Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Von der Liebe – MariaLux die Zweite.

Gestern hatte ich bereits mit Truly, dem ersten Duft des Trios begonnen, das die Künstlerin Lilian Driessen unter dem Namen MariaLux, ihres Alter Egos, letztes Jahr lancierte. Heute möchte ich Euch die anderen beiden Düfte vorstellen, Madly und Deeply. Madly steht für die „verborgene Liebe, die Liebe der Geliebten“, während Deeply Abgründe der Liebe auslotet – für die „schmerzvolle, tiefgründige Liebe“ stehend.

Madly… assoziiere ich im Zusammenhang mit der Liebe als Verrückt-Sein, Verrückt-Nacheinander-Sein. Leidenschaft, auch sexueller Natur. Anziehung, geistige, körperliche, seelische. Wen wundert also, dass Madly von samtener Wärme ist, und das bereits von Anfang an: Pulverig-pudrig warm und gefühlvoll offeriert er einen dichten olfaktorischen Teppich, dessen einzelne Ingredienzen einen vor ein Rätsel stellen – irgendwo da drinnen vermute ich Weißblüher, etwas narkotisierend, vermutlich Tuberose, fein verwoben in hellen Harzen und anfänglich von etwas würzig-krautigem wie beispielsweise Angelika eingeleutet. Und dann finden sich da noch Tabaknoten, ähnlich sinister-süße wie in Serge Lutens’ Fumerie Turque, die in cremig-skinnigen Anklängen baden.

Ich könnte mir vorstellen, dass Madly Frauen gefällt, die durchaus auf der Suche nach etwas Hautnahmen sind, dabei aber kokett-verführerische Vorwitzigkeit mögen – Fifi Chachnil wäre der Kandidat, der mir einfallen würde, müsste ich geistige Verwandte benennen.

Deeply allerdings tendiert in eine ganz andere Richtung, wie ich bereits in unserem Shop schrieb und mich an dieser Stelle gleich selbst zitiere:

„Deeply ist – ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis der Liebe, ein Bekenntnis der Leidenschaft. „Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“, das wusste schon Friedrich Nietzsches Zarathustra – und die Liebe, sie sucht nichts anderes. Deeply vereinigt, verschmelzt – Ambra und Zimt, eine Amour Fou, die mit ihrem lichterlohen Feuer alles hell erstrahlen lässt. Würzig und von scharfer Süße, gourmandig, skinnig, lieblich und kokett, von fruchtigen Anklängen, der Ahnung eines Apfels begleitet und harzig anmutend leuchtet Deeply alle Facetten der Leidenschaft aus und vermag damit zu betören.“

Dass diese Form der Liebe ihre schmerzhaften Seiten hat, ihre Untiefen, dass der Grund bei dieser Art unsicher ist – das glaube ich gleich: Deeply ist loderndes Feuer der Leidenschaft, eine Harzexplosion der ganz besonderen Sorte: Ambra und Zimt als glühendes Liebespaar in inniger Umarmung, würzig, charaktervoll, harzig und scharf-sexy-süß. Karamell-holzige Anklänge gerösteter Natur strömen meiner Nase entgegen, die mich an eine dicke, krosse Glasur erinnern, die Glasur eines – … Bratapfelkuchens, der sich an einer Ecke süß-verkokelt zeigt. Hat sich da wohl ein bisschen Oud hinein verirrt?

Ihr wollt Vergleiche? Deeply riecht für mich wie das Kind einer heißblütigen Liaison von Nasomattos Black Afgano und Hermès’ Ambre Narguile aus der Hermessence-Kollektion – und ist damit mächtig und unbedingt habenswert.

Habt Ihr schon getestet? Was gefällt, was nicht, ist eine (neue) Liebe dabei?

Ich bin gespannt!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: MariaLux; MADLY: Oh lover, make me yours again / DEEPLY: Pain & Pleasure, Faith & Fear.

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MariaLux…
Duftverzeichnis L – Z
Gralssuche die Zweite…


Herren vor – Atelier Flou die Dritte.

Geschrieben in Chypre,Duft,Hesperiden,Holziges,Leder am 20.01.2012

Heute sind wir wieder bei Atelier Flou gelandet, denn es stehen noch einige Düfte dieser von Jean‐François Cabos ins Leben gerufenen Linie an, die es zu rezensieren gilt. Stürzen wir uns zum Abschluss der Woche auf die verbleibenden Männer, die da heißen: Black Purple, Eau D’Aviateur und Monsieur Mon Amour.

Black Purple… Beginne ich bei diesem Namen ein kleines Brainstorming, fällt mir sofort im Zusammenhang mit Düften natürlich die Pflaume als Ingredienz ein. Und der Song Black Velvet. Mit ersterem liege ich schon einmal komplett falsch – keine Früchte weit und breit, dafür Folgendes: Kopfnote: „Chypre-Akzent“; Herznote: Rosmarin, Muskatnuss; Basisnote: Ambra, Vetiver, Liatrix.

„Mystery, Terrestrial and celestrial, Charming. All is extreme in this combination of heat and cold. The subtle association between the coolness of the rosemary of Morocco, the true harmony of the nutmeg of Indonesia and a passionate touch of absolute of Liatrix of America delicately associated with a deep amber. Between sky and earth.“

Von Ambivalenz ist bei Black Purple die Rede, von dem Spannungsverhältnis zwischen Wärme und Kälte… Viel interessanter ist aber für viele hier sicher die Frage nach Liatrix – was ist das? Liatrix, Liatris auch Liatrix Odoratissima oder auch Deer’s Tongue ist ein amerikanisches Kräutlein, das vornehmlich in der Savanne wächst. Auf den ersten Blick unscheinbar, entwickelt es getrocknet einen warmen, süßen, zum Teil pudrigen und stark an Vanille erinnernden Duft mit Anleihen von Heu (klar – Liatrix hat einen sehr hohen Cumarin-Gehalt) und Tabak. Zur Aromatisierung von letzterem diente die Pflanze auch Jahrzehnte.

