Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Royal Crown die Dritte.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Hesperiden,Leder am 27.01.2012

Drei Düfte sind vorerst noch übrig geblieben für unsere Royal Crown-Reihe, und zwar zwei für die Männerwelt – Musk Ubar und Rain – sowie ein „Unisex“-Duft, Celebration.

Musk Ubar ist angedacht, von dem „eleganten“ Mann getragen zu werden, wie es die Firma verlauten lässt. Ein „dichter, mysteriöser, warmer und rassiger“ Duft, der wohl sein Pendant sucht – einen Abenteurer natürlich oder auch einen Kapitän (nicht jeden, den unter diesen gibt es, wie wir spätestens seit neuestem leider wissen, auch ausgeprägte Hasenfüße…), jemand, der die Klippen des Lebens gut zu umschiffen weiß und der sturmerfahren ist. Souverän hört sich das an – schauen wir, ob es der Duft auch ist… Die Ingredienzen: Kopfnote: Angelika (Engelwurz), Wermut, Geranium; Herznote: Rose, Jasmin, Galbanum, Basisnote: Moschus, Ambra.

Musk Ubar zeigt sich als seiner Krone würdig, absolut. Ich bin normalerweise kein allzu großer Moschus-Liebhaber, diesen Duft aber würde ich nur zu gerne am richtigen Mann riechen. Moschus geht, möchte man es vereinfachen, vor allem in zwei Richtungen: Entweder in die weiche Ecke, dann entweder sauber und/oder süßlich interpretiert, oder in Richtung Bleistift, gerne mit animalischen Anklängen, die sich ab und an aber auch in die weichen Kandidaten verirren (Etros Musk ist dafür ein schönes Beispiel – ich spiele liebend gern mit diesem kleinen Schmuddelkind!). Dieser Moschus hier tendiert ganz klar in die Bleistiftrichtung, hat diesen feinen Graphitgeruch, der von Angelika und Geranium genial unterstrichen wird. Wärme stiften diese und Frische gleichermaßen, Würzigkeit und eine Prise Kraut. Und zudem entsteht in dieser ambrierten Kombination, die sachte von floralen Noten eingerahmt wird, eine ledrig-animalische Komponente. Dezent, aber wahrnehmbar. Temperamentvoll, aber erlesen und zivilisiert und von einer subtilen Süße untermalt. Endlich einmal wieder ein toller Moschus. Und eigentlich das, was ich von Lutens’ Muscs Koublaï Khän erwartet hätte.

Rain zelebriert einen Regentanz und soll als „zeitgemäßer, eleganter und klassischer Männerduft“ an Quellwasser, vielleicht gar einen Wasserfall erinnern. Gedacht natürlich auch für einen modernen Naturburschen, einen Kosmopoliten und weitgereist. Die Ingredienzen: Kopfnote: Mandarinenblätter, Bergamotte, Neroli

Herznote: Jasmin, Reseda, Rose; Basisnote: Sandelholz, Heliotrop, Vetiver, Ambra.

Rain ist – keiner jener aquatischen Schnösel, die man zuhauf draußen findet, nein. Vielmehr gehört er zu der Sorte Düfte, die ich als Edel-Aquatische bezeichnen würde: Eine kühle Mandarine im Kopf, saftig-frisch, ohne jedoch den normalerweise für Zitrusfrüchte üblichen Prickel-Charakter zu besitzen, gepaart mit einer minzig-floralen Frische, einer nahezu undefinierbaren. Die Basis zeigt sich von leichter, sonniger Wärme mit dezenten Holzanleihen. Ich mag derlei helle, frische und der Tendenz nach maskuline Düfte bisweilen gerne – habe aber mit Carons Anarchisten und mit Creeds Himalaya schon zwei sehr ähnliche Kandidaten bei mir stehen, insofern ist Rain für mich sicher kein Kaufkandidat, obgleich er sich als noch etwas ausgefeilter und komplexer als die beiden erweist.

Celebration, der letzte Duft der Royal Crown-Serie, ist einem Jubiläum gewidmet: 150 Jahre Bella Italia – die Geburt Italiens am 17.03.1861, die letztes Jahr groß gefeiert und von einigen Düften zelebriert wurde: Il Profumo, Profumi del Forte und Xerjoff leisteten ebenso ihren Beitrag.

Celebration sticht für mich eindeutig aus der Royal Crown-Kollektion heraus, und zwar in mehrfacher Hinsicht: Meiner Meinung nach ist er – experimenteller, nicht als typisch italienisch einzuordnen, reduzierter, kantiger. Die Ingredienzen lassen die Wucht, mit der einem dieses Düftchen um die Ohren oder vielmehr in die Nase knallt, nur schwerlich erahnen: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Grüne Minze, Mandarine, Bergamotte; Basisnote: Lilie, Iris.

Gleißend ist das erste Wort, das mir zu Celebration einfällt. Gleißend hell und von einer ohrenbetäubenden zitrischen Frische zeigt er sich. Tief durchatmen lässt er einen, obgleich er einem den Atem raubt. Nicht näher zu definierende Hesperiden haben sich hier zu einer grandiosen Macht zusammengeschlossen mit einer pfeffrig-frischen Minze. Mandarine stiftet verhalten süße, aber vor allen Dingen fruchtig-saftige Anklänge, während die Basis erdig und wässrig-floral unterstützt. Für mich eine Art ultramodernes Cologne, das, weil es kein Cologne ist, natürlich eine sehr viel bessere Haltbarkeit zeigt als jene. Eine Frischekick allererster Güte, der in seiner Reduziertheit ein wenig an die Handschrift architektonisch anmutend minimalistischer Düfte wie Humiecki & Graefs Eau Radieuse oder Putmans Préparation Parfumée erinnert. Vor allem mit ersterem hat er gewisse Ähnlichkeit – ein fetter Pluspunkt in meinen Augen, der in sofort auf meinen persönlichen Platz 1 der Kollektion katapultiert.

Wie sieht es bei Euch aus, schon getestet, schon etwas gefunden?

Viele herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Picture of a waterfall (Kjosfossen) nearby Flåm, Norway von Yorian, Electric von Kavewall, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Herren vor – Atelier Flou die Dritte.

