Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Sospiro…

Geschrieben in Chypre,Duft,Hesperiden,Holziges am 13.06.2013

… gehören zu den Italienern von Xerjoff – und haben soeben vier neue Düfte veröffentlicht, die ich Euch unmöglich vorenthalten kann: Adagio, Andante, Erba Pura und Melodia beschäftigen uns heute und morgen. Second Chapter heißt diese Linie von Sospiro, die sich durch (vermutlich von Hand?) mehrfach lackierte violette Flakons auszeichnet.

Lasst und mit Andante und Adagio beginnen am heutigen Tage. Woher die Namen kommen, dürfte den meisten von Euch bekannt sein: Sospiro bedienen sich einmal mehr musikalischer Interpretation – die beiden Termini bezeichnen verschiedene Tempi, also verschiedene Schnelligkeiten, in denen ein Musikstück zu spielen ist. Der Begriff Tempo bezieht sich aber nicht ausschließlich auf – das Tempo, die Schnelligkeit, siehe Wiki:

„Zusätzlich sind viele Tempobezeichnungen gleichzeitig auch Ausdrucksbezeichnungen, geben also auch über den beabsichtigten Charakter eines Musikstücks Auskunft. Der tatsächliche Tempoeindruck eines Musikstücks ist indes ein Phänomen, das über die reine Schlagzahl pro Zeiteinheit hinausweist und von anderen musikalischen und außermusikalischen Parametern mitbestimmt wird, insbesondere von den vorkommenden Rhythmen, der Dichte des musikalischen Satzes, aber auch von den gegebenen Räumlichkeiten sowie der Tagesform von Musikern und Zuhörern.“

Sprich: Das Tempo gibt Auskunft über das Naturell. Adagio, unser erster Duft, bezeichnet ein langsames, ruhiges Tempo… manch einer mag das Melancholische dahinter bereits erahnen, das Sehnsuchtsvolle… Ich habe dazu für Euch das Adagio aus dem Konzert für Oboe und Orchester von Alessandro Marcello herausgesucht, das seine Berühmtheit durch die Bearbeitung durch Johann Sebastian Bach erhielt (BWV 974) – und nein, ich habe KEIN Shades of Grey gelesen…

Adagio erfüllt zumindest meine Erwartung voll und ganz: Ein wunderschöner, schwermütiger Chypre. Einerseits ein klassischer Chypre – raumfüllend, anmutig, ausladend, theatralisch. Das liest man bereits aus den Noten heraus: Kopfnote: Jasmin, Vetiver, Eichenmoos; Herznote: Leder, Weißer Moschus; Basisnote: Patchouli, Adlerholz (Oud). Andererseits aber – modern, zeitlos, innovativ. Verdammt weiblich. Und verflucht schön. Jene raumgreifende Chyprenote, ledrig, weich, moosig, staubig-frisch, verbindet sich hier mit betörendem, aber milchig-cremigen (und nicht indolischem) Jasmin, untermalt von der holzig-dunklen Basis. Ein absolutes Juwel innerhalb seiner Duftfamilie.

Moody Horizon Background

Andante bezeichnet ein mittleres Tempo und steht für gehend, schreitend. Das Andante aus Mozarts Klavierkonzert No. 21 in C-Dur (K.467) dürfte wohl eines der bekannteren Stücke sein.

Einen schwebenden und entrückten Charakter unterstellt man ihm, weich, fast ewig fließend. Sospiros Andantes Sanftheit ist dem Muskatellersalbei in Kombination mit Orange zu verdanken – eine zitrisch-fruchtige, überwiegend balsamisch-warm-florale Kombination, die sich wunderbar einzufügen mag in den eher männlichen Duft. Galbanum und Geranium sind hier für grasig-grüne, frische und, wie so oft bei Geranium, minzige Anklänge zuständig. Eine Prise Pfeffer schadet in einem solchen Duft nie – so auch nicht bei Andante. Ein netter Kontrast, untermalt von einer gewohnt guten Basis: Patchouli, Atlas-Zedernholz (das gute also…), Vetiver und Oud brilliert der Duft mit einem holzigen, trockenen, verhalten warmen Grund. Je länger der Duft auf meiner Haut ist, desto mehr habe ich den Eindruck, dass sich aus dem Zusammenspiel der Noten Lederakzente entwickeln – auf dem Teststreifen ist der Eindruck ebenfalls vorhanden, allerdings nicht so dominierend wie auf meinem Handgelenk, das mit kühlem Wildleder glänzt. Ein einnehmender Herr ist Andante – Eleganz und Understatement, wer kann dem schon widerstehen?

Dandy

Morgen geht es weiter mit Sospiros Erba Pura und Melodia – bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

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Sospiro…


Santi Burgas die Zweite.

santiburgas2Heute verschlägt es uns noch einen weiteren Tag an die Costa Brava, genauer gesagt – dahinter, und zwar in die in der im Herzen der Empordà-Region gelegene Manufaktur von Santiago Burgas. „Clothes & Perfumes“ werden hier hergestellt, und von letzteren habe ich Euch gestern bereits die ersten vier Kandidaten rezensiert. Heute folgen die drei anderen Düfte sowie einige kleinere Layeringversuche von mir. Viel Spaß!

Lôvann [lovæn] It is a creation made with vanilla, Mediterranean honey, Girona apple and amber. It is classified as the fond notes of the LÔANT COLLECTION.“

Apple and Honey

Lôvann wird vielen ein „Hach“ entlocken, das weiß ich jetzt schon. Und ja, ich kann es auch verstehen. Stellt Euch folgende Ménage à Trois vor: Botrytis von Ginestet, Lann-Ael von Lostmarc’h und einem leichten Amber wie zum Beispiel L’Eau d’Ambre von L’Artisan Parfumeur – et voilà, da haben wir Lôvann. Ein schöner, honig-marzipan-geküsster Ambraduft mit saftigen Apfelnoten, die ihm Leichtigkeit schenken und ihn davon abhalten, in allzu süße oder gar pappige Gefilde abzudriften. Gourmandig, aber dennoch auch frühlingstauglich. Ein echter Gute-Laune-Duft.

