Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Von Gottheiten & Engeln – Memos Shams & Lalibela.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Florientalisch,Holziges am 4.04.2012

Entgegen meinem ursprünglichen Plan habe ich mich dazu entschlossen, nicht nur die vier angekündigten und bereits besprochenen Memo-Düfte zu rezensieren, Moon Safari, Granada, Manoa und Shams. Lalibela gibt es auch noch mit dazu. Mir macht My Memo wieder einmal ausgesprochen viel Freude dieser Tage, deshalb durfte auch mein etwas aus der Reihe schlagender Liebling Lalibela nicht fehlen. Beginnen wir aber erstmal mit Shams:

„Shams – An Oud in the house of the Sun. Shams means “sun” in Arabic. Legend has it that the persian god mithras climbed into his gold-covered chariot at dawn and whipped his horses forward to pull the sun across the sky until dusk. But at nightfall, on the verge of disappearing from the horizon, the sun was swallowed by a man, only to return to life at dawn… The sun makes our hearts swell in a hand-to-hand combat of pepper, ginger and saffron. It dazzles with a thousand desires and gives us power over the days and hours. Everyone gets lost in its scintillating, unreal brightness. Intoxicated with warmth, it accelerates our stride and consumes us in its passion. The only guide in the house of the sun is the haunting music of Oud, its main chords of Tonka bean, its dreams of wood and its promises of glorious love.“

Der Hintergrund von Shams ist natürlich äußerst geschichtsträchtig und bis heute noch nicht vollständig erforscht: Der Mithraskult, von dem hier die Rede ist, erfasste große Bereiche Kleinasiens, später des ganzen römischen Reichs und lief mit seiner Popularität fast dem Christentum den Rang ab. In jedem Falle ist er älter als das Christentum und zählt zu den wichtigsten orientalischen Mysterienreligionen. Der persische Gott Mithra allerdings ist noch eine Kleinigkeit älter – er wurde erstmals im 14. Jahrhundert vor Christus belegt und war bekannt dafür, in einem goldenen Streitwagen durch den Himmel zu kacheln.

Soviel zur Gottheit. Der eine oder andere von Euch wird aber gleich schon gar nichts mehr vom Duft wissen wollen, wenn ich erwähne, dass es in allererster Linie ein Oud-Duft ist, der aus folgenden Ingredienzen gemacht wurde: Pfeffer, Ingwer, Safran, Vetiver, „Papier“, Tonkabohne, Birke, Tolubalsam, Styraxharz und Oud.

Ouddüfte gab und gibt es viele, ich weiß. Und ich weiß auch, dass viele von Euch den Trend satt haben. Ich nehme mich da ausdrücklich aus, ist Oud doch für mich eine meiner Lieblingsingredienzen, ich kann, werde und will immer neue Düfte dieser Richtung testen. All diejenigen, denen es in letzter Zeit ein bisschen zu viel wurde mit dem Oudgetöse auf dem Parfummarkt: DIESEN hier, meine Lieben, solltet Ihr trotzdem testen!

Denn Shams ist wirklich ein tolles Stöffchen: Pfeffrig im Auftakt leuchtet der so gut wie alle Facetten des Ouds aus – medizinische, holzige, kühle, harzige und sonderbar süß-warme Noten werden uns offeriert, von Pfeffer stetig begleitet und von einer schönen Harzaura umfangen. Die papierne Note lässt sich sehr gut erfassen und erinnert ein wenig an Meisterwerke wie Ménardos Bois d’Arménie für Guerlain oder by Kilians Pure Oud von Calice Becker aus der Arabian Nights Collection. Pfeffer und Papier vermengen sich im Laufe der Zeit zu einer rauchigen Trockenheit, die an Bibliotheken und vor allem Herrenzimmer erinnert. Diese Assoziation gefällt mir ohnehin sehr gut – ich finde, hier riecht es wie in einem Herrenzimmer, natürlich ohne Rauchverbot und mit Chesterfield-Ledermöbeln, in dem der orient-affine Besitzer ab und an außer Zigarren noch weiterem feinem Räucherwerk frönt. Schön!

Lalibela, meine unverhoffte Liebe, ist laut Beschreibung „a mystical rose“ und Namenspatron für den Duft ist die gleichnamige Stadt in Äthiopien: Auf über 2500 Metern Höhe gelegen ist sie weltweit für ihre elf monolithischen Kirchen bekannt, die im 12. Jahrhundert in Basaltlava gemeißelt wurden und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Genauso wie die anderen Orte und Legenden, denen Memo seine Düfte widmet, steckt auch Lalibela voller Geheimnisse: 1001 Geschichte rankt sich um die mythenreiche Stadt – so auch die, dass die Erbauer der Kirchen Engel gewesen sein sollen, die eines Nachts vom Himmel herabstiegen, um ihr Bauwerk bis zum Morgengrauen zu verrichten.

Des Duftes Genese hat sicher ein wenig länger gedauert, aus Engelshänden könnte er aber ebenfalls stammen: Süß-würzige Kokosmilch und vanillig anmutende Orchideenblüten umfangen mein Näslein, alsbald von einem majestätischen Chor aus ehrfurchtsvollen Harzen eingerahmt. Labdanum und Weihrauch, von Hölzern begleitet, von Vanille im Hintergrund zart untermalt. Patchouli sorgt für den Tiefgang, während Tabakblätter ambriert wirkende Rauchigkeit beitragen. Und das Herz quillt über vor cremigem, überhaupt nicht indolischem Jasmin, fruchtigen Rosen und Pfingstrose, gebettet auf samten-harziger Wärme.

Lalibela ist – wollüstig. Opulent. Erotisch. Feminin. Überbordend. Verschwenderisch. Und so toll, dass gerade ein kleines Fläschchen her musste. Obgleich ich eigentlich gar nicht der Typ für Lalibela bin und weiß, dass ich ihn nicht oft tragen werde – dann aber mit höchstem Vergnügen!

In diesem Sinne – ein schönen Tag Euch und viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Memo-Gewinnspiel im Duft-Tagebuch
Duftverzeichnis L – Z
Granada…


Atelier Flou die Vierte – Die Damen.

Geschrieben in Duft,Florientalisch am 23.01.2012

Letzte Woche hatte ich bereits damit begonnen, Euch die Atelier Flou-Kollektion aus Paris vorzustellen. Für heute habe ich mir zwei Damendüfte aufgehoben, Shamsin und Paradis Paradis. Sloane Rose war leider kurzfristig als Muster nicht verfügbar, insofern werde ich Euch mit dieser Rezension noch zu einem späteren Zeitpunkt beglücken.

Shamsin liest sich wie ein Florientale – und das ist er auch, wirft man einen Blick auf die Beschreibung sowie die Duftnoten:

„Luxurious, Voluptuous, The mystery of the eternal East. All in this fragrance is sensuality. Made of the “fel” (the jasmine of high Egypt), this fragrance then undulates between the disturbing mystery of the most refined musks of the East and the powerful energy of the finest absolutes: rose of Morocco and ciste of Spain. Unforgettable sensuality.“

Ein luxuriöser, opulenter, raumgreifender Duft, so mysteriös wie Frau an sich, deren Weiblichkeit hier von Blüten, Moschus und Harzen ausgedrückt wird. Werfen wir doch einen Blick auf die Duftnoten: Kopfnote: Jasmin, Narzisse; Herznote: Rose, Iris, Labdanum (Zistrose), Weihrauch; Basisnote: Moschus, Zedernholz, Patchouli, Vanille.

