Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes,Holziges,Solifloral am 17.01.2012

Die Rezension von Herrn Zoltys À bientôt dieser Tage hat mich an ein lange gehegtes Versprechen erinnert, das ich heute endlich einlösen möchte: Ein wirklich Vergessener, lange Vergessener und absolut zu Unrecht vergessener Duft – extra für die liebe Christiane, Simone Cosac, Perle de Bianca. Ende 2010 hatte ich von Trama geschwärmt und verkündet, mich bald des anderen Cosac-Duftes anzunehmen, was bis heute noch nicht passiert ist, Asche auf mein Haupt. Dabei ist Perle de Bianca, dessen etwas tiffiges Outfit wohl einige abschrecken dürfte, jede Rezension wert! Wer einen madamigen Duft hinter diesem Flakon vermutet, ist vollkommen auf dem Holzweg: Perle de Bianca ist eigentlich ein sehr einfacher Duft und ähnelt ein bisschen der Slowfood-Bewegung. Die Ingredienzen sind überschaubar, sehr sogar – Neroli im Kopf, Iris, Jasmin und Brombeere im Herzen und eine Basis aus Ambra, Moschus und Weihrauch. Was sich wenig spektakulär anhört, entpuppt sich als zarter sinnlicher Duft: Im Auftakt zitrisch-herb und säuerlich bitzelnd durch die Früchtchen rieche ich in deren Zusammenspiel sogar kurz eine Stachelbeere und dezente grün-grasige Akzente. Der Fokus geht alsbald auf den Boden unter den Früchtchen – erdig-pudrig wurzelt Iris und stiftet Seidenweiche, während Jasmin zart vor sich hin knospt. Das Zusammenspiel von Iris und Jasmin sowie Brombeere und Bergamotte ist himmlisch und wird auf gekonnte Weise untermalt von aromatischer, brusterweiternder und fein-süßer Myrrhe, bis es auf einem warm-weichen Lager Ruhe findet. Ein erlesen schöner, leiser, femininer Duft.

Silvana Casoli von Il Profumo war einmal mehr überaus fleißig – und hat ihre Kollektion gleich um vier neue Düfte erweitert: Santal Rouge, Songe de Tulipe, Blanche Jacinthe und Fleur de Bambù erwecken den Eindruck, als künden sie vom nahenden Frühling – auf den ich, obgleich es noch nicht einmal wirklich verschneiter Winter war, mittlerweile schon wieder Lust hätte…

Santal Rouge überrascht mit zitrischen Noten im Kopf, die alsbald von Unterholz eingeholt werden: Samtiges Sandelholz bahnt sich seinen Weg, von zimtig-würzigen Anklängen samt einer Gewürznelke begleitet. Eine dezent-säuerliche Frucht vermag ich zu entdecken, Johannisbeere? Ein Blick auf die Ingredienzen sagt mir, dass das möglich wäre: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Rote Beeren, Sandelholz, Nelke; Basisnote: Rosenholz, Gewürznelke.

Santal Rouge entfaltet einen eigenartigen Reiz: Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich kein ausgeprägter Sandelholzfan bin? Es erinnert mich allzu oft an Herrenfriseure, Rasierwasser und ähnliches – nicht unangenehm, aber nicht unbedingt das, wonach es mich zu duften gelüstet. Santal Rouge haftet auch etwas dieses, ich nenne es mal „Altherrencharmes“ an, der sich aber als fast unumgänglich bei dieser Ingredienz entpuppt. Gepaart und aufgelockert zeigt sich das Hölzchen allerdings von den säuerlich-prickelnden Fruchtnoten von Beeren und Hesperiden. Diese generieren eine eigentümliche Frische, die Santal Rouge unbestritten zu einem zeitgemäßen Vertreter seiner Gattung machen, für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar.

Songe de Tulipe zaubert mir beim Aufsprühen sofort ein strahlendes Lächeln ins Gesicht – und lange habe ich überlegt, an was er mich erinnert… Der Tulpe ist er gewidmet, der Duft. Einen ebensolchen und sehr schönen Vertreter gibt es ja von Byredo – Casolis Tulpe ist aber anders: Weniger wässrig-transparent und ein bisschen… fruchtiger? Als Ingredienz ist nur die Tulpe angegeben, ich bin mir aber nahezu sicher, dass Songe de Tulipe auf meiner Haut nicht nur süß-floral duftet und feucht, sondern auch nach… Sorbet. Da ist sie, die Kindheitserinnerung an das kleine, pittoreske italienische Eiscafé. Der Duft von einem exzellenten zart-schmelzenden Beerensorbet, Himbeere oder Erdbeere, erobert meine Nase. Von sanfter Süße und mit einem Keks garniert zeigt sich Songe de Tulipe auf meiner Haut, alsbald eingeholt von einem Hauch minzig-süßer Frische. Welch schöner Frühlingsbegleiter – nach Coquelicot meine zweite Lieblings-Il-Profumo-Blume.

Blanche Jacinthe ist eine Hommage an die Wasserhyazinthe – und riecht dafür auch ganz typisch: Dieser besondere Blütenduft, der auf seine ihm genuine Art einen Großteil der Elemente miteinander verschmelzen lässt: Wasser, Erde und Luft finden sich, während auf das Feuer zugunsten des Metalls verzichtet wird. Eine beschwingte Blütensüße wird von dunkelgrün-chypriertem Blattwerk kontrastiert, während der Duft von einer sachte ambrierten Moschusbasis getragen wird.

Fleur de Bambù lässt mich sofort schmunzeln – der Bambusblüte gewidmet, vereint er etliche Zutaten, die man in einem solchen Duft vermuten würde: Rica Rica (ein Eisenkrautgewächs, vornehmlich in Südamerika beheimatet), Bambus, Seerose, Lotosblüte, Reis, Milch und Efeu. Jene für die verwendeten Blüten so typische wässsrig-florale Aura lässt sich sofort entdecken, von fein-transparenter Süße begleitet. Grüne Anklänge, hinter denen ich sogar meine, zeitweise eine überaus unreife Banane oder vielmehr deren Blätter wahrzunehmen. Und Reis, vielmehr – Milchreis, der irgendwo am Rande dieser Impression körnt und cremt, von sanft-koketter Süße begleitet. Aber keine Angst – genügend Sauberkeit findet sich hier natürlich auch, wie es sich für einen Bambusduft gehört. Für Freunde dieser Sorte Düfte empfiehlt sich mit Sicherheit ein Test.

Wie bei Il Profumo üblich sind die Düfte zum Layern empfohlen. Wie steht Ihr eigentlich dazu? Il Profumo ist ja nicht die einzige Firma, die diesem Konzept frönt, Jo Malone und Etro sind ebenfalls bekannt dafür, um nur einige zu nennen… Layert Ihr gerne? Layert Ihr viel? Was layert Ihr – Düfte, die speziell dafür gedacht sind oder alles kreuz und quer? Und – was für Kombinationen haben es Euch angetan?

