Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Ginger Musk von Montale – ein Versteck hinter dem Moschus

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 31.01.2012

Heute gelüstet es mich nach Ingwer. Wie gut, dass ich noch einen Ingwerduft hier liegen habe, der auch noch besprochen werden möchte: Ginger Musk von Montale. Die Duftnoten: Kopfnote: Ingwer, Brombeere; Herznote: Rote Beeren; Basisnote: Weißer Moschus.

Ginger Finger

Aber oh nein! Ich bekomme gar keinen Ingwer heraus? Wahrscheinlich ist er für die hesperidenartige Frische im Auftakt verantwortlich und bleibt ansonsten ganz im Hintergrund. Nach dieser Abkühlung zu Beginn kommen mir fruchtig-florale Noten entgegen, die auch einiges an Süße im Gepäck haben. Der große Triumphator ist allerdings der Moschus, der lange und langanhaltend das Heft in der Hand hat. So viel sei noch gesagt. Genauso wenig man den Ingwer herausriecht, genauso wenig treten die Brombeere oder die Roten Beeren in Erscheinung. Sie bilden eher eine fruchtige Komponente, welche das Gegenstück zum Moschus bildet. Eine durchaus interessante Mischung!

Blackberry close-up

Geht es Euch auch so? So langsam reicht es mit dem Winter und ich würde mich über ein paar mildere Temperaturen freuen. Bis dahin habe ich Euch einige knackige Früchte herausgesucht, die wenigstens an den Sommer erinnern.

Ribes - Red fruits

Vielleicht wäre auch Ginger Musk genau das Richtige, um den grauen Wintertagen zu entfliehen. Ein paar Sprüher und schon fühlt man sich in einen blühenden Garten versetzt, die Sonne scheint angenehm warm und auf dem Tisch steht ein leckeres Dessert mit frischgepflückten kleinen Beeren.

Ginger Musk ist meines Erachtens ein Unisexduft, der tendenziell besser zu einer Dame passen würde. Ein kräftiges Düftchen, die Haltbarkeit hat einen langen Atem! Um allerdings Enttäuschungen zu vermeiden: wer einen Ingwerduft auf die Haut bekommen möchte, sollte in ein anderes Fach greifen. Ich bitte um reichlich Kommentare mit Empfehlungen toller Ingwerdüfte! :-)

Es grüßt Euch
Harmen

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Von Schwertern & Samurai – Atelier Flou die Zweite.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Holziges am 19.01.2012

Gestern hatte ich mit dem ersten Duft der neuen Atelier Flou-Kollektion begonnen – da das eine Dame war, kommt heute ein Mann an die Reihe, damit sich jene nicht allzu benachteiligt fühlen. An Herrendüften stehen diese Woche von Atelier Flou Katana, Black Purple, Eau d’Aviateur und Monsieur mon Amour auf dem Programm – meine heutige Aufmerksamkeit möchte ich auf den ersten Kandidaten lenken.

Für den Namen von Katana stand ein Schwert Pate, und zwar ein ganz besonderes: Während man heute im Japanischen den Begriff wohl generell für Schwert verwendet, ist eigentlich ein spezielles japanisches Langschwert gemeint, das früher vornehmlich von Samurai verwendet wurde. Es handelt sich hierbei um ein geschwungenes Schwert mit einseitiger Klinge, das im Gegensatz zu vielen anderen Schwertern zweihändig geführt wird. Und, nicht wirklich wichtig, aber vielleicht ganz interessant – es ist nicht das Schwert, mit dem traditioneller Weise der in unseren Breitengraden als Harakiri bezeichnete Seppuku begangen wird. Dafür nimmt man ein Wakizashi, das meist speziell für diesen Anlass mitgeführt wird. Was viele aber nicht wissen, ist, dass man sich bei dieser Suizidform von einer weiteren Person unterstützt, für die es als große Ehre gilt, einem den werten Schädel abzuhacken, bevor es zu unmenschlich wird mit den Schmerzen – und exakt dieser Akt der Würde und Gnade wird klassisch mit einem Katana vollzogen.

Samurai – da stoßen Atelier Flou aber eine Tür auf… Dieser alte japanische Kriegeradel, der neben den Ninja zu den berühmt-berüchtigsten Gestalten des alten Japans zählt. Im Gegensatz zu den Ninja, denen nachgesagt wird, dass sie Spione und Meuchelmörder waren, ist die Existenz und das Leben der Samurai historisch sehr gut belegt und gesichert. Waren sie ursprünglich nur Soldaten im Dienste des Kaisers und des Adels, stiegen sie mit der Errichtung einer Militäraristokratie (Shōgunat) in die regierende Schicht auf. In der Edo-Periode wurde mit William Adams Anfang des 17. Jahrhunderts sogar ein Europäer, der erste, in den Samurai-Stand erhoben.

Auch Carons Herrenduft Yataganhier von Harmen rezensiert – flößt schon Respekt ein mittels seines Namenspaten, dem osmanischen Säbel. Ein Samurai-Schwert allerdings macht schon mehr her – vor allem, wenn man so viele Martial Arts-Filme gesehen hat wie ich. Martial Arts haben ihren Ursprung nämlich bei den Samurai – wenig verwunderlich, dass Samurai ein großes Thema in derlei Filmen sind, und zwar bereits seit den 20er Jahren. Die Samurai sowie die japanischen Filme über diese Kriegerkaste inspirierten auch viele Regisseure jener heute als Klassiker geltenden Western wie zum Beispiel Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar. Absolut zu Recht, zählt doch beispielsweise Akira Kurosawa Kritikern zu den weltweit einflussreichsten Regisseuren.

Hier ein Ausschnitt aus seinem 1957 entstandenen Meisterwerk „Throne of Blood“, auch „Spider Web Castle“ genannt, das eine abgewandelte Interpretation von Shakespeares MacBeth darstellt – jede Menge Samurais, meine Lieben!

Aber kommen wir wieder zurück zum Duft – ich hoffe, er enttäuscht meine durchaus gewichtigen Vorstellungen nicht…

“Strong, Powerful, The sun of the East. Much personality and sensuality in this fragrance inspired by the sharp edge of the saber of the Samurai. It takes risks by associating attars of cypress of Italy, coriander of Russia and cardamom of Guatemala for a unique harmony of strength and excellence. Power.”