Wow – ein ziemlich eindrucksvolles Blütenbouquet, das sich wie zu Erwarten war umgehend auf meiner Haut breit macht. Jasmin wohin das Auge blickt, von sacht metallisch funkelnder Narzisse durchsetzt und auf Rosen gebettet. Hätte ich die Ingredienzen nicht gelesen, hätte ich schwören können, dass hier auch Geranium eingesetzt wurde – jener minzige Frische der Rosen hätte das gut zu Gesicht gestanden. Und wenn wir gerade beim Wetten sind – ich hätte auf einen Klecks Oud getippt. Denn die Blütenschönheiten haben einen gar ehrfurchtvollen Bewacher: Hölzer und Harze rahmen die vanilleverschleierten Damen ein und verleihen dem Bild einen würdevollen Abschluss.

Ein richtiger Orientale ist das nach meinem empfinden aber trotzdem nicht, aber das mag an meiner Interpretation davon liegen. Shamsin erinnert im Auftakt ein wenig an The Different Companys Jasmin de Nuit, lässt diesen alsbald aber hinter sich und entwickelt sich eher dunkel. Hätte ich es nicht gewusst, hätte ich hier eventuell einen gelungenen neuen Montale vermutet.

Auch der zweite Duft, Paradis Paradis, wartet mit einem Jasmin auf:

„Pure, Original, Impertinent. So feminine, so unpredictable, completely independent. Paradis Paradis is the fragrance of obvious femininity, the full harmony of a bouquet of delicate flowers where the concrete of Iris of Italy dominates and opens out unconstrained. Freedom.“

Ein Blütenbouquet als Sinnbild einer freien Frau oder so ähnlich… Benannt nach Jean-Marie Dallets gleichnamigem Roman konnte ich ehrlicherweise trotz nicht allzu knapper Recherche nicht herausfinden, um was es sich in diesem Roman dreht, obgleich der Verfasser mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde – Frankreichs berühmtester Literaturpreis. Deshalb müssen wir uns den Paradiesen hier ganz unvoreingenommen widmen. Geschaffen wurden sie aus: Kopfnote: Bergamotte, Jasmin, Hagebutte; Herznote: Iriswurzel, Zedernholz; Basisnote: Moschus, Vanille.

Auf den ersten Blick wird gleich klar: Shamsin und Paradis Paradis mögen zwar Schwestern sein dank ihrer beider „Wurzel“ oder vielmehr Hauptingredienz, dem Jasmin. Sie unterscheiden sich aber, wie so oft bei derlei Geschwisterpaaren, wie Tag und Nacht.

Paradis Paradis – ist wunderschön. Ein betörender, lichter, Frische atmender Jasmin ohne jeden Anflug indolischer Noten, weiblich und von bebender Sinnlichkeit genauso wie von blütenweißer Unschuld. Welch wundervolles cremig anmutendes und sachte-süßflorales Blütenmeer! Eines, das von sanft-erdigen Irisnoten und dezenter, fruchtig-mehlig-säuerlicher Hagebutte abgerundet wird, auf einer feinen zurückhaltenden Basis ruhend.

Ich dachte ja eigentlich, mit Acqua di Parmas Gelsomino Nobile sowie mit Floris‘ Night Scented Jasmine hätte ich meine beiden Soliflor-Jasmindüfte gefunden, ich glaube aber, dieser hier muss noch her, so schmachtend wie er mich hinterlässt. Wer auf der Suche nach einem transparenten, realistischer anmutenden hellen Jasmin ist sollte in jedem Fall testen!

Nun ist doch ein Must-Have für mich dabei – für Euch auch? Habt Ihr schon getestet? Eindrücke her meine Lieben!

Einen guten Start in die Woche und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Émile Bernard (1941): The Harem, Albert Joseph Moore: Jasmine, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Maison de Haute Parfumerie à Paris…
Von Schwertern & Samurai – Atelier Flou die Zweite.
Herren vor – Atelier Flou die Dritte.


Organic Glam…

… heißt unsere neue Ökofirma, nach Honoré des Prés und Patyka ein weiteres Unternehmen, das zu 100% natürliche Düfte herstellt. Schauen wir uns mal die Historie an: Organic Glam gehören zu The Organic Pharmacy, welche im Jahre 2000 durch die Apothekerin Margo Marrone gegründet wurde. Die erste Filiale wurde in Londons Kings Road im Herzen Chelseas eröffnet und dank des allgemeinen LOHA-Trends folgten rasch weitere, 2008 sogar die erste in Los Angeles. Nach Kosmetik- und Gesundheitsprodukten nahm man jetzt folgerichtig auch eigene Düfte mit ins Sortiment, die sorgfältig entwickelt wurden: Die Organic Glam-Parfums sind zu 100% natürlich und 85% organisch und sind frei vom synthetischen Duftstoffe, synthetischen Farbstoffe, Phtalate (= Duftverstärker) und tierischen Inhaltsstoffe.

Fünf an der Zahl sind es und ich dachte, ich nehme sie mir mal zur Brust und klemme sie mir für Euch unter die Nase. Die Orangenblüte muss leider noch warten, die war als Pröbchen für mich noch nicht vorrätig, ich verspreche aber, ich reiche sie nach. Heute also die “restlichen” vier Düfte von Organic Glam, beginnend mit der Zitrone:

Citron sieht sich inspiriert von „der Schönheit der süditalienischen Riviera“ und beinhaltet folgende Zutaten: Kopfnote: Zitrone, Bergamotte; Herznote: Orangenblüte, Ylang-Ylang; Basisnote: Patchouli, Neroli, Orangenblüte.

Frisch, zitrisch und kühl steigen mir die eher säuerlichen Hesperiden der Kopfnote in die Nase, prickelnd wie ein erfrischendes Zitronenbrausebonbon. Dieses bitzelnde Moment begleitet den Duft Citron seinen ganzen Verlauf, welcher sich noch von zarten Agrumenblüten versüßt sieht und an Altersmilde gewinnt, insgesamt aber doch eines bleibt: Ein Zitronenduft. Bei heißen Temperaturen herrlich erfrischend (was bereits von dem splashigen Bildchen signalisiert wird) und mit Sicherheit etwas für Freunde von mediterranen Zitrusdüften wie zum Beispiel Carthusias Mediterraneo.

Jasmine, Duft Nr. 2, ist dem sommerlichen Duft blühenden Jasmins gewidmet – und präsentiert neben seinem aus Ägypten stammenden Hauptprotagonisten noch Ylang-Ylang, eine Prise Bergamotte sowie Sandelholz. Auf dem Teststreifen zeigt sich ein herrlicher und natürlich opulent blühender Jasmin, von einer zurückhaltenden Zitrusfrische kontrastiert und von zarter floraler Fruchtsüße unterstrichen, auf einem warm-holzigen Sandelbettchen sich räkelnd. Auf meiner Haut drängen aus diesem schönen und auffälligen Blütenmeer leider viel zu viele indolische Noten an die Oberfläche – bei aller neu gewonnenen Liebe zu weißen Blüten, dieser Kandidat und ich passen leider gar nicht zusammen. Durchaus schade, denn man merkt dem Duft seine hochwertigen natürlichen Ingredienzen an und seine blühende Pracht hat etwas sehr Betörendes – für mich leider nur auf dem Teststreifen.

