Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Duft im Blut – Blood Concept.

Im Laufe der Zeit laufen einem ja jede Menge schräger und ausgefallener Duftkonzepte über den Weg: Petite Mort – Parfum d’une Femme von Marc Atlan, der Duft der weiblichen Lust oder so ähnlich sowie Etat Libre d’Oranges männliches Pendant Sécrétions Magnifiques, dann natürlich Madame Kawakubos (mal mehr, mal weniger) verrückte Duftausflüge mit ihren ganzen Serien für Comme des Garçons, Geza Schöns Projekte wie Escentric Molecules, Elternhaus, The Beautiful Mind oder Boudicca sowie auch die Düfte von Christophe Laudamiel, gerne mal zusammen mit Christoph Hornetz geschaffen (Les Christoph’s) – Kiki Smith, der Duft nach Pflanzensex als Hommage an die bereits verstorbene Gegenwartskünstlerin, Humiecki & Graefs Kollektion der Uremotionen und viele mehr.

Blood Concept erweitert dieses bunt-fröhliche Raritätensammelsurium um eine weitere Kollektion: Vier Düfte – 0, A, B, AB -, nach den Blutgruppen benannt. Reduziert, mysteriös und konzeptuell, die Evolution des Menschen im Blick und dessen Individualität:

„Filled with legends and meanings, blood is soaked with mystery‚ fascination and respect. it’s the most tested and studied part of human body and it guards a multitude of secrets that reveals our inner and unique way of being. BLOOD CONCEPT is a private celebration of the vivid and fascinating liquid that flows in our veins. Because blood is actually the river of life.

A, B, AB and 0, retrace the evolution of manhood through time and its record of information, history and mutation, so well kept in the vital flushing of blood. BLOOD CONCEPT is a mystic ritual with no flowers to be found: deep as primeval Africa in 0‚ aromatic as the scent of familiar land in A, bold as unpredictable itineraries in B, bold and sharp as a metropolitan skyline in AB.

Ending each time with the same subtle and mysterious note: a metallic vague suspicion.“

Hinter diesem Konzept steckt Antonio Zuddas, seines Zeichens Fotograf und Werbetexter, sowie Giovanni Castelli, Modedesigner.

„Let it flow“ – in diesem Sinne, lassen wir es bluten!

0 – Type: Unisex; System: Visceral and intense. From the depths of the earth. Carnal and primitive.“

Dampfig, ledrig, erdig und süß zeigt sich 0, ein bisschen wie regennasse Erde nach einem Sommergewitter. Eine verstohlene Fruchtigkeit drängt sich mir auf, beerig vielleicht? Und Moose satt, warm, weich und nass. Mich erinnert unsere Blutgruppe hier sehr an Tom Fords Tuscan Leather und Mark Birleys Charles Street, letzterer natürlich exklusive des Kaffees.

A – Type: Unisex; System: Green and aromatic. A symbiotic relationship with nature. Reassuring and clean.“

Neongrün duftet es mir entgegen: Bittere Halme, Gräser, Blätter, zerstoßen und zerdrückt, saftig. Zitrische Lauge überschwemmt meine Nase, während eine eigenartig seifige Süße für seltsam saubere Akzente sorgt. Natürlich? Mmhhh… nein. Eher ein grell-farbenfroh-übertriebenes La Chappelle-Bild von einer viel zu grünen Wiese. Für mich eindeutig nichts, sorry.

B – Type: Unisex; System: Woody and spicy. A brave traveller keen to discover the unknown. Nomadic and ecletic.“

B zeigt sich wie alle anderen Düfte unserer Blutgruppen sehr konzentriert – und das als Mann-Mann. Ein Latino-Macho ist es, aber durchaus einer, den man gleich nehmen würde – vielleicht ein Banderas oder ein Bardem? Sehr holzig, sehr würzig, sehr warm, sehr markant und, ja, süß ist er, der Duft – Hölzer satt, vielleicht ein bisschen Sandelholz, ambriert könnte er sein und auf jeden Fall mit ordentlich Moschus in der Basis. Darüber eventuell ein liköriger Schluck? Für mich geht er anfänglich ein bisschen in Richtung Lubins Idole, dieser Eindruck verflüchtig sich aber alsbald. Auch meine ich just in der flüchtigen Kopfnote Kamille wahrzunehmen – kann mir wer folgen? Und so männlich-kantig er ist, der Duft – an einer Frau wirkt er ganz bestimmt hervorragend, ich verspreche es.

AB – Type: Unisex; System: Synthetic and individualist. A loner chemist stumbling upon unavoidable changes. Unhibited and visionary.“

Bei Chemie, die unvorhersehbare Verbindungen eingeht und dem Wechsel unterliegt muss ich an meine Lieblingsserie Breaking Bad denken über jenen krebskranken Chemielehrer Walt, der seiner Familie etwas Geld hinterlassen möchte und deshalb anfängt Drogen zu kochen. Riecht es so bei Walt im Hightechlabor? Wo riecht es so? In einer Reinigung, vielleicht auch der, die sich über Walts geheimem Arbeitsplatz befindet. Einer Großreinigung voller metallischer Geräte. Dichte süßliche Dämpfe, die eine komische Trockenheit ausstrahlen. Und aufdringlich nach WEIß riechen, nach Reinheit, Sauberkeit, vermeintlich verheißungsvoll. Was anfänglich noch fruchtig-aldehydig begleitet wurde, irgendwo, driftet allmählich ins Frische, frisch Gewaschene ab, strahlt, wie die Wäsche in jener Reinigung, von metallischem Glanz veredelt.

Blood Concept zeigen sich wie zu erwarten war sehr – konzeptionell. Wer sich mit derlei Duftprojekten schwer tut wird auch an dieser Reihe hier keine Freude finden.

Habt Ihr schon getestet – mit welchen Ergebnissen, Eindrücken, Gefühlen?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Blood Concept, Grass von rpichler, At the saloon von ollinger/Oliver Brandt,  some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Blood Concept-Kollektion in unserem Shop.

