Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

777 – Stéphane Humbert Lucas’ „Black Gemstone“

Die Kollektion 777 – Stéphane Humbert Lucas gehört zu denjenigen, die bislang absolut grundlos im Duft-Tagebuch nicht besprochen wurden. Der Franzose ist uns natürlich kein Unbekannter, so kennen wir ihn von den Marken Nez à Nez und SoOud. Als ich das erste Mal „777“ auf dem Tisch hatte, sah mir das sehr nach Zahlenmystik aus. Allen bibelfesten Klosterschülern und Iron-Maiden-Fans ist die Zahl des Tieres 666 als Hausnummer des Antichristen bekannt, die Schnapszahl 777 hingegen steht laut Wikipedia in der Numerologie für die göttliche Vollkommenheit und Gerechtigkeit. Nun, wie dem auch sei, es handelt sich ja in jedem Fall um eine Duftkollektion – wie man unschwer erkennen kann, um eine orientalisch inspirierte.

777

 

shl

Evelyn hat übrigens bei Beauty Mekka schon ausführlich berichtet und wenn Ihr ihre Erstmeinung haben wollt, startet bitte hier.

Black Gemstone“ lautet der Name des ersten Dufts, den ich mir unter die Nase klemme. Ich habe bei dem schwarzen Edelstein auch schon eine Ahnung, worum es sich handeln könnte, auch wenn dies im Produkttext nur angedeutet wird. Black Stone front and side Höchstwahrscheinlich reden wir hier über den berühmten Schwarzen Stein in Mekka, der sich in der Kaaba befindet, dem quaderförmigen Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee. Die Pilger umkreisen die Kaaba und versuchen den Stein zu küssen, zu berühren oder wegen des großen Drängens zumindest mit der Hand in seine Richtung zu zeigen. Woraus der Stein besteht, wurde wissenschaftlich nie genau untersucht. Man vermutet bei dem aus vorislamischer Zeit stammenden Kultstein, dass es sich um einen Meteoriten, um einen Tektiten oder einen Achat handelt.

The AFFICHE

Der Duft ist mir auf den ersten Riecher grundsympathisch. Die ersten beiden Komponenten bestehen aus zitrischer Frische und Holzigkeit. Diese beiden Elemente beginnen daraufhin sich zu verwandeln, zu changieren. Was mit Zedernholz und Zitrone beginnt wird zunehmend um die harzig-balsamischen Noten der Myrrhe bereichert. Daraus entstehen wieder ganz neue Eindrücke: ich meine hier und da Minze wahrzunehmen, Oud oder gar Nadelbaumartiges, was aber laut Duftnoten nicht enthalten ist. Dann stößt man auf die unnverkennbaren Weihrauchnoten – alles stets in einem holzig-harzigen Grundton. Natürlich haben wir es hier mit einem Orientalen zu tun, wie könnte es auch anders sein. Und natürlich ist dieser als Eau de Parfum durchaus kraftvoll ausgefallen. Trotzdem bewahrte Stéphane Humbert Lucas Augenmaß, denn hier ist eine innere Harmonie, eine ausgewogene Komposition spürbar – keine der Ingredienzen haut allzu kräftig zu. Außerdem balancieren die frischen Noten die potenziell schweren und gewaltigen Harze wunderbar aus.

Duftkomposition:
Kopfnote: Zedernholz, Zitrone
Herznote: Myrrhe, Harze
Basisnote: Weihrauch, Teakholz, Tonkabohne

Sicherlich muss man orientalische und harzige Düfte mögen, aber wenn dies der Fall ist, dann wird Euch „Black Gemstone“ begeistern.

Ich bin gespannt auf die restlichen Düfte der Linie und werde hier über meine Entdeckungen berichten.

Liebe Grüße
Harmen

Nachtrag: Da muss einfach Oud drin sein. Oder was meint Ihr? :-)

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Zarkoperfume: Inception & zwei Mal Moleküle bitte!

Drei weitere Düfte von Zarkoperfume erwarten uns heute, nämlich Inception und gleich zwei nach Molekülen benannte Düfte, MOLéCULE 234•38 und PINK MOLéCULE 090•09.

Zuerst: Ich bin ein Chemie-Verlierer. Chemie hat mich, als wirklich einziges Fach, in der Schule nie interessiert, wirklich nicht. Ok, in der Schule später hat mich vieles irgendwann nicht mehr interessiert, weil die Prioritätensetzung einfach eine Verschiebung erfuhr, wovon Harmen auch ein Liedchen singen kann, aber … Nein, Chemie war nicht meines. Vielleicht könnte ich sie heute lieben, die Chemie? Spätestens nach Breaking Bad, einer meiner erklärten Lieblingsserien mit dem Crystal Meth-kochenden Chemielehrer Walt, dem an Krebs erkrankten? Kann schon sein, ging mir zumindest mit Mathematik irgendwann wieder so (Nein, Harmen, Mathe ist KEIN A….loch!). Allerdings bedürfte es da einer näheren Auseinandersetzung damit, einer Vertiefung – dafür fehlen mir, ganz recht, momentan Zeit, Nerven und eventuell auch ein guter “Anleiter”. Ein perfekter Heranführer ans Thema ist zum Beispiel Dr. Philip Kraft, dessen Facebook-Seite ich sehr gerne lese – Scent and Chemistry. Hintergründe zu diversen Düften zu erfahren aus der Perspektive eines Riechstoffchemikers und – notwendigerweise – Duftfans ist für mich immer wieder spannend.

Aber wenden wir uns unseren Düften von Zarkoperfume zu …

Inception orientiert sich an dem gleichnamigen Film von einem meiner Lieblingsregisseure, Christopher Nolan, den man mittlerweile vermutlich schon als Klassiker bezeichnen darf. Habt Ihr ihn gesehen? Wenn nicht, hier ist der Trailer:

“Von der Vielschichtigkeit des gleichnamigen Films inspiriert, ist INCEPTION mit sechs Duftphasen statt den traditionellen drei ein echter Exot.

Wie ein Musiker ein Stück komponiert, so hat Zarko diesen Duft aus sanften, hellen Noten über tiefe, sinnliche bis zu kräftigen, kraftvollen Noten geschaffen. Zusammengestellt aus Ingredienzen höchster Qualität, finden sich Inhaltsstoffe, die Männer und Frauen gleichermaßen anziehen: Zitrusfrüchte, Blüten, Gewürze sowie grüne Noten und weiche Hölzer sind die Bausteine einer außergewöhnlichen Duft-Partitur.”

