Die Vergessenen: Sigilli Hesperia & Ea.
Auf meiner nicht enden wollenden Liste der Vergessenen weilen auch die beiden letzten Düfte aus dem Hause Sigilli, Hesperia und Ea, derer ich mich heute annehmen mag.
Sigillis Hesperia ist auch eher ein Vertreter in schönster Bauhaus-Less-is-More-Manier – auch innovativ würde ich den Duft nicht wirklich nennen, was ihm aber in diesem Falle beides zum Vorteil gereicht: Hier erwartet uns ein klassischer Zitrusfrüchteduft. Namentlich angelehnt an das mythische paradiesische Land Hesperia, in dessen Garten die Töchter von Atlas und Nyx einen Orangenbaum bewachten, widmet sich der Duft ganz der quasi naturalistischen Abbildung desselben. Ein riesiger knorriger mit mächtigem Geäst und von Moos zugewuchertem Wurzelwerk, in der Sonne seine Äste gen Himmel reckend, blühend und weithin alle Nasenträger mit seinem Duft verführend. Hier ist alles drin: Die Rinde, das Moos, die dunkelgrünen und zart-bitteren Blätter, die Blüten und ein Hauch der Früchte, die da noch kommen werden. Das Orangenbaum-Pendant zu Giacobettis ganzen Feigenbäumen für L’Artisan Parfumeur (Premier Figuier) und Diptyque (Philosykos). Für Männlein wie Weiblein im Sommer ein Genuss. Die Ingredienzen: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Nelke, Lorbeer, Orangenblüte, Veilchen; Basisnote: Hölzer.
Und weiter geht es mit dem nächsten Sommerkandidaten: „Inspiriert von den heiligen Wassern Mesopotamiens“ sieht sich Ea, und soll so etwas wie „eine wunderbare Verschmelzung von reinem und kristallklarem Flusswasser, welches ins Meer mündet, und kräftigen, exotischen Blumen“ sein. Stimmt. Hätte den Duft aber nicht gerettet – ich hätte ihn anhand der Beschreibung ehrlicherweise vermutlich noch viel später getestet. Und bemerke gerade, was für ein Verlust das gewesen wäre – aber zuerst einmal zu den Ingredienzen: Kopfnote: Quitte, Nymphaea (Seerose), Osterglocke; Herznote: Aquatische Noten, Orchidee; Basisnote: Moschus, Patchouli.
Normalerweise habe ich eine ganz gute Vorstellung davon, was mich hinter Duftnoten erwartet oder auch erwarten könnte. Hier gehe ich dem Parfumeur gänzlich auf den Leim, denn auch das Versprechen einer Melange aquatischer Noten und Blüten reizt mich nicht sonderlich. Sollte es aber. Was mir mit Ea entgegenweht ist wunderschön: Minzig-mentholische Frische ausstrahlend, ein Hauch maritime Seebrise in der Nase mischt sich herb-säuerliche Quitte mit wässrigen Anklängen und einer subtil-floralen Süße, auf einer sauberen Basis ruhend. Ach was ist das nett! Liebe Freunde von Düften wie Guerlains Acqua Allegoria Herba Fresca, Heeleys Menthe Fraîche und Sel Marin – bitte mal hier vorbeischauen, das ist meine unbedingte Testempfehlung! Ein bisschen Meeresfrische, ein wenig Quittengelee von Oma, ein letzter Aufguss in der Sauna (Calé Fragranze D’Autore Tepidarium und Six Scents Series 2 Solar Donkey Power - hier rezensiert) mit einem Pfefferminzbonbon im Mund – Ea verkörpert die (nicht unbedingt Kunderasche) Leichtigkeit des Seins und macht große Freude!
In diesem Sinne – einen wunderschönen Tag wünscht Euch
Eure Ulrike.
Bildquelle: Andalusische Orangenbäume von Paul Munhoven, Happy Midori at The Beach von D. Sharon Pruitt, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!
Hier finden Sie die Sigilli-Düfte Hesperia und Ea in unserem Shop.































