Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Alle guten Dinge sind drei: Costume National, der “Rest”.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Solifloral am 3.09.2010

Heute also biete ich den Rest der Costume National-Düfte in meiner Rezension feil, wobei „Rest“ dem Ganzen nicht wirklich gerecht wird, assoziiert man mit „Rest“ doch Resterampe, Ladenhüter und Co. – das trifft auf die Düfte nun mal so überhaupt gar nicht zu.

Ich werde mich mal weiter entlang der chronologischen Reihenfolge bewegen, wie ich es gestern bereits begonnen hatte. Deshalb steht als nächstes Scent Gloss an, lanciert 2004, sowie Scent Cool Gloss, 2005 erschienen. Beide sind ebenfalls Werke des leider jung verstorbenen Laurent Bruyère und eine Fortsetzung, Erweiterung des ursprünglichen Scent-Trios.

„Wenn SCENT GLOSS ein Stoff wäre“, schwärmte Ennio Capasa, der Designer von Costume National (der natürlich auch für die schönen Flakons der Parfums verantwortlich ist), „wäre er roséfarben schimmernder Seidentaft.“

Das sagt schon viel aus – denn genauso in derselben Farbigkeit wie der Flakon des Duftes schimmert auch die Rose, welche in beiden Düften die Hauptrolle spielt: Eine junge, freundliche, helle, zwischen rosa und pink oszillierende Rose mit fruchtigen Anklängen. In Scent Gloss ist jenes Rose auf einem in allererster Linie weichen, zarten und sehr sauberen Moschusbett drapiert, und gewinnt durch Orchidee an samtiger Süße. Scent Cool Gloss dahingegen, der anstatt der Orchidee mit Sternanis und einer weiteren Rose aufwartet, ist dahingegen im Vergleich kühler und spritziger: Sternanis nehme ich nur abstrahiert als solchen wahr, und zwar in einer aquatisch anmutenden Frische, die mich ein wenig an die Anisinterpretation in Borsaris Mirra e Anice Stellato erinnert. Durch die doppelte Rose (es sind normale sowie bulgarische Rosen angegeben) liegt der Fokus in der Tat mehr auf jenen hellen Rosen, die mithilfe des Anis in ihrer wässrigen Fruchtigkeit verstärkt werden und tatsächlich einen „coolen“ Eindruck machen.

Beide Düfte sehe ich ausschließlich an Frauen, und hier eher jüngeren Alters – es gibt sicherlich sportlich-dynamische Frauen, denen der Duft unabhängig vom Alter steht, meines Erachtens nach wirkt er aber am schönsten an Jüngeren.

Bei 21 dürfen aber wieder alle mitmachen, versprochen ;) Es handelt sich hierbei um den Geburtstagsduft zum 21. Firmenjubiläum, der außerdem noch genau 21 Ingredienzen enthält: Bergamotte, Orangenblüte, Safran, Milch, Cumin, Pfeffer, Kaschmirholz, Gelée Royale, Muskatellersalbei, Moos, Weihrauch, Ambra, Sandelholz, Oud, Vetiver, Labdanum, Moschus, Vanille, Tonkabohne, Patchouli und Zedernholz.

Das erinnert mich auf den ersten Blick ein wenig an Guerlains Cologne du 68, angelehnt an die Hausnummer von Guerlain auf der Champs-Élysées, das ebenfalls 68 Ingredienzen enthielt. Jenes Cologne du 68 ist ein sehr angenehmer Duft mit einem interessanten Duftverlauf, der sich auch in meinem Besitz befindet, jenerwelcher mich immer ein bißchen an die phänomenalen Resteeintöpfe meiner Mutter erinnert: Aus allem, was sich noch fand und weg mußte, zauberte meine Mutter gerne mal eine Suppe oder einen Eintopf, der meistens vorzüglich mundete, aber so in keinem Kochbuch zu finden war und für den auch kein reguläres Rezept existierte.

In Guerlains Cologne du 68 ist ungefähr alles, was gut ist und demnach riecht der Duft auch einfach nur gut, auch wenn man natürlich die Masse der verwendeten Materialien nicht unbedingt herausriecht, wie auch?

21 stellt einen vor ähnlich unerreichbare Herausforderungen: Natürlich läßt sich nicht jede Ingredienz einzeln identifizieren, vor allem nicht, da der Duft eine herausragende Dichte an den Tag legt: 21 ist ein dicht gewebtes Ganzes, das wirklich, ja, milchig riecht. Karamellige Ambramilch mit holzig-herben Honignoten auf vanilleweicher Harzsüße.

Meine Lieben – ein echter Kracher und somit bei mir glatt auf Platz zwei gelandet hinter meinem Homme, den er für mich nicht stürzen kann. Ich bin mir aber sicher, daß die meisten anderen, darunter vor allem Ambra-Liebhaber, der 21 den Vorzug geben werden. Alles in allem eine sehr nette Reihe, die man durchaus einmal testen sollte!

Liebe Grüße und bis bald,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rose von Makio Kusahara, Morning Rose von Tomislav Alajbeg, beides via Stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Costume National…

Geschrieben in Duft, Gewürziges, Holziges am 1.09.2010

… ist nicht nur ein ganz hervorragendes Klamottenlabel, das mein Herz schon seit Jahren mit seinem minimalistischen Stil samt raffinierter kleiner Details erfreut – die Italiener haben auch eine ganze Duftkollektion im Programm, die wir neulich ins Sortiment unseres Shops aufgenommen haben.

Ich bin ganz ehrlich: Natürlich hatte ich diese, trotzdem ich das Label schon lange kenne und schätze, größtenteils noch nicht getestet. Warum? Weil ich, ich gestehe es, bei sogenannten „Mainstream“-Düften, die man in vielerlei Parfumerien bekommen kann, die flächendeckender lanciert werden, immer lediglich semi-interessiert bin und viele Düfte wie die zum Beispiel die 28. Auflage eines Escada-Sommerduftes gar nicht teste (in dem Falle schon auch weil ich das Label ganz gruselig finde…). Eine Voreingenommenheit, die nicht immer richtig und angebracht ist – sind es doch mitunter dieselben Parfumeure, die jene Düfte für die ganzen herkömmlichen Parfumerielabels herstellen: Annick Menardo beispielsweise, die Göttliche, hat neben Le Labos Patchouli auch Bulgari(s) Black gemacht, den kongenialen. Und darüber hinaus noch Diors Hypnotic Poison. Kurkdjian, den wir von seinem eigenen Haus kennen sowie von einigen Düften für Juliette has a Gun, von Indult, der sich verantwortlich zeichnete für Guerlains Rose Barbare und Acqua di Parmas Iris Nobile wurde als Jungspund bekannt mit seinem Meisterwerk für Gaultier, Le Male – und fertigte weiter fleißig noch weitere Düfte für Gaultier, Elisabeth Arden, Joop! und Konsorten.