Oriental Blossom soll eine „Reise durch den Orient“ darstellen, eine, auf der man mysthischen verschleierten Schönheiten begegnet, reiche Farben sieht sowie geschmückte Gärten und man beständig den Duft warmer Gewürze in der Nase hat. Dieses Bestreben setzt man mit folgenden Zutaten olfaktorisch in die Tat um: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Mandarine; Herznote: Zimt, Gewürznelke, Rose, Neroli; Basisnote: Eichenmoos, Vetiver, Pfeffer, Vanille, Ylang-Ylang. Ein wahrhaft schöner Florientale: Basar, Gewürzmarkt, aber auch naher Garten mit Beeten voller Blumen. Rosendüfte und Öle, vielleicht auf der Haut schöner Frauen. Und irgendwo zwischen der warmen Zimtschärfe und den holzig-gewürzigen Anklängen finden sich auch getrocknete Früchte, Datteln vielleicht, Rosinen, ein Hauch Aprikose… Oriental Blossom hätte dem frühen Serge Lutens ebenfalls gut gefallen. Dem, der noch gerne mit dem Amber-Sultan gespielt hat auf dem Arabie-Markt. Und Fans von Washington Tremletts Clove Absolute werden sich ebenfalls angetan zeigen.

Oud, vierter und letzter Kandidat – „a journey through an Arabian Souk“, jenen berühmten Weihrauch- und Gewürzmarkt, auf dem der Duft von Zedernholz, Oud und Sandelholz die Luft erfüllt und einem Kopf und Nase verdreht. Die Ingredienzen des Duftes: Kopfnote: Zedernholz, Oud, schwarzer Pfeffer, Kardamom; Herznote: Rose; Basisnote: Sandelholz, Vetiver und Tonkabohne. Oud geht als Thematik sicher einigen mittlerweile auf die Nerven – kein Wunder, war es doch der gerade wieder verebbende Trend. Und doch finden sich immer wieder Nachzügler – zum Glück. Das sage ich jetzt nicht nur als erklärter Oudfan, der nicht so schnell die Nase voll hat. Oud ist ein wirklich feiner Vertreter seiner Gattung, der ganz bestimmt auch denjenigen Nasen schmeicheln wird, die sonst keine allzu große Leidenschaft für Oud hegen. Ein kontemplativer Duft ist es, der von dem Dreigestirn Zedernholz, Sandelholz und Oud lebt. Das funktioniert mit sehr hochwertigen Zutaten richtig gut, wie man bereits bei 10 Corso Como gesehen hat oder auch bei Loggia dei Mercanti von La Collina Toscana. Eine ähnliche Perle ist auch Oud: Oszillierend zwischen verhaltener samtig anmutender Wärme und seidiger Kühle, im Herzen eine luzide frisch-minzige Rose, in Rauch gekleidet. Kantig und ein bisschen unnahbar, aber stolz und wunderschön, mein erklärter Liebling der Kollektion. [EDIT: Nach weiteren Test kann ich das nur bestätigten, vor allem habe ich mich in die Basis verliebt: Hier dominiert Sandelholzsüße in einer Menage à Trois in wilder Amour Fou mit rauchigem Oud und ernster Zeder verwoben - herrlich. Und es mangelt dem Duft Oud an exakt jenem für mich in Loggia dei Mercanti störenden, für mich etwas zu würzigem Moment. Insofern für mich ein echter Kaufkandidat.]

Und Eurer? Habt Ihr schon getestet, was haltet Ihr von der Kollektion?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die Kollektion von Organic Glam in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Impressum
Kurz vor knapp die Dritte – die letzten Neuigkeiten 2011.
Die Vergessenen – Ménage à Trois mit Atelier Flou, Parfums de Rosine und 10 Corso Como.


Die Damen von Brecourt – Teil 2.

Nachdem ich vor Pfingsten bereits die ersten Damendüfte der Brecourt-Kollektion vorgestellt habe, Eau Blanche und Eau Trouble, folgen heute und morgen die restlichen Weibsen. An der Reihe sind heute die Orientalen, für die Emilie Bouge, die Nase hinter Brecourt, wohl wie sie selbst sagt eine besondere Schwäche hat: Ambre Noir, Agaressence und Harâm.

Ambre Noir, der Dunkelamber, ist gar nicht so ein düsterer Geselle wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen möchte: Die Sinnlichkeit der Ambra wollte Emilie Bouge herauskitzeln aus dieser kostbaren Ingredienz:

„The sensuality of this ingredient is as mysterious as a love potion with all its magnetic and solar powers.“

Mysteriös wie eine Liebestrunk – haach… Dafür sorgte Madame mit folgenden Zutaten: Kopfnote: Bergamotte, Magnolie, Myrrhe; Herznote: Sandelholz, Iris, Ambra, Labdanum; Basisnote: Ambra, Vanille, Moschus.

Ich würde behaupten wollen, dass das ziemlich gut gelungen ist: Harziger Pluralismus, opulent, aber nicht krachend. Warme Süße und süße Wärme, trocken, würzig, cremig, samtig und von zarten Blüten umrankt. Magnolie tritt in der Tat deutlich hervor – und ergänzt sich wider Erwarten, ich hätte es nicht gedacht, hervorragend mit der vorherrschenden Wärme, die immer angenehm ist, aber niemals zur Hitze wird. Ein sanfter und trockener Ambrageselle mit floralen Touch.

Heutzutage muss eine Kollektion, wenn sie etwas auf sich hält, in jedem Fall einen Oudduft zu bieten haben. So gibt es eben jenen auch bei Brecourt – Agaressence ist sein Name und er hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Safran, rosa Pfeffer, schwarze Johannisbeere, Pflaume, Oud; Herznote: Tuberose, Rose, Ylang-Ylang; Basisnote: Oud, Gurjanholz, Jatamansi, Amyrisholz, Sandelholz, Zibet.

Ihre Inspirationen zu diesem „floriental-fruchtig-holzigen“ Duft holte sich Madame Bouge direkt vor Ort im arabischen Land – in Dubai:

„I was walking through a souk in Dubai one morning when I was overcome by the bakhour fumes emanating from a nearby shop that was diffusing a strong odour of Oudh. Time seemed to have stopped. This was the first time that a fragrance has affected me so strongly.“

Einen tiefen Eindruck hat die Ingredienz Oud bei ihr hinterlassen – ich kann es gut nachvollziehen, denn mir geht es genauso. Jedoch wird einen die eigene Erwartungshaltung an Agaressence enttäuschen, nimmt man den Namen zu wörtlich: Oud ist vorhanden, keine Frage, aber der Duft ist vielmehr ein femininer Florientale mit ausgeprägt fruchtigen Anklängen. Ein betörendes Blütenbouquet, flankiert von opulenten Pflaumennoten sowie kontrastierender schwarzer Johannisbeere, auf einem Teller von samtenen Hölzern drapiert. Eine sündig-sinnliche Fruchtbombe, aber eher hellerer Natur und nicht so dunkel, mysteriös und unbändig, wie man oder besser: ich mir einen Oudduft vorstellen würde.

