Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Royal Crown die Dritte.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Hesperiden,Leder am 27.01.2012

Drei Düfte sind vorerst noch übrig geblieben für unsere Royal Crown-Reihe, und zwar zwei für die Männerwelt – Musk Ubar und Rain – sowie ein „Unisex“-Duft, Celebration.

Musk Ubar ist angedacht, von dem „eleganten“ Mann getragen zu werden, wie es die Firma verlauten lässt. Ein „dichter, mysteriöser, warmer und rassiger“ Duft, der wohl sein Pendant sucht – einen Abenteurer natürlich oder auch einen Kapitän (nicht jeden, den unter diesen gibt es, wie wir spätestens seit neuestem leider wissen, auch ausgeprägte Hasenfüße…), jemand, der die Klippen des Lebens gut zu umschiffen weiß und der sturmerfahren ist. Souverän hört sich das an – schauen wir, ob es der Duft auch ist… Die Ingredienzen: Kopfnote: Angelika (Engelwurz), Wermut, Geranium; Herznote: Rose, Jasmin, Galbanum, Basisnote: Moschus, Ambra.

Musk Ubar zeigt sich als seiner Krone würdig, absolut. Ich bin normalerweise kein allzu großer Moschus-Liebhaber, diesen Duft aber würde ich nur zu gerne am richtigen Mann riechen. Moschus geht, möchte man es vereinfachen, vor allem in zwei Richtungen: Entweder in die weiche Ecke, dann entweder sauber und/oder süßlich interpretiert, oder in Richtung Bleistift, gerne mit animalischen Anklängen, die sich ab und an aber auch in die weichen Kandidaten verirren (Etros Musk ist dafür ein schönes Beispiel – ich spiele liebend gern mit diesem kleinen Schmuddelkind!). Dieser Moschus hier tendiert ganz klar in die Bleistiftrichtung, hat diesen feinen Graphitgeruch, der von Angelika und Geranium genial unterstrichen wird. Wärme stiften diese und Frische gleichermaßen, Würzigkeit und eine Prise Kraut. Und zudem entsteht in dieser ambrierten Kombination, die sachte von floralen Noten eingerahmt wird, eine ledrig-animalische Komponente. Dezent, aber wahrnehmbar. Temperamentvoll, aber erlesen und zivilisiert und von einer subtilen Süße untermalt. Endlich einmal wieder ein toller Moschus. Und eigentlich das, was ich von Lutens’ Muscs Koublaï Khän erwartet hätte.

Rain zelebriert einen Regentanz und soll als „zeitgemäßer, eleganter und klassischer Männerduft“ an Quellwasser, vielleicht gar einen Wasserfall erinnern. Gedacht natürlich auch für einen modernen Naturburschen, einen Kosmopoliten und weitgereist. Die Ingredienzen: Kopfnote: Mandarinenblätter, Bergamotte, Neroli

Herznote: Jasmin, Reseda, Rose; Basisnote: Sandelholz, Heliotrop, Vetiver, Ambra.

Rain ist – keiner jener aquatischen Schnösel, die man zuhauf draußen findet, nein. Vielmehr gehört er zu der Sorte Düfte, die ich als Edel-Aquatische bezeichnen würde: Eine kühle Mandarine im Kopf, saftig-frisch, ohne jedoch den normalerweise für Zitrusfrüchte üblichen Prickel-Charakter zu besitzen, gepaart mit einer minzig-floralen Frische, einer nahezu undefinierbaren. Die Basis zeigt sich von leichter, sonniger Wärme mit dezenten Holzanleihen. Ich mag derlei helle, frische und der Tendenz nach maskuline Düfte bisweilen gerne – habe aber mit Carons Anarchisten und mit Creeds Himalaya schon zwei sehr ähnliche Kandidaten bei mir stehen, insofern ist Rain für mich sicher kein Kaufkandidat, obgleich er sich als noch etwas ausgefeilter und komplexer als die beiden erweist.

Celebration, der letzte Duft der Royal Crown-Serie, ist einem Jubiläum gewidmet: 150 Jahre Bella Italia – die Geburt Italiens am 17.03.1861, die letztes Jahr groß gefeiert und von einigen Düften zelebriert wurde: Il Profumo, Profumi del Forte und Xerjoff leisteten ebenso ihren Beitrag.

Celebration sticht für mich eindeutig aus der Royal Crown-Kollektion heraus, und zwar in mehrfacher Hinsicht: Meiner Meinung nach ist er – experimenteller, nicht als typisch italienisch einzuordnen, reduzierter, kantiger. Die Ingredienzen lassen die Wucht, mit der einem dieses Düftchen um die Ohren oder vielmehr in die Nase knallt, nur schwerlich erahnen: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Grüne Minze, Mandarine, Bergamotte; Basisnote: Lilie, Iris.

Gleißend ist das erste Wort, das mir zu Celebration einfällt. Gleißend hell und von einer ohrenbetäubenden zitrischen Frische zeigt er sich. Tief durchatmen lässt er einen, obgleich er einem den Atem raubt. Nicht näher zu definierende Hesperiden haben sich hier zu einer grandiosen Macht zusammengeschlossen mit einer pfeffrig-frischen Minze. Mandarine stiftet verhalten süße, aber vor allen Dingen fruchtig-saftige Anklänge, während die Basis erdig und wässrig-floral unterstützt. Für mich eine Art ultramodernes Cologne, das, weil es kein Cologne ist, natürlich eine sehr viel bessere Haltbarkeit zeigt als jene. Eine Frischekick allererster Güte, der in seiner Reduziertheit ein wenig an die Handschrift architektonisch anmutend minimalistischer Düfte wie Humiecki & Graefs Eau Radieuse oder Putmans Préparation Parfumée erinnert. Vor allem mit ersterem hat er gewisse Ähnlichkeit – ein fetter Pluspunkt in meinen Augen, der in sofort auf meinen persönlichen Platz 1 der Kollektion katapultiert.

Wie sieht es bei Euch aus, schon getestet, schon etwas gefunden?

