Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Roja Parfums – Stille Statements mit „Unspoken“ und der Draufgänger „Reckless pour Homme“

Roja Parfums haben ja die liebe Uli vor einiger Zeit bereits beschäftigt. Nun bin ich an der Reihe, Euch vier weitere edle Essenzen vorzustellen, die in gut verdaulichen Happen paarweise gereicht werden. Heute stelle ich Euch „Unspoken“ und „Reckless – Parfum pour Homme“ vor,

Zu „Unspoken“ weiß der Meister selbst folgenden Satz beizutragen:

„Wessen Herz macht nicht einen Hüpfer, wenn uns jemand Besonderes ins Auge fällt? Ein Blick, so vielsagend, ohne ein einziges Wort. Parfum kann dies besser als alles andere zum Ausdruck bringen, deshalb kreierte ich eine klassische Chypre-Struktur und legte zusätzlich eine unerwartete Überdosis Jasmin darauf. Dieser Duft erobert unsere Aufmerksamkeit und spricht ohne Worte – ganz mühelos.” Roja Dove

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Wenn es keiner Worte bedarf … ich bitte um Euer Verständnis, dass ich diesem Diktum hier natürlich nicht folgen darf, da dieser Beitrag sonst leer bliebe und ich damit wiederum bei Euch verehrter Leserschaft für sprachloses Entsetzen sorgen würde.

Ein unbekannter, sich mit „hb“ abkürzender Meister des 20./21. Jahrhunderts verfasste zu „Unspoken“ folgende Zeilen:

Dieser warme, trockene, aber auch süße und weiche Duft trägt Aldehyde und Bergamotte in den Kopfnoten. Die von Dove erwähnte Chypre-Struktur mit einer Überdosis Jasmin beherrscht die Herztöne, flankiert von Neroli, Rose und Ylang-Ylang. Die Basis wurde überaus reich und vielseitig ausgestattet, wovon die Vielzahl der angegebenen Duftnoten kündet: Vetiver, Zedernholz, Ingwer, Eichenmoos, Patchouli, Gewürze, Grüne Noten, Sandelholz, Ambra, Vanille, Harze, Iris, Labdanum (Zistrose). „Unspoken“ vermittelt das Ungesagte ohne Worte – wir verstehen.

Dem kann ich – wie sollte es auch anders sein – nur zustimmen. Angesichts der Duftnotenanzahl noch ein paar ergänzende Worte. Vereinfacht gesagt: Die Jasmin-Weißblüher-Komponente hat hier definitiv das Heft in der Hand. Der frische und würzige Kopf lässt mich sehr an helle scharfe Gewürze wie Zimt oder Gewürznelke denken. Dem steht als Kontrast eine opulente Basis gegenüber, die entschieden wachsige Lippenstiftnnoten und Puderquastenakzente mitbringt. Je mehr Zeit man dem Duft gibt, desto mehr Noten lassen sich nach und nach entschlüsseln, hier und da eine Holznote, da etwas Grünes oder Gewürziges. Meine Damen, ein Duft für den großen Auftritt, der alle sprachlos machen wird – eine Statement, das keiner Worte bedarf.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Aldehyde, Bergamotte
Herznote: Jasmin, Neroli, Rose, Ylang-Ylang
Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Ingwer, Eichenmoos, Patchouli, Gewürze, Grüne Noten, Sandelholz, Ambra, Vanille, Harze, Iris, Labdanum (Zistrose)

Meine Herren, damit Ihr heute auch zum Zuge kommt, folgt nun der zweite Duft von Roja Dove mit dem Namen „Reckless – Parfum pour Homme“. Reckless ist nun nicht unbedingt ein schmeichelhafter Begriff, den wir uns gegenseitig ins Poesiealbum schreiben würden. So umfasst er in deutscher Zunge Bedeutungen von „rücksichtslos“ und „waghalsig“ bis hin zu „unbekümmert“, „sorglos“ und „unbesonnen“. Was zum Geier hat sich Roja Dove also dabei gedacht?

„Ich stellte mir einen unwiderstehlichen, dynamischen Mann vor, der immer bekommt, was er will, und keine Risiken scheut. Waghalsig ja, aber niemals dumm.“ Roja Dove

reckless_pour_homme

Irgendwie muss ich bei dieser Beschreibung an Bear Grylls denken. Vielleicht kennt Ihr den verrückten Kerl von seinen Sendungen auf DMAX, ein Survival-Experte, der in seinen Sendungen zeigt, wie man Extremsituationen überlebt. Die dazu notwendigen Techniken locken einen dabei nicht gerade von der Couch, aber wenn man sich in Lebensgefahr befinden würde … würde man vielleicht auch einen Skorpion essen …?

Coventry Scouts groups have a visit from Bear Grylls

Unbekümmert und risikofreudig geht der Duftverlauf von Beginn an in die Vollen. Bergamotte, Zitrone, Lavendel und Lorbeer sorgen für eine maskulinen, zitrisch-würzigen Start, welcher vom Herzen mit Wermut passend aufgegriffen wird. Jasmin und Rose steuern hier lediglich leise Akzente bei. Die Basis unterstreicht den dynamisch-männlichen Charakter des Duftes nochmals. Hier sind es vor allem holzige Akzente und frische Gewürznoten, die dieses duftende Statement abschließen. Ein chypreartiger, warmer und auch trockener Duft, der zugleich aber frisch-würzig, sanft und sinnlich ist.

Als wagemutig, im Sinne einer avantgardistischen Duftkreation, kann man „Reckless“ nicht bezeichnen. Aber dass er eine unverkennbar dynamische Seite besitzt, ist nicht zu bestreiten. Die insgesamt herben, krautigen und holzigen Noten versprühen eine angenehme, keineswegs übersteigerte Männlichkeit – sehr angenehm, intelligent, kultiviert mit dem richtigen Schuss Wildheit.

Die Duftkomposition:
Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Lavendel, Lorbeer
Herznote: Wermut, Jasmin, Rose
Basisnote: Zypresse, Zedernholz, Sandelholz, Vetiver, Eichenmoos, Zimt, Gewürznelke, Kardamom, Schwarzer Pfeffer, Ingwer, Tonkabohne, Styraxharz, Labdanum (Zistrose), Iris, Moschus

Kennt Ihr die beiden schon? Was meint Ihr?

