Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Warmes Sandelholz an kalten Tagen – Santal Noble

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 9.01.2012

Heute möchte ich Euch einen Duft vorstellen, der meines Erachtens ganz hervorragend in die kalte Jahreszeit passt: “Santal Noble” von Maître Parfumeur et Gantier. Zugegeben, Sandelholzdüfte haben bisweilen den Hang dazu, in eine doch sehr traditionelle Richtung zu gehen. Aber gerade dieser Duft macht mich neugierig, sind doch tolle Zutaten wie Kaffee, Weihrauch und Eichenmoos angegeben, von denen ich mir eine interessante Wendung verspreche. Nach dem Aufsprühen ist natürlich sofort klar, dass man es mit Sandelholz tun hat. Der holzige, aber auch helle und saubere Duft verbreitet sich sogleich, und auch die Nuancen von Weihrauch und Patchouli sind wahrnehmbar.

Sandalwood

Der erste Eindruck auf der Haut überrascht mit einer noch stärkeren Frische, die auch grüne Noten in sich trägt – es könnte hierfür der Vetiver verantwortlich sein oder die nicht näher spezifizierten Gewürze. Die Frische verfliegt daraufhin und der holzige Kern des Duftes zeigt sich deutlich. Weihrauch und Patchouli bleiben auf der Haut meiner Meinung weiter im Hintergrund als auf dem Streifen. Heute habe ich es mal mit einem Duft zu tun, der mir auf der Haut weitaus besser gefällt als auf dem Teststreifen. Er wird wärmer, harmonischer und auch individueller – ein sehr gutes Beispiel für einen Duft, der sich angenehm in die eigene Hautchemie einfügt.

chesterfield

Jean-François Laportes Kreation erweist sich als klassisch und warm und ist sicherlich bei den Herren der Schöpfung etwas besser aufgehoben als bei den Damen. Ich sehe hier eher einen gestandenen Mann als einen Springinsfeld – und wer sich zum Beispiel für Chanels Antaeus begeistern kann, wird auch hier bestimmt nicht enttäuscht werden.

Kopfnote: Kaffee, Gewürze, Weihrauch; Herznote: Sandelholz, Patchouli, Vanille, Vetiver; Basisnote: Ambra, Eichenmoos, Castoreum

Ich muss außerdem an die Herrenzimmer des 19. Jahrhunderts denken. Zwar ist es auf der einen Seite – nach heutiger Sicht – ein Gräuel, dass Frauen der Zutritt nur zur Reinigung des Zimmers oder zu “Unterhaltungszwecken” erlaubt war, auf der anderen Seite finde ich die Vorstellung einer reinen Herrenrunde ganz erfrischend. Gutes Essen, feine Spirituosen, ein Pfeifchen schmauchen, Diskussionen über Politik und Wirtschaft und all das in einem Ambiente aus dunklen Holzmöbeln, alten Ledersofas, und dekorativ gebundenen Büchern – Ihr seht schon, das wäre genau mein Fall. Um auf unseren Duft zurückzukommen – “Santal Noble” würde hier gut hineinpassen. Seht Ihr das auch so?

Liebe Grüße
Harmen

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Ewige Jugend mit Penhaligon’s

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 13.12.2011

Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Lavendel, Salbei; Herznote: Geranium, Kaffee; Basisnote: Vetiver, Muskatnuss, Schwarzer Pfeffer, Kardamom, Moschus, Leder, Sandelholz, Weihrauch, Myrrhe…

Selene and EndymionAlso wenn das nicht aufregend klingt! Ob dieser Duft nun wirklich in meine Lavendelserie passt, wird sich noch zeigen müssen, einige andere dominante Ingredienzen lassen vermuten, dass der Duft auch in eine ganz andere Richtung gehen könnte. Die Rede ist von Endymion aus dem Hause Penhaligon’s.

Der Name Endymion führt uns in die griechische Mythologie: Endymion war der Liebhaber der Mondgöttin Selene. Um ihn unsterblich zu machen, versetzte ihn Zeus in einen ewigen Schlaf, der ihm seine Jugend erhalten sollte. Sonderlich tief geschlafen hat Endymion allerdings nicht, denn Nacht für Nacht kam Selene in seine Höhle, und diese Besuche führten zur Geburt von 50 Töchtern – der gute Endymion hat also nichts anbrennen lassen.

Ich bin neugierig, deswegen lasse ich mich nun nicht aufhalten, den Duft aufzusprühen. Auf dem Duftstreifen geht es streng nach den Angaben in der Kopfnote frisch her, denn Bergamotte und sicherlich auch etwas Kardamom sorgen für einen lebendigen Auftakt, der mit einigen bitteren Noten aber schon verrät, dass wir es hier mit keinem reinen Hesperidenduft zu tun haben. Deutlich kommt daraufhin auch Geranium zum Vorschein mit einer floralen, rosenähnlichen Note, die von sauberen Aspekten begleitet wird. Möglicherweise sind hierfür die Hölzer verantwortlich.