Ganz anders ist da Harâm, der für mich eine vortreffliche Hommage an die Duftfamilie der Orientalen ist und es auf wunderbare Weise vermag, all deren Vorzüge zu vereinen. Für Bouge ist es ihre Ode an das Orientalische und, ferner, an die erotische Seite einer Frau:

„My taste for the oriental culture inspired me in this scorching perfume whereby instinct cohabits with refinement. Haram forbids temptation. I wanted to give it as an accessory to the woman who is not afraid to liberate the erotic side of herself.“

Harâm überzeugt, von Anfang an: Trockene Süße umfängt meine Nase, jene von gedörrten und getrockneten Früchten, Datteln und Aprikosen auf dunklem Samt präsentiert neben Gläsern von sämigem Honig. Von der Sonne verblichene Hölzer und Leder zeichnen den Eindruck eines arabischen Marktes, von Ständen in der Glut, von Pferden, Eseln und anderem Getier zwischen kostbaren Gewürzen und Raucherbars an den Ecken.

Meine Lieben, Harâm ist einfach wundervoll: Stellt Euch bitte vor, Ihr wandelt von Serge Lutens Arabie über L’Artisan Parfumeurs Al Oudh nach Serge Lutens Fumerie Turque, welche alle eine Liaison mit Ginestets Botrytis eingegangen sind – reicht das für einen kleinen Vorgeschmack? Für mich einer, genauer: der zweite Star der Linie und für Orientalenfans, die Honig nicht scheuen, ein unbedingtes Must-Try!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Foto von Souk Et-Trouk, Tunis, Tunesien (aufgenommen im Jahre 1899), Carl Spitzweg (ca. 1860): Im türkischen Basar, Jean-Léon Gérôme (1824 – 1904): Dancer with Tambourine, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Damenkollektion von Brecourt in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Damen von Brecourt – Teil 3.
Die Damen von Brecourt…
Brecourt…


Von Licht und Schatten…

Geschrieben in Duft,Florientalisch,Krautiges am 1.06.2011

Nachdem gestern das olfaktorische Licht der Evanescent-Kollektion von Yosh Han an der Reihe war, White Flowers 1.41, folgt heute die für mich dunkle Seite (der Macht): Omniscent 0.96.

Allein bereits die Farbe verrät, dass wir es hier nicht mit einem olfaktorischen Leichtgewicht zu tun haben: Dunkelbraun-rötlich schwappt der Duft in der Flasche hin und her. Und auch Madame Han ordnet ihm Finsternis zu: Schwarz ist seine Farbe, elegant und mysteriös soll er sein und der (eigenen) Aura gewidmet, mit dem Motto „Ich traue mir, meiner Intuition“ ausgestattet. An Selbstbewusstsein mangelt es hier demnach nicht.

Yosh Han selbst wählte den Namen Omniscent deshalb, weil sie sich nicht für einen (anderen) Namen entscheiden konnte: Dunkel, schwarz, würzig, floral, pudrig, mysteriös, der Duft habe von allem etwas und vor allem auch eine gehörige Portion Zauber, die ihm innewohnt. Er dufte an jeder Person anders, an Rothaarigen mit heller Haut und grünen Augen gerne betörend, an Trägern dunklerer Hautfarbe und mit dunklen Haaren warm und (ge)würzig, an manchen überaus pudrig, an anderen mehr holzig – überhaupt rieche er an Männern wie Frauen gleichermaßen schön.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Gardenie, Veilchen, Feige, Flieder, Basilikum; Herznote: Tuberose, Geranium, Cannabis, Gewürznelke; Basisnote: Opium, Vanille, Sandelholz.

Omniscent, der Name, ist unschwer zu erkennen, ein kleines Wortspiel: Abgeleitet vom englischen „omniscient“, zu Deutsch: omniszient, was soviel wie allwissend heißt und damit oftmals in den Bereich der Allmacht und somit der Gottheiten fällt, da nur ein perfektes, vollkommenes Wesen diese Kriterien erfüllen kann. Was das allumfassende Wissen angeht wird es natürlich in unserer heutigen Zeit schwer: Nicht einmal ansatzweise ist man mittlerweile mehr dazu in der Lage, eine allumfassende Bildung zu besitzen – zu ausdifferenziert sind die Wissenschaften heutzutage. Die letzten Universalgelehrten sind längst ausgestorben, irgendwann im vorletzten Jahrhundert vermutlich – Polyhistoren wie Leibniz, die in allen wissenschaftlichen Bereichen glänzten gibt es nicht mehr.

Wie sieht es da im Duftbereich aus? Übertragen wir das Modell der Omniszienz salopp darauf, müssten derlei Düfte einen Spagat zwischen mindestens einmal etlichen Duftfamilien schaffen. Ein, zwei, vielleicht einmal drei Duftfamilien – das geht, oft sogar sehr gut und als Resultat zeigen sich innovative und einzigartige Düfte. Je mehr Hochzeiten sich aber zum Tanzen anbieten desto schwerer wird es…

Aber schauen wir uns mal Yosh Hans allwissenden Duft an: Im Auftakt erscheint er mir dunkelgrüner Natur, was sich aber schnell ins Braune verschiebt – grüne Noten von herber Bitterkeit und krautig, hier ist in jedem Falle Basilikum an der Arbeit, tatkräftig unterstützt von minzig anmutendem Geranium, welchem wie oft rosige Anklänge innewohnen. Ungewohnt pfeffrige Schärfe zeigt sich, für die wohl die Gewürnelke verantwortlich ist, sowie Cannabis, welches mich hier am ehesten an Nasomattos wunderschönen Düsterling Black Afghano erinnert. Omniscent fehlt allerdings dessen holzig-würzige Wucht, erfährt der Duft doch alsbald verschwommen bleibende florale Umrankung, die als Weichzeichner fungieren und eine perfekte Überleitung darstellen: Ab in die Orientalen-Basis, jenes wollüstig-harzige Lager, dass sich hier in gewohnt gekonnter Manier offenbart. Warme Harze inmitten eines sanften Rauchschleiers, einer leichten Puderwolke auf einem samtig-süßen Vanille-Sandelholz-Bettchen, das zum Verweilen einlädt. Von Feige und Veilchen ist bei meinen Test im übrigen weit und breit keine Spur – findet Ihr sie?

Mir fällt die Einteilung von Omniscent scheinbar sehr viel leichter als der Parfumeurin: Für mich ist Omniscent ein Florientale, wenngleich auch die Blüten keine Oberhand gewinnen und ein paar Kräutlein sich hineinverirrt haben. Ein hübscher Duft, den ich mir an Männlein wie Weiblein gut vorstellen kann und den ich vermutlich, hätte ich einen Blindtest gemacht, irgendwo bei den Italienern verortet hätte.

