Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Grün, grün, grün und…. grün

Geschrieben in Duft, Grünes am 31.08.2010

Wieder einmal ein Duft, der in den letzten oder zumindest vorletzten Sonnenstrahlen dieses Sommers unbedingt noch vorgestellt werden möchte: Green, Green, Green and… Green von Miller et Bertaux. Das 1985 von Francis Miller und Patrick Bertaux gegründete Label ist in unserem Dufttagebuch rezensionsmäßig noch völlig unterrepräsentiert. Zu Unrecht, wie ich finde. Ein erster Schritt sei hiermit getan. :-)

Die Herren Miller und Bertaux führen eine kleine Boutique im Herzen von Paris, in der sie selbstdesignte Kleidung, Accessoires und eben Parfums an den Mann bringen. Zu letzteren zählen die Reisedüfte Shanti, Shanti und A Quiet Morning, die ihre Inspiration in eine Reise nach Indien fanden, und der Duft Bois de Gaïac et Poire, dem die Referenznummer 015813 und der Halbsatz „Close your eyes and…“ beigestellt sind, ein ruhig-kontemplativer Duft zum Augenschließen und… genießen, träumen, entspannen. Des Weiteren beherbergt das Miller et Bertaux-Sortiment ein Trio, zu welchem auch unser heute rezensierter Gründuft zählt. Da die Herren wohl ein geheimes Faible für Zahlen haben, sind auch diese drei Düfte durchnummeriert. Für Individualisten geschaffen und zwar am besten für solche mit minimalistisch-puristischen Neigungen. Ersteres kann man leicht an der unkonventionellen Namensvergabe erkennen kann: #1 (for you)/parfum trouvé, #2 Spiritus/land und eben unser heutiger Stargast #3 Green, Green, Green and… Green. Bei aller namentlichen Unkonventionalität zeigt das Trio laut Hersteller inhaltlich eine recht opportunistische Grundeinstellung: die drei Düfte können querbeet miteinander kombiniert, also gelayert werden, oder einzeln getragen. Eine Art Kommune 1 der Düfte, was dann ja aber doch wieder irgendwie individuell-unkonventionell ist. Oder so ähnlich. ;-)

Zu den Duftnoten des grünen Gefährten: Lorbeer, Verbena, Koriander, Jasmin, Mastix, Zedernholz, Vetiver.

Ob der deutlichen Unterschiede zwischen Teststreifen und Haut, werde ich wieder einmal getrennt auf beide Varianten eingehen. Zuerst der Papierstreifen: Hier beginnt der Duft – nomen est omen – dunkelgrün mit krautigen Lorbeernoten und dezent seifigem Koriander. Verbena verströmt eine zitrische Süßlichkeit, die allerdings jene erfrischende Spritzigkeit vermissen lässt, die echten Zitrusfrüchten innewohnt. Florale Noten stürzen sich mit ins aromatisch-grüne Treiben und bringen zusätzliche Süße mit ins Spiel. Außerdem rieche ich eindeutig Waldmeister, auch wenn er in den Ingredienzien nicht erwähnt wurde. Saftig, belebend wie ein Karussell aus unterschiedlichen grünen Noten präsentiert sich der Duft, dessen zitrische Noten im Duftverlauf lange wahrnehmbar sind. Leicht und transparent mit fruchtigen Tendenzen und einem weich-holzigen Ausklang.

Auf dem Teststreifen legt Green, Green, Green and… Green bereits einen starken Auftritt hin, gegen meine Haut zieht der Papierstreifenduft aber den kürzeren. Frisch aufgesprüht kommen erst stark-zitrische Noten zum Tragen, weitaus frischer als auf dem Papier und ohne diese süßlichen Nuancen. Intuitiv würde ich auf spritzig-herbe Bergamotte tippen. Dann intensive Lorbeernoten, die schnell weicher werden und Gesellschaft von Koriander bekommen. Dicht gewebt ist der Teppich aus grünen Noten, sehr komplex und authentisch, beinahe wie ein Korb voller frisch gepflückter Gräser und Kräuter. Alsbald verliert der Duft an Intensität, wird transparenter. Aquatische Tendenzen zeigen sich ebenso wie eine subtile Zitrussüße. Hier steckt sie also die kleine Verbena. Nachdem sie auf dem Teststreifen gleich zu Beginn ihren großen Auftritt hatte, habe ich sie auf der Haut schon vermisst. Zart-grün zeigen sich dezente Waldmeisternoten (auch auf der Haut rieche ich ihn eindeutig), während ich die floralen Noten, die auf dem Teststreifen deutlich zu erkennen waren, auf meiner Haut völlig fehlen. Sanfte Holznoten mit fruchtigen Tendenzen bestimmen den Ausklang dieses wunderschönen Sommerduftes.

Schade, dass die Jahreszeit schon so weit vorangeschritten ist und ich Green, Green, Green and… Green erst jetzt für mich entdeckt habe. Aber vielleicht gibt es ja noch einen schönen Spätsommer. Und wenn der Winter nur ganz kurz ist, kommt auch der Frühling schon bald. Grün ist ja schließlich die Farbe der Hoffnung und die stirbt bekanntlich zuletzt. ;-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Colocasia esculenta leaf von Wildfeuer – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Es grünt so grün…


Als alter Komplettist…

Geschrieben in Blüten, Duft, Grünes, Hesperiden am 18.08.2010

ist es für mich dieser Tage wirklich ein Graus: Momentan häuft sich einfach alles. Wir haben soo viele neue Düfte im Shop, die ich Euch gerne vorstellen möchte, dazu kommen etliche neue oder auch neue alte Linien, die ich ebenfalls gerne in ihrer Ganzheit rezensieren würde, dann gesellen sich noch meine 237 Ideen hinzu, Artikel, die ich schon lange einmal schreiben wollte… Ich komme mir gerade ein bißchen vor wie Sisyphos: Kaum habe ich einen Stapel Duftfelsen den Berg hinaufgerollt, ergo vorgestellt, entfleucht mir der Fels wieder und ich muß von Neuem starten oder vielmehr: fünf Düfte rezensiert, fünfundzwanzig Neue hinzu oder so ähnlich. Nun ja, da hilft wohl nichts anderes als Kontinuität und Beharrlichkeit, ich bleibe am Ball oder besser am Duft ;)

Gestern hatte ich Euch den Signatureduft von Iris von Arnim vorgestelllt, den jene zusammen mit der Hamburger Parfumeurin Kim Weisswange kreierte. Nebenbei hatte ich hier bemerkt, daß Frau Weisswange annähernd zeitgleich auch noch für zwei andere Hamburger Labels Düfte kreierte – für Uli Schneider und Herr von Eden, deren Düfte ich Euch deshalb noch den Rest der Woche vorstellen mag.

Das Label (von) Uli Schneider besteht seit 1990 und ist nach eigenem Bekunden ein „Avantgarde“-Label mit „eigener Handschrift“, welches mit seinen Kollektionen durch „Stilsicherheit und hochwertige eigene Materialien“ besticht, „auf Understatement und edelste Materialien“ setzt und sich zu „Transparenz und klaren Linien“ hingezogen fühlt. Für mich eine recht zutreffende Eigencharakterisierung: Ich nenne einige Teilchen von Frau Schneider mein Eigen und sie zeichnen sich eben gerade durch die ansonsten eher aus Japan oder Belgien stammenden, teils architektonisch anmutenden und sehr puristischen Schnitte aus.