Gespannte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gelbe Tulpen von Warburg, August Macke (1911): Hyazinthen, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Wenn Herr Tauer von Lavendel träumt

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Grünes,Krautiges am 5.12.2011

Britannica LavenderUnd schon geht es weiter mit der Lavendelserie… übrigens habe ich gar nicht mehr so viele Düfte „auf Halde“, wenn Ihr also Vorschläge für Lavendeldüfte habt, die ich hier unbedingt einmal vorstellen sollte, dann nur heraus damit. Heute habe ich einen Duft auf dem Tisch, der, wie eine kurze Recherche zeigt, durchaus polarisiert. Die einen kommen mit den üblichen Vorurteilen von wegen Omas Schrank um die Ecke, die anderen sehen in ihm einen spannenden dunkel-grünen Duft: „Rêverie au jardin“ von Andy Tauer.

Ein Blick auf die Duftnoten lässt eine interessante Mischung erwarten:
Kopfnote: Lavendel, Galbanum, Bergamotte, Tannenbalsam, Rose; Herznote: Weihrauch, Ambrettesamen, Iris; Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Eichenmoos, Ambra, Sandelholz, Zedernholz

Unter den meisten Duftnoten kann ich mir etwas vorstellen – Galbanum gehört nicht dazu: Mein schlaues Buch verrät, dass es sich bei Galbanum um ein Gummiharz aus Steckenkraut-Arten aus dem Iran handelt, aus dem man wiederum per Wasserdampf-Destillation ein ätherisches Öl gewinnt. Dieses Öl soll grüne, waldige und balsamische Noten haben. Ich bin gespannt, ob ich es gleich entdecken kann.

Auf dem Duftstreifen ist der Lavendel sogleich präsent, aber auch eine frisch-würzige Komponente, die ich dem Tannenbalsam und auch ein wenig dem Galbanum zuschreiben möchte. In dieser Kombination ist das natürlich ein Kracher. Der ohnehin schon würzig-herbe Lavendel wird nun auch noch von einem Kiefernnadel-Tannenharz-Bergamotte-Verbund aufgerüstet, was selbst den Teststreifen zu einer äußerst intensiven Aromabombe macht.

Nach dem Aufsprühen auf die Haut bin ich überrascht, denn ich bin es mittlerweile gewohnt, dass sich die Kopfnoten eins zu eins wie auf dem Streifen wiederholen. In diesem Fall überhaupt nicht. Natürlich ist der Lavendel mit seinen Nadelholz-Kompagnons anwesend, aber der Rest vom Fest ganz deutlich auch. Die harzig-balsamischen Noten kommen klarer zum Tragen – ich denke das Galbanum kommt besser heraus und verbündet sich mit dem moschusartigen und blumigen Öl der Ambrettesamen sowie der Rose und dem Weihrauch. Was auf dem Duftstreifen intensiv krautig, harzig und frisch war, erweist sich auf der Haut im Verhältnis als insgesamt süßer mit einem blumigen Akzent, und was ich besonders ungewöhnlich finde ist, dass die Basis eigentlich kaum in Erscheinung tritt.

Ruined Wall, Coate Moor - geograph.org.uk - 1004031

Bei Traum und Garten hätte ich einen leichten, sommerlichen Blütenduft erwartet, aber das ist eine ganz falsche Fährte. Ich möchte überhaupt niemandem auf den Schlips treten, deswegen schreibe ich dies ausschließlich als meine Privatmeinung. „Rêverie au jardin“ ist eine ungewöhnliche Kreation, die den Mut hat, neue Wege zu gehen. Allein dafür schon großen Respekt. Meiner Meinung nach harmoniert die Komposition aber nicht optimal, zumindest nicht auf meiner Haut. Als Störfaktor würde ich das Tannenbalsam oder eben diese Nadelholzaspekte ausmachen, welche die Harmonie des Duftes unterlaufen. Auch nach längerer Zeit auf der Haut mag dieser Eindruck nicht schwinden und darüber hinaus geht der Lavendel leider auch unter.

Ich sehe hier keinen Garten, eher ein Waldrand, an dem einige Büsche blühen, eine verwunschene Lichtung, die nach geschlagenem Holz duftet und in ein dunkles Grün getaucht ist.

Deep-in-the-forest

Aber auch wenn der Duft meinen Geschmack nicht ganz trifft, bin ich beeindruckt von der unkonventionellen Vorgehensweise und kann allen Freunden extravaganter Düfte eine Probe dringend empfehlen. Ich denke, das ist ein Duft, der die Geister scheidet, aber wenn sich einer der Geister einmal dafür „be-geistert“ hat, ist es um ihn geschehen. Für jedes weitere Geister-Wortspiel lege ich fünf Euro ins Phrasenschwein, aber um diesem Spuk zu entgehen (Mist!), verabschiede ich mich lieber und bitte um reges Kommentieren, da ich sehr gespannt auf Eure Meinung bin.

Es grüßt aus dem dunklen Tann
Harmen

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Aus der Welt der Träume…

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes am 20.10.2011

geht es jetzt hinüber in die Realität: James Heeleys dritter und letzter Duft seiner neuen Extrait-Reihe steht heute an: L’Amandière, was eine weibliche Form eines Mandelbaumes sein müsste (Restfranzösisch, Hilfe?!), ist dessen Name und kreiert hat ihn Heeley für seine Freundin:

„Es ist ein Portrait des Frühlings – blühende Mandelbäume, Glockenblume, Hyazinthen, Rosen, grünes Gras und ein Hauch von Lindenblüten in der Luft…“

Und wie entstand der Duft?

„Ich habe versucht, einige Düfte, die meine Freundin besonders gerne mag, mit einfließen zu lassen und dementsprechend abzuwandeln. Wenn Bubblegum Chic meine Fantasie ist, so ist dies also meine Realität!“

Nun bin ich ja sehr gespannt, wie weit hier Traum und Wahrheit auseinander klaffen, die Stichworte zu L’Amandière sind schon einmal komplett different:

„Klar. Freude. Luft. Blüte. Wachstum. Obstgarten. Mandeln. Morgen. Grün. Gras. Himmel. Tau. Maiblumen. Glockenblumen. Bäume. Schön. Wild. Hyazinthen. Nacht. Jasmin. Vertrauen. Licht. Tag. Liebe.“

Nacht? Kann mir wer verraten, was hier die Nacht macht? Ich muss jetzt den Duft schnuppern, der im übrigen aus grüner Mandel, Hyazinthe, Jasmin und Rose zu bestehen scheint.

