Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die „2“ von Comme des Garçons – feine Tuschmalerei

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Holziges am 21.05.2013

2-by-the-sea Längst überfällig ist meines Erachtens, dass wir hier einmal einen der Bestseller von Comme des Garçons vorstellen, nämlich die etwas krakelig geschriebene Nr. „2“. Die Beliebtheit des Dufts wird von einer ganzen Reihe an Produkten belegt, einige bereits vergriffen, andere glücklicherweise noch verfügbar wie das Eau de Parfum, dessen handliche Variante im Hosentaschenformat, die Duftkerze, die limitierte Version im blauen Flakon „By the Sea“ (siehe rechts) oder das Geschenkset. Reichlich floral finde ich den Duft, als er mir vom Duftstreifen entgegenkommt. Sind es gar Rosen, die man hier vernimmt? Und was hat es mit der Sumi-Tinte auf sich, von der sich Comme des Garçons laut Produkttext inspirieren ließen?

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Um dies herauszufinden, greife ich inbrünstig in die Tasten und sehe bald, dass es sich dabei um die japanische Stangentusche handelt, die in der traditionellen Kalligrafie und Malerei verwendet wird. Grundsätzlich unterscheidet sich Tusche von Tinte durch ihre kräftigere Farbdichte und durch ein zugesetztes Bindemittel wie Leim.

Sumie Painting Set

Woraus die Tusche hergestellt wird ist nicht ganz klar einzugrenzen, in jedem Fall spielt Ruß eine Rolle, so soll dieses von Kiefernholz stammen, in einem alten Lexikon wird neben harzigen Hölzern auch von Schweinefett berichtet, dass man zur Herstellung des Rußes verwendet. Der beste Leim soll ausschließlich von Büffeln stammen, und besonders feine Tuschesorten enthalten ein Aroma von Kampfer und Moschus, was für uns natürlich ganz besonders interessant ist. Die Tusche wird in Stäbchen gepresst, vor der Verwendung auf einem Reibstein (siehe oben) angerieben und entsprechend mit Wasser vermischt.

Die Tusche wurde recht abstrakt umgesetzt. Sofort kommt mir der florale Akkord entgegen, der aber keineswegs sonderlich süß ausfällt. Im Hintergrund ist etwas Geheimnisvolles, das man durchaus mit einer rußig-mineralischen Tusche in Verbindung bringen könnte. Auch nichts allzu süße, verhalten fruchtige Noten könnten von den Aldehyden stammen, um schließlich in einem weichen Zedernholzton auszuklingen.

Wie gesagt, man sollte sich die Tusche nicht zu dominant vorstellen, vielleicht als Nebenton, eine Herbheit, die die Süße zügelt, ein wenig an Ölkreide erinnernd. Mark Buxton schuf mit „2“ von Comme des Garçons einen Unisex-Duft, der eine maßvolle Extravaganz ausstrahlt, auffällig und charakteristisch, aber auch fahrstuhltauglich. Insgesamt eine stimmig wirkende runde Komposition, die mir persönlich ausgesprochen gut gefällt.

Um beim Thema zu bleiben, werde ich Euch morgen den Duft „2 Man“ vorstellen.

Liebe Grüße und bis morgen
Harmen

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Vagabond Prince: Enchanted Forest – Teil Zwei.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 3.05.2013

Heute folgt der zweite Teil meiner Rezension zu dem olfaktorischen Märchenwald der Fragrantica-Gründer – Enchanted Forest von The Vagabond Prince. Von der endlosen Weite der russischen Wälder sieht sich der Duft inspiriert, von den Märchen, die um sie ranken und nicht zuletzt von einem uralten slawischen Festtag, Kupala genannt.

Иван Купала.Гадание на венках.2008.Доска,масло150х85 см

Der Iwan-Kupala-Tag, wie das Fest richtig heißt, ist das in Russland, der Ukraine, Belarus und Polen traditionell gefeierte Fest der Sonnenwende, wie mich Wiki aufgeklärt hat. Der Ursprung ist somit klar: Heidnische Wurzeln sind es, die das Fest hat, das bis in die heutige Zeit zum Teil spektakulär gefeiert wird. „Viele Bräuche von Iwan Kupala“ so steht es bei Wiki, „sind mit dem Wasser, dem Feuer, sich entfaltenden magischen Kräften von Pflanzen und der Selbstreinigung verbunden. Es ist üblich, dass junge Frauen mit Kerzen bestückte geflochtene Blumenkränze in Flüsse niederlassen und anhand ihres Driftens im Wasser die eigene Zukunft ablesen. Ein anderer Brauch ist das Springen von jungen Paaren über ein Lagerfeuer. Es gab einen alten Glauben, dass in der Nacht von Iwan Kupala die einzige Zeit im Jahr ist, wenn Farne sehr kurzzeitig blühen. Wer am Iwan Kupala eine Farnblume findet, soll mithilfe der Blüte alle in der Erde verborgenen Schätze sehen können. Deswegen suchten am Iwan Kupala viele Menschen in den Wäldern nach blühenden magischen Farnen.“

Kein Wunder also, dass Enchanted Forest den Wald bei Nacht einfangen soll – dunkel, geheimnisvoll, verhangen und gleichzeitig den frischen Odem der Natur verströmend. Die Protagonistin, auf die sich Duchaufour konzentriert, ist die schwarze Johannisbeere. Diese ist hier die Königin der Nacht, die uns deren Zauber nahebringen soll.

enchantedforestBevor wir uns dem Duft widmen, kommen wir noch kurz auf die Verpackung zurück, die wie Duft und Flakon ebenfalls in Frankreich hergestellt wurde. Aus schwarzem Glas gefertigt erinnert der bewusst rund gestaltete Flakon selbst an eine Johannisbeere. Das goldene, um den Flakon laufende Muster wurde eigens für Enchanted Forest von einem Künstler entworfen, der es angelehnt an den altrussischen Chochloma-Stil gestaltete. Es finden sich, eingewebt in die wundervollen Ranken, zwei bewusst gewählte Symbole: Das der schlafenden Taube, die die Weiblichkeit darstellt, und das des Mondes, der für die Nacht, deren Mystik und für das Märchenhafte steht. Das Design des Flakons ist sicherlich Geschmackssache – mir gefällt es in diesem Fall sehr, da ich selten eine so liebevoll auf das Konzept abgestimmte (Gesamt)Verpackung gesehen habe. Ich finde es ganz reizend – und Ihr?

Aber kommen wir zum Duft – Monsieur Duchaufour hat mal wieder alle Register gezogen und etliche Ingredienzen verarbeitet, die ich Euch nicht vorenthalten will: Kopfnote: Rosa Pfeffer, Aldehyde, Orange, Schwarze Johannisbeere, Weißdorn, Rum, Rosmarin, Davana; Herznote: Schwarze Johannisbeere, Koriandersamen, Geißblatt, Rose, Nelke, Vetiver; Basisnote: Opoponax, Benzoeharz, Ambra, Eichenmoos, Tannenbalsam, Patchouli, Castoreum, Zedernholz, Vanille, Moschus.

Gleich im Auftakt fliegt sie einem entgegen, hüllt einen ein, betört, und zwar ganz massiv: Geballte Kraft schwarze Johannisbeere voraus – und zwar eine, die alle Facetten ihres Vorbilds auslotet. Ein paar saftige Orangen- und Aldehydnoten helfen dabei, den Balanceakt zwischen Saftigkeit, pelziger Säure, samtiger Süße und frischer Herbheit herauszuarbeiten. Geißblatt und Davana sind meines Erachtens nach die beiden Verdächtigen, die den Charakter der Frucht olfaktorisch explodieren lassen, und zwar auf eine durch und durch sowie ausschließlich positive Art und Weise: Irgendwo zwischen Johannisbeergelee, leichtem Rotwein und einem Korb frisch gepflückter Früchte, den man mit dunkelroten, vom Saft derselben getränkten Fingern stolz in den Händen hält. Dazu gesellen sich notwendigerweise grüne Anklänge, die fast ätherisch erscheinen und dem Duft zusätzlich herbe Frische einhauchen – Tannenbalsam, Rosmarin und Koriander erscheinen mir die Verantwortlichen dafür zu sein.