Die beiden Düfte von Uli Schneider wurden 2009 erstmalig lanciert und ergeben zusammen das „two of a kind“ benannte Duftkonzept: „Ein blumig frischer Tagesbegleiter und eine kräftigere Variante für den großen Auftritt am Abend“ sollen sie darstellen und sich somit ergänzen . Dieses „Konzept“ hat mich ein bißchen an die beiden Boatengs erinnert oder an Norma Kamalis Baby und Incense – wobei letztere, eigentlich letzterer ungeschlagen sind… sollte jemand einmal einen Weihrauch für Fortgeschritttene suchen, einen für 18, keinen für Anfänger, einen kompromisslosen – dann empfehle ich diesen hier, immer wieder gerne. Das nur am Rande.

Wenden wir uns wieder Frau Schneider zu. Sie selbst definiert laut ihrer Homepage ihren Stil als „Mode für die moderne, anspruchsvolle Frau – feminin, sexy und elegant. Meine Kundinnen sollen sich in meinen Kreationen den ganzen Tag über rundum wohl fühlen – ob am Vormittag im Meeting oder Abends im Restaurant oder in der Oper.“ Diesen Anspruch hat sie auch an ihr Duftduo, die, natürlich, auch in schwarz und weiß gehalten sind wie zwei (Gegen)Pole, die sich perfekt ergänzen.

No. 1 ist der Duft für den Abend – Madame Schneiders Tage beginnen also mit den Nächten, interessant, eine klare Priorität ;)

Die Ingredienzen: Kopfnote: Piment, Anis, Rosenholz, Pflaume, Mazis (Muskatblüte), Mandarine, Orange; Herznote: Magnolie, Tuberose, Ylang-Ylang, Zimt, Nelke; Basisnote: Zedernholz, Opoponax, Vanille, Moschus, Sandelholz, Vetiver.

… ehrlich gesagt sitze ich jetzt schon seit geraumer Zeit und überlege, was ich den so schreiben könnte… Beim Thema Abend und besagtem großem Auftritt geht mir jede Menge durch den Kopf: Dramatik und Theatralik, Präsenz, große Feiern mit großen Augenblicken, Festlichkeit oder auch nur Eintauchen in die glitzernden Lichter einer Großstadt und sich treiben lassen von Stelle zu Stelle oder besser: Lokalität zu Lokalität bis der Morgen graut – und das eben gerade nicht als graue Katze.

Nur hat die No. 1 davon so gar nichts – sie ist weder opulent noch ausufernd, nicht wirklich verführerisch, auch nicht betont betörend…

Wenn schon Nacht findet sich hier eher vielleicht ein Romantiker wieder und ich fühle mich an Chopins Nocturnes erinnert, genauer an Opus 9 No. 2, dieses populäre Stück: Mitternächtliche Naturbetrachtungen stelle ich mir dazu immer vor, einen einsamen Spaziergang bei fahlem Mondenschein, in dem man sich ganz seinen Gedanken reflektierend hingibt, innehält und, Rast machend, jene vertiefend in der Stille der Nacht.

Ein leiser, zurückhaltender, unaufdringlicher und hautnaher Duft, insofern sicherlich Understatement wie von Frau Schneider verkündet – kurz nach dem Auftragen ein paar fruchtig-frische Anklänge, die umso schneller von dem Herzen eingeholt werden: Sanft floral anmutend, vordergründig aber weich und mit einer sauberen Süße ausgestattet, die mich in ihrer Leichtigkeit an Schaumgebäck erinnert. Alles in allem – eine zarte Aura, feminin und sinnlich, anschmiegsam. Aber kein Duft, um das Haus zu rocken, egal welches – was ja aber nicht von Nachteil sein muß meine Lieben ;)

Die No. 2 ist überwiegend grün im Auftakt, läßt aber wenige Momente später schon die ersten Blüten durchblitzen: Ein kräftiges Alpenveilchen mit seinen naturaliter kauzig-aquatischen Anmutungen, welche von Pfingstrose und einem sauber-frischen Maiglöckchen unterstrichen werden. Sämtliche Zitrusfrüchte schluckt zumindest meine Haut gänzlich – auf dem Teststreifen leuchten diese immer wieder am Rande auf in säuerlicher Spritzigkeit. Hier zeigt sich ohnehin eine krasse Differenz zwischen Papier und Arm: Auf letztem entwickelt sich die No. 2 in ein Blütenbouquet mit kräftig Blattgrün umrankt und in einem kleinen Holzkörbchen gelegen. Der Teststreifen dahingegen macht daraus ein Stilleben und ergänzt um die Hesperiden, welche den Duft dort ingesamt sportlicher und dynamischer wirken lassen als er sich an mir präsentiert – hier zeigt sich, oh Wunder, eher die feminine Seite. Macht nichts, heißt aber: Bitte in jedem Falle selbst auf der Haut testen.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Grüne Noten, Bergamotte, Zitrone, Melone, Pfirsich, Orangenblüte, Veilchen; Herznote: Pfingstrose, Alpenveilchen, Rose, Jasmin, Tee, Maiglöckchen, Lavendel

Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Tonkabohne, Moschus, Sandelholz.

Resümierend läßt sich feststellen, daß der Understatementcharakter von Uli Schneiders Mode mit diesen Düften eingefangen werden konnte genauso wie deren Femininität – lediglich erwecken die vornehmlich in Schwarz, Weiß, Grau und Rot gehaltenen Modelle einen entschiedeneren Eindruck. Two of a kind gehört farbentechnisch eher in die Ecke der Taupe- und Schlammfarben, der wärmeren Töne… Für jemand, der mit klaren Formen und Minimalismus kantige Love-it-or-hate-it-Düfte verbindet dürfte das Duo nichts sein – für Freunde leiserer oflaktorischer Tonarten sehr wohl.

Gibt es schon Stimmen, kennt Ihr Sie schon?

Ganz viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Franz von Stuck (1920): Sisyphus von Ranveig via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Gespannt wie ein Flitzebogen

Geschrieben in Duft, Grünes, Hesperiden am 16.08.2010

saßt Ihr bestimmt das ganze Wochenende da; zitternd vor Aufregung, lechzend, den Montag kaum erwarten könnend. ;-)

Hier also der versprochene, mit Spannung erwartete dritte Teil über Mademoiselle Giacobettis Kreationen. Das heutige L’Artisan-Düftchen der Dame trägt den schlichten Namen L’Eau de L’Artisan und wurde im Jahre 1993 lanciert.

Hier die Duftnoten: Zitrone, Minze, Basilikum, Gras, Seegras. Recht überschaubar also was das Inhaltliche angeht. Aber da ja Quantität nicht unbedingt gleich Qualität bedeutet und ich mir sicher bin, dass die gute Frau Giacobetti auch aus nur zwei Duftnötchen ein herzallerliebstes Parfum komponieren könnte, bin ich trotz der beschränkten Ingredienzien äußerst guten Mutes. :-)

Vor allem bin auch ich gespannt, ob der dritte Duft im Giacobettischen Bunde auch die Teststreifen-Haut-Divergenz aufweist wie die beiden bereits am Freitag vorgestellten, L’Été en douce und Thé pour un Été.

Wir werden sehen! Mmmh, was sich zeigt ist interessant. Haut und Teststreifen zeigen wieder deutlich untschiedliche Duftverläufe. Allerdings finde ich hier beide irgendwie gut. Beginnen wir mit meiner Haut: hier startet L’Eau de L’Artisan stark zitrisch, ja man könnte schon beinahe zitrisch-zitrisch sagen. Frisch, hell, spritzig wie eine just in diesem Moment mit roher Gewalt in der Hand zerdrückte Zitrone, sonnengereift in den Hainen Siziliens. Lecker! Die erfrischende Zitrusfrucht wird von einer leichten Süße begleitet, die mich spontan an den Geschmack der gelben Nimm 2-Bonbons erinnert. Als Urheber der süßen Note identifizierte ich im weiteren Verlauf die Minze, der keine mentholische Schärfe innewohnt, sondern eben diese irgendwie erfrischende Süßlichkeit. Die Kombination von grün-minzig und zitrisch lässt mich an Zitronenmelisse denken. Der Duft wird ein wenig krautiger, ja grasiger. Salzige Noten vermag ich nur ganz unterschwellig zu erahnen. Insgesamt dominiert auf meiner Haut eindeutig die Hesperide, die nach geraumer Zeit zwar die krautige Note neben sich akzeptiert, sich aber den ganzen Duftverlauf über nicht unterkriegen lässt. Tapferes Zitrönchen!