Auch in diesem Duft scheint sie eine zentrale Rolle zu spielen: Zimtige Tabakblätter renken sich meinem Näschen entgegen und es entfaltet sich ein gar eigenartiger Duft. Blattwerk, dunkelgrünes, und Rosmarin, deutlich wahrzunehmen, sehen sich kontrastiert von warm-würzigen Akzenten, die im Duftverlauf immer mehr die Oberhand gewinnen. Samtene Wärme drückt hindurch, und es kommen in der Tat Noten zum Vorschein, die eigentlich nur von besagtem Liatrix-Pflänzchen stammen können: Vanille und Heu, von einem Hauch Ambra geadelt. An was erinnert mich das? Ein kleines bisschen an Parfumerie Générales Felanilla, was dessen dicht gewebtes Vanille-Ambra-Heu-Lager angeht. Sehr interessant – und sehr schwer einzuordnen. Auf den Ursprung des Namens komme ich allerdings immer noch nicht beziehungsweise kann nicht folgen, ganz abgesehen davon, dass ich farblich ganz anderes mit dem Duft assoziiere.

Eau d’Aviateur, der Duft des Piloten… Luftfahrtdüfte gab es schon einige, man erinnere sich beispielsweise an den großartigen En Avion von Caron, gewidmet der ersten Frauen, die fliegend den Himmel eroberten (Maryse Bastié, Adrienne Bolland & Hélène Boucher), oder an Brecourts Eau Libre. Abenteurer sind sie immer, diese Flieger – das sehen auch Atelier Flou so:

„Adventure, Density, Spirit. When the intense scene of extreme skies forces the contemplation by the voyager, from the Andes cordillera to Siberia. Bouquet of blue flowers, petitgrain of Sicily and orange oil of Brazil for this water which goes like one second spiritual skin. Obviousness.“

Flieger, grüß mir die Sonne – und die Agrumenfrüchte, die unter derselben so unwahrscheinlich köstlich heranreifen. Eau d’Aviateur ist ein Hesperidenduft, und insofern nicht wahnsinnig innovativ, gesellt er sich doch zu einer ganzen Reihe an zitrischen Früchtchen innerhalb der Parfumlandschaft. Auch die Ingredienzen oder deren Kombination stechen auf den ersten Blick nicht ins Auge: Kopfnote: Zitrische Noten, Orange, Bergamotte; Herznote: Veilchenblätter, Florale Noten, Petitgrain; Basisnote: Maté, Moschus, Zibet, Sandelholz.

Und doch – Eau d’Aviateur gefällt mir gut. Frisch, dynamisch, prickelnd, bitzelnd, säuerlich-zitrisch. Ein Hesperidenschwall mit dominanter Bergamotte, der Freude macht und den Kopf wach hält, umrankt von ein bisschen grünem Blattwerk und subtilen floralen Anklängen. Dazu gesellt sich eine Prise Tee und die Basis wärmt sandelholzig und moschusgeschwängert. Erinnert mich ein bisschen an Carthusias Mediterraneo oder an Acqua di Parmas Blu Mediterraneo Bergamotto di Calabria und befindet sich insofern in bester sommerlicher Gesellschaft.

Monsieur Mon Amour – beschwört die große Liebe, oder wie darf ich das verstehen?

„Elegant, Refined, Smart. Ultimate elegance signs this fragrance: the glowing of the hearth and the feeling of cosy leathers for an unusual and astonishing refinement. When the incense of Somalia meets the attar of the wood of Gaïac of Paraguay. Serenity.“

Was sich in der Theorie eher abenteuerlich anhört, hat auf dem Teststreifen tatsächlich das gewisse Etwas: Die Mischung aus Zitrusfrüchten, Jasmin, Hölzern und Leder, die ich mir vorab nicht so richtig vorzustellen vermochte. Der Teststreifen kündet von einem Strahlemann: Zitrisch-dynamisch mit einem interessanten Weißblüher-Kick, gebettet auf den üblichen Holzverdächtigen und von einem kühlen Leder veredelt. Hat was – leider nur auf dem Papier. Mein Handgelenk potenziert die vorhandenen Agrumenfrüchte derart, dass mir eine lange Zeit nur noch Fruchtbonbons im Stile von Nimm2 entgegenleuchten. Jene Vitaminexplosion zügelt sich im Verlauf des Duftes, sodass sich Haut und Papier vom Ergebnis her wieder annähern, trotz allem gefällt mir das Ergebnis auf meinem Händchen so nicht. Ich bin aber auch kein Mann, an denen wird sich Monsieur Mon Amour ohnehin schöner entfalten, da bin ich mir sicher.

Für diese Woche werde ich es damit bewenden lassen, nächsten Montag geht es dann weiter mit den letzten beiden Damendüften.

Bis dahin alles Liebe und Euch ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Electric von Kavewall, Photograph of aviator Charles J. Biddle (born 1890), Toul, September 1, 1918 via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Von Schwertern & Samurai – Atelier Flou die Zweite.
Atelier Flou die Vierte – Die Damen.


Von Schwertern & Samurai – Atelier Flou die Zweite.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Holziges am 19.01.2012

Gestern hatte ich mit dem ersten Duft der neuen Atelier Flou-Kollektion begonnen – da das eine Dame war, kommt heute ein Mann an die Reihe, damit sich jene nicht allzu benachteiligt fühlen. An Herrendüften stehen diese Woche von Atelier Flou Katana, Black Purple, Eau d’Aviateur und Monsieur mon Amour auf dem Programm – meine heutige Aufmerksamkeit möchte ich auf den ersten Kandidaten lenken.

Für den Namen von Katana stand ein Schwert Pate, und zwar ein ganz besonderes: Während man heute im Japanischen den Begriff wohl generell für Schwert verwendet, ist eigentlich ein spezielles japanisches Langschwert gemeint, das früher vornehmlich von Samurai verwendet wurde. Es handelt sich hierbei um ein geschwungenes Schwert mit einseitiger Klinge, das im Gegensatz zu vielen anderen Schwertern zweihändig geführt wird. Und, nicht wirklich wichtig, aber vielleicht ganz interessant – es ist nicht das Schwert, mit dem traditioneller Weise der in unseren Breitengraden als Harakiri bezeichnete Seppuku begangen wird. Dafür nimmt man ein Wakizashi, das meist speziell für diesen Anlass mitgeführt wird. Was viele aber nicht wissen, ist, dass man sich bei dieser Suizidform von einer weiteren Person unterstützt, für die es als große Ehre gilt, einem den werten Schädel abzuhacken, bevor es zu unmenschlich wird mit den Schmerzen – und exakt dieser Akt der Würde und Gnade wird klassisch mit einem Katana vollzogen.

