Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Costume National die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Blüten, Duft, Fruchtiges am 2.09.2010

Gestern hatte schon deren neuer Mann meinen Einstieg in die Costume National-Duftkollektio geleistet: Ropions Homme, welcher mich in Verzücken versetzte. Heute und morgen folgen die restlichen Düfte des italienischen Hauses, das sich durch seine (Mode)Designs schon seit Jahren einen exzellenten internationalen Ruf erarbeitet hat.

Für die Düfte des Hauses sind exakt zwei Herren verantwortlich: Herr Ropion, welcher meinen Mann schuf und hauptsächlich Laurent Bruyère, dem alle restlichen Düfte zuzurechnen sind. Bruyère war Parfumeur bei IFF, einem der großen Aromahersteller, und verstarb 2008 tragischerweise im viel zu jungen Alter von 43 Jahren. Ropion arbeitet ebenfalls seit 2000 bei IFF, die beiden kannten sich also, was vielleicht auch erklärt, daß sie viele Düfte zusammen gemacht haben: Muglers Alien sowie Innocent, Cacharels Amor Amor, Sentiment pour Homme für Escada und einige weitere. Zu Ropion selbst, dem Preisträger des begehrten Prix François Coty (heute: Cosmetic Valley’s International Fragrance Prize) des Jahres 2008, muß ich eigentlich nichts mehr sagen – das habe ich gestern bereits getan. Laurent Bruyère selbst hat alleine natürlich auch eine ganze Anzahl Düfte kreiert, unter anderem Paul Smiths Floral, Azzaros Azzara, Lalique Le Baiser, etc..

Um der Anzahl der Düfte Herr zu werden, beginne ich jetzt erstmal mit der sogenannten Scent-Trilogy und hier beim ersten, ganz einfach Scent benannten Duft, erschienen 2002. Scent hat folgende Ingredienzen: Jasmintee, Hibiskus, Ambra, Hölzer.

Die Kofpnoten von Scent werden beherrscht von fruchtigen Akzenten mit einem ökogummibärigen Touch, die ich ehrlicherweise nicht als Hibiskus enttarnt hätte, aber mit dem Wissen darum und jener Fruchtherbheit, die sie an den Tag legen, durchaus als solche zu identifizieren sind. Darunter legt sich auf meiner Haut ein zarter Wildlederschleier hellster Sorte, der eventuell der Ambra mitsamt ihren dezent animalischen Akzenten. Überhaupt entwickelt sich bei diesem Duft der Teststreifen fast schon kontradiktorisch zu meiner Haut: Auf jenem überwiegt eine fruchtig-florale Teenote, sehr prominent und durchdringend, für meine Nase ähnlich jenen Bio/Ökogummibärchen aus Fruchtsäften, unterstrichen von einer sanften Wärme und Hölzern. Auf meiner Haut entwickelt sich das ganze wie eine Schwester von Daim Blond aus dem Hause Lutens: Floral-Fruchtiges auf einem süßen (Wild)Lederlager. Beides schön und interessant, zeigt aber auch, daß ein Test auf der eigenen Haut vor dem Kauf angesagt ist ;)

Scent Intense erschien ebenfalls im Jahre 2002 und ist sowas wie der ältere Bruder von Scent, die Erwachsenenvariante, die düstere Seite: Wo Scent noch freundlich und dezent ledrig eher im Obstkorb wühlt mit seinen Hibiskusnoten, verstärkt das in Intense wohl beigefügte Labdanum die Ambra und dreht hier den Pegel voll auf: Harze stehen im Mittelpunkt, süß-würzige Wärme und dunkle, trockene Rauchigkeit. Sehr sehr lecker und meines Erachtens nach auch sehr schön an einem Mann.

Beide Düfte sind unisex tragbar, ich kann mir letzteren an einem Mann allerdings besser vorstellen. Ersterer benötigt schon ein junges und sehr stylisches Exemplar, da er eher metrosexuelle (nicht negativ gemeint!) Züge trägt.

Scent Sheer, 2003 lanciert, ist der dritte Duft im Bunde, ein Eau Fraîche und somit eine leichtere, transparentere Variante der beiden Vorgänger. Was die Ingredienzen angeht ist wieder alles strittig, man findet in vielerlei Quellen noch viel mehr Angaben… Im Pressematerial ist von fließender Seide die Rede sowie von der Essenz von Jasmintee… wenn ich ehrlich bin, ich rieche den nicht. Mit viel Vorstellungskraft auf dem Teststreifen, ok. Für mich aber in erster Linie eine sehr sanfte Moschusinterpretation mit einem Touch seeehr zivilisierter und über die Maßen heller freundlicher Ambra.

Soweit so gut für heute – morgen folgt der Rest der Düfte. Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Der frischen Wasser zweiter Teil

Geschrieben in Duft, Fruchtiges am 27.08.2010

folgt nun also heute mit den beiden Düften Eau Exotique und Eau Turquoise aus dem Hause Nicolaï. Diese beiden komplettieren die Riege der hier zu rezensierenden Eaux Fraîches. Wie gewöhnlich startete ich meine Rezension, lange vor dem eigentlichen Probeschnuppern, mit einer allumfassenden Recherche und deckte dabei eine Verschwörungstheorie auf, deren Wahrheitsgehalt ich leider, leider weder bestätigen noch dementieren kann. Der Blog Scented Salamander postete im Juni dieses Jahres die Theorie, dass Eau Turquoise der Nachfolgerduft von Eau Exotique sei. Ersterer stammt aus dem Jahre 2008, letzterer aus dem Jahre 2005. Das Exotenwasser wäre vom Markt genommen worden und klammheimlich durch das Türkiswasser ersetzt worden. Nun, wie ich bereits erwähnte, kann ich für diese Hypothese weder Beweise noch Gegenbeweise finden. Die Duftnoten weisen zwar einige Übereinstimmungen auf, die Düfte sind allerdings trotzdem recht unterschiedlich. Außerdem wird auf der Parfums Nicolaï-Seite explizit von fünf Eaux Fraîches gesprochen. Mit Fig Tea, Eau d’Été, Eau Exotique, Eau Turquoise und dem hier nicht rezensierten Vie de Château ist diese Zahl meiner Rechnung nach auch erreicht. Mmmh, ich stehe mal wieder vor einem Rätsel, wenn auch diesmal nicht Haut und Teststreifen betreffend. Vielleicht wisst Ihr da mehr, meine lieben Leser und Leserinnen? Nur keine Scheu, falls mich (und andere Unwissende) da jemand kompetent aufklären kann, dann nur raus damit! Ich lerne gern dazu. :-)

Nun wollen wir uns aber genauer mit den angeblich-verwandten Düften beschäftigen. Fangen wir mit dem älteren der beiden an: Eau Exotique, entstanden im Jahr 2005. Die Duftnoten: Limette, Petitgrain, Orange, Schwarze Johannisbeere, Mango, Jasmin, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Moschus.

Die sonst im Auftakt gerne dominanten Hesperiden halten sich in der Kopfnote des Exotenwassers vornehm zurück. Subtil zitrische Noten vereinen sich auf umwerfende Art und Weise mit der herben Süße von Mango und den charakteristischen Fruchtnoten der schwarzen Johannisbeere. Zusammen mit dem enthaltenen Alkohol des Eaus ergibt sich ein beinahe prickelnder Sommerfruchtcocktail: Frisches Mangomark, süß und saftig, kombiniert mit einem Spitzer Limette und einem Schuss Cassislikör auf einer spritzig-perligen Basis aus Prosecco. Mmmh, lecker! Schön ausgewogen und stets ins Balance präsentiert sich der Duft: nie zu süß, nie zu herb, nie zu zitrisch. Dieser bunte Obstsalat driftet im weiteren Verlauf in dunklere, erdigere Gegenden, wofür ich die Basisnoten Patchouli und Vetiver zur Verantwortung ziehen würde. Holzige Aspekte vernehme ich, auch diese eher dunklerer Natur. Moschus vermag ich höchstens ganz unterschwellig wahrzunehmen. Bis in die Basis hinein ist die Fruchtnote deutlich riechbar; im fortgeschrittenen Duftverlauf übernimmt die Mango eindeutig das Ruder. Die schwarze Johannisbeere und die zitrischen Noten verpassen den olfaktorischen Anschluß ein wenig. Die Mango offenbart in der Basis nicht nur ihre Hartnäckigkeit, sondern auch leicht überreife Noten, was der Kombination mit den bereits erwähnten Basisgefährten geschuldet sein dürfte.