Die Latte hängt hoch, wenn ich an das Meisterwerk von Nolan denke …

ZarkoperfumeInception

… und Inception weiß durchaus für sich einzunehmen: Ich rieche – Ozon. Eine luftige, leichte Brise, die an mir vorbeizieht, schwebt, rauscht. Frisch, leicht, ätherisch, transparent – Bilder von gewaschener Wäsche evozierend, von Morgen am Fenster, soeben aus der Dusche gestiegen, den Tag noch voller Möglichkeiten noch vor einem.

Inception lässt sich nicht auseinanderklamüsern, er ist mehr Bild, verschwommenes, leicht dahingehauchtes, als ein verdinglichtes Etwas. Zitrisch-frisch, ozonisch-leicht, unbeschwert, dynamisch und anregend mit einem Hauch Aquatischem.

Und unsere Moleküle?

zarkoperfumemolecule

MOLéCULE 234•38 – sechs Jahre Entwicklungszeit –  beinhaltet laut Beschreibung “ein großes Molekül, das mit seinem eigenen Geruch vorherrscht und damit mehr einem Phänomen als einem Duft gleicht.” Iso E Super vielleicht? “Die Zusammensetzung und das Gewicht des Moleküls entspricht der der Haut und deren Umgebung, so, dass der Körper direkten Einfluss auf die Bestandteile des Duftes nimmt. Er entwickelt und verändert sich über einen Zeitraum von zehn Stunden und wird eins mit der Haut. Es war eine große Herausforderung, dieses Molekül mit einem weiteren, leichten und völlig gegensätzlichen Molekül zu einem Duft zu kombinieren, der immer wieder neu und anders duftete. Der körperliche und mentale Zustand des Trägers wirkt sich direkt auf den Duft aus. Diese ständige Interaktion zwischen Mensch und Parfum lässt sich gut als eine Liebesaffäre für ein ganzes Leben beschreiben.”

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Eine Liebesaffäre für ein ganzes Leben? Immer her damit! Mein vorheriges Eingeständnis zwecks meinem chemischen Unverständnis greift bei unseren beiden Molekül-Düften: Ich kann überhaupt gar nichts mit den Zahlen anfangen, die ihnen zugeordnet sind.

MOLéCULE 234•38 enthält ziemlich sicher unser Iso E Super, jenes Wunderstöffchen, das viele schon bei Geza Schoens Escentric Molecules so geliebt haben: Dieses trocken-steinige, sonnengewärmt-holzige, verhalten-süß-würzige Bezaubernde. Was hier sonst noch drin ist? Keine Ahnung. Bisher gefällt mir dieser Duft allerdings mit Abstand am besten. Ein wenig Zitrisches findet sich im Laufe der Zeit noch, allerdings bleibt der Duft, wie der Rest der Linie, sehr hautnah und somit mehr Aura als Parfum.

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PINK MOLéCULE 090•09 ist der Liebling aller Frauen, so scheint es – und das ist nicht weiter verwunderlich, brilliert er doch mit Champagnernoten, genauer gesagt: Rosé-Champagner. Das macht mich äußerst neugierig, liebe ich doch … Rosé-Wein im Sommer, Rosé-Sekt und ja, wenn es die Geldbörse zulässt auch gerne mal Rosé-Schampus.

„Pink Molécule 090.09“ interpretiert die Frische der dänischen Küsten mit der Intensität dunkler Hölzer und wirkt in der Nase wie Rosé-Champagner am Gaumen: Man spürt eine unschuldige, prickelnde Frische, hinter der sich gleichzeitig sehr intensive und sinnliche Noten wahrnehmen lassen. Dieser Effekt hält dauerhaft an. In der frischen der beiden Phasen arbeitet Zarko mit Holunder, Aprikose und schwarzer Orchidee. Der Duft verzichtet ganz auf Herznoten und verstärkt dadurch den dreidimensionalen Effekt durch Mahagoni, Sahne und dunkle Hölzer. Diese Noten vermitteln durch ihre unglaubliche und lang anhaltende Frische einen spannenden, überraschenden und völlig innovativen Eindruck. „Pink Molécule 090.09“ – eine Kreation voller Kontraste, welche eine elegante Harmonie verströmen.”

Eine wollüstige Beschreibung dank Harmen und dem Pressematerial des Hauses … und schwupps ist das pinkfarbene Molekül schon auf meine Haut gewandert: Beerig und seifig duftet es, darüber hinaus nehme ich Noten von Aprikose oder Nektarine in Kombination mit fruchtiger Rose wahr. Saubere Frische, feminin und leicht, von einer leisen Herbheit geküsst und von sanfter cremig-salziger Kühle. Für viele sicherlich der perfekte, sinnliche Sommer-Hauterfrischer, der auch zu anderen Jahreszeiten seinen Zweck erfüllen wird.

Habt Ihr schon getestet? Und – wie haltet Ihr es mit “Molekül-Düften”?

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch,

Eure Ulrike.

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Zarkoperfume …

Geschrieben in Duft,Holziges,Reines und Pudriges am 11.09.2014

… müssten eigentlich ein gefundenes Fressen für meinen lieben Kollegen Harmen, unseren promovierten Skandinavisten sein: Dem “Nordic Way of Life” fühlt sich die dänische Marke verpflichtet, deren Parfumeur Zarko Ahlmann Pavlov, ebenfalls Modeschöpfer, seiner Auskunft nach einige Jahre der Entwicklung widmete:

zarkoel1„Über fünf Jahre habe ich in mein Studium zum Parfümeur investiert, um den einzigartigen nordischen Lifestyle in Form einer Duftlinie zu repräsentieren. Meine Leidenschaft besteht darin, besondere Duftmoleküle mit der klassischen, französischen Duftkunst zu kombinieren – und das nur mit den besten Inhaltsstoffen – für mich ist das die Kür. Aktuell bin ich der erste und einzige dänische Parfümeur und sehe im Entwickeln und Produzieren eines Parfums einen lebenslangen Lernprozess. Parfum ist wie ein Kunstwerk, wie ein Gemälde auf einer Leinwand oder wie ein komponiertes Musikstück. Es sollte rein um den Duft, die Essenz gehen, nicht um das Marketing oder aufwändige Verpackungsrituale und so präsentiert sich Zarkoperfume – reduziert und fokussiert auf das Wesentliche.“

Schon länger tummeln sich die mittlerweile fünf Düfte von Zarkoperfume bei uns im Shop, die ich Euch die nächsten beiden Tage vorstellen mag. Das Besondere an den Düften ist, folgt man den Angaben des Herstellers, deren Zusammensetzung: Synthetische Moleküle in Kombination mit Natur. Die Parfums verfügen deshalb wohl nicht über den klassischen Aufbau in Form einer Duftpyramide, vielmehr verbinden und entfalten sich die natürlichen Bestandteile, schneller verblassend, mit den synthetischen Molekülen, gleichbleibend in Intensität und Charakter, und schaffen so eine Aura auf  und um die Haut des Trägers, die im Zusammenspiel mit dem Duft ebenfalls ihr Eigenleben zeigen kann. Soviel zu einem Duftkonzept, das von vielen Menschen und Medien als eines der Zukunft bezeichnet wird. The Future is now – nämlich jetzt sofort, wenn ich Euch e’L und Oud’ish vorstellen werde.