Als kraftstrotzend und viril wird er beschrieben, mit ausgeprägter Persönlichkeit – nichts anderes erwarte ich von einem so benannten Duft, aber das werdet Ihr bereits vermutet haben ;)

Kühl weht er mir entgegen – holzig-ernste Zypresse und fruchtig-samtener Wacholder, eine nahezu ideale Kombination. Und viel mehr braucht es hier auch nicht: Kardamom gesellt sich in grüner Frische hinzu, Koriander würzt sanft und als Träger fungiert ein weicher Moschus, während dem Ganzen von Patchouli Tiefe eingehaucht wird. Ein stolzer Krieger, der seinen Idealen folgt – und auch meinen, erinnert er mich doch ein wenig an meinen heißgeliebten (neuen) Sycomore von Chanel. Zentrale Duftnoten sind gleich, nämlich Wacholder und Zypresse, bei Sycomore dominiert allerdings salzig-grasiger Vetiver, während dieser Krieger hier auch sanfte Seiten zeigt – eine distanziert-kühle Süße und Weichheit legt er an den Tag, der Knabe, und weiß damit durchaus zu verzücken.

Mal sehen, ob ich das auch von den anderen Atelier Flouschen Männern behaupten kann…

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Obata Toshishiro, Shinkendo-Gründer, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Maison de Haute Parfumerie à Paris…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand,Krautiges am 18.01.2012

… ist der vielsagende und wohlklingende Zusatz der neuen Nischenduftmarke Atelier Flou, welche in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 auf einmal „aufpoppte“ und gleich mit acht Düften aufzuwarten vermochte.

Was oder vielmehr wer verbirgt sich dahinter? Ein Herr namens Jean‐François Cabos, dem der konventionelle Parfummarkt nicht viel bieten konnte und der als begeisterter Duftfan deshalb beschloss, sich auf das typisch französische Traditionshandwerk der Parfumeurskunst zu besinnen und seine Düfte einfach gleich selbst zu kreieren, vielmehr – kreieren zu lassen. Und zwar von Jacques Chabert, über den man nicht allzu viel findet, dem man aber Lentisque von Parfums 06130 nachsagt – ein zu Unrecht vollkommen unterschätzter Duft. Und bei Chanel und Guerlain soll er tätig gewesen sein – eine große Vergangenheit in großen Häusern, die auch Cabos, der Firmengründer von Atelier Flou, vorzuweisen hat: Er war Managing Director bei Balenciaga, bis diese von Gucci aufgekauft wurden. Chabert und Cabos kannten sich seit Jahren, was vermutlich auch die ungewöhnliche Art und Weise der Briefings für die Düfte möglich machte: Cabos zeigte Chabert dafür Zeichnungen, Texte, Bilder und Gedichte, und nach fünf Jahren enger Zusammenarbeit war man am Ziel angekommen: Acht Düfte, ganz gerecht vier für die Frauenwelt und vier für die Herren der Schöpfung, waren als Ergebnis emsiger Arbeit entstanden. Und diese trägt ihre Früchte: Das Feedback war exzellent, auch Kollegen äußern sich überaus wohlwollend.

Roja Dove, Duftexperte bei Harrods und selbst Parfumeur, tat Folgendes kund:„Jacques Chabert, das kreative Genie hinter einigen großen Klassikern, verbündete sich mit Jean‐François Cabos, um ein überwältigendes neues Dufthaus zu gründen – Atelier Flou ist zweifelsohne die neue Haute Parfumerie.“

Haute Couture mag ich, Haute Parfumerie natürlich auch – so stürze ich mich nun als altes Trüffelschwein für Euch ins olfaktorische Getümmel, immer auf der Suche nach einem neuen Holy Grail…

Beginnen wir mit den Damen, das lässt mir gleich Luft für eine Beichte: Ten Nine, Paradis Paradis, Shamsin und Sloane Rose heißen die Düfte – letzteren muss ich leider später nachliefern, zum Zeitpunkt des Schreibens meiner Rezension war leider kein Muster für mich verfügbar.

Ten Nine wird so charakterisiert:

„Greedy, Careless, Devouring the life with full teeth. The explosion of a splendid fruit cocktail, with the irresistible aroma of the chocolate and the refreshing touch of the so smart green tea underlined by a voluptuous attar of carvi of Hungary for this fragrance which tastes like a magic moment of life fully crunched. Greedy pleasure.“

Früchte, ehrlich? Soviel Frucht vermag ich hier nicht zu entdecken, das stört mich aber auch nicht weiter: Beeren finde ich, wenn ich mich bemühe, in allererster Linie aber zauberhaft kakao-pudrige Schokoladenanklänge, die zimtig anmutenden Harzen sanft-würzig unterstrichen werden. Eine Prise Kümmel, auf dem Teststreifen sehr viel deutlicher zu erkennen als auf meiner Haut, ein paar Zitronensternchen leuchten am Rand den Weg, der über verhalten krautig-ernste Akzente (Lavendel!) in eine deliziös-ambrierte Basis führt.

Die Diskrepanz zwischen Teststreifen und Haut ist frappierend: Der Teststreifen zeigt sich frischer, offeriert Kräuter und somit Gartenimpressionen, von After-Eight-Leckereien versüßt. Auf meiner Haut kommt das alles weniger zum Tragen und es dominiert eine trockene Wärme, die mit allen möglichen Schokoladenfacetten und -nuancen brilliert. Ein eigener Test, der ja ohnehin immer angeraten wird, ist hier unerlässlich.

In jedem Falle scheint mir das ein schöner Einstieg gewesen zu sein – ich bin gespannt, was uns diese Woche mit Atelier Flou noch erwartet!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Various Chocolate Types von Fir0002/Flagstaffotos, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes,Holziges,Solifloral am 17.01.2012

Die Rezension von Herrn Zoltys À bientôt dieser Tage hat mich an ein lange gehegtes Versprechen erinnert, das ich heute endlich einlösen möchte: Ein wirklich Vergessener, lange Vergessener und absolut zu Unrecht vergessener Duft – extra für die liebe Christiane, Simone Cosac, Perle de Bianca. Ende 2010 hatte ich von Trama geschwärmt und verkündet, mich bald des anderen Cosac-Duftes anzunehmen, was bis heute noch nicht passiert ist, Asche auf mein Haupt. Dabei ist Perle de Bianca, dessen etwas tiffiges Outfit wohl einige abschrecken dürfte, jede Rezension wert! Wer einen madamigen Duft hinter diesem Flakon vermutet, ist vollkommen auf dem Holzweg: Perle de Bianca ist eigentlich ein sehr einfacher Duft und ähnelt ein bisschen der Slowfood-Bewegung. Die Ingredienzen sind überschaubar, sehr sogar – Neroli im Kopf, Iris, Jasmin und Brombeere im Herzen und eine Basis aus Ambra, Moschus und Weihrauch. Was sich wenig spektakulär anhört, entpuppt sich als zarter sinnlicher Duft: Im Auftakt zitrisch-herb und säuerlich bitzelnd durch die Früchtchen rieche ich in deren Zusammenspiel sogar kurz eine Stachelbeere und dezente grün-grasige Akzente. Der Fokus geht alsbald auf den Boden unter den Früchtchen – erdig-pudrig wurzelt Iris und stiftet Seidenweiche, während Jasmin zart vor sich hin knospt. Das Zusammenspiel von Iris und Jasmin sowie Brombeere und Bergamotte ist himmlisch und wird auf gekonnte Weise untermalt von aromatischer, brusterweiternder und fein-süßer Myrrhe, bis es auf einem warm-weichen Lager Ruhe findet. Ein erlesen schöner, leiser, femininer Duft.

