Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Anlass zum Träumen…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Reines und Pudriges am 19.08.2011

wollen Maison des Rêves geben mit ihren drei neuen Düftchen Poudre, Gourmandise und Mousse au Cafè.

Das Label ist neu und dahinter verbirgt sich, na klar, ein weiterer Schöngeist, der sich von Träumen und Passionen, von Erinnerungen und Hoffnungen leiten lässt:

“The human being, the passion, the dream…the desire to realize what will last forever keep on stimulates every one. Remembering the past while creating the future…now and for ever. Sometimes I think that it is really the destiny, the nature or the chance that leads us in our way. My beginning a few years ago in a magic land, rich in colours and odours. I think that during my childhood I have absorbed all the odours and perfumes that this land could offer, a road easy to follow, everything is created in our memory. I was inspired by my memories, by a perfume of 30’s, its creator was a family friend. I wanted that everybody, everyday could feel a sensation and an emotion in the most simple and essential action we make: breathing. The most embedded are related to odours world. During the years ancient sensations wake up: hot milk smell, country, the cut grass, also water has is own perfume and you realize that life is a perfume to be composed by the fragrances of the memory. But olfactory memories are the weakest, because it is impossible to imagine them, to remind them without the perfume that arouse them. And that’s how Maison des Rêves was born, following that passion that drove me to transmit to other people my feelings. “

Wunder erleben beim Einatmen, Gefühle durch Düfte transportieren – ich gebe zu, die Idee ist nicht neu, nein. Aber sie ist immer wieder schön. Und vermutlich der Hauptantrieb, die Hauptintention der meisten Parfumeure. „Dedicated to free souls“ – den freien Seelen sind sie gewidmet, die ausdrücklich zum Layern empfohlenen Düfte von Maison des Rêves. In diesem Falle meine Lieben, das kann ich schon verraten, sind die Seelen definitiv weiblich. Denn diese Kollektion widmet sich in erster Linie den Süßschnuten unter Euch.

Bei Poudre kann ich nur sagen – Nomen est Omen. Hier bekommt man oder besser: Frau, was sie sich wünscht: Eine dicke Portion hauchfeinen Puder. Wie lange lag mir eine Freundin in den Ohren damit, dass sie sich einen Duft wünsche, der bitte riechen soll wie ihr Lieblingspuder von Guerlain. Ombre Rose von Brosseau, mit dem Poudre durchaus Ähnlichkeiten hat, war es nicht, Poudre könnte es aber sein: Mit der Nase versunken in einer watte-weichen riesigen Puderquaste entführt er mich gedanklich in meine Jugendzeit. Damals schenkte mir meine Tante aus Amerika eine riesige Dose Körperpuder, der so wunderbar fein gemahlen war und jenen zarten Duft verströmte – ein bisschen wie Rosenmehl und von einer trockenen Süße, einen sanften Hauch Vanille atmend. Hach, was war ich glücklich und überhäufte und bestreute mich damals fleißig – unter Zuhilfenahme jener beigelegten Quaste, die ich so zauberhaft fand und die meine Kleinmädchen-Prinzessinen-Träume vollauf befriedigte.

Poudre, meine Damen, verspricht nicht zuviel und bietet genau das. Seine Noten: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Rosenholz; Herznote: Jasmin, Maiglöckchen; Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Pudrige Noten.

Gourmandise verspricht vollmundig, der Gourmandfraktion das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen – und, in der Tat, er bleibt sich und seinem Versprechen treu: Ein Hauch fruchtig-säuerlicher Brombeere spendet Frische, während sich der eigentliche Charakter des Duftes alsbald entpuppt – nussig-würzige Wärme deliziöser Natur und von einer samtigen Süße, gepaart mit zarten Wildledernoten und cremiger Vanille, die durch die Orchideennote Rückendeckung erfährt. Das leckere Zusammenspiel entwickelt für meine Nase, obgleich nicht vorhanden, äußerst anziehende Nuss-Nougat-Akzente, eine Nuance, derer man selten in Düften habhaft wird. Das alleine ist schon ein Grund für einen Test – allerdings sollte die geneigte Nase Süßem schon zugetan sein, sonst wird es mit der großen Liebe hier nichts.

Die Ingredienzen von Gourmandise: Kopfnote: Brombeere, Kokosnuss; Herznote: Orchidee, Hibiskus, Ylang-Ylang; Basisnote: Leder, Weißer Moschus, Vanille, Zimt.

Mousse au Cafè erinnert mich postwendend daran, was ich hier an diesem schönen Vormittag noch machen könnte: Mir einen frischen Kaffee aufsetzen. Davor werde ich aber diesen hier noch testen – die Zutaten: Kopfnote: Sahne, Milch; Herznote: Heliotrop, Kokosnuss, Karamell; Basisnote: Vanille, Sandelholz. Wie schon Poudre lässt mich Mousse au Cafè in Kindheitserinnerungen schwelgen: Karamell, sahniges. In meinem Fall Werther’s Original, anno dazumal noch Werthers Echte und natürlich das Bonbon mit der Kuh drauf. Dunkel gerösteter Zucker mit Kruste, karamellige Creme, sahniges Vergnügen. Sehr schmackhaft dies. Die Kokosnuss existiert als subtile Ahnung, das Ganze auf sanfte Weise würzig-aromatisch untermalend. Und Kaffee, ja, den finde ich auch irgendwo. Allerdings hat das Resultat als Ganzes ungefähr genauso viel mit einem reinen Kaffeeduft zu tun wie eine Tasse Bohnenkaffee mit einem Iced Caramel Macchiato von Starbucks – wobei letzterer unbestritten toll ist, genauso wie diese Gott sei Dank garantiert kalorienfreie Sünde.

Wie sieht es aus, habt Ihr schon, wollt Ihr nochmal oder überhaupt? Wie ist Euer Eindruck?

Viele süße Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rouge von starfish75/J. Gabriel, Pressefoto MdR, Caramel Sculpté von Romanceor/Roman Bonnefoy, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Maison des Rêves in unserem Shop.

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Eau de Fröhliche – Teil 2.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand am 18.08.2011

Gestern hatte ich bereits von der Idee, der Intention und der glücklichen Fügung des Schicksal erzählt, die Erik Kormann dazu bewog, uns seinen Weihrauchduft Eau de Fröhliche zu bescheren. Heute möchte ich mich nun dem Duft selbst sowie dessen Ingredienzen widmen – Herr Kormann war mir dabei eine große Hilfe und ein liebenswerter Gesprächspartner.

