Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Yin & Yang – Undergreen.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Blüten,Duft am 5.01.2012

Undergreen – zwei junge Wilde mit Vision(en): Patrice Cardenoso und Jérôme Bonnet sind die Köpfe hinter dem neuen Label, „zwei Individualisten“ mit, wie man sagt „völlig gegensätzlichen Persönlichkeiten“. Wie bringt man die zusammen? Na klar, in einem gemeinsamen Projekt, einem Parfumprojekt. Neuartig gewonnene Naturextrakte sind die Basis, Chimie Naturelle® der Name für die Methode dazu. Neue Extraktionstechniken und, wie stolz geschrieben wird – zu 100% natürliche Düfte.

Das Paradies auf Erden, der Garten Eden in der Großstadt – das versprechen nicht allzu viele Firmen, Patyka oder Honoré des Prés, für die Giacobetti deren Düfte kreiert. Hier war Parfumeur Fabrice Olivieri zu Werke, der vorher bereits Shiloh X schuf sowie den wunderbaren Lady Shiloh. Nun sind es, gemäß den beiden differenten Machern, zwei Düfte geworden, Black und White. Dass ich mit Black beginne war Euch klar, oder ;) Hier der etwas kryptische Text dazu:

Auf welche Eigenschaft bist Du besonders stolz? Magnetismus

Auf welche Eigenschaft bist Du am wenigsten stolz? Ich betreibe Schwarze Magie

Dein Umweltbeitrag? Ich wurde in einem umweltfreundlichen Umfeld erschaffen

Dein Lebenswerk? Die Höhen und Tiefen vermessen

Dein Held? Don Diego de la Vega, wenn die Welt in Ordnung ist, Zorro, wenn nicht

Deine erste Liebe? Im Dunkeln

Dein Reiseziel? Das Ende der Nacht

Dein Ideal von Eleganz? Smoking, schwarz

Das Geheimnis eines perfekten Dinners? Eine Liebe, Kerzen, Mondschein

Der ultimative Luxus ist…? Nicht nachzuzählen

Wie hältst Du Dich jung? Hot Stone Massage

Ein Talent, daß Du Dir wünschst? Eine Stimme wie Frank Sinatra

Ein Ort, an den Du gehörst? In einen zornigen Vulkan

Deine Lieblingsfarbe? Weiß, mein Gegenteil

Dein Lieblingswort? Mysteriös

Ein Satz, der Dich beunruhigt? „Mir gefällt, was Du machst“

Was würdest Du gerne über Dich hören? „Er ist aufregend“

Dein Dessert? Eine L’Opéra, Kaffee-Schokoladen Patisserie

Black soll – dunkel und unwiderstehlich sein, ein Lockmittel, ein Verführer. Ein Blick auf die Ingredienzen bestätigt für mich rein inhaltlich dieses Versprechen und verlockt schon jetzt ein wenig: Kopfnote: Schwarzer Pfeffer, Zimt, Ingwer; Herznote: Süßholz (Lakritze), Kaffee, Tonkabohne; Basisnote: Weihrauch, Guajakholz, Birke, Adlerholz (Oud).

Gepfefferter Ingwer drängt sich mir entgegen, eine leise kühlende Weihrauchwolke hinter sich her wehend. Es holzt ordentlich und der der Birke genuine, an kalten Rauch und/oder Teer erinnernde Duft gewinnt kurzfristig an Präsenz, um alsbald Platz zu machen für eine samtene karamellige Süße, die von einer Kaffeecreme begleitet und von Lakritze aromatisch gewürzt wird. Alles in allem wirkt der Duft in seinem Verlauf viel ruhiger und weniger ungestüm, als ich es erwartet hätte – ein Komfort-Duft, mehr Aura als Parfum, auf eine Art skinnig. Hautnah, wie es zum Beispiel auch Giacobettis Dzing! auf eine Weise ist. Für mich deshalb eigentlich nicht Black, sondern eher Grey. Samtiges Grau, meliertes Grau, kontemplatives kraftvolles Steingrau.

Wenden wir uns nun dem Gegenpol zu, White:

Auf welche Eigenschaft bist Du besonders stolz? Ambivalenz, ich bin Feuer in Eis

Auf welche Eigenschaft bist Du am wenigsten stolz? Ich mache süchtig

Dein Umweltbeitrag? Ich bin in reine Natur gekleidet

Dein Lebenswerk? Heiß und kalt zu verschmelzen

Deine Heldin? Schneewittchen am Tag, Cruella in der Nacht

Deine erste Liebe? – zensiert –

Dein Reiseziel? „Je m’en irai dormir dans le paradis blanc“

Dein Ideal von Eleganz? Atelier Flou

Das Geheimnis eines perfekten Dinners? Strahlend weißes Porzellan

Der ultimative Luxus ist…? Allein an einem weißen Sandstrand zu liegen

Wie hältst Du Dich jung? Meditation im Morgenlicht

Ein Talent, daß Du Dir wünschst? Eine Diva geben können

Ein Ort, an den Du gehörst? Eine Party bei Vollmond

Deine Lieblingsfarbe? Schwarz, mein Gegenteil

Dein Lieblingswort? Reinheit

Ein Satz, der Dich beunruhigt? „Du bist wunderschön“

Was würdest Du gerne über Dich hören? „Sie ist atemberaubend“

Dein Dessert? Crème Chantilly, leicht wie die Luft

Nachdem, was ich im Auftakt erschnuppere, werfe ich da doch gleich mal einen Blick auf die Ingredienzen: Kopfnote: Aldehyde, Minze, Kokosnuss; Herznote: Orangenblüte, Jasmin, Ylang-Ylang; Basisnote: Iris, Amyris, Styraxharz, Tuberose – das erstaunt. Und animiert mich zu einem erneuten Test.

Ok, eine grüne Kokosnuss, vielmehr: die Ahnung davon rauscht in Sekundenschnelle anfangs an mir vorbei, gefolgt von subtil-fruchtigen Noten. Grasgrüne Minze entfaltet sich vor meiner Nase – und zeigt sich als Wegbegleiter für ein opulentes und vornehmlich cremiges Blütenherz: Jasmin, Tuberose und Orangenblüte sind es, das Trio Infernale der Weißblüher, die ein kokettes Gegengewicht zur kühlen Pfefferminze bilden, deren Erdnähe durch samtig-erdige Iriswurzel unterstrichen wird.