Nun zum Teststreifen: hier beginnt der Duft ebenfalls zitrisch, allerdings zeigt sich die gelbe Inselfrucht hier von einer herberen Seite. Alsbald eilen auch schon krautige Noten heran, die die Zitrusfrucht recht schnell zum Schweigen bringen. Die Minze offenbart hier kaum Süße, dafür aber mentholische Anklänge. Viel grün-krautiger erscheint mir der Duft auf dem Teststreifen. Und auch viel geruchsintensiver. Auf meiner Haut war er sehr transparent. Salzig-maritime Noten vereinen sich mit der grün-minzigen Kräuterstreitmacht. Der Duft erinnert mich zum Teil an an den Strand gespülte Algen. Kennt Ihr den Duft? Salzig und irgendwie grün, vereint mit diesen ganz bestimmten Meeresnoten. Plötzlich schafft es auch die Zitrone, sich wieder mit ins olfaktorische Spiel zu bringen. Ganz leicht schwirren zitrische Noten mit im grün-krautigen Meereswirrwar.

Ich muss sagen, mir gefallen beide Duftverläufe, die zum Teil übereinstimmende Faktoren besitzen, sich in anderen aber auch wieder völlig unterscheiden. Die Variante auf dem Teststreifen erscheint mir interessanter, weil die in ihr tobende Meeresgischt dem Duft für meinen Geschmack mehr Charakter, mehr Lebendigkeit schenkt und ihn auch individueller macht. Die Variante auf meiner Haut dagegen ist sehr gefällig, ein Hesperidenduft im Stil eines klassischen Eau de Colognes. Da fehlen mir persönlich ein bisschen die Ecken und Kanten.

Was dem Duft in beiden Varianten auf jeden Fall innewohnt ist die deutliche Handschrift von Frau Giacobetti: Minimalismus, Transparenz, die Fokussierung auf das Wesentliche. Es ist wie ich finde eine Kunst, ihre Kunst ohne großen Schnickschnack mit einfachsten (manchmal auch ungewöhnlichen) Mitteln ganz großes Duftkino zu evozieren und dabei durchweg alltagstauglich zu bleiben.

Wie geht es Euch mit Frau Giacobetti? Habt Ihr einen Liebling der Dame? Kennt Ihr die Düfte, die ich heute und am Freitag vorgestellt habe? Falls ja, wie ist Eure Meinung zu ihnen?

Einen schönen Wochenstart wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Eureka lemon in the Water Conservation Garden von Stickpen und Algas da Praia de Boa, Noia, Galiza, Spain von Luis Miguel Bugallo Sánchez – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Morgane Le Fays duftender Regenbogen.

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes am 6.08.2010

Schmuddelwetter dieser Tage. Nicht der Sommer, den sich viele erhofft haben, sicher nicht – mir ist es hingegen eigentlich ganz recht, das Wetter, wenn es nur nicht so viel regnen würde… In Anbetracht dieser Temperaturen mußte ich auch die Hochsommerfraktion an Düften wieder etwas in die zweite Reihe verbannen – bei diesen paar Grad Celsius dürfen dann doch wieder ein paar andere Gesellen ran. Unter anderem war mir dieser Tage wieder sehr „blümerant“ – da bin ich neben meinem lieben Osmanthus Yunnan von Hermès wieder auf einen alten Klassiker gestoßen, der vielen vermutlich gar nicht bekannt ist: Morgane Le Fay, und zwar der alte Signatureduft in Gelb, der damals Classic hieß.

Classic ist leider schon seit einigen Jahren discontinued, genauso wie sein blauer Bruder Morgane Le Fay Blue der erste. Wieso der erste? Nun, weil Morgane Le Fay vor einigen Jahren, genauer: im Jahre 2008 nochmals nachlegten mit einer neuen Kollektion mit vier Düften in vier unterschiedlichen Farben, unter anderem eben wieder einem blauen und auch einem gelben Duft, was für einige Verwirrung sorgte.

Aber vielleicht erstmal von vorne – wer sind Morgane Le Fay überhaupt? Morgan oder auch Morgana dürfte jedem ein Begriff sein, der schon mal mit der Artussage in Berührung kam, sei es nun im Original oder zum Beispiel in den Nebeln von Avalon und ähnlicher Literatur, diverse Filme hatten jene Motivik auch schon zum Thema und natürlich auch die Musik hat sich ihrer schon angenommen: Sie, die Halbschwester von Artus und seine (spätere) Antagonistin, Verführerin, Gestaltwandlerin, Heilerin und Hexe gilt immer als anziehende und geheimnisvolle, mächtige dunkle, aber nicht zweifelsfrei Böse sondern vielmehr Anachronistische, Freie, Unbezwingbare – und übt so schon immer Faszination aus.

So haben sich auch Liliana Casabal und ihr Mann Carlos die „Dame“ zum Vorbild genommen und als Namenspatin für ihr 1982 in New York gegründetes Fashionlabel herangezogen. Die Intention desselben ist es, natürlich, Schönheit auszudrücken und Femininität – mittels der (Damen)Kleidung, die die argentinischen Wurzeln der beiden Gründer zitiert genauso wie das Soho der Fünfziger, Sechziger. Auch die Jetztzeit fließt mit in das Design der Kreationen ein und heraus kommen Stücke die, ich schrieb es bereits in unserer Herstellerbeschreibung im Shop, „eine Mischung aus Großstadtelfe in kindlich-verspielter Unverstelltheit, Film-Noir-Diva samt abgeklärt kühler, erotisch aufgeladener Attitude, einfach und strukturiert aufgebauten graphischen Designs und natürlich fließenden, minimalistisch angehauchten Gewändern“ sind „– eine ambitionierte und besondere Handschrift, die wohl auch Stars wie Björk, Juliette Binoche, Sarah Jessica Parker und anderen zusagt.“

Als Hauptinspirationsquelle nennen die beiden aber die Natur – das merkt man sowohl der Mode, als auch den Düften an finde ich. Die Mode könnt Ihr Euch hier ansehen, die Düfte werde ich Euch dieser Tage beschreiben. Kennzeichnend für die „neue“ Kollektion, ergo die von 2008 ist es, daß die vier Düfte lediglich den Namen von Farben tragen – und der Duft ebenfalls von jener Farbe ist.

Intuitiv soll man sich die Düfte aussuchen, nach der Farbe, die einem am meisten zusagt – wir erinnern uns, Mark Buxtons Kollektion hat ein ähnliches, wenn auch dank der zugehörigen Webseite und den Farb(Typ)-Beschreibungen ausgefeilteres Konzept. Gewidmet sind Frau Casabals Düfte, wie soll es auch anders sein – der Frau und deren vielen Facetten, ganz klar.

Beginnen möchte ich, für mich eigentlich ganz untypisch, heute mit der Farbe oder besser: dem Duft Grün, der Fragranza Verde.