Samurai – da stoßen Atelier Flou aber eine Tür auf… Dieser alte japanische Kriegeradel, der neben den Ninja zu den berühmt-berüchtigsten Gestalten des alten Japans zählt. Im Gegensatz zu den Ninja, denen nachgesagt wird, dass sie Spione und Meuchelmörder waren, ist die Existenz und das Leben der Samurai historisch sehr gut belegt und gesichert. Waren sie ursprünglich nur Soldaten im Dienste des Kaisers und des Adels, stiegen sie mit der Errichtung einer Militäraristokratie (Shōgunat) in die regierende Schicht auf. In der Edo-Periode wurde mit William Adams Anfang des 17. Jahrhunderts sogar ein Europäer, der erste, in den Samurai-Stand erhoben.

Auch Carons Herrenduft Yataganhier von Harmen rezensiert – flößt schon Respekt ein mittels seines Namenspaten, dem osmanischen Säbel. Ein Samurai-Schwert allerdings macht schon mehr her – vor allem, wenn man so viele Martial Arts-Filme gesehen hat wie ich. Martial Arts haben ihren Ursprung nämlich bei den Samurai – wenig verwunderlich, dass Samurai ein großes Thema in derlei Filmen sind, und zwar bereits seit den 20er Jahren. Die Samurai sowie die japanischen Filme über diese Kriegerkaste inspirierten auch viele Regisseure jener heute als Klassiker geltenden Western wie zum Beispiel Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar. Absolut zu Recht, zählt doch beispielsweise Akira Kurosawa Kritikern zu den weltweit einflussreichsten Regisseuren.

Hier ein Ausschnitt aus seinem 1957 entstandenen Meisterwerk „Throne of Blood“, auch „Spider Web Castle“ genannt, das eine abgewandelte Interpretation von Shakespeares MacBeth darstellt – jede Menge Samurais, meine Lieben!

Aber kommen wir wieder zurück zum Duft – ich hoffe, er enttäuscht meine durchaus gewichtigen Vorstellungen nicht…

“Strong, Powerful, The sun of the East. Much personality and sensuality in this fragrance inspired by the sharp edge of the saber of the Samurai. It takes risks by associating attars of cypress of Italy, coriander of Russia and cardamom of Guatemala for a unique harmony of strength and excellence. Power.”

Als kraftstrotzend und viril wird er beschrieben, mit ausgeprägter Persönlichkeit – nichts anderes erwarte ich von einem so benannten Duft, aber das werdet Ihr bereits vermutet haben ;)

Kühl weht er mir entgegen – holzig-ernste Zypresse und fruchtig-samtener Wacholder, eine nahezu ideale Kombination. Und viel mehr braucht es hier auch nicht: Kardamom gesellt sich in grüner Frische hinzu, Koriander würzt sanft und als Träger fungiert ein weicher Moschus, während dem Ganzen von Patchouli Tiefe eingehaucht wird. Ein stolzer Krieger, der seinen Idealen folgt – und auch meinen, erinnert er mich doch ein wenig an meinen heißgeliebten (neuen) Sycomore von Chanel. Zentrale Duftnoten sind gleich, nämlich Wacholder und Zypresse, bei Sycomore dominiert allerdings salzig-grasiger Vetiver, während dieser Krieger hier auch sanfte Seiten zeigt – eine distanziert-kühle Süße und Weichheit legt er an den Tag, der Knabe, und weiß damit durchaus zu verzücken.

Mal sehen, ob ich das auch von den anderen Atelier Flouschen Männern behaupten kann…

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Obata Toshishiro, Shinkendo-Gründer, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Atelier Flou die Vierte – Die Damen.
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Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes,Holziges,Solifloral am 17.01.2012

Die Rezension von Herrn Zoltys À bientôt dieser Tage hat mich an ein lange gehegtes Versprechen erinnert, das ich heute endlich einlösen möchte: Ein wirklich Vergessener, lange Vergessener und absolut zu Unrecht vergessener Duft – extra für die liebe Christiane, Simone Cosac, Perle de Bianca. Ende 2010 hatte ich von Trama geschwärmt und verkündet, mich bald des anderen Cosac-Duftes anzunehmen, was bis heute noch nicht passiert ist, Asche auf mein Haupt. Dabei ist Perle de Bianca, dessen etwas tiffiges Outfit wohl einige abschrecken dürfte, jede Rezension wert! Wer einen madamigen Duft hinter diesem Flakon vermutet, ist vollkommen auf dem Holzweg: Perle de Bianca ist eigentlich ein sehr einfacher Duft und ähnelt ein bisschen der Slowfood-Bewegung. Die Ingredienzen sind überschaubar, sehr sogar – Neroli im Kopf, Iris, Jasmin und Brombeere im Herzen und eine Basis aus Ambra, Moschus und Weihrauch. Was sich wenig spektakulär anhört, entpuppt sich als zarter sinnlicher Duft: Im Auftakt zitrisch-herb und säuerlich bitzelnd durch die Früchtchen rieche ich in deren Zusammenspiel sogar kurz eine Stachelbeere und dezente grün-grasige Akzente. Der Fokus geht alsbald auf den Boden unter den Früchtchen – erdig-pudrig wurzelt Iris und stiftet Seidenweiche, während Jasmin zart vor sich hin knospt. Das Zusammenspiel von Iris und Jasmin sowie Brombeere und Bergamotte ist himmlisch und wird auf gekonnte Weise untermalt von aromatischer, brusterweiternder und fein-süßer Myrrhe, bis es auf einem warm-weichen Lager Ruhe findet. Ein erlesen schöner, leiser, femininer Duft.