zarkoel

e’L ist “für die Frau entworfen, die sich in der Hektik des Alltags behauptet, und die sich Luxus ganz bewusst gönnt.”  Hektik des Alltags? Kenne ich. Oder meine ich zumindest zu kennen. Behaupten? Na klar, als mehrfache Katzenmutter und ständig An-mehreren-Baustellen-gleichzeitig-Kämpfende kann ich das schon von mir behaupten. Und Luxus bewusst gönnen? Ich erzähle an dieser Stelle lieber nicht, wie viele Parfums, Bücher, Schuhe ich mein Eigen nenne … Und Ihr so? ;)

“Nordisch. Pur. Frisch” – so soll er sein, der Duft; oder vielmehr sie, die Trägerin, die ihn auf ihrer Haut genießen darf. Grüner Tee, Granatapfel und “tiefe, sinnliche Noten” sollen enthalten sein, die aber dennoch nicht schwer wirken … Meine Haut offenbart … Ozoniges. Luft, Transparenz. Kühle gepaart mit einer metallisch-dumpfen Süße, die nichtsdestotrotz federleicht erscheint. Salzige Noten auf der Haut einer jugendlichen Schönheit, soeben dem nahen Meer entstiegen und eine leichte Gänsehaut an den Tag legend in der frischen Brise trotz freundlich gesinnter Sonne? Ja, so ungefähr, das passt für mich. Sommersprossen auf der Haut. Selbstgemachter Eistee, denn Teenoten erkenne ich mittlerweile deutlich auf meinem Handrücken – des weiteren scheint sich Minzig-Kräuteriges dazwischengemogelt zu haben. Erfrischend und gleichzeitig wohlig umhüllend.

Beauty Is In The Eyes Of The Beholder

Oud’ish ist, na wem wohl gewidmet? Dem Oud, natürlich. “In Reinform nach süßem Holz und Waldboden” riechend soll Oud’ish nach indischem Grüntee, Ambra, weißem Moschus und Oud duftend eine Hommage an diese kostbare Ingredienz darstellen.

zarkooudish

Oud’ish präsentiert sich holzig-balsamisch – und diese Facette des Duftes besitzt eine animalisch-karamellige Ausrichtung, die an Oud erinnert, genauer an Le Labos Oud 27, eine extreme Light-Variante desselben. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass Oud’ish wirklich (viel) Oud enthält. Vielmehr duftet das Parfum so, als ob man seine Nase über die Haut einer wunderschönen und gepflegten frisch geduschten und eingecremten Frau gleiten lässt – und aufgrund der Duftspuren Rückschlüsse auf ihren temperamentvoll-leidenschaftlichen Lover ziehen kann ;) Das ist irgendwie schon sehr sexy ;)

I will Overcome

Morgen sehen wir uns die verbleibenden zwei Düfte von Zarkoperfume an – bis dahin alles Liebe und viele Grüße,

Eure Ulrike.

 

 

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Roja Parfums – Stille Statements mit „Unspoken“ und der Draufgänger „Reckless pour Homme“

Roja Parfums haben ja die liebe Uli vor einiger Zeit bereits beschäftigt. Nun bin ich an der Reihe, Euch vier weitere edle Essenzen vorzustellen, die in gut verdaulichen Happen paarweise gereicht werden. Heute stelle ich Euch „Unspoken“ und „Reckless – Parfum pour Homme“ vor,

Zu „Unspoken“ weiß der Meister selbst folgenden Satz beizutragen:

„Wessen Herz macht nicht einen Hüpfer, wenn uns jemand Besonderes ins Auge fällt? Ein Blick, so vielsagend, ohne ein einziges Wort. Parfum kann dies besser als alles andere zum Ausdruck bringen, deshalb kreierte ich eine klassische Chypre-Struktur und legte zusätzlich eine unerwartete Überdosis Jasmin darauf. Dieser Duft erobert unsere Aufmerksamkeit und spricht ohne Worte – ganz mühelos.” Roja Dove

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Wenn es keiner Worte bedarf … ich bitte um Euer Verständnis, dass ich diesem Diktum hier natürlich nicht folgen darf, da dieser Beitrag sonst leer bliebe und ich damit wiederum bei Euch verehrter Leserschaft für sprachloses Entsetzen sorgen würde.

Ein unbekannter, sich mit „hb“ abkürzender Meister des 20./21. Jahrhunderts verfasste zu „Unspoken“ folgende Zeilen:

Dieser warme, trockene, aber auch süße und weiche Duft trägt Aldehyde und Bergamotte in den Kopfnoten. Die von Dove erwähnte Chypre-Struktur mit einer Überdosis Jasmin beherrscht die Herztöne, flankiert von Neroli, Rose und Ylang-Ylang. Die Basis wurde überaus reich und vielseitig ausgestattet, wovon die Vielzahl der angegebenen Duftnoten kündet: Vetiver, Zedernholz, Ingwer, Eichenmoos, Patchouli, Gewürze, Grüne Noten, Sandelholz, Ambra, Vanille, Harze, Iris, Labdanum (Zistrose). „Unspoken“ vermittelt das Ungesagte ohne Worte – wir verstehen.

Dem kann ich – wie sollte es auch anders sein – nur zustimmen. Angesichts der Duftnotenanzahl noch ein paar ergänzende Worte. Vereinfacht gesagt: Die Jasmin-Weißblüher-Komponente hat hier definitiv das Heft in der Hand. Der frische und würzige Kopf lässt mich sehr an helle scharfe Gewürze wie Zimt oder Gewürznelke denken. Dem steht als Kontrast eine opulente Basis gegenüber, die entschieden wachsige Lippenstiftnnoten und Puderquastenakzente mitbringt. Je mehr Zeit man dem Duft gibt, desto mehr Noten lassen sich nach und nach entschlüsseln, hier und da eine Holznote, da etwas Grünes oder Gewürziges. Meine Damen, ein Duft für den großen Auftritt, der alle sprachlos machen wird – eine Statement, das keiner Worte bedarf.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Aldehyde, Bergamotte
Herznote: Jasmin, Neroli, Rose, Ylang-Ylang
Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Ingwer, Eichenmoos, Patchouli, Gewürze, Grüne Noten, Sandelholz, Ambra, Vanille, Harze, Iris, Labdanum (Zistrose)

Meine Herren, damit Ihr heute auch zum Zuge kommt, folgt nun der zweite Duft von Roja Dove mit dem Namen „Reckless – Parfum pour Homme“. Reckless ist nun nicht unbedingt ein schmeichelhafter Begriff, den wir uns gegenseitig ins Poesiealbum schreiben würden. So umfasst er in deutscher Zunge Bedeutungen von „rücksichtslos“ und „waghalsig“ bis hin zu „unbekümmert“, „sorglos“ und „unbesonnen“. Was zum Geier hat sich Roja Dove also dabei gedacht?