Grün – wie die Hoffnung, in unserem Falle auf das uns bevorstehende (schöne?) Wochenende, und überhaupt, was ist nicht alles grün im Leben… In jedem Falle wirkt grün immer voller Lebensfreude, positiv, dynamisch – so auch dieses Düftchen. Grün ist – eine echte Gurke, allerdings im Positiven. Frisch aufgesprüht hüpft sie einem frohen Mutes entgegen, eine Traumkandidatin ihrer Art: Eine knackige, saftig-wässrige und dunkelgrüne Salatgurke, die sich, aller Unkenrufe zum Trotz, in dem Duft ganz vorzüglich macht. Gesellschaft bekommt sie alsbald von zwei floralen Vertretern, einer zarten und typischerweise leicht aquatisch anmutenden Freesie, welche die Gurkenwässrigkeit nochmals unterstreicht, sowie einer Rose, meines Erachtens nach einer Teerose (die Rosennote erinnert mich ein bißchen an Creeds überaus authentisch bulgarische Teerose aus der Private Collection). Beiden Blümlein wohnt im Zusammenspiel eine florale Süße inne, welche durch würzige, aber sehr hintergründige und überaus zivilisierte Kokosnoten betont wird. Für fruchtige Akzente sorgen darüber hinaus ein knallgrüner Apfel sowie satt-reife Mango, beide ebenfalls von einer leichten Herbheit, welche einen interessanten Kontrast zu jener Süße gibt, die den Duft bis in die warm-weiche Basis von Ambra, Moschus, Vanille und Heliotrop begleitet.

Ein interessantes Düftchen und vor allem nicht ohne eine gewisse Ambivalenz: Fruchtig-frische und vor allem auch gurkige Sauberkeit trifft auf eine kuschelig-weiche Süße, welche jedoch niemals gourmandig wirkt. Das alles garniert mit floralen Akzenten generiert einen individuellen und besonderen, positiven Gute-Laune-Duft, der sicher eine gelungene Alternative ist für all jene Tage, an denen es warm, aber nicht superheiß ist und man insofern nur ein reduziertes Spektrum an zu tragenden Düften zur Auswahl hat. Für mich paßt er perfekt in diese Jahreszeit (oder vielmehr: perfekt zu jenem Wetter, das eigentlich ja eben NICHT zur momentanen Jahreszeit paßt…).

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S: Fast vergessen: Kreiert wurde Green ebenso wie Yellow von Nathalie Cetto. Die Ingredienzen: Gurke, Kokosnuss, Apfel, Mango, Freesie, Rose, Ambra, Moschus, Vanille, Heliotrop.

Bildquelle: Anthony Frederick Augustus Sandys (1864): Morgan Le Fay von TAnthony via WikiCommons, Cucumber Plant von Helene Samson via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Das Wandern ist des Müllers Lust

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 22.07.2010

Und nicht nur des Müllers, nein, auch des Parfumeurs oder besser: des Duchaufours. Selbiger, mit Vornamen Bertrand, reist nämlich unglaublich gerne und viel. Ob er auf seinen weltweiten Entdeckungstouren tatsächlich wandernd unterwegs ist, möchte ich zwar bezweifeln, aber so wie die Arbeit des Müllers heute maschinell und vollautomatisch vonstatten geht, legt man in Alltag und Urlaub die meisten Wegstrecken mittlerweile ja auch auf vier Rädern zurück und nicht mehr ausschließlich auf zwei Beinen. Der unaufhaltsame (und von mir immer gern erwähnte) Fortschritt macht auch vor dem guten alten Volkslied nicht halt, sondern regt viel mehr zu einer modernen Interpretation desselbigen an. ;-)

Der (wandernde oder fahrende) Globetrotter Duchaufour dürfte den geneigten Lesern jedenfalls hinlänglich bekannt sein: Seit 2008 ist er die kreative Chefnase bei der französischen Parfumschmiede L’Artisan Parfumeur. Auf sein Konto gehen diverse L’Artisan-Kreationen wie zum Beispiel Nuit de Tubéreuse, Al Oudh und Mechant Loup, einige Comme des Garçons-Düfte sowie Penhaligons Amaranthine, Eau d’Italies Baume du Doge, Amouages Jubiläumskracher Jubilation XXV, Acqua di Parmas toskanische Zypresse und viele, viele mehr. Ein emsig-kreativer Mann! Tja, wer viel arbeitet, und dann noch kreativ, braucht natürlich Phasen der Erholung. Gerne auch an fremden Orten, die inspirieren, die Phantasie anregen und den schöpferischen Tank reich mit neuen Eindrücken und Ideen füllen. Aus eben solchen kreativen Regenerationsphasen entstand die Travel-Series von L’Artisan Parfumeur: Düfte, die Herrn Duchaufours Erlebnisse und Impressionen einer Reise einfangen und nach seinem subjektiven Empfinden authentisch wiedergeben. Eine dieser Urlaubsschöpfungen haben Constantin und Uli bereits vorgestellt, Havana Vanille. Eine Ode an Kuba, angereichert mit Rum, Vanille, Gewürzen und natürlich Tabak. Karibik-Feeling pur also.

Unser heutiges Reiseziel entführt uns an einen Ort, der nicht allzu weit von Castros Insel entfernt ist: Panama. Der mittelamerikanische Tropenstaat, eingeklemmt zwischen Costa Rica und Kolumbien, ist berühmt für seinen gleichnamigen Kanal, der die Karibik mit dem Pazifik verbindet. Panama ist ein schmaler Landstreifen mit ziemlich viel Küste an zwei verschiedenen Ozeanen und: mit einigen vorgelagerten Inseln. Auf einer solchen, nämlich Bahia Honda, die ich leider trotz intensiver Suche auf diversen Landkarten nicht lokalisieren konnte, machte Herr Duchaufour zur Regenzeit Urlaub. Die Insel dominiert ein dichter Regenwald, der sich dem olfaktorisch-geneigten Besucher üppig-grün und saftig-dampfend präsentierte. Der exotisch-fremde, ja beinahe irreale Duft der wilden urspünglichen Natur beeindruckte Herrn Duchaufour derart, dass er beschloss, ihn in einem Parfum einzufangen. So entstand nach seiner Reise der Duft Fleur de Liane. Seine Eindrücke konservierte er, zumindest optisch, noch während seines Aufenthalts durch Fotographien und zahlreiche Aquarelle, die ihn in der so gegensätzlichen, da vollzivilisierten und zubetonierten Pariser Heimat an die mittelamerikanische Dschungelatmosphäre erinnern sollten.

Die Duftnoten: Grüne Noten, Fruchtige Noten, Guave, Magnolie, Tuberose, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Guajakholz.

Fleur de Liane beginnt grün, grüner, am grünsten. Selbst der Superlativ vermag die Üppigkeit des Auftakts nur rudimentär zu erfassen. Saftig-grüne Noten schillern mit fruchtig-feuchten Nuancen um die Wette. Ganz subtil vermag ich eine herbe Säuerlichkeit wahrzunehmen, die ich ganz frech der Guave in die Schuhe schieben möchte. Außerdem rieche ich eindeutig Banane heraus oder vielmehr: den Duft einer knackigen, da noch deutlich grünen Bananenschale, der sich im Moment des manuellen Aufbrechens eben jener mit den transparent-süßlichen Noten des jungen Bananenfruchtfleisches vereint. Als Liebhaber grünlicher Bananen, frohlocke ich an dieser Stelle. Lecker! Im Auftakt ein echter Kracher, wenn auch ein recht monochromer, beruhigt sich der Duft im weiteren Verlauf. Im Herzen dominieren florale Noten: Magnolie und Tuberose bringen deutlich aquatische Tendenzen und eine süßliche Cremigkeit mit ins Spiel. Allerdings präsentiert sich das Herz, im Gegensatz zum opulenten Auftakt, insgesamt eher dezent und zart. Die sonst häufig wuchtbrummig umgesetzten Weißblüher zeigen sich hier von einer transparent-ruhigen, ja beinahe kontemplativen Seite. Und so können sie sich auch ganz entspannt auf das leichte und helle Lager niederlassen, in welchem sich Vetiver, Zedernholz und Patchouli ein erdig-holziges Stelldichein geben, während Guajakholz im Hintergrund rauchig-florale Akzente setzt. Bravissimo!