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Bis hierhin finde ich den Duft genial, absolut genial. Ich weiß zwar nicht, ob ich mir einen Märchenwald exakt so vorstelle, allerdings kann es auf dessen verschlungenen Pfaden ja durchaus einmal vorkommen, das man über eine Wurzel stolpert und Kopf voraus in einem Johannisbeerbusch landet. Das lasse ich mir gerne gefallen, wenn es so vonstatten geht wie in Enchanted Forest, dieser zauberhaften Frucht. Mich erinnert der Duft von seiner Intensität her und der Konsequenz der Fruchtnoten sehr an (den Auftakt zu) Byredos Pulp, der ähnlich entschlossen umgesetzt wurde.

Nur leider setzt sich diese Entschlossenheit nicht den ganzen Duft durch fort: Mittig bricht Duchaufour damit. Zuallererst präsentieren sich noch ein paar feuchte Blättchen, die mich noch auf sattes Erdreich, Nadel- oder sonstiges Gehölz, vielleicht gar Pilze oder von mir aus auch auf ein paar (Wald)Tiere hoffen ließen. Nichts davon folgt, sondern Monsieur Duchaufour lässt Enchanted Forest in einer sehr massentauglichen und überaus politisch korrekten Basis ausklingen, die von leicht ambrierten und zart holzigen Vanille-Moschus-Noten getragen wird. Ok, da haben vielleicht die Hobbits aus Mittelerde rübergemacht und schlafen am Fuße eines von der Morgensonne erleuchteten Baumes, in aller Seelenruhe. Von mir aus hätte es aber ruhig noch ein bisschen weitergehen können mit der Nacht, der düsteren – dann hätte ich den Duft vergöttert. Es hat bei mir trotzdem zu einem Kauf von Enchanted Forest gereicht, aber die Flasche wird vermutlich schnell leer sein, da ich süchtig, süchtig, süchtig bin nach der wunderschönen Kopfnote ;-)

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch,

Eure Ulrike

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Der Prinz der Vagabunden…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Holziges am 2.05.2013

… – was für ein herrlicher Name, oder? Das zumindest war der erste Eindruck von diesem neuen Label, der erste Gedanke, welcher mir durch den Kopf schoss, als ich erstmals davon las. Und es wird alles noch besser, noch viel, viel besser. Einen Duft hat man lanciert, bisher – und der hört auf einen ähnlich schönen Namen: Enchanted Forest, der Märchenwald. Die Macher dahinter sind auch die Macher hinter dem riesigen Parfumforum Fragrantica. Wir haben es diesmal also mit Menschen zu tun, die schon seit Jahren eine glühende Passion für Parfums und vor allem auch für die Nische hegen – und sich, wie ich annehme, einen lang gehegten Traum erfüllen mit ihrem ersten eigenen Duft. Aber lassen wir diese doch einmal zu Wort kommen:

Enchanted Forest is a fantasy that smells very realistic, almost tangible due to its natural parts and Bertrand’s mastery. Bertrand created a parallel reality, a tale that can be lived. When you smell Enchanted Forest, you don’t even need to fantasize, it comes instantly through recognition. The composition can be called a soliflore with its focus on one plant, but thanks to its magnificent complexity and ability to disguise, we can experience a whole landscape: the forest, from the green needles of its tips to the wet mossy floor.“ (Elena Knezhevich, Quelle: Fragrantica)

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Von Bertrand ist da die Rede – und der geneigte Leser wird sogleich wissen, von welchem Bertrand hier die Rede ist: Natürlich Monsieur Duchaufour, wer sonst? Man hat sich also einen exzellenten Parfumeur gesucht für die Umsetzung dieses Märchenwaldes. Und dieser weiß jede Menge zum Duft zu erzählen, wie er in einem langen und interessanten (von uns übersetzten) Interview bei Fragrantica preisgibt:

Enchanted Forest ist aus mehreren Gründen ein einzigartiger Duft. Enchanted Forest ist das einzige Parfum, das ich kenne, das um die Schwarze Johannisbeere als einziges Rohmaterial herum konstruiert wurde und das man somit als Cassis bezeichnen kann. Ein weiterer Grund seiner Einzigartigkeit ist sein Thema, das heidnische Kupala-Fest – eine typisch slawische Tradition, die selbst in Ländern wie Russland fortlebt und deren Riten eine Huldigung an die Natur und die Geheimnisse des Waldes darstellen.

Die Herausforderung war gewaltig: Ich musste das Rohmaterial (Schwarze Johannisbeere) vergrößern, ein Stoff, der oft in der Parfumkunst verwendet und manchmal auch durch die Noten von Roten Früchten überdosiert wird, so dass ich deswegen eine Art Soliflor herstellte. Soliflores werden in der Regel auf floralen Grundlagen wie Jasmin, Rose oder Tuberose aufgebaut, aber für Enchanted Forest war die Absicht eine ziemlich andere… ich hatte die Idee, die Schwarze Johannisbeere durch die gesamte Struktur des Parfums (Kopf, Herz, Basis) aufzubauen. Um dies zu erreichen, verwendete ich ein Schwarzes-Johannisbeer-CO2 (eine Methode, wie man die Schwarze Johannisbeere extrahiert und ein Concrete daraus macht), ein Absolu und zwei verschiedenen Basen aus Schwarzer Johannisbeere, eine davon war meine eigene Kreation, um eine Art Skelett zu bauen, eine vertikale Struktur, auf der das gesamte Parfum gebaut werden sollte.

Meine Inspiration für diesen Duft war primär die Frucht der Schwarzen Johannisbeere selbst, aus der ich enorme Kräfte für den Duft ziehen konnte. Die Schwarze Johannisbeere ist die WICHTIGSTE fruchtige Note ihrer Klasse, die es in der Parfumkunst gibt. Es gibt mehr als 400 Rohmaterialien in der Palette des Parfumeurs, die fruchtig riechen. Schwarze Johannisbeere und die Schwefeleffekte der Schwarzen Johannisbeere sind die Basis für die Rekonstruktion fast aller Früchte, die Parfumeure und Flavoristen kennen. Sie ist MÄCHTIG! Ich arbeitete mich durch alle Formen der Schwarzen Johannisbeere hindurch, die existieren, außer natürlicher Fruchtsaft, Marmelade und Bonbons… Ich habe die Effekte von Orange und anderen roten Früchten hinzugegeben, um einen kultivierteren Aspekt dieser Frucht zu erhalten.

Meine zweite Idee war es, die Schwarze Johannisbeere mit dem Geruch des Waldes zu verbinden… eine sehr interessante Verbindung, weil man in der Schwarzen Johannisbeere Nuancen von intensiven holzigen Pflanzen entdecken kann. Die Schwarze Johannisbeere besitzt Facetten von „Gras-Porridge“ (gekochte Kräuter, wie eine Suppe!), die direkt mit den grünen krautigen Noten harmonieren und sogar mit Aromen, die die Kreation verschiedener Walddüfte begünstigen… Ich wollte die dunklen, mysteriösen, fast beängstigenden Aspekte des Waldes herausarbeiten, all das, was Mystik hervorruft und dem Menschen im Wald fast übernatürlich erscheint: Tiere, deren Existenz (vor allem im Westen) vergessen wurde, die Sümpfe, die ewige Zersetzung abgestorbener Pflanzen und das konstante Nachwachsen, die Lebenskraft der Natur, die der Mensch zu tief in sich selbst versteckt hat…

Diese Kraft erweckte ich durch die pulsierende Skelettstruktur eines würzig-holzigen Chypre (Patchouli, Moos, Vetiver, Castoreum), aber auch durch die warme und beruhigende Wirkung von Tannenbalsam (Piniennadel-Absolu), welches die holzigen Noten verstärkt und jedem Parfum einen immergrünen Aspekt verleiht. Ich verwendete das Tannenbalsam, weil es die Quintessenz des russischen Waldes verkörpert… Ich liebe den Duft des Waldes, so war es ein Leichtes für mich, die erdigen Noten, die ich liebe, mit der Pinie zu verbinden und mit den getrockneten Piniennadeln, welche den Boden der endlosen Pinien- und Tannenwälder bedecken. Das erinnert mich an meine Kindheit, denn ich verbrachte 11 Jahre mit einem Pinienwald hinter meinem Haus. Außerdem lebte ich in der Gegend von Nancy, im Osten Frankreichs, die am meisten an Russland erinnert. In dieser Region haben wir einige der schönsten Wälder in Frankreich!“

