Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Von der Liebe – MariaLux die Zweite.

Gestern hatte ich bereits mit Truly, dem ersten Duft des Trios begonnen, das die Künstlerin Lilian Driessen unter dem Namen MariaLux, ihres Alter Egos, letztes Jahr lancierte. Heute möchte ich Euch die anderen beiden Düfte vorstellen, Madly und Deeply. Madly steht für die „verborgene Liebe, die Liebe der Geliebten“, während Deeply Abgründe der Liebe auslotet – für die „schmerzvolle, tiefgründige Liebe“ stehend.

Madly… assoziiere ich im Zusammenhang mit der Liebe als Verrückt-Sein, Verrückt-Nacheinander-Sein. Leidenschaft, auch sexueller Natur. Anziehung, geistige, körperliche, seelische. Wen wundert also, dass Madly von samtener Wärme ist, und das bereits von Anfang an: Pulverig-pudrig warm und gefühlvoll offeriert er einen dichten olfaktorischen Teppich, dessen einzelne Ingredienzen einen vor ein Rätsel stellen – irgendwo da drinnen vermute ich Weißblüher, etwas narkotisierend, vermutlich Tuberose, fein verwoben in hellen Harzen und anfänglich von etwas würzig-krautigem wie beispielsweise Angelika eingeleutet. Und dann finden sich da noch Tabaknoten, ähnlich sinister-süße wie in Serge Lutens’ Fumerie Turque, die in cremig-skinnigen Anklängen baden.

Ich könnte mir vorstellen, dass Madly Frauen gefällt, die durchaus auf der Suche nach etwas Hautnahmen sind, dabei aber kokett-verführerische Vorwitzigkeit mögen – Fifi Chachnil wäre der Kandidat, der mir einfallen würde, müsste ich geistige Verwandte benennen.

Deeply allerdings tendiert in eine ganz andere Richtung, wie ich bereits in unserem Shop schrieb und mich an dieser Stelle gleich selbst zitiere:

„Deeply ist – ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis der Liebe, ein Bekenntnis der Leidenschaft. „Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“, das wusste schon Friedrich Nietzsches Zarathustra – und die Liebe, sie sucht nichts anderes. Deeply vereinigt, verschmelzt – Ambra und Zimt, eine Amour Fou, die mit ihrem lichterlohen Feuer alles hell erstrahlen lässt. Würzig und von scharfer Süße, gourmandig, skinnig, lieblich und kokett, von fruchtigen Anklängen, der Ahnung eines Apfels begleitet und harzig anmutend leuchtet Deeply alle Facetten der Leidenschaft aus und vermag damit zu betören.“

Dass diese Form der Liebe ihre schmerzhaften Seiten hat, ihre Untiefen, dass der Grund bei dieser Art unsicher ist – das glaube ich gleich: Deeply ist loderndes Feuer der Leidenschaft, eine Harzexplosion der ganz besonderen Sorte: Ambra und Zimt als glühendes Liebespaar in inniger Umarmung, würzig, charaktervoll, harzig und scharf-sexy-süß. Karamell-holzige Anklänge gerösteter Natur strömen meiner Nase entgegen, die mich an eine dicke, krosse Glasur erinnern, die Glasur eines – … Bratapfelkuchens, der sich an einer Ecke süß-verkokelt zeigt. Hat sich da wohl ein bisschen Oud hinein verirrt?

Ihr wollt Vergleiche? Deeply riecht für mich wie das Kind einer heißblütigen Liaison von Nasomattos Black Afgano und Hermès’ Ambre Narguile aus der Hermessence-Kollektion – und ist damit mächtig und unbedingt habenswert.

Habt Ihr schon getestet? Was gefällt, was nicht, ist eine (neue) Liebe dabei?

Ich bin gespannt!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: MariaLux; MADLY: Oh lover, make me yours again / DEEPLY: Pain & Pleasure, Faith & Fear.

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MariaLux…
Duftverzeichnis L – Z
Gralssuche die Zweite…


Maison de Haute Parfumerie à Paris…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand,Krautiges am 18.01.2012

… ist der vielsagende und wohlklingende Zusatz der neuen Nischenduftmarke Atelier Flou, welche in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 auf einmal „aufpoppte“ und gleich mit acht Düften aufzuwarten vermochte.

Was oder vielmehr wer verbirgt sich dahinter? Ein Herr namens Jean‐François Cabos, dem der konventionelle Parfummarkt nicht viel bieten konnte und der als begeisterter Duftfan deshalb beschloss, sich auf das typisch französische Traditionshandwerk der Parfumeurskunst zu besinnen und seine Düfte einfach gleich selbst zu kreieren, vielmehr – kreieren zu lassen. Und zwar von Jacques Chabert, über den man nicht allzu viel findet, dem man aber Lentisque von Parfums 06130 nachsagt – ein zu Unrecht vollkommen unterschätzter Duft. Und bei Chanel und Guerlain soll er tätig gewesen sein – eine große Vergangenheit in großen Häusern, die auch Cabos, der Firmengründer von Atelier Flou, vorzuweisen hat: Er war Managing Director bei Balenciaga, bis diese von Gucci aufgekauft wurden. Chabert und Cabos kannten sich seit Jahren, was vermutlich auch die ungewöhnliche Art und Weise der Briefings für die Düfte möglich machte: Cabos zeigte Chabert dafür Zeichnungen, Texte, Bilder und Gedichte, und nach fünf Jahren enger Zusammenarbeit war man am Ziel angekommen: Acht Düfte, ganz gerecht vier für die Frauenwelt und vier für die Herren der Schöpfung, waren als Ergebnis emsiger Arbeit entstanden. Und diese trägt ihre Früchte: Das Feedback war exzellent, auch Kollegen äußern sich überaus wohlwollend.