Wie das kommt? Weltweit gibt es diverse Aroma- und Duftstoffhersteller, einige davon teilen sich den Großteil des Marktes, nämlich Givaudan, IFF, Firmenich, Symrise und Takasago (siehe Blogroll). Diese stellen nicht nur Duftstoffe für Parfums her, sondern eben auch Aromen für Hygieneartikel, für Wasch- und Putzmittel sowie für den Verzehr, ergo für Speisen und Getränke. Einige Labels und Firmen aus dem Parfumeriebereich gehören ohnehin schon zu diesen Konzernen, für andere fertigen ebendiese deren Düfte an – mit hauseigenen Parfumeuren, die je nach dem mal Waschmittel und mal Parfum machen, wobei die bekannteren Stars vermutlich nur noch im Duftbereich agieren und nicht die Limited Edition eines Spülmittels in der Sommersambavariante erfinden müssen. So arbeiten viele unserer angebeteten Parfumeure vom Laborsessel eines dieser Konzerne aus – und betreiben nebenher oder parallel ihre eigenen Projekte, Labels, Kooperationen whatever, in denen sie mehr Freiheit(en) haben.

Ich vergleiche das immer ganz gerne mit der Arbeit eines Malers: Viele Mainstreamlabels erheben mittels der Trendforschung bestimmte zyklische Präferenzen und machen demgemäße Vorgaben. Nehmen wir einmal an, diesen Sommer seien Lotosblüte bei Damen und Grapefruitakzente bei Herren en vogue, im Winter soll die Frauenwelt nach Vanillekipferl riechen und der Mann nach Spekulatius. Nach diesem Schema soll der Parfumeur dann arbeiten, er bekommt oft recht strikte Angaben bezüglich der Inhaltsstoffe und vor allem dem (Liter)Preis, den die Essenz nachher kosten darf – ein bißchen, wie wenn man einem Maler eine Leinwand in die Hand drückt, die die Maße 30 x 40cm hat, ihm eine Palette mit verschiedenen Blautönen gibt sowie weiß und grau, ihm einen Pinsel mittlerer Dicke spendiert und von ihm eine Wasserinterpretation japanischer Natur haben mag. Viel Spielraum bleibt da oftmals nicht, was nicht heißt, das nicht auch mal ein hervorragender Duft herauskommen kann. Häufig aber dürfen auch die Komponenten eben eine bestimmte Preisgrenze nicht überschreiten – was man dem endgültigen Ergebnis mitunter auch „anriecht“, ganz abgesehen davon, daß es darauf getrimmt ist, einer breite(re)n Masse zu gefallen.

Viele der sogenannten Nischenduftfirmen machen derlei Vorgaben nicht, sie lassen den Parfumeuren oft freie Hand bezüglich der Duftkreationen, sowohl was deren Geruch angeht, das Thema als auch die Inhaltsstoffe beziehungsweise deren Preis. Der Parfumeur darf hier häufig verwenden, was sonst selten zum Einsatz kommt: Seltene und teure, weil rare oder sehr schwer herzustellende Essenzen natürlicher und zum Teil auch synthetischer Art. Zum Beispiel nicht irgendeinen Weihrauch, sondern den Silberweihrauch aus dem Oman, der als der beste weltweit gilt, nicht irgendeinen Moschus, sondern eine jener ganz schwer herzustellenden sehr hochwertigen synthetischen Verbindungen. Oder Oud des Adlerholzbaumes, über dessen zum Teil auch traurigen Raubbau ich bereits hier erzählte. Oder jene typischen Essenzen – Iriswurzel, Tuberose und Jasmin, die zu den teuersten gehören.

Darüber hinaus sind die meisten Kollektionen nicht darauf angelegt, gefällig zu sein im Sinne von einer Kompatibilität mit dem Massengeschmack. Diese Düfte muß nicht jeder mögen, nein – davon war schon Carons Gründer Ernest Daltroff überzeugt, der um die Zwanziger des 20. Jahrhunderts Düfte wie Tabac Blond lancierte, den ersten Tabak-Leder-Duft für Frauen, der rauchenden Frau gewidmet (damals ein Affront!) oder En Avion, jenen abenteuerlustigen Frauen gewidmet, die zu jener Zeit Charles Lindbergh nacheiferten und Flugrekorde (weiblicher Piloten) aufstellten.

Jetzt habe ich furchtbar lange ausgeholt – und dargelegt, was ich an Nischendüften, den sogenannten, so liebe: Jene unkonventionellen kleinen und großen Firmen, die ihrer Tradition schon seit Jahrhunderten folgen und gleichbleibend exzellente Produkte produzieren oder jene, die Neues wagen, gegen den Mainstream – alles in jedem Falle mit viel Herzblut und oft manuell kreiert mit aus Liebe zum Produkt und dem Glauben daran, daß es deshalb seine Freunde finden wird.

Jedoch finden sich aus bereits dargelegten Gründen auch bei jenen Labels, die breiter verkauft werden, Juwelen – viele werden hier auch gleich die richtigen nennen, z.B. Hermès, die sich den Luxus leisten, Jean Claude Ellena, einen der größten Parfumeure unserer Zeit als Hausparfumeur zu leisten. Oder Bulgari, die für die Erschaffung ihrer Düfte durchweg nur große Namen beauftragen.

Bei Costume National durfte ich neulich auf einem Shoppingstreifzug mit einer Duftfreundin – an dieser Stelle ein herzliches Hallo an Jutta, falls Du mitliest! ;) – ein solches Juwel in der Kollektion entdecken: Deren letzter Streich, schlicht Homme genannt.

Ein toller Mann, wirklich – und ein ganz und gar ungewöhnlicher, was einen nicht wirklich wundert, wenn man mal einen Blick auf den Parfumeur wirft: Der bei IFF tätige Dominique Ropion, einer der großen Namen der heutigen Zeit. Und wie gestaltet er unseren Mann? Unaufdringlich, aber doch durchdringend und von atemberaubender Präsenz. Eine dichte Komposition mit säuerlich-frischen Zitrusfrüchten im Auftakt, die jedoch bald eintauchen ins das atmosphärische Geflecht des Duftherzens: Dominante warm-würzige Noten von süßlich-scharfem Zimt getragen von einem harzig-rauchigen Holzlager mit Sandelholz, Labdanum und Patchouli… Die Haltbarkeit ist, genauso wie der Duft superb – ganz klar heiratsantragsgefährdet, dieser Mann äh kaufgefährdet dieser Duft äh ich…

Verwirrt-benebelte Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Morgen und übermorgen geht es weiter mit der restlichen Kollektion!

Bildquelle: Cinnamon Sticks von YappsCotta via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Land des Donnerdrachens

Geschrieben in Blüten, Duft, Gewürziges, Leder am 26.07.2010

…heißt das Königreich Bhutan in der eigenen Landessprache. Wenn Ihr mich fragt, klingt es ein bisschen wie eine Mischung aus einem Harry Potter-Titel und einem Gericht auf der Speisekarte beim Chinesen um die Ecke. Letzteres trifft geographisch gesehen auf Bhutan auch wirklich zu. Natürlich nicht ins Form eines Restaurants. Nein, die Volksrepublik grenzt direkt an das kleine Königreich im Himalaya.

