Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Als alter Komplettist…

Geschrieben in Blüten, Duft, Grünes, Hesperiden am 18.08.2010

ist es für mich dieser Tage wirklich ein Graus: Momentan häuft sich einfach alles. Wir haben soo viele neue Düfte im Shop, die ich Euch gerne vorstellen möchte, dazu kommen etliche neue oder auch neue alte Linien, die ich ebenfalls gerne in ihrer Ganzheit rezensieren würde, dann gesellen sich noch meine 237 Ideen hinzu, Artikel, die ich schon lange einmal schreiben wollte… Ich komme mir gerade ein bißchen vor wie Sisyphos: Kaum habe ich einen Stapel Duftfelsen den Berg hinaufgerollt, ergo vorgestellt, entfleucht mir der Fels wieder und ich muß von Neuem starten oder vielmehr: fünf Düfte rezensiert, fünfundzwanzig Neue hinzu oder so ähnlich. Nun ja, da hilft wohl nichts anderes als Kontinuität und Beharrlichkeit, ich bleibe am Ball oder besser am Duft ;)

Gestern hatte ich Euch den Signatureduft von Iris von Arnim vorgestelllt, den jene zusammen mit der Hamburger Parfumeurin Kim Weisswange kreierte. Nebenbei hatte ich hier bemerkt, daß Frau Weisswange annähernd zeitgleich auch noch für zwei andere Hamburger Labels Düfte kreierte – für Uli Schneider und Herr von Eden, deren Düfte ich Euch deshalb noch den Rest der Woche vorstellen mag.

Das Label (von) Uli Schneider besteht seit 1990 und ist nach eigenem Bekunden ein „Avantgarde“-Label mit „eigener Handschrift“, welches mit seinen Kollektionen durch „Stilsicherheit und hochwertige eigene Materialien“ besticht, „auf Understatement und edelste Materialien“ setzt und sich zu „Transparenz und klaren Linien“ hingezogen fühlt. Für mich eine recht zutreffende Eigencharakterisierung: Ich nenne einige Teilchen von Frau Schneider mein Eigen und sie zeichnen sich eben gerade durch die ansonsten eher aus Japan oder Belgien stammenden, teils architektonisch anmutenden und sehr puristischen Schnitte aus.

Die beiden Düfte von Uli Schneider wurden 2009 erstmalig lanciert und ergeben zusammen das „two of a kind“ benannte Duftkonzept: „Ein blumig frischer Tagesbegleiter und eine kräftigere Variante für den großen Auftritt am Abend“ sollen sie darstellen und sich somit ergänzen . Dieses „Konzept“ hat mich ein bißchen an die beiden Boatengs erinnert oder an Norma Kamalis Baby und Incense – wobei letztere, eigentlich letzterer ungeschlagen sind… sollte jemand einmal einen Weihrauch für Fortgeschritttene suchen, einen für 18, keinen für Anfänger, einen kompromisslosen – dann empfehle ich diesen hier, immer wieder gerne. Das nur am Rande.

Wenden wir uns wieder Frau Schneider zu. Sie selbst definiert laut ihrer Homepage ihren Stil als „Mode für die moderne, anspruchsvolle Frau – feminin, sexy und elegant. Meine Kundinnen sollen sich in meinen Kreationen den ganzen Tag über rundum wohl fühlen – ob am Vormittag im Meeting oder Abends im Restaurant oder in der Oper.“ Diesen Anspruch hat sie auch an ihr Duftduo, die, natürlich, auch in schwarz und weiß gehalten sind wie zwei (Gegen)Pole, die sich perfekt ergänzen.

No. 1 ist der Duft für den Abend – Madame Schneiders Tage beginnen also mit den Nächten, interessant, eine klare Priorität ;)

Die Ingredienzen: Kopfnote: Piment, Anis, Rosenholz, Pflaume, Mazis (Muskatblüte), Mandarine, Orange; Herznote: Magnolie, Tuberose, Ylang-Ylang, Zimt, Nelke; Basisnote: Zedernholz, Opoponax, Vanille, Moschus, Sandelholz, Vetiver.

… ehrlich gesagt sitze ich jetzt schon seit geraumer Zeit und überlege, was ich den so schreiben könnte… Beim Thema Abend und besagtem großem Auftritt geht mir jede Menge durch den Kopf: Dramatik und Theatralik, Präsenz, große Feiern mit großen Augenblicken, Festlichkeit oder auch nur Eintauchen in die glitzernden Lichter einer Großstadt und sich treiben lassen von Stelle zu Stelle oder besser: Lokalität zu Lokalität bis der Morgen graut – und das eben gerade nicht als graue Katze.

Nur hat die No. 1 davon so gar nichts – sie ist weder opulent noch ausufernd, nicht wirklich verführerisch, auch nicht betont betörend…

Wenn schon Nacht findet sich hier eher vielleicht ein Romantiker wieder und ich fühle mich an Chopins Nocturnes erinnert, genauer an Opus 9 No. 2, dieses populäre Stück: Mitternächtliche Naturbetrachtungen stelle ich mir dazu immer vor, einen einsamen Spaziergang bei fahlem Mondenschein, in dem man sich ganz seinen Gedanken reflektierend hingibt, innehält und, Rast machend, jene vertiefend in der Stille der Nacht.

Ein leiser, zurückhaltender, unaufdringlicher und hautnaher Duft, insofern sicherlich Understatement wie von Frau Schneider verkündet – kurz nach dem Auftragen ein paar fruchtig-frische Anklänge, die umso schneller von dem Herzen eingeholt werden: Sanft floral anmutend, vordergründig aber weich und mit einer sauberen Süße ausgestattet, die mich in ihrer Leichtigkeit an Schaumgebäck erinnert. Alles in allem – eine zarte Aura, feminin und sinnlich, anschmiegsam. Aber kein Duft, um das Haus zu rocken, egal welches – was ja aber nicht von Nachteil sein muß meine Lieben ;)

Die No. 2 ist überwiegend grün im Auftakt, läßt aber wenige Momente später schon die ersten Blüten durchblitzen: Ein kräftiges Alpenveilchen mit seinen naturaliter kauzig-aquatischen Anmutungen, welche von Pfingstrose und einem sauber-frischen Maiglöckchen unterstrichen werden. Sämtliche Zitrusfrüchte schluckt zumindest meine Haut gänzlich – auf dem Teststreifen leuchten diese immer wieder am Rande auf in säuerlicher Spritzigkeit. Hier zeigt sich ohnehin eine krasse Differenz zwischen Papier und Arm: Auf letztem entwickelt sich die No. 2 in ein Blütenbouquet mit kräftig Blattgrün umrankt und in einem kleinen Holzkörbchen gelegen. Der Teststreifen dahingegen macht daraus ein Stilleben und ergänzt um die Hesperiden, welche den Duft dort ingesamt sportlicher und dynamischer wirken lassen als er sich an mir präsentiert – hier zeigt sich, oh Wunder, eher die feminine Seite. Macht nichts, heißt aber: Bitte in jedem Falle selbst auf der Haut testen.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Grüne Noten, Bergamotte, Zitrone, Melone, Pfirsich, Orangenblüte, Veilchen; Herznote: Pfingstrose, Alpenveilchen, Rose, Jasmin, Tee, Maiglöckchen, Lavendel

Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Tonkabohne, Moschus, Sandelholz.