Viele herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Picture of a waterfall (Kjosfossen) nearby Flåm, Norway von Yorian, Electric von Kavewall, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Königliches – Royal Crown die Zweite.
Royal Crown…
Duftverzeichnis L – Z


In 80 Tagen…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Gourmand,Holziges,Reines und Pudriges am 21.12.2011

um die Erde reiste Phileas Fogg im gleichnamigen Roman des Franzosen Jules Verne – und wir, meine Lieben, wir reisen in drei Tagen um, vielmehr: durch die Welt des Herrn Antonio Visconti. Dessen Duftkollektion ist nämlich dieser Tage bei uns ins Sortiment genommen – für mich Anlass genug, mir diese bis dato für mich komplett unbekannte Linie einmal ausführlich zur Brust zu nehmen und unter die Nase zu klemmen.

Antonio Visconti selbst war ein – Handschuhmacher, ansässig in Paris, der später in Italien die hohe Kunst des Parfumeurshandwerks erlernte. Über 150 Jahre ist das jetzt her – und die Kollektion ehrt jenes Handwerk, indem sie ausschließlich aus erlesenen Ingredienzen besteht, meisterlich umgesetzte Düfte offeriert und mit sehr hohen Konzentrationen brilliert. Soviel zum Hersteller, stürzen wir uns doch gleich ins wohlduftende Getümmel…

Le Temps d’Hiver, die Zeit des Schnees… sollte ja jetzt gerade sein, passt also eigentlich ganz gut. Und Schnee sieht man hier ähnlich umgesetzt wie bei einem anderen Italiener, dem Philosophen Lorenzo Villoresi: Ein Puderzuckerwintermärchen. Die Verwandtschaft mit Teint de Neige ist nicht von der Hand zu weisen, Le Temps d’Hiver ist aber für mich erträglicher, weil einen Tick weniger süß-pudrig-opulent. Was jetzt aber nicht heißt, dass es hier nur verhalten pudrig zur Sache geht: Ein weicher Wintertraum von Mandelwatte in Blütenmilch getaucht, von Samtmarzipan umhüllt und in Hautcreme gebadet.

Cœur de Vanille, das Vanilleherz, wird nicht nur die Herzen von Vanilleliebhabern höher schlagen lassen: Haselnuss, schönste Haselnuss findet sich hier in diesem kleinen Gourmandschätzchen. Eine geröstet-nussig-rauchige Vanille, von pudrigem Kakao verfeinert und von holzigen Anklängen untermalt. Trockene (Ge)Würzigkeit, süße Pfefferschärfe – eine ungewohnte Vanilleinterpretation, die Vanillefans noch zu überraschen vermag und Gegner klassischer Vanilledüfte ebenfalls. Die könnte sie sich nämlich ebenfalls zu Freunden machen.

Bois de Gayac zielt in eine gänzlich andere Richtung: In Micallefschen Gaïacträumen verharrend, hatte ich mir eigentlich einen warmen Holzling vorgestellt. Den entdecke ich hier nicht, oder vielmehr: ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Von einem selbstsicheren Mann ist da die Rede, von dampfender Erde und rauchigem Holz, von Ritualen, Spiritualität und Wellness. Ein bisschen viel Tamtam und Blabla enthüllt einige Sekunden später einen wirklich außerordentlich schönen Duft: Balsamisches Guajakholz von verhalten süßer Wärme vor einem dezent harzigen Hintergrund, von aquatisch anmutenden Zitrusfrüchten, vornehmlich Orange, gekonnt akzentuiert. Ein überaus schönes Hölzchen, elegant, maskulin und dynamisch – sicherlich aber auch an der richtigen Frau ein Treffer.

Soir de Mer, der Abend am Meer, wird natürlich richtig aquatisch, aber auf eine tolle maritime Art und Weise. Will sagen – man riecht sofort, dass wir es hier mit keinem Discounter-Duschgel-Aroma zu tun haben, ganz im Gegenteil: Der Abend am Meer ist meisterlich umgesetzt mit zitrischen Sternchen, die von luzider Rose durchdrungen werden, Jasmin und schwarze Johannisbeere im Herz sowie Seegräser, Iris, Adlerholz und Tonka in der Basis. Aber was erzähle ich, der Eindruck ist es, der zählt. Ich finde mich hier wieder beim Rendezvous im einsamen Strandlokal, mit einem Mann, der zwar eine unterschwellige Süße offenbart, aber fern von jeglichen Süßholzrasplern rangiert. Für diesen Nicht-Berlusconi und Nicht-Briatore ist dieser Duft perfekt – wohltemperiert und von selbstbewusster, aber keineswegs aufdringlicher Virilität.

Bisheriges Fazit: Bella Italia! Typisch italienisch – und das ist Gott sei Dank dufttechnisch ein Gütesiegel!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Snow Hikes von Michael Faes, Hazelnut von Eran Chesnutt, Evening at Trieste von MichaelaW, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung.
Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 13
Winterneuheiten.


Molton Brown – EdT’s die Zweite.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Echte Kerle,Gewürziges,Holziges am 14.09.2011

Re-Charge Black Pepper, Cool Buchu und Bracing Silverbirch heißen sie, die drei vornehmlich auf die Männerwelt zugeschnittenen Eau de Toilettes aus Molton Browns Kollektion – alle angelehnt und abgestimmt auf die zugehörigen Pflegeprodukte, welche zuerst auf dem Markt waren.

Gestürzt habe ich mich zuerst auf Re-Charge Black Pepper, dessen Duschgel ich liebe – der Duft steht dem in nichts nach: Ein kühler von funkelnden bitter-säuerlichen Bergamottesternchen beleuchteter Pfeffer-Kick in der Kopfnote, eine Art geeiste Schärfe, die alsbald in warmer Würzigkeit aufgeht. Koriander schlägt in die gleiche Kerbe, während Eichenmoos und Patchouli erdige Wärme spenden. Diese beschützende Wärme sieht sich alsbald von fruchtiger Ingwerherbe und grünen Veilchenblättern akzentuiert, die dem aromatischen Duft ein harmonisches Gleichgewicht verleihen.