„Lôtree [lotri] Formula made from woody cedar, sandalwood, other pure woods and leather. It is classified as the fond notes of the LÔANT COLLECTION.“

Lôtree ist… eine Zeder, eine Zeder, eine Zeder. Und zwar eine mit dick Sandelholz. Sauber, knarzig-holzig mit der typischen Zedernnote, die für mich immer nach Zen duftet. Und warm-würzig und pudrig dank Sandelholz. Anderes Unterholz ist auch vorhanden, Leder finde ich weder auf meiner Haut noch auf dem Streifen. Insgesamt erinnert mich Lôtree an eine Amour Fou aus 10 Corso Comos Signature und Loggia dei Mercanti von La Collina Toscana.

cedar contortion

„Lômusk [lomʌsk] Cocktail of musk, wild silk and sweet notes. It is classified as the fond notes of the LÔANT COLLECTION.“

Lômusk ist ein waschechter Moschus – und insofern eigentlich nicht unbedingt ein von mir präferierter Kandidat. Ihr ahnt schon das Aber… er ist toll. Und ich habe keine Ahnung, was genau an ihm so duftet… Auf der Haut ist es ein Vollblutvertreter seiner Gattung: Verhaltene Graphitnoten, seidige, wollig-wohlig-wattige Weiche, von einer sanften gezuckerten Süße begleitet. Und irgendetwas ist da noch, das sich speziell auf meiner Haut entwickelt. Rauch in Kombination mit Zuckerwattenoten, was mich ganz verrückt macht, weil es so deliziös duftet. Der Streifen weist Ähnlichkeiten damit auf, diese spezielle Note leuchtet dort allerdings nicht so wie auf meiner Haut.

Eximus Wide & Slim with Ilford 3200

Im übrigen ist Lômusk eine Schwester des herrlichen Anamor All that matters, meinem Lieblingsmoschus. Ein zweiter dicker Pluspunkt.

Im Shop vertreten sind von Santi Burgas bei uns (bisher?) drei Düfte, nämlich Lôjazz, Lôvann und Lôant dem Hauptduft und Herzen, auf dem die Kollektion aufbaut. Für Euch habe ich hier mal kreuz und quer gesprüht:

  • Lôjazz über Lôvann gefällt mir nicht: Die Blüten erschlagen den Honigamber, und auch nach einer Zeit vermag ich keine gelungenen Emergenzen zu entdecken.
  • Lôjazz und Lôant zusammen harmonieren, egal in welcher Reihenfolge, sehr gut. Zweiterer besänftigt das Blütenbouquet von ersterem und verstärkt doch dessen Femininität und Alltagstauglichkeit. Eine schöne Kombination.
  • Lôant über Lôvann überzeugt mich ebenfalls: Während Lôvann alleine doch recht süß ist, gewinnt er mit Lôant an floralen Anklängen und einer Moschusweichheit, die auf subtile Art und Weise fruchtig-frisch erscheint. Der Gourmandcharakter wird dadurch komplexer, das Resultat etwas weniger warm und süß, aber nicht minder anziehend.
  • Ganz klar, musste ich testen: Die Lôtree-Zeder mit Lômusk – und, wie vorher schon gedacht, eine tolle Mischung. Moschus und Zeder, subtile Süße, verhaltener Rauch. Irgendwas zwischen skinniger Aura und Konzeptduft von Comme des Garçons. Schön!
  • Aus Lôvann und Lôrose wird ein dichter Florientale mit einer schönen Tiefe.

Ihr seht, den Möglichkeiten sind bei Santi Burgas keine Grenzen gesetzt. Meine Arme sind jetzt aber erst einmal voll, insofern müsst Ihr selbst weiter ausprobieren ;)

Was layert Ihr denn, wenn Ihr layert? Und layert Ihr nur Düfte, die speziell zum Layern vorgesehen sind?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Bois 1920…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Blüten,Duft,Holziges am 24.05.2013

… sind wieder auferstanden – und zwar vor einer ganzen Weile schon, nachdem man sowohl diese Marke als auch Odori einstampfen wollte, was ich zugegebenermaßen ziemlich schade gefunden hätte. In Mailand hatte ich sie schon gesichtet, die vier neuen Düfte, die als Limited Art Collection auf den Markt gekommen und jeweils auf 1920 (nummerierte) Exemplare limitiert sind. Heute schauen wir uns das Quartett einmal an, das aus Sensual Tuberose, Vento nel Vento, Dolce di Giorno und Relativamente Rosso besteht.

sensual_tuberoseSensual Tuberose verspricht, eine etwas zurückhaltendere Tuberoseninterpretation zu sein – und das löst der Duft auch ein: Wir haben es hier nicht mit einer männerfressenden Femme Fatale zu sein, sondern mit einer zarteren, aber nicht minder weiblichen Variante der Gattung (Tuberosen)Frau. Und ewig lockt das Weibliche – in diesem Falle mit zwei Weißblühern, denn Jasmin steht seiner Schwester Tuberose fast gleichberechtigt bei. Jene zwei Sirenen erhalten Schützenhilfe von Orangenblüten, tropische Nektarsüße stiftend. Diese weist auf zwei Facetten, die Sensual Tuberose offenbart – einerseits besitzt der Duft einen exotischen Charakter, der umgehend Fernweh erzeugt. Das hier sind keine heimischen Blüten, man fühlt sich durch Sensual Tuberose in die weite Ferne entführt, worin die würzig-süße Kokosnuss einen nur bestätigt. Facette Nummer Zwei ist des Duftes Fruchtigkeit, welche sich von saftig-samtigem Pfirsich verstärkt sieht. Abgerundet hat man, wie man es nicht besser hätte tun können: Mit vanillig-mandeligem Heliotrop, ein bisschen Harz, watteweichem Moschus, pudriger Iris und natürlich Sandelholz und Patchouli, die bei so etwas nie fehlen dürfen. Ein feiner, definitiv femininer Duft, der weniger Solifloraler ist als vielmehr ein exotischer Sommernachtstraum mit üppigem Blütenbouquet.