Es braucht eine Weile, bis ich diese Weiß-Interpretation verstehe – für mich eher Weiß-Grün, und doch empfinde ich sie als von einnehmendem Wesen und bezaubernder Attraktivität. Wieso? Weil es selten derlei Vollblut-Weißblüher gibt, noch dazu Bouquets, denen eine solche Frische innewohnt, die über eine dermaßen anziehende Kühle (nicht Kälte!) verfügen. Gefällt mir. Sogar noch besser als der Schwarz-Graue.

Kennt Ihr Sie schon, die beiden? Und wie steht Ihr zu komplett natürlichen Düften?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Yin & Yang Blue Balls von Beesnail/Michelle Morales, Beach View von John Nyberg, Jasmine cluster von Wizard/Matthew Green, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Undergreen in unserem Shop.

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Duftverzeichnis L – Z
Yin und Yang…
Das Wellness-ABC


Liebestränke…

Geschrieben in Blüten,Duft am 8.12.2011

… sind ein seit der Antike ständig wiederkehrendes Motiv – wenn wundert es: Verführung, vor allem die Kunst(fertigkeit) dazu, ist ja überall im Spiel, wo es um Versuchungen jeglicher Art geht. Und wer lässt sich nicht gerne versuchen? Wie immer gestaltet sich aber das Zwischenmenschliche eben doch nicht ganz so einfach wie zu wünschen wäre. Deshalb hat man schon immer versucht, positiven Einfluss auf das Schmieden zarter Bande zu üben. Was heute je nach Geschmack und Budget mit Pheromonsprays und Rolexuhren veranstaltet wird, kam anno dazumal noch schlichter auf den Tisch – nämlich in Form eines flüssigen Liebeszaubers, den es zu trinken galt. In der Antike Philtron genannt wurde jener aus zahlreichen fragwürdigen Ingredienzen gebraut, man schreckte auch vor der Verwendung eigenartiger Bestandteile tierischen Ursprungs nicht zurück. Auch damals scheint der Bedarf an Liebeskontrolle schon hoch gewesen zu sein – der Einsatz der Tränke nahm solche Ausmaße an, dass man ihn irgendwann verbot und als Vergiftung bestrafen ließ.

Literarisch ist das Thema Liebestrank natürlich auch beliebt, denn wo die Liebe ist, da ist auch die unglückliche und/oder die unerfüllte Liebe vertreten: Herakles/Herkules und Deianeira und Tristan und Isolde sind nur zwei Pärchen, denen Liebestränke kein Glück brachten. In diversen Märchen spielen sie eine Rolle genauso wie im zur Zeit erfolgreichsten modernen „Märchen“ Harry Potter, Schlumpfinchen ließ sich auch einen brauen und bei Asterix und Obelix wird man sicher ebenfalls fündig.

Und irgendwie passt es da doch auch, dass sich die Parfumerie dem Thema ebenfalls zugewandt hat: Love Potion No. 9 ist der Name, den zwei Düfte von Penhaligon’s tragen, einer für die Dame, einer für den Herren. Wenden wir uns zuerst der Dame zu:

„Created in 1998, LP No. 9 for ladies is potent and addictive brew of sweet floral notes, spices and musk. It opens with a creamy accord of tarragon and lavender sharpened with a twist of lemon. The heart reveals the open sweetness of carnation wrapped in rich sensual base notes of cedar, spice & vanilla. The final effect is gorgeously soft and romantic, strange and beguiling.“

Der Name ist passend gewählt: Lavendel, streng-würzig und krautig vermittelt im sinistren Zusammenspiel mit Kräutern und scharf-pfeffriger Gewürznelke die Impression eines Kräuterweibleins vor seinem gut gefüllten Topf, in dem es brodelt und köchelt. Fast hypnotisch wirkt er, der Topf mysteriösen Inhaltes – … bis dessen Duft etwas abkühlt und versöhnlicher, weicher wird. Die Augen wenden sich ab und der Frau zu, für die der Trunk angefertigt wird? Oder deren Liebe man erwecken möchte? In jedem Fall entpuppt sich der Duft als solch romantisches Parfum, als krautig-floral-schüchterner Geselle, dass man sich an die holdesten Schönen in Märchen erinnert fühlt. Irgendwo im Hintergrund verbleibt eine leichte metallische Frische und die Kräuterschärfe bleibt ebenso erhalten, vermag es aber meiner Meinung nach, aus dem Duft etwas Besonderes zu erschaffen: Kein normales Blütenbouquet ist das hier, nein, Love Potion No. 9 ist wildromantisch und so ganz anders, das es mir wahrlich Freude macht. Die Basis rundet gelungen ab mit diffusem Unterholz, wärmend-cremiger Vanille und einer Prise Zimt, die die Schärfe des Duftes gekonnt aufgreift. Penhaligon’s haben mit ihrer Beschreibung also den Nagel auf den Kopf getroffen – mal sehen, wie es bei den Männern aussieht:

„Created in 1999, LP No. 9 for Men casts a spell of powdered darkness with its complex heart of ylang-ylang and spices. The fresh top notes of mandarin, bergamot and rosewood soon give way to the unusual floral and spiced heart. The seductive base notes are led by sweet vanilla and earthy patchouli with whisps of musk and amber creating sensual layers of warmth and mystery.“

Der maskuline Liebestrank ist meines Erachtens nach eine jener Perlen, die Penhaligon’s für die Männerwelt geschaffen hat: Neben meinen Favoriten Endymion und Opus 1870 haben die Engländer hier einmal mehr gezeigt, dass sie das Gespür haben, Klassisches mit einem erlesenen Twist, einer eigenwilligen Note zu paaren und damit zwar typisch englische, aber gleichermaßen besondere Düfte zu kreieren.

Fruchtig-saftige Mandarine mit einem leichten Bergamotteschimmer verschmilzt hier mit einem ineinander verflochtenen Blütenbouquet auf Rosenholz, von Zimt, Pfeffer und Muskat meisterlich süß-scharf kontrastiert. Die Basis bietet Vanille, Patchouli, Moschus und Ambra – nichts Neues, aber für obige Zutaten ein gelungener und wirksamer Abschluss.

Eine Wirkgarantie für die beiden Liebestränke kann ich genausowenig wie Penhaligon’s versprechen, allerdings bin ich mir sicher, dass Euch bei äußerlicher Anwendung Folgendes NICHT passieren sollte:

Der aus dem Jahr 1959 stammende Song Love Potion No. 9, im Original von der Band The Clovers, ist nämlich Namensgeber für die beiden Düfte – aber das dürften viele von Euch ohnehin schon gewusst haben ;)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Evelyn de Morgan (1903): The Love Potion.

Hier finden Sie Penhaligon’s in unserem Shop.