Ein überraschender Duft in mehrerlei Hinsicht. Eau Exotique zeichnet sich durch diverse Eigenschaften aus, die ich ihm als Eau Fraîche nicht unbedingt zugesprochen hätte: eine langanhaltende Präsenz und Intensität sowie eine eindeutig vorhandene Tiefe. Hierzu erscheint mir das gestern getestete Eau d’Été beinahe wie ein Körperspray, ein Wässerchen, das ich mir üppig auf den von der heißen Sommersonne malträtierten Leib sprühen kann. Ganz anders dagegen das Eau Exotique, das für meinen Geschmack für ein großzügiges Auftragen nur bedingt geeignet ist. Ein wenig erinnert mich der Duft, ob seiner dominaten und langanhaltenden Fruchtigkeit an die Mangokörperbutter einer bekannten, ursprünglich britischen Kette von Kosmetikläden, die unlängst von L’Oréal aufgekauft wurde. So ganz will mir auch der Name nicht einleuchten: Eau Exotique. Sonderlich exotisch finde ich ihn nicht, was aber daran liegen mag, dass ich weder Mango noch schwarze Johannisbeeren sonderlich exotisch, sprich: fremdländisch finde. Aber vielleicht meint Frau de Nicolaï hier ja auch viel eher den Exoten als die Exotik. Und als solches, als außergewöhnlichen, ja ungewöhnlichen Duft würde ich ihn ohne Weiteres durchgehen lassen. Ein Exotenduft eben. ;-)

Doch nun zum jüngeren Geschwisterchen Eau Turquoise und dessen Duftnoten: Mango, Aprikose, Limette, Türkische Rose, Pfeffer, Kardamom, Patchouli, Zedernholz. Laut Hersteller ist es „sweet and sensuous, light, young and feminine“ – süß und sinnlich, leicht, jung und feminin.

Frisch aufgesprüht zeigt Eau Turquoise in der Tat einen ähnlichen Duftcharakter wie Eau Exotique. Fruchtige Noten dominieren; Mango gespickt mit herb-frischen Limettenspritzern, allerdings ohne Cassis-Prosecco-Prickeligkeit. Im weiteren Verlauf zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen dem Teststreifen und meiner Haut. Während auf dem Papierstreifen die Fruchtnoten fast schon künstlich-schrill wirken und in eine, für meine Nase wenig attraktive Süße abdriften, offenbart meine Haut eine zarte Fruchtigkeit, sehr dezent, sehr natürlich, süßlich, aber nicht süß, mit bezaubernd samtigen Noten, die ich dem wohlwollenden Einfluss der Aprikose zuschreibe. Die Rose ist auf meiner Haut nicht wirklich herausschnupperbar, auch die Gewürze sind zwar vorhanden, aber so dezent, dass sie nicht einzeln beziehungsweise bestimmt wahrnehmbar sind. Auf dem Teststreifen dagegen meine ich seifige Rosennoten zu vernehmen. Aber auch hier keine bis kaum Gewürze, dafür gewinnen die Früchte mit der Zeit an Natürlichkeit. Die Aprikose tritt schließlich auch auf dem Papier ganz deutlich in Erscheinung, allerdings mit eher fruchtigen statt samtigen Nuancen.

Auf meiner Haut verfliegt der Duft recht schnell, zurück bleibt eine buttrig-weiche Note, die mich wieder ein wenig an die Fruchtcremes eben genannter Kosmetikkette erinnert. Gibt es da nicht auch eine Aprikosenvariante? Der Teststreifen hält den Duft im direkten Vergleich länger.

Eau Turquoise erscheint mir insgesamt heller und transparenter (letzteres zumindest auf meiner Haut) als das vorher getestete Eau Exotique. Für Freunde von fruchtigen Düften sind beide auf jeden Fall ein Must-Try. Mir persönlich allerdings ein wenig zu fruchtig, daher gebe ich dem gestrigen Duft Eau d’Été in meinem persönlichen Eaux Fraîches-Duftranking den ersten Platz.

Habt Ihr die drei schon einmal getestet? Wie waren Eure Erfahrungen? Welche Düfte von Frau de Nicolaï gefallen Euch am besten? In den nächsten Wochen werden Uli und ich noch ein paar von ihr vorstellen. Vielleicht sind Eure Lieblinge ja auch dabei. :-)

Ein schönes Wochenende wünscht,

Eure Stephanie.

Bildquelle: A cultivar of Mango von W.A. Djatmiko – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Erotische Bekenntnisse…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Reines und Pudriges am 23.08.2010

Ja, richtig gelesen – ebensolche, und zwar olfaktorischer Natur bescheren uns Parfumerie Générale mit ihren zwei neuen Düften, mit denen ich bereits auf der Messe im März das Vergnügen hatte und voll des Lobes war. Gemeint sind Bois Naufragé und Gardenia Grand Soir – mit ersterem werde ich heute gleich beginnen.

Bois Naufragé, auf deutsch ungefähr schiffbrüchiges Holz oder vielmehr Treibholz, sieht sich inspiriert durch ein Foto namens Nu au bois flotté (1971) von Lucien Clergue. Mit Lucien Clergue hat sich Pierre Guillaume, Mastermind von Parfumerie Générale, ein absolutes Schwergewicht herausgepickt: Clergue zählt zu den bedeutendsten (französischen) Fotografen überhaupt, war einer der Vorreiter, welche die Fotografie zur Kunst(form) ausriefen und dafür stritten, ist darüber hinaus Begründer des renommierten Fotografiefestivals Les Rencontres d’Arles im gleichnamigen beschaulichen Städtchen, in welchem der 1934 dort Geborene bis heute lebt und arbeitet.

Clergue ist vor allem bekannt durch seine Aktfotografien, welche die Franzosen (und vermutlich auch der Rest der Welt) lange als Pornografie wahrnahmen, während anderen schon längst klar war, daß es sich hierbei um (eine Form von) Kunst handele – unter anderem Clergues Bewunderern Jean Cocteau (der Schriftsteller der wunderbaren Kinder der Nacht – und nein, kein Vampirroman, eine poetische (Inzest)Geschichte einer Geschwisterliebe) sowie Picasso, mit welchem Clergue auch eng befreundet war.

Das Foto Nu au bois flotté zeigt, wie unschwer zu erkennen, eine Nackte auf verwittertem, wassergeschliffenem Holz, die sich in für mich fast halsbrecherischen Windungen um ebenjenes wickelt. Mit Absicht spreche ich hier nicht von Treibholz – denn, wenn man sich das Foto näher anschaut, wird einem schnell bewußt, daß überhaupt kein Untergrund ersichtlich ist. Wir wissen also nicht, wo(rauf) das Holz, der Stamm liegt. Lediglich der Name des Fotos assoziiert die Nähe des Wassers, des Meeres… und zaubert in meiner Vorstellung auch Sand unter den Holzstamm.

Wie nun wirkt das Bild an sich? Ich für meinen Teil ziehe die kontroverseren, zum Teil ironisieren Nackten bei Helmut Newton oder die verfremdeten bei ManRay vor, mag Clergue aber durchaus. Für mich ist seine Fotografie aber irgendwie auch typisch französisch, um ein bißchen in der Klischeekiste zu wühlen: Ein bißchen Softporno, die Gauloises im Mundwinkel, Lebenslust, ein bißchen Weichzeichner, viel Unbeschwertheit und sexy Authentizität, vorgebliche, die oft doch ein wenig künstlich, mitunter gekünstelt wirkt/ist.

