Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Landschaften, Mythen, Szenerien – Die Düfte von Gritti

Die Düfte „Aqua Incanta“, „Damascus“ und „Doped Tuberose“ der Familie Gritti aus Venedig habe ich Euch gestern vorgestellt. Heute geht es mit „Fanós“, „Noctem Arabs“ und „Preludio“ weiter.

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fan_s Nicht ganz von dieser Welt, im Reich der Mythen scheint „Fanós“ verortet zu sein:

Über das Meer erreiche ich die Insel der Nymphe, es entführt mich ein Zauber, orientalische und okzidentalische Gerüche vermischen sich. Beseelt begebe ich mich auf die Suche nach etwas Unerreichbarem …

Helle Gewürze – vor allem Zimt und Kardamom – treffen auf grüne Veilchen- und Mimosennoten. Sandelholz, Orangenblüten, Vanille und Ambra sollen noch mit von der Partie sein, lassen sich aber nur schwer ausmachen. Meines Erachtens ist „Fanós“ bis jetzt der schwierigste Duft der Kollektion. Obwohl helle Gewürze und grüne Noten zusammen durchaus vorstellbar sind, gehen sie meines Erachtens hier nicht so recht zusammen. Eine schräge, aber dafür umso interessantere Mischung.

Duftkomposition:
Kopfnote: Ingwer, Kardamom, Zimt
Herznote: Veilchen, Mimose, Sandelholz
Basisnote: Orangenblüte, Vanille, Ambra

noctem_arabs Bei dem Namen „Noctem Arabs“ ist ein Orientale beinahe Pflicht.

Der unendliche Horizont der Wüste, die geheimnisvollen Schatten, Pferde, die mit halsbrecherischer Geschwindigkeit von den Prinzen der Himmel geritten werden. In einem Moment hält alles an. Die Begegnung mit einer Frau, deren Schönheit ich gesucht und nun gefunden habe.

In dieser Szenerie dominiert das Oud bereits auf den ersten Riecher. Und dieses Oud wurde mit Hölzern verstärkt, trocken, glühend, tief und auch weich. Wow! Ich kann von Oud nicht genug bekommen, obwohl die Kreationen mittlerweile Legion sind. Deswegen gefällt mir „Noctem Arabs“ bis jetzt am besten.

Duftkomposition:
Kopfnote: Tabak, Patchouli, Virginia-Zedernholz
Herznote: Adlerholz (Oud), Sandelholz
Basisnote: Moschus, Ambra, Myrrhe

preludio Einen Auftakt, ein Vorzeichen kündigt „Preludio“ an, doch was soll folgen?

Eine warme südliche Brise, die am Rande des Horizonts ein ruhiges smaragdgrünes Meer streichelt. Dann, plötzlich, ein frischer Ostwind, der den Duft von Geheimnis und Magie mit sich bringt …

Dieses Naturschauspiel, dieses Landschaftsgemälde verströmt tatsächlich eine Aufbruchstimmung. Aquatisch, würzig und auch etwas fruchtig – mit saftiger Melone und frischer Zitrone – geht es los, hinzu kommen noch leichte Holz- und Moschusnoten. Keine fundamental neue Interpretation der aquatischen Düfte, aber eine angenehme und natürlich wirkende Variante dieses Themas.

Duftkomposition:
Kopfnote: Lavendel, Aromatische Noten, Wassermelone, Zitrone
Herznote: Hölzer, Sandelholz, Pinie (Kiefer), Tabak
Basisnote: Ambra, Borretsch, Moschus

Abschließend lässt sich sagen, dass die Kollektion von Gritti ein breites Spektrum an Düften abdeckt, die allesamt sehr gut gemacht sind. Meine beiden persönlichen Favoriten sind der Zimtduft „Damascus“ und der Oudduft „Noctem Arabs“. Welche sind Eure Lieblinge?

Liebe Grüße
Harmen

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Sustinet nec fatiscit – Die Düfte der Familie Gritti

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Heute und morgen machen wir mal wieder eine kleine Reise durch Raum und Zeit … es geht nach Venedig ins 16. Jahrhundert …

Die Familie Gritti ist eine Familie von Parfümeuren, die ihre eigene Linie bereits 2010 lancierte. Ihre Kreationen gehen auf alte Rezepturen zurück, die ihr Vorfahr, der berühmte Alvise bzw. Lodovico Gritti im 16. Jahrhundert entwickelt haben soll. Auch bei dem oben abgebildeten Logo blieb man ganz der Tradition treu und stützte sich auf das Familienwappen, dessen Motto auf dem Banner „Sustinet nec fatiscit“ nur frei übersetzt werden kann, etwa sinngemäß „Widerstehen, nicht wanken“ oder „Do not sway in the face of hardship“, wie es auf der Gritti-Webseite übersetzt wird.

Lodovico Gritti.jpg

Ihren berühmten Ahnen stellt die Familie folgendermaßen vor:

Während des 16. Jahrhunderts, mitten in der Renaissance und der Pracht der Serenissima Repubblica di Venezia, lebte Alvise Gritti, ein adliger Physiker, Alchemist und Reisender, aber vor allem ein brillanter und verwegener Geist.

Umgeben war er von der Familie des Dogen und seinem Hof mit all seinen Lastern, seinen Intrigen und Geheimnissen. Er macht sich von Venedig aus Richtung Osten auf den Weg ins Morgenland, wie ein Prinz auf der Suche nach etwas Neuem. Inmitten der Städte, der Völker, der Kulturen taucht Alvise in das flüchtige Reich der Aromen ein und beginnt mit einer introspektiven Reise.

Alvise kehrt an den venezianischen Hof zurück, exzentrisch und charmant, aber als anderer Mensch, der von der Angst besessen ist, die gewonnenen Erfahrungen zu vergessen.