Da ich mal wieder so nicht weiterkomme, werde ich nun selbst beduftet. Natürlich fehlt auch hier der frische Auftakt nicht, aber es geht jetzt doch recht schnell in die floral-seifig-klassische Ecke und die große Frage für mich ist, wo denn eigentlich der Lavendel abgeblieben ist. Insgeheim hatte ich auch ein bisschen gehofft, kräftige Kaffeenoten zu finden, oder wenigstens einen ausgeprägten Weihrauchgrund. Hätte doch nur der Schwarze Pfeffer oder das Leder ein wenig vorlauter aufgespielt. Apropos Basisnoten: ein wenig Moschus zeigt sich schließlich, um in der insgesamt mäßigen Haltbarkeit des Duftes unterzugehen.

Natürlich ist mir klar, dass sich Penhaligon’s das klassisch-britische Understatement-Mäntelchen umgehängt haben, und dieser Linie bleiben sie auch bei diesem Duft treu. Ich hätte mir hier trotzdem etwas mehr Profil gewünscht, ist doch die griechische Mythologie voller sprudelnder Leidenschaft und großer Tragik. Mit Endymion haben wir einen äußerst distinguierten englischen Herrenduft vorliegen, der ganz hervorragend zu einer gehobenen Abendgarderobe passt.

In meine Lavendelserie passt Endymion allerdings absolut nicht, und meine Enttäuschung sei mir verziehen – ich habe schlicht und ergreifend mit einem ganz anderen Duft gerechnet. Unter dem Vorzeichen eines noblen Herrenduftes erfüllt Endymion jedoch alles, was das Herz begehrt. Wenn es denn Penhaligon’s sein soll, bleibe ich bei dem kürzlich besprochenenJuniper Sling“, wenn es ein Kaffee-Leder-Duft sein soll, greife ich dann doch lieber zu dem guten alten “Charles Street” von Mark Birley.

Was haltet Ihr von Endymion? Übrigens gibt es zu diesem Duft auch noch eine Duftkerze, eine Shaving Cream und ein Bath & Shower Gel.

Liebe Grüße
Harmen

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Spezereien aus fernen Ländern

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 6.12.2011

Es wir heute morgen vermutlich zwei Personengruppen gegeben haben. Diejenigen, die morgens schon einigermaßen wach sind, haben sich über kleine Geschenke in ihren Stiefeln gefreut und beginnen nun den Tag beschwingt und in vorweihnachtlicher Stimmung. Die anderen, die einige Anlaufzeit und koffeinhaltige Heißgetränke benötigen, um den Schlaf abzuschütteln, sind heute morgen wahrscheinlich ungewohnt schwungvoll in ihre Stiefel gefahren, um am heutigen Tage einen Duft aus erlesensten Noten von Mandarine und Schokolade am Fuß zu tragen. In diesem Fall sollte man sich aber nicht die Laune verderben lassen und sich lieber auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren.

Nürburg-St.Nikolaus151

Für den heutigen Tag habe ich einen Duft ausgewählt, der ganz gut in die dunkle Jahreszeit passt und der mit Noten von Kaffee, Zedernholz, Myrrhe und Leder angegeben ist. Ich spreche von „L’Eau du Navigateur“ von L’Artisan Parfumeur.

Eines vorweg: dieser Duft könnte ein Kracher sein, schaut man sich die Duftnoten an, ist er aber nicht. Das Wasser des Seefahrers erweist sich als feine Gewürzware aus fernen Ländern. So sind in „L’Eau du Navigateur“ die Noten von Kaffee, Hölzern und Harzen kunstvoll arrangiert. Gerade aber die Myrrhe gibt dem Duft einen balsamischen Unterton, der keinerlei Ecken und Kanten zulässt, die wiederum bei Kaffee und Hölzern durchaus denkbar wären. Also haben wir es keineswegs mit exotischen Feuerwerken oder überaus fremdartigen Eindrücken zu tun, sondern vielmehr mit einem wohlbemessenen Griff in den Gewürzschrank. Wer winterliche Weihnachtsharmonien sucht, ohne aber allzu duftgewichtig oder gourmandig daherzukommen, für den dürfte dieses Werk von Jean-Claude Ellena genau das Richtige sein. Süßes Naschwerk sucht man jedoch besser an anderer Stelle.

Immerhin begehen viele Menschen heute den Gedenktag des Heiligen Nikolaus von Myra, manche als christlichen Feiertag, andere aus ganz weltlichen Gründen. In jedem Fall liege ich mit dem heutigen Duft nicht ganz falsch, denn auch der Heilige Nikolaus (geboren im 3. Jahrhundert n. Chr.) stammt aus einem fernen Land. Myra gehörte lange zum Römischen, später zum Byzantinischen Reich. Heute heißt der Ort Demre und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich von Antalya in der Türkei.

Vielleicht mag jemand einen Kommentar hinterlassen, welchen Duft er/sie zum heutigen Nikolaustag trägt? Kennt und mögt Ihr „L’Eau du Navigateur“?