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Duftverzeichnis
Die Schöne und das Biest: Sécrétions Magnifiques
Vorstellen…


Die Vergessenen: Bond No. 9 – Die Oudparade im Grünen oder so ähnlich.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges,Grünes am 21.09.2011

Einmal wieder habe ich für Euch in der Vergessenen-Schublade gekramt und noch einiges gefunden, dass ich Euch nicht vorenthalten mag: Von Bond No. 9 alleine harren noch drei Düfte der Besprechung – Madison Square Park, High Line und New York Oud, und weils so schön ist nehm ich den ersten Oudduft namens Signature Perfume noch gleich mit hinzu. Beginnen werde ich heute mit den Grünanlagen des Big Apple.

Madison Square Park ist, ich darf mich zitieren:

„Kurz zusammengefasst: Der Park namens Madison Square Park war und ist ein Place-to-be, in ihm saßen Schriftsteller und holten sich Inspirationen, wenn sie nicht gleich Klassiker der Weltliteratur dort verfassten, er ist eingerahmt von tollen Restaurants berühmten Hotels und so weiter. Das alles hat man in ein Parfum gepackt, das eine Mélange aus romantischen Blüten und frischen grünen Noten. Im Auftakt frühlingshaft mit Traubenhyazinthe, Heidelbeere und Präriegräsern wartet der Duft im Herzen mit Tulpen und Rosen auf, die auf einer Basis von dunklem Teakholz und Vetiver ruhen. Der Parfumeur des Duftes ist ein alter Bekannter – Laurent Le Guernec. Und, ich muss es dazu sagen – ich bin zwar absolut kein Flakonsammler, aber dieses knallige Pink finde ich schon ziemlich cool ;)“

Traubig-wässrig präsentiert sich der Duft im Auftakt auch und ich frage mich, ob die Traubenhyazinthe selbst auch im Original fruchtige Gerüche verströmt, vielleicht allerdings ist auch nur meine Nase des Wahnsinns fette Beute, denn anstatt der Heidelbeeren, der schönen züchtigen offeriert sie mir – Nektarine, Pfirsich? Zumindest strahlen mich dieses aus einem beruhigend rosig-tulpigen Bett heraus an – liege ich, liegen wir doch nicht so falsch… Tulpen, ähnlich wässrig-süß umgesetzt wie in Byredos schönem transparenten Tulipe, und minzig-frische Rose, hell und luzide leuchtend in den schönsten Pink- und Rosatönen. Das Teakholz erblasst vor dieser poppigen Schönheit und hält sich ganz Gentleman im Hintergrund, während Vetiver grasgrüne Effekte zaubert.

Ein locker-leichter Frühlingsduft, heiter, beschwingt, dynamisch – in solch einem Park lässt sich’s leben, lässt sich’s leicht arbeiten, schreiben, kreativ sein. Der Duft dazu tut sein Übriges – und ist somit hervorragend dazu geeignet, tagsüber den Frühling mit ins Geschäft zu nehmen, und mit Blühendem für frischen Wind zu sorgen.

Hinter High Line verbirgt sich ein wunderschönes Projekt, von dem ich schon einmal erzählt hatte:

„Die Geschichte hinter High Line ist durchaus bemerkenswert, ist der Duft doch der erste, der einer Bahnstrecke gewidmet ist, allerdings einer sehr besonderen: Die High Line erstreckt sich inmitten des Manhattaner Westens und wurde ursprünglich in den 30er Jahren erbaut, um den Schienenverkehr umzuleiten. Eine Hochbahntrasse, die nun, da sie keiner mehr braucht, innerstädtisch umgenutzt wird: Nach Vorgaben des bekannten dänischen Landschaftsarchitekten und -designers Piet Odouls entsteht ein Park für die Öffentlichkeit. Urbane Tristesse ade, back to Nature ahoi oder so ähnlich. Eine schöne Idee und ein tolles Projekt, dass Bond No. 9 Gründerin Laurice Rahme gerne unterstützen möchte: Sie kreierte den Duft High Line zusammen mit Laurent Le Guernec von IFF, der den Duft als „fun floral in a very modern, industrial way” bezeichnet, ergo einen fröhlichen Floralen in sehr moderner Umsetzung. Die Ingredienzen sind an die im Park vorfindlichen Pflanzen angelehnt: Bergamotte, Purpur-Liebesgras (ja, heißt wirklich so…), Traubenhyazinthe, Rhabarber, Rose, Tulpe, Orangenblüte, ozonische Noten, Aldehyde. Rahme ist dem Verein der Freunde der High Line beigetreten und spendet 4% der Einnahmen aus den High-Line-Verkäufen zur weiteren Begrünung des noch nicht fertiggestellten Parks. Wer sich das Projekt mal ansehen mag und in nächster Zeit nicht nach New York kommt klicke bitte hier.“

Fun-Floral gefällt mir als Bezeichnung irgendwie gut für einen Ami-Duft, obgleich ich diese eher als geeignet für Madison Square Park ansehen würde, vielleicht wegen der Pfirsichfruchtigkeit, die ich dort herausrieche. High Line ist vielmehr modern, ein sauberer, ozonig-luftiger Duft für den smarten jungen Großstädter, und meines Erachtens nach typisch amerikanisch: Dezent grün, subtil fruchtig und verhalten floral mit ein paar Hesperidensprenklern und, wenn ich mich arg anstrenge, auch mit ein paar Fasern fruchtiger Rhabarberherbheit, die im Duftverlauf sogar an Prägnanz gewinnen. Trotzdem ich Rhabarber sehr mag und trotzdem der Duft an und für sich nicht schlecht ist – mir fehlt hier leider ein bisschen das Profil, vielleicht auch die Kanten. Ein frühlingsfrischer Immergeher, ja. Und nett ist er auch – er tut auch nicht weh. Aber vielleicht ist auch genau das das Problem – oder ich habe einfach einen schlechten Tag, wir werden sehen…

In jedem Fall wünsche ich Euch einen schönen Resttag und sende Euch liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Flatiron Building over Madison Square Park von Daryl Samuel, The High Line in Manhattan, New York City at West 20th Street, looking downtown (south) von Beyond my Ken, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Bond No. 9 in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Bond No. 9 die Zweite – Oudparade.
Duftverzeichnis
Die Neuigkeiten 2011…


Reisen mit Molton Brown die Dritte.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Grünes,Holziges am 19.09.2011

Heute findet die Navigation Through Scent-Kollektion ihren Abschluss – und wir reisen dafür wie versprochen gedanklich nach Europa und nach Amerika.