Etwas eingezwängt zwischen China und Indien ist das Land hoch droben in den Bergen ungefähr so groß wie die Schweiz. Etwa zwei Drittel davon sind auch heute noch bewaldet. Da in der Verfassung des Königreiches der Umweltschutz einen festen Platz einnimmt – Nachhaltigkeit ist hier das A und O – kann sich Bhutan über einen unglaublichen Floren- und Faunenreichtum freuen. Der Schutz der Umwelt kommt selbst vor wirtschaftlichen Interessen und Vorhaben. Thimphu, die Hauptstadt des Landes befindet sich im vorderen Himalaya auf etwa 2300m Höhe und zählt etwa 80.000 Einwohner. Angeblich ist sie die einzige Hauptstadt der Welt ohne eine einzige Ampel. Einzig zwei Kreisverkehre und einige Polizisten regeln den, ohnehin nicht sehr zahlreichen Verkehr. Die meisten Einwohner Bhutans, wie auch die Königsfamilie, gehören dem tibetischen Völkerkreis an. Staatsreligion ist der Buddhismus und die bhutanische Amtssprache nennt sich Dzongkha.

Womit wir beim eigentlichen Thema dieses letzten Reiseduftartikels angekommen wären. Denn Dzongkha ist nicht nur der Name der Amtssprache des kleinen südasiatischen Binnenstaates, sondern auch der einer Duftkreation Bertrand Duchaufours. Eine Reise in das hochgelegene Königreich mit seinen weit verbreiteten Klosterburgen (Dzongs) inspirierte den unternehmungslustigen Chefparfumeur von L’Artisan Parfumeur zu diesem Düftchen.

Duftnoten: Pfingstrose, Litschi, Kardamom, Chai-Tee, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Leder, Papyrus, Iris.

Da die Ergebnisse auf meiner Haut und dem Teststreifen sehr stark divergieren, möchte auf beide getrennt voneinander eingehen. Zuerst also der Teststreifen, der mich, das muss ich vorwegnehmen, ein bisschen enttäuscht hat. Hier dominieren zuerst intensiv herb-säuerliche Noten, zu denen sich, beinahe schleichend, süß-florale Nuancen gesellen, die schließlich in eine subtil-scharfe Würzigkeit übergehen. Mit der Zeit wird der Duft weicher, cremiger, ja fast milchig mit harzigen und holzigen Anklängen, stark weihrauchig. Viel zu schnell entschwebt Dzongkha dem Teststreifen, so dass ich mehrmals nachsprühen musste, um ihn in allen Facetten wahrnehmen zu können.

Ganz anders dagegen auf der Haut. Hier vernehme ich zuerst einen Duft, der mich spontan an Schnapspralinen denken lässt. Beim zweiten Schnupperer muss ich das allerdings revidieren: es ist Whiskey. Eindeutige Whiskeynoten duften mir da entgegen, würzig untermalt von Kardamom, der deutlich wahrnehmbar ist. Beinahe fließend ist der Übergang zu den Chai-Teenoten, in denen sich der Kardamom immer noch findet, die aber weitaus weicher, ja milchig-süßlicher erscheinen. Buttrige Iris kommt hinzu und unterstreicht in all ihrer erdigen Cremigkeit die warmen Milchnoten des Gewürztees. Doch das Schwertliliengewächs kommt nicht alleine. Im Schlepptau hat sie einen ihrer liebsten Kompagnons: samtig-weiches Leder. In diesem Fall, muss ich sagen, hat das Töpfchen sein Deckelchen gefunden. In harmonischer Eintracht schmiegen sich die beiden Duftnoten aneinander, verschmelzen und ergeben in einer wunderbaren Melange eine dermaßen prächtige Lederiris, so hell, so cremig-weich, dass ich meine Nase nicht mehr von meinem Arm wenden kann. Wunderschön! Lange, lange Zeit bleiben die beiden sich selbst überlassen, genießen ihr duftendes Glück, bis schließlich von Ferne dezente Weihrauchwölkchen vorbeischweben, gespickt mit ein paar salzig-skinnigen Vetivertupfern. Einfach umwerfend!

Ich kann es nicht anders sagen: hin und weg bin ich vom letzten Reisedüftchen, zumindest auf meiner Haut. Ja, Dzongkha und meine Hautchemie liegen wohl auf einer Wellenlänge. Ob da auch das Töpfchen sein duftendes Deckelchen gefunden hat? ;-)

Die warme Jahreszeit ist meiner Meinung nach für den Duft nicht ganz optimal (fast würde ich mir wünschen, es wäre schon Herbst), dafür ist er in der kühleren Hälfte des Jahres absolut alltagstauglich. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen! :-)

Damit wären wir am Ende unseres kleinen Ausfluges in die L’Artisansche Travel-Series. Wie findet Ihr denn die Düfte? An welchem Ort gefällt es Euch olfaktorisch am besten?

Einen schönen Wochenstart wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Himalayan Landscape in Bhutan von Jan und Taktshang von Douglas J. McLaughlin – some rights reserved. Vielen lieben Dank!


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Jenseits von Afrika

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Holziges am 23.07.2010

Auf unserer zweiten Duftreise entführt uns Herr Duchaufour auf den schwarzen Kontinent, genauer: nach Mali. Der westafrikanische Staat blickt einer düsteren Zukunft entgegen. Ohnehin bereits eines der ärmsten Länder der Welt, breitet sich die Sahara, die bereits zwei Drittel der Landesfläche ausmacht, von Norden her immer weiter gen Süden aus. In den nördlichen Regionen Malis ist daher die Selbstversorgung der Einwohner durch Tierhaltung und Pflanzenbau nur unter äußerst schweren Bedingungen möglich. Im Süden ist die Situation noch etwas entspannter. Es kommt häufiger zu Niederschlägen, was die landwirtschaftliche Lage erleichtert, aber dennoch nicht einfach macht.

In Hinblick auf die heutige Situation des Landes ist es kaum vorstellbar, dass Mali vor einigen Jahrhunderten einmal ein mächtiges und reiches Handelszentrum war, ja, gar eines der wichtigsten Afrikas. Das Reich Mali bezog seinen Reichtum hauptsächlich aus dem Gold- und Salzhandel und den damit verbundenen Transportsteuern. Handelsstädte, wie Timbuktu, strotzten nur so vor wirtschaftlichem Reichtum und kultureller Blüte. Weit über die Landesgrenzen hinweg waren sie berühmt und von einer legendären Mystik umgeben, die sich bis in die heutige Zeit hält. Vom Prunk und der Pracht vergangener Zeiten ist im heutigen Timbuktu kaum mehr etwas zu entdecken. Armut, Arbeitslosigkeit und Bürgerkriege haben ihre Spuren hinterlassen. Die Nachwirkungen lassen so manchen der meist amerikanischen Touristen, die der Stadt mit dem klangvollen Namen einer reichen Vergangenheit einen Besuch abstatten, enttäuscht nach Hause zurückkehren.