Silvana Casoli von Il Profumo war einmal mehr überaus fleißig – und hat ihre Kollektion gleich um vier neue Düfte erweitert: Santal Rouge, Songe de Tulipe, Blanche Jacinthe und Fleur de Bambù erwecken den Eindruck, als künden sie vom nahenden Frühling – auf den ich, obgleich es noch nicht einmal wirklich verschneiter Winter war, mittlerweile schon wieder Lust hätte…

Santal Rouge überrascht mit zitrischen Noten im Kopf, die alsbald von Unterholz eingeholt werden: Samtiges Sandelholz bahnt sich seinen Weg, von zimtig-würzigen Anklängen samt einer Gewürznelke begleitet. Eine dezent-säuerliche Frucht vermag ich zu entdecken, Johannisbeere? Ein Blick auf die Ingredienzen sagt mir, dass das möglich wäre: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Rote Beeren, Sandelholz, Nelke; Basisnote: Rosenholz, Gewürznelke.

Santal Rouge entfaltet einen eigenartigen Reiz: Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich kein ausgeprägter Sandelholzfan bin? Es erinnert mich allzu oft an Herrenfriseure, Rasierwasser und ähnliches – nicht unangenehm, aber nicht unbedingt das, wonach es mich zu duften gelüstet. Santal Rouge haftet auch etwas dieses, ich nenne es mal „Altherrencharmes“ an, der sich aber als fast unumgänglich bei dieser Ingredienz entpuppt. Gepaart und aufgelockert zeigt sich das Hölzchen allerdings von den säuerlich-prickelnden Fruchtnoten von Beeren und Hesperiden. Diese generieren eine eigentümliche Frische, die Santal Rouge unbestritten zu einem zeitgemäßen Vertreter seiner Gattung machen, für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar.

Songe de Tulipe zaubert mir beim Aufsprühen sofort ein strahlendes Lächeln ins Gesicht – und lange habe ich überlegt, an was er mich erinnert… Der Tulpe ist er gewidmet, der Duft. Einen ebensolchen und sehr schönen Vertreter gibt es ja von Byredo – Casolis Tulpe ist aber anders: Weniger wässrig-transparent und ein bisschen… fruchtiger? Als Ingredienz ist nur die Tulpe angegeben, ich bin mir aber nahezu sicher, dass Songe de Tulipe auf meiner Haut nicht nur süß-floral duftet und feucht, sondern auch nach… Sorbet. Da ist sie, die Kindheitserinnerung an das kleine, pittoreske italienische Eiscafé. Der Duft von einem exzellenten zart-schmelzenden Beerensorbet, Himbeere oder Erdbeere, erobert meine Nase. Von sanfter Süße und mit einem Keks garniert zeigt sich Songe de Tulipe auf meiner Haut, alsbald eingeholt von einem Hauch minzig-süßer Frische. Welch schöner Frühlingsbegleiter – nach Coquelicot meine zweite Lieblings-Il-Profumo-Blume.

Blanche Jacinthe ist eine Hommage an die Wasserhyazinthe – und riecht dafür auch ganz typisch: Dieser besondere Blütenduft, der auf seine ihm genuine Art einen Großteil der Elemente miteinander verschmelzen lässt: Wasser, Erde und Luft finden sich, während auf das Feuer zugunsten des Metalls verzichtet wird. Eine beschwingte Blütensüße wird von dunkelgrün-chypriertem Blattwerk kontrastiert, während der Duft von einer sachte ambrierten Moschusbasis getragen wird.

Fleur de Bambù lässt mich sofort schmunzeln – der Bambusblüte gewidmet, vereint er etliche Zutaten, die man in einem solchen Duft vermuten würde: Rica Rica (ein Eisenkrautgewächs, vornehmlich in Südamerika beheimatet), Bambus, Seerose, Lotosblüte, Reis, Milch und Efeu. Jene für die verwendeten Blüten so typische wässsrig-florale Aura lässt sich sofort entdecken, von fein-transparenter Süße begleitet. Grüne Anklänge, hinter denen ich sogar meine, zeitweise eine überaus unreife Banane oder vielmehr deren Blätter wahrzunehmen. Und Reis, vielmehr – Milchreis, der irgendwo am Rande dieser Impression körnt und cremt, von sanft-koketter Süße begleitet. Aber keine Angst – genügend Sauberkeit findet sich hier natürlich auch, wie es sich für einen Bambusduft gehört. Für Freunde dieser Sorte Düfte empfiehlt sich mit Sicherheit ein Test.

Wie bei Il Profumo üblich sind die Düfte zum Layern empfohlen. Wie steht Ihr eigentlich dazu? Il Profumo ist ja nicht die einzige Firma, die diesem Konzept frönt, Jo Malone und Etro sind ebenfalls bekannt dafür, um nur einige zu nennen… Layert Ihr gerne? Layert Ihr viel? Was layert Ihr – Düfte, die speziell dafür gedacht sind oder alles kreuz und quer? Und – was für Kombinationen haben es Euch angetan?

Gespannte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gelbe Tulpen von Warburg, August Macke (1911): Hyazinthen, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Schokoladenpüppchen…


Andrea Maacks duftende Kunstwerke – Teil 2.

Geschrieben in Duft,Holziges am 12.01.2012

Die Isländer sind ein sehr unterhaltsames Völkchen – umso mehr freue ich mich, dass dieser Tage auch eine isländische Parfumkollektion in unserem Shop landete, die einzige, die ich bisher kenne und die ich Euch dieser Tage vorstellen mag.

Gestern hatte ich bereits mit Smart begonnen, dem ersten Duft aus der Kollektion der Künstlerin Andrea Maack, heute geht es mit Craft und Sharp weiter.