„Grün-aromatisch“ soll er sein, der Duft, der Kent gewidmet ist und den Namen Apuldre trägt:

„Twilight on a summer’s day, in the garden of England. Picnic blankets on fresh cut grass. Fizz and gin. Irreverent. Cheeky. A bit mad.“

Picknick mit Gin? Ich wusste ja schon immer, dass die Engländer ein bisschen durchgeknallt sind, aber nachmittags Schnaps? Nun gut, warum auch nicht – zumal ginähnliche Ingredienzen bisher in Düften sehr vorbildlich in Erscheinung traten, ich erinnere nur mal an Lubins Gin Fizz. Leider ist mir der en détail nicht mehr präsent, auf einen direkten Vergleich müsst Ihr an dieser Stelle deshalb verzichten. Macht aber nichts, mir fällt trotzdem einiges zu Apuldre ein: Lächeln muss ich, als ich ihn aufsprühe – denn die Gin-Assoziation drängt sich in der Tat gleich auf, springen einem doch sofort Wacholderbeeren übermütig in die Nase, von bitter-grünem Wermut begleitet. Jene typische eigentümliche Fruchtigkeit des Wacholders lässt mich in Kombination mit dem Blattgrün, welches ich nicht treffsicher als Veilchenblätter auszumachen vermag, an grüne Äpfel denken. Vielleicht liegt es am Namen – Apuldre heißt nämlich Apfelbaum, aber bei so einem Picknick hat man ja auch fast immer Äpfel dabei, wenn man nicht gleich unter einem ebensolchen Baum kampiert und die Früchte frei Haus auf den Teller geworfen bekommt. Im weiteren Duftverlauf wird durch die gestrenge Zeder das Holz und die Borke desjenigen Baumes betont, unter dem die Picknicker Schatten suchen. Leder stiftet in der Basis Kühle, während Styraxharz die Rauchigkeit der Wacholderbeeren und des Holzes aufgreifend den Duft gekonnt abrundet.

Ein smaragdgrün-rauchiger Edelstein ist Apuldre und hat es mit seiner Besonderheit verdient, leidenschaftliche Liebhaber zu finden.

Ein solcher bin ich auch – und zwar von Rogart, dem fünften und letzten Duft der Kollektion. Wie gerne einmal, komme ich zu meinem Liebling am Schluss: Rogart ist ein Kanadier und der freien Wildnis gewidmet, den Nächten in kleinen „Cabins“, jenen mickrigen Häuschen draußen im Nirgendwo, Lagerfeuern unterm Sternenhimmel und derlei Dingen, die ja Abenteurer tun – denn Abenteuer steckt drin im Duft, das verrät uns Molton Brown.

Abenteuerlich ist auch, was Rogart da auf meiner Haut veranstaltet: Frisch aufgesprüht braust mir Wacholderfruchtigkeit entgegen, von bitteren, dunkelgrünen Koniferennadeln begleitet, auf dem Fuße gefolgt von deren Träger – sattem, harzigem Holz, frisch angeschnitten. Unverhofft kommt in Folge oft – Rogart fängt auf meiner Haut zu springen an: Das Holz wirkt süßer und süßer, als hätte man es mit Karamell bestrichen. Nicht ganz – Ahornsirup, das war es, und ja, Walnuss, welche mich in der warmen Süße an meine Lieblingseissorte von Häagen Dazs denken lässt. Schnell vertrieben sind derlei Träume – für Eis wird es nämlich zu warm, da aus dem Hintergrund die rauchige Glut eines knisternden Lagerfeuers ins Bild drängt, an dem ein zünftiges Mannsbild in Lederhosen sitzt und ein paar dicke, weiße Marshmallows röstet.

Ich bin, wie ihr ja wisst, normalerweise kein ausgewiesener Gourmandfan, es sei denn es geht erwachsen zu – das hier ist eine erwachsene, eine reife und vor allem ausgereifte Variante. Und zugegebenermaßen so lecker, so interessant, weil von solch eigenartiger Schönheit, dass mir einmal mehr die Vergleiche ausgehen.

Sonderbarkeits-Faktor – siehe Douce Amère. Ansonsten: Bitte tauchen Sie Micallefs Gaïac in eine Schachtel Mövenpick Maple Walnuts und stellen Sie es danach in den Wacholderrauch eines lauschigen Feuerchens mit Wacholderholz – oder vielmehr: lassen Sie es stellen, von einem echten Mann in knackiger Lederkluft, der hernach Ihr Herz mit Kuh-Bonbons erobert und mit Ihnen auf seiner Harley davonknattert. Alles klar?

Nun, nachdem wir (vorerst) am Ende der Molton Brown-Vorstellung angekommen sind: Habt Ihr schon getestet, wie gefällt Euch die Kollektion, habt Ihr Kaufkandidaten?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Picnic photographed by Gabriel Veyre (before 1936), Picture of trees with campfire light von plex/Peter Skadberg, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Navigation Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

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Freitagsverlosung.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.
Reisen mit Molton Brown die Zweite.


Annick Goutal – Wasser des Südens

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden am 5.09.2011

Heute begeben wir uns in den Süden. Vielleicht ist das genau die richtige Strategie, um dem durchwachsenen Sommer zu entkommen. Annick Goutals Duft Eau du Sud, der wie gewohnt in den beiden Flakonvarianten erhältlich ist, soll die endlos scheinenden Sommertage in der Provence und in der Toskana widerspiegeln: die heiße Sonne des Tages, Müßiggang im kühlen Schatten der Arkaden und Wasserfontänen, die Abkühlung verheißen. Warme Abende und Nächte verlängern die schon unendlich scheinenden Tage in die späten Stunden hinein.

