Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Loewe Esencia und Loewe Esencia Sport – vom Fougère zum Sportsmann

Erst vor Kurzem habe ich Euch den ersten Duft der neuen Kollektion „Loewe Sport“ von Loewe vorgestellt: „Loewe 7 Sport“ und seinen Vorgänger „Loewe 7“. Jeder der Düfte ist einem Sport-Champion und seiner Traditionssportart gewidmet. Bei „7 Sport“ war es Rollhockey, was ich sträflich unter den Tisch fallen ließ. Wer sich über die eher im Süden Europas populäre Sportart informieren möchte, kann dies gerne hier tun. Heute kommen wir nämlich schon zum nächsten Kandidaten: „Esencia Loewe Sport“ sowie seinem Ausgangsduft „Loewe Esencia“. Für „Esencia Loewe Sport“ steht Iñaki Osa, Cesta-Punta-Champion; Jai Alai (baskisch „fröhliches Fest“) oder Cesta-Punta (spanisch „Spitzkorb“) ist eine Variante des baskischen Pelotaspiels.

Wer sich einen Eindruck von der Dramatik des Spiels verschaffen möchte, der darf gerne Bud Spencer mit außergewöhnlich prächtigem Haupthaar (im Stile eines Carles Puyol) in Aktion bewundern:

Loewe_Esencia_pour_Homme
esencialoewesport

„Loewe Esencia Sport“ besitzt im Auftakt noch mehr als „Loewe 7 Sport“ einen aquatischen Einschlag. Letzterer besaß würzige Pfeffernoten sowie grüne Anklänge. Beide Düfte sind sich auf den ersten Blick recht ähnlich, doch bringt „Loewe Esencia Sport“ einen noch wärmeren, fast etwas krautig wirkenden Ton mit sich, den ich irgendwo bei Geranium und Ambra verorten würde. Vor allem auf der Haut verschwindet das Aquatische glücklicherweise nach einer Weile und es bleibt ein würziger Hesperidenduft übrig, der durchaus mehr Charakter aufzuweisen hat, als es der erste Eindruck vermuten ließ.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Mandarine
Herznote: Pfeffer, Geranium
Basisnote: Ambra, Moschus

Der ältere Bruder dieses Dufts „Esencia Loewe“ besitzt ein viel weiteres Duftnotenspektrum, was man auch sofort riecht:

Die Duftkomposition
Kopfnote: Petitgrain, Bergamotte, Zitrone, Estragon
Herznote: Lavendel, Schwarze Johannisbeere, Geranium, Maiglöckchen, Muskatnuss, Rose
Basisnote: Sandelholz, Eichenmoos, Vetiver, Styraxharz, Ambra, Moschus

Eigentlich kann man fast überall ein Häkchen setzen: frisch – ja, gewürzig – ja, floral – ein wenig, fruchtig – nein, holzig und harzig – ja, in Maßen. Wie man sich nun denken kann, ist das Ergebnis ein durchaus komplexer und vielschichtiger Herrenduft, der vom Hersteller als „aromatischer Fougère-Duft“ bezeichnet wird. In der Tat entwickelt sich der Duft immer weiter in diese Richtung, ohne aber in eine allzu klassische Ecke zu drehen – spitze!

Henri Achille Zo-La pelote Basque à Pasajes de San Juan

Wie auch beim ersten Sportduft haben auch hier Sport- und Ausgangsvariante wenig miteinander zu tun. In beiden Fällen überzeugt mich das Erstlingswerk mehr. Für ein Fazit ist es jetzt natürlich noch zu früh, da ich noch zwei bzw. vier Kollegen vor der Brust habe.

Also, liebe Sportsfreunde, schaltet wieder ein, wenn es heißt „Loewe Sport Collection“ – „gleiche Stelle, gleiche Welle“ ;-) Falls Ihr die Düfte schon getestet habt, freue ich mich immer über Rückmeldungen. :-)

Liebe Grüße
von Harmen

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Dr. Vranjes’ Geburtstagsfest mit „Oud Nobile“

Geschrieben in Gewürziges,Hesperiden,Orientalen,Raumdüfte am 31.03.2014

Logo_Dr Vranjes + Marchio Kopie

Raumduft-Fans kennen ihn hundertprozentig, denn Dr. Vranjes feiert in diesem Jahr bereits sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Weltweit vertreten, unter Raumduftkennern hochgeschätzt – und vor allem seine großen Raumduftflaschen werden von aufmerksamen Beobachtern immer wieder in den Foyers der weltbesten Hotels gesichtet.

1983 eröffnete Dr. Paolo Vranjes seine Antica Officina del Farmacista im geschichtsträchtigen Florenz und ließ sich von der besonderen Atmosphäre dieser Stadt bei seinen Düften inspirieren. So sind die Glasflaschen der berühmten Kuppel der örtlichen Kathedrale nachempfunden. Wie dem auch sei, uns interessiert natürlich ein bisschen mehr, welcher Geist denn nun aus der Flasche strömt.

Etwas über 30 verschiedene Düfte sind es, aus denen der geneigte Käufer wählen kann. Ich hatte vor einiger Zeit die Ehre und das Vergnügen, allesamt einmal durchzuschnuppern. Wie es immer so ist, ganz objektiv kann ich sagen, dass sie sehr hochwertig und gekonnt komponiert wurden, auch wenn mich natürlich ganz subjektiv nicht alle gleichermaßen begeisterten.