Resümierend läßt sich feststellen, daß der Understatementcharakter von Uli Schneiders Mode mit diesen Düften eingefangen werden konnte genauso wie deren Femininität – lediglich erwecken die vornehmlich in Schwarz, Weiß, Grau und Rot gehaltenen Modelle einen entschiedeneren Eindruck. Two of a kind gehört farbentechnisch eher in die Ecke der Taupe- und Schlammfarben, der wärmeren Töne… Für jemand, der mit klaren Formen und Minimalismus kantige Love-it-or-hate-it-Düfte verbindet dürfte das Duo nichts sein – für Freunde leiserer oflaktorischer Tonarten sehr wohl.

Gibt es schon Stimmen, kennt Ihr Sie schon?

Ganz viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Franz von Stuck (1920): Sisyphus von Ranveig via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Gespannt wie ein Flitzebogen

Geschrieben in Duft, Grünes, Hesperiden am 16.08.2010

saßt Ihr bestimmt das ganze Wochenende da; zitternd vor Aufregung, lechzend, den Montag kaum erwarten könnend. ;-)

Hier also der versprochene, mit Spannung erwartete dritte Teil über Mademoiselle Giacobettis Kreationen. Das heutige L’Artisan-Düftchen der Dame trägt den schlichten Namen L’Eau de L’Artisan und wurde im Jahre 1993 lanciert.

Hier die Duftnoten: Zitrone, Minze, Basilikum, Gras, Seegras. Recht überschaubar also was das Inhaltliche angeht. Aber da ja Quantität nicht unbedingt gleich Qualität bedeutet und ich mir sicher bin, dass die gute Frau Giacobetti auch aus nur zwei Duftnötchen ein herzallerliebstes Parfum komponieren könnte, bin ich trotz der beschränkten Ingredienzien äußerst guten Mutes. :-)

Vor allem bin auch ich gespannt, ob der dritte Duft im Giacobettischen Bunde auch die Teststreifen-Haut-Divergenz aufweist wie die beiden bereits am Freitag vorgestellten, L’Été en douce und Thé pour un Été.

Wir werden sehen! Mmmh, was sich zeigt ist interessant. Haut und Teststreifen zeigen wieder deutlich untschiedliche Duftverläufe. Allerdings finde ich hier beide irgendwie gut. Beginnen wir mit meiner Haut: hier startet L’Eau de L’Artisan stark zitrisch, ja man könnte schon beinahe zitrisch-zitrisch sagen. Frisch, hell, spritzig wie eine just in diesem Moment mit roher Gewalt in der Hand zerdrückte Zitrone, sonnengereift in den Hainen Siziliens. Lecker! Die erfrischende Zitrusfrucht wird von einer leichten Süße begleitet, die mich spontan an den Geschmack der gelben Nimm 2-Bonbons erinnert. Als Urheber der süßen Note identifizierte ich im weiteren Verlauf die Minze, der keine mentholische Schärfe innewohnt, sondern eben diese irgendwie erfrischende Süßlichkeit. Die Kombination von grün-minzig und zitrisch lässt mich an Zitronenmelisse denken. Der Duft wird ein wenig krautiger, ja grasiger. Salzige Noten vermag ich nur ganz unterschwellig zu erahnen. Insgesamt dominiert auf meiner Haut eindeutig die Hesperide, die nach geraumer Zeit zwar die krautige Note neben sich akzeptiert, sich aber den ganzen Duftverlauf über nicht unterkriegen lässt. Tapferes Zitrönchen!

Nun zum Teststreifen: hier beginnt der Duft ebenfalls zitrisch, allerdings zeigt sich die gelbe Inselfrucht hier von einer herberen Seite. Alsbald eilen auch schon krautige Noten heran, die die Zitrusfrucht recht schnell zum Schweigen bringen. Die Minze offenbart hier kaum Süße, dafür aber mentholische Anklänge. Viel grün-krautiger erscheint mir der Duft auf dem Teststreifen. Und auch viel geruchsintensiver. Auf meiner Haut war er sehr transparent. Salzig-maritime Noten vereinen sich mit der grün-minzigen Kräuterstreitmacht. Der Duft erinnert mich zum Teil an an den Strand gespülte Algen. Kennt Ihr den Duft? Salzig und irgendwie grün, vereint mit diesen ganz bestimmten Meeresnoten. Plötzlich schafft es auch die Zitrone, sich wieder mit ins olfaktorische Spiel zu bringen. Ganz leicht schwirren zitrische Noten mit im grün-krautigen Meereswirrwar.

Ich muss sagen, mir gefallen beide Duftverläufe, die zum Teil übereinstimmende Faktoren besitzen, sich in anderen aber auch wieder völlig unterscheiden. Die Variante auf dem Teststreifen erscheint mir interessanter, weil die in ihr tobende Meeresgischt dem Duft für meinen Geschmack mehr Charakter, mehr Lebendigkeit schenkt und ihn auch individueller macht. Die Variante auf meiner Haut dagegen ist sehr gefällig, ein Hesperidenduft im Stil eines klassischen Eau de Colognes. Da fehlen mir persönlich ein bisschen die Ecken und Kanten.

Was dem Duft in beiden Varianten auf jeden Fall innewohnt ist die deutliche Handschrift von Frau Giacobetti: Minimalismus, Transparenz, die Fokussierung auf das Wesentliche. Es ist wie ich finde eine Kunst, ihre Kunst ohne großen Schnickschnack mit einfachsten (manchmal auch ungewöhnlichen) Mitteln ganz großes Duftkino zu evozieren und dabei durchweg alltagstauglich zu bleiben.

Wie geht es Euch mit Frau Giacobetti? Habt Ihr einen Liebling der Dame? Kennt Ihr die Düfte, die ich heute und am Freitag vorgestellt habe? Falls ja, wie ist Eure Meinung zu ihnen?

Einen schönen Wochenstart wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Eureka lemon in the Water Conservation Garden von Stickpen und Algas da Praia de Boa, Noia, Galiza, Spain von Luis Miguel Bugallo Sánchez – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Die vergessene Perle: Lubins Ausnahme-Hesperidenduft L’Eau Neuve.

Geschrieben in Duft, Hesperiden am 4.08.2010

Moi, der Komplettierer: Jetzt habe ich die letzten beiden Tage schon von Lubin gesprochen und auch Inédite bereits vorgestellt, das ja auf dem L’Eau Neuve basieren soll… Ich wollte den Zusammenhang natürlich entdecken und habe mein Pröbchen L’Eau Neuve aus dem letzten Winkel meiner Schublade herausgekramt. Mit dem Ergebnis, daß mir der Zusammenhang zu Inédite zwar nicht klar(er) ist, mir aber mal wieder aufgefallen ist, was für ein toller Ausnahmenhesperide L’Eau Neuve doch ist. Deshalb mache ich die Lubin-Woche voll und stelle Euch heute und hier das L’Eau Neuve noch vor.