Vento nel Vento, der Wind inmitten des Windes… Woran hat man bei diesem Titel wohl gedacht? Es gibt ein uraltes gleichnamiges Liebeslied von Lucio Battisti, einem, wie unschwer zu erkennen, italienischen Sänger, der in den 70ern die Hitparaden rockte. Genauso typisch italienisch wie dessen Songs ist Vento nel Vento für einen italienischen Duft: Voluminös, kraftvoll, mit Schmackes und gerne auch ein wenig Schnörkel, aber guut. Ein waschechter Harzer ist es – süße Rauchigkeit, fein-mehliges Glimmen der Hölzer, sich verflüssigende Harztropfen, gebettet in samtige, fein abgestimmt gewürzte Ambrawärme, von Moschus sanft umhüllt. Die tiefschwarze Lakritze finde ich in diesem Zusammenhang genial – sie harmoniert aufs Vorzüglichste mit den zart-harzigen Rauchschwaden, den Hölzern und der patchouli-erdigen Tiefe. Sicherlich kein alltäglicher Duft – Freunde von Weihrauch und Harzen sollten hier dringend mal probeschnuppern und gegebenenfalls kaufen, bevor der limitierte Vento nel Vento buchstäblich vom Winde verweht ist!

tree number 17 - touch me

Dolce di Giorno – schon wieder Lucio Battisti, ok, so langsam ist es kein Zufall mehr… Hier scheint er aber von der Frau nicht begeistert zu sein, wenn ich mir so die englische Übersetzung des Textes ansehe – siehe hier:

Sweet by day,
cold by evening.
Yes, you always
change your mood, but
I’ve already decided
that this is
the last time I go out with you.
You are like
a whipped cream cake
which is all happy
because it hasn’t been eaten, but
I’ve already decided
that this is
the last time I go out with you.
I gave you my heart,
what did you give me?
You made promises only,
and nothing more.
When there’s the sun, you
talk about love,
then when it’s evening,
you are a wax statue, but
I’ve already decided
that this is
the last time I go out with you.
I’ve already decided
that this is
the last time I go out with you.
The last time I go out with you.

Entweder es geht da einem echten Macho zu langsam – oder eine Frau ziert sich zickend und hält den armen Liebestollen absichtlich hin. Vielleicht auch beides, wir werden es nicht lösen. Den Text aber finde ich irgendwie originell: „you are like a whipped cream cake which is all happy because it hasn’t been eaten“ – das muss ich mir merken…

Dolce di Giorno – Süß(e) am Tage, so startet der Duft jetzt nicht unbedingt: Hier tanzen Zitrusfrüchtchen herb und säuerlich mit Zimt und Pfeffer, eine immer interessante Kombination. Würzig, verhalten süß und leicht scharf trifft auf Hesperidenfrische. Und dann ist da noch eine zumindest auf meiner Haut extrem dominante, grün-trockene Kardamomnote, die von einer waschechten Dörrpflaume begleitet wird. Die Basis zeigt sich auf meiner Haut maskulin und oszilliert spannend zwischen kühl und warm – leise harzig, zedersauber und mit vernehmbar samtigem Guajakholz in einen seidigen Vanilleschleier getaucht, von einigen Vetiver-Salzkristallen bestäubt. Elegant und kühn, ein Statement, das gleichermaßen Understatement ist. Solche Düfte sollten mehr Menschen tragen.

Not Just Another Coffee

Relativamente Rosso zeigt sich, nomen est omen, ziemlich feurig: Im Auftakt hätte ich schwören können, dass Kaffee darin ist, was nicht der Fall ist. Trotzdem bestehe ich darauf: Weihrauch, Strohblume, Davana und Zucker verschmelzen für meine Nase hier zu einem Kaffeelikör, der ordentlich Rauch atmet. Beinahe schon an Annick Menardos genialen Patchouli 24, meinen Vanille-Schwarzwaldschinken, erinnern mich diese Schwaden hier, die von einer heuartigen Trockenheit umgeben sind. Ein Röschen hat sich noch mit hineinverirrt – für meine Nase vollkommen unsichtbar. Dafür dominieren Hölzer satt in der Basis, die jene trockene Aura weiterführen, die von dem Heuhaufen, dem olfaktorischen, gestiftet wurde. Relativamente Rosso ist – der Spalter in der Kollektion. Sicher der Duft, an dem sich die meisten reiben werden. Aber unbenommen meiner Meinung nach auch der außergewöhnlichste Kandidat.

Und, neugierig geworden?

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende -

viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Comme des Garçons „2 Man“ – gar nicht schüchtern!

cdg

Nach dem gestrigen Beitrag zu „2“ von Comme des Garçons, komme ich heute zum Namensvetter, an dem aber noch der Zusatz „Man“ baumelt. So unentschlossen unisex „2“ war, so scheint „2 Man“ doch ganz deutlich in die männliche Ecke zu tendieren. Das Eau de Toilette zeigt sich von Beginn an frisch und vollwürzig mit Weihrauch, muss aber – wie immer – für eine differenziertere Beschreibung schleunigst auf die Haut.

CDG2MAN_edt

Die Duftnoten sind übrigens wie folgt angegeben:
Kopfnote: Safran, Muskatnuss, Kumin, Kardamom
Herznote: Rose, Iris, Orangenblüte
Basisnote: Weihrauch, Vetiver, Mahagoniholz, Leder, Ambra, Moschus

Sogleich zieht ein Viergespann aus Safran, Muskatnuss, Kumin und Kardamom los – insgesamt eine frische Gewürzausrichtung. Gar nicht scheu drängen sich auch florale Noten hervor, Rose nehme ich am stärksten wahr, aber auch Iris und Orangenblüte sind mit von der Partie. Nun wird es ganz schwierig zu sagen, ob die Noten nun aus dem Kopf oder aus der Basis stammen, sie scheinen stark miteinander verwoben zu sein. Kräftige Weihrauchnoten, rauchiges Vetiver und Hölzer machen keine Gefangenen und sorgen für männliche Dominanz.

Stripes - Foto Giovanni Dall'Orto, 17-Sept.2009

Auch wenn die Duftnoten es nicht aufdrängen, „2 Man“ kommt vielleicht einem Fougère noch am nächsten, jedenfalls würde ich Fougèrefreunden einen Test empfehlen, aber auch Liebhaber der Weihrauchserie „Series 3: Incense“ sollten aufmerken oder all jene, die lieber ein kräftiges Wässerchen auf der Haut mögen als luftige Brisen.

Würzig-rauchig-ledrig-holzig, vielleicht auch ein bisschen Tabak – für Männer, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, komplex, charakteristisch, ach, Ihr müsst einfach mal testen!

Pensieri & Havana

Frohes Testen! Ich freue mich auch immer über Eure Rückmeldungen!