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Duftverzeichnis L – Z


Prudence Paris Teil 4.

Geschrieben in Blüten,Chypre,Duft am 25.11.2011

Die letzten Damen nehme ich mir heute zur Brust: Diese Woche stand ganz unter dem Stern der neuen Prudence-Kollektion und ich habe Euch bereits einen Großteil der Frauendüfte vorgestellt. Heute folgen nun noch No. 8, No. 9 und No. 10.

No. 8 will mir wie eine Liebeserklärung erscheinen, so schrieb ich auch bereits in unserem Shop: Eine Liebeserklärung an Frankreich, Frankreich im Spätsommer. Und eine Liebeserklärung an Parfums, französische Parfums, Frankreich als die Wiege der Parfumeurskunst. Hier ist an Ingredienzen alles vereint, der Duft ist an Reichhaltigkeit kaum zu überbieten: Farbenfroh leuchtende Blütenfelder von Rosen, Tuberosen und Jasmin, die von nasekitzelndem Pfeffer gelungen kontrastiert werden. Koriander stiftet frische, minzig anmutend, würzt aber auch auf aromatische Art und Weise. Neroli schließt sich mit Bienenhonig zusammen und sorgt für honigsüß-fruchtige Kontraste, von Zimt neckisch pudrig-scharf akzentuiert. In der Basis dominiert ganz klar Wärme: Würzig-warme süße Harze samt Rauch, von rauchig-grasigem Vetiver unterstrichen, knarzige Hölzer und cremige Vanille geben dem Duft den letzten Schliff. Auch meine ich, eine ordentliche Prise Gewürznelke in der Basis zu erhaschen, ebenso wie latent chyprierte Noten.

Auf meiner Haut zeigt sich die No. 8 anders als auf dem Teststreifen – pudrig-rauchiger, ja, ein wenig älter. Was mir vom Teststreifen entgegenwabert wirkt deutlich jünger, frischer, fruchtig-floraler, ausgewogener. Meine Hautchemie mag nicht funktionieren mit dem Duft – obgleich, vielleicht sollte ich ihn einmal tupfen. Das ist Euch ja sicherlich auch schon aufgefallen – getupft wirken manche Düfte nochmals ganz anders als gesprüht. So auch die No. 8, die ich getupft vor einiger Zeit bereits einmal himmlisch fand auf meinem Handrücken. Nun ist sie notiert – für einen weiteren Tupftest, denn so einfach gebe ich nicht auf ;)

Prudence No. 9 startet zitrisch mit deutlichen Fruchtanleihen, die ich nicht näher zu bestimmen vermag – Melone? Pfirsich? Madame Kilgour hüllt sich in Schweigen, bezeichnet sie die Ingredienzen doch ganz schlicht als Folgende: Kopfnote: Zitrusfrüchte; Herznote: Jasmin, Rose, Maiglöckchen, Früchte; Basisnote: holzige Chypreakzente, Patchouli, Vetiver, Moschus, Ambra, Vanille.

Um was für einen Duft handelt es sich hier? Ich würde sagen, wir haben es hier mit einem seltenen Sommerchypre zu tun. Chyprierte Anleihen sind nämlich sowohl auf meiner Haut, als auch auf dem Teststreifen zu entdecken, der auch diesmal etwas differiert. Ein fruchtig-floral verwobener, sacht chyprierter Duftteppich mit einer edlen, leisen, cremigen Basis und sauber-frischen Anklängen. Feminin, anziehend und sehr tragbar – und das nicht nur während der heißen Jahreszeit(en).

No. 10, der letzte Duft für die Damenwelt aus der Prudence-Kollektion, zeigt sich als klassischer Damenduft von ganz klar französischer Natur: Zitrisch glitzert es in der Kopfnote, während das Herz übervoll ist von Blüten – Ylang-Ylang, wie immer etwas exotisch und vor allem auch fruchtig-süß anmutend, von Neroli unterstrichen, Jasmin, Rose und Maiglöckchen, da haben wir sie alle beisammen. Cremig-floral, dezent betörend. Die Basis rundet erwartungsgemäß mit überaus pudrigen und verhalten holzigen Noten ab, während Moschus weiche Wärme stiftet.

Mit No. 10 hat Frau Kilgour das Rad sicherlich nicht neu erfunden – das muss man aber auch nicht (immer), wenn man einfach „nur“ einen schönen Duft für das weibliche Geschlecht kreieren möchte.

Habt Ihr schon getestet meine Lieben? Gibt es bei Euch Lieblinge? Habe ich Euch neugierig gemacht?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Jasminum Officiniale von Javier Martin, Melon von Robertz65/Roberto Ribeiro, Cananga odorata/Ylang-Ylang von Nathalie Bordy, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Herren von Prudence Paris.
Prudence Paris Teil 3.
Prudence Paris…


Prudence Paris…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges am 22.11.2011

… ist eine dieser netten kleinen Marken, bei denen es einem ganz warm ums Herz wird, wenn man sich die Geschichte dahinter ansieht: Gegründet wurde das kleine Label von Prudence Kilgour, einer gebürtigen Australierin. Schon seit ihrer Kindheit hatte diese davon geträumt, Düfte zu kreieren – zuerst aber sollte sie anderweitig erfolgreich werden: Kilgour machte Karriere in der Modebranche und designte für große Häuser in London und New York, um dann nach Asien zu ziehen, wo sie ihre Firma Prudenzia gründete, mit der sie eine selbst entworfene Kollektion an Seidendessous verkaufte. Erst 2003 sollte ihr Wunsch in Erfüllung gehen, als sie den weltberühmten Floristen Henrie Moulié traf und ihn überzeugte, ihr seine Kunst beizubringen – bei der Arbeit mit den vielen Blüten meldete sich die lange verspürte Sehnsucht, und Kilgour zog es danach nach Grasse, wo sie eine Ausbildung als Parfumeurin absolvierte.

In ihren Flitterwochen verliebte sich Kilgour dann ein zweites Mal, und zwar in die Gegend des Périgord, wo sie sich dann auch mit ihrem Mann niederließ und 2006 in Beaumont-du-Périgord ihr eigenes Geschäft für Parfums, Duftkerzen und Seifen öffnete. Die Parfums kreiert sie in enger Zusammenarbeit mit einem befreundeten Parfumeur (ein alter Bekannter: Dr. Silvio Levi von Calé Fragranze), die Flakons stammen natürlich ebenfalls aus Frankreich und die Verpackung aus handgeschöpftem Papier stammt aus der nahegelegenen Papiermühle Moulin de Larroque.