Bei diesem Eau de Cologne handelt es sich um eine Neuauflage eines der großen Klassiker des Hauses, des gleichnamigen Bestsellers, der 1968 von Roger Broudoux kreiert wurde. Die Jahreszahl läßt natürlich bereits aufhorchen und – richtig, die Hippies liebten es, das L’Eau Neuve. Zu der Zeit der Love&Peace-Generation wurden die klassischen Damenparfums von der Revoluzzerjugend abgelehnt: Zu schwer, zu madamig, zu überladen präsentierten sich die typischen Parfums – Natur & Natürlichkeit war aber angesagt (weswegen man heute auch von einem „Zeitalter der Natürlichkeit“ spricht) und somit waren auch natürliche Ingredienzen, vornehmlich aus diversen Mittelmeerländern, en vogue. In diese Zeit fällt auch das Entstehen der sogenannten Eaux Fraîches, die uns bevorzugt Frau Nicolaï die letzten Jahre gerne wieder bescherte.

Das L’Eau Neuve kam nicht nur zum Höhepunkt der Hippie-Ära heraus, sondern wurde auch einer der olfaktorischen Höhepunkte und somit zum Aushängeschild dieser Zeit. Vielen unbekannt war allerdings, daß der Duft, wie bei Lubin heutzutage ebenfalls gerne einmal, eine Hommage an einen viel älteren Duft darstellte, an das Eau de Lubin aus dem Gründungsjahr des Hauses, 1798. Jenes Eau de Toilette – eine Bezeichnung, die damals ausschließlich den Lubinschen Kreationen vorbehalten war – verzauberte diverse Damen der damaligen Generation. Es brach die Herzen der stolzesten Frauen, wie schon Heinz Rühmann sang: Es „gewann zunächst die Gunst der extravaganten Incroyables und Merveilleuses, entzückte dann unter dem Empire auch Kaiserin Joséphine und schließlich die letzte französische Königin, Marie Amélie.“

Nun haben wir also die dritte Auflage desselben vor uns – L’Eau Neuve die Dritte, dem ersten L’Eau Neuve und zweiten Duft nach Eau de Lubin nachempfunden und von Lucien Ferrero zart überarbeitet. Genauso wie sein Vorgänger sehr natürlich, frisch, zitrisch und clean, „ein typisch französischer Hippie-Chic-Duft“, wie auch Thévenin bestätigt.

Davon gibt es etliche, werden viele sagen – stimmt. Aber längst nicht alle sind so gut wie L’Eau Neuve, kann ich an dieser Stelle nur erwidern. Wer dem Duft allerdings keine Zeit gibt und sich die Mühe macht, sein wertes Näschen länger damit zu beschäftigen, wird den kleinen, aber feinen Unterschied sicher nicht bemerken ob der Hesperidenpräsenz.

Diese macht sich gleich zu anfangs schnell breit: Bergamotte und Zitrone vor allem, im Hintergrund prall-saftige Orangenschnitze, die des sofortigen Verzehrs zu harren scheinen. Dunkelvioletter Lavendel zeigt sich herb-würzig und dezent pfeffrig am Rande und leitet den Duft über in ein aromatisches Kräuterherz: Salbei und Thymian sowie Majoran und würzender Koriander bilden eine krautig-grüne Gemeinschaft und werden von zarten Blüten, einer Ahnung ungewöhnlich zurückhaltenden Jasmins, den ich als solchen nicht unbedingt erkannt hätte, sowie einer klaren und frischen Rose eingerahmt. Dezente rauchige Anklänge wabern vorüber und, ich könnte schwören: Ein ganzes Büschel Kamille blüht da am Wegesrand, welches nach einiger Zeit in eine weiche Basis von sauberem Zedernholz, Moschus und leicht wärmendem Sandelholz übergeht.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Zitrone, Bergamotte, Lavendel; Herznote: Thymian, Salbei, Majoran, Rose Jasmin, Koriander; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos, Zedernholz, Sandelholz, Moschus.

Man muß das L’Eau Neuve nicht mögen – derlei Düfte sind nicht jedermanns Fall. Für mich ist es aber einer jener großen Hesperidenklassiker, gleich neben den Acqua di Parma-Colognes (die im übrigen alle drei ebenfalls sehr testenswert sind, falls man sie noch nicht kennt).

Hier noch der Werbespot zu L’Eau Neuve und Le Vetiver:

Bevor ich Euch jetzt einen schönen Tag wünsche: Wie steht Ihr zu derlei klassischen Hesperiden? Daumen hoch oder runter?

Liebe Grüße und – einen schönen Tag ;)

Eure Ulrike.

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Die leuchtende Sonne Italiens…

Geschrieben in Duft, Hesperiden, Reines und Pudriges am 27.07.2010

oder besser: Siziliens scheint Ben Gorham den Kopf verdreht zu haben, denn der neueste (und somit elfte) Streich seines Labels Byredo ist dieser schönen Insel gewidmet, genauer: deren Hauptstadt Palermo. Byredo zählt ja zu meinen Lieblingsneulingen der letzten Jahre im Nischenduftmarkt ergo sollte es den eifrigen Blogleser nicht weiter verwundern, daß ich auch dieses Düftchen scharrenden Hufes erwartete und mehr als neugierig darauf war.

Wie bereits in der Vergangenheit zeigt Gorham auch diesmal ein Faible für stark romantisierte Beschreibungen – man denke nur an die Verklärung des Sinti- und Romalebens in der Beschreibung von Gypsy Water…: Von den Phöniziern ist die Rede, die im 8. Jahrhundert mit klappernden Rudern in Palermo ankamen, um dort ihren neuen neuen Handelstützpunkt zu errichten und Palermo so zu einer ersten Blütezeit verhalfen, fortgeführt unter „goldenem römischem Joch“, an Bedeutung verlierend dank der Vandalen, später wieder auflebend unter der islamisch-arabischer Vorherrschaft, dann unter derjenigen der Normannen und der Staufer.

Palermo also als „Durchgangsstation“ unterschiedlichster Kulturen – das bleibt natürlich nicht folgenlos und hinterläßt Spuren vornehmlich kultureller Natur: Das weite Feld der Künste sieht sich davon stark geprägt, vornehmlich Architektur (auch Kirchen sowie Landschaftsgestaltung – siehe der Parca della Favorita), Kunst und Literatur strotzen nur so von den vielfältigen und sehr unterschiedlichen und somit reichhaltigen Einflüssen.

Nun – wenn ich ehrlich bin, hatte ich leichte Schwierigkeiten bei der Verknüpfung des Duftes mit den von Gorham (vor)gegebenen Assoziationen, mit dem Namen ganz allgemein… Aber schauen wir uns ihn doch erst an – zuerst die Ingredienzen: Kopfnote: Bitterorange, Bergamotte; Herznote: Moschus, Rose; Basisnote: Moschus, Ambrette.

Frisch aufgesprüht hüpfen einem sofort munter die beiden Hesperidenbrüder in den Arm: Beschwingte zitrisch-prickelnde Fröhlichkeit, einen akzentuierenden Tick bittere Herbe beinhaltend, aber keine übersteigerte Säuerlichkeit an den Tag legend und von Beginn an untermalt von einem vanilligen, kuschelig-sauberen Moschus. Dieser zieht sich wie ein dick gewebter prominenter roter Faden durch den Duftverlauf hindurch, bisweilen leicht oszillierend und leise kreidige Anklänge offenbarend (typisch Moschus – in diesem Duft aber seehr zurückhaltend), in der Hauptsache aber skinnig und weich sich zeigend. Ambrette in der Basis verstärkt diese Anmutung noch – kein Wunder, ist Ambrette der einzig natürliche Stoff außer Moschus, der eine rechte Ähnlichkeite mit dem „Urstoff“ besitzt. Für Ambrette muß man aber nicht zum Tierquäler mutieren – es handelt sich hierbei um das Öl der auch „Moschuskörner“ genannten Samen des Ambrettestrauchs, eines Hibiskusverwandten. Als dritte im Bunde gesellt sich ein Röschen hinzu, eine feine, helle, luzide und frische Rose, kristallklar und leicht, fast schon ätherisch.