Hier muß ich nämlich auf eine für mich augenscheinliche Diskrepanz aufmerksam machen: 70er, meine Lieben, und, wenn man genau hinsieht: Achselhaare. Jawohl. Ergo Natur pur oder so ähnlich. Da hätte ich im Duft eines eben nicht erwartet: Sonnencreme-Feeling bis zum Anschlag. Für all jene, die immer auf der Suche nach dem perfekten Sonnencreme-Duft sind: Give it a try!

Direkt nach dem Aufsprühen flacker Bois Naufragé noch wild umher, zitrische und salzige Noten an den Tag legend. Diese sind alsbald passé und räumen die Bühne für eine allumfassende Cremigkeit, die hauptsächlich durch grüne Feigennoten geprägt ist. Sahnecreme grüner Feigen – das ist durchgängig auch das Thema. Kokosnussige Aspekte schillern im Hintergrund und es flackern leicht metallische sowie mineralische Anklänge hin und wieder auf, die nebst der salzigen Noten eine Atmosphäre eines ruhigen Meeresstrandes kreieren. Das Treibholz scheint so trocken, daß es nur noch als sonnenbeschienene Ahnung wahrnehmbar wird. Mir scheint, Herr Guillaume hat das Foto auch als irgendwie kalt oder besser: distanziert wahrgenommen, was nicht weiter wundert, da das Gesicht der Frau ja nicht zu sehen ist und damit eine gewisse Distanz bereits geschaffen ist. Der Duft zeigt sich zwar einerseits wärmend, weil er so anschmiegsam ist in seiner grünen Feigencremigkeit mit den Kokostupfern und einer sauberen, sehr subtil holzigen Basis. Andererseits hat er aber auch eine nicht näher zu benennende Kühle, die von einem minzigen Unterton herrührt, der vermutlich von dem Vetiver stammt, welcher Teil des enthaltenen Salzakkordes ist.

Vielleicht war es ja bitterkalt am Tag der Aufnahme, und die Schöne (?) auf dem Foto war geistig abwesend, träumte sich in die Südsee? Spaß beiseite: Obgleich Clergue Nacktheit präsentiert und diese fern jener stilisierten Nacktheit zum Beispiel eines Herb Ritts liegt, sind Clergues Menschen auf den Fotos gleichermaßen authentisch sowie stilisiert, nahbar und gleichzeitig unnahbar. Dieser Kontrast, jene aufrechterhaltene Ambivalenz, findet sich meines Erachtens nach auch in Bois Naufragé.

In jedem Falle ist er keiner jener Meerdüfte im Stile von The Different Companys Sel de Vetiver oder Heeleys Sel Marin, in denen man die schäumende Gischt spürt an einem nicht-mediterranen Strand. Und es ist auch kein Caspar David Friedrich-Blick auf die See wie es Profumum mit Acqua di Sale kreierten.

Ruhig ist Bois Naufragé und anhänglich, sonnengewärmt und heiter, aber gleichzeitig doch ein wenig reserviert.

Ich freue mich auf Eure Testergebnisse!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Vergessen – die Ingredienzen: Ambra, Meersalz / Fleur de Sel und Johannisbrotbaum – letztere sind wohl ein Akkord aus verschiedenen Noten, wie die Blogger von Cafleurebon feststellen: Vetiver, Iriswurzel, Zedernholz, Minze, Neroli und einige synthetische Essenzen sind hieran beteiligt.

Bildquellen: Fotografien Lucien Clergue – some rights reserved.

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Morgane Le Fays duftender Regenbogen.

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes am 6.08.2010

Schmuddelwetter dieser Tage. Nicht der Sommer, den sich viele erhofft haben, sicher nicht – mir ist es hingegen eigentlich ganz recht, das Wetter, wenn es nur nicht so viel regnen würde… In Anbetracht dieser Temperaturen mußte ich auch die Hochsommerfraktion an Düften wieder etwas in die zweite Reihe verbannen – bei diesen paar Grad Celsius dürfen dann doch wieder ein paar andere Gesellen ran. Unter anderem war mir dieser Tage wieder sehr „blümerant“ – da bin ich neben meinem lieben Osmanthus Yunnan von Hermès wieder auf einen alten Klassiker gestoßen, der vielen vermutlich gar nicht bekannt ist: Morgane Le Fay, und zwar der alte Signatureduft in Gelb, der damals Classic hieß.

Classic ist leider schon seit einigen Jahren discontinued, genauso wie sein blauer Bruder Morgane Le Fay Blue der erste. Wieso der erste? Nun, weil Morgane Le Fay vor einigen Jahren, genauer: im Jahre 2008 nochmals nachlegten mit einer neuen Kollektion mit vier Düften in vier unterschiedlichen Farben, unter anderem eben wieder einem blauen und auch einem gelben Duft, was für einige Verwirrung sorgte.

Aber vielleicht erstmal von vorne – wer sind Morgane Le Fay überhaupt? Morgan oder auch Morgana dürfte jedem ein Begriff sein, der schon mal mit der Artussage in Berührung kam, sei es nun im Original oder zum Beispiel in den Nebeln von Avalon und ähnlicher Literatur, diverse Filme hatten jene Motivik auch schon zum Thema und natürlich auch die Musik hat sich ihrer schon angenommen: Sie, die Halbschwester von Artus und seine (spätere) Antagonistin, Verführerin, Gestaltwandlerin, Heilerin und Hexe gilt immer als anziehende und geheimnisvolle, mächtige dunkle, aber nicht zweifelsfrei Böse sondern vielmehr Anachronistische, Freie, Unbezwingbare – und übt so schon immer Faszination aus.

So haben sich auch Liliana Casabal und ihr Mann Carlos die „Dame“ zum Vorbild genommen und als Namenspatin für ihr 1982 in New York gegründetes Fashionlabel herangezogen. Die Intention desselben ist es, natürlich, Schönheit auszudrücken und Femininität – mittels der (Damen)Kleidung, die die argentinischen Wurzeln der beiden Gründer zitiert genauso wie das Soho der Fünfziger, Sechziger. Auch die Jetztzeit fließt mit in das Design der Kreationen ein und heraus kommen Stücke die, ich schrieb es bereits in unserer Herstellerbeschreibung im Shop, „eine Mischung aus Großstadtelfe in kindlich-verspielter Unverstelltheit, Film-Noir-Diva samt abgeklärt kühler, erotisch aufgeladener Attitude, einfach und strukturiert aufgebauten graphischen Designs und natürlich fließenden, minimalistisch angehauchten Gewändern“ sind „– eine ambitionierte und besondere Handschrift, die wohl auch Stars wie Björk, Juliette Binoche, Sarah Jessica Parker und anderen zusagt.“

Als Hauptinspirationsquelle nennen die beiden aber die Natur – das merkt man sowohl der Mode, als auch den Düften an finde ich. Die Mode könnt Ihr Euch hier ansehen, die Düfte werde ich Euch dieser Tage beschreiben. Kennzeichnend für die „neue“ Kollektion, ergo die von 2008 ist es, daß die vier Düfte lediglich den Namen von Farben tragen – und der Duft ebenfalls von jener Farbe ist.

Intuitiv soll man sich die Düfte aussuchen, nach der Farbe, die einem am meisten zusagt – wir erinnern uns, Mark Buxtons Kollektion hat ein ähnliches, wenn auch dank der zugehörigen Webseite und den Farb(Typ)-Beschreibungen ausgefeilteres Konzept. Gewidmet sind Frau Casabals Düfte, wie soll es auch anders sein – der Frau und deren vielen Facetten, ganz klar.

Beginnen möchte ich, für mich eigentlich ganz untypisch, heute mit der Farbe oder besser: dem Duft Grün, der Fragranza Verde.