Geschrieben in Chypre,Duft,Hesperiden,Holziges,Leder am 20.01.2012

Heute sind wir wieder bei Atelier Flou gelandet, denn es stehen noch einige Düfte dieser von Jean‐François Cabos ins Leben gerufenen Linie an, die es zu rezensieren gilt. Stürzen wir uns zum Abschluss der Woche auf die verbleibenden Männer, die da heißen: Black Purple, Eau D’Aviateur und Monsieur Mon Amour.

Black Purple… Beginne ich bei diesem Namen ein kleines Brainstorming, fällt mir sofort im Zusammenhang mit Düften natürlich die Pflaume als Ingredienz ein. Und der Song Black Velvet. Mit ersterem liege ich schon einmal komplett falsch – keine Früchte weit und breit, dafür Folgendes: Kopfnote: „Chypre-Akzent“; Herznote: Rosmarin, Muskatnuss; Basisnote: Ambra, Vetiver, Liatrix.

„Mystery, Terrestrial and celestrial, Charming. All is extreme in this combination of heat and cold. The subtle association between the coolness of the rosemary of Morocco, the true harmony of the nutmeg of Indonesia and a passionate touch of absolute of Liatrix of America delicately associated with a deep amber. Between sky and earth.“

Von Ambivalenz ist bei Black Purple die Rede, von dem Spannungsverhältnis zwischen Wärme und Kälte… Viel interessanter ist aber für viele hier sicher die Frage nach Liatrix – was ist das? Liatrix, Liatris auch Liatrix Odoratissima oder auch Deer’s Tongue ist ein amerikanisches Kräutlein, das vornehmlich in der Savanne wächst. Auf den ersten Blick unscheinbar, entwickelt es getrocknet einen warmen, süßen, zum Teil pudrigen und stark an Vanille erinnernden Duft mit Anleihen von Heu (klar – Liatrix hat einen sehr hohen Cumarin-Gehalt) und Tabak. Zur Aromatisierung von letzterem diente die Pflanze auch Jahrzehnte.

Auch in diesem Duft scheint sie eine zentrale Rolle zu spielen: Zimtige Tabakblätter renken sich meinem Näschen entgegen und es entfaltet sich ein gar eigenartiger Duft. Blattwerk, dunkelgrünes, und Rosmarin, deutlich wahrzunehmen, sehen sich kontrastiert von warm-würzigen Akzenten, die im Duftverlauf immer mehr die Oberhand gewinnen. Samtene Wärme drückt hindurch, und es kommen in der Tat Noten zum Vorschein, die eigentlich nur von besagtem Liatrix-Pflänzchen stammen können: Vanille und Heu, von einem Hauch Ambra geadelt. An was erinnert mich das? Ein kleines bisschen an Parfumerie Générales Felanilla, was dessen dicht gewebtes Vanille-Ambra-Heu-Lager angeht. Sehr interessant – und sehr schwer einzuordnen. Auf den Ursprung des Namens komme ich allerdings immer noch nicht beziehungsweise kann nicht folgen, ganz abgesehen davon, dass ich farblich ganz anderes mit dem Duft assoziiere.

Eau d’Aviateur, der Duft des Piloten… Luftfahrtdüfte gab es schon einige, man erinnere sich beispielsweise an den großartigen En Avion von Caron, gewidmet der ersten Frauen, die fliegend den Himmel eroberten (Maryse Bastié, Adrienne Bolland & Hélène Boucher), oder an Brecourts Eau Libre. Abenteurer sind sie immer, diese Flieger – das sehen auch Atelier Flou so:

„Adventure, Density, Spirit. When the intense scene of extreme skies forces the contemplation by the voyager, from the Andes cordillera to Siberia. Bouquet of blue flowers, petitgrain of Sicily and orange oil of Brazil for this water which goes like one second spiritual skin. Obviousness.“

Flieger, grüß mir die Sonne – und die Agrumenfrüchte, die unter derselben so unwahrscheinlich köstlich heranreifen. Eau d’Aviateur ist ein Hesperidenduft, und insofern nicht wahnsinnig innovativ, gesellt er sich doch zu einer ganzen Reihe an zitrischen Früchtchen innerhalb der Parfumlandschaft. Auch die Ingredienzen oder deren Kombination stechen auf den ersten Blick nicht ins Auge: Kopfnote: Zitrische Noten, Orange, Bergamotte; Herznote: Veilchenblätter, Florale Noten, Petitgrain; Basisnote: Maté, Moschus, Zibet, Sandelholz.

Und doch – Eau d’Aviateur gefällt mir gut. Frisch, dynamisch, prickelnd, bitzelnd, säuerlich-zitrisch. Ein Hesperidenschwall mit dominanter Bergamotte, der Freude macht und den Kopf wach hält, umrankt von ein bisschen grünem Blattwerk und subtilen floralen Anklängen. Dazu gesellt sich eine Prise Tee und die Basis wärmt sandelholzig und moschusgeschwängert. Erinnert mich ein bisschen an Carthusias Mediterraneo oder an Acqua di Parmas Blu Mediterraneo Bergamotto di Calabria und befindet sich insofern in bester sommerlicher Gesellschaft.

Monsieur Mon Amour – beschwört die große Liebe, oder wie darf ich das verstehen?

„Elegant, Refined, Smart. Ultimate elegance signs this fragrance: the glowing of the hearth and the feeling of cosy leathers for an unusual and astonishing refinement. When the incense of Somalia meets the attar of the wood of Gaïac of Paraguay. Serenity.“

Was sich in der Theorie eher abenteuerlich anhört, hat auf dem Teststreifen tatsächlich das gewisse Etwas: Die Mischung aus Zitrusfrüchten, Jasmin, Hölzern und Leder, die ich mir vorab nicht so richtig vorzustellen vermochte. Der Teststreifen kündet von einem Strahlemann: Zitrisch-dynamisch mit einem interessanten Weißblüher-Kick, gebettet auf den üblichen Holzverdächtigen und von einem kühlen Leder veredelt. Hat was – leider nur auf dem Papier. Mein Handgelenk potenziert die vorhandenen Agrumenfrüchte derart, dass mir eine lange Zeit nur noch Fruchtbonbons im Stile von Nimm2 entgegenleuchten. Jene Vitaminexplosion zügelt sich im Verlauf des Duftes, sodass sich Haut und Papier vom Ergebnis her wieder annähern, trotz allem gefällt mir das Ergebnis auf meinem Händchen so nicht. Ich bin aber auch kein Mann, an denen wird sich Monsieur Mon Amour ohnehin schöner entfalten, da bin ich mir sicher.