Pfeffer und Ingwer – ohnehin Reizwörter für mich. In Re-Charge Black Pepper tauchen sie in trauter Zweisamkeit auf und kreieren einen gleichermaßen dynamisch-frischen Geruch, der die Sinne belebt als auch ein entspannend-behütendes, vertrautes Gefühl. Ein Duft, der einem Tatendrang verleiht und gleichzeitig mutmachend den Rücken stärkt – fein! Da hätte ich gerne den passenden Mann dazu – bis der kommt trage ich den Duft dann gleich mal selbst.

Cool Buchu ist – cool. Und so wird er auch beschrieben: „Crisp. Fresh. Cool. Invigorate your mind and send your spirits soaring. Clean and refreshing, clear and true, enjoy an instant sensory pick me up.“ Crisp lässt sich so unglaublich schlecht übersetzen in diesem Zusammenhang – knusprig, frisch, knackig lässt eher an Brathähnchen denken denn an Düfte. Dabei trifft das Attribut „frisch“ alleine eben nicht, was hier meines Erachtens nach gemeint ist: Natürlich ist Cool Buchu frisch, aber diese Frische hat Biss, ist sauber und kühlt, erfrischt, tritt einem aber auch in den Hintern, erweckt Lebensgeister. Minze, wilde, ist dafür verantwortlich, die in Kombination mit grünem Kardamom, Mandarine und Zedernholz für einen klaren Kopf sorgt. Für mich ein idealer Duft als Start in den Tag – vor allem, wenn die Nacht zu kurz war und der Morgen zu früh kam, der Wecker zu unerhörter Zeit klingelte und der Kopf, der zum Denken dienen sollte, noch seinen Dienst verweigert.

Cool Buchu ist meiner Meinung nach für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Ich kann mir die Badeprodukte der Duftrichtung auch sehr gut als Ergänzung vorstellen zu jenen krautig-minzigen Sommerdüften wie Heeleys Menthe Fraîche, Guerlains Herba Fresca, Humiecki & Graefs Eau Radieuse, Sigilis Ea, um nur einige Beispiele zu nennen.

Bracing Silverbirch trägt seinen Namen nach dem Baum mit dem hübschen lateinischen Namen Betula Pendula, Sandbirke oder auch Weißbirke genannt. Jenen sommergrünen Laubbaum von schmalem Wuchs im eleganten weißen Borkenkleid hat man natürlich nicht in die Flaschen geschnippelt – sinnbildlich kann er aber sicherlich für den Aufbruch stehen, jenen lebendigen, den der Duft verströmt: Amerikanische Zeder in gewohnt sauber-frischer Strenge mischt sich mit spritzig-zitrischer Bergamotte, untermalt von einem seidig-kalten Weihrauch-Hauch. Holzige Frische, raumgreifend umgesetzt und von würziger Kühle – Liebhaber von Holzdüften sollten hier aufhorchen, dies ist ein überaus schöner Vertreter seiner Gattung! Und Kumin, jenes gefürchtete Kümmelchen, ist zwar vorhanden, nicht aber in seiner ab und an transpirierend wirkenden Ausformung, die so manchen zu verschrecken mag.

Einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Boat von Patator/Frédéric Dupont, Betula Pendula von Neurovelho, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Molton Brown Eau de Toilette-Kollektion in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung.
Reisen mit Molton Brown die Zweite.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.


Farmacia SS. Annunziata die Vierte.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 26.08.2011

Heute ist Freitag, der letzte Tag der Woche und auch der letzte Tag unserer Farmacia SS. Annunziata-Reihe: Von Dienstag an hatte ich Euch die Düfte der italienischen Apotheke vorgestellt und schließe Woche und Kollektion heute ab mit Kama, Nero, 450, Takis und Isos.

Hinter dem schlichten Namen Kama versteckt sich so einiges… Wiki klärt uns umgehend auf: Kama ist nicht nur der Name von ein paar Flüsschen und Ortschaften, sondern vor allem auch der einer altägyptischen Königin. Darüber hinaus steht Kama im Hinduismus als eines der vier Lebensziele des Menschen:

„Kãma (Sanskrit काम, “weltlicher Genuss”, „Verlangen“) oft einseitig als “Lust” oder “Sexuelles Verlangen” übersetzt, gilt im Hinduismus als eines der vier Purusharthas, die “vier Lebensziele des Menschen”.

Die weiteren drei sind Artha, Wohlstand und Erfolg, Dharma, ein Leben entsprechend den sozialen und kosmischen Gesetzen sowie Moksha, die Erlösung.

Hindus lehnen weltliches Streben, Lust und Verlangen nach Wohlstand nicht als unmoralisch ab, diese sind jedoch den beiden anderen Zielen, Dharma und Erlösung, untergeordnet. Ist für das tägliche Leben die Erfüllung des Dharma das wichtigste Leitziel, so sind doch für das Leben als Haushalter auch Artha und Kama notwendig. Doch obwohl hinduistische Tradition und Gesellschaft einerseits die Legitimität von Kama anerkennen, gehört der Begriff auch zu den sogenannten “Sechs Feinden”, den Übeln, die der Mensch auf dem Weg zur Erlösung überwinden muss.“

Es geht also bei Kama ums Gleichgewicht, die goldene Mitte. Das passt gar nicht so schlecht zu dem Duft, dem gleichnamigen aus dem Hause Farmacia: Kama schwebt mehr, als das er sich (fest)setzt, verbleibt im Unkonkreten, und das auf eine ganz und gar entzückende Weise. Der Duft wagt den Balanceakt zwischen Agrumenfrische, fruchtigen Anklängen und floralen Verweisen, sanft in eine Puderwolke gehüllt und von einer vanillig-cremigen Harzbasis getragen. Feminin – ja. Und Puder sollte man mögen. Ansonsten ist das allerdings ein Duft für all jene weiblichen Wesen, die sich vor allzu greifbaren, allzu dominanten oder auch kantigen Düften fürchten und für die Sinnlichkeit nicht unbedingt einhergeht mit offenkundiger Offensivität.

Nero, auch ein Herrschername, der aus dem Sabinischen kommend soviel wie tatkräftig, stark bedeutet. Wer hier allerdings einen Kracher erwartet, einen vielleicht gar feurigen, den wird Nero überraschen: Nero ist ein Charmeur und Frauenversteher. Ein zart-lakritziger Hauch, der von Dill und Basilikum subtil-maskuline Akzente erfährt, auf einer überaus weich-verständnisvollen Basis ruhend. Hier ist kein herrschsüchtig-zorniger Despot am Werke, nein – wir haben es hier mit dem metrosexuellen Mann des 21. Jahrhunderts zu tun: Sensibel und weich, aber auch standfest und kernig. Fein, weil vertraut, aber doch mit aufregenden Twists. Und nicht zu vergessen die nette Lakritznote, die leider viel zu selten in Düften zitiert wird.

450 ist, wie unschwer zu erraten, ein Jubiläumsduft. Gleich zwei davon werden gefeiert: Das 450jährige Bestehen der eigenen Firma, gegründet 1561. Und das 150jährige Bestehen des vereinten Italiens, dem ja auch Il Profumo. Profumi del Forte, Boellis und andere Düfte widmeten. 450 ist in allererster Linie ein Irisduft und greift somit die Wappenpflanze der Farmacia-Heimatstadt Florenz auf: Rauchig-erdige und gleichzeitig samtig-pudrige Iris, flankiert von aromatisch-würzigen Noten auf einem Lager von weichem Moschus sanft zur Ruhe kommend. Traditionell ist 450 somit – und sicherlich nicht wahnsinnig innovativ, muss er aber auch nicht sein: Als altem Irisfan gefällt er mir natürlich gleich, eine schöne Hommage an diese anmutige Blume. Von der Richtung her erinnert 450 an Odoris Iris, ist aber weniger pudrig und ein bisschen besser unisex tragbar.

Takis’ Ingredienzen erinnern an einen Garten, einen mediterran angehauchten, wie man ihn hier in unseren Breitengraden mittlerweile auch häufiger findet: Eiche, Moschus, Rose, Salbei, Thymian, Vanille, Ylang-Ylang und Zitrone. Derlei Gärten haben in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit Takis: Meist von irgendwie intellektuellen Mittdreißiger/-vierzigern angelehnt, folgen sie dem aktuellen Trend und schaffen den Balanceakt zwischen Modernität und Tradition, geben mit fremdländischen Anleihen Auskunft über das Weltbürgertum ihrer Besitzer und mit dem Kräutergärtchen erzählen sie über deren Besinnung auf alte Tugenden. Takis ist modern, seifig-sauber mit holzigen Anklängen, ein bisschen exotisch, aber trotzdem auch vertraut und bedächtig.

Letzteres ist Isos nun gar nicht: Mich auf den ersten Riecher an Penhaligon’s 1870 erinnernd, nämlich aquatisch-pfeffrig sich präsentierend schütte ich nach – mit dem Ergebnis, dass mich Isos erstmal gewaltig in die Nase beißt. Pfeffer satt, der in seiner Schärfe von Gewürznelke ebenbürtige Verstärkung erfährt. Dem gegenübergestellt zeigt sich eine fast ätherisch anmutende Frische, von mentholischer Pfefferminze und aquatischen Akzenten kreiert und von einer Basis aus sauberen Hölzern unterlegt. Das gefällt mir, sehr sogar.

Habt Ihr denn schon getestet, gibt es erste Favoriten? Was interessiert Euch? Ich bin gespannt und wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Liquorice Wheels von Pikaluk, Iris Germanica von H. Zell, Pfefferminze von Aleksa Lukic, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Farmacia SS. Annunziata in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Farmacia SS. Annunziata die Dritte.
Die Düfte, die aus der Apotheke kamen.
Farmacia SS. Annunziata die Zweite.


Hugh Parsons – In der Regent Street

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft,Reines und Pudriges am 22.08.2011

Nach meinem ersten Hugh-Parsons-Artikel über “Piccadilly Circus” steht nun die Nachbarstraße “99, Regent Street” auf dem Programm. Benannt wurde sie nach dem Prince Regent, dem Prinzregenten und späteren König Georg IV. und wurde von dem Architekten John Nash von 1811-1825 erbaut. Was es nun mit der 99 auf sich hat bzw. wofür diese Hausnummer steht, konnte ich leider nicht herausfinden. Da sich aber das Ladengeschäft von Hugh Parsons in der Regent Street befand, könnte es sich um die zugehörige Adresse handeln.

Kopfnote: Mastix, Geranium, Veilchenblätter; Herznote: Jasmin, Freesie, Iris; Basisnote: Moschus, Ambra

Es darf also wieder mit einem kultivierten britischen Duft gerechnet werden. Gerechnet habe ich mit einem äußerst blumigen Duft, und das ist er auch, aber ganz anders als ich erwartet hatte. Würzig-harzige Noten von Mastix und Geranium halten die Blumen von Anfang an in Schach, sodass diese nicht untergehen, aber einen neuen Charakter erhalten – sehr interessant. Bei Regent Street darf man sich einen blumigen Kern vorstellen, der aquatische Aspekte enthält. Der Auftakt, der diesen Kern von oben abschließt kommt äußerst frisch daher, beinahe zitrisch-frisch, obwohl keine Zitrusnoten angegeben sind. Die Basis schließt diesen Kern wiederum von unten ab: der Moschus verleiht Regent Street einen trockenen und seifigen Grund.

Meiner Meinung nach kein allzu traditioneller Duft, da ihm gerade die aquatischen Noten einen frischen und modernen Charakter geben. Wirklich ein gelungener Herrenduft in einer, wie ich finde, ansprechenden Aufmachung.

Liebe Leser, gibt es für Euch eigentlich einen richtigen London-Duft oder ein Parfum, welches das alte England treffend beschreibt?

Liebe Grüße
Harmen

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Hugh Parsons – Piccadilly Circus
Überliefertes von Hugh Parsons
Manufakturen H bis Q


Die zwei Neuen von Sinfonia die Note…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Solifloral am 5.08.2011

Die Kollektion der Italiener Sinfonia di Note ist vor einigen Tagen endlich wieder bei uns im Shop gelandet, was ich durchaus erfreut zu Kenntnis genommen habe. Auch wenn für mich persönlich kein absoluter Liebling darunter vertreten war, was allerdings meinen Präferenzen geschuldet ist, war sie mir doch in sehr guter Erinnerung geblieben, die kleine, aber feine Linie.

Da war diese tolle Artischocken-Hommage, Saveur d’Artichaut, jener besondere, nur schwer in Worte zu fassende grüne Kräuterling, der kontemplative. Dann Toujours Vert, jene dahingehauchte Liebeserklärung an die Farbe grün, Fleur de Santal, ein durchaus überzeugendes Sandelhölzchen der weicheren Gangart, der trocken-pfeffrig-warme Gewürzling Poudre d’Épices, der ein wenig an Malles Noir Épices erinnert. Cœur de Noisette, das Haselnussherz, ein bezaubernder Gourmand mit jener seltenen Note der Haselnuss und seine sanfte Schwester Amande Sucrée, das gezuckerte Mandelchen mit zart-floralen Anklängen. Dann wäre da noch Bouquet de Bois, eine Ode an die Hölzlein mit transparentem, mediterran anmutendem Eau-de-Cologne-Anstrich sowie Écorce d’Orange, ein Hesperidentraum. Und zu guter Letzt noch Blanc de Cotons, ein Fest für Sauberduft-Liebhaber und diejenigen, die den (authentischen) Duft von frisch gewaschener Baumwolle in einem provenzalischen Sommergarten zu schätzen wissen.

Nun ergänzen die Linie zwei neue Kreationen – Incenso Viola und Bateau, welche ich Euch heute vorstellen werde.

Incenso Viola, der Name lässt bereits das Thema des Duftes erahnen: Ein Weihrauchveilchen kündigt sich an. Und dieses soll, so die Beschreibung des Duftes, die Erinnerung an einen Gartenspaziergang nach dem Regen wiedergeben. In der Tat verstehe ich, was der Parfumeur damit meint: Incenso Viola wird in erster Linie dominiert von einem Samtveilchen, einem tief-dunkelvioletten, von seine leuchtend-dunkelgrünen Blättern eingerahmt und beschützt. Erdig ist es, das Veilchen, und pudrig. Erinnert wie so oft an Iris. Darüber legt sich ein zarter Rauchschleier von Weihrauch und Vetiver, der sich von zitrischen Sprenklern durchwirkt sieht. Impressionen von nassem Waldboden entstehen vor meinem inneren Auge, von einem schattigen Plätzchen, dessen Halbdunkel von gelegentlich durch das Laub der Bäume brechende Sonnenstrahlen unterbrochen wird. Ein anmutiger und eindrucksvoller Duft. Aber Veilchen, die sollte man schon mögen, sonst wird man sich mit ihm vermutlich nicht anfreunden können.

Und, bevor wer das Köpflein schüttelt: Ja, es gibt durchaus Veilchenparfums, deren Duft auch für diejenigen erträglich ist, die keine ausgeprägten Veilchenfans sind – Borsaris Klassiker Violetta di Parma würde ich dazu zählen wollen genauso wie Humiecki & Graefs Geste. Incenso Viola nicht, denn dieser Duft fokussiert sehr stark auf ebendiesen charakteristischen Duft des Veilchens.

Die Ingredienzen von Incenso Viola: Kopfnote: Zitrone, Weihrauch; Herznote: Veilchenblätter, Maiglöckchen; Basisnote: Vetiver, Labdanum (Zistrose), Benzoeharz.

Bateau, der zweite Neuling der Sinfonia di Note-Kollektion ist den Erinnerungen an lange Bootsfahrten, vielmehr Schiffsreisen mit dem Vater gewidmet, deshalb auch der Name – Bateau, französisch für Boot. Den Geruch des Meeres wollte man einfachen, der Brandung, den gischtgekrönten Wellen und dem Holz. Und wählte dafür folgende Ingredienzen: Kopfnote: Grapefruit, Zedernholz, Mandarine, Bitterorange; Herznote: Davana, Neroli; Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Weihrauch.

Bei Bateau möchte ich mich eigentlich gar nicht so sehr im Aufdröseln der einzelnen Zutaten oder in der Analyse des Duftverlaufes verlieren, da sich darin meines Erachtens nach der Gesamteindruck des Duftes aufzulösen droht, welchen ich viel lieber beschreiben mag: Maritim ist Bateau, das steht ohne Zweifel. Er hält sich nicht mit seicht-aquatischen Anklängen auf, sondern offeriert sofort Gischtgestöber, krautig-maritime Noten und Wasser, viel Wasser, das von dem Duft des Sandes der nahen Küste durchdrungen ist und hin und wieder Treibholz mit sich führt auf seiner ewigen Reise.

Kennt Ihr die Sinfonia-Kollektion? Welches sind Eure Lieblinge?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Veilchenblüte von Hedwig Storch, Forest Spring von Lars Sundstrom, Harbour Morning von John Nyberg, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Sinfonia di Note-Kollektion in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Datura Blanche…
Götterdämmerung…
Auf ein Neues… das Beautyboard erneut auf Schnuppertour in Bruchsal.


Eine Passion für Gewitter…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft,Holziges am 28.07.2011

habe ich schon, seit ich ein Kind bin. Während anderen bang ums Herz wird, sich mancher fürchtet, meine Haustiere regelmäßig unter Sofas und Betten verschwinden stehe ich meist am Fenster oder auch draußen und genieße das Naturschauspiel, lausche dem Wind, dem Donner, dem prasselnden Regen und bewundere die Blitze. Einer meiner Lebensträume ist deshalb auch ganz konkret fassbar – es ist ein Besuch des Wickaninnish Inns in Tofino, Vancouver Island, Kanada, ein ausgewiesener Lieblingsplatz für Sturmliebhaber. So schreibt zum Beispiel die Börse am Sonntag:

„Im Winter, wenn das berüchtigte Aleuten-Tief Orkane mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 km/h gegen die Küsten von Vancouver Island schleudert, ist man der Urgewalt im Wickaninnish Inn ganz nah. Während das tobende Meer Wellen bis zu sieben Meter Höhe schlägt, kann man dieses Naturschauspiel in behaglicher Atmosphäre genießen, denn das Wickaninnish Inn wurde eigens für „Stormwatching“ konstruiert. Das Hotel ruht auf Zementfundamenten tief im Fels, für die extra großen Fenster wurde eine orkansichere Doppelverglasung ausgesucht, und im Restaurant wird ein 240-Grad-Rundumblick geboten. Wenn außen das Inferno tobt, wird innen beobachtet, gestaunt und – untermalt von einem Klangteppich aus krachender Brandung und klassischer Musik – vorzüglich gespeist […].“

Das Wick Inn, wie es liebevoll genannt wird, ist ein Gewitterhotel. So die Süddeutsche Zeitung in ihrem Magazin (03/1999):

„Wenn sich kein Lüftchen regt und die Sonne richtig schön scheint, können die Gäste hier schon mal sauer werden. Schließlich kommen sie wegen des schlechten Wetters: Es ist Stormwatching-Season an der Westküste von Vancouver Island. Urgewalten erleben, wo die Welt aufhört, in einem Hotel auf den Klippen, das so weit weg von allem ist, dass danach nur noch das Wasser kommt: viele tausend Kilometer weit. Irgendwo auf der anderen Seite ist Asien. Viel Patz für den Wind, um Anlauf zu nehmen.

Im Winter zog es früher niemanden in die Gegend rund um Tofino im Pacific Rim National Park – kein Wunder, denn im Jahresdurchschnitt stürzen hier drei Meter Wasser vom Himmel. Im Winterhalbjahr eher mehr als weniger. Doch dann hatte der Hotelier Charles McDiarmid die rettende Idee, das schlechte Wetter als besondere Attraktion zu verkaufen: Er rief das Programm Stormwatching ins Leben.

Seitdem läuft sein Hotel “Wickaninnish Inn”, das auf den Klippen am Rande des Chesterman Beach liegt, bei Sturm besonders gut.“

Und gilt, nebenbei bemerkt, als eines der besten Hotels Nordamerikas, gehört natürlich zu irgendwelchen Leading Hotels of the World und so weiter und so fort… Das merkt man den Preisen auch an, insofern muss ich wohl noch ein wenig träumen und sparen.

Bis dahin kann ich mir aber behelfen – und zwar mit den neuen beiden Düften von Calé Fragranze d’Autore, die ebenfalls einen regnerischen Gewittersturm zum Thema haben: Roboris und Fulgor.

Roboris, dem ich mich heute widme, wurde von unserem Liebling Mark Buxton kreiert, der sich ja bereits mit etlichen Düften unter anderem für Comme des Garçons, Linari, Biehl Parfumkunstwerke, Le Labo, Lagerfeld, Givenchy, Paco Rabanne, Van Cleef & Arpels, etc. einen Namen als eine der weltbesten Nasen machte.

Roboris, das im Lateinischen sowohl für Kraft, Stärke, Mittelpunkt als auch für Eiche, Hartholz steht, wurde aus einer Idee von Dr. Silvio Levi, dem Inhaber von Calé Fragranze d’Autore geboren: Der Impression eines stürmischen Gewitters über der Wüste in Arizona, welche wohl persönlicher Erfahrung geschuldet ist. Dann ist da auch noch die Rede von einem Schamanen und von obskuren magischen Kräutern, einem Regentanz auf einer Anhöhe…

Aber lasst Euch das besser von Monsieur Baxton selbst erzählen:

Der Duft soll demnach für den Wind stehen, der den Regen ankündigt, die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm in sich tragend über den trockenen Boden wehend und alle Gerüche der Umgebung mit sich reißend: Den trockenen Sand, die Kräuter des Medizinmanns, das Feuer, Leder, knarziges altes Holz…

Kraftstrotzend und magisch aufgeladen wirkt so auch der Duft: Ein Chamäleon, welches all jene Gegensätze umfasst – die warme Trockenheit des alten Hölzer und des Sandes, welcher so weit das Auge reicht samt einer staubigen Süße, die bereits von der Ankündigung des nahenden Regens geschwängert ist. Wässrige Akzente und windige Anklänge, ein Hauch Florales, der von Blüten irgendwo da draußen kündet. Heu, sonnengetrocknet und zum Teil auch schon angefeuchtet sowie metallisch anmutende Noten, die jene flirrende Luft imitieren, die elektrisch aufgeladen scheint. Feinsäuerlicher Rhabarber, den man im Hintergrund identifizieren kann, wenn man von ihm weiß.

Mark Buxton, jener große Zauberer, vermag es mit Roboris spielend, nicht nur das von Levi vorgegebene Szenario wie einen Dschinn in eine Flasche zu bannen, sondern auch eine, wie ich meine, universell „gültige“ Impression eines nahenden Sturms zu kreieren. Will sagen: Genau SO riecht ein aufziehendes Gewitter. Und ich hatte wirklich schon lange nach solch einem Duft gesucht.

Danke, lieber Mark, einmal mehr – für einen weiteren, wunderschönen Duft!

Viele Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: Blue Bolt von Manu Mohan, Clouds von Simona Dumitru, Forboding Sky / Right before it stormed, Lake Powell, Page, Arizona von Kristin Smith, alles via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Roboris von Calé Fragranze d’Autore in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Alles Gute für das neue Jahr 2009!
Ride the Lightning…
Auch heute…


Die Vergessenen: Sigilli Hesperia & Ea.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Hesperiden am 15.07.2011

Auf meiner nicht enden wollenden Liste der Vergessenen weilen auch die beiden letzten Düfte aus dem Hause Sigilli, Hesperia und Ea, derer ich mich heute annehmen mag.

Sigillis Hesperia ist auch eher ein Vertreter in schönster Bauhaus-Less-is-More-Manier – auch innovativ würde ich den Duft nicht wirklich nennen, was ihm aber in diesem Falle beides zum Vorteil gereicht: Hier erwartet uns ein klassischer Zitrusfrüchteduft. Namentlich angelehnt an das mythische paradiesische Land Hesperia, in dessen Garten die Töchter von Atlas und Nyx einen Orangenbaum bewachten, widmet sich der Duft ganz der quasi naturalistischen Abbildung desselben. Ein riesiger knorriger mit mächtigem Geäst und von Moos zugewuchertem Wurzelwerk, in der Sonne seine Äste gen Himmel reckend, blühend und weithin alle Nasenträger mit seinem Duft verführend. Hier ist alles drin: Die Rinde, das Moos, die dunkelgrünen und zart-bitteren Blätter, die Blüten und ein Hauch der Früchte, die da noch kommen werden. Das Orangenbaum-Pendant zu Giacobettis ganzen Feigenbäumen für L’Artisan Parfumeur (Premier Figuier) und Diptyque (Philosykos). Für Männlein wie Weiblein im Sommer ein Genuss. Die Ingredienzen: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Nelke, Lorbeer, Orangenblüte, Veilchen; Basisnote: Hölzer.

Und weiter geht es mit dem nächsten Sommerkandidaten: „Inspiriert von den heiligen Wassern Mesopotamiens“ sieht sich Ea, und soll so etwas wie „eine wunderbare Verschmelzung von reinem und kristallklarem Flusswasser, welches ins Meer mündet, und kräftigen, exotischen Blumen“ sein. Stimmt. Hätte den Duft aber nicht gerettet – ich hätte ihn anhand der Beschreibung ehrlicherweise vermutlich noch viel später getestet. Und bemerke gerade, was für ein Verlust das gewesen wäre – aber zuerst einmal zu den Ingredienzen: Kopfnote: Quitte, Nymphaea (Seerose), Osterglocke; Herznote: Aquatische Noten, Orchidee; Basisnote: Moschus, Patchouli.

Normalerweise habe ich eine ganz gute Vorstellung davon, was mich hinter Duftnoten erwartet oder auch erwarten könnte. Hier gehe ich dem Parfumeur gänzlich auf den Leim, denn auch das Versprechen einer Melange aquatischer Noten und Blüten reizt mich nicht sonderlich. Sollte es aber. Was mir mit Ea entgegenweht ist wunderschön: Minzig-mentholische Frische ausstrahlend, ein Hauch maritime Seebrise in der Nase mischt sich herb-säuerliche Quitte mit wässrigen Anklängen und einer subtil-floralen Süße, auf einer sauberen Basis ruhend. Ach was ist das nett! Liebe Freunde von Düften wie Guerlains Acqua Allegoria Herba Fresca, Heeleys Menthe Fraîche und Sel Marin – bitte mal hier vorbeischauen, das ist meine unbedingte Testempfehlung! Ein bisschen Meeresfrische, ein wenig Quittengelee von Oma, ein letzter Aufguss in der Sauna (Calé Fragranze D’Autore Tepidarium und Six Scents Series 2 Solar Donkey Power - hier rezensiert) mit einem Pfefferminzbonbon im Mund – Ea verkörpert die (nicht unbedingt Kunderasche) Leichtigkeit des Seins und macht große Freude!

In diesem Sinne – einen wunderschönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Andalusische Orangenbäume von Paul Munhoven, Happy Midori at The Beach von D. Sharon Pruitt, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Sigilli-Düfte Hesperia und Ea in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Vergessenen: Il Profumo Ginger & Cannabis.
Duftverzeichnis L – Z
Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen


Echte Kerle: Der Yuzu-Mann von Caron

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Echte Kerle,Hesperiden,Holziges am 12.07.2011

Das ist eine Yuzu-Frucht! Sie ist etwa so groß wie ein Tennisball, kann aber auch die Größe einer Grapefruit erreichen. Gegessen wird sie als Frucht eigentlich kaum. Man verwendet die Schale in Asien zum Kochen oder macht aus Yuzu Marmelade oder Essig.

In unserer Reihe “Echte Kerle” war zuletzt von Carons Yatagan die Rede, warum also nicht mit einer Neuheit aus dem gleichen Hause weitermachen. Yuzu Man soll laut Hersteller ein Duft für den modernen Mann sein, der ganz weltoffen zwischen Ost und West steht. Die Herkunft der Zutaten soll diesen Ansatz unterstreichen: Yuzu aus Japan, indische Verbena, indonesisches Basilikum und Feigen aus der Provence, australisches Sandelholz und Zedernholz aus dem Atlasgebirge.

Yuzu (1-1 aspect ratio)

Kopfnote: Yuzu, Verbena, Basilikum; Herznote: Fruchtige Noten, Feige, Pistazie; Basisnote: Gewürze, Zedernholz, Sandelholz

Auf dem Teststreifen kommt „Yuzu Man“ kräftig zitrisch daher, leicht und angenehm frisch. Ein toller Sommerduft. Ganz leichte würzige Anklänge von Basilikum und etwas deutlichere Noten von Feige sind wahrnehmbar. Die Basis geht allerdings flöten.

Auf der Haut ebenfalls ein stark zitrischer Auftakt – es folgt ein unerwarteter Schwenk in Richtung maritime Noten. Nach einer Weile kommt die Basis zum Vorschein: Holz. Ich finde fast, dass sie wie frisch gespitzer Bleistift riecht, kein Wunder, da Bleistifte aus Zedernholz gemacht werden.

Mir gefällt der Duft sehr gut, ideal für den Sommer, als Eau de Toilette nicht allzu intensiv, leicht, zitrisch und aquatisch, aber durch die Feige und die Holznoten trotzdem so geerdet, dass er nicht in Richtung Billigduschgel abgleitet. Kein hochkomplexer Duft, den braucht der Sommer auch gar nicht, außerdem sehr modern konzipiert.

Meine Herren, wer auf der Suche nach einem Duft für die Sommersaison 2011 ist, sollte hier zuschlagen.

Es grüßt
Harmen

Feige via Wikimedia Commons

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Echte Kerle: Yatagan
Echte Kerle…
Neuer Wind…


Beim Namen Pony Club…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Aquatisches,Duft,Holziges,Leder am 28.06.2011

… schwante mir ehrlich gesagt nichts Gutes, wenn auch lediglich nebulös. Man möge es mir nachsehen, vermutlich bin ich eine echte Spaßbremse, aber die Lektüre des Pressetextes hat es nicht besser gemacht:

„Pony Club Kampen – das ist Kult, Glamour, Nightlife, prickelnde Leidenschaft oder wie Gunther Sachs einst verlauten ließ: Die Perle in der Auster. Mitten im Herzen von Kampen – dem heimlichen St. Tropez des Nordens – befindet sich der älteste Club Deutschlands. Der Inhaber Oskar Schnitzer versteht es wie kein zweiter, unterschiedliche Charaktere auf unvergessliche Art und Weise zusammenzuführen. Gäste von damals und die junge Generation von heute treffen sich allabendlich – wohlgestylt – zum angeregten Smalltalk und ausgelassenem Feiern. Seit mehr als vier Jahrzehnten ist das PONY berühmt für seine legendären Parties, die meist erst mit Sonnenaufgang enden. Die überspringende gute Laune und die fröhliche Atmosphäre machen das PONY dabei so außergewöhnlich und so begehrt. Bereits am späten Nachmittag öffnet die Außenbar: Champagnerkorken knallen, Gläser werden zugeprostet und so feiert das illustre Party-Volk ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden… Die Stimmung ist immer locker und amüsant und zu vorgerückter Stunde geradezu überschäumend prickelnd.“

Gunther Sachs, der jetzt wohl nicht mehr (dort) feiert, Blubberbrause in rauen Mengen und „wohlgestylte unterschiedliche Charaktere“, allesamt Stammgäste auf Sylt und in Kampen, dem „heimlichen St. Tropez des Nordens“… Bohlen? Ammer? Eden? Ich vermute sehr stark, dass das nicht meiner Kragenweite entspricht, in welcher Hinsicht auch immer. Einfach nicht meine Welt, nein. Deshalb war mir auch ein wenig mulmig zumute, als mir die beiden neuen Signaturedüfte des Hauses Pony Club auf den Schreibtisch purzelten, die auf die reizenden Namen Pony 1961 VIP Queen und Pony 1961 VIP King hören. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt, wie ich Euch im Folgenden darlegen werde.

Beginnen wir zuerst einmal mit der Königin: „So prickelnd wie ein Glas Champagner“ soll sie sein, was mich zuerst an Carons Royal Bain erinnert, das Champagnerbad, mit dem die VIP Queen aber nichts gemein hat: Im Auftakt präsentiert sie sich zitrisch-prickelnd mittels feinperliger Hesperiden, die durch säuerliche Birnenoten akzentuiert werden. Aromatische Wacholderbeeren sorgen für fruchtige Herbheit und das Ganze beginnt mich langsam tatsächlich an einen Schampus-Cocktail zu erinnern. Zarte Blüten, allen voran grüner Jasmin und floral-aquatische Akzente, beherrschen das Herz, das von hauchfeinen Wildleder eingerahmt auf einer überraschend warmen Basis von ambrierten Hölzern und weißem Moschus schlummert.

Ich bin durchaus angetan meine Lieben, erinnert mich der Duft doch von der Ausrichtung her ein wenig an meinen Sommer-Lederliebling, auch ein Club-Duft, nämlich VIP Room, meine Piña Colada trinkende Domina oder Mata Hari auf Hawaii. Während VIP Room eindeutig in tropischen Gefilden angesiedelt ist, passt diese sommerliche Ferienvariante mit Ledertouch perfekt an einen eher weniger heißen Strand wie Sylt. Schön! Aber – bitte auf der eigenen Haut testen. Teststreifen und Haut differieren bei mir sehr – und leider kommt das weibliche Pony auf meiner Haut weniger nett raus als auf Papier, wohingegen der Arm meines Kumpels, der ebenfalls zum Testen herhalten musste, gar köstlich duftet. Das möge bitte unterstreichen, was ich ohnehin noch erwähnen wollte: Pony 1961 VIP Queen adressiert sich zwar dem Namen nach an die Damenwelt, ich halte den Duft aber für vollkommen unisex, genauso wie sein männliches Pendant.

Pony 1961 VIP King zeigt sich im Auftakt maritim und aquatisch, frisch, aber nicht nervig. Geschickt eingesetzte Pfefferkörnchen akzentuieren, während Kardamom die vorherrschende Frische grün-würzig unterstreicht. Anklänge von Rum sind auszumachen, die sachte Süße spenden und auf einer sauberen Zedernholz-Vetiver-Basis zur Ruhe kommen. Zurück bleibt ein kühler und cooler frischer Sommerduft, der mich gedanklich an einen netten Strand mit noch netteren Surfern entführt. Einzig – die angepriesene Caipirinha-Note vermag ich nicht zu entdecken, zumal Rum jetzt auch nicht unbedingt dasselbe ist wie Cachaça, darüber hinaus auch nirgends eine Limette zu entdecken ist.

In jedem Falle bin ich positiv überrascht: Auch wer kein Sylt- oder Pony-Club-Fan ist sollte sich die beiden Düftchen ruhig mal zu Gemüte führen, vor allem das weibliche Pony hat durchaus seine Reize!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blick über die Dünenlandschaft und den Königshafen bei List/Sylt (2003) von Sean O’Flaherty, Beach Chair at Westerland/Sylt von Magnus Manske, Sunset Surfer von shoemaker11, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Pony Club Kampen-Düfte in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis L – Z
Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.


Ältere Beiträge »
blogarama.com

BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Directory & Search engine Beauty Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Proudly powered by Wordpress - Impressum