Silvana Casoli von Il Profumo war einmal mehr überaus fleißig – und hat ihre Kollektion gleich um vier neue Düfte erweitert: Santal Rouge, Songe de Tulipe, Blanche Jacinthe und Fleur de Bambù erwecken den Eindruck, als künden sie vom nahenden Frühling – auf den ich, obgleich es noch nicht einmal wirklich verschneiter Winter war, mittlerweile schon wieder Lust hätte…

Santal Rouge überrascht mit zitrischen Noten im Kopf, die alsbald von Unterholz eingeholt werden: Samtiges Sandelholz bahnt sich seinen Weg, von zimtig-würzigen Anklängen samt einer Gewürznelke begleitet. Eine dezent-säuerliche Frucht vermag ich zu entdecken, Johannisbeere? Ein Blick auf die Ingredienzen sagt mir, dass das möglich wäre: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Rote Beeren, Sandelholz, Nelke; Basisnote: Rosenholz, Gewürznelke.

Santal Rouge entfaltet einen eigenartigen Reiz: Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich kein ausgeprägter Sandelholzfan bin? Es erinnert mich allzu oft an Herrenfriseure, Rasierwasser und ähnliches – nicht unangenehm, aber nicht unbedingt das, wonach es mich zu duften gelüstet. Santal Rouge haftet auch etwas dieses, ich nenne es mal „Altherrencharmes“ an, der sich aber als fast unumgänglich bei dieser Ingredienz entpuppt. Gepaart und aufgelockert zeigt sich das Hölzchen allerdings von den säuerlich-prickelnden Fruchtnoten von Beeren und Hesperiden. Diese generieren eine eigentümliche Frische, die Santal Rouge unbestritten zu einem zeitgemäßen Vertreter seiner Gattung machen, für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar.

Songe de Tulipe zaubert mir beim Aufsprühen sofort ein strahlendes Lächeln ins Gesicht – und lange habe ich überlegt, an was er mich erinnert… Der Tulpe ist er gewidmet, der Duft. Einen ebensolchen und sehr schönen Vertreter gibt es ja von Byredo – Casolis Tulpe ist aber anders: Weniger wässrig-transparent und ein bisschen… fruchtiger? Als Ingredienz ist nur die Tulpe angegeben, ich bin mir aber nahezu sicher, dass Songe de Tulipe auf meiner Haut nicht nur süß-floral duftet und feucht, sondern auch nach… Sorbet. Da ist sie, die Kindheitserinnerung an das kleine, pittoreske italienische Eiscafé. Der Duft von einem exzellenten zart-schmelzenden Beerensorbet, Himbeere oder Erdbeere, erobert meine Nase. Von sanfter Süße und mit einem Keks garniert zeigt sich Songe de Tulipe auf meiner Haut, alsbald eingeholt von einem Hauch minzig-süßer Frische. Welch schöner Frühlingsbegleiter – nach Coquelicot meine zweite Lieblings-Il-Profumo-Blume.

Blanche Jacinthe ist eine Hommage an die Wasserhyazinthe – und riecht dafür auch ganz typisch: Dieser besondere Blütenduft, der auf seine ihm genuine Art einen Großteil der Elemente miteinander verschmelzen lässt: Wasser, Erde und Luft finden sich, während auf das Feuer zugunsten des Metalls verzichtet wird. Eine beschwingte Blütensüße wird von dunkelgrün-chypriertem Blattwerk kontrastiert, während der Duft von einer sachte ambrierten Moschusbasis getragen wird.

Fleur de Bambù lässt mich sofort schmunzeln – der Bambusblüte gewidmet, vereint er etliche Zutaten, die man in einem solchen Duft vermuten würde: Rica Rica (ein Eisenkrautgewächs, vornehmlich in Südamerika beheimatet), Bambus, Seerose, Lotosblüte, Reis, Milch und Efeu. Jene für die verwendeten Blüten so typische wässsrig-florale Aura lässt sich sofort entdecken, von fein-transparenter Süße begleitet. Grüne Anklänge, hinter denen ich sogar meine, zeitweise eine überaus unreife Banane oder vielmehr deren Blätter wahrzunehmen. Und Reis, vielmehr – Milchreis, der irgendwo am Rande dieser Impression körnt und cremt, von sanft-koketter Süße begleitet. Aber keine Angst – genügend Sauberkeit findet sich hier natürlich auch, wie es sich für einen Bambusduft gehört. Für Freunde dieser Sorte Düfte empfiehlt sich mit Sicherheit ein Test.

Wie bei Il Profumo üblich sind die Düfte zum Layern empfohlen. Wie steht Ihr eigentlich dazu? Il Profumo ist ja nicht die einzige Firma, die diesem Konzept frönt, Jo Malone und Etro sind ebenfalls bekannt dafür, um nur einige zu nennen… Layert Ihr gerne? Layert Ihr viel? Was layert Ihr – Düfte, die speziell dafür gedacht sind oder alles kreuz und quer? Und – was für Kombinationen haben es Euch angetan?

Gespannte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gelbe Tulpen von Warburg, August Macke (1911): Hyazinthen, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Silvester…
Schokoladenpüppchen…


Parfums für die lieben Kleinen…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Solifloral am 30.11.2011

… gibt es ja einige, und wie meine Erfahrung zeigt, sind es für gewöhnlich nicht mal die Schlechtesten, was Ihr an dieser Stelle als schwäbisches Kompliment werten dürft. Für den einen oder anderen Nichtschwaben, der mit unserer Gattung noch nicht in Berührung gekommen ist: Das höchste Kompliment eines Schwaben ist jenes, dass er schon Schlechteres gehabt, beispielsweise nach einem Essen, dass er schon Schlechteres gegessen habe. Die Kenntnis des schwäbischen Charmes ist eine unerlässliche Voraussetzung für menschliche Interaktion jeder Art mit uns, insofern seid Ihr ja jetzt gewappnet. Aber kehren wir wieder zurück zum Thema – Kinderdüfte.