… genauso präsentiert sich auch Palermo: Nix Mafia, nix Orientale (in Anlehnung an arabische Einflüsse), nein, ein leichter und leichtlebiger Duft, luftig und unbeschwert, fröhlich und heiter, beschwingt. Der Zusammenhang mit Italien ist mir zwar immer noch nicht ganz klar, aber ich könnte ihn mir immerhin zusammenreimen: Die Rose ist eine Blume und deutet somit auf Ziz hin, was aus dem Punischen kommt, Blume heißt und der frühere Name von Palermo war. Die enthaltene Bergamotte ist, unschwer zu erraten, natürlich sizilianische – von den Mauren und Berbern auf die Insel gebracht und bis heute dort (erfolgreich) angebaut. Und der Muckelmoschus? Der steht dann eben für die typisch italienische Leichtlebigkeit, la Dolce Vita – ihr wißt schon…

Es bedurfte in diesem Falle keiner unendlichen Komplexität, wie es Palermo vermutlich mit all seinen diversen Prägungen vorweisen kann – ich war leider noch nie dort. Nichtsdestrotrotz hat uns Herrn Gorham hier schwupps aus dem Handgelenk heraus einen echten Sommer-Gute-Laune-Duft gezaubert, der Weiblein wie Männlein sicher sehr gut zu Gesichte stehen wird bei den momentanen Temperaturen.

In Anbetracht derselben wünsche Ich Euch einen guten Start in die Woche und hoffe für Euch, daß ihr ähnlich „casual“ am Schreibtisch sitzen dürft wie ich ;)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: The Face of Sicily von Eva Schuster via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Wer A sagt…

Geschrieben in Duft, Hesperiden am 13.07.2010

…könnte im Hochsommer auch geneigt sein, C zu rufen, wenn nicht gar zu schreien. C? Nicht das hohe C ist gemeint, sondern vielmehr die Energy C-Serie, die Series 8 von unserer omnipräsenten Madame Kawakubo von Comme des Garçons.

Ich mag viele der Series von diesem weiblichen Genius, deren Ideenreichtum ich so sehr verehre und deren Mode ich so sehr liebe. Fasse die Düfte als Konzeptkunst auf, das macht mich sicherlich sehr viel offener für unter anderem die Serien, über welche einige „reine“ Duftfans vermutlich den Kopf schütteln wie zum Beispiel die Series 6 namens Synthetic mit den Düften Garage, Skai und Soda. Nun, es würde sich in jedem Falle lohnen, und das werde ich mir gleich notieren, Euch bei Gelegenheit mal ein paar dieser Serien vorzustellen…

Die Energy C- Series 8 kam 2008 auf den Markt und wurde mit dem Titel „Wake up, feel positive, be positive“ lanciert, beschrieben als „Vitaminrausch in Parfumform“ jeweils auf einer Zitrusfrucht basierend – das kommt dem Ganzen eigentlich ziemlich nahe, würde ich sagen. Vermutlich hätte ich die Düfte mit Missachtung gestraft, Hesperiden, schon wieder, und überhaupt, hätte ich sie nicht geschenkt bekommen. Als guter Schwabe (be)nutzt man Geschenke ja dann auch – und siehe da, die drei Wässerchen stimmen das Gemüt wirklich fröhlich, wirken annähernd aromatherapeutisch. Gerne bitte einzusetzen bei Temperaturen jenseits der 30 Grad, bei denen ohnehin fast nichts mehr Spaß macht – diese Düftchen aber sind echte Happy-Macher.

Bitte erwartet jetzt nichts über die Maßen Komplexes. Das sind sie nicht. Aber – man darf das Trio auch nicht unterschätzen – man bekommt in jedem Falle mehr, als draufsteht: Schlicht monothematisch wäre schon wieder zu einfach gewesen. Drei an der Zahl sind es also an der Zahl – Grapefruit, Lime/Limette und Lemon/Zitrone.

Grapefruit war mein anfänglicher Favorit – habe ich ohnehin eine Affinität für jenes säuerliche Obst. Und in der Tat ist das hier ein ganz besonderes Früchtchen: Frisch aufgesprüht wallt sie einem gleich entgegen, eine Grapefruit, für mein Empfinden pink, frisch, saftig, säuerlich. Diese sieht sich alsbald begleitet von herber schwarzer Johannisbeere – ein schönes Team, welches von subtilen floralen Anmerkungen eingerahmt wird. Der Duftverlauf unterstreicht die Früchte auf weiche, nicht näher zu identifizierende Weise und verwandelt den Duft in etwas, was äußerst selten in Verbindung mit Grapefruit vorkommt: Einen Wohlfühlduft, frisch und angenehm, aber auch äußert „cozy“. Die Ingredienzen: Kopfnote: schwarze Johannisbeere, Pink Grapefruit, Petitgrain; Herznote: Jasmin, Neroli, Mandarine; Basisnote: Moschus, Moos, Iris.

Die Limette ist wieder Erwarten mein jetziger Favorit: Frisch, dynamisch und in der Kopfnote eine echte Limettenexplosion, entwickelt sich dieses Düftchen nicht großartig weiter sondern verbleibt spritzig-frisch und zitrisch-prickelnd mit deutlicher Limettendominanz und entwickelt eine verhaltene Süße, die absolut fröhlich stimmt. Der Duft erinnert mich an – guten, sehr guten Caipirinha. Selten, aber wahr. Die Ingredienzen: Kopfnote: Limette, Bergamotte, Zitrone; Herznote: Wasserjasmin, Teerose, Lilie; Basisnote: Moschus, Zeder, Ambra.

Das Zitrönchen ist ein würdiger Vertreter seiner Sorte: Auf den ersten Blick – Zitrone pur. Schaut oder besser: riecht man genauer hin und würdigt den Duft eines zweiten, dritten, vierten Schnupperers, wird man alsbald erkennen, das sich hinter dieser Zitrone ein annähernd meditativer Duft verbirgt: Bergamotte stiftet leichte Herbe und dezente Kardamomwürze tritt sacht hervor, während Angelika krautige Anklänge beiträgt und harzig-holzige, aber sehr leichte Weihrauchschwaden durchs Bild ziehen, von rauchigen Vetiverakzenten unterstrichen. Sehr schön. Und je länger ich daran rieche, vielleicht dieses Jahr mein Favorit. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Limette; Herznote: Kardamom, Angelika (Engelswurz), Weihrauch; Basisnote: Moschus, Vetiver.

Die Düfte Grapefruit und Lime sind im übrigen von Antoine Lie, die Zitrone von Nathalie Feisthauer.