Frisch aufgesprüht rieche ich davon erstmal – gar nichts. Denn mir strömt anderes entgegen: Der Duft von trockenem Gras, von feinstem Kräuterheu, von der Sonne gewärmt und von honigsüß duftenden Blüten durchzogen. Lindenblüten, deren Duft von fern herüberweht. Und Gras, frisches Gras. Sowie, omnipräsent und wunderschön – Hyazinthe. Betörend wässrig-aquatisch und milchig-fleischig zugleich lässt sie hinter sich noch anderes Blütenwerk vermuten, welches für mich – blau blüht. An dieser Stelle möge man die Nase schärfen und nochmals tief einatmen – und siehe da, man wird der Mandel gewahr, die einem anmutigen grünen Marzipanschleier gleicht und die Protagonisten umhüllt, sich wie eine Aura um sie legt, wohlig-weiche Assoziationen evozierend.

Woher die Nacht da oben kommt weiß ich immer noch nicht und wild ist hier auch nichts, dafür glaube ich, dass Herr Heeley ganz schön glücklich ist. Und ganz ohne Kenntnis der Personen vermag ich wie mir scheint auch zu verstehen, was hier mit Vertrauen gemeint ist. L’Amandière ist eine tolle Liebeserklärung: Ein unaufgeregter Duft, unprätentiös, aber tief – vertraut, voller wohliger Wärme und Sonne, auf seine Art strahlend, blühend und im stetigen Wachstum inbegriffen. Ein verheißungsvoller langer Frühling, bildschön und authentisch.

Diese Mandel, das könnt Ihr mir glauben, darf definitiv auch von denjenigen getestet werden, die sonst kein Herz für Mandelaromen haben – ich bin mir sicher, dass L’Amandière auch deren Gemüter bezaubern wird!

Verzückte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Almond Blossom von Irenels, Flowered Almond von Xesko82/Francesco Toldrà, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Six Scents Series 3 – die Dritte.

Geschrieben in Duft,Grünes,Holziges,Reines und Pudriges am 6.10.2011

Halbzeit – drei Düfte haben wir schon besprochen, drei Düfte folgen noch aus der Six Scents Series 3. Flott geht es weiter – mit Duft Vier: Ascent heißt er und wurde geschaffen von Rad Hourani und Christophe Raynaud.

Rad Hourani, das erwähnte ich schon einmal, sieht für meine Augen aus wie eine futuristische (und, pardon, jüngere) Version von Karl Lagerfeld – und macht avantgardistische Mode, die stark an Rick Owens erinnert mit einem japanisch-belgischen Einschlag, passt demnach perfekt in die Riege der Six Scents-Designer.

Raynaud wollte mit Ascent Houranis Idee des „Cycle of Life“ einfangen, die er dessen Werken zugrunde gelegt sieht – From Ashes to Ashes, wie bei David Bowie. Deshalb ist in diesem ambivalenten Duft auch alles drin, vom Babypuder bis hin zum Weihrauch:

„I was inspired by Rad’s vision of the cycle of life, going from birth to death, from ashes to ashes, as in David Bowie’s song. Origin of life is expressed by a fresh accord, green and watery, like a drop of sperm. Childhood is evoked by baby powder, it’s a musky and powdery scent. Midlife is expressed by a leathery note, comfortable yet strong like a leather jacket. Then the end of life is symbolised by incense, not a morbid, but a liturgic odor, evoking the ambiance of the churches. The results is a contrasting fragrance, luminous yet dark, shiny and mate, like Rad’s fashion.” Christophe Raynaud.

Babypuder und Weihrauch? Luzidität und dunkles Strahlen? Alles in einem Duft? Ja, definitiv. Ein fruchtig-mehliges Birnchen im Auftakt leitet über, kopfüber in die Weißwäsche, die vor Frische nur so strotzt. Ein bisschen wie ein Medium komme ich mir vor oder ein Rauschgoldengelchen, wie ich mit platinblond-silberleuchtendem Haar dem was auch immer entsteige, in reinweiße Gewänder gehüllt… Gecremt, gesalbt, gepudert mit einer seidengleichen Haut fühle ich mich rein. Und doch, von irgendwo her weht sie herüber, hat sie mich doch wieder erwischt – die Endlichkeit, die omnipräsente Vergänglichkeit. Wollrauchig Grau zeigt er sich, der Weihrauch, und kitzelt Reflexionen hervor, Kontraste heraus, ein bisschen nur, gerade genug, um melancholisch zu stimmen.

Eigentlich nicht meins, aber eigentlich nicht so falsch – und erst recht interessant, wenn man sich die Klamotten dazu ansieht, die ziemlich genau meiner Kragenweite entsprechen. Bin gespannt, ob Ascent einige derjenigen erreichen wird, die wie ich ansonsten keine ausgesprochenen Clean-Fans sind, aber immer mal wieder einen Versuch wagen. Der Weihrauch hat was, meine Haut zaubert ihn immer wieder schillernd hervor – in diesem Kontext wirklich interessant meine Lieben! Grünes Blattwerk vermag ich im übrigen absolut nicht zu entdecken, auch Wasser oder aquatische Anklänge sehe ich hier nicht. Die Sauberkeit allein, die mag ein wenig wässrig erscheinen, ja.

Zur Nummer 5, genannt #087, zitiere ich mich einmal selbst:

Die Nummer 5 ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Daisuke Obana, dem Designer des japanischen Kultherrenlabels N. Hoolywood [sic!], das sich gerne mal von den 20er, 30er Jahren inspirieren lässt und Stephen Nilsen. Nilsen sah sich bemüht, eine bestimmte Momentaufnahme im Leben Obanas festzuhalten: Als dieser vor circa dreißig Jahren aus Japan kommend auf dem Flughafen in Los Angeles landete. Eine Prise der Gerüche beider Länder, ein bisschen Motoröl in Erinnerung an des Vaters Auto, salzige Anklänge, die an das Meer erinnern, Hölzer und einiges mehr sind an Ingredienzen geboten, wie man lesen kann:

„For Daisuke’s fragrance, I wanted to capture a quintessential moment from his life that had made an impression on him – an olfactive snapshot that defines who he is. When we first spoke, he wanted a fragrance to recreate the feeling of arriving in Los Angeles airport from Japan 30 years ago. And as I got to know him, I found that the moment was actually a culmination of memories from his past – a contrasting combination of elements from nature and childhood: the smell of engine oil in his father’s car; getting off at the Kugenuma Beach train station and inhaling the saltiness of the ocean; the mysterious scent of Kurobe dam releasing water on a cloudy, snowy day; and the clean, relaxing feeling of grooming and bathing captured through the scent of the hiba tree, hinoki wood, cypress, nutmeg and rosemary. As we worked together on the fragrance, I also found that woody notes resonated positively with his current state of mind, so I faceted the base notes with sandalwood and fir balsam for an olfactive echo between his past and present.“ Stephen Nilsen.