Bulgari erfreut uns schon seit Jahren mit Petits et Mamans, seinem Duft für kleine Kinder und deren Mütter. Alkoholfrei und in der Anmutung pudrig, rein, unschuldig und kuschelig hat der Duft nicht wenige erwachsene Fans. Auch wenn ich nun als Kinderlose über keine praktische Erfahrung verfüge – mein Baby würde ich, denke ich, nicht unbedingt mit Düften einsprühen. Aber für kleine Mädchen und auch Buben finde ich das eigentlich eine zauberhafte Idee. Viele von uns dürften das ja auch kennen und in den Biographien von so gut wie jedem Parfumeur steht eine ähnliche Geschichte: Das Bestaunen der mütterlichen Parfums im zarten Alter samt dem unbedingten Bedürfnis, an diesen zu schnuppern, diese zu tragen.

Nobile 1942 überraschten mich auf der Messe vor zwei Jahren mit zwei Parfumsets für Kinder, einem für Mädchen und einem für Jungs. Alla Corte del Re genannt trägt das Mädchenset den Beinamen Rosa Incantevole und das für Jungen heißt Cedro Atlas. Ich weiß noch, wie begeistert ich damals von den jeweils drei Düften im Set war: Einfache, wenig komplexe, aber kindgerechte, freundliche Düfte zum Layern, was den lieben Kleinen sicher besonderen Spaß machen dürfte. Und dann war da noch dieser tolle Erdbeerduft in dem Set für Mädchen, der nur noch durch den „Cola“ benannten Duft bei den Jungs getoppt wurde: Der Name ist hier absolut Programm. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie das dem Parfumeur gelungen sein mag, Cola riecht aber wirklich nach Cola. Und macht somit unglaublich viel Spaß, weswegen ich den Duft sicher nicht nur kleinen Jungs ans Herz lege!

Überhaupt ist das doch ein wichtiger Aspekt an Parfums: Manchmal gibt es einfach Situationen, an denen man das Bedürfnis nach einem Duft hat, der einen einfach heiter, fröhlich, lustig stimmt. Und dann darf der Duft vielleicht auch etwas einfacher, kindlicher sein.

Ein Grund, weshalb mich Prudence Paris, deren Damendüfte ich letzte Woche vorgestellt hatte sowie gestern die Herren, mit ihren Kinderdüften vollkommen für sich einnehmen konnten: Mademoiselle heißen sie, die zwei Grazien, und sind den Mädchen gewidmet.

Mit dem einen Mademoiselle-Duft werde ich auf der Stelle selbst wieder zum Mädchen, und nicht nur das: Was mir da von Teststreifen und Handgelenk entgegenweht erfüllt mich augenblicklich mit Lebenslust und Freude, anders kann ich das nicht sagen. Beeren sind es, und zwar ein sehr deutlich wahrzunehmendes Trio aus Himbeere, Erdbeere und Brombeere. Bei meinen Eltern zu Hause gab es die immer mit einem Hauch Zucker bestäubt, manchmal Puderzucker, manchmal normaler Zucker. Den rieche ich hier auch, mit einer feinen Prise Vanille vermischt. Und ich rieche noch eine bitzelnde Kindheitserinnerung: Ahoi Brause, meine zweitliebste, nämlich Himbeere.

Was für ein schöner, kleiner Duft, denke ich – und habe mich gerade umentschieden: Das kleine Fläschchen, das hier vor mir steht, kann ich unmöglich an die Tochter meiner Freundin weiterverschenken. Zumindest nicht, ohne mir vorher ein kleines bisschen abgezweigt zu haben.

Mademoiselle die Zweite zeigt sich ähnlich bezaubernd: Saftige Mandarine und helle Rose in der Kopfnote, würzig-warmer Anis ohne Ouzoanklänge und überaus üppige Orangenblüten, fruchtig-floral und von einer herzigen Honigsüße, die von der pudrig-warmen Basis aus Vanille und Ambra gekonnt abgerundet werden.

Orangenblüte sollte man hier schon mögen, da sie eine zentrale Rolle spielt. Wer das tut, könnte mit jenem feinen Düftchen aber vielleicht einen Anwärter auf seinen Orangenblüten-Holy-Grail finden, den Mademoiselle weiß durchaus als ebensolcher zu überzeugen und wird somit auch viele erwachsene Mädchen verzücken.

Nun haben wir alle Prudence-Düfte besprochen, ich bin richtig stolz auf mich. Moment – nicht alle: Einen Haustierduft hat Madame Kilgour noch parat, der aromatherapeutisch wirken soll und mit Hilfe von Veterinärmedizinern entwickelt wurde. Und, ganz ehrlich? Nach dieser ganzen Kollektion würde ich den auch wahnsinnig gerne mal testen, zumal eine meiner Katzendamen auch ganz verrückt nach Düften ist…

In diesem Sinne gehe ich jetzt erst mal die Katzen bespielen und wünsche Euch einen schönen Tag -

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Canvas Baby Girl Polka Dot Shoes von Katerina Chuchuva, Berry Mix von Nicolas Raymond, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Da heute…


Prudence Paris Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Gourmand am 24.11.2011

Die Düfte von Prudence Kilgours kleiner Linie Prudence Paris beschäftigen uns diese Woche – und heute sind Duft No. 5, No. 6 und No. 7 an der Reihe.

In Prudence No. 5 schillert in der Kopfnote das auf, was ich „Nachbarin“ No. 4 gestern so vehement unterstellt hatte: Melone. Fein-fruchtig, leicht mehlig und von typischer Süße präsentiert sie sich, die Holde, um alsbald den Weg frei zu machen für ein überaus ansprechendes Herz. Johannisbeere, tief dunkelviolette in herber Pracht trifft auf betörenden Jasmin und würzig-warme Tonkabohne, welche sich in der Basis gekonnt von Vanille bekräftigt sieht. Untermalt wird dieses Geschehen von sanft-rauchiger Harzwärme durch Ambra.