Er arbeitet lange und schwer und schreibt viele einzelne Notizen auf, die – mit größter Rücksicht auf seine beschriebenen olfaktorischen Bilder – in der Gritti-Kollektion zum Leben erweckt wurden.

Er zeichnet die bedeutendsten Etappen seiner spirituellen Reise nach, indem er die künstlerische Sprache anwendete, die er am besten kannte: das Parfum.

Schauen wir also einmal, was uns Alvise Gritti Feines von seinen Reisen mitgebracht hat, jeweils drei Kreationen sollen es heute und morgen sein.

aqua_incanta Aqua Incanta erzählt die Geschichte einer magischen Begegnung in den Straßen von Medina.

Ich verfolgte ihren duftenden Weg durch die Gassen der belebten Medina, ohne ihr Gesicht zu kennen. Trunken von dem Geruch, traf ich ihren Blick und sah die süßesten Noten über ihr Profil gleiten. Ein Hauch Gewürze in das Haar gewebt. Hat ihre bloße Anwesenheit die Luft verzaubert? Ich verliebte mich sofort …

Florale Noten mit Iris und Rose verströmen die Lockstoffe, die unseren verzauberten Protagonisten durch die Gassen eilen lassen. Die Blüten, ein wenig minzig, köstlich verfeinert mit Vanille und mit entschieden pudrig-warmen Noten verbunden. Benzoeharz, Ambra und Hölzer spenden Weichheit, Sinnlichkeit und runden diesen Duft ab. Auch wenn diese Geschichte im Orient spielt, diente dieser eher als Inspiration. So entstand ein charmanter, schmeichelnder, aber durchaus westlicher Duft, der etwas vom Geheimnis des Orients und von der Sehnsucht nach der großen Liebe durchscheinen lässt. Perfekt für wahre Romantikerinnen.

Duftkomposition:
Kopfnote: Florale Noten, Rose, Iris
Herznote: Vanille, Pudrige Noten
Basisnote: Benzoeharz, Ambra, Hölzer

damascus Mit Damascus kommen wir von der unerreichbar scheinenden geheimnisvollen Schönheit zur leidenschaftlichen Liebesnacht, wie uns die Kurzvorstellung deutlich macht:

Überraschend wie eine unerwartete sinnliche Begegnung in einer heißen Nacht. Eine verführerische Frau, mit ihren Geheimnissen, ihr Duft, der sich im Raum verteilt. Die zerknitterten Leintücher, Körper in Leidenschaft vereint …

Prickelnd und scharf, das sind hier zweifelsohne die richtigen Schlagworte, denn saftige Orange trifft auf den charakteristischen Zimt. Dieses Kopffeuerwerk wird von betörenden Myrrhe-, Sandelholz- und Tabaknoten flankiert. Die Basis aus Ambra und Patchouli vereint nicht nur diese gegensätzlichen Noten, sondern fächert das ungewöhnlich vielseitige Duftspektrum noch weiter auf. Eine aufregende Affäre, ebenfalls orientalisch inspiriert, voll unerwarteter Wendungen. Ein Abenteuer für sie und ihn.

Duftkomposition:
Kopfnote: Orange, Zimt, Neroli
Herznote: Myrrhe, Sandelholz, Tabak
Basisnote: Ambra, Patchouli

doped_tuberose Was soll uns Doped Tuberose sagen? Doping für die Tuberose, nur für die Tuberose?

Ein sinnlicher Schauer streichelt deinen Rücken. Ein narkotisierender Duft durchdringt dich und lässt dich nicht entkommen. Dein Herz rast, ein Mantel aus Samt umhüllt dich und deine Gedanken schwinden dahin …

Natürlich ist sie da, die fleischliche Tuberose, wie man sie kennt. Sie ist „doped“ und es bleibt uns überlassen, ob wir sie als aufgeputscht, betäubt bzw. narkotisiert empfinden wollen. Fest steht, dass Bergamotte, Zitrone und Lavendel nur das Appetithäppchen sind und schon bald von der Wucht der Tuberose überlagert werden. Verstärkung erhält diese vom Weißblüherkollegen Jasmin, mit tiefen Untertönen von ekstatisch-religiösem Weihrauch stammend, unterlegt von einem Basistrio aus Patchouli, Benzoeharz und Zedernholz, welches den Chyprecharakter der Komposition vollendet. Damit ist „Doped Tuberose“ ohne Frage der profilierteste der drei Düfte.

Duftkomposition:
Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Lavendel
Herznote: Tuberose, Jasmin, Weihrauch
Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Zedernholz

Morgen geht es mit „Fanós“, „Noctem Arabs“ und „Preludio“ weiter. Ich freue mich!

Liebe Grüße
Harmen

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“Fesselnde Leidenschaft” …

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Gewürziges am 10.07.2014

… wollen L’Artisan Parfumeur mit Onde Sensuelle wecken, dem sechsten und (hoffentlich nur vorerst) letzten Duft ihrer Explosions d’Émotions-Kollektion.

„Verlangen ist eine Welle. Gewürze sind der beste Weg, in der Parfümerie Vibrationen zu kreieren.“ Bertrand Duchaufour

Gewürze machen mir in diesem Zusammenhang fast Angst, weckt das doch die Assoziation eines klassischen Orientalen – aber Herr Duchaufour wäre nicht Herr Duchaufour, wenn er nicht …

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“Dieser Duft ist wie ein Spiel der Blicke gemacht, die den anderen fesseln und nie mehr loslassen. Er lebt von Kontrasten zwischen dem feurig würzigen Bouquet aus Ingwer, Safran und Kumin und der eisigen Frische der Wacholderbeere und des Kardamoms. Er versinnbildlicht die alles durchdringende Spannung des Verlangens. Ein wahrer Zaubertrank der Leidenschaft. Mit Vorsicht zu genießen!