„Craft stands for Couture Art, drawing heavily on the originality of artists. This scent was created for a museum show to enhance the experience of a unique work of art, a hand made sculptural dress made from original pencil drawings. With Craft, you can feel the concentration, the charcoal colliding with paper and the sheer perseverance of the artist. As an homage to Haute Couture and unusual fragrances, Craft is a godlike scent for a once in a lifetime experience.“

Frau Maack mag also Mode – und trumpft ziemlich auf mit ihrem Versprechen einer einzigartigen Lebenserfahrung. Ich bin gewappnet und zücke gleich mal mein Röhrchen…

Craft stürmt einem entgegen – und rennt einen dabei fast um. Ausgewachsene metallische Noten, gezückte kalte Waffen, die gen Nase vordringen. Eiseskälte, klirrend – ob nun der Atmosphäre oder dem Stahl geschuldet. Beißende Aldehyde kreieren eine feucht-nasse und gleichermaßen säuerlich-fruchtig-unreife, aber subtile Aura, die die aufgewühlten Emotionen, die man hinter diesem bombastischen Eindruck vermutet, eloquent olfaktorisch darzustellen vermögen. Irgendwo in der Betrachtung dieses Geschehens wandelt sich selbiges aber, Stückchen für Stückchen. Eine schleichende Metamorphose, die, in was eigentlich mündet? Ganz sicher bin ich mir da nicht – entweder in einer Sauna, vielmehr: davor, nach dem Saunagang, am Fjord. Oder auch in einem Kloster welcher religiösen Ausprägung auch immer, nach der Meditation, von Schwaden von Räucherwaren umgeben. Ruhig wird es, und kontemplativ, erfreulicherweise auch ein wenig wärmer.

Sehr interessant, was Maack uns da serviert – obgleich ich den Zusammenhang mit dem papiernen Kleid gedanklich nicht hinbekomme. Dass Craft aber eine ziemliche Ausnahmeerscheinung ist und gewöhnungsbedürftig, das unterschreibe ich sehr wohl. Die Ingredienzen möchte ich Euch nicht vorenthalten – Aldehyde, Elemiharz, „kaltes Metall“, Eis, Zedernholz und Patchouli flossen in die Phiole. Schwefel hätte eigentlich auch noch ganz gut hineingepasst – riecht es doch überall in Island danach, auch und gerade aus dem Wasserhahn.

Der nächste Duft ist Sharp:

„Sharp was made for an art exhibition to accompany an artisanal dress with drawings carved into the material, creating a repetitive signature pattern. The precision of the artwork can be found in the essence of this scent, within the delicate layering of notes, which sharpen as the perfume is dissected. Sharp is a statement piece, an attention seeker – you will never go unnoticed whilst wearing it.“

Aufmerksamkeit zieht Sharp also an und ihm wohnt ein Moment der Wiederholung inne – was ja nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, wie ich nicht nur dank Kierkegaard weiß. Prägnanz leite ich daraus ab und, ja, Durchdringung. Bevor ich aber weiter brainstorme die Zutaten: Orangenblüte, Vanille, weißer Moschus, „Sanftheit“ und, man höre und staune, „Engelshaut“.

Für Harmen wäre die Sache jetzt klar: Björk in a bottle. Wir werden sehen… Vielleicht, vielleicht passt aber Björk gar nicht so schlecht, wie ich alsbald feststellen muss: Orangenblüte, süß-floral wie eh und je, in Kombination mit cremig-sahniger Vanille und watteweichem Moschus. Feminin und, würde Sharp hier verharren, lieblich, aber nicht weiter besonders. Sharp ist aber ein Chamäleon, entzieht sich und lässt wie eine Verführungskünstlerin alle paar Momente irgendeine unerwartete Facette hervorblitzen: Zu anfangs meinte ich eine Zigarette, eine verstohlen gerauchte, zu erhaschen, dann zeigen sich grasig-bittere Anleihen, die vermutlich zur niedrigwüchsigen isländischen Vegetation passen. Blüht da etwas, klein und zwischendrin? Ich vermag es nicht genau zu sagen, und schon geht es weiter. Herb-fruchtige Beeren wabern für einen kurzen Augenblick an meiner Nase vorbei, um Sekunden später wieder verschollen zu sein. Dafür meine ich jetzt Haarspray zu entdecken, das alsbald von verhaltenem Rauch verweht wird. Münden tut das Ganze auf meiner Haut in einer Art grasigem Neroli-Marshmallow.

Seltsam ist Sharp, eine eigenartige Interpretation, für die Björk in der Tat die richtige Patin zu sein scheint: Feminin, lieblich, mit einer gewissen Tücke, sprühend, auf eine gewisse Weise unstet, charmant, feinsinnig, bemerkenswert vertraut und fremd gleichermaßen.

Ich bin gespannt auf die letzten beiden Düfte der Kollektion, die morgen folgen – Ihr auch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Warrior von Blogman/Phillip Collier, Sauna von Marta Rostek, Björk auf dem Hurricane 2003 von Zach Klein, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Andrea Maacks duftende Kunstwerke – Teil 3.
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Freitagsverlosung.


Warmes Sandelholz an kalten Tagen – Santal Noble

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 9.01.2012

Heute möchte ich Euch einen Duft vorstellen, der meines Erachtens ganz hervorragend in die kalte Jahreszeit passt: “Santal Noble” von Maître Parfumeur et Gantier. Zugegeben, Sandelholzdüfte haben bisweilen den Hang dazu, in eine doch sehr traditionelle Richtung zu gehen. Aber gerade dieser Duft macht mich neugierig, sind doch tolle Zutaten wie Kaffee, Weihrauch und Eichenmoos angegeben, von denen ich mir eine interessante Wendung verspreche. Nach dem Aufsprühen ist natürlich sofort klar, dass man es mit Sandelholz tun hat. Der holzige, aber auch helle und saubere Duft verbreitet sich sogleich, und auch die Nuancen von Weihrauch und Patchouli sind wahrnehmbar.

Sandalwood

Der erste Eindruck auf der Haut überrascht mit einer noch stärkeren Frische, die auch grüne Noten in sich trägt – es könnte hierfür der Vetiver verantwortlich sein oder die nicht näher spezifizierten Gewürze. Die Frische verfliegt daraufhin und der holzige Kern des Duftes zeigt sich deutlich. Weihrauch und Patchouli bleiben auf der Haut meiner Meinung weiter im Hintergrund als auf dem Streifen. Heute habe ich es mal mit einem Duft zu tun, der mir auf der Haut weitaus besser gefällt als auf dem Teststreifen. Er wird wärmer, harmonischer und auch individueller – ein sehr gutes Beispiel für einen Duft, der sich angenehm in die eigene Hautchemie einfügt.

chesterfield

Jean-François Laportes Kreation erweist sich als klassisch und warm und ist sicherlich bei den Herren der Schöpfung etwas besser aufgehoben als bei den Damen. Ich sehe hier eher einen gestandenen Mann als einen Springinsfeld – und wer sich zum Beispiel für Chanels Antaeus begeistern kann, wird auch hier bestimmt nicht enttäuscht werden.