Soviel Material, dem es nachzugehen lohnt… Heute konzentrieren wir uns erst einmal auf – schwarze Johannisbeeren, denn diese sind, wie generell dunkle und oder rote Beeren, nicht allzu oft in Düften anzutreffen, vor allem monothematisch. Sublime Balkiss, die moderne Schöne von Céline Ellena, die chypriert-beerige, kommt mir in den Sinn. Darüber hinaus denke ich an… Lancômes neuen La Vie est belle (Das Leben ist schön), der mir viel zu papsig-süß war, an den schlicht-klassischen Immergeher Rose Wood/Blackcurrant/Cyclamen von Korres, an die herrliche fruchtige Iris namens 04 Petrana aus dem Hause Odin als auch an Van Cleef & Arpels zuckrige Feerie. Und dann wären da noch Spuren zu finden in diversen Düftchen – Juliette has a Guns Mad Madame, Bond No. 9 Bleecker Street, Malles Portrait of a Lady und anderen. Dann wäre da noch ein alter Klassiker, Kenzos Le Monde est beau (Die Welt ist schön), ein sommerlich-grüner Wildwuchs-Abenteuergarten mit prägnanter schwarzer Johannisbeere.

Freshed Picked Currants

Und da verließen sie ihn oder vielmehr mich aber auch schon wieder – so wahnsinnig viel mehr Johannisbeertaugliches mag mir nicht einfallen, Euch?

Bezüglich dem Märchenwald Enchanted Forest gibt es allerdings noch mehr zu lüften als die Johannisbeernote – mehr zum Duft folgt morgen in Teil 2 der Rezension. Bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

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Die Düfte des Hauses Baldi – Teil 4: Ametista.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 22.03.2013

Wie so oft präsentiere ich Euch am Ende einer Reihe von Rezensionen, die eine Firma betreffen, meinen Liebling. Diese Woche habe ich mir Baldi zur Brust genommen und unter die Nase geklemmt. Der letzte Duft in dieser Kollektion ist Ametista, der Amethyst. Und, was soll ich sagen, Ametista hat mein Herz im Sturm erobert. Vielleicht sollte ich Euch zuerst einmal die Duftnoten verraten: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Limette, Koriander, Litsea Cubeba; Herznote: Ylang-Ylang, Veilchenblätter, Pfirsich, Himbeere; Basisnote: Patchouli, Vanille, Weißer Moschus. Soweit so gut, der Hersteller weiß dieses hier über den Duft zu berichten:

baldiametistabild„Ein Verbund lebendiger Zitrusnoten, wie kalabrische Bergamotte, brasilianische Orange und mexikanische Limette, wird von exotischen und aufgeweckten Noten asiatischen Korianders sowie Litsea Cubeba veredelt. Die Essenz entwickelt sich weiter mit kostbarem Ylang-Ylang von den Komoren sowie eleganten Veilchenblättern, die wiederum auf samtige Pfirsichnoten und die herbe Fruchtigkeit eines Himbeersorbets treffen. Vollendet wird der Duft von den hypnotischen und einhüllenden Düften des indonesischen Patchoulis und Vanille aus Madagaskar, verwoben mit einem Hauch von Weißem Moschus.“

Text und Duftnoten sind, meiner Meinung nach, irgendwie… unentschlossen. Oder vielmehr – nicht aussagekräftig genug. In jedem Falle hätte ich mir mitnichten etwas vorgestellt, was mich ähnlich zu fesseln vermag wie Ametista – und das, obgleich ich noch nicht einmal neben dem Schreiben dieses Artikels hier gepichelt habe und mir die Sinne vernebelt waren. Selbst wenn – Ametista hätte mir vielleicht geholfen, denn der Amethyst galt im alten Griechenland als ein Stein, der dem Rausche entgegenwirkt. Bekleidet mit irgendeinem Amethysten sei man vor dem (Wein)Rausch gefeit, dachte man. Allerdings rührte dieser Aberglaube auch daher, dass man Wein früher wie heute gerne mal mit Wasser mischte, häufig auch, um mehr davon trinken zu können ;) Eine andere Variante der Namensgebung ist laut Wiki die, „dass Bacchus, der Gott des Weines, ein junges Mädchen so erschreckte, dass es zu Kristall erstarrte. Daraufhin seufzte der Gott, und als sein Atem den Stein berührte, färbte er diesen purpur wie die Farbe des Weines.“

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Mich hat Ametista nicht erschreckt, sondern vielmehr berauscht – ich hing die ganze Zeit beim schreiben dieser Rezension mit meiner Nase über dem Handgelenk und konnte mich nicht lösen von dem Duft. Schon alleine der Auftakt: Saftige, verhalten süße Zitrusfrüchte – ich hätte hier mehr auf Mandarinen denn auf Orangen getippt, in Begleitung von herben, spritzig-dynamischen Hesperidengesellen, die für ordentlich Frische sorgen. Limette entdeckt man alsbald als kühle Kühne, ferner wird meine Nase aber sogleich auch anderen Früchten gewahr – süß-samtige Fruchtnoten, auf eine Art und Weise exotisch anmutend, umgarnen meine Sinne. Pfirsich erkenne ich sofort, einen taubenetzten, frischen, dem die Feuchtigkeit von seiner samtigen Haut perlt. Himbeeren verfeinern das Stillleben, ebenfalls in satter Reife und mit seidiger Oberfläche. Überhaupt wirkt Ametista – seidig. Kühl seidig und zart. Aber dennoch keinesfalls distanziert, sondern weich, anschmiegsam, auf eine Art skinnig. Seine Frische legt der Duft nie ab in seinem Verlauf, was ihm sehr gut zu Gesicht steht. Und die Fruchtigkeit bleibt ihm ebenfalls erhalten, vielmehr – sie macht seinen Charakter aus. Florale Anklänge vermag man auch zu sehen, leise tropische Weißblüher, die unser Stillleben umranken, nektarverwöhnt und sachte dahingehaucht wie bei einem Aquarell.

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Den Abschluss bildet eine weiche und zurückhaltende Basis, die dem Duft Tiefe gibt, ohne ihn jedoch vordergründig-dominant zu prägen. Patchouli spendet Pudrigkeit und, wie ich meine, eine Ahnung von Kakao, während Moschus watteweich abfedert. Von der Vanille erhält Ametista zusätzlich Würze und natürlich Cremigkeit.

Haltet mich für verrückt: Baldis Ametista ist in der ganzen Kollektion natürlich der am ehesten in die feminine Richtung tendierende Duft. Aber: Auf Anhieb würde ich sagen, dass ich ihn mir – weshalb auch immer – auch sehr gut an dem passenden (!) Mann vorstellen kann. Ausprobiert habe ich es bereits – mein Nachbar und Kumpel musste mal wieder herhalten wie so oft, er hat ganz viele der Düfte, von denen ihr hier lest, immer mitzutesten… Schwierig wird es, den richtigen Mann und das richtige Styling für Ametista zu finden, aber – es ist einer der einzigen, deutlich fruchtig geprägten Düfte, die ich mir an einem solchen wirklich einmal wünschen würde.

Die Damenwelt hat diese Probleme natürlich nicht – ich bin mir sicher, dass Ametista hier viele Freundinnen finden wird. Ein solch herrlicher, seidiger Duft von einer solchen Ausstrahlung ist so unverzichtbar wie – ein schönes Sommerkleid und/oder ein toller weiblicher Schuh.

Es grüßt verzückt -

Eure Ulrike, die Euch hiermit ins Wochenende entlässt ;)

P.S.: Habt Ihr schon getestet? Oder gar schon ein neues Edelsteinwohnzimmer bei Baldi in Auftrag gegeben? ;)

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Von High Heels…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges am 15.03.2013

… erzählen uns Jul et Mad mit ihrem dritten und vorerst letzten Duft Stilettos on Lex. Wie auch die letzten Tage, an denen wir uns bereits mit Jul et Mad beschäftigten, gibt es zum Duft ein kleines Textchen. Eines, das für ein Kapitel aus der Liebesgeschichte von, na klar – Jul und Mad stehen soll. Im Big Apple sind wir angekommen, der Heimat von Mad – und ganz offensichtlich lässt uns diesmal Jul an seinen Gefühlen teilhaben:

juletmadstilettosonlexDas Porträt einer geheimnisvollen und schönen jungen Frau in New York City.

