Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Vergessenen: Sigilli Hesperia & Ea.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Hesperiden am 15.07.2011

Auf meiner nicht enden wollenden Liste der Vergessenen weilen auch die beiden letzten Düfte aus dem Hause Sigilli, Hesperia und Ea, derer ich mich heute annehmen mag.

Sigillis Hesperia ist auch eher ein Vertreter in schönster Bauhaus-Less-is-More-Manier – auch innovativ würde ich den Duft nicht wirklich nennen, was ihm aber in diesem Falle beides zum Vorteil gereicht: Hier erwartet uns ein klassischer Zitrusfrüchteduft. Namentlich angelehnt an das mythische paradiesische Land Hesperia, in dessen Garten die Töchter von Atlas und Nyx einen Orangenbaum bewachten, widmet sich der Duft ganz der quasi naturalistischen Abbildung desselben. Ein riesiger knorriger mit mächtigem Geäst und von Moos zugewuchertem Wurzelwerk, in der Sonne seine Äste gen Himmel reckend, blühend und weithin alle Nasenträger mit seinem Duft verführend. Hier ist alles drin: Die Rinde, das Moos, die dunkelgrünen und zart-bitteren Blätter, die Blüten und ein Hauch der Früchte, die da noch kommen werden. Das Orangenbaum-Pendant zu Giacobettis ganzen Feigenbäumen für L’Artisan Parfumeur (Premier Figuier) und Diptyque (Philosykos). Für Männlein wie Weiblein im Sommer ein Genuss. Die Ingredienzen: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Nelke, Lorbeer, Orangenblüte, Veilchen; Basisnote: Hölzer.

Und weiter geht es mit dem nächsten Sommerkandidaten: „Inspiriert von den heiligen Wassern Mesopotamiens“ sieht sich Ea, und soll so etwas wie „eine wunderbare Verschmelzung von reinem und kristallklarem Flusswasser, welches ins Meer mündet, und kräftigen, exotischen Blumen“ sein. Stimmt. Hätte den Duft aber nicht gerettet – ich hätte ihn anhand der Beschreibung ehrlicherweise vermutlich noch viel später getestet. Und bemerke gerade, was für ein Verlust das gewesen wäre – aber zuerst einmal zu den Ingredienzen: Kopfnote: Quitte, Nymphaea (Seerose), Osterglocke; Herznote: Aquatische Noten, Orchidee; Basisnote: Moschus, Patchouli.

Normalerweise habe ich eine ganz gute Vorstellung davon, was mich hinter Duftnoten erwartet oder auch erwarten könnte. Hier gehe ich dem Parfumeur gänzlich auf den Leim, denn auch das Versprechen einer Melange aquatischer Noten und Blüten reizt mich nicht sonderlich. Sollte es aber. Was mir mit Ea entgegenweht ist wunderschön: Minzig-mentholische Frische ausstrahlend, ein Hauch maritime Seebrise in der Nase mischt sich herb-säuerliche Quitte mit wässrigen Anklängen und einer subtil-floralen Süße, auf einer sauberen Basis ruhend. Ach was ist das nett! Liebe Freunde von Düften wie Guerlains Acqua Allegoria Herba Fresca, Heeleys Menthe Fraîche und Sel Marin – bitte mal hier vorbeischauen, das ist meine unbedingte Testempfehlung! Ein bisschen Meeresfrische, ein wenig Quittengelee von Oma, ein letzter Aufguss in der Sauna (Calé Fragranze D’Autore Tepidarium und Six Scents Series 2 Solar Donkey Power - hier rezensiert) mit einem Pfefferminzbonbon im Mund – Ea verkörpert die (nicht unbedingt Kunderasche) Leichtigkeit des Seins und macht große Freude!

In diesem Sinne – einen wunderschönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Andalusische Orangenbäume von Paul Munhoven, Happy Midori at The Beach von D. Sharon Pruitt, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Sigilli-Düfte Hesperia und Ea in unserem Shop.

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Echte Kerle: Der Yuzu-Mann von Caron

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Echte Kerle,Hesperiden,Holziges am 12.07.2011

Das ist eine Yuzu-Frucht! Sie ist etwa so groß wie ein Tennisball, kann aber auch die Größe einer Grapefruit erreichen. Gegessen wird sie als Frucht eigentlich kaum. Man verwendet die Schale in Asien zum Kochen oder macht aus Yuzu Marmelade oder Essig.

In unserer Reihe “Echte Kerle” war zuletzt von Carons Yatagan die Rede, warum also nicht mit einer Neuheit aus dem gleichen Hause weitermachen. Yuzu Man soll laut Hersteller ein Duft für den modernen Mann sein, der ganz weltoffen zwischen Ost und West steht. Die Herkunft der Zutaten soll diesen Ansatz unterstreichen: Yuzu aus Japan, indische Verbena, indonesisches Basilikum und Feigen aus der Provence, australisches Sandelholz und Zedernholz aus dem Atlasgebirge.

Yuzu (1-1 aspect ratio)

Kopfnote: Yuzu, Verbena, Basilikum; Herznote: Fruchtige Noten, Feige, Pistazie; Basisnote: Gewürze, Zedernholz, Sandelholz

Auf dem Teststreifen kommt „Yuzu Man“ kräftig zitrisch daher, leicht und angenehm frisch. Ein toller Sommerduft. Ganz leichte würzige Anklänge von Basilikum und etwas deutlichere Noten von Feige sind wahrnehmbar. Die Basis geht allerdings flöten.

Auf der Haut ebenfalls ein stark zitrischer Auftakt – es folgt ein unerwarteter Schwenk in Richtung maritime Noten. Nach einer Weile kommt die Basis zum Vorschein: Holz. Ich finde fast, dass sie wie frisch gespitzer Bleistift riecht, kein Wunder, da Bleistifte aus Zedernholz gemacht werden.