Mich erinnert #087 sehr positiv an zwei verschiedene Düfte oder auch Duftrichtungen: Einerseits an jene grünen von Zypresse und/oder auch deren japanische Verwandte Hinoki besiedelten Düfte wie zum Beispiel The Spirit of Wood aus der ersten Six Scents Serie, in dem sich beide fanden oder auch Comme des Garçons Monocle Scent One: Hinoki. Und andererseits an einen alten skurrilen Liebling von mir – Nostalgia von Santa Maria Novella.

Solltet Ihr die Gelegenheit haben letzteren einmal zu testen – lass sie nicht verstreichen! Nostalgia ist einem Autorennen gewidmet und riecht nach der perfekten Begleitung für die Mille Miglia, jene bekannteste Oldtimer-Rallye der Welt: Das Reifengummi mitsamt seinen Verschleißspuren, lederbezogene Sitze, ein Klecks Motoröl und nicht zuletzt auch die schöne mediterrane Landschaft Italiens, durch die sich die Strecke schlängelt. Ein paar zitrische Spritzer und knarzige Hesperidenbäume, unter denen sich hervorragend ein Zigarettenpäuschen einlegen lässt in der Wärme der frühsommerlichen Sonne.

In #087 finden beide Welten zusammen: Frisch und grün ist es hier, aber nicht grasig, sondern deutlich nach Koniferen duftend. Zypresse und Rosmarin treten deutlich zutage in holzig-harziger Pracht, kontrastiert von – Salzwasser und, ja, tatsächlich, an Motoröl und kühles Leder erinnernde Noten. Sehr interessant, sehr tragbar und sehr schön, wie ich finde.

Einen schönen Tag Euch noch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Graffiti of angels in Nizhny Novgorod von Андрей Романенко, Japanese Yew Trees von komekue, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Six Scents Series 3 in unserem Shop.

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Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes,Krautiges am 4.10.2011

Endlich! … werden einige von Euch denken – Christiane? ;) Lange hatte ich sie schon angekündigt und meiner Ankündigung bisher keine Taten, vielmehr Rezensionen folgen lassen. Damit ist ab heute Schluss – diese Woche steht ganz im Sinne der neuen und somit dritten Serie von Six Scents.

Six Scents, wer war das noch einmal? Wie immer eine Kooperation – zwischen Grafikdesignern, einem Aromastoffhersteller, Designern und Parfumeuren. Kreativität und Kultur – und das zu einem guten Zweck. Sechs Designer und sechs Parfumeure schaffen sechs Düfte – und spenden.

Das diesjährige Motto ist „Innocence to Experience“:

„Six Scents Series Three is an exploration into the nature of childhood memories and the influence of adolescence on identity. Six designers from six different parts of the world have been invited to remember the most definitive experiences of their youth that led to their sense of identity today and to recall some of their most intimate childhood memories involving the sense of smell. Exploring the stories from one through six, innocence begins to fade and rebellion, reality and mischief kick in. In addition, a group of contemporary artists have been invited to interpret the progression from innocence to experience through film. A portion of the proceeds will go to War Child International (warchild.ca) in support of children who have not had the good fortune to experience the same freedom of childhood and adolescence.“

Der Einfluss der Jugend auf die Identität – eine schöne Idee. Und die Spenden gehen an Kinder der kanadischen Organisation War Child International, die Kriegsopfern hilft, Kindern, die keine solch heilen Kindheitserinnerungen sammeln konnten wie die Kreativlinge. Deren Ideen gehen natürlich weit über die Düfte hinaus – das Packaging der Series 3 ist einfach atemberaubend: Außer limitierten nummerierten Flakons ist jede Schachtel mit einem von Robert Knoke entworfenen Porträt derjenigen verziert, die ihn geschaffen haben. Darüber hinaus liegt jedem Duft eine DVD mit folgenden Kurzfilmen bei: Le Viol de La Meduse von Alia Raza, Dom, 13. Savannah, 16’ von Lucas Michael, Boobs & Flowers von Olaf Breuning, Untitled, 2010 von Sue de Beer, A little wonder von Rainer Judd, Transition von Tim Richardson, First Kiss von Iain Forsyth & Jane Pollard, Pretty Wise von Heather Sommerfield, Deflowering Lily von James Widgren, Gary Gunn & Kaya Sorhaindo (ein Teil davon lässt sich auf deren Webseite ansehen) und Making Scents of Memories – die Six Scents: Series Three-Dokumentation, die man hier vorab schon bewundern kann:

Ein Projekt, dass es mir sehr angetan hat – unter einem immer ansprechenden Motto versammeln sich vielversprechende Nachwuchskünstler aus der Haute Couture und dem Parfummarkt und schaffen etwas zusammen. Dabei kam bisher nur Tolles heraus, ich bin ein echter Fan der beiden letzten Serien, schauen wir, was dieses so mit sich bringt.

Und beginnen heute mit No. 1, Beau Bow von Alexis Mabille und Rodrigo Flores-Roux.

„It was a fantastic experience to be immersed in Alexis’ world. His impeccable taste, his enormous knowledge of the history of art, fashion and design, and a deep love for garden flowers „that are somewhat vintage or out of fashion“ provided a lot of fun and inspiration. Alexis wanted his fragrance to be very chic, very bourgeois, quintessentially French. Both of us share a nostalgic memory of the ideal image of France in the 1970’s, elegantly modern, but strangely, still romantic, a bit hazy, like a David Hamilton photograph. I picture Alexis as a kid, with his cat as inseparable sidekick, already thinking about the bow laden dresses of his brilliant future. A sweet boy with a conviction… just like the fragrance structure we chose to develop. We re-imagined the fresh and elegant “Eau Fraiche” structure so popular in France in the 70’s, and gave it a jolt… and a twist… Our result: the crisply fragrant image of a very chic and cultured French teenager who enjoys his quirks and is eager to discover the world, making love to it for the first time and breathing it all in.“ – Rodrigo Flores-Roux.

Ein nostalgischer Duft, einer Hamilton-Fotografie gleich, typisch französisch, elegant und schick – wie die Kleider des Herrn Mabille, eingefangen in einem Eau Fraîche unter Zuhilfenahme von so vielen Zutaten, dass ich sie unmöglich alle hier listen kann – oder doch: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte, Orange, Lavendel, Basilikum, Minze, Veilchenblätter, Galbanum; Herznote: Jasmin, Magnolia, Rose, Alpenveilchen, Geißblatt; Basisnote: Chypre-Akzent, Vetiver, Moos, Iris und Kephalis, eine von Givaudan kreierte Note („Kephalis is a very versatile and rich product, used as a long lasting heart/basic note. It blends well with floral notes – jasmine, rose, violet, lavender, etc. – as well as sophisticated amber, woody-aldehydic, tobacco and masculine creations.“).