Wäre „Onde Sensuelle“ …
… eine Kunst: Sinnliche Musik
… eine Farbe: feuriges Rot
… eine Musik: klassisch-arabisch
… ein Wein: Pomerol – kräftig, warm und würzig
… ein Schmuckstück: ein mit Rubinen besetzter Anhänger
… ein Sprichwort: „Wir sehen nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“ A. de Saint-Exupéry”

Klassisch arabisch? Klassisch orientalisch? Mitnichten, Gott oder vielmehr: Duchaufour sei Dank! Hier die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit; Herznote: Jasmin, Ingwer, Kardamom, Kumin, Wacholderbeeren, Safran; Basisnote: Moschus, Ambra, Adlerholz (Oud).

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“Sinnliche Musik” ist weit gefasst – und das ist auch gut so, weil es ziemlich exakt auf den Duft passt: Bei Onde Sensuelle herrscht Sinnlichkeit, aber keine, wie man sie normalerweise aus 0815-Beschreibungen kennt … Was ist das, denke ich mir, denkt sich meine Nase – und mein Hirn arbeitet, meine Nase saugt den Duft ein, wieder und wieder und wieder. Ich kann gar nicht mehr davon lassen – ein Phänomen, das auf eine gute Anzahl der Explosions d’Émotions-Düfte zutrifft und sie für mich so besonders macht. Ich finde für alle keine Vergleiche, kann keine Querverweise zu anderen Düften bringen, da es so etwas vorher noch nie gab. Ich liebe sie, jene seltenen absoluten Innovationen in der Welt der Parfums!

Spritzig-säuerliche Hesperiden prickeln in der Kopfnote unverkennbar herb – ziemlich eindeutig die beiden Genannten, Grapefruit und Bergamotte, saftig und satt. Alsbald mischt sich eine weiche, hautnahe, skinnig-pudrige Süß-Schärfe darunter, die an Zimt erinnert, Safran in seiner gülden-roten, ihm genuinen Eigenartigkeit schillert damit um die Wette, während Ingwer und Wacholder die Agrumenfrüchte herb-fruchtig-holzig untermalen. Alleine schon diese Kombination ist Weltklasse, dazu gesellen sich dann noch grün-leuchtender Kardamom und sehr dezenter Kumin, der vermutlich für obige Süß-Schärfe verantwortlich sich zeichnet. Die ihm eigene, leicht an Transpiration erinnernde Note wohnt Onde Sensuelle nur sehr abstrakt inne – hautnah und intim zeigt sich der Duft, leidenschaftlich, das kann man durchaus so sagen. Und was sollte damit besser harmonieren als watteweicher Moschus als feines Bettchen, von Ambra sacht gesüßt und vertieft und dank einer subtilen Dosis Oud an Charakter gewinnend?

Does anybody know her? - Wanted! ;)

Onde Sensuelle sehe ich an Weiblein wie Männlein und verdammt, meine Lieben, der Duft ist ein Kracher!

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr schon getestet? Was interessiert Euch, für welchen Duft, welche Düfte schlägt Euer Herz?

Vergesst nicht unsere Aktion: Ihr habt bis heute Nacht, 24 Uhr, die Chance, einen von Duchaufour handsignierten Duft aus der Kollektion zu gewinnen – Déliria oder Amour Nocturne. Wie, das hat Harmen am Montag im Newsletter erläutert, siehe hier.

Viel Glück und einen schönen Tag Euch, liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Nicolaïs „Amber Oud“ und „Rose Oud“ – Oud geht auch im Sommer

Zwei nicht mehr ganz brandneue, aber dennoch äußerst riechenswerte Kreationen von Patricia de Nicolaï sollen heute im Mittelpunkt stehen: „Amber Oud“ und „Rose Oud“. Wegen des guten Bildmaterials erscheinen hier auch die Flakons in voller Pracht! Manch einer mag ja schon übersättigt sein, ich kann ja von Oud gar nicht genug bekommen.

Patricia de Nicolaï – Amber Oud

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„Amber Oud“ – hier haben wir Labdanum in der Herznote, das einen holzig-balsamischen Geruch mit einer leichten Ledernote besitzt. Dies passt durchaus gut. Außerdem findet man hier eine scharfe helle Note, gewürzig und holzig, und ich denke, dass wir Oud als Verursacher ausmachen können, das mit seinen holzig-medizinischen Seiten und zusammen mit der Vanille im Kopf für diesen hellen, fast schon krautig-teeartigen Gewürzton sorgt.

Bei „Amber Oud“ könnte man meinen, dass es sich um einen gewichtigen und üppigen Duft handelt, aber keineswegs. Er ist erstaunlich frisch und angesichts der Hauptdarsteller regelrecht leicht, sodass er ohne Frage auch an einem Frühlings- und Sommertag angenehm zu tragen ist.

Duftkomposition
Kopfnote: Vanille
Herznote: Labdanum (Zistrose)
Basisnote: Adlerholz (Oud), Ambra

Patricia de Nicolaï – Rose Oud

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„Rose Oud“ von Patricia de Nicolaï – wenigstens dieser Duft muss doch ein barocker Schwerenöter sein! Auch hier trifft dies nicht zu. Hier haben wir es mit einer zarten Rose zu tun, deren süße und kräftige Honigaspekte nach einer Weile in den Hintergrund treten und in einem leichten, krautigen und ebenfalls teeinspirierten Ton ausklingen. Leicht chypreartig, aber von der Intensität weit weg von den verwandten Klassikern. Das Oud ist in diesem Fall eher als holzig-balsamische Vertäfelung zu betrachten.