Grün – wie die Hoffnung, in unserem Falle auf das uns bevorstehende (schöne?) Wochenende, und überhaupt, was ist nicht alles grün im Leben… In jedem Falle wirkt grün immer voller Lebensfreude, positiv, dynamisch – so auch dieses Düftchen. Grün ist – eine echte Gurke, allerdings im Positiven. Frisch aufgesprüht hüpft sie einem frohen Mutes entgegen, eine Traumkandidatin ihrer Art: Eine knackige, saftig-wässrige und dunkelgrüne Salatgurke, die sich, aller Unkenrufe zum Trotz, in dem Duft ganz vorzüglich macht. Gesellschaft bekommt sie alsbald von zwei floralen Vertretern, einer zarten und typischerweise leicht aquatisch anmutenden Freesie, welche die Gurkenwässrigkeit nochmals unterstreicht, sowie einer Rose, meines Erachtens nach einer Teerose (die Rosennote erinnert mich ein bißchen an Creeds überaus authentisch bulgarische Teerose aus der Private Collection). Beiden Blümlein wohnt im Zusammenspiel eine florale Süße inne, welche durch würzige, aber sehr hintergründige und überaus zivilisierte Kokosnoten betont wird. Für fruchtige Akzente sorgen darüber hinaus ein knallgrüner Apfel sowie satt-reife Mango, beide ebenfalls von einer leichten Herbheit, welche einen interessanten Kontrast zu jener Süße gibt, die den Duft bis in die warm-weiche Basis von Ambra, Moschus, Vanille und Heliotrop begleitet.

Ein interessantes Düftchen und vor allem nicht ohne eine gewisse Ambivalenz: Fruchtig-frische und vor allem auch gurkige Sauberkeit trifft auf eine kuschelig-weiche Süße, welche jedoch niemals gourmandig wirkt. Das alles garniert mit floralen Akzenten generiert einen individuellen und besonderen, positiven Gute-Laune-Duft, der sicher eine gelungene Alternative ist für all jene Tage, an denen es warm, aber nicht superheiß ist und man insofern nur ein reduziertes Spektrum an zu tragenden Düften zur Auswahl hat. Für mich paßt er perfekt in diese Jahreszeit (oder vielmehr: perfekt zu jenem Wetter, das eigentlich ja eben NICHT zur momentanen Jahreszeit paßt…).

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S: Fast vergessen: Kreiert wurde Green ebenso wie Yellow von Nathalie Cetto. Die Ingredienzen: Gurke, Kokosnuss, Apfel, Mango, Freesie, Rose, Ambra, Moschus, Vanille, Heliotrop.

Bildquelle: Anthony Frederick Augustus Sandys (1864): Morgan Le Fay von TAnthony via WikiCommons, Cucumber Plant von Helene Samson via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Mangoalarm…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges am 28.07.2010

Montale (hat sich/)haben sich nicht lumpen lassen und nebst einer ganzen Reihe anderer Neulancierungen auch einen Duft mit dem ulkigen Namen Mango Manga veröffentlicht. Ganz abgesehen davon, daß ich mich ständig mit ebenjenem vertue – Mongo Manga äh Manga Mango wie jetzt? – stand für mich von vorneherein die Frage im Raum, woher dieser denn wohl kommen möge…

Ganz einfach – ursprünglich war der Duft nur für den asiatischen Markt, vornehmlich Japan vorgesehen. Und da nahm man sich einen der kommerziell erfolgreichsten Exportartikel Japans zwecks der Namensschöpfung zur Brust – den Manga, der eigentlich übersetzt nur Comic heißt, mittlerweile aber für den typisch japanischen Animé-Comic steht.

Mango nun ist eine beliebte Frucht in Japan, darüber hinaus im Parfumsektor aber mit Sicherheit ein in Reinkultur selten anzutreffendes Früchtchen, das durchaus seine Verehrer hat – insofern war es sicher eine gute Entscheidung, die Lancierung des Duftes nicht auf ein Land oder einen Kontinent zu beschränken, sondern den Duft weltweit rauszubringen.

Denn, was gibt es denn schon für Düfte für Mangoliebhaber? Allzuviele wollen mir nicht einfallen: Timbuktu von L’Artisan Parfumeur, den Steffi Euch vor einigen Tagen hier vorgestellt hat, ist einer davon genauso wie die Tuberosennacht, ebenfalls von Duchaufour für L’Artisan Parfumeur, welche neben der gepfefferten Tuberose ordentlich Mango zu bieten hat. Kid Mohair von Acqua di Biella wäre eine weitere Möglichkeit, ein Mangokuschler, und Elena kreierte für Hermès mit Jardin du Nil eine Mango-Grapefruit auf Bambus-Lotus-Bouquet. Biehls Parfumkunstwerke PC 01, Goutals Folavril, Rose Muskissime von MPG sowie Nicolaïs Eau Turquoise beherbergen ebenso solch ein Früchtchen, nebst vieler anderer Darsteller. Mehr möchte mir gerade beim besten Willen nicht einfallen, Euch? Kennt Ihr noch weitere Mangodüfte, die mir entgangen sind oder die ich kennenlernen sollte?

Mango Manga ist nun also ein weiterer in der kleinen Reihe und hat folgende Ingredienzen: Mango, Neroli, Jasmin, Orange, Zedernholz, Vetiver, Eichenmoos.

Frisch aufgesprüht erreicht mein wertes Näschen eine – Hustensaftnote, die sich beim näherem Hinsehen oder besser -riechen als extrem fruchtige Mango-Orangen-Fruchtbombe herausstellt. Saftige Orange und fein-säuerliche, reife Mango, flankiert von Neroliblüten mit dem ihnen genuinen honigsüß-fruchtigen und gleichzeitig floralen Charakter. Die Fruchtexplosion beruhigt sich mit der Zeit und offenbart ein zartes florales Herz mit nicht übermäßig narkotisierendem, ergo eher gezügeltem Jasmin und berückend schönen Neroliblüten, welche weiterhin von der fruchtigen Ahnung der anfänglich fast nasenbetäubenden Mango begleitet werden.

Hier werde ich ein wenig stutzig, da sich der Eindruck des Duftstreifens mitnichten mit dem auf meiner Haut deckt: Auf meiner Haut zeigt sich in Herz und Basis das Blütenbouquet als dominant an, flankiert von zarter, herb-fruchtiger Mango. Die Basis setzt dezente holzige Akzente sowie einen Tupfer Weiche. Der Teststreifen offenbart anderes: Hier zeigt sich eine überaus präsente Mango in harmonischer Koexistenz mit Neroli und einem fernen Jasminchen im Hintergrund. Die fruchtige Herbe der Mango zeigt sich vorrangig und wird von der Holzigkeit der Basis sowie leichten Rauchschwaden des Vetivergrases unterstrichen.

Der Eindruck auf meiner Haut zeigt sich demnach im Wesentlichen fruchtig-floral, während der auf dem Teststreifen fruchtig-floral-holzig ist mit ein bißchen Rauch. In jedem Falle würde ich einen Test auf der Haut empfehlen.

Was hat nun Mango Manga mit Comics zu tun, außer dem Namen? Vielleicht kann dieser kleine Filmschnipsel aus einem in Japan äußerst bekannten Manga Aufschluß darüber geben, seht selbst:

Auch wenn Eure Reaktion auf Mango Manga vielleicht nicht ganz diesselbe sein wird, Ihr Mango von Mambo unterscheiden könnt – in jedem Falle ist Mango Manga ein netter Sommerbegleiter für Freunde fruchtiger Düftchen ;) ;)

Einen schönen Tag wünscht Euch Eure Ulrike.