So idyllisch wie es sich anhört ist es wohl auch, wie mir neulich der nette Herr vom Vertrieb bestätigte, der das Paar schon vor Ort besucht hat. Ist glatt zum neidisch werden – ich würde ja auch so gerne Salzbauer werden oder Winzer, Schafe züchten oder ähnliches… Wir werden sehen. In jedem Falle möchte ich Euch dieser Tage die Kollektion von Madame Kilgour vorstellen, da es sich durchaus lohnt, einmal einen näheren Blick darauf zu werfen. Vorab: Ich finde, dass die Kollektion sehr – französisch ist. Und sie richtet sich überwiegend an die Damenwelt. Aber nicht nur an die – mit Polisson kreierte sie auch einen Duft für Katzen und Hunde, in enger Zusammenarbeit mit einem Veterinär. Leider, leider stand mir exakt dieser nicht zur Verfügung, ich hätte gerne mal meine Mädels damit bestäubt, vor allem auch, wenn er vielleicht aromatherapeutische Aspekte aufgewiesen hätte – so müssen meine Damen weiter vor sich hin darben und ich stürze mich alleine ins duftende Vergnügen der Parfums!

Prudence ist der erste Duft von Prudence Kilgour und lehnt sich an das Naturell seiner Schöpferin an: Diese wünschte sich einen floralen Duft, sinnlich und feminin zugleich sowie frisch, aber diskret. Dieses Konzept ist aufgegangen und hat ziemlich gut funktioniert: Ein frühlingsfrisches Bouquet taubenetzter, vornehmlich weißer Blüten umschmeichelt meine Nase, von honigsüß-fruchtigen Neroliblüten umrankt. Die Basis ist watteweich und pastellig und erscheint mir sowohl auf der Haut als auch auf dem Teststreifen viel zarter, als ich es mir anhand der Ingredienzen vorgestellt hatte: Gewürze, Sandelholz, Weihrauch und Benzoe hört sich weit harzig-holziger an, ich rieche aber – Marzipan, bittersüßmandeliges. Auf einem dichten, cremigen, warm-würzigen Lager.

Ich bin mir sehr sicher, dass Kilgours Konzept eines weiblichen Duftes hier sehr vielen Frauen gefallen wird – floral, aber nicht zu blumig, weiße Blüten, aber zivilisiert, von süßer Weichheit, aber nicht klebrig. Ein wirklich schöner Begleiter.

Prudence 1 gleicht der Impression eines spätsommerlichen Gartens: Ein klarer Himmel bringt Kunde von einem schönen Tag, den man noch in Aussicht hat. Die Sonne schwingt sich gen Höhe und steigt empor über das Beet voller Blumen, noch taubenetzt im kühlen Morgen dösend.

Sauberes. Wässriges. Frisches. Säuerlich-Fruchtiges. Florales. Alles auf einmal, auf vortreffliche Art und Weise miteinander verwoben. Vor allem die Äpfel und Johannisbeeren steigen einem aus dem Obstkorb heraus ins Näschen und wissen mittels ihrer Authentizität zu überzeugen. Absolut nicht quietschig oder plastikhaft anmutend, sondern natürliche Fruchtigkeit offerierend haben sie zumindest meine Nase alsbald erobert, denn Apfel ist eigentlich eine sehr schöne Note, nur leider sehr selten so passabel umgesetzt wie in Annunziatas Sofron oder in Borsaris Lampone, Fior di Melo e Semi di Cacao aus der Arte-Kollektion.

Gespannt bin ich, wie es diese Woche weitergeht mit den Prudence-Düften – ich hoffe, Ihr auch!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Prudence Paris, Franz Eugen Köhler (1897): Köhlers Medizinal-Pflanzen / blühender Pomeranzenzweig, Apples von Plusverde/Oliver Grüner, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Aus der Welt der Träume…

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes am 20.10.2011

geht es jetzt hinüber in die Realität: James Heeleys dritter und letzter Duft seiner neuen Extrait-Reihe steht heute an: L’Amandière, was eine weibliche Form eines Mandelbaumes sein müsste (Restfranzösisch, Hilfe?!), ist dessen Name und kreiert hat ihn Heeley für seine Freundin:

„Es ist ein Portrait des Frühlings – blühende Mandelbäume, Glockenblume, Hyazinthen, Rosen, grünes Gras und ein Hauch von Lindenblüten in der Luft…“

Und wie entstand der Duft?

„Ich habe versucht, einige Düfte, die meine Freundin besonders gerne mag, mit einfließen zu lassen und dementsprechend abzuwandeln. Wenn Bubblegum Chic meine Fantasie ist, so ist dies also meine Realität!“

Nun bin ich ja sehr gespannt, wie weit hier Traum und Wahrheit auseinander klaffen, die Stichworte zu L’Amandière sind schon einmal komplett different:

„Klar. Freude. Luft. Blüte. Wachstum. Obstgarten. Mandeln. Morgen. Grün. Gras. Himmel. Tau. Maiblumen. Glockenblumen. Bäume. Schön. Wild. Hyazinthen. Nacht. Jasmin. Vertrauen. Licht. Tag. Liebe.“

Nacht? Kann mir wer verraten, was hier die Nacht macht? Ich muss jetzt den Duft schnuppern, der im übrigen aus grüner Mandel, Hyazinthe, Jasmin und Rose zu bestehen scheint.

Frisch aufgesprüht rieche ich davon erstmal – gar nichts. Denn mir strömt anderes entgegen: Der Duft von trockenem Gras, von feinstem Kräuterheu, von der Sonne gewärmt und von honigsüß duftenden Blüten durchzogen. Lindenblüten, deren Duft von fern herüberweht. Und Gras, frisches Gras. Sowie, omnipräsent und wunderschön – Hyazinthe. Betörend wässrig-aquatisch und milchig-fleischig zugleich lässt sie hinter sich noch anderes Blütenwerk vermuten, welches für mich – blau blüht. An dieser Stelle möge man die Nase schärfen und nochmals tief einatmen – und siehe da, man wird der Mandel gewahr, die einem anmutigen grünen Marzipanschleier gleicht und die Protagonisten umhüllt, sich wie eine Aura um sie legt, wohlig-weiche Assoziationen evozierend.

Woher die Nacht da oben kommt weiß ich immer noch nicht und wild ist hier auch nichts, dafür glaube ich, dass Herr Heeley ganz schön glücklich ist. Und ganz ohne Kenntnis der Personen vermag ich wie mir scheint auch zu verstehen, was hier mit Vertrauen gemeint ist. L’Amandière ist eine tolle Liebeserklärung: Ein unaufgeregter Duft, unprätentiös, aber tief – vertraut, voller wohliger Wärme und Sonne, auf seine Art strahlend, blühend und im stetigen Wachstum inbegriffen. Ein verheißungsvoller langer Frühling, bildschön und authentisch.