Roja Dove, Duftexperte bei Harrods und selbst Parfumeur, tat Folgendes kund:„Jacques Chabert, das kreative Genie hinter einigen großen Klassikern, verbündete sich mit Jean‐François Cabos, um ein überwältigendes neues Dufthaus zu gründen – Atelier Flou ist zweifelsohne die neue Haute Parfumerie.“

Haute Couture mag ich, Haute Parfumerie natürlich auch – so stürze ich mich nun als altes Trüffelschwein für Euch ins olfaktorische Getümmel, immer auf der Suche nach einem neuen Holy Grail…

Beginnen wir mit den Damen, das lässt mir gleich Luft für eine Beichte: Ten Nine, Paradis Paradis, Shamsin und Sloane Rose heißen die Düfte – letzteren muss ich leider später nachliefern, zum Zeitpunkt des Schreibens meiner Rezension war leider kein Muster für mich verfügbar.

Ten Nine wird so charakterisiert:

„Greedy, Careless, Devouring the life with full teeth. The explosion of a splendid fruit cocktail, with the irresistible aroma of the chocolate and the refreshing touch of the so smart green tea underlined by a voluptuous attar of carvi of Hungary for this fragrance which tastes like a magic moment of life fully crunched. Greedy pleasure.“

Früchte, ehrlich? Soviel Frucht vermag ich hier nicht zu entdecken, das stört mich aber auch nicht weiter: Beeren finde ich, wenn ich mich bemühe, in allererster Linie aber zauberhaft kakao-pudrige Schokoladenanklänge, die zimtig anmutenden Harzen sanft-würzig unterstrichen werden. Eine Prise Kümmel, auf dem Teststreifen sehr viel deutlicher zu erkennen als auf meiner Haut, ein paar Zitronensternchen leuchten am Rand den Weg, der über verhalten krautig-ernste Akzente (Lavendel!) in eine deliziös-ambrierte Basis führt.

Die Diskrepanz zwischen Teststreifen und Haut ist frappierend: Der Teststreifen zeigt sich frischer, offeriert Kräuter und somit Gartenimpressionen, von After-Eight-Leckereien versüßt. Auf meiner Haut kommt das alles weniger zum Tragen und es dominiert eine trockene Wärme, die mit allen möglichen Schokoladenfacetten und -nuancen brilliert. Ein eigener Test, der ja ohnehin immer angeraten wird, ist hier unerlässlich.

In jedem Falle scheint mir das ein schöner Einstieg gewesen zu sein – ich bin gespannt, was uns diese Woche mit Atelier Flou noch erwartet!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Various Chocolate Types von Fir0002/Flagstaffotos, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Von Schwertern & Samurai – Atelier Flou die Zweite.
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Herren vor – Atelier Flou die Dritte.


In 80 Tagen…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Gourmand,Holziges,Reines und Pudriges am 21.12.2011

um die Erde reiste Phileas Fogg im gleichnamigen Roman des Franzosen Jules Verne – und wir, meine Lieben, wir reisen in drei Tagen um, vielmehr: durch die Welt des Herrn Antonio Visconti. Dessen Duftkollektion ist nämlich dieser Tage bei uns ins Sortiment genommen – für mich Anlass genug, mir diese bis dato für mich komplett unbekannte Linie einmal ausführlich zur Brust zu nehmen und unter die Nase zu klemmen.

Antonio Visconti selbst war ein – Handschuhmacher, ansässig in Paris, der später in Italien die hohe Kunst des Parfumeurshandwerks erlernte. Über 150 Jahre ist das jetzt her – und die Kollektion ehrt jenes Handwerk, indem sie ausschließlich aus erlesenen Ingredienzen besteht, meisterlich umgesetzte Düfte offeriert und mit sehr hohen Konzentrationen brilliert. Soviel zum Hersteller, stürzen wir uns doch gleich ins wohlduftende Getümmel…

Le Temps d’Hiver, die Zeit des Schnees… sollte ja jetzt gerade sein, passt also eigentlich ganz gut. Und Schnee sieht man hier ähnlich umgesetzt wie bei einem anderen Italiener, dem Philosophen Lorenzo Villoresi: Ein Puderzuckerwintermärchen. Die Verwandtschaft mit Teint de Neige ist nicht von der Hand zu weisen, Le Temps d’Hiver ist aber für mich erträglicher, weil einen Tick weniger süß-pudrig-opulent. Was jetzt aber nicht heißt, dass es hier nur verhalten pudrig zur Sache geht: Ein weicher Wintertraum von Mandelwatte in Blütenmilch getaucht, von Samtmarzipan umhüllt und in Hautcreme gebadet.

Cœur de Vanille, das Vanilleherz, wird nicht nur die Herzen von Vanilleliebhabern höher schlagen lassen: Haselnuss, schönste Haselnuss findet sich hier in diesem kleinen Gourmandschätzchen. Eine geröstet-nussig-rauchige Vanille, von pudrigem Kakao verfeinert und von holzigen Anklängen untermalt. Trockene (Ge)Würzigkeit, süße Pfefferschärfe – eine ungewohnte Vanilleinterpretation, die Vanillefans noch zu überraschen vermag und Gegner klassischer Vanilledüfte ebenfalls. Die könnte sie sich nämlich ebenfalls zu Freunden machen.

Bois de Gayac zielt in eine gänzlich andere Richtung: In Micallefschen Gaïacträumen verharrend, hatte ich mir eigentlich einen warmen Holzling vorgestellt. Den entdecke ich hier nicht, oder vielmehr: ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Von einem selbstsicheren Mann ist da die Rede, von dampfender Erde und rauchigem Holz, von Ritualen, Spiritualität und Wellness. Ein bisschen viel Tamtam und Blabla enthüllt einige Sekunden später einen wirklich außerordentlich schönen Duft: Balsamisches Guajakholz von verhalten süßer Wärme vor einem dezent harzigen Hintergrund, von aquatisch anmutenden Zitrusfrüchten, vornehmlich Orange, gekonnt akzentuiert. Ein überaus schönes Hölzchen, elegant, maskulin und dynamisch – sicherlich aber auch an der richtigen Frau ein Treffer.