Wenn ich mir so Mabilles Kleiderkreationen bei Google vor Augen führe – ihn kannte ich nämlich in der Tat noch nicht – dann passt der Duft ganz schön gut. Ich fühle mich erinnert – an Françoise Sagan, an Bonjour Tristesse und ihre anderen Werke, Frauenliteratur, ja. Aber nett, französisch, melancholisch, ein bisschen kitschig. Und immer voll von jenen gut angezogenen Frauenfiguren, die durch irgendwas, meist – irgendwen ins Leid gestürzt werden. Aber ich schweife ab ;)

Sehr nett, sehr frühlingshaft, zitrische Prickelei in der Kopfnote und ozonige Anklänge, sanfter Hauch Kräuter, frische minzige Anklänge und zarte Blüten. Vor allem Geißblatt zeigt sich präsent und naturaliter sehr heiter – erinnert ein wenig an Annick Goutals leichtere Kreationen. Sauber ist es, das Düftchen, und wie eine Frühlingsbrise, dabei aber keineswegs unnatürlich-artifiziell wie manch amerikanischer Sauberduft. Jugendliche Leichtigkeit des Seins in adretter Verpackung.

Damit fängt die dritte Serie ja schon mal ziemlich gut an – mal schauen wie es weiter geht dieser Tage…

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Six Scents Series 3, Claude Monet (1886): Essai de figure en plein-air: Femme à l’ombrelle tournée vers la gauche, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duft im Blut – Blood Concept.

Im Laufe der Zeit laufen einem ja jede Menge schräger und ausgefallener Duftkonzepte über den Weg: Petite Mort – Parfum d’une Femme von Marc Atlan, der Duft der weiblichen Lust oder so ähnlich sowie Etat Libre d’Oranges männliches Pendant Sécrétions Magnifiques, dann natürlich Madame Kawakubos (mal mehr, mal weniger) verrückte Duftausflüge mit ihren ganzen Serien für Comme des Garçons, Geza Schöns Projekte wie Escentric Molecules, Elternhaus, The Beautiful Mind oder Boudicca sowie auch die Düfte von Christophe Laudamiel, gerne mal zusammen mit Christoph Hornetz geschaffen (Les Christoph’s) – Kiki Smith, der Duft nach Pflanzensex als Hommage an die bereits verstorbene Gegenwartskünstlerin, Humiecki & Graefs Kollektion der Uremotionen und viele mehr.

Blood Concept erweitert dieses bunt-fröhliche Raritätensammelsurium um eine weitere Kollektion: Vier Düfte – 0, A, B, AB -, nach den Blutgruppen benannt. Reduziert, mysteriös und konzeptuell, die Evolution des Menschen im Blick und dessen Individualität:

„Filled with legends and meanings, blood is soaked with mystery‚ fascination and respect. it’s the most tested and studied part of human body and it guards a multitude of secrets that reveals our inner and unique way of being. BLOOD CONCEPT is a private celebration of the vivid and fascinating liquid that flows in our veins. Because blood is actually the river of life.

A, B, AB and 0, retrace the evolution of manhood through time and its record of information, history and mutation, so well kept in the vital flushing of blood. BLOOD CONCEPT is a mystic ritual with no flowers to be found: deep as primeval Africa in 0‚ aromatic as the scent of familiar land in A, bold as unpredictable itineraries in B, bold and sharp as a metropolitan skyline in AB.

Ending each time with the same subtle and mysterious note: a metallic vague suspicion.“

Hinter diesem Konzept steckt Antonio Zuddas, seines Zeichens Fotograf und Werbetexter, sowie Giovanni Castelli, Modedesigner.

„Let it flow“ – in diesem Sinne, lassen wir es bluten!

0 – Type: Unisex; System: Visceral and intense. From the depths of the earth. Carnal and primitive.“

Dampfig, ledrig, erdig und süß zeigt sich 0, ein bisschen wie regennasse Erde nach einem Sommergewitter. Eine verstohlene Fruchtigkeit drängt sich mir auf, beerig vielleicht? Und Moose satt, warm, weich und nass. Mich erinnert unsere Blutgruppe hier sehr an Tom Fords Tuscan Leather und Mark Birleys Charles Street, letzterer natürlich exklusive des Kaffees.

A – Type: Unisex; System: Green and aromatic. A symbiotic relationship with nature. Reassuring and clean.“

Neongrün duftet es mir entgegen: Bittere Halme, Gräser, Blätter, zerstoßen und zerdrückt, saftig. Zitrische Lauge überschwemmt meine Nase, während eine eigenartig seifige Süße für seltsam saubere Akzente sorgt. Natürlich? Mmhhh… nein. Eher ein grell-farbenfroh-übertriebenes La Chappelle-Bild von einer viel zu grünen Wiese. Für mich eindeutig nichts, sorry.

B – Type: Unisex; System: Woody and spicy. A brave traveller keen to discover the unknown. Nomadic and ecletic.“

B zeigt sich wie alle anderen Düfte unserer Blutgruppen sehr konzentriert – und das als Mann-Mann. Ein Latino-Macho ist es, aber durchaus einer, den man gleich nehmen würde – vielleicht ein Banderas oder ein Bardem? Sehr holzig, sehr würzig, sehr warm, sehr markant und, ja, süß ist er, der Duft – Hölzer satt, vielleicht ein bisschen Sandelholz, ambriert könnte er sein und auf jeden Fall mit ordentlich Moschus in der Basis. Darüber eventuell ein liköriger Schluck? Für mich geht er anfänglich ein bisschen in Richtung Lubins Idole, dieser Eindruck verflüchtig sich aber alsbald. Auch meine ich just in der flüchtigen Kopfnote Kamille wahrzunehmen – kann mir wer folgen? Und so männlich-kantig er ist, der Duft – an einer Frau wirkt er ganz bestimmt hervorragend, ich verspreche es.

AB – Type: Unisex; System: Synthetic and individualist. A loner chemist stumbling upon unavoidable changes. Unhibited and visionary.“

Bei Chemie, die unvorhersehbare Verbindungen eingeht und dem Wechsel unterliegt muss ich an meine Lieblingsserie Breaking Bad denken über jenen krebskranken Chemielehrer Walt, der seiner Familie etwas Geld hinterlassen möchte und deshalb anfängt Drogen zu kochen. Riecht es so bei Walt im Hightechlabor? Wo riecht es so? In einer Reinigung, vielleicht auch der, die sich über Walts geheimem Arbeitsplatz befindet. Einer Großreinigung voller metallischer Geräte. Dichte süßliche Dämpfe, die eine komische Trockenheit ausstrahlen. Und aufdringlich nach WEIß riechen, nach Reinheit, Sauberkeit, vermeintlich verheißungsvoll. Was anfänglich noch fruchtig-aldehydig begleitet wurde, irgendwo, driftet allmählich ins Frische, frisch Gewaschene ab, strahlt, wie die Wäsche in jener Reinigung, von metallischem Glanz veredelt.