Liebe Grüße
von Harmen

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Die „2“ von Comme des Garçons – feine Tuschmalerei

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Holziges am 21.05.2013

2-by-the-sea Längst überfällig ist meines Erachtens, dass wir hier einmal einen der Bestseller von Comme des Garçons vorstellen, nämlich die etwas krakelig geschriebene Nr. „2“. Die Beliebtheit des Dufts wird von einer ganzen Reihe an Produkten belegt, einige bereits vergriffen, andere glücklicherweise noch verfügbar wie das Eau de Parfum, dessen handliche Variante im Hosentaschenformat, die Duftkerze, die limitierte Version im blauen Flakon „By the Sea“ (siehe rechts) oder das Geschenkset. Reichlich floral finde ich den Duft, als er mir vom Duftstreifen entgegenkommt. Sind es gar Rosen, die man hier vernimmt? Und was hat es mit der Sumi-Tinte auf sich, von der sich Comme des Garçons laut Produkttext inspirieren ließen?

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Um dies herauszufinden, greife ich inbrünstig in die Tasten und sehe bald, dass es sich dabei um die japanische Stangentusche handelt, die in der traditionellen Kalligrafie und Malerei verwendet wird. Grundsätzlich unterscheidet sich Tusche von Tinte durch ihre kräftigere Farbdichte und durch ein zugesetztes Bindemittel wie Leim.

Sumie Painting Set

Woraus die Tusche hergestellt wird ist nicht ganz klar einzugrenzen, in jedem Fall spielt Ruß eine Rolle, so soll dieses von Kiefernholz stammen, in einem alten Lexikon wird neben harzigen Hölzern auch von Schweinefett berichtet, dass man zur Herstellung des Rußes verwendet. Der beste Leim soll ausschließlich von Büffeln stammen, und besonders feine Tuschesorten enthalten ein Aroma von Kampfer und Moschus, was für uns natürlich ganz besonders interessant ist. Die Tusche wird in Stäbchen gepresst, vor der Verwendung auf einem Reibstein (siehe oben) angerieben und entsprechend mit Wasser vermischt.

Die Tusche wurde recht abstrakt umgesetzt. Sofort kommt mir der florale Akkord entgegen, der aber keineswegs sonderlich süß ausfällt. Im Hintergrund ist etwas Geheimnisvolles, das man durchaus mit einer rußig-mineralischen Tusche in Verbindung bringen könnte. Auch nichts allzu süße, verhalten fruchtige Noten könnten von den Aldehyden stammen, um schließlich in einem weichen Zedernholzton auszuklingen.

Wie gesagt, man sollte sich die Tusche nicht zu dominant vorstellen, vielleicht als Nebenton, eine Herbheit, die die Süße zügelt, ein wenig an Ölkreide erinnernd. Mark Buxton schuf mit „2“ von Comme des Garçons einen Unisex-Duft, der eine maßvolle Extravaganz ausstrahlt, auffällig und charakteristisch, aber auch fahrstuhltauglich. Insgesamt eine stimmig wirkende runde Komposition, die mir persönlich ausgesprochen gut gefällt.

Um beim Thema zu bleiben, werde ich Euch morgen den Duft „2 Man“ vorstellen.

Liebe Grüße und bis morgen
Harmen

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Von Hölzchen auf Stöckchen mit Comme des Garçons’ „Wonderwood“

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 14.05.2013

In meinem Gedächtnis gibt es einen holzvertäfelten Raum (nein, kein schwarzes Fotoalbum mit ‘nem silbernen Knopf), in dem DiptyquesTam Dao“ (hier beschrieben) für immer als Holzduft abgespeichert ist. Um dem Kerlchen ein bisschen Gesellschaft zu ermöglichen, nehme ich mir heute einen namentlich vielversprechenden Duft vor, nämlich Comme des Garçons‘ „Wonderwood“.

Wonderwood100ml_HR

Das Wunderhölzchen wurde mit folgenden Duftnoten ausgestattet, die durchaus die Hoffnung auf einen veritablen Holzduft erlauben:

Kopfnote: Pfeffer, Bergamotte, Weihrauch, Muskatnuss
Herznote: Hölzer, Cashmeran, Guajakholz, Zedernholz, Kümmel
Basisnote: Hölzer, Sandelholz, Vetiver, Adlerholz (Oud)

Vor allem Pfeffer kracht zu Beginn des Duftsverlaufs durchs Gebälk, Weihrauch und Muskatnuss sind nur ansatzweise zu erahnen. Aber allerlei Holzspäne raspeln nun umher, Zedern- und Sandelholz lassen sich ausmachen, vom Oud merke ich ehrlich gesagt nichts. Obwohl ich sie nicht vollkommen auseinanderklamüsern kann, merke ich, dass es viele verschiedene Holznuancen sind, die sich hier durch den Duft ziehen. Der Produkttext bestätigt diesen Eindruck, zumal dort von einer ganzen Reihe verschiedener natürlicher sowie künstlicher Holznoten die Rede ist. Feinere Holznasen bitte ich um näheren Aufschluss, nicht dass ich hier komplett auf dem

Wood way in plitvicka bin.

Antoine Lie schuf mit „Wonderwood“ einen ausgezeichneten würzig-pfeffrigen Holzduft, der meines Erachtens so fein abgestimmt wurde, dass man mit ihm durchaus auch durchs Büro brettern kann. Ihr seht schon, die Holzassoziationen und Wortspiele nehmen so langsam überhand. Weitere Holz-Redewendungen oder -begriffe wurden im Folgenden deshalb nur noch bildlich dargestellt.

Nice CleavageWooden Man

Sich dreimal aufs Holzbein klopfend grüßt
Harmen

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Nie war Rauchen gesünder – die Tabakblätter von Miller Harris

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges,Tabak & Rauchiges am 13.05.2013

Feuilles de Tabac“ – Tabakblätter – von Miller Harris sollen heute im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.