Duftkomposition
Kopfnote: Rose, Fruchtige Note
Herznote: Animalische Noten, Gewürze, Chypre-Akzent
Basisnote: Adlerholz (Oud), Hölzer

Vielleicht ist es die vielbeschworene französische Leichtigkeit dieser Parfums, die diese Düfte auch für wärmere Temperaturen absolut geeignet macht. Wie steht Ihr zu der Einteilung in Jahreszeitenparfums? Mottet Ihr bestimmte Düfte für die warme oder kalte Jahreszeit ein?

Liebe Grüße
Harmen

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Auch heute nochmals…


Parfums de Marlys „Galloway“ – ein Duft mit Hand und Huf

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 13.05.2014

Galloway“ heißt die neueste Kreation aus dem Hause Parfums de Marly. Ja, liebe Freunde, leider ist es nun so weit. Dem Parfumhaus, das sich bisher immer so begeistert den edlen Rössern hingegeben hat, sind die Gäule ausgegangen, weswegen sie die Kollektion jetzt mit dem saftigen schottischen Rind fortsetzen müssen. Das ist natürlich totaler Quatsch.

galloway

Neben den bekannten Rindern gab es auch eine Pferderasse mit dem Namen Galloway. Diese kompakte und kräftige Rasse ist mittlerweile durch Kreuzung ausgestorben, soll aber die Newfoundland-Ponys, Highland-Ponys und Fell-Ponys stark beeinflusst haben.

Tatsächlich war das Galloway-Pferd, das wegen seines Stockmaßes eher den Ponys zuzurechnen ist, seit vielen Jahrhunderten bekannt und man kann davon ausgehen, dass es genau diese Pferde sowie ihre versierten Reiter waren, die bereits Julius Cäsar in seinen Schriften lobend erwähnte. Sehr viel später verwies selbst der größte Dramatiker aller Zeiten, William Shakespeare, in seinem Drama „Heinrich IV.“ auf diese Tiere. Die wegen Kreuzungen mittlerweile ausgestorbene Rasse soll ein vortreffliches Aussehen gehabt haben, eine breite Brust und eine kräftige und robuste Statur.

Parfums de Marlys „Galloway“ wird von der Marke selbst in die Herrenecke gesteckt. Die Duftnoten lassen aber erahnen, dass dies nicht zwingend erforderlich ist – abgesehen von der ohnehin etwas altmodischen Geschlechtertrennerei.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zitrische Noten, Pfeffer
Herznote: Iris, Orangenblüte
Basisnote: Ambra, Moschus

Bevor ich aber zum Duft selbst komme, doch noch ein Ausflug in die beigefügte Geschichte des Dufts:

Im 18. Jahrhundert soll ein ganz besonderes Galloway-Pferd in den tiefen Tälern des schottischen Südens entdeckt worden sein, ein geheimnisvoller Schimmel, womöglich einer der letzten seiner Art? Dieser Hengst war die Inspiration für Parfums de Marlys Duftkreation „Galloway“, welche den Ruf dieser Pferde hinaus in die Welt trägt und ihnen ein ewiges Denkmal setzt.

Gutt på hvit hest
„Gutt på hvit hest“ (Junge auf weißem Pferd) von Theodor Kittelsen, um 1900

Los geht es zitrisch und frisch, wobei aber von Beginn auch das Gewürzige des Pfeffer die zitrische Fruchtigkeit unterbindet. Die Hesperiden werden von der Orangenblüte im Herzen wieder aufgegriffen, wobei man sich die ebenfalls hier auftauchende Iris nicht allzu floral oder etwa pudrig vorstellen sollte. Das Florale ist ohnehin nicht stark gewichtet worden. Man kann sich eine pfeffrig-gewürzige Zitrusnote vorstellen, die weitere Facetten durch die floralen Noten erhält und von Ambra und Moschus in der Basis abgefedert wird. Klingt nicht hochkomplex und ist es auch nicht. Trotzdem erkennt man sofort die Handschrift von Parfums de Marly und dass der Duft in seiner Komposition fein ausbalanciert wurde. Eine harmonische und runde Sache und meine absolute Empfehlung!

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Zum Schluss noch ein Wort zum Flakon: schwer – sowohl Flasche als auch Deckel. Ich kann nicht genau sagen, woraus die Flasche besteht, aber es scheint ein steingutartiges, weißes Material zu sein, vielleicht Keramik? In jedem Fall wieder ein echter Hingucker.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein bisschen neugierig machen. Testet den Duft doch einfach mal und berichtet, wie Ihr ihn findet. Er ist bald bei uns im Shop erhältlich! :-)

Ganz viele Grüße
von Harmen

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Loewe Esencia und Loewe Esencia Sport – vom Fougère zum Sportsmann

Erst vor Kurzem habe ich Euch den ersten Duft der neuen Kollektion „Loewe Sport“ von Loewe vorgestellt: „Loewe 7 Sport“ und seinen Vorgänger „Loewe 7“. Jeder der Düfte ist einem Sport-Champion und seiner Traditionssportart gewidmet. Bei „7 Sport“ war es Rollhockey, was ich sträflich unter den Tisch fallen ließ. Wer sich über die eher im Süden Europas populäre Sportart informieren möchte, kann dies gerne hier tun. Heute kommen wir nämlich schon zum nächsten Kandidaten: „Esencia Loewe Sport“ sowie seinem Ausgangsduft „Loewe Esencia“. Für „Esencia Loewe Sport“ steht Iñaki Osa, Cesta-Punta-Champion; Jai Alai (baskisch „fröhliches Fest“) oder Cesta-Punta (spanisch „Spitzkorb“) ist eine Variante des baskischen Pelotaspiels.