Für diese Woche werde ich es damit bewenden lassen, nächsten Montag geht es dann weiter mit den letzten beiden Damendüften.

Bis dahin alles Liebe und Euch ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Electric von Kavewall, Photograph of aviator Charles J. Biddle (born 1890), Toul, September 1, 1918 via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen: Montale, Goutal, Jourquin & Zolty.

Meine Schubladen quillen über. Die letzten Monate kamen viele, viele Düfte auf den Markt, wie jedes Jahr in der Herbst/Wintersaison. Nach meinem Empfinden waren es aber dieses Jahr mehr als sonst. Und ich hinke mal wieder schwer hinterher, wie sollte es auch sonst sein. Deshalb kurz und knackig heute und auch in nächster Zeit mal wieder ein paar der (zu Unrecht) Vergessenen.

Montales Dark Purple – … ähnelt auf den ersten Riecher Montales Aoud Rose Petals. Und auch auf den zweiten lässt sich hier eine Bekanntschaft herstellen: Beide sind kühler, sehr kühler Natur. Während Aoud Rose Petals mit Rose und Oud (was sonst) auf Teakholz brilliert, findet sich hier ein Früchtestilleben – Pflaume, Blutorange und Beeren – vornehmlich in allen Rotnuancen leuchtender Früchte, von mit minzigem Geranium gestützten Rosen umrankt, auf einer leicht angewärmten Teakholzplatte.

Annick Goutal Mon Parfum Chérie par Camille – Die Ingredienzen verraten hier wenig über die Heftigkeit des Duftes (Kopfnote: Patchouli, Pflaume; Herznote: Heliotrop, Veilchen, Iris; Basisnote: Patchouli, Gewürze)… Wäre interessant, Camille Goutal, die den Duft ihrer Mutter gewidmet hat (die ihr seiner Zeit die wunderschöne Mädchenbirne Petite Chérie widmete), zu ihrem Verhältnis zu befragen sowie zu ihrem Mutterbild. Mon Parfum Chérie ist ein ziemlicher Kracher: Heftig viel Patchouli, erdig, aber staubtrocken und somit in Verbindung mit Veilchen und Iris eine pudrige Skinnote bildend, die Lippenstiftcharakter an den Tag legt. Überhaupt erinnert der Duft zusammen mit der fruchtigen Herbheit der Pflaume an eine kräftigere und chyprierte Variante von Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889. Mon Parfum Chérie ist aber die finstere Schwester, würde ich sagen. Was noch dunkler ist als das traditionelle Etablissement in Paris? Die Ledernoten, die Mon Parfum Chérie in der Basis samt einer bitteren Würzigkeit an den Tag legt. Gegen diese Reitgerten-Lady haben die unschuldigen Tanzmädchen im Moulin Rouge keine Chance.

David Jourquin ist ein neues Label – und ausnahmsweise mal ausschließlich für die Herrenwelt. Cuir Mandarine Jour pour Homme und Cuir Tabac Soir pour Homme heißen sie, die beiden Lederknaben, und sind, wie der Name schon verheißt, ein gut durchdachtes Duo für den ganzen Tag. Cuir Mandarine hätte, wie mir sofort klar wird, eigentlich Cuir Lavendel heißen sollen und wäre insofern etwas für Harmens Lavendel-Serie gewesen. Ob er ihm wohl gefallen würde, meinem Mitschreiberling? Ich glaube schon: Würziger Lavendel in der ihm üblichen eleganten Strenge, sehr klassisch ausgeprägt, aber von Mandarine fruchtig aufgelockert. Tabak begleitet aromatisch, während sich das Geschehen holzig auf glattem Leder räkelt. Ein cooler, dynamischer und eleganter Businessmann – ob der sich wohl abends auch aus dem Anzug schält? Nein. Tut er nicht. Er lässt die sportliche Mandarine weg und wirft sich würziger, aromatischer und ein bisschen erotischer, aber immer noch im Anzug (Wiederspricht sich das? Nein.) ins Nachtleben. Das Leder hier immer noch glatt, aber wärmer, facettierter, dominanter. Ein schönes Duo, wirklich – für den richtigen Mann. Für Frauen meines Erachtens nach weniger geeignet – ähnlich wie bei Knizes Ten (der in diesem Zusammenhang mein Lieblingsbeispiel ist) sind die beiden Düfte unverkennbar maskulin, ohne allerdings den Mann-Mann raushängen zu lassen.

Kommen wir zu einem weiteren netten Herrn, dem ehemaligen Männermodel Jacques Zolty, der es sich schon seit längerer Zeit auf der Karibikinsel St. Barthélemy, kurz: St. Barth, bequem gemacht und der uns von dort aus mit hübschen Düften erfreut: À bientôt heißt er, der neueste Streich – ein fröhlich zugerufenes „Bis bald!“, dessen Einladung ich gerade zu gerne folgen würde, urlaubsreif wie ich mal wieder bin.

Nach dem ersten Test würde ich gerne noch schneller in Richtung karibische Inseln entfleuchen, denn der neue Zolty ist wirklich ein Leckerchen: Fröhlich-herbe Hesperiden prickeln zitrisch vor sich hin wie eine Champagnerbowle, von aromatischen Kräutern, säuerlicher schwarzer Johannisbeere und wässrig-floralen Akzenten begleitet. In der Basis grün-grasiger Vetiver, die Kräuterchen aufgreifend, ein weiß-sauber-strahlendes Zedernholzbettchen und wärmende Ambrasonnenstrahlen. Meine Lieben, so lässt es sich leben!

In diesem Sinne – bis morgen, Euch allen einen schönen Tag!

Liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: Pears and Plums 3 von MichaelaW, Moulin Rouge von Andreas Praefcke, Shell Beach St. Barts von Nolangaskill, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Ewige Jugend mit Penhaligon’s

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 13.12.2011

Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Lavendel, Salbei; Herznote: Geranium, Kaffee; Basisnote: Vetiver, Muskatnuss, Schwarzer Pfeffer, Kardamom, Moschus, Leder, Sandelholz, Weihrauch, Myrrhe…

Selene and EndymionAlso wenn das nicht aufregend klingt! Ob dieser Duft nun wirklich in meine Lavendelserie passt, wird sich noch zeigen müssen, einige andere dominante Ingredienzen lassen vermuten, dass der Duft auch in eine ganz andere Richtung gehen könnte. Die Rede ist von Endymion aus dem Hause Penhaligon’s.