Kommen wir zuerst einmal zu den Ingredienzen – Eau de Fröhliche enthält: Weihrauchöl, Tolubalsam, Tonka, Vanille Absolue, Irisbutter (Veilchenwurz oder auch Iris Pallida), Kardamom, Patchouli, Frambinone und Rosenholz.

Kormanns Intention war, wie gesagt, einen Orientalen zu kreieren, da Weihrauch an und für sich eine orientalische Ingredienz ist – für ihn lag es da nahe, dieses ohnehin schon von einer bemerkenswerten Süße zeugende, verbrannt-karamellisierte Weihrauchöl mit Duftnoten zu kombinieren, die wir ohnehin mit dem Orient assoziieren:

„Für mich riechen harzige Düfte oft irgendwie nach Lösungsmitteln. Ich muss dann an angeritzte Bäume oder lackierte Holzflächen denken – das wollte ich nicht. Mir gefällt der würzig-aromatische Teil des Parfums und dieser Weihrauch sollte, musste einfach lieblich werden.“

Um diese Facetten des Weihrauchs hervorzuheben, benutzte Kormann zuerst einmal Vanille und Tonkabohne, welche eine ähnliche, ebenfalls an Cumarin erinnernde würzige Süße offenbart. Tolubalsam unterstreicht diese Aspekte mittels seinem ebenfalls vanillig anmutenden, würzig-harzigen Charakter. Für die Schokoladenseite ist Patchouli zuständig, welchem immer eine kakaoartige Note anhaftet. Frambione, auch Himbeerketon genannt, unterstützt die bereits genannten Ingredienzen:

„Der Duft riecht natürlich nicht nach Himbeere. Soll er auch nicht. Himbeerketon ist ein ganz, ganz schwacher Riechstoff, der nur leicht an Himbeeren erinnert. Er wirkt schön fruchtig und süß. Ich wollte genau diese fruchtige Süße. Mehr nicht und außerdem hat Himbeerketon eine geniale Haftung und er wirkt fast schon wie ein Fixativ.“

Dazu kommt dann noch Irisbutter:

„Die Irisbutter rundet den blumigen Teil des Duftes ab. Ist schon ein komischer Stoff. Riecht irgendwie nach Möhre, wird auch oft mit Karottensamenöl gestreckt (was auch nicht gerade billig ist), und schafft in einem Duft eine unglaubliche Natürlichkeit. Man riecht natürlich nicht nach Möhre. Ich merke aber sofort, wenn die Iris in dem Duft fehlt.“

Und als letzte Ingredienzen Kardamom, ein beschwipster, der die geneigte Nase in der Kopfnote begrüßt, und Rosenholz:

„Was scheinbar nur am Rand erscheint ist das Rosenholz (Linaloeöl). In der Literatur wird Rosenholzöl als blumig, an Rosen erinnernd, würzig und süß beschrieben. Ich muß bei Rosenholzöl zugleich immer an Bergamotte denken, weil Linalool auch in den Zitrusfrüchten enthalten ist und genau dieser Charakter war und ist mir zu Anfang wichtig.“

Die Kreation der Basis von Eau de Fröhliche gestaltete sich wohl nicht ganz einfach, wie Erik Kormann mir schrieb – und bediente sich dabei eines netten Vergleichs:

„Die Basis des Duftes war schwierig, weil viele der Stoffe sehr dicht zusammen sind und ich keinen duftenden Einheitsbrei wollte. Es ist wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer. Es ist zwar kein Platz, Spaß macht es trotzdem. Aber ich will mal meine Gedanken erläutern. Weihrauch ist ja aus christlicher Sicht eine Botschaft an den lieben Gott. Da habe ich zwar nichts dagegen, doch ich hab’s nun mal nicht so mit Gott und wenn schon christlich vergeistigt und kontemplativ, den bitte ohne Räucherei. Dieser nüchterne und aufsteigende Charakter von verräuchertem Weihrauch reizt mich persönlich nicht. Ich muss bei Weihrauch an andere Dinge denken.“

Ich habe keine Ahnung, an was Herr Kormann alles bei Weihrauch denken muss – es kann eigentlich nur Gutes sein, wenn ich mir das Resultat Eau de Fröhliche unter die Nase halte – denn der Duft ist wirklich vollkommen außergewöhlich, auch und gerade für einen Weihrauch. Ein solcher ist es, ganz bestimmt. Aber ein beschwingter. Ein heiteres Naturell, selbstbewusst und ernsthaft, aber lebensfroh, positiv.

Im Auftakt kitzeln einen kecke (Him)Beerennoten in der Nase. Karamellisiert kommen sie daher, ich kann sie förmlich riechen, die leicht angebrannte Zuckerkruste, die bräunliche. Und ehe ich mich versah finde ich sie, mich wieder, überzogen von einer pudrigen Schicht feinsten zartbitteren Kakaos, der eine erhabene Weihrauchseele beschützt. Eine rauchige, harzige. Und eine verhalten süße. Eine von bittersüßer Melancholie, die die Leichtigkeit des Seins verinnerlicht hat und lebt. Eine, die lächelt, frohgemut.

Ein Weihrauch ist Eau de Fröhliche somit, ganz bestimmt. Aber ein beschwingter. Ein von fruchtigen Anklängen begleiteter, der mit buttriger Iris und Hölzern brilliert und gar deliziöse Gourmandnoten birgt – pudrige zartbittere Schokolade hochadliger Herkunft und cremig-würzige Vanille. Ein Traum – und nicht nur ein Weihnachtstraum.

Die Flakons sind im übrigen geschmückt von einem eigens für Erik Kormann von dem Designer Jo Zarth geschaffenen Etikett. Die Zunge des darauf abgebildeten Mopses wurde auf jeder Flasche von Hand nachkoloriert. Und jeder Duft kommt nicht nur mit einem kleinen Pröbchen des göttlichen Weihrauchs, der es Kormann so angetan hat, sondern auch mit einem Pröbchen Iris und Tonka eigens für die geneigte Nase. Finde ich toll – und Ihr?

Habt Ihr schon getestet? Wie liest es sich für Euch? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Eau de Fröhliche – Teil 1.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Orientalen am 17.08.2011

Ist sie jetzt völlig durchgedreht, ein Weihnachtswasser im Winter Sommer? Das wird sich der eine oder andere denken. Und ja, zugegebenermaßen, der Name erinnert spontan an Weihnachten, aber eigentlich ist er ganz wörtlich zu nehmen: Heiter geht es bei diesem Duft zu, und das obgleich die Hauptrolle von Weihrauch gespielt wird. Aber beginnen wir zuerst einmal von vorne – und zwar mit Erik Kormann.