Leider ist es aber auch so, dass genau diese Sommertage, in die auch meist die Urlaubszeit fällt, subjektiv wahrgenommen viel zu kurz sind und gemessen an der Arbeitszeit wie ein Wimpernschlag scheinen. Vielleicht hält aber der von Isabelle Doyen kreierte Duft eine Verlängerung des Urlaubs bereit, eine südländisch duftende Auszeit für geplagte Werktätige?

Lemons in Lucca

Kopfnote: Bergamotte, Limette, Grapefruit, Mandarine; Herznote: Verbena, Pfefferminze, Basilikum, Jasmin; Basisnote: Vetiver, Patchouli, Eichenmoos

Frisch auf dem Teststreifen riecht es erst einmal deutlich nach Mandarinenschale! Zudem machen sich grüne Zitrusnoten breit, welche natürlich der Limette zuzuschreiben sind. Hier haben wir es nicht mit einer abstrakten Säure zu tun, die man intuitiv in Richtung Zitrone schiebt, nein, das sind echte Früchte, ein Verbund aus Limette, Grapefruit und Mandarine. Die grünen Aspekte, die diese Früchte erst so natürlich wirken lassen, kommen ganz klar vom Basilikum, viel mehr gibt der Streifen fürs Erste nicht her. Auf der Haut stimmt der Auftakt überein, wobei das Basilikum und ein leichter Anflug von Minze wahrnehmbar wird. Für die nun ebenfalls auftretende aber verhaltene Süße dürfte in diesem Falle Jasmin und Patchouli verantwortlich sein. Letzterer bildet zusammen mit Vetiver und Eichenmoos eine grasig-wurzelige Basis. Diese gibt dem Duft seinen Halt, greift die grünen Noten des Basilikums auf und ergänzt das Bild des Gartens mit einem frisch geschnittenen Rasen.

Tuscany landscape west of Siena

Ein Sommerduft in südlichen Gefilden – das ist ohne Frage gelungen. Ich würde den Duft vor allem der holden Weiblichkeit ans Herz legen, obwohl er durchaus auch für Männer tragbar ist. Ich sehe hier doch eher eine Dame in einem Sommerkleid ganz entspannt auf einer Liege im Schatten der Orangenbäume ruhen. Fallen ihr die Früchte auf den Kopf? Nein. Der Duft ist rund, ausgewogen, in sich geschlossen, ohne Brüche und harmonisch genug für den Urlaubsgebrauch.

Was meint Ihr? Trifft “Eau du Sud” Euer Urlaubsgefühl?

Viele Grüße von
Harmen

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Unser kleines Weihnachtsgeschenk…
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Der Garten des Dichters…

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden,Krautiges am 12.08.2011

Jardin du Poète heißt er, der neue Duft aus dem Hause Eau d’Italie, für den einmal mehr der omnipräsente Bertrand Duchaufour verpflichtet wurde.

„The inspiration for this fragrance is a tale from a bygone era, when nations where ruled by poets, and poets were sacred to Apollo. In those days Sicily was a Greek colony, Syracuse was a fragrant court, and its gardens vibrated with the scent of citrus orchards and rows of aromatic plants. Thus “Jardin du Poete”, the poet’s garden, a luminous fragrance to evoke Sicily and all things Sicilian.“

Ein Land von heiligen Dichtern regiert – erinnert mich spontan ein bisschen an Schillers ästhetische Erziehung und an die imposanten (und äußerst theorielastigen) Tagträumereien der Romantiker: „Die Welt muss romantisiert werden!“, so forderte Novalis, und gab auch gleich die Alltagsanleitung für jene poetische Überhöhung der Dinge: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es.“ Eine Prise Umdeutung schadet im Leben nicht, auch wenn nicht alles Einstellungssache ist, lässt sich viel damit beheben.

Monsieur Duchaufour hatte in jedem Falle einen Superlativ im Blick, als er Jardin du Poète kreierte, und zeigt einmal mehr was für ein phantastisches Händchen er als Parfumeur besitzt.

Der Auftakt des Duftes gleicht einem Schritt in einen paradiesgleichen Hesperidengarten: Agrumen in Hülle und Fülle – saftige Mandarinen, leuchtende Bitterorange und säuerliche Grapefruit, die alsbald den Blick freilassen auf einen gar herrlichen Kräutergarten. Basilikum, bitter und dunkelgrün, leuchtet und strahlt, und ich vermeine dahinter Tomatensträucher zu erblicken. Denn die zerriebenen Blätter von Tomaten rieche ich, ähnlich wie in dem von mir sehr geliebten Raumspray Feuilles de Tomate von Parfums d’Orsay. Frisch, grün, leicht herb und von jener seltsamen Art „Fruchtigkeit“ begleitet, die Tomaten so an sich haben. In diesem beeindruckenden aromatischen Überfluss lässt sich vortrefflich schwelgen, er begleitet ein weit in den Duft hinein, bis später eine trockene Wärme an Einfluss gewinnt: Würzige Heunoten von sich sehr zivilisiert benehmender Immortelle (ohne Maggianleihen, versprochen!) stiften ebendiese, während Vetiver und Zypresse holzig-grüne Akzente setzen samt eines leichten Hauch Rauchs, von der Basis aus Moschus subtile Weichheit erfahrend.

Jardin du Poète ist grün-aromatisch, überaus authentisch, zitrisch und gleichermaßen durchgängig frisch wie sonnengewärmt. Mir will der Duft wie eine Kindheitserinnerung scheinen, an einen Garten Eden, einen einsamen. Ans Paradies. Und weckt so gedankliche Querverweise, die ich Euch nicht vorenthalten will: Die erhabene Einsamkeit eines Goutalschen Ninfeo Mios, das grüne Strahlen eines oder dasjenige von Odoris Gli Odori ohne Transpira… äh, Kumin. Heu und Bitterorange bei Ellenas Klassiker Bigarade Concentrée abgeschaut und das Zitrusfrüchte-Ensemble aus einem jener Vorzeige-Hesperiden wie zum Beispiel Atelier Colognes Orange Sanguine.