Soir de Mer, der Abend am Meer, wird natürlich richtig aquatisch, aber auf eine tolle maritime Art und Weise. Will sagen – man riecht sofort, dass wir es hier mit keinem Discounter-Duschgel-Aroma zu tun haben, ganz im Gegenteil: Der Abend am Meer ist meisterlich umgesetzt mit zitrischen Sternchen, die von luzider Rose durchdrungen werden, Jasmin und schwarze Johannisbeere im Herz sowie Seegräser, Iris, Adlerholz und Tonka in der Basis. Aber was erzähle ich, der Eindruck ist es, der zählt. Ich finde mich hier wieder beim Rendezvous im einsamen Strandlokal, mit einem Mann, der zwar eine unterschwellige Süße offenbart, aber fern von jeglichen Süßholzrasplern rangiert. Für diesen Nicht-Berlusconi und Nicht-Briatore ist dieser Duft perfekt – wohltemperiert und von selbstbewusster, aber keineswegs aufdringlicher Virilität.

Bisheriges Fazit: Bella Italia! Typisch italienisch – und das ist Gott sei Dank dufttechnisch ein Gütesiegel!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Snow Hikes von Michael Faes, Hazelnut von Eran Chesnutt, Evening at Trieste von MichaelaW, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Freitagsverlosung.
Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 13
Winterneuheiten.


Prudence Paris Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Gourmand am 24.11.2011

Die Düfte von Prudence Kilgours kleiner Linie Prudence Paris beschäftigen uns diese Woche – und heute sind Duft No. 5, No. 6 und No. 7 an der Reihe.

In Prudence No. 5 schillert in der Kopfnote das auf, was ich „Nachbarin“ No. 4 gestern so vehement unterstellt hatte: Melone. Fein-fruchtig, leicht mehlig und von typischer Süße präsentiert sie sich, die Holde, um alsbald den Weg frei zu machen für ein überaus ansprechendes Herz. Johannisbeere, tief dunkelviolette in herber Pracht trifft auf betörenden Jasmin und würzig-warme Tonkabohne, welche sich in der Basis gekonnt von Vanille bekräftigt sieht. Untermalt wird dieses Geschehen von sanft-rauchiger Harzwärme durch Ambra.

An was erinnert mich das? Ich musste lange überlegen, bin dann aber doch noch draufgekommen: Eine entfernte Ähnlichkeit mit Parfum Pour Toi von The Pink Room ist vorhanden, durchaus ein Qualitätsmerkmal also. Wie Parfum Pour Toi ist auch dieses Düftchen hier französisch, ein bisschen Gauloises rauchende Audrey Hepburn, kokette-frivole Kindfrau, sinnlich, unschuldig, erotisch und vor allem auch erfrischend bis in die Fußspitze äh… Basisnote. Ich mag das. Mehr davon bitte.

Prudence No. 6 zeigt sich schon nach dem ersten Schnuppern als ganz anderes Kaliber: Weihrauch, meine Damen, in Kombination mit Rose. Hier geht es zwar nicht ganz so gruftig-kühl zur Sache wie bei den wunderschönen Weihrauchdüften von Andy Tauer, aber Madame Kilgour lässt es auch ordentlich krachen. Es raucht schon von vornherein gewaltig und Opoponax und Weihrauch entwickeln im Zusammenspiel mit Bergamotte ähnlich sonderbar-eindringliche Anklänge wie sie in Etros Mitternachtsmesse, Messe de Minuit, zu finden sind: Jener geniale Balanceakt zwischen kalten Kirchenwänden und harzig-trockener Wärme. Ein riesiger Brautstrauß dunkelroter Rosen, der irgendwo in einer alten Kirche einsam auf dem Altar wartet, große Emotionen verkündend? Ja, doch, dahin tendiert jener umhüllende Duft, der einen auf sehr ähnliche Weise schützend umfängt wie es die Etrosche Messe vermag. Allerdings ist die No. 6 weicher, harziger, ja – … gefälliger und brilliert darüber hinaus noch mit ihrem Rosenbouquet, das sich schön in das kontemplative Szenario einzufügen vermag.

Die No. 7 sprühe ich auf – und fühle mich gleich erinnert: Engelein höre ich singen, es weihnachtet ja auch schon… Ein waschechter Fruitchouly bahnt sich hier seinen Weg und erinnert deshalb zwangsläufig an die große Ikone, die die Duftfamilie der Gourmands überhaupt erst erfunden hat: Angel von Thierry Mugler. Geliebt wird er genauso heißblütig wie er gehasst wird – das wird auch auf die No. 7 zutreffen, wobei Fans von Profumi del Pantellerias Jailia und Micallefs Mon Parfum getrost zugreifen dürfen. Likörig-satte und herb-fruchtige Pflaume sowie Beerennoten, für mich Brombeere, die beiden fruchtigen Geliebten schmiegen sich sündig an den übermächtigen Patchouli, der gewandet in pudrigem Kakao dunkelster Sorte und cremige Vanille die unangefochtene Hauptrolle spielt. Ein sündhafter Gourmand für erwachsene Naschkatzen.

Morgen folgt der Abschluss der Prudence-Damenkollektion – bis dahin liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hepburn & Peck in “Roman Holiday” (1953), Decke der Kathedrale von Kirckwall, Orkney/Schottland von Clemens Franz, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Herren von Prudence Paris.
Prudence Paris Teil 4.
Prudence Paris…


Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Solifloral am 10.11.2011

Orchidée Vanille ist die Nummer Drei unserer Collection Extraordinaire, die ich mir für Euch unter die Nase klemme, und wurde von Randa Hammami kreiert. Randa Hammami, eine Dame, war mir bisher nicht namentlich bekannt – nach kurzer Recherche offenbart sich, dass sie kein unbeschriebenes Blatt ist: Epic Man von Amouage geht auf ihr Konto, ebenso Cruel Gardenia, Garden Sensuel sowie L’Instant Magique für Guerlain. Gar nicht so viel, mit Orchidée Vanille katapultiert sich Madame aber sofort in den ewige Bestenliste der Vanille-Düfte – und wie wir ja wissen, allzu viele sind es nicht. Zu synthetisch, zu pappig, zu klebrig-süß sind viele Gesellen, erwachsene und vor allem auch komplexe Vanilledüfte sind eher seltener zu finden.