Es grüßt Euch
Harmen

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Pfeffer …

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gewürziges am 6.08.2014

… im Hintern habe ich hin und wieder – heute aber eher auf der Haut, und zwar ganz edlen, nämlich Bengalischen.

Ihr erinnert Euch? Ich habe Euch letzte Woche den ersten Duft der neuen Les Éphémères-Kollektion von Brecourt vorgestellt, Rosa Gallica, von dem ich immer noch ganz begeistert bin. Er hat mich die letzten, wettertechnisch etwas wechselhaften Tage begleitet und bekleidet – und, trotzdem er ein wenig harzt und raucht, vielleicht auch gerade deswegen: Er ist ein herrlicher Duft für diese Temperaturen, nicht nur, wie mancher vielleicht annehmen mag, für die kälteren Jahreszeiten! Ich bin nach wie vor Feuer und Flamme, muss mich aber noch ein wenig gedulden, bis ich endlich ein Fläschchen mein Eigen nennen darf.

poivre_bengalePoivre Bengale nun ist unser zweiter Kandidat der Les Éphémères-Düfte, die allesamt den Fokus auf eine seltene Ingredienz legen. Pfeffer ist wirklich keine Rarität in Parfums, vor allem nachdem seine rosafarbene Variante vor einigen Jahren vermehrt Einzug gehalten, obgleich ja rosa Pfeffer streng genommen kein Pfeffer ist, sondern nur Bestandteil unserer geliebten bunten Pfeffermischungen. Schwarzer Pfeffer gefällt mir unglaublich gut in Düften, vor allem an der Hesperidenfront leistet er meiner Meinung nach sehr gute Dienste: Wie vielen Zitrusdüften verleiht er das gewisse Etwas – ich würde sagen ungezählten. Und dann ist er ja noch einer der Hauptbestandteile meines geliebten, mittlerweile leider vergriffenen Duftes Coup de Fouet (EdT)/Poivre (die EdP-Variante davon) aus dem Hause Caron. Schauen wir mal, wie Madame Bouge im ein duftendes Denkmal setzt!

“Rudyard Kipling sagte einmal: „Wer Indien niemals gesehen hat, weiß nicht, was Sehen bedeutet“. Das gilt noch mehr für die Welt der Düfte.

Für den zweiten Duft der Kollektion „Les Éphémères“ wählte Emilie Bouge die magische Welt der Gewürze – ihre Reise, Glut, Herkunft und Fülle. Pfeffer aus Bengalen war das erste Gewürz, das in der Antike nach Europa kam. Wertvoller noch als Gold ersetzte es sogar für eine Zeit die damalige Währung. Ein Juwel von filigraner Schärfe … lieblich und süßer als der Pfeffer, den wir täglich verwenden. Ein Rohstoff, der niemals zuvor bei der Komposition eines Duftes verwendet wurde.

Muskatnuss, Gewürznelken-Absolue und Ingwer bilden einen reizvollen Kontrast, der sein langanhaltendes, distinktives Aroma zur vollen Geltung bringt. Es entfaltet sich auf einem exotisch-üppigen Bett aus Sandelholz, Leder, Kaschmirholz und Ambra.

Ein betörender Duft für den anspruchsvollen Parfumliebhaber.”

Piper longum print.jpg
Trotzdem ich Pfeffer liebe, kenne ich mich mit diesem Gewürz sehr viel weniger gut aus als mit Salzen, ergo war mir Wiki ein williger Diener: Bengalischer Pfeffer, Bengalpfeffer heißt eigentlich “Langer Pfeffer oder Stangenpfeffer (Piper longum) [und] ist eine Art aus der Gattung Pfeffer in der Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae). Er wird auf Tamil/Malayalam pippali genannt und gab der gesamten Gattung Piper (deutsch: Pfeffer) den Namen. Langer Pfeffer wächst wild in ganz Indien, vom Fuß des Himalayas bis Südindien. Er gilt als die erste Pfefferart, die das Mittelmeer erreichte und war in Europa vor dem heute gebräuchlichen echten Pfeffer bekannt. Alexander der Große soll ihn aus Indien mitgebracht und in Europa eingeführt haben. Die Griechen und Römer importierten Langen Pfeffer und wertschätzten ihn als Heilmittel und Gewürz. Langer Pfeffer wurde in Europa bis ins 17. Jahrhundert viel genutzt, dann aber vom echten Pfeffer fast vollkommen verdrängt. Heute gilt er als „exotisches“ Gewürz und ist oftmals nur in speziellen Geschäften (beispielsweise Asialäden) zu erhalten. ” Soviel zu diesem Thema. Insofern haben wir es wie bei Rosa Gallica und der dem Duft innewohnenden Essigrose einmal mehr mit dem Ursprung, dem Urahn einer Ingredienz zu tun – und zwar einem, der vorher wohl noch nie in der Parfumerie verwendet wurde.

Taj Mahal reflection on Yamuna river, Agra.jpg

Emilie Bouge setzt Poivre Bengale exotisch, fremdländisch um, so wie es sein Ursprung verlangt: Der Duft trumpft mit einer reichhaltigen, gleichermaßen würzigen und frisch-fruchtigen Opulenz auf, die mich sofort gedanklich entführt. Pfeffer und Ingwer oder Ingwer und Pfeffer sind hier unsere zwei Protagonisten, eine mehr als gekonnte Vermählung! Die fruchtig-holzige Herbheit des Ingwers in Kombination mit staubtrocken-zart-süß-scharf-pudrigem Pfeffer – das ist unfassbar deliziös, vor allem, da der Rahmen passt: Eine klitzekleine Prise Gewürznelke und Muskat, die süße Schärfe des Pfeffers aufgreifend und verstärkend, ein paar Hölzer, ein Hauch Leder und ein hauchfeines Ambrabettchen. Das kann was, meine Lieben!

Poivre Bengale ist toll, wirklich wunderschön – changierend zwischen den Polen zwischen Kühle und Wärme, Fruchtigkeit und Trockenheit, Gewürzen und Frische könnte er mit seiner malerischen Kraft ein frühes Lutens-Kind sein. Oder aber eine Kooperation zwischen Odin NY und Byredo.