Meines Erachtens ein wirklich sehr schöner Duft, erfrischend und gelassen zugleich. Ein idealer Alltagsbegleiter für das momentane sommerliche Wetter.

Tja, wenn das die mittelamerikanischen Dschungelimpressionen von Herrn Duchaufour sind, kann ich nur sagen: „Oh, wie schön ist Panama!“

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Costa Rica Santa Elena Skywalk von Dirk van der Made – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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„Wenn der Frühling kommt…

Geschrieben in Blüten, Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 12.07.2010

dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“, trällerte es in den 70er Jahren aus so manchem Radio. Ja, die bunten Frühlingsblüher sind in den Köpfen der Menschen immer noch genau so fest mit den Niederlanden verbunden wie Fleischtomaten, Gouda, Frau Antje, Clogs und Windmühlen (oder so wie Hape Kerkeling mit Königin Beatrix). Und diese Assoziation kommt nicht von ungefähr: aus den Niederlanden stammt etwa 80% der globalen Jahres-„Produktion“ an Tulpen.

Tja, aber die Zeiten ändern sich. In einer Welt, in der der Fernsehanschluss nur noch digital, dafür aber der Käse analog ist; in der der Normalbürger seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf nicht mehr über wässriges Treibhausgemüse deckt, sondern stattdessen hyperdietätische Softdrinks oder stilles Vulkangestein-Mineralwasser zu sich nimmt (hehe… ich selbst bin hier ein blühendes Beispiel); in der die TV-Dinosaurier Frau Antje, Frau de Mol und Frau Amado schon seit Urzeiten von unserer hiesigen Mattscheibe verschwunden sind und sich dafür unzählige, prima an die neuen Fernsehunterhaltungsbedingungen angepasste Casting-Reality-Doku-Shows im TV-Programm durchsetzen konnten (tja, die Evolution ist nicht aufzuhalten); in der Hape Kerkeling (leider) nur noch als Gisela respektive Werner in Werbespots für Anrührkaffee zu sehen ist; ja, in einer solchen Welt kommen Tulpen auch nicht mehr zwingend aus Amsterdam.

Ein besonders hübsches Exemplar fand zum Beispiel erst vor ein paar Wochen seinen Weg aus Stockholm zu mir. Und das, obwohl die Tulpenzeit doch da schon längst vorbei war. Doch diese ach so kurze Zeit des Frühjahres, wenn es in sämtlichen Vorgärten, Super- und Wochenmarkteimern nur so vor Tülpchen wimmelt, wurde durch die Lancierung des neuen Byredo-Duftes La Tulipe, zumindest olfaktorisch, verlängert. Herr Gorham, dessen Vorgängerdüfte die gute Uli ja bereits vorgestellt hat (zum Beispiel hier und hier und hier), war nach eigener Aussage schon seit jeher ein Freund der Zwiebelpflanze, so lag die Idee eines eigenen Tulpenduftes für ihn nahe. Augenmerk legte er hierbei nicht unbedingt auf eine möglichst authentische Umsetzung, sondern vielmehr:

„La Tulipe is built around the idea of the tulip – a flower reminiscent of morning moist gardens and by being one of the season’s first flowers to open its bud; the tulip has become a symbol for the rebirth of spring.“

Die Wiedergeburt des Frühlings soll er also einfangen. Schade, dass ich erst vor ein paar Wochen seiner habhaft werden konnte. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte ihn bereits im März geschnuppert, als hier noch alles unter einer eisigen Winterdecke lag und es nicht so aussah, als ob es überhaupt jemals wieder einmal Frühling werden würde…. ja, ich glaube, ich hätte mit und durch La Tulipe neue Hoffnung geschöpft. Tja, so musste ich mir in des Märzens Iden ohne diesen wunderbaren Duft warme Gedanken machen. Und schließlich hat es der gute Zephyr ja doch noch geschafft, uns den Lenz hierher zu wehen, den wir jetzt schon seit geraumer Zeit genießen dürfen. Und so sitze ich nun in der nachmittäglichen Julisonne, vor mir die Byredo’sche Tulpe und schnuppere vor mich hin.

Hier schon einmal die Duftnoten: Rhabarber, Alpenveilchen, Freesie, Tulpe, Hölzer, Vetiver.

Leicht zitrisch im Auftakt, was ich ob der säuerlichen Fruchtigkeit dem Rhabarber zuordnen würde, wird es plötzlich floral. Noten von… ja, von was eigentlich? Intuitiv muss ich an Flieder denken, wobei ich im direkten Vergleich mit Frau Giacobettis En passant wieder ein wenig davon Abstand nehme. Allerdings mit Vorbehalt, denn En passant ist natürlich ein weitaus filigraneres, zarteres und dezenteres Kaliber als die Stockholmer Tulpe. Aber dennoch: die Authentizität des Fliederduftes in En passant (und diese ist wirklich vorhanden, wenn ich mich an all die duftenden Fliederdolden in den Lindauer Vorgärten erinnere, in die ich noch vor ein paar Wochen jauchzend und juchzend meinen Rüssel zum Schnuppern hing) lässt einen direkten Vergleich zu und so muss ich die Byredo’sche Ingredienzienangabe bestätigen: kein Flieder in der Tulpe. Was mir hier so einen vorfliedert ist wohl vielmehr die Freesie, die sich satt und wuchtbrummig im Duftverlauf breitmacht und diesen, einmal geentert, auch nicht mehr freigibt. Gleich einem tanzenden Derwisch tollt sie süßlich-flirrend durch den Duft, stets begleitet von den für sie typischen aquatischen Tendenzen. Grünliche Noten, die möglicherweise der Tulpe geschuldet sein könnten, schwirren mit in dem floralen Ringelreihen und bringen diesen schließlich auf den hell-holzigen Boden der Tatsachen zurück.

Ja, das Stockholmer Tülpchen ist wirklich ein hübscher und überraschend lang anhaltender Duft. Wie ein intensiv duftender Frühlingsstrauß zaubert er ein Lächeln auf’s Gesicht, sorgt für gute Laune und induziert Frühlingsgefühle. Der namentliche, sehr konkrete Bezug auf eine bestimmte Blume, nämlich die Tulpe, mag angesichts des tatsächlichen Duftes für Verwirrung sorgen, aber da selbige ja nach Herrn Gorham eher sinnbildlich zu betrachten ist, kann man da geflissentlich ein Auge zudrücken. Ich jedenfalls freue mich sehr über das Düftchen, werde es auch gewiss den Sommer über das ein oder andere Mal tragen, mir aber sicherlich ein paar Sprüher aufheben, um mich im Februar nächsten Jahres durch La Tulipe daran erinnern zu lassen, dass der Frühling ganz bestimmt irgendwann kommen wird und mit ihm auch die ersten (echten) Tulpen. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Tulpen von John O’Neill – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Sommerzeit die Dritte.

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes, Hesperiden, Holziges am 9.07.2010

Beim Schreiben der Artikel dieser Woche mußte ich dann doch einigermaßen verwundert feststellen, daß ich mehr Sommerdüfte in meinem Schränkchen habe, als ich eigentlich erwartet und vermutet hatte… Und es sind immer noch einige übrig, die ich Euch nicht vorenthalten mag…

Zwei Gesellen der Hesperidenfraktion hatte ich vollkommen außer Acht gelassen – keine Ahnung warum.

Bei der Nummer eins ist der Name Programm: Mandarine Tout Simplement. Ganz simpel: Mandarine, nicht mehr und nicht weniger. Ist mir manchmal zu wenig, ist aber auch manchmal auch ganz genau richtig. Frau Giacobetti hat hier einen sehr leichten, leider nicht sehr haltbaren, aber absolut authentischen Mandarinenduft geschaffen – ein paar Mandarinensorten, ein Hauch Ingwer und ein wenig unaufdringlicher Moschus in der Basis – fertig. Riecht exakt wie eine frisch angebissene Mandarine, die einem vor lauter Saftigkeit ihr Fruchtfleisch entgegenschleudert.