An was erinnert mich das? Ich musste lange überlegen, bin dann aber doch noch draufgekommen: Eine entfernte Ähnlichkeit mit Parfum Pour Toi von The Pink Room ist vorhanden, durchaus ein Qualitätsmerkmal also. Wie Parfum Pour Toi ist auch dieses Düftchen hier französisch, ein bisschen Gauloises rauchende Audrey Hepburn, kokette-frivole Kindfrau, sinnlich, unschuldig, erotisch und vor allem auch erfrischend bis in die Fußspitze äh… Basisnote. Ich mag das. Mehr davon bitte.

Prudence No. 6 zeigt sich schon nach dem ersten Schnuppern als ganz anderes Kaliber: Weihrauch, meine Damen, in Kombination mit Rose. Hier geht es zwar nicht ganz so gruftig-kühl zur Sache wie bei den wunderschönen Weihrauchdüften von Andy Tauer, aber Madame Kilgour lässt es auch ordentlich krachen. Es raucht schon von vornherein gewaltig und Opoponax und Weihrauch entwickeln im Zusammenspiel mit Bergamotte ähnlich sonderbar-eindringliche Anklänge wie sie in Etros Mitternachtsmesse, Messe de Minuit, zu finden sind: Jener geniale Balanceakt zwischen kalten Kirchenwänden und harzig-trockener Wärme. Ein riesiger Brautstrauß dunkelroter Rosen, der irgendwo in einer alten Kirche einsam auf dem Altar wartet, große Emotionen verkündend? Ja, doch, dahin tendiert jener umhüllende Duft, der einen auf sehr ähnliche Weise schützend umfängt wie es die Etrosche Messe vermag. Allerdings ist die No. 6 weicher, harziger, ja – … gefälliger und brilliert darüber hinaus noch mit ihrem Rosenbouquet, das sich schön in das kontemplative Szenario einzufügen vermag.

Die No. 7 sprühe ich auf – und fühle mich gleich erinnert: Engelein höre ich singen, es weihnachtet ja auch schon… Ein waschechter Fruitchouly bahnt sich hier seinen Weg und erinnert deshalb zwangsläufig an die große Ikone, die die Duftfamilie der Gourmands überhaupt erst erfunden hat: Angel von Thierry Mugler. Geliebt wird er genauso heißblütig wie er gehasst wird – das wird auch auf die No. 7 zutreffen, wobei Fans von Profumi del Pantellerias Jailia und Micallefs Mon Parfum getrost zugreifen dürfen. Likörig-satte und herb-fruchtige Pflaume sowie Beerennoten, für mich Brombeere, die beiden fruchtigen Geliebten schmiegen sich sündig an den übermächtigen Patchouli, der gewandet in pudrigem Kakao dunkelster Sorte und cremige Vanille die unangefochtene Hauptrolle spielt. Ein sündhafter Gourmand für erwachsene Naschkatzen.

Morgen folgt der Abschluss der Prudence-Damenkollektion – bis dahin liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hepburn & Peck in “Roman Holiday” (1953), Decke der Kathedrale von Kirckwall, Orkney/Schottland von Clemens Franz, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Herren von Prudence Paris.
Prudence Paris Teil 4.
Prudence Paris…


Prudence Paris…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges am 22.11.2011

… ist eine dieser netten kleinen Marken, bei denen es einem ganz warm ums Herz wird, wenn man sich die Geschichte dahinter ansieht: Gegründet wurde das kleine Label von Prudence Kilgour, einer gebürtigen Australierin. Schon seit ihrer Kindheit hatte diese davon geträumt, Düfte zu kreieren – zuerst aber sollte sie anderweitig erfolgreich werden: Kilgour machte Karriere in der Modebranche und designte für große Häuser in London und New York, um dann nach Asien zu ziehen, wo sie ihre Firma Prudenzia gründete, mit der sie eine selbst entworfene Kollektion an Seidendessous verkaufte. Erst 2003 sollte ihr Wunsch in Erfüllung gehen, als sie den weltberühmten Floristen Henrie Moulié traf und ihn überzeugte, ihr seine Kunst beizubringen – bei der Arbeit mit den vielen Blüten meldete sich die lange verspürte Sehnsucht, und Kilgour zog es danach nach Grasse, wo sie eine Ausbildung als Parfumeurin absolvierte.

In ihren Flitterwochen verliebte sich Kilgour dann ein zweites Mal, und zwar in die Gegend des Périgord, wo sie sich dann auch mit ihrem Mann niederließ und 2006 in Beaumont-du-Périgord ihr eigenes Geschäft für Parfums, Duftkerzen und Seifen öffnete. Die Parfums kreiert sie in enger Zusammenarbeit mit einem befreundeten Parfumeur (ein alter Bekannter: Dr. Silvio Levi von Calé Fragranze), die Flakons stammen natürlich ebenfalls aus Frankreich und die Verpackung aus handgeschöpftem Papier stammt aus der nahegelegenen Papiermühle Moulin de Larroque.

So idyllisch wie es sich anhört ist es wohl auch, wie mir neulich der nette Herr vom Vertrieb bestätigte, der das Paar schon vor Ort besucht hat. Ist glatt zum neidisch werden – ich würde ja auch so gerne Salzbauer werden oder Winzer, Schafe züchten oder ähnliches… Wir werden sehen. In jedem Falle möchte ich Euch dieser Tage die Kollektion von Madame Kilgour vorstellen, da es sich durchaus lohnt, einmal einen näheren Blick darauf zu werfen. Vorab: Ich finde, dass die Kollektion sehr – französisch ist. Und sie richtet sich überwiegend an die Damenwelt. Aber nicht nur an die – mit Polisson kreierte sie auch einen Duft für Katzen und Hunde, in enger Zusammenarbeit mit einem Veterinär. Leider, leider stand mir exakt dieser nicht zur Verfügung, ich hätte gerne mal meine Mädels damit bestäubt, vor allem auch, wenn er vielleicht aromatherapeutische Aspekte aufgewiesen hätte – so müssen meine Damen weiter vor sich hin darben und ich stürze mich alleine ins duftende Vergnügen der Parfums!

Prudence ist der erste Duft von Prudence Kilgour und lehnt sich an das Naturell seiner Schöpferin an: Diese wünschte sich einen floralen Duft, sinnlich und feminin zugleich sowie frisch, aber diskret. Dieses Konzept ist aufgegangen und hat ziemlich gut funktioniert: Ein frühlingsfrisches Bouquet taubenetzter, vornehmlich weißer Blüten umschmeichelt meine Nase, von honigsüß-fruchtigen Neroliblüten umrankt. Die Basis ist watteweich und pastellig und erscheint mir sowohl auf der Haut als auch auf dem Teststreifen viel zarter, als ich es mir anhand der Ingredienzen vorgestellt hatte: Gewürze, Sandelholz, Weihrauch und Benzoe hört sich weit harzig-holziger an, ich rieche aber – Marzipan, bittersüßmandeliges. Auf einem dichten, cremigen, warm-würzigen Lager.

