Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Cashmere-Queen…

… Iris von Arnim hat es sich nicht nehmen lassen: Wie viele andere große und kleine Modedesigner hat auch sie jetzt ihren Signatureduft – und das dank der (Mit)Hilfe von der Hamburger Parfumeurin Kim Weisswange. Bleiben wir erstmal bei dieser Dame: Weder männlich noch französischer Herkunft betätigt sie sich trotzdem bereits seit über 20 Jahren als Parfumeurin, nachdem sie mit neunzehn eine dementsprechende Ausbildung in New York absolvierte. Mit ihrer Geschaftspartnerin Hedda Möller betreibt sie die Firma Home of Fragrance, mit welcher sie Produkte für diverse Unternehmen und Unternehmungen kreiert(e): Eine Kosmetikserie für Ipari, Düfte für den Otto-Versand, Bioduftsprays für den Ökogroßhändler Weiling – hier kommt so einiges zusammen, so steht auch Prinz Charles in der Reihe derer, die bereits einen Duft oder gar Düfte von Weisswange erhielten, Madonna, Glenn Close und George Michael hüllen sich in Weisswangesche Duftschwaden und Briatore, der alte Formel1-Casanova ließ sich von ebenjener Dame den Signatureduft für seine stilsicher Billionaire Couture getaufte Modemarke entwickeln. Frau Weisswange scheint also gut im Geschäft zu sein. Und hat in der jüngsten Vergangenheit gleich drei Klamottenlabels, im übrigen alle ebenfalls aus Hamburg, zu Signaturedüften verholfen: Herr von Eden, Uli Schneider und eben Iris von Arnim.

Iris von Arnim ist für mich so etwas wie die Diane von Fürstenberg der Wolle würde ich sagen: Durchweg (fast) immer sehr klassische Designs mit einfachen Schnitten, welche häufig mit einem kleinen raffinierten Twist brillieren und überaus feminin sind, darüber hinaus natürlich nur aus besten Materialien gearbeitet werden. So erfreut sich Frau Arnim bereis seit über dreißig Jahren eines besten Rufes in Sachen hochpreisiger Strickmode und erhielt so den ehrfurchtsvollen Spitznamen der Cashmere-Queen.

Soviel zu den beiden Damen also. Eine Kaschmirstrickerin auf olfaktorischen Abwegen – das hatten wir schon mal: Herr Fissore, ebenfalls Kaschmirhersteller im oberen Preis-, nämlich Luxussegment, hat sich ebenfalls bereits an einigen Düften versucht, und das durchaus mit Erfolg. Ich persönlich liebe vor allem seinen ersten beiden Düfte und hiervon Fissore for Men, einen seidig-weichen und sehr hautnahen zarten Gewürzling, der für mich a) ein bißchen nach nassen Steinen riecht – ein Geruch, den ich liebe und b) mit seiner kontemplativen Aura eine Ähnlichkeit zu Düften wie Costes 1, Il Profumo Touaregh, Montales Greyland sowie A quiet morning von Miller et Bertaux aufweist. Und dann sind da noch die Italiener von Acqua di Biella, die sich mit ihrer Kollektion Le vie della Lana der olfaktorischen Interpretation der Edelwollstoffe angenommen haben. Ich hatte davon bereits hier berichtet und beide Düfte schon rezensiert – Cashmere Twill und Kid Mohair, beides meines Erachtens nach sehr gelungene Kuscheldüfte, der erste mit hinreißenden Himbeernoten und zweiterer mit sehr leckerer Mango (ohnehin zwei Früchtchen, die leider nicht allzu oft in vernünftiger Variante in Düfte gelangen…).

Iris von Arnims wollenes Vergnügen scheint sich im Gegensatz zu Cashmere Twill, einem leichten Sommercashmere in seidiger Ausführung, wohl eher an der Winterkollektion orientiert zu haben, der dicken vier- oder sechsfädigen: Frisch aufgesprüht verdichten sich bereits nach einigen Augenblicken die Ingredienzen zu einer Art Aura und machen es annähernd unmöglich, jeder einzelnen Zutat auf die Spur zu kommen. Ohne die Ingredienzen vor Augen zu haben rieche ich deutlich Ambra heraus sowie einige animalischen Akzente, welche vermutlich Harzen geschuldet sind, darüber hinaus Sandelholz, welches recht gut zu vernehmen ist. Es tritt eine der geneigten Nase eventuell als „Knetnote“ bekannte Facette auf (siehe zum Beispiel in Diors Hypnotic Poison von der genialen Annick Menardo), welche ich persönlich auf ein Zusammenspiel von Vanille, Tonkabohne und/oder Heliotrop mit animalischen Anklängen sowie Blüten zurückführe, darüber hinaus zeigen sich deutlich erdige Töne, die den Patchouli erkennen und die Iris erahnen lassen, letztere auch, weil Iris von Arnims Düftchen desweiteren eine gewisse samtige Pudrigkeit an den Tag legt.

Ich rieche hier demgemäß nichts, was mich an die oben genannten, eher helleren Wolldüfte erinnert – hier handelt es sich um einen betont harzig-vanilligen Duft, für einen Orientalen oder einen Gourmand ein wenig zu zurückhaltend, zu hautnah, zu kuschelig, aber dennoch in beide Richtungen tendierend und mit einer Prise Tier ausgestattet.

Etwas irritiert hinterläßt mich allerdings die Differenz zwischen dem, was mir von meiner Haut entgegenströmt sowie dem, was sich auf dem Duftstreifen entwickelt: Hier zeigt sich der Duft deutlich floraler, leichter, seidiger – trotz allem noch weit entfernt von seinen wollenen Parfumgesellen. Parfum ist auch genau das Stichwort – Iris von Arnims Signature ist parfumiger als alle oben genannten Wolldüfte, ist inszenierter, weniger beiläufig und kuschelig, sondern noch eher für den Auftritt geschaffen, obgleich es auch ein „Einmummel“-Duft sein kann, gemäß seinem in diesem Falle definitiv mehrfädigem Kaschmirnamenspaten – in dieser Eigenschaft erinnert er mich dann in der Tat an den Costes 2.

Wie sieht es bei Euch aus? Wer kennt welchen oder wen, wer mag was? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Australian Cashmere Goats von Pontman/Paul Esson via Wiki Commons, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Neues von Juliette Has A Gun: Citizen Queen
Acqua di Biella – Le Vie della Lana – Cashmere Twill
Endlich erhältlich: Juliette Has a Gun – Citizen Queen


Eine orientalische Liebe – Lubins Inédite.

Geschrieben in Duft, Florientalisch, Gourmand am 3.08.2010

Inédite ist nun so etwas wie der Gegenpol zu dem gestrig vorgestellten Itasca, weil etwas komplett anderes: Vorgestellt wurde uns das Düftchen auf der Messe ursprünglich als Les Dragées d’Aziyadé, diesen Namen hat es wohl nicht behalten, schade eigentlich.

Inédite heißt übersetzt, traut man meinen bescheidenen Restkenntnissen des Französischen, soviel wie noch unveröffentlicht, ganz neu – eine Anspielung auf die Inspiration des Duftes: Die wohl mehr oder weniger unerfüllte Liebe des französischen Schriftstellers Pierre Loti (eigentlich: Julien Vaud) zu der Haremsdame Aziyadé. Loti verbrachte in seiner Zeit als Marineoffizier im Rahmen eines Einsatzes 1876/77 ein paar Monate in Istanbul und Griechenland, während denen er die tscherkessische Schönheit Aziyadé kennenlernte, die im Harem eines bedeutenden Geschäftsmannes lebte. Mit Hilfe der Hausangestellten kamen sie sich näher und begannen eine äußerst gefährliche Liaison, die für Loti zur Liebe seines Lebens werden sollte – bis an sein Lebensende soll er einen goldenen Ring getragen haben, der ihren Namen eingraviert hatte.