Nummer zwei ist der Traumgarten überhaupt, das Paradies von Jean-Claude Ellena: Un Jardin en Méditerranée von bzw. für Hèrmes. Die meisten werden ihn kennen, deshalb lohnt es eigentlich nicht, der Worte viel zu verlieren: Eine grüne Feige im Duett mit zitrischen Noten, fein abgestimmt mit floralen Anklängen sowie kräuterigen Noten und einer subtil-holzigen Basis. Ein Klassiker und immer wieder, so oft man ihn auch riechen mag, etwas Besonderes.

Fruchtig geht es weiter mit einem Düftchen, das mir eigentlich auf den ersten Blick nicht hätte gefallen dürfen: Bahiana von Maître Parfumeur et Gantier. Bahiana, benannt nach den Frauen Bahias, dieses brasilianischen Bundeslandes, inspiriert durch deren lateinamerikanische Lebensfreude – ganz ehrlich? Ich mußte sofort, „Stille Tage im Klischee“, an Karneval denken und an pappsüße alkoholische Cocktails… Weit gefehlt. Bahiana vermittelt zwar durchaus tropisches Flair, und das nicht zu knapp – jedoch mangelt es dem Duft nicht an jener für MPG typischen Komplexität, darüber hinaus besitzt er einen Vorzug, den man nicht vielen exotisch anmutenden Düften nachsagen kann: Er ist erwachsen, sehr erwachsen. Im Auftakt mit spritzig-prickelnden frischen Hesperiden, genauer: Orange, Mandarine und Limone aufwartend überzeugt Bahiana im Herzen mit Grün-Floralem (Tagetes und Blattgrün) sowie einer wuchtig-saftigen Ananas, die zwar nirgends angegeben, aber in jedem Falle zu riechen ist. Die Basis untermalt den Duft cremig-zart mit feinen Harzen, einem Hauch trockener und nicht über die Maßen süßer Kokosnuss sowie Moschus und verschiedenen Hölzern. Für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar, ein echter Happy-Duft und dabei trotzdem raffiniert und, ja – edel. Selten für einen Duft dieser Art.

Wem Bahiana nicht genug Kokos offeriert, wer aber trotzdem nach einem nicht ganz herkömmlichen Südseedüftchen sucht, dem sei Creeds Virgin Island Water empfohlen: Für die Engländer und ihre ansonsten sehr klassischen und typisch britischen Düfte ziemlich modern, ist ihnen hier ein hübsches Exotensommerdüftchen gelungen mit Ananas und prominenter Kokosnuss, der trotz der eher jugendlicheren Ingredienzen erwachsen und durchaus elegant wirkt.

Creed hat noch eine weitere Ausnahme im Programm: Erolfa. Für mich einer der einzigen, als „aquatisch“ zu bezeichnenden Düfte, den ich tragen kann. Die Namensschöpfung, das ganz am Rande, setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Familie von Olivier Creed: Seinem Sohn Erwin, seiner Tochter Olivia, und deren Mutter Fabienne. Was soll ich sagen? Die Mitglieder der Familie müssen passionierte Segler sein. So, genau so, stelle ich mir (als Nichtsegler) einen Segeltörn im Mittelmeer vor: Zischende weiße Gischt, ein wenig krautig durch den Seetang, bricht sich am Rand des spiegelweißen Seglers, knallblaues Wasser, die Sonne scheint, der Wind weht – was will man mehr… Ok, zugegeben – ein bißchen klischeehaft diese Vorstellung, aber trotzdem schön. Erolfa vermittelt exakt jene Impression. Die Ingredienzen: Zitrusfrüchte und Bergamotte im Kopf (ich wette, da sind auch Mandarinen dabei), krautige Noten im Herzen und Ambra in der Basis.

Original Vetiver von Creed ist nun, wie soll ich sagen, alles – nur kein Vetiver. Nachdem ich dieser Tage mal wieder in Herrn Turins Perfumes – The Guide geblättert habe, wundert es mich nicht, daß er ihn nicht mag (was nicht immer ausschlaggebend ist und erst recht nicht so sein muß), mich wundert aber sehr, daß als Kurzzusammenfassung, wie er es immer gerne neben den Namen stehen hat, nicht zwei Worte stehen: „Not Vetiver“. Creed beschreiben ihren Vetiver folgendermaßen:

„True to its name, Original Vetiver is a dramatic re-invention of a vetiver-based scent. Whereas traditional vetiver fragrances are derived from the roots of the plant, Original Vetiver achieves a new and natural, original freshness by infusing the vetiver leaves into the blend.“

Was auch immer, wie auch immer: Erwartet man hier einen Vetiver, eine spezielle Facette desselben herausgearbeitet, interpretiert – man wird schwer enttäuscht sein. OV ist weder wirklich zitrisch-grasig-frisch noch erst recht nicht rauchig-herb. Weshalb stelle ich den Duft dann hier vor? Weil ich ihn trotzdem ganz wunderbar finde – wenn man sich eben von jeglicher Vetivererwartung freimacht. Stellt Euch vor, Ihr liegt auf einem knackig grünen englischen Rasen, Euch kitzelt das frische grüne Gras in der Nase und die Sonne scheint auf Euch, wärmt langsam Eure Haut, die Ihr Euch in weiser Voraussicht mit Sonnencreme eingeschmiert habt, und läßt den Geruch der sanft angewärmten Sonnencremehaut mit demjenigen frisch gepflückten Gräser verschmilzen – das dürfte ein ungefähr authentisches Bild unseres Original Vetiver wiedergeben. Insofern verzichte auch auf die Noten, die Creed dafür angibt – diese führen meines Erachtens nach nur in die Irre…

Nun aber möchte ich Eure Meinungen hören – zu den vorgestellten Düften, zu meiner kleinen Garderobe, zu Eurer Sommerausrüstung!

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Orange Slice von abcdz2000, Pearl von Clinton Cardozo, Badum’s Sails von Juandescal, alles via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z


Sommerzeit Teil 2.

Geschrieben in Duft, Grünes, Hesperiden, Krautiges am 8.07.2010

Früher, das muß ich ganz ehrlich gestehen, war Sommer in jeder Hinsicht so gar nicht meines. Ich war ein Herbst/Winter-Typ durch und durch – vom Naturell her, was die Kleidung angeht, die Stimmung(en) sowie auch: die Düfte. Heute sind meine Lieblinge, die olfaktorischen, immer noch eher für die kälteren Jahreszeiten bestimmt, aber, wie es so ist – je länger man sich mit einer Thematik beschäftigt, desto breiter wird der Horizont. In Puncto Düfte hieß das bei mir: Während es früher die derben Kracher sein mußten, kann ich mich mittlerweile durchaus auch für etliche andere Duftrichtungen erwärmen und begeistern. Heute darf es auch mal ein Blümchen sein oder lecker Früchtchen, während früher nur einziehen durfte, was zumindest eine Duftnote aus dem altbekannten Dominaequipment zu bieten hatte: Leder oder Tabak oder wenigstens Weihrauch, drunter ging es bei mir nicht.

Dementsprechend spärlich war auch mein Sommerduftrepertoire – Zeiten waren das… Heutzutage gibt es derlei viele, gestern habe ich Euch schon einen Teil davon vorgestellt, heute und morgen geht es munter weiter damit.

