Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Solifloral am 15.09.2011

Heute ist sie endlich an der Reihe, die brandneue Molton Brown-Duftkollektion „Navigation Through Scents“, mit dem Slogan „four countries, five scents, many memories“ beworben. Reisen durch Düfte, wer von uns kennt das nicht? Gerüche, die einen entführen – in fremde Länder, an versteckte Orte, geliebte Plätze. Die Erinnerungen evozieren, Sehnsucht heraufbeschwören – an vergangene Zeiten, Menschen und Situationen.

„A brief history of perfume, told through five distinct fragrances. From lost worlds, along ancient silk and spice routes to a brave New World.“

Eine kleine Geschichte des Parfums, erzählt mit fünf unterschiedlichen Düften. Ein nicht unbedingt neuer, aber immer wieder netter Ansatz. Alle Wege führen natürlich nach London – dem Sitz Molton Browns. Aber von unterschiedlichen Richtungen aus – nämlich von Orten, die eine gewichtige Rolle spiel(t)en in der Parfumhistorie. Von denen man Rohstoffe importierte, wertvolle, um Ingredienzen zu kreieren, die die Menschen verzaubern sollten. Machen wir uns also mit Molton Brown auf die Reise…

Der erste Duft ist Iunu, altägyptisch für Heliopolis, die Sonnenstadt, in der Nähe Kairos gelegen. Wo im heutigen Ägypten nur noch ein Ruinenfeld vorzufinden ist, florierte mehr als 2000 Jahre vor Christus das Leben, ganz abgesehen davon, dass die Stadt auch mythologisch eine wichtige Rolle spielt: Sie gilt als Geburtsstätte der Götter.

Was liegt näher, als einen ägyptischen Sonnenuntergang im Nildelta in Jasmin zu gießen? Sinnlich, warm und dunkel soll er sein… und erwischt mich erstmal eiskalt auf der Haut: Idole? Nennt meine Nase verrückt und mich verschroben, aber ich meine Lubins schönen Giacobetti-Duft zu erkennen, welcher ja auch immerhin der alten Gewürzroute gewidmet ist – ich hatte ihn hier rezensiert. Mit der Entwicklung des Duftes verblasst diese Assoziation, eine Ähnlichkeit sehe ich aber immer noch und diese bleibt bestehen, trotz der unterschiedlichen Ingredienzen. Iunu beginnt mit jener für Ingwer typischen fruchtig-herben Trockenheit, die dessen Freunde so sehr schätzen, welche sich hier mit dillähnlich erscheinendem Elemiharz und scharf-würzigem Pfeffer ein Stelldichein gibt. Üppig blühender Jasmin von warmer Blütensüße bildet den Gegenpol und rundet den Duft auf einer weiche Tiefe verleihenden Basis von Patchouli und Eichenmoos ruhend gelungen ab. Und doch rieche ich da noch mehr – nicht mehr als ein Hauch, aber definitiv existent, entsprungen aus der Melange der Zutaten: Fruchtigkeit, trockene, likörig anmutend. Rumähnlich und nach Rosinen duftend – eine, vielmehr die große Parallele zu Lubins Idole, obgleich es sich hier um zwei deutlich verschiedene Düfte handelt. Auf dem Teststreifen zeigt sich diese Facette nicht so ausgeprägt, wie sie auf meiner Haut in Erscheinung tritt – ich bin also gespannt, ob Ihr diesen Twist ebenfalls wiederfinden könnt.

Iunu ist kein typischer Jasmin – wer hier ein riesige Femme-Fatale-Männerfresser-Blüte erwartet wird wohl enttäuscht werden. Auch hat Iunu keine wirkliche Ähnlichkeit mit The Different Companys Jasmin de Nuit, der einem zu in Jasmin getränkten Nächten vielleicht einfallen wird. Vielmehr gleicht Iunu einer Stimmung, einer Aura, die einen umfängt, betört. Und gleichzeitig auch einem Bild, einer nächtlichen Impression eines arabischen Landes, einer arabischen Stadt. Obgleich Monsieur Lutens sicher Freude an dem Düftchen hätte, hätte (und hat) er derlei Themen schwülstiger Ausdruck verliehen: Iunu ist zwar warm-würzig und opulent floral, besitzt aber nicht jene Hitze, die zum Beispiel die alten Lutens-Düfte auszeichnet und welche ich zwar mag, aber ehrlicherweise nur sehr selten tragen und vor allem ertragen kann. Zu Iunu würde ich deshalb ohne Zögern und sehr gerne greifen, auch, weil er zwar ein potenter Duft ist, ihm aber jenes indolisch Anstrengende vollkommen abgeht, das viele seiner Jasminschwestern besitzen.

Ein gelungener Einstieg, der Lust macht auf mehr – morgen hier :)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Clouds at Egypt Sky 2 von jarto2003/Mostafa Emad, Pharao is watching von zchizzerz/Jeff Vergara, some rights reserved – vielen lieben Dank!
Hier finden Sie die Navigaton Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

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Molton Brown – EdT’s die Zweite.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Echte Kerle,Gewürziges,Holziges am 14.09.2011

Re-Charge Black Pepper, Cool Buchu und Bracing Silverbirch heißen sie, die drei vornehmlich auf die Männerwelt zugeschnittenen Eau de Toilettes aus Molton Browns Kollektion – alle angelehnt und abgestimmt auf die zugehörigen Pflegeprodukte, welche zuerst auf dem Markt waren.