Croton eluteria - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-195Als ich die Duftnote „Kaskarilla“ las, schaute ich wie eine Kuh, wenn es blitzt. Noch nie zuvor war mir diese Ingredienz untergekommen. Es scheint sich um einen Strauch zu handeln, der zu den Wolfsmilchgewächsen gehört und in der Karibik beheimatet ist. Der getrockneten Rinde dieses Strauchs bzw. des Kaskarilla-Baums (Croton eluteria) wird per Wasserdampf das ätherische Öl entzogen, das für medizinische Zwecke oder auch zum Verfeinern von Getränken verwendet wird – und zum Aromatisieren von Tabak – was für „Feuilles de Tabac“ interessant sein dürfte. Doch wie duftet dieses Öl? In meinem schlauen Buch „Taschenbuch der Riechstoffe“ von Martinetz/Hartwig steht auf S. 95f: „Das Öl weist einen stark aromatischen, leicht zimt-, pfeffer- und küchenkräuterartigen Geruch und einen bitteren gewürzhaften Geschmack auf. [...] Es wird in der Parfümerie in geringen Mengen für Gewürz-, Holz-, Tabak-, Oregano-, Nelkenblüten- und Chypre-Düfte eingesetzt, die es würzig und frisch gestaltet.“

Pimenta dioica - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-239Neben Kaskarilla finden wir noch Piment in den Kopfnoten – wenn ich schon am Recherchieren bin, dann auch noch ein paar Informationen zu dieser Pflanze. Piment oder Nelkenpfeffer gehört zu den Myrtengewächsen. Hier sind es die kleinen runden Beeren sowie die Blätter, die den feinen Duft bzw. Geschmack enthalten, denn Piment wird bekanntlich als Gewürz verwendet, per Destillation wird ihm aber ebenfalls auch ein ätherisches Öl abgerungen. Für Parfums spielen dabei offensichtlich eher die Öle der Blätter eine Rolle. Balsamisch-würzige, pfeffrige und gewürznelkenartige Noten spielen hier die Hauptrolle.

Die Duftnoten
Kopfnote: Kaskarilla, Piment
Herznote: Kiefer, Salbei
Basisnote: Tonkabohne, Tabak, Patchouli

Ja, ich gestehe, dass ich mich wie viele meiner Generation beim Gedanken an Tabakdüfte ein wenig gruseln muss. Zu sehr kommt einem Opas-Rasierwasser-Assoziationen oder ein bekannter Herrenduft aus dem Massenmarkt in den Sinn, der ebenfalls recht präsent war und ist. Dann fällt mir noch ein gewisser Tabakduft von Creed ein, den ich vor etwa einem Jahr hier vorgestellt habe: „Tabarome“, der zugegebenermaßen auch nicht in die Sparte „Großvaters Bester“ fiel.

„Feuilles de Tabac“ erlaubt sich mehr Tabak als der eben erwähnte Duft und weist im Auftakt eindeutig frisch-würzige Akzente auf, die stark an Zimt erinnern. Irgendwie bekomme ich eine leichte Fruchtkaugummiassoziation und muss meine Nase schnell mal zurücksetzen. Zimtig und nelkenartig ist der Duft mit würzig-scharfen Noten, zudem mit einer leichten Holzigkeit versehen. Ja und nach Tabak riecht er erwartungsgemäß auch, leichteste Patchouliakzente und ebenso hauchdünne Tonkabohnenspritzer lassen sich erahnen. Am Anfang würde man den Duft klar in die Herrenkiste stecken, aber nach der anfänglichen Gefühlsentladung wird der Duft immer harmonischer, weicher und tendiert immer deutlicher in Richtung unisex.

Wirklich ein toller, moderner Tabakduft, von dem die Chefanfixerin wohl schon fast einen ganzen Flakon durchgebracht haben soll…munkelt man. ;-)

Liebe Grüße
Harmen

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Freitagsverlosung.


Au Pays de la Fleur d’Oranger

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 7.05.2013

… heißt übersetzt soviel wie „Im Land der Orangenblüte“ und leider ist es vorerst auch fast das Einzige, was ich Euch über diese gerade eben bei uns neu im Shop gelandete Firma erzählen kann. Auf der Mailänder Messe haben wir die seit 2005/06 bestehende Firma entdeckt, ein sehr nettes Team rund um die Gründer Virginie und Antoine Roux war es und deren Düfte wussten uns zu beeindrucken. Zwei Kollektionen hatte die Firma im Gepäck, einmal Néroli Blanc, ein Trio zum Thema Bitterorangen/Pomeranzenblüte in drei verschiedenen Intensitäten (Eau de Cologne, Eau de Parfum, Eau de Parfum Intense), sowie die brandneue, von Jean Claude Gigodot kreierte Collection Les Inédits, was soviel heißt wie die Neuartigen, die Originellen.

lesinedits

Jene Collection Les Inédits werde ich Euch heute und morgen vorstellen – nicht aber ohne die Neroliblümchen wenigstens auch zu erwähnen: Im gleichen Flakon vorgestellt konnte man die unterschiedlichen Duftintensitäten ganz unschwer an der Farbe erkennen. Alle Düfte enthalten Neroli, Bergamotte, Jasmin und Rose – und darüber hinaus jeder für sich noch zwei individuelle Ingredienzen, die die jeweilige Eigenheit des Duftes ausmachen. Néroli Blanc, das Eau de Cologne, erhält seinen spritzig-frischen Charakter durch Pampelmuse und Tee – heraus kommt ein ein feiner zitrisch-floraler Teeduft, der trotz seiner Leichtigkeit eine gute Sillage besitzt. Néroli Blanc, das Eau de Parfum, zeigt sich in den Kopfnoten durch Petitgrain noch herber (Ihr wisst alle, was Petitgrain ist? Das Öl wird aus den Blättern, den Zweigen und unreifen Früchten der Bitterorange hergestellt) als das Eau de Cologne, atmet später aber warme, durch Benzoeharz „kandierte“ Rosen und lüsternen Jasmin. Mich beeindruckt hier die Balance, die der Duft durchgehend aufrechterhält – zwischen seiner Herbheit und seinen harzig angehauchten Blüten. Feminin, aber nicht anbiedernd. Das hat Klasse – was der letzte Duft, das Eau de Parfum Intense, definitiv auch hat. Néroli Blanc Eau de Parfum Intense ist mein Liebling dieses Trios, er hat mich ganz seltsam berührt. Neben den bereits genannten Zutaten, die sich die drei Geschwister teilen, wartet dieser Duft mit Verbena, Eisenkraut, auf sowie mit Zedernholz. Eigentlich sollte man hier meinen, dass diese Neroli-Interpretation deshalb auch eher frischeren Charakters ist, vielleicht auch mit sauberem Anstrich. Diese Annahme geht fehl – Néroli Blanc Eau de Parfum Intense ist ein weicher und warmer weißblühergetränkter Neroliduft, der über Anklänge von Nektarsüße verfügt und auf einer balsamisch-würzigen, aber dennoch leichten und seidigen Basis ruht. Ich kann mir die Ausprägung des Duftes anhand seiner Ingredienzen nicht erklären, empfinde ihn aber als außergewöhnlichen und außergewöhnlich schönen Vertreter seiner Gattung.