Eine wirkliche Sommerallzweckwaffe ist Minze, wie ich finde. Luca Turin hat in seiner Rezension zu Guerlains Aqua Allegoria Herba Fresca recht deutlich auf den Punkt gebracht, was das Problem an und mit Minzdüften ist: Wie einen solchen kreieren, ohne den Verbraucher sofort an Zahncreme denken zu lassen? Ich habe keine Ahnung, ob diese Rechnung mit meinen beiden Minzlieblingen wirklich aufgeht – es ist mir aber eigentlich auch vollkommen gleich ;)

Guerlains Herba Fresca ist schon einer davon: Eine im Auftakt ihrem Namen mehr als gerecht werdende, scharfe Pfefferminze. Ganz alleine und aufrecht, für eine lange Zeit. Frisch, fast schon ätherisch. Und die Pfefferminze bekommt auch irgendwann Gesellschaft – eine sehr gesittete, weiche und zurückhaltende: dezent florale Anklänge sowie ein Hauch Tee, grüner Tee. Der saubere Touch weist auf eine sehr distinguierte Zeder in der Basis hin, darüber hinaus flankieren noch ein paar Hesperiden, vornehmlich Schalen von Zitrone oder Mandarinen das sommerliche Geschehen, das für ein Aqua Allegoria mit der Konsistenz eines Eau Fraîche eine durchaus sehr ordentliche Haltbarkeit vorweisen kann. Die Angaben zu den Duftnoten sind im Netz mal wieder sehr unterschiedlich ausgefallen, insofern lasse ich sie einfach weg.

Heeleys Menthe Fraîche ist meine zweite Lieblingsminze: Im Auftakt eine echte „Zahnarzt“Minze, ebenfalls scharf, aber weniger pfeffrig (als Herba Fresca) als vielmehr ausgesprochen kühl. Im Gegensatz zu Herba Fresca, der im Duftverlauf durch Florales sowie die Zeder schneller weich und sauber wird, verbleibt Heeley mit seiner Minze lange in eisigen Höhen, um diese dann durch die typisch aquatisch-floralen Noten von Lotos und Freesie harmonisch abzurunden. Matétee tut hier sein übriges und unterstreicht das Kalt-Nass-Frisch-Blumig-Anmutende. In der Basis weist Heeleys frische Minze durchaus auch saubere Zedernnoten vor, besitzt jedoch insgesamt mehr Kühle als der Minzbruder von Guerlain. Die Ingredienzen: Kopfnote: Minze, Bergamotte; Herznote: Matétee, Lotosblüte, Freesie; Basisnote: Zedernholz.

Minze läßt nicht nur aufatmen, sondern oftmals auch tief durchatmen – sie macht die Brust weit. Dieses Gefühl vermag wie kein anderer Duft Humiecki & Graefs Eau Radieuse zu vermitteln. Ich bin ein großer Fan des Labels, seines Konzeptes, mit Düften Uremotionen widerzuspiegeln. Und ich bin der Ansicht, daß man diesen Düften Zeit geben muß. So ging es mir ehrlicherweise mit Eau Radieuse auch, ich habe ein paar Testversuche gebraucht, bis sich mir der Duft in vollem Umfang erschloß – seitdem funktioniert kein heißer Sommer mehr ohne das wunderbar gleißende Eau Radieuse. Die Ingredienzen: Banane, Mandarinenschale, Zitrone, Minze, Rhabarber, Bambus. Wie bei Humiecki & Graef Teil des Konzeptes gibt es auch bei diesem Düftchen keinen pyramidalen Duftaufbau, sondern lediglich einen sternförmigen, eine gleichnzeitige Explosion aller Bestandteile… Ob man das nun so glaubt oder riecht ist eigentlich egal…

In jedem Falle soll Eau Radieuse eine moderne Cologne-Interpretation sein und als solches eine Hommage an die Heimatstadt des (einen) Firmeninhabers, an Köln, die Geburtsstadt des Eau de Cologne. Ein solches ist Eau Radieuse auch, aber ein ultramodernes, futuristisches, Konzeptkunst-angehauchtes, wie ich finde und auch bereits in unserer Artikelbeschreibung im Shop verlauten ließ. Der Meinung bin ich immer noch. Eau Radieuse springt einen sogleich an – mit einer mehr als kräftigen Portion mentholischer Pfefferminze, die einem sofort Kopf und Brust freibläst und alsbald den Blick oder vielmehr die Nase freigibt auf seltsam anmutende, aber sehr präsente, grün-schillernde Bananenblätter. Rhabarberfasern stiften bitter-fruchtige, heftige Herbheit und ein kleiner Bambusbursche wässert die Basis mit einem dezent aquatischen Hauch. Moderner geht nimmer – passender oder besser bei wirklich heißen Temperaturen auch nicht. Über 30 Grad lösen bei mir eben genau jenes Gefühl aus, für das Eau Radieuse steht: Die Sehnsucht, das Begehren, das Verlangen – nach ebenjenem Duft. I love it.

Einen schönen Tag Euch noch und fröhliches Schwitzen,

Eure Ulrike, die – auf den Geschmack gekommen – sich jetzt erstmal eine Eau Radieuse-Dusche gönnt.

Bildquelle: Peppermint von Hajnalka Ardai via stock.xchng, Frosty Peppermint von Dave Gostisha/ziptrivia.com via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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Vollkommen untergegangen…

Geschrieben in Duft, Grünes, Solifloral am 26.05.2010

… in den Massen an Neuveröffentlichungen ist unter anderem Lily Beach von Jacques Zolty – zu Unrecht, wie ich finde. Das fiel mir bereits bei einem ausgedehnten Test auf, neulich allerdings erinnerte mich Christiane nochmals daran – lieben Dank dafür :) –, als sie einen diesbezüglichen Kommentar zu unserer „Suche nach dem heiligen Gral“ verfasste. Mir hatte bereits vor Jahren der erste Zolty-Duft ganz gut gefallen, ich habe ihn als grün-krautig sowie holzig-rauchigen Frühlingsbegleiter in Erinnerung, aromatisch und angenehm. Ein erneuter Test wäre vielleicht mal fällig…

Ich bin wohl zu jung um mich an Jacques Zolty noch erinnern zu können – er war in den Siebziger / Achtziger Jahren eines der gefragtesten, natürlich auch schauspielernden Herrenmodels des Planeten. Und somit unterwegs auf dem ganzen Globus. Allerdings hat es ihm nach eigenem Bekunden nirgends besser gefallen als auf St. Barths, wo er jetzt mit seiner Familie lebt und als Parfumdesigner arbeitet.

Lily Beach soll nun das feminine Pendant zu dem Herrenduft darstellen und ist eine Hommage an die berühmte Lilienblüte, oft als Symbol der Insel St. Barthélémy verwendet. Gleichzeitig soll Lily Beach allerdings auch die Verkörperung des Duftes einer Frau sein, welche empfindsam, sensibel und spirituell (oder meinten die Damen und Herren geistreich?) ist und eine unwiderstehliche verführerische Ausstrahlung besitzt. Inspiriert durch St. Barth selbst, dieses „karibische Paradies“, so Zolty, sowie dessen Blütenpracht und, natürlich – dessen einheimische Frauen und deren Lebensstil und Lebenslust. So, dann wollen wir doch mal sehen oder besser: riechen…

Frisch aufgesprüht entführt uns Lily Beach erstmal in die Weiten eines Blumenladens oder auch Gewächshauses: Kennt Ihr diesen unnachahmlichen Duft frischer und soeben geschnittener Pflanzen, von sich mischenden Gerüchen verschiedenster Blüten, welche sich mit allem möglichen Blattgrün, Farnen und Gräsern vermischen? So empfängt die Lilie, die sich alsbald verwandelt, solifloraler wird, das grüne Moment beibehaltend: Es tut sich eine üppige Blüte hervor, weißblühend, die mich in ihrer Süße an jene Facette opulenter Tuberosen erinnert, ohne jedoch deren narkotisierend-cremige Dichte zu besitzen. Exotisch tropisch anmutend, ja, allerdings mit der ihr eigenen Frische auch eine gewisse Dezenz lebend. Kardamom würzt hintergrundig, während von der besagten Nelke weder auf meiner Haut noch auf dem Teststreifen viel wahrzunehmen ist… vielleicht auch gar nicht soo schlimm…

Lily Beach wohnt eine Leichtigkeit inne, die ich sehr gut mit dem Thema Strand und Wasser assozieren kann und welche durch das sauber-seifig-luftige Zedernholz sowie wärmenden Moschus in der Basis noch unterstrichen wird. Ein floraler Duft, nahe am Wasser situiert, aber weder wässrig noch aquatisch noch maritim. Solifloral, nicht zuviel, aber doch intensiv, feminin, sinnlich (jawohl!) und überaus haltbar – ich bin mir sicher, er wird die Herzen einiger Blümchenfans höher springen lassen.