Mir gefällt der Duft sehr gut, ideal für den Sommer, als Eau de Toilette nicht allzu intensiv, leicht, zitrisch und aquatisch, aber durch die Feige und die Holznoten trotzdem so geerdet, dass er nicht in Richtung Billigduschgel abgleitet. Kein hochkomplexer Duft, den braucht der Sommer auch gar nicht, außerdem sehr modern konzipiert.

Meine Herren, wer auf der Suche nach einem Duft für die Sommersaison 2011 ist, sollte hier zuschlagen.

Es grüßt
Harmen

Feige via Wikimedia Commons

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Echte Kerle…
Neuer Wind…


Beim Namen Pony Club…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Aquatisches,Duft,Holziges,Leder am 28.06.2011

… schwante mir ehrlich gesagt nichts Gutes, wenn auch lediglich nebulös. Man möge es mir nachsehen, vermutlich bin ich eine echte Spaßbremse, aber die Lektüre des Pressetextes hat es nicht besser gemacht:

„Pony Club Kampen – das ist Kult, Glamour, Nightlife, prickelnde Leidenschaft oder wie Gunther Sachs einst verlauten ließ: Die Perle in der Auster. Mitten im Herzen von Kampen – dem heimlichen St. Tropez des Nordens – befindet sich der älteste Club Deutschlands. Der Inhaber Oskar Schnitzer versteht es wie kein zweiter, unterschiedliche Charaktere auf unvergessliche Art und Weise zusammenzuführen. Gäste von damals und die junge Generation von heute treffen sich allabendlich – wohlgestylt – zum angeregten Smalltalk und ausgelassenem Feiern. Seit mehr als vier Jahrzehnten ist das PONY berühmt für seine legendären Parties, die meist erst mit Sonnenaufgang enden. Die überspringende gute Laune und die fröhliche Atmosphäre machen das PONY dabei so außergewöhnlich und so begehrt. Bereits am späten Nachmittag öffnet die Außenbar: Champagnerkorken knallen, Gläser werden zugeprostet und so feiert das illustre Party-Volk ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden… Die Stimmung ist immer locker und amüsant und zu vorgerückter Stunde geradezu überschäumend prickelnd.“

Gunther Sachs, der jetzt wohl nicht mehr (dort) feiert, Blubberbrause in rauen Mengen und „wohlgestylte unterschiedliche Charaktere“, allesamt Stammgäste auf Sylt und in Kampen, dem „heimlichen St. Tropez des Nordens“… Bohlen? Ammer? Eden? Ich vermute sehr stark, dass das nicht meiner Kragenweite entspricht, in welcher Hinsicht auch immer. Einfach nicht meine Welt, nein. Deshalb war mir auch ein wenig mulmig zumute, als mir die beiden neuen Signaturedüfte des Hauses Pony Club auf den Schreibtisch purzelten, die auf die reizenden Namen Pony 1961 VIP Queen und Pony 1961 VIP King hören. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt, wie ich Euch im Folgenden darlegen werde.

Beginnen wir zuerst einmal mit der Königin: „So prickelnd wie ein Glas Champagner“ soll sie sein, was mich zuerst an Carons Royal Bain erinnert, das Champagnerbad, mit dem die VIP Queen aber nichts gemein hat: Im Auftakt präsentiert sie sich zitrisch-prickelnd mittels feinperliger Hesperiden, die durch säuerliche Birnenoten akzentuiert werden. Aromatische Wacholderbeeren sorgen für fruchtige Herbheit und das Ganze beginnt mich langsam tatsächlich an einen Schampus-Cocktail zu erinnern. Zarte Blüten, allen voran grüner Jasmin und floral-aquatische Akzente, beherrschen das Herz, das von hauchfeinen Wildleder eingerahmt auf einer überraschend warmen Basis von ambrierten Hölzern und weißem Moschus schlummert.

Ich bin durchaus angetan meine Lieben, erinnert mich der Duft doch von der Ausrichtung her ein wenig an meinen Sommer-Lederliebling, auch ein Club-Duft, nämlich VIP Room, meine Piña Colada trinkende Domina oder Mata Hari auf Hawaii. Während VIP Room eindeutig in tropischen Gefilden angesiedelt ist, passt diese sommerliche Ferienvariante mit Ledertouch perfekt an einen eher weniger heißen Strand wie Sylt. Schön! Aber – bitte auf der eigenen Haut testen. Teststreifen und Haut differieren bei mir sehr – und leider kommt das weibliche Pony auf meiner Haut weniger nett raus als auf Papier, wohingegen der Arm meines Kumpels, der ebenfalls zum Testen herhalten musste, gar köstlich duftet. Das möge bitte unterstreichen, was ich ohnehin noch erwähnen wollte: Pony 1961 VIP Queen adressiert sich zwar dem Namen nach an die Damenwelt, ich halte den Duft aber für vollkommen unisex, genauso wie sein männliches Pendant.

Pony 1961 VIP King zeigt sich im Auftakt maritim und aquatisch, frisch, aber nicht nervig. Geschickt eingesetzte Pfefferkörnchen akzentuieren, während Kardamom die vorherrschende Frische grün-würzig unterstreicht. Anklänge von Rum sind auszumachen, die sachte Süße spenden und auf einer sauberen Zedernholz-Vetiver-Basis zur Ruhe kommen. Zurück bleibt ein kühler und cooler frischer Sommerduft, der mich gedanklich an einen netten Strand mit noch netteren Surfern entführt. Einzig – die angepriesene Caipirinha-Note vermag ich nicht zu entdecken, zumal Rum jetzt auch nicht unbedingt dasselbe ist wie Cachaça, darüber hinaus auch nirgends eine Limette zu entdecken ist.

In jedem Falle bin ich positiv überrascht: Auch wer kein Sylt- oder Pony-Club-Fan ist sollte sich die beiden Düftchen ruhig mal zu Gemüte führen, vor allem das weibliche Pony hat durchaus seine Reize!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blick über die Dünenlandschaft und den Königshafen bei List/Sylt (2003) von Sean O’Flaherty, Beach Chair at Westerland/Sylt von Magnus Manske, Sunset Surfer von shoemaker11, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Pony Club Kampen-Düfte in unserem Shop.