Wer sich einen Eindruck von der Dramatik des Spiels verschaffen möchte, der darf gerne Bud Spencer mit außergewöhnlich prächtigem Haupthaar (im Stile eines Carles Puyol) in Aktion bewundern:

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esencialoewesport

„Loewe Esencia Sport“ besitzt im Auftakt noch mehr als „Loewe 7 Sport“ einen aquatischen Einschlag. Letzterer besaß würzige Pfeffernoten sowie grüne Anklänge. Beide Düfte sind sich auf den ersten Blick recht ähnlich, doch bringt „Loewe Esencia Sport“ einen noch wärmeren, fast etwas krautig wirkenden Ton mit sich, den ich irgendwo bei Geranium und Ambra verorten würde. Vor allem auf der Haut verschwindet das Aquatische glücklicherweise nach einer Weile und es bleibt ein würziger Hesperidenduft übrig, der durchaus mehr Charakter aufzuweisen hat, als es der erste Eindruck vermuten ließ.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Mandarine
Herznote: Pfeffer, Geranium
Basisnote: Ambra, Moschus

Der ältere Bruder dieses Dufts „Esencia Loewe“ besitzt ein viel weiteres Duftnotenspektrum, was man auch sofort riecht:

Die Duftkomposition
Kopfnote: Petitgrain, Bergamotte, Zitrone, Estragon
Herznote: Lavendel, Schwarze Johannisbeere, Geranium, Maiglöckchen, Muskatnuss, Rose
Basisnote: Sandelholz, Eichenmoos, Vetiver, Styraxharz, Ambra, Moschus

Eigentlich kann man fast überall ein Häkchen setzen: frisch – ja, gewürzig – ja, floral – ein wenig, fruchtig – nein, holzig und harzig – ja, in Maßen. Wie man sich nun denken kann, ist das Ergebnis ein durchaus komplexer und vielschichtiger Herrenduft, der vom Hersteller als „aromatischer Fougère-Duft“ bezeichnet wird. In der Tat entwickelt sich der Duft immer weiter in diese Richtung, ohne aber in eine allzu klassische Ecke zu drehen – spitze!

Henri Achille Zo-La pelote Basque à Pasajes de San Juan

Wie auch beim ersten Sportduft haben auch hier Sport- und Ausgangsvariante wenig miteinander zu tun. In beiden Fällen überzeugt mich das Erstlingswerk mehr. Für ein Fazit ist es jetzt natürlich noch zu früh, da ich noch zwei bzw. vier Kollegen vor der Brust habe.

Also, liebe Sportsfreunde, schaltet wieder ein, wenn es heißt „Loewe Sport Collection“ – „gleiche Stelle, gleiche Welle“ ;-) Falls Ihr die Düfte schon getestet habt, freue ich mich immer über Rückmeldungen. :-)

Liebe Grüße
von Harmen

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Loewe pour Homme & Loewe pour Homme Sport


Dr. Vranjes’ Geburtstagsfest mit „Oud Nobile“

Geschrieben in Gewürziges,Hesperiden,Orientalen,Raumdüfte am 31.03.2014

Logo_Dr Vranjes + Marchio Kopie

Raumduft-Fans kennen ihn hundertprozentig, denn Dr. Vranjes feiert in diesem Jahr bereits sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Weltweit vertreten, unter Raumduftkennern hochgeschätzt – und vor allem seine großen Raumduftflaschen werden von aufmerksamen Beobachtern immer wieder in den Foyers der weltbesten Hotels gesichtet.

1983 eröffnete Dr. Paolo Vranjes seine Antica Officina del Farmacista im geschichtsträchtigen Florenz und ließ sich von der besonderen Atmosphäre dieser Stadt bei seinen Düften inspirieren. So sind die Glasflaschen der berühmten Kuppel der örtlichen Kathedrale nachempfunden. Wie dem auch sei, uns interessiert natürlich ein bisschen mehr, welcher Geist denn nun aus der Flasche strömt.

Etwas über 30 verschiedene Düfte sind es, aus denen der geneigte Käufer wählen kann. Ich hatte vor einiger Zeit die Ehre und das Vergnügen, allesamt einmal durchzuschnuppern. Wie es immer so ist, ganz objektiv kann ich sagen, dass sie sehr hochwertig und gekonnt komponiert wurden, auch wenn mich natürlich ganz subjektiv nicht alle gleichermaßen begeisterten.

Herausgreifen möchte ich aber die neueste Kreation des Hauses, gewissermaßen den Geburtstagsduft, den sich Dr. Vranjes selbst spendierte. Wie kann man es richtig krachen lassen? Genau, indem man einfach eine der teuersten Essenzen der Welt nimmt und das ganze dann „Oud Nobile“ tauft. Wir werden nicht müde zu erwähnen, dass es mittlerweile an Oud-Kreationen wahrlich keinen Mangel mehr gibt, aber sei’s drum, ich liebe das Zeug, je knackiger, desto besser. Wie sich das Pilzabwehrharz allerdings als Raumduft macht, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Deswegen war es umso erfreulicher, dass mir der freundliche Vertrieb der Marke ein Exemplar zum Testen zur Verfügung gestellt hat – hier noch einmal ganz vielen Dank an das Team von c.l.u.b. brands – sodass ich Euch auch hier aus erster Hand berichten kann.