Ich bin beeindruckt und ziehe meinen Hut vor Bouge und ihrer neuen Kollektion – weiter so, Madame! Ich bin sehr gespannt, was uns diesbezüglich noch erwarten wird!

Testen, meine Lieben!

Viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

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Endlich …

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Solifloral,Tabak & Rauchiges am 1.08.2014

… ist es soweit: Die beiden neuen Düfte aus dem Hause Brecourt Paris sind da, Rosa Gallica und Poivre Bengale genannt. Ich hatte schon vor einiger Zeit das Vergnügen, da ich einen sehr netten Kontakt zur Parfumeurin und Markeninhaberin, Emilie Bouge pflegte. Les Éphémères heißt sie, ihre neue Kollektion, zu der die beiden Schönheiten gehören.

Der Terminus Éphémère leitet sich von dem griechischen epì und emèra ab, was übersetzt wortwörtlich “einen Tag lang” heißt. Die Intention, die Bouge hegt, ist eine einfache, aber sehr schöne: Den Fokus legen möchte sie bei jedem einzelnen Duft dieser Kollektion auf einen seltenen, kostbaren Rohstoff. Einen, der nur in Kleinstmengen hergestellt wird, weil er – zu Unrecht – in Vergessenheit geraten ist. Oder weil seine Natur so fragil ist, er zu instabil, um in der Parfumerie gängig zu sein. Ein herrliches Vorhaben, das aber einen Rückschluss zulässt, den Bouge auch betont:

“Wer einen Duft unter solchen Bedingungen herstellt, kann nicht garantieren, dass der erlesene Rohstoff im Zentrum der Komposition in der benötigten Menge oder Qualität im nächsten Jahr erneut zur Verfügung steht. Niemand kann vorhersehen, ob jemals wieder ein Parfum hergestellt werden kann, das der Erstausgabe vollkommen gleichkommt. Darin liegt der flüchtige Charakter dieser Kreationen: Sie sind vergänglich, nicht reproduzierbar, nur für kurze Zeit und in limitierten Mengen erhältlich …”

rosa_gallicaRosa Gallica macht für uns heute den Anfang: Der Duft ist der gleichnamigen Rose gewidmet, die auch als Essigrose bezeichnet wird. Die Essig-Rose ist die Mutter aller Rosen: Von ihr stammen alle Rosenarten ab, die bis heute existieren. “Vergessen seit Anakreon, einem griechischen Lyriker der Antike, gelang es doch,” wie Bouge schreibt, “einen französischen Produzenten zu finden, der die Essig-Rose in Zentraleuropa erntet, wo sie noch immer wild gedeiht.” Nun – sie gedeiht dort nicht nur wild, das sei gesagt. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts, wie mir Wiki erzählt, wuchs die Gruppe der Gallica-Rosen durch französische und holländische Züchtungen von circa zehn anfänglichen Sorten auf knapp 1000 an. Des Weiteren war das wilde Röslein Wahrzeichen einiger Adelshäuser. Schon die Römer verwendeten die Gallica-Rose als Heilpflanze sowie zur Herstellung von Parfum, Rosenwasser, Tinkturen und Rosenessig.

Gärtner unter Euch, meine Lieben? Rosenfans? Ich selbst bin ja ein absoluter Rosenfan, aber leider ein verhinderter Gärtner mangels … Garten. Hätte ich irgendein Stückchen Fläche, wenigstens eine Terrasse, wäre diese sofort mit Duftrosen bepflanzt. Habt Ihr damit auch Erfahrung, hegt vielleicht gar eine Leidenschaft?

Rosa 'Charles de Mills' J1

Wenden wir uns jetzt dem Duft zu, der aus folgenden Ingredienzen besteht: Kopfnote: Rosa Pfeffer, Weihrauch; Herznote: Rose, Myrrhe; Basisnote: Kaschmirholz, Ebenholz, Ambra.

Rosa Gallica ist … ein Traum, schlicht und einfach. Von null auf hundert katapultiert sich diese Rose auf meine persönliche Hitliste der schönsten Rosen, die unter anderem Lady Vengeance von Juliette has a Gun und Rose Velours von Van Cleef & Arpels enthält.

Im Auftakt zeigt sie bereits ihr wunderbares Naturell: Seidenweich, zart-fruchtig und in ihrer Fruchtigkeit durch herrlichen rosa Pfeffer kontrastiert, subtil pudrig. In dieser ihrer Pudrigkeit erscheint im Duftverlauf eine Wärme, eine schillernde, die dem ansonsten kühlen Duft eine gewisse Ambivalenz verleiht. Das Röslein besitzt eine Facette, die an Teerosen erinnert, die dem Duft eine gewisse taunasse Frische bescheren. Myrrhe verschafft der Rose moschusartig-würzige Anleihen herben Charakters, die ebenfalls hervorragend mit dem Pfefferfunkeln harmonieren. Die Hölzer kleiden den Duft und rahmen in ein, seine Kühle untermalend. Und dann wäre da noch der Weihrauch … Und nein, wir haben es hier nicht mit einer typischen Harzrose, einer typischen Weihrauchrose zu tun oder mit einem typischen Weihrauch. Weich ist er, umhüllend, schmeichelnd und überaus zart rauchig. Er wabert, nein, vielmehr: fließt um unsere Königin, sachte sie beschützend.

Rosa Gallica ist eine melancholische Schönheit sondersgleichen und erinnert mich deshalb an eines meiner alten Lieblingslieder:

Ein schönes Wochenende Ihr Lieben und viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Ja, ich muss, MUSS sie haben.

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Landschaften, Mythen, Szenerien – Die Düfte von Gritti

Die Düfte „Aqua Incanta“, „Damascus“ und „Doped Tuberose“ der Familie Gritti aus Venedig habe ich Euch gestern vorgestellt. Heute geht es mit „Fanós“, „Noctem Arabs“ und „Preludio“ weiter.