„Ich stellte mir einen unwiderstehlichen, dynamischen Mann vor, der immer bekommt, was er will, und keine Risiken scheut. Waghalsig ja, aber niemals dumm.“ Roja Dove

reckless_pour_homme

Irgendwie muss ich bei dieser Beschreibung an Bear Grylls denken. Vielleicht kennt Ihr den verrückten Kerl von seinen Sendungen auf DMAX, ein Survival-Experte, der in seinen Sendungen zeigt, wie man Extremsituationen überlebt. Die dazu notwendigen Techniken locken einen dabei nicht gerade von der Couch, aber wenn man sich in Lebensgefahr befinden würde … würde man vielleicht auch einen Skorpion essen …?

Coventry Scouts groups have a visit from Bear Grylls

Unbekümmert und risikofreudig geht der Duftverlauf von Beginn an in die Vollen. Bergamotte, Zitrone, Lavendel und Lorbeer sorgen für eine maskulinen, zitrisch-würzigen Start, welcher vom Herzen mit Wermut passend aufgegriffen wird. Jasmin und Rose steuern hier lediglich leise Akzente bei. Die Basis unterstreicht den dynamisch-männlichen Charakter des Duftes nochmals. Hier sind es vor allem holzige Akzente und frische Gewürznoten, die dieses duftende Statement abschließen. Ein chypreartiger, warmer und auch trockener Duft, der zugleich aber frisch-würzig, sanft und sinnlich ist.

Als wagemutig, im Sinne einer avantgardistischen Duftkreation, kann man „Reckless“ nicht bezeichnen. Aber dass er eine unverkennbar dynamische Seite besitzt, ist nicht zu bestreiten. Die insgesamt herben, krautigen und holzigen Noten versprühen eine angenehme, keineswegs übersteigerte Männlichkeit – sehr angenehm, intelligent, kultiviert mit dem richtigen Schuss Wildheit.

Die Duftkomposition:
Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Lavendel, Lorbeer
Herznote: Wermut, Jasmin, Rose
Basisnote: Zypresse, Zedernholz, Sandelholz, Vetiver, Eichenmoos, Zimt, Gewürznelke, Kardamom, Schwarzer Pfeffer, Ingwer, Tonkabohne, Styraxharz, Labdanum (Zistrose), Iris, Moschus

Kennt Ihr die beiden schon? Was meint Ihr?

Es grüßt Euch
Harmen

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Nicht in den Wind geschrieben: „Wind Wood“ und „Sail“

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden,Holziges,Krautiges am 29.08.2014

„Wer Wind sät, wird Duft ernten“ – dachten sich die kreativen Köpfe bei Mancera und lancierten vor einiger Zeit den Duft „Wind Wood“, den ich Euch heute in diesem konsequent durchwehten und thematisch hart am Wind segelnden Artikel vorstellen möchte. Wie Ihr auf dem Bild unten seht, machte auch der Grafiker keine Gefangenen und ließ kurzerhand einen Windstoß durch das Zutatenstillleben fahren.

Wind Wood

Diese Zutaten werden wie folgt angegeben:
Kopfnote: Mandarine, Rosa Pfeffer, Grüne Noten
Herznote: Veilchen, Patchouli
Basisnote: Vetiver, Texas-Zedernholz, Eichenmoos, Ambra, Leder, Weißer Moschus

Wer nun einen windigen Gesellen erwartet, wird nicht enttäuscht. Zitrische und pfeffrig-würzige Windböen wehen durchs Bild. Danach wird es grün in schöner Grasigkeit, was durch das Herz aus Veilchen und Patchouli natürlich an Volumen gewinnt. Von den vielen Basisnoten ist es vor allem der von Holz unterlegte Moschus, der in Erscheinung tritt, um dem luftigen Geist dieses Dufts Auftrieb zu verleihen. „Wind Wood“ ist ein Duft, der auf den ersten Riecher wenig innovativ erscheint, so kennt man ja die Zitrus-Pfeffer-Grün-Kombination und Fougère-Anleihen zur Genüge. Spannend wird er erst in der weiteren Entwicklung, wenn er förmlich abzuheben scheint. Mit luftig leichten und fast schon sauberen Eindrücken. Die richtige Wahl, wenn es einmal in Sachen Parfums leicht und unbeschwert zugehen soll.

Jetzt kommen wir zur grandiosen Überleitung vom Wind zum Segeln. Das Haus Acqua di Portofino hat ebenfalls vor Kurzem einen neuen Duft namens „Sail“ eingeführt. Ich würde jetzt so einiges geben, aus diesem verunglückten August an ein malerisches Mittelmeerdörfchen wie Portofino zu fliehen. Aber dann stellt Euch auch niemand neue Düfte vor. Also opfere ich mich für die verehrte Leserschaft.

Lighthouse portofino

Mit dem Meer vor der Tür böte sich das Segeln absolut an. Als Süßwassermatrose habe ich schon das eine oder andere Ruderboot in die Seerosen gesetzt, ansonsten fuhren wir im Rahmen eines Seminars einmal in einem Nachbau eines historischen Wikingerschiffes hinaus – da hieß es segeln und rudern – ganz auf den Spuren der Nordmänner mit flexiblem Eigentumsbegriff.

ACQUA DI PORTOFINO Sail Edp

Im Produkttext zu „Sail“ wird das Segeln regelrecht zu einem Lebensgefühl und einer zu Lebensphilosophie verklärt:

„Segler haben sich für einen unverkennbaren Lebensstil entschieden oder wie es der italienische Philosoph Benedetto Croce formulierte: ‚die Vereinigung des Tumults mit der Ruhe, dem Puls und der Leidenschaft des Geistes.‘ Diejenigen, die segeln, sind Auserwählte, angetrieben von einer Welle der Lebenskraft, nicht den Ankern des Lebens unterworfen, atmen sie die Gedanken des endlosen Alls und die Impulse der ewigen Wellen.“

Wie duftet nun dieser Segeltörn? Ich bin freudig überrascht, nicht auf einen der unzähligen aquatischen Düfte zu stoßen: Hier geht es gleich mit Eukalyptus-Frische und dunkelgrünen, salzigen Meeresnoten los.