Dessen Name und Person dürfte einigen Duftfans und/oder Berlinbesuchern ein Begriff sein: Erik Kormann schreibt das meines Erachtens nach ganz hervorragende Aromatische Blog, ein Blog über Düfte, duftende Rohstoffe und die hohe Kunst des Parfumhandwerks. Letzterem widmet er sich auch selbst mit Begeisterung und kreierte bereits Juli, August und September, drei Düfte, die den Anfang einer Monatsserie bilden. Diese Düfte kann man auch erwerben, und zwar in Kormanns wunderschönem Ladengeschäft, welches er seit 2001 mit seiner Partnerin Xenia Trost betreibt: 1000 & 1 Seife heißt die Seifenwerkstatt, die mittlerweile in den Rosenhöfen direkt am Durchgang zu den Hackeschen Höfen zu finden ist.

Dort findet man jede Seife, die das Herz begehrt: Von der „normalen“ Handwaschseife über die Shampooseife, Babyseife, Peelingseife, Rasierseife und viele mehr – alle mit viel Liebe handgefertigt und in individuell gestalteten Verpackungen zu erwerben. Man wird kaum eine Seife finden, die Erik Kormann nicht herstellen und bieten kann. Viele davon zeigt er in seiner stetig wachsenden Seifensammlung mit Exponanten aus aller Welt, die sich vor Ort bestaunen lassen. Zu den Klassikern des Hauses gehören unter anderem die „ZimtZiege“, eine Seife mit Ziegenmilch und Zimtaroma, „Tabula Rasa“, eine Peeling- und Rasierseife für Männer mit einem sanften Vetiver- und Kardamomaroma, „Kaffeeklatsch“ eine Seife, die unangenehme Küchengerüche von den Händen entfernt, „Mama Mia“, eine Seife für die besonderen Bedürfnisse Schwangerer und noch etliche weitere.

Der sympathische Erik Kormann selbst scheint ganz offensichtlich eine schillernde Persönlichkeit zu sein: Im Jahre 1966 geboren, betätigte er sich nach seiner schulischen Laufbahn als Tischler, archäologischer Ausgrabungstechniker, Kameraassistent sowie Bildjournalist, absolvierte ein Magister-Studium mit den Fächerschwerpunkten Kulturwissenschaft, Ästhetik, Gender-Studies als auch Musikwissenschaft und – stolperte natürlich irgendwann über Düfte, wie man an seinen jetzigen Tätigkeiten ablesen kann. Eine glühende Passion für Duftendes – das kennen wir doch irgendwoher…

Wie der Zufall es so wollte bekam Kormann vor nicht allzu langer Zeit nun ein Weihrauchöl in die Hände – und stellte sofort fest, dass er da einen ganz besonderen Schatz gefunden hatte: Tiefdunkel, dickflüssig und von einer merkwürdigen Süße – dieser Weihrauch zeigte sich von ganz besonderer und seltener Qualität, war einer wie keiner. Und Kormann, der zu diesem Zeitpunkt schon geübter war im Kreieren von Düften beschloss, den Weihrauch mit der Welt zu teilen und aus dem Bottich voll reinen Weihrauchglücks Düfte herzustellen.

Seine Intention war es, diesen kostbaren Rohstoff auf ganz besondere Art und Weise umzusetzen: Ein orientalisches Parfum sollte es sein, und zwar eines, dass nicht nur die Natur des Weihrauchs an sich, sondern die jenes ganz speziellen Öls einzufangen vermag. Denn Kormann war (und ist) ganz eingenommen von diesem Stöffchen, und das, obgleich er sich selbst nicht unbedingt als Weihrauchliebhaber bezeichnete – davor, vor diesem Öl, wie er betont.

Gesagt, getan – Eau de Fröhliche ist fertig, endlich. Und Herr Kormann hat sich dazu entschieden, den Duft mit uns zusammen zu verkaufen, worüber wir uns ganz außerordentlich gefreut haben.

Herr Kormann war so lieb, mir darüber hinaus Rede und Antwort zu stehen, mir ausführliche Informationen zu seinem Duft zu erzählen und auch zu schreiben. Jene möchte ich in jedem Falle für Euch einbinden, da sie ein Hintergrundwissen vermitteln, welches für Euch Duftfans sicherlich interessant sein dürfte.

Heute belasse ich es erst einmal mit der Vorgeschichte zum Duft, morgen erwartet Euch dann die genaue Beschreibung des Duftes sowie dessen Herstellungsprozesses.

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Unser Urlaub in deutschsprachigen Landen…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Gourmand am 10.08.2011

… führt uns heute dank Gérald Ghislains Kollektion The Scent of Departure nach Frankfurt und nach Wien.

Frankfurt/FRA: Fruity, sparkling, and joyful with an apple twist like an Ebbelwei savoured on the typical Römerberg place. The fresh, lively and airy fragrance of a walk along Frankfurt Main riversides surrounded by magnolia and white flowers blend with the soft woody forest scents of Frankfurter Stadtwald.

Für seinen Ebbelwoi oder auch Äppelwoi ist Frankfurt bekannt, unter anderem. Daneben wäre natürlich das Bankenwesen zu nennen, dass das Stadtbild mit seinen riesigen Bankentürmen, die für internationales Publikum und bisweilen auch Flair sorgen, wesentlich prägt. Herr Ghislain hat dann wohl auch schon einige der Sehenswürdigkeiten abgeklappert, hoffentlich hat er auch ein paar der Museen und Kirchen gesehen und hat sich mal irgendwo an den Main gesetzt, vielleicht auch an einen der vielen Stadtstrände, die im Sommer zum Erholen einladen, und ist einmal in einer der vielen Apfelweinschenken eingekehrt.

In jedem Fall war zu diesem Zeitpunkt keine Gewitterstimmung, keine Finanz- oder sonstige Krise drückt FRA auf sein olfaktorisches Gemüt: Eine ganze Riege lustiger Äpfelchen mit grün, gelb und rot gefärbten Wangen tummelt sich unbekümmert in dem Düftchen, und findet sich zum überaus harmonischen Stelldichein unter einer blühenden Magnolie ein. Fruchtig, floral und frisch mitsamt einer leichten Cremigkeit zeigt sich FRA somit als gut gelaunter Begleiter für wärmere Tage. Erwartet keine philosophischen Diskurse mit Tiefgang von diesem Partner – das muss aber vielleicht auch nicht immer sein. FRA ist einfach nur und macht Freude mit einer entzückenden Magnolienblüte und dem Duft saftiger Äpfel.