Nicht amerikanisch, aber trotzdem Tourist war Herr Duchaufour als er das Land am Niger vor einigen Jahren besuchte. Wie ihm die Stadt rein optisch gefallen hat, darüber haben wir leider keine Auskünfte, aber zumindest muss Timbuktu ein olfaktorisches Erlebnis gewesen sein; inspirierte die Stadt den L’Artisanschen Chefparfumeur doch zu einer gleichnamigen Duftkreation, die schließlich als Teil der bereits mehrfach erwähnten Travel-Series vom französischen Parfumhaus lanciert wurde. Hauptinspirationsquelle war hier wohl das sogenannte Wusulan, eine traditionell-westafrikanische Mischung aus Gewürzen, Hölzern, Wurzeln und Harzen, die zur Heimbeduftung sowie als Parfumersatz dient. Die geheimen Rezepte variieren von Familie zu Familie und werden stets von Mutter zu Tochter weitergegeben. Das Wusulan soll nicht nur für gute Raumluft sorgen, sondern nebenbei auch aphrodisisch wirken und so das Glück und die Liebe in der Familie halten.

Die Duftnoten: Mango, Rosa Pfeffer, Kardamom, Weihrauch, Karo Karounde, Papyrus, Patchouli, Benzoeharz, Myrrhe.

Frisch aufgesprüht dominieren zuerst fruchtig-säuerliche Noten, die ich der Mango zuschreiben würde. Alsbald gesellen sich trocken-scharfer Pfeffer und würziger Kardamom hinzu. Letzterem fehlt hier allerdings die aromatisch-frische Note, weshalb ich in diesem Fall nicht auf grünen Kardamom tippen möchte, sondern mehr auf die würzige schwarze Sorte. Im Hintergrund vernehme ich zart-grünliche Nuancen, die ich auch auf die Mango zurückführen würde. Weihrauch tritt deutlich hervor, umspielt von süßlich-floraler Karo Karounde, die dem balsamisch-würzigen Räucherwerk einen Hauch Exotik verleiht. Papyrus setzt zudem trocken-holzige Akzente. In der Basis sorgen Patchouli und Myrrhe für eine wohlige Wärme, in der ich leicht-zitrische Noten wahrnehme, während Benzoeharz subtil-zartbitterschokoladige Momente erzeugt.

Um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen überrascht ob der doch tatsächlich vorhandenen Leichtigkeit des Duftes. Für einen Weihrauchduft erscheint er mir recht transparent, da hätte ich anhand der Duftnoten und der Wusulan-Assoziation etwas Durchschlagenderes (nicht unbedingt gewünscht, aber doch) erwartet. Überraschend also in Hinblick auf die Intensität. Die Damen und Herren von L’Artisan Parfumeur selbst stufen den Duft als „wild, yet sophisticated“ ein. Ich würde statt wild vielleicht eher ungewöhnlich sagen, aber bei sophisticated stimme ich zu. Elegant, komplex, raffiniert. Timbuktu ist gänzlich entspannt und in sich ruhend; kein Duft, der mit der Tür ins Haus fällt, vielmehr entwickelt er sich langsam und gemächlich (sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut) ohne aufdringlich zu wirken. Und bleibt seinem Träger auch sehr lange erhalten. Selbst nach dem Duschen duftete mein Arm noch deutlich danach.

Ein sehr schön gemachter Weihrauchduft, aber in meinem persönlichen Travel-Series-Ranking muss ich Timbuktu dennoch leider, leider auf den zweiten Platz verweisen; hinter Fleur de Liane, meinen neuen tropisch-grünen Dschungelfreund. :-)

Ein schönes Wochenende wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Caravan approaching Timbuktu in 1853 aus Travels and Discoveries in Northern and Central Africa von Prof. Dr. Heinrich Barth und Incense von Birdy – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Borsari Arte Teil 3 – zu guter Letzt…

… noch die drei letzten Düfte der Borsari Arte Kollektion, wie versprochen. Und, natürlich – mein persönlicher Liebling, aufbewahrt bis zum Schluß.

Aber fangen wir doch zuerst mit Mirra e Anice Stellato an. Hier hat die nette Parfumeurin von Borsari, die wir auch auf der Messe kennenlernen durften, doch ein kleines Wunder geschaffen: Einen Anis, der mir nicht zu penetrant ist. Ich mag Anis, ehrlich. Aber – ein Duft mit Anis, vielleicht gar: Anis als Hauptdarsteller, ist mir oft unerträglich, so zum Beispiel Etros Anice. Ich besaß ihn einmal und, ja, ein schön gemachter Duft, sicherlich. Ich persönlich fühlte mich immer, als hätte ich in Ouzo gebadet, dem Lieblingsschnappes der Griechen. Ganz abgesehen davon, daß das Polizeikontrollen beim Autofahren sicher wenig zuträglich gewesen wäre… war Anice einfach nicht für mich gemacht.

Mirra e Anice Stellato ist anders. Bereits am Anfang offenbart der Duft sein eigentliches Naturell: Klar und lupenrein zeigt er sich, dynamisch und frisch. Zitrische Bergamotte, weich umgesetzt, in Verbindung mit luftigem Anis von sanfter Würze. Holzig-florale Noten untermalen die leichte Süße von Myrrhe und Anis, welche in ihrer Interpretation annähernd maritim (nicht aquatisch!) auf meine Nase wirken.

Ein sehr ansprechender Duft – einerseits unkompliziert, andererseits aber doch auch besonders genug, um sich von der Masse abzuheben. Kein Mainstream, aber sehr gefällig für die Nische – und ich meine das jetzt positiv. Ich kann mir gut vorstellen, daß ihn deshalb viele Männer mögen. Hinzu kommt die ihm eigene sportliche und doch würzige Frische. Mirra e Anice Stellato ist kein typischer Frauenduft (er ist neben Assenzio auch der einzige als Männerduft deklarierte in der Linie), kann aber ohne Probleme auch von Frauen getragen werden.

Der zweite im Bunde ist Black Calla, von mir bereits in meinem Messebericht als mein Liebling deklariert nach kurzem Test. Jetzt, nach ausführlichem Test, muß ich revidieren – er rutscht auf Platz drei. Das macht aber gar nichts, liegt es einzig und allein an meiner subjektiven Präferenz und daran, daß ich persönlich momentan der Orientalen auf meiner Haut ein wenig überdrüssig bin.

Ändert absolut nichts daran, daß Black Calla ein gelungener Vertreter derselben Gattung ist. Hinter der schwarzen Calla, die wohl bis dato olfaktorisch noch nicht erschlossen war, wie der Vertreter behauptete, versteckt sich ein (Fl)Orientale mit einer starken Patchoulidominanz, der anfänglich mit ein paar Hesperiden aufwartet, die jedoch fast zeitgleich bereits von aromatisch-warmen Noten begleitet werden. Würze und Wärme prägen denn auch den Duftverlauf, der sich weite Teile vor allem um den herrlich süßen, mal mehr likörig und mal mehr pudrigen Patchouli sowie das Blütenbouquet dreht. Die Basis intensiviert den Eindruck des Patchouli, indem sie dessen Interpretation unterstreicht und verstärkt.

Ein hübscher, wenn auch nicht vollkommen ausgefallener Duft – muß ja aber auch nicht. Für Orientalenfans auf jeden Fall einen Versuch wert – und nicht nur für die.