Diese Mandel, das könnt Ihr mir glauben, darf definitiv auch von denjenigen getestet werden, die sonst kein Herz für Mandelaromen haben – ich bin mir sicher, dass L’Amandière auch deren Gemüter bezaubern wird!

Verzückte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Almond Blossom von Irenels, Flowered Almond von Xesko82/Francesco Toldrà, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Coudray – Nohiba: eine sinnliche Reise in den Orient


Aus dem Nähkästchen…

Geschrieben in Blüten,Duft am 19.10.2011

… plaudert James Heeley mit seinen nächsten beiden neuen Extraits – und zwar was Frauen angeht. So erzählt er zu seinem Duft Bubblegum Chic, dass Jasmin, dessen Hauptingredienz, für ihn der Duft purer Freude sei, einer, von der man nicht genug bekommen kann – und dieser deshalb zu seinen Lieblingsduftnoten zählt.

„Alle Lust will Ewigkeit“ – das wusste schon Nietzsche und in Goethes Faust liest man ebenfalls: „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!“ Das hat sich Heeley zum Motto genommen und wollte – Freude konservieren. Jasmin, diese eigentlich eher flüchtige, obgleich opulente Note haltbar machen und darstellen – in einem Duft. Einem, der ein wenig, wie Heeley selbst findet, nach Erdbeerkonfitüre erinnert. Und einer, den Heeley als „sehr direkten, intensiven und berauschenden Duft“ beschreibt, der, Obacht, „einer sexuellen Phantasie“ gleicht.

Das macht mich direkt neugierig. Vor allem, weil ich Herrn Heeley auf den Bildern nicht so eingeschätzt hätte, als ob er viel über (seine) sexuelle(n) Phantasien preisgibt, aber gut… Dementsprechend „kinky“ sind auch die Tags, die Stichworte, die das Pressematerial bereithält:

„Glamour. Pink. Passion. Lippen. Sanft. Wärme Omnivor. Glitzer. Appetit. Verboten. Spaß. Fatal. Frucht. Verlangen. Lächeln. Süß. Haut. Strahlend. Berauschend. Unersättlich. Mädchen.“

Nabokovs Lolita lässt grüßen – je mehr ich über den Duft lese, desto mehr schaltet sich das Kopfkino an, es wird Zeit, ihn endlich aufzusprühen. Zuerst aber noch die Ingredienzen: Jasmin, Tuberose und weißer Moschus.

Minzig-frische Tuberose kitzelt mich in der Nase, ähnlich derjenigen von Keiko Mecheri, und überhaupt, jetzt, wo ich nachschaue, entdecke ich noch mehr Ähnlichkeiten – auch in dieser Tuberose war eine Jasminbegleitung dabei. Allerdings zeigen sich diese beiden Prachtweiber nicht nur metallisch-gefährlich und minzig-kantig, sondern auch überaus fleischlich-milchig. Jene einnehmenden Schönheiten erinnern mich an die wohlgenährten Straßenschwalben eines Sittengemäldes wie zum Beispiel Zolas Nana, in deren ausladenden und gekonnt geschnürten Dekolletes man(n) so herrlich versinken kann… Insofern kann ich Heeleys Phantastereien erotischer Natur sehr gut nachvollziehen… das Erdbeeraroma im übrigen auch – Erdbeerkonfitüre, englische, jenes Mus ohne Kerne. Alles in allem ist der Duft aber nicht nur Pink, sondern strahlend Weiß und knallig Pink, und zwar gemischt.

Bubblegum Chic passt exakt, möchte ich doch meinen, dass das hier die jasminig-moderne Variante von Piguets Fracas ist. Chapeau, Monsieur Heeley! Und – träumen Sie gerne weiter, ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: More Jasmin opening von Mishahu/David Stern, Strawberries in sugar von John Nyberg, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Kunst, Kultur & Kreativität – Six Scents Series 3.

Geschrieben in Blüten,Duft,Grünes,Krautiges am 4.10.2011

Endlich! … werden einige von Euch denken – Christiane? ;) Lange hatte ich sie schon angekündigt und meiner Ankündigung bisher keine Taten, vielmehr Rezensionen folgen lassen. Damit ist ab heute Schluss – diese Woche steht ganz im Sinne der neuen und somit dritten Serie von Six Scents.

Six Scents, wer war das noch einmal? Wie immer eine Kooperation – zwischen Grafikdesignern, einem Aromastoffhersteller, Designern und Parfumeuren. Kreativität und Kultur – und das zu einem guten Zweck. Sechs Designer und sechs Parfumeure schaffen sechs Düfte – und spenden.

Das diesjährige Motto ist „Innocence to Experience“:

„Six Scents Series Three is an exploration into the nature of childhood memories and the influence of adolescence on identity. Six designers from six different parts of the world have been invited to remember the most definitive experiences of their youth that led to their sense of identity today and to recall some of their most intimate childhood memories involving the sense of smell. Exploring the stories from one through six, innocence begins to fade and rebellion, reality and mischief kick in. In addition, a group of contemporary artists have been invited to interpret the progression from innocence to experience through film. A portion of the proceeds will go to War Child International (warchild.ca) in support of children who have not had the good fortune to experience the same freedom of childhood and adolescence.“

Der Einfluss der Jugend auf die Identität – eine schöne Idee. Und die Spenden gehen an Kinder der kanadischen Organisation War Child International, die Kriegsopfern hilft, Kindern, die keine solch heilen Kindheitserinnerungen sammeln konnten wie die Kreativlinge. Deren Ideen gehen natürlich weit über die Düfte hinaus – das Packaging der Series 3 ist einfach atemberaubend: Außer limitierten nummerierten Flakons ist jede Schachtel mit einem von Robert Knoke entworfenen Porträt derjenigen verziert, die ihn geschaffen haben. Darüber hinaus liegt jedem Duft eine DVD mit folgenden Kurzfilmen bei: Le Viol de La Meduse von Alia Raza, Dom, 13. Savannah, 16’ von Lucas Michael, Boobs & Flowers von Olaf Breuning, Untitled, 2010 von Sue de Beer, A little wonder von Rainer Judd, Transition von Tim Richardson, First Kiss von Iain Forsyth & Jane Pollard, Pretty Wise von Heather Sommerfield, Deflowering Lily von James Widgren, Gary Gunn & Kaya Sorhaindo (ein Teil davon lässt sich auf deren Webseite ansehen) und Making Scents of Memories – die Six Scents: Series Three-Dokumentation, die man hier vorab schon bewundern kann:

Ein Projekt, dass es mir sehr angetan hat – unter einem immer ansprechenden Motto versammeln sich vielversprechende Nachwuchskünstler aus der Haute Couture und dem Parfummarkt und schaffen etwas zusammen. Dabei kam bisher nur Tolles heraus, ich bin ein echter Fan der beiden letzten Serien, schauen wir, was dieses so mit sich bringt.