Bildquelle: Mango von Lionel Titu via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z


Das Wandern ist des Müllers Lust

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 22.07.2010

Und nicht nur des Müllers, nein, auch des Parfumeurs oder besser: des Duchaufours. Selbiger, mit Vornamen Bertrand, reist nämlich unglaublich gerne und viel. Ob er auf seinen weltweiten Entdeckungstouren tatsächlich wandernd unterwegs ist, möchte ich zwar bezweifeln, aber so wie die Arbeit des Müllers heute maschinell und vollautomatisch vonstatten geht, legt man in Alltag und Urlaub die meisten Wegstrecken mittlerweile ja auch auf vier Rädern zurück und nicht mehr ausschließlich auf zwei Beinen. Der unaufhaltsame (und von mir immer gern erwähnte) Fortschritt macht auch vor dem guten alten Volkslied nicht halt, sondern regt viel mehr zu einer modernen Interpretation desselbigen an. ;-)

Der (wandernde oder fahrende) Globetrotter Duchaufour dürfte den geneigten Lesern jedenfalls hinlänglich bekannt sein: Seit 2008 ist er die kreative Chefnase bei der französischen Parfumschmiede L’Artisan Parfumeur. Auf sein Konto gehen diverse L’Artisan-Kreationen wie zum Beispiel Nuit de Tubéreuse, Al Oudh und Mechant Loup, einige Comme des Garçons-Düfte sowie Penhaligons Amaranthine, Eau d’Italies Baume du Doge, Amouages Jubiläumskracher Jubilation XXV, Acqua di Parmas toskanische Zypresse und viele, viele mehr. Ein emsig-kreativer Mann! Tja, wer viel arbeitet, und dann noch kreativ, braucht natürlich Phasen der Erholung. Gerne auch an fremden Orten, die inspirieren, die Phantasie anregen und den schöpferischen Tank reich mit neuen Eindrücken und Ideen füllen. Aus eben solchen kreativen Regenerationsphasen entstand die Travel-Series von L’Artisan Parfumeur: Düfte, die Herrn Duchaufours Erlebnisse und Impressionen einer Reise einfangen und nach seinem subjektiven Empfinden authentisch wiedergeben. Eine dieser Urlaubsschöpfungen haben Constantin und Uli bereits vorgestellt, Havana Vanille. Eine Ode an Kuba, angereichert mit Rum, Vanille, Gewürzen und natürlich Tabak. Karibik-Feeling pur also.

Unser heutiges Reiseziel entführt uns an einen Ort, der nicht allzu weit von Castros Insel entfernt ist: Panama. Der mittelamerikanische Tropenstaat, eingeklemmt zwischen Costa Rica und Kolumbien, ist berühmt für seinen gleichnamigen Kanal, der die Karibik mit dem Pazifik verbindet. Panama ist ein schmaler Landstreifen mit ziemlich viel Küste an zwei verschiedenen Ozeanen und: mit einigen vorgelagerten Inseln. Auf einer solchen, nämlich Bahia Honda, die ich leider trotz intensiver Suche auf diversen Landkarten nicht lokalisieren konnte, machte Herr Duchaufour zur Regenzeit Urlaub. Die Insel dominiert ein dichter Regenwald, der sich dem olfaktorisch-geneigten Besucher üppig-grün und saftig-dampfend präsentierte. Der exotisch-fremde, ja beinahe irreale Duft der wilden urspünglichen Natur beeindruckte Herrn Duchaufour derart, dass er beschloss, ihn in einem Parfum einzufangen. So entstand nach seiner Reise der Duft Fleur de Liane. Seine Eindrücke konservierte er, zumindest optisch, noch während seines Aufenthalts durch Fotographien und zahlreiche Aquarelle, die ihn in der so gegensätzlichen, da vollzivilisierten und zubetonierten Pariser Heimat an die mittelamerikanische Dschungelatmosphäre erinnern sollten.

Die Duftnoten: Grüne Noten, Fruchtige Noten, Guave, Magnolie, Tuberose, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Guajakholz.

Fleur de Liane beginnt grün, grüner, am grünsten. Selbst der Superlativ vermag die Üppigkeit des Auftakts nur rudimentär zu erfassen. Saftig-grüne Noten schillern mit fruchtig-feuchten Nuancen um die Wette. Ganz subtil vermag ich eine herbe Säuerlichkeit wahrzunehmen, die ich ganz frech der Guave in die Schuhe schieben möchte. Außerdem rieche ich eindeutig Banane heraus oder vielmehr: den Duft einer knackigen, da noch deutlich grünen Bananenschale, der sich im Moment des manuellen Aufbrechens eben jener mit den transparent-süßlichen Noten des jungen Bananenfruchtfleisches vereint. Als Liebhaber grünlicher Bananen, frohlocke ich an dieser Stelle. Lecker! Im Auftakt ein echter Kracher, wenn auch ein recht monochromer, beruhigt sich der Duft im weiteren Verlauf. Im Herzen dominieren florale Noten: Magnolie und Tuberose bringen deutlich aquatische Tendenzen und eine süßliche Cremigkeit mit ins Spiel. Allerdings präsentiert sich das Herz, im Gegensatz zum opulenten Auftakt, insgesamt eher dezent und zart. Die sonst häufig wuchtbrummig umgesetzten Weißblüher zeigen sich hier von einer transparent-ruhigen, ja beinahe kontemplativen Seite. Und so können sie sich auch ganz entspannt auf das leichte und helle Lager niederlassen, in welchem sich Vetiver, Zedernholz und Patchouli ein erdig-holziges Stelldichein geben, während Guajakholz im Hintergrund rauchig-florale Akzente setzt. Bravissimo!

Meines Erachtens ein wirklich sehr schöner Duft, erfrischend und gelassen zugleich. Ein idealer Alltagsbegleiter für das momentane sommerliche Wetter.

Tja, wenn das die mittelamerikanischen Dschungelimpressionen von Herrn Duchaufour sind, kann ich nur sagen: „Oh, wie schön ist Panama!“

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Costa Rica Santa Elena Skywalk von Dirk van der Made – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z
Parfums Edition 2005 Macht Lust auf Duft
Freitagsverlosung.


Frenchman in NY.

Geschrieben in Blüten, Fruchtiges, Gourmand am 21.07.2010

Heute geht es weiter mit den restlichen beiden Düften aus Honoré des Prés We love NY-Kollektion.

Love Coco – Inhalation interdite, Inhalation verboten… Das „Gegengift“ zu all jenen „exotischen Gefahren“, nämlich: Kokos(milch) „pur, würzig, raffiniert“, im „Duell“ oder besser: Zusammenspiel mit Korianderblättern. Vielleicht auch – Liebesspiel, dazu erzählt das Pressematerial nämlich noch eine verschwirbelte Liebesgeschichte über eine heldenhafte Malaysierin. Nun, in jedem Falle soll Love Coco pikant sein, verheerend verführerisch und natürlich auch opulent.

Bevor ich den Duft teste, sollte ich vielleicht auf ein kleines Dilemma hinweisen: Die einzige, wirklich einzige Form, in der ich Kokos mag, ist – Bounty. Dieser kleine Schokoriegel mit seiner weißen Kokosfüllung, der mich durch die halbe Kindheit begleitet hat und den ich verschiedentlicher Reminiszenzen zuliebe immer noch all Schaltjahr verzehre. In Düften treibt mich Kokos regelmäßig in die Flucht – zu süß, zu klebrig, zu…

Bei Love Coco scheint sich das Naturdüftekonzept auszuzahlen: Vielleicht lag es bisher einfach nur an der Synthetik, die mich bei Kokosnoten oft angstvoll zurückschrecken ließ, an den vielen Kokosdeos (Wer zum Teufel kam eigentlich auf die Idee, Transpiration mit KOKOS zu übertünchen?) – ich mag Love Coco. Ok, es wird keine große Liebe werden, aaaaber… ich würde ihn tatsächlich tragen, das ist schon mehr, als ich vermutet hätte.

Eine Kokosnuss in Gänze erfaßt: Nussig-würzig und mit holzigen Anklängen, die einem ein Bild ihrer Schale vermitteln sowie cremiger Kokosmilch mit einem Hauch nicht zu süßer und auch nicht zu würziger Vanille verfeinert – lecker. Dazu Korianderblätter, die dem ganzen einen grünen und subtil pfeffrigen Frischekick bescheren – ehrlich gesagt sehe ich die Korrelation zu NY nicht ganz, aber vielleicht liegt das auch schlicht und ergreifend daran, daß ich noch niemals dort war, um mit den Worten von Udo Jürgens zu sprechen.