Wie fast jede große Liebesgeschichte ging natürlich auch diese tragisch aus: Loti schmiedete eigens Pläne für eine „Quasi“-Entführung Aziyadés aus Istanbul, um sie nach Frankreich zu bringen und dort zu heiraten – diese Pläne blieben Theorie, scheiterten somit, da es Loti an diplomatischer Hilfe zur praktischen Durchführung fehlte. So mußte er damit fertig werden und leben, daß er sie zehn Jahre später, bei seiner Rückkehr nach Istanbul, lediglich auf dem Friedhof in Eminonu besuchen konnte – am Goldenen Horn gelegen, wo sich die beiden wohl häufiger heimlich trafen.

Heute ist dort noch ein Café nach Loti benannt und sein Andenken wird in Istanbul generell gepflegt: Loti zeigte sich nämlich schon bei seiner ersten Ankunft (vielleicht auch mitbedingt durch seinen hormonellen Zustand dank der Liebesgeschichte?) komplett begeistert und verzaubert von der osmanischen Kultur und dem Orient, richtet seine Wohnung(en) demgemäß ein und war der späteren Türkei mit seinem politischen Einfluß dienlich.

Seine Erlebnisse mit Aziyadé verarbeitete er semi-autobiographisch in seinem gleichnamigen Werk, welches bereits 1879 erschien. In Frankreich gilt er als Vertreter des Fin de Siècle und gleichzeitig Begründer des literarischen französischen Exotismus und ist somit ein wichtiger Autor-“Meilenstein“ der französischen Literaturgeschichte.

Genug erzählt, nun zum eigentlichen Duft – die Ingredienzen: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte, Rosa Pfeffer; Herznote: Koriander, Zimt, Gewürznelke, Heliotrop, Flieder, Nektarine, Damaszener Rose, Rose; Basisnote: Vanille, Iris, Patchouli, Kaschmirholz, Zedernholz, Weißer Moschus.

Natürlich sieht sich Inédite ein wenig beeinflußt von den typisch osmanischen Leckereien, als Dragees bezeichnet: Dem Lokum, welches wir in olfaktorischen Gefilden bereits von Herrn Lutens und Frau Mecheri kennen.

Rosenwasser fließt einem entgegen, garniert mit ein paar Hesperidenspritzern, und schon wird es warm: Vanille blitzt bereits hindurch, pudrig-würzige, von Pfefferpfeilen durchsetzt, welcher sich mit dem dezent-scharfen Zimt verbündet hat, Muskat ebenfalls in ihre Mitte nehmend. Jenes Trio bildet einen aufregenden Kontrast zu dem betörend mit Vanille und Heliotrop unterlegten Bouquet von Rosen und Flieder, auf einem holzig-weichen Lager ruhend, für dessen Untiefen sich Patchouli verantwortlich zeichnet.

Die sinnliche Tscherkessin von Herrn Loti scheint nicht ohne gewesen zu sein – diese duftende Gefährtin ist es ebenfalls nicht: Ein Florientale, der es in sich hat, angelehnt an die Süßigkeit Lokum und demgemäß auf Vanille & Heliotrop, anstatt auf Ambra setzend.

Ich bin mir sicher, daß einige Inédites Verführungskünsten erliegen werden ;)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Habt Ihr die beiden neuen Lubins denn schon getestet? Ich bin gespannt auf Eure Meinung!

Bildquelle: Chasseriau: Bild eines Harem von Max Rebo Band, Henri Rousseau (1891): Portrait de Pierre Loti von Syrius, Delicias Turcas von Chispis, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z
Männerdüfte – der Trend geht zu warm- holzigen Parfums
Creed Parfum – LOVE IN WHITE demnächst auch in Deutschland


Frenchman in NY.

Geschrieben in Blüten, Fruchtiges, Gourmand am 21.07.2010

Heute geht es weiter mit den restlichen beiden Düften aus Honoré des Prés We love NY-Kollektion.

Love Coco – Inhalation interdite, Inhalation verboten… Das „Gegengift“ zu all jenen „exotischen Gefahren“, nämlich: Kokos(milch) „pur, würzig, raffiniert“, im „Duell“ oder besser: Zusammenspiel mit Korianderblättern. Vielleicht auch – Liebesspiel, dazu erzählt das Pressematerial nämlich noch eine verschwirbelte Liebesgeschichte über eine heldenhafte Malaysierin. Nun, in jedem Falle soll Love Coco pikant sein, verheerend verführerisch und natürlich auch opulent.

Bevor ich den Duft teste, sollte ich vielleicht auf ein kleines Dilemma hinweisen: Die einzige, wirklich einzige Form, in der ich Kokos mag, ist – Bounty. Dieser kleine Schokoriegel mit seiner weißen Kokosfüllung, der mich durch die halbe Kindheit begleitet hat und den ich verschiedentlicher Reminiszenzen zuliebe immer noch all Schaltjahr verzehre. In Düften treibt mich Kokos regelmäßig in die Flucht – zu süß, zu klebrig, zu…

Bei Love Coco scheint sich das Naturdüftekonzept auszuzahlen: Vielleicht lag es bisher einfach nur an der Synthetik, die mich bei Kokosnoten oft angstvoll zurückschrecken ließ, an den vielen Kokosdeos (Wer zum Teufel kam eigentlich auf die Idee, Transpiration mit KOKOS zu übertünchen?) – ich mag Love Coco. Ok, es wird keine große Liebe werden, aaaaber… ich würde ihn tatsächlich tragen, das ist schon mehr, als ich vermutet hätte.

Eine Kokosnuss in Gänze erfaßt: Nussig-würzig und mit holzigen Anklängen, die einem ein Bild ihrer Schale vermitteln sowie cremiger Kokosmilch mit einem Hauch nicht zu süßer und auch nicht zu würziger Vanille verfeinert – lecker. Dazu Korianderblätter, die dem ganzen einen grünen und subtil pfeffrigen Frischekick bescheren – ehrlich gesagt sehe ich die Korrelation zu NY nicht ganz, aber vielleicht liegt das auch schlicht und ergreifend daran, daß ich noch niemals dort war, um mit den Worten von Udo Jürgens zu sprechen.

Frau Giacobetti aber wohl, ist sie doch gerade erst dorthin gezogen – nun, als frisch gebackene New Yorkerin wird sie es besser wissen… Das ist aber an dieser Stelle vollkommen egal. Love Coco ist ein unbeschwerter, beschwingter und fröhlicher Sommerduft, der sich um eine subtile, nicht im mindesten prollige Kokosnuss dreht und sicher dem einen oder anderen auch den Kopf verdrehen wird.

Vamp à NY – eine „artistische“ oder auch „künstlerische Performance“, Frausein, nackte Haut in der (be)rauschenden Nacht, Fragilität und Wollust, magische Momente, Sehnsucht, brennendes Verlangen nach dem Unerreichten… Na? Klingelt es? Was mag das wohl für ein Düftchen sein? Jaaa, richtig: Eine Tuberose, die Trendblüte dieses Sommers.

Giacobetti gibt keine Noten für ihren Duft an und verwirrt mich damit zutiefst: Denn diese Tuberose ist – eigenartig und bemerkenswert. Gleich im Auftakt offenbart sie zuerst Zuckerwattenoten, um dann die typischen pinkfarbenen Kaugumminoten, die den Tuberosenklassiker von Piguet, Fracas, so bekannt machten (und Madonna süchtig, nebenbei bemerkt) nachzuschieben, die allerdings auch nicht von Dauer sind. Sie gehen über in – glaubt es, oder glaubt es nicht – Karamalz. Ich rieche Malzbier. Das allerdings scheint eine Fata Morgana zu sein oder der Auftakt einer langen durchzechten Nacht, denn es wird alsbald von Rumnoten überlagert. Dazu gesellt sich eine geröstete Note sowie dezente grüne Banane(blätter) und die für Tuberosen typischen cremigen Kokosanleihen, die in diesem Falle auch Würzigkeit stiften. Im Herzen trägt Love Coco noch mehr Blüten als nur die Tuberose, ich tippe auf Frangipani, Ylang-Ylang und/oder eine Orchidee. Darüber hinaus tritt das geröstete im Duftverlauf ein wenig mehr in den Vordergrund, rauchig-würzig – könnte sich um ein Harz handeln, ich bin mir allerdings nicht sicher. In jedem Falle vermute ich noch einige Gewürze am Rande des Geschehens.

Für einen Giacobetti ist Love Coco Vamp à NY eine echte Überraschung – ist man doch (von Dzing mal abgesehen) sonst eher klare, transparente und luzide Düfte von der Dame gewöhnt scheint sie sich hier mit ihrem Lubin-Werk Idole beduftet hinaus in die Untiefen der New Yorker Nacht gestürzt zu haben, Hals über Kopf… Ich will gar nicht wissen, wo, wie und wie lange sie dort umhergezogen ist – wenn das das Ergebnis einer solchen Nacht war, war jene sicher respektabel.

So empfinde ich auch den Duft: Sehr besonders wird er sicher nicht jedem gefallen, es lohnt sich aber, hier einen Blick oder besser: eine Nase drauf zu werfen. Frau Giacobetti’s getting sexy – try it!

Bemerkenswert sind an der Kollektion im übrigen noch zwei Dinge, die originelle Verpackung und die Haltbarkeit. Als Umverpackung ließen sich Honoré des Prés etwas Besonderes und wahrscheinlich auch New York oder zumindest Amerikatypisches einfallen – die Schachtel, natürlich auch zu 100% organischen Ursprungs mutet an wie die Tasse eines Coffees-To-Go, dieses amerikanischen Phänomens, welches mitsamt der Kultkette Starbucks aus den Staaten herüberschwappte. Die Haltbarkeit der Düfte ist, entgegen dessen, was man im Zusammenhang mit dem Namen Giacobetti gerne mal vermutet und komplett natürlichen Düften gerne unterstellt, ziemlich gut.

Zum Abschluß habe ich hier noch einen Videoclip zur Produkteinführung mit dem Art-Director – auf englisch:

Einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Coconut von JGPHOTOS / Juliano Gribel via stockx.chng – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis
Drei sind einer zuviel


Die Kriegerkönigin…

Geschrieben in Blüten, Duft, Gourmand, Reines und Pudriges am 7.05.2010

Boudicca ist eine der wenigen halbwegs populären und immer wieder gerne in Kunst und Kultur Erwähnung findenden Kriegerinnen. Ihres Zeichens eine britannische Königin führte sie den schlußendlich erfolglosen, nach ihr benannten Aufstand gegen die römische Besetzung an (60 – 61 nach Christus).

Mittlerweile hat es die legendäre Dame nun auch in den Parfummarkt geschafft: Gleich zwei Linien zitieren sie, natürlich stammen beide aus England.

Der erste Tummelplatz der Kriegerprinzessin ist das Londoner Designhaus von Zowie Broach und Brian Kirkby, die sich eigens nach Madame benannt haben: Boudicca. Und deren Duft, der von Feingeist Geza Schön entwickelte, heißt Wode, benannt nach der Pflanze Färberwaid oder auch Deutscher Indigo. Wie der Name bereits ahnen läßt, rührt er von der Farbe des Duftes her – blau. So soll nämlich auch die Kriegsbemalung der Boudicca-Armee gewesen sein. Eine Art-Fragrance oder Fragrance Art also. Mittlerweile gibt es den Duft aber auch in der Parfumvariante ungefärbt und ohne Färbeeffekt. Hier die Seite zur Firma samt beeindruckender Videopräsentation des Duftes – die Ingredienzen: Wacholder, Muskatnuss, Kardamom, Muskatellersalbei, Koriander, Angelika / Engelwurz, Safran, Tonkabohne, Styraxharz, Ambra, Eichenmoos, Moschus und Leder.

Huldigung Nummer zwei für Boudicca stellen die Düfte von Michael Boadi dar. Dieser machte sich bereits als Hairstylist weltweit einen Namen, kreierte er doch der Damen Schöpfe landein, landaus – für Dolce & Gabbana, Gucci, Chanel, Prada und Co. war er bereits tätig und suchte sich für seine Kreativität nun das Ventil der Parfumerskunst. Von den güldenen Locken zum olfaktorischen Gold sozusagen… ein gar blondes Aushängeschild ward auch alsbald gefunden: Amber Rose, extravagantes Model und Freundin von Rapper Kanye West, die, wie ich finde, gar nicht so schlecht zum keltischen Warrior-Outfit von Boadicea The Victorious, Boadis Label, paßt. Ganz abgesehen davon, daß der Kontrast auf den gemeinsamen Fotos mit und zu Boadi auch nicht zu verachten ist ;)

Hier ein Filmchen der beiden zur Präsentation der Boadiccea-The-Victorious-Kollektion.

In jedem Falle feierte Boadi mit seiner Kollektion bereits beachtliche Erfolge: Der Gewinn des New Design Awards des Wallstreet Magazines zum Beispiel oder, marketingtechnisch naturaliter der Hit: First Lady Michelle Obama, die sich wohl in drei der Düfte spontan verliebte, was für in die Höhe schnellende Verkaufszahlen sorgte…

Eine bemerkenswerte Anzahl an Düften ist es auch, die Herr Boadi da bereits anfänglich präsentierte: Soweit ich das überblicken kann waren es zu Beginn 19 Düfte in der normalen Kollektion und 9 weitere in der Oud-Linie, der separaten (jaja, darf ja gerade nicht fehlen…). Die Düfte der normalen Linie wurden in drei thematische Hauptrichtungen oder -familien aufgeteilt: Musk, Floral und Citrus, jeweils noch als Herren-, Damen- oder Unisex-Duft gekennzeichnet.

Angesichts der ungeheuren Fülle möchte ich Euch einen kurzen Einblick in die Kollektion geben, die es jetzt auch nach Deutschland geschafft hat. Vorerst werde ich es bei der normalen Kollektion belassen, die Ouds klammere ich erstmal aus und stelle sie Euch dann zu einem späteren Zeitpunkt noch vor.

Divine – Musk Unisex: Divine dürfte etwas für die Frische-Wäsche-Fraktion sein, ganz bestimmt. Und das ohne über die Maßen künstlich zu riechen, nein. In der Kopfnote dominieren fruchtige Aldehydennoten, die sogleich von dem Herzen aus Jasmin und eher zahm-zurückhaltendem Veilchen eingeholt und überlappt werden. Die Basis aus Sandelholz und Styraxharz zeigt sich luftig und sauberholzig (ich hätte vermutlich eher auf Zeder getippt) und verbirgt in jedem Falle noch Moschus, den man meines Erachtens nach in der Angabe der Ingredienzen unterschlagen hat [ermußdaseinesgehtgarnichtanders]. Unaufdringlich sauber-floral und fluffig.

Intense – Floral Women: Was hier als „a modern fragrance with a fruity twist“ bezeichnet wird, „ a white floral heart of lily and jasmine against a rich woody background“ vermittelt einen falschen Eindruck, genauso wie der erste Blick auf die Ingredienzen: Kopfnote: Zitrusfrüchte; Herznote: Rose, Ylang-Ylang; Basisnote: Patchouli, Vanille. Schon beim Auftragen schillert einem Honigpatchouli entgegen, ein lüsterner mondäner Honigpatchouli, der von floralen Sirenen begleitet wird, die den Hesperidenwaisenknaben sofort hinter sich lassen, um frohlockend zu verführen. Ein eigenständiger, sehr femininer Duft – jedoch nicht ohne gewisse Angel-Anklänge in sich zu tragen.

Am Montag geht es weiter mit Boadicea – bis dahin wünsche ich Euch jetzt erstmal ein schönes Wochenende!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Boudicca Statue Westminster Pier / London von Aldaron via Wikicommons, Amber Rose for Vibe Magazine www.vibe.com, Amber Rose for Boadicea The Victorious – Pressematerial, some rights reserved.

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Duftverzeichnis
Und weiter geht es…


Kopfkino oder: Laboratorio Olfattivo Teil 2.

Geschrieben in Blüten, Duft, Gourmand, Leder am 21.04.2010

Gestern hatte ich bereits die eine Hälfe der Laboratorio Olfattivo-Düfte vorgestellt, heute folgen nun Duft drei und vier auf dem Fuß.

mexiko1Cozumel entspringt wie Alkemi der Feder oder besser: der Pipette von Marie Duchêne und wurde – mal wieder weil wie bei vielen Düften der Fall – inspiriert durch einen Urlaub oder besser: eine Urlaubserinnerung. Mexiko war es wohl und Cozumel die Insel, der Frau Duchêne den Duft widmete, der Sonne dort, der Vegetation und – natürlich: einem Mann. Den von dem intimen Geruch männlicher Haut ist da die Rede, der mit Cozumel zitiert werden soll.

Nach Hals über Kopf verliebt hört sich das an, nach kopflos und nach Herz-voll. Und macht mich ehrlich neugierig auf den Mann zum Duft, denn mir persönlich gefällt Cozumel aus der Linie nämlich am besten. Ein ausgeprägter Macho kann es kaum gewesen sein, der Madame D. den Kopf verdrehte, den Cozumel ist ein distinguiert-distanzierter Duft, zurückhaltend und unaufdringlich, aber präsent. Hier sind so viele Eigenschaften olfaktorisch eingefangen, die man oder besser: Frau sich von einem zeitgemäßen Mann so wünscht: Sanftheit und Sensibilität, eine gewisse Weiche in Kombination mit Kernigkeit, Maskulinität. Und sinnlich soll er natürlich sein, der intelligente und freiheitsliebende Kerl, der sich aus freiem Willen heraus für „die eine” entscheidet. Zuviel verlangt? Ein modernes Märchen? Nun, zumindest schafft Cozumel es, einen solchen Burschen duftend darzustellen: Noten von frischem Tabak bilden mit Hanf (Caaannaaabis, jawohl) und Hölzern ein virilies Trio, das gleichzeitig feinwürzigrauchig wie auch weich daherkommt und von smoothestem Leder akzentuiert wird, welches auf einer aromatisch-balsamischen und warmen Basis ruht.

mexiko2Der Duft erinnert mich an so vieles, das ich mag, ein bißchen und dann doch wieder an nichts bestimmtes… Mein Lieblingsmann von Byredo, der Fantastic Man? Royal Heroes 1805 von Washington Tremlett? Stephanie de Saint-Aignans Un Thé au Sahara? Von allen ein wenig vielleicht… Es bleibt Euch also nichts anderes übrig, als selbst zu testen ;)

Daimiris, der letzte Duft der Laboratorio Olfattivo-Kollektion, stammt von einem alten Bekannten, und zwar von Pierre Guillaume, seines Zeichens, Kopf, Herz und Nase hinter Parfumerie Generale. Als „olfaktorisches Experiment” wird Daimiris bezeichnet. Eine Ode an die Weiblichkeit soll Daimiris sein und jenen Zauber einfangen, der von einer Frau in ihrer gelebten Femininität ausgeht, welche damit Mittel- und Anziehungspunkt männlicher Aufmerksamkeit, männlicher Blicke und männlichen Begehrens wird.

Huihuihui… auch hier frage ich mich: Wo oder besser: bei wem weilte Herr Guillaume mit seinen Gedanken bei der Kreation dieses Duftes? Ich wäre ja zuu neugierig… Denn Daimiris ist verwirrend – in jeglicher Hinsicht, nämlich sowohl ambivalent als auch betörend. Ambivalent, weil sich hier die Eindrücke kontrastieren, teils widersprechen und doch so gut harmonieren: Eine Businesswoman in Jil Sander gewandet, einen guten Rum schlürfend und sich auf einem Eames-Lounge-Chair räkelnd? Eine samtige Iris ist es, die für vermeintliche Distanz sorgt, für die ihr eigene kühle und auch kühne, erwachsene Überlegenheit. Erwachsen ist aber auch das richtige Stichwort – es ragt hier nämlich auch ein dickes „Ab 18″-Schild im Hintergrund hervor: Die Würze von Safran und Kardamom sowie die (keinefalls übertriebenen!) Gourmandnoten eines karamelligen Leders lassen das Ganze irgendwie kinky wirken, ein bißchen verrucht und auf jeden Fall ein wenig verboten… Dabei ist Daimiris aber nie zuviel und erst recht nie zu wenig – er hält und schafft den schmalen Grad. Und – er ist eine echte Old-School-Schönheit, denn in seiner Machart ist er trotz allem sehr traditionell und typisch weiblich.

Absolut nicht genuin feminin mache ich es heute ausnahmsweise kurz und verabschiede mich kurz und schmerzlos – einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: New Mexico Landscapes von Deborah Finnell via stockxchng – vielen lieben Dank! Some rights reserved.

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Duftverzeichnis L – Z
Freitagsverlosung einmal anders…
Gralssuche die Zweite…


L’Etat Libre d’Orange und die Promis…

Geschrieben in Duft, Gourmand, Solifloral am 25.03.2010

Etat Libre D’Orange, das französische Pop-Art-Skandal-Parfumhaus, erfreut uns alsbald mit seinem neuesten Promi-Duft: Tilda Swinton Like this. Ganz ehrlich? Ich freue mich sehr darauf, hat mir doch bereits der erste VIP samt dem ihm zugedachten Duft des Hauses von 2007 ausnehmend gut gefallen: Es war die wundervolle Almodovar-Muse Rossy de Palma und ihr Eau de Protection, den ich anläßlich dessen doch mal wieder hervorgekramt habe.

Wie der eine oder andere ja schon weiß, bin ich auch ein großer Filmfan und teile die augenscheinliche Leidenschaft von Etat Libre d’Orange für charismatische Charakterfrauen; Ich habe sowohl für Rossy de Palma als auch für Tilda Swinton ein ausgesprochenes Faible – wie L’Etat Libre scheinbar auch.

rossyWenden wir uns doch mal dem Eau de Protection zu und Rossy de Palma. Kennt wer von Euch Rossy de Palma? Ja? Ich finde sie – wunderschön. Aber sie ist eben auch – speziell. Sehr speziell. Ein Aspekt dessen ist sicherlich die Asymmetrie ihres Gesichtes, die jenes so unvergeßlich macht. Ist Schönheit doch in unseren Breitengraden meist mit absoluter Symmetrie und somit Ebenmäßigkeit verknüpft, entspricht Rossy de Palma so gar nicht diesem gängigen Schönheitsideal (Tilda Swinton, da läßt sich vorgreifen, sicher auch nicht). Ohne Euch jetzt mit meinen persönlichen, sicher auch durch meine philosophischen Studien geprägten Ansichten von Schönheit allzu sehr langweilen zu wollen hat Schönheit für mich immer mit Geist zu tun, mit Ausstrahlung, mit Charisma und mit einer gewissen Intelligenz. Ohne Geist keine Schönheit. Das für gewöhnlich unter Schönheit Verstandene, die Optik, ist für mich Attraktivität, äußere. Und jene empfinde ich oftmals, mal ganz abgesehen davon, daß sie mich ohnehin nur anzieht im eigentlichen Wortsinne, wenn sie mit Geist gepaart ist, als zu glatt, wenn sie sich allzu perfekt inszeniert. Diesbezüglich geht es mir nicht anders wie einigen anderen (Frauen?), schaut man sich nur mal an, wie weit zum Beispiel Herr Brody immer in Abstimmungen der Sexiest Men nach oben kommt – bei Frauen ist das doch deutlich seltener, aber egal.

Rossy de Palma. Von Etienne de Swardt, dem kreativen Kopf hinter L’Etat Libre d’Orange als Muse entdeckt, als Verkörperung seiner Idee und seines Ideals, seiner Vision, die er mit L’Etat Libre umzusetzen sucht. Hier liegen, wie selbst bekundet, Hure und Heilige nah beisammen, Mutter und Liebhaberin, ja, vielleicht finden sie sich vielmehr auch in ein und derselben Frau. Es geht also um die vielfältigen Facetten des Weiblichen, wie so oft. Das Eau de Protection, geschaffen von Antoine Lie und Antoine Maisondieu, soll Schutz bieten, eine Rüstung sein im Kampf auf dem ewigen Schlachtfeld der Liebe.

Rossy de Palma Eau de Protection

Es soll eine Rose sein, eine ambivalente, stark und kämpferisch sowie weich und sensibel gleichzeitig, wie man aus Rossy de Palmas gedichtgleichen Zeilen in schönster Kleiner-Prinz-Manier entnehmen kann: Zeichne mir eine Rose…

Viel vorgenommen hat sich also das Eau, aber es verspricht nicht nur, es hält auch: Diese Rose hat Schönheit und Dornen.
Im Auftakt fast kämpferisch im Duo Bergamotte und Ingwer, dynamisch-spritzig ergänzt durch Noten von Pfeffer, die alsbald zum Herzen führen, das eine kühne und kühle Rose enthält, wollüstig, aber auch distanziert mit leichten metallischen Anklängen, die wohl eine abstrakte Variante des Blutes darstellen sollen. Blutrot stellt man sich somit die Rose vor, dornig, vielleicht mit einem Tropfen Blut daran, zugleich wunderschön und – betörend, was auch an dem eher subtilen weißfloralen Hintergrund liegt, den ich nicht eindeutig als Jasmin wahrgenommen hätte. Die Basis ist schlicht bezaubernd: Samtig-warm stiftet pudriger Kakao eine gewisse moschusähnlich skinnige Süße, während sich Benzoe für eine annähernd ambriert wirkende Abrundung verantwortlich sieht. Ein Hauch zart würzender Weihrauch sowie ein Tupfer Patchouli für die Tiefe und fertig ist das Eau.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Ingwer, schwarzer Pfeffer, Bergamotte; Herznotte: Bulgarische Rose, „Blut”-Akkord, Jasmin; Basisnote: Benzoeharz, Patchouli, Weihrauch, Kakao.

Ich muß ehrlich gestehen, daß ich anfänglich nur semibegeistert war, allerdings wird das Eau definitiv besser, je länger man es versucht – so zumindest in meinem Fall. Ein paar Anläufe sollte man ihm aber einräumen, schon aufgrund der metallischen Noten, die immer etwas gewöhnungsbedürftig sind. Aber L’Etat Libre ist ja ohnehin kein Label für halbe Sachen, ergo auch weder für zaudernde Unentschlossene noch für Schüchterne.

tildasZu denen zählt auch Frau Swinton nicht: Intelligent, stark, begabt und provokant – die Oscar-Gewinnerin ist gebürtige Schottin und entstammt einem der ältesten Clans, ist Cambridge-Absolventin und lebt seit längerem in einer polyamourösen Beziehung mit zwei Künstlern.

Für ihren Duft Like This ließ sie sich von dem islamischen Mystiker und Dichter Rumi (Dschalal ad-Din Muhammad Rumi) inspirieren und wählte seine Worte, um ihren Duft zu beschreiben:

“Like this.
What does your fragrance smell like? Like this.
What does your fragrance feel like? Like this.
What do I do with this fragrance? Like this.
It’s an idea that makes me very, very happy.”

aus: The Essential Rumi, übersetzt von Coleman Barks mit John Moyne.

Der Duft wurde von Mathilde Bijaoui und enthält: Mandarine, Ingwer, Neroli, Rose, Immortelle (Italienische Strohblume), Vetiver, Heliotrope, Moschus sowie eine neue synthetische Essenz namens Potiron Jungle Essence (Mane Laboratories), welche wie Pumpkin, ergo Kürbis duften soll.

tildaswintonbyetatlibredorange

Die Werbung für den Duft paßt meines Erachtens nach recht gut zu Frau Swinton, setzt sie visuell doch ziemlich exakt deren subversive Erotik und Sexualität um. Seien wir doch ganz ehrlich: Das Bild wirkt erregt, sexuell aufgeladen. Insofern finde ich die Mutmaßungen bei Perfume Shrine eigentlich recht amüsant: Der Kürbis Pumpkin erinnert in englisch nicht nur in der Aussprache an sexuelle Aktivität, der Amerikaner Dr. Alan Hirsch wies in Studien auch dessen positive Auswirkung(en) auf die Durchblutung bestimmter (weibliche) Körperteile nach – ist vermutlich in einer polyamourösen Beziehung nicht von Nachteil…

Ich bin schon still ;) … und harre gespannt dem Duft!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressematerial L’Etat Libre d’Orange sowie www.tildaswinton.net

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Duftverzeichnis L – Z


Nur ein einziges Mal…

Geschrieben in Duft, Gewürziges, Gourmand, Orientalen am 16.02.2010

… im Jahr trage ich manche meiner Düfte. Aber wehe, sie wären an genau diesem einen speziellen Tag dann nicht greifbar für mich… Kennt Ihr das? Ich habe einige Düfte in meinem Repertoire, bei denen ich mich dann auch redlich bemüht habe, sie mir mit einer Freundin zu teilen, mir eine halbe Flasche zu ertauschen oder ähnliches… weil ich weiß, daß ich im Leben nie eine komplette Flasche verbrauchen werde, ganz im Gegenteil: Sie sind Teil einer Spezialeinheit, die ein paar Mal (an ein bis zwei Händen abgezählt), manche davon aber wirklich auch nur ein Mal im Jahr zum Einsatz kommt. Habt Ihr auch solche Düfte? Und wenn ja, welche?

arabieEin ganz typischer dieser Kandidaten ist bei mir Serge Lutens’ Arabie. Arabie stammt noch aus der alten Garde, er ist einer der frühen Düfte aus der Lutenschen Exportkollektion – und ich hoffe, er bleibt dort immer drin. Nachdem erst neulich die Ankündigung der Einstellung einiger Düfte die Liebhaber in den Foren erschreckte – verschwinden werden: Santal Blanc (und nicht Clair de Musc, wie ursprünglich verlautet wurde), Douce Amère, Chypre Rouge und Miel de Bois. Jetziger Stand der Dinge ist – sie verbleiben alle in der Pariser Kollektion. [Edit: Der neueste Stand: Nur Miel de Bois ist betroffen.] Aber – kommen wir zurück zu Arabie.

arabie2Inspirationsquelle für Arabie war, das ist jetzt nicht wirklich schwer, der Orient, das Morgenland, die arabische Welt: 1001 Nacht, Haremsdamen im Serail der Kalifen und Sultane, flirrende Hitze und Wüstensand, Basare, Gaukler und Händler. Was Fundament für Märchen, Legenden und Filme war und Abenteurer aus aller Welt anzog und immer noch zieht, wurde in Arabie von Lutens zu einem Duft verwoben.

Arabie war eine meiner ersten Begegnungen mit dem Nischenduftmarkt und verkörpert für mich annähernd alles, was ein guter Nischenduft können muß. Versteht mich nicht falsch – man muß Arabie nicht mögen. Aber neidlos anerkennen, welche Emotionen und vor allem Vorstellungen Arabie wecken kann, welche Bilder Arabie vor Augen ruft: Arabie schafft es mit einem Sprühstoß, einen kompletten arabischen Basar vor meinen Augen auferstehen zu lassen mit Ständen aus altem Holz, prall gefüllt mit allerlei Gewürzen in leuchtenden Farben, mit bunt gekleideten Menschen, exotisch anmutenden Früchten, Tieren und alten Möbeln – genau so einen Markt, wie ich ihn auf Reisen in Nordafrika schon besucht habe und wie ich ihn bereits aus alten Abenteuerfilmen in Kodakfarben kannte…

arabie1Einmal, mindestens einmal im Jahr brauche ich das. Arabie, der als Orientale fungiert, hat laut Lutens folgende Ingredienzen: Zedernholz, kandierte Mandarinenschale, getrocknete Feigen und Datteln – ich rieche da aber noch einiges mehr. Sofort beim Sprühen entfaltet Arabie seinen Glanz und seine Opulenz: Hölzer und Harze nimmt man wahr genauso wie getrocknete Früchte samt der ihnen eigenen Süße – alles in einer Präsenz, die einen fast schwindeln macht. Gewürze meine ich zu erkennen, Muskat und eventuell eine Prise Kumin, Sandelholz und ein wenig Ambra könnte sich auch in der Basis verbergen. Es ist sehr schwierig, Arabie komplett zu analysieren, da er so „reich” ist und homogen in seiner Vielfalt.

Ein starker sonniger Duft für – besondere Momente finde ich. Bitte vorher testen, Arabie ist sehr speziell. Er ist sicher „unisex”, wobei man dieses verwaschene Wort mit solch einem Duft zusammen nicht verwenden sollte. Er ist – tragbar für Männlein wie Weiblein aber bedarf sicher einer gut gewählten Gelegenheit beziehungsweise eines Anlasses…

Hängt Euer Herz auch an einigen „alten” Lutens-Düften? Und welches sind Eure (generellen) Lieblinge aus der Lutens-Kollektion?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquellen, von oben nach unten: Vielen herzlichen Dank an Kavewall sowie Simon Gurney für das Foto Topkapi Palace und Yvan Lagarrigue für sein Basar-Foto via stock.xchng!

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An Lubins Idole…

Geschrieben in Duft, Gourmand, Holziges am 12.02.2010

… gefällt mir eigentlich alles muß ich sagen. Zuallererst mag ich das Haus und seine Geschichte. Als eines der ältesten Parfumhäuser Frankreichs besteht es bereits seit 1798 und produzierte fleißig bis ins 20. Jahrhundert hinein Düfte, bis es eine Flaute erlebt und 1984 an das Haus Mülhens, ein ebenfalls altes Traditionsunternehmen verkauft wird. Mülhens wiederum geht bald in die Wella-Gruppe ein, ein riesiges Firmenkonglomerat und wie es so ist – dieses entschließt sich 1999 dazu, kein Geld mehr in das vor sich hin existierende (oder besser: vegetierende) Haus zu investieren, was dem Todesstoß für Lubin gleichgekommen wäre.

Lubin Idole

Damit hat man wenig Geist für Geschichte sowie Sinn und Wertschätzung für Kulturgut bewiesen – die hatte allerdings ein anderer: Gilles Thévenin, ehemaliger Guerlain-Manager und damaliger Rochas-Marketingleiter (Rochas gehört zu Wella). Thévenin kann Lubin nicht sterben lassen und kauft kurzerhand das Haus Lubin aus der Wella-Gruppe heraus auf – mittels seinem Privatvermögen und einen ehrgeizigen Plan verfolgend: Dem altehrwürdigen geschichtsträchtigen Unternehmen wieder neuen Lebensatem einzuhauchen und an die glanzvollen ruhmreichen Zeiten von damals anzuknüpfen, in denen Lubin einer der leuchtendsten Sterne am Parfumhimmel Frankreichs war.

Thévenin hatte Glück: Das ebenfalls althergebrachte Haus Mülhens hatte einen Sinn für Geschichte und man hatte das gesamte Archiv Lubins dort eingelagert, das somit von Thévenin unangetastet mit übernommen werden konnte und es ihm ermöglichte, etliche der alten Klassiker neu aufzulegen.

Ich kann es im übrigen nur jedem empfehlen, sich einmal die Düfte des Hauses näher anzusehen. Ich habe sie mir eines Tages mal alle zusammen zur Brust genommen und näher angeschaut und war als alter Caron-Fan ziemlich entzückt: Klassische französische Parfumeurskunst, traditionsreich und handwerklich perfekt. Sie mögen sich zum Teil erst auf den zweiten Blick erschließen (Gin Fizz, Le Vetiver, L’Eau Neuve) oder ein wenig gestrig wirken – es handelt sich hierbei aber um wirklich zeitlos schöne Düfte, die, allen voran der wunderbare Nuit de Longchamps von 1934 es wirklich verdient haben, vor der Vergessenheit bewahrt und wieder aufgelegt zu werden.

Kommen wir aber zu Idole. Benannt nach dem gleichnamigen Duft Lubins von 1962 und gedacht als Hommage, symbolisierte Idole als vollkommen neu geschaffener Duft die Renaissance des Hauses. Inspiration und Motiv von Idole waren die Reisen Thévenins, der als Jugendlicher einige Jahre auf Java lebte und die West Indies sowie das chinesische Meer bereiste – vornehmlich auch und gerne mit alten traditionellen hölzernen Segelbooten, die Gewürze, Holz und Fisch transportierten. Die Seeleute und deren Schiffe erinnerten ihn an das Nomadenvolk derjenigen Seefahrer, die jahrhundertelang die Gewürzroute entlang segelten und ihre Fracht des öfteren gegen Piratenangriffe verteidigen mußten.

Diese Impressionen sollten mit Lubin olfaktorisch zum Ausdruck gebracht werden – und zwar von Olivia Giacobetti, der Vorzeigeparfumeurin aus Italien, die dem geneigten Blogleser und/oder Parfumfan durchaus ein Begriff sein dürfte.

Giacobetti hat ganze Arbeit geleistet würde ich sagen – aber zuerst einmal die Ingredienzen, die da wären: Kopfnote: Bitterorangenschale, Zuckerrohr; Herznote: Rum, Safran, schwarzer Kümmel; Basisnote: Sandelholz, geräuchertes Ebenholz, Weihrauch.

Lubin IdoleGiacobettis Spezialität sind die eher sanfteren Töne, oftmals ätherisch anmutende Düfte leichterer tranparenterer Natur. Die für sie typische Handschrift hat sie allerdings auch mit Idole umgesetzt, in sehr reizvoller Art und Weise: Thévenins Impression alter Frachtsegelschiffe, die verheißungsvolle fremde Länder und exotische Häfen ansteuern samt ihrer Gewürzladungen finden sich in Idole zu 100 % wieder – nicht ohne auf Jack Sparrow zu verzichten. Seeräubergarn ist nämlich ebenfalls präsent in diesem Düftchen: Es läßt mich beständig an den Fluch der Karibik denken und Johnny Depp und an Hook und Peter Pan.

Idole startet mit Bitterorange, geraspelte Schale um ganz genau zu sein, und offenbart alsbald sein ganzes Repertoire: Zuckriges gesellt sich zu den Gewǘrzen, welche angereichert sind mit einer ordentlichen Portion fruchtigem Rum, noch in seinem Fässchen verblieben, dem alten. An von den Gezeiten und der sengenden Sonne verwitterte Segelboote erinnert mich das, deren Holz die Gerüche vergangener Gewürzladungen und rauschender feucht-fröhlicher Feste aufgesogen hat. Dank Giacobetti ist Idole allerdings nicht zu schwer geraten sondern ein beschwingt-beschwipster Duft, der seinen Träger mit einer holzig-süßen Wärme einzuhüllen vermag und, es mag vielleicht bei den Zutaten verwundern, tatsächlich ein ziemlich vielseitig einsetzbarer Duft ist: Ich trage Idole eigentlich fast ganzjährig – den (Hoch)Sommer jetzt mal ausgenommen. Darüber hinaus ist er für beide Geschlechter gleichermaßen tragbar.

lubinIch bin zwar kein Flakonsammler und es ist mir reichlich gleich, in welchen Lumpen ein wirklich anbetungswürdiger Duft daherkommt, aber Idoles Flakon verdient trotzdem eine Erwähnung: Designt wurde er von Serge Mansau, dem wahrscheinlich einflussreichsten und besten Flakondesigner unserer Zeit. Die Flasche ist dem Segel der Feluccas nachempfunden, der traditionellen Segelschiffe des Roten Meeres, während die Verschlußkappe eine Nachbildung einer typischen afrikanischen Stammesmaske darstellt.

Sollte ich ihn mit etwas vergleichen schließe ich mich den Forenmeinungen an und werfe Donna Karans kongenialen Chaos in die Runde, allerdings – der „alte”. Die reformulierte neue Variante wurde entschärft und reicht längst nicht an das leider vergriffene Original heran. In diversen Blogs und Foren wurde die Haltbarkeit von Idole bemängelt – ein typisches Giacobetti-Problem, scheinen doch einige ihrer Düfte bei vielen nicht so wahnsinnig langanhaltend zu sein. Bei Idole lohnt sich mehrmaliges Testen: Ich selbst fand den Duft damals beim ersten Test wahnsinnig schön, er entpuppte sich aber auch als nicht sehr langlebig auf meiner Haut. Die Probe neigte sich dem Ende nach einigen Tagen und Idole geriet bei mir einige Zeit in Vergessenheit, bis ich ihn nach ein paar Monaten erneut zum Testen in die Finger bekam. Und siehe da, welch Wunder – mittlerweile hält er. Und zwar ziemlich gut. Keine Ahnung, was meine Haut und/oder meine Hormone in der Zwischenzeit gemacht haben – ich freue mich darüber ;)

Einen schönen Tag Euch, viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquellen: Lubin, darüber hinaus: Herzlichen Dank an  John Nyberg / Kopenhagen über stock.xchng und Kavewall für die beiden tollen Fotos!

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Öko die Zweite – Honoré des Prés Teil 2.

Geschrieben in Duft, Gourmand, Hesperiden am 28.01.2010

Gestern hatte ich bereits die ersten beiden Düfte der neuen Honoré des Prés-Kollektion vorgestellt, die diese Woche Duft-Thema ist. Fünf an der Zahl sind es, zwei davon nehme ich heute für Euch unter die Lupe, Nummer drei folgt dann noch morgen.

Honoré’s Trip ist der einzige Duft, der nicht von Frau Giacobetti gemacht wurde. Er wurde wohl von und für den Honoré selbst geschaffen. Mich würde ja brennend interessieren, ob die angebliche Gründerfamilie, von der im gesamten Pressematerial die Rede ist, tatsächlich existiert, oder ob sie frei erfunden wurde, ob sämtliche Familienmitglieder sowie deren Episoden, Zitate ein Marketingkniff, -gag sind oder nicht. Fotos sucht man nämlich überall vergeblich. Alles mutet aristokratisch und zugegebenermaßen dadurch auch ein wenig pseudo-elitär an. Zumal der Name auch verdächtig an die beiden Pariser Quartiere Faubourg Saint-Honoré sowie Saint-Germain-des-Prés erinnert, ersteres bevorzugtes Wohnviertel des Adels und zweiteres das Viertel der aufstrebenden Bourgeoisie im 18. /19. Jahrhundert, von Balzac und anderen gerne beschrieben und heute zwei Luxusviertel. Der Honoré selbst wird, sollte es ihn den geben, als ein französischer Dandy in allerbester Wilde-Manier beschrieben, nämlich als, ich zitiere, „eternal Bohemian teenager” sowie als „highly talented night reveller and rich landowner, who is still searching for his muse”, der darüber hinaus ein Faible für Yoga hat. Alles klar? Da fragt man sich ja schon mal… sollte ich einmal nähere Infos dazu finden, reiche ich diese selbstredend nach.

Honoré des Prés Honoré's TripAber – weiter im Text. Der Honoré duschte sich wohl in seinem Ferienhaus jeden Morgen mit gesammeltem (Regen?)Wasser und trank hernach zum Frühstück einen frisch gepressten Saft. Seitdem – oder auch schon zuvor – verbindet er Zitrusfrüchte, mediterrane, in ihren satt-leuchtenden Farben mit (Lebens)Freude und Heiterkeit, mit Vitalität und Energie. Und wollte so einen Duft, der all jenes einzufangen vermag.

Das Rezept ist ganz einfach, die Ingredienzen sind es auch: Orange, Mandarine, Zitrone und Pfeffer. Aber, wie steht es schon in der Honoré des Prés-Pressemappe: Oma des Prés sagte schon immer: „Rich is simple.” – Oder auch: „Less is more”, einen Ausspruch, den man dem Bauhauspionier Mies van der Rohe zuschreibt. In dem (wie in vielen anderen Fällen) stimmt es auch, definitiv. Schon die satte Mandarinenfarbe des Duftes stimmt einen beschwingt und Honoré’s Trip müßte für die vielen Fans von zitrischen Düften eine wahre Wonne sein: Ein Hesperidencocktail, der rockt, ehrlich. Frisch, prickelnd, zitrisch, saftig, spritzig und strahlend – deutlich zu riechen sind alle angegebenen Zutaten und zwar: frisch angeschnitten. Man riecht das satte Fruchtfleisch, den durch den Anschnitt aus der Frucht laufenden Saft, die herben Schalen – und in den zitrischen Höhen würzt Pfeffer pikant und rundet somit das gewisse Extra spendend den Duft gelungen ab. Hier gibt es nichts zu meckern. Ein rundum schöner Duft, sehr authentisch und einmal ohne die übliche Moschusbasis, was mich persönlich besonders freut. Mit Sicherheit ein toller Sommerbegleiter.

Honoré des Prés Sexy AngelicSexy Angelic – mmmhh… ein „secret love elixir”, inspiriert durch den hölzernen Alkoven (eine Bettnische) in einem nicht näher namentlich erwähnten Luxusdesignerhotel, von dem aus man den Blick auf den wunderschönen, selbstverständlich ökologisch wertvoll drappierten Garten hatte… Ein Spiel wird hier zitiert, das älteste Spiel der Welt: Ein Duft der Verführung soll es sein, jener ambivalenten, bestehend aus Schierlingsblüte, einer Prise Angelika (Engelwurz) sowie einem Hauch frisch gebackenem Calisson, dem berühmten Marzipankonfekt aus Aix-en-Provence.

In ein Calisson beißen heißt Widerstand erwarten und auf Zartheit treffen, so sagt man in der Provence. Und das trifft nicht nur auf diese, sondern auch auf unser Sujet zu: Sowohl auf die Thematik der Verführung als auch auf unseren Duft, Sexy Angelic. Man hat es hier auch mit einem Thema zu tun, daß Giacobetti recht gut liegt, wie man bereits beispielsweise bei Safran Troublant sehen konnte: Süße in Kombination mit Skinnigem, verwandelt zu zuckriger Haut, gerne in Verbindung mit Anis oder ähnlichem. In diesem Falle eben Engelwurz. Und – Marzipan.

Was hier als Hauch angekündigt wurde kommt einer latenten Untertreibung gleich: Sexy Angelic ist ein luftig-zuckriger Marzipankuß, dahingehaucht auf die Haut. Zarte, dezent florale Anklänge sind wahrzunehmen samt würzig-kräuterigem Engelwurz, allerdings im Hintergrund agierend. In allererster Linie ist Sexy Angelic bittersüße Marzipanverführung, die durch ihre Transparenz vielleicht auch für einige in Frage kommen könnte, die normalerweise bei Gourmanddüften die Flucht ergreifen.

Auch bei diesen beiden Kandidaten gilt, genauso wie gestern: Bitte auf der eigenen Haut testen. Die Haltbarkeit und Aussage sind doch, wie ich im Praxistest auf der eigenen Haut wie auch auf der von Freunden, die mal wieder für meine Duftexperimente herhalten mußten, doch sehr unterschiedlich.

Morgen folgt noch die Rezension zu meinem besonderen Liebling der Linie, Chaman’s Party.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Osmanische Delikatessen…

Geschrieben in Duft, Gourmand am 22.01.2010

… offeriert uns die gute Frau Mecheri bereits seit Jahren: Ihr Bestseller Loukhoum ist benannt nach der Süßigkeit Lokum. Diese auf englisch als Turkish Delight bezeichnete Nascherei, fast ausschließlich aus gelierter Stärke und Zucker bestehend und auf der Basis eines Sirups gefertigt, trägt ihren Namen nach dem türkischen „lokma”, ein „Happen” oder auch „Bissen” – gerne auch „Rahat-Lokum”, was soviel wie Gaumenfreude bedeutet, wie mich Wiki belehrt. Und, das ist wichtig: Lokum wird gerne mal aufgrund seines englischen Namens mit Türkischem Honig verwechselt, was aber falsch ist, da dieser Begriff eine ältere Bezeichnung für weißen Nougat ist. Aha.

Keiko Mecheri LoukhoumGut. Lokum ist also – süß. Aber eben eine Art Gelee, oftmals mit Rosen- oder Orangenblütenwasser, Zitronen- oder Orangensaft versetzt und manchmal mit gehackten Nüssen oder Aprikosen angereichert. Insofern dürfte mich/uns etwas Süß-Fruchtig-Zuckriges erwarten. So. Vermutlich muß ich mir das an dieser Stelle nur nochmal ins Gedächtnis rufen, da ich bei türkischen/arabischen Süßigkeiten eigentlich gedanklich immer in Blätterteig-Gebäck- oder Nougatrichtung(en) abdrifte…

Nun, Rahat Lokum kennen wir auch im olfaktorischen Bereich schon irgendwoher… Stimmt – von Herrn Lutens, der Lieblingsmuse von Keiko Mecheri. So habe ich mal meine Schublade bemüht und kann mein Näschen für den direkten Vergleich glücklicherweise auch parallel über eine Probe von Rahät Loukoum hängen.

Serge Lutens’ Rahät Loukoum offenbart bereits im Auftakt Noten von Marzipan, gerösteter Mandel und Rosenwasser. Ich rieche darüber hinaus Anklänge von likörigen Morello-Kirschen (welche wohl, da sind sich die Informationsquellen im Internet wieder uneinig, nicht unbedingt im Duft enthalten sind bzw. sein müssen), gebettet auf einer pudrig-süßen, vielleicht ein bißchen ambrierten Honig-Vanille-Basis mit ausreichend Moschus, alles in allem ein wenig an Amarettinis erinnernd. Süß. Extrem gourmandig. Aber auch durch Mandel und Marzipan ein klein wenig herb – wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von Herbe sprechen kann…

Madame Mecheris Loukhoum enthält wohl folgende Ingredienzen: Hagedornblüten, bulgarische Rose, Bourbon-Vanille, Hölzer.

Keiko Mecheri LoukhoumBei Loukhoum entfällt die Lutensche Kirsche gänzlich: Ich vermag hier keine fruchtigen und auch keine likörigen Noten zu entdecken, auch rauchige Anklänge sind nur sehr dosiert vorhanden. Loukhoum ist in allererster Linie pudrig und sehr süß sowie vanillig mit ein wenig Würze, was in mir sofortige Gebäckassoziationen weckt. Die Blüten, vor allem die schüchtern im Hintergrund wahrnehmbare (kandierte?) Rose, schaffen eine dezente, ätherisch anmutende Tiefe oder auch
Weite, verziert durch goldenen Honig.

Beide Düfte sind – schön, wenn man Gourmands mag, obgleich weit davon entfernt, 200% alltagstauglich zu sein. „Immergeher”, wie ich zu sagen pflege, sind es definitiv nicht. Auch sollte man sie sparsam verwenden… Mecheris Loukhoum erscheint mir noch einen Tick tragbarer, da dieser Duft spätestens ab dem Herzen einen Dreh in die „Kuschelmuschel”-Ecke bekommt: Er bleibt zwar durchgängig gourmandig, süß und zuckrig-pudrig, zeigt sich aber später etwas hautnaher, während der Lutens alle Dessert-Register zieht und sich zwar im Duftverlauf etwas „beruhigt”, aber durchgängig auffällig bleibt und ist.

Was ist nun mit den beiden „Neuen” von Mecheri, Parfum du Soir und Eau Poudrée?

Parfum du Soir wird als eine „Destillation” von Loukhoum beschrieben, ähnlich also wie beispielsweise bei der Herstellung von Brandy aus Wein. In der Tat ist er eine äußerst konzentrierte Variante, darüber hinaus aber auch die dunklere, erwachsenere von beiden, wie der Name schon vermuten läßt. Während Loukhoum hellpudrig und honiglich süß ist, offenbart Parfum du Soir Nachtseiten: Tiefer, dunkler, samtiger, ernsthafter, ein wenig erwachsener und erotischer ist Parfum du Soir. Es ist der würzigere Duft von beiden, von trockenerer Süße und mit Oud verfeinert. Mir kam dazu jenes Gemälde der polnischen Art-Déco-Malerin Tamara de Lempicka in den Sinn mit den beiden jungen Mädchen – Schwester vielleicht, in jedem Falle aber ähnlichen Alters, aber doch so verschieden und beide schön auf ihre Weise.

lempicka2Für Eau Poudrée sind folgende Ingredienzen gelistet: weiße Rose, Irispuder, Veilchengrün, Narzisse, Bourbon-Vanille und Mecheris „Kristallmoschus”. Und ehrlicherweise deckt sich dieser Duft für mich am ehesten mit der Erinnerung, die ich an Lokum habe. Alle anderen Düfte gehen für mich in Richtung des türkischen Honigs oder anderer Gebäckvarianten, Eau Poudrée riecht aber in der Tat wie ein solches „Jelly Candy”, was Lokum eben ja auch ist: Saftige Fruchtsüße und Puderzucker im Duett, kandierte Rose, süß-florale Noten mit einem Hauch Grün sowie sanfte Vanille auf einem hellen Moschusbett. Auch hier ein Tamara de Lempicka-Gemälde – ebenfalls mal wieder eines ihrer bevorzugten Motive – ein namenloses, schönes junges Mädchen. Unbeschwert die (süße?) Leichtigkeit des Seins verkörpernd in seiner Jugend.

Welches ist Euer Duft, welches Eure Wahl?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle 1, Bildquelle Deux Filles von Tamara de Lempicka

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