Gestürzt habe ich mich zuerst auf Re-Charge Black Pepper, dessen Duschgel ich liebe – der Duft steht dem in nichts nach: Ein kühler von funkelnden bitter-säuerlichen Bergamottesternchen beleuchteter Pfeffer-Kick in der Kopfnote, eine Art geeiste Schärfe, die alsbald in warmer Würzigkeit aufgeht. Koriander schlägt in die gleiche Kerbe, während Eichenmoos und Patchouli erdige Wärme spenden. Diese beschützende Wärme sieht sich alsbald von fruchtiger Ingwerherbe und grünen Veilchenblättern akzentuiert, die dem aromatischen Duft ein harmonisches Gleichgewicht verleihen.

Pfeffer und Ingwer – ohnehin Reizwörter für mich. In Re-Charge Black Pepper tauchen sie in trauter Zweisamkeit auf und kreieren einen gleichermaßen dynamisch-frischen Geruch, der die Sinne belebt als auch ein entspannend-behütendes, vertrautes Gefühl. Ein Duft, der einem Tatendrang verleiht und gleichzeitig mutmachend den Rücken stärkt – fein! Da hätte ich gerne den passenden Mann dazu – bis der kommt trage ich den Duft dann gleich mal selbst.

Cool Buchu ist – cool. Und so wird er auch beschrieben: „Crisp. Fresh. Cool. Invigorate your mind and send your spirits soaring. Clean and refreshing, clear and true, enjoy an instant sensory pick me up.“ Crisp lässt sich so unglaublich schlecht übersetzen in diesem Zusammenhang – knusprig, frisch, knackig lässt eher an Brathähnchen denken denn an Düfte. Dabei trifft das Attribut „frisch“ alleine eben nicht, was hier meines Erachtens nach gemeint ist: Natürlich ist Cool Buchu frisch, aber diese Frische hat Biss, ist sauber und kühlt, erfrischt, tritt einem aber auch in den Hintern, erweckt Lebensgeister. Minze, wilde, ist dafür verantwortlich, die in Kombination mit grünem Kardamom, Mandarine und Zedernholz für einen klaren Kopf sorgt. Für mich ein idealer Duft als Start in den Tag – vor allem, wenn die Nacht zu kurz war und der Morgen zu früh kam, der Wecker zu unerhörter Zeit klingelte und der Kopf, der zum Denken dienen sollte, noch seinen Dienst verweigert.

Cool Buchu ist meiner Meinung nach für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Ich kann mir die Badeprodukte der Duftrichtung auch sehr gut als Ergänzung vorstellen zu jenen krautig-minzigen Sommerdüften wie Heeleys Menthe Fraîche, Guerlains Herba Fresca, Humiecki & Graefs Eau Radieuse, Sigilis Ea, um nur einige Beispiele zu nennen.

Bracing Silverbirch trägt seinen Namen nach dem Baum mit dem hübschen lateinischen Namen Betula Pendula, Sandbirke oder auch Weißbirke genannt. Jenen sommergrünen Laubbaum von schmalem Wuchs im eleganten weißen Borkenkleid hat man natürlich nicht in die Flaschen geschnippelt – sinnbildlich kann er aber sicherlich für den Aufbruch stehen, jenen lebendigen, den der Duft verströmt: Amerikanische Zeder in gewohnt sauber-frischer Strenge mischt sich mit spritzig-zitrischer Bergamotte, untermalt von einem seidig-kalten Weihrauch-Hauch. Holzige Frische, raumgreifend umgesetzt und von würziger Kühle – Liebhaber von Holzdüften sollten hier aufhorchen, dies ist ein überaus schöner Vertreter seiner Gattung! Und Kumin, jenes gefürchtete Kümmelchen, ist zwar vorhanden, nicht aber in seiner ab und an transpirierend wirkenden Ausformung, die so manchen zu verschrecken mag.

Einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Boat von Patator/Frédéric Dupont, Betula Pendula von Neurovelho, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Molton Brown Eau de Toilette-Kollektion in unserem Shop.

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Wer ist der dritte Mann?

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 12.09.2011

Liebhaber vor allem älterer Filme werden bei dieser Überschrift sicherlich sofort an den Klassiker “Der dritte Mann” (The Third Man) von 1949 denken und das zu Recht. Caron hatten nämlich genau diesen Schwarzweißstreifen im Blick, als sie den Duft “Le 3e Homme” lancierten:

In 1985, CARON brings all its skills as a parfumier to bear in the creation of its third men’s fragrance: LE 3ème HOMME DE CARON.
Inspired by Carol REED’s legendary film, it is aimed at the elegant man portrayed by Orson WELLES. The avant-garde, yet highly accessible LE 3ème HOMME DE CARON is the fragrance for men with the ability to cultivate their intellectual curiosity in the simplest of fashions.

Dieser Film noir unter der Regie von Carol Reed spielt in Wien kurz nach dem Krieg und erzählt einen verwickelten, politisch angehauchten Thriller. Es geht um Schieberbanden, die gestrecktes Penicillin verkaufen, Totgeglaubte, die wieder auftauchen, weswegen eine Exhumierung stattfindet, und eine wilde Verfolgunsgjagd in der Wiener Kanalisation, die man heute sogar in einer “3. Mann Tour” besichtigen kann.