Und beginnen heute mit No. 1, Beau Bow von Alexis Mabille und Rodrigo Flores-Roux.

„It was a fantastic experience to be immersed in Alexis’ world. His impeccable taste, his enormous knowledge of the history of art, fashion and design, and a deep love for garden flowers „that are somewhat vintage or out of fashion“ provided a lot of fun and inspiration. Alexis wanted his fragrance to be very chic, very bourgeois, quintessentially French. Both of us share a nostalgic memory of the ideal image of France in the 1970’s, elegantly modern, but strangely, still romantic, a bit hazy, like a David Hamilton photograph. I picture Alexis as a kid, with his cat as inseparable sidekick, already thinking about the bow laden dresses of his brilliant future. A sweet boy with a conviction… just like the fragrance structure we chose to develop. We re-imagined the fresh and elegant “Eau Fraiche” structure so popular in France in the 70’s, and gave it a jolt… and a twist… Our result: the crisply fragrant image of a very chic and cultured French teenager who enjoys his quirks and is eager to discover the world, making love to it for the first time and breathing it all in.“ – Rodrigo Flores-Roux.

Ein nostalgischer Duft, einer Hamilton-Fotografie gleich, typisch französisch, elegant und schick – wie die Kleider des Herrn Mabille, eingefangen in einem Eau Fraîche unter Zuhilfenahme von so vielen Zutaten, dass ich sie unmöglich alle hier listen kann – oder doch: Kopfnote: Mandarine, Bergamotte, Orange, Lavendel, Basilikum, Minze, Veilchenblätter, Galbanum; Herznote: Jasmin, Magnolia, Rose, Alpenveilchen, Geißblatt; Basisnote: Chypre-Akzent, Vetiver, Moos, Iris und Kephalis, eine von Givaudan kreierte Note („Kephalis is a very versatile and rich product, used as a long lasting heart/basic note. It blends well with floral notes – jasmine, rose, violet, lavender, etc. – as well as sophisticated amber, woody-aldehydic, tobacco and masculine creations.“).

Wenn ich mir so Mabilles Kleiderkreationen bei Google vor Augen führe – ihn kannte ich nämlich in der Tat noch nicht – dann passt der Duft ganz schön gut. Ich fühle mich erinnert – an Françoise Sagan, an Bonjour Tristesse und ihre anderen Werke, Frauenliteratur, ja. Aber nett, französisch, melancholisch, ein bisschen kitschig. Und immer voll von jenen gut angezogenen Frauenfiguren, die durch irgendwas, meist – irgendwen ins Leid gestürzt werden. Aber ich schweife ab ;)

Sehr nett, sehr frühlingshaft, zitrische Prickelei in der Kopfnote und ozonige Anklänge, sanfter Hauch Kräuter, frische minzige Anklänge und zarte Blüten. Vor allem Geißblatt zeigt sich präsent und naturaliter sehr heiter – erinnert ein wenig an Annick Goutals leichtere Kreationen. Sauber ist es, das Düftchen, und wie eine Frühlingsbrise, dabei aber keineswegs unnatürlich-artifiziell wie manch amerikanischer Sauberduft. Jugendliche Leichtigkeit des Seins in adretter Verpackung.

Damit fängt die dritte Serie ja schon mal ziemlich gut an – mal schauen wie es weiter geht dieser Tage…

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Six Scents Series 3, Claude Monet (1886): Essai de figure en plein-air: Femme à l’ombrelle tournée vers la gauche, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Six Scents Series 3 in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Six Scents – Von denen, die auszogen, die Welt zu verändern…
Six Scents Series 3 – die Dritte.
Neuigkeiten die Fünfte und Letzte.


To die for… Amouage Honour.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Blüten,Duft,Holziges am 28.09.2011

Nachdem ich gestern die Vorgeschichte zu den beiden neuen Amouage-Düften namens Honour erzählt habe samt Videomaterial, möchte ich Euch nun nicht länger quälen und endlich mit den Duftrezensionen beginnen.

Mit solch einem Background und einem derart bestimmten Kreativling – Chong, der Creative Director – am Ruder wundert es nicht weiter, dass auch die Ingredienzen der Düfte wohldurchdacht sind und Madama Butterflys Geschichte von Liebe, Betrug und Verrat aufgreifen, die auf so tragische Weise endet.

Honour Woman ist in allererster Linie ein Weißblüher und spiegelt, wie Chong in dem Interview mit Ça Fleure Bon verlauten lässt, Butterflys Liebe, ihre Art zu Lieben wider sowie jenes Gefühlschaos das in ihrem Inneren tobt: Weiße Blüten als Zeichen der Liebe, Jasmin für Treue und Hingabe, Gardenie für die geheime Liebe, aber auch das Geheimnis der Liebe und Tuberose für die Gefahr. Weiße Nelken, die für den Glauben an die Liebe und die Unschuld stehen und Maiglöckchen für die Reinheit des Herzens. Insgesamt stehen die Weißblüher aber auch für die Nachtseite: Für eine tragische Liebe, die im Betrug endete, im Verrat. Und somit den Tod einer Seele auf ihrem Gewissen hat, versinnbildlicht durch den Suizid Cho-Cho-Sans, olfaktorisch umgesetzt durch Weihrauch, Ambra und Opoponaxharz in der Basis.

Bereits in der Kopfnote wird einem klar, dass man mit Honour Woman einen ganz besonderen Weißblüher vor sich hat: Der Auftakt ist ungewöhnlich – herb-fruchtige Rhabarberblätter, kühle Pfefferschärfe und ein Hauch Korianderwürze malen für mich bereits ein überaus melancholisches Bild. Rhabarber, ich erwähnte es schon mehrfach, ist für mich daran „schuld“ – mit seiner bittersüßen Ausstrahlung stimmt er mich immer traurig. Die Blüten erobern alsbald das Feld, lassen sich aber weiterhin von der Kopfnote flankieren, die auf meiner Haut den Großteil des Duftverlaufs erhalten bleibt und angenehm kontrastiert. Metallische Anklänge von Maiglöckchen und Gardenie harmonieren mit der Pfefferkälte, Tuberose umgarnt die Nase mit Verführerschwester Jasmin und Nelke kündigt bei mir wie im letzten Serge Lutens Vitriol d’œillet das nahende Ableben an. Lange blüht es, das opulente Blumengesteck, welches aber eine für weiße Vertreter angenehme Transparenz besitzt, die einem asiatisch inspirierten Duft schmeichelt, um hernach den Weg für die Basis frei zu machen: Kühlender Weihrauch und harzige Noten, das Ziel ist erreicht. Zuhause – auf eine Art. Und wieder ganz.

