herznote: Ambra, Benzoeharz, Tonkabohne; Basisnote: Vanille, Weißer Moschus.

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Franck Boclet selbst – und sein erster Duft.

Unser Patchouli hier macht keine Gefangenen: Eine wahrlich beschwipste Variante, meine Lieben! Die Kopfnote kommt überaus likörig anmutend daher, erinnert an eine deliziöse kakaobestäubte Patchouli-Honig-Spezialität aus dem Edelalkoholika-Sortiment. Bald darauf allerdings übernehmen die Hölzer das Ruder: Rauchig-knarzig zeigen sie sich und bilden somit einen Gegenpol zu dem eher gourmandigen Auftakt, lassen dessen süße Verlockungen für eine gewisse Zeit in den Hintergrund rücken. Im Verlauf des Duftes schafft dieser spielend die Balance zwischen dem eher spartanisch-puristischem Ernst des Unterholzes sowie der heiteren Unbeschwertheit der Naschkatzenanklänge und offeriert darüber hinaus noch cremige Vanille.

Patchouli ist ein wahrlich hübscher Vertreter seiner Gattung, der für meine Nase auch seltsam-anmutige Akzente gerösteter Erdnüsse aufweist, was ihn zu einem kleinen Unikat macht.

Und, neugierig?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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