Ziemlich ausgefallen weil meines Erachtens nach noch nie so dagewesen ist für mich aber Assenzio. In einem Satz – Birne, Pflaume, Weihrauch. In genau dieser Reihenfolge. Ich liebe Birne, ich liebe Pflaume und ich liebe Weihrauch. Von den ersten beiden gibt es viel zu wenige (gute) Düfte, vor allem von und mit Birne. Und Weihrauch mit ins Spiel zu bringen ist ein genialer Schachzug – Weihrauch harmoniert nämlich hervorragend mit Früchten, wie unlängst wieder mit Wazamba von Parfum d’Empire bewiesen wurde. Sicher, da sind natürlich noch ein paar mehr Noten, vor allem zimtige Ambra, die das ganze vortrefflich erdet, Zedernholz oder ein wenig herber Absinth aber… vornehmlich darf man sich bitte auf den „Dreisatz”, den besagten einstellen. Und der kann nicht nur was, sondern auch erstaunlich lange – die Haltbarkeit ist exzellent.

Für mich definitiv fbw – full bottle worthy.

Die Ingredienzen:
Mirra e Anice Stellato: Kopfnote: Bergamotte, Sternanis; Herznote: Lotosblüte, Myrrhe
Basisnote: Moschus, Vetiver, Zedernholz.
Black Calla: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Pfeffer; Herznote: Patchouli, Lavendel, Jasmin, Calla
Basisnote: Moschus, Vanille, Hölzer.
Assenzio: Kopfnote: Pflaume, Birne, Weihrauch; Herznote: Birne, Zedernholz, Absinth
Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Eichenmoos.

Alles in allem eine, wenn in Gänze betrachtet, durchgängig gelungene Kollektion. Bin gespannt auf Eure Meinungen!

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Spice Rack 1 von Meghan Anderson-Colangelo via stockxchng, Fruits Market 1 von Gerhard Taatgen jr. via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Carpaccio…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Gewürziges, Hesperiden am 30.04.2010

Diptyque L'Eau de Tarocco… ist rohes, hauchdünn geschnittenes Rinderfilet, das meist in Begleitung einer (unter Umständen verschieden gearteten) Sauce serviert wird. Eine italienische Delikatesse, benannt nach einem Landsmann, dem venezianischen Maler Vittore Carpaccio – und zwar von Guiseppe Cipriani, dem Besitzer von Harry’s Bar in Venedig. Eine Affinität zur Malerei schien er zu haben, der Herr Cipriani, erfand er doch auch den gleichfalls nach einem Maler benannten Drink Bellini – und eben besagtes Carpaccio.

Da sich das Carpaccio großer Beliebtheit erfreut und bekannter ist als sein Namenspate, hat es vielerlei Varianten und Variationen, die mit dem eigentlichen Kern der Sache, dem (Rind)Fleisch, nicht mehr allzu viel zu tun haben. Aber: Diverse Variationen sind eine echte Alternative für Menschen wie mich. Ich bin nämlich Vegetarier. Ergo kommt für mich auch das mediterrane Äquivalent zum japanischen Sashimi nicht in Frage, das Fisch-Carpaccio. Dafür liebe ich im Sommer, der sich ja vielleicht auch noch bei uns blicken läßt, Früchte-Carpaccio. Und zwar in jeglicher Form und Ausprägung. Auch wenn ich selbst so oft zu faul bin, welches herzustellen – Smoothies gehen ja doch immer schneller ;)

taroccoFrüchte-Carpaccio ist aber genau jene Assoziation, die ich als allererstes mit dem neuen Diptyque Cologne Eau de Tarocco verbinde. Bereits die drei ersten Colognes, die ich vor nicht allzu langer Zeit rezensierte und die 2008 erschienen waren, stießen bei mir auf Wohlwollen: Einfach schön waren sie, haltbarer als erwartet und durchaus gelungene und innovative Variationen der altbekannten Cologne-Thematik – eines wie ich finde nicht unbedingt einfachen Bereichs…

Mit Eau de Tarocco ist Olivier Pescheux, dem Parfumeur, nun erneut ein Wurf gelungen. Die Kopfnoten präsentieren sich saftig-zitrisch, eine opulente Riege frischer Blutorangen- und Grapefruitschnitze, über welche sich wenige Augenblicke später Rosenwasser ergießt. Alsbald kommen die Gewürze mit ins Spiel – Safran und schärfender Zimt sowie fruchtig-herber Ingwer, die in der Basis von pudrigem und leicht wärmendem Moschus abgerundet werden, welcher durch Zedernholz und Weihrauch sauber-holzig ausbalanciert wird.

tarocco3Alles in allem ein absolut zeitgemäßes Stilleben, opulent auf einer großzügigen Blatte angerichtet. Das Eau de Tarocco hat alles, was ein modernes Cologne braucht: Leichtigkeit, Frische und Simplizität als auch Würze, Tiefe und Komplexität. Darüber hinaus stellen die herb-fruchtigen Noten einen willkommenen Twist zu dem ansonsten eher klassisch zitrisch gelagerten Thema dar. Ich als alter Colognefan finde es ziemlich schön – und hätte mich nicht gewundert, hätte ich gelesen, daß sich z.B. Duchaufour mit Eau de Tarocco an der Colognefront versucht hätte… Ich werde mir den Namen Pescheux mal gesondert merken… und bin gespannt, was außer Artek Standard für CdG sowie dem neuen Vetyverio für Diptyque von ihm in absehbarer Zeit sonst noch so auf dem Nischenmarkt bewerkstelligt wird…

Die Ingredienzen: Blutorange, Grapefruit, Rose, Zimt, Ingwer, Weihrauch, Zedernholz, Moschus.

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Fruit von Lize Rixt, Sunburst von Steve Knight, Color Flow von Asif Akbar – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Nur ein einziges Mal…

Geschrieben in Duft, Gewürziges, Gourmand, Orientalen am 16.02.2010

… im Jahr trage ich manche meiner Düfte. Aber wehe, sie wären an genau diesem einen speziellen Tag dann nicht greifbar für mich… Kennt Ihr das? Ich habe einige Düfte in meinem Repertoire, bei denen ich mich dann auch redlich bemüht habe, sie mir mit einer Freundin zu teilen, mir eine halbe Flasche zu ertauschen oder ähnliches… weil ich weiß, daß ich im Leben nie eine komplette Flasche verbrauchen werde, ganz im Gegenteil: Sie sind Teil einer Spezialeinheit, die ein paar Mal (an ein bis zwei Händen abgezählt), manche davon aber wirklich auch nur ein Mal im Jahr zum Einsatz kommt. Habt Ihr auch solche Düfte? Und wenn ja, welche?

arabieEin ganz typischer dieser Kandidaten ist bei mir Serge Lutens’ Arabie. Arabie stammt noch aus der alten Garde, er ist einer der frühen Düfte aus der Lutenschen Exportkollektion – und ich hoffe, er bleibt dort immer drin. Nachdem erst neulich die Ankündigung der Einstellung einiger Düfte die Liebhaber in den Foren erschreckte – verschwinden werden: Santal Blanc (und nicht Clair de Musc, wie ursprünglich verlautet wurde), Douce Amère, Chypre Rouge und Miel de Bois. Jetziger Stand der Dinge ist – sie verbleiben alle in der Pariser Kollektion. [Edit: Der neueste Stand: Nur Miel de Bois ist betroffen.] Aber – kommen wir zurück zu Arabie.

arabie2Inspirationsquelle für Arabie war, das ist jetzt nicht wirklich schwer, der Orient, das Morgenland, die arabische Welt: 1001 Nacht, Haremsdamen im Serail der Kalifen und Sultane, flirrende Hitze und Wüstensand, Basare, Gaukler und Händler. Was Fundament für Märchen, Legenden und Filme war und Abenteurer aus aller Welt anzog und immer noch zieht, wurde in Arabie von Lutens zu einem Duft verwoben.