Sollte Sizilien auch nur in Ansätzen derart überzeugend sein wie Jardin du Poète, so steht es auf meiner Reiseliste demnächst ganz weit oben. Aber, wer weiß – noch mehr so schöne Düfte und es muss vielleicht dann doch zunächst das Geburtshaus der Eau d’Italie-Kollektion sein, Le Sirenuse in Positano, in dem ich zu weilen gedenke. Ich sehe schon, eine Italienrundreise wäre auch nicht so schlecht…

Einen schönen Tag Euch noch sowie ein ebensolches Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike, nach einer “Reise-Woche” in Urlaubsplänen schwelgend.

Bildquelle: “Palermo (Sicilia). Travel poster shows a garden courtyard with arcade and tower of San Giovanni degli Eremiti in Palermo, Sicily. Print by Stab. A. Marzi, Roma, for ENIT (Ente Nazionale Italiano per il Turismo), ca. 1920.” von trialsanderrors, Citrus aurantium chinotto von Raul654, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Jardin du Poète in unserem Shop.

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Du spürst wie die Blumen
Die Anthology-Collection…
Ein Tag unter dem Feigenbaum: Micallef – Sous le Figuier


Urlaub…

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes,Reines und Pudriges am 9.08.2011

machen wir, und zwar alle zusammen, meine Lieben, eine ganze Woche lang! Bevor Ihr jetzt vielleicht, hoffentlich einen Schreck bekommt – nein, natürlich bleibe ich Euch erhalten. Auch diese Woche. Und bespreche eine Handvoll Düfte, die ich bereits erwähnt hatte – die Scent of Departure-Kollektion aus dem Hause Histoires de Parfums. Ich zitiere mich einmal selbst:

Gérald Ghislain von Histoires de Parfums hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Zusammen mit Magali Sénéquier, mit der er Hand in Hand seit den Anfangszeiten seines Hauses zusammenarbeitet, ruft er „The Scent of Departure“ ins Leben:

„Who hasn’t dreamt of capturing the scents of a trip and bringing them back home? The Scent of Departure fragrances capture the essence and spirit of the world’s most vibrant cities in an olfactory memento. Voyage from one city to another, fragrance by fragrance. One City, One Perfume. Duty Free And Travel Retail Exclusive. Collect Them All!“

Schon damals fühlte ich mich an Le Labo und deren städteexklusive Düfte erinnert, die ja für einen Parfumfan eine echte Strafe sind: Lediglich in einer Stadt verfügbar, kein weltweiter Versand – eine echte Qual. Ghislain quält uns ebenfalls, aber nicht ganz so dolle. In Duty-Free-Shops werden die Düfte verkauft, ausschließlich, und dann auch noch zum sensationellen (Blindkauf)Preis von 29 Euro pro 50ml Flasche. Soweit ich das mitbekommen habe, war Ghislain aber gnädig – es gibt jeden Stadtduft nicht nur in „seiner“ Stadt, sondern jeweils die ganze Duftkollektion in jedem der teilnehmenden Flughäfen-Duty-Free-Shops.

Fünf an der Zahl – ich habe sie alle für Euch getestet.

Beginnen wir doch heute mit dem ersten deutschen Duft, der der Hauptstadt der Bayern gewidmet ist – München:

„Munich/MUC (München): An ode to the Munich gentle way of life, in a crisp, refreshing and green scent. Like drinking iced lemon tea on a picnic in the Englischer Garten, lying on a luxurious floral bed under blooming lilacs. A scent for lazy sunny days to savour from Nymphenburg palace to Kleinhesseloher See.“

München zählt, ich gebe es zu, nicht zu meinen Lieblingsstädten. Und meine Erinnerungen an den Englischen Garten sind auch nicht die besten. Jedes Mal, wenn ich dort weilte, saß ich hysterisch heulend irgendwo am Rand und wartete, bis die Unitierklinik meinen Zausel Zora wieder zusammengeflickt hatte. München heißt somit eigentlich in letzter Zeit für mich immer – Katze ist krank, denn in Stuttgart kann uns leider wohl nicht (mehr?) geholfen werden. Diese Impression hier scheint deutlich friedlicher: Flieder, darauf hatte ich mich besonders gefreut, Eistee und Blümelein, heiter Sonnenschein. Ersteren verschluckt meine Haut gänzlich – er ist einfach nicht vorhanden, und ehrlicherweise muss ich ihn auch auf dem Teststreifen suchen. Das macht aber nichts, den MUC weiß trotzdem zu bezaubern: Ein vollkommen unbeschwerter, ausgesprochen sommerlicher Zeitgenosse – Anklänge von eisgekühltem Zitroneneistee, die entfernt an Carthusias Mediterraneo erinnern, spritzig-kribbelnd. Eine frische Brise, die den Duft von Blumenbeeten mit sich bringt und grün-grasige Noten mit minzigem Anstrich, Rasen suggerierend soweit das Auge reicht. Was für ein schöner Tag, denn die Sonne lässt einen auch nicht im Stich: Auf meiner Haut bekommt das ganze einen feinen Sonnecremedreh, der, sollte er sich auf anderen Häuten ähnlich zeigen (auf dem Teststreifen tut er es nicht), viele begeistern könnte.