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle:  Grace Jones auf ihrer Hurrican-Tour 2009 von Chr!s via Wiki Commons, Grace Jones Porträt von Gavin Bond, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Omniscent 0.96 von Yosh Han in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Nofretete…nomen est omen!
The Hype Noses Urban Candles – Duftkerzen
Können Kerzen sexy sein? Diese schon: Byredo präsentiert „Bougie Parfumée“


Die Vergessenen: Parfums d’Orsay Intrigante, Montale Jasmin Full & Fifi Chachnil

Kurz und knackig – Ihr dürftet es wissen, normalerweise nicht meine Stärke ;) Heute werde ich es trotzdem versuchen. Vor einiger Zeit hatte ich bereits die Kategorie der Vergessenen eingeführt, Düfte, zu deren Rezension ich trotz ihrer Aktualität (noch) nicht gekommen war. Von Zeit zu Zeit nun werden jene Schubladen geleert, in denen sich meine duftenden Arbeitsmaterialien stapeln und ich greife einige Düfte heraus, denen ich mich hier im schnellen Überblick widme.

Heute vor und unter meiner Nase: Parfums d’Orsay Intrigante, Montale Jasmin Full und Fifi Chachnil.

Die Intrigante ist ein Teil der Intense-Serie von Parfums d’Orsay, genauer: der vierte Duft derselben nach Le und La Dandy [jawohl!] sowie Le Nomade.

„A bewitching eau de parfum created in the image of the beguiling temptress, who harnesses her charms for ambitious seduction.“

Eine Verführerin ist die Intrigante, wen wundert es – und ewig lockt das Weib… Moschus, Wacholderbeeren, Myrrhe, schwarzer Pfeffer in der Kopfnote, Kamelie, Rose, Nelke, Orangenblüte im Herzen und Sandelholz, Patchouli, weißer Moschus, Vanille und Wildleder in der Basis. … Was soll ich sagen? Wieso habe ich diesen Duft nicht früher getestet? Er hätte mir im Winter sicher Freude gemacht. Ein schöner Damenduft irgendwo zwischen Klassik und Moderne, ich fühle mich an Washington Tremletts Clove Absolute und an die alten Carons, unter anderem meinen Liebling Coup de Fouet. Eine Nelke mit Gewürznelkeneinschlag, floralem Gefolge und einem orientalischen Touch, smooth und samtig, würzig und weich. Ein fein-harziger und sehr gemäßigter Florientale mit deliziösen Wildledernoten, der mich an jene Zeit erinnert, als in den ganzen französischen Etablissements jene vorgeblich fremdländischen Tänzerinnen angesagt waren, zu denen auch Baker gehörte. Bitte vorzustellen: Eine vornehme Femme Fatale mit dezent exotischem Anstrich, Kostüm, hochgeschlossen aber trotzdem männermordend, von gewagten grau-samtigen Wildlederstiefelettchen vollendet. Gefällt mir überraschend gut.

Montales neuester Streich ist Jasmin Full. Nach Full Incense mit seinen 237 verschiedenen Weihrauch-Sorten, diesem harzigen Räucherwerk-Kracher dämmert mir bereits mit dem Namen was mir blühen könnte und in welcher Opulenz. Jasmin, Orangenblüte und Geißblatt sind als Ingredienzen angegeben. Letzteres ist nur die Anstandsdame wie sich von Beginn an zeigt: Irgendwo dahinten könnte es wachsen, stehen, blühen – vielleicht. Ich meine das liebe Geißblatt wahrzunehmen, die Gouvernante, was aber auch daher rühren mag, dass ich bereits gelesen hatte, das ich es in dem Dufte finden muss. Ansonsten hat es mit zwei gar unbändigen pubertierenden Mädchen zu tun, die sich gerade in die Blüte ihres Lebens hineinbegeben. Ein Lolitazwilling aus weißen Blüten, von tropisch-cremiger Süße, dicht, narkotisch, betörend und gefährlich wie ein Sedativum, welches einem zuerst die Sinne und dann die Kontrolle raubt. In meiner Nase und auf meiner Haut aber auch indolisch, leider. Hier wedelt einem kein wie auch immer gearteter Lakai Blattwerk ins Gesicht, um wieder zu Atem zu kommen – Grün sucht man hier vergeblich. Insofern sollte man schon ein großer Freund von Weißblühern sein. Wenn man sich zu diesen zählt allerdings kommt man naturgemäß voll auf seine Kosten.

Fifi Chachnil – die amerikanische Unterwäschekönigin. Zusammenarbeit mit Pierre et Gilles, na klar. Und Pin-Up-inspirierte Dessous wie bei Agent Provocateur, dem französischen Pendant des Westwood-McLaren-Sprösslings Ferdinand Corre. Das eine oder andere 50ies-Teilchen ist sicher nicht übel, die mit den ganzen Rüschchen und dem Tünnefkram überlasse ich persönlich, obgleich schöner Unterwäsche nicht abgeneigt, aber lieber Dita von Teese. Der Signature aber von Madame Chachnil, den gebe ich nicht mehr her – und dabei hören sich die Noten so simpel an: Kopfnote: Zitrische Noten, Mandarine, Koriander; Herznote: Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Ambra, Tabak. Ein soo schöner Boudoir-Duft meine Damen! Ich rieche Zitronenbaiser, Puderquasten und Lippenstift, nebst einer eloquenten Femme Fatale mit Gauloises im Mundwinkel und Pfeffer im adrett verpackten, eine samtige Weiche verströmenden Hinterteil. Und hat sie da nicht noch ein Ledergertchen in der Hand, die seidig Verpackte auf ihren Stilettopantöffelchen? Und dann noch dieser Flakon, dieser überaus passende, ein wenig kitschig anmutende, aber überaus entzückende. Hach. Gott ist eine Frau. Ganz bestimmt. Und ich höre für heute auf.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Vergessenen: Il Profumo Ginger & Cannabis.
Die Vergessenen: Sigilli Hesperia & Ea.
Die Vergessenen – Ménage à Trois mit Atelier Flou, Parfums de Rosine und 10 Corso Como.


Dem Motiv des Schwans…

… sind sie gewidmet, die beiden mittlerweile nicht mehr ganz neuen letzten Düfte Memoir Man und Memoir Woman des Hauses Amouage aus dem Oman, genauer: dem Baudelaire-Gedicht Le Cygne, der Schwan. Jener Poète Maudit scheint wieder Konjunktur zu haben, hatte sich doch bereits Ben Gorham seiner mit einem Duft angenommen. Auch Serge Lutens unterlässt es in so gut wie keinem Interview auf seine Liebe zu dessen Werk hinzuweisen, dass ihm als unablässige Inspirationsquelle gilt.

Charles Baudelaire, ich zitiere mich mal selbst, -

… ein verfemter Dichter und verkanntes Genie zu Lebzeiten. Ein Oscar-Wilde’scher Dandy im Paris des 19. Jahrhunderts als Teil der dortigen Avantgarde und Bohème, zeitlebens tingelnd und taumelnd als Flaneur, Literaturkritiker, Redakteur, niemals in nur einem Metier tätig und – immer auf der Suche. Auf der Suche nach Schönheit und Idealität – und, natürlich, sich selbst.