Der Name Endymion führt uns in die griechische Mythologie: Endymion war der Liebhaber der Mondgöttin Selene. Um ihn unsterblich zu machen, versetzte ihn Zeus in einen ewigen Schlaf, der ihm seine Jugend erhalten sollte. Sonderlich tief geschlafen hat Endymion allerdings nicht, denn Nacht für Nacht kam Selene in seine Höhle, und diese Besuche führten zur Geburt von 50 Töchtern – der gute Endymion hat also nichts anbrennen lassen.

Ich bin neugierig, deswegen lasse ich mich nun nicht aufhalten, den Duft aufzusprühen. Auf dem Duftstreifen geht es streng nach den Angaben in der Kopfnote frisch her, denn Bergamotte und sicherlich auch etwas Kardamom sorgen für einen lebendigen Auftakt, der mit einigen bitteren Noten aber schon verrät, dass wir es hier mit keinem reinen Hesperidenduft zu tun haben. Deutlich kommt daraufhin auch Geranium zum Vorschein mit einer floralen, rosenähnlichen Note, die von sauberen Aspekten begleitet wird. Möglicherweise sind hierfür die Hölzer verantwortlich.

Da ich mal wieder so nicht weiterkomme, werde ich nun selbst beduftet. Natürlich fehlt auch hier der frische Auftakt nicht, aber es geht jetzt doch recht schnell in die floral-seifig-klassische Ecke und die große Frage für mich ist, wo denn eigentlich der Lavendel abgeblieben ist. Insgeheim hatte ich auch ein bisschen gehofft, kräftige Kaffeenoten zu finden, oder wenigstens einen ausgeprägten Weihrauchgrund. Hätte doch nur der Schwarze Pfeffer oder das Leder ein wenig vorlauter aufgespielt. Apropos Basisnoten: ein wenig Moschus zeigt sich schließlich, um in der insgesamt mäßigen Haltbarkeit des Duftes unterzugehen.

Natürlich ist mir klar, dass sich Penhaligon’s das klassisch-britische Understatement-Mäntelchen umgehängt haben, und dieser Linie bleiben sie auch bei diesem Duft treu. Ich hätte mir hier trotzdem etwas mehr Profil gewünscht, ist doch die griechische Mythologie voller sprudelnder Leidenschaft und großer Tragik. Mit Endymion haben wir einen äußerst distinguierten englischen Herrenduft vorliegen, der ganz hervorragend zu einer gehobenen Abendgarderobe passt.

In meine Lavendelserie passt Endymion allerdings absolut nicht, und meine Enttäuschung sei mir verziehen – ich habe schlicht und ergreifend mit einem ganz anderen Duft gerechnet. Unter dem Vorzeichen eines noblen Herrenduftes erfüllt Endymion jedoch alles, was das Herz begehrt. Wenn es denn Penhaligon’s sein soll, bleibe ich bei dem kürzlich besprochenenJuniper Sling“, wenn es ein Kaffee-Leder-Duft sein soll, greife ich dann doch lieber zu dem guten alten “Charles Street” von Mark Birley.

Was haltet Ihr von Endymion? Übrigens gibt es zu diesem Duft auch noch eine Duftkerze, eine Shaving Cream und ein Bath & Shower Gel.

Liebe Grüße
Harmen

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Olfactive Studio…

Geschrieben in Duft,Hesperiden am 15.11.2011

… ist die Geschichte eines Traumes, eines kollektiven Traumes – und wie er zu einem zu einem solchen wurde, dazu findet sich einiges im Pressematerial dieser vollkommen neuen Firma, die uns dieser Tage auf dem Nischenmarkt erstmalig begegnet(e). Und ehrlich gesagt machen mich diese Lebensläufe immer ein wenig neidisch, aber gut… Da haben wir Céline, die in der Nähe des pittoresken Chambord geboren wird und ihre Kindheit liebend gerne in der gut duftenden Natur verbringt. Céline, die davon träumte, Architektin zu werden, um dann Unternehmensmarketing zu studieren und irgendwie bei Kenzo zu landen, wo sie über den Designer Pierre Broc fällt, der sie in die Kunst des Parfumdesigns einweiht. Und kurze Zeit später kreiert Céline, dann gerade mal knapp 30, Kenzos Duft Jungle mit Dominique Ropion und Jean-Louis Sieuzac, hernach L’Eau par Kenzo zusammen mit Olivier Cresp (der Schöpfer von, z.B., Angel von Thierry Mugler), um dann das Portal Osmoz.com nach einer Idee von Firmenich im Alleingang aus dem Boden zu stampfen. Respekt. Ach ja, Céline liebt natürlich auch Reisen und importierte während vieler derselben auch schon mal Weine, warum nicht. Aber da fehlte die olfaktorische Komponente, weshalb sie sich nach einigen Jahren bei L’Oréal einen ganz besonderen Weg einschlug: Sie gründete das Blog „Le Blog du Parfum qui n’existe pas (encore)“, auf Deutsch soviel wie „Das Blog zu dem Parfum, das es noch nicht gibt“. Die Offenheit des Internets und dessen Möglichkeit, Menschen aus aller Welt partizipieren zu lassen, sollte helfen, mittels kollektiver Intuition und Kreativität Neues zu schaffen – nämlich einen Duft, vielleicht auch mehrere Düfte. Internetnutzer als Schaffende, als Teil der Entscheidungsprozesse, der Entwicklung und als Botschafter der Marke – heutzutage umfasst die Internetseite, wie man sieht, schon weit über 5000 Fans.

Das besondere an Olfactive Studio ist aber eben auch, dass die Düfte – man erinnere sich an die Six Scents-Reihe – eine Art Kooperation sind:

„Olfactive Studio is at the crossroads of a photographic studio and a perfume design studio. This is the first time ever that perfumers have teamed up with photographers to draw inspiration from their œuvres. They sense the images to capture their essence. Photography and perfume capture the moment and rekindle the memory of past experiences. Imagining a sensorial, intimate, and poetic relationship between images and scents is to reconcile temporal spaces. «Perfumer’s proofs» are born out of the perfume creator’s emotions invoked by the picture and have proved to be authentic and original olfactory creations. They take us from a world where perfumes are harvested to one where time is captured.“

Parfumeure und Photographen schufen demnach zusammen die drei ersten Düfte der Linie, Autoportrait, Chambre Noire und Still Life, die es einzeln zu erwerben gibt oder auch zusammen in einem schönem Sammlerpaket mit Bildband. Das Konzept wurde im übrigen wie der Markenname, die Namen der Düfte sowie die Flakon- und Verpackungsentwicklung in obigem Blog diskutiert und mitbestimmt.