Eine nette kleine, aber feine Serie zu einem moderaten Preis – 35 Euro pro Fläschchen. Die Haltbarkeit ist leider, wie bei zitrischen Düften oft der Fall, nicht wirklich gegeben. Ich für meinen Teil habe diesen Anspruch aber auch nicht an Eau de Colognes oder reine Zitrus-Eau de Toilettes. Die Energy C Serie hat bei mir diesen Sommer einen festen Platz im Kühlschrank. Kein empfehlenswerter Platz für Düfte, da sie Temperaturschwankungen auf Dauer nicht gut vertragen – hier ist es mir aber egal: Ich gedenke, sie ohnehin alsbald aufzubrauchen und sprühe sie gerne und oft den ganzen Tag nach – eiskalt und somit perfekt erfrischend.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike, die sich heute für C wie Zitrönchen entschieden hat.

Bildquelle: Grapefruit – Pomelo 2 von Tamara Fanta, Caipirinha Cocktail 3 von Simeon Eichmann, beides via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Sommerzeit die Dritte.

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes, Hesperiden, Holziges am 9.07.2010

Beim Schreiben der Artikel dieser Woche mußte ich dann doch einigermaßen verwundert feststellen, daß ich mehr Sommerdüfte in meinem Schränkchen habe, als ich eigentlich erwartet und vermutet hatte… Und es sind immer noch einige übrig, die ich Euch nicht vorenthalten mag…

Zwei Gesellen der Hesperidenfraktion hatte ich vollkommen außer Acht gelassen – keine Ahnung warum.

Bei der Nummer eins ist der Name Programm: Mandarine Tout Simplement. Ganz simpel: Mandarine, nicht mehr und nicht weniger. Ist mir manchmal zu wenig, ist aber auch manchmal auch ganz genau richtig. Frau Giacobetti hat hier einen sehr leichten, leider nicht sehr haltbaren, aber absolut authentischen Mandarinenduft geschaffen – ein paar Mandarinensorten, ein Hauch Ingwer und ein wenig unaufdringlicher Moschus in der Basis – fertig. Riecht exakt wie eine frisch angebissene Mandarine, die einem vor lauter Saftigkeit ihr Fruchtfleisch entgegenschleudert.

Nummer zwei ist der Traumgarten überhaupt, das Paradies von Jean-Claude Ellena: Un Jardin en Méditerranée von bzw. für Hèrmes. Die meisten werden ihn kennen, deshalb lohnt es eigentlich nicht, der Worte viel zu verlieren: Eine grüne Feige im Duett mit zitrischen Noten, fein abgestimmt mit floralen Anklängen sowie kräuterigen Noten und einer subtil-holzigen Basis. Ein Klassiker und immer wieder, so oft man ihn auch riechen mag, etwas Besonderes.

Fruchtig geht es weiter mit einem Düftchen, das mir eigentlich auf den ersten Blick nicht hätte gefallen dürfen: Bahiana von Maître Parfumeur et Gantier. Bahiana, benannt nach den Frauen Bahias, dieses brasilianischen Bundeslandes, inspiriert durch deren lateinamerikanische Lebensfreude – ganz ehrlich? Ich mußte sofort, „Stille Tage im Klischee“, an Karneval denken und an pappsüße alkoholische Cocktails… Weit gefehlt. Bahiana vermittelt zwar durchaus tropisches Flair, und das nicht zu knapp – jedoch mangelt es dem Duft nicht an jener für MPG typischen Komplexität, darüber hinaus besitzt er einen Vorzug, den man nicht vielen exotisch anmutenden Düften nachsagen kann: Er ist erwachsen, sehr erwachsen. Im Auftakt mit spritzig-prickelnden frischen Hesperiden, genauer: Orange, Mandarine und Limone aufwartend überzeugt Bahiana im Herzen mit Grün-Floralem (Tagetes und Blattgrün) sowie einer wuchtig-saftigen Ananas, die zwar nirgends angegeben, aber in jedem Falle zu riechen ist. Die Basis untermalt den Duft cremig-zart mit feinen Harzen, einem Hauch trockener und nicht über die Maßen süßer Kokosnuss sowie Moschus und verschiedenen Hölzern. Für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar, ein echter Happy-Duft und dabei trotzdem raffiniert und, ja – edel. Selten für einen Duft dieser Art.

Wem Bahiana nicht genug Kokos offeriert, wer aber trotzdem nach einem nicht ganz herkömmlichen Südseedüftchen sucht, dem sei Creeds Virgin Island Water empfohlen: Für die Engländer und ihre ansonsten sehr klassischen und typisch britischen Düfte ziemlich modern, ist ihnen hier ein hübsches Exotensommerdüftchen gelungen mit Ananas und prominenter Kokosnuss, der trotz der eher jugendlicheren Ingredienzen erwachsen und durchaus elegant wirkt.

Creed hat noch eine weitere Ausnahme im Programm: Erolfa. Für mich einer der einzigen, als „aquatisch“ zu bezeichnenden Düfte, den ich tragen kann. Die Namensschöpfung, das ganz am Rande, setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Familie von Olivier Creed: Seinem Sohn Erwin, seiner Tochter Olivia, und deren Mutter Fabienne. Was soll ich sagen? Die Mitglieder der Familie müssen passionierte Segler sein. So, genau so, stelle ich mir (als Nichtsegler) einen Segeltörn im Mittelmeer vor: Zischende weiße Gischt, ein wenig krautig durch den Seetang, bricht sich am Rand des spiegelweißen Seglers, knallblaues Wasser, die Sonne scheint, der Wind weht – was will man mehr… Ok, zugegeben – ein bißchen klischeehaft diese Vorstellung, aber trotzdem schön. Erolfa vermittelt exakt jene Impression. Die Ingredienzen: Zitrusfrüchte und Bergamotte im Kopf (ich wette, da sind auch Mandarinen dabei), krautige Noten im Herzen und Ambra in der Basis.

Original Vetiver von Creed ist nun, wie soll ich sagen, alles – nur kein Vetiver. Nachdem ich dieser Tage mal wieder in Herrn Turins Perfumes – The Guide geblättert habe, wundert es mich nicht, daß er ihn nicht mag (was nicht immer ausschlaggebend ist und erst recht nicht so sein muß), mich wundert aber sehr, daß als Kurzzusammenfassung, wie er es immer gerne neben den Namen stehen hat, nicht zwei Worte stehen: „Not Vetiver“. Creed beschreiben ihren Vetiver folgendermaßen:

„True to its name, Original Vetiver is a dramatic re-invention of a vetiver-based scent. Whereas traditional vetiver fragrances are derived from the roots of the plant, Original Vetiver achieves a new and natural, original freshness by infusing the vetiver leaves into the blend.“

Was auch immer, wie auch immer: Erwartet man hier einen Vetiver, eine spezielle Facette desselben herausgearbeitet, interpretiert – man wird schwer enttäuscht sein. OV ist weder wirklich zitrisch-grasig-frisch noch erst recht nicht rauchig-herb. Weshalb stelle ich den Duft dann hier vor? Weil ich ihn trotzdem ganz wunderbar finde – wenn man sich eben von jeglicher Vetivererwartung freimacht. Stellt Euch vor, Ihr liegt auf einem knackig grünen englischen Rasen, Euch kitzelt das frische grüne Gras in der Nase und die Sonne scheint auf Euch, wärmt langsam Eure Haut, die Ihr Euch in weiser Voraussicht mit Sonnencreme eingeschmiert habt, und läßt den Geruch der sanft angewärmten Sonnencremehaut mit demjenigen frisch gepflückten Gräser verschmilzen – das dürfte ein ungefähr authentisches Bild unseres Original Vetiver wiedergeben. Insofern verzichte auch auf die Noten, die Creed dafür angibt – diese führen meines Erachtens nach nur in die Irre…

Nun aber möchte ich Eure Meinungen hören – zu den vorgestellten Düften, zu meiner kleinen Garderobe, zu Eurer Sommerausrüstung!