Lazy sunny days – das ist schon genau richtig. Sommerliche Faulenztage unter einem Himmel, der von keinem Wölkchen gestört wird in seinem Dösen. Das macht einfach nur Spaß. Und erinnert auch ein wenig an Wasser, an feuchtes Nass, in dem man sich tummelt, wenn einem die Sonne zu lange den Pelz gebraten hat – auch das geht mittlerweile in München, gibt es doch seit einigen Jahren die Eisbach-Surfer. Warum also immer in die Ferne schweifen? Manchmal liegt das (kleine) Glück eben doch so nahe…

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Monopteros im Englischen Garten / München von LuxTonnerre, Wellenreiten im Eisbach von Underclass Hero, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Sommerzeit ist Reisezeit! … und ihre Pflegeserie begleitet Sie
Das Wandern ist des Müllers Lust
Pack die Badehose ein…


Ride the Lightning…

Geschrieben in Chypre,Duft,Grünes am 29.07.2011

mit Fulgor, dem zweiten Duft aus dem Gewitter-Duo von Calé Fragranze d’Autore. Ein gewaltiges Gewitter, ein Naturschauspiel, kommt nicht aus ohne Blitze – und denen ist der Duft gewidmet, steht das Lateinische Wort Fulgor doch für Blitz(en), Aufblitzen sowie für Glanz.

In meinen Augen glänzt es ganz gewaltig, durfte ich doch bereits gestern den hervorragenden Roboris von Mark Buxton vorstellen – Fulgor, das sei schon verraten, steht dem in nichts nach.

Kreiert wurde der Duft von Maurizio Cerizza, der bereits einen Großteil der restlichen Calé Fragranze d’Autore-Kollektion schuf. Die Ingredienzen: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Mandarine, Feigenblätter; Herznote: Magnolie, Narzisse, Safran; Basisnote: Weihrauch, Patchouli, Ambra, Graphit, Pyrit.

Wie ein echter Blitz, eine Funkenentladung, explodiert auch Fulgor gleich mit dem Aufsprühen in der Nase: Bitter, herb, grasig, metallisch, feucht-frisch, harsch und rauchig präsentiert er sich, und in dunkelgrünem Gewand. Johannisbeere, tiefschwarze, sowie Feigenblätter, grüner als grün, sind dafür verantwortlich, und sorgen für unaufhörliches bitzelndes Prickeln. Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich – und schön. Erinnert mich in diesem Stadium sehr an den unerforschten Urwald, der einem wild und ungezähmt aus Six Scent Series 2, Fragrance 3: The Spirit of Wood by Cosmic Wonder Light Source in Erinnerung blieb. Kontrastreich geht es weiter: Fulgor balanciert immerzu zwischen all diesen Polen, im Laufe der Zeit zart-verschwommene Knospen offenbarend von Blüten, taubenetzt. Eine subtile und zuweilen überaus pudrige Süße schielt durch das Dickicht, floral und von einer eigenartigen Wärme, die sich mit der Zeit holzig durch das spitzkantige Grün drängt und nach der Entladung für aromatische Ruhe sorgt.

Fulgor macht es einem unglaublich schwer, ihn einzusortieren: Am ehesten entdecke ich Ähnlichkeiten zu genanntem Six Scents-Duft, meine aber auch, gewisse chyprierte Anklänge wahrzunehmen. Einige grüne Chypreklassiker wie zum Beispiel Balmains Vent Vert kommen mir in den Sinn. Was die Rauchigkeit angeht fühle ich mich an Chanels wunderschönen Vetiver Sycomore erinnert. Aber all das vermag nur Fingerzeige zu geben. Denn eigentlich habe ich so etwas wie Fulgor noch nicht gerochen. Und freue mich deshalb einmal mehr, etwas Neues, für mich wirklich Neues entdeckt zu haben.

Darüber hinaus ist Fulgor trotz seines etwas sperrigen Charakters – er ist ein Unikum – auf seine Art und Weise so herrlich leicht, dass er für all die Colognemüden, Hesperidenmüden, Meeresmüden und Obstkorbmüden im Sommer eine echte Alternative ist, wie „meine“ Leserin Jutta dieser Tage in einem Forum vollkommen richtig schrieb. Der Ansicht bin ich auch: Im Sommer bei richtig heißen Temperaturen mangelt es oft an olfaktorischen Möglichkeiten – Fulgor ist eine davon, und eine tolle noch dazu.

Habt Ihr die beiden Gewitter schon getestet? Welches ist Euer Favorit und warum?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Storm Brewing und Lightning Storm – Purple, beides von Julia Starr über stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Fulgor von Calé Fragranze d’Autore in unserem Shop.

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Auch heute…
ACHTUNG! AUTOBAHN! oder Herznoten auf der Hebebühne
Neuer Wind Teil 3.


Brennend neugierig…

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Grünes,Holziges,Reines und Pudriges am 13.07.2011

… sind einige viele von Euch ganz bestimmt auf die vor ein paar Tagen hier erwähnten neuen drei Düfte von Andy Tauer. Ich habe mich dazu entschlossen, Euch nicht allzu lange auf die Folter zu spannen und sie Euch gleich vorzustellen.

Pentachords heißt die neue Linie und wie man dem Namen bereits entnehmen kann, ist die Zahl Fünf von Bedeutung für die Kollektion, ich zitiere mich einmal selbst:

„Jedes Pentachords-Parfum besteht aus fünf Duftmolekülen. Nicht weniger und nicht mehr – wobei weniger hier definitiv mehr ist in schönster Bauhaustradition. Denn die Reduktion, die bewusste und gewollte, erfordert natürlich die Verwendung hochwertigster Zutaten.“

Verdant, Auburn und White heißen sie, die drei Neulinge, und sind somit alle nach Farben benannt.

Verdant steht für das satte Grün von kühlen Wäldern, von dunkelgrünen taubenetzten Blättern, die in der Sonne nach einem Sommerregen glänzen, während die eigenartige Süße der dampfenden Erde aufsteigt. Diese Impression hat Tauer mittels Blattgrund, Wildleder, Tabak, „süßer Erde“ und Ambra einzufangen versucht – und das ist ihm, wie häufig, ganz vorzüglich gelungen: Grasgrün, Blattgrün, Jägergrün, Dunkelgrün, Frühlingsgrün, Waldgrün, Moosgrün – dieses Ergrünen ist unübersehbar. Frisch, saftig, bitter, herb-süß und grasig steigt einem der Duft in die Nase, und vermittelt einem mit seiner eigenartig anmutenden erdigen Süße tatsächlich den Eindruck eines soeben vorbeigezogenen Sommergewitters, welches der Natur Erholung gespendet hat. Kühles Nass und noch von der Sonne gewärmte Erde – plastischer habe ich das selten gerochen.