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fan_s Nicht ganz von dieser Welt, im Reich der Mythen scheint „Fanós“ verortet zu sein:

Über das Meer erreiche ich die Insel der Nymphe, es entführt mich ein Zauber, orientalische und okzidentalische Gerüche vermischen sich. Beseelt begebe ich mich auf die Suche nach etwas Unerreichbarem …

Helle Gewürze – vor allem Zimt und Kardamom – treffen auf grüne Veilchen- und Mimosennoten. Sandelholz, Orangenblüten, Vanille und Ambra sollen noch mit von der Partie sein, lassen sich aber nur schwer ausmachen. Meines Erachtens ist „Fanós“ bis jetzt der schwierigste Duft der Kollektion. Obwohl helle Gewürze und grüne Noten zusammen durchaus vorstellbar sind, gehen sie meines Erachtens hier nicht so recht zusammen. Eine schräge, aber dafür umso interessantere Mischung.

Duftkomposition:
Kopfnote: Ingwer, Kardamom, Zimt
Herznote: Veilchen, Mimose, Sandelholz
Basisnote: Orangenblüte, Vanille, Ambra

noctem_arabs Bei dem Namen „Noctem Arabs“ ist ein Orientale beinahe Pflicht.

Der unendliche Horizont der Wüste, die geheimnisvollen Schatten, Pferde, die mit halsbrecherischer Geschwindigkeit von den Prinzen der Himmel geritten werden. In einem Moment hält alles an. Die Begegnung mit einer Frau, deren Schönheit ich gesucht und nun gefunden habe.

In dieser Szenerie dominiert das Oud bereits auf den ersten Riecher. Und dieses Oud wurde mit Hölzern verstärkt, trocken, glühend, tief und auch weich. Wow! Ich kann von Oud nicht genug bekommen, obwohl die Kreationen mittlerweile Legion sind. Deswegen gefällt mir „Noctem Arabs“ bis jetzt am besten.

Duftkomposition:
Kopfnote: Tabak, Patchouli, Virginia-Zedernholz
Herznote: Adlerholz (Oud), Sandelholz
Basisnote: Moschus, Ambra, Myrrhe

preludio Einen Auftakt, ein Vorzeichen kündigt „Preludio“ an, doch was soll folgen?

Eine warme südliche Brise, die am Rande des Horizonts ein ruhiges smaragdgrünes Meer streichelt. Dann, plötzlich, ein frischer Ostwind, der den Duft von Geheimnis und Magie mit sich bringt …

Dieses Naturschauspiel, dieses Landschaftsgemälde verströmt tatsächlich eine Aufbruchstimmung. Aquatisch, würzig und auch etwas fruchtig – mit saftiger Melone und frischer Zitrone – geht es los, hinzu kommen noch leichte Holz- und Moschusnoten. Keine fundamental neue Interpretation der aquatischen Düfte, aber eine angenehme und natürlich wirkende Variante dieses Themas.

Duftkomposition:
Kopfnote: Lavendel, Aromatische Noten, Wassermelone, Zitrone
Herznote: Hölzer, Sandelholz, Pinie (Kiefer), Tabak
Basisnote: Ambra, Borretsch, Moschus

Abschließend lässt sich sagen, dass die Kollektion von Gritti ein breites Spektrum an Düften abdeckt, die allesamt sehr gut gemacht sind. Meine beiden persönlichen Favoriten sind der Zimtduft „Damascus“ und der Oudduft „Noctem Arabs“. Welche sind Eure Lieblinge?

Liebe Grüße
Harmen

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Sustinet nec fatiscit – Die Düfte der Familie Gritti
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Sustinet nec fatiscit – Die Düfte der Familie Gritti

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Heute und morgen machen wir mal wieder eine kleine Reise durch Raum und Zeit … es geht nach Venedig ins 16. Jahrhundert …

Die Familie Gritti ist eine Familie von Parfümeuren, die ihre eigene Linie bereits 2010 lancierte. Ihre Kreationen gehen auf alte Rezepturen zurück, die ihr Vorfahr, der berühmte Alvise bzw. Lodovico Gritti im 16. Jahrhundert entwickelt haben soll. Auch bei dem oben abgebildeten Logo blieb man ganz der Tradition treu und stützte sich auf das Familienwappen, dessen Motto auf dem Banner „Sustinet nec fatiscit“ nur frei übersetzt werden kann, etwa sinngemäß „Widerstehen, nicht wanken“ oder „Do not sway in the face of hardship“, wie es auf der Gritti-Webseite übersetzt wird.

Lodovico Gritti.jpg

Ihren berühmten Ahnen stellt die Familie folgendermaßen vor:

Während des 16. Jahrhunderts, mitten in der Renaissance und der Pracht der Serenissima Repubblica di Venezia, lebte Alvise Gritti, ein adliger Physiker, Alchemist und Reisender, aber vor allem ein brillanter und verwegener Geist.

Umgeben war er von der Familie des Dogen und seinem Hof mit all seinen Lastern, seinen Intrigen und Geheimnissen. Er macht sich von Venedig aus Richtung Osten auf den Weg ins Morgenland, wie ein Prinz auf der Suche nach etwas Neuem. Inmitten der Städte, der Völker, der Kulturen taucht Alvise in das flüchtige Reich der Aromen ein und beginnt mit einer introspektiven Reise.

Alvise kehrt an den venezianischen Hof zurück, exzentrisch und charmant, aber als anderer Mensch, der von der Angst besessen ist, die gewonnenen Erfahrungen zu vergessen.

Er arbeitet lange und schwer und schreibt viele einzelne Notizen auf, die – mit größter Rücksicht auf seine beschriebenen olfaktorischen Bilder – in der Gritti-Kollektion zum Leben erweckt wurden.

Er zeichnet die bedeutendsten Etappen seiner spirituellen Reise nach, indem er die künstlerische Sprache anwendete, die er am besten kannte: das Parfum.

Schauen wir also einmal, was uns Alvise Gritti Feines von seinen Reisen mitgebracht hat, jeweils drei Kreationen sollen es heute und morgen sein.

aqua_incanta Aqua Incanta erzählt die Geschichte einer magischen Begegnung in den Straßen von Medina.