Mit seinem Hauptwerk, den Fleurs du Mal, auf deutsch: die Blumen des Bösen wurde er weltberühmt – posthum versteht sich. Und gilt als einer der französischen Lyriker überhaupt, zudem noch in puncto Literatur als Wegbereiter der europäischen Moderne.

Baudelaires Leben sowie seine Fleurs du Mal inspirierten Amouage zu ihrem Duftduo Memoir: Der Flaneur, der als stiller Beobachter in den Untiefen der Großstadt auf der Suche ist nach – Identität, nach Sinn. Und das Leben dafür in sich aufsaugt wie eine Droge – Realität als Droge und Drogen als Realität. Absinth- und opiumgeschwängerte Suche nach dem Selbst. Ein Verlieren – und vielleicht auch ein Sich-Finden, irgendwo da draußen durch das Außen zurückkehren in die eigene Mitte, erstmalig.

Und der Schwan? Der ist in seiner Bedeutungsträchtigkeit prädestiniert als Symbol für diese Suche, steht er doch seit je her einerseits für Unschuld und Reinheit, für Loyalität und Treue, für Schönheit, aber auch Eitelkeit. Und dann für Metamorphosen jeglicher Art, man denke nur an Leda und Zeus, der sich ihr in Gestalt eines Schwans nähert und sie hernach schwängert oder auch an den Schwanengesang, jenen für das letzte Werk eines Künstlers geprägten Begriff. Dieser geht wie Wiki weiß auf…

“… einen alten griechischen Mythos zurück, der besagt, dass Schwäne vor ihrem Tode noch einmal mit trauriger, jedoch wunderschöner Stimme ein letztes Lied anstimmen. In einer Fassung dieses Mythos wanderte Kyknos in einem Pappelhain am Ufer des Flusses Eridanus, den Tod seines treuesten Freundes Phaëton betrauernd. Da hatten die Götter Mitleid mit ihm und verwandelten ihn in einen Schwan aus leuchtenden Sternen. Bevor Kyknos aus Trauer über den geliebten Freund starb, sang er auf jene von keinem anderen Gesang an trauriger Schönheit übertroffene Weise. In Phaidon erklärt Sokrates den Gesang der Schwäne mit deren Vorkenntnis des Guten in der Unterwelt.”

Dem Göttlichen ganz nahe ist er also, der Schwan, gleichzeitig aber auch dem Diabolischen nicht ganz fern, wie sich in Tschaikowskys Schwanensee zeigt.

Ein mächtiges Erbe, dass die beiden Düfte insofern auf ihren olfaktorischen Schultern ruhen haben ob ihrer kraftvollen Vorbilder. Aber allein der Name Amouage lässt hoffen – an Komplexität hat es den Düften des Hauses ja wirklich noch nie geschadet.

Memoir Woman hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Mandarine, Kardamom, Absinth, Rosa Pfeffer; Herznote: Pfeffer, Nelke, Weiße Blüten, Rose, Jasmin, Hölzer, Weihrauch; Basisnote: Styraxharz, Eichenmoos, Castoreum, Leder, Labdanum (Zistrose), Bockshornklee, Moschus.

Im Auftakt präsentiert sich bei der Damenvariante Memoirs kurzfristig saftige Mandarine, die annähernd sofort übergeht in ein prächtiges Orchester von würziger Schärfe der Pfeffersorten und Gewürznelke. Diese bilden die schmückende Zierde der sich in ihrer ganzen opulenten Üppigkeit zeigenden Blüten, welche von der stolzen Wärme der Harze getragen wird, denen ein Hauch Animalisches innewohnt. Dezente Absinthnoten erinnern in dieser Verbindung an Lutens Douce Amère, allerdings ist Memoir Woman deutlich facettenreicher und vor allem – dunkler. Die Basis wird von einem wallenden Mantel weichesten Leders umfangen in einer liebevollen Umarmung.

Eigentlich kann Memoir Woman nur das Ende der Suche sein – oder der (Drogen?)Rausch, der ebendieses suggeriert: Feminin und gleichsam elegant sowie mit allen Kenntnissen perfekt(ioniert)er Verführungskraft ausgestattet, überschäumend vor Sinnlichkeit und leidenschaftlicher Hingabe, die aus den Untiefen der harzig-gourmandigen sprudeln, in denen auch ein verborgenes unzähmbares wildes Tier in seiner ursprünglichen Schönheit lauert – ich bin ein wenig gebannt, ich gestehe.

Und ich befürchte, dass es morgen nicht anders weitergeht – da folgt nämlich die Herrenvariante, an welche ich bei Amouage immer besondere Erwartungen stelle.

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Auguste Clésinger (1864): Leda et le cygne via Wiki Commons von Vassil, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Amouages Memoir Woman in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Der schwarze Schwan…
Von Meerjungfrauen und seltenen Blüten – Floris Private Collection Teil 2.
Die Schöne und das Biest: Vierges et Toreros.


Eine orientalische Liebe – Lubins Inédite.

Geschrieben in Duft,Florientalisch,Gourmand am 3.08.2010

Inédite ist nun so etwas wie der Gegenpol zu dem gestrig vorgestellten Itasca, weil etwas komplett anderes: Vorgestellt wurde uns das Düftchen auf der Messe ursprünglich als Les Dragées d’Aziyadé, diesen Namen hat es wohl nicht behalten, schade eigentlich.

Inédite heißt übersetzt, traut man meinen bescheidenen Restkenntnissen des Französischen, soviel wie noch unveröffentlicht, ganz neu – eine Anspielung auf die Inspiration des Duftes: Die wohl mehr oder weniger unerfüllte Liebe des französischen Schriftstellers Pierre Loti (eigentlich: Julien Vaud) zu der Haremsdame Aziyadé. Loti verbrachte in seiner Zeit als Marineoffizier im Rahmen eines Einsatzes 1876/77 ein paar Monate in Istanbul und Griechenland, während denen er die tscherkessische Schönheit Aziyadé kennenlernte, die im Harem eines bedeutenden Geschäftsmannes lebte. Mit Hilfe der Hausangestellten kamen sie sich näher und begannen eine äußerst gefährliche Liaison, die für Loti zur Liebe seines Lebens werden sollte – bis an sein Lebensende soll er einen goldenen Ring getragen haben, der ihren Namen eingraviert hatte.

Wie fast jede große Liebesgeschichte ging natürlich auch diese tragisch aus: Loti schmiedete eigens Pläne für eine „Quasi“-Entführung Aziyadés aus Istanbul, um sie nach Frankreich zu bringen und dort zu heiraten – diese Pläne blieben Theorie, scheiterten somit, da es Loti an diplomatischer Hilfe zur praktischen Durchführung fehlte. So mußte er damit fertig werden und leben, daß er sie zehn Jahre später, bei seiner Rückkehr nach Istanbul, lediglich auf dem Friedhof in Eminonu besuchen konnte – am Goldenen Horn gelegen, wo sich die beiden wohl häufiger heimlich trafen.

Heute ist dort noch ein Café nach Loti benannt und sein Andenken wird in Istanbul generell gepflegt: Loti zeigte sich nämlich schon bei seiner ersten Ankunft (vielleicht auch mitbedingt durch seinen hormonellen Zustand dank der Liebesgeschichte?) komplett begeistert und verzaubert von der osmanischen Kultur und dem Orient, richtet seine Wohnung(en) demgemäß ein und war der späteren Türkei mit seinem politischen Einfluß dienlich.