Auburn heißt soviel wie Rostrot oder Rotbraun – die Farbe des Hauptprotagonisten: Zimt. Ein koketter, fröhlicher Geselle mit einer warmen Schärfe, der sich hier mit heiterem, würzig-cremigen und leicht knarzigem Sandelholz auf einem ambrierten Bettchen wiederfindet, vielmehr: einem rustikalen, ausladenden Lager, Zitrusblütenumrankung und eine Shisha mit Apfeltabak in greifbarer Nähe – so lässt es sich leben. Orientalisch finde ich den Duft jetzt nur sehr bedingt, ansonsten bin ich mir sicher, dass Sandelholzfans an ihm ihre helle Freude haben werden.

White ist Silberweiß und wunderschön: Iriswurzel, zugleich pudrig-süß und erdig-samten anmutend, in inniger Umarmung mit Veilchen auf einem trockenem Rosenholz, cremiger Vanille und einem Hauch Ambra. Unschuld und doch Tiefe… Eine ähnliche Mischung hat mich schon einmal ganz unverhofft erwischt: Geste von Humiecki & Graef. Latente Verwandschaftsverhältnisse sind vorhanden, allerdings sprechen wir in jedem Falle von zwei eigenständigen Düften, die, beide innovativ und herrlich, sich genügend voneinander unterscheiden, sodass es mich bei White hier schon wieder in den Fingern juckt…

Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinungen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Summer Forest von John Nyberg, The Light von Winterdove/Carmen Cordelia, The Room von Jesse Therrien, alles via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Von Licht…

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes am 31.05.2011

Heute und morgen folgen erneut zwei Düfte der Evanescent-Kollektion der Chinesin Yosh Han: White Flowers 1.41 und Omniscent 0.96, die ich für mich unter dem Titel „Licht und Schatten“ zusammengefasst habe, da sie ihrer olfaktorischen Farbigkeit nach zu urteilen aus zwei ganz unterschiedlichen Richtungen kommen. Ich habe jetzt keinesfalls vor, esoterisch zu werden – dafür möge man bei Yosh Han auf deren Seite nachschauen. Aber Düfte und Farben gehören bei mir ebenfalls zusammen, obgleich in einem vielleicht eher synästhetischen Sinne.

White Flowers steht logischerweise für das Licht – und Madame Han illuminiert uns da ganz vortrefflich mit einem riesigen Bündel an weißen Blüten: Tuberose und verschiedene Sorten Jasmin sowie Rosen, Veilchen, Flieder, Freesie, Gardenie, Maiglöckchen, Narzisse, Petitgrain und Duftwicke, um genau zu sein, denen sibirische Tanne an die Seite gestellt wird. Lassen wir dazu erstmal Madame Han zu Wort kommen: Ihre Mutter sei Ikebana-Künstlerin gewesen, jene japanische Kunst des Blumenarrangements. Sie betone wohl immer wieder, dass es dabei nicht nur um die Blüte selbst, sondern um deren gesamte Erscheinung geht sowie deren Relationen, um Stengel, Blätter, Blütenstempel. Mit White Flowers schuf Yosh Han einen ebensolchen Duft: Keinen typischen Weißblüher, wie sie bescheinigt, einen jener Düfte, die schnell zu dick auftragen, einen zu erschlagen drohen mit ihrer Opulenz und Süße und bisweilen nur schwer zu ertragen sind. Sondern einen komplexen weißfloralen Duft, der die gesamte Pflanze mit einbezieht, wofür grüne Anklänge und Tanne sorgen.

Ursprünglich war der Duft einem Hochzeitsbouquet gewidmet – allerdings entdeckte Yosh, dass er sich auch auf Männerhaut hervorragend macht. Und ist wohl nach wie vor total verliebt in ihre Kreation.

Betreffs der Vorbehalte gegenüber weißfloralen Düften muss ich Madame Han natürlich recht geben: Ich habe auch meine Probleme mit vielen Weißblühern, habe mich an Tuberose, Jasmin und Co. langsam und sehr behutsam herangetastet. Und bin wählerisch. Zu ausladend darf es nicht sein, keinesfalls eine Überdosis Süße beinhalten und mir nicht sofort oberhalb der Nase zwischen den Augenbrauen ein Stechen verursachen.

White Flowers tut all jenes nicht: Frisch ausgesprüht entführt einen der Duft augenblicklich in einen jener wunderbaren Blumenläden, in denen ich stundenlang lustwandeln könnte. Herrliche Arrangements zwischen Dekorationsartikeln und Inneneinrichtungsgegenständen, Bouquets und Gestecke, herrliche Blumensträuße. White Flowers ist auch etwas in der Richtung und wird gerade frisch geknüpft. Die Stengel wurden gerade geschnitten und versprühen die ihnen genuine grüne Frische, welche kurze Zeit später in jenen Duft übergeht, den man in Gewächshäusern vorfindet: Pflanzengrün, frisch-säuerlich-herb, wässrig-dämpfige Luft und Blütensüße. Eingebunden wird hier in der Tat jeder Zipfel der Pflanze(n), wobei zumindest ich in dem dichten Blütengewirr nicht dazu in der Lage bin, einzelne Exemplare zu verorten. Das macht aber auch gar nichts, denn White Flowers ist genauso wie ein Ikebana-Arrangement ein Gesamtkunstwerk, bei dem der Fokus auf Ganzheitlichkeit liegt.