Aber genug schwadroniert, wenden wir uns den Düften zu, die natürlich alle drei mit passenden Fotos ausgestattet sind, wie wir es zum Beispiel von Humiecki & Graef bereits kennen.

Still Life ist der erste Duft in der Reihe – „a sparkling and festive perfume, Still Life is a celebration of life!“ Mit diesem Motto ist eigentlich schon fast alles gesagt, oder? Ein „überraschender“ Duft soll es sein, ein hell strahlender, der einen zum Feiern animieren soll. Und außerdem ist da im Rahmen dessen noch von exotischen Cocktails die Rede… Mir ist gerade eher nach Tee bei den Außentemperaturen, aber ich sprühe trotzdem mal – und weiß genau, was gemeint ist: Ein atemberaubender und kräftiger, farbenprächtiger Hesperidenduft, erwachsen und definitiv unisex. Das merkt man gleich und das bleibt auch so. Yuzu, jene japanische Agrumenfrucht, die ich in ihrer säuerlichen Herbheit und satten Spritzigkeit sehr gerne mag, in keckem Zusammenspiel mit verschiedenen Pfeffersorten – eine gerne genommene Kombination weil sehr schön akzentreich. Sternanis sorgt für einen Hauch Wärme, ähnlich wie in Byredos Fantastic Man, in dem er aber ebenfalls nicht dominant wird oder seine typische Anisader entdecken lässt. Die Basis des Duftes entwickelt alsbald eine schöne, dezent-harzige Wärme, die holzig und ein bisschen beschwipst an Lubins Idole erinnert, trotz allem zeigt sich immer noch federführend die Zitrusfrische.

Respekt – die noch junge Parfumeurin Dora Arnaud aus dem Hause Firmenich hat mit Still Life wirklich einen schönen und besonderen Hesperidenduft geschaffen. Einen von den jenen, die herausstechen aus dem großen Zitrusfrüchtekörbchen. Und einer, der trotzdem vollkommen unkompliziert getragen werden kann.

Nur das Foto, sorry – das verstehe ich nicht, finde ich vielmehr ziemlich banal. Der Fotograf Frédéric Lebain scheint wie Arnaud eine Art Shootingstar zu sein, mir sagt das Foto ehrlicherweise gar nichts – und in Zusammenhang mit dem Duft noch ein kleines bisschen weniger. Vielleicht hilft Euch der Text dazu, mir ward nicht mehr zu helfen (diesbezüglich?):

„A breeze could throw them off course yet Frédéric’s 2D spheres – faceted and seemingly frozen – continue spinning like lyrical and living sculptures. The paper they are made of is as crisp as the cocktails enjoyed around them. They dream of busting moves on the dance floor like teen girls indulging in the excitement of their first summer night parties. These images froze life to better prolong it. To immortalize nature is quite different from what the French call without any apparent reason nature morte, or literally “dead nature.” Perpetuated by the game of images of images, the balls reflect their joie de vivre as if every facet were carrying out its own photosynthesis. They breathe through every pore of pages transformed into paper balls and confetti and celebrate the coming of a Dionysian world of dance and delight. Here, they appear in time suspended, a moment frozen for all eternity. More appropriate than the French, the English still life does more justice than the French word to the life still resonating within. Cocktail attire optional.“

In diesem Sinne – ich bin hochgespannt auf die nächsten beiden Düfte, die ich Euch natürlich postwendend vorstellen werde.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die Olfactive Studio-Kollektion in unserem Shop.

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Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen


Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 4.

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 11.11.2011

Mit den letzten beiden Düften in unserer fröhlichen Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire-Runde möchte ich diese Woche beenden, mit Cologne Noire und Bois d’Iris.

Bois d’Iris, der Name kommt uns bekannt vor. Und ehrlich gesagt finde ich ihn ungeschickt bis dämlich gewählt. Gut, ja, ich verstehe, aber – es gibt einfach schon viel zu viele Düfte, die (genau) so oder so ähnlich heißen, allen voran The Different Companys Bois d’Iris.

Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Test des Duftes von Emilie Bevierre-Coppermann (hat sie geheiratet?), wahrlich. Die Dame, die bisher für Lagerfeld, Lalique, Givenchy, Burberry, Lancaster, Paco Rabanne und einige mehr gearbeitet hat, hat mit Bois d’Iris eine schöne Erweiterung der bereits sehr breiten Palette an Irisdüften geschaffen: Edel und elegant, wie die Blume selbst, deren Wurzel es ja ist, die in Düften verwendet wird.

Ein Duft, der für mich so gut wie alles beinhaltet, was die Faszination von Iris ausmacht: Jene erdig-ledrige Kühle in Kombination von pudriger Samtigkeit, cremige Anklänge, die an den Geruch von Lippenstiften erinnern und seidene Holzigkeit. Dieses Facettenfeuerwerk wird von einer exzellent harmonierenden Basis untermalt: Ambra, Myrrhe, Labdanum, Hölzer und Weihrauch – diese lassen die Iris glühen auf einem Bett aus harzig-ambrierter Wärme und rauchig-knarzigen Hölzern, mit einem etwas kühleren Abgang versehen.

Was sich vielleicht kräftiger liest ist in natura kein heftiger Charakter: Bois d’Iris lebt zwar seine Iris zwischen Hölzern und Harzen aus, ist aber, ganz wie es sich für diese königliche Pflanze gehört, ein wohltemperiertes distinguiertes Exemplar, das ich mir an Frauen wie Männern gleichermaßen gut vorstellen kann.

Cologne Noire ist natürlich ebenfalls ein Kandidat für beide Geschlechter und ist eine Kreation von Mark Buxton, der uns, wie die meisten wissen, schon mit vielen Düften um den Verstand brachte: Mich ganz besonders mit Le Labos Vetiver 46 sowie Comme des Garçons 2, darüber hinaus schuf Monsieur aber noch eine ganze Reihe weiterer Volltreffer – für Comme des Garçons, Burberry, Givenchy, Chopard, Biehls Parfumkunstwerke, den schönen Jil Sander Scent 79 for Men, Angelo di Fiume und Notte Bianca für Linari und diverse mehr.