Ganz viele Grüße sendet Euch
Harmen

Bildquelle (unteres Bild): Myrrhe von Photohound via Wikimedia Commons – vielen Dank!

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Die Helden von 1805 oder Wie duftet Heldentum?

Geschrieben in Duft,Echte Kerle,Gewürziges,Holziges am 31.10.2011

Es war einem bestimmten Mann zuzuschreiben, dass die Flotte der französisch-spanischen Allianz im Jahre 1805 aufgehalten wurde und damit Napoleons Pläne, Großbritannien zu erobern, endgültig durchkreuzt wurden. Dieser Mann war Vizeadmiral der Royal Navy Horatio Nelson. Die Briten fügten den Feinden unter seiner Führung eine verheerende Niederlage in der Schlacht von Trafalgar zu: kein einziges Schiff der Briten wurde verloren, aber alle feindlichen zerstört oder erobert. Aus der Schlacht stammt auch das berühmte Flaggensignal: „England expects that every man will do his duty“ („England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tun wird“).

Battle of Trafalgar, 21 October 1805

Der Wermutstropfen in der ganzen Geschichte ist, dass Nelson in der Schlacht von einer feindlichen Kugel tödlich verletzt wurde. In einem Fass aus Branntwein konservierte man seinen Körper, überführte ihn nach London, um ihn schließlich bei einem Staatsbegräbnis in der St. Paul’s Kathedrale beizusetzen.

HoratioNelson1Im Übrigen hatte Nelson schon in vorangegangen Schlachten Heldenmut bewiesen und ließ sich auch von einem verletzten Auge und einem verlorenen Arm nicht abhalten, die Ruhmestaten in der Schlacht von Trafalgar zu vollbringen. In den Schlagzeilen stand er übrigens auch, als er eine Affäre mit Lady Hamilton begann, die ebenso verheiratet war wie er selbst.

Rowan Atkinson, den wir alle als Mr. Bean kennen, veralberte Nelson in der Serie “Blackadder”, indem er das Signal folgendermaßen änderte: “England knows Lady Hamilton is a virgin. Poke my eye out and cut off my arm if I’m wrong” — der herrliche schwarze Humor der Briten eben…

Manch einer wird es schon ahnen: heute geht es um “Royal Heroes 1805” aus dem Hause Washington Tremlett. Die Duftnoten lassen Extravagantes erwarten: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte; Herznote: Anis, Nelke; Basisnote: Patchouli, Zedernholz, Tonkabohne.

Auch wenn der Duftstreifen oftmals nicht sonderlich aussagekräftig ist, eines lässt sich bereits jetzt sagen: Lass alle Seefahrerassoziationen fahren. Kein Tang, keine Holzplanken, kein Pulverdampf und keine salzige Brise. Süße zitrische Noten, eine gesüßte Mandarine im Verbund mit warmer und ebenfalls süßer Tonkabohne. Eine leicht würzige Note mischt sich bei, die ich ohne Angabe der Duftnoten in Richtung Tabak eingeordnet hätte. In der Langzeitwirkung hätte ich noch auf Zimt getippt, der hier aber nicht angegeben wurde. Holzige Akzente und ein Hauch Patchouli kommen ebenfalls hinzu. Auf der Haut unterscheidet sich der Duft, zumindest bei mir, nicht grundlegend vom Teststreifen.

Vor der ersten Probe des Duftes überlegte ich noch, ob er nicht etwas für unsere Reihe “Echte Kerle” sei. Es spricht manches dagegen, aber auch einiges dafür. Ich habe mich schließlich für die Aufnahme entschieden: Natürlich haben wir es hier nicht mit einem kernigen Seemann zu tun, aber mit einem charakterstarken Admiral, der sich auch von Kriegsversehrungen nicht abhalten lässt, sein Land vor großem Unheil zu bewahren. Solche Männer haben auch den Mut, anders zu sein, neue Akzente zu setzen und unbeliebte Entscheidungen zu treffen – echte Charakterköpfe also!

Heroische Flaggensignale sendet Euch
Harmen

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Duchaufours böser Wolf

Geschrieben in Duft,Gewürziges am 17.10.2011

Den bösen Wolf aus den Grimmschen Märchen dürfte fast jeder seit der Kindheit kennen. Vielleicht geht es dem einen oder anderen wie mir. Als Kind wurden mir von den Großeltern selbsterlebte Schauergeschichten über Wölfe erzählt, wie sie ihnen im Winter im Wald begegneten, wie die Pferde, die den Schlitten zogen, Angst bekamen und wie man ihnen nur mit Mühe und Not entkommen war. Genauso wenig wie meine Vorfahren in den Verdauungstrakt eines Wolfes gelangten, genauso überzogen ist wohl auch die Furcht vor Wölfen, die in der Regel den Menschen meiden und sich schlimmstenfalls am Vieh vergreifen, irgendwie auch verständlich, wo es doch so lecker und fertig angerichtet auf der Weide steht. Zumindest scheint es auch in Deutschland einen Neuanfang mit den scheuen Fleischfressern zu geben, die man hierzulande einst erbarmungslos ausgerottet hatte.