Indults Tihota ist einer davon, Goutals rauchige Vanille Exquise sowie Guerlains Spiritueuse Double Vanille und noch einige mehr – Orchidée Vanille gesellt sich sofort dazu.

Hammami fabriziert mit Vanille in ihrem an den Ursprung derselben, jene Orchidee erinnernden Duft ähnliches, wie Ellena für Hermès mit der Ingredienz Ambra in Ambre Narguile anstellte: Sie verwandelt eine olfaktorische Süßigkeit in Naschwerk für Erwachsene. Von der Blüte hat der Duft die Strahlkraft, das betörende Moment, seine Verführungskünste gehen aber hauptsächlich auf das Konto des gourmandigen Anstriches, den im Hammami gönnt. In ein Mandelkleid steckt sie die laszive Diva, einen seidigen Hauch Marzipans, von einem zarten Nebel Schokolade umhüllt. Orange und vor allem Litschi stiften eine Spur Fruchtigkeit, die sich perfekt mit der Rosenfrische im Herzen ergänzt, welche gekonnt die süße Wärme des Duftes ausbalanciert. Veilchen pudert und erdet ein wenig, während die Basis mit Tonkabohne, Moschus und Zedernholz das überaus warme, würzige Wesen des Duftes aufgreift.

Ausladend, die Vanille in all ihren Facetten auslotend: Cremig-milchig und würzig-süß, verfeinert mit allerfeinsten Zutaten. Wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft?

Lys Carmin, Duft Nummer Vier, ist eine Lilie – und keine alltägliche. Bei mir ist der Duft sofort in meinen Bestand gewandert, soviel sei schon einmal verraten.

Lilien in natura bereiten vielen Kopfschmerzen, bei Düften gibt es eigentlich vornehmlich zwei Varianten: Diejenigen, die eben diesen doch sehr eigenen und opulenten Lilienduft einfangen wie zum Beispiel Yosh Hans Stargazer , Frédéric Malles Lys Meditéranée oder Penhaligon’s Lily & Spice. Oder eben diejenigen, die klar, leuchtend, sauber daherkommen und eher zurückhaltender Natur sind – Serge Lutens’ Un Lys ist dafür ein Beispiel oder Annick Goutals Des Lys.

Nathalie Cetto, die Lys Carmin geschaffen hat, geht einen ganz anderen Weg: „The perfumer has not rendered the purity of the flower, neither its intoxicating aura, but the nectar that is floating on a surface of satinwood in a heavy fluidity“ – wie man bei Octavian Coifan lesen kann, und dem muss ich mich uneingeschränkt anschließen.

Lys Carmin fängt weder die Aura der riesigen Blüten ein, die einen gierig umgarnen und einem die Sinne betören. Auch ist nicht die holde, weiße Blume mit ihrem reinen Image das abzubildende Ziel. Eher ist es der Nektar, der heraustropft aus dem blühenden Wunder, den Feisthauer hier eingefangen hat: Schüchterne Lilie in eigenartiger Ambivalenz – luftige Frische mit wässrigen Anklängen und feinem Grün, denen eine holzige und würzige Wärme gegenübergesetzt wird. Dazu süße Zimt- und subtile Pfefferschärfe nebst honighaft-fruchtiger Ylang-Ylang-Süße, untermalt von milchig-pudriger Vanille.

Sinnlich und sehr besonders, gleichermaßen verführerisch, aber doch auf moderne Art feminin.

Mal schauen, was die restlichen beiden Düfte für uns noch bereithalten – diese folgen morgen.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Vanilla Planifolia von H. Zell, Lilium Gran Paradiso / Real Jardín Botánico de Madrid von Cillas, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

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Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 4.
Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.
Duftjuwelen – Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire.


Reisen mit Molton Brown die Dritte.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Grünes,Holziges am 19.09.2011

Heute findet die Navigation Through Scent-Kollektion ihren Abschluss – und wir reisen dafür wie versprochen gedanklich nach Europa und nach Amerika.

„Grün-aromatisch“ soll er sein, der Duft, der Kent gewidmet ist und den Namen Apuldre trägt:

„Twilight on a summer’s day, in the garden of England. Picnic blankets on fresh cut grass. Fizz and gin. Irreverent. Cheeky. A bit mad.“

Picknick mit Gin? Ich wusste ja schon immer, dass die Engländer ein bisschen durchgeknallt sind, aber nachmittags Schnaps? Nun gut, warum auch nicht – zumal ginähnliche Ingredienzen bisher in Düften sehr vorbildlich in Erscheinung traten, ich erinnere nur mal an Lubins Gin Fizz. Leider ist mir der en détail nicht mehr präsent, auf einen direkten Vergleich müsst Ihr an dieser Stelle deshalb verzichten. Macht aber nichts, mir fällt trotzdem einiges zu Apuldre ein: Lächeln muss ich, als ich ihn aufsprühe – denn die Gin-Assoziation drängt sich in der Tat gleich auf, springen einem doch sofort Wacholderbeeren übermütig in die Nase, von bitter-grünem Wermut begleitet. Jene typische eigentümliche Fruchtigkeit des Wacholders lässt mich in Kombination mit dem Blattgrün, welches ich nicht treffsicher als Veilchenblätter auszumachen vermag, an grüne Äpfel denken. Vielleicht liegt es am Namen – Apuldre heißt nämlich Apfelbaum, aber bei so einem Picknick hat man ja auch fast immer Äpfel dabei, wenn man nicht gleich unter einem ebensolchen Baum kampiert und die Früchte frei Haus auf den Teller geworfen bekommt. Im weiteren Duftverlauf wird durch die gestrenge Zeder das Holz und die Borke desjenigen Baumes betont, unter dem die Picknicker Schatten suchen. Leder stiftet in der Basis Kühle, während Styraxharz die Rauchigkeit der Wacholderbeeren und des Holzes aufgreifend den Duft gekonnt abrundet.