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Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung


Pfingstrosen…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Solifloral am 17.06.2011

üben auf mich schon immer eine besondere Faszination aus genauso wie Magnolien. Mit Magnolien in Düften, jenen leider nicht so weit verbreiteten, hatte ich mich neulich bereits auseinandergesetzt – siehe hier. Jetzt zu Pfingsten sind mir endlich, endlich wieder Pfingstrosen ins Haus gekommen, blühen gar wundervoll in einer großen Vase im Wohnzimmer vor sich hin – und mir steht der Sinn einmal mehr nach einem Blümchen auf der Haut, und zwar nach Pfingstrose.

Ein kurzes Brainstorming samt einer darauffolgenden Recherche ergab in der Tat mehr Düfte, als ich gedacht hätte. In diversen Düftchen ist Pfingstrose vertreten, mir fallen aber sehr wenige ein, in denen ich sie prominent wahrnehmen durfte: Inekes zauberhafter Sommerduft Chemical Bonding gehört dazu, jene berückend schöne Brombeer-Tee-Pfingstrosen-Interpretation, dann wären da noch zwei limitierte Düfte von Annick Goutal, die Schönheit Rose Splendide mit Magnolie, Pfingstrose und Birne sowie die leichte(re) Variante von Quel Amour!, das Eau Parfumée und Divines Rose-Jasmin-Pfingstrose-Trio in L’Inspiratrice. Einer der neuen Korres-Düfte beinhaltet ebenfalls ganz unzweifelhaft Pfingstrose: Paeonia/Vanilla/Amber/Pear – dieser war hübsch, mir persönlich aber zu warm und zu fruchtig. Mich dürstet nach Pfingstrose in möglichst reiner Form und/oder hoher Konzentration. Testenswert wären noch Micallefs Time for Love, Guerlains Acqua Allegoria sowie Esteban und L’Occitanes (leider limitierte) Pfingstrosen, die hatte ich allerdings noch nicht unter dem Näschen, was demnächst nachzuholen wäre.

Mein bisheriger und uneinholbarer Favorit steht allerdings schon fest – es ist Histoires de Parfums Vert Pivoine, die grüne Pfingstrose. Deren Ingredienzen: Kopfnote: Pfingstrose, Efeu, Rose; Herznote: Pfingstrose, Rose, Mimose, Gardenie, Rote Früchte, Rosa Pfeffer; Basisnote: Pfingstrose, Sandelholz, Zedernholz, Moschus, Vanille.

In allen drei Pyramidenstufen ist sie vorhanden, jene Blume, die sowohl in Europa als auch in Asien, vor allem in China, als Symbol der Weiblichkeit gesehen wird und in letzteren darüber hinaus als Zeichen für Reichtum und Vornehmheit gilt. Das riecht man, deutlich: Frisch, taubenetzt und gerade am Erblühen zeigt sie sich, die Holde, von einer leichten Süße geküsst und von Grün umrankt. Pfeffer setzt Kontraste und Rose stiftet minzige Helligkeit, während Hölzer die Basis für das Blütenmeer richten.

Viel gibt es eigentlich nicht zu sagen zu Vert Pivoine – denn neben der Pfingstrose in ihren vielen Facetten treten alle übrigen Protagonisten dezent in den Hintergrund und überlassen ihr die Bühne. Und was für eine Show sie hinlegt, die Pfingstrose in Vert Pivoine – ein wirklich hinreißender Duft.

Bei meiner Recherche bin ich mehrfach auf folgendes, bis dato mir unbekanntes Gedicht namens „Pfingstrose“ des österreichischen Schriftstellers Ferdinand von Saar gestoßen, das für mich die stille Pracht der Pfingstrosen exakt auf den Punkt bringt und das ich Euch deshalb nicht vorenthalten mag:

Verhaucht sein stärkstes Düften
Hat rings der bunte Flor,
Und leiser in den Lüften
Erschallt der Vögel Chor.
Des Frühlings reichstes Prangen
Fast ist es schon verblüht –
Die zeitig aufgegangen,
Die Rosen sind verblüht.
Doch leuchtend will entfalten
Päonie ihre Pracht,
Von hehren Pfingstgewalten
Im tiefsten angefacht.
Gleich einer späten Liebe,
Die lang in sich geruht,
Bricht sie mit mächtgem Triebe
Jetzt aus in Purpurglut.

Viele liebe Grüße -

Eure Ulrike.

Bildquelle: Oben und unten: Pfingstrosen “Coral Charm” im Palmengarten in Frankfurt am Main – Nahaufnahme einer gefüllten Pfingstrosenblüte und Verschiedene Blütenstadien, beides von Poupou l’quourouce via Wiki Commons, some rights reserved, vielen lieben Dank! Mitte: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé (1885): Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz – Paeonia Mascula via Wiki Commons – danke!

Hier finden Sie Histoires de Parfums Vert Pivoine in unserem Shop.

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Pfingstrosen…
Mit duftenden Neuigkeiten…
Sottile 1.61…


Brecourt – Männersache die Zweite.

Nachdem ich schon ob der vielen neuen Düfte, die es zu rezensieren gilt, momentan nicht zu meinem neuen Projekt, der „Echte Kerle“-Serie komme, wollte ich nun bei unserem Neuzugang Brecourt einmal den Herren der Schöpfung den Vortritt lassen und habe mit den Männerdüften angefangen. Zwei waren gestern schon dran – Mauvais Garçon und Esprit Mondain – heute folgen noch Eau Libre und Contre Poivoir.

Eau Libre – Der Duft der Freiheit oder der Freigeist? Wahrscheinlich kommt beides gerne mal zusammen, auch wenn es nicht notwendig zusammengehört. Madame Bouge hatte als Inspiration den Himmel, wie man unschwer an dem Pressefoto mit dem freundlichen Flieger sehen kann. Ein langer Blick in die unendliche Weite des Himmels, auf eine Bergkette, die sich über die ganze Ewigkeit des Horizonts erstreckt oder auch ein plötzlicher Windhauch in der Nase – das Gefühl der Freiheit ist gratis, dauert aber leider in unserer Gesellschaft selten an will ich meinen… Trotzdem oder gerade deswegen hat sich Emilie Bouge jenen großen Begriff zum Thema genommen und wollte ein Parfum kreieren, dass eine „Explosion von Licht“ in sich trägt, schillernd, glitzernd, oszillierend, sich ständig verändernd.