Dem bösen Wolf, der es im Märchen auf Rotkäppchen abgesehen hat, ist auch ein Duft aus dem Hause L’Artisan Parfumeur gewidmet, der den Namen “Méchant Loup” trägt. Bertrand Duchaufours Komposition beginnt mit pfeffrig-würzigen Noten und Lakritze im Kopf, geht über in Haselnussnoten und Zedernholz und klingt mit Eichenmoos, Guajakholz, Honig und Myrrhe aus. Klingt erst einmal nicht gerade böse oder verwegen, deswegen bin ich gespannt, mit welcher Art Wolf wir es hier zu tun haben.

Canis lupus tracks in sandIch folge den Spuren des Wolfes: Auf dem Duftstreifen wirkt der Duft diffus: ich nehme zwar durchaus die Gewürze und auch die Basis wahr, aber so richtig aufschlüsseln will er sich nicht. Die Haut soll mal wieder Klarheit bringen: Und siehe da, sofort strömt mir ein Lakritze-Waldhonigduft entgegen, der von Nussigkeit begleitet wird. Zedernholz mit sauberen und frischen Anklängen rundet das Bild ab. Diese Duft ist aber keineswegs sonderlich süß. Würzige Noten und die Charakteristika des Honigs ohne dessen Süße in Zusammenspiel mit Lakritze ergeben einen äußerst interessanten Herrenduft. Aber Vorsicht ist geboten. Ich rate dringend zu einem Test auf der Haut. Bei mir dreht der Duft nach einer Weile in eine ganz ungute, leicht ranzige Richtung ab. Sehr, sehr schade, wo er doch so vielversprechend anfing.

Welche Art Wolf liegt uns mit “Méchant Loup” vor? Dieser Wolf ist kein Wolf im Schafspelz, sagen wir eher ein kultivierter Zeitgenosse. Da ist nichts Animalisches. Vielleicht ist es aber auch einfach ein Duft, der die schmeichelnden Worte an Rotkäppchen imitiert? Der böse Wolf ist ja gerade deswegen so gefährlich, da er sich nicht als böse zu erkennen gibt:

Rothkäppchen versprach der Mutter recht gehorsam zu seyn. Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rothkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf, Rothkäppchen aber wußte nicht, was das für ein böses Thier war, und fürchtete sich nicht vor ihm. „Guten Tag, Rothkäppchen.“ – „Schön Dank, Wolf!“ – „Wo willst du so früh hinaus, Rothkäppchen,“ – „zur Großmutter.“ – Was trägst du unter der Schürze? – „die Großmutter ist krank und schwach, da bring ich ihr Kuchen und Wein, gestern haben wir gebacken, da soll sie sich stärken.“ – „Rothkäppchen, wo wohnt deine Großmutter?“ – „Noch eine gute Viertelstunde im Wald, unter den drei großen Eichbäumen, das steht ihr Haus, unten sind die Nußhecken das wirst du ja wissen“ sagte Rothkäppchen. Der Wolf gedacht bei sich, das ist ein guter fetter Bissen für mich, wie fängst dus an, daß du den kriegst: „hör Rothkäppchen, sagte er, hast du die schönen Blumen nicht gesehen, die im Walde stehen, warum guckst du nicht einmal um dich, ich glaube, du hörst gar nicht darauf, wie die Vöglein lieblich singen, du gehst ja für dich hin als wenn du im Dorf in die Schule gingst, und ist so lustig haußen in dem Wald.“
[zum ganzen Text]

Dass die Geschichte doch noch gut ausging, wissen wir ja. “Méchant Loup” ist meines Erachtens ein Duft für beide Geschlechter, ungewöhnlich, aber alltagstauglich, vielleicht auch ein Duft für jemanden, der mit Gourmanddüften liebäugelt, aber vor der oftmals ausgeprägten Süße zurückschreckt.

Auf der einen Seite hätte es sicherlich wildere und damit auch interessantere Interpretationen dieses Themas geben können, auf der anderen Seite passt der Duft aber auch gut in ein Märchen. Eine geschlossene Welt mit klaren Gut-Böse-Zuordnungen, mit einfachen und nachvollziehbaren Figuren. Spannend wird es, wenn man diese Welt verlässt und sich überlegt, was sie zu bedeuten hat. Werden in diesem Märchen kleine Kinder vor Sittenstrolchen gewarnt? Roald Dahl, der es mit seinen absurd-komischen Kurzgeschichten wie “Küsschen, Küsschen” zu Weltruhm brachte, dreht den Spieß um und lässt in seiner Interpretation des Märchens Rotkäppchen den Wolf erschießen, um sie letztlich mit seinem Pelz im Wald umherzustolzieren zu lassen. Der arme Wolf!