Ein smaragdgrün-rauchiger Edelstein ist Apuldre und hat es mit seiner Besonderheit verdient, leidenschaftliche Liebhaber zu finden.

Ein solcher bin ich auch – und zwar von Rogart, dem fünften und letzten Duft der Kollektion. Wie gerne einmal, komme ich zu meinem Liebling am Schluss: Rogart ist ein Kanadier und der freien Wildnis gewidmet, den Nächten in kleinen „Cabins“, jenen mickrigen Häuschen draußen im Nirgendwo, Lagerfeuern unterm Sternenhimmel und derlei Dingen, die ja Abenteurer tun – denn Abenteuer steckt drin im Duft, das verrät uns Molton Brown.

Abenteuerlich ist auch, was Rogart da auf meiner Haut veranstaltet: Frisch aufgesprüht braust mir Wacholderfruchtigkeit entgegen, von bitteren, dunkelgrünen Koniferennadeln begleitet, auf dem Fuße gefolgt von deren Träger – sattem, harzigem Holz, frisch angeschnitten. Unverhofft kommt in Folge oft – Rogart fängt auf meiner Haut zu springen an: Das Holz wirkt süßer und süßer, als hätte man es mit Karamell bestrichen. Nicht ganz – Ahornsirup, das war es, und ja, Walnuss, welche mich in der warmen Süße an meine Lieblingseissorte von Häagen Dazs denken lässt. Schnell vertrieben sind derlei Träume – für Eis wird es nämlich zu warm, da aus dem Hintergrund die rauchige Glut eines knisternden Lagerfeuers ins Bild drängt, an dem ein zünftiges Mannsbild in Lederhosen sitzt und ein paar dicke, weiße Marshmallows röstet.

Ich bin, wie ihr ja wisst, normalerweise kein ausgewiesener Gourmandfan, es sei denn es geht erwachsen zu – das hier ist eine erwachsene, eine reife und vor allem ausgereifte Variante. Und zugegebenermaßen so lecker, so interessant, weil von solch eigenartiger Schönheit, dass mir einmal mehr die Vergleiche ausgehen.

Sonderbarkeits-Faktor – siehe Douce Amère. Ansonsten: Bitte tauchen Sie Micallefs Gaïac in eine Schachtel Mövenpick Maple Walnuts und stellen Sie es danach in den Wacholderrauch eines lauschigen Feuerchens mit Wacholderholz – oder vielmehr: lassen Sie es stellen, von einem echten Mann in knackiger Lederkluft, der hernach Ihr Herz mit Kuh-Bonbons erobert und mit Ihnen auf seiner Harley davonknattert. Alles klar?

Nun, nachdem wir (vorerst) am Ende der Molton Brown-Vorstellung angekommen sind: Habt Ihr schon getestet, wie gefällt Euch die Kollektion, habt Ihr Kaufkandidaten?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Picnic photographed by Gabriel Veyre (before 1936), Picture of trees with campfire light von plex/Peter Skadberg, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Navigation Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

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Freitagsverlosung.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.
Reisen mit Molton Brown die Zweite.


Schokoladenpüppchen…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Reines und Pudriges,Tropisches am 2.09.2011

… ist ein ganz entzückender Name für einen Duft – und besonders verheißungsvoll, wenn er aus einem Haus kommt, das in der Vergangenheit bereits bewies, dass es ein Händchen für Schokoladendüfte hat.

Von Il Profumo ist da die Rede und von Chocolat Bàmbola, dem neuesten Streich von Madame Casoli. Die Ingredienzen: Kopfnote: Mango, Papaya; Herznote: Kirschblüte, Mandelblüte, Mimose, Pfirsichblüte, Baumwollblüte; Basisnote: Schokolade.

Das Püppchen hier ist wahrhaft bezaubernd – und das ganz ohne girliesk zu sein: Exotische Südseefrüchte von herber Fruchtigkeit erobern meine Nase, Mango, meine geliebte, und Papapya, ebenfalls nicht zu verachten. Das zarte Herz gewinnt sofort: Ein Sträußchen voll zurückhaltender Anmut, sanfte Blüten, pudrig-fruchtig-süß kokettierend, jedoch ohne vordergründige Bling-Bling-Manier. Das Frucht-Blumen-Stillleben zeigt sich von einem zarten Schleier von Kakaopuder überzogen, auf einer Basis vanillig-marzipanig-mandeliger Aromen ruhend.

Der vierte Schokoladenduft in der Il Profumo-Kollektion: Nach Chocolat, Chocolat Amère und Chocolat Frais weiß auch unser gar nicht so püppi-hafter Chocolat Bàmbola zu überzeugen – selbst mich, die ich keine ausgeprägte Gourmand-Leidenschaft besitze.

Ebenfalls neu aus dem Hause Il Profumo ist Osè, der mir betreffs der Namensgebung einige Schwierigkeiten machte: OSE, die Stockholmer Börse konnte nicht damit gemeint sein. Auf französisch heißt osé mit einem Akut oder auch accent aigu soviel wie frech, gewagt. In italienisch werde ich hingegen nicht fündig, dafür in der Google-Bildersuche: Zuerst finde ich lauter Züge und dann Heerscharen zum Teil nur dürftig verhüllter Frauen. Ich glaube, hier kommen wir der Sache etwas näher, ist doch auch in Osès Beschreibung von Sinnlichkeit die Rede. Dafür verwendete man folgende Ingredienzen: Maiglöckchen, Tuberose, Freesie, Pfirsich.

Jenen erotischen Aspekt, der sich hier vermutlich ausdrücken soll, vermag ich nachzuvollziehen: Osè riecht für mich wie junge, süße und, von welcher Aktivität auch immer, leicht gewärmte Haut. Weibliche Haut. Die Zutaten verschmelzen zu einem Ganzen, dass sich auf die eigene Haut legt und diese zum Strahlen bringt, nicht aber unbedingt wie ein Parfum wirkt. Ein Skin-Duft, auf seine Art und Weise, ist Osè, mehr Aura als Parfum mit Kopf-, Herz- und Basisnote und dementsprechendem Verlauf. Wie immer sich schüchtern im Hintergrund aufhaltendes Maiglöckchen stiftet florale Frische, von Freesien einen aquatisch-wässrigen Hauch und eine Portion Fruchtsüße atmend, welche sich von samtigem Pfirsich untermalt sieht. Und da wäre da noch die Tuberose, opulent weißblühend mit der ihr genuinen, latent pilzigen Anmutung versehen und einem interessant nussigen Aspekt, der eine verhalten gourmandige Ahnung nach sich zieht.