Herausgreifen möchte ich aber die neueste Kreation des Hauses, gewissermaßen den Geburtstagsduft, den sich Dr. Vranjes selbst spendierte. Wie kann man es richtig krachen lassen? Genau, indem man einfach eine der teuersten Essenzen der Welt nimmt und das ganze dann „Oud Nobile“ tauft. Wir werden nicht müde zu erwähnen, dass es mittlerweile an Oud-Kreationen wahrlich keinen Mangel mehr gibt, aber sei’s drum, ich liebe das Zeug, je knackiger, desto besser. Wie sich das Pilzabwehrharz allerdings als Raumduft macht, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Deswegen war es umso erfreulicher, dass mir der freundliche Vertrieb der Marke ein Exemplar zum Testen zur Verfügung gestellt hat – hier noch einmal ganz vielen Dank an das Team von c.l.u.b. brands – sodass ich Euch auch hier aus erster Hand berichten kann.

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„Oud Nobile“ macht mich erst einmal sprachlos, so umwerfend ist er. Preislich liegt dieser Raumduft über den anderen, was aber an der extrem hohen Ölkonzentration von 30 % liegt – dies ist durchaus spürbar, wenn man die Flüssigkeit mit dem Finger berührt und man riecht die hohe Intensität einfach auch. Dabei ist zu beachten, dass der Duft etwas länger als gewöhnlich braucht, um die Stäbchen hochzuwandern. Im Wesentlichen sind es zwei Komponenten, die den Duft ausmachen: Eine Schicht zitrischer Noten, funkelnd, frisch, glänzend und darunter als Gegenspieler das Oud, das aber keineswegs knarzt, wie man es vermuten könnte. Es ist als Oud absolut erkennbar, nur wurden seine angenehmen Seiten vortrefflich herausgearbeitet. Dunkelholzig, weich, ledrig, aber keinesfalls bitter oder medizinisch und immer wieder durchsetzt von einer zitrischen Fruchtigkeit. Hut ab vor dieser gekonnten Komposition! Ich denke, hier können auch Oud-Meider auf ihre Kosten kommen.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Bergamotte, Neroli
Herznote: Adlerholz (Oud)
Basisnote: Myrrhe, Weihrauch

Ein weiterer Raumduft von Dr. Vranjes, den ich ganz hervorragend finde, ist Chinotto Pepe. Wir haben es hier mit orangenlastigen zitrischen Noten zu tun, die wunderbar pfeffrige Noten mit sich bringen, dabei immer leicht, freundlich und hell. Dieser Duft steht seit einigen Monaten in meinem Wohnzimmer. Die Duftintensität ist ausgewogen, nie zu stark oder aufdringlich – glaubt mir, da bin ich empfindlich – zudem kann man die Stäbchen einfach umdrehen, falls man es doch etwas kräftiger haben möchte.

DrV_250ml_Chinotto Pepe

Die Duftkomposition
Kopfnote: Zitrische Noten
Herznote: Myrte, Orange
Basisnote: Pfeffer

05-Rosso Nobile-decanter copiaMeine letzte Empfehlung aus dieser Kollektion ist „Rosso Nobile“, den es neben der normalen Flasche auch in einem äußerst dekorativen, mit einer Gravur versehenen Dekanter mit echten Weinreben gibt, die anstelle der üblichen Stäbchen eingesetzt werden. Auch wenn hier ganz bewusst an den Charme eines guten Rotweins erinnert wird, zeigt sich der Duft niemals alkoholisch im eigentlichen Sinne. Vor allem fruchtige Noten sind es, die mit einem dezenten Holzton die feinen Tannine eines guten Roten heraufbeschwören, vielleicht kann man aber auch einfach an einen hochwertigen unvergorenen Traubensaft denken.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Orange
Herznote: Veilchen, Magnolie, Pflaume, Erdbeere, Himbeere
Basisnote: Birke, Hölzer, Wein

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe mich lange gegen eine Raumbeduftung gesträubt, bin aber eines Besseren belehrt worden. Ein guter Raumduft bereichert das Zuhause, verbreitet eine wohnliche Atmosphäre und macht schlicht und einfach Freude. In der breiten Duftpalette von Dr. Vranjes ist für jede anspruchsvolle Nase etwas dabei, sei es ein frischer, floraler, aquatischer oder fruchtiger Duft – oder sogar Oud. Gerne berate ich Euch. Hinterlasst mir einfach einen Kommentar mit Euren Duftvorlieben und ich suche Euch passende Kandidaten heraus.

Liebe Grüße
von Harmen

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Loewe – 7 – Original und Sportvariante

LoeweSchon vor längerer Zeit habe ich den Herstellertext von Loewe für unseren Shop geschrieben, dann aber die Marke wieder ein wenig aus den Augen verloren. Wir sprechen hier übrigens nicht von dem kriselnden deutschen Flimmerkistenhersteller, sondern von dem spanischen Label, das durch seine Luxuslederwaren bekannt wurde. Da wir über Loewe im Duft-Tagebuch noch nicht berichtet haben, kommt hier ein knackiger Abriss der Unternehmensgeschichte. Zwei spanische Handwerker eröffneten im Jahre 1846 einen lederverarbeitenden Betrieb, zu dem 1872 der deutsche Lederspezialist Enrique Roessberg Loewe hinzustoßen sollte. 1905 erlangte Loewe den Status des Lieferanten für das spanische Königshaus, was nun sicherlich dem gesunden Unternehmenswachstum nicht abträglich war. 1945 entwarf der Designer Peréz de Rozas Taschen aus Boxcalf, welche schnell zum Erkennungszeichen der Marke schlechthin avancierten. Es folgten Boutique-Eröffnungen rund um den Globus und große Designer wie Karl Lagerfeld, Giorgio Armani und Laura Biagiotti prägten das Erscheinungsbild des Hauses. Mode, dann Parfums – eine fast logische Konsequenz: 1972 brachte Loewe den ersten Damenduft mit dem schlichten Namen „L“ auf den Markt, Mitte der 80er Jahre folgte der Duft „Air Loewe“, welcher sich bis heute einer großen Beliebtheit erfreut. Seit dem Jahr 2000 wird die Parfumkollektion kontinuierlich erweitert wie zum Beispiel 2009 mit „I Loewe You“.

loewe-sport

Diese koninuierliche Erweiterung des Programms ist auch Anlass für diesen Artikel. Vor Kurzem erst kam eine neue Kollektion von Loewe herein, Loewe Sport, die die vier erfolgreichsten Herrendüfte des Hauses neu und sportlich interpretiert. Meine Idee war es, Euch nun die Düfte immer paarweise vorzustellen, auf der einen Seite der Ausgangsduft, auf der anderen Seite die neue Sportversion.