Blood Concept zeigen sich wie zu erwarten war sehr – konzeptionell. Wer sich mit derlei Duftprojekten schwer tut wird auch an dieser Reihe hier keine Freude finden.

Habt Ihr schon getestet – mit welchen Ergebnissen, Eindrücken, Gefühlen?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Blood Concept, Grass von rpichler, At the saloon von ollinger/Oliver Brandt,  some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Schöne und das Biest: Sécrétions Magnifiques
Lange gedrückt…


Die Vergessenen: Bond No. 9 – Die Oudparade im Grünen oder so ähnlich.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges,Grünes am 21.09.2011

Einmal wieder habe ich für Euch in der Vergessenen-Schublade gekramt und noch einiges gefunden, dass ich Euch nicht vorenthalten mag: Von Bond No. 9 alleine harren noch drei Düfte der Besprechung – Madison Square Park, High Line und New York Oud, und weils so schön ist nehm ich den ersten Oudduft namens Signature Perfume noch gleich mit hinzu. Beginnen werde ich heute mit den Grünanlagen des Big Apple.

Madison Square Park ist, ich darf mich zitieren:

„Kurz zusammengefasst: Der Park namens Madison Square Park war und ist ein Place-to-be, in ihm saßen Schriftsteller und holten sich Inspirationen, wenn sie nicht gleich Klassiker der Weltliteratur dort verfassten, er ist eingerahmt von tollen Restaurants berühmten Hotels und so weiter. Das alles hat man in ein Parfum gepackt, das eine Mélange aus romantischen Blüten und frischen grünen Noten. Im Auftakt frühlingshaft mit Traubenhyazinthe, Heidelbeere und Präriegräsern wartet der Duft im Herzen mit Tulpen und Rosen auf, die auf einer Basis von dunklem Teakholz und Vetiver ruhen. Der Parfumeur des Duftes ist ein alter Bekannter – Laurent Le Guernec. Und, ich muss es dazu sagen – ich bin zwar absolut kein Flakonsammler, aber dieses knallige Pink finde ich schon ziemlich cool ;)“

Traubig-wässrig präsentiert sich der Duft im Auftakt auch und ich frage mich, ob die Traubenhyazinthe selbst auch im Original fruchtige Gerüche verströmt, vielleicht allerdings ist auch nur meine Nase des Wahnsinns fette Beute, denn anstatt der Heidelbeeren, der schönen züchtigen offeriert sie mir – Nektarine, Pfirsich? Zumindest strahlen mich dieses aus einem beruhigend rosig-tulpigen Bett heraus an – liege ich, liegen wir doch nicht so falsch… Tulpen, ähnlich wässrig-süß umgesetzt wie in Byredos schönem transparenten Tulipe, und minzig-frische Rose, hell und luzide leuchtend in den schönsten Pink- und Rosatönen. Das Teakholz erblasst vor dieser poppigen Schönheit und hält sich ganz Gentleman im Hintergrund, während Vetiver grasgrüne Effekte zaubert.

Ein locker-leichter Frühlingsduft, heiter, beschwingt, dynamisch – in solch einem Park lässt sich’s leben, lässt sich’s leicht arbeiten, schreiben, kreativ sein. Der Duft dazu tut sein Übriges – und ist somit hervorragend dazu geeignet, tagsüber den Frühling mit ins Geschäft zu nehmen, und mit Blühendem für frischen Wind zu sorgen.

Hinter High Line verbirgt sich ein wunderschönes Projekt, von dem ich schon einmal erzählt hatte:

„Die Geschichte hinter High Line ist durchaus bemerkenswert, ist der Duft doch der erste, der einer Bahnstrecke gewidmet ist, allerdings einer sehr besonderen: Die High Line erstreckt sich inmitten des Manhattaner Westens und wurde ursprünglich in den 30er Jahren erbaut, um den Schienenverkehr umzuleiten. Eine Hochbahntrasse, die nun, da sie keiner mehr braucht, innerstädtisch umgenutzt wird: Nach Vorgaben des bekannten dänischen Landschaftsarchitekten und -designers Piet Odouls entsteht ein Park für die Öffentlichkeit. Urbane Tristesse ade, back to Nature ahoi oder so ähnlich. Eine schöne Idee und ein tolles Projekt, dass Bond No. 9 Gründerin Laurice Rahme gerne unterstützen möchte: Sie kreierte den Duft High Line zusammen mit Laurent Le Guernec von IFF, der den Duft als „fun floral in a very modern, industrial way” bezeichnet, ergo einen fröhlichen Floralen in sehr moderner Umsetzung. Die Ingredienzen sind an die im Park vorfindlichen Pflanzen angelehnt: Bergamotte, Purpur-Liebesgras (ja, heißt wirklich so…), Traubenhyazinthe, Rhabarber, Rose, Tulpe, Orangenblüte, ozonische Noten, Aldehyde. Rahme ist dem Verein der Freunde der High Line beigetreten und spendet 4% der Einnahmen aus den High-Line-Verkäufen zur weiteren Begrünung des noch nicht fertiggestellten Parks. Wer sich das Projekt mal ansehen mag und in nächster Zeit nicht nach New York kommt klicke bitte hier.“

Fun-Floral gefällt mir als Bezeichnung irgendwie gut für einen Ami-Duft, obgleich ich diese eher als geeignet für Madison Square Park ansehen würde, vielleicht wegen der Pfirsichfruchtigkeit, die ich dort herausrieche. High Line ist vielmehr modern, ein sauberer, ozonig-luftiger Duft für den smarten jungen Großstädter, und meines Erachtens nach typisch amerikanisch: Dezent grün, subtil fruchtig und verhalten floral mit ein paar Hesperidensprenklern und, wenn ich mich arg anstrenge, auch mit ein paar Fasern fruchtiger Rhabarberherbheit, die im Duftverlauf sogar an Prägnanz gewinnen. Trotzdem ich Rhabarber sehr mag und trotzdem der Duft an und für sich nicht schlecht ist – mir fehlt hier leider ein bisschen das Profil, vielleicht auch die Kanten. Ein frühlingsfrischer Immergeher, ja. Und nett ist er auch – er tut auch nicht weh. Aber vielleicht ist auch genau das das Problem – oder ich habe einfach einen schlechten Tag, wir werden sehen…

In jedem Fall wünsche ich Euch einen schönen Resttag und sende Euch liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Flatiron Building over Madison Square Park von Daryl Samuel, The High Line in Manhattan, New York City at West 20th Street, looking downtown (south) von Beyond my Ken, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Bond No. 9 in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Vergessenen: Bond No. 9 die Zweite – Oudparade.
Duftverzeichnis
Die Neuigkeiten 2011…


Reisen mit Molton Brown die Dritte.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Grünes,Holziges am 19.09.2011

Heute findet die Navigation Through Scent-Kollektion ihren Abschluss – und wir reisen dafür wie versprochen gedanklich nach Europa und nach Amerika.