Ein schöner Duft und vor allem ein ziemlich besonderer – sicherlich wird er vielen Frauen gefallen. Ich allerdings ziehe als Skinduft Histoires de Parfums Moulin Rouge vor, bin allerdings auch kein dankbarer Kandidat für derlei Düfte ;)

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr Hautdüfte in Eurem Repertoire, mögt Ihr es? Und wie haltet Ihr es mit der Schokolade?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Choc… von Zsuzsanna Kilian, Gaston Bussière (1862-1929): Deux Enfants Aux Couronnes De Fleurs, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Il Profumo-Kollektion in unserem Shop.

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Duftverzeichnis


Farmacia SS. Annunziata die Dritte.

Geschrieben in Duft,Gourmand,Hesperiden am 25.08.2011

Apotheke die Dritte heißt es heute und wir sind erneut bei Farmacia SS. Annunziata, heute mit Perla, Regina, Chia, Cara und Nero.

Perla wird seinem Namen durchaus gerecht: Eine kleine Perle ist es, in der Tat. Hier hat man es doch tatsächlich geschafft, einen fruchtig-floralen Kuschel-Ambra-Duft zu kreieren, den ich sogar als im Sommer tragbar bezeichnen würde. Zitrisch-fruchtig und gleichzeitig von frischer Süße wie ein Zitronenzuckerguss über einem ambriert-würzigen Vanillegebäck, das noch eine besondere Überraschung bereithält: Osmanthusblüten, wie häufig auch in Perla an Pfirsich erinnernd. Ein vergnügtes Parfum, lebensfroh und positiv – und dazu noch deliziös feminin. Fein!

Regina ist der nächste Duft. Auch die rudimentären Lateinkenntnisse reichen dafür: Regina – die Königin. Und was finden wir in diesem Duft? Iris natürlich und Rose, genauer: Rosenwasser oder auch englisches Rosengelee. Dieses zeigt sich von feinster Süße und subtiler Fruchtigkeit, die von goldenem Honig harmonisch abgerundet wird. Iris pudert erdig und erhaben vor sich hin, eskortiert von Gouvernante Kamille, die den beiden Schönheiten ein Bettchen auf locker-luftigem Puffreis in der milde strahlenden Sonne bereitet. Ein unbeschwerter Duft voll jugendlicher Anmut, der mich frohlockend hinterlässt, wirklich.

Chia, heutiger Duft Nr. 3, stößt bei mir ein heftiges Brainstorming an, so viele und nur positive Assoziationen fallen mir dazu ein – aber zuerst einmal die Duftnoten: Kopfnote: Zitrische Noten, Florale Noten; Herznote: Zucker, Orange, Rose, Mandel; Basisnote: Haselnuss, Moschus, Ambra, Vanille.

Hesperidenanklänge zeigt Chia in der Kopfnote und Blüten, offenbart aber alsbald den wahren Charakter des Duftes: Mandelig-marzipanig geht es einher mit einer großen Portion Zuckerwatte samt Karamellbonbons, Rosenkonfekt und nussigen Akzenten, welche sich hervorragend mit der warm-weich-ambrierten Basis vertragen, die von einer gehaltvollen Vanillewürze getragen wird. Ich denke an die zwei Rummelplatzdüfte, die ich kenne, und die beide ganz vorzüglich sind: Profumums Acqua e Zucchero und Biehl Parfumkunstwerke P(atricia) C(houx) 02. Jetzt sind sie zu dritt, die Kirmeskandidaten. Darüber hinaus lässt mich Chia sofort an Keiko Mecheris Loukhoum-Serie denken, allen voran die leichtere Variante Eau Poudrée, die mein persönlicher Favorit ist. Wie Ihr seht – eine ganze Reihe von würdigen „Ahnen“, in die sich Chia problemlos einfügt.

Cara ist ebenfalls ein Duft für Zuckerschnuten: Im Netz liest man gerne Assoziationen mit Marshmallows und ich muss sagen, dass sich mir jene Eindrücke ebenfalls aufdrängen – riesig groß, watteweich und weiß, zuckrige Geborgenheit vermittelnd und tröstend. Milchmandeln gesellen sich hinzu in einer Milchcreme und Vanille, weiche, würzige, warme, puddinghafte. Ein kleiner Spritzer Amaretto drüber und dick überstreut mit Puderzucker. Sehr lecker und bei aller Süßigkeit auch nicht zu girliesk, nein. Eher in Richtung von Cerchi Nell’ Acquas Jolie tendierend oder Mazzolaris Alessandro, Profumums Confetto. Und ja, ich weiß – jetzt zuckt so mancher Probenbestellfinger gewaltig ;)

Morgen folgt der letzte Schwung der Farmacia-Düfte – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pteria penguin von Liné1, Iris latifolia von Jens Buurgaard Nielsen, Eye Series 1 von Wong Mei Teng, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Farmacia SS. Annunziata in unserem Shop.

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Die Düfte, die aus der Apotheke kamen.
Farmacia SS. Annunziata die Vierte.
Farmacia SS. Annunziata die Zweite.


Anlass zum Träumen…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Reines und Pudriges am 19.08.2011

wollen Maison des Rêves geben mit ihren drei neuen Düftchen Poudre, Gourmandise und Mousse au Cafè.