So kommt Eau Libre auch überaus zitrisch daher: Ein ganzer Hesperidengarten, prickelnd, spritzig und überaus hell, von aquatisch-ozonig-wässrigen Anklängen begleitet, die wie ich vermute, einigen grünen minzigen Akkorden sowie der (Wasser!)Melone geschuldet sind. Jasmin soll sich irgendwo da noch verbergen, will sich mir aber nicht zeigen, dafür präsentiert sich die Basis streichelzart dank skinnig-weichem, hautnahem Ambroxan.

Alles in allem erinnert mich dieser Duft von der Richtung her sehr an Creeds Himalaya sowie Carons Anarchiste, welche für mich ohnehin Brüder im Geiste sind. Da ich persönlich beide schon besitze, wäre der Freigeist Eau Libre kein Must-Have mehr für mich. Für jeden Mann, und das meine ich genau so, sollte dieses Trio aber zur Testpflicht werden und einer, mindestens einer davon sollte in Zukunft Bestandteil des maskulinen Duftrepertoires sein. Was nicht heißt, dass die Damenwelt einen Bogen drumherum machen muss – nicht um den Duft und erst recht nicht um den Mann, wenn er schon so toll duftet ;)

Contre Pouvoir heißt auf Deutsch soviel wie Gegengewicht, Opposition und ist ein mehr oder weniger feststehender Begriff – das Anti-Establishement. Dieser Parfumkreation ging wohl ein Besuch in einem schicken Gentlemanclub sowie die dortigen Impressionen voraus wie Emilie Bouge erzählt:

„Having been invited to a very chic club in the 16th arrondisement in Paris, I felt the omnipresent of power as well as an irresistible attraction for refined places with a cosy atmosphere in the lounge.  For me, this club illustrated a predominantly male character which is clearly depicted in their everyday lives.“

Was könnte man anderes als Zutaten wählen als jene Dinge, die man sich auch in den wildesten Phantasien als einem solchen Klub unabdingbar zugehörig vorstellt? Dicke riesige Chesterfield-Sofas aus teuerstem Leder, Holzverkleidungen soweit das Auge reicht, Bücher, viele viele Bücher und Journale und natürlich Zigarren. Nicht irgendwelche – die teuersten selbstredend.

Von einem Spritzer Zitrischem im Auftakt lässt sich der Duft nicht beirren – er zeigt alsbald sein eigentliches hochherrschaftliches Naturell: Frisch-würziger Kardamom trifft auf dunkel-würzige Lakritze, Vetiver, Tabak und Maté-Tee, die zusammen ein samtig-rauchiges Szenario bilden auf einem grazilen Holzsockel, der von Ambroxan, jenem skinnig-weichen, gewärmt wird.

Contre Pouvoir ist ein Duft, der sich vermutlich erst auf den zweiten Blick erschließt – aber definitiv mein Herrenliebling ist: Jene Kardamomfrische, die hier ähnlich leuchtend umgesetzt ist wie in Clive Christians genialem Meisterwerk X for Man, die Kombination von Tabak, Maté und Vetiver in Verbindung mit Lakritze, vor allem Vetiver verbunden mit Lakritze, was mir schon in Muglers Miroir des Vanites so unglaublich gut gefiel – das alles in zurückhaltend-eleganter Erhabenheit umgesetzt. Schön, wirklich schön. Mal sehen, was die Frauen noch so mit sich bringen – es bleibt also weiter spannend ;)

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Lieutenant “Mike” Hunter, Army pilot assigned to Douglas Aircraft Company, Long Beach, Calif via Wiki Commons, Anders Zorn (1860 – 1920): Författaren Viktor Rydberg läser en bok i sin gungstol (Der schwedische Autor V. Rydberg liest ein Buch in seinem Schaukelstuhl) via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Herren-Kollektion von Brecourt in unserem Shop.

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Die Damen von Brecourt…
Die Damen von Brecourt – Teil 3.


Die Schöne und das Biest: Aod

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft am 7.06.2011

Mariela

Heute geht es mit der Lostmarc‘h-Reihe weiter, und wieder ist es ein sehr schöner Duft, den uns die von der keltischen Kultur inspirierten Franzosen zu bieten haben. Aod bedeutet Meeresstrand auf bretonisch und was soll ich sagen: Der Name ist Programm!

Die Duftnoten: Kopfnote: Grapefruit. Herznote: Gardenie, Kokosnuss. Basisnote: Salzige Noten, Aquatische Noten

Obwohl Grapefruit und Kokosnuss als Ingredienzen gelistet sind erwartet uns kein tropischer, palmengesäumter Strand, sondern die herbe, erdige, europäische Variante.
Eine saftige reife Grapefruit gemischt mit einer cremigen Kokosnuss bilden den Auftakt. Bald gesellt sich eine üppige, strahlende Gardenie hinzu und verzaubert unseren Strandausflug mit romantisch-floralen Noten. Die Melange mutet sehr weiblich an. Salzige und aquatische Noten bilden den Abschluss, wobei das Aquatische auf meiner Haut deutlich überwiegt. Schade eigentlich, denn ich bin eher ein Freund des Salzigen!
Dennoch ist Aod ein leichter, zauberhafter Duft, der überhaupt nicht gefällig oder anbiedernd daherkommt.

Ach – wie ich mich auf die Ferien freue! Und Aod darf mich begleiten! An heißen Tagen wird er mich angenehm kühlen. Nach den Ferien wird er die Erinnerungen an das Meer in all seinen Facetten wieder hervorrufen. Tosende Wellen und schäumende Gischt passen dabei genauso zu diesem Duft wie friedliches Plätschern und sanftes Kräuseln.