Kopfnote: Zitrone, Bergamotte; Herznote: Gewürznelke, Lavendel, Koriander; Basisnote: Vetiver, Eichenmoos

Lady from Shanghai trailer welles

Ein frischer Auftakt, wie könnte es auch anders sein, wo doch Zitrone und Bergamotte die Hauptrolle spielen. Von einem Duftverlauf kann nicht wirklich gesprochen werden, denn auch die würzigen Noten von Gewürznelke, Lavendel und Koriander sind sofort zur Stelle und fügen sich trefflich in die Frische ein. Vetiver und Eichenmoos bilden dabei eine erdige, wurzelige Basis, die allerdings nicht allzu stark herauskommt und eher als Grundierung zu verstehen ist. Wirklich präsent bleiben die Herznoten.

Kein komplizierter Duft und auf meiner Haut weitaus wärmer und holziger als auf dem Teststreifen. Ich versuche nun den Film mit dem Duft in Verbindung zu bringen und siehe da, es ergeben sich durchaus Parallelen. Auch der Duft mutet klassisch an und passt durchaus in einen alten Schwarzweißfilm. Frisch genug für einen Thriller ist er allemal und ich kann den geneigten Leser beruhigen: Weder die Exhumierung noch die Verfolgungsjagd in der Kanalisation wurden bei diesem Duft berücksichtigt :-) Also, ein angenehmer Herrenduft, keineswegs anstrengend, alltagstauglich und ein guter Kompromiss zwischen Tradition und Moderne – an dieser Stelle muss ich das abgegriffene Wort “zeitlos” bemühen. Ein Duft, der früher gut funktioniert hat, und der sicher auch in 20 Jahren noch tragbar sein wird.

Und wer ist nun der dritte Mann? Das wird natürlich nicht verraten :-)

Viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: Plakat “The Third Man” via Wikipedia, some rights reserved.

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Der Nomade, ein Humboldt?

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 6.09.2011

Le Nomade von Parfums d’Orsay — bei Nomaden denke ich sogleich an Orientalen, dabei gibt es nomadisch lebende Völker auf jedem Kontinent, sodass ich jetzt einfach meine Klischeevorstellungen über Bord werfe und nochmal von vorne anfange. Der Hersteller deutet ohnehin in eine ganz andere Richtung:

A unique eau de parfum to carry the travelling gentleman across frontiers, in search of rich experiences and memorable moments.

Also haben wir es hier keineswegs mit Beduinen- oder Wüstenromantik zu tun, sondern eher mit dem reisenden Gentleman des 19. Jahrhunderts, als das Reisen noch zur Grundausstattung jedes gebildeten Menschen gehörte. Damals bereiste man den Süden, um antiken Schauplätzen nachzuspüren oder wagte sich in noch fernere Winkel der Erde. Heute ist man in ein paar Flugstunden beinahe überall, früher hingegen gab es noch wirklich etwas zu entdecken. Weiße Flecken auf der Landkarte lockten mutige Forscher mit Entdeckergeist, sowohl ihr Vermögen als auch ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um als Pioniere in die Geschichtsbücher einzugehen. Entsprechend hatten Reiseberichte, Abenteuerromane und die Mischung daraus, Reiseromane, auch in der breiten Masse Hochkonjunktur. Von wissenschaftlichen Werken wie Alexander von Humboldts Reiseberichten bis hin zu den Fiktionen eines Jules Verne faszinieren Werke wie diese. Das Genre ist übrigens nicht ausgestorben. Da wir auf den Landkarten der Erde keine weiße Flecken mehr haben, mussten wir in die unendlichen Weiten des Weltraums ausweichen, sodass die Reiseliteratur hier im Science-Fiction-Gewand weiterlebt; ganz zu schweigen von Roadmovies…

Zurück zu unserem Nomaden, welcher mit folgenden Duftnoten angegeben wird: Kopfnote: Vetiver, Bergamotte, Limette, Muskatnuß; Herznote: Geranium, Jasmin, Kardamom, Koriander, Kumin, Schwarzer Pfeffer; Basisnote: Salbei, Zedernholz, Sandelholz, Moos

Selten hat es mich derart aus den Socken gehauen, das ist ein Duft ganz nach meinem Geschmack! Frische Hesperiden im Auftakt werden von würzigen Noten unterstützt, und ohne Unterbrechung setzt sich diese frische Würze mit Kardamom, Kumin und Schwarzem Pfeffer fort. Unverzüglich sollte “Le Nomade” nun auf die Haut. Dort das gleiche Bild, wobei erst hier die holzige Grundlage wahrnehmbar wird, denn nach einer Weile klingt der so furios gestartete Duft mit harmonisch weichem Sandelholz aus.

Ein kühle, nordeuropäische Frische trifft auf würzige, exotische Noten. Das Bild des Reisenden in fremden Ländern finde ich hier hervorragend umgesetzt. Dabei ist “Le Nomade” aber keineswegs konfrontativ oder ein Abbild des Kolonialisten. Dieser Reisende lässt sich voller Respekt auf das Fremde ein, weiß Differenzen zu überbrücken und wird somit zu einem Humboldtschen Charakter, einem Humanisten und Vordenker der Globalisierung.

Meine Damen und Herren, ein ganz ausgezeichneter Duft, für alle Freunde zitrischer Noten gepaart mit kräftiger Würze.

Es grüßt Euch
Harmen

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Histoires de Parfums – 1740 – Marquis de Sade

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges am 1.08.2011

Sade (van Loo)

Ein weiterer Duft also, der dem berüchtigten Marquis de Sade gewidmet ist. Die Älteren unter uns werden sich bestimmt noch an Marielas und meine Duftrezension zu Nez à Nez’ Ambre à Sade erinnern, dem quietschebunten Walderdbeerduft, bei dem wir nun überhaupt nicht darauf kamen, inwiefern er mit dem lüsternen Markgrafen in Verbindung steht.