Herr Buxton, eher für Avantgarde-Düfte bekannt, und das klassisch-edle Label Van Cleef & Arpels finden zusammen für oder vielmehr in einer Cologne-Interpretation? Das funktioniert ganz wunderbar, wenn man sich nur die Zeit nimmt, dem Duft die Zeit gibt. Cologne Noire ist nämlich eher ein Vertreter der leiseren Töne, einer, dessen Komplexität und Schönheit man erst auf den zweiten Blick gewahr wird. Im Auftakt zeigt er sich als charakteristischer Vertreter seiner Gattung: Hesperidisch geht es einher mit säuerlicher Bergamotte und saftiger Mandarine, die sich alsbald von herbem Ingwer und krautig-waldmeisterigem Kardamom überlagert sehen, kontrastiert von einer feinen Prise schwarzen Pfeffers. Gewürze und Hölzer, oszillierend zwischen harzig-samtener Wärme und rauchiger (für Buxton obligatorischer) Weihrauchkühle, geben der Basis einen eleganten, aber gleichermaßen ultramodernen Anstrich. Und spielen für mich ein Spiel mit Licht und Schatten, eines, das ich ähnlich nur von Ellenas Bigarade Concentrée kenne (der allerdings unbenommen eine ganz andere Sorte Duft ist).

Chapeau, Mark! Einmal mehr ein typischer Buxton, wie immer (ok: meistens) traumhaft schön.

Kennt Ihr die Collection Extraordinaire schon? Und, wenn ja, welches ist Euer Favorit?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Shadow of a streetlight von drmatiz/Matthijs van Heerikhuize, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

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Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.
Duftjuwelen – Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire.


Die Nächte des Kaisers Hadrian

Geschrieben in Duft,Hesperiden am 11.10.2011

Hadrian Greek BM Sc1381Gestern widmeten wir uns Annick GoutalsEau d’Hadrien“, dem Duft, welcher Kaiser Hadrian zugeeignet ist und vor allem Marguerite Yourcenars Werk „Mémoires d’Hadrien“.

Bei „Eau d’Hadrien“ erwies sich die Duftkomposition als treffendes Abbild des Kaisers, der sinnierend zwischen Zitronenbäumen sitzt, Erinnerungen nachhängt und sich inmitten dieses südländischen Paradieses manch erfreuliche aber auch wehmütige Frage stellt. Heute werde ich mir „Les Nuits d’Hadrien“ ansehen.

Was mich wohl erwartet? Ein grübelnder Hadrian, der schlaflos im Bett liegt oder wie ein Schatten ruhelos durch die Korridore seiner Villa wandert? Ist es ein Kaiser, der sich in nächtlichen Gelagen die Sinnenfreuden des Lebens schmecken lässt? Die Villa Adriana, der Altersruhesitz Hadrians, gehört übrigens zum UNESCO Weltkulturerbe und wirkt selbst auf Bildern pompös und äußerst beeindruckend.

Kommen wir nun endlich zum Duft mit den folgenden Noten:

Canopus de la villa d'Hadrien de nuit

Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Mandarine; Herznote: Zypresse, Basilikum, Kumin, Wacholderbeeren, Ylang-Ylang; Basisnote: Vanille, Sandelholz, Patchouli, Ambra, Weißer Moschus

Bei „Les Nuits d’Hadrien“ haben wir es nicht sofort mit einer frisch augeschnittenen Zitrone zu tun, wobei aber die Anwesenheit der Hesperiden völlig fraglos ist. Die würzigen Noten sind jedoch schon im Auftakt präsent und geben ihm einen herberen Zug, sagen wir: eine grüne Zitronenschale. Auf der Haut bestätigt sich dieser Eindruck: ein frischer Auftakt voller zitrischer Aspekte wird sogleich von würzigen-frischen, aber auch grünen Noten der Zypresse und des Basilikums abgelöst. Obwohl die Basis mit ihren Kandidaten durchaus einen schweren Nachklang vermuten lassen könnte, stellt sich dieser nicht ein.
Ganz offen gesagt ähneln sich „Eau d’Hadrien“ und „Les Nuits d’Hadrien“ ungemein und sind sicher als Variationen eines Themas zu verstehen denn als eigenständige Düfte. Im direkten Vergleich erweist sich „Eau d’Hadrien“ als ein wenig leichter, „Les Nuits d’Hadrien“ hingegen hat durch seine reichhaltigere Basis einen hölzernen, sauberen und weichen Ausklang.

Die Unterschiede sind meines Erachtens nicht gerade fundamental. „Les Nuits d’Hadrien“ ist keine Abendvariante seines großen Bruders, viel mehr eine Spielart, die sich eine breitere Basis erlaubt. Von Schwere, Melancholie und dergleichen keine Spur. In der Historia Augusta, einem Sammelwerk mit den Biographien der römischen Kaiser, heißt es, dass Hadrian vor seinem Tode ein Gedicht geschrieben haben soll, das da lautet:

animula vagula blandula,
hospes comesque corporis
quo nunc abibis? in loca
pallidula rigida nubila –
nec ut soles dabis iocos.

Kleine Seele, schweifende, zärtliche,
Gast und Gefährtin des Leibs,
Die du nun entschwinden wirst dahin,
Wo es bleich ist, starr und bloß,
Und nicht wie gewohnt mehr scherzen wirst …

Diese Zeilen drücken Schicksalsergebenheit aus, Bescheidenheit und ein heiteres Gemüt. Um auf meine Frage zurückzukommen, ob Hadrian nachts rastlos durch seine Villa strich… Ich denke dieses Gedicht wie auch Annick Goutals Duft beschreiben einen Geist, der mit sich selbst in Einklang ist, sowie mediterrane Freuden, die niemals oberflächlich werden und tiefsinnige Anklänge, welche jedoch niemals die Heiterkeit des Südens auch nur annähernd verdrängen können.

Liebe Leser, was meint Ihr zu diesem Duftduo?