Camaret

Harmen

Weiter geht es mit dem nun letzten Lostmarc’h-Duft unserer kleinen Reihe: Aod. Ich bin gespannt, denn die letzten beiden Kandidaten waren zum einen der äußerst blumige Ael-Mat und zum anderen der gourmandige Vanille-Keksduft Lann-Ael, zwei doch recht unterschiedliche Kompositionen. Der Hersteller verrät, dass es sich bei „Aod“ um das bretonische Wort für „Meeresstrand“ handelt. Ich wurde nach meiner eher unbegeisterten Besprechung von The Different CompanysSel de Vétiver“ als Banause tituliert und verspreche mir nun ein positiveres Ergebnis bei dieser Interpretation der Strandthematik.

Bank-Grass

Aufgesprüht zeigt sich, dass die blumige Richtung von „Ael-Mat“ eingeschlagen wird und dies wieder einmal überaus deutlich. Im direkten Vergleich mit „Ael-Mat“ lässt „Aod“ allerdings den frischen Auftakt des ersten vermissen und bringt anstelle dessen aquatische Noten in der Basis hervor. Auf der Haut erweist sich „Aod“ wieder als sehr viel komplexer – die aquatischen Noten kommen schon zu Beginn deutlich hervor, die Gardenie bleibt aber trotzdem an Ort und Stelle.

Der Duft ist von Lostmarc’h explizit als Frauenduft ausgewiesen, und dem möchte ich zustimmen. Hätte man eine ganze Schippe weniger Blümelein aufgelegt, hätte ihn allerdings auch gut ein Mann tragen können.

Aber kommen wir zum angesprochenen Strandthema. Ich muss zugeben, dass ich mit der Konzeption nicht ganz mitkomme. Aquatische Noten – Meer, alles klar. Aber schon die salzigen Noten in der Basis kann ich nicht wahrnehmen. Am Meer riecht es nach Wasser, Tang, grasig, salzig, wurzelig. Ich muss sagen, dass diesem Bild „Sel de Vétiver“ weitaus näher gekommen ist. Aod hingegen ist ein absolut alltagstauglicher, frühlingshaft-sommerlicher Duft, der keine eigenwilligen Überraschungen bereithält. Aber ich bin mir sicher, er wird seine Freunde finden!

Noch eine wichtige Mitteilung an unsere Leser! Dieser Artikel ist leider der letzte in der Reihe “Die Schöne und das Biest”. Mariela stellt sich neuen Herausforderungen und verlässt uns wieder. Wir danken ihr für ihre vielen tollen Beiträge und werden sie vermissen!!!

Viele Grüße von
Harmen

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Auf die Magnolienblüte…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft am 13.05.2011

… warte ich ja jedes Jahr – und versuche dann dem örtlichen zoologisch-botanischen Garten, unserer Stuttgarter Wilhelma, einen Besuch abzustatten. Diese nennt nämlich den größten Magnolienhain nördlich der Alpen ihr Eigen: 70 Bäume, davon 15 noch aus der Zeit König Wilhelms des I., damit über 160 Jahre alt. Etliche dieser Magnolien sind genau so, wie ich sie mir in meiner zugegebenermaßen etwas kitschigen Phantasie für meinen zukünftigen Garten ausmale: Doppelt so breit wie hoch wachsen sie kurz über dem Boden, was einem, legt man sich zur Zeit ihrer Blüte unter einen dieser Bäume, das Gefühl vermittelt, sich mitten im Himmel zu befinden – auf einer zart-rosa Zuckerwattewolke. Scheinbar geht es nicht nur mir so – etliche Magnolienfans pilgern Jahr für Jahr zu der Blüte und die Wilhelma hat mittlerweile eine Webcam-Übertragung auf ihrer Webseite eingerichtet aufgrund der vielen Anfragen, ob sie denn schon blühen, die Magnolien… Dieses Jahr scheine ich für die Magnolien in der Wilhelma noch nicht zu spät dran zu sein, obgleich viele andere schon am Verblühen sind – äußerst kurz währt nämlich das Vergnügen nur, zwei Wochen und das Feuerwerk der Blüten ist vorüber.

Viel länger als zwei Wochen kann man die Pracht von Magnoliendüften genießen – eine wundervolle Möglichkeit den Duft jener anmutigen Blüten ganzjährig um sich zu haben. Zwei sehr schöne und unterschiedliche Kandidaten möchte ich Euch heute vorstellen: Acqua di Parmas Magnolia Nobile und Eau d’Italies Magnolia Romana.

Magnolia Nobile von Acqua di Parma wurde von Antoine Maisondieu kreiert, der sich unter anderem bereits mit diversen Düften für Burberry und État Libre d’Orange sowie Feerie und Muguet Blanc aus der Collection Extraordinaire für Van Cleef & Arpels, Armani Code for Men, Moschino Funny und einigen Düften für Paul Smith sowie Gucci einen Namen machte. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Cedrat (Citrus Medica); Herznote: Magnolie, Rose, Jasmin, Tuberose; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Vetiver, Vanille.

Im Auftakt kitzelt sanft die eher herbe Agrumenauswahl in der Nase, die den Duft alsbald in ein ausladendes Blütenbouquet überführt: Überaus floral und zugleich frisch präsentiert sich Magnolia Nobile gleichermaßen klassisch elegant wie jung (ohne geblieben!), wobei die Hauptprotagonistin auch die unangefochtene Königin ist. Rose haucht minzige Frische ein, während sich Jasmin und Tuberose überaus zivilisiert dezent im Hintergrund halten. Als Gefolge der stolzen Magnolie sind sie Schleppenträgerinnen, unterstreichen somit deren feminine Süße und verleihen dem Duft Tiefe. Die mit Bedacht gewählte Basis samt ihrer üblichen Verdächtigen kreiert ein warmes weiches Bett, auf dem sich das Blütenmeer gekonnt zur Ruhe legen kann.