Loewe 7Loewe 7 Sport
Loewe EsenciaLoewe Esencia Sport
Loewe pour HommeLoewe pour Homme Sport
Loewe Solo LoeweLoewe Solo Loewe Sport

Die Idee hinter der „Loewe Sport“-Kollektion ist der Sport der Gentlemen – Traditionssport, der auf die Werte des 21. Jahrhunderts trifft. Hierfür stehen vier spanische Sportler, die auf dem Bild oben zu sehen sind:

· Loewe pour Homme Sport mit Javier Hernanz, Ruder-Champion
· Esencia Loewe Sport mit Iñaki Osa, Cesta-Punta-Champion
· Solo Loewe Sport mit Arturo Gracia, Champion im Bogenschießen
· 7 Loewe Sport mit Jordi Bargalló, Rollhockey-Champion

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„Loewe 7“ legt überraschend spritzig und dynamisch los. Kräftige Pfeffernoten legen sich von Beginn an ins Zeug und vermischen sich angenehm mit harzigem Weihrauch, holzigen Noten sowie Vetiver. Die übrigen Noten Apfel, Rose, Maiglöckchen, Neroli und Moschus verbleiben im Hintergrund und lassen so den entschieden maskulinen Noten den Vortritt. Sie sind als leichtest aquatische Tendenzen sowie hauchdünne Fruchtaromen wahrnehmbar. Nach einer Weile meint man noch Patchouli oder Gewürznelke wahrzunehmen – entweder das Ergebnis dieser Mischung oder geheimgehaltene Duftbestandteile. Ich rieche und rieche und diese Gewürznelke wird immer dominanter, bis ich versucht bin, hier von einem klaren Gewürznelkenduft mit Glühweinanleihen zu sprechen. Ihr seht, dieser Duft hält eine spannende Duftentwicklung bereit, die sicher auch von Haut zu Haut unterschiedlich verläuft. Wirklich abgefahren, was hier gerade passiert.

„Loewe 7 Sport“ hat mit seinem Vorgänger wenig gemein. Fruchtige Mandarine und saure Yuzufrucht treffen auf die grünen Noten von Minze und Tomatenblättern – auch hier mit einem aquatischen Einschlag. Auf der Haut gefällt er mit bedeutend besser, da hier die aquatischen Anklänge eher verschluckt werden. Ein durch und durch dynamischer, frischer Hesperidenduft mit grüner Seele. Die Basis von Weihrauch und Ambra bleibt nahezu stumm. Grundsolide, wer es extravaganter mag, ist bei dem Ursprungsduft besser aufgehoben.

Beide Düfte besitzen ihre ganz eigene Dynamik, der eine eher pfeffrig-gewürzig, der andere eher zitrisch und grün. Beide Düfte kann ich vor allem den Herren der Schöpfung vorbehaltlos empfehlen.

Liebe Grüße
Harmen

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État Libre d’Oranges Weltuntergang in der Flasche

Der Weltuntergang wurde schon oft prophezeit und in den schillerndsten Farben ausgemalt. Die Idee des nahenden Endes spielt uns narzisstisch veranlagten Menschen einfach in die Karten. Nach uns erlesenen Exemplaren kann die ganze Weltgeschichte eigentlich nur noch an die Wand fahren, oder nicht? Nach mir die Sintflut. Es gibt genug Beispiele, bei denen Menschen angesichts des näherrückenden finalen Datums all ihr Hab und Gut verkauft oder sich selbst und andere umgebracht haben, um sich auf diese Weise angemessen auf das Ereignis vorzubereiten.

MARTIN John Great Day of His Wrath

Man denke auch an verschiedene religiöse Gruppen mit offensichtlicher Rechenschwäche, die immer wieder neue Stichtage nachlegen müssen, da die vorhergesagten Großereignisse ausblieben … Alle Weltuntergänge haben eines gemeinsam: sie haben nie stattgefunden. Wir erinnern uns an die Welle des Schwachsinns, die zum Thema Maya-Kalender durch die Medien schwappte und eines ist sicher. All diese Rückschläge werden die Untergangspropheten nicht davon abhalten, sich immer wieder etwas Neues auszudenken.

Entsprechend lapidar beginnt auch der Text des neuen Dufts von État Libre d’Orange „La Fin du Monde“: „Okay, we know what you’re thinking. Been there, done that, bought the t-shirt.“ Der Duft bezieht sich offensichtlich auf das Werk „La Fin du monde filmée par l’Ange Notre-Dame“ des Schriftstellers Blaise Cendrars, das, soweit ich das recherchieren konnte, nicht in deutscher Übersetzung vorliegt. Wie dem auch sei, die Handlung wird ohnehin wortreich nacherzählt, worüber sich Kollegin Evelyn in ihrem Artikel bereits erboste. Obwohl ich ein Literaturfreund bin, halte ich mich da auch lieber an meine eigenen Eindrücke und schließe mich dem Eindruck an, dass dem mehrseitigen Text auch ein wenig Platz für eine Duftbeschreibung hätte abgeknapst werden können.