Ich darf es schon verraten. Das wird nun vorerst die letzte Besprechung aus der Histoires de Parfums-Reihe sein. Ob 1740 – Marquis de Sade die Krone als bester Duft davonträgt, wird sich in Kürze zeigen.

Kopfnote: Bergamotte, Davana; Herznote: Patchouli, Sand-Strohblume, Kardamom, Koriander; Basisnote: Zedernholz, Elemiharz, Leder, Labdanum (Zistrose)
…klingt doch nach einem Duft mit Potential!

Auf dem Teststreifen erweist sich Marquis de Sade als holzig, ledrig und auch ein wenig harzig. Eine unterschwellig süße Note ist zudem wahrnehmbar. Eine gewisse Würze von Kardamom sowie Kräuternoten von Davana lassen sich ausmachen. Auf der Haut kommt die Würze besser zum Tragen, sodass ich ohne Duftnotenangabe auf Vetiver getippt hätte. Geradezu trocken erscheinen nun auch die Holznoten und ich bin mir nicht sicher, welchem Akteur dies anzulasten ist. Eine kurzes Nachschlagen in einem Fachbuch bringt mich auf eine Spur: Davana vereint krautige und teeähnliche Aspekte mit Noten, die an Whisky oder Cognac erinnern sowie holzige Ambranoten beinhalten. Das würde doch eigentlich gut passen, oder? Ein Telefonat mit Uli bringt Licht in die Sache: es ist die Sand-Strohblume bzw. Imortelle, die hier das Heft in der Hand hat und mit ihren würzigen Noten bekanntermaßen die Geister scheidet.

Gnaphalium arenarium Sturm30

So wie es aussieht, habe ich mir die besten Düfte dieser Reihe ganz unbewusst für den Schluss aufgehoben, denn auch “1969 Révolte” gefiel mir in meiner letzten Besprechung sehr gut. Auch dieser Kandidat zeigt sehr viel mehr Charakter als es die ersten Düfte vermuten ließen.

Marquis de Sade ist wahrscheinlich eher für einen Herbst- oder Wintertag geeignet und dürfte tendenziell einem Mann besser stehen. Schwülstige oder gar erotische Momente, die der Titel implizit ankündigt, finden sich hier meines Erachtens nicht. Ein Test auf der Haut ist aber geboten, denn hier kommt der Duft weitaus kraftvoller daher als auf dem Streifen.

Doch wer war nun dieser Marquis de Sade, nach dem der Sadismus benannt wurde? Geboren wurde er 1740 und auf den wohlklingenden Namen Donatien Alphonse François getauft. Weltruhm erlangte er vor allem durch seine Schriften, welche man neben seinen kirchenfeindlichen und philosophischen Romanen, ganz klar der harten Pornographie zuordnen kann. Der Marquis ließ sich nicht davon abhalten, diese drastischen Darstellungen auch im echten Leben durchzuturnen, sodass es mehrere Klagen gab, bei denen er einigermaßen glimpflich davonkam, letzlich aber in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. Was war passiert? Zwei Prostituierte bezichtigten ihn, sie mit Aphrodisiaka gefügig gemacht und zu Gruppensex und Analverkehr gezwungen zu haben. Nach einer Flucht und weiteren Untaten wurde er schließlich eingesperrt und das Todesurteil aufgehoben. Die Zeit im Gefängnis bot ihm nun die Möglichkeit, sich schriftstellerisch auszutoben und bekannte Werke wie “Die 120 Tage von Sodom” zu verfassen. Als Gefangener in der Bastille rief er im Revolutionsjahr 1789 der demonstrierenden Menge zu: “Sie töten die Gefangenen hier drinnen!”, woraufhin man ihn in die Irrenanstalt brachte. Weitere Gefängnisaufenthalte sollten folgen und auch der große literarische Durchbruch gelang ihm zu Lebzeiten nie.

Ich bin gespannt, wer den Duft schon getestet hat und was Ihr von ihm haltet!

Mit einem sadistischen Gelächter verabschiede ich mich
Harmen

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Brennend neugierig…

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Grünes,Holziges,Reines und Pudriges am 13.07.2011

… sind einige viele von Euch ganz bestimmt auf die vor ein paar Tagen hier erwähnten neuen drei Düfte von Andy Tauer. Ich habe mich dazu entschlossen, Euch nicht allzu lange auf die Folter zu spannen und sie Euch gleich vorzustellen.

Pentachords heißt die neue Linie und wie man dem Namen bereits entnehmen kann, ist die Zahl Fünf von Bedeutung für die Kollektion, ich zitiere mich einmal selbst:

„Jedes Pentachords-Parfum besteht aus fünf Duftmolekülen. Nicht weniger und nicht mehr – wobei weniger hier definitiv mehr ist in schönster Bauhaustradition. Denn die Reduktion, die bewusste und gewollte, erfordert natürlich die Verwendung hochwertigster Zutaten.“

Verdant, Auburn und White heißen sie, die drei Neulinge, und sind somit alle nach Farben benannt.