Arabie war eine meiner ersten Begegnungen mit dem Nischenduftmarkt und verkörpert für mich annähernd alles, was ein guter Nischenduft können muß. Versteht mich nicht falsch – man muß Arabie nicht mögen. Aber neidlos anerkennen, welche Emotionen und vor allem Vorstellungen Arabie wecken kann, welche Bilder Arabie vor Augen ruft: Arabie schafft es mit einem Sprühstoß, einen kompletten arabischen Basar vor meinen Augen auferstehen zu lassen mit Ständen aus altem Holz, prall gefüllt mit allerlei Gewürzen in leuchtenden Farben, mit bunt gekleideten Menschen, exotisch anmutenden Früchten, Tieren und alten Möbeln – genau so einen Markt, wie ich ihn auf Reisen in Nordafrika schon besucht habe und wie ich ihn bereits aus alten Abenteuerfilmen in Kodakfarben kannte…

arabie1Einmal, mindestens einmal im Jahr brauche ich das. Arabie, der als Orientale fungiert, hat laut Lutens folgende Ingredienzen: Zedernholz, kandierte Mandarinenschale, getrocknete Feigen und Datteln – ich rieche da aber noch einiges mehr. Sofort beim Sprühen entfaltet Arabie seinen Glanz und seine Opulenz: Hölzer und Harze nimmt man wahr genauso wie getrocknete Früchte samt der ihnen eigenen Süße – alles in einer Präsenz, die einen fast schwindeln macht. Gewürze meine ich zu erkennen, Muskat und eventuell eine Prise Kumin, Sandelholz und ein wenig Ambra könnte sich auch in der Basis verbergen. Es ist sehr schwierig, Arabie komplett zu analysieren, da er so „reich” ist und homogen in seiner Vielfalt.

Ein starker sonniger Duft für – besondere Momente finde ich. Bitte vorher testen, Arabie ist sehr speziell. Er ist sicher „unisex”, wobei man dieses verwaschene Wort mit solch einem Duft zusammen nicht verwenden sollte. Er ist – tragbar für Männlein wie Weiblein aber bedarf sicher einer gut gewählten Gelegenheit beziehungsweise eines Anlasses…

Hängt Euer Herz auch an einigen „alten” Lutens-Düften? Und welches sind Eure (generellen) Lieblinge aus der Lutens-Kollektion?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquellen, von oben nach unten: Vielen herzlichen Dank an Kavewall sowie Simon Gurney für das Foto Topkapi Palace und Yvan Lagarrigue für sein Basar-Foto via stock.xchng!

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Monocle Scent Two: Laurel.

Geschrieben in Duft, Fougère, Gewürziges, Grünes am 14.01.2010

Wie versprochen kommen wir erneut zum Thema Comme des Garçons: Frau Kawakubo, Mastermind hinter dem Label, scheint dieses Jahr mal wieder omnipräsent zu sein auf dem Parfummarkt. Daphne, der Duft für und in Kooperation mit Daphne Guinness, Artek in Cooperation mit dem gleichnamigen dänischen Designermöbelfabrikanten, Dover Street Market für den eigenen In-Store in London – und jetzt auch noch ein neuer Monocle.

Duftkooperationen sind ganz Comme des Garçons’ Ding: Ein bißchen wie bei Celebrity-Düften profitiert man hier gegenseitig vom guten Ruf und Namen, allerdings steckt dahinter doch etwas mehr. Die Selektion der Kooperationspartner ist mit Bedacht gewählt, und das zu Recht – unterstreichen sie doch genau das, was das Label Comme des Garçons eigentlich ausmacht: Comme des Garçons ist Design und keine Mode im klassischen Sinne, ist vielmehr Weltzugang, Art zu leben, Lebensstil. So passen all jene bisher lancierten duften Kooperationen auch ganz hervorragend ins Konzept – es handelt sich durchgängig um Düfte für sehr spezielle Charaktere und Persönlichkeiten, Düfte für Hersteller von Gebrauchs- und Luxusartikeln mit identischer Auffassung von Design, ähnlicher Philosophie oder auch Düfte für „Kulturschaffende”, so auch Monocle.

Monocle Scent Two LaurelZusammen mit dem Nachrichten- und Lifestyle-Magazin kreierte Kawakubo bereits 2008 einen ersten Duft, Monocle Scent One: Hinoki (nach der japanischen Hinoki-Zypresse). Verantwortlicher Parfumeur war Antoine Maisondieu, verantwortlich für etliche der Düfte des „Pop-Art”-Labels L’État Libre d’Orange. Dieser war auch für den zweiten Monocle-Duft zuständig – Scent Two: Laurel.

Inspiriert wurde der Duft wohl durch einen Trip nach Bekaa Valley, einer Hochebene in der Nähe Beiruts und einer der fruchtbarsten Gegenden des Libanons. Tyler Brûlé, der Chefredakteur, beschreibt die Intention folgendermaßen: Wir wollten die Gerüche und Empfindungen einfangen, die wir während unseres Aufenthaltes bei Freunden in Batroun, Libanon, genießen durften. Regelmäßige Besucher des Libanon wird der Duft an die an die handgefertigten Lorbeer-Seifen und duftenden Gärten in Byblos erinnern. Er ist warm, einladend und zeitweise ein wenig scharf – genau wie das Land.”

Und Adrian Joffe, CEO von Comme des Garçons Parfum, verfällt noch mehr ins Schwärmen: „Von den mehr als 50 Düften, die ich kreiert habe, ist dieser wahrscheinlich mein Dauerfavorit. Ich trage ihn jeden Tag seit seiner Fertigstellung und ich habe ungeduldiger als sonst darauf gewartet, dass er herauskommt. Außerdem hat er in mir den Wunsch geweckt, den Libanon zu besuchen.”

Nun, was soll er auch anderes sagen, der CEO von Comme des Garçons ;) Ich teste lieber gleich selbst. Und muß zugeben, daß mich Lorbeer in der Tat neugierig macht – zusätzlich zu der Grundneugierde, die im Zusammenhang mit Comme des Garçons bei mir ohnehin sofort immer geweckt wird.

Laurel gefällt mir außerordentlich gut muß ich sagen, obgleich ich jedem nur empfehlen kann, den Duft direkt auf der Haut zu testen: Bei mir entpuppte er sich als absolutes Chamäleon, Teststreifen und Hautstellen differierten sehr in Duftverlauf, Ausprägung und Intensität. Wenn ich aber schon von Intensität spreche, kann ich auch gleich auf die Haltbarkeit des Duftes verweisen – eine solche ist definitiv gegeben.