Vienna/VIE (Wien): A walk from the peaceful Danube – banks full of enchanting scents of fresh mint, cut grass and water flowers – to an outdoor breakfast in the Palace garden of Belvedere. Enjoy the garden’s baroque atmosphere and the gourmand scents of Wien’s pastries, delicious with their gourmand notes of vanilla, liquorice, chocolate and coffee. A blend of scents, bewitching like a Strauss waltz at Schönbrunn Palace.

Wien wird von so vielen Menschen geliebt – zu Recht wie ich nach (bisher leider erst) einem Besuch feststellen durfte. Was für eine schöne Stadt mit ihren Kaffeehäusern, ihrer Kultur, ihrem leicht morbiden Touch nicht zuletzt auch dank ihrer wunderschönen Friedhöfe. Die Donau hat Herr Ghislain hier verwurstet genauso wie die Leckereien der Kaffeehäuser, wie er schreibt – und damit einen Volltreffer gelandet: Minze, frische, die in der Nase bitzelt, neben zart-grünen Halmen und wässrig-floralen Anklängen trifft hier auf deliziöse Süßwaren, herb-süße Lakritze, rauchig-gerösteter Kaffee, fein schmelzende Schokolade, pudriger Kakao und cremig-würzige Vanille. Was bleibt nach einer Weile erinnert mich fatal an – After Eight, jene Schoko-Minz-Leckerei, zu welcher ein Tässchen Espresso gereicht wird. Was für eine atemberaubende Kombination – und nicht nur für Gourmandliebhaber!

Ich fühle mich erinnert – an Serge Lutens’ bildschönen Borneo 1834, den Kampfer-Schokoladen-Patchouli und an Profumums Thundra, den Schokodschungel. Ich sinniere einmal wieder darüber, dass es viel zu wenige gute Kaffeedüfte gibt – und denke an Bond No. 9 So New York, den Steffi einmal hier vorstellte, jenen Gourmand-Kaffee-Duft.

Wien muss ich wiedersehen – und wieder riechen. Ein Wiedersehen mit Wien klappt hoffentlich bald. Und der Duft, der muss natürlich auch her.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Magnolie von Janekpfeifer, “Apfelwein nach Frankfurter Art – Bembel und Geripptes” von Eva K., Im Kaffeehaus – Wien, Café Sperl von Andreas Praefcke, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Wasserkreise…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand am 4.08.2011

… beschreiben Cerchi Nell’Acqua, oder besser die Macher von Sigilli, die hinter der neuen italienischen Linie stehen. Die Rundheit der Wasserkreise, ihre Harmonie und Ganzheit haben sie zu diesem Namen inspiriert. Und natürlich steckt noch mehr dahinter: Die Düfte haben scheinbar, wie einige wenige weitere Kreationen im Nischenduftbereich (siehe zum Beispiel Humiecki & Graef), keinen pyramidalen Aufbau, sondern verströmen „duftende Energie mit der Regelmäßigkeit von Kreisen im Wasser.“

Mmmmh, sollte ich mal wieder einen örtlichen Teich frequentieren und das mit den Kieseln versuchen? Herr Knudsen von Gravel ist sicher geübter im Kieselwerfen als ich… Egal. Die Düfte harren schon seit einiger Zeit der Erkundung und sind jetzt, Kiesel hin, Kiesel her, dran.

Waves verspricht ja bereits dem Namen nach Dynamik – Wellen erinnern an Kraft und normalerweise an Wasser. Assoziationen mit Meer und allgemein Maritimen gehen aber vollkommen fehl, wie bereits die Ingredienzen erahnen lassen: Bergamotte, Opoponax, Jasmin, Iris, Veilchen, Lavendel, Orangenblüte, Pfeffer, Zimt, Ambra, Sandelholz.

Waves ist ein typischer Italiener, das merkt man gleich: Ein Mann-Mann mit einer Prise Macho. Der meint es ernst und kommt ohne Augenzwinkern daher, aber auch ohne das übliche Gesülze ;) Präsent und enorm dicht gewebt ist er. Würzig-strenger Lavendel mit einer ordentlichen Portion Pfeffer- und Zimtschärfe, ein Blütenbouquet im Hintergrund, das allerdings von satten Harzen, einer (vor allem daraus resultierenden) ordentlichen warmen Süße und samtig-pudrigen Sandelholznoten überlagert wird. Letztere gewinnt auf meiner Haut ob ihrer Dominanz sogar jene an Räucherstäbchen gemahnende Seifigkeit, die lediglich aus einer starken Fokussierung hervorgeht. Diesen letzten Aspekt finde ich überaus spannend und lecker, der Teststreifen allerdings lässt ihn gänzlich vermissen. Alles in allem zeigt sich Waves als ziemlicher Kracher, das klang aber in der Titulierung als „Italiener“ ja bereits an.

Einen Ambra-Duft braucht es in jeder ordentlichen Kollektion aus Italien – Ambr’Erò tritt gleich mit stolzgeschwellter Brust an. Und lässt meine Hand, auf die ich ihn gesprüht habe, wie in Jod getaucht aussehen. Allein ein Blick auf die Farbe des Duftes lässt einen sofort wissen, dass wir es nicht mit einem olfaktorischen Leichtgewicht zu tun haben. So dolle, wie zuerst vermutet, ist er aber dann doch nicht: Rauche Schale, weicher Kern würde ich sagen. Samtig-pudrige leuchtend goldbraune Ambra in ihrer schönsten Form – Bergamotte- und Nerolisprenkler leuchten wie kleine Sternchen immer wieder am Firmament auf, Jasmin spielt Verführerin und stiftet einen göttlichen weißblühenden Hauch, während Vanille das cremig-weiche Lager bereitet, das keck von würziger Nelkenschärfe kontrastiert wird.

Piccolo Amor, der Lieblingsduft der Frau des Schöpfers. Laut Pressetext riecht bei ihnen zu Hause alles danach, selbst der Mops. Ob er nach diesem benannt ist? Hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich Möpse liebe? Egal, erst mal ab ins Patchoulivergnügen. Denn der spielt die erste Geige, und das ziemlich nett: Patchouli in Reinform lässt des Liebhabers Herz frohlocken, hier in einer gourmandigen Verpackung präsentiert. Vanille ist es, die man ihm an die Hand gegeben hat, und Moschus, die eine Vanille-Kakao-Anmutung zaubern, welche dafür sorgt, dass einem ganz schnell das Wasser im Munde zusammenläuft.