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Orange Slice von abcdz2000, Pearl von Clinton Cardozo, Badum’s Sails von Juandescal, alles via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Sommerzeit – und die Stunde fehlt einem morgens doch…..
Duftverzeichnis
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Sommerzeit Teil 2.

Geschrieben in Duft, Grünes, Hesperiden, Krautiges am 8.07.2010

Früher, das muß ich ganz ehrlich gestehen, war Sommer in jeder Hinsicht so gar nicht meines. Ich war ein Herbst/Winter-Typ durch und durch – vom Naturell her, was die Kleidung angeht, die Stimmung(en) sowie auch: die Düfte. Heute sind meine Lieblinge, die olfaktorischen, immer noch eher für die kälteren Jahreszeiten bestimmt, aber, wie es so ist – je länger man sich mit einer Thematik beschäftigt, desto breiter wird der Horizont. In Puncto Düfte hieß das bei mir: Während es früher die derben Kracher sein mußten, kann ich mich mittlerweile durchaus auch für etliche andere Duftrichtungen erwärmen und begeistern. Heute darf es auch mal ein Blümchen sein oder lecker Früchtchen, während früher nur einziehen durfte, was zumindest eine Duftnote aus dem altbekannten Dominaequipment zu bieten hatte: Leder oder Tabak oder wenigstens Weihrauch, drunter ging es bei mir nicht.

Dementsprechend spärlich war auch mein Sommerduftrepertoire – Zeiten waren das… Heutzutage gibt es derlei viele, gestern habe ich Euch schon einen Teil davon vorgestellt, heute und morgen geht es munter weiter damit.

Eine wirkliche Sommerallzweckwaffe ist Minze, wie ich finde. Luca Turin hat in seiner Rezension zu Guerlains Aqua Allegoria Herba Fresca recht deutlich auf den Punkt gebracht, was das Problem an und mit Minzdüften ist: Wie einen solchen kreieren, ohne den Verbraucher sofort an Zahncreme denken zu lassen? Ich habe keine Ahnung, ob diese Rechnung mit meinen beiden Minzlieblingen wirklich aufgeht – es ist mir aber eigentlich auch vollkommen gleich ;)

Guerlains Herba Fresca ist schon einer davon: Eine im Auftakt ihrem Namen mehr als gerecht werdende, scharfe Pfefferminze. Ganz alleine und aufrecht, für eine lange Zeit. Frisch, fast schon ätherisch. Und die Pfefferminze bekommt auch irgendwann Gesellschaft – eine sehr gesittete, weiche und zurückhaltende: dezent florale Anklänge sowie ein Hauch Tee, grüner Tee. Der saubere Touch weist auf eine sehr distinguierte Zeder in der Basis hin, darüber hinaus flankieren noch ein paar Hesperiden, vornehmlich Schalen von Zitrone oder Mandarinen das sommerliche Geschehen, das für ein Aqua Allegoria mit der Konsistenz eines Eau Fraîche eine durchaus sehr ordentliche Haltbarkeit vorweisen kann. Die Angaben zu den Duftnoten sind im Netz mal wieder sehr unterschiedlich ausgefallen, insofern lasse ich sie einfach weg.

Heeleys Menthe Fraîche ist meine zweite Lieblingsminze: Im Auftakt eine echte „Zahnarzt“Minze, ebenfalls scharf, aber weniger pfeffrig (als Herba Fresca) als vielmehr ausgesprochen kühl. Im Gegensatz zu Herba Fresca, der im Duftverlauf durch Florales sowie die Zeder schneller weich und sauber wird, verbleibt Heeley mit seiner Minze lange in eisigen Höhen, um diese dann durch die typisch aquatisch-floralen Noten von Lotos und Freesie harmonisch abzurunden. Matétee tut hier sein übriges und unterstreicht das Kalt-Nass-Frisch-Blumig-Anmutende. In der Basis weist Heeleys frische Minze durchaus auch saubere Zedernnoten vor, besitzt jedoch insgesamt mehr Kühle als der Minzbruder von Guerlain. Die Ingredienzen: Kopfnote: Minze, Bergamotte; Herznote: Matétee, Lotosblüte, Freesie; Basisnote: Zedernholz.

Minze läßt nicht nur aufatmen, sondern oftmals auch tief durchatmen – sie macht die Brust weit. Dieses Gefühl vermag wie kein anderer Duft Humiecki & Graefs Eau Radieuse zu vermitteln. Ich bin ein großer Fan des Labels, seines Konzeptes, mit Düften Uremotionen widerzuspiegeln. Und ich bin der Ansicht, daß man diesen Düften Zeit geben muß. So ging es mir ehrlicherweise mit Eau Radieuse auch, ich habe ein paar Testversuche gebraucht, bis sich mir der Duft in vollem Umfang erschloß – seitdem funktioniert kein heißer Sommer mehr ohne das wunderbar gleißende Eau Radieuse. Die Ingredienzen: Banane, Mandarinenschale, Zitrone, Minze, Rhabarber, Bambus. Wie bei Humiecki & Graef Teil des Konzeptes gibt es auch bei diesem Düftchen keinen pyramidalen Duftaufbau, sondern lediglich einen sternförmigen, eine gleichnzeitige Explosion aller Bestandteile… Ob man das nun so glaubt oder riecht ist eigentlich egal…

In jedem Falle soll Eau Radieuse eine moderne Cologne-Interpretation sein und als solches eine Hommage an die Heimatstadt des (einen) Firmeninhabers, an Köln, die Geburtsstadt des Eau de Cologne. Ein solches ist Eau Radieuse auch, aber ein ultramodernes, futuristisches, Konzeptkunst-angehauchtes, wie ich finde und auch bereits in unserer Artikelbeschreibung im Shop verlauten ließ. Der Meinung bin ich immer noch. Eau Radieuse springt einen sogleich an – mit einer mehr als kräftigen Portion mentholischer Pfefferminze, die einem sofort Kopf und Brust freibläst und alsbald den Blick oder vielmehr die Nase freigibt auf seltsam anmutende, aber sehr präsente, grün-schillernde Bananenblätter. Rhabarberfasern stiften bitter-fruchtige, heftige Herbheit und ein kleiner Bambusbursche wässert die Basis mit einem dezent aquatischen Hauch. Moderner geht nimmer – passender oder besser bei wirklich heißen Temperaturen auch nicht. Über 30 Grad lösen bei mir eben genau jenes Gefühl aus, für das Eau Radieuse steht: Die Sehnsucht, das Begehren, das Verlangen – nach ebenjenem Duft. I love it.

Einen schönen Tag Euch noch und fröhliches Schwitzen,

Eure Ulrike, die – auf den Geschmack gekommen – sich jetzt erstmal eine Eau Radieuse-Dusche gönnt.