Kopfnote: Eukalyptus, Maritime Noten
Herznote: Geranium, Jasmin, Thymian
Basisnote: Weißer Moschus, Patchouli, Tonkabohne

Geranium und Jasmin darf man sich als äußerst zurückhaltende Gesellen denken, Thymian steuert Krautigkeit bei. Gerade die Mischung aus Moschus und Eukalyptus bildet eine ganz interessante Spannung. „Sail“ ist ein Duft für Segler und für alle, die das Meer lieben.

Hängt die Nase in den Wind! :-)

Liebe Grüße
Harmen

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Zwei Attars …

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Grünes,Holziges am 28.08.2014

… sind für den heutigen Tag noch übrig von Al Kimiya. Und weil Attars nicht so häufig sind, frage ich Euch: Wer hat ein Faible dafür? Wer trägt gerne welche, welche habt Ihr?

elixir_1Parfumöl in hoher Konzentration – das ist Attar. Auf dem Nischenduftmarkt gibt es verhältnismäßig wenige Hersteller, die Attars im Programm haben. Amouage brillierte lange Zeit mit einer leider sehr schwer erhältlichen Kollektion, die aber mittlerweile leider wohl komplett eingestellt wurde. Leider, weil es dabei einige wirklich traumhaft schöne Düfte gab. Und das, obgleich ich, wie ich ehrlich sagen muss, kein ausgesprochener Freund von Parfumölen, vielmehr generell: Ölen bin. Ich mag die Konsistenz nicht auf der Haut, irgendein frühkindliches Trauma vielleicht, ich habe keine Ahnung ;) Gott sei Dank benötige ich vom Hauttyp nichts dergleichen, einzig Haaröle werden von mir verwendet und auch die Anwendung jener nötigt mir eine gewisse Überwindung ab.

Meine diesbezügliche Präferenz soll mir, soll uns allerdings nicht den Test unserer zwei heutigen Kandidaten beeinflussen, die auf die Namen Elixir und Tempest hören.

Elixir hängt die Latte namenstechnisch natürlich hoch:

“Das Elixier, auch bekannt als Lebenselixier oder Elixier der Unsterblichkeit, wird oftmals mit dem Stein der Weisen gleichgesetzt. Durch viele Kulturen hinweg gibt es die Vorstellung von einem solchen Trank, der richtig zubereitet und zur richtigen Zeit genossen, ewiges Leben und ewige Jugend verleihen soll.”

Elixier, Lebenselixier, Elixier der Unsterblichkeit – das hat schon viel vom heiligen Gral. Ob Elixir ein solcher für mich wird? Die Zutaten des Zaubertrankes: Kopfnote: Florale Noten, Copahu-Balsam; Herznote: Basilikum, Wacholder, Nagarmotha, Labdanum (Zistrose); Basisnote: Adlerholz (Oud), Labdanum (Zistrose), Gurjunbalsam, Ambra.

Was sehen meine wunden Augen da? Nagarmotha, nochmal. Und Oud. Für mich, wie dieser Tage bereits erwähnt, immer eine unheilvolle, meist süchtig machende Kombination …

War ja klar … ausgerechnet ein Attar muss mir jetzt noch den Kopf verdrehen. Al Kimiya schicken sich an, meinen Doktorandengeldbeutel zu leeren, vielen Dank auch! Liebe Leser, auch wenn ich hier immer so schön als Chefanfixerin tituliert werde, das heißt nicht, dass ich nicht selbst auch “Opfer” bin! Glaubt mir, wenn ich es schaffe EUCH zu infizieren, dann gehe ich mir zuallererst in schöner Regelmäßigkeit auch selbst hilflos auf den Leim.

Lisi Jar

Elixir könnte zu meinem Lebenselixier werden, in der Tat – und das liegt ganz maßgeblich an dem wundervollen Trio aus Oud, Nagarmotha und Wacholder. Elixier zeigt deutliche Oudnoten, rauchig-holzig und medizinisch-feucht, aber kühl, was dem Duft einen erhabenen Charakter verleiht. Elixier erinnert mich an einen majestätischen Wald, an die Ruhe, die man dort finden kann. Kontemplation. Elixier ist beruhigend, beschützend, vertraut. Und entwickelt, je länger er auf der Haut ist, auch eine schöne, verhaltene und subtile Wärme dank seiner Harze, die dem eigentlich eher kühlen Duft allerdings sein Naturell beibehalten lässt.

Elixir ist schlicht – herrlich. Und für mich vermutlich ein Must-Have.

Tempest, unser zweiter Duft, ist eine Verneigung vor Shakespeare:

“The Tempest (dt. „Der Sturm“) ist das letzte Werk des vermutlich größten Dramatikers aller Zeiten, William Shakespeare. Es ist von alchemistischer Bildsprache geradezu durchdrungen (sterbende Könige und Söhne, Ariel als Geist Mercurius usw.) mit Prospero als Archetyp des Magiers.”

Und, schon wieder – Nagarmotha und Oud, darüber hinaus: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Orange, Petitgrain, Lavendel, Elemiharz, Ingwer; Herznote: Zedernholz, Nagarmotha, Gurjunbalsam, Cashmeran, Jasmin, Rose; Basisnote: Patchouli, Sandelholz, Vetiver, Moschus, Ambra, Adlerholz (Oud).

Miranda - John William Waterhouse

“O, wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world, That has such people in’t! ” heißt es im Sturm – und auch, wenn mir dieser Blick auf die Welt und die Menschheit nicht immer gelingt, Tempest hilft dabei: Auch dieses Öl ist wundervoll. Die Frische von Nagarmotha verschmilzt mit derjenigen der Hesperiden, die durch Ingwer fruchtige Herbheit gestiftet bekommen. Rose unterstreicht und verstärkt, während Jasmin zart weißblühend cremt. Ein Hauch ernst-krautigen Lavendels, holzig-knarzig-rauchiges Oud von kühlem Charakter und eine Basis, die sauber, seidig-wassergleich, holzig und verhalten grasig untermalt.

Tempest ist ein wahres Fest, eine jener kühlen und komplexen Oudschönheiten, die leider so selten sind. Trotz allem ziehe ich den Wald vor, Elixir, von dem ich verzaubert bin. Und Ihr?

Einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Nachtrag – Mist … Tempest wird, je länger er auf der Haut ist, auch immer schöner … Ob ich noch zum Attar-Fan werde?