Seine Erlebnisse mit Aziyadé verarbeitete er semi-autobiographisch in seinem gleichnamigen Werk, welches bereits 1879 erschien. In Frankreich gilt er als Vertreter des Fin de Siècle und gleichzeitig Begründer des literarischen französischen Exotismus und ist somit ein wichtiger Autor-“Meilenstein“ der französischen Literaturgeschichte.

Genug erzählt, nun zum eigentlichen Duft – die Ingredienzen: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte, Rosa Pfeffer; Herznote: Koriander, Zimt, Gewürznelke, Heliotrop, Flieder, Nektarine, Damaszener Rose, Rose; Basisnote: Vanille, Iris, Patchouli, Kaschmirholz, Zedernholz, Weißer Moschus.

Natürlich sieht sich Inédite ein wenig beeinflußt von den typisch osmanischen Leckereien, als Dragees bezeichnet: Dem Lokum, welches wir in olfaktorischen Gefilden bereits von Herrn Lutens und Frau Mecheri kennen.

Rosenwasser fließt einem entgegen, garniert mit ein paar Hesperidenspritzern, und schon wird es warm: Vanille blitzt bereits hindurch, pudrig-würzige, von Pfefferpfeilen durchsetzt, welcher sich mit dem dezent-scharfen Zimt verbündet hat, Muskat ebenfalls in ihre Mitte nehmend. Jenes Trio bildet einen aufregenden Kontrast zu dem betörend mit Vanille und Heliotrop unterlegten Bouquet von Rosen und Flieder, auf einem holzig-weichen Lager ruhend, für dessen Untiefen sich Patchouli verantwortlich zeichnet.

Die sinnliche Tscherkessin von Herrn Loti scheint nicht ohne gewesen zu sein – diese duftende Gefährtin ist es ebenfalls nicht: Ein Florientale, der es in sich hat, angelehnt an die Süßigkeit Lokum und demgemäß auf Vanille & Heliotrop, anstatt auf Ambra setzend.

Ich bin mir sicher, daß einige Inédites Verführungskünsten erliegen werden ;)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Habt Ihr die beiden neuen Lubins denn schon getestet? Ich bin gespannt auf Eure Meinung!

Bildquelle: Chasseriau: Bild eines Harem von Max Rebo Band, Henri Rousseau (1891): Portrait de Pierre Loti von Syrius, Delicias Turcas von Chispis, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Lubins Bluff…
Dem Barbier von Sevilla…
Die vergessene Perle: Lubins Ausnahme-Hesperidenduft L’Eau Neuve.


Denn alle Lust will Ewigkeit – Die Neuen von Bois 1920.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Florientalisch,Solifloral am 29.07.2010

Dieser Tage kann ich endlich alte Versprechen einlösen: Vielleicht erinnern sich einige von Euch noch an den Dreiteiler hier im Blog über die Messe Global Art of Perfumes, indem ich Euch den Mund wässrig gemacht hatte mit einigen neuen Düften, die ich dort bereits schnuppern durfte. Nun ist es endlich soweit – so gut wie alle Düfte, die ich dort bewunderte, sind veröffentlicht und ich stehe jetzt in der Bringschuld, die Rezensionen dazu zu liefern.

Diese erfülle ich natürlich allzu gerne und möchte heute mit den drei neuen Düften von Bois 1920 beginnen, La Vaniglia, Notturno Fiorentino und Kimono Rose, zusammen unter dem Namen La Voluttuose erschienen, der Name der Kollektion, einer, die vielleicht noch ausbaufähig ist? Man weiß es nicht, noch nicht. In jedem Falle aber der Damenwelt gewidmet – nicht weiter verwunderlich bei der Übersetzung von La Voluttuose – die Wollust, Wollüstige…

Kimono Rose ist mitnichten eine japanische Rose, wie einen der Name vielleicht vermuten lassen mag, nein – die Interpretation des Namens muß assoziativer, freier erfolgen: Ein klassischer japanischer Kimono ist normalerweise aus Seide, ergo einem leichten, fließenden Material… Diese Rose hier hat ebenfalls einen solchen Charakter, luftig und unbeschwert präsentiert sie sich in Gesellschaft dezent säuerlicher Früchte – die gesamte Kopfnote aus Bergamotte, Mandarine, Cassis und Litschi ist sehr gut einzeln auszumachen. Dazu gesellt sich ein zartes und absolut nicht madamiges Maiglöckchen, welches ohnehin wie man an einigen der letzten Maiglöckchendüfte sehen konnte, sehr gut mit fruchtig-herben Noten wie der Johannisbeere interagiert. Bambus stiftet wässrige Herbheit im Hintergrund, während die Basis den Duft warm-holzig abfedert.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Schwarze Johannisbeere, Litschi; Herznote: Bulgarische Rose, Türkische Rose, Maiglöckchen, Bambus; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Ambra.

Die Kombination aus Sauberkeit, Frische und Weiche, die diesem floralen Düftchen innewohnt, gepaart mit einer sanften Süße, die jedoch eine besondere Durchdringlichkeit an den Tag legt, erinnert mich ein wenig an die Rosen von Juliette has a Gun: Die dritte im Bunde könnte Kimono Rose sein, eine Kreuzung aus Lady Vengeance und Miss Charming – und dann paßt der asiatische Name schon wieder, bin ich mir doch ziemlich sicher, daß sich Herr Ricci bei der Namensgebung durch die beiden gleichnamigen koreanischen Filme beeinflussen ließ…

La Vaniglia, die Vanille, hört sich auf italienisch so wunderbar watteweich an, daß man auch hier durch den Namen auf eine völlig falsche Fährte gelenkt wird: Keine Backpulvervanille, auch nicht girliesk und erst recht nicht genuin gourmandig ist diese Vanilleinterpretation, nein. Frisch aufgesprüht überrascht eine minzige, durch ebenjene sowie Pfeffer doppelt scharfe und mit Zitrusfrüchten angereicherte Kopfnote, die bereits den Hauptprotagonisten im Hintergrund offenbart, der sich alsbald seinen Weg auf die Bühne bahnt – die Vanille. Jenewelche wird den ganzen Duftverlauf über von zwei Akzenten bereichert: Einer pfeffrig-würzigen und eher kühlen Schärfe samt Rauchschwaden, zusammengesetzt aus Minze, Pfeffer und Weihrauch und unterstrichen durch Patchouli, sowie herb-fruchtigen Noten der Hesperiden und des Ingwers, darüber hinaus meine ich auch ein Lederchen entdecken zu können…

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Minze, Pfeffer; Herznote: Weihrauch, Patchouli, Ingwer; Basisnote: Vanille.

Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich für eine Vanille. Und mit Sicherheit kein Kandidat für unsere Naschkätzchen, die Gourmandfraktion. Aber endlich mal eine Vanille, die auch für all diejenigen tragbar scheint, die eine erwachsene, eine gewagte, eine weniger süße Vanille suchen mit einer gehörigen Portion Rauch und denen Vanille Exquise von Goutal in dieser Hinsicht noch zu schüchtern war. Und, vor allem: Eine Vanille, die neben Frauen auch Männern ganz hervorragend stehen dürfte. Wenn es interessiert – ich fühle mich ein bißchen an Villoresi erinnert, vor allem an Piper Nigrum, verheiratet mit Goutals eben genannter Vanille.