Liebe Grüße
Harmen

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Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 10.10.2011

Seit längerem schon liegen zwei Duftproben bei mir, die ich längst besprechen wollte, aber nicht dazu kam. Aus aktuellem Anlass darf die Rezension nun nicht mehr warten: zum 30. Jubiläum des Hauses Annick Goutal wurden Sondereditionen des Duftes „Eau d’Hadrien“ herausgegeben, von dem hier heute die Rede sein wird.

Übrigens haben wir bei diesem Duft wie gewohnt die Auswahl zwischen einem Damen- und einem Herrenfläschchen. Hinzukommt eine begrenzte Auflage des Duftes in einem schwarzen Schmuckkästchen und anlässlich des gerade erwähnten 30. Jubeljahres ein Sonderflakon, der von dem bekannten Juwelier Arthus-Bertrand gestaltet wurde, gewissermaßen das gläserne Abendkleid zur Feier des Tages. Hiervon ist nun ein Eau de Toilette und ein Eau de Parfum sowie ein ebenfalls zu diesem Anlass erschienenes Absolu erhältlich. Letzteres allerdings in der gewohnten Aufmachung.

Emperor Hadrian Louvre Ma3131Bei Hadrian handelt es sich um keinen Geringeren als den römischen Kaiser Hadrian, welcher im Jahr 76 geboren wurde und im Jahre 138 verstarb. Annick Goutal ließ sich aber viel mehr von der fiktiven Autobiographie der belgischen Schriftstellerin Marguerite Yourcenar „Mémoires d’Hadrien” inspirieren als von der historischen Person. Der deutsche Titel heißt „Ich zähmte die Wölfin. Die Erinnerungen Hadrians” – wer auch immer sich mit diesem Zusatz selbstverwirklichen wollte.

Das Buch ist aus der Sicht Hadrians als Lebensbeschreibung erzählt, welche er in Briefform an seinen Adoptivenkel, den späteren Kaiser Mark Aurel richtet. Als Sechzigjähriger, durch Krankheit am Ende seines Lebens stehend, lässt Hadrian in seiner Villa in Tibur sein Leben Revue passieren. Die Geburt in Spanien, seine politische Laufbahn in Rom bis hin zur Kaiserherrschaft, seine Beziehung zu Trajans Frau Plotina, Kriege und auch der frühe Tod seines Geliebten Antinous spielen dabei eine Rolle. Die Briefe sind von Erinnerungen und Sinnfragen durchwoben und umfassen auch die Überlegung, ob er sich durch den Freitod seiner Schmerzen entledigen dürfe. Letztlich stirbt er im Kreis seiner Vertrauten, im Einklang mit sich selbst. – Übrigens soll das Buch von John Boorman verfilmt werden und befindet sich seit 2010 in Produktion.

Ich bin nun gespannt, wie viel Kaiser und Geschichte in „Eau d’Hadrien“ steckt oder ob sich Frau Goutal eher vom Sinnieren und der Nachdenklichkeit einer erinnerungs­trächtigen Lebensbeschreibung inspirieren ließ. Die Duftnoten sind wie folgt angegeben: Kopfnote: Zitrone, Cedrat (Citrus Medica), Grapefruit, Mandarine; Herznote: Ylang-Ylang, Aldehyde; Basisnote: Zypresse.

Eine echte Zitrone wie sie im Buche steht, ist mein erster Gedanke als ich am Teststreifen schnuppere. Ein frisch aufgeschnittene Zitrone würde nicht anders riechen! Mit Zitrone, Citrus Medica, Grapefruit und Mandarine in der Kopfnote ist Marschrichtung ganz klar vorgegeben und ich werde nicht enttäuscht. Nach einer Weile klingt der Duft in eine Richtung aus, die ich nicht ganz einordnen kann und erhoffe mir Klarheit durch einen direkten Versuch auf der Haut: hier erweist sich der Duft als etwas weniger zitronig und auch die anderen Darsteller bekommen ihren Auftritt. Ylang-Ylang und vor allem die zu Recht als kokosnussartig beschriebenen Aldehyde kommen nun zum Vorschein. Die leichte Nussigkeit letzterer geht in den holzig-frischen Noten der Zypresse auf, die auf meiner Haut zumindest daraufhin am deutlichsten hervortritt.

Wildlemon

Welch ein gelungenes Duftbild. Der alte Kaiser sitzt in seiner Villa zwischen Zitronenbäumen, hängt den Erinnerungen eines erfüllten Lebens nach, hin und wieder mischt sich eine herbe Note hinein, wenn er an die Kämpfe und Enttäuschungen denkt. Die Duftkomposition bleibt aber stets kopflastig, so spiegelt sich die Erinnerungsarbeit auch hierin wider. Eau d’Hadrien ist meines Erachtens eine Hommage an den Süden, an die große Vergangenheit des römischen Reiches, aber auch an die wohlgesetzte Prosa einer Marguerite Yourcenar. Auf dem Duftstreifen kommen die süßen Erinnerungen besser zum Tragen als auf meiner Haut – vielleicht wird der eine oder andere dies auch beobachten.

Ein absolut männer- und frauentauglicher Duft für den Sommer, der schon die ersten Züge des Herbstes erahnen lässt. Keine völlige Unbeschwertheit, aber mit einer optimistischen Frische, die große Leistungen zu würdigen weiß.

Habt Ihr schon mit Hadrian Bekanntschaft gemacht? Morgen erfahrt Ihr mehr von ihm. :-)

Liebe Grüße von
Harmen

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Überliefertes von Hugh Parsons

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 26.09.2011

Im August stellte ich bereits zwei Düfte von Hugh Parsons vor: „Piccadilly Circus“ und „99, Regent Street“. Da mir die beiden gut gefielen, werde ich mich heute einer weiteren Schöpfung dieses Hauses widmen, dem Duft „Traditional“. Aber vielleicht erst einmal ein paar Worte zum Thema Traditionen.