Ebenfalls Gourmandalarm herrscht bei den letzten beiden Kandidaten: Jolie wartet mit Vanille, Zucker, Milch und Moschus als Ingredienzen auf, was mich in dieser Kombination sofort an Kleopatra denken lässt – eine Herrscherin in aller Erhabenheit, diesmal nicht im Eselsmilch, sondern im gezuckerten Mandelmilchbad. Hach, was ist das süß… und schön, meine Damen. Mandelmilch, Bittersüße, Marzipan, Zuckerwatte, Creme und ein Hauch rauchig-geröstetes Karamell – mit diesem Duft kann man sich nur fühlen wie eine Königin. Fans von Mazzolaris Alessandro und Profumums Confetto sollten ganz besonders auf der Hut sein…

White Out ist gar nicht so weiß und transparent, wie der Name vielleicht vermuten lässt. Oder doch? Verwirrend ist er, der Duft. Eine Hommage an die Antarktis, an ewiges Eis, Leere und soweit das Auge reicht Schnee soll er sein. Eine olfaktorische Darstellung des Reinen. Meine erste Reaktion war ablehnend. Das konnte ich beim besten Willen nicht entdecken in dem Duft, genausowenig wie Hölzer und Blätter, die neben Moschus hier noch vorhanden sein sollen. Mein erster Gedanke war – Profumum Acqua e Zucchero mit ohne Früchte. Je länger ich aber dem Duft lausche, desto mehr, desto besser kann ich die Assoziation des Parfumeurs erkennen, desto treffender finde ich sie. Nur ist dieses Weiß kein Bedrohendes, keines, das einen zu existentiellen Fragestellungen zwingt. Dieses Weiß lullt ein, beruhigt, macht Mut, beschützt. Es ist sahnig-milchig, weich, watteweich, dezent karamellpuddinghaft und cremig-zart, hat eine seltsame, an samtigen Knet gemahnende Note (welche mich immer an Diors Hypnotic Poison erinnert und die ich nicht zugeordnet bekomme) und legt sich wie ein Schleier über die Welt oder um einen herum, was irgendwie auch auf dasselbe hinausläuft. Macht man die Augen auf, erblickt man nur weiß – und subtile Blüten irgendwo in der Ferne, sich sacht im Nichts bewegend.

Acqua e Zucchero? Doch nicht mehr wirklich. Teint de Neige? Ein bisschen, und irgendwie auch doch nicht. Was dann? Keine Ahnung. Aber interessant, sehr sogar. Nur leider nicht für mich gemacht – denn hinter White Out versteckt sich eben doch ein Gourmand, und zwar einer, der sich gewaschen hat.

Kennt Ihr die Linie schon, spricht Euch etwas an? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Mops Aramis de la croisee des lys von Cathérine SchneiderEiszapfen am Suessgletscher im Süden der Antarktis von Kristan Hutchison, John William Godward (1901): Venus at the Bath [Anm. d. Verf.: Ich weiß, keine Kleopatra ;)], alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Cerchi Nell’Acqua in unserem Shop.

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Duftverzeichnis


Histoires de Parfums – 1969 Parfum de Révolte

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand am 25.07.2011

Dem eifrigen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass ich mir in letzter Zeit so einige Düfte von Histoires de Parfums vorgeknöpft habe. So soll es auch heute weitergehen, und zwar mit “1969 Parfum de Révolte“. Nach den vorangegangenen Düften, welche alle berühmten Persönlichkeiten der Geschichte gewidmet waren, ist dieser hier einer ganzen Bewegung zugeeignet, der Protestwelle der 60er Jahre. Eines der aufsehenerregendsten Ereignisse war in diesem Jahr sicherlich der Massenprotest von 250000 Menschen in Washington am 15. Oktober gegen den Vietnamkrieg. Der eine oder andere wird zumindest noch die entsprechende Szene aus “Forrest Gump” kennen. :-)

Mit diesem Namen, der trotz dieser Referenz nicht allzu viel verrät, lässt sich alles Mögliche umsetzen. Vielleicht haben wir es mit einem Revolutionsduft à la “Revolution” von Lisa Kirk/Ulrich Lang zu tun, oder möglicherweise aber auch einfach ein Hippieduft im Sinne von HeeleysHippie Rose“?

Also teste ich nun den mit folgenden Duftnoten angegebenen Duft:
Kopfnote: Pfirsich, Fruchtige Noten, Herznote: Rose, Weiße Blüten, Kardamom, Gewürznelke; Basisnote: Patchouli, Schokolade, Kaffee, Weißer Moschus

Deutlich kommt mir der Pfirsich in der Kopfnote entgegen, der aber sogleich von einer fast ein wenig ledrig anmutenden Kaffeenote untermalt wird, die mich wiederum an Mark BirleysCharles Street” erinnert. Mehr gibt der Duftstreifen nicht her, außer dass man nach der Ursache der Süße sucht – sind es die Weißen Blüten?

Auf meiner Haut kommt die Schokolade nun hervor, den thematisch obligatorischen Patchouli ahnt man im Hintergrund, aber stets begleitet von einer geradezu cremigen, süßen Grundierung.

Vietnamdem

Nach den doch recht konservativen Gesellen aus dieser Reihe, eine erfreuliche Abwechslung! “Parfum de Révolte” ist aber definitiv weder eine Straßenschlacht mit Tränengas und Gummiknüppeln noch ein bekiffter Sommer-Sonne-Hippieduft und glücklicherweise auch keine vollbärtige Politdiskussion.

Fruchtige, würzige und warme Noten gehen ein Wechselspiel mit den süßen Noten ein, sodass ich hier einen Duft für beide Geschlechter rieche, der aber unbedingt auf der Haut getestet werden sollte. Die Unterschiede zum Duftstreifen sind auch hier wieder einmal frappierend.

Meines Erachtens nach bislang der beste Duft aus der Reihe, also liebe Genossen, Kommunarden und Gammler, ;-)
Es ist angerichtet und darf probiert werden.

Harmen

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Ein goldener Mythos – (My)Memos Manoa.
Duftverzeichnis


Carner Barcelona…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Hesperiden,Tabak & Rauchiges am 22.07.2011

ist der Name eines neuen Labels, das vor nicht allzu langer Zeit am Firmament des Parfummarktes erschien.