Verdant steht für das satte Grün von kühlen Wäldern, von dunkelgrünen taubenetzten Blättern, die in der Sonne nach einem Sommerregen glänzen, während die eigenartige Süße der dampfenden Erde aufsteigt. Diese Impression hat Tauer mittels Blattgrund, Wildleder, Tabak, „süßer Erde“ und Ambra einzufangen versucht – und das ist ihm, wie häufig, ganz vorzüglich gelungen: Grasgrün, Blattgrün, Jägergrün, Dunkelgrün, Frühlingsgrün, Waldgrün, Moosgrün – dieses Ergrünen ist unübersehbar. Frisch, saftig, bitter, herb-süß und grasig steigt einem der Duft in die Nase, und vermittelt einem mit seiner eigenartig anmutenden erdigen Süße tatsächlich den Eindruck eines soeben vorbeigezogenen Sommergewitters, welches der Natur Erholung gespendet hat. Kühles Nass und noch von der Sonne gewärmte Erde – plastischer habe ich das selten gerochen.

Auburn heißt soviel wie Rostrot oder Rotbraun – die Farbe des Hauptprotagonisten: Zimt. Ein koketter, fröhlicher Geselle mit einer warmen Schärfe, der sich hier mit heiterem, würzig-cremigen und leicht knarzigem Sandelholz auf einem ambrierten Bettchen wiederfindet, vielmehr: einem rustikalen, ausladenden Lager, Zitrusblütenumrankung und eine Shisha mit Apfeltabak in greifbarer Nähe – so lässt es sich leben. Orientalisch finde ich den Duft jetzt nur sehr bedingt, ansonsten bin ich mir sicher, dass Sandelholzfans an ihm ihre helle Freude haben werden.

White ist Silberweiß und wunderschön: Iriswurzel, zugleich pudrig-süß und erdig-samten anmutend, in inniger Umarmung mit Veilchen auf einem trockenem Rosenholz, cremiger Vanille und einem Hauch Ambra. Unschuld und doch Tiefe… Eine ähnliche Mischung hat mich schon einmal ganz unverhofft erwischt: Geste von Humiecki & Graef. Latente Verwandschaftsverhältnisse sind vorhanden, allerdings sprechen wir in jedem Falle von zwei eigenständigen Düften, die, beide innovativ und herrlich, sich genügend voneinander unterscheiden, sodass es mich bei White hier schon wieder in den Fingern juckt…

Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinungen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Summer Forest von John Nyberg, The Light von Winterdove/Carmen Cordelia, The Room von Jesse Therrien, alles via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Divine – L’Être Aimé Homme oder Der gewürzte Mann

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges am 16.06.2011

Wenn mich meine schwer eingerosteten Französischkenntnisse nicht völlig im Stich lassen, müsste das Parfum zu Deutsch „Das geliebte Sein“, „Das geliebte Wesen“ heißen. Divine haben ja auch mit ihrem Firmennamen bereits eine himmelhohe Messlatte gelegt. Ob der Duft nun göttlich ist und man sich nach dem Auftragen als geliebtes Wesen fühlt oder diesen einem solchen zumindest schenken würde, versuche ich heute herauszufinden.

L’Être Aimé Homme“ wurde mit einer Vielzahl an Ingredienzen versehen; angegeben sind folgende: Kopfnote: Bergamotte, Lavendel, Ingwer, Basilikum; Herznote: Sellerie, Kardamom, Sand-Strohblume; Basisnote: Labdanum (Zistrose), Sandelholz, Patchouli, Vetiver

Ein erster Riecher am Duftstreifen lässt mich recht deutlich Basilikum, Lavendel und Sellerie ausmachen. Sehr würzig, dieser Kerl. Auf der Haut erhalte ich einen frischen Auftakt, der nur wenige Sekunden anhält. Sofort drängen sich die würzigen Noten hervor, von denen Lavendel am eindeutigsten wahrnehmbar ist. Sellerie und Basilikum geben dem Ganzen eine “gemüsige” Richtung, welche wiederum vom im Untergrund schwelenden Sandelholz abgerundet wird. Am ehesten erinnert mich der Duft an The Different CompanysSel de Vétiver“, wobei mir der Divine hier besser gefällt.

Ethiopia 2008 vetiver grass

Ein unkonventioneller Duft, ohne Frage, mit einem würzigen Schwerpunkt. Ich stimme auch der Zuordnung „Homme“ zu, wobei die weiblichen Fans von „Sel de Vétiver“ hier unbedingt mal hineinriechen sollten. Ich sehe bei diesem Duft einen reiferen, klassisch gekleideten und ebenso kultivierten Mann, der kostspieligen Hobbies nachgeht. Für meinen Geschmack hätte der Duft etwas frischer ausfallen dürfen, aber zweifelsohne haben wir es hier mit einer ausgewogenen und wohltemperierten Komposition des Parfumeurs Yann Vasniers zu tun, den wir bereits von Kreationen für Comme des Garçons und DelRae Roth kennen.

Es grüßt aus der Würzegalaxie
Harmen

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Die Damen von Brecourt – Teil 2.

Nachdem ich vor Pfingsten bereits die ersten Damendüfte der Brecourt-Kollektion vorgestellt habe, Eau Blanche und Eau Trouble, folgen heute und morgen die restlichen Weibsen. An der Reihe sind heute die Orientalen, für die Emilie Bouge, die Nase hinter Brecourt, wohl wie sie selbst sagt eine besondere Schwäche hat: Ambre Noir, Agaressence und Harâm.

Ambre Noir, der Dunkelamber, ist gar nicht so ein düsterer Geselle wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen möchte: Die Sinnlichkeit der Ambra wollte Emilie Bouge herauskitzeln aus dieser kostbaren Ingredienz:

„The sensuality of this ingredient is as mysterious as a love potion with all its magnetic and solar powers.“

Mysteriös wie eine Liebestrunk – haach… Dafür sorgte Madame mit folgenden Zutaten: Kopfnote: Bergamotte, Magnolie, Myrrhe; Herznote: Sandelholz, Iris, Ambra, Labdanum; Basisnote: Ambra, Vanille, Moschus.