Frau Giacobetti aber wohl, ist sie doch gerade erst dorthin gezogen – nun, als frisch gebackene New Yorkerin wird sie es besser wissen… Das ist aber an dieser Stelle vollkommen egal. Love Coco ist ein unbeschwerter, beschwingter und fröhlicher Sommerduft, der sich um eine subtile, nicht im mindesten prollige Kokosnuss dreht und sicher dem einen oder anderen auch den Kopf verdrehen wird.

Vamp à NY – eine „artistische“ oder auch „künstlerische Performance“, Frausein, nackte Haut in der (be)rauschenden Nacht, Fragilität und Wollust, magische Momente, Sehnsucht, brennendes Verlangen nach dem Unerreichten… Na? Klingelt es? Was mag das wohl für ein Düftchen sein? Jaaa, richtig: Eine Tuberose, die Trendblüte dieses Sommers.

Giacobetti gibt keine Noten für ihren Duft an und verwirrt mich damit zutiefst: Denn diese Tuberose ist – eigenartig und bemerkenswert. Gleich im Auftakt offenbart sie zuerst Zuckerwattenoten, um dann die typischen pinkfarbenen Kaugumminoten, die den Tuberosenklassiker von Piguet, Fracas, so bekannt machten (und Madonna süchtig, nebenbei bemerkt) nachzuschieben, die allerdings auch nicht von Dauer sind. Sie gehen über in – glaubt es, oder glaubt es nicht – Karamalz. Ich rieche Malzbier. Das allerdings scheint eine Fata Morgana zu sein oder der Auftakt einer langen durchzechten Nacht, denn es wird alsbald von Rumnoten überlagert. Dazu gesellt sich eine geröstete Note sowie dezente grüne Banane(blätter) und die für Tuberosen typischen cremigen Kokosanleihen, die in diesem Falle auch Würzigkeit stiften. Im Herzen trägt Love Coco noch mehr Blüten als nur die Tuberose, ich tippe auf Frangipani, Ylang-Ylang und/oder eine Orchidee. Darüber hinaus tritt das geröstete im Duftverlauf ein wenig mehr in den Vordergrund, rauchig-würzig – könnte sich um ein Harz handeln, ich bin mir allerdings nicht sicher. In jedem Falle vermute ich noch einige Gewürze am Rande des Geschehens.

Für einen Giacobetti ist Love Coco Vamp à NY eine echte Überraschung – ist man doch (von Dzing mal abgesehen) sonst eher klare, transparente und luzide Düfte von der Dame gewöhnt scheint sie sich hier mit ihrem Lubin-Werk Idole beduftet hinaus in die Untiefen der New Yorker Nacht gestürzt zu haben, Hals über Kopf… Ich will gar nicht wissen, wo, wie und wie lange sie dort umhergezogen ist – wenn das das Ergebnis einer solchen Nacht war, war jene sicher respektabel.

So empfinde ich auch den Duft: Sehr besonders wird er sicher nicht jedem gefallen, es lohnt sich aber, hier einen Blick oder besser: eine Nase drauf zu werfen. Frau Giacobetti’s getting sexy – try it!

Bemerkenswert sind an der Kollektion im übrigen noch zwei Dinge, die originelle Verpackung und die Haltbarkeit. Als Umverpackung ließen sich Honoré des Prés etwas Besonderes und wahrscheinlich auch New York oder zumindest Amerikatypisches einfallen – die Schachtel, natürlich auch zu 100% organischen Ursprungs mutet an wie die Tasse eines Coffees-To-Go, dieses amerikanischen Phänomens, welches mitsamt der Kultkette Starbucks aus den Staaten herüberschwappte. Die Haltbarkeit der Düfte ist, entgegen dessen, was man im Zusammenhang mit dem Namen Giacobetti gerne mal vermutet und komplett natürlichen Düften gerne unterstellt, ziemlich gut.

Zum Abschluß habe ich hier noch einen Videoclip zur Produkteinführung mit dem Art-Director – auf englisch:

Einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Coconut von JGPHOTOS / Juliano Gribel via stockx.chng – vielen lieben Dank!

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Drei sind einer zuviel


Der Dandy, der NY liebte…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges am 20.07.2010

In schöner Rosseauscher Back-To-Nature-Manier hatte sich die französische Firma Honoré des Prés vor nicht allzu langer Zeit auf dem Markt präsentiert: Nach eigener Aussage „Truly Organic – Terribly French“ wie sie verlauten ließen. Zu 100% natürliche Essenzen, natürlich unter Verzicht auf jegliche Tierversuche hergestellt – damit liegt man ganz im Loha-Trend. Und wenn man dann noch Olivia Giacobetti mit ins Boot holt, um auch zu 100% den Anspruch des Parfumeurshandwerks zu erfüllen kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen…

Ich hatte die ersten fünf Düfte des Labels bereits vorgestellt, nun hat der Honoré uns drei neue beschert: I love les Carottes, Love Coco und Vamp à NY, allesamt Bestandteil der We love NY-Serie.

Ein Name, der mich nicht weiter verwundert – wer liebt NY nicht gerade, die Stadt, in der es in der City sexelt, deren Fan-T-Shirts zum Fashion-Item wurden und deren Anhänger, die sich als addicted, als süchtig „outen“ schon alleine deswegen als Trendsetter gelten… Riecht ein wenig nach zur rechten Zeit am rechten Ort – genauso wie die ganze Geschichte hinter der Firma, die sich als Familienunternehmen bezeichnet.

Ich hatte es bereits in einem früheren Artikel geschrieben und erspare Euch das Blättern, indem ich mich selbst zitiere – an der Aktualität dieser damaligen Aussage hat sich für mich nichts geändert:

Mich würde ja brennend interessieren, ob die angebliche Gründerfamilie, von der im gesamten Pressematerial die Rede ist, tatsächlich existiert, oder ob sie frei erfunden wurde, ob sämtliche Familienmitglieder sowie deren Episoden, Zitate ein Marketingkniff, -gag sind oder nicht. Fotos sucht man nämlich überall vergeblich. Alles mutet aristokratisch und zugegebenermaßen dadurch auch ein wenig pseudo-elitär an. Zumal der Name auch verdächtig an die beiden Pariser Quartiere Faubourg Saint-Honoré sowie Saint-Germain-des-Prés erinnert, ersteres bevorzugtes Wohnviertel des Adels und zweiteres das Viertel der aufstrebenden Bourgeoisie im 18. /19. Jahrhundert, von Balzac und anderen gerne beschrieben und heute zwei Luxusviertel. Der Honoré selbst wird, sollte es ihn den geben, als ein französischer Dandy in allerbester Wilde-Manier beschrieben, nämlich als, ich zitiere, „eternal Bohemian teenager” sowie als „highly talented night reveller and rich landowner, who is still searching for his muse”, der darüber hinaus ein Faible für Yoga hat. Alles klar? Da fragt man sich ja schon mal… sollte ich einmal nähere Infos dazu finden, reiche ich diese selbstredend nach.

Infos habe ich dazu immer noch keine, wenn es diesen französischen Schöngeist tatsächlich geben sollte, darf er sich gerne für ein nachmittägliches Philosophieren mit Kaffee bei mir melden. Ich habe aber auch gegen Champagner nichts einzuwenden, wenn er den schon so gerne trinkt, wie das Pressematerial zu den neuen Düften verrät… Egal, kommen wir zu den Düften.

I love les Carottes ist irgendwie, wer hätte es anders gedacht, auch ganz schön modisch: Die Karotte, früheres Lieblingsutensil unserer kleinen Haustierchen und gerne von Muttern verordnet („Ist sooo gut für die Augen“…) zeigt sich mittlerweile als Bestandteil trendiger Kosmetikprodukte. Warum also nicht auch mal einen Duft? Düfte mit Karottensamen kenne ich, ja, wenn auch nicht viele. Und es sind bei einigen in der Tat abstrakte Karottennoten herauszuriechen.