Bildquelle: Peppermint von Hajnalka Ardai via stock.xchng, Frosty Peppermint von Dave Gostisha/ziptrivia.com via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Sommerzeit – und die Stunde fehlt einem morgens doch…..
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It’s Summertime…

Geschrieben in Allgemein, Fruchtiges, Hesperiden am 7.07.2010

Alle haben ihn herbeigesehnt, den Sommer – und nun ist er endlich da… Ich möchte ja nicht meckern, aaaaber… ein Übergang wäre schön gewesen, den hätte ich mir gewünscht. Mehr Zeit, um sich an diese Temperaturen zu gewöhnen, mehr Zeit, um meine Frühlingsdüfte zu tragen und mehr Gelegenheit(en), die 237 Kleidungsstücke auszuführen, welche ich für jene Übergangsjahreszeiten parat habe, die genausowenig wie die Klamotten mehr zum Tragen kommen… Egal. Es ist Sommer meine Damen und Herren – und so, wie es aussieht, bleibt er uns auch ein paar Tage erhalten.

Nachdem wir nun doch einige Tage mit schweißtreibenden Temperaturen hatten und das so weitergehen wird, heißt es jetzt, sich auch olfaktorisch darauf einzustellen und zu -stimmen – mit passenden Sommerdüften. Ganz abgesehen davon, daß ich durchaus mal wieder etwas Neues gebrauchen könnte (wer kann das nicht), möchte ich Euch im Folgenden meine Sommergarderobe zeigen – nicht ohne natürlich hoffentlich im Gegenzug bitte einen Einblick in Eure gewährt zu bekommen! Ergo, Hosen runter und Schrank auf oder so ähnlich ;)

Zu jedem Sommer gehören natürlich die obligatorischen Hesperiden – die Zitrusfrüchtefraktion. Davon habe ich logischerweise auch einige, von denen ich Euch einige im Folgenden vorstellen mag.

Ein schlichter, aber feiner Vertreter seiner Gattung ist Aspreys Purple Water. Ein ganz klassisches Cologne, aber sehr straight interpretiert. Understatement pur, zurückhaltend, erlesen. Nicht innovativ, nicht ausgefallen und auch nicht besonders auffallend – aber gerade darin liegt für mich der Reiz dieses Klassikers auf seinen leisen Sohlen. Mandarine und Zitrone in der Kopfnote und Jacarandablüte, die für mich immer, vermutlich auch in Kombination mit der Orangenblüte im Herzen, nach Akazien riecht, nach blühenden Akazien, die ich liebe. Ein wenig Ingwerherbe sowie ein Büschel Basilikum, in der Basis Pfeffer, Vetiver und Moschus – fertig ist ein sehr tragbarer Immergeher.

Nicht besonders komplex, sondern eher einfach gehalten und gerade durch jene Simplizität überzeugend ist Carthusias Mediterraneo: Zitronenblätter, Grüntee und zitrische Noten, that’s all. Und manchmal braucht es auch nicht mehr: Riecht wie ein herrlicher, selbst gemachter und wunderbar kühler Zitroneneistee – mmmmmhhh! Mediterraneo macht einfach Freude.

Einer meiner absoluten All-Time-Faves im Sommer ist Profumi di Pantellerias Dammuso. Seine Ingredienzen: Kopfnote: Zitrone, Grapefruit, Limette; Herznote: Brombeere, Kardamom; Basisnote: Grüntee, Zedernholz, Sandelholz, Moschus, Vetiver. Zugegeben – Dammuso ist Geschmacksache. Dieser Duft ist ein Spalter, wirklich. Auf einem meiner Parfumboards, in denen ich gerne ab und an mit anderen fachsimpele über die Vetiverkomponente von X in der Basisnote im Vergleich zu Y’s… Ihr wißt schon, Nerdgespräche. Gerne und immer wieder. Aber – um auf den eigentlichen Ausgangspunkt zurückzukommen: Dammuso. Hier ist man sich sehr uneins: Für die eine Hälfte ist es der Sommer-Holy-Grail, die andere Hälfte findet schon gerne mal Bezeichnungen wie „Katerpipi“ oder ähnliches für den guten Dammuso. Entfernt, wirklich entfernt, kann ich auf abstrakte Art und Weise nachvollziehen, wo diese Assoziation herkommt – von der Brombeere in Kombination mit den Hesperiden. Gleichzeitig macht aber genau diese Note den Duft aus, wie ich finde.

Dammuso ist keiner jener Hesperidenkandidaten, die eben nach einem typischen Zitrusdüftchen riechen. Diese haben durchaus ihre Berechtigung, sind optimale Sommerbegleiter, aber – seien wir mal ehrlich: fast jeder von uns hat davon sicher schon mindestens einen im Schrank. Oder auch mehr, so wie ich, wie man oben schon lesen konnte. Dann möchte man doch einmal eine Variation. Oder einfach Bekanntes innovativer umgesetzt. Dazu gehört für mich Dammuso. Er ist, ganz klar: Ein Hesperidenduft. Und jene bietet er der geneigten Nase auch sofort in der Kopfnote: Limette und Zitrone satt sowie Grapefruit – alle deutlich wahrnehmbar. Dieses zitrische Trio wird alsbald ergänzt von einer dunklen, vollen Brombeere (eine viel zu seltene Note)– fein-herb und beerig-reif gesellt sie sich gleichberechtigt zu den Hesperiden. Grün-frischer Kardamom (ähnlich wie in Clive Christians göttlichem X for Men) rundet das Ganze zusammen mit Grüntee und ebenfalls grünem, leicht grasigem und verhalten rauchigem Vetiver gekonnt ab. Die (restliche) Basis ist bis auf verhaltene Zedernholzakzente wenig wahrnehmbar, muß aber auch nicht – Dammuso überzeugt, so wie er ist. Zumindest mich – und das auf ganzer Linie. Euch auch?

Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Citrus von Michael Lorenzo via stock.xchng, Iced Tea 2 von Benjamin Earwicker via stock.xchng, Lemonade von Ilco/Ilker via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Summertime and the living is easy…
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Borsari Arte – der Künste zweiter Teil.

Geschrieben in Aquatisches, Blüten, Duft, Fruchtiges, Hesperiden am 5.05.2010

Heute geht es weiter mit der Borsari Arte Kollektion, aus der ich bereits gestern Rosa e Pepe sowie Neroli, Bamboo et Fior di Loto vorgestellt hatte. Weiter geht es nun mit Boccioli d’Arancio e Zenzero, Lemongrass e Cassis sowie Lampone, Fior di Melo e Semi di Cacao.

Boccioli d’Arancio e Zenzero – Orangenblüte und Ingwer, das verspricht meines Erachtens nach eigentlich schon ziemlich genau das, was der Duft dann auch hält: Meine Vorstellung ging in Richtung einer hübschen Orangenblüte mit sanfter Nektarsüße samt fruchtig-herben Ingwers, eine angenehme Balance bildend. Genau das darf man auch von BdAeZ erwarten. Frische Hesperiden samt einer saftigen Mandarine in der Kopfnote, welche alsbald von den Blüten des Herzens eingeholt werden: Zart vernehmbares Alpenveilchen, dezenter (!) Jasmin und Orangenblüte, übermutig (honig)süß-fruchtig wie eh und je, auf einem Bett von Moschus, Zedern- und Sandelholz, welches dem Duft ein sauberes, warmes Lager verleiht.

Ich gestehe – ich habe ein Herz für manche Neroli- und Orangenblütendüfte. Für den hier auch. Nichts ausgefallenes, aber schlicht und einfach schön. Ein Gute-Laune-Duft.