Ich würde behaupten wollen, dass das ziemlich gut gelungen ist: Harziger Pluralismus, opulent, aber nicht krachend. Warme Süße und süße Wärme, trocken, würzig, cremig, samtig und von zarten Blüten umrankt. Magnolie tritt in der Tat deutlich hervor – und ergänzt sich wider Erwarten, ich hätte es nicht gedacht, hervorragend mit der vorherrschenden Wärme, die immer angenehm ist, aber niemals zur Hitze wird. Ein sanfter und trockener Ambrageselle mit floralen Touch.

Heutzutage muss eine Kollektion, wenn sie etwas auf sich hält, in jedem Fall einen Oudduft zu bieten haben. So gibt es eben jenen auch bei Brecourt – Agaressence ist sein Name und er hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Safran, rosa Pfeffer, schwarze Johannisbeere, Pflaume, Oud; Herznote: Tuberose, Rose, Ylang-Ylang; Basisnote: Oud, Gurjanholz, Jatamansi, Amyrisholz, Sandelholz, Zibet.

Ihre Inspirationen zu diesem „floriental-fruchtig-holzigen“ Duft holte sich Madame Bouge direkt vor Ort im arabischen Land – in Dubai:

„I was walking through a souk in Dubai one morning when I was overcome by the bakhour fumes emanating from a nearby shop that was diffusing a strong odour of Oudh. Time seemed to have stopped. This was the first time that a fragrance has affected me so strongly.“

Einen tiefen Eindruck hat die Ingredienz Oud bei ihr hinterlassen – ich kann es gut nachvollziehen, denn mir geht es genauso. Jedoch wird einen die eigene Erwartungshaltung an Agaressence enttäuschen, nimmt man den Namen zu wörtlich: Oud ist vorhanden, keine Frage, aber der Duft ist vielmehr ein femininer Florientale mit ausgeprägt fruchtigen Anklängen. Ein betörendes Blütenbouquet, flankiert von opulenten Pflaumennoten sowie kontrastierender schwarzer Johannisbeere, auf einem Teller von samtenen Hölzern drapiert. Eine sündig-sinnliche Fruchtbombe, aber eher hellerer Natur und nicht so dunkel, mysteriös und unbändig, wie man oder besser: ich mir einen Oudduft vorstellen würde.

Ganz anders ist da Harâm, der für mich eine vortreffliche Hommage an die Duftfamilie der Orientalen ist und es auf wunderbare Weise vermag, all deren Vorzüge zu vereinen. Für Bouge ist es ihre Ode an das Orientalische und, ferner, an die erotische Seite einer Frau:

„My taste for the oriental culture inspired me in this scorching perfume whereby instinct cohabits with refinement. Haram forbids temptation. I wanted to give it as an accessory to the woman who is not afraid to liberate the erotic side of herself.“

Harâm überzeugt, von Anfang an: Trockene Süße umfängt meine Nase, jene von gedörrten und getrockneten Früchten, Datteln und Aprikosen auf dunklem Samt präsentiert neben Gläsern von sämigem Honig. Von der Sonne verblichene Hölzer und Leder zeichnen den Eindruck eines arabischen Marktes, von Ständen in der Glut, von Pferden, Eseln und anderem Getier zwischen kostbaren Gewürzen und Raucherbars an den Ecken.

Meine Lieben, Harâm ist einfach wundervoll: Stellt Euch bitte vor, Ihr wandelt von Serge Lutens Arabie über L’Artisan Parfumeurs Al Oudh nach Serge Lutens Fumerie Turque, welche alle eine Liaison mit Ginestets Botrytis eingegangen sind – reicht das für einen kleinen Vorgeschmack? Für mich einer, genauer: der zweite Star der Linie und für Orientalenfans, die Honig nicht scheuen, ein unbedingtes Must-Try!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Foto von Souk Et-Trouk, Tunis, Tunesien (aufgenommen im Jahre 1899), Carl Spitzweg (ca. 1860): Im türkischen Basar, Jean-Léon Gérôme (1824 – 1904): Dancer with Tambourine, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Damenkollektion von Brecourt in unserem Shop.

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Amouage erweitern ihre olfaktorische Bibliothek…

Ja, Ihr habt richtig gelesen – es geht weiter mit den Opus-Düften. Vor einiger Zeit hatte ich es ja bereits angekündigt, die Nummer vier stand in den Startlöchern:

Weiteres vermeintlich Orientalisches kommt aus dem Oman: Amouage lancieren den vierten Duft ihrer Opus-Kollektion, Opus IV. Opus IV ist einer Charity-Aktion der besonderen Sorte gewidmet: 50% der Gewinne durch dessen Verkauf gehen an deren Nationale Anti-Aids Initiative. Kreiert wurde der Duft von Jacques Flori. Wie die anderen Nasen hinter den Opus-Düften ist er eine relative neue, sein Profil noch Tabula Rasa: Bisher schuf er einige Düfte für Reminiscence sowie Fleur de Source für Shu Uemura, jene Marke, deren Name auf den gleichnamigen bereits verstorbenen japanischen Top-Make-Up-Artist/Maskenbildner zurückgeht. Die für Opus IV verwendeten Ingredienzen: Mandarine, Zitrone, Grapefruit, Elemiharz, Koriander, Cumin, Kardamom, rosa Pfeffer, Rose, Veilchenblätter, Labdanum, Weihrauch, Moschus.