I love les Carottes enthält nicht nur Karottenblütensamen sondern auch Orange, Vanille und Irisbutter. Frisch aufgesprüht springen einen erstmal alkoholische Noten an, die alsbald gehörige Karottenassoziationen aufkommen lassen: Holzig-trockene Karotte, die knackt beim Zerbeißen, und diese diffuse, seltene Süße offenbart, welche so schlecht zu beschreiben ist, da sie in dieser Form nur der Karotte innewohnt. Eine subtile Fruchtigkeit wabert im Hintergrund, welche man, wenn man es weiß, durchaus der Orange zuschreiben kann. Dazu gesellt sich alsbald cremig-buttrige Iris mit der ihr eigenen erdigen Komponente, gleichermaßen aber auch auf ihre samtige Pudrigkeit bedacht – selten, daß beide Facetten innerhalb eines Duftes so herausgearbeitet werden. Gewisse Anklänge des Duftes von Kosmetikprodukten wie Puder oder Lippenstift sind aufgrund dieser Irisinterpretation ebenfalls vorhanden (Wir erinnern uns: In Moulin Rouge von Histoires de Parfums war dieser Aspekt kongenial umgesetzt). Anfänglich ist I love les Carottes deshalb durchaus heftig: Karotte, knarzige, die sich umgehend in einer Karottensüße-Explosion entlädt, begleitet von ebenjenen Irisnoten. Im Verlauf des Duftes beruhigt sich das Geschehen etwas, der Duft wird ein wenig (karotten)holziger und weicher – letzteres definitiv einer nicht allzu dominanten Vanille geschuldet.

Ehrlich gesagt nötigt mir dieses Düftchen einiges an Respekt ab: Ich hätte nicht gedacht, daß man in der Lage ist, eine Karotte olfaktorisch dermaßen authentisch einzufangen. Mir persönlich ist der Duft schlicht – zu karottig. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, daß es für dieses Gemüse diverse Fans gibt, die sich genau einen solchen Duft immer gewünscht haben – so, wie ich eben auf zum Beispiel Rhabarber abonniert bin, so, wie einige andere auf diversen Boards zum Beispiel nach einem authentischen Kamilleduft oder einem Sonnencremeduft suchen. Für jene ist er sicher ein Traum. Und für den Rest durchaus testenswert – wer weiß, vielleicht entpuppt sich der eine oder andere ja noch als bekennender Karottenfan und/oder Karnickel?

In diesem Sinne, die restlichen beiden Düfte gibt es morgen – bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Carots von Ninad Shelar via stockx.chng, I Love NY-Logo der Stadt New York via Wikicommons – vielen lieben Dank!

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Drei sind einer zuviel
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Ri-Ra-Rhabarber.

Geschrieben in Duft, Fruchtiges am 19.07.2010

Vor Jahren kamen sie fast wie aus dem Nichts. Und ich weiß weder, ob sie etwas mit dem Aufkommen der Lohas, diesem von Paul Ray so bezeichneten neuen Konsumententyp (Lifestyle of Health and Sustainability = Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit; ein solventer Konsument meist mittleren Alters, der gesund einkauft und durch gezieltes und bewußtes Kaufen und Konsumieren Nachhaltigkeit und soziale Wirtschaft fördern möchte) zu tun haben oder mit einer überregionalen Laune… Zumindest passen sie zum Zeitgeist.

Von wem aber rede ich? Ich rede von den ganzen guten alten Kulturpflanzen, die die letzten Jahre wieder vermehrt in den Blickpunkt gerückt sind, unter anderem auch, weil sie die Speise- und Getränkekarten jeglicher Trendlokale bevölkerten. Bärlauch zum Beispiel, dieser Knoblauchbruder, verbreitete sich vor einigen Jahren fast inflationär und es gab fast keine Karte mehr in der Republik, die er nicht überwucherte. Viele Bars, Cafés und Lounges haben sich dieser Mode ebenfalls angeschlossen und servieren mittlerweile Getränke, die meine Großmütter, hätte ich sie kennenlernen dürfen, sicher erfreut hätten: Holunderblütenschorle und Quittensaft, und, darauf wollte ich hinaus: Rhabarbersaft.

Den habe ich die Tage nämlich mal wieder schwitzender Weise in einer jener Locations getrunken und mich furchtbar ob jenes Trends gefreut, denn – ich mag sie, diese ganzen säuerlichen altmodischen Früchte und Beerenabkömmlinge, die da heutzutage gerne ins Glas plumpsen. Und ich mag sie auch in Düften. Rhabarber, das mag dem geneigten Leser bereits aufgefallen sein, gehört definitiv zu meinen Lieblingsfrüchtchen (obgleich er doch eigentlich dem Gemüse zugeordnet wird) und vermag es, meine Nase sofort in Alarmbereitschaft zu versetzen, findet er sich irgendwo in den Ingredienzen eines zu testenden Düftchens.

Ich könnte jetzt lange und breit darüber erzählen, weshalb ich Rhabarber so mag… Ein Aspekt dessen ist sicherlich, daß ich ihn als nostalgisch empfinde. Als alt, irgendwie beruhigend, als Konstante. Und als – verkannt. Ein Obst-Gemüse-Vergissmeinnicht quasi, welches unprätentiös irgendwo schlummert und bescheiden darauf wartet, daß man ihm seine Aufmerksamkeit schenkt. Ich mag diese säuerlich-fruchtige Herbe, die mir ein wenig melancholisch scheint. Und mich deshalb immer an die Bilder des schwedischen Malers Carl Larsson erinnert: Als einer der Urväter des schwedischen Wohnstils mit all seinen Farben, seiner Fröhlichkeit und seiner Leichtigkeit zeichnete er meist Szenen aus dem Alltag seiner Familie (er hatte immerhin acht Kinder), überwiegend idyllischer Natur und gerne auch in der Natur. Ich persönlich mag deren positive Ausstrahlung und ihre Unverstelltheit, ihre Authentizitiät, ihre Einfachheit – entdecke aber auch oft ein kleines bißchen Melancholie in ebenjenen Werken, vielleicht genau die Prise Salz in der Suppe (des Lebens)? Bevor ich jetzt ganz ins Trivial-Philosophische oder auch: Sentimentale abrutsche, kehren wir doch wieder zurück zum Thema Rhabarber in Parfums.

Es gibt einige Düfte, die schöne, mehr oder weniger präsente Rhabarbernoten beherbergen, ich habe viele davon auch schon hier vorgestellt: Rose Ikebana von Hèrmes aus der Hermessence-Kollektion zum Beispiel, jene zitrische Rhabarberrose oder Eau Radieuse, mein Futuristen-Cologne aus dem Hause Humiecki & Graef mit seiner Menthol-Banane-Rhabarber-Dröhnung, Profumi del Fortes Versilia Platinum, der schöne rauchig-holzige Vetiver-Rhabarber oder auch Ellenas Göttliche Bergamotte (in Begleitung von Rhabarber und Ingwer – haaach…) aus der The Different Company Kollektion. Desweiteren sollte auch Byredos Tulpe hier Erwähnung finden, die Steffi neulich vorgestellt hat, sowie Ulrich Langs Anvers 2, ein wirklich schöner, eigenständiger Immergeher, Pantellerias Maestrale oder Calé Fragranze d’Autores Mistero.

Rhabarber als Begleitung reicht mir aber manchmal nicht – an solchen Tagen greife ich dann sehr gerne zu Rhubarb aus der Series 5: Sherbet von Comme des Garçons (die im übrigen mit ihren zwei weiteren Düften Peppermint und Cinnamon, einer frischen Zimtvariante, im Ganzen sehr testenswert ist!).