Notturno Fiorentino, die florentinische Nacht, ist eine Verführerin, wie schon die Beschreibung verrät: „Surrounded by a mysterious mystique and aura, and every man who smell it will never forget the woman who wore it…“ – Umgeben von einer mysteriösen und mythischen Aura, die es jedem Mann verunmöglicht, jene Frau zu vergessen, die diesen Duft getragen hatte… Tja meine Damen, so hoch möchte ich nicht stapeln, aber Notturno weiß sehr wohl in seinen Bann zu ziehen meine ich: Würzige Schärfe in der Kopfnote läßt einen die Hesperiden übersehen und gleichsam sofort in das Herz vorstoßen, jenes florale, mit seinen beiden Betörerinnen Jasmin und Rose, umgarnt von säuerlicher Cassis. Ein zarter Rauchschleier legt sich über das Geschehen und bringt satten Honig auf stattlichen Hölzern mit sich, quasi Zimthonigholz, das den Duft in seine weiche und warme Basis geleitet.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, schwarzer Pfeffer; Herznote: Jasmin, Rose, schwarze Johannisbeere; Basisnote: Tonkabohne, Vanille, weißer Moschus, Zedernholz.

Ein sehr ansprechender Neustart einer Kollektion Herr Galardi würde ich sagen – ich bin angetan, sehr. Und, wie schon bei Nietzsche zu lesen: „Denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“ – so kann man natürlich auch von der Wollust nicht genug bekommen, deshalb bitte: MEHR!

Unersättliche Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Japanese Woman von Andres Ojedo, Covers von Carl Acreman, beide via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Fremdgegangen.
Love will tear us apart.
U4EAHH!…


Amouage Opus 2 & 3.

Geschrieben in Duft,Florientalisch,Fougère am 16.07.2010

Wie versprochen geht es heute weiter mit den neuen Werken aus der Parfumschmiede des Omans. Zuerst ist Opus 2 an der Reihe, welcher von Michele Saramito kreiert wurde. Saramito zeichnete sich wohl verantwortlich für Ferres Gieffeffe als auch für Carons Eau de Cologne Caron und einen Duft für Le Prince Jardinier, Citrus Allegro. Ansonsten hat man von ihm noch nichts gehört oder gelesen.

Opus 2 wird seitens des Pressematerials von Amouage als Blumig-Orientalisch beschrieben, was aber ein Fehler ist, wie sich nach einem Blick auf die Inhaltsstoffe schon vermuten läßt und im ersten Test auch zeigt – die Ingredienzen: Kopfnote: Lavendel, Absinth, rosa Pfeffer, Lorbeer; Herznote: Jasmin, Rose, Zimt, Kardamom; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Ambra, Moschus, Weihrauch.

Es ist, das ist fast auf den ersten Schnupperer klar: Ein Fougère, und was für einer… Ein Lavendelgewitter in dunkelstem grün und violett wird man gewahr samt maritimen Regennoten, unterstützt durch ebenfalls düster-glänzenden Lorbeer. Absinth oder besser: Wermut spendet die ihm genuine eigentümliche grüne Frische und Pfeffer besorgt die Würze, welche dem Ganzen einen besonderen Kick verleiht – eine wunderschöne Kopfnote, so harmonisch komponiert und so kraftvoll. Der Himmel klärt sich mit dem Herzen auf: Kardamom simuliert mal wieder ein wenig Nadelwald, der allerdings sofort den Blick freigibt auf balsamische Blüten, flankiert von fast aufsässigem Zimt, pfeffrig-würzig und warm. Dieser verbündet sich mit dem Kardamom und beide werden von der Basis aufgefangen, welche von balsamischer Wärme sowie einer überwiegenden, dezent rauchigen, aber dennoch kühlen und klaren Holzigkeit geprägt ist.

Opus 3 wird wie sein Vorgänger ebenfalls als Blumig-Orientalisch beschrieben, wird aber diesem „Etikett“ gerecht und hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Mimose, Ginster, Nelke, Muskatnuss, Thymian; Herznote: Veilchen, Jasmin, Ylang-Ylang, Orangenblüte; Basisnote: Ambrette, Moschus, Papyrus, Zedernholz, Sandelholz, Guajakholz, Benzoeharz, Vanille.

Verantwortlich für den Duft war Karine Vinchon-Spehner – wir erinnern uns, sie schuf bereits Jatamansi für L’Artisan Parfumeur und sitzt gerade an dem sehnlichst erwarteten Cœur de Vétiver Sacré.

Bei Opus 3 finde ich es ehrlicherweise im Gegensatz zu den beiden anderen ungleich viel schwieriger, die einzelnen Stadien herauszuriechen, da sie wesentlich weniger prägnant sind. Opus 3 legt schon im Auftakt mit sehr dominanten Veilchennoten los, die sich allerdings perfekt in diesen Orientalen einfügen. Nelke ist sogleich mit von der Partie sowie würzender Muskat und alsbald ein Weißblütler – Jasmin, betörend wie eh und je, umrankt von ein paar fruchtig-floralen Noten, welche sich als Orangenblüte und Ylang-Ylang verkaufen lassen. Die opulente Basis untermalt bereits frühzeitig das barocke Treiben – wie nicht anders zu vermuten holzig-harzig sowie mit Vanille und Moschus ausgestattet, handelt es sich hier um ein äußerst warmes und weiches, reich ausgestattetes Lager, auf dem sich die Blüten unter Vorherrschaft von Veilchen und Jasmin niederlassen dürfen.

Für mich persönlich ist Opus 2 der klare Favorit der Serie, dicht gefolgt von Opus 1. Ganz klar – ich habe ein Faible für eher kühle Düfte, das erfüllt Opus 2 vollkommen. An Opus 1 liebe ich die moderne und besondere Chypreinterpretation, die orientalisch anmutende. Opus 3 hat jedoch auch etwas Besonderes: Ein Veilchen inmitten dieses Orientalen, das ist mitnichten die Regel. Und es macht sich gut dieses Veilchen wirklich gut, spielt eine Verführerin an der Seite des Jasmins. Nur leider hat es bisher nur ein Veilchen geschafft, mich zu verführen – das bescheidene und herrlich authentische Parmaveilchen von Borsari, und das ist gänzlich anderer Natur.

Nichtsdestotrotz – ich finde alle drei Düfte äußerst gelungen. Und bin schon jetzt sehr gespannt auf Eure Meinungen, sobald Ihr zum Testen kommt!

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Nature via stockx.chng und Paul Désiré Trouillebert: Harem Servant Girl (1874) fotografiert von AnonMoos via WikiCommons – vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Amouage und das neueste Werk…
Amouage erweitern ihre olfaktorische Bibliothek…
Neuigkeiten die Dritte.


Ältere Beiträge »
blogarama.com

BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Directory & Search engine Beauty Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Proudly powered by Wordpress - Impressum