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„Oud Nobile“ macht mich erst einmal sprachlos, so umwerfend ist er. Preislich liegt dieser Raumduft über den anderen, was aber an der extrem hohen Ölkonzentration von 30 % liegt – dies ist durchaus spürbar, wenn man die Flüssigkeit mit dem Finger berührt und man riecht die hohe Intensität einfach auch. Dabei ist zu beachten, dass der Duft etwas länger als gewöhnlich braucht, um die Stäbchen hochzuwandern. Im Wesentlichen sind es zwei Komponenten, die den Duft ausmachen: Eine Schicht zitrischer Noten, funkelnd, frisch, glänzend und darunter als Gegenspieler das Oud, das aber keineswegs knarzt, wie man es vermuten könnte. Es ist als Oud absolut erkennbar, nur wurden seine angenehmen Seiten vortrefflich herausgearbeitet. Dunkelholzig, weich, ledrig, aber keinesfalls bitter oder medizinisch und immer wieder durchsetzt von einer zitrischen Fruchtigkeit. Hut ab vor dieser gekonnten Komposition! Ich denke, hier können auch Oud-Meider auf ihre Kosten kommen.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Neroli
Herznote: Adlerholz (Oud)
Basisnote: Myrrhe, Weihrauch

Ein weiterer Raumduft von Dr. Vranjes, den ich ganz hervorragend finde, ist Chinotto Pepe. Wir haben es hier mit orangenlastigen zitrischen Noten zu tun, die wunderbar pfeffrige Noten mit sich bringen, dabei immer leicht, freundlich und hell. Dieser Duft steht seit einigen Monaten in meinem Wohnzimmer. Die Duftintensität ist ausgewogen, nie zu stark oder aufdringlich – glaubt mir, da bin ich empfindlich – zudem kann man die Stäbchen einfach umdrehen, falls man es doch etwas kräftiger haben möchte.

DrV_250ml_Chinotto Pepe

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zitrische Noten
Herznote: Myrte, Orange
Basisnote: Pfeffer

05-Rosso Nobile-decanter copiaMeine letzte Empfehlung aus dieser Kollektion ist „Rosso Nobile“, den es neben der normalen Flasche auch in einem äußerst dekorativen, mit einer Gravur versehenen Dekanter mit echten Weinreben gibt, die anstelle der üblichen Stäbchen eingesetzt werden. Auch wenn hier ganz bewusst an den Charme eines guten Rotweins erinnert wird, zeigt sich der Duft niemals alkoholisch im eigentlichen Sinne. Vor allem fruchtige Noten sind es, die mit einem dezenten Holzton die feinen Tannine eines guten Roten heraufbeschwören, vielleicht kann man aber auch einfach an einen hochwertigen unvergorenen Traubensaft denken.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Orange
Herznote: Veilchen, Magnolie, Pflaume, Erdbeere, Himbeere
Basisnote: Birke, Hölzer, Wein

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe mich lange gegen eine Raumbeduftung gesträubt, bin aber eines Besseren belehrt worden. Ein guter Raumduft bereichert das Zuhause, verbreitet eine wohnliche Atmosphäre und macht schlicht und einfach Freude. In der breiten Duftpalette von Dr. Vranjes ist für jede anspruchsvolle Nase etwas dabei, sei es ein frischer, floraler, aquatischer oder fruchtiger Duft – oder sogar Oud. Gerne berate ich Euch. Hinterlasst mir einfach einen Kommentar mit Euren Duftvorlieben und ich suche Euch passende Kandidaten heraus.

Liebe Grüße
von Harmen

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Loewe – 7 – Original und Sportvariante

LoeweSchon vor längerer Zeit habe ich den Herstellertext von Loewe für unseren Shop geschrieben, dann aber die Marke wieder ein wenig aus den Augen verloren. Wir sprechen hier übrigens nicht von dem kriselnden deutschen Flimmerkistenhersteller, sondern von dem spanischen Label, das durch seine Luxuslederwaren bekannt wurde. Da wir über Loewe im Duft-Tagebuch noch nicht berichtet haben, kommt hier ein knackiger Abriss der Unternehmensgeschichte. Zwei spanische Handwerker eröffneten im Jahre 1846 einen lederverarbeitenden Betrieb, zu dem 1872 der deutsche Lederspezialist Enrique Roessberg Loewe hinzustoßen sollte. 1905 erlangte Loewe den Status des Lieferanten für das spanische Königshaus, was nun sicherlich dem gesunden Unternehmenswachstum nicht abträglich war. 1945 entwarf der Designer Peréz de Rozas Taschen aus Boxcalf, welche schnell zum Erkennungszeichen der Marke schlechthin avancierten. Es folgten Boutique-Eröffnungen rund um den Globus und große Designer wie Karl Lagerfeld, Giorgio Armani und Laura Biagiotti prägten das Erscheinungsbild des Hauses. Mode, dann Parfums – eine fast logische Konsequenz: 1972 brachte Loewe den ersten Damenduft mit dem schlichten Namen „L“ auf den Markt, Mitte der 80er Jahre folgte der Duft „Air Loewe“, welcher sich bis heute einer großen Beliebtheit erfreut. Seit dem Jahr 2000 wird die Parfumkollektion kontinuierlich erweitert wie zum Beispiel 2009 mit „I Loewe You“.

loewe-sport

Diese koninuierliche Erweiterung des Programms ist auch Anlass für diesen Artikel. Vor Kurzem erst kam eine neue Kollektion von Loewe herein, Loewe Sport, die die vier erfolgreichsten Herrendüfte des Hauses neu und sportlich interpretiert. Meine Idee war es, Euch nun die Düfte immer paarweise vorzustellen, auf der einen Seite der Ausgangsduft, auf der anderen Seite die neue Sportversion.