Die Geschichte hinter der Firma ist schnell erzählt und ähnelt, neutral bemerkt, der von vielen solchen Unternehmen: Das Gesicht hinter Carner Barcelona ist Sara Carner, die schon seit frühester Kindheit duftverrückt war, was sich in ausufernder Sammelei von Parfumflakons und Duftkerzen äußerte sowie einem ausgeprägten Interesse an Düften. Nach einem Studium an der renommierten New Yorker Columbia University brach die Tochter eines Lederfabrikanten erstmal auf zu einer beruflichen Karriere im internationalen Kosmetikbusiness, wo sie mit den besten Köpfen der Branche arbeitete.

Die Erinnerung an eine behütete Kindheit in Spanien blieb, an die Menschen dort, an einzigartige Orte, Begegnungen, verknüpft mit Erinnerungen und natürlich – Düften. Damit wuchs nicht nur der Wunsch, zurückzukehren, sondern auch das Bedürfnis, die Leidenschaft für Düfte auszuleben und, verknüpft mit den beruflichen Erfahrungen, zur Profession zu machen, was Carner nach ihrer Rückkehr nach Barcelona auch prompt in die Tat umsetzte.

Tardes und D600 heißen sie, die beiden ersten Düfte von Carner Barcelona, die ich mir heute für Euch unter die Nase klemmen werde.

Tardes ist, soweit zu lesen ist, eine Hommage an das friedliche Landleben in Katalonien und an einen schönen Spätsommernachmittag: Von Weizenfeldern im mediterranen Sommer ist die Rede und von Mandelbäumen, von goldenen Sonnenstrahlen, einer sanften Brise und entspanntem Müßiggang, nachgezeichnet mit folgenden Zutaten: Kopfnote: Geranium, Bulgarische Rose, Rosenholz, Mandel; Herznote: Virginia-Zedernholz, Sellerie, Pflaume; Basisnote: Tonkabohne, Moschus, Heliotrop.

Im Auftakt überwiegen fruchtige Pflaumennoten, von minzig-rosiger Frische umweht, welche in einer riesigen Wolke luftig-leichten Mandelschaums überleiten. Eine samtig-cremige, dezent marzipanige weiche Wattewolke von Mandeln, die im Verlauf des Duftes immer mehr Amarettini-Charakter annimmt. Ich bin mir so sicher, dass es da draußen viele (Frauen) gibt, die Tardes dafür lieben werden. Ein deliziöser Gourmandduft von sehr gut ausbalancierter Süße, weder vorlaut noch aufdringlich, sondern reif und erwachsen.

D600 (woher kommt eigentlich dieser Name?) soll den urbanen Lifestyle der Metropole Barcelona einfangen, genauer: deren morgendliches Erwachen: Die exotischen Gerüchte des „Mercat de la Boqueria” in den historischen Markthallen im Herzen der Stadt mischen sich mit der belebenden Kühle des nahen Meeres. Sie strömen durch die geöffneten Fenster, während sich Las Ramblas, Barcelonas große Prachtallee, langsam füllt und die Stadt ihre mitreißende Melodie aus fröhlicher Betriebsamkeit und geschäftigem Treiben erklingen lässt. „Vibrant spicy“ soll der Duft sein, mit einem „touch of mystery“, einem geheimnisvollen Hauch.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Schwarzer Pfeffer, Bergamotte, Grapefruit; Herznote: Kardamom, lris, Jasmin; Basisnote: Virginia-Zedernholz, Vanille, Vetiver.

Der Duft von rauchigem Zedernholz weht einem bereits im Auftakt entgegen, von Pfeffer gewürzt und mit zitrischen Sprenklern versehen, die hin und wieder hervorblitzen. Cremige Vanille von subtiler Süße geht eine aufregende Liaison ein mit Rauch und Holz, von einem floral-erdigen Hintergrund begleitet.

Mich persönlich erinnert D600 an etwas – und zwar an eine sehr zivilisierte Variante von Annick Ménardos göttlichem Patchouli 24 sowie an Byredos Gypsy Water. Dem geneigten Leser dürfte klar sein, dass er damit bei mir bereits gewonnen hat. Wobei zu bemerken gilt, dass Teststreifen und Haut sehr differente Fokussierungen zeigen: Das Papier bringt die Hesperiden dominanter hervor, während auf meiner Haut eine herrliche rauchige Vanille erstrahlt.

Wie sieht es bei Euch aus, habt Ihr schon getestet, was sagt Eure Hautchemie?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Mandelblüte von Manfred Heyde, Menjablanc von Tabalot, View from Palau Nacional towards Plaça d’Espanya, Barcelona von Baikonur, alles via Wiki, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte Tardes und D600 von Carner Barcelona in unserem Shop.

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Duftverzeichnis
Die Vergessenen III
2010 ist da! Die besten Vorsätze für’s neue Jahr


Lavendelliebe – Casamorati 1888 Lira & Regio.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand,Hesperiden am 20.07.2011

Das italienische Parfumhaus Casamorati 1888, von Xerjoff vor einiger Zeit erfolgreich wiederbelebt, erfreute uns gerade mit zwei neuen Düften – Lira und Regio, ganz gerecht aufgeteilt natürlich ein Damen- und ein Herrenparfum.

Heute gebe ich den Damen den Vorzug und beginne mit Lira: Als „geheimnisvoller, provokanter und talentierter Star“ wird der Duft, vielmehr wahrscheinlich die Frau beschrieben, die ihn trägt. Souverän, faszinierend, sensibel und so charmant wie verführerisch soll sie sein – eine, wie ich meine, nicht sonderlich innovative Beschreibung, was angesichts des Duftes dahinter sehr schade ist. Aber zuerst einmal die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Blutorange, Lavendel; Herznote: Rose, Jasmin, Zimt, Süßholz (Lakritze); Basisnote: Vanille, Moschus, Karamell.

Herb-prickelnd gewährt einem Bergamotte Einlass und leitet über zu ernst-würzigem Lavendel, welcher auf einem üppigen Gourmand-Divan ruht. Cremig-milchige Vanille von samtener Süße, zuckriger Karamell sowie watteweicher Moschus bereiten der Lavendeldiva ein angenehmes Lager, die kokett mit zimtigem Schimmer lockt. Zimt, Lakritze und Lavendel ergänzen sich hier auf derart vorzügliche Art zu einem würzigen Etwas von verhaltener Süße, das von der Gourmandbasis harmonisch ergänzt und von fruchtiger Blutorange sowie floralen Anklängen perfekt abgerundet wird.