La Fin du Monde 100mL

Auf dem Etikett des Flakons sehen wir das stilisierte Strahlenwarnzeichen, welches uns daran erinnert, dass es keinerlei kosmischen Kraft zur Vernichtung der Welt bedarf, sondern dass wir uns diese „Kernkompetenz“ mittlerweile selbst angeeignet haben, die charmante, aber auch riskante Fähigkeit, uns nachhaltig vom Erdball zu radieren. Nachhaltigkeit ist ja sowieso ein großes Thema.

Nach dem berühmten Sturm im Wasserglas nun also zum Weltuntergang in der Flasche. Auf dem Teststreifen nur eine diffuse und nicht aussagekräftige, gefällige und süßliche Mischung, die mir unglaubwürdig erscheint. Deswegen lieber gleich der Test auf der Haut: pfeffrige Trockenheit und eine ganz wunderbare Note – hier als Getreide angegeben – die tatsächlich nach trockenem Stroh riecht! Warum liegt beim Weltuntergang Stroh rum? Der Vollständigkeit halber die Duftnoten, die meines Erachtens beim Verständnis des Duftes aber kaum weiterhelfen.

Die Duftnoten
Kopfnote: Getreide, Karottensamen, Kumin, Sesam, Schwarzer Pfeffer
Herznote: Freesie, Vetiver, Sandelholz, Eibisch, Iris
Basisnote: Styraxharz, Metallische Noten, Rauchige Noten

Also nochmal: pfeffrige Trockenheit, getreidige Strohnoten, feine Vetiverrauchigkeit, metallische Noten, hier und da blitzt etwas Florales durch, eingebettet in eine weiche Harzigkeit.

Bei „La Fin du Monde“ ist es wie bei anderen Düften der Krawallbrüder État Libre d’Orange auch. Da wird ein provokantes Konzept aufgelegt, aber die Düfte beißen nicht. „La Fin du Monde“ gefällt mir ausgesprochen gut, eine ausgefallene, ungewöhnliche und bemerkenswerte Kreation, die von einem Konzeptduft aber weit entfernt ist. Ich möchte das ganz wohlwollend als ironische Brechung bezeichnen, dass es bei État Libre eben auch Wahrheit und Dichtung gibt und sich die Düfte gar nicht an den exaltiert vorgetragenen Konzepten messen lassen müssen.

Bis zum nächsten Weltende verbleibe ich mit liebsten Grüßen
Harmen

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Eutopie „No. 4“ – Unterwegs am Mittelmeer

Da wir hier gerne ganze Sachen machen, möchte ich gerne heute die Kollektion von Eutopie zum jetzigen Zeitpunkt vervollständigen. Die liebe Ulrike hatte ja bereits im Jahre des Herrn 2012 die „No. 1hier und die „No. 2“ sowie „No. 3hier vorgestellt. Eine No. 5 gibt es nicht, sodass ich im Oktober über die „No. 6berichtete, die zu meinen Lieblingsdüften des Jahres 2013 gehört – welch ein toller Lederduft!

Bleibt also noch die „No. 4“, die Ulrike nur kurz anreißen konnte, da ihr damals noch keine weiterführenden Informationen vorlagen.

Portrait eutopie_nr4_kl

Aber ich zitiere:

Eutopie No. 4 steht auch schon vor mir in einer Winzlingsprobe auf dem Tisch – nur leider habe ich bisher keinerlei Material dazu erhalten, ergo kann ich nur sprühen und raten, vielmehr: ein wenig verraten. Auf den ersten Riecher wirkt er nicht wie ein typischer Orientale, da hatten wir mit Eutopie dieser Tage nun schon ganz anderes… Warm, trocken, pudrig und süß – Tonkabohne, Hölzer, ein Harzhauch samt irgendeiner Würze, einer süß und gleichermaßen scharf anmutenden… Schön. Ich bin schon sehr gespannt auf die Inspirationen zum Duft – dazu müssen wir uns wohl noch etwas gedulden…

Bei den ersten beiden Düfte handelte es sich um eher französisch inspirierte Orientalen, die „No. 3“ wandte sich bereits dem Mittelmeer zu und dort sind Eutopie auch für die „No. 4“ wieder eingekehrt. Ganz ehrlich, langsam reicht es mir mit diesem unentschlossenen Winter, der zumindest hier im Südwesten nicht so richtig in die Gänge kommen will und eine Achterbahnfahrt an Frühlings- und Wintertemperaturen zu bieten hat. Da wäre doch eine milde Frühlingsbrise am Mittelmeer genau das Richtige, um wieder etwas Farbe zu bekommen und Energie zu tanken.

Bis es soweit ist, nehme ich mit der „No. 4“ vorlieb. Es geht frisch los, wobei die Hesperiden sogleich von Patchouli und würzig-balsamischem Labdanum abgefangen werden. In den Herznoten folgen florale Noten, wobei die Rose kühl bleibt und auch das Veilchen seinen charakteristischen Duft nicht voll entfalten kann. Hierfür mogen die Sandelholznoten verantwortlich sein, die wiederum mit dem Labdanum bestens harmonieren. In der Basis wird es folgerichtig ebenfalls weich und balsamisch – Ambra und Moschus untermalen die mit rauchigen Aktenten versehene, herbe Vanille, die einen verhaltenen Hauch Süße beisteuert und somit harmonisch in die floralen Herznoten greift. Und irgendwo im Ausklang meint man auch das Meer zu riechen, ohne dass aber aquatische Noten zum Einsatz kommen.

Aci Castello Sicily Italy - Creative Commons by gnuckx

Eutopies „No. 4“ lässt sich am besten als hell-gewürziger Duft bezeichnen, der mit balsamischen Noten ausklingt. Dabei wurde wie bei den Vorgängerdüften ein perfektes Gleichgewicht gefunden, ein Balsamduft mit mediterran-frischem Einschlag, der sich konzeptionell in die europäisch-orientalische Doppelgesichtigkeit der anderen Eutopie-Düfte hervorragend einpasst.