Wer kennt und schätzt den Wolfsduft?

Es grüßt wölfisch
Harmen

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In Parfums d’Orsays “Arôme 3″ blüht der Lavendel

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 20.09.2011

Wie ein Orakel greife ich nun nach den verbliebenen Pröbchen, die besprochen werden wollen, und schnappe mir Parfum d’OrsaysArôme 3“. Leider konnte ich nicht herausfinden, welche Geschichte hinter dem Namen des 1965 erstmalig erschienenen Duftes steckt. Ich befürchte, eine ganz praktische. Bislang haben mir die Düfte aus diesem Hause sehr gut gefallen – sowohl “Etiquette Bleu” als auch der “Nomade” von letzter Woche. Deswegen gehe ich ganz optimistisch ans Werk. Auch die Duftnoten klingen äußerst vielversprechend: Kopfnote: Lavendel, Schwarze Johannisbeere, Petitgrain, Bergamotte, Neroli; Herznote: Salbei, Koriander, Jasmin, Ylang-Ylang, Gewürznelke; Basisnote: Zedernholz, Ambra, Moschus.

Auf dem Duftstreifen kommt sofort heraus, wer hier das Sagen hat: der Lavendel. Natürlich ist ein Lavendelduft auch immer bis zu einem gewissen Grad traditionell – viele assoziieren ja mit Lavendel automatisch Großmutters Wäscheschrank. Mit Arôme 3 haben wir es mit einem herben beginnenden, männlichen Duft zu tun, der keineswegs altbacken wirkt. Nach einem kräftigen Lavendelauftakt, welcher von Hesperiden gestützt wird, blitzen zaghaft einige fruchtige Noten hervor, die ich der Schwarzen Johannisbeere zuschreibe. Den Koriander meine ich noch wahrzunehmen und stelle fest, dass der Duft nun schleunigst auf die Haut sollte.

Hier erweist sich der Duft holziger, die Lavendeldominanz ist nicht so stark ausgeprägt, und aus Salbei, Koriander und Gewürznelke entwickelt sich ein fast schon harziger Duft, der kaum vom Zedernholz kommen kann. Der Auftakt ist ohne Frage auf dem Duftstreifen besser zu differenzieren, auf der Haut jedoch präsentiert sich Arôme 3 weitaus harmonischer. In der Basis klingt das Parfum weich und rund ab. Für meinen Geschmack hätten die Lavendelnoten sowie der gesamte Duft etwas haltbarer sein dürfen.

Arôme 3 ist sicherlich kein Haudrauf-Männerduft, aber auch kein reiner Damenduft, also sagen wir ein Unisexduft: zurückhaltend, würzig und traditionell. Zurückhaltung und stilvolles Gebahren standen für diesen Duft Pate, auch wenn wir vielleicht Schillernderes aus dem Dunstkreis des dandyesken Comte d’Orsay erwartet hätten. Mir gefällt er wirklich gut, aber ich hatte ja bereits vor einigen Monaten meine Schwäche für Lavendel bei État Libre d’OrangesAntihéros” entdeckt, so verwundert es mich wenig, dass mir dieser hier ebenfalls gefällt. Oder bin ich vielleicht als Großmutter im Körper eines Mannes geboren?

Allen Freunden von Lavendel sei dieser Duft wärmstens ans Herz gelegt.

Es grüßt Euch
Harmen

PS: Vielleicht starte ich hier mal eine kleine Lavendel-Serie, was meint Ihr?

Bildquelle: Lavendel via Wikimedia Commons, vielen Dank!

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Riecht wie bei Oma im Schrank? Im Gegenteil!
Freitagsverlosung.
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Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Solifloral am 15.09.2011

Heute ist sie endlich an der Reihe, die brandneue Molton Brown-Duftkollektion „Navigation Through Scents“, mit dem Slogan „four countries, five scents, many memories“ beworben. Reisen durch Düfte, wer von uns kennt das nicht? Gerüche, die einen entführen – in fremde Länder, an versteckte Orte, geliebte Plätze. Die Erinnerungen evozieren, Sehnsucht heraufbeschwören – an vergangene Zeiten, Menschen und Situationen.

„A brief history of perfume, told through five distinct fragrances. From lost worlds, along ancient silk and spice routes to a brave New World.“

Eine kleine Geschichte des Parfums, erzählt mit fünf unterschiedlichen Düften. Ein nicht unbedingt neuer, aber immer wieder netter Ansatz. Alle Wege führen natürlich nach London – dem Sitz Molton Browns. Aber von unterschiedlichen Richtungen aus – nämlich von Orten, die eine gewichtige Rolle spiel(t)en in der Parfumhistorie. Von denen man Rohstoffe importierte, wertvolle, um Ingredienzen zu kreieren, die die Menschen verzaubern sollten. Machen wir uns also mit Molton Brown auf die Reise…

Der erste Duft ist Iunu, altägyptisch für Heliopolis, die Sonnenstadt, in der Nähe Kairos gelegen. Wo im heutigen Ägypten nur noch ein Ruinenfeld vorzufinden ist, florierte mehr als 2000 Jahre vor Christus das Leben, ganz abgesehen davon, dass die Stadt auch mythologisch eine wichtige Rolle spielt: Sie gilt als Geburtsstätte der Götter.