Loewe 7Loewe 7 Sport
Loewe EsenciaLoewe Esencia Sport
Loewe pour HommeLoewe pour Homme Sport
Loewe Solo LoeweLoewe Solo Loewe Sport

Die Idee hinter der „Loewe Sport“-Kollektion ist der Sport der Gentlemen – Traditionssport, der auf die Werte des 21. Jahrhunderts trifft. Hierfür stehen vier spanische Sportler, die auf dem Bild oben zu sehen sind:

· Loewe pour Homme Sport mit Javier Hernanz, Ruder-Champion
· Esencia Loewe Sport mit Iñaki Osa, Cesta-Punta-Champion
· Solo Loewe Sport mit Arturo Gracia, Champion im Bogenschießen
· 7 Loewe Sport mit Jordi Bargalló, Rollhockey-Champion

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„Loewe 7“ legt überraschend spritzig und dynamisch los. Kräftige Pfeffernoten legen sich von Beginn an ins Zeug und vermischen sich angenehm mit harzigem Weihrauch, holzigen Noten sowie Vetiver. Die übrigen Noten Apfel, Rose, Maiglöckchen, Neroli und Moschus verbleiben im Hintergrund und lassen so den entschieden maskulinen Noten den Vortritt. Sie sind als leichtest aquatische Tendenzen sowie hauchdünne Fruchtaromen wahrnehmbar. Nach einer Weile meint man noch Patchouli oder Gewürznelke wahrzunehmen – entweder das Ergebnis dieser Mischung oder geheimgehaltene Duftbestandteile. Ich rieche und rieche und diese Gewürznelke wird immer dominanter, bis ich versucht bin, hier von einem klaren Gewürznelkenduft mit Glühweinanleihen zu sprechen. Ihr seht, dieser Duft hält eine spannende Duftentwicklung bereit, die sicher auch von Haut zu Haut unterschiedlich verläuft. Wirklich abgefahren, was hier gerade passiert.

„Loewe 7 Sport“ hat mit seinem Vorgänger wenig gemein. Fruchtige Mandarine und saure Yuzufrucht treffen auf die grünen Noten von Minze und Tomatenblättern – auch hier mit einem aquatischen Einschlag. Auf der Haut gefällt er mit bedeutend besser, da hier die aquatischen Anklänge eher verschluckt werden. Ein durch und durch dynamischer, frischer Hesperidenduft mit grüner Seele. Die Basis von Weihrauch und Ambra bleibt nahezu stumm. Grundsolide, wer es extravaganter mag, ist bei dem Ursprungsduft besser aufgehoben.

Beide Düfte besitzen ihre ganz eigene Dynamik, der eine eher pfeffrig-gewürzig, der andere eher zitrisch und grün. Beide Düfte kann ich vor allem den Herren der Schöpfung vorbehaltlos empfehlen.

Liebe Grüße
Harmen

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État Libre d’Oranges Weltuntergang in der Flasche

Der Weltuntergang wurde schon oft prophezeit und in den schillerndsten Farben ausgemalt. Die Idee des nahenden Endes spielt uns narzisstisch veranlagten Menschen einfach in die Karten. Nach uns erlesenen Exemplaren kann die ganze Weltgeschichte eigentlich nur noch an die Wand fahren, oder nicht? Nach mir die Sintflut. Es gibt genug Beispiele, bei denen Menschen angesichts des näherrückenden finalen Datums all ihr Hab und Gut verkauft oder sich selbst und andere umgebracht haben, um sich auf diese Weise angemessen auf das Ereignis vorzubereiten.

MARTIN John Great Day of His Wrath

Man denke auch an verschiedene religiöse Gruppen mit offensichtlicher Rechenschwäche, die immer wieder neue Stichtage nachlegen müssen, da die vorhergesagten Großereignisse ausblieben … Alle Weltuntergänge haben eines gemeinsam: sie haben nie stattgefunden. Wir erinnern uns an die Welle des Schwachsinns, die zum Thema Maya-Kalender durch die Medien schwappte und eines ist sicher. All diese Rückschläge werden die Untergangspropheten nicht davon abhalten, sich immer wieder etwas Neues auszudenken.

Entsprechend lapidar beginnt auch der Text des neuen Dufts von État Libre d’Orange „La Fin du Monde“: „Okay, we know what you’re thinking. Been there, done that, bought the t-shirt.“ Der Duft bezieht sich offensichtlich auf das Werk „La Fin du monde filmée par l’Ange Notre-Dame“ des Schriftstellers Blaise Cendrars, das, soweit ich das recherchieren konnte, nicht in deutscher Übersetzung vorliegt. Wie dem auch sei, die Handlung wird ohnehin wortreich nacherzählt, worüber sich Kollegin Evelyn in ihrem Artikel bereits erboste. Obwohl ich ein Literaturfreund bin, halte ich mich da auch lieber an meine eigenen Eindrücke und schließe mich dem Eindruck an, dass dem mehrseitigen Text auch ein wenig Platz für eine Duftbeschreibung hätte abgeknapst werden können.

La Fin du Monde 100mL

Auf dem Etikett des Flakons sehen wir das stilisierte Strahlenwarnzeichen, welches uns daran erinnert, dass es keinerlei kosmischen Kraft zur Vernichtung der Welt bedarf, sondern dass wir uns diese „Kernkompetenz“ mittlerweile selbst angeeignet haben, die charmante, aber auch riskante Fähigkeit, uns nachhaltig vom Erdball zu radieren. Nachhaltigkeit ist ja sowieso ein großes Thema.

Nach dem berühmten Sturm im Wasserglas nun also zum Weltuntergang in der Flasche. Auf dem Teststreifen nur eine diffuse und nicht aussagekräftige, gefällige und süßliche Mischung, die mir unglaubwürdig erscheint. Deswegen lieber gleich der Test auf der Haut: pfeffrige Trockenheit und eine ganz wunderbare Note – hier als Getreide angegeben – die tatsächlich nach trockenem Stroh riecht! Warum liegt beim Weltuntergang Stroh rum? Der Vollständigkeit halber die Duftnoten, die meines Erachtens beim Verständnis des Duftes aber kaum weiterhelfen.

Die Duftnoten
Kopfnote: Getreide, Karottensamen, Kumin, Sesam, Schwarzer Pfeffer
Herznote: Freesie, Vetiver, Sandelholz, Eibisch, Iris
Basisnote: Styraxharz, Metallische Noten, Rauchige Noten

Also nochmal: pfeffrige Trockenheit, getreidige Strohnoten, feine Vetiverrauchigkeit, metallische Noten, hier und da blitzt etwas Florales durch, eingebettet in eine weiche Harzigkeit.