Ich verfolgte ihren duftenden Weg durch die Gassen der belebten Medina, ohne ihr Gesicht zu kennen. Trunken von dem Geruch, traf ich ihren Blick und sah die süßesten Noten über ihr Profil gleiten. Ein Hauch Gewürze in das Haar gewebt. Hat ihre bloße Anwesenheit die Luft verzaubert? Ich verliebte mich sofort …

Florale Noten mit Iris und Rose verströmen die Lockstoffe, die unseren verzauberten Protagonisten durch die Gassen eilen lassen. Die Blüten, ein wenig minzig, köstlich verfeinert mit Vanille und mit entschieden pudrig-warmen Noten verbunden. Benzoeharz, Ambra und Hölzer spenden Weichheit, Sinnlichkeit und runden diesen Duft ab. Auch wenn diese Geschichte im Orient spielt, diente dieser eher als Inspiration. So entstand ein charmanter, schmeichelnder, aber durchaus westlicher Duft, der etwas vom Geheimnis des Orients und von der Sehnsucht nach der großen Liebe durchscheinen lässt. Perfekt für wahre Romantikerinnen.

Duftkomposition:
Kopfnote: Florale Noten, Rose, Iris
Herznote: Vanille, Pudrige Noten
Basisnote: Benzoeharz, Ambra, Hölzer

damascus Mit Damascus kommen wir von der unerreichbar scheinenden geheimnisvollen Schönheit zur leidenschaftlichen Liebesnacht, wie uns die Kurzvorstellung deutlich macht:

Überraschend wie eine unerwartete sinnliche Begegnung in einer heißen Nacht. Eine verführerische Frau, mit ihren Geheimnissen, ihr Duft, der sich im Raum verteilt. Die zerknitterten Leintücher, Körper in Leidenschaft vereint …

Prickelnd und scharf, das sind hier zweifelsohne die richtigen Schlagworte, denn saftige Orange trifft auf den charakteristischen Zimt. Dieses Kopffeuerwerk wird von betörenden Myrrhe-, Sandelholz- und Tabaknoten flankiert. Die Basis aus Ambra und Patchouli vereint nicht nur diese gegensätzlichen Noten, sondern fächert das ungewöhnlich vielseitige Duftspektrum noch weiter auf. Eine aufregende Affäre, ebenfalls orientalisch inspiriert, voll unerwarteter Wendungen. Ein Abenteuer für sie und ihn.

Duftkomposition:
Kopfnote: Orange, Zimt, Neroli
Herznote: Myrrhe, Sandelholz, Tabak
Basisnote: Ambra, Patchouli

doped_tuberose Was soll uns Doped Tuberose sagen? Doping für die Tuberose, nur für die Tuberose?

Ein sinnlicher Schauer streichelt deinen Rücken. Ein narkotisierender Duft durchdringt dich und lässt dich nicht entkommen. Dein Herz rast, ein Mantel aus Samt umhüllt dich und deine Gedanken schwinden dahin …

Natürlich ist sie da, die fleischliche Tuberose, wie man sie kennt. Sie ist „doped“ und es bleibt uns überlassen, ob wir sie als aufgeputscht, betäubt bzw. narkotisiert empfinden wollen. Fest steht, dass Bergamotte, Zitrone und Lavendel nur das Appetithäppchen sind und schon bald von der Wucht der Tuberose überlagert werden. Verstärkung erhält diese vom Weißblüherkollegen Jasmin, mit tiefen Untertönen von ekstatisch-religiösem Weihrauch stammend, unterlegt von einem Basistrio aus Patchouli, Benzoeharz und Zedernholz, welches den Chyprecharakter der Komposition vollendet. Damit ist „Doped Tuberose“ ohne Frage der profilierteste der drei Düfte.

Duftkomposition:
Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Lavendel
Herznote: Tuberose, Jasmin, Weihrauch
Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Zedernholz

Morgen geht es mit „Fanós“, „Noctem Arabs“ und „Preludio“ weiter. Ich freue mich!

Liebe Grüße
Harmen

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“Fesselnde Leidenschaft” …

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Gewürziges am 10.07.2014

… wollen L’Artisan Parfumeur mit Onde Sensuelle wecken, dem sechsten und (hoffentlich nur vorerst) letzten Duft ihrer Explosions d’Émotions-Kollektion.

„Verlangen ist eine Welle. Gewürze sind der beste Weg, in der Parfümerie Vibrationen zu kreieren.“ Bertrand Duchaufour

Gewürze machen mir in diesem Zusammenhang fast Angst, weckt das doch die Assoziation eines klassischen Orientalen – aber Herr Duchaufour wäre nicht Herr Duchaufour, wenn er nicht …

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“Dieser Duft ist wie ein Spiel der Blicke gemacht, die den anderen fesseln und nie mehr loslassen. Er lebt von Kontrasten zwischen dem feurig würzigen Bouquet aus Ingwer, Safran und Kumin und der eisigen Frische der Wacholderbeere und des Kardamoms. Er versinnbildlicht die alles durchdringende Spannung des Verlangens. Ein wahrer Zaubertrank der Leidenschaft. Mit Vorsicht zu genießen!

Wäre „Onde Sensuelle“ …
… eine Kunst: Sinnliche Musik
… eine Farbe: feuriges Rot
… eine Musik: klassisch-arabisch
… ein Wein: Pomerol – kräftig, warm und würzig
… ein Schmuckstück: ein mit Rubinen besetzter Anhänger
… ein Sprichwort: „Wir sehen nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“ A. de Saint-Exupéry”

Klassisch arabisch? Klassisch orientalisch? Mitnichten, Gott oder vielmehr: Duchaufour sei Dank! Hier die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit; Herznote: Jasmin, Ingwer, Kardamom, Kumin, Wacholderbeeren, Safran; Basisnote: Moschus, Ambra, Adlerholz (Oud).

ondesensuelle

“Sinnliche Musik” ist weit gefasst – und das ist auch gut so, weil es ziemlich exakt auf den Duft passt: Bei Onde Sensuelle herrscht Sinnlichkeit, aber keine, wie man sie normalerweise aus 0815-Beschreibungen kennt … Was ist das, denke ich mir, denkt sich meine Nase – und mein Hirn arbeitet, meine Nase saugt den Duft ein, wieder und wieder und wieder. Ich kann gar nicht mehr davon lassen – ein Phänomen, das auf eine gute Anzahl der Explosions d’Émotions-Düfte zutrifft und sie für mich so besonders macht. Ich finde für alle keine Vergleiche, kann keine Querverweise zu anderen Düften bringen, da es so etwas vorher noch nie gab. Ich liebe sie, jene seltenen absoluten Innovationen in der Welt der Parfums!