Was liegt näher, als einen ägyptischen Sonnenuntergang im Nildelta in Jasmin zu gießen? Sinnlich, warm und dunkel soll er sein… und erwischt mich erstmal eiskalt auf der Haut: Idole? Nennt meine Nase verrückt und mich verschroben, aber ich meine Lubins schönen Giacobetti-Duft zu erkennen, welcher ja auch immerhin der alten Gewürzroute gewidmet ist – ich hatte ihn hier rezensiert. Mit der Entwicklung des Duftes verblasst diese Assoziation, eine Ähnlichkeit sehe ich aber immer noch und diese bleibt bestehen, trotz der unterschiedlichen Ingredienzen. Iunu beginnt mit jener für Ingwer typischen fruchtig-herben Trockenheit, die dessen Freunde so sehr schätzen, welche sich hier mit dillähnlich erscheinendem Elemiharz und scharf-würzigem Pfeffer ein Stelldichein gibt. Üppig blühender Jasmin von warmer Blütensüße bildet den Gegenpol und rundet den Duft auf einer weiche Tiefe verleihenden Basis von Patchouli und Eichenmoos ruhend gelungen ab. Und doch rieche ich da noch mehr – nicht mehr als ein Hauch, aber definitiv existent, entsprungen aus der Melange der Zutaten: Fruchtigkeit, trockene, likörig anmutend. Rumähnlich und nach Rosinen duftend – eine, vielmehr die große Parallele zu Lubins Idole, obgleich es sich hier um zwei deutlich verschiedene Düfte handelt. Auf dem Teststreifen zeigt sich diese Facette nicht so ausgeprägt, wie sie auf meiner Haut in Erscheinung tritt – ich bin also gespannt, ob Ihr diesen Twist ebenfalls wiederfinden könnt.

Iunu ist kein typischer Jasmin – wer hier ein riesige Femme-Fatale-Männerfresser-Blüte erwartet wird wohl enttäuscht werden. Auch hat Iunu keine wirkliche Ähnlichkeit mit The Different Companys Jasmin de Nuit, der einem zu in Jasmin getränkten Nächten vielleicht einfallen wird. Vielmehr gleicht Iunu einer Stimmung, einer Aura, die einen umfängt, betört. Und gleichzeitig auch einem Bild, einer nächtlichen Impression eines arabischen Landes, einer arabischen Stadt. Obgleich Monsieur Lutens sicher Freude an dem Düftchen hätte, hätte (und hat) er derlei Themen schwülstiger Ausdruck verliehen: Iunu ist zwar warm-würzig und opulent floral, besitzt aber nicht jene Hitze, die zum Beispiel die alten Lutens-Düfte auszeichnet und welche ich zwar mag, aber ehrlicherweise nur sehr selten tragen und vor allem ertragen kann. Zu Iunu würde ich deshalb ohne Zögern und sehr gerne greifen, auch, weil er zwar ein potenter Duft ist, ihm aber jenes indolisch Anstrengende vollkommen abgeht, das viele seiner Jasminschwestern besitzen.

Ein gelungener Einstieg, der Lust macht auf mehr – morgen hier :)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Clouds at Egypt Sky 2 von jarto2003/Mostafa Emad, Pharao is watching von zchizzerz/Jeff Vergara, some rights reserved – vielen lieben Dank!
Hier finden Sie die Navigaton Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

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Reisen mit Molton Brown die Dritte.
Reisen mit Molton Brown die Zweite.
Freitagsverlosung.


Molton Brown – EdT’s die Zweite.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Echte Kerle,Gewürziges,Holziges am 14.09.2011

Re-Charge Black Pepper, Cool Buchu und Bracing Silverbirch heißen sie, die drei vornehmlich auf die Männerwelt zugeschnittenen Eau de Toilettes aus Molton Browns Kollektion – alle angelehnt und abgestimmt auf die zugehörigen Pflegeprodukte, welche zuerst auf dem Markt waren.

Gestürzt habe ich mich zuerst auf Re-Charge Black Pepper, dessen Duschgel ich liebe – der Duft steht dem in nichts nach: Ein kühler von funkelnden bitter-säuerlichen Bergamottesternchen beleuchteter Pfeffer-Kick in der Kopfnote, eine Art geeiste Schärfe, die alsbald in warmer Würzigkeit aufgeht. Koriander schlägt in die gleiche Kerbe, während Eichenmoos und Patchouli erdige Wärme spenden. Diese beschützende Wärme sieht sich alsbald von fruchtiger Ingwerherbe und grünen Veilchenblättern akzentuiert, die dem aromatischen Duft ein harmonisches Gleichgewicht verleihen.