„Grün-aromatisch“ soll er sein, der Duft, der Kent gewidmet ist und den Namen Apuldre trägt:

„Twilight on a summer’s day, in the garden of England. Picnic blankets on fresh cut grass. Fizz and gin. Irreverent. Cheeky. A bit mad.“

Picknick mit Gin? Ich wusste ja schon immer, dass die Engländer ein bisschen durchgeknallt sind, aber nachmittags Schnaps? Nun gut, warum auch nicht – zumal ginähnliche Ingredienzen bisher in Düften sehr vorbildlich in Erscheinung traten, ich erinnere nur mal an Lubins Gin Fizz. Leider ist mir der en détail nicht mehr präsent, auf einen direkten Vergleich müsst Ihr an dieser Stelle deshalb verzichten. Macht aber nichts, mir fällt trotzdem einiges zu Apuldre ein: Lächeln muss ich, als ich ihn aufsprühe – denn die Gin-Assoziation drängt sich in der Tat gleich auf, springen einem doch sofort Wacholderbeeren übermütig in die Nase, von bitter-grünem Wermut begleitet. Jene typische eigentümliche Fruchtigkeit des Wacholders lässt mich in Kombination mit dem Blattgrün, welches ich nicht treffsicher als Veilchenblätter auszumachen vermag, an grüne Äpfel denken. Vielleicht liegt es am Namen – Apuldre heißt nämlich Apfelbaum, aber bei so einem Picknick hat man ja auch fast immer Äpfel dabei, wenn man nicht gleich unter einem ebensolchen Baum kampiert und die Früchte frei Haus auf den Teller geworfen bekommt. Im weiteren Duftverlauf wird durch die gestrenge Zeder das Holz und die Borke desjenigen Baumes betont, unter dem die Picknicker Schatten suchen. Leder stiftet in der Basis Kühle, während Styraxharz die Rauchigkeit der Wacholderbeeren und des Holzes aufgreifend den Duft gekonnt abrundet.

Ein smaragdgrün-rauchiger Edelstein ist Apuldre und hat es mit seiner Besonderheit verdient, leidenschaftliche Liebhaber zu finden.

Ein solcher bin ich auch – und zwar von Rogart, dem fünften und letzten Duft der Kollektion. Wie gerne einmal, komme ich zu meinem Liebling am Schluss: Rogart ist ein Kanadier und der freien Wildnis gewidmet, den Nächten in kleinen „Cabins“, jenen mickrigen Häuschen draußen im Nirgendwo, Lagerfeuern unterm Sternenhimmel und derlei Dingen, die ja Abenteurer tun – denn Abenteuer steckt drin im Duft, das verrät uns Molton Brown.

Abenteuerlich ist auch, was Rogart da auf meiner Haut veranstaltet: Frisch aufgesprüht braust mir Wacholderfruchtigkeit entgegen, von bitteren, dunkelgrünen Koniferennadeln begleitet, auf dem Fuße gefolgt von deren Träger – sattem, harzigem Holz, frisch angeschnitten. Unverhofft kommt in Folge oft – Rogart fängt auf meiner Haut zu springen an: Das Holz wirkt süßer und süßer, als hätte man es mit Karamell bestrichen. Nicht ganz – Ahornsirup, das war es, und ja, Walnuss, welche mich in der warmen Süße an meine Lieblingseissorte von Häagen Dazs denken lässt. Schnell vertrieben sind derlei Träume – für Eis wird es nämlich zu warm, da aus dem Hintergrund die rauchige Glut eines knisternden Lagerfeuers ins Bild drängt, an dem ein zünftiges Mannsbild in Lederhosen sitzt und ein paar dicke, weiße Marshmallows röstet.

Ich bin, wie ihr ja wisst, normalerweise kein ausgewiesener Gourmandfan, es sei denn es geht erwachsen zu – das hier ist eine erwachsene, eine reife und vor allem ausgereifte Variante. Und zugegebenermaßen so lecker, so interessant, weil von solch eigenartiger Schönheit, dass mir einmal mehr die Vergleiche ausgehen.

Sonderbarkeits-Faktor – siehe Douce Amère. Ansonsten: Bitte tauchen Sie Micallefs Gaïac in eine Schachtel Mövenpick Maple Walnuts und stellen Sie es danach in den Wacholderrauch eines lauschigen Feuerchens mit Wacholderholz – oder vielmehr: lassen Sie es stellen, von einem echten Mann in knackiger Lederkluft, der hernach Ihr Herz mit Kuh-Bonbons erobert und mit Ihnen auf seiner Harley davonknattert. Alles klar?

Nun, nachdem wir (vorerst) am Ende der Molton Brown-Vorstellung angekommen sind: Habt Ihr schon getestet, wie gefällt Euch die Kollektion, habt Ihr Kaufkandidaten?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Picnic photographed by Gabriel Veyre (before 1936), Picture of trees with campfire light von plex/Peter Skadberg, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Navigation Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

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Freitagsverlosung.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.
Reisen mit Molton Brown die Zweite.


Annick Goutal – Wasser des Südens

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden am 5.09.2011

Heute begeben wir uns in den Süden. Vielleicht ist das genau die richtige Strategie, um dem durchwachsenen Sommer zu entkommen. Annick Goutals Duft Eau du Sud, der wie gewohnt in den beiden Flakonvarianten erhältlich ist, soll die endlos scheinenden Sommertage in der Provence und in der Toskana widerspiegeln: die heiße Sonne des Tages, Müßiggang im kühlen Schatten der Arkaden und Wasserfontänen, die Abkühlung verheißen. Warme Abende und Nächte verlängern die schon unendlich scheinenden Tage in die späten Stunden hinein.

Leider ist es aber auch so, dass genau diese Sommertage, in die auch meist die Urlaubszeit fällt, subjektiv wahrgenommen viel zu kurz sind und gemessen an der Arbeitszeit wie ein Wimpernschlag scheinen. Vielleicht hält aber der von Isabelle Doyen kreierte Duft eine Verlängerung des Urlaubs bereit, eine südländisch duftende Auszeit für geplagte Werktätige?