Bei „La Fin du Monde“ ist es wie bei anderen Düften der Krawallbrüder État Libre d’Orange auch. Da wird ein provokantes Konzept aufgelegt, aber die Düfte beißen nicht. „La Fin du Monde“ gefällt mir ausgesprochen gut, eine ausgefallene, ungewöhnliche und bemerkenswerte Kreation, die von einem Konzeptduft aber weit entfernt ist. Ich möchte das ganz wohlwollend als ironische Brechung bezeichnen, dass es bei État Libre eben auch Wahrheit und Dichtung gibt und sich die Düfte gar nicht an den exaltiert vorgetragenen Konzepten messen lassen müssen.

Bis zum nächsten Weltende verbleibe ich mit liebsten Grüßen
Harmen

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Eutopie „No. 4“ – Unterwegs am Mittelmeer

Da wir hier gerne ganze Sachen machen, möchte ich gerne heute die Kollektion von Eutopie zum jetzigen Zeitpunkt vervollständigen. Die liebe Ulrike hatte ja bereits im Jahre des Herrn 2012 die „No. 1hier und die „No. 2“ sowie „No. 3hier vorgestellt. Eine No. 5 gibt es nicht, sodass ich im Oktober über die „No. 6berichtete, die zu meinen Lieblingsdüften des Jahres 2013 gehört – welch ein toller Lederduft!

Bleibt also noch die „No. 4“, die Ulrike nur kurz anreißen konnte, da ihr damals noch keine weiterführenden Informationen vorlagen.

Portrait eutopie_nr4_kl

Aber ich zitiere:

Eutopie No. 4 steht auch schon vor mir in einer Winzlingsprobe auf dem Tisch – nur leider habe ich bisher keinerlei Material dazu erhalten, ergo kann ich nur sprühen und raten, vielmehr: ein wenig verraten. Auf den ersten Riecher wirkt er nicht wie ein typischer Orientale, da hatten wir mit Eutopie dieser Tage nun schon ganz anderes… Warm, trocken, pudrig und süß – Tonkabohne, Hölzer, ein Harzhauch samt irgendeiner Würze, einer süß und gleichermaßen scharf anmutenden… Schön. Ich bin schon sehr gespannt auf die Inspirationen zum Duft – dazu müssen wir uns wohl noch etwas gedulden…

Bei den ersten beiden Düfte handelte es sich um eher französisch inspirierte Orientalen, die „No. 3“ wandte sich bereits dem Mittelmeer zu und dort sind Eutopie auch für die „No. 4“ wieder eingekehrt. Ganz ehrlich, langsam reicht es mir mit diesem unentschlossenen Winter, der zumindest hier im Südwesten nicht so richtig in die Gänge kommen will und eine Achterbahnfahrt an Frühlings- und Wintertemperaturen zu bieten hat. Da wäre doch eine milde Frühlingsbrise am Mittelmeer genau das Richtige, um wieder etwas Farbe zu bekommen und Energie zu tanken.

Bis es soweit ist, nehme ich mit der „No. 4“ vorlieb. Es geht frisch los, wobei die Hesperiden sogleich von Patchouli und würzig-balsamischem Labdanum abgefangen werden. In den Herznoten folgen florale Noten, wobei die Rose kühl bleibt und auch das Veilchen seinen charakteristischen Duft nicht voll entfalten kann. Hierfür mogen die Sandelholznoten verantwortlich sein, die wiederum mit dem Labdanum bestens harmonieren. In der Basis wird es folgerichtig ebenfalls weich und balsamisch – Ambra und Moschus untermalen die mit rauchigen Aktenten versehene, herbe Vanille, die einen verhaltenen Hauch Süße beisteuert und somit harmonisch in die floralen Herznoten greift. Und irgendwo im Ausklang meint man auch das Meer zu riechen, ohne dass aber aquatische Noten zum Einsatz kommen.

Aci Castello Sicily Italy - Creative Commons by gnuckx

Eutopies „No. 4“ lässt sich am besten als hell-gewürziger Duft bezeichnen, der mit balsamischen Noten ausklingt. Dabei wurde wie bei den Vorgängerdüften ein perfektes Gleichgewicht gefunden, ein Balsamduft mit mediterran-frischem Einschlag, der sich konzeptionell in die europäisch-orientalische Doppelgesichtigkeit der anderen Eutopie-Düfte hervorragend einpasst.

So lässt sich auch die Reise der Parfumeurin Elodie Pollet nachvollziehen, die bereits mit dem Vorgänger die arabische Halbinsel verlassen hatte, um sich dem Mittelmeer zuzuwenden. Im Gepäck hat sie allerdings Gewürze und Kostbarkeiten des Orients dabei, welche sie mit französischer Leichtigkeit für die westliche Nase interpretiert.

Die Duftnoten im Überblick
Kopfnote: Patchouli, Bergamotte, Labdanum (Zistrose)
Herznote: Rose, Veilchen, Sandelholz
Basisnote: Ambra, Moschus, Vanille, Rauchige Noten

Eutopie – von den schönen Plätzen dieser Welt – diesem Motto bleibt das Duftlabel auch mit dieser Kreation treu. Vielleicht befinden wir uns in Sizilien, wo gerade die Araber, neben vielen anderen Kulturen, ihre Spuren hinterließen. Aber vielleicht müssen wir das ja auch gar nicht so genau wissen, damit jeder seine eigene Geschichte in diesen Duft legen kann. Ein Unisex-Duft, der Offenheit und Optimismus ausstrahlt, eine wunderbare Exkursion!

Liebe Grüße
Harmen

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