Lira ist ein Erwachsenen-Gourmand-Duft, der verführerisch an… ich musste lange nachdenken, habe es jetzt aber: Spanische Leckereien erinnert. An Menjar Blanc, jenen göttlichen Mandelpudding, mit einem Schuss Orangenlikör und von Zimt überstreut? An spanischen Mandelkuchen mit Zimt und Orange? An Mandeleis mit eingestrudelten Zimt-Orangenlikör-Spuren?

Ich finde Lira unglaublich lecker und könnte mir, obgleich kein Gourmandfan, sehr gut vorstellen ihn zu tragen. Er hat die Klasse und die trockene (Lavendel)Süße eines Maharadjah von Patricia de Nicolaï, stellt sicherlich für alle Zimtliebhaber eine gelungene Antwort auf ihre Gelüste dar und dürfte erwachsene Leckermäuler hochgradig erfreuen. Ohne Zweifel – eine Italienerin mit Starcharakter und voller Sinnlichkeit.

Regio, der neue Casamorati-Mann, zollt einer typisch maskulinen Domäne Tribut und huldigt denjenigen Gesellen, die noch echten Männertätigkeiten nachgehen: Seefahrt, Seefahrer und Eroberer, Abenteuer nahm man sich als Vorbild.

„Inspiriert von dem atemberaubenden Meer und dem leichten Wind an den Küsten im Süden Italiens ist Regio ein wertvolles Mosaik aus mediterranen Schätzen.“

Von einem „sehr ungewöhnlichen“ und „markanten“ Aroma ist da die Rede – was sich wie Marketingblabla anhört, trifft hier in der Tat zu: Lange habe ich gebraucht, um einigermaßen Worte zu finden für den Duft und das, was ihn ausmacht. Extravagant im Duft und schwer auseinanderzudröselnd. Nichtsdestotrotz werde ich es für Euch versuchen ;)

Der Auftakt bereits offenbart das wahre Naturell, zeigt sich durchdringend, gleichermaßen spritzig-leicht, aber auch verwegen und von Tiefgang geprägt. Verantwortlich dafür ist eine Melange aus prickelnder Grapefruit, deren säuerliche Herbe sich durch Bergamotte bekräftigt sieht. Kardamom zaubert grün-luzide Frische, während dunkelviolette Patchouli-Pflaumen rauchig-eigenartige Fruchtigkeit malen. Lavendelwürze akzentuiert dieses ungewöhnliche Gespann und kreiert Emergenzen: In Verbindung damit, vornehmlich mit den Hesperiden, entwickelt sich eine Art maritim-aromatische Note, die leicht salzig-metallische Anklänge besitzt und mich die Seefahrerkurve in diesem olfaktorischen Bild nehmen lässt, welches auf einer holzigen Basis weicher Natur ruht, von einer dezenten Wärme umweht.

Immer wieder und wieder habe ich Regio getestet – mit dem Ergebnis: Schlussendlich mag ich ihn, sehr sogar. Aber er brauchte seine Zeit, vielmehr: ich brauchte meine Zeit und einige Anläufe. Mit was man ihn vergleichen könnte? Mit gar nichts eigentlich. Vielleicht eine Art Indult Isvaraya auf hoher See? Mit maritimer Ausstattung und Fougère-Akzenten? Irgendwo da könnte man fündig werden.

Habt Ihr schon getestet? Ich stehe beiden Düften sehr wohlwollend gegenüber – und muss sagen, dass sie bei mir mehr Eindruck hinterlassen haben als die restlichen Casamoratis, die ich mir vielleicht nochmals zur Brust nehmen sollte (da war doch ein schöner Tabak…).

Liebe Grüße und einen schönen Tag Euch,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Monica Bellucci von Manfred Werner – Tsui, Norwegian Sailor (1943), Much tattooed sailor aboard the USS New Jersey (1944), alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Lira und Regio von Casamorati 1888 in unserem Shop.

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Die Schöne und das Biest: Lann-Ael

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Gourmand am 23.05.2011

Mariela

Und wieder ein Duft aus dem Hause Lostmarc‘h, der etwas mit Engeln zu tun hat. Nach dem Schutzengel Ael-Mat kommt jetzt Lann-Ael, die Engelsheide. Ob die Engel sich dort wohl zum Frühstück treffen? Das kann ich mir bei diesen Ingredienzen gut vorstellen:
Buchweizen, Getreide, Milch, Apfel, Vanille.

Nach dem ersten Sprüher breitet sich eine warme und weiche Vanillewolke aus. Ganz fluffig und mit viel Milchschaum vermischt erinnert Lann-Ael an Pudding oder Eis. Balsamisch und süß wirkt dieser Duft, geradezu besänftigend und beruhigend. Die Getreidenoten verhindern allerdings, dass daraus eine pappsüße Angelegenheit wird, und das ist gut so. Ich bin kein Fan von Gourmand-Düften, und dass unser heutiger Protagonist vorzüglich in diese Nische passt, kann man beim besten Willen nicht leugnen. Trotzdem ist er ein leichter Geselle, eine light-Version eines Gourmand-Duftes. Ich muss gestehen, je länger ich an meinem Handgelenk schnuppere, desto mehr gefällt er mir. Lann-Ael erinnert mich an meine Kindheit, an Geborgenheit, an gemütliche Wintertage mit Milchreis, Keksen und warmer Milch.

rice pudding with vanilla bean

Den Apfel kann ich leider nicht wahrnehmen. Die säuerliche Komponente fehlt auf meiner Haut völlig. Man sollte meinen, so ein Duft passe nur zu kalten Wintertagen. Ich finde ihn aber auch in der jetzigen Frühlingszeit sehr tragbar, vor allem am Abend.

Vanilla Slice - Just Fine Food

Zu Vanille habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis. Einerseits fühle ich mich sehr zu ihr hingezogen, andererseits habe ich noch keinen Vanilleduft gefunden, nach dem ich riechen möchte. Ähnlich geht es mir mit Lann-Ael. Ich finde ihn wunderschön, aber ob ich ihn tragen werde? Bis ich allerdings den geeigneten Vanille-Kandidaten gefunden habe, begnüge ich mich gerne damit, hin und wieder an Lann-Ael zu schnuppern.

Harmen

Buchweizen, Getreide, Milch, Apfel, Vanille – klingt wie ein überdrehtes Müsli – war mein erster Gedanke als ich die Duftnoten las. Nach unserem letzten Lostmarc’h-Artikel über „Ael-Mat“, was auf Bretonisch „Schutzengel“ bedeutet, bleiben wir im Reich der Engel, denn „Lann-Ael“ wird mit „Engelsheide“ übersetzt. Bei einem von der Heide inspirierten Duft würde ich Gräser, Erdiges und Wurzeliges erwarten mit Hölzern in der Basis, aber ich bin gespannt, wie Lostmarc’h diese Idee umgesetzt haben.