Rhubarb ist – Rhabarber pur: Gleich nach dem Aufsprühen weht einem dessen frisch-grüne Säuerlichkeit entgegen, die sich gleichzeitig herb-fruchtig gibt. Holzige Noten lassen die Faserigkeit der Rhabarberstangen vor dem inneren Auge erscheinen, dezent unterstrichen von einer feinen, vanilligen Süße, die eigentlich keine Süße sein möchte, dem Duft aber permanent erhalten bleibt mit ihrer leichten Cremigkeit.

Hier ist vielleicht noch Bezug auf den Namen Sherbet zu nehmen – Sherbet heißt übersetzt so einiges, vornehmlich im gastronomischen Bereich: Es kann sowohl Brause heißen als auch für bestimmte Arten von Limonade stehen. Darüber hinaus bezeichnet Sherbet auch das Sorbet, jenen Eisverwandten, und ich denke, in genau diesem Zusammenhang ist Sherbet hier auch zu sehen. Wo Rhubarb im Duftverlauf ein wenig cremiger wird, erinnert der Duft mich nämlich genau daran: An ein gutes, halbgefrorenes Fruchtsorbet, eventuell mit einem Klecks Sahnejoghurt verarbeitet.

Vorsicht, meine Lieben – jedem, der Rhabarber mag, könnte dieser hier sehr gefährlich werden, es besteht wirklich Suchtgefahr! (Bei mir zu spät, ich bin schon erlegen…)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Ulrike, süchtig.

Bildquelle: Vegetables von Katja Grimmer-Laversanne via stockx.chng, Carl Larsson: Frühstück unter der großen Birke (1896) fotografiert von Thuresson und Carl Larsson: Våren (1907) fotografiert von Yareite, beides via Wikicommons – vielen lieben Dank!

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„Wenn der Frühling kommt…

Geschrieben in Blüten, Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 12.07.2010

dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“, trällerte es in den 70er Jahren aus so manchem Radio. Ja, die bunten Frühlingsblüher sind in den Köpfen der Menschen immer noch genau so fest mit den Niederlanden verbunden wie Fleischtomaten, Gouda, Frau Antje, Clogs und Windmühlen (oder so wie Hape Kerkeling mit Königin Beatrix). Und diese Assoziation kommt nicht von ungefähr: aus den Niederlanden stammt etwa 80% der globalen Jahres-„Produktion“ an Tulpen.

Tja, aber die Zeiten ändern sich. In einer Welt, in der der Fernsehanschluss nur noch digital, dafür aber der Käse analog ist; in der der Normalbürger seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf nicht mehr über wässriges Treibhausgemüse deckt, sondern stattdessen hyperdietätische Softdrinks oder stilles Vulkangestein-Mineralwasser zu sich nimmt (hehe… ich selbst bin hier ein blühendes Beispiel); in der die TV-Dinosaurier Frau Antje, Frau de Mol und Frau Amado schon seit Urzeiten von unserer hiesigen Mattscheibe verschwunden sind und sich dafür unzählige, prima an die neuen Fernsehunterhaltungsbedingungen angepasste Casting-Reality-Doku-Shows im TV-Programm durchsetzen konnten (tja, die Evolution ist nicht aufzuhalten); in der Hape Kerkeling (leider) nur noch als Gisela respektive Werner in Werbespots für Anrührkaffee zu sehen ist; ja, in einer solchen Welt kommen Tulpen auch nicht mehr zwingend aus Amsterdam.

Ein besonders hübsches Exemplar fand zum Beispiel erst vor ein paar Wochen seinen Weg aus Stockholm zu mir. Und das, obwohl die Tulpenzeit doch da schon längst vorbei war. Doch diese ach so kurze Zeit des Frühjahres, wenn es in sämtlichen Vorgärten, Super- und Wochenmarkteimern nur so vor Tülpchen wimmelt, wurde durch die Lancierung des neuen Byredo-Duftes La Tulipe, zumindest olfaktorisch, verlängert. Herr Gorham, dessen Vorgängerdüfte die gute Uli ja bereits vorgestellt hat (zum Beispiel hier und hier und hier), war nach eigener Aussage schon seit jeher ein Freund der Zwiebelpflanze, so lag die Idee eines eigenen Tulpenduftes für ihn nahe. Augenmerk legte er hierbei nicht unbedingt auf eine möglichst authentische Umsetzung, sondern vielmehr:

„La Tulipe is built around the idea of the tulip – a flower reminiscent of morning moist gardens and by being one of the season’s first flowers to open its bud; the tulip has become a symbol for the rebirth of spring.“

Die Wiedergeburt des Frühlings soll er also einfangen. Schade, dass ich erst vor ein paar Wochen seiner habhaft werden konnte. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte ihn bereits im März geschnuppert, als hier noch alles unter einer eisigen Winterdecke lag und es nicht so aussah, als ob es überhaupt jemals wieder einmal Frühling werden würde…. ja, ich glaube, ich hätte mit und durch La Tulipe neue Hoffnung geschöpft. Tja, so musste ich mir in des Märzens Iden ohne diesen wunderbaren Duft warme Gedanken machen. Und schließlich hat es der gute Zephyr ja doch noch geschafft, uns den Lenz hierher zu wehen, den wir jetzt schon seit geraumer Zeit genießen dürfen. Und so sitze ich nun in der nachmittäglichen Julisonne, vor mir die Byredo’sche Tulpe und schnuppere vor mich hin.

Hier schon einmal die Duftnoten: Rhabarber, Alpenveilchen, Freesie, Tulpe, Hölzer, Vetiver.

Leicht zitrisch im Auftakt, was ich ob der säuerlichen Fruchtigkeit dem Rhabarber zuordnen würde, wird es plötzlich floral. Noten von… ja, von was eigentlich? Intuitiv muss ich an Flieder denken, wobei ich im direkten Vergleich mit Frau Giacobettis En passant wieder ein wenig davon Abstand nehme. Allerdings mit Vorbehalt, denn En passant ist natürlich ein weitaus filigraneres, zarteres und dezenteres Kaliber als die Stockholmer Tulpe. Aber dennoch: die Authentizität des Fliederduftes in En passant (und diese ist wirklich vorhanden, wenn ich mich an all die duftenden Fliederdolden in den Lindauer Vorgärten erinnere, in die ich noch vor ein paar Wochen jauchzend und juchzend meinen Rüssel zum Schnuppern hing) lässt einen direkten Vergleich zu und so muss ich die Byredo’sche Ingredienzienangabe bestätigen: kein Flieder in der Tulpe. Was mir hier so einen vorfliedert ist wohl vielmehr die Freesie, die sich satt und wuchtbrummig im Duftverlauf breitmacht und diesen, einmal geentert, auch nicht mehr freigibt. Gleich einem tanzenden Derwisch tollt sie süßlich-flirrend durch den Duft, stets begleitet von den für sie typischen aquatischen Tendenzen. Grünliche Noten, die möglicherweise der Tulpe geschuldet sein könnten, schwirren mit in dem floralen Ringelreihen und bringen diesen schließlich auf den hell-holzigen Boden der Tatsachen zurück.

Ja, das Stockholmer Tülpchen ist wirklich ein hübscher und überraschend lang anhaltender Duft. Wie ein intensiv duftender Frühlingsstrauß zaubert er ein Lächeln auf’s Gesicht, sorgt für gute Laune und induziert Frühlingsgefühle. Der namentliche, sehr konkrete Bezug auf eine bestimmte Blume, nämlich die Tulpe, mag angesichts des tatsächlichen Duftes für Verwirrung sorgen, aber da selbige ja nach Herrn Gorham eher sinnbildlich zu betrachten ist, kann man da geflissentlich ein Auge zudrücken. Ich jedenfalls freue mich sehr über das Düftchen, werde es auch gewiss den Sommer über das ein oder andere Mal tragen, mir aber sicherlich ein paar Sprüher aufheben, um mich im Februar nächsten Jahres durch La Tulipe daran erinnern zu lassen, dass der Frühling ganz bestimmt irgendwann kommen wird und mit ihm auch die ersten (echten) Tulpen. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Tulpen von John O’Neill – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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