Sie ist wieder da! Ich kann sie hinter mir erahnen, durch das klappernde Geräusch ihrer hohen Absätze in der legendären Lexington Avenue… Ich drehe mich um und sie ist es wirklich, mit ihrem bestimmten Gang, ihrer hohen Gestalt, realer denn je…eine Wohltat für die Augen, aber Mühsal für die Seele… Eine mysteriöse Aura umgibt diese fast unwirkliche Erscheinung, während sie geht, so schön, so elegant…Wer ist sie? Woher kommt sie? Eine Gottheit, herabgestiegen aus einer anderen Welt? Eine lebende Skulptur, von den Werkzeugen eines Genies geformt? Das perfekte Bild eines leisen Traums, wenn da nicht der beständige Rhythmus ihrer Stilettos wäre… Wie in einer spontanen Huldigung tritt die Menge beiseite, um sie hindurchzulassen… Köpfe drehen sich nach ihr um… nimmt sie das wahr? Nichts deutet darauf hin. Sie scheint die Passanten nicht zu beachten, ihr Ausdruck ist ruhig, ihr Blick sanft, aber bestimmt… War da der Anflug eines Lächelns auf ihren Lippen? Königlich, erhaben, ihr Bild verblasst, schwindet dahin. Trotzdem bot sie mir das persönlichste Geschenk: ihr unvergessliches Parfum. Auf ihrem zauberhaften Weg hinterließ sie die Spur eines subtilen, aber dennoch imposanten Dufts… ein betörendes, seltenes Parfum, schwebend, nostalgisch, wie die Erinnerung an das verlorene Paradies. Traum oder Wirklichkeit? Begeisterung oder Verzweiflung? Sie tat nichts mehr als vorbeizugehen. Die Konturen ihrer Gestalt und der Klang ihrer hohen Absätze haben einen tiefen Eindruck hinterlassen… Ich beschwöre mein Schicksal in der Hoffnung, dass ich eines Tages ihre herrliche Erscheinung in der gleichen legendären Avenue wieder erleben darf… Ihr Bild verschwand, aber während sie vorbeiging, gab sie mir die fesselndste Erinnerung: ihr Parfum…

Stilettos on Lex“ ist eine zeitlose Ode an die ewige Schönheit und beginnt mit einer leuchtenden, fruchtigen Gourmandnote. Das Vorspiel eines opulenten Blütenbouquets, welches von der Weichheit des Heliotrops beherrscht und von der sinnlichen und pudrigen Iris sowie der Nelke gekrönt wird… Eine geheimnisvolle und erhebende Melange aus Moschus und kostbaren Hölzern verstärkt und verfeinert diese Komposition voll äußerster Eleganz.“

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Da schwärmt aber jemand ganz schön… Interessant ist für mich der Gedanke jenes bleibenden Eindrucks, der durch eine vollkommen alltägliche Szenerie und/oder Handlung ausgelöst werden kann. Ich habe ebenfalls Erinnerungen an bestimmte Momente und Situationen, an denen mich Menschen in ihrem Auftreten, mit ihrer Persönlichkeit oder ihrem Verhalten sehr beeindruckt haben. Erinnerungen, die sehr wach sind – und von denen die betreffenden Personen oft gar nichts wissen. Manchmal kenne ich sie noch nicht einmal persönlich, aber dennoch haben sie sich mir eingebrannt. Für mich ist es beispielsweise eine Frau, die ich vor Jahren in der Oper sah: Von oben herab hatte ich sie betrachtet, wie sie die Treppe herunterwandelte – siebzig Jahre alt, vielleicht noch älter, in einer Robe. Und so wunderschön – ihre helle Haut, ihre weißen Haare, ihr gereiftes Gesicht. Und dann ist da noch eine Erinnerung: Jene an diesen schönen und interessanten Mann, der im Nachtleben gearbeitet hat vor etlichen Jahren. Den ich nie angesprochen habe, weil mir damals der Mut jedes Mal in die Hose gerutscht ist ob seiner Coolness, seiner Attraktivität, seines Auftretens. Von dem ich mir so sicher war, dass ihm die Frauen scharenweise zu Füßen liegen. Und von dem ich eines Tages mitbekommen habe, dass er sich erhängt hat – im Keller, am 1. Januar eines Jahres, aus Liebeskummer. Was für eine traurige Geschichte.

Manchmal frage ich mich, ob auch ich im Vorbeigehen bei jemandem einen Eindruck ausgelöst habe, einen irgendwie bleibenden, von dem ich nichts weiß. Stellt Ihr Euch diese Frage auch manchmal? Mad in jedem Fall wird es wissen, was für einen Eindruck sie bei Jul hinterlassen hat – spätestens mit diesem Duft ;)

First in my #InstaShoe series. Leopard print Casadei stilettos.  #shoes #fashion

Stilettos on Lex zeigt sich bereits beim Aufsprühen als sehr besonderer Duft – ich würde behaupten, das man bereits nach einer Sekunde weiß, ob man ihn mögen wird oder nicht. Mich würde es nicht wundern, wenn es die meisten Frauen tun, denn der Duft ist genauso feminin und erotisch wie das Schuhwerk, nach dem er benannt wurde. Zart-herbe Birne und an reife Mango erinnerndes Davanakraut, von zitrischem Glanz erstrahlend, bilden den ersten Eindruck, der alsbald von einer satten, reifen Pflaume ergänzt wird. Samtig, dunkel und saftig zeigt sich diese – und leitet über in das florale Herz. Von Maiglöckchen, Rose, Heliotrop, Iris und Nelke ist hier die Rede, sowie von Veilchenblättern. Meiner Nase erschließt sich das umrankende Blattwerk, das dunkelgrüne, das hin und wieder schillernd nach Aufmerksamkeit verlangt und in der Tat jene veilchenspezifische Erdigkeit transportiert. Das Maiglöckchen zaubert sanfte saubere Akzente und einen Hauch Frische, die von der die vorherrschende Fruchtigkeit weiter unterstreichenden Rose aufgegriffen wird. Und dann haben wir es da noch mit einer Iris zu tun, einer samtig-pudrigen. Einer, die geradezu perfekt mit der sanften, Vanille-Patchouli-geschwängerten Basis verschmilzt.

Pflaume und Iris auf einem samtig-warmen Bett – das ist für mich hier das Thema, und ein überaus anziehendes allemal. Von der Strahlkraft her denke ich bei Stilettos on Lex ein wenig an pflaumengeküssten (helleren) Nachwuchs einer Liebesheirat von Malles Iris Poudre und Juliette has a Guns Lady Vengeance – nur um Euch eine Richtung zu weisen.

In meinen Augen bildet Stilettos on Lex einen gelungenen Abschluss der neuen Kollektion von Jul et Mad – und ich hadere noch mit mir, ob und welcher Duft denn her muss, denn in meinen Augen gehören Jul et Mad schon jetzt zu einer der beachtenswertesten neuen Firmen dieses Jahr. Ein schöner Einstand – findet Ihr auch?