Das Label ist neu und dahinter verbirgt sich, na klar, ein weiterer Schöngeist, der sich von Träumen und Passionen, von Erinnerungen und Hoffnungen leiten lässt:

“The human being, the passion, the dream…the desire to realize what will last forever keep on stimulates every one. Remembering the past while creating the future…now and for ever. Sometimes I think that it is really the destiny, the nature or the chance that leads us in our way. My beginning a few years ago in a magic land, rich in colours and odours. I think that during my childhood I have absorbed all the odours and perfumes that this land could offer, a road easy to follow, everything is created in our memory. I was inspired by my memories, by a perfume of 30’s, its creator was a family friend. I wanted that everybody, everyday could feel a sensation and an emotion in the most simple and essential action we make: breathing. The most embedded are related to odours world. During the years ancient sensations wake up: hot milk smell, country, the cut grass, also water has is own perfume and you realize that life is a perfume to be composed by the fragrances of the memory. But olfactory memories are the weakest, because it is impossible to imagine them, to remind them without the perfume that arouse them. And that’s how Maison des Rêves was born, following that passion that drove me to transmit to other people my feelings. “

Wunder erleben beim Einatmen, Gefühle durch Düfte transportieren – ich gebe zu, die Idee ist nicht neu, nein. Aber sie ist immer wieder schön. Und vermutlich der Hauptantrieb, die Hauptintention der meisten Parfumeure. „Dedicated to free souls“ – den freien Seelen sind sie gewidmet, die ausdrücklich zum Layern empfohlenen Düfte von Maison des Rêves. In diesem Falle meine Lieben, das kann ich schon verraten, sind die Seelen definitiv weiblich. Denn diese Kollektion widmet sich in erster Linie den Süßschnuten unter Euch.

Bei Poudre kann ich nur sagen – Nomen est Omen. Hier bekommt man oder besser: Frau, was sie sich wünscht: Eine dicke Portion hauchfeinen Puder. Wie lange lag mir eine Freundin in den Ohren damit, dass sie sich einen Duft wünsche, der bitte riechen soll wie ihr Lieblingspuder von Guerlain. Ombre Rose von Brosseau, mit dem Poudre durchaus Ähnlichkeiten hat, war es nicht, Poudre könnte es aber sein: Mit der Nase versunken in einer watte-weichen riesigen Puderquaste entführt er mich gedanklich in meine Jugendzeit. Damals schenkte mir meine Tante aus Amerika eine riesige Dose Körperpuder, der so wunderbar fein gemahlen war und jenen zarten Duft verströmte – ein bisschen wie Rosenmehl und von einer trockenen Süße, einen sanften Hauch Vanille atmend. Hach, was war ich glücklich und überhäufte und bestreute mich damals fleißig – unter Zuhilfenahme jener beigelegten Quaste, die ich so zauberhaft fand und die meine Kleinmädchen-Prinzessinen-Träume vollauf befriedigte.

Poudre, meine Damen, verspricht nicht zuviel und bietet genau das. Seine Noten: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Rosenholz; Herznote: Jasmin, Maiglöckchen; Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Pudrige Noten.

Gourmandise verspricht vollmundig, der Gourmandfraktion das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen – und, in der Tat, er bleibt sich und seinem Versprechen treu: Ein Hauch fruchtig-säuerlicher Brombeere spendet Frische, während sich der eigentliche Charakter des Duftes alsbald entpuppt – nussig-würzige Wärme deliziöser Natur und von einer samtigen Süße, gepaart mit zarten Wildledernoten und cremiger Vanille, die durch die Orchideennote Rückendeckung erfährt. Das leckere Zusammenspiel entwickelt für meine Nase, obgleich nicht vorhanden, äußerst anziehende Nuss-Nougat-Akzente, eine Nuance, derer man selten in Düften habhaft wird. Das alleine ist schon ein Grund für einen Test – allerdings sollte die geneigte Nase Süßem schon zugetan sein, sonst wird es mit der großen Liebe hier nichts.

Die Ingredienzen von Gourmandise: Kopfnote: Brombeere, Kokosnuss; Herznote: Orchidee, Hibiskus, Ylang-Ylang; Basisnote: Leder, Weißer Moschus, Vanille, Zimt.

Mousse au Cafè erinnert mich postwendend daran, was ich hier an diesem schönen Vormittag noch machen könnte: Mir einen frischen Kaffee aufsetzen. Davor werde ich aber diesen hier noch testen – die Zutaten: Kopfnote: Sahne, Milch; Herznote: Heliotrop, Kokosnuss, Karamell; Basisnote: Vanille, Sandelholz. Wie schon Poudre lässt mich Mousse au Cafè in Kindheitserinnerungen schwelgen: Karamell, sahniges. In meinem Fall Werther’s Original, anno dazumal noch Werthers Echte und natürlich das Bonbon mit der Kuh drauf. Dunkel gerösteter Zucker mit Kruste, karamellige Creme, sahniges Vergnügen. Sehr schmackhaft dies. Die Kokosnuss existiert als subtile Ahnung, das Ganze auf sanfte Weise würzig-aromatisch untermalend. Und Kaffee, ja, den finde ich auch irgendwo. Allerdings hat das Resultat als Ganzes ungefähr genauso viel mit einem reinen Kaffeeduft zu tun wie eine Tasse Bohnenkaffee mit einem Iced Caramel Macchiato von Starbucks – wobei letzterer unbestritten toll ist, genauso wie diese Gott sei Dank garantiert kalorienfreie Sünde.

Wie sieht es aus, habt Ihr schon, wollt Ihr nochmal oder überhaupt? Wie ist Euer Eindruck?

Viele süße Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rouge von starfish75/J. Gabriel, Pressefoto MdR, Caramel Sculpté von Romanceor/Roman Bonnefoy, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Maison des Rêves in unserem Shop.

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Eau de Fröhliche – Teil 2.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand am 18.08.2011

Gestern hatte ich bereits von der Idee, der Intention und der glücklichen Fügung des Schicksal erzählt, die Erik Kormann dazu bewog, uns seinen Weihrauchduft Eau de Fröhliche zu bescheren. Heute möchte ich mich nun dem Duft selbst sowie dessen Ingredienzen widmen – Herr Kormann war mir dabei eine große Hilfe und ein liebenswerter Gesprächspartner.