Melancholisch und wunderschön.

Schauen wir uns mal die Männervariante Honour Man an und lassen Chong erneut zu Wort kommen – siehe oben erwähntes Interview:

„Honour Man is a spicy and woody fragrance invoking memories of the past signified by a mixture of disturbing and conflicting accords starting with a spicy burst of pink pepper and black pepper. Geranium and elemi are used to represent a filial elegy to the honour and memory of Madame Butterfly. A woody base evolves with a musky allusion to this story of reconciliation.“

Ambivalenz zeichnet den Duft aus, das merkt man gleich: Pfeffrig ist der Auftakt, und zwar rundum – die Nase in der Pfeffermühle werde ich sehr bald eines anderen Geruchs gewahr, nämlich dem des Elemiharzes. Waldig-zitrisch kommt es daher und zudem harzig, alsbald unterstützt durch wie so oft minzig anmutendes Geranium. Darüber hinaus meine ich hier bereits Vetiver zu riechen – und zwar einen, der mich sehr an The Different Companys Sél de Vetiver oder Chanels Sycomore erinnert, einen extrem salzigen in subtilen Rauch gehüllt. Überraschend gesellt sich Muskat dazu in würzig-scharfer, aber auch süßer Ausprägung – das Herz des Duftes ist verwirrend, zugegeben. Und gewöhnungsbedürftig, ja. Grün-Waldig-Aromatisch-Harzig-Pfeffrig-Rauchig-Süßer Natur und bisweilen an einen guten Saunaaufguss erinnernd, was mitnichten abwertend gemeint ist. Diese Kontraste lichten sich, je näher man der Basis kommt: Gewohnte Amouage-Qualität, Silberweihrauch, der beste weltweit, in Kombination mit Patchouli und sauberem Zedernholz sorgt für wohlig-seidig-warme Holzigkeit.

Unbenommen ein interessanter und toller Kandidat – aber das allererste Mal überzeugt mich bei Amouage der Damenduft des Duos mehr.

Wie sieht’s bei Euch aus? Und wie steht Ihr zu den letzten Amouage-Kollektionen?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Geraldine Farrar als Madame Butterfly (1907)

Hier finden Sie die Kollektion von Amouage in unserem Shop.

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Und noch einmal – die Vergessenen.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Reines und Pudriges am 23.09.2011

Auch den letzten Tag dieser Woche widme ich meiner überquellenden Schublade und einigen Düftchen, die ich Euch schon zu lange vorenthalten habe: Heute stelle ich Euch Clean Summer Linen und Boadicea Regal vor.

Clean Summer Linen ist eine neue der mittlerweile fast unzähligen Varianten und Variationen des klassischen Clean-Duftes und wurde in den Staaten bereits im Frühling veröffentlicht – passend vor der Jahreszeit, derer sich der Duft inspirativ bedient:

„Inspired by the hot sunny days of summer where clean warm breezes mingle with the sun-ripened citrus of summer.“

In fröhlich gelb-terracottafarben verlaufender Flasche kommt die limitierte Edition daher und macht alleine schon von der Aufmachung her Lust auf – Sommer, Sonne, Sand und Strand, auf Urlaub und unbeschwerte Freude(n). Hesperidenfröhlichkeit allseits und ja, auch die Mirabelle vermag ich zu entdecken. Ehrlicherweise hätte ich die wahrscheinlich nicht sofort erkannt, zu selten hat man Mirabellen vor der Nase – subtil-fruchtiges Steinobst oder so ähnlich hätte der Befund gelautet, den ich für Euch in noch hübschere Worte gekleidet hätte. Zarte Rosen unterstreichen die verhalten süße Fruchtigkeit, die sich warm auf Hölzern bettet, welche ihre Süße aufgreifen.

Für jemand, der eigentlich keine Clean-Düfte mag, ist das hier ein durchaus netter Vertreter. Wie sagt der Schwabe so schön als höchstes Kompliment? „Hab scho Schlechteres gerocha“ – trifft in diesem Fall zu. Clean Summer Linen würde ich sogar tragen im Sommer – und die Farbe, ehrlich, die hat es mir angetan.

Michael Boadi war scheinbar trotz seiner neuen Firma Illuminum, die Middletons Hochzeitsduft stellte und somit zum Riesenhype avancierte, unterbeschäftigt und erweiterte seine Linie Boadicea um einen neuen Duft: Regal.

Hinter Regal verbirgt sich tatsächlich Königliches: Beim ersten Aufsprühen wird schon klar, dass wir es hier nicht mit einem Leichtgewicht zu tun haben. Mein erster Gedanke – Oud. Und ich schaue erstmal nach den Ingredienzen – scheinbar kein Oud, aber animalische Noten, die mir in ähnlicher Intensität, aber verschiedener Verpackung bisher nur in Mazzolaris Lui entgegenströmten. Gut gebrüllt, Löwe! Das riesige Tier trollt sich aber schon kurz danach, wahrscheinlich ist es ins Unterholz geflüchtet, in einem solchen befinden wir uns nämlich jetzt. Eine Lichtung im Wald sehe ich vor mir, eine mit Kräutern bewachsene, auf der sich auch so manches Blümelein tummelt. Minziges Geranium, das die hier moosig-chypriert wirkende Rose unterstreicht und Maiglöckchen, zartes, sowie ein erdiges Veilchen im Hintergrund, auf Hölzern gebettet.

Was soll ich sagen? Rotkäppchen und der böse Wolf, wäre das Bild, das mir als allererstes bei Regal in den Sinn kommt, von mir aus auch die Schöne und das Biest: Jugendlich-unschuldige Weiblichkeit von unverstellter Natürlichkeit und irgendwo dahinter – das Tier. Gefällt mir, wie zu erwarten war, gar nicht schlecht und erinnert mich von der Richtung her (!) – man möge mir die saloppen Worte nachsehen: Jungfrau trifft Schmuddelkind – ein bisschen an meine wunderschöne Entdeckung dieses Jahr, Andy Tauers Carillon pour un Ange.