Kopfnote: Kaffee, Gewürze, Weihrauch; Herznote: Sandelholz, Patchouli, Vanille, Vetiver; Basisnote: Ambra, Eichenmoos, Castoreum

Ich muss außerdem an die Herrenzimmer des 19. Jahrhunderts denken. Zwar ist es auf der einen Seite – nach heutiger Sicht – ein Gräuel, dass Frauen der Zutritt nur zur Reinigung des Zimmers oder zu “Unterhaltungszwecken” erlaubt war, auf der anderen Seite finde ich die Vorstellung einer reinen Herrenrunde ganz erfrischend. Gutes Essen, feine Spirituosen, ein Pfeifchen schmauchen, Diskussionen über Politik und Wirtschaft und all das in einem Ambiente aus dunklen Holzmöbeln, alten Ledersofas, und dekorativ gebundenen Büchern – Ihr seht schon, das wäre genau mein Fall. Um auf unseren Duft zurückzukommen – “Santal Noble” würde hier gut hineinpassen. Seht Ihr das auch so?

Liebe Grüße
Harmen

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In 80 Tagen…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Gourmand,Holziges,Reines und Pudriges am 21.12.2011

um die Erde reiste Phileas Fogg im gleichnamigen Roman des Franzosen Jules Verne – und wir, meine Lieben, wir reisen in drei Tagen um, vielmehr: durch die Welt des Herrn Antonio Visconti. Dessen Duftkollektion ist nämlich dieser Tage bei uns ins Sortiment genommen – für mich Anlass genug, mir diese bis dato für mich komplett unbekannte Linie einmal ausführlich zur Brust zu nehmen und unter die Nase zu klemmen.

Antonio Visconti selbst war ein – Handschuhmacher, ansässig in Paris, der später in Italien die hohe Kunst des Parfumeurshandwerks erlernte. Über 150 Jahre ist das jetzt her – und die Kollektion ehrt jenes Handwerk, indem sie ausschließlich aus erlesenen Ingredienzen besteht, meisterlich umgesetzte Düfte offeriert und mit sehr hohen Konzentrationen brilliert. Soviel zum Hersteller, stürzen wir uns doch gleich ins wohlduftende Getümmel…

Le Temps d’Hiver, die Zeit des Schnees… sollte ja jetzt gerade sein, passt also eigentlich ganz gut. Und Schnee sieht man hier ähnlich umgesetzt wie bei einem anderen Italiener, dem Philosophen Lorenzo Villoresi: Ein Puderzuckerwintermärchen. Die Verwandtschaft mit Teint de Neige ist nicht von der Hand zu weisen, Le Temps d’Hiver ist aber für mich erträglicher, weil einen Tick weniger süß-pudrig-opulent. Was jetzt aber nicht heißt, dass es hier nur verhalten pudrig zur Sache geht: Ein weicher Wintertraum von Mandelwatte in Blütenmilch getaucht, von Samtmarzipan umhüllt und in Hautcreme gebadet.

Cœur de Vanille, das Vanilleherz, wird nicht nur die Herzen von Vanilleliebhabern höher schlagen lassen: Haselnuss, schönste Haselnuss findet sich hier in diesem kleinen Gourmandschätzchen. Eine geröstet-nussig-rauchige Vanille, von pudrigem Kakao verfeinert und von holzigen Anklängen untermalt. Trockene (Ge)Würzigkeit, süße Pfefferschärfe – eine ungewohnte Vanilleinterpretation, die Vanillefans noch zu überraschen vermag und Gegner klassischer Vanilledüfte ebenfalls. Die könnte sie sich nämlich ebenfalls zu Freunden machen.

Bois de Gayac zielt in eine gänzlich andere Richtung: In Micallefschen Gaïacträumen verharrend, hatte ich mir eigentlich einen warmen Holzling vorgestellt. Den entdecke ich hier nicht, oder vielmehr: ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Von einem selbstsicheren Mann ist da die Rede, von dampfender Erde und rauchigem Holz, von Ritualen, Spiritualität und Wellness. Ein bisschen viel Tamtam und Blabla enthüllt einige Sekunden später einen wirklich außerordentlich schönen Duft: Balsamisches Guajakholz von verhalten süßer Wärme vor einem dezent harzigen Hintergrund, von aquatisch anmutenden Zitrusfrüchten, vornehmlich Orange, gekonnt akzentuiert. Ein überaus schönes Hölzchen, elegant, maskulin und dynamisch – sicherlich aber auch an der richtigen Frau ein Treffer.

Soir de Mer, der Abend am Meer, wird natürlich richtig aquatisch, aber auf eine tolle maritime Art und Weise. Will sagen – man riecht sofort, dass wir es hier mit keinem Discounter-Duschgel-Aroma zu tun haben, ganz im Gegenteil: Der Abend am Meer ist meisterlich umgesetzt mit zitrischen Sternchen, die von luzider Rose durchdrungen werden, Jasmin und schwarze Johannisbeere im Herz sowie Seegräser, Iris, Adlerholz und Tonka in der Basis. Aber was erzähle ich, der Eindruck ist es, der zählt. Ich finde mich hier wieder beim Rendezvous im einsamen Strandlokal, mit einem Mann, der zwar eine unterschwellige Süße offenbart, aber fern von jeglichen Süßholzrasplern rangiert. Für diesen Nicht-Berlusconi und Nicht-Briatore ist dieser Duft perfekt – wohltemperiert und von selbstbewusster, aber keineswegs aufdringlicher Virilität.

Bisheriges Fazit: Bella Italia! Typisch italienisch – und das ist Gott sei Dank dufttechnisch ein Gütesiegel!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Snow Hikes von Michael Faes, Hazelnut von Eran Chesnutt, Evening at Trieste von MichaelaW, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Freitagsverlosung.
Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 13
Winterneuheiten.