Ich hatte es damals eigentlich schon fast für einen Schreibfehler gehalten, aber es stimmt wirklich: F-Ü-N-F-Z-I-G Prozent der Gewinne gehen an die Aidsstiftung. Dazu Amouages Creative Director Christopher Chong:

“Our fragrances have always centered on delivering a distinct and compelling message, not just the creation of artistic and beautiful scents. With the startling number of new HIV infection cases reported globally each year, education remains a powerful and paramount instrument to prevent the spread of HIV and grant universal access to HIV prevention, treatment, care and support services. Opus IV is our contribution to raising awareness on this growing epidemic across all corners of the globe, which today is one of the world’s most pressing public health matters.”

Langer Rede – kurzer Sinn: Die HIV-Neuansteckungen sind zu hoch, man muss etwas tun. Aufklärung, Behandlung, Unterstützung – all dies kostet jede Menge Geld und Amouage sehen sich in der Pflicht, hierbei zu helfen, da es sich um eine der dringlichsten Angelegenheiten der Weltgesundheit dreht.

Das nenne ich mal altruistisch – und es nötigt mir Respekt ab. Die Hälfte der Gewinne sind eine ganze Menge. Außerdem hätte ich vermutlich nicht auf eine Aidsstiftung als Empfänger einer solchen Aktion getippt.

Und was ist es für ein Duft, wie fällt er aus im Vergleich mit der restlichen, durchaus sehr beachtlichen bisherigen Kollektion? Für mich der schönste von allen.

Opus IV beginnt mit einem Zweigespann aus würzig-pfeffriger Korianderschärfe, die eine angenehme Wärme nach sich zieht, sowie einem dichten Zitrusnebel, fein perlend wie Champagner und mit der Agrumenintensität eines, man möge mir den trivialen Vergleich nachsehen, Fruchtbonbons. Eine herbe Frische hält Einzug, die gepaart mit einer sonderbaren Süße Waldmeisternoten generiert, die mich zumindest auf meiner Haut eine ganze Weile an Nasomattos besonderen Absinth erinnern, hier allerdings gepaart mit einer satten Note Kumin (der auch hier ein bisschen an Schweiß erinnert, ja – aber auf durchaus anziehende Weise, wie man sie z.B. auch in L’Artisan Parfumeurs Al Oudh findet oder in The Different Companys Rose Poivrée). Wehmütige Hagebutte und ätherische Rosennoten schwingen sich auf – und erinnern mich an extrem gutes Weingummi, an Herbst- und Herbstlaub. Neben nebulösen grünen Noten vermeine ich kandierte Veilchen zu erkennen. Stetig erlangt eine aus der Basis kommende Harzwärme an Gewicht und – irgendwann ist er da, der Fürst: Silberweihrauch, jener einzigartige, der weltweit Beste seiner Art und aus dem Oman stammend. Majestätisch trägt er den Duft auf filigrane Weise, gehüllt in ein warmes, verhalten süßes und balsamisch-samtenes Gewand, das von einem erhabenen Rauchschleier umweht wird.

Mehrfach nun habe ich mein Pröbchen für Euch getestet und mich immer und immer wieder dem Duftverlauf von Opus IV hingegeben, auf dem Teststreifen wie auch auf der Haut. Und noch jetzt habe ich das Gefühl, dessen Komplexität überhaupt nicht vollständig in Worte gefasst zu bekommen, den Duft gar nicht adäquat erfassen zu können. Auch vermag ich nicht, ihn einzuteilen: Er ist weihrauchig, ja, aber kein klassischer und erst recht kein kalter Kirchenweihrauch (obgleich Flori wohl auch für Etros Messe de Minuit verantwortlich ist). Er ist warm und besitzt Süße, ist aber weder wirklich warm noch süß. Trotz seiner aromatischen Frische ist er kein „Frischling“. Und dann ist da noch diese ständige Ambivalenz ob der Würze und dem Floralen…

Ihr seht schon – Euch wird gar nichts anderes übrig bleiben als selbst zu testen ;) In jedem Fall kann ich aber eines sagen: Ich bin mir sicher, dass er sowohl an Frauen wie an Männern seine Wirkung entfalten kann und ich finde ihn ein- und ausnehmend schön.

Morgen folgt im Übrigen noch – Opus V. Amouage haben es sich nicht nehmen lassen und gleich noch einen fünften Duft „hinterhergeschoben“, der ebenfalls ein beachtenswerter Kandidat ist.

Bis dahin alles Gute und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie Amouage IV in unserem Shop.

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Frapins neueste Ausschweifungen…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gewürziges,Gourmand,Leder am 10.03.2011

Frapin – Freunden erlesener Alkoholika ist diese Familie längst ein Begriff: Seit über 20 Generationen im Herzen der Grande Champagne beheimatet, produzieren diese mit ihrem Familienbetrieb Weine, widmeten sich aber auch alsbald der hohen Kunst der Cognac-Destillation, die sich vor allem auch in deren Weinbergen durchaus lohnt: Die Anbauflächen wurden als „Premier Grand Cru“, als Spitzenlage eingeteilt.

Auch Duftkennern ist Frapin allerdings seit einigen Jahren ein Begriff: Die Firma ging zuallerst mit ihrem Quasi-Signature 1270 an den Duftmarkt und ließ diesem über all die Jahre sehr beliebten Duft fünf weitere folgen, Esprit de Fleurs, Caravelle Épicée, Passion Boisée, Terre de Sarment und zuletzt L’Humaniste.