So lässt sich auch die Reise der Parfumeurin Elodie Pollet nachvollziehen, die bereits mit dem Vorgänger die arabische Halbinsel verlassen hatte, um sich dem Mittelmeer zuzuwenden. Im Gepäck hat sie allerdings Gewürze und Kostbarkeiten des Orients dabei, welche sie mit französischer Leichtigkeit für die westliche Nase interpretiert.

Die Duftnoten im Überblick
Kopfnote: Patchouli, Bergamotte, Labdanum (Zistrose)
Herznote: Rose, Veilchen, Sandelholz
Basisnote: Ambra, Moschus, Vanille, Rauchige Noten

Eutopie – von den schönen Plätzen dieser Welt – diesem Motto bleibt das Duftlabel auch mit dieser Kreation treu. Vielleicht befinden wir uns in Sizilien, wo gerade die Araber, neben vielen anderen Kulturen, ihre Spuren hinterließen. Aber vielleicht müssen wir das ja auch gar nicht so genau wissen, damit jeder seine eigene Geschichte in diesen Duft legen kann. Ein Unisex-Duft, der Offenheit und Optimismus ausstrahlt, eine wunderbare Exkursion!

Liebe Grüße
Harmen

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Parfums de Marlys „Pegasus“ – wahrlich beflügelnd …

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 13.01.2014

PEGASUSLetzte Woche habe ich in meinem Artikel zu „Darcy“ angekündigt, Euch einmal „Pegasus“ von Parfums de Marly vorzustellen, was ich nun umgehend in die Tat umsetzen möchte.

Dieser Duft steht sogar gerade vor mir: ein schwerer, wuchtiger, aber keinesfalls klobiger, silberfarbener Flakon, dessen dreieckige Verschlusskappe ebenfalls aus massivem Metall gefertigt wurde. Er liegt wunderbar kühl in der Hand und vermittelt mit seinem Logo- und Schriftzug-Relief ein Gefühl von Wertigkeit und Beständigkeit.

Ja, Pegasus, dachte ich, der Flügelgaul aus der griechischen Mythologie, der allerlei Marken, Wappen und sogar Sternbildern Pate stand. Aber auch bei dieser Duftkreation des Parfumeurs Hamid Merati-Kashani blieben Parfums de Marly ganz in der Welt des Irdischen, ohne auf dem Rücken des Geflügelten ins Mythische abzuheben.

Le Poète voyageur

Bei Pegasus dreht es sich nämlich um ein Rennpferd des 18. Jahrhunderts, das im Jahre 1784 geboren wurde und von einem der Gründerpferde des Englischen Vollbluts, Darley Arabian, abstammte. Auch diesem „Darley“ widmeten Parfums de Marly bereits einen Duft (Bericht von Ulrike hier).

Kommen wir nun endlich zum Duft, der diesem legendären Rennpferd zugeeignet ist: spielt mir möglicherweise der Flakon einen Streich!? Ich empfinde nämlich auch den Duft selbst als hell, frisch, metallisch und leuchtend. Es ist eigentlich schwierig von einem Duftverlauf zu sprechen, da alles wie aus einem Guss komponiert wirkt. Bergamotte, Heliotrop und herb-würziger Kümmel bilden den Auftakt. Nach meinem subjektiven Empfinden kann man sich den Duft als Mandelduft vorstellen, ohne dass dieser aber gourmandig oder allzu cremig ist. Geht das? Eine frische, helle Mandel, eingeklemmt zwischen Lavendel und Jasmin, Charakterköpfe, die sich beide aber stark zurückhalten. Weich und vielleicht doch etwas cremig in der Basis, wo Ambra, würzige Vanille und Sandelholz durchs Bild traben.

Die Duftnoten
Kopfnote: Bergamotte, Heliotrop, Kümmel
Herznote: Lavendel, Mandel, Jasmin
Basisnote: Ambra, Vanille, Sandelholz

Geht es Euch auch so? Wenn man Mandeln isst, bemerkt man einen angenehm metallisch anmutenden Geschmack. Mir scheint, dass dieser Geschmacksaspekt olfaktorisch herausgearbeitet wurde. Seit einiger Zeit trage ich „Pegasus“ regelmäßig, ein wirklich angenehmer Begleiter, ein wunderbarer heller und frischer Gewürz-Mandelduft!

Ich schließe mich dem Schlusswort des Pressetextes einfach an, mit dem Zusatz, dass dieser Duft absolut damentauglich ist:

„Pegasus“ von Parfums de Marly gibt einen echten Gentleman wieder, der im fairen Wettkampf triumphiert und im kultivierten Kräftemessen den Platz als Sieger verlässt. Sportlich, energiegeladen, mit eigenem Profil und doch stets elegant.

Auf die Nasen fertig los! Berichtet, wie Ihr ihn findet! :-)

Liebe Grüße
Harmen

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„La Fumée Ottoman“ – so elegant ist Weihrauch!

Recht neu in unserem Sortiment ist der Duft „La Fumée Ottoman“ aus dem Hause Miller Harris. Ich finde, solche Düfte passen perfekt in die Winterzeit, gewürzig, orientalisch und mit einem Hauch von Geschichte.

Diese neue Kreation von Miller Harris ist eine limitierte Edition – inspiriert von dem legendären Duft „La Fumée“. „La Fumée Ottoman“ ist ein opulenter orientalischer Duft, der die Mystik des Osmanischen Reiches in sich trägt.