Nun lasst uns die Collection Les Inédits einmal näher betrachten: Fünf Düfte in Eau de Parfum-Konzentration sind es, die auf die Namen Bergamote Boisée, Figue Fruitée, Jasmin Rêvé, Lavande Ombrée sowie Tubéreuse Rosée hören. Als eine Hommage an die Provence und deren schöne „Früchte“ sieht sich die Kollektion, die sich in gleichermaßen klassischen wie modernen weißen Flakons mit schönem Holzdeckel präsentiert.

Bergamote Boisée – der Name lässt bereits auf Holz schließen. Und darauf, dass Bergamote Boisée neben Lavande Ombrée die als „männlich“ titulierten Düfte der Kollektion sind. Bereits beim ersten Schnuppern der holzigen Bergamotte weiß man, dass man es mit mehr zu tun hat als mit einer belandlosen weiteren Reihe von schlicht monothematischen Düften gemäß dem Motto „You get what you read“. Ein solch simpler Ansatz wird dem durchaus komplexen Duft nicht gerecht – und ich kann Euch bereits verraten: Das trifft auch auf die restliche Kollektion zu.

Les Calanques Oeil de verre (34)

Wir haben es hier mit einem Hesperidengesellen zu tun – und so zeigt sich die Kopfnote erwartungsgemäß zitrisch. Forciert wird hier die herbe Säuerlichkeit von Zitrusfrüchten, die durch Pampelmuse und Bergamotte im Auftakt vertreten sind. Hier prickelt nichts und der Duft offenbart auch keine zitrische Spritzigkeit in dem Sinne, es handelt sich hierbei eher um eine schillernd-flirrende, permanent anwesende Agrumenherbheit, die von vornherein bereits von den restlichen Zutaten des Duftes untermalt wird. Von weißen Blüten ist da die Rede und auch von Honig, von Labdanum, Eichenmoos, Moschus, Zeder und Patchouli. Für mich mutet Bergamote Boisée schon jetzt eher wie ein Bild an. Der Duft evoziert – Urlaubserinnerungen und lässt die Provence im Spätsommer vor meinem inneren Auge wiederauferstehen. Nektarsüße rieche ich, die schwer duftend in der Luft liegt, und knarzige, von der Sonne ausgetrocknete Bäume, von einer harzig-pudrigen Moschuserde mit deutlich moosigen Anklängen getragen.

Bergamote Boisée wohnt darüber hinaus etwas Maritimes inne – die Salzigkeit der Grapefruit lässt hier nahes Meer vermuten, weckt Sehnsüchte…

Calanque de Figuerolles, La Ciotat

In meinen Augen ist Bergamote Boisée ein Unisexduft mit einem Tick in die maskuline Richtung. Ein charakteristischer Hesperidenbegleiter mit Rückgrat, der mich etwas an Etros ebenfalls aussagekräftigen Lemon Sorbet (was für ein einfallslos-einfältiger Name für einen solch schönen Duft…) erinnert. Und – Bergamote Boisée ist dicht und komplex gewebt, nicht unbedingt fokussiert auf die Bergamotte. Wer einen ausschließlich Bergamotte-lastigen Duft sucht, wird wohl eher bei The Different Companys Bergamote oder Acqua di Parmas Bergamotto di Calabria fündig.

Morgen geht es weiter mit den restlichen vier Düften – bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

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Der Prinz der Vagabunden…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Holziges am 2.05.2013

… – was für ein herrlicher Name, oder? Das zumindest war der erste Eindruck von diesem neuen Label, der erste Gedanke, welcher mir durch den Kopf schoss, als ich erstmals davon las. Und es wird alles noch besser, noch viel, viel besser. Einen Duft hat man lanciert, bisher – und der hört auf einen ähnlich schönen Namen: Enchanted Forest, der Märchenwald. Die Macher dahinter sind auch die Macher hinter dem riesigen Parfumforum Fragrantica. Wir haben es diesmal also mit Menschen zu tun, die schon seit Jahren eine glühende Passion für Parfums und vor allem auch für die Nische hegen – und sich, wie ich annehme, einen lang gehegten Traum erfüllen mit ihrem ersten eigenen Duft. Aber lassen wir diese doch einmal zu Wort kommen:

Enchanted Forest is a fantasy that smells very realistic, almost tangible due to its natural parts and Bertrand’s mastery. Bertrand created a parallel reality, a tale that can be lived. When you smell Enchanted Forest, you don’t even need to fantasize, it comes instantly through recognition. The composition can be called a soliflore with its focus on one plant, but thanks to its magnificent complexity and ability to disguise, we can experience a whole landscape: the forest, from the green needles of its tips to the wet mossy floor.“ (Elena Knezhevich, Quelle: Fragrantica)

The_Vagabond_Prince_Side

Von Bertrand ist da die Rede – und der geneigte Leser wird sogleich wissen, von welchem Bertrand hier die Rede ist: Natürlich Monsieur Duchaufour, wer sonst? Man hat sich also einen exzellenten Parfumeur gesucht für die Umsetzung dieses Märchenwaldes. Und dieser weiß jede Menge zum Duft zu erzählen, wie er in einem langen und interessanten (von uns übersetzten) Interview bei Fragrantica preisgibt:

Enchanted Forest ist aus mehreren Gründen ein einzigartiger Duft. Enchanted Forest ist das einzige Parfum, das ich kenne, das um die Schwarze Johannisbeere als einziges Rohmaterial herum konstruiert wurde und das man somit als Cassis bezeichnen kann. Ein weiterer Grund seiner Einzigartigkeit ist sein Thema, das heidnische Kupala-Fest – eine typisch slawische Tradition, die selbst in Ländern wie Russland fortlebt und deren Riten eine Huldigung an die Natur und die Geheimnisse des Waldes darstellen.

Die Herausforderung war gewaltig: Ich musste das Rohmaterial (Schwarze Johannisbeere) vergrößern, ein Stoff, der oft in der Parfumkunst verwendet und manchmal auch durch die Noten von Roten Früchten überdosiert wird, so dass ich deswegen eine Art Soliflor herstellte. Soliflores werden in der Regel auf floralen Grundlagen wie Jasmin, Rose oder Tuberose aufgebaut, aber für Enchanted Forest war die Absicht eine ziemlich andere… ich hatte die Idee, die Schwarze Johannisbeere durch die gesamte Struktur des Parfums (Kopf, Herz, Basis) aufzubauen. Um dies zu erreichen, verwendete ich ein Schwarzes-Johannisbeer-CO2 (eine Methode, wie man die Schwarze Johannisbeere extrahiert und ein Concrete daraus macht), ein Absolu und zwei verschiedenen Basen aus Schwarzer Johannisbeere, eine davon war meine eigene Kreation, um eine Art Skelett zu bauen, eine vertikale Struktur, auf der das gesamte Parfum gebaut werden sollte.