Maisondieu kann, was er tut – er versteht sein Handwerk, das beweist dieser Duft. Magnolia Nobile passt perfekt zu Acqua di Parma und deren Image: Einerseits ein eleganter Damen (nicht Oma und nicht Madamen!-)Duft, der das Zeug zum Klassiker hat. Andererseits aber eine junge und tragbare Variante eines üppigen Blumenbouquets. Vielleicht nicht für den Teen und auch nicht unbedingt für jeden Twen – ansonsten aber bedenkenlos für jede Frau geeignet, die gerne Frau ist und das auch lebt.

Magnolia Romana entstammt der Phiole von Bertrand Duchaufour und ehrlicherweise ist es mir ein Rätsel, warum dieser Duft so selten Erwähnung findet. Aber zuerst einmal die Ingredienzen: Kopfnote: Basilikum, Zitronenblätter, Zypresse; Herznote: Magnolie, Lotosblüte, Aquatische Noten; Basisnote: Zedernholz, Heu, Weißer Moschus.

Wässrig-aquatische Noten wehen einem im Auftakt um die Nase und erwecken den Eindruck eines nahen Wassers. Ich sage bewusst „wässrig“, denn aquatisch im Sinne der von mir gefürchteten neuen Duftfamilie sind die Noten nicht wirklich und maritim-knarzig auch nicht. Einfach nur ein Hauch Wasser, der in der Luft liegt, und sich perfekt mit der Wässrigkeit der Magnolienblüte und deren subtiler Süße verbindet, die von Lotos untermalt und verstärkt wird. Ein wenig Blattgrün mit zitrischen Sprenkeln rahmt die Blüten ein, während Noten von Heu, sonnengewärmtem, das Bild eines schönen Frühlingstages vermitteln. Zedernholz und Zypresse stiften sowohl holzige Anklänge als auch Sauberkeit, welche von Moschus in der Basis sanft abgerundet werden.

Duchaufour hat hier ein aquarelliges Meisterwerk geschaffen: Die Impression eines mediterranen Urlaubstages in bester Anlehnung an seine genialen Reisedüfte für L’Artisan Parfumeur, und das mit einer so schönen und unprätentiösen Magnolienblüte im Mittelpunkt. Für mich, die ich immer und immer wieder auf der suche nach besonderen Blumen bin, einer der schönsten und untypischsten Blumendüfte, die ich kenne.

Seid Ihr Magnolienfans? Kennt Ihr die beiden Düfte? Welches ist Euer Favorit?

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Magnolienzweig/Magnolienblüte Ostern 2007 in der Wilhelma von Chirak, Magnolienblüten-Close-Up von 4028mdk09, Magnolienblüte von Elmar Ersch, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Coquelicot…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft am 13.04.2011

… ist das schöne französische Wort für Mohn, Klatschmohn. Und somit auch der schlichte Name für einen Duft aus dem Hause Il Profumo, über den ich auf meiner Suche nach Blütendüften gestoßen bin. Der eifrige Leser wird es wissen: Mir war nach Blumen. Nach besonderen Blumen. Bitte nicht zu – normal. Nicht tropisch oder exotisch, aber gerne etwas ausgefallen. Nicht narkotisierend und nicht verführend, kein Sinnenräuber und -benebler, demnach auch nichts übertrieben weißblühendes. Und diesmal keine Rose. Kein Chypre. Kein Rosenchypre. Schwierig diese Angelegenheit. Vielleicht suche ich auch nach der olfaktorischen Blauen Blume? Jenem romantische Symbol für Sehnsucht, Liebe, dem Streben nach Unendlichkeit? Ist meine Suche gar Ausdruck… nein, das geht zu weit – egal, für was sie nun steht die Suche, sehnsüchtig ist sie in jedem Fall, denn ich habe noch keinen Blumen-Holy-Grail für diesen meinen Wunsch gefunden. Die Sehnsucht ist ungestillt, das Bedürfnis ungebrochen.

Dafür bin ich neulich über dieses Düftchen gestolpert, dass ich bisher mit Verachtung gestraft hatte – vollkommen zu Unrecht wie sich zeigte. Und es beinhaltet wohl auch blauen Mohn, irgendein tibetisches Exemplar davon – soviel zur blauen Blume. Aber zuerst einmal die Ingredienzen: Mohn, Glyzinie, Jasmin, Hyazinthe, Frangipani, Ambra und Patchouli.

Bereits kurz nach dem Aufsprühen entfaltet sich ein herrlich leichter Duft: Blütensüße gemischt mit etwas, das sich schwerlich als „aquatische Noten“ fassen lässt – vielmehr erinnert der Geruch an Blütennektar, an taubenetzte Blütenpollen. Eine wunderbare Frische macht sich breit gleich einer Sommerbrise, die durch ein blühendes Feld weht. Ein transparentes Blumenbouquet, ätherisch, dahingehaucht mit leichtem Strich wie ein Aquarellbild. Ein Duft von einer sauberen Frische, einer reinen Klarheit. Darüber hinaus ein Hauch fruchtige Süße und von ferne ein Akzent keksiger Anklänge – ein Kornfeld neben dem Mohn? Oder der Duft frischer Madeleines beim Picknicken draußen in der Natur?

Für mich gilt was Novalis aka Georg Philipp Friedrich von Hardenberg in seinem Heinrich von Ofterdingen schrieb, jener Schrift, der die Blaue Blume entspringt: „Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit.” Ich sehe gerade auch nur noch das blühende Feld, das imaginäre, welches vor mir von meinem Handrücken aufsteigt.

Wie heiter, wie unbeschwert – ich muss sofort an ein Zitat von von Peter Hille denken: „Die Blume ist das Lächeln der Pflanze.“ Banal, irgendwie. Und naiv. Aber schön. Und in diesem Falle so treffend, denn Coquelicot ist fröhlich, ein olfaktorisches Lächeln. Und wenn Düfte die Gefühle der Blumen sind, wie Heinrich Heine in seiner Harzreise schrieb, ist Coquelicot eine positive Frohnatur, hoffnungsvoll und voller Liebe. Wo wir wieder beim Klatschmohn sind, der in vielen Kulturkreisen als Symbol für ebendiese steht.