Wer sich noch einmal über den Ausgangsduft „La Fumée“ informieren möchte, sollte sich an dieser Stelle Ulrikes Bericht zu Gemüte führen.

la-fumee-ottoman

Die Duftnoten
Kopfnote: Bergamotte, Kardamom, Türkische Rose, Kumin
Herznote: Weihrauch, Zedernholz, Patchouli
Basisnote: Rauchige Noten, Ambra

Die Duftnoten tragen absolut das Zeug in sich, einen wahren Orientalen-Kracher zu erzeugen, und auch der Name deutet in diese Richtung. Ich musste bei Rauch und Orient ganz klischeehaft an Wasserpfeifen denken – aber dann kam doch alles ganz anders als gedacht.

Der erste Eindruck: huch, der ist ja ganz weich, der will nur spielen! Auf dem Duftstreifen tummeln sich allerhand Gewürze, von denen ich in der Duftnotenliste Safran vermisse, oder ist das pures Wunschdenken, dass mein Duftgedächtnis langsam selbstständig Duftnoten hinzuerfindet?

Zu Beginn sind sie da die herben Bergamottetöne, würziger-frischer Kardamom, die eigentümliche Art von Kumin, die Rose mag etwas untergehen bei diesen Gesellen. Die holzigen Seiten des Weihrauchs werden vom Zedernholz harmonisch verlängert, was eine allzu heftige Rauchigkeit verhindert – aber sie ist trotzdem da. Sonst würde der Duft seinen Namen gänzlich zu Unrecht tragen. Diese Rauchigkeit wird ganz weich und verschmilzt allmählich mit der Haut.

Herbstgeruch | smell of autumn

Die ganze Komposition wurde ausgewogen und für die europäische Nase konzipiert. Zwar ist „La Fumée Ottoman“ ein Eau de Parfum, trotzdem wurde bei der Intensität Maß gehalten, so dass ich dem Duft Alltags- und auch Bürotauglichkeit attestieren würde. Ach ja, Weihrauch, da stellt sich ja immer die Frage, ob Kirchenduft oder nicht. Keine Sorge, dieser Duft ist ganz profan, aber nur im kirchlichen Sinne. Meines Erachtens ist er nämlich ein tragbarer Gewürz-Weihrauch-Orientale, zurückgenommen, wohldosiert und damit äußerst elegant und übrigens auch unisex. Hut ab!

Ganz viele Grüße
von Harmen

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Laboratorio Olfattivos „Kashnoir“: Narkotische Blüten und Zaubergewürze

Gerne befassen sich Parfums thematisch mit dem Verbotenen und Geheimnisvollen, Lust und Anziehung, Rausch und Ekstase. Immer wieder bewahrheitet sich die Annahme, dass Düfte oftmals ganz gezielt an das Unbewusste, Irrationale und Emotionale adressiert sind. Explizit zum Beispiel auch bei Nasomatto, aber mehr oder weniger unterschwellig bei sehr vielen Duftkonzepten, ganz gleich ob Mainstream oder Nische. Als „weiche Droge“ wird auch der neue Duft von Laboratorio Olfattivo angekündigt, der voraussichtlich in den nächsten Tagen bei uns erhältlich sein wird. Glücklicherweise habe ich schon eine Probe bekommen und stelle Euch dieses vollkommen legale Rauschmittel einmal vor.

Kashnoir“ lautet der Name – sicherlich ein Kunstwort, möglicherweise eine Zusammenziehung von „Kaschmir“ und „noir“ – und so wird auch im Produkttext von einer Reise in den „verbotenen und geheimnisvollen Osten“ berichtet, Kaschmir würde geografisch schon ganz gut passen, da sich dieses Gebiet heutzutage über die Länder Indien, Pakistan und China erstreckt.

Kashnoir

Der als Florientale oder holziger Orientale bezeichnete Duft hält am Anfang einige Zitrusfrüchte bereit, die von Zitrone und Bergamotte vertreten werden. Ein Hauch krautigen Lavendels bildet das passende Zwischenstück für das Herz des Duftes, denn hier wurde blumig-würziger Koriander eingesetzt. Durchaus deutlich vertiefen Rose und Orangenblüte seine florale Eigenschaft. In der Basis sind es vor allem Patchoulinoten sowie balsamisches Benzoeharz, die den Ton angeben.

Die Duftnoten
Kopfnote: Zitrone, Bergamotte, Lavendel
Herznote: Koriander, Rose, Orangenblüte
Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Heliotrop, Vanille

„Narkotische Blüten, psychotrope Kräuter und Zaubergewürze“ – unter dieser Vorgabe steht „Kashnoir“ und mir ist klar, welche Idee hier verfolgt wurde. Durch das Zusammenspiel der leuchtenden Hesperiden mit kräftigen Blütennoten entsteht der Eindruck eines in psychedelischen Mustern schillernden Duftes, welcher durch eine dunkle Seite in der Basis etwas Verruchtes und Geheimnisvolles erhält, als sei er nicht ganz von dieser Welt. Heliotrop und Vanille blitzen hier und da, können sich aber nicht dauerhaft durchsetzen wie Irrlichter, die sich der direkten Wahrnehmung entziehen. Wie so oft bei orientalischen Düften kommt es mir vor, als sei irgendwo eine herbe Honignote versteckt – dies mag aber auch nur ein ganz subjektiver Eindruck sein.

Red and White Flower - Fractal Mosaic, v.2

Ihr seht schon, „Kashnoir“ ist kein ganz einfacher Duft – soll er sicher auch nicht sein – ein Duft, der wohl kein Vollblutorientale ist, was mich an die eine oder andere Kreation von Eutopie denken lässt. Vielleicht sind es die Hesperiden, welche die italienische Provenienz der Komposition verraten und den Duft für die europäische Nase zugänglicher machen.