Bretagne - Finistère - cap de la chèvre 006

Schon beim Aufsprühen wird man von einer Vanillewolke umgeben, welche von den genannten Duftnoten durchsetzt ist. Getreidige Aspekte und ein ganz leichter, säuerlicher Apfelhauch werden von den vanillig-milchigen Noten umschlossen – mich erinnert der Duft ausgesprochen deutlich an Butterkekse. Auch auf der Haut ändert sich an diesem ersten Eindruck nichts. Hier kommt allerdings die säuerliche Note besser heraus, so dass ich ohne das Wissen um den Apfel eher auf Zitrone getippt hätte – auf der Haut also eher ein Keks mit Zitronenfüllung.

Freunde von Gourmanddüften sollten hier unbedingt mal hineinschnuppern – für einen Gourmand haben wir es hier mit einem der leichteren Vertreter zu tun, denn die Süße bleibt trotz der Zutaten recht zurückhaltend. Den Herren der Schöpfung würde ich allerdings eher abraten, und da ich Süßspeisendüfte ohnehin nicht sonderlich schätze, werde auch ich Abstand nehmen.

Eine frische Brise über der Heide – vielleicht zur Winter- und Weihnachtszeit, trotzdem auch im Sommer tragbar. Vielleicht ist aber vielmehr „Engel“ hier der richtige Fingerzeig. Dieser Duft ist nicht von dieser Welt und die Engelsheide liegt vermutlich auch nicht in der Bretagne. Ich sehe hier eher einen Sommertag, man sitzt mit einer Keksdose an der Küste und lässt sich ein mildes Lüftchen um die Nase wehen.

Cap de la chèvre Chemin 2010 440

Keksige Grüße
Harmen

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Die Frühstücksthematik…

Geschrieben in Duft,Gourmand am 12.05.2011

… von gestern greife ich heute erneut mit einem weiteren neuen Duft von Pierre Guillaumes Firma Parfumerie Générale auf: Nachdem Tonkamande bereits besprochen wurde ist jetzt Praliné de Santal an der Reihe, der ebenfalls der Gattung der Gourmanddüfte zuzurechnen sein soll.

Praliné de Santal soll laut Ankündigung ein „powdery-woody gourmand“ sein, demgemäß ein pudrig-holziger Gourmandduft mit Sandelholz, Heliotrop, Haselnuss, Virginia-Zedernholz und Cashmeran.

Frisch auf die Haut – diese Phase erfordere mehrere Versuche, unterschiedliche Tests. Und die Assoziation, die ich jedes Mal habe, ist – Brezel. Butterbrezel. Und weder ich noch derjenige, der da in Ruhe frühstückt, vermag sich für den adäquaten Aufstrich zu entscheiden. Deliziöse Karamellcreme, die ganz hervorragend mit der leichten Salzigkeit des gelaugten Teilchens harmonieren würde. Oder Marmelade, beschwipste Herrenmarmelade, mit Trauben und einem Schuss Edelalkohols. Oder vielleicht gleich der Klassiker: Eine Nuss-Nougat-Creme mit gerösteten Haselnüssen? Daneben könnte noch ein Ingwerbrot stehen, auf diesem reich gedeckten Tisch auf einer blütenweißen Tischdecke, der im Freien angerichtet wurde und in schönstem Sonnenschein der Frühstückenden harrt.

Sanft wehen einem im Aufakt ozonige Noten entgegen, die an eine sachte Brise erinnern. Sofort hält das Salzige Einzug begleitet von der Anmutung von Laugengebäck. Wie einen Blick, den man entlanggleiten lässt, ein Blick, den man über jenen gedeckten Tisch schweifen lässt erscheint einem der Duft. Sorgsam verwebt Guillaume die duftenden Elemente miteinander zu einem dichten Erleben: Frische Brezeln und Laugenwecken gefolgt von Ingwerbrot, feine fruchtig-geleeartige Nuancen, die eine leise Ahnung von Alkoholischem vermuten lassen, sowie Honig, heller, klarer Wiesenhonig, der seine volle Pracht erst in Verbindung mit cremiger Butter entfaltet. Geröstete Nüsse und ein Hauch Kakao, angerichtet auf einer prächtigen Holztafel.

Praliné de Santal lebt von seinen Kontrasten und erinnert mich so ein bisschen an jene in Honig und Salz gekleideten Macadamianüsse, die ich für mein Leben gerne esse, oder jenes Karamelleis mit Salz, das ich letztes Jahr als einziger Cafégast vernarrt jede Woche verschlang: Ein Gourmandduft, der auch den Nerv all jener treffen könnte, die keine Gourmands mögen. Und trotzdem etwas ist für den Gourmand-Connaisseur. Allerdings nicht für den, der ein pappig-süßes Kinderbonbon sucht. Nein, Praliné de Santal vermag es einmal mehr zu zeigen, dass Pierre Guillaume sein Handwerk versteht, nicht nur sein Parfumeurshandwerk, sondern eben gerade auch das Handwerkszeug für Gourmanddüfte beherrscht.

Der Duft erinnert mich zuerst ein wenig an Lutens’ Jeux de Peau, jene Baguette-Hommage, die sich allerdings, sorry, im Vergleich mit Guillaumes Praliné de Santal wie die Arbeit eines olfaktorischen Grobmotorikers ausnimmt: Nicht schlecht gefällt er mir, der neue Lutens, wieder ausgefallener als die letzten seiner Düfte, bei denen ich jene Extravaganz und Einzigartigkeit der jungen Jahre vermisste. Doch ist das Gebäck hier ein wenig zu knarzig, ein bisschen zu dolle, als dass ich es tragen wollen würde. Guillaumes Praliné de Santal ist da ganz anders: In seiner Opulenz und Komplexität (die ich hinter den Zutaten nicht vermutet hätte) steht er in voller Pracht neben Crime Exotique, jenem Glühweinduft, der mir an Weihnachten den Kopf verdrehte – siehe hier -, ist aber transparenter, ja fast schon ätherischer Natur. Und wunderschön malerisch. Deshalb auch der Monet, dessen Stimmung perfekt zu diesem wundervollen Düftchen passen mag.

Viele Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Claude Monet: The Dinner via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier erhalten Sie Praliné de Santal von Parfumerie Générale in unserem Shop.

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