Spritzig-säuerliche Hesperiden prickeln in der Kopfnote unverkennbar herb – ziemlich eindeutig die beiden Genannten, Grapefruit und Bergamotte, saftig und satt. Alsbald mischt sich eine weiche, hautnahe, skinnig-pudrige Süß-Schärfe darunter, die an Zimt erinnert, Safran in seiner gülden-roten, ihm genuinen Eigenartigkeit schillert damit um die Wette, während Ingwer und Wacholder die Agrumenfrüchte herb-fruchtig-holzig untermalen. Alleine schon diese Kombination ist Weltklasse, dazu gesellen sich dann noch grün-leuchtender Kardamom und sehr dezenter Kumin, der vermutlich für obige Süß-Schärfe verantwortlich sich zeichnet. Die ihm eigene, leicht an Transpiration erinnernde Note wohnt Onde Sensuelle nur sehr abstrakt inne – hautnah und intim zeigt sich der Duft, leidenschaftlich, das kann man durchaus so sagen. Und was sollte damit besser harmonieren als watteweicher Moschus als feines Bettchen, von Ambra sacht gesüßt und vertieft und dank einer subtilen Dosis Oud an Charakter gewinnend?

Does anybody know her? - Wanted! ;)

Onde Sensuelle sehe ich an Weiblein wie Männlein und verdammt, meine Lieben, der Duft ist ein Kracher!

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr schon getestet? Was interessiert Euch, für welchen Duft, welche Düfte schlägt Euer Herz?

Vergesst nicht unsere Aktion: Ihr habt bis heute Nacht, 24 Uhr, die Chance, einen von Duchaufour handsignierten Duft aus der Kollektion zu gewinnen – Déliria oder Amour Nocturne. Wie, das hat Harmen am Montag im Newsletter erläutert, siehe hier.

Viel Glück und einen schönen Tag Euch, liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Die Gewinner der signierten Flakons von L’Artisan Parfumeur!
Aus L’Artisan Parfumeurs neuer Serie „Explosions d’Émotions“: „Déliria“


Nicolaïs „Amber Oud“ und „Rose Oud“ – Oud geht auch im Sommer

Zwei nicht mehr ganz brandneue, aber dennoch äußerst riechenswerte Kreationen von Patricia de Nicolaï sollen heute im Mittelpunkt stehen: „Amber Oud“ und „Rose Oud“. Wegen des guten Bildmaterials erscheinen hier auch die Flakons in voller Pracht! Manch einer mag ja schon übersättigt sein, ich kann ja von Oud gar nicht genug bekommen.

Patricia de Nicolaï – Amber Oud

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„Amber Oud“ – hier haben wir Labdanum in der Herznote, das einen holzig-balsamischen Geruch mit einer leichten Ledernote besitzt. Dies passt durchaus gut. Außerdem findet man hier eine scharfe helle Note, gewürzig und holzig, und ich denke, dass wir Oud als Verursacher ausmachen können, das mit seinen holzig-medizinischen Seiten und zusammen mit der Vanille im Kopf für diesen hellen, fast schon krautig-teeartigen Gewürzton sorgt.

Bei „Amber Oud“ könnte man meinen, dass es sich um einen gewichtigen und üppigen Duft handelt, aber keineswegs. Er ist erstaunlich frisch und angesichts der Hauptdarsteller regelrecht leicht, sodass er ohne Frage auch an einem Frühlings- und Sommertag angenehm zu tragen ist.

Duftkomposition
Kopfnote: Vanille
Herznote: Labdanum (Zistrose)
Basisnote: Adlerholz (Oud), Ambra

Patricia de Nicolaï – Rose Oud

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„Rose Oud“ von Patricia de Nicolaï – wenigstens dieser Duft muss doch ein barocker Schwerenöter sein! Auch hier trifft dies nicht zu. Hier haben wir es mit einer zarten Rose zu tun, deren süße und kräftige Honigaspekte nach einer Weile in den Hintergrund treten und in einem leichten, krautigen und ebenfalls teeinspirierten Ton ausklingen. Leicht chypreartig, aber von der Intensität weit weg von den verwandten Klassikern. Das Oud ist in diesem Fall eher als holzig-balsamische Vertäfelung zu betrachten.

Duftkomposition
Kopfnote: Rose, Fruchtige Note
Herznote: Animalische Noten, Gewürze, Chypre-Akzent
Basisnote: Adlerholz (Oud), Hölzer

Vielleicht ist es die vielbeschworene französische Leichtigkeit dieser Parfums, die diese Düfte auch für wärmere Temperaturen absolut geeignet macht. Wie steht Ihr zu der Einteilung in Jahreszeitenparfums? Mottet Ihr bestimmte Düfte für die warme oder kalte Jahreszeit ein?

Liebe Grüße
Harmen

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Auch heute nochmals…


Parfums de Marlys „Galloway“ – ein Duft mit Hand und Huf

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 13.05.2014

Galloway“ heißt die neueste Kreation aus dem Hause Parfums de Marly. Ja, liebe Freunde, leider ist es nun so weit. Dem Parfumhaus, das sich bisher immer so begeistert den edlen Rössern hingegeben hat, sind die Gäule ausgegangen, weswegen sie die Kollektion jetzt mit dem saftigen schottischen Rind fortsetzen müssen. Das ist natürlich totaler Quatsch.

galloway

Neben den bekannten Rindern gab es auch eine Pferderasse mit dem Namen Galloway. Diese kompakte und kräftige Rasse ist mittlerweile durch Kreuzung ausgestorben, soll aber die Newfoundland-Ponys, Highland-Ponys und Fell-Ponys stark beeinflusst haben.

Tatsächlich war das Galloway-Pferd, das wegen seines Stockmaßes eher den Ponys zuzurechnen ist, seit vielen Jahrhunderten bekannt und man kann davon ausgehen, dass es genau diese Pferde sowie ihre versierten Reiter waren, die bereits Julius Cäsar in seinen Schriften lobend erwähnte. Sehr viel später verwies selbst der größte Dramatiker aller Zeiten, William Shakespeare, in seinem Drama „Heinrich IV.“ auf diese Tiere. Die wegen Kreuzungen mittlerweile ausgestorbene Rasse soll ein vortreffliches Aussehen gehabt haben, eine breite Brust und eine kräftige und robuste Statur.