Meine Inspiration für diesen Duft war primär die Frucht der Schwarzen Johannisbeere selbst, aus der ich enorme Kräfte für den Duft ziehen konnte. Die Schwarze Johannisbeere ist die WICHTIGSTE fruchtige Note ihrer Klasse, die es in der Parfumkunst gibt. Es gibt mehr als 400 Rohmaterialien in der Palette des Parfumeurs, die fruchtig riechen. Schwarze Johannisbeere und die Schwefeleffekte der Schwarzen Johannisbeere sind die Basis für die Rekonstruktion fast aller Früchte, die Parfumeure und Flavoristen kennen. Sie ist MÄCHTIG! Ich arbeitete mich durch alle Formen der Schwarzen Johannisbeere hindurch, die existieren, außer natürlicher Fruchtsaft, Marmelade und Bonbons… Ich habe die Effekte von Orange und anderen roten Früchten hinzugegeben, um einen kultivierteren Aspekt dieser Frucht zu erhalten.

Meine zweite Idee war es, die Schwarze Johannisbeere mit dem Geruch des Waldes zu verbinden… eine sehr interessante Verbindung, weil man in der Schwarzen Johannisbeere Nuancen von intensiven holzigen Pflanzen entdecken kann. Die Schwarze Johannisbeere besitzt Facetten von „Gras-Porridge“ (gekochte Kräuter, wie eine Suppe!), die direkt mit den grünen krautigen Noten harmonieren und sogar mit Aromen, die die Kreation verschiedener Walddüfte begünstigen… Ich wollte die dunklen, mysteriösen, fast beängstigenden Aspekte des Waldes herausarbeiten, all das, was Mystik hervorruft und dem Menschen im Wald fast übernatürlich erscheint: Tiere, deren Existenz (vor allem im Westen) vergessen wurde, die Sümpfe, die ewige Zersetzung abgestorbener Pflanzen und das konstante Nachwachsen, die Lebenskraft der Natur, die der Mensch zu tief in sich selbst versteckt hat…

Diese Kraft erweckte ich durch die pulsierende Skelettstruktur eines würzig-holzigen Chypre (Patchouli, Moos, Vetiver, Castoreum), aber auch durch die warme und beruhigende Wirkung von Tannenbalsam (Piniennadel-Absolu), welches die holzigen Noten verstärkt und jedem Parfum einen immergrünen Aspekt verleiht. Ich verwendete das Tannenbalsam, weil es die Quintessenz des russischen Waldes verkörpert… Ich liebe den Duft des Waldes, so war es ein Leichtes für mich, die erdigen Noten, die ich liebe, mit der Pinie zu verbinden und mit den getrockneten Piniennadeln, welche den Boden der endlosen Pinien- und Tannenwälder bedecken. Das erinnert mich an meine Kindheit, denn ich verbrachte 11 Jahre mit einem Pinienwald hinter meinem Haus. Außerdem lebte ich in der Gegend von Nancy, im Osten Frankreichs, die am meisten an Russland erinnert. In dieser Region haben wir einige der schönsten Wälder in Frankreich!“

Soviel Material, dem es nachzugehen lohnt… Heute konzentrieren wir uns erst einmal auf – schwarze Johannisbeeren, denn diese sind, wie generell dunkle und oder rote Beeren, nicht allzu oft in Düften anzutreffen, vor allem monothematisch. Sublime Balkiss, die moderne Schöne von Céline Ellena, die chypriert-beerige, kommt mir in den Sinn. Darüber hinaus denke ich an… Lancômes neuen La Vie est belle (Das Leben ist schön), der mir viel zu papsig-süß war, an den schlicht-klassischen Immergeher Rose Wood/Blackcurrant/Cyclamen von Korres, an die herrliche fruchtige Iris namens 04 Petrana aus dem Hause Odin als auch an Van Cleef & Arpels zuckrige Feerie. Und dann wären da noch Spuren zu finden in diversen Düftchen – Juliette has a Guns Mad Madame, Bond No. 9 Bleecker Street, Malles Portrait of a Lady und anderen. Dann wäre da noch ein alter Klassiker, Kenzos Le Monde est beau (Die Welt ist schön), ein sommerlich-grüner Wildwuchs-Abenteuergarten mit prägnanter schwarzer Johannisbeere.

Freshed Picked Currants

Und da verließen sie ihn oder vielmehr mich aber auch schon wieder – so wahnsinnig viel mehr Johannisbeertaugliches mag mir nicht einfallen, Euch?

Bezüglich dem Märchenwald Enchanted Forest gibt es allerdings noch mehr zu lüften als die Johannisbeernote – mehr zum Duft folgt morgen in Teil 2 der Rezension. Bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Vagabond Prince: Enchanted Forest – Teil Zwei.
Frühlingsfavoriten…
Ein Strauß Männlichkeit – Knize Two


Wie es der Zufall so will…

… rief mich dieser Tage Erik Kormann an, ganz aufgeregt, und, merkbar stolz – zu Recht. Ich wusste natürlich schon längst, worauf, hatte ich doch bei Facebook bereits einen Einblick bekommen, was dieser Tage geschehen war. Ihr erinnert Euch – ich hatte vor nicht allzu langer Zeit Eriks neusten Streich hier vorgestellt, die Neuauflage seines olfaktorischen Septembers, siehe hier und hier. Diesen Duft hatte sich dieser Tage “heimlich, still und leise” – zumindest für mich, habe ich doch mit unseren Bestellungen rein gar nichts am Hut – Philip Kraft bestellt. Jener Dr. Philip Kraft ist – eine Koryphäe, das lässt sich unzweifelhaft so konstatieren. Kraft arbeitet als Riechstoffchemiker beim Aromastoffhersteller Givaudan, einem jener wenigen Riesen auf diesem Gebiet, und forscht dort nicht nur an Riechstoffen, sondern erfindet auchSynthesen ebensolcher. Auf sein Konto gehen etliche Duftstoffe, die exklusiv von Givaudan vertrieben werden – unter anderem Super Muguet, Azurone, Pomarose, Serenolide, Cassyrane und Sylkolide. Darüber hinaus ist er seit Jahren als Dozent tätig, unter anderem war er an der Universität Bern und Zürich, seit 2010/11 ist er an Hochschule Bern. Über alles könnt Ihr noch ein wenig mehr nachlesen in diesen drei informativen Interviews – siehe 1000 Fragrances, Fragrantica und Parfumo. Im Jahre 2011 brachte Kraft privat in Zusammenarbeit mit Wilhelm Pickenhagen (Symrise) einen alten Klassikers wieder auf den (Buch)Markt: “Scent and Chemistry – The Molecular World of Odors”, die vollständig überarbeitete, ergänzte und erweiterte Neuauflage von Günther Ohloffs Standardwerk “Scent and Fragrances”. Sehr empfehlenswert, meine Lieben!