Ich bin sehr gespannt, was Ihr zu dem Duft sagen werdet, meiner Meinung nach ein wirklich spannender und außergewöhnlicher Geselle :-)

Liebe Grüße
von Harmen

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Neue Marke, neues Glück…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gewürziges,Holziges am 5.12.2013

… das hoffe ich sehr, denn ich bin gespannt wie ein Flitzebogen auf die Düfte von Les Liquides Imaginaires. Wenn wir schon neulich bei den männlichen „Hotties“ der Parfumbranche waren – der Mann hinter Les Liquides Imaginaires gehört definitiv dazu: Philippe di Méo ist mir bereits auf der diesjährigen Mailänder Esxence über den Weg gelaufen – und, ich gestehe, ich hätte nicht nur seine Duftproben, sondern auch ihn selbst am liebsten sofort mitgenommen. Ein schöner und charismatischer Mann, geistreich, gebildet, sympathisch, freundlich. Eine Augenweide für mich während unseres interessanten und angeregten Gesprächs. Und die Düfte waren, analog dazu, eine „Nasenweide“, wenn Ihr so wollt. Äußerst vielversprechend, aber es sollte noch dauern. In letzter Zeit hatte ich mich häufiger mal daran erinnert und mich gefragt, wann, wann sie denn nun endlich kommen – und hier sind sie.

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Lange drumherum reden kann und will ich nicht, dafür bin ich viel zu neugierig – ergo stürzen wir uns nach ein paar Details zu Mann und Marke sofort ins duftende Getümmel!

Die Inspiration zu Les Liquides Imaginaires ist folgende: Di Méo bezieht sich auf den Ursprung des Wortes Parfum, das von dem lateinischen per fumum, „durch Rauch“ stammt. Weihrauch und Harze wurden schon vor Jahrtausenden in religiösen Zeremonien als Opfergaben verbrannt und verströmten so ihren Duft zu Ehren des Gottes, der Götter. Bis zum heutigen Tag hat das Parfum seinen Siegeszug fortgesetzt, wie wir ja alle wissen, und ziert nicht nur uns, sondern auch unseren Lebensraum, unsere Wäsche, unsere Autos und vieles mehr. Di Méo möchte mit seiner Kollektion nun zurückblicken und erinnern, uns schwelgen lassen und inspirieren:

philippedimeo2„Zurück zum Heiligen – Das Parfum muss wieder zurück zu seinem olfaktorischen Ursprung, um uns träumen zu lassen, zu reinigen, zu bezaubern, Fantasien zu erzeugen, um einen imaginären Duft der Vergänglichkeit zu zeichnen. Die Zeremonie wird wiederhergestellt, ein Ritual, das mit neuen Materialien und großen Gesten parfümiert ist. Die Kreation eines außergewöhnlichen Flakons ist eine Hommage an die Handwerkskunst und hat auch als alleinstehendes Objekt einen großen Wert. In einem geheimnisvollen Objekt, einer Amphora, ist die Urform des Parfums enthalten.“

Und ein weiteres schönes Zitat gibt es noch zu den Reflexionen di Méos:

„Der Verlauf des Lebens kann wahrhaftig in eine greifbare Form überführt werden: Sehnsüchte, Glaube, Stärken, Schwächen.“

Seine Kollektion verwirklichte der Designer in Zusammenarbeit mit Givaudan.

Fangen wir doch gleich mit den Düften an, die mir rein optisch natürlich sofort ins Auge stachen: Bello Rabelo und Bloody Wood. Beide gehören der Eaux Sanguines-Trilogie an:

„Diese Trilogie an Düften zieht ihre Inspiration aus dem heiligen Wein. Parfum wie Wein ist ein Gemisch, dessen Bestes durch menschliche Expertise und die Pflege der Natur kreiert werden. Diese Flüssigkeiten fließen durch die Venen imaginärer Charaktere, der Verkörperung moderner Helden. Eaux Sanguines, duftende rote Säfte, so berauschend wie die Leidenschaft, durchdringend wie eine Wunde oder ein Verrat, so heißblütig wie ein Sieg, ein triumphales Parfum!“

Bello Rabelo steht für „den Held von Porto“: „Dieser Duft ist ein Held, das lebendige Blut eines Kämpfers. Wie die Rabelo-Boote, die erst im Wind stark werden, hat er den Geschmack des Risikos und der unerschrockenen Abenteuer angenommen. Ein Parfum des Abenteuers.“bello_rabelo_eau_sanguine

… auch – des Abenteurers? Die Farbe ist göttlich: Ein Blutrot, ähnlich dem des legendären Nagellackes Rouge Noir von Chanel, der lange Jahre meine Farbe war. Die Ingredienzen: Kopfnote: Wein, Trockenfrüchte; Herznote: Balsamische Noten, Immortelle (Italienische Strohblume), Labdanum (Zistrose); Basisnote: Vanille, Hölzer, Benzoeharz.

Ja. Bello Rabelo ist auch ein Duft für – Abenteurer. Für mutige Herzen, kühne Charaktere und phantasievolle Träumer. Bello Rabelo strotzt frisch aufgesprüht bereits vor… Lebensfreude, Tatendrang, Charakter. Und zeigt sich als stolzer Duft voller Charisma: Überschäumende Beerennoten und ein paar Sauerkirschen vermählen sich hier mit dem deliziösen Aroma von sonnengetrockneten Früchten. Datteln? Feigen? In jedem Falle ruhen die Früchte allesamt in trockenem Rotwein, der dadurch an Tiefe und Körper gewinnt. Immortelle hat selbstverständlich auch ein Wörtchen mitzureden, denn wir haben es bei der italienischen Strohblume ja mit einer sehr prägnanten Note zu tun: Würzig-gewürzig, heu-trocken und ähnlich eigen wie Liebstöckel spaltet sie oft die Gemüter. Zu und in Bello Rabelo passt sie aber, und wie – sie fügt sich perfekt ein, während der Duft auf einer Basis von wärmenden Harzen, trockenen Hölzern und einer erlesenen Vanillecremenote ruht.