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Maskuline Urlaubsnostalgie – „Spanish Cedar“ von Czech & Speake

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges,Krautiges am 19.08.2014

Mal wieder etwas Neues von Czech & Speake! Die letzten Rezensionen zu dieser Marke liegen buchstäblich Jahre zurück. Im November 2011 nahm ich mir den Hochschulduft „Oxford & Cambridge“ zur Brust und im April des gleichen Jahres zusammen mit Mariela (in der Kategorie „Die Schöne und das Biest“) „Citrus Paradisi“ und „Cuba“.

spanish_cedar_box

Dieser Neuling hört auf den Namen „Spanish Cedar“ und passt thematisch bestens in die jetzige Urlaubszeit, denn Frank Sawkins, der Gründer von Czech & Speake, ließ sich bei der Kreation dieses Duftes von alten Urlaubserinnerungen leiten, aber lest selbst:

Bultaco Astro

„Bei diesem Duft stammt die Zeder zwar nicht aus Spanien, aber meine Inspiration hat mit Spanien zu tun. Urlaubserinnerungen an Menorca, als ich ein junger Mann war, auf meinem Bultaco-Motorrad durch sandige Buchten, sonnenverbrannte Kiefern und Zedern verströmten ihren unvergesslichen harzigen Geruch. Dieser Duft ist eine Erinnerung an jene Tage und diese Version, die ich kreierte, besteht aus einer Mischung aus Hölzern, Harzen, rauchigen Noten, ausbalanciert mit zitrischen und pikanten Noten.“

Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte
Herznote: Pflaume, Brombeere, Gewürznelke, Galbanum
Basisnote: Virginia-Zedernholz, Sandelholz, Guajakholz, Birkenteer

Schon nach kurzer Zeit merke ich, dass das auf dem Teststreifen nichts wird. Irgendwie zitrisch, irgendwie klassisch … Auf der Haut wird einiges klarer. Bergamotte, zitrisch und herb und dazu die pfeffrig-scharfen Noten der Gewürznelke und als dritte Hauptkomponente natürlich das Zedernholz. Um diese drei ranken sich grün-balsamisches Galbanum, Sandelholz, erdiges Guajakholz und ein Hauch Birkenteer. So entsteht tatsächlich der Eindruck von Hölzern und Harzen – die ebenfalls angegebenen Pflaumen und Brombeeren lassen sich nicht aufspüren.

Menorca-typischer-Privatweg

Irgendwie habe ich mir unter „Spanish Cedar“ etwas anderes vorgestellt, vielleicht mehr bleistiftspitzerartiges Zedernholz. In jedem Fall lohnt es sich, zweimal zu riechen, denn der zitrische Auftakt gaukelt der Nase Altbekanntes vor, ist er aber erst einmal verflogen, zeigt sich das hölzerne Innenleben mit einem satten harzig-maskulinen Hauch. Ja, maskulin, ich denke, dass man hier getrost einmal die Herrenschublade aufmachen darf – Wanderer zwischen den Welten sind natürlich wie immer willkommen.

Viele Grüße von
Harmen

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Our summer draw goes into extra time!
Unser Sommergewinnspiel geht in die Verlängerung!
Riecht wie bei Oma im Schrank? Im Gegenteil!


Von Zeder, Iris, Tuberose und Vetiver …

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes,Holziges am 8.08.2014

… erzähle ich Euch heute: Cèdre Blanc, Iris Tubéreuse und Vetiver Geranium heißen sie, die drei Kandidaten der Creedschen Acqua Originale-Kollektion, die ich Euch noch schuldig geblieben bin.

Beginnen wir mit der Zeder:

“An ode to the intense green accords of the American forests, this juice captures the woodsy floral scents found in the untouched beauty of the Blue Ridge Mountains in Virginia adored by Olivier.”

creedcedreblanc

Ob er wohl gerne wandert, der junge Spross der Creeds? Ausgangspunkt sind also amerikanische Berge, was in Anbetracht von Zedernholz durchaus Sinn ergibt, zumal die aus Virginia stammenden Zedern ohnehin als besonders aromatisch gelten. Die restlichen Ingredienzen, die dieselbe begleiten: Kopfnote: Bergamotte, Kardamom, Galbanum, Lorbeer; Herznote: Geranium, Lilie, Jasmin; Basisnote: Zedernholz, Sandelholz, Vetiver.

Grün-fruchtig und zitrisch wartet Cèdre Blanc zu Beginn auf – herber Lorbeer, angestrahlt von säuerlich-prickelnden Zitrusfrüchten und verstärkt durch bitter-grünes Galbanum. In diesem grünen, schillernden Dickicht vermag ich allerdings auch Brechungen zu entdecken – wir haben es hier nicht mit einem grünen Dampfhammer zu tun, Cèdre Blanc ist fragiler, komplexer, lässt wässrige, nicht aquatische Anklänge entdecken und, wenn man länger wartet, treten auch Blüten zum Vorschein. Irgendwo auf dem Waldboden blühend, von der Sonne, die durch das Blätterdach scheint, beleuchtet. Minzige Noten von Geranium und helle, zarte Weißblüher ohne jegliche indolische Anklänge, dafür sauber und unschuldig anmutend (ja, Weißblüher!). Die Zeder greift exakt jene Facetten auf, untermalt die saubere Frische des Duftes, die taunasse, und stiftet ernste holzige Akzente. Sandelholz nehme ich bewusst überhaupt nicht wahr, Cèdre Blanc offenbart zwar einen Hauch Würze und latenten Sonnenschein in Form von einer gewissen, sehr zurückhaltenden Wärme – aber wirklich sandelig geht es hier nicht zu. Und der Vetiver grast und raucht lediglich zurückhaltend in das Grün hinein.

Alles in allem ist Cèdre Blanc mehr Gemälde als monothematische Ode an die Zeder, was dem Duft meiner Meinung nach sehr Gut zu Gesicht steht. Er hat eine gute Sillage und ist sowohl für Männlein als auch Weiblein bestens geeignet.

Weiter geht es mit Iris Tubéreuse:

“A shimmering white floral that combines the romance of Tuscany and the exotic allure of India – bringing together two of Olivier’s favorite places in one luxurious juice.”