Einen schönen Tag Euch allen und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Session on the Beach 4 von Piotr BiziorPink Lily 2 von Darko Skender, beides via stockxchng, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Back to Nature… Honoré des Prés.

Geschrieben in Blüten, Duft, Grünes, Krautiges am 27.01.2010

… heißt es mittlerweile nicht nur im Bereich der Kosmetik, wo Marken wie Dr. Hauschka, Nuxe, Korres und viele mehr den Trend zum „Grünen”, zur Ökokosmetik schon vor Jahren begonnen und aufgegriffen haben.

Auch auf dem Duftmarkt bewegt sich da einiges. Die ersten Ökodüfte, die mir über den Weg liefen, waren damals die Parfums von Patyka, an die ich allerdings nur noch verschwommene Erinnerung besitze, obgleich ein, zwei recht gute Düfte dabei waren… L’Artisan Parfumeur brachte mit L’Eau de Jatamansi ebenfalls einen organischen Duft heraus, der das begehrte Ökosiegel Ecocert erhielt.

Mit Honoré des Prés ist jetzt eine neue Firma in diesem Bereich dazugekommen: „Truly Organic – Terribly French”, so die Eigenwerbung. Zu 100% natürliche Essenzen, hergestellt unter Verzicht auf Tierversuche, natürlich. Und (trotzdem) zu 200% französisch – unter Berufung auf Frankreichs alte Parfumeurstradition. Dazu haben sich Honoré des Prés niemand geringeres an Land gezogen als Olivia Giacobetti. Diese Dame ist nun wirklich kein unbeschriebenes Blatt unter den Parfumeuren, gehen doch unter anderem folgende Düfte auf ihr Konto: L’Artisan Parfumeur L’Eau de L’Artisan, Premier Figuier, Drôle de Rose, Navegar, Dzing, Passage d’Enfer, Tea for Two, Safran Troublant, Fou d’Absinthe, Mandarine Tout Simplement, Edition de Parfums Frédéric Malle En Passant, Hotel Costes No. 1, Andrée Putman Préparation Parfumée, Lubin Idole, Diptyque Philosykos, Iunx-Linie, Hermès Hiris, Penhaligon’s Elixir, etc. … ganz ansehnlich, oder?

Ich für meinen Teil mag eine ganze Menge von Signora Giacobetti (und habe auch nicht wenige Düfte von ihr zu Hause bei mir stehen…). Und war deshalb auch sehr gespannt auf die neuen Düfte, gleich fünf an der Zahl. Nachdem ich nun alle testen konnte, möchte ich meine Eindrücke mit Euch teilen.

Beginnen wir heute zuerst mit Nu Green und Bonté’s Bloom.

Nu Green – der Name impliziert bereits, was der Duft sein möchte. Nu Green ist inspiriert durch ein erfrischendes morgendliches Bad in einem naturbelassenen Felsenpool mitten im Herzen der Natur. So soll Nu Green belebend wirken und gleichzeitig entspannend, entgiftend. Ein Duft als bessere Hälfte quasi, als ergänzendes Element. Als Bollwerk gegen – den Rest. Oder so. Meine erste Assoziation war, man(n) möge es mir nachsehen: – Ein bißchen blaue Lagune nur ohne die junge Brooke Shields oder auch Robinson Crusoe. Nach dem Test sah das schon gleich anders aus…

Aber zuerst einmal zu den Ingredienzen: Grüne Minze, Gras, Moschus, Estragon, Zedernholz.
Nu Green beginnt, Nomen est Omen, grün. Aber grün nicht in jener knallgrünen Ausprägung, sondern zurückhaltend-zart mit einer leichten und dezent scharfen Kräuterwürze. Der ganze Duft offenbart saubere, frische Noten, die wohl der Zeder geschuldet sind, und welche von einer schlecht zu beschreibenden, ozonig-wässrigen Frische begleitet werden. Präsent ist durchgängig eine minzige Süße, die den Duft bis in die Basis begleitet.

Meine Lagunen- oder Wasserfall-im-Regenwald-Assoziation greift nach Kenntnis des Duftes nicht. Und meines Erachtens nach ist auch das von der Firmenbeschreibung gewählte Bild nicht völlig zutreffend. Für mich riecht Nu Green nach einem dieser wunderschönen, gekonnt arrangierten Kräutergärten, die man ab und an in der Elle Decoration und ähnlichen Hochglanz-Einrichtungs- und Wohnblättchen zu sehen bekommt und wie ihn eine frühere Freundin tatsächlich auch hatte: Ein verwunschenes Kleinod mit von der Sonne verwöhnten Kräutern, einem kleinen uralten Brunnen, vielleicht von altem Gemäuer eingefaßt und an eine wild sprießende Wiese angrenzend, eventuell von ein paar Bäumen eingerahmt. Kein großer Garten, sondern ein kleiner Zaubergarten, ein Ruhepol, ein Rückzugsbereich. Uneinsehbar. Exakt jenen Garten fängt Nu Green ein, vom Morgentau noch leicht feucht – und läßt zum tiefen tiefen Durchatmen und Entspannen ein.

Claude Monet: Femme avec un parasol, 1875Bonté’s Bloom ist wohl der Schwester des Gründers gewidmet, Bonté, und ist „exclusively girl play”, „romantic chic” und inspiriert durch einen traumgleichen Sommerurlaub, lustig durch bunte blühende Wiesen springend im leichten Kleidchen und von einer warmen Brise umweht, Schmetterlinge, usw. … Kein wirklich innovatives Bild, der Duft ist trotzdem schön. Als Ingredienzen sind angegeben: Sonnenblume, Kamille, zitrische Noten, Salbeiblätter, Irisbutter.
Bonté’s Bloom ist ein frischer, leiser und unprätentiöser leichter Sommerbote, es treffen hier zitrische Frische auf kräuterig-herben Salbei, Iris „erdet” und stiftet darüber hinaus leichte Cremigkeit, des weiteren sind deutliche Kamillenoten wahrzunehmen. Letzteres wird sicher einige freuen, erinnere ich mich doch daran, daß in einigen Boards wiederholt die Frage nach einem Kamilleduft aufgeworfen wurde. Bonté’s Bloom erinnert mich diesmal wirklich an die Sommerwiese: Die wilde blühende Wiese mit vereinzelten Kräutern, Blumen, Gräsern und eben der Kamille – alles getaucht in Sonnenstrahlen und einen lauen Sommerwind.

Sowohl Bonté’s Bloom als auch Nu Green sind eher leisere Kandidaten, wobei Nu Green noch der präsentere von beiden ist. Ich habe auf (der) Haut unterschiedliche Erfahrungen gemacht, empfehle ergo auf jeden Fall im Hinblick auf die Haltbarkeit einen eigenen Test.

Die restlichen Rezensionen der anderen Düfte folgen diese Woche noch. Bis dahin wünsche ich Euch erstmal einen schönen Tag und sende Euch

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bild: Claude Monet: Femme avec un parasol, 1875

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