Parfums de Marlys „Galloway“ wird von der Marke selbst in die Herrenecke gesteckt. Die Duftnoten lassen aber erahnen, dass dies nicht zwingend erforderlich ist – abgesehen von der ohnehin etwas altmodischen Geschlechtertrennerei.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zitrische Noten, Pfeffer
Herznote: Iris, Orangenblüte
Basisnote: Ambra, Moschus

Bevor ich aber zum Duft selbst komme, doch noch ein Ausflug in die beigefügte Geschichte des Dufts:

Im 18. Jahrhundert soll ein ganz besonderes Galloway-Pferd in den tiefen Tälern des schottischen Südens entdeckt worden sein, ein geheimnisvoller Schimmel, womöglich einer der letzten seiner Art? Dieser Hengst war die Inspiration für Parfums de Marlys Duftkreation „Galloway“, welche den Ruf dieser Pferde hinaus in die Welt trägt und ihnen ein ewiges Denkmal setzt.

Gutt på hvit hest
„Gutt på hvit hest“ (Junge auf weißem Pferd) von Theodor Kittelsen, um 1900

Los geht es zitrisch und frisch, wobei aber von Beginn auch das Gewürzige des Pfeffer die zitrische Fruchtigkeit unterbindet. Die Hesperiden werden von der Orangenblüte im Herzen wieder aufgegriffen, wobei man sich die ebenfalls hier auftauchende Iris nicht allzu floral oder etwa pudrig vorstellen sollte. Das Florale ist ohnehin nicht stark gewichtet worden. Man kann sich eine pfeffrig-gewürzige Zitrusnote vorstellen, die weitere Facetten durch die floralen Noten erhält und von Ambra und Moschus in der Basis abgefedert wird. Klingt nicht hochkomplex und ist es auch nicht. Trotzdem erkennt man sofort die Handschrift von Parfums de Marly und dass der Duft in seiner Komposition fein ausbalanciert wurde. Eine harmonische und runde Sache und meine absolute Empfehlung!

galloway1

Zum Schluss noch ein Wort zum Flakon: schwer – sowohl Flasche als auch Deckel. Ich kann nicht genau sagen, woraus die Flasche besteht, aber es scheint ein steingutartiges, weißes Material zu sein, vielleicht Keramik? In jedem Fall wieder ein echter Hingucker.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein bisschen neugierig machen. Testet den Duft doch einfach mal und berichtet, wie Ihr ihn findet. Er ist bald bei uns im Shop erhältlich! :-)

Ganz viele Grüße
von Harmen

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Loewe Esencia und Loewe Esencia Sport – vom Fougère zum Sportsmann

Erst vor Kurzem habe ich Euch den ersten Duft der neuen Kollektion „Loewe Sport“ von Loewe vorgestellt: „Loewe 7 Sport“ und seinen Vorgänger „Loewe 7“. Jeder der Düfte ist einem Sport-Champion und seiner Traditionssportart gewidmet. Bei „7 Sport“ war es Rollhockey, was ich sträflich unter den Tisch fallen ließ. Wer sich über die eher im Süden Europas populäre Sportart informieren möchte, kann dies gerne hier tun. Heute kommen wir nämlich schon zum nächsten Kandidaten: „Esencia Loewe Sport“ sowie seinem Ausgangsduft „Loewe Esencia“. Für „Esencia Loewe Sport“ steht Iñaki Osa, Cesta-Punta-Champion; Jai Alai (baskisch „fröhliches Fest“) oder Cesta-Punta (spanisch „Spitzkorb“) ist eine Variante des baskischen Pelotaspiels.

Wer sich einen Eindruck von der Dramatik des Spiels verschaffen möchte, der darf gerne Bud Spencer mit außergewöhnlich prächtigem Haupthaar (im Stile eines Carles Puyol) in Aktion bewundern:

Loewe_Esencia_pour_Homme
esencialoewesport

„Loewe Esencia Sport“ besitzt im Auftakt noch mehr als „Loewe 7 Sport“ einen aquatischen Einschlag. Letzterer besaß würzige Pfeffernoten sowie grüne Anklänge. Beide Düfte sind sich auf den ersten Blick recht ähnlich, doch bringt „Loewe Esencia Sport“ einen noch wärmeren, fast etwas krautig wirkenden Ton mit sich, den ich irgendwo bei Geranium und Ambra verorten würde. Vor allem auf der Haut verschwindet das Aquatische glücklicherweise nach einer Weile und es bleibt ein würziger Hesperidenduft übrig, der durchaus mehr Charakter aufzuweisen hat, als es der erste Eindruck vermuten ließ.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Mandarine
Herznote: Pfeffer, Geranium
Basisnote: Ambra, Moschus

Der ältere Bruder dieses Dufts „Esencia Loewe“ besitzt ein viel weiteres Duftnotenspektrum, was man auch sofort riecht:

Die Duftkomposition
Kopfnote: Petitgrain, Bergamotte, Zitrone, Estragon
Herznote: Lavendel, Schwarze Johannisbeere, Geranium, Maiglöckchen, Muskatnuss, Rose
Basisnote: Sandelholz, Eichenmoos, Vetiver, Styraxharz, Ambra, Moschus

Eigentlich kann man fast überall ein Häkchen setzen: frisch – ja, gewürzig – ja, floral – ein wenig, fruchtig – nein, holzig und harzig – ja, in Maßen. Wie man sich nun denken kann, ist das Ergebnis ein durchaus komplexer und vielschichtiger Herrenduft, der vom Hersteller als „aromatischer Fougère-Duft“ bezeichnet wird. In der Tat entwickelt sich der Duft immer weiter in diese Richtung, ohne aber in eine allzu klassische Ecke zu drehen – spitze!

Henri Achille Zo-La pelote Basque à Pasajes de San Juan

Wie auch beim ersten Sportduft haben auch hier Sport- und Ausgangsvariante wenig miteinander zu tun. In beiden Fällen überzeugt mich das Erstlingswerk mehr. Für ein Fazit ist es jetzt natürlich noch zu früh, da ich noch zwei bzw. vier Kollegen vor der Brust habe.