IRIS TUBEREUSE (2)

Darüber hinaus steht zu lesen:

“Sanft und erfrischend wie ein Kuss, tief und berauschend wie die Liebe … und sofort jedem vertraut, der schon einmal das Emporranken von Wurzeln, dem Licht entgegen, erlebt hat. Maiglöckchen und königliche Lilie blühen auf unter Orangenbäumen und Veilchenblättern – und sinnlich ausschweifender Vanille. Iris-Tuberose erfüllt die Luft mit ihrem charakteristischen, den Garten erfüllenden Duft und irritiert das Auge mit ihrer diffus erotischen Aura. Gluterfüllte, wirbelnde Schwindel legen die Fundamente für eine aus der Zeit gefallene, ebenso wunderschöne wie sinnfreie „Histoire d’amour“ …”

Iris und Tuberose als Duft der Liebe? Ich weiß nicht. Diffus-erotische Aura – ja, da komme ich schon eher mit. In einem Duft? Mmmmhh … Aber – es funktioniert. Und zwar ziemlich gut und, wie ich finde, dank eines Maiglöckchens und der Hilfe von Lilien. Galbanum stiftet herb-bittere grüne Anleihen, was mich anfänglich an die Gewächshaustuberose von Etro erinnert, an Royal Pavillon, siehe hier. Dieser Eindruck rückt schnell in den Hintergrund, den Blumen die Bühne überlassend: Nach wie vor dämpfige Tuberose im Einklang mit zart-reispudriger Iris, sauber-frischem Maiglöckchen und betörender Lilie. Die Basis versöhnt und verführt: Orangenblüte, Moschus und Vanille – wer diese Zutaten kennt, vermag sich den Twist vorzustellen. Moschus, watteweich und warm, nektarsüße Orangenblüte und köstliche Vanillecreme – ein perfekter Abschluss für das schöne Bouquet!

Vetiver Geranium ist unser letzter Kandidat:

“The Island of Java, Olivier’s favorite destination east of Bali and just south of the equator, served as inspiration for Vetiver Geranium.”

creedvetivergeranium

Java – woher sonst kommt es auch, das beste Vetivergras, das von mir so verehrte?

“Die Schatten von Bäumen leiten uns ins Herz des Waldes, die Augen noch von der Sonne erhitzt. Geranium, Zedern und wilde Apfelbäume schmücken eine Lichtung, auf der sich Düfte und Aromen, stille Wasser und Wildrosen in der Erinnerung miteinander verweben. Um die Lichtung herum erfüllen Myriaden geheimnisvoller Düfte die Luft: holzige Zederntöne, belebend balsamisches Patschuli und – als olfaktorisches Dessert nach Ambra – eine Ahnung von köstlichem Zimt. Man möchte den ganzen Tag hier verbringen und geheimste Wünsche befriedigen: All diese sich wechselseitig immer wieder aufs Neue unterwerfenden Düfte fluten unsere Erinnerung mit hellgrün tänzelnden Flammen …”

Ach Mensch, dieser Vetiver zaubert mir sofort ein Lächeln ins Gesicht – besonders ist er, ein Unikat. Und besonders … schön! Er ist kühl, er ist zitrisch, er ist salzig, er ist auf sehr dezente Weise rauchig – das ist alles nichts Neues. Aber: Hier hat man etwas anders gemacht, vielmehr ein paar Zutaten verwendet, die nicht der Regel entsprechen bei Vetiverdüften – Apfel, Zimt und Rose.

Grüner Apfel harmoniert ganz köstlich mit Vetiver, meine Lieben! Frische Fruchtigkeit trägt er bei, die den dynamischen Charakter des Duftes hervorragend betont. Geranium sorgt für minzige Anklänge, das Röslein haucht zusätzliche fruchtige Frische ein und die Basis stiftet weiche, dezente Wärme, die kokett von süß-scharfem Zimt kontrastiert wird.

Ein schöner, kühler und moderner Vetiver, zeitgemäß und zeitlos, der sowohl Frauen als auch Männern sehr gut steht. Für mich ist er eine Überlegung wert, denn derlei (Vetiver)Düfte kann man eigentlich nicht genug haben!

Ein schönes & warmes Wochenende wünscht Euch

Eure Ulrike.

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Hayari – ein starkes Herrenduo – Ledersitze und Earl Grey?

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes,Hesperiden,Holziges,Krautiges,Leder am 5.08.2014

hayari

Zwei neue Herrendüfte aus dem Hause Hayari sind unlängst bei uns eingetroffen. Die Proben kamen in zwei ansehnlichen kleinen Briefumschlägen mit Visitenkarte. Da bekam ich gleich Lust zu testen.

Faszinierend, exquisit, zeitlos … dieses zweiteilige Gemälde von HAYARI Paris zeigt zwei handgearbeitete Männerdüfte, die in Zusammenarbeit mit Frauen
entwickelt wurden, die selbst diesem anziehenden und verführerischen Zauber verfallen sind.

Holz und Leder wurden sich gegenübergestellt und kombiniert, um die zwei Seiten der Persönlichkeit auszudrücken. Das Duo enthüllt zwei Arten von Emotionen, so wie sich die Noten beider Parfums zugleich voneinander lösen und ineinandergreifen.

Le Paradis de l’Homme – darf ich das als Männerparadies übersetzen? Dabei stelle ich mir bei einem Männerparadies eher einen begehbaren Bierkühlschrank wie in der Werbung unten vor oder andere Aktivitäten …

paradislhomme
„Le Paradis de l’Homme“ ist ganz nach meinem Geschmack. Am Anfang trockene Pfeffernoten, herbe, wurzelige Vetivernoten und ebenfalls trockene Hölzer, unterlegt von weichem Leder. Ja und wenn ich mir diese Ingredienzen so ansehe, dämmert mir, was hier gemeint sein könnte. Ledersitze, Holzverkleidung, pfeffrig blitzendes Chrom … Ich weiß zwar nicht genau, ob das wirklich Dorothée Piots Vision war, denn schließlich ist der Auftraggeber ein Modehaus, aber denkbar wäre es. Vor allem auf der Haut setzt sich das Leder zunehmend durch, ein weiches, edles Leder, durch Moschus und Eichenmoos veredelt. Kein Kracher übrigens und meines Erachtens absolut unisex. Ach was soll es. Ich bleibe bei einem schönen klassischen Auto. :-) Wer mir eine große Freude machen möchte, darf mir gerne neben „Le Paradis de l’Homme“ noch folgendes Auto vor die Tür stellen ;-)

1968 Dodge Charger R-T - Flickr - Highway Patrol Images

Duftkomposition
Kopfnote: Pfeffer
Herznote: Vetiver, Atlas-Zedernholz, Papyrus
Basisnote: Leder, Moschus, Sandelholz, Eichenmoos

onlyforhim
War „Le Paradis de l’Homme“ schon klar unisex, entfernen wir uns mit Only for Him noch weiter von den maskulinen Duftkonventionen. Beschrieben wird der Duft u. a. wie folgt:

Als Glücksbringer, Symbol der Liebe und Tradition korrespondiert das Maiglöckchen mit der Bergamotte, um Sie auf die Terrasse des Café de Flore zu versetzen, im legendären Pariser Viertel Saint‐Germain‐des‐Prés, auf eine romantische Tasse Earl Grey.