Ich bin mir sehr sicher, dass Kilgours Konzept eines weiblichen Duftes hier sehr vielen Frauen gefallen wird – floral, aber nicht zu blumig, weiße Blüten, aber zivilisiert, von süßer Weichheit, aber nicht klebrig. Ein wirklich schöner Begleiter.

Prudence 1 gleicht der Impression eines spätsommerlichen Gartens: Ein klarer Himmel bringt Kunde von einem schönen Tag, den man noch in Aussicht hat. Die Sonne schwingt sich gen Höhe und steigt empor über das Beet voller Blumen, noch taubenetzt im kühlen Morgen dösend.

Sauberes. Wässriges. Frisches. Säuerlich-Fruchtiges. Florales. Alles auf einmal, auf vortreffliche Art und Weise miteinander verwoben. Vor allem die Äpfel und Johannisbeeren steigen einem aus dem Obstkorb heraus ins Näschen und wissen mittels ihrer Authentizität zu überzeugen. Absolut nicht quietschig oder plastikhaft anmutend, sondern natürliche Fruchtigkeit offerierend haben sie zumindest meine Nase alsbald erobert, denn Apfel ist eigentlich eine sehr schöne Note, nur leider sehr selten so passabel umgesetzt wie in Annunziatas Sofron oder in Borsaris Lampone, Fior di Melo e Semi di Cacao aus der Arte-Kollektion.

Gespannt bin ich, wie es diese Woche weitergeht mit den Prudence-Düften – ich hoffe, Ihr auch!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Prudence Paris, Franz Eugen Köhler (1897): Köhlers Medizinal-Pflanzen / blühender Pomeranzenzweig, Apples von Plusverde/Oliver Grüner, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen: Bond No. 9 – Die Oudparade im Grünen oder so ähnlich.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges,Grünes am 21.09.2011

Einmal wieder habe ich für Euch in der Vergessenen-Schublade gekramt und noch einiges gefunden, dass ich Euch nicht vorenthalten mag: Von Bond No. 9 alleine harren noch drei Düfte der Besprechung – Madison Square Park, High Line und New York Oud, und weils so schön ist nehm ich den ersten Oudduft namens Signature Perfume noch gleich mit hinzu. Beginnen werde ich heute mit den Grünanlagen des Big Apple.

Madison Square Park ist, ich darf mich zitieren:

„Kurz zusammengefasst: Der Park namens Madison Square Park war und ist ein Place-to-be, in ihm saßen Schriftsteller und holten sich Inspirationen, wenn sie nicht gleich Klassiker der Weltliteratur dort verfassten, er ist eingerahmt von tollen Restaurants berühmten Hotels und so weiter. Das alles hat man in ein Parfum gepackt, das eine Mélange aus romantischen Blüten und frischen grünen Noten. Im Auftakt frühlingshaft mit Traubenhyazinthe, Heidelbeere und Präriegräsern wartet der Duft im Herzen mit Tulpen und Rosen auf, die auf einer Basis von dunklem Teakholz und Vetiver ruhen. Der Parfumeur des Duftes ist ein alter Bekannter – Laurent Le Guernec. Und, ich muss es dazu sagen – ich bin zwar absolut kein Flakonsammler, aber dieses knallige Pink finde ich schon ziemlich cool ;)“

Traubig-wässrig präsentiert sich der Duft im Auftakt auch und ich frage mich, ob die Traubenhyazinthe selbst auch im Original fruchtige Gerüche verströmt, vielleicht allerdings ist auch nur meine Nase des Wahnsinns fette Beute, denn anstatt der Heidelbeeren, der schönen züchtigen offeriert sie mir – Nektarine, Pfirsich? Zumindest strahlen mich dieses aus einem beruhigend rosig-tulpigen Bett heraus an – liege ich, liegen wir doch nicht so falsch… Tulpen, ähnlich wässrig-süß umgesetzt wie in Byredos schönem transparenten Tulipe, und minzig-frische Rose, hell und luzide leuchtend in den schönsten Pink- und Rosatönen. Das Teakholz erblasst vor dieser poppigen Schönheit und hält sich ganz Gentleman im Hintergrund, während Vetiver grasgrüne Effekte zaubert.

Ein locker-leichter Frühlingsduft, heiter, beschwingt, dynamisch – in solch einem Park lässt sich’s leben, lässt sich’s leicht arbeiten, schreiben, kreativ sein. Der Duft dazu tut sein Übriges – und ist somit hervorragend dazu geeignet, tagsüber den Frühling mit ins Geschäft zu nehmen, und mit Blühendem für frischen Wind zu sorgen.

Hinter High Line verbirgt sich ein wunderschönes Projekt, von dem ich schon einmal erzählt hatte:

„Die Geschichte hinter High Line ist durchaus bemerkenswert, ist der Duft doch der erste, der einer Bahnstrecke gewidmet ist, allerdings einer sehr besonderen: Die High Line erstreckt sich inmitten des Manhattaner Westens und wurde ursprünglich in den 30er Jahren erbaut, um den Schienenverkehr umzuleiten. Eine Hochbahntrasse, die nun, da sie keiner mehr braucht, innerstädtisch umgenutzt wird: Nach Vorgaben des bekannten dänischen Landschaftsarchitekten und -designers Piet Odouls entsteht ein Park für die Öffentlichkeit. Urbane Tristesse ade, back to Nature ahoi oder so ähnlich. Eine schöne Idee und ein tolles Projekt, dass Bond No. 9 Gründerin Laurice Rahme gerne unterstützen möchte: Sie kreierte den Duft High Line zusammen mit Laurent Le Guernec von IFF, der den Duft als „fun floral in a very modern, industrial way” bezeichnet, ergo einen fröhlichen Floralen in sehr moderner Umsetzung. Die Ingredienzen sind an die im Park vorfindlichen Pflanzen angelehnt: Bergamotte, Purpur-Liebesgras (ja, heißt wirklich so…), Traubenhyazinthe, Rhabarber, Rose, Tulpe, Orangenblüte, ozonische Noten, Aldehyde. Rahme ist dem Verein der Freunde der High Line beigetreten und spendet 4% der Einnahmen aus den High-Line-Verkäufen zur weiteren Begrünung des noch nicht fertiggestellten Parks. Wer sich das Projekt mal ansehen mag und in nächster Zeit nicht nach New York kommt klicke bitte hier.“