Vom Stil her erinnert mich der Duft ein wenig aufgrund seiner Dämpfigkeit an Etros Royal Pavillon, den ich hier bereits rezensierte – siehe hier. Ein derartiger Verweis mag aber nur ein Richtungsweiser sein, die beiden Düfte trennt ansonsten viel: Royal Pavillon ist facettierter, eindeutiger Tuberose, mit scharfkantigen Vetivergrashalmen. White Flowers ist harmonisches Ganzes und fällt mit seiner Einbeziehung der kompletten Blüte auch aus dem Muster oder Schema F der typisch weißfloralen Parfums heraus. Neben der verhaltenen Blütensüße zeigt er nicht nur grüne und frische Akzente, sondern auch jene herbe Schärfe, die mancherlei Blätter und Stängel mit sich bringen. Auch meine ich gewisse chyprierte Anklänge zu entdecken. Alles in allem erkennt man, wie bei allen bisher getesteten Yosh-Düften die Hochwertigkeit der verwendeten Ingredienzen.

Ein schöner Duft, den ich mir sehr wohl auch an Männern vorstellen kann.

Morgen geht es weiter mit dem Schatten – Omniscent 0.96. Bis dahin alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hirozumi Sumiyoshi (1700): Rikka, Ikebana-Arrangement von Ellywa, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Yosh Hans White Flowers 1.41 in unserem Shop.

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Histoires de Parfums – 1828 – Jules Verne

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden am 28.04.2011


Ich weiß nicht, ob Kinder und Jugendliche noch Karl May und Jules Verne lesen oder ob Spielkonsolen und Comics nun endgültig den Sieg über das Buch davongetragen haben. Für mich waren es jedoch große Abenteuer, die es zu entdecken galt, mit Winnetou und Old Shatterhand oder Jules Vernes „Ein Kapitän von 15 Jahren“. Die entsprechenden Verfilmungen waren dann natürlich auch das Höchste der Gefühle, wilde Schießereien, ferne Länder und Männer, die Pferden zuzwinkerten.

Zuletzt war die große Schriftstellerin Colette an der Reihe und der ihr gewidmete Duft von Histoires de Parfums. Wir bleiben jetzt einfach in Frankreich und wenden uns Monsieur Verne zu, der an Bekanntheit Frau Colette noch bei Weitem übertrifft. Bekannt wurde er vor allem durch seine Abenteuer- und Reiseromane wie etwa „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „20000 Meilen unter dem Meer“ und „Reise um die Erde in 80 Tagen“. Der auch als Begründer der Science-Fiction-Literatur geltende Vollbartträger wurde, es wundert uns kaum, 1828 in Nantes geboren, wuchs in soliden Verhältnissen auf und studierte Jura, um eines Tages die Kanzlei des Vaters zu übernehmen. In Paris brachte ihn möglicherweise der Kontakt zu Alexandre Dumas (Verfasser von „Die drei Musketiere“, „Der Mann mit der eisernen Maske“, „Der Graf von Monte Christo“) von der vorgesehenen Spur ab. Verne begann zu schreiben und versuchte sich zunächst als Dramatiker bis er schließlich Erzählungen verfasste. 1857 heiratete er eine Witwe und ging dem etwas bodenständigeren Beruf eines Börsenmaklers nach, da das Schreiben noch nicht genug Geld abwarf. 1862 lernte er den Verleger Pierre-Jules Hetzel kennen, der seine Bücher nun herausgab. Zudem machte er mit zahlreichen Erfindern, Tüftlern und Naturforschern Bekanntschaft und unternahm selbst einige Reisen. Kein Wunder also, dass Technik und Reisen eine so große Rolle in seinen Werken spielten. Gerade für die Technik begeisterte er sich außerordentlich und brachte diese visionär in seinen Werken unter – genau aus diesem Grund nennt man ihn auch den Urvater der Science-Fiction. Ein Beispiel hierfür: Im 19. Jahrhundert gab es kaum Straßenbeleuchtungen, wenn überhaupt dann funzelige Gaslaternen. In seinem Roman „Paris im 20. Jahrhundert“ von 1863 schrieb Verne geradezu prophetisch:

„Die Straßen waren voller Menschen; die Nacht brach herein; luxuriöse Geschäfte warfen den Schein elektrischen Lichts weit hinaus; die nach dem Way-System durch Elektrisierung eines Quecksilberstreifens konstruierten Kandelaber leuchteten im unvergleichlichen Glanz; sie waren mittels unterirdischer Drähte miteinander verbunden; in ein und dem selben Augenblick und mit einem Schlag erstrahlten die hunderttausend Laternen von Paris.“ Quelle

Frisch aufgesprüht, auf dem Teststreifen, erwartet mich ein frische Brise, zitrische Noten, wie der Hersteller angibt, Grapefruit, Zitrone, Mandarine und Eukalyptus in der Kopfnote. Letzteren rieche ich nicht heraus. Wie so oft auf dem Streifen bleibt die Sache recht schlicht. Auf der Haut kommt die Zitrone im Auftakt deutlicher heraus, die Basisnoten tönen mit Zedernholz jedoch nur im Hintergrund. Von den Ingredienzen ähnelt er durchaus Czech & Speakes kürzlich besprochenem Duft „Cuba“, allerdings ist hier die Umsetzung weitaus kopflastiger und gefälliger. Ein schon fast sauberer Duft, keiner der Bestandteile drängt sich nach vorne.

Laut Hersteller-Seite ein Parfum für moderne Weltreisende, eine Meeresbrise über der wilden Heide. Frische, gefärbt von Kultiviertheit. Ich sehe das zwar ähnlich, aber ein bisschen anders: kultiviert ja, auch im Sinne von gezügelt, die Düfte der Abenteuer bleiben zwischen den Buchdeckeln, ein sauberer, geradliniger Duft, dem ein bisschen mehr Charakter nicht geschadet hätte. Freunde von Hesperiden und cleanen Düften sollten sich in jedem Fall einmal an ihm versuchen. Übrigens ist er meiner Meinung nach auch bestens für Frauen geeignet.

Es grüßt abenteuerlustig
Harmen

PS: Kopfnote: Grapefruit, Zitrone, Mandarine, Eukalyptus; Herznote: Pfeffer, Muskatnuss; Basisnote: Zedernholz, Vetiver, Weihrauch, Kiefer

Bildquellen: Jules Verne von Tintazul – via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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