Lemongrass e Cassis wird sicher viele Freunde finden: Ein herb-frisch-säuerliches Früchtchen, herrlich bei Hitze. In der Kopfnote zitrisch mit Bergamotte und Grapefruit, welche von Pfirsich und schwarzer Johannisbeere flankiert werden. Im Herzen sorgen Rose, Pfingstrose und zurückhaltender Jasmin für florale Anklänge, Zitronengras für ein wenig herbe Hesperidenexotik. Die Basis wärmt auch diesen Duft ein wenig auf mit den üblichen Verdächtigen – in diesem Falle Sandelholz, Moschus und Vanille.

Lampone, Fior di Melo e Semi di Cacao ist einer jener Düfte, von denen ich eigentlich gedacht hätte, sie würden annähernd spurlos an mir vorüberziehen – falsch. Irgendeinen Narren habe ich an diesem Düftchen gefressen, obgleich er so gar nicht in mein sonstiges Beuteschema passen mag… Anfangs sind leicht aquatische Tendenzen bemerkbar, welche wohl von der Freesie stammen und von zitrisch-spritziger Limette begleitet werden. Sehr bald heben sich Apfelnoten hervor, sauber-frisch-fruchtig und, ja, ein wenig künstlich. Aber – nicht störend künstlich, Apfel eben, grüner, flankiert von reifer Himbeere. Diese senken sich alsbald im Duo auf ein weiches Lager, das allem voran Noten von pudrig-süßem dunklem Kakao offeriert, untermalt von floral-betörenden Anklängen durch Jasmin – der alte Verführer – und Lilie sowie Ambra, Moschus und Zedernholz.

Im Duftverlauf sind eine ganze Zeit genau jene Zutaten präsent und dominant, die der Name bereits schon preisgegeben hat: Himbeere, Apfel(blüte) und Kakao. Und das harmoniert dermaßen gut: Die Ambivalenz der Himbeere, ihrer Süße und gleichzeitigen Säuerlichkeit samt grünem Apfel in sauberer (! – sehr wahrnehmbar), frischer Fruchtigkeit, kontrastiert durch die Pudrigkeit des dunklen Kakaostaubs – ich finde den Duft einfach nur lecker und mag seine fruchtige Sauberkeit.

Die Ingredienzen:
Boccioli d’Arancio e Zenzero: Kopfnote: Limette, Mandarine, Petitgrain; Herznote: Alpenveilchen, Orangenblüte, Jasmin, Apfel; Basisnote: Moschus, Zedernholz, Sandelholz.
Lemongrass e Cassis: Kopfnote: Bergamotte, Schwarze Johannisbeere, Grapefruit, Pfirsich; Herznote: Maiglöckchen, Rose, Jasmin, Pfingstrose, Zitronengras; Basisnote: Moschus, Sandelholz, Vanille.
Lampone, Fior di Melo e Semi de Cacao: Kopfnote: Freesie, Apfelblüte, Limette; Herznote: Jasmin, Lilie, Himbeere, Kakao; Basisnote: weißer Moschus, Ambra, Zedernholz.

Jetzt heißt es für Euch weiter am Ball bleiben, morgen folgen die letzten drei Borsaris aus der Arte-Kollektion. Bis dahin alles Gute und einen schönen Tag Euch,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blackcurrant von Pasi Widgren via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Borsari 1870 – klassische Frische aus Italien
Less is more – Borsari Arte Kollektion.
Borsari Arte Teil 3 – zu guter Letzt…


Carpaccio…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Gewürziges, Hesperiden am 30.04.2010

Diptyque L'Eau de Tarocco… ist rohes, hauchdünn geschnittenes Rinderfilet, das meist in Begleitung einer (unter Umständen verschieden gearteten) Sauce serviert wird. Eine italienische Delikatesse, benannt nach einem Landsmann, dem venezianischen Maler Vittore Carpaccio – und zwar von Guiseppe Cipriani, dem Besitzer von Harry’s Bar in Venedig. Eine Affinität zur Malerei schien er zu haben, der Herr Cipriani, erfand er doch auch den gleichfalls nach einem Maler benannten Drink Bellini – und eben besagtes Carpaccio.

Da sich das Carpaccio großer Beliebtheit erfreut und bekannter ist als sein Namenspate, hat es vielerlei Varianten und Variationen, die mit dem eigentlichen Kern der Sache, dem (Rind)Fleisch, nicht mehr allzu viel zu tun haben. Aber: Diverse Variationen sind eine echte Alternative für Menschen wie mich. Ich bin nämlich Vegetarier. Ergo kommt für mich auch das mediterrane Äquivalent zum japanischen Sashimi nicht in Frage, das Fisch-Carpaccio. Dafür liebe ich im Sommer, der sich ja vielleicht auch noch bei uns blicken läßt, Früchte-Carpaccio. Und zwar in jeglicher Form und Ausprägung. Auch wenn ich selbst so oft zu faul bin, welches herzustellen – Smoothies gehen ja doch immer schneller ;)

taroccoFrüchte-Carpaccio ist aber genau jene Assoziation, die ich als allererstes mit dem neuen Diptyque Cologne Eau de Tarocco verbinde. Bereits die drei ersten Colognes, die ich vor nicht allzu langer Zeit rezensierte und die 2008 erschienen waren, stießen bei mir auf Wohlwollen: Einfach schön waren sie, haltbarer als erwartet und durchaus gelungene und innovative Variationen der altbekannten Cologne-Thematik – eines wie ich finde nicht unbedingt einfachen Bereichs…

Mit Eau de Tarocco ist Olivier Pescheux, dem Parfumeur, nun erneut ein Wurf gelungen. Die Kopfnoten präsentieren sich saftig-zitrisch, eine opulente Riege frischer Blutorangen- und Grapefruitschnitze, über welche sich wenige Augenblicke später Rosenwasser ergießt. Alsbald kommen die Gewürze mit ins Spiel – Safran und schärfender Zimt sowie fruchtig-herber Ingwer, die in der Basis von pudrigem und leicht wärmendem Moschus abgerundet werden, welcher durch Zedernholz und Weihrauch sauber-holzig ausbalanciert wird.

tarocco3Alles in allem ein absolut zeitgemäßes Stilleben, opulent auf einer großzügigen Blatte angerichtet. Das Eau de Tarocco hat alles, was ein modernes Cologne braucht: Leichtigkeit, Frische und Simplizität als auch Würze, Tiefe und Komplexität. Darüber hinaus stellen die herb-fruchtigen Noten einen willkommenen Twist zu dem ansonsten eher klassisch zitrisch gelagerten Thema dar. Ich als alter Colognefan finde es ziemlich schön – und hätte mich nicht gewundert, hätte ich gelesen, daß sich z.B. Duchaufour mit Eau de Tarocco an der Colognefront versucht hätte… Ich werde mir den Namen Pescheux mal gesondert merken… und bin gespannt, was außer Artek Standard für CdG sowie dem neuen Vetyverio für Diptyque von ihm in absehbarer Zeit sonst noch so auf dem Nischenmarkt bewerkstelligt wird…

Die Ingredienzen: Blutorange, Grapefruit, Rose, Zimt, Ingwer, Weihrauch, Zedernholz, Moschus.

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Fruit von Lize Rixt, Sunburst von Steve Knight, Color Flow von Asif Akbar – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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