Fun-Floral gefällt mir als Bezeichnung irgendwie gut für einen Ami-Duft, obgleich ich diese eher als geeignet für Madison Square Park ansehen würde, vielleicht wegen der Pfirsichfruchtigkeit, die ich dort herausrieche. High Line ist vielmehr modern, ein sauberer, ozonig-luftiger Duft für den smarten jungen Großstädter, und meines Erachtens nach typisch amerikanisch: Dezent grün, subtil fruchtig und verhalten floral mit ein paar Hesperidensprenklern und, wenn ich mich arg anstrenge, auch mit ein paar Fasern fruchtiger Rhabarberherbheit, die im Duftverlauf sogar an Prägnanz gewinnen. Trotzdem ich Rhabarber sehr mag und trotzdem der Duft an und für sich nicht schlecht ist – mir fehlt hier leider ein bisschen das Profil, vielleicht auch die Kanten. Ein frühlingsfrischer Immergeher, ja. Und nett ist er auch – er tut auch nicht weh. Aber vielleicht ist auch genau das das Problem – oder ich habe einfach einen schlechten Tag, wir werden sehen…

In jedem Fall wünsche ich Euch einen schönen Resttag und sende Euch liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Flatiron Building over Madison Square Park von Daryl Samuel, The High Line in Manhattan, New York City at West 20th Street, looking downtown (south) von Beyond my Ken, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Bond No. 9 in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Vergessenen: Bond No. 9 die Zweite – Oudparade.
Duftverzeichnis
Die Neuigkeiten 2011…


Reisen mit Molton Brown die Zweite.

Nach London zu Molton Brown geht es heute erneut – und zwar einmal via China mit Lijiang und einmal via Indonesien mit Singosari, den beiden asiatischen Düften der Navigation Through Scents-Kollektion.

Lijiang verwirrt erst einmal – gemeint ist wohl nicht die Stadt Lijiang, auf Deutsch Stadt am schönen Fluss (gemeint ist Li), in der chinesischen Provinz Yunnan gelegen und unter diesem Namen im 13. Jahrhundert nach der Eroberung der Region durch Kublai Khan gegründet (der uns nicht nur historisch, sondern auch durch den Duft von Serge Lutens ein Begriff ist ;)). Die Rede ist hier wohl von dem Fluss Li Jiang oder auch Li-Fluss, der sich 437 lange Kilometer durch die Volksrepublik schlängelt und für die ihn umgebenden schönen Landschaften berühmt wurde.

Auf eben jenen Fluss lädt uns der Duft ein, auf ein Bambussegelboot, mit dem man die Ufer entlangfährt, getragen von den sanften Wellen und getrieben von einer leichten Brise… und seid Euch sicher, auf diesem Segelboot sitzt auch eine typisch asiatischen Schönheiten mit milchig-transparenter Haut, fragil, feminin und anmutig, gehüllt in einen traditionellen Seidenkimono. Genau wie dieser umfließt einen Lijiang, jene Impression einfangend: Weißer Tee in unschuldig-reiner Frische zeichnet die Aura, während Osmanthus keck die ewig jugendliche Pfirsichhaut in ihrer subtilen Süße malt. Moschus stiftet seidene Weichheit und Vetiver haucht grasige Rauchigkeit ein, die an das Gleiten im Wasser gemahnt, von subtiler grüner Frische begleitet. Kontrastiert wird das Bild von einer Prise rosa Pfeffer, dezente Schärfe, die Spannung generiert.

Ein zarter Duft wie ein Aquarell, ein bisschen an Memos Inlé erinnernd, der sich thematisch ebenfalls an Asien orientiert.

Unsere weitere Reise führt uns ins Inselreich Indonesien: Singosari begibt sich olfaktorisch auf die Spuren der alten Gewürzroute, welche von Europa um die Spitze Afrikas herum über Südindien nach Indonesien führte, und dort vor allem zu den Molukken, den Gewürzinseln. Von Monsun ist die Rede, „blutwarmem“ Regen, Tempelruinen und grünem Dschungel – hört sich für mich alles schon wieder schwer nach Joseph Conrad und Heart of Darkness an. „Spicy-woody“ soll er sein, der Duft voller Abenteuer, und eventuell Wunder beinhalten – schauen wir mal, ob er mich auch zum Staunen bringt auf meiner Entdeckerschnuppertour…

Entgegen weht mir als allererstes Ingwer, den wir in letzter Zeit häufiger mal hatten – scheint eine Lieblingsingredienz der Nachwuchsparfumeurin Jennifer Jambon zu sein, die die Nase hinter der ganzen Kollektion ist. Herb-säuerliche Fruchtigkeit von trockener Strenge, die alsbald auf interessante Art und Weise von zwei polarisierenden Kontrahenten umgarnt wird: Kühler hoheitlicher Weihrauch düster-sakralen Charakters sieht sich der warmen Würze und kecken Schärfe von Muskat und süßem Zimt gegenüber – ein einnehmendes Trio, in Koketterie sich ergeben, von rauchigem Vetiver und samtig-erdigem Patchouli untermalt.

Ob die Gewürzroutenassoziation ein Garant für gute Düfte ist? Mmhhh, Lubins bereits gestern angesprochener Idole ist ein schönes Beispiel dafür, hinter dem sich Sangosari keinesfalls verstecken muss. Ebenso gelungen finde ich hier vor allen Dingen auch, dass wir es wieder mit einem jener großartigen Gewürzlinge zu tun haben, der als Kontrast zu dem Trockenen, Würzigen, zum Teil Süßen eine Frucht setzt – ein weiteres Beispiel hierfür wäre Michel Roudnitskas Noir Épices für Frédéric Malle.

Folgen wir Herodots Einteilung der Welt in Kontinente, die das gesamte Altertum über als gültig angesehen wurde, fehlt uns nach Afrika und Asien jetzt noch Europa. Das erledigen wir am Montag – und weil ich nicht so bin spendiere ich noch Amerika ;)

Liebe Grüße, ein schönes Wochenende und bis bald,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Image at the Lijiang River (Guanxi / China) von Miguel A. Monjas, Boat prow von jmnb56/Jesús Manuel Nieto Bobadilla, some rights reserved – vielen lieben Dank!
Hier finden Sie die Navigation Through Scents-Kollektion in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.
Reisen mit Molton Brown die Dritte.