Lemons in Lucca

Kopfnote: Bergamotte, Limette, Grapefruit, Mandarine; Herznote: Verbena, Pfefferminze, Basilikum, Jasmin; Basisnote: Vetiver, Patchouli, Eichenmoos

Frisch auf dem Teststreifen riecht es erst einmal deutlich nach Mandarinenschale! Zudem machen sich grüne Zitrusnoten breit, welche natürlich der Limette zuzuschreiben sind. Hier haben wir es nicht mit einer abstrakten Säure zu tun, die man intuitiv in Richtung Zitrone schiebt, nein, das sind echte Früchte, ein Verbund aus Limette, Grapefruit und Mandarine. Die grünen Aspekte, die diese Früchte erst so natürlich wirken lassen, kommen ganz klar vom Basilikum, viel mehr gibt der Streifen fürs Erste nicht her. Auf der Haut stimmt der Auftakt überein, wobei das Basilikum und ein leichter Anflug von Minze wahrnehmbar wird. Für die nun ebenfalls auftretende aber verhaltene Süße dürfte in diesem Falle Jasmin und Patchouli verantwortlich sein. Letzterer bildet zusammen mit Vetiver und Eichenmoos eine grasig-wurzelige Basis. Diese gibt dem Duft seinen Halt, greift die grünen Noten des Basilikums auf und ergänzt das Bild des Gartens mit einem frisch geschnittenen Rasen.

Tuscany landscape west of Siena

Ein Sommerduft in südlichen Gefilden – das ist ohne Frage gelungen. Ich würde den Duft vor allem der holden Weiblichkeit ans Herz legen, obwohl er durchaus auch für Männer tragbar ist. Ich sehe hier doch eher eine Dame in einem Sommerkleid ganz entspannt auf einer Liege im Schatten der Orangenbäume ruhen. Fallen ihr die Früchte auf den Kopf? Nein. Der Duft ist rund, ausgewogen, in sich geschlossen, ohne Brüche und harmonisch genug für den Urlaubsgebrauch.

Was meint Ihr? Trifft “Eau du Sud” Euer Urlaubsgefühl?

Viele Grüße von
Harmen

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Unser kleines Weihnachtsgeschenk…
Freitagsverlosung.
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Der Garten des Dichters…

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden,Krautiges am 12.08.2011

Jardin du Poète heißt er, der neue Duft aus dem Hause Eau d’Italie, für den einmal mehr der omnipräsente Bertrand Duchaufour verpflichtet wurde.

„The inspiration for this fragrance is a tale from a bygone era, when nations where ruled by poets, and poets were sacred to Apollo. In those days Sicily was a Greek colony, Syracuse was a fragrant court, and its gardens vibrated with the scent of citrus orchards and rows of aromatic plants. Thus “Jardin du Poete”, the poet’s garden, a luminous fragrance to evoke Sicily and all things Sicilian.“

Ein Land von heiligen Dichtern regiert – erinnert mich spontan ein bisschen an Schillers ästhetische Erziehung und an die imposanten (und äußerst theorielastigen) Tagträumereien der Romantiker: „Die Welt muss romantisiert werden!“, so forderte Novalis, und gab auch gleich die Alltagsanleitung für jene poetische Überhöhung der Dinge: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es.“ Eine Prise Umdeutung schadet im Leben nicht, auch wenn nicht alles Einstellungssache ist, lässt sich viel damit beheben.

Monsieur Duchaufour hatte in jedem Falle einen Superlativ im Blick, als er Jardin du Poète kreierte, und zeigt einmal mehr was für ein phantastisches Händchen er als Parfumeur besitzt.

Der Auftakt des Duftes gleicht einem Schritt in einen paradiesgleichen Hesperidengarten: Agrumen in Hülle und Fülle – saftige Mandarinen, leuchtende Bitterorange und säuerliche Grapefruit, die alsbald den Blick freilassen auf einen gar herrlichen Kräutergarten. Basilikum, bitter und dunkelgrün, leuchtet und strahlt, und ich vermeine dahinter Tomatensträucher zu erblicken. Denn die zerriebenen Blätter von Tomaten rieche ich, ähnlich wie in dem von mir sehr geliebten Raumspray Feuilles de Tomate von Parfums d’Orsay. Frisch, grün, leicht herb und von jener seltsamen Art „Fruchtigkeit“ begleitet, die Tomaten so an sich haben. In diesem beeindruckenden aromatischen Überfluss lässt sich vortrefflich schwelgen, er begleitet ein weit in den Duft hinein, bis später eine trockene Wärme an Einfluss gewinnt: Würzige Heunoten von sich sehr zivilisiert benehmender Immortelle (ohne Maggianleihen, versprochen!) stiften ebendiese, während Vetiver und Zypresse holzig-grüne Akzente setzen samt eines leichten Hauch Rauchs, von der Basis aus Moschus subtile Weichheit erfahrend.

Jardin du Poète ist grün-aromatisch, überaus authentisch, zitrisch und gleichermaßen durchgängig frisch wie sonnengewärmt. Mir will der Duft wie eine Kindheitserinnerung scheinen, an einen Garten Eden, einen einsamen. Ans Paradies. Und weckt so gedankliche Querverweise, die ich Euch nicht vorenthalten will: Die erhabene Einsamkeit eines Goutalschen Ninfeo Mios, das grüne Strahlen eines oder dasjenige von Odoris Gli Odori ohne Transpira… äh, Kumin. Heu und Bitterorange bei Ellenas Klassiker Bigarade Concentrée abgeschaut und das Zitrusfrüchte-Ensemble aus einem jener Vorzeige-Hesperiden wie zum Beispiel Atelier Colognes Orange Sanguine.

Sollte Sizilien auch nur in Ansätzen derart überzeugend sein wie Jardin du Poète, so steht es auf meiner Reiseliste demnächst ganz weit oben. Aber, wer weiß – noch mehr so schöne Düfte und es muss vielleicht dann doch zunächst das Geburtshaus der Eau d’Italie-Kollektion sein, Le Sirenuse in Positano, in dem ich zu weilen gedenke. Ich sehe schon, eine Italienrundreise wäre auch nicht so schlecht…

Einen schönen Tag Euch noch sowie ein ebensolches Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike, nach einer “Reise-Woche” in Urlaubsplänen schwelgend.

Bildquelle: “Palermo (Sicilia). Travel poster shows a garden courtyard with arcade and tower of San Giovanni degli Eremiti in Palermo, Sicily. Print by Stab. A. Marzi, Roma, for ENIT (Ente Nazionale Italiano per il Turismo), ca. 1920.” von trialsanderrors, Citrus aurantium chinotto von Raul654, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Jardin du Poète in unserem Shop.

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