Mein Eindruck vom Teststreifen: Als Earl-Grey-Liebhaber muss ich Einspruch einlegen. Ob es vielleicht an den weißen Blüten liegt, aber die angegebene Bergamotte zusammen mit Grapefruit nehme ich als viel fruchtiger und süßer wahr und würde sagen, dass es eher in Richtung Lady Grey – mit Orange aromatisiert – geht. Wüsste ich es nicht besser, würde ich hier sogar die Gourmand-Schublade aufmachen.

Mein Eindruck auf der Haut: Hier kommen erst die holzigen, balsamischen und leicht rauchigen Noten heraus, sodass ich nun verstehe, warum „Only for Him“ ein Herrenduft sein soll. Ein doch ziemlich weites Spektrum, das der Duftverlauf hier hinlegt. Beim Testen rate ich deswegen dringend zu direktem Hautkontakt mit diesem charmanten Herrn.

Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, Elemiharz, Schwarzer Pfeffer
Herznote: Rose, Weiße Blüten, Papyrus
Basisnote: Atlas-Zedernholz, Guajakholz, Ambra, Benzoeharz

Café de Flore 01

Beide Kreationen gefallen mir ausgesprochen gut. Die beiden neuen Herrendüfte von Hayari werden aber sicher auch ihre weiblichen Fans finden, da bin ich mir sicher.

Liebe Grüße
Harmen

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Drei Düfte für ein Halleluja! Mazzolaris „Vaniglia“, „Nero“ und „Augusto“

Geschrieben in Duft,Gourmand,Hesperiden,Holziges am 30.07.2014

Manchmal lohnt es sich, den virtuellen Staub von älteren Artikeln im Archiv des Duft-Tagebuchs zu wischen. Man findet allerhand Unterhaltsames.

Wer in letzter Zeit unseren Shop besucht hat oder uns bei Facebook im Auge behält, weiß schon längst, dass wir drei neue Düfte von Mazzolari an Bord haben. Dank der spärlichen Presseinformationen war es einmal wieder meine Aufgabe, Texte für den Shop zu schreiben. Mir haben die Düfte so gut gefallen, dass ich sie Euch einfach vorstellen muss. Drei Stück sind es an der Zahl mit den wohllautenden Namen „Vaniglia“, „Nero“ und „Augusto“.

Mazzolari

In diesem Zuge habe ich in unserem Duftverzeichnis nachgesehen, welche Artikel es bereits zu Mazzolari gibt und habe zwei interessante gefunden. Ulrike beschrieb einmal „Luihier und „Patchoulyhier. Im ersten Artikel philosophiert sie darüber, dass ein Traummann nach Pantherkäfig riechen muss, im zweiten beschreibt sie ihre ruhmvolle Vergangenheit als schwarzgewandetes Schattenwesen. Neudeutsch: „LOL“! :-)

Nun aber auf zu den den Düften!

vaniglia
Vaniglia ist einfach nur lecker. Vanille- und vor allem auch Karamellfreunde sollten hier unbedingt einmal hineinriechen :-) Mich erinnert der Duft z. B. ein bisschen an die Süßspeisendüfte von Chabaud – ich meine, es war „Lait de Biscuit“. Der Leckerbissen von Mazzolari besitzt noch eine feine florale Komponente. Also, wem das Herz bei Sahnebonbons, Karamellpudding, Vanilleeis und feinen Butterkeksen aufgeht, der sollte sich diese nasale Kalorienbombe nicht entgehen lassen. Fünf Zuckersterne von mir!

nero_2
Man sollte sich ja nicht mit dem Dessert den Appetit verderben, aber in der Welt der Düfte ist glücklicherweise alles erlaubt. Ganz anders geht es nämlich weiter. „Nero“ – wer muss nicht bei diesem Namen an den – mit Verlaub – etwas durchgeknallten römischen Kaiser mit Künstlerambitionen denken? Der großartige Peter Ustinov als Nero in „Quo vadis?“, wie er seine Tränen auffängt – legendär! Eine andere große Szene ist Neros Rede, hier auf Englisch:

Wir wissen schließlich nicht, woran Mazzolari bei der Benennung des Duftes dachten. Keineswegs verrückt erscheint der Duft und auch nicht altertümlich. Ich würde sagen, in bester Cologne-Tradition frisch, zitrisch und etwas fruchtig aufspielend, dann sollen in den Herznoten Rose, Jasmin und Patchouli nachfolgen, doch muss ich gestehen, dass diese eher zurückhaltend eingesetzt wurden und meines Erachtens einen grünen Spritzer beisteuern. Auf dem Duftstreifen sind die Johannisbeerakzente deutlicher – auf der Haut hingegen werden Moschus- und Ambrasalven abgefeuert. „Nero“ ist entgegen seinem Namen ein ganz unprätentiöser, geradliniger Herrenduft, der auch eine vornehme Karte ausspielt. Kein ganz junger Duft, der aber keinesfalls altmodisch, vielmehr traditionsbewusst ist. Ich kann ihn mir sehr gut an einem Mann mittleren Alters vorstellen. Fünf Sterne für italienische Eleganz, die Traditionelles modern interpretiert.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Bergamotte, Apfel, Ananas
Herznote: Rose, Jasmin, Patchouli
Basisnote: Ambra, Moschus, Vanille

augusto
Augusto – also noch ein Kaiser, mag man denken. Dem ist aber nicht so. Es handelt sich viel mehr um den Kaiser des Hauses Mazzolari, den Patron Augusto Mazzolari. Auch dieser Duft ist nun keine frisch aus dem Ei geschlüpfte, schräge Komposition.

Die Duftnoten …

Kopfnote: Bergamotte, Orange, Minze
Herznote: Rosenholz, Geranium, Lavendel
Basisnote: Ambra, Sandelholz

… beschreiben die Komposition treffend, wobei das Sandelholz hier wirklich deutlich herauskommt – holzig-seifig, mit frischen und floralen Wirbeln umgeben. Auch hier gilt, dass man solche Düfte auch weitaus klassischer kennt. Trotzdem sehe ich auch diesen Duft eher an einem Herrn in gesetzterem Alter, zu denen ich mich momentan noch nicht zähle. Fünf klassische Herren-Sterne.

Ja liebe Freunde der duftenden Wässerchen, vielleicht konnte ich Euch ein bisschen neugierig machen. Ich bin sonst bei Mazzolari sonst noch nicht weitergekommen. Vielleicht wünscht sich jemand eine weitere Rezension zu diesem Haus? Hinterlasst mir doch einfach in einem Kommentar Eure Empfehlung.

Liebe Grüße
Harmen

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