Und vielleicht wird Coquelicot das auch für mich – eine neue Liebe.

In diesem Sinne – alles Liebe,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blue Himalayan Poppy von Per Ola Wiberg, Himalayan Blue Poppy von Andrew Curtis, Blauer indischer Mohn von Anami/Dieter Weiher, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Coquelicot in unserem Shop.

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Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.
Duftverzeichnis


Der Mythos des Sisyphos oder: Die Vergessenen I

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Aquatisches,Duft,Fruchtiges am 14.12.2010

Mich hat es zwar noch nicht in die Unterwelt verschlagen, jedoch komme ich mir trotzdem häufig vor wie einer, der dort fleißig und verzweifelt gleichermaßen seine (Straf)Arbeit verrichtet – der gute alte Sisyphos. Direkt neben meinem Schreibtisch steht er, der kleine Bürocontainer, der nur für Düfte reserviert ist und mehrere Schubladen besitzt, die noch abgearbeitet werden wollen: Voller Duftproben, die der Rezensionen für Euch harren. Düfte, die ich Euch noch vorstellen mag, ganze Firmenkollektionen, die ich noch beschreiben möchte und natürlich jene Schublade mit den Neuheiten, die sich nimmer leeren möchte. Kaum habe ich sie um eine Handvoll Düfte erleichtert kommen sogleich mindestens doppelt so viele Neue hinzu und ich habe stets ein schlechtes Gewissen, obgleich ich mich bereits daran gewöhnt habe, hier nicht zu einem Ende kommen zu können – vielleicht ja auch ganz gut so, oder? ;)

In jedem Falle ist diese kleine Schublade mal wieder prall gefüllt und es gibt noch soo viel, was ich Euch dieser Tage noch erzählen mag. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, unter dem Titel „Die Vergessenen“ in loser Reihenfolge Kurzrezensionen von denjenigen nicht mehr ganz neuen Parfums zusammenzufassen, die schon viel zu lange auf eine Vorstellung warten mussten.

Creeds Aventus ist einer davon: Einem historischen Eroberer gewidmet versprechen uns die Engländer hier einen Herrenduft, der die Herzen der Damen genauso erobert wie sein Vorbild. „Fruit Rich and Fresh“ soll er darüber hinaus sein – ein Blick auf die Ingredienzen bestätigt dies: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Bergamotte, Apfel, Ananas; Herznote: Rose, Birke, Jasmin, Patchouli; Basisnote: Moschus, Eichenmoos, Ambra, Vanille.

Im Auftakt präsentiert sich der Engländer in der Tat sehr fruchtig – feinste grüne Apfelnoten, ein Hauch Fruchtsäure von der Johannisbeere und eine sehr appetitlich-satte Ananas, wie man sie ähnlich erwachsen aus Maître Parfumeur et Gantiers Bahiana kennt. Die vorherrschende Fruchtigkeit wird alsbald von einer weiteren Facette ergänzt, die sich wie ein roter Faden als zweites Thema durch den Duftverlauf zieht: Frische. Nichts Frühlingsfrisches und auch kein kaltes Wasser, aber durchaus eine edle aquatische Tendenz, die sich da breitmacht und den Duft dominiert. Frische Fruchtigkeit oder auch fruchtige Frische, untermalt von einer sanften Süße. Was sich furchtbar unspannend liest ist in diesem Falle ein wirklich rundum gelungener Männerduft: Ein typischer Creed in bester Himalaya- oder auch Erolfa-Manier. Lieber Robbie Williams, solltest Du mitlesen: Bedufte doch Dein nächstes Schälchen, dass Du zu verlieren gedenkst mit diesem Duft. Er ist es wert, zum Kassenschlager zu werden – und mit Himalaya hat das doch auch so wunderbar geklappt!

Miller et Bertaux, die tollen Franzosen mit den noch tolleren Klamotten, die, ich gestehe, zu meinen Lieblingen gehören – ihr Green, green, green zum Beispiel ist für mich DER grüne Duft überhaupt – bescheren uns auch mal wieder ein neues Düftchen: OM, ausgestattet gleich mit einer Empfehlung für den potentiellen Träger – Atmen Sie tief ein… Ok. Tue ich. Und ich rieche eine Harzoffenbarung: Die Ingredienzen sind alle ganz klar zu entdecken – weiche Harze, ein würziges Duo von Gewürznelke und Pfeffer, ausgestattet mit der ihnen genuinen Süße und einer leichten Schärfe, knisternde Hölzer, ein wenig Weihrauchräucherwerk und milde Vanille. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich den Duft vermutlich Herrn Villoresi zugeschrieben. An den erinnert mich nämlich die Handschrift. Überhaupt – für mich eine Menage à Trois zwischen Villoresis Piper Nigrum, Washington Tremletts Clove Absolute und Linaris Fuoco Infernale unter Verzicht auf die Minze. Für Harzfreunde sicher ein Fest. Und natürlich wohnt Om wieder genau jenes kontemplative Moment inne, für das ich Miller et Bertaux so liebe – ich hoffe, sie behalten das weiterhin bei und bescheren uns noch viele, viele schöne Düfte.

Einen schönen Tag wünscht Euch Eure Ulrike.

Bildquelle: Franz von Stuck (1920): Sisyphus via Wiki Commons, some rights reserved.

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Duftverzeichnis L – Z
Duftverzeichnis


Over the rainbow…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft,Reines und Pudriges am 13.12.2010

… ist einer jener wenigen Songs, die über Jahre hinweg mehrfach gecovert wurden und immer, immer erfolgreich waren – vielleicht wurde der Song auch deshalb immer wieder gecovert, irgendwann ist die Frage nach der Henne und dem Ei obsolet. In jedem Falle wurde der Titel ursprünglich für die bezaubernde Verfilmung des Zauberers von Oz aus dem Jahre 1939 geschrieben. Bereits damals kamen anfänglich wenige Tage nach der Filmpremiere gleich vier verschiedene Versionen des Lieds auf den Markt, die alle (!) innerhalb einiger Wochen in den damaligen Charts landeten. 1940 folgte dann dafür ein Oscar für Arlen und Harburg, die den Regenbogen zusammen geschrieben hatten, welcher hernach zu einer Art Sehnsuchtshymne wurde: Er erinnerte im zweiten Weltkrieg die Amijungs an ihre Heimat, diente später der Schwulenbewegung als Vorbild für deren Erkennungszeichen, die Regenbogenfahne, ja, gilt Menschen weltweit als Symbol – für die Erfüllung ihrer Träume, dafür, dass es sich lohnt, weiterzumachen, nicht aufzugeben sondern weiterzuträumen, den Glaube nicht zu verlieren, an was oder wen auch immer.

Im Oktober diesen Jahres hat es einmal wieder jemand vollkommen unerwartet in die Top Ten geschafft, wo er sich nachhaltig hielt: Der Hawaiianer Israel Kamakawiwoʻole mit ebenjenem Song, mit Over the Rainbow. Was daran so ungewöhnlich ist? Der in seiner Heimat äußerst populäre Sänger, der wegen seiner krankhaften Fettleibigkeit „The Gentle Giant“ genannt wurde, war zu der Zeit seines kometenhaften (erst europaweiten, dann deutschen) Chart-Erfolgs schon seit Jahren tot, gestorben an seiner Erkrankung. Trotzdem eroberte der liebevoll Iz gerufene weltweit die Herzen der Menschen, nachdem sein Song wiederholt in diversen Fernsehsendungen gespielt wurde und so (auch außerhalb Hawaiis) an Bekanntheit gewann.

Jahreszeitlich passte jene Südseeimpression so gar nicht in den tristen Herbst – oder vielleicht gerade doch? Und jener Song, obgleich jedem bekannt, wusste einmal mehr zu verzaubern, wofür es sicher unterschiedliche Gründe gibt.

Als ich das erste Mal von Villoresis neuem Duft las (und auch schrieb), war ich einigermaßen erstaunt – ich zitiere mich einmal selbst:

Ein weiterer Italiener hat auch noch etwas für uns in petto: Lorenzo Villoresi verspricht uns für Herbst diesen Jahres endlich, endlich mal wieder einen neuen Duft. Iberborea soll er heißen und ist eine Hommage an die Hyperboreer, die Einwohner des sagenhaften mythologischen Landes Hyperborea, den Lieblingen des Gottes des Lichts, des Frühlings, der Heilung und der Künste – Apollon. Sonne, Frühjahr und Kunst – was anderes soll daraus entsprießen als ein Blütenduft? Genau, ein solcher soll es werden, sogar mit (für Villoresi doch ungewöhnlichen) frischen Akzenten.

Ein leichter, frischer Blütenduft? Von Herrn Villoresi? Und das auf Herbst / Winter? Einigermaßen schleierhaft war mir das Unterfangen, das muss ich zugeben. Jetzt liegt das Pröbchen vor mir auf dem Tisch, mittlerweile schon halb dahingeschieden und sich vor meiner Nase ausbreitend, mich mit einem Duftschleier umgebend und – ich verstehe.

There, beyond the north wind, where the ocean breeze carries the fresh aroma of sea-spray, in the everlasting spring, the fresh north wind carries the radiant perfume of blossoming petals, hidden in the snow along the rugged mountain walls, beneath the morning dew, searching for the first ray of sunlight.

Ein Hauch Weiß weht herüber aus jenem fernen Land des ewigen Frühlings, eine Frische ausstrahlende und Liebreiz verströmende Melange aus zarten weißen Blüten (oh wie schön und sauber ist es, jenes Maiglöckchen, das ich herausrieche genauso wie eine wunderbare, leicht wässrige Magnolie), zitrisch prickelnden Hesperiden, milden maritimen Akzenten und einer sanften Fruchtigkeit, gebettet auf einer federleichten cremigen Moschuswolke.

Iperborea mutet an wie eine helle Symmetrie des Lichts, stimmt friedlich und heiter. Macht Mut. Und passt deshalb mindestens so gut in den deutschen Winter wie Israel Kamakawiwoʻole.

Darüber hinaus bleibt zu bemerken, dass ich eine kleine, aber feine Verwandtheit mit Teint de Neige feststellen kann: Iperborea ist für mich vielmehr eine Impression des Schnees, der Duft des Schnees als Teint de Neige, welcher mir dafür immer viel zu pudrig war. Komischerweise mutet Iperborea gleichzeitig und gleichermaßen wie eine Blütenhochzeit an, die an südlich-sonnige Gefilde erinnert. Da Iperborea allerdings (auch im Gegensatz zu Teint de Neige) eine feine Kühle besitzt erfüllt er für mich viel eher den Eindruck einer Winterimpression. Des weiteren ist er farblich so klar festgelegt – er ist reinweiß, wunderbar eingefangen mit dem diesmal klaren und transparenten Flakon.

Als ich Iz das erste Mal hörte, wusste ich – das wird ein Hit. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Iperborea das auch werden wird.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Die Ingredienzen: Kopfnote: Maiglöckchen, Alpenveilchen, Grüne Noten, Zitrische Noten, Orange, Mandarine, Pfirsich; Herznote: Weiße Blüten, Magnolie, Mimose, Maiglöckchen; Basisnote: Weiße Blüten, Jasmin, Orangenblüten, Moschus, Hölzer.

Wer keine cleanen, reinen, frisch-sauberen Düfte mag… sollte trotzdem einmal probieren – Herr Villoresi könnte eventuell sehr viel überzeugender sein als andere vor ihm ;) Der Duft ist im übrigen für beiderlei Geschlechter tragbar und hat eine gute Haltbarkeit.

Bildquelle: Peony 2 und Snow 2 von Michaela Kobyakov via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Am Ende des Regenbogens…
Gilding the Lily.


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