Ich wünsche Euch ein erholsames Wochenende und drücke uns die Daumen, dass der Frühling langsam kommt – versinkt Ihr auch im Schnee?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Hors Là Monde – Die Dritte.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Solifloral am 7.03.2013

Am heutigen Tage widmen wir uns dem zweiten Duft des Hauses Hors Là Monde, Lady Shiloh. Wie gestern erwähnt hüllt sich Symine Salimpour, die Frau hinter Hors Là Monde, in nebulöses Schweigen, was Shiloh angeht, jene Person, die wohl eine so wichtige in ihrem Leben war und der ihr erster Duft, vielleicht auch ihre ganzen Düfte gewidmet sind. Sind die Texte dazu an ihn, an eine Reminiszenz? Oder sind sie an einen imaginären Freund, eine Art Tagebuch für Salimpour selbst – oder Vorlage für uns? Halb realistisch-autobiographisch anmutend, halb Traum – in jedem Fall entführen uns die Texte genauso wie die Düfte, wenn wir es nur zulassen ;)

Parfumeur des Duftes ist Fabrice Olivieri, verantwortlich für Undergreen Black, White und Gold,

horslamondeladyshilohBeginnen wir mit den Zeilen zu Lady Shiloh, 2009 lanciert:

„ Mein lieber Freund,

so viel ist geschehen, seit ich Dich verlassen habe. Hier leben die Menschen jeden Augenblick, als sei es ihr letzter. Sie lieben, sie streiten, aber am Ende des Tages kommen sie zum Glück wieder zur Vernunft. Sie lassen mich über uns nachdenken und über mein Versprechen vor meiner Abreise. Zeit ist eine Illusion… Ich sende Dir eine Probe meiner neuesten Kreation, die ich „Lady Shiloh“ genannt habe. Sie ist eine Ode an die Liebe. Eine Einladung zu lieben, als gäbe es kein Morgen. Als sei sie ewig. Du wirst einen Hauch Bergamotte entdecken, ein Mandarinenextrakt für die Leichtigkeit, eine Nuance von indischem Jasmin und pudriges Veilchen für die Weichheit. Eine Verbindung von Patchouliöl, Moschus und Vetiver, damit Du Dich immer daran erinnerst…“

HorsLaMondeLadyShilohAD

Ich werde mich auch immer an Lady Shiloh erinnern, denn der Duft ist ausnehmend schön und von überaus einnehmendem Charakter: Schwere Jasminblüten hüllen mich ein – ich fühle mich, als hätte ich mich mitten in ein riesiges Himmelbett fallen lassen. Ein Himmelbett aus dunklem Holz, verhangen mit rosefarben getönten Stoffen. Eine Matratze, in der ich versinke, und mich mit einer dichten, dicken Kaschmirdecke zudecke. Beschützend und sinnlich gleichermaßen wirkt Lady Shiloh. Der Jasmin ist ausladend, einschmeichelnd und von einer entrückten floralen Süße, die Schwere der Blüten scheint hier die Dolden fast schon herunterhängen zu lassen. Jene Süße wird von der feinen, meist ein wenig staubig anmutenden Pudrigkeit des Veilchens unterstützt, das darüber hinaus für subtile erdige Noten sorgt, von der Basis noch untermalt. Und Mandarine, der dritte Protagonist dieses olfaktorischen Trios, auf dem das Naturell von Lady Shiloh beruht, leistet ganze Arbeit, indem sie die fruchtigen Anklänge des Jasmins sowie dessen authentische Frische saftig-süß verstärkt und herausarbeitet. Das Ergebnis ist ein wirklich sehr femininer und herrlicher Duft, eine wahrlich würdevolle Ode an die Liebe. Wer wünscht sich das nicht, immerwährende Liebe? Ich könnte schon wieder „meinen“ Nietzsche zitieren, es ist einfach der schönste Satz zu diesem Thema – „denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“… Aber mir ist auch jemand anderes dazu eingefallen, nämlich Herman Hesse, der Anfang der Zwanziger dieses schöne Liebesgedicht verfasst hat:

Day 11:365  Jasmine.....{{ 10Things about ME }}

„DER LIEBENDE
 
Nun liegt dein Freund wach in der milden Nacht,
Noch warm von dir, noch voll von deinem Duft,
Von deinem Blick und Haar und Kuß – o Mitternacht,
O Mond und Stern und blaue Nebelluft!
In dich, Geliebte, steigt mein Traum
Tief wie in Meer, Gebirg und Kluft hinein,
Verspritzt in Brandung und verweht zu Schaum,
Ist Sonne, Wurzel, Tier,
Nur um bei dir,
Um nah bei dir zu sein.
Saturn kreist fern und Mond, ich seh sie nicht,
Seh nur in Blumenblässe dein Gesicht,
Und lache still und weine trunken,
Nicht Glück, nicht Leid ist mehr,
Nur du, nur ich und du, versunken
Ins tiefe All, ins tiefe Meer,
Darein sind wir verloren,
Drin sterben wir und werden neugeboren.“

Morgen folgt dann der letzte Streich, Shiloh X, zum Ausklang der Woche. Euch wünsche ich bis dahin einen schönen Tag und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Hors Là Monde – Die Vierte.
Hors Là Monde – Die Zweite.
Nicht von dieser Welt…


Valentinstag…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes am 20.02.2013

… war letzte Woche und ich hoffe, alle Lovebirds unter Euch hatten einen herrlichen ebensolchen. Ich kann ebenfalls mit einer zarten beginnenden Liebe aufwarten, einer komplett unerwarteten (ist das nicht meistens so?)… und zwar mit den Düften der nu_be-Kollektion.

NubeGesamtfoto

Ich muss zugeben – zuallererst hatte ich Angst. Keine Furcht, die wäre ja zielgerichtet gewesen, sondern Angst, eine diffuse… Es hörte sich alles ein bisschen verschwirbelt an, künstlerisch wertvoll zwar, aber mit Parfums und Konzeptkunst ist das ja alles so eine Sache… Andererseits – Comme des Garçons haben es ja bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass es geht. Und Humiecki & Graef, deren Konzept auch nicht gerade unverkopft ist, brillierten bisher auch nur mit extravaganten, aber auch herausragenden Düften. Insofern habe ich den Schwaben in mir erfolgreich unterdrückt, mich auf Neues eingelassen und… bin prompt verzaubert worden. Aber kommen wir zur Firma: nu_be (oder auch nube) sind die erste Kollektion von Fluidounce, einem ebenfalls neuen Parfumhaus in Parma. Ein Blick auf die Parfumeure zeigt auch schon, dass es der Firma ernst ist mit ihrem Vorhaben: Lauter Meister ihres Fachs hat man sich an Land gezogen – Antoine Lie, Sylvie Fischer, Françoise Caron und Nicolas Bonneville durften sich austoben und haben dies auch getan.

„nu_be is a perfume reserve to be drawn upon, a challenge made up of sudden fulgurations, secret and steeped in mystery.“

Auf der Webseite von nu_be lässt sich noch mehr zu deren Inspiration erfahren – es ist in so hübsche Wörtchen gefasst, dass ich nicht umhin komme, Euch das Original zu präsentieren:

„nu_be speaks of the origins of the universe, of that primordial magma that gave birth to the stars, a material still in fusion that harks back to Chaos, a state preceding finished Form. Something spiritual and cosmic that recalls the uncontaminated matter of the bowels of the Earth. The unexpected experience of an outcrop of pure materials, each hidden within another.

nu_be draws a map of the advent of the primary elements, as an access key to a unique vision. An adventurous trek that begins far, far away to end up as life on Earth: from a cloud in sidereal space, the celestial dust itself becomes a “new being”, alive and transformed.“

So, dieser Ansatz erklärt auch das Konzept: Fünf Düfte sind es, die unsere Nasen erfreuen (Eure auch, ich verspreche es!), alle benannt nach chemischen Elementen: ¹H Hydrogen (Wasserstoff), ²He Helium, ³Li Lithium, ⁶C Carbon (Kohlenstoff), ⁸O Oxygen (Sauerstoff). Die ersten drei waren gleich nach dem Urknall da. Und dann kamen noch Kohlenstoff und Sauerstoff dazu, ohne die wir nicht wirklich existieren könnten.

Ein bedeutungsschwangerer Hintergrund, oder? Schauen wir mal, ob er sich in den Düften wiederfindet. In jedem Fall findet sich auf der Internetseite von nu_be eine nette kleine Spielerei: Mittels eines (psychologisch anmutenden?) Tests lässt sich herausfinden, welcher Duft nach Meinung des Labels am besten zu einem passt – siehe hier.

hydrogen_photoIch werde mich an die vorgegebene Reihenfolge halten und beginne heute mit – ¹H Hydrogen, von Antoine Lie kreiert:

„Hydrogen to me is the element of energy; that’s why my fragrance is so sparkling. Hydrogen as the origin of everything, explosion of essentials elements: Touches of spices, woods, vanilla… Musk accords, beginning of sensuality and sexuality. Basil accents, oak moss and lichens for the vegetal sphere; mandarin and melon, fruity and watery notes at the same time. Jasmine, floral expression… Green tones of aldehydes, representing purity and transparency.  Hydrogen, origin of the universe, part of the whole, extremely pure and transparent… As [1H], a scent blown off a short formula of raw materials able to olfactively represent the primordial explosion. A fragrance with different facets – vegetal, floral, fruity, transparent – constantly seeking for an intangible purity. Surrounded by this explosion, I’ve created [1H].“

Spielerisch und lebendig soll der Duft sein, dynamisch und von überschäumender Energie geprägt. Und, wenn ich es richtig verstehe, voller Ankündigung – quasi eine Vorahnung auf etwas Großes, das da kommt.