Spezereien aus fernen Ländern

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 6.12.2011

Es wir heute morgen vermutlich zwei Personengruppen gegeben haben. Diejenigen, die morgens schon einigermaßen wach sind, haben sich über kleine Geschenke in ihren Stiefeln gefreut und beginnen nun den Tag beschwingt und in vorweihnachtlicher Stimmung. Die anderen, die einige Anlaufzeit und koffeinhaltige Heißgetränke benötigen, um den Schlaf abzuschütteln, sind heute morgen wahrscheinlich ungewohnt schwungvoll in ihre Stiefel gefahren, um am heutigen Tage einen Duft aus erlesensten Noten von Mandarine und Schokolade am Fuß zu tragen. In diesem Fall sollte man sich aber nicht die Laune verderben lassen und sich lieber auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren.

Nürburg-St.Nikolaus151

Für den heutigen Tag habe ich einen Duft ausgewählt, der ganz gut in die dunkle Jahreszeit passt und der mit Noten von Kaffee, Zedernholz, Myrrhe und Leder angegeben ist. Ich spreche von „L’Eau du Navigateur“ von L’Artisan Parfumeur.

Eines vorweg: dieser Duft könnte ein Kracher sein, schaut man sich die Duftnoten an, ist er aber nicht. Das Wasser des Seefahrers erweist sich als feine Gewürzware aus fernen Ländern. So sind in „L’Eau du Navigateur“ die Noten von Kaffee, Hölzern und Harzen kunstvoll arrangiert. Gerade aber die Myrrhe gibt dem Duft einen balsamischen Unterton, der keinerlei Ecken und Kanten zulässt, die wiederum bei Kaffee und Hölzern durchaus denkbar wären. Also haben wir es keineswegs mit exotischen Feuerwerken oder überaus fremdartigen Eindrücken zu tun, sondern vielmehr mit einem wohlbemessenen Griff in den Gewürzschrank. Wer winterliche Weihnachtsharmonien sucht, ohne aber allzu duftgewichtig oder gourmandig daherzukommen, für den dürfte dieses Werk von Jean-Claude Ellena genau das Richtige sein. Süßes Naschwerk sucht man jedoch besser an anderer Stelle.

Immerhin begehen viele Menschen heute den Gedenktag des Heiligen Nikolaus von Myra, manche als christlichen Feiertag, andere aus ganz weltlichen Gründen. In jedem Fall liege ich mit dem heutigen Duft nicht ganz falsch, denn auch der Heilige Nikolaus (geboren im 3. Jahrhundert n. Chr.) stammt aus einem fernen Land. Myra gehörte lange zum Römischen, später zum Byzantinischen Reich. Heute heißt der Ort Demre und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich von Antalya in der Türkei.

Vielleicht mag jemand einen Kommentar hinterlassen, welchen Duft er/sie zum heutigen Nikolaustag trägt? Kennt und mögt Ihr „L’Eau du Navigateur“?

Ganz viele Grüße sendet Euch
Harmen

Bildquelle (unteres Bild): Myrrhe von Photohound via Wikimedia Commons – vielen Dank!

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Olfactive Studio – die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 16.11.2011

Autoportrait ist der zweite Duft der neuen Nischenduftfirma Olfactive Studio – und er bedient sich hohen Motiven, geht es doch, einmal mehr, um das Selbst:

„A self-portrait may be the answer to this equation in one unknown: the self. Eternally superficial, beauty gives us access to the profound, hidden meaning of nature. Seeing one’s reflection is to experience inner harmony; one that ignites an aesthetic emotion that, through the gaze, is able to dissolve all inner conflicts. It is not forbidden to be fascinated, swept away, spellbound by one’s own image. Aesthetic judgment is reflective judgment. What fascinates us really? Beauty itself or that which it conceals? There is nothing here to hide for this is all about the self. I confide without holding back. There lies a promise of shared happiness.I look at myself and in that self perceive the beauty of the world. I embrace the gentle violence of meaning, one that enters me through the doors of sensitivity. Gaze into your image to have a clear mind and heart. Like an intimate and visual diary, the self-portrait reveals the truth or fiction of your own face at any given time. Repeat the process as many times as necessary. The self-portrait is, beyond all doubt, conducive to contemplation. Delve into the depths of the self by perusing the surface. Welcome the fluid metaphor for it fits into the frame. The first faithful surface, well before the mirror, it is like the ancestor of the technique of immortalizing one’s own reflection. The beautiful Narcissus is the eternal witness. Seeing his face upon the waters, he fell in love.“

Das kurze Textchen des Photographen Luc Lapôtre, der seine Karriere als ebensolcher erst während seiner Tätigkeit als Hairstylist für Modedesigner begann, birgt natürlich jede Menge Eckpunkte, die als Ausgangsposition für diverse existentielle und somit genuin philosophische Fragestellungen taugen: In mir sehe ich die Schönheit der Welt. Schönheit als Anfang der Weiterentwicklung – die findet sich auch bei Platon, nämlich in der Liebe. Und Selbstliebe sowie -annahme ist Basis jeder persönlichen Weiterentwicklung. Die berechtigte Frage nach dem Wesen von Schönheit taucht auf genauso wie die Subjekt/Objektspaltung, Wir bzw. Ich und das „Außen“, das Andere, die Anderen. „Ich bin der, der ich gewesen sein werde“ – der französische Psychoanalytiker Lacan drängt sich geradezu auf mit seinem Spiegelstadium, dem defizitären Selbst und vielem mehr.

Alles nicht so einfach meine Lieben – die Kantischen Fragen eben: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? – alle vier in „Was ist der Mensch?“ mündend. Es zieht sich eben, die Frage danach, wer man ist und was der Sinn des (eigenen) Lebens ist. Da kann auch Apple offensichtlich keine befriedigende Antwort darauf liefern – aber zumindest lustige, wie man hier in der netten kleinen Bildserie im Spiegel zum Apple-Assistenten Siri (ab Bild 8) lesen kann.