Pfeffer und Ingwer – ohnehin Reizwörter für mich. In Re-Charge Black Pepper tauchen sie in trauter Zweisamkeit auf und kreieren einen gleichermaßen dynamisch-frischen Geruch, der die Sinne belebt als auch ein entspannend-behütendes, vertrautes Gefühl. Ein Duft, der einem Tatendrang verleiht und gleichzeitig mutmachend den Rücken stärkt – fein! Da hätte ich gerne den passenden Mann dazu – bis der kommt trage ich den Duft dann gleich mal selbst.

Cool Buchu ist – cool. Und so wird er auch beschrieben: „Crisp. Fresh. Cool. Invigorate your mind and send your spirits soaring. Clean and refreshing, clear and true, enjoy an instant sensory pick me up.“ Crisp lässt sich so unglaublich schlecht übersetzen in diesem Zusammenhang – knusprig, frisch, knackig lässt eher an Brathähnchen denken denn an Düfte. Dabei trifft das Attribut „frisch“ alleine eben nicht, was hier meines Erachtens nach gemeint ist: Natürlich ist Cool Buchu frisch, aber diese Frische hat Biss, ist sauber und kühlt, erfrischt, tritt einem aber auch in den Hintern, erweckt Lebensgeister. Minze, wilde, ist dafür verantwortlich, die in Kombination mit grünem Kardamom, Mandarine und Zedernholz für einen klaren Kopf sorgt. Für mich ein idealer Duft als Start in den Tag – vor allem, wenn die Nacht zu kurz war und der Morgen zu früh kam, der Wecker zu unerhörter Zeit klingelte und der Kopf, der zum Denken dienen sollte, noch seinen Dienst verweigert.

Cool Buchu ist meiner Meinung nach für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Ich kann mir die Badeprodukte der Duftrichtung auch sehr gut als Ergänzung vorstellen zu jenen krautig-minzigen Sommerdüften wie Heeleys Menthe Fraîche, Guerlains Herba Fresca, Humiecki & Graefs Eau Radieuse, Sigilis Ea, um nur einige Beispiele zu nennen.

Bracing Silverbirch trägt seinen Namen nach dem Baum mit dem hübschen lateinischen Namen Betula Pendula, Sandbirke oder auch Weißbirke genannt. Jenen sommergrünen Laubbaum von schmalem Wuchs im eleganten weißen Borkenkleid hat man natürlich nicht in die Flaschen geschnippelt – sinnbildlich kann er aber sicherlich für den Aufbruch stehen, jenen lebendigen, den der Duft verströmt: Amerikanische Zeder in gewohnt sauber-frischer Strenge mischt sich mit spritzig-zitrischer Bergamotte, untermalt von einem seidig-kalten Weihrauch-Hauch. Holzige Frische, raumgreifend umgesetzt und von würziger Kühle – Liebhaber von Holzdüften sollten hier aufhorchen, dies ist ein überaus schöner Vertreter seiner Gattung! Und Kumin, jenes gefürchtete Kümmelchen, ist zwar vorhanden, nicht aber in seiner ab und an transpirierend wirkenden Ausformung, die so manchen zu verschrecken mag.

Einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Boat von Patator/Frédéric Dupont, Betula Pendula von Neurovelho, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Molton Brown Eau de Toilette-Kollektion in unserem Shop.

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Wer ist der dritte Mann?

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 12.09.2011

Liebhaber vor allem älterer Filme werden bei dieser Überschrift sicherlich sofort an den Klassiker “Der dritte Mann” (The Third Man) von 1949 denken und das zu Recht. Caron hatten nämlich genau diesen Schwarzweißstreifen im Blick, als sie den Duft “Le 3e Homme” lancierten:

In 1985, CARON brings all its skills as a parfumier to bear in the creation of its third men’s fragrance: LE 3ème HOMME DE CARON.
Inspired by Carol REED’s legendary film, it is aimed at the elegant man portrayed by Orson WELLES. The avant-garde, yet highly accessible LE 3ème HOMME DE CARON is the fragrance for men with the ability to cultivate their intellectual curiosity in the simplest of fashions.

Dieser Film noir unter der Regie von Carol Reed spielt in Wien kurz nach dem Krieg und erzählt einen verwickelten, politisch angehauchten Thriller. Es geht um Schieberbanden, die gestrecktes Penicillin verkaufen, Totgeglaubte, die wieder auftauchen, weswegen eine Exhumierung stattfindet, und eine wilde Verfolgunsgjagd in der Wiener Kanalisation, die man heute sogar in einer “3. Mann Tour” besichtigen kann.

Kopfnote: Zitrone, Bergamotte; Herznote: Gewürznelke, Lavendel, Koriander; Basisnote: Vetiver, Eichenmoos

Lady from Shanghai trailer welles

Ein frischer Auftakt, wie könnte es auch anders sein, wo doch Zitrone und Bergamotte die Hauptrolle spielen. Von einem Duftverlauf kann nicht wirklich gesprochen werden, denn auch die würzigen Noten von Gewürznelke, Lavendel und Koriander sind sofort zur Stelle und fügen sich trefflich in die Frische ein. Vetiver und Eichenmoos bilden dabei eine erdige, wurzelige Basis, die allerdings nicht allzu stark herauskommt und eher als Grundierung zu verstehen ist. Wirklich präsent bleiben die Herznoten.