¹H Hydrogen ist – ein Knaller. Kein Wunder, stand der Urknall Pate für diesen Duft. Kaum auf der Haut angekommen zündet dieses olfaktorische Wunderwerk und erweckt so viele und so unterschiedliche Gerüche zum Leben, dass ich kaum hinterherkomme mit dem Schnuppern: Exotisch, feucht, zitrisch, floral, fruchtig, ozonig-luftig, wässrig, grün und krautig riecht es, alles auf einmal. Mandarine steigt mir in die Nase und ich rieche Basilikum heraus, daneben Gräser, Melonenanklänge, Hesperidenanmutungen, schillernd-grünes Blattwerk, Blütennektar. Dieses grün-gelbe Duft-Ding hat etwas Psychedelisches – es schillert, leuchtet, strahlt, glänzt und… wächst. Unbezähmbar wild, unbezwingbar stolz und anmutig wuchernd. Yeah Baby, was für ein wildes Ding – Widerstand ist zwecklos!

Kavewall

Was für ein toller Duft! Dringende Empfehlung, wenn man mich jetzt nach der Richtung fragen würde, für Freunde von Humiecki & Graefs Eau Radieuse (wobei ¹H Hydrogen gefälliger ist), PC01 von Biehl Parfumkunstwerke und einige der grünen Düfte aus den ersten zwei Serien der Six Scents sowie Comme des Garçons Series 1 – Leaves.

Habe ich zuviel versprochen? Seid Ihr gespannt, wie es weitergeht? Morgen, meine Lieben, erwarten Euch zwei weitere Schätzchen von nu_be – bis dahin alles Gute und einen schönen Tag Euch, liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: www.kavewall.com, some rights reserved.

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Das Duftuniversum von nu_be – Teil Drei.
Duftverzeichnis L – Z


Einen raschen Blick…

möche ich heute auf einige Neuveröffentlichungen der letzten Zeit werfen, gebündelt sowie kurz und knackig. Umtreiben werden uns heute: Poiray Paris Parisian Rose, Diptyque Volutes und Laurent Mazzone Sensual Orchid.

„Wenn das Herz beschwingt ist und sich Rosenduft überall verbreitet, fühlt sich die Pariserin leicht wie eine Feder im Wind. Ganz Pariserin schlendert sie leichtfüßig wohltemperiert hinein in eine Welt voller Sanftmut. Die intensiven und süßen Noten, die Parisian Rose umfasst, sind wie die Pariserin selbst: einzigartig, raffiniert und souverän.“

Kennt jemand die Paris Interiors-Bildbände von Taschen? Darin finden sich ganz viele Wohnungen, die für mich, man glaubt es kaum, typisch französisch sind: Diese verspielte Leichtigkeit bei gleichzeitiger Opulenz, dieser Stil- und Materialmix, die schönen alten Dinge mit Geschichte… Eine wahre Wonne, darin zu blättern und von einem solchen Appartement zu träumen – leider wird es ein Traum bleiben, wenige andere europäische Städte sind so teuer wie Paris. Ein höherer einstelliger Millionenbetrag an Euros sollte es schon sein, damit man sich dort einigermaßen amtlich niederlassen kann in der Stadt. Vielleicht gewinne ich ja mal im Lotto, sollte dann aber vorher erst noch das Spielen anfangen.

Parisian Rose von Poiray soll also dieses Laissez-Faire einfangen, jene beschwingte Leichtigkeit dieser zauberhaften Stadt. Man denkt an eine leichtfüßig durch die Gassen springende Juliette Binoche… und an einen ebenso heiter-transparenten Duft. Parisian Rose greift die Lieblingsblume der Franzosen auf, die Rose, und interpretiert sie auf grazile und fragile Art und Weise: Sanfte Rosen von fruchtiger Frische und jugendlicher Spritzigkeit, untermalt von süßen Mandarinen und an saftig-samtigen Pfirisch erinnernden Osmanthus. Ein wenig Blattgrün hinzu sowie eine knackig-herbe grüne Birne, ein Hauch erdiges Veilchen und cremige Vanille – fertig ist er, der kleine Pariser Traum, der Freundinnen leichter und femininer (Rosen)Düfte erfreuen wird.

Diptyques Volutes wurde von einigen sehnlichst erwartet, hören sich die Noten doch schon vielversprechend an: Kopfnote: Trockenfrüchte, Rosa Pfeffer, Schwarzer Pfeffer, Safran; Herznote: Bienenwachs, Heu, Honig, Iris, Immortelle (Italienische Strohblume); Basisnote: Myrrhe, Styraxharz, Opoponax, Benzoeharz. An alte Handelsschiffe erinnert diese Zusammenstellung, an jene, die vor vielen Jahren Gewürze und andere Kostbarkeiten über die Meere schipperten. Und in der Tat ist Volutes einer solchen Inspiration entsprungen, allerdings einer eher moderneren oder zumindest im 20. Jahrhundert angesiedelten:

„Stellen Sie sich Ihre Traumreise vor, an Bord eines Schiffs von Marseille nach Saigon. Eine Kreuzfahrt, die immer wieder an Orten haltmacht, deren magische Namen mit Abenteuer und Gewürzen verwoben sind. Sie genießen den Zauber des Lebens an Bord, wo die Zeit nicht zu existieren scheint. Ein Labyrinth aus polierten Gängen, die getäfelten Wände der Aufenthaltsräume, die eleganten und geheimnisvollen Damen, die an der Reling des Oberdecks lehnen, versunken in den Genuss ihrer Le Khédive-Zigaretten. Ein Duft, der sich für immer ins Gedächtnis prägen wird: Volutes.“

Tracks

Unsere Dame hier ist eine mysteriöse, anziehende, die einen sofort in ihren Bann zieht: Kostbar-einzigartige Safranwürze trifft hier auf ausladende Noten von Heu, sonnengetrockneten Gräsern und Immortelle, die sich für ihre Verhältnisse sehr zivilisiert aufführt, aber dennoch prägend ist. Würzige Trockenheit und rauchige Wärme, von Honig, Harzen und opulenten Bienenwachsanklängen geküsst und von Pfeffer akzentuiert. Ein warmer, tiefer Charakter ist Volutes. Einer, der an Männer wie Frauen verführen kann. Und einer, der seine betörende Wirkung am besten auf warmer Haut entfaltet. Recht hautnah zeigt sich Volutes, aber seine Aura hat eine kräftige Wirkung und seine Sillage ist ziemlich gut. Volutes wird die Sehnsüchte einiger erfüllen – Honig und Wachs sollte man aber mögen, sonst wird es sicherlich nichts.

Japan sunset

Laurent Mazzones Sensual Orchid zehrt von der Impression eines elegant gekleideten Laufstegmodels, das uns mit seinem Duft in ihren Bann zieht. Ob alle Mädels bei Frau Klum gut riechen? Ob Frau Klum selbst ausdrucksstarke Düfte benutzt? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass Sensual Orchid eher auf einem Laufsteg von… einer opulenten italienischen Marke betören würde als bei den reduzierten Japanern oder den architektonisch anmutenden Belgiern. Sensual Orchid dürfte der Wunschduft all jener sein, die bisher einigermaßen erfolglos nach tropischen Blüten in Kombination mit Frucht und Vanille gesucht haben. Er ist exotisch-gourmandig, und das auf eine wirklich überaus köstliche Weise: Saftige Mandarine und, zumindest auf meiner Haut, Anklänge von Ananas treffen auf zarte, nektarbenetzte Neroli- und Ylangblüten, ausladenden Jasmin und eine sanfte Orchidee. Mandel stiftet prägnantes Amaretto-Aroma, dessen Würze Züge von Kokosnüssen offenbart. Und dann ist da noch die watteweiche Basis mit verhaltenen Hölzern, einer Handvoll Harze und natürlich – Vanille. Cremiger, milchiger, leckerer Vanille. Wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft, dem ist nicht mehr zu helfen.