Rabelos e Ribeira do Porto no São João (9)

Mich erinnert Bello Rabelo dem Naturell nach an Lubins tollen Idole: Ein malerisch schöner und kräftiger Duft, den ich mir an beiderlei Geschlechtern vorstellen kann.

Bloody Wood, das blutige Holz, brilliert mit folgenden Zutaten: Kopfnote: Wein, Veilchen, Rose; Herznote: Wein, Fruchtige Noten, Kirsche, Himbeere; Basisnote: Hölzer, Sandelholz, Eiche.

Sandalwood | 365:11

Frisch aufgesprüht und… sofort bin ich mitten in meiner Kindheit gelandet: Woher kenne ich diesen pudrigen Rauch mit seiner satt-sanft-mehligen Süße? Ich muss nicht lange überlegen, mir fällt es sofort ein: Es ist natürlich Sandelholz und mich erinnert der Duft an die kleinen grünen Brennstoffkegelchen, die meine Mutter immer in unserem Räuchermännchen aus dem Erzgebirge verwendete und den ich damals schon so liebte. Eine glückliche und überaus heile Kindheitserinnerung, die mich sehr berührt. Rauchiges Sandelholz, getränkt in fruchtigen Rotwein mit deutlicher Kirschnote. Die Himbeere finde ich auch irgendwo im Hintergrund schillernd, der Rest ist mir aber schon fast schnuppe, weil der Duft ohnehin schon gewonnen hat.

Merry Christmas!

Was für ein Sandelholz! Bloody Wood ist herrlich – und eine Anschaffung wert. Das wäre dann seit langem der erste Sandelholzduft, der es in mein Repertoire schafft. Aber ich befürchte, er muss her.

Der Einstand von Les Liquides Imaginaires war perfekt – endlich einmal wieder ein innovatives Konzept, und dann eines von dieser Qualität… Ich bin sehr gespannt auf morgen – Ihr auch?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Goldschatz für Duftelstern: „8 88“ von Comme des Garçons

Geschrieben in Duft,Gewürziges am 4.11.2013

Vor einiger Zeit habe ich eine ganze Reihe Düfte von Comme des Garçons besprochen und dabei offensichtlich ein Pröbchen übersehen. Komisch eigentlich, da es in auffällige goldfarbene Folie eingeschweißt ist: „8 88“. Ich habe eine Weile herumgerätselt, was es mit dieser Zahlenkombination auf sich haben mag und kam auf die Idee, dass es sich um den Feingehalt von Gold handeln könnte. Dieser wird wie Freund Blutalkoholspiegel in Promille angegeben – also hätten wir es ja z. B. mit 888,0 ‰ zu tun haben können. Wie dem auch sei. Der Produkt- bzw. Pressetext lässt Folgendes verlauten:

Die Kreation 8 88 ist so individuell und unerwartet, wie man es von der Luxusmanufaktur seit jeher gewohnt ist: Die Umsetzung des Geruchs von purem Gold in ein Eau de Parfum.

Basierend auf Safraleine, einer molekularen Art des natürlichen Safrans, beschreibt 8 88 die Magie und den Glanz des Goldes mit erstaunlichem Erfolg: der Duft, akzentuiert durch Noten von Koriander, Geranium und Ambra, leitet uns durch eine perfekte olfaktorische Interpretation des Edelmetalles – in einem Augenblick absolut warm und einladend, im anderen jedoch ganz schnell auch kühl, distanziert und ehrfürchtig.
888
Werden auch Sie Goldgräber!

Die Farbe der Flüssigkeit vom Typ Blutorange sollte mit Bedacht aufgesprüht werden. Weiße Blusen und Hemden könnten fragwürdig aussehende Flecken davontragen.

Ein Blick auf die Duftnoten …
Kopfnote: Pfeffer, Safraleine, Kurkuma
Herznote: Koriander, Geranium
Basisnote: Ambra, Hölzer

… verrät uns, dass es sich um eine recht würzige Angelegenheit handeln muss. Der Givaudan-Stoff Safraleine wird ja im Produkttext bereits als safranähnlich beschrieben, auf der Herstellerseite von Givaudan weist man ihn als warm, lebendig, würzig, ledrig, tabakartig usw. aus, also als einen durchaus vielseitigen Duftbaustein.

Wie könnte ein Gold-Duft riechen? Alleine die Vorstellung finde ich schon relativ schwierig, da das Edelmetall vermutlich keinen ausgeprägten Eigengeruch haben dürfte. Schnuppert man am Duftstreifen und weiß, welche Idee dahintersteckt, wird auch diese Umsetzung klar.

The Lure Of Gold

Ein Goldduft muss warm sein, der Farbe wegen, die seit jeher mit der Sonne assoziiert wird. Ein Goldduft muss metallisch sein, auch dies ist ja olfaktorisch durchaus machbar. Und zu guter Letzt muss ein Goldduft leuchtend und glänzend, aber auch wertvoll sein. All diese Voraussetzungen finde ich in „8 88“ wieder! Die verschiedenen Gewürze verschmelzen zu einer glattpolierten Oberfläche unter Führung des warm-weichen Safranverwandten. Auch auf der Haut kommen sie gut heraus und es bleibt der Eindruck einer distanziert-kühlen Opulenz, wenn es so etwas überhaupt geben kann.

Auch „8 88“ bleibt dem bekannt hohen Niveau von Comme des Garçons treu. Antoine Lie gelang der Spagat, die minimalistischen und klaren Linienführung der Marke fortzusetzen, trotzdem aber auch der Idee des Goldes gerecht zu werden. Wirklich ein toller Unisexduft!

Wer kennt ihn von Euch?

Liebe Grüße
Harmen

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