Aber zurück zum Duft: Autoportrait soll also ein Duft für einen selbst sein, etwas Kontemplatives, Ruhiges, Tiefes:

„An intimate and deep perfume, Autoportrait is a fragrance you wear for yourself, resonating with your own personal harmony. A companion, a reflection of yourself, familiar and warm, in which you rediscover your own spirit and inner serenity. The soul of woody notes laid bare. A soothing dose of nature and enveloping resin. Breathtaking in the deliberate unveiling of its many facets, the essence of Autoportrait is truly revealed in its silage… absolutely addictive!“

Zu sich selbst kommen kann man mit Autoportrait also wohl, ein Begleiter, der Geborgenheit und Vertrautheit einflößt, eine Trutzburg. Und ebenjene stammt von Nathalie Lorson, die bei Firmenich tätig ist und schon für etliche nette Düftchen verantwortlich war: Paul Smith Man, Encre Noir von Lalique, der schöne Vetiver, Another 13 für LeLabo und natürlich Bulgaris Femme, um nur einige zu nennen.

Autopotrait kreierte sie mit folgenden Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Elemiharz; Herznote: Benzoeharz, Weihrauch, Moschus; Basisnote: Eichenmoos, Vetiver, Zedernholz.

Heraus kommt ein Duft, auf den obige Attribute perfekt passen: Ein schöner, erhabener harziger Holzling – Kühl und samtig, holzig und dezent rauchig, von Watteweichheit umgeben, fluffig, aber doch bestimmt und mit jener Note versehen, die ich nicht besser benennen kann als mit „irgendwie knetig“. Selten kommt sie vor in Düften, aber immer wieder.

Insgesamt würde ich sagen, dass hier Costume Nationals Homme den Zimt zu Hause ließ, um sich mit Byredos Gypsy Water zu einem netten Stelldichein zu treffen, welches auf dem Marktplatz von La Collina Toscanas Loggia dei Mercanti stattfindet.

Könnt Ihr mir folgen? ;) Morgen folgt noch der letzte Duft in der Olfactive Studio-Reihe – bis dahin

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie Olfactive Studio in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Olfactive Studio – die Dritte.
Olfactive Studio…
Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen


Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 4.

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 11.11.2011

Mit den letzten beiden Düften in unserer fröhlichen Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire-Runde möchte ich diese Woche beenden, mit Cologne Noire und Bois d’Iris.

Bois d’Iris, der Name kommt uns bekannt vor. Und ehrlich gesagt finde ich ihn ungeschickt bis dämlich gewählt. Gut, ja, ich verstehe, aber – es gibt einfach schon viel zu viele Düfte, die (genau) so oder so ähnlich heißen, allen voran The Different Companys Bois d’Iris.

Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Test des Duftes von Emilie Bevierre-Coppermann (hat sie geheiratet?), wahrlich. Die Dame, die bisher für Lagerfeld, Lalique, Givenchy, Burberry, Lancaster, Paco Rabanne und einige mehr gearbeitet hat, hat mit Bois d’Iris eine schöne Erweiterung der bereits sehr breiten Palette an Irisdüften geschaffen: Edel und elegant, wie die Blume selbst, deren Wurzel es ja ist, die in Düften verwendet wird.

Ein Duft, der für mich so gut wie alles beinhaltet, was die Faszination von Iris ausmacht: Jene erdig-ledrige Kühle in Kombination von pudriger Samtigkeit, cremige Anklänge, die an den Geruch von Lippenstiften erinnern und seidene Holzigkeit. Dieses Facettenfeuerwerk wird von einer exzellent harmonierenden Basis untermalt: Ambra, Myrrhe, Labdanum, Hölzer und Weihrauch – diese lassen die Iris glühen auf einem Bett aus harzig-ambrierter Wärme und rauchig-knarzigen Hölzern, mit einem etwas kühleren Abgang versehen.

Was sich vielleicht kräftiger liest ist in natura kein heftiger Charakter: Bois d’Iris lebt zwar seine Iris zwischen Hölzern und Harzen aus, ist aber, ganz wie es sich für diese königliche Pflanze gehört, ein wohltemperiertes distinguiertes Exemplar, das ich mir an Frauen wie Männern gleichermaßen gut vorstellen kann.

Cologne Noire ist natürlich ebenfalls ein Kandidat für beide Geschlechter und ist eine Kreation von Mark Buxton, der uns, wie die meisten wissen, schon mit vielen Düften um den Verstand brachte: Mich ganz besonders mit Le Labos Vetiver 46 sowie Comme des Garçons 2, darüber hinaus schuf Monsieur aber noch eine ganze Reihe weiterer Volltreffer – für Comme des Garçons, Burberry, Givenchy, Chopard, Biehls Parfumkunstwerke, den schönen Jil Sander Scent 79 for Men, Angelo di Fiume und Notte Bianca für Linari und diverse mehr.

Herr Buxton, eher für Avantgarde-Düfte bekannt, und das klassisch-edle Label Van Cleef & Arpels finden zusammen für oder vielmehr in einer Cologne-Interpretation? Das funktioniert ganz wunderbar, wenn man sich nur die Zeit nimmt, dem Duft die Zeit gibt. Cologne Noire ist nämlich eher ein Vertreter der leiseren Töne, einer, dessen Komplexität und Schönheit man erst auf den zweiten Blick gewahr wird. Im Auftakt zeigt er sich als charakteristischer Vertreter seiner Gattung: Hesperidisch geht es einher mit säuerlicher Bergamotte und saftiger Mandarine, die sich alsbald von herbem Ingwer und krautig-waldmeisterigem Kardamom überlagert sehen, kontrastiert von einer feinen Prise schwarzen Pfeffers. Gewürze und Hölzer, oszillierend zwischen harzig-samtener Wärme und rauchiger (für Buxton obligatorischer) Weihrauchkühle, geben der Basis einen eleganten, aber gleichermaßen ultramodernen Anstrich. Und spielen für mich ein Spiel mit Licht und Schatten, eines, das ich ähnlich nur von Ellenas Bigarade Concentrée kenne (der allerdings unbenommen eine ganz andere Sorte Duft ist).

Chapeau, Mark! Einmal mehr ein typischer Buxton, wie immer (ok: meistens) traumhaft schön.

Kennt Ihr die Collection Extraordinaire schon? Und, wenn ja, welches ist Euer Favorit?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Shadow of a streetlight von drmatiz/Matthijs van Heerikhuize, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.
Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.
Duftjuwelen – Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire.


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