Die Anthology-Collection…

Geschrieben in Chypre,Duft,Fruchtiges,Holziges am 7.09.2011

… von Penhaligon’s war ja schon mehrfach Thema hier im Blog – dieser Tage wurde sie um zwei neue Düfte erweitert, die ich in den Neuigkeiten schon angekündigt hatte:

Penhaligon’s erweitern ihre Anthology-Collection, welche sich der Wiederauflage von alten Klassikern des 1870 gegründeten Hauses widmet, um zwei neue (alte) Düfte: Eau Sans Pareil, das „Wasser ohne Gleichen“ und Esprit du Roi, des Königs Geist. Eau Sans Pareil stammt ursprünglich aus dem Jahr 1988 und wird verschiedentlich beschrieben – einerseits als aromatischer Fougère, dann wieder als Chypre, da werden wir uns wohl noch ein bisschen gedulden müssen, bis mehr Informationen durchdringen. Esprit du Roi aus dem Jahre 1983 soll seine Überarbeitung keinem anderen als Bertrand Duchaufour verdanken und ist wohl ein klassischer holziger und zitronenlastiger Hesperidenjüngling.

Damals war alles demnach noch ein bisschen nebulös – heute wissen wir alles besser, da die Düftchen soeben erschienen sind. Beginnen wir mit Eau Sans Pareil:

„Originally created in 1988, Eau Sans Pareil has been transformed into a shimmering chypre. Opening with a giddy rush of sparkling fruits and sensual white flowers, Eau Sans Pareil is softened with sweet woods, elegant oakmoss and musks. Powdery, wistful and romantic.“

1988 ist noch nicht allzu lange her – dass die 80er auch Gutes zu bieten hatten kann man an dem 80er Revival der letzten Jahre ablesen. Und Eau Sans Pareil nochmal aufzulegen war in der Tat auch keine schlechte Idee, aber zuerst einmal die Ingredienzen: Kopfnote: Aldehyde, Neroli, Mandarine, Kumquat, Himbeere, Ananas, Zypresse, rosa Pfeffer, Tagetes; Herznote: Jasmin, Damaszener Rose, Maiglöckchen, Iris, Ylang-Ylang, Orangenblüte, Lakritze, Gewürznelke; Basisnote: Patchouli, Vetiver, Zedernholz, Moschus, Vanille, Labdanum, Benzoeharz, Ambra.

Puh, eine ganz schöne Liste. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass das sehr wahrscheinlich kein Fougère-Duft ist und auch nicht unbedingt in die Herrenecke einzusortieren. Vollkommen korrekt – Eau Sans Pareil ist ein Chypre, und ein sehr netter dazu: Die Kopfnote zeigt sich übermütig fruchtig und zitrisch und bitzelt und prickelnd, dass es eine große Freude ist. Mit den deutlich vernehmbaren Ananasanklängen und der ebenfalls präsenten Himbeere fühle ich mich sofort an irgendeinen Fruchtcocktail mit tropischem Einschlag erinnert, dem ordentlich Schampus innewohnt.

Jene luxuriöse Weinseligkeit wird umgehend von einem pudrig-floralen Herzen aufgefangen: Rosige Frische, von Maiglöckchen zart untermalt, erdige Iriswurzel sowie Orangenblüte und Ylang-Ylang, welche mit ihrer fruchtig-floralen Süße die Kopfnote umgarnen. Die Basis ist ausladend und von holzig-harziger Wärme, während Gewürznelke und Lakritze keck im Hintergrund für würzig-scharfe Kontraste sorgen.

Ein wirklich netter Chypre – nicht für jeden Tag weil von dominanter Präsenz und eher etwas für den Abend. Allerdings finde ich die Kombination eines floralen Chypres mit diesen unverschämt sommerlichen Fruchtnoten im Kopf toll und spannend. Wer einen Fingerzeig haben möchte – eine Amour Fou zwischen Parfum d’Empires Eau de Gloire und Parfums MDCIs Le Rivage des Syrtes von Patricia de Nicolaï.

Weiter geht es mit Esprit du Roi:

„Originally created in 1983, Esprit du Roi returns as a lush woody citrus, heady with swirling scented foliage. Fresh tomato leaf, mint and raspberry leaf are combined with rich florals, warm woods and potent musks to create this masterpiece of contrasts.“

Von Esprit du Rois Parfumeur hat man, im Gegensatz zu Beverly Bayne, aus deren Phiole Eau Sans Pareil entstieg, schon viel gehört – es ist, wie oben schon erwähnt, Bertrand Mister Omnipräsent Duchaufour, was die Erwartungshaltung gleich steigert.

Die Ingredienzen: zitrische Noten, Bergamotte, Mandarine, Zitronatzitrone, Minze, Tomatenblätter, Davana, Aldeyhyde, Kardamom; Herznote: Gewürznelke, Geranium, Ylang-Ylang, Jasmin, Geißblatt; Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Sandelholz, Patchouli, Himbeere, weißer Moschus, Ambra, Eichenmoos und irgendein, pardon, absurder „African Stone“.

Bloß ein einfacher Zitronen-Holzling? Nein, natürlich nicht bei und mit Herrn Duchaufour. Auch Penhaligon’s haben mit dem vor ein paar Tagen erwähnten Opus 1870 schon ganz anderes abgeliefert als ein profanes Zitruswässerchen.

Einen bunten Sack voll schöner Dinge versammelt er, der Geist des Königs und lässt dabei die Impression einer königlichen Gartenanlage vor meinem inneren Auge auferstehen, gerne auch einer englischen. Schillernder frischer Kardamom, kräuterig-krautige Anklänge, eine dunkelgrüne minzige Frische ausstrahlend und von funkelnden Hesperidensternen beschienen fällt der Blick auf satt-grünen Rasen, von mächtigen alten Bäumen gesäumt. Ein ruhiger, majestätischer Duft voller Understatement, der nur auf einen geeigneten Träger wartet.

Herr Duchaufour scheint ganz in seinem Element – erst neulich bescherte er uns schon Jardin du Poète, den herrlichen sizilianischen Garten, Rezension siehe hier. Und kommt jetzt scheinbar erst richtig in Fahrt – weiter so, weiter so! Ich für meinen Teil werden den Duchaufours so schnell nicht müde.

In diesem Sinne -

viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Ananas von Alvesgaspar, Stourhead, The Pantheon and the Lake von Neil Kennedysome rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Anthology-Collection von Penhaligon’s in unserem Shop.

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Duftende Neuigkeiten…
Maineuigkeiten die Zweite.


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