Kommen wir aber auf Krafts neuen Kauf zurück, Kormanns September. Den hat der Kenner auseinandergenommen – mit Ergebnissen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte und die ich mit seiner Erlaubnis von seiner Facebookseite “Scent and Chemistry” kopieren durfte:

“And indeed, as expected the parcel waiting at the post office was Erik Kormann’s ‘September’ (Erik Kormann, 2013), the reedition of the fragrance for last September for his www.aromatisches-blog.de, available at ‘First in Fragrance’ and ’1001seife.de’ (€ 55,– / 50 ml). (( In addition there was besides also Jaymo & Andy George’s ‘Moda Black Vol II’ in the mail from the UK – what a nice surprise !! ))

‘September’ is bringing our current top 5 feminine indie chart one step further to completion, as it is one of the very best launches of the last year. September is the 9th month, and the number nine looks like an elephant’s trunk with ears, and elephants recall India, and India is the country of sandalwood.

So ‘September’ = sandalwood, and to fit the mood of that month, oranges come into play. That’s already the central harmony: Sandalwood and Oranges. And sandalwood in this case in the form of an overdose of Javanol. The stroke of genius of Kormann is how sinensal from the orange oil interacts with Javanol, and that immediately gave us the idea for a remix, and that’s why we are so late home today because we totally had to complete that the same day.

So ‘September’ opens with orange, the official description also says grapefruit, but we didn’t found it grapefruit in smell. Then very slowly, a big massive sandalwood accord is creeping in underneath, backed up by a good chunk of Iso E Super. Officially also floral notes, which we couldn’t detect. And then again a musk note starts prowling around, accompanying the annealing sandalwood harmony, which glows almost forever on skin.

Beautifully minimalistic, great idea how the sinensal underscores the Javanol, and well the rest is just to dress that up. We already loved Kormann’s ‘Eau Fröhliche’, see one of our first posts, dating December 22, 2011, but with ‘September’ Kormann made a big step forward in perfumery, ‘September’ is a ‘Samsara’ squared and on oranges. A must-buy, and fitting also perfectly to spring!”

Das war aber noch nicht alles, Kraft hat September noch weiter unter die Lupe genommen:

“Though, we said we wouldn’t do it no more, and that’s certainly true ; – ) … well here’s a little exception to confirm the rule. Here’s the GC/MS as we need a little formula scheme to start our ‘September’ remix from.

In his blog, Kormann states 8% of Javanol (!), already a lot, but we even found 10.0% (!!), backed by 14.2% of Polysantol, less powerful but more cedary to build a foundation for the Javanol to stand on, and a lovely Timberol that adds sexy steroidal vibes, maybe that’s also what we loved so much and didn’t notice right away. Then a dash of Hedione/Galaxolide for the fond almost à la Grojsman! Stylish!!

The limonene is 21.08%, and in Fig. 7.1 in ‘Scent and Chemistry’ you find 88–97% content for sweet oranges, so that makes 21–24% of sweet orange oil, and it somehow smells of Florida, so let’s go with the 21%. Anyway we do not want to get the exact percentages, and we will replace all odorless solvents by DPG (dipropylene glycol), as phthalates are a bit nasty, and TEC and carbitol not really necessary. But keep in mind FID percentages are not perfect right away. To get the real 100% formula you would need to mix and co-inject, also all different orange oils, and then iteratively adjust. But we don’t want to invest that time here as we will modify it anyway. So quite possibly the 8% of Javanol even were correct, but we don’t really mind at this moment.”

kormannseptemberphilipkraft

 Und weiter geht es:

“So here’s our starting point, our analytical Scheme to start off from, so we combined all solvents in 15% DPG, the rest is arranged according to volatility, to make it easy for you to follow, so first 21% Orange Oil Florida, 20% Hedione, 8% Iso E Super, 6% Timberol, 14% Polysantol, 10% Javanol and 6% Galaxolide. So this probably is not the real formula, but just a sketch.

And from there we want to go even higher with the Javanol to add more bass so to say!! To give more contrast we first switch from Polysantol to Ebanol, which is even more cedary, will thus be a bit woodier, a bit more room as a foundation for even more Javanol which we want to increase to 15% (!!!), and we will have to skip then all the DPG in the process.”

kormannseptemberphilipkraft2Zu guter Letzt hat Philip Kraft dann noch einen draufgelegt: Er hat Kormanns September überarbeitet und eine High-End-Variation davon erstellt, oder vielmehr: das Rezept davon, das allerdings – da man betont nicht auf den Preis geachtet hat – aufgrund seiner Zutaten ungefähr das Dreifache kosten wird.

Sept_S&C_refix

Mittlerweile stehen Kraft und Kormann in Kontakt, vielleicht gibt es ja tatsächlich diese dritte Variante unseres Septembers? Ich würde mich in jedem Falle sehr darüber freuen – genauso wie über jede andere Zusammenarbeit der beiden. Kraft betonte die Genialität der Idee, Sinensal und Javanol zu mischen – und gibt eine genauso klare Kaufempfehlung wie ich für Kormanns September:

Anyway go first to buy the original as long as it lasts, and then maybe Kormann himself will do a rmx one day of this wonderful fragrance concept, or perhaps offer even this one. N-JOY!!”

Mich freut das sehr, vor allem auch für den netten Erik. Er hat es wirklich verdient. Und ihr solltet dringend mal den September testen, falls Ihr es bis jetzt noch nicht getan habt oder vorhattet ;)

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Unsere Leser stellen sich vor: Teil VI – Ute
Eau de Fröhliche – Teil 1.
Am gleichen Tag Geburtstag…


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