Laurel startet extrem pfeffrig, grün und frisch. Allerdings Frische nicht im Sinne von Hesperidenfrische sondern eine von Kräutern herrührende Frische, die einen annähernd mentholischen Charakter besitzt. Dazu gesellen sich Lorbeer, frische Gewürze, eine Spur Muskat vielleicht, Nelke könnte ebenfalls mit von der Partie sein, darüber hinaus ist ein Hauch Weihrauch zu vernehmen. Der Hintergrund ist holzig-streng und stark von Zeder dominiert. Er gewinnt im Duftverlauf an Präsenz sowie an Sanftheit und führt auf eine sehr trockene Basis, die Anklänge von Patchouli und warmer, aber lediglich sehr verhalten süßer Ambra aufkommen läßt.

Alles in allem ist Laurel genauso „trendy” gelungen wie Hinoki: Ein moderner, minimalistischer Duft, zeitlos und puristisch. Beide Düfte sind in jedem Falle die ideale Wahl für kontemplative Momente, wohnt ihnen doch etwas sehr Aufgeräumtes, Reines, Geordnetes (?) inne.

Ich halte Laurel für einen bemerkenswert innovativen und sehr tragbaren Duft – aufgrund seiner Frische sicher vor allem im Frühjahr/Sommer schön, ist er ganzjährig tragbar, für Männlein wie Weiblein obgleich er vermutlich im Allgemeinen das männliche Geschlecht eher für sich einzunehmen vermag aufgrund seiner krautigen Herbheit. Wenn es mal nicht der xte Fougère-Duft sein soll und/oder eine moderne(re) Interpretation einer demgemäßen Richtung – bitte zugreifen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle, some rights reserved.

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Es weihnachtet…

Geschrieben in Blüten, Duft, Gewürziges, Orientalen am 24.12.2009

Heute ist der Tag nun gekommen – Weihnachten. Ich hoffe, alle von Euch haben Ihren Besorgungsmarathon ohne großen Streß und noch größere Nervenverluste hinter sich bringen können, um sich jetzt ganz dem Weihnachtsfeste und der Geruhsamkeit der folgenden Feiertage hinzuwenden.

Wie jedes Jahr ist die Weihnachtszeit bei mir immer eine (selbst)reflektierende, bisweilen sentimentale, häufig durchaus nostalgische Periode und so sind mir dieser Tage einige Weihnachtsklassiker wieder eingefallen.

Eine meiner Tanten wohnt schon seit über vierzig Jahren in den Staaten und beehrt meine Familie und mich seit Jahrzehnten mit riesigen Päckchen – zu Ostern, zu Geburtstagen und, die größten Päckchen, zu Weihnachten. Als Kind war es für mich alljährlich ein Erlebnis, diese großen Pakete zu öffnen. Was hierzulande oft als Kitsch bezeichnet wurde, begeisterte mich: Bunteste Weihnachtskugeln, wallende Prinzessinnengewänder – meine Tante wußte schon sehr genau, wie man kleine Mädchen erfreut. Auch Bücher waren häufiger darunter und so machte ich bereits früh die Bekanntschaft mit meiner bis heute liebsten Weihnachtsfigur: Rudolph, das rotnasige Rentier.

Ohnehin mag ich Geschichten um Outlaws und habe eine ausgeprägte Sympathie für Underdogs. Rudolph war wahrscheinlich einer der ersten Außenseiter in meinem Leben, der mein Herz im Sturm eroberte – genauso wie die Herzen vieler vieler anderer Kinder. Bereits seit 1822 wußte jedes (zumindest amerikanische) Kind, daß der Schlitten von Santa Claus, dem Weihnachtsmann, von acht Rentieren gezogen wird, die auf die Namen Dancer, Donder, Dasher, Prancer, Vixen, Comet, Cupid und Blitzen hören und der Geschichte „A visit from St. Nicholas” (oder auch: Twas the Night before Christmas) des New Yorker Dichters und Professors Clement Clarke Moore entstammen. Etliche Jahre später, 1939, gesellte sich Rudolf als Rentier Nummer Neun dazu, erfunden von Robert L. May im Auftrag der amerikanischen Kaufhauskette Montgomery Ward. Diese hatte eine Haustradition: Als Werbegeschenk überreichte man den hauseigenen Kunden jedes Jahr zu Weihnachten ein Kinderbuch. Irgendwann wurde beschlossen, diese Bücher nicht mehr einzukaufen, sondern selbst als Herausgeber zu fungieren und so erfand May als Angestellter des Hauses die Geschichte von Rudolph: Das Rentier Rudolph, das als einziges eine rote Nase hat und wegen deren Leuchtkraft ausgegrenzt und aufgezogen wird von seinen Artgenossen. Bis zu dem Weihnachten, das so neblich ist, daß Santa Claus nur mit Hilfe Rudolphs die Geschenke rechtzeitig ausliefern kann – Rudolphs Nase nämlich leuchtet ihm den Weg. Und so wird Rudolph zum ersten Rentier, das fortan an vorderster Position den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen darf.

Bei youtube.com, der unerschöpflichen Quelle, habe ich sogar den Cartoon von Max Fleischer dazu gefunden, der mich als Kind so faszinierte – vielleicht werden ja auch bei Euch Reminiszenzen wach?


Ebenfalls ein Klassiker ist natürlich Carons Nuit de Noël. 1922 kreiert von Caron-Besitzer und Selfmade-Parfumeur Ernest Daltroff, erfreut sich der Duft bis heute vieler Fans, sagt nicht nur Lagerfeld von sich, daß er im Dezember keine anderen Parfums außer Nuit de Noël verwende…

Caron war schon immer ein Haus von und für Exzentriker und von dem Freigeist des federführenden Inhaberpärchens geprägt: Ernest Daltroff, Sohn aus reichem Hause, weitgereist und mit einer ausgeprägten Leidenschaft für Parfums und seine Frau und Muse Félicie Vanpouille, Modemacherin und Designerin, die seit ihrem Einstand bei Caron den, wenn man so will, PR- und Marketing-Bereich übernahm. Sie schrieb und zeichnete alle Annnoncen selbst, überlegte sich die Namen der Düfte und kreierte deren Flakons und Verpackungen. Dank ihrer Mitarbeit kamen die Geschäfte langsam in Schwung und Caron avancierte zu einem der ersten Häuser der damaligen Zeit – einem Ruf, von dem das Haus bis heute zehren kann. Ein durchschlagender Erfolg war etlichen Düften beschert, so unter anderem dem 1911 erschienen Narcisse Noir, der Stummfilmdiva Gloria Swanson gewidmet, 1919 erschien Tabac Blonde, Daltroffs Huldigung an die rauchende Frau – damals mitnichten gesellschaftlich akzeptiert – , 1927 En Avion und in den Fünfzigern Coup de Fouet, der Peitschenhieb, mein Liebling – um nur einige zu nennen.