Habt Ihr schon getestet? Seid Ihr Clean-Anhänger oder nicht und wie haltet Ihr es mit Boadicea?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Linen Field von bretz/Hervé de Brabandère, Sunset in Italy von goejsen, Rotkäppchen-Illustration von Carl Offterdinger (19. Jhdt.), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen: Bond No. 9 – Die Oudparade im Grünen oder so ähnlich.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges,Grünes am 21.09.2011

Einmal wieder habe ich für Euch in der Vergessenen-Schublade gekramt und noch einiges gefunden, dass ich Euch nicht vorenthalten mag: Von Bond No. 9 alleine harren noch drei Düfte der Besprechung – Madison Square Park, High Line und New York Oud, und weils so schön ist nehm ich den ersten Oudduft namens Signature Perfume noch gleich mit hinzu. Beginnen werde ich heute mit den Grünanlagen des Big Apple.

Madison Square Park ist, ich darf mich zitieren:

„Kurz zusammengefasst: Der Park namens Madison Square Park war und ist ein Place-to-be, in ihm saßen Schriftsteller und holten sich Inspirationen, wenn sie nicht gleich Klassiker der Weltliteratur dort verfassten, er ist eingerahmt von tollen Restaurants berühmten Hotels und so weiter. Das alles hat man in ein Parfum gepackt, das eine Mélange aus romantischen Blüten und frischen grünen Noten. Im Auftakt frühlingshaft mit Traubenhyazinthe, Heidelbeere und Präriegräsern wartet der Duft im Herzen mit Tulpen und Rosen auf, die auf einer Basis von dunklem Teakholz und Vetiver ruhen. Der Parfumeur des Duftes ist ein alter Bekannter – Laurent Le Guernec. Und, ich muss es dazu sagen – ich bin zwar absolut kein Flakonsammler, aber dieses knallige Pink finde ich schon ziemlich cool ;)“

Traubig-wässrig präsentiert sich der Duft im Auftakt auch und ich frage mich, ob die Traubenhyazinthe selbst auch im Original fruchtige Gerüche verströmt, vielleicht allerdings ist auch nur meine Nase des Wahnsinns fette Beute, denn anstatt der Heidelbeeren, der schönen züchtigen offeriert sie mir – Nektarine, Pfirsich? Zumindest strahlen mich dieses aus einem beruhigend rosig-tulpigen Bett heraus an – liege ich, liegen wir doch nicht so falsch… Tulpen, ähnlich wässrig-süß umgesetzt wie in Byredos schönem transparenten Tulipe, und minzig-frische Rose, hell und luzide leuchtend in den schönsten Pink- und Rosatönen. Das Teakholz erblasst vor dieser poppigen Schönheit und hält sich ganz Gentleman im Hintergrund, während Vetiver grasgrüne Effekte zaubert.

Ein locker-leichter Frühlingsduft, heiter, beschwingt, dynamisch – in solch einem Park lässt sich’s leben, lässt sich’s leicht arbeiten, schreiben, kreativ sein. Der Duft dazu tut sein Übriges – und ist somit hervorragend dazu geeignet, tagsüber den Frühling mit ins Geschäft zu nehmen, und mit Blühendem für frischen Wind zu sorgen.

Hinter High Line verbirgt sich ein wunderschönes Projekt, von dem ich schon einmal erzählt hatte:

„Die Geschichte hinter High Line ist durchaus bemerkenswert, ist der Duft doch der erste, der einer Bahnstrecke gewidmet ist, allerdings einer sehr besonderen: Die High Line erstreckt sich inmitten des Manhattaner Westens und wurde ursprünglich in den 30er Jahren erbaut, um den Schienenverkehr umzuleiten. Eine Hochbahntrasse, die nun, da sie keiner mehr braucht, innerstädtisch umgenutzt wird: Nach Vorgaben des bekannten dänischen Landschaftsarchitekten und -designers Piet Odouls entsteht ein Park für die Öffentlichkeit. Urbane Tristesse ade, back to Nature ahoi oder so ähnlich. Eine schöne Idee und ein tolles Projekt, dass Bond No. 9 Gründerin Laurice Rahme gerne unterstützen möchte: Sie kreierte den Duft High Line zusammen mit Laurent Le Guernec von IFF, der den Duft als „fun floral in a very modern, industrial way” bezeichnet, ergo einen fröhlichen Floralen in sehr moderner Umsetzung. Die Ingredienzen sind an die im Park vorfindlichen Pflanzen angelehnt: Bergamotte, Purpur-Liebesgras (ja, heißt wirklich so…), Traubenhyazinthe, Rhabarber, Rose, Tulpe, Orangenblüte, ozonische Noten, Aldehyde. Rahme ist dem Verein der Freunde der High Line beigetreten und spendet 4% der Einnahmen aus den High-Line-Verkäufen zur weiteren Begrünung des noch nicht fertiggestellten Parks. Wer sich das Projekt mal ansehen mag und in nächster Zeit nicht nach New York kommt klicke bitte hier.“

Fun-Floral gefällt mir als Bezeichnung irgendwie gut für einen Ami-Duft, obgleich ich diese eher als geeignet für Madison Square Park ansehen würde, vielleicht wegen der Pfirsichfruchtigkeit, die ich dort herausrieche. High Line ist vielmehr modern, ein sauberer, ozonig-luftiger Duft für den smarten jungen Großstädter, und meines Erachtens nach typisch amerikanisch: Dezent grün, subtil fruchtig und verhalten floral mit ein paar Hesperidensprenklern und, wenn ich mich arg anstrenge, auch mit ein paar Fasern fruchtiger Rhabarberherbheit, die im Duftverlauf sogar an Prägnanz gewinnen. Trotzdem ich Rhabarber sehr mag und trotzdem der Duft an und für sich nicht schlecht ist – mir fehlt hier leider ein bisschen das Profil, vielleicht auch die Kanten. Ein frühlingsfrischer Immergeher, ja. Und nett ist er auch – er tut auch nicht weh. Aber vielleicht ist auch genau das das Problem – oder ich habe einfach einen schlechten Tag, wir werden sehen…

In jedem Fall wünsche ich Euch einen schönen Resttag und sende Euch liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Flatiron Building over Madison Square Park von Daryl Samuel, The High Line in Manhattan, New York City at West 20th Street, looking downtown (south) von Beyond my Ken, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Bond No. 9 in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Bond No. 9 die Zweite – Oudparade.
Duftverzeichnis
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