Bundesarchiv Bild 183-1990-1210-001, Erfurt, Zimmermänner auf der Walz Mit den Traditionen ist es so eine Sache. Den einen sind sie heilig, die anderen tun sie als alte Zöpfe ab, die schleunigst abgeschnitten werden sollten – die meisten jedoch wahren Überlieferungen, ohne es zu wissen. Denn Traditionen sind das Fundament jeglicher Kultur und können sich in unterschiedlichster Art äußern: sei es der Gebrauch von Werkzeugen im Handwerk, bestimmte Speisen wie etwa die Weihnachtsgans, Brauchtum, Musik und vieles mehr. Oft sind es einfach Verhaltensweisen bestimmter Gruppen, welche durch diese an die nächste Generation weitergegeben werden. Wer also am Vatertag seinen Leiterwagen mit einem Kasten Bier durch die Gegend fährt, einen Weihnachtsbaum aufstellt, Omas Kuchenrezept den Kindern gibt, an Fasnet oder Karneval auf gut Deutsch die Sau rauslässt, ja der lebt und pflegt Traditionen. Wie heißt das Sprichwort so schön: „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme” oder etwas humoriger in Wilhelm Buschs „Die fromme Helene“: „Es ist ein Brauch von alters her: // Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ — Sprichwörter sind übrigens genauso eine Tradition.

Gerade der Parfumbereich setzt sich massiv mit Traditionen auseinander. Viele Hersteller und Parfumeure berufen sich auf die alte Tradition ihrer Häuser, auf überlieferte Rezepturen und versuchen hierdurch bei uns Kunden den Eindruck zu erwecken, dass sich die Produkte seit langem bewährt haben, dass durch lange Berufserfahrung oder eine weit zurückreichende Unternehmensgeschichte viel Erfahrung zusammengekommen ist und somit die Schöpfungen einfach gut sein müssen. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt junge, rebellische Parfumeurstalente, die alle Konventionen über Bord werfen, auf Tradition und altehrwürdige Schnörkelflaschen pfeifen und das Fach ganz neu erfinden. Auch das ist eine Auseinandersetzung mit Tradition, die für den Markt natürlich sehr befruchtend sein kann – letzterer profitiert durch das Bewährte und den Erfindungsreichtum von beiden Kräften.

Kommen wir also zu „Traditional“, der sich wie die vorangegangenen Düfte auch die Tradition auf die Fahnen geschrieben hat. Die Duftnoten klingen in jedem Fall interessant: Kopfnote: Zitrone, Mandarine, Schwarze Johannisbeere, Blattgrün; Herznote: Pfeffer, Kardamom, Angelika (Engelwurz), Wacholder; Basisnote: Zedernholz, Sandelholz, Ambra.

Und in der Tat erweist sich der Duft als wenig experimentierfreudig. In einem frischen Auftakt legt die Zitrone eine bittere Frische vor, welche von grünen Noten begleitet wird. Die würzigen Bestandteile der Herznote bleiben stets handzahm und gehen harmonisch in einer sauberen und seifigen Basis aus Hölzern und Ambra auf.

Traditional ist ein gutes Beispiel für einen Herrenduft, mit dem man nichts falsch machen kann. Frisch, kultiviert und klassisch ist er für jeden Anlass geeignet. Vom Namen sollte man sich allerdings trotzdem nicht beirren lassen: das ist nicht der Muff von 1000 Jahren und auch kein Altherrenwässerchen. Eher ein Universalduft für alle Alterklassen. Rebellisch ist definitiv anders… aber für rebellische Düfte haben andere gesorgt.

Es grüßt ganz traditionell mit einem „Grüß Gott“
Harmen

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Hugh Parsons – Piccadilly Circus
Manufakturen H bis Q


Wer ist der dritte Mann?

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 12.09.2011

Liebhaber vor allem älterer Filme werden bei dieser Überschrift sicherlich sofort an den Klassiker “Der dritte Mann” (The Third Man) von 1949 denken und das zu Recht. Caron hatten nämlich genau diesen Schwarzweißstreifen im Blick, als sie den Duft “Le 3e Homme” lancierten:

In 1985, CARON brings all its skills as a parfumier to bear in the creation of its third men’s fragrance: LE 3ème HOMME DE CARON.
Inspired by Carol REED’s legendary film, it is aimed at the elegant man portrayed by Orson WELLES. The avant-garde, yet highly accessible LE 3ème HOMME DE CARON is the fragrance for men with the ability to cultivate their intellectual curiosity in the simplest of fashions.

Dieser Film noir unter der Regie von Carol Reed spielt in Wien kurz nach dem Krieg und erzählt einen verwickelten, politisch angehauchten Thriller. Es geht um Schieberbanden, die gestrecktes Penicillin verkaufen, Totgeglaubte, die wieder auftauchen, weswegen eine Exhumierung stattfindet, und eine wilde Verfolgunsgjagd in der Wiener Kanalisation, die man heute sogar in einer “3. Mann Tour” besichtigen kann.

Kopfnote: Zitrone, Bergamotte; Herznote: Gewürznelke, Lavendel, Koriander; Basisnote: Vetiver, Eichenmoos

Lady from Shanghai trailer welles

Ein frischer Auftakt, wie könnte es auch anders sein, wo doch Zitrone und Bergamotte die Hauptrolle spielen. Von einem Duftverlauf kann nicht wirklich gesprochen werden, denn auch die würzigen Noten von Gewürznelke, Lavendel und Koriander sind sofort zur Stelle und fügen sich trefflich in die Frische ein. Vetiver und Eichenmoos bilden dabei eine erdige, wurzelige Basis, die allerdings nicht allzu stark herauskommt und eher als Grundierung zu verstehen ist. Wirklich präsent bleiben die Herznoten.

Kein komplizierter Duft und auf meiner Haut weitaus wärmer und holziger als auf dem Teststreifen. Ich versuche nun den Film mit dem Duft in Verbindung zu bringen und siehe da, es ergeben sich durchaus Parallelen. Auch der Duft mutet klassisch an und passt durchaus in einen alten Schwarzweißfilm. Frisch genug für einen Thriller ist er allemal und ich kann den geneigten Leser beruhigen: Weder die Exhumierung noch die Verfolgungsjagd in der Kanalisation wurden bei diesem Duft berücksichtigt :-) Also, ein angenehmer Herrenduft, keineswegs anstrengend, alltagstauglich und ein guter Kompromiss zwischen Tradition und Moderne – an dieser Stelle muss ich das abgegriffene Wort “zeitlos” bemühen. Ein Duft, der früher gut funktioniert hat, und der sicher auch in 20 Jahren noch tragbar sein wird.

Und wer ist nun der dritte Mann? Das wird natürlich nicht verraten :-)

Viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: Plakat “The Third Man” via Wikipedia, some rights reserved.

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Echte Kerle: Caracenis Maßanzug aus Eau de Toilette


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