Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Knize Sec und Knize Ten – zwei ungleiche Brüder

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Leder,Tabak & Rauchiges am 16.01.2012

Bereits im März 2010 schrieb Uli über diverse Lederdüfte, unter denen auch Knizes legendärer Duft “Ten” zu finden war. Dieser Duft harrt schon lange in meiner Probensammlung aus, um heute endlich einmal getestet zu werden. Aber der Duft, der heute eigentlich im Rampenlicht steht, ist “Sec“.

Zuerst möchte ich mir ein Bild von “Ten” machen, welcher nach der “+10″, dem besten Handicap im Polo-Sport benannt wurde. Ich bin sehr erstaunt, wie extrem dieser Duft von anderen wahrgenommen wird, manche sprechen von Scheuermitteln oder Aschenbecher…ich habe einen sehr viel runderen Eindruck: Kurz nach dem Aufsprühen zeigen sich die zitrischen Noten kurz aber heftig – ich würde hier fast auf eine kräftige Orange tippen, um daraufhin, wohlgesittet in den Hintergrund zu treten. Die vertretenen Hölzer sind deutlich vorhanden und dominieren den Duft im Herzen und werden von leicht floralen Noten – hier nehme ich die Rose wahr – und würzigen Noten gesäumt. Ich hätte fast geschrieben, dass ich das Leder hier gar nicht herausbekomme. Aber etwas Geduld ist gefragt. Man muss der Basis durchaus einige Zeit geben, um die Lederassoziation zu entwickeln, kein Lederkracher à la TauersLonestar Memories“, sehr viel subtiler. Ein weicher, zurückhaltender Lederduft, der vermutlich von Vanille, Ambra und Moschus seine Weichheit bezieht. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: der gesamte Duft ist sehr kultiviert, nichts Lautes oder Aufdringliches ist zu vernehmen. Mir sind ja mittlerweile so einige Herrendüfte im Zeichen des britischen Understatements untergekommen. Dieser gehört auch dazu, besitzt aber eine wärmere Seele und ein nicht ganz so aristokratisches Auftreten. Ich bin wirklich begeistert und merke ihn mir definitiv für einen Kauf vor. Übrigens unbedingt auf der Haut testen!

Nun aber endlich zu Knize “Sec”, der nach diesem Glanzlicht einen wirklich schweren Stand haben müsste. Aber auch hier bin ich sofort begeistert. Willkommen zurück in der Lavendelserie! Kräftige zitrische Noten verbinden sich mit einem wirklich krautig daherkommenden Lavendel, der mich vielleicht durch die Salbeinoten stark an Patchouli erinnert. Ich kann mir nicht helfen, es muss definitiv noch Weihrauch genannt werden und vielleicht fehlt ebenso einfach auch der Patchouli in den Noten. Im direkten Vergleich nimmt sich “Sec” als geradeaus, wild, ungestüm und trocken aus, eine klare Ansage, wo sich doch “Ten” sehr viel kultivierter zeigt. Ich mag ihn aber trotzdem und möchte ihn allen Weihrauch-Fans wärmstens ans Herz legen. “Ten” hätte ich eher in die Männerkiste gesteckt, wogegen “Sec” durchaus für diejenigen Damen geeignet ist, die auch nicht vor Comme des GarçonsWeihrauch-Serie zurückschrecken, im Gegenteil, diese sollten bei “Sec” unbedingt einmal hineinschnuppern.

Die Duftnoten: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Salbei, Lavendel; Basisnote: Hölzer, Weißer Moschus

Ich bin sehr angenehm überrascht über die beiden Knize-Düfte und werde auch hier dranbleiben. Ich denke ein weiteres Stöbern sollte sich in jedem Fall lohnen.
Was meint Ihr zu den beiden? Diskutiert Ihr auch so kontrovers wie man in vielen Foren nachlesen kann?

Duftend grüßt Euch
Harmen

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Yin & Yang – Undergreen.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Blüten,Duft am 5.01.2012

Undergreen – zwei junge Wilde mit Vision(en): Patrice Cardenoso und Jérôme Bonnet sind die Köpfe hinter dem neuen Label, „zwei Individualisten“ mit, wie man sagt „völlig gegensätzlichen Persönlichkeiten“. Wie bringt man die zusammen? Na klar, in einem gemeinsamen Projekt, einem Parfumprojekt. Neuartig gewonnene Naturextrakte sind die Basis, Chimie Naturelle® der Name für die Methode dazu. Neue Extraktionstechniken und, wie stolz geschrieben wird – zu 100% natürliche Düfte.