An anderer Stelle hatte ich es bereits erwähnt: Ich bin immer hochgradig gespannt auf Düfte von Produzenten alkoholischer Genussmittel. Denn von diesen (beiden ;)) wurde ich noch nie enttäuscht: Courvoisiers L’Édition Impériale liebe ich sehr, Frapins komplette Kollektion, allen voran den Humanisten und den mittlerweile schon als Klassiker zu bezeichnenden 1270 schätze ich, die Winzer von ExVinis haben mit ihrer kleinen Parfumserie ebenfalls Ansehnliches geschaffen… von mir aus könnten sich noch einige andere Hersteller inspirieren lassen und sich auf den Duftmarkt wagen. Verbinden doch die Leidenschaft für Edelalkoholika und Düfte einiges – ob nun Whisk(e)y, Wein, Kaffee, Schokolade oder Parfums, überall geht es um die feinen Facetten, um Ausdifferenzierung, um (Kunst)Handwerk, Herzblut. Bevor ich aber weiter schwafele… möchte ich zu Frapins neuestem Streich kommen: 1697.

Mal wieder eine Jahreszahl – und eine für die Familie Frapin überaus bedeutsame: 1697 wurden sie von Ludwig dem Vierzehnten geadelt. Für ihre Verdienste. Dazu mag man sich einiges vorstellen können – ein Hoflieferant, der exzellente Alkoholika für die rauschenden Feste und prunkvollen Gelage lieferte. Über den Lebensstil des Sonnenkönigs ist ja Ausreichendes bekannt, Dezenz, Zurückhaltung und Bescheidenheit – alles keine der Tugenden, die ihm gemeinhin zuzuschreiben sind. Opulenz, Maßlosigkeit und (Sinnes)Trunkenheit viel eher… In jedem Falle mag man sich die damaligen Zeiten in den üppigsten Farben gedanklich auszumalen, genügend historische Belege sind ebenfalls da, die die eigenen Phantasien untermauern…

P. Frapin & Cie wollten nun mit ihrem neuen limitierten Duft die Sinneslust jener Ära einfangen und beauftragten dafür Bertrand Duchaufour, was das Ansinnen in meinen Augen nochmals interessanter machte. Ein glamouröser Duft sollte es werden, feminin und maskulin zugleich, überbordend, sinnlich, anspruchsvoll.

Die Ingredienzen hören sich höchst vielversprechend an, das hatte ich ja bereits in den Ankündigungen des Duftes schwärmend erwähnt: Kopfnote: Hölzer, Davana, Rum, Labdanum (Zistrose), Rose; Herznote: Jasmin, Weißdorn, Ylang-Ylang, Gewürznelke, Zimt, Trockenfrüchte, Rose; Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Patchouli, Zedernholz, Labdanum (Zistrose), Weißer Moschus, Vanille.

Überschäumende Sinnlichkeit und Opulenz ist hier in der Tat das Thema gewesen, das wird einem bereits in den ersten Anflügen der Kopfnoten klar: Es rumkugelt. Likörige Noten von exotischem Rum, die für meine Nase auch leicht von Kakao bestäubt wurden. Und deren Quelle ist auch nicht weit entfernt: Man gewinnt den Eindruck, Frapin hätten einem einen Blick in deren altehrwürdige Lagerräume gegönnt, in deren hinterster Ecke noch wertvoller Rum lagert. Natürlich in alten verwitterten Holzfässern, deren Aufschriften kaum mehr zu entziffern sind und welche von schweren Ledergürteln gehalten werden. Und die mich an eine Erwachsenenvariante von Giacobettis Idole für Lubin erinnern. Auf dem Duftstreifen verbleibt der Duft recht lange ein beschwipstes und eindrucksvolles Rum-Lederchen in schöner Holzumrahmung, während sich das Geschehen auf meiner Haut (leider) sehr viel schneller beruhigt: Zarte florale Noten zeichnen weich und Zimt sowie Gewürznelke schaffen eine pfeffrig-würzige Süße. Sonnengetrocknete und nicht näher zu identifizierente Trockenfrüchte (Pflaume? Ich rieche Pflaume!) unterstreichen sowohl jene Gewürzsüße, als ebenfalls die alkoholischen Anklänge, schaffen aber auch den Übergang zu der eher „smoothen“ Basis, die von einer überaus angenehmen ambrierten Harzwärme samt vanillig-holziger Untertöne getragen wird.

Eine gewisse Verwandtschaft zu 1270 ist nicht zu leugnen, darüber hinaus muss ich an den eben erwähnten Idole von Lubin denken, an Parfum d’Orsays Whiskey-Tabak-Pflaume Le Dandy, an Parfum d’Empires Aziyadé sowie an Histoires de Parfums Marquis de Sade in seiner würzig-lasterhaften Ausschweifigkeit – ich denke, das könnte Euch erste Hinweise auf den olfaktorischen Spuren des neuen Frapins geben.

In jedem Falle ist ein Test sehr empfehlenswert (davon lassen sich Duchaufour-Fans ja ohnehin nicht abhalten ;) – zu Recht!) und erst recht einer auf der eigenen Haut. Bei mir sind deutliche Diskrepanzen zwischen Teststreifen, Testtempo und Haut festzustellen.

Mir gefällt er sehr, der neue Duchaufour – und Euch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Frapin, Louis XIV-Büste von Gianlorenzo Bernini (1665) in Versailles von Louis le Grand, Eichenfässer in der Destillerie Savanna von Pascal Kryl, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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