Vanilla Orchids

Habt Ihr schon einen der Düfte getestet?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Colonia Esperidea & Dolce Narciso…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand,Hesperiden am 15.01.2013

sind die letzten beiden Kandidaten unserer vier Neulinge von Torre of Tuscany, die ich Euch hier vorstelle. Und glaubt mir, das verrate ich bereits – ein würdiger Abschluss! Wir haben es hier mal wieder mit zwei Landis zu tun – Arturetto Landi, der Parfumeur, ist im Blog gerade omnipräsent: Der Signature-Duft von Rundholz geht auf seine Kappe genauso wie Fiorisia von Profumi del Forte, der anderen Firma von Enzo Torre, jenem Mann hinter Torre of Tuscany. So schließt sich der Kreis. Und ich bin mittlerweile zum absoluten Landi-Fan geworden – bitte mehr, Maestro!

Ananas

Colonia Esperidea hört sich… auf den ersten Blick ziemlich langweilig und nicht gerade innovativ an: Ein Hesperidencologne, aha… mag man denken – und ist ganz schrecklich auf dem Holzweg, denn der Name und vor allem die von ihm hervorgerufenen Assoziationen sind schlichtweg eine Lüge. Colonia Esperidea ist weit mehr als „nur“ ein (weiteres) Eau de Cologne aus ein paar Zitrusfrüchtchen. Ein erster Blick auf die Zutaten lassen das bereits erahnen und erhoffen: Kopfnote: Zitrische Noten, Magnolienblätter, Ananas; Herznote: Orangenblüte, Rose; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra.

Der Meister selbst zum Duft:

„Ich wollte einen Duft ,der süße Spritzigkeit mit einem dennoch deutlichen Finale bietet. Für Menschen, die eins sind mit ihrer Zeit, klar in ihren Beurteilungen, unbeeinflusst von Konventionen. Menschen, die sich bewusst sind über die Qualität, die sie tragen.“

Ich bin von Colonia Esperidea ganz hin und weg, was vornehmlich an der bezaubernden Ananas liegt, die einem frisch und zitrisch-prickelnd akzentuiert in die Nase steigt. Feine, verhalten süß-fruchtige Orangenblüten spenden Sonnenschein, während Magnolienblätter und Rose für wässrige Frische sorgen, die die Früchte taubenetzt erscheinen lassen. Die Basis untermalt diesen beschwingten Duft federleicht.

Liebe Freunde, Colonia Esperidea ist genau das, was viele von uns – inklusive meiner Person – so häufig suchen in den Sommermonaten: Ein charaktervoller Sommerbegleiter abseits des manchmal recht homogenen Zitrusfrüchtegeschehens, aus dem jeder von uns so gerne einmal ausbrechen mag. Ein feminines Parfum, sanft wie eine laue Sommerbrise. Ein anziehender Duft voller Heiterkeit und Lebendigkeit.

Dolce Narciso ist, genauso wie Colonia Esperidea, ein innovatives Unikat: So einen Duft gibt es noch nicht, so einen habe ich noch niemals unter die Nase bekommen! Aber – wenden wir uns erst einmal den Ingredienzen zu: Kopfnote: Galbanum, Erdbeere, Pflaume; Herznote: Narzisse, Iris, Gardenie; Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Vanille.

„Eine überragende, einzigartige Narzisse“ soll Dolce Narciso sein, eine, „der man nicht entkommen will und die von ihrer Eigenart getragen wird. Voller Schönheit, nicht kräftig aber würdevoll in der Entwicklung, verführt sie sanft.“ Das liest sich vielversprechend, obgleich auch ein wenig nach Marketingblabla – aber ich kann mich dem Textchen nichtsdestotrotz nur anschließen. Hören wir uns doch Landis Gedanken zu Dolce Narciso an:

„Ich platzierte die Narzisse im Herzen eines absolut weiblichen Arrangements, leicht gourmandig. Narzisse ist eine Blume, die die Grenzen körperlichen Seins übersteigt. Wer dies wahrnimmt, akzeptiert und liebt die intimste Weiblichkeit.“

The yellow Light Catcher

Eine wie keine ist diese herrliche Narzisse: Bittergrünes Galbanum trifft hier auf eine Früchtestillleben, wie es schöner selten eines gibt in Parfums – Erdbeeren, süß und reif, und saftige Pflaumen, dunkelviolett erstrahlend. Die Blumenzier lässt sich ebenfalls sehen: Die Narzisse zeigt sich leicht wässrig und verhalten metallisch-kühl, was von einer samtig-pudrigen Iris kontrastiert wird. Deren Pudernoten werden von der ambrierten Basis aus geballter Vanillepower deliziös untermalt: Cremig, würzig, skinnig und milchig, kongenial auf die grün-wässrigen Pflanzen treffend. Gardenie haucht zusätzlich Weißblühersüße ein, betörend und opulent. Darüber hinaus meine ich auch, irgendwo in diesem köstlichen Geschehen Anklänge von pudrigstem Kakao erkennen zu können.

Wollüstig und sinnlich ist Dolce Narciso, ohne einen dabei zu bedrängen oder zu erschlagen. Ein mehr als weiblicher Duft, der eine ganz besondere Aura kreiert und auf den man, darauf wette ich, sehr oft angesprochen werden wird. Den Männertest hat er hier im Hause schon bestanden – meine männlichen Freunde mussten ran und waren überaus angetan… genauso wie meine beste Freundin, der ich die Probe quasi wieder entreißen musste, um für Euch diese Rezension fertigzustellen – sie hätte sie mir freiwillig nicht wiedergegeben ;)

Habt Ihr schon getestet, ist was für Euch dabei? Und – welches ist denn Euer Torre of Tuscany-Favorit?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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2013, das neue Jahr…

… erst einmal mit ein paar Vergessenen anzufangen schien mir sinnvoll – möglichst wenige „Altlasten“ möchte ich mitnehmen, deshalb wurden die Schubladen geleert und ihr bekommt demnächst noch ein paar Kandidaten um die Ohren oder vielmehr: die Nasen, die hier zu Unrecht ihr einsames Dasein fristeten.

Beginnen wir einmal mit Undergreen, die uns vor einiger Zeit Yin-Yang-mäßig Black und White präsentiert hatten – Rezension siehe hier. Jetzt wird mit Farben weitergemacht, allerdings etwas mutiger: Pink und Gold heißen die neuen beiden Düfte, die wie die ersten Kandidaten aus rein natürlichen Ingredienzen bestehen sollen. Wie damals gibt es auch diesmal zu den Düften ein wenig kryptisch anmutende „Interviews“, die mich etwas an jene Fragebogenbücher erinnern, die zu meinen Schulzeiten kursierten. Liebe Mamas da draußen, ist das heute immer noch in Mode?