Nuit de Noël war ebenfalls ein Bestseller, in dem Jahrzehnt der Zwanziger einer der wichtigsten Düfte überhaupt – soviel einmal zur, wie ich finde, beeindruckenden Geschichte.

Ihr seht, das Outlaw-Thema läßt mich heute bei den Klassikern auch nicht los ;) Ich verehre Caron als Haus – ich liebe diese Exzentrik, die Intention, die Düfte besonderen Menschen zu widmen und nicht jedem gefallen zu wollen. Und ich liebe die durchweg ausgefallenen alten Caron-Düfte, die der Odem vergangener Zeiten umweht. Ich scheue mich, hier das Wort old fashioned zu verwenden – sie sind es, ja. Aber sie sind nicht altmodisch in und mit dieser negativen Konnotation wie wir das Wort gerne verstehen. Nein – die Düfte sind nostalgisch. Aber all jenen Klassikern merkt man bis heute an, welch famose Parfumeurskunst dahinter steckt. Und tragbar sind sie alle noch bis zum heutigen Tage, ganz selbstverständlich – können sie qualitativ ohne weiteres mit dem mithalten, was uns der Markt dieser Tage so präsentiert.

Nun, was Nuit de Noël angeht, rekurriere ich gleich nochmals auf Clement Clarke Moore und den Anfang seiner Geschichte, welcher folgendermaßen lautet: „Twas the night before Christmas, when all through the house not a creature was stirring, not even a mouse.” – Alles ist weiß, schneebedeckt und still, von einer majestätischen Ruhe… Diesen Zauber entdecke ich auch in Nuit de Noël, den man langsam auf sich wirken lassen sollte, braucht man doch ein Weilchen, um seine Komplexität voll zu erfassen.

Zuerst aber die Ingredienzen: Rose, Ylang-Ylang, Jasmin, Sandelholz, Hölzer, Moschus, sächsisches Moos, Ambra.

Direkt im Auftakt riecht Nuit de Noël tiefdunkel tintig und offenbart bereits seine dezenten, aber einzigartigen animalischen Akzente – herrührend von dem speziellen sächsischen Moos, einer Parfumbasis, die von Fachleuten als die originellste der Zwanziger bezeichnet wird. Diese bleibt im Duftverlauf bestehen, wird jedoch alsbald von einer dunklen, nelkenpfeffrigen Würze ergänzt. Aldehyde meine ich zu entdecken, ein Hauch dieser typischen Haarsprayfruchtigkeit, aufgefangen von einer Rose und samtig-moosigen Tönen sowie einer gourmandigen Aura, die stark an einen guten Cognac erinnert. Der Drydown, der die Hölzer ins Spiel bringt, ist, wie der ganze Duft, auf wundervolle Weise zugleich warm und von einer gewissen Süße geprägt aber immer auch trocken.

Nuit de Noël ist eine zeitlos schöne Weihnachtsnacht, definitiv.

Eine solche wünsche ich Euch ebenfalls von Herzen: Wunderbare Weihnachten und eine schöne besinnliche Zeit im Kreise der Menschen, die Euch am nächsten stehen! Und haltet Euch schön an Wilhelm Busch und treibt es nicht zu bunt, denn: „Zu Weihnachten getanzt im Schnee – zu Ostern Frost im Zeh.”

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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ER…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Holziges am 2.12.2009

Traummänner sind selten, das muß ich niemand erklären glaube ich. Was das reale Leben angeht, das einen solchen für mich scheinbar momentan leider nicht parat hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich an die Liebe auf den ersten Blick glaube – viel zu kompliziert ist es häufig und verzwickt… In der schönen, reinen Welt der Düfte dahingegen ist es oftmals sehr viel einfacher: Hier bin ich ein glühender Verfechter dieser Liebe, die einen Hals über Kopf erwischt und von einem Augenblick auf den nächsten entflammt.

Aber – auch hier passiert das selten, mir zumindest. Mit IHM war es aber genau das, dieses ganz andere: Er kam, sah und siegte und es ward um mich geschehen. Von wem ich spreche? Von ihm eben, von Mazzolaris Lui.

Mazzolari LuiIch schwöre – noch nie habe ich solch einen Duftauftakt gerochen: Was von Mazzolari selbst schlicht als animalische Noten betitelt wird, haut mich jedes Mal fast aus den Schuhen respektive den Heels. Auf einem meiner Parfumboards im Netz ist es mittlerweile zum geflügelten Wort geworden, was ich damals über ihn verlauten ließ – der „Pantherkäfig” wird er nur genannt. Und exakt an jenen erinnert mich Lui immerzu, sobald ich ihn frisch aufsprühe. Wir sprechen hier nicht von abstrakt-intellektuellen animalischen Tupferchen, nein – Lui ist ein echter Mann ergo wird im Auftakt nicht lange gefackelt: Eine nicht näher zu identifizierende Gewürzwand wallt einem entgegen, die bereits Ambra und Patchouli im Hintergrund lauernd offenbart. Sandelholz und Zeder sind auch alsbald zugegen, ersteres sehr sehr würzig interpretiert und zweitere leicht scharf anmutend, beides begleitet von einem satten Leder. Das alles zusammen kreiert bis in das Kämpferherz hinein animalische Noten im eigentlichen Wortsinne: Was da zusammen mit süßwürzigem Sandelholz sowie einer tiefdunklen Patchouli-Ambra-Variation daherkommt ist unzähmbar und sehr gefährlich – kraftvoll, dominant, viril. Und trotzdem weich oder besser: geschmeidig, intuitiv, sensibel – vor allem in der Basis, die rauchig-ambriert und sandelholzig ein wenig an gute (!) Räucherstäbchen erinnert.

Seine Zutaten: Kopfnote: animalische Noten; Herznote: Sandelholz, Zedernholz, Patchouli, Leder; Basisnote: Vetiver, Gewürze, florale Noten, Ambra.

Ich glaube kaum, daß jeder meinen Geschmack teilt, denn ER ist ein echter Spalter: Kein Duft für Mutlose. Understatement ist jetzt auch nicht unbedingt seine Stärke, obgleich er auch nicht der aufdringlichen Fraktion angehört – das hat ER doch gar nicht nötig, soviel Präsenz wie er ohnehin naturaliter an den Tag legt.

Insofern hat er auch eigentlich nicht allzu viel mit dem Rilkes Panther, diesem Verspanther aus dem gleichnamigen Gedicht, dessen Wille und Wesenheit betäubt und gedemütigt ist durch sein Eingesperrtsein. Lui ist nicht nur unzähmbar sondern auch ungezügelt und zügellos, ein freier, stolzer – ja, Mann. Denn Lui ist eindeutig männlich, obgleich er, und das muß ich ja jetzt sagen, auch Frauen, zumindest einem bestimmten Typ, recht gut zu Gesichte steht. Ich hoffe, ich gehöre dazu ;)

Kennt Ihr IHN? Und: Ist er denn Euer Typ?

Gespannte Grüße,

Ulrike.

P.S.: Sollte jemand das Pendant zu oder besser: den perfekten Träger für Lui kennen und empfehlen können – Ich würde gerne mal einen Kaffee mit ihm trinken ;)

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