Kein komplizierter Duft und auf meiner Haut weitaus wärmer und holziger als auf dem Teststreifen. Ich versuche nun den Film mit dem Duft in Verbindung zu bringen und siehe da, es ergeben sich durchaus Parallelen. Auch der Duft mutet klassisch an und passt durchaus in einen alten Schwarzweißfilm. Frisch genug für einen Thriller ist er allemal und ich kann den geneigten Leser beruhigen: Weder die Exhumierung noch die Verfolgungsjagd in der Kanalisation wurden bei diesem Duft berücksichtigt :-) Also, ein angenehmer Herrenduft, keineswegs anstrengend, alltagstauglich und ein guter Kompromiss zwischen Tradition und Moderne – an dieser Stelle muss ich das abgegriffene Wort “zeitlos” bemühen. Ein Duft, der früher gut funktioniert hat, und der sicher auch in 20 Jahren noch tragbar sein wird.

Und wer ist nun der dritte Mann? Das wird natürlich nicht verraten :-)

Viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: Plakat “The Third Man” via Wikipedia, some rights reserved.

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Der Nomade, ein Humboldt?

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 6.09.2011

Le Nomade von Parfums d’Orsay — bei Nomaden denke ich sogleich an Orientalen, dabei gibt es nomadisch lebende Völker auf jedem Kontinent, sodass ich jetzt einfach meine Klischeevorstellungen über Bord werfe und nochmal von vorne anfange. Der Hersteller deutet ohnehin in eine ganz andere Richtung:

A unique eau de parfum to carry the travelling gentleman across frontiers, in search of rich experiences and memorable moments.

Also haben wir es hier keineswegs mit Beduinen- oder Wüstenromantik zu tun, sondern eher mit dem reisenden Gentleman des 19. Jahrhunderts, als das Reisen noch zur Grundausstattung jedes gebildeten Menschen gehörte. Damals bereiste man den Süden, um antiken Schauplätzen nachzuspüren oder wagte sich in noch fernere Winkel der Erde. Heute ist man in ein paar Flugstunden beinahe überall, früher hingegen gab es noch wirklich etwas zu entdecken. Weiße Flecken auf der Landkarte lockten mutige Forscher mit Entdeckergeist, sowohl ihr Vermögen als auch ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um als Pioniere in die Geschichtsbücher einzugehen. Entsprechend hatten Reiseberichte, Abenteuerromane und die Mischung daraus, Reiseromane, auch in der breiten Masse Hochkonjunktur. Von wissenschaftlichen Werken wie Alexander von Humboldts Reiseberichten bis hin zu den Fiktionen eines Jules Verne faszinieren Werke wie diese. Das Genre ist übrigens nicht ausgestorben. Da wir auf den Landkarten der Erde keine weiße Flecken mehr haben, mussten wir in die unendlichen Weiten des Weltraums ausweichen, sodass die Reiseliteratur hier im Science-Fiction-Gewand weiterlebt; ganz zu schweigen von Roadmovies…

Zurück zu unserem Nomaden, welcher mit folgenden Duftnoten angegeben wird: Kopfnote: Vetiver, Bergamotte, Limette, Muskatnuß; Herznote: Geranium, Jasmin, Kardamom, Koriander, Kumin, Schwarzer Pfeffer; Basisnote: Salbei, Zedernholz, Sandelholz, Moos

Selten hat es mich derart aus den Socken gehauen, das ist ein Duft ganz nach meinem Geschmack! Frische Hesperiden im Auftakt werden von würzigen Noten unterstützt, und ohne Unterbrechung setzt sich diese frische Würze mit Kardamom, Kumin und Schwarzem Pfeffer fort. Unverzüglich sollte “Le Nomade” nun auf die Haut. Dort das gleiche Bild, wobei erst hier die holzige Grundlage wahrnehmbar wird, denn nach einer Weile klingt der so furios gestartete Duft mit harmonisch weichem Sandelholz aus.

Ein kühle, nordeuropäische Frische trifft auf würzige, exotische Noten. Das Bild des Reisenden in fremden Ländern finde ich hier hervorragend umgesetzt. Dabei ist “Le Nomade” aber keineswegs konfrontativ oder ein Abbild des Kolonialisten. Dieser Reisende lässt sich voller Respekt auf das Fremde ein, weiß Differenzen zu überbrücken und wird somit zu einem Humboldtschen Charakter, einem Humanisten und Vordenker der Globalisierung.

Meine Damen und Herren, ein ganz ausgezeichneter Duft, für alle Freunde zitrischer Noten gepaart mit kräftiger Würze.

Es grüßt Euch
Harmen

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