Pink gibt in jedem Fall Folgendes über sich preis:

Auf welche Eigenschaft bist Du besonders stolz? Ich sprudle vor Lebensfreude!
Auf welche Eigenschaft bist Du am wenigsten stolz? Meine Gier, wobei…
Dein Umweltbeitrag? Ich wirke zwar eingebildet, bin aber zu 100% biologisch.
Dein Lebenswerk? Dir die gewisse Frische mit einem Hauch Sinnlichkeit verleihen.
Deine Heldin? Alice im Wunderland
Deine erste Liebe? Eine Rose, die mir geschenkt wurde.
Dein Reiseziel? Das Pink Beach Hotel in Harbour Island auf den Bahamas, dort kann ich alles durch die rosarote Brille betrachten.
Dein Ideal von Eleganz? Leichtigkeit
Das Geheimnis eines perfekten Dinners? Zwei Gänge mit herrlichen Köstlichkeiten.
Der ultimative Luxus ist…? Mich anzubieten.
Wie hältst Du Dich jung? Ein Bad mit Rosenblüten
Ein Talent, dass Du Dir wünschst? Eine Tänzerin zu sein und mit den Stars zu flirten
Ein Ort, an den Du gehörst? Ein Garten voller wilder Rosen
Deine Lieblingsfarbe? Pink natürlich!
Dein Lieblingswort? Sinnliches Vergnügen
Ein Satz, der Dich beunruhigt? „Du lässt mich rot werden.“
Was würdest Du gerne über Dich hören? „Sie ist prickelnd.“
Dein Dessert? Erdbeer-Melba

shortcake, sorbet

Erdbeer-Melba? Hieß das nicht Pfirsich-Melba? Völlig egal in diesem Fall, Pink verzaubert nämlich gleich auf den ersten Riecher. Jene Zutaten sollen sich im Duft verstecken: Kopfnote: Orange, Elemiharz, Zitrone; Herznote: Rose, Erdbeere, Gewürznelke; Basisnote: Vanille, Karamell, Gourmand-Noten, Zedernholz. Auf meiner Haut bekomme ich von dieser Vielzahl nicht allzuviel mit. OK, ein paar Orangenspritzer, ein bisschen schärfende Würze. Aber in allererster Linie Erdbeersorbet auf Bisquit mit viel Vanillecreme. Undergreens Pink muss die etwas erwachsenere Schwester von La Danza delle Libellule von Nobile 1942 sein. Der etwas habhaftere, komplexere Nachtisch mit mehr Unterbau und einem richtig schönen fruchtigen Röschen. Haaah… Schön! Sinnliches Vergnügen trifft es, und zwar ziemlich genau!

What I have done is yours; What I have to do is yours...

Schauen wir uns Gold an:

Auf welche Eigenschaft bist Du besonders stolz?Ich bin umwerfend.
Auf welche Eigenschaft bist Du am wenigsten stolz? Ich mache Leute verrückt.
Dein Umweltbeitrag? Unter meinen goldenen Blättern bin ich 100% Bio.
Dein Lebenswerk? Ich selbst.
Dein Held? Der Sonnenkönig
Deine erste Liebe? Carmen und Don Jose
Dein Reiseziel? Das Eldorado
Dein Ideal von Eleganz? Exklusives, 18-karätiges Gold
Das Geheimnis eines perfekten Dinners? Ein Dinner mit Kerzen…
Der ultimative Luxus ist…? Mich großzügig zu versprühen.
Wie hältst Du Dich jung? Schweigen ist Gold.
Ein Talent, dass Du Dir wünschst? Ich wäre gerne ein Alchemist, um Blei in Gold verwandeln zu können.
Ein Ort, an den Du gehörst? Eine feurige Arena in Andalusien.
Deine Lieblingsfarbe? Goldgelb
Dein Lieblingswort? Nugget
Ein Satz, der Dich beunruhigt? „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“
Was würdest Du gerne über Dich hören? „Er hat ein Herz aus Gold.“
Dein Dessert? Ein Zimt- und Apfelkuchen, die perfekte Mischung aus außergewöhnlicher Süße und knuspriger Ummantelung.

tower of limes

Green Tones Texture

In diesem Falle ist alles Gold, was glänzt: Gold ist traumhaft. Wieder einmal einer jener sehr besonderen Hesperidendüfte, die einem nicht allzu oft über den Weg laufen: Eine großartige Sillage sowie eine tolle Aura kreierend, brilliert Gold vorrangig mit einem Duo aus gleißend leuchtenden herben Zitrusfrüchten (Limette und Pampelmuse) und fruchtig-herbem Ingwer, frischem, von einer sacht-seltsamen Süße, die durch feine Orangenblüten noch unterstrichen wird. In der Basis finden sich allerhand Harze, die von unten sanft würzen und für verhaltene Wärme sorgen, auf den zweiten Blick. Auf den ersten ist Gold ein toller Frühlingsduft und Sommerduft, ein sehr besonderer.

Kommen wir zu Blood Concept – deren Neuling hatte ich vor einiger Zeit bereits in den Ankündigungen erwähnt:

„Die attraktiven Italiener von Blood Concept lancieren Red +MA, einen neuen Unisex-Duft: “A SUBTLE GAME OF BLOOD AND MILK.WHEN INNOCENCE IS LOST THEN PLEASURE IS SIN. A STOLEN KISS.IN A FORBIDDEN DREAM.” Red +MA wurde von Antoine Lieu kreiert und ich bin schon sehr gespannt auf den Duft, den Noten habe ich noch keine gefunden, es ist nur die Rede von einer “sharp and thin line between innocence and transgression”. Wie fandet Ihr eigentlich die anderen Düfte des Hauses, hattet Ihr sie getestet?“

Mittlerweile gibt es so etwas wie anhaltsweise Duftnoten zu Red +MA, nämlich die folgenden: Aldehyde, Veilchenblätter und Hölzer sollen drin sein in der knallroten Flasche… Wie bei den letzten Düften geht es hier ausschließlich synthetisch zu, was man auch riecht, was dem Duft aber keinen Abbruch tut. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist Red +MA sehr viel gefälliger und somit sicherlich auch massentauglicher – im Verhältnis. Ich würde sagen, dass wir es hier mit einem futuristischen (bitter)grünen Veilchen, einem sehr reduzierten, zu tun haben, das leicht fruchtige Anklänge in sich trägt. Immer noch nicht für Jedermann, aber ein interessanter Duft von einer sehr eigenen Frische und Aussage, der sicherlich mehr Duftliebhaber ansprechen wird als seine zugegebenermaßen zum Teil recht konzeptionellen Vorgänger.

Pierre Montale war mal wieder fleißig und hat nicht nur für Mancera gewerkelt, deren Düfte ich Euch neulich vorgestellt hatte, sondern auch für sein Label Montale. Candy Rose und Aoud Ever behandeln, wie man gleich an den Namen sieht, zwei Lieblingsthemen des Franzosen, nämlich das der Rose und das des Ouds.

Candy Rose entzückt von vorne herein mit einem herrlichen pastellrosa-metallic-farbenen Flakon. Was für eine nette Bonbonfarbe! Der Duft dazu ist ebenfalls ein großer Spaß: Eine überaus fruchtige, keineswegs kindisch-gourmandige, sondern eher frisch-herb-säuerliche Rose voller Dynamik strahlt mir entgegen, eine, die sich herrlich samtig mit meiner Haut verbindet und in allererster Linie ein Duett mit der schwarzen Johannisbeere trällert. Himbeere, Litchi und Mandarine verbleiben bei mir im Hintergrund, weder auf Teststreifen noch auf Haut sind sie wirklich dominant und zum Teil auch nicht wirklich herauszulösen aus dem Ganzen. Ein paar Weißblüher bekomme ich noch sowie eine weiche Patchoulivanillewärme aus dem Untergrund, die dem Duft ein feines Rückgrat verleiht. Eine gelungene Kombi, wie ich finde. Feminin und gleichzeitig dynamisch sowie voller Frische, der mich ein bisschen an Veld’s schönen Abnehm-Duft Prends-Moi erinnert.

Freshed Picked Currants

Aoud Ever ist ein Unisex-Oud eher maskuliner Natur, der einige sehr erfreuen wird: Die üblichen Verdächtigen hat man hier quasi als Basis genommen – Zitrusfrüchte und Pfeffer samt grasig-grünem salzig-rauchigem Vetiver sowie ein paar maritimen Anklängen. Diese Kombination funktioniert immer – so auch hier. Und Oud passt natürlich perfekt mit hinein – ich frage mich gerade, ob das schon jemand in dieser Form vorher gemacht hat und bin mir nicht sicher… Nach kurzem Überlegen fällt mir erst einmal nichts ein, was aber auch an der Tagesform, der heute etwas matten, liegen könnte. Eigentlich kann ich es mir nicht vorstellen, dass es nicht andere Düfte in dieser Art gibt… M7 könnte ein wenig in diese Richtung gehen, der Klassiker von YSL (der leider unterschätzte), ist aber doch schon sehr different. Nun ja, mir fällt sicher noch etwas ein. Ein Quentchen Leder findet sich noch in der ambrierten Basis, die ansonsten mit Unterholz winkt. Fertig ist der Mann, der ganze. Ein netter markanter Immergeher.

Und, was für Euch dabei?

Alles Liebe und viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

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