Also, liebe Sportsfreunde, schaltet wieder ein, wenn es heißt „Loewe Sport Collection“ – „gleiche Stelle, gleiche Welle“ ;-) Falls Ihr die Düfte schon getestet habt, freue ich mich immer über Rückmeldungen. :-)

Liebe Grüße
von Harmen

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Dr. Vranjes’ Geburtstagsfest mit „Oud Nobile“

Geschrieben in Gewürziges,Hesperiden,Orientalen,Raumdüfte am 31.03.2014

Logo_Dr Vranjes + Marchio Kopie

Raumduft-Fans kennen ihn hundertprozentig, denn Dr. Vranjes feiert in diesem Jahr bereits sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Weltweit vertreten, unter Raumduftkennern hochgeschätzt – und vor allem seine großen Raumduftflaschen werden von aufmerksamen Beobachtern immer wieder in den Foyers der weltbesten Hotels gesichtet.

1983 eröffnete Dr. Paolo Vranjes seine Antica Officina del Farmacista im geschichtsträchtigen Florenz und ließ sich von der besonderen Atmosphäre dieser Stadt bei seinen Düften inspirieren. So sind die Glasflaschen der berühmten Kuppel der örtlichen Kathedrale nachempfunden. Wie dem auch sei, uns interessiert natürlich ein bisschen mehr, welcher Geist denn nun aus der Flasche strömt.

Etwas über 30 verschiedene Düfte sind es, aus denen der geneigte Käufer wählen kann. Ich hatte vor einiger Zeit die Ehre und das Vergnügen, allesamt einmal durchzuschnuppern. Wie es immer so ist, ganz objektiv kann ich sagen, dass sie sehr hochwertig und gekonnt komponiert wurden, auch wenn mich natürlich ganz subjektiv nicht alle gleichermaßen begeisterten.

Herausgreifen möchte ich aber die neueste Kreation des Hauses, gewissermaßen den Geburtstagsduft, den sich Dr. Vranjes selbst spendierte. Wie kann man es richtig krachen lassen? Genau, indem man einfach eine der teuersten Essenzen der Welt nimmt und das ganze dann „Oud Nobile“ tauft. Wir werden nicht müde zu erwähnen, dass es mittlerweile an Oud-Kreationen wahrlich keinen Mangel mehr gibt, aber sei’s drum, ich liebe das Zeug, je knackiger, desto besser. Wie sich das Pilzabwehrharz allerdings als Raumduft macht, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Deswegen war es umso erfreulicher, dass mir der freundliche Vertrieb der Marke ein Exemplar zum Testen zur Verfügung gestellt hat – hier noch einmal ganz vielen Dank an das Team von c.l.u.b. brands – sodass ich Euch auch hier aus erster Hand berichten kann.

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„Oud Nobile“ macht mich erst einmal sprachlos, so umwerfend ist er. Preislich liegt dieser Raumduft über den anderen, was aber an der extrem hohen Ölkonzentration von 30 % liegt – dies ist durchaus spürbar, wenn man die Flüssigkeit mit dem Finger berührt und man riecht die hohe Intensität einfach auch. Dabei ist zu beachten, dass der Duft etwas länger als gewöhnlich braucht, um die Stäbchen hochzuwandern. Im Wesentlichen sind es zwei Komponenten, die den Duft ausmachen: Eine Schicht zitrischer Noten, funkelnd, frisch, glänzend und darunter als Gegenspieler das Oud, das aber keineswegs knarzt, wie man es vermuten könnte. Es ist als Oud absolut erkennbar, nur wurden seine angenehmen Seiten vortrefflich herausgearbeitet. Dunkelholzig, weich, ledrig, aber keinesfalls bitter oder medizinisch und immer wieder durchsetzt von einer zitrischen Fruchtigkeit. Hut ab vor dieser gekonnten Komposition! Ich denke, hier können auch Oud-Meider auf ihre Kosten kommen.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Neroli
Herznote: Adlerholz (Oud)
Basisnote: Myrrhe, Weihrauch

Ein weiterer Raumduft von Dr. Vranjes, den ich ganz hervorragend finde, ist Chinotto Pepe. Wir haben es hier mit orangenlastigen zitrischen Noten zu tun, die wunderbar pfeffrige Noten mit sich bringen, dabei immer leicht, freundlich und hell. Dieser Duft steht seit einigen Monaten in meinem Wohnzimmer. Die Duftintensität ist ausgewogen, nie zu stark oder aufdringlich – glaubt mir, da bin ich empfindlich – zudem kann man die Stäbchen einfach umdrehen, falls man es doch etwas kräftiger haben möchte.

DrV_250ml_Chinotto Pepe

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zitrische Noten
Herznote: Myrte, Orange
Basisnote: Pfeffer

05-Rosso Nobile-decanter copiaMeine letzte Empfehlung aus dieser Kollektion ist „Rosso Nobile“, den es neben der normalen Flasche auch in einem äußerst dekorativen, mit einer Gravur versehenen Dekanter mit echten Weinreben gibt, die anstelle der üblichen Stäbchen eingesetzt werden. Auch wenn hier ganz bewusst an den Charme eines guten Rotweins erinnert wird, zeigt sich der Duft niemals alkoholisch im eigentlichen Sinne. Vor allem fruchtige Noten sind es, die mit einem dezenten Holzton die feinen Tannine eines guten Roten heraufbeschwören, vielleicht kann man aber auch einfach an einen hochwertigen unvergorenen Traubensaft denken.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Orange
Herznote: Veilchen, Magnolie, Pflaume, Erdbeere, Himbeere
Basisnote: Birke, Hölzer, Wein

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe mich lange gegen eine Raumbeduftung gesträubt, bin aber eines Besseren belehrt worden. Ein guter Raumduft bereichert das Zuhause, verbreitet eine wohnliche Atmosphäre und macht schlicht und einfach Freude. In der breiten Duftpalette von Dr. Vranjes ist für jede anspruchsvolle Nase etwas dabei, sei es ein frischer, floraler, aquatischer oder fruchtiger Duft – oder sogar Oud. Gerne berate ich Euch. Hinterlasst mir einfach einen Kommentar mit Euren Duftvorlieben und ich suche Euch passende Kandidaten heraus.

Liebe Grüße
von Harmen

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