Kommen wir zuerst einmal zu den Ingredienzen – Eau de Fröhliche enthält: Weihrauchöl, Tolubalsam, Tonka, Vanille Absolue, Irisbutter (Veilchenwurz oder auch Iris Pallida), Kardamom, Patchouli, Frambinone und Rosenholz.

Kormanns Intention war, wie gesagt, einen Orientalen zu kreieren, da Weihrauch an und für sich eine orientalische Ingredienz ist – für ihn lag es da nahe, dieses ohnehin schon von einer bemerkenswerten Süße zeugende, verbrannt-karamellisierte Weihrauchöl mit Duftnoten zu kombinieren, die wir ohnehin mit dem Orient assoziieren:

„Für mich riechen harzige Düfte oft irgendwie nach Lösungsmitteln. Ich muss dann an angeritzte Bäume oder lackierte Holzflächen denken – das wollte ich nicht. Mir gefällt der würzig-aromatische Teil des Parfums und dieser Weihrauch sollte, musste einfach lieblich werden.“

Um diese Facetten des Weihrauchs hervorzuheben, benutzte Kormann zuerst einmal Vanille und Tonkabohne, welche eine ähnliche, ebenfalls an Cumarin erinnernde würzige Süße offenbart. Tolubalsam unterstreicht diese Aspekte mittels seinem ebenfalls vanillig anmutenden, würzig-harzigen Charakter. Für die Schokoladenseite ist Patchouli zuständig, welchem immer eine kakaoartige Note anhaftet. Frambione, auch Himbeerketon genannt, unterstützt die bereits genannten Ingredienzen:

„Der Duft riecht natürlich nicht nach Himbeere. Soll er auch nicht. Himbeerketon ist ein ganz, ganz schwacher Riechstoff, der nur leicht an Himbeeren erinnert. Er wirkt schön fruchtig und süß. Ich wollte genau diese fruchtige Süße. Mehr nicht und außerdem hat Himbeerketon eine geniale Haftung und er wirkt fast schon wie ein Fixativ.“

Dazu kommt dann noch Irisbutter:

„Die Irisbutter rundet den blumigen Teil des Duftes ab. Ist schon ein komischer Stoff. Riecht irgendwie nach Möhre, wird auch oft mit Karottensamenöl gestreckt (was auch nicht gerade billig ist), und schafft in einem Duft eine unglaubliche Natürlichkeit. Man riecht natürlich nicht nach Möhre. Ich merke aber sofort, wenn die Iris in dem Duft fehlt.“

Und als letzte Ingredienzen Kardamom, ein beschwipster, der die geneigte Nase in der Kopfnote begrüßt, und Rosenholz:

„Was scheinbar nur am Rand erscheint ist das Rosenholz (Linaloeöl). In der Literatur wird Rosenholzöl als blumig, an Rosen erinnernd, würzig und süß beschrieben. Ich muß bei Rosenholzöl zugleich immer an Bergamotte denken, weil Linalool auch in den Zitrusfrüchten enthalten ist und genau dieser Charakter war und ist mir zu Anfang wichtig.“

Die Kreation der Basis von Eau de Fröhliche gestaltete sich wohl nicht ganz einfach, wie Erik Kormann mir schrieb – und bediente sich dabei eines netten Vergleichs:

„Die Basis des Duftes war schwierig, weil viele der Stoffe sehr dicht zusammen sind und ich keinen duftenden Einheitsbrei wollte. Es ist wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer. Es ist zwar kein Platz, Spaß macht es trotzdem. Aber ich will mal meine Gedanken erläutern. Weihrauch ist ja aus christlicher Sicht eine Botschaft an den lieben Gott. Da habe ich zwar nichts dagegen, doch ich hab’s nun mal nicht so mit Gott und wenn schon christlich vergeistigt und kontemplativ, den bitte ohne Räucherei. Dieser nüchterne und aufsteigende Charakter von verräuchertem Weihrauch reizt mich persönlich nicht. Ich muss bei Weihrauch an andere Dinge denken.“

Ich habe keine Ahnung, an was Herr Kormann alles bei Weihrauch denken muss – es kann eigentlich nur Gutes sein, wenn ich mir das Resultat Eau de Fröhliche unter die Nase halte – denn der Duft ist wirklich vollkommen außergewöhlich, auch und gerade für einen Weihrauch. Ein solcher ist es, ganz bestimmt. Aber ein beschwingter. Ein heiteres Naturell, selbstbewusst und ernsthaft, aber lebensfroh, positiv.

Im Auftakt kitzeln einen kecke (Him)Beerennoten in der Nase. Karamellisiert kommen sie daher, ich kann sie förmlich riechen, die leicht angebrannte Zuckerkruste, die bräunliche. Und ehe ich mich versah finde ich sie, mich wieder, überzogen von einer pudrigen Schicht feinsten zartbitteren Kakaos, der eine erhabene Weihrauchseele beschützt. Eine rauchige, harzige. Und eine verhalten süße. Eine von bittersüßer Melancholie, die die Leichtigkeit des Seins verinnerlicht hat und lebt. Eine, die lächelt, frohgemut.

Ein Weihrauch ist Eau de Fröhliche somit, ganz bestimmt. Aber ein beschwingter. Ein von fruchtigen Anklängen begleiteter, der mit buttriger Iris und Hölzern brilliert und gar deliziöse Gourmandnoten birgt – pudrige zartbittere Schokolade hochadliger Herkunft und cremig-würzige Vanille. Ein Traum – und nicht nur ein Weihnachtstraum.

Die Flakons sind im übrigen geschmückt von einem eigens für Erik Kormann von dem Designer Jo Zarth geschaffenen Etikett. Die Zunge des darauf abgebildeten Mopses wurde auf jeder Flasche von Hand nachkoloriert. Und jeder Duft kommt nicht nur mit einem kleinen Pröbchen des göttlichen Weihrauchs, der es Kormann so angetan hat, sondern auch mit einem Pröbchen Iris und Tonka eigens für die geneigte Nase. Finde ich toll – und Ihr?

Habt Ihr schon getestet? Wie liest es sich für Euch? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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