Das Paradies auf Erden, der Garten Eden in der Großstadt – das versprechen nicht allzu viele Firmen, Patyka oder Honoré des Prés, für die Giacobetti deren Düfte kreiert. Hier war Parfumeur Fabrice Olivieri zu Werke, der vorher bereits Shiloh X schuf sowie den wunderbaren Lady Shiloh. Nun sind es, gemäß den beiden differenten Machern, zwei Düfte geworden, Black und White. Dass ich mit Black beginne war Euch klar, oder ;) Hier der etwas kryptische Text dazu:

Auf welche Eigenschaft bist Du besonders stolz? Magnetismus

Auf welche Eigenschaft bist Du am wenigsten stolz? Ich betreibe Schwarze Magie

Dein Umweltbeitrag? Ich wurde in einem umweltfreundlichen Umfeld erschaffen

Dein Lebenswerk? Die Höhen und Tiefen vermessen

Dein Held? Don Diego de la Vega, wenn die Welt in Ordnung ist, Zorro, wenn nicht

Deine erste Liebe? Im Dunkeln

Dein Reiseziel? Das Ende der Nacht

Dein Ideal von Eleganz? Smoking, schwarz

Das Geheimnis eines perfekten Dinners? Eine Liebe, Kerzen, Mondschein

Der ultimative Luxus ist…? Nicht nachzuzählen

Wie hältst Du Dich jung? Hot Stone Massage

Ein Talent, daß Du Dir wünschst? Eine Stimme wie Frank Sinatra

Ein Ort, an den Du gehörst? In einen zornigen Vulkan

Deine Lieblingsfarbe? Weiß, mein Gegenteil

Dein Lieblingswort? Mysteriös

Ein Satz, der Dich beunruhigt? „Mir gefällt, was Du machst“

Was würdest Du gerne über Dich hören? „Er ist aufregend“

Dein Dessert? Eine L’Opéra, Kaffee-Schokoladen Patisserie

Black soll – dunkel und unwiderstehlich sein, ein Lockmittel, ein Verführer. Ein Blick auf die Ingredienzen bestätigt für mich rein inhaltlich dieses Versprechen und verlockt schon jetzt ein wenig: Kopfnote: Schwarzer Pfeffer, Zimt, Ingwer; Herznote: Süßholz (Lakritze), Kaffee, Tonkabohne; Basisnote: Weihrauch, Guajakholz, Birke, Adlerholz (Oud).

Gepfefferter Ingwer drängt sich mir entgegen, eine leise kühlende Weihrauchwolke hinter sich her wehend. Es holzt ordentlich und der der Birke genuine, an kalten Rauch und/oder Teer erinnernde Duft gewinnt kurzfristig an Präsenz, um alsbald Platz zu machen für eine samtene karamellige Süße, die von einer Kaffeecreme begleitet und von Lakritze aromatisch gewürzt wird. Alles in allem wirkt der Duft in seinem Verlauf viel ruhiger und weniger ungestüm, als ich es erwartet hätte – ein Komfort-Duft, mehr Aura als Parfum, auf eine Art skinnig. Hautnah, wie es zum Beispiel auch Giacobettis Dzing! auf eine Weise ist. Für mich deshalb eigentlich nicht Black, sondern eher Grey. Samtiges Grau, meliertes Grau, kontemplatives kraftvolles Steingrau.

Wenden wir uns nun dem Gegenpol zu, White:

Auf welche Eigenschaft bist Du besonders stolz? Ambivalenz, ich bin Feuer in Eis

Auf welche Eigenschaft bist Du am wenigsten stolz? Ich mache süchtig

Dein Umweltbeitrag? Ich bin in reine Natur gekleidet

Dein Lebenswerk? Heiß und kalt zu verschmelzen

Deine Heldin? Schneewittchen am Tag, Cruella in der Nacht

Deine erste Liebe? – zensiert –

Dein Reiseziel? „Je m’en irai dormir dans le paradis blanc“

Dein Ideal von Eleganz? Atelier Flou

Das Geheimnis eines perfekten Dinners? Strahlend weißes Porzellan

Der ultimative Luxus ist…? Allein an einem weißen Sandstrand zu liegen

Wie hältst Du Dich jung? Meditation im Morgenlicht

Ein Talent, daß Du Dir wünschst? Eine Diva geben können

Ein Ort, an den Du gehörst? Eine Party bei Vollmond

Deine Lieblingsfarbe? Schwarz, mein Gegenteil

Dein Lieblingswort? Reinheit

Ein Satz, der Dich beunruhigt? „Du bist wunderschön“

Was würdest Du gerne über Dich hören? „Sie ist atemberaubend“

Dein Dessert? Crème Chantilly, leicht wie die Luft

Nachdem, was ich im Auftakt erschnuppere, werfe ich da doch gleich mal einen Blick auf die Ingredienzen: Kopfnote: Aldehyde, Minze, Kokosnuss; Herznote: Orangenblüte, Jasmin, Ylang-Ylang; Basisnote: Iris, Amyris, Styraxharz, Tuberose – das erstaunt. Und animiert mich zu einem erneuten Test.

Ok, eine grüne Kokosnuss, vielmehr: die Ahnung davon rauscht in Sekundenschnelle anfangs an mir vorbei, gefolgt von subtil-fruchtigen Noten. Grasgrüne Minze entfaltet sich vor meiner Nase – und zeigt sich als Wegbegleiter für ein opulentes und vornehmlich cremiges Blütenherz: Jasmin, Tuberose und Orangenblüte sind es, das Trio Infernale der Weißblüher, die ein kokettes Gegengewicht zur kühlen Pfefferminze bilden, deren Erdnähe durch samtig-erdige Iriswurzel unterstrichen wird.

Es braucht eine Weile, bis ich diese Weiß-Interpretation verstehe – für mich eher Weiß-Grün, und doch empfinde ich sie als von einnehmendem Wesen und bezaubernder Attraktivität. Wieso? Weil es selten derlei Vollblut-Weißblüher gibt, noch dazu Bouquets, denen eine solche Frische innewohnt, die über eine dermaßen anziehende Kühle (nicht Kälte!) verfügen. Gefällt mir. Sogar noch besser als der Schwarz-Graue.

Kennt Ihr Sie schon, die beiden? Und wie steht Ihr zu komplett natürlichen Düften?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Yin & Yang Blue Balls von Beesnail/Michelle Morales, Beach View von John Nyberg, Jasmine cluster von Wizard/Matthew Green, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Undergreen in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Montale, Goutal, Jourquin & Zolty.

Meine Schubladen quillen über. Die letzten Monate kamen viele, viele Düfte auf den Markt, wie jedes Jahr in der Herbst/Wintersaison. Nach meinem Empfinden waren es aber dieses Jahr mehr als sonst. Und ich hinke mal wieder schwer hinterher, wie sollte es auch sonst sein. Deshalb kurz und knackig heute und auch in nächster Zeit mal wieder ein paar der (zu Unrecht) Vergessenen.

Montales Dark Purple – … ähnelt auf den ersten Riecher Montales Aoud Rose Petals. Und auch auf den zweiten lässt sich hier eine Bekanntschaft herstellen: Beide sind kühler, sehr kühler Natur. Während Aoud Rose Petals mit Rose und Oud (was sonst) auf Teakholz brilliert, findet sich hier ein Früchtestilleben – Pflaume, Blutorange und Beeren – vornehmlich in allen Rotnuancen leuchtender Früchte, von mit minzigem Geranium gestützten Rosen umrankt, auf einer leicht angewärmten Teakholzplatte.

Annick Goutal Mon Parfum Chérie par Camille – Die Ingredienzen verraten hier wenig über die Heftigkeit des Duftes (Kopfnote: Patchouli, Pflaume; Herznote: Heliotrop, Veilchen, Iris; Basisnote: Patchouli, Gewürze)… Wäre interessant, Camille Goutal, die den Duft ihrer Mutter gewidmet hat (die ihr seiner Zeit die wunderschöne Mädchenbirne Petite Chérie widmete), zu ihrem Verhältnis zu befragen sowie zu ihrem Mutterbild. Mon Parfum Chérie ist ein ziemlicher Kracher: Heftig viel Patchouli, erdig, aber staubtrocken und somit in Verbindung mit Veilchen und Iris eine pudrige Skinnote bildend, die Lippenstiftcharakter an den Tag legt. Überhaupt erinnert der Duft zusammen mit der fruchtigen Herbheit der Pflaume an eine kräftigere und chyprierte Variante von Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889. Mon Parfum Chérie ist aber die finstere Schwester, würde ich sagen. Was noch dunkler ist als das traditionelle Etablissement in Paris? Die Ledernoten, die Mon Parfum Chérie in der Basis samt einer bitteren Würzigkeit an den Tag legt. Gegen diese Reitgerten-Lady haben die unschuldigen Tanzmädchen im Moulin Rouge keine Chance.

David Jourquin ist ein neues Label – und ausnahmsweise mal ausschließlich für die Herrenwelt. Cuir Mandarine Jour pour Homme und Cuir Tabac Soir pour Homme heißen sie, die beiden Lederknaben, und sind, wie der Name schon verheißt, ein gut durchdachtes Duo für den ganzen Tag. Cuir Mandarine hätte, wie mir sofort klar wird, eigentlich Cuir Lavendel heißen sollen und wäre insofern etwas für Harmens Lavendel-Serie gewesen. Ob er ihm wohl gefallen würde, meinem Mitschreiberling? Ich glaube schon: Würziger Lavendel in der ihm üblichen eleganten Strenge, sehr klassisch ausgeprägt, aber von Mandarine fruchtig aufgelockert. Tabak begleitet aromatisch, während sich das Geschehen holzig auf glattem Leder räkelt. Ein cooler, dynamischer und eleganter Businessmann – ob der sich wohl abends auch aus dem Anzug schält? Nein. Tut er nicht. Er lässt die sportliche Mandarine weg und wirft sich würziger, aromatischer und ein bisschen erotischer, aber immer noch im Anzug (Wiederspricht sich das? Nein.) ins Nachtleben. Das Leder hier immer noch glatt, aber wärmer, facettierter, dominanter. Ein schönes Duo, wirklich – für den richtigen Mann. Für Frauen meines Erachtens nach weniger geeignet – ähnlich wie bei Knizes Ten (der in diesem Zusammenhang mein Lieblingsbeispiel ist) sind die beiden Düfte unverkennbar maskulin, ohne allerdings den Mann-Mann raushängen zu lassen.

Kommen wir zu einem weiteren netten Herrn, dem ehemaligen Männermodel Jacques Zolty, der es sich schon seit längerer Zeit auf der Karibikinsel St. Barthélemy, kurz: St. Barth, bequem gemacht und der uns von dort aus mit hübschen Düften erfreut: À bientôt heißt er, der neueste Streich – ein fröhlich zugerufenes „Bis bald!“, dessen Einladung ich gerade zu gerne folgen würde, urlaubsreif wie ich mal wieder bin.

Nach dem ersten Test würde ich gerne noch schneller in Richtung karibische Inseln entfleuchen, denn der neue Zolty ist wirklich ein Leckerchen: Fröhlich-herbe Hesperiden prickeln zitrisch vor sich hin wie eine Champagnerbowle, von aromatischen Kräutern, säuerlicher schwarzer Johannisbeere und wässrig-floralen Akzenten begleitet. In der Basis grün-grasiger Vetiver, die Kräuterchen aufgreifend, ein weiß-sauber-strahlendes Zedernholzbettchen und wärmende Ambrasonnenstrahlen. Meine Lieben, so lässt es sich leben!

In diesem Sinne – bis morgen, Euch allen einen schönen Tag!

Liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: Pears and Plums 3 von MichaelaW, Moulin Rouge von Andreas Praefcke, Shell Beach St. Barts von Nolangaskill, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Viele kleine Italiener – Visconti die Dritte.

Heute geht es wie versprochen weiter mit Visconti – und selbst nach dem heutigen Tag werden wir mit dem Thema noch nicht abgeschlossen haben. Zu viele Düfte sind es einfach, und mich überrascht die Qualität dieser großen Kollektion sehr. Für gewöhnlich stimmt mich das immer ein wenig argwöhnisch, wenn eine Kollektion, von der ich noch nichts gehört habe, so viele Düfte hat oder gar mit so vielen Düften auf den Markt kommt. Hier aber habe ich dieser Tage schon einiges gerochen, das es mir durchaus angetan hat – und damit geht es munter weiter…

Akaba ist mein erster Kandidat, und lässt mich sofort schmunzeln: Eine echtes Unikat, eine Perle, das riecht man gleich. Und so eigenwillig und einzigartig, dass der Duft dafür sogleich einen Stein in meinem Brett einheimst. Was rieche ich auf den ersten Schnupperer? Trockenes würziges Heu, süßen aromatisierten Pfeifentabak mit Vanille und Lakritze. Drum herum holzt es noch ein wenig, Oud raucht außerordentlich zivilisiert vor sich hin im Hintergrund und Patchouli haucht Erdung ein. Aber im Grunde bleibt sich der Duft seinen Verlauf über treu. Und präsentiert eine so feine Mischung, dass es für Männlein und Weiblein mit Lakritzaffinität und Tabakleidenschaft eine wahre Freude sein dürfte.

Ein exzellenter Einstieg – und weiter geht es mit Rose Sauvage: Was steigt mir da in die holde Nase? Raumgreifend, ein wenig aldehydisch und mit Mandarine versehen, enthüllt sich hier ein gar meisterlich arrangiertes Blütenbouquet. Opulenter Jasmin, erdig-samtig-pudrige Iris und eine Mischung aus Rose, Patchouli sowie Tonka und Vanille, die mich sehr an einen meiner liebsten Düfte erinnert – Juliette has a Guns Lady Vengeance. Und überhaupt erinnert mich Rose Sauvage an eine gelungene Hochzeit zweier meiner absoluten Favoriten – besagte Rachegöttin sowie Iris Poudre, die ebenfalls Übermenschliche. Florale Frische in einer eigenartigen angewärmten Form, wie in Seide und Kaschmir gehüllt. Und zu allem Überfluss noch eine winzige Spur Tuberose. Ich bin hin und weg.

Rose Suprême, die zweite Rose, zeigt sich für mich auf meiner Haut deutlich chypriert. An eine Rose im Moos muss ich denken, eine zarte, im Halbschatten – das ist das Bild, dass ich zum Duft vor Augen habe. Eine luzide Rose, mit cremig-erdigem Veilchen und samtiger Iris im Gefolge, von herb-frischer Bergamotte beschienen und von Vetiver moosig-grasig umrankt.

Fleur de Nuit weckt vielfältige Assoziationen: Die Blume der Nacht lässt mich sofort an Nachtschwärmer denken, an Baudelaires Werk Les Fleurs du Mal und seinen vielbeschworenen dandyesken Flaneur, der beobachtend durch die Straßen zieht, … hach. Und der Duft enttäuscht nicht: Trocken, warm, süß, scharf und pfeffrig brodelt einem der Auftakt entgegen, und auf eine angenehme Weise animalisch. Sehr eigen- und überaus einzigartig, wobei gleichermaßen absolut tragbar. Nelke? Muskat? Piment? Pfeffer? Gemischt? Dazu kommen noch Rose und Jasmin, jetzt juckt es mich aber und ich wage einen Blick auf die Ingredienzen: Kopfnote: Peperoni (Chili), Muskatnuss, Mandarine, Bergamotte; Herznote: Jasmin, Türkische Rose, Nelke, Anis; Basisnote: Adlerholz (Oud), Sandelholz, Benzoeharz, Vanille, Honig, Moschus, Patchouli, Vetiver, Ambra.

Chili pfeffert also mit Muskat am Anfang und stiftet diese trockene Schärfe, die alsbald ambriert harzig wirkt. Oud hüllt rauchig-holzig-harzig ein, während Vanille cremig-süß untermalt. Harzige Hölzer dominieren den Verlauf, in enger Umarmung mit dem honigverzierten Blütenduo, während der anfänglich trocken-scharfe Unterton den ganzen Duft über bestehen bleibt.

So etwas, meine Lieben, habe ich so noch nicht, vermutlich noch nie gerochen. Das hier hätte auch von Lutens sein können – und zwar vom alten, der noch mit jedem Duft einen echten Knaller produzierte. Denkt bitte an Klassiker wie Chergui – Fleur de Nuit ist meines Erachtens nach durchaus vergleichbar.

Damit möchte ich die Visconti-Serie erstmal abschließen – vorübergehend. Denn jetzt, nach ein paar Testtagen, bin ich doch so überzeugt dass ich Euch auch irgendwann mal in naher Zukunft den Rest der Kollektion vorstellen werde.

Wie sieht es aus, habt Ihr schon getestet? Eure Meinungen?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Michel Gobin (nach 1681): Junger Mann mit Pfeife, Pink Rose von Socyo/Bruno Sersocima, Chili von hejboel/Henrik Jensen, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Viele kleine Italiener – Visconti die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Orientalen,Solifloral am 22.12.2011

Weiter geht es mit Antonio Visconti, jener umfangreichen neuen Kollektion.

Rebel – ein echter Rebell riecht natürlich nach…? Patchouli. Hätte mir klar sein müssen… Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Rebellen und einem Revolutionär? Egal, zumindest sehen sie sich beide als Freiheitskämpfer, soviel lässt sich an Gemeinsamkeit sicher feststellen. Unser Rebell hier hat ein güldenes Patchouliherz und trägt ein großes Feuer in sich, dass ihn zum neuen Patchoulihelden werden lassen kann: Samtig, erdig, süß und mit einer gehörigen Portion Kakao und Puder(zucker) erobert er das Feld, mit glitzernden Mandarinen- und Ylang-Sprenklern bekränzt. Erstaunlich viel Frucht zeigt sich da im Hintergrund – genauso wie ein Röschen, das wohl für die Ideale steht. Keine schlechte Mischung, Rose und Patchouli, wir kennen es von L’Artisan Parfumeurs Voleur de Roses. Jener Duft unterscheidet sich aber sehr von dieser eher gourmandig angehauchten Variante, die viel mehr an Patchouligrößen wie Mazzolaris Patchouly oder Lutens’ Borneo 1834 erinnern will.

Alhambra verdankt seinen Namen jener maurischen Stadtburg in Granada, die seit den 80ern Weltkulturerbe ist und zu den bedeutendsten Bauwerken der islamischen Kunst zählt. Wenn wundert es da, dass der Duft ein Orientale ist? Die Priorität liegt ganz klar auf der Kombination aus warmen Harzen und kantig-charakteristischem Oud, eine wunderschöne Melange, die von Rosen und Safran veredelt wird. Ein leiser Hauch Bergamotte schimmert in der Kopfnote, Koriander stiftet zarte dunkelgrün-aromatische Anklänge und Patchouli haucht dem ganzen noch mehr erdige Wärme und süße Tiefe ein. Ein Fest für Harz- und Patchoulifreunde, keine Frage.

La Divinia Tubereuse ist der nächste Duft in der Reihe – und geschwärmt habe ich schon bei der Beschreibung in unserem Shop:

„Tuberose, die Göttliche – das würde wohl auch Grenouille so sehen, der Protagonist in Süßkinds bekanntem Roman „Das Parfum“. Tuberose, jene edelste der Blüten, deren Duft so schwierig zu gewinnen ist. Jene, die ihre Seele nicht gerne preisgibt und deshalb so kostbar ist.

Visconti hat dieser Blume, von der schon Baudelaire und Goethe schwärmten, ein olfaktorisches Denkmal gesetzt – die Blüte des Begehrens, deren Duft in dieser Ausfertigung unstillbare Begierde in uns weckt: La Divinia Tubereuse ist ein Meisterwerk und vermag es auf unnachahmliche Art und Weise, all jene Facetten abzubilden, für die man Tuberosen lieben (und auch hassen) kann. Als Inkarnation der Sinnlichkeit präsentiert sich jene Femme Fatale der Flora hier, buttrig-cremig, opulent weißfleischig und wächsern und verdreht so Nasen und Köpfe – Gegenwehr absolut zwecklos.“

Wie Ihr als geneigte Leser wohl bemerkt habt, haben es mir Blümchen in letzter Zeit sehr angetan, allen voran Tuberosen. Eine lange und sehr langsame, vorsichtige Annäherung. Jetzt aber kann ich kaum genug bekommen von dieser gefährlichen großen Blüte. Und La Divina Tubereuse ist ein ganz vorzügliches Exemplar, ein Duft, bei dem ich direkt noch schwach werden könnte, obgleich dieses Jahr schon drei hervorragende Tuberosen bei mir Einzug hielten. Im Auftakt für kurze Zeit schüchtern und grün taut unsere Diva alsbald auf und offenbart ihr eigentliches Naturell: Sinnlich und fleischig zeigt sie sich, wächsern weiß und nach allerfeinster Buttercreme duftend, von likörig-beschwipsten Noten und fruchtigen Anklängen begleitet. Ein erdiger Hauch umweht sie, latent umhüllt von versteckt karamelligen Akzenten.

Diese Tuberose, der jegliche mentholisch-metallisch-scharfen Noten fehlen und der auch jenes pilzige Moment, das in Gardeniendüften oftmals hervortritt, abgeht, muss sich nicht verstecken vor der Konkurrenz. Und erst recht nicht vor den großen Tuberosennamen – Viscontis Tuberose spielt meines Erachtens nach in der ersten Liga – und das obgleich es da draußen einige exzellente Tuberosen gibt wie ihr wisst.

Morgen geht es weiter mit Herrn Visconti – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Alhambra von Solipsist/Andrew Dunn, Tuberose von Pkgmohan, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Die wilden Zwanziger Jahre…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft am 14.12.2011

waren die große Zeit einiger französischer Parfumhäuser – neben Caron, Guerlain, Isabey und Lubin schillerte auch Jovoy, was unter anderem auch an Blanche Avroy lag, der Gründerin, und wie man munkelt eine bekannte Pariser Persönlichkeit. Wie leider bei einigen dieser Häuser verglühten deren Sterne Jahrzehnte später, so strahlend sie auch einmal am Himmel standen – um Jovoy wurde es genauso still wie einst um Lubin. Umso schöner, dass sich in beiden Fällen jemand berufen fühlte, diese klassischen Häuser wieder aufleben zu lassen. Über Thévenin, den Mann hinter Lubin, diesem altehrwürdigen Haus und Stück französischer Kulturgeschichte, habe ich schon viele Loblieder gesungen. Heute ist nun Jovoy Paris an der Reihe.

Einige werden sich fragen, wie ich JETZT auf Jovoy komme – Jovoy hatte doch bereits vor einigen Jahren eine Renaissance erlebt, die allerdings eher unter ferner liefen gehandelt wurde. 2006 kamen sie auf den Markt, Les 7 Parfums Capitaux – eine in lilablassblaue Flakons gehüllte Dufttruppe von sieben Düften, die auf die Namen klassischer Parfumfamilien hörten – Marine, Chypre, Fougère, Poudre, Boisé, Hesperidé und Oriental. Ich habe sie damals alle getestet und fand sie – schön, durchweg. Zwei davon wanderten in meinen Besitz – Boisé sowie Chypre, von denen mir vor allem letzterer gefällt: Ein klassischer Chypre, nicht mehr und nicht weniger. Das trifft so auch auf den Rest der Kollektion zu, zumindest meines Erachtens nach: Man bekommt, was auf dem Etikett zu lesen ist. Handwerklich sehr gut umgesetzt, aber nicht wahnsinnig innovativ – muss es aber auch nicht immer sein, das meine ich ganz ernsthaft. Ich in jedem Fall bin glücklich mit meinem Chypre.

Als dieser Tage bei uns die zweite Renaissance (oder der erste Relaunch seit der Renaissance) von Jovoy eintrudelte, war ich mehr als neugierig: Ganz andere Namen, komplett geänderte Flakons, Düfte, deren Beschreibungen einiges versprachen, deren Zutaten sich so lasen, als ob sie wesentlich komplexer und kantiger sein dürften als ihre Vorgänger, und nicht zuletzt Jungparfumeure, die schon anderen Stellen von sich hören gemacht hatten. Meine Neugierde wurde nicht enttäuscht – und Ihr dürft gespannt sein auf eine tolle kleine Kollektion, die ich Euch diese Woche vorstellen werde.

Beginnen möchte ich heute mit Ambre Premier und Psychédelique.

Ambre Premier, der erste Amber, vereint Fans aller möglichen Ambrafacetten: Am Anfang war… trockene Würze. Rauch. Harzigkeit, glühende, gülden schimmernde. Ernsthaft und erhaben schreitet er einem entgegen, König Ambra der 1., gehüllt in einen dunklen Mantel erdig-süßen Patchoulis, um dann im Tête-à-Tête seine weichen Seiten zu offenbaren. Gewürznelke meine ich da zu entdecken, die auf einer Vanillewolke ruht, einer pudrigen. Piment? Muskat? In jedem Fall aber entspringt aus der Mitte ein Fluss von Rosenwasser, üppig floral und perfekt harmonierend mit jener mittlerweile samtigen Ambra, von subtilem Tabakrauch eingerahmt.

Ambre Premiers Basis ist dann noch eine Spur versöhnlicher – und ich sehe in dem Duft tatsächlich den Duft eines Rendezvous, den Ablauf eines Rendezvous. Er erinnert mich an eine undefinierte Filmschönheit, eine selbstbewusste – vielleicht an die alte Sophia Loren? In jedem Fall stelle ich sie mir eher dunkelhaarig vor, was aber nicht heißt, dass dieser Amber nicht auch von hellhaarigen Damen getragen werden kann oder auch Männern – an denen stelle ich mir dieses verführerische Düftchen nämlich ebenfalls ganz hervorragend vor.

Ambre Premier ist, obgleich ein typischer Italiener, ein innovativer Amber: Jene Rosen-Ambra-Mischung ist ein noch unausgetretenes Thema, und der zwischen harter Schale und weichem Kern oszillierende Amber gefällt mir ausnehmend gut. Der Parfumeur ist im übrigen Michele Saramito, der mich schon mit Amouages wunderbarem Fougère Opus II hellauf begeisterte und darüber hinaus noch Prince Jardinier Citrus Allegro sowie Ferrès Gieffeffe und zwei Düfte für Lily Prune kreierte.

Psychédelique ist ein… Patchouli, was sonst. Gebetsmühlenartig wiederhole ich es: Jede italienische Linie, die etwas auf sich hält, hat einen – einen Patchouli. Ein solcher steht uns nächste Woche, soviel sei verraten, mit den Antonio Visconti-Düften noch ins Haus – jetzt aber wieder zurück zu Jovoy Paris und zu François Hénin, dem jetzigen Mann dahinter. Dessen große Liebe ist er, dieser Patchouli, ambriert, üppig und opulent, Woodstock lässt er natürlich auch nicht unerwähnt… Schauen wir uns das gute Stück doch einmal an, dass von Jacques Flori kreiert wurde.

Ich glaube, ich hatte es schon ausführlich erwähnt – ich bin, im Gegensatz zu meinem Chef, kein ausgesprochener Patchoulifan, um es mal diplomatisch auszudrücken. Zu viele New Wave-Clubs in meinen Jugendjahren, zu viele schwarz gewandete Teenager auf Selbstfindungstrips, die in wogenden Wolken von Patchouli ihre hormonellen Depressionen (durch)lebten (wovon ich mich, ganz ehrlich, nur teilweise ausnehmen kann und darf ;)). In jedem Fall befinden sich exakt vier eher monothematische Patchouli-Düfte in meiner Kollektion: Borneo 1834, Mazzolaris Patchouly, Mazzolaris Lui und Etros Patchouly – die ersten drei liebe ich heiß und innig, letzteren benutze ich selten zum Layern.

Psychédelique nun vereint, wie schon sein soeben besprochener Amberbruder, alles Gute jener Düfte und bringt somit die Ingredienz ganz vortrefflich zum Strahlen: Sanfte Erde, likörige Süße, Karamell, ein Hauch nassen Laubs, Samtigkeit, an Kakao, tiefdunklen, erinnernde Pudrigkeit. Das Beste aller Welten vereinigt sich hier – und ich muss sagen, dass mich Psychédelique wirklich äußerst positiv überrascht hat, New Waver und Barfuß-Hippies hin oder her. Auch, wenn es schon viele Patchouli-Düfte gibt – sich diesen hier anzusehen ist ganz bestimmt kein Fehler!

Morgen geht es weiter mit einer Kollektion, auf die ich immer neugieriger werde…

Liebe Grüße und bis dann,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Sophia Loren von Allan Warren, Flower Power Bus von Johannes Aubele, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Jovoy Paris in unserem Shop!

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Die Vergessenen…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Die Vergessenen.,Duft am 9.12.2011

… sind mal wieder an der Reihe: Genau, ich habe einmal mehr meine Schublade geöffnet und einige Proben herausgezogen, die vollkommen zu Unrecht schon länger auf eine Rezension warten. Deshalb heute: Esvedra von Laboratorio Olfattivo, Myrrhiad von Huitième Art und Atelier Colognes Vanille Insensée – wie immer im mehr oder weniger kurz und knackig ;)

Esvedra und Myrrhiad stammen, das sei schon vorab verraten, aus denselben Händen: Pierre Guillaume fertigte beide Düfte.

Für Esvedra stand die Insel Es Vedrà Pate, eine Baleareninsel in der Nähe von Ibiza, nach der ich ehrlicherweise erst googeln musste. Aber derlei südliche Gefilde sind ohnehin nicht unbedingt mein Beuteschema, selbst wenn es sich wie in diesem Falle der Sage nach um ein Überbleibsel von Atlantis handeln soll und/oder exakt dieses Eiland die Heimat der aus Homers Epen bekannten Sirenen sei. Schroffe Felsen und eine üppige Vegetation – dieser Widerspruch prägt die Insel und diente Guillaume als Inspirationsquelle für seinen Duft. Den Fotos nach zu urteilen ist es dort nicht so hübsch, wie ich mir das vorgestellt habe, insofern wird Guillaume sich mit seinem Duft vermutlich auch eher auf die Sirenen besonnen haben: Eine von weichem, sauberem, pudrigem Moschus getragene Vetiverinterpretation der besonderen Art. Leuchtend in ihrer Reinheit, von kleinen zitrischen Sprenklern begleitet und sanftem Grün durchzogen. Für mich ein bisschen zu rein – ich ziehe meinen salzigen Skandinavienstrand Sel de Vétiver von The Different Company vor.

Mit Myrrhiad wagt sich Guillaume natürlich in ganz andere Gefilde und hat sich mit dem neunten Duft seiner Huitième Art-Kollektion einer ganz besonderen Ingredienz angenommen, der Myrrhe. Wie man der Farbe bereits ansieht, erwartet einen hier ein Knaller – und der Duft enttäuscht nicht. Monsieur Guillaume ist ja für seine Gourmandkreationen sehr bekannt und hat dafür ein wirkliches Händchen, wie er mit Düften wie Felanilla seiner ersten Firma Parfumerie Générale schon bewiesen hat. Myrrhiad steht dem in nichts nach: Guillaume vermag es mit Myrrhiad auf ziemlich geniale Art und Weise, die Facetten der Myrrhe aufzugreifen und zu verstärken – und das mit einer, wie ich meine, recht überschaubaren Anzahl an Zutaten. Die warme, ambrierte Seite wird von aromatisch-würziger, cremiger Vanille unterstrichen, während die rauchigen, harzigen Elemente von schwerem (Sattel)Leder und Noten von geräuchterem Schwarztee verstärkt werden. Das Balsamische forciert Guillaume gekonnt mit Lakritze. Heraus kommt ein mächtiger, beeindruckend schöner Harzduft von großer Präsenz, beschützend, behütend, kontemplativ und, ja, auch – erotisch.

Atelier Cologne haben mit ihrer Kollektion ja schon als sie auf den Markt waren bewiesen, dass Colognes ein durchaus zeitgemäßes Duftkonzept sind (ja, ja, ich weiß – sie haben ja auch an der Konzentration geschraubt, die mit 15% weit über der eines gewöhnlichen Colognes liegt). Vanille Insensée ist nun ihr neuester Streich und einer, der mich wirklich begeistert: So eine Vanille, meine Lieben, findet sich dort draußen kein zweites Mal! Ganz anders als die anderen ist sie, diese Vanille. Ein Naturmädchen ist sie – und gleicht einem Aquarell: Wie ein Streifzug der Vanille durch die einsame Natur will mir dieses Cologne scheinen, ein ausgelassener Spaziergang durch blühende Wiesen, Purzelbäume schlagend zwischen Kräutern und Gräsern. Gesäumt von allerlei Bäumen lässt man sich irgendwann zu deren Wurzeln im sonnengewärmten Moose nieder, den leisen Wind tief einatmend und entspannend. Ein Blick auf die Duftnoten verstellt den Blick auf das Wesentliche, das hier bei Vanille Insensée im Indifferenten liegt, im Verschwommenen, aber deshalb nicht weniger konkreten. Ein Konglomerat an bezaubernden Zwischentönen, von Diffusem, das in seiner zurückhaltenden Sinnlichkeit von anmutender Schönheit ist.

Ich betone es nochmals: Vanille Insensée ist – extrem innovativ. Sehr besonders. Einzigartig. Eine vollkommen neue Interpretation des Themas und deshalb sehr gelungen. Etwas für Weiblein wie Männlein. Für Vanilleliebhaber und solche, die es eigentlich gar nicht sind – und zwar gleichermaßen. Was Vanille Insensée NICHT ist: Pappig. Klebrig-süß. Gourmandig.

Eine schöne Ausbeute für heute, würde ich sagen. Habt Ihr schon getestet? Und, Resultate?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Es Vedra von Ibiza aus von Held2805, Myrrheharz von Sjschen, Lonely Tree in French Field von Chemtec/Fred Fokkelman, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Wenn Herr Tauer von Lavendel träumt

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Grünes,Krautiges am 5.12.2011

Britannica LavenderUnd schon geht es weiter mit der Lavendelserie… übrigens habe ich gar nicht mehr so viele Düfte „auf Halde“, wenn Ihr also Vorschläge für Lavendeldüfte habt, die ich hier unbedingt einmal vorstellen sollte, dann nur heraus damit. Heute habe ich einen Duft auf dem Tisch, der, wie eine kurze Recherche zeigt, durchaus polarisiert. Die einen kommen mit den üblichen Vorurteilen von wegen Omas Schrank um die Ecke, die anderen sehen in ihm einen spannenden dunkel-grünen Duft: „Rêverie au jardin“ von Andy Tauer.

Ein Blick auf die Duftnoten lässt eine interessante Mischung erwarten:
Kopfnote: Lavendel, Galbanum, Bergamotte, Tannenbalsam, Rose; Herznote: Weihrauch, Ambrettesamen, Iris; Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Eichenmoos, Ambra, Sandelholz, Zedernholz

Unter den meisten Duftnoten kann ich mir etwas vorstellen – Galbanum gehört nicht dazu: Mein schlaues Buch verrät, dass es sich bei Galbanum um ein Gummiharz aus Steckenkraut-Arten aus dem Iran handelt, aus dem man wiederum per Wasserdampf-Destillation ein ätherisches Öl gewinnt. Dieses Öl soll grüne, waldige und balsamische Noten haben. Ich bin gespannt, ob ich es gleich entdecken kann.

Auf dem Duftstreifen ist der Lavendel sogleich präsent, aber auch eine frisch-würzige Komponente, die ich dem Tannenbalsam und auch ein wenig dem Galbanum zuschreiben möchte. In dieser Kombination ist das natürlich ein Kracher. Der ohnehin schon würzig-herbe Lavendel wird nun auch noch von einem Kiefernnadel-Tannenharz-Bergamotte-Verbund aufgerüstet, was selbst den Teststreifen zu einer äußerst intensiven Aromabombe macht.

Nach dem Aufsprühen auf die Haut bin ich überrascht, denn ich bin es mittlerweile gewohnt, dass sich die Kopfnoten eins zu eins wie auf dem Streifen wiederholen. In diesem Fall überhaupt nicht. Natürlich ist der Lavendel mit seinen Nadelholz-Kompagnons anwesend, aber der Rest vom Fest ganz deutlich auch. Die harzig-balsamischen Noten kommen klarer zum Tragen – ich denke das Galbanum kommt besser heraus und verbündet sich mit dem moschusartigen und blumigen Öl der Ambrettesamen sowie der Rose und dem Weihrauch. Was auf dem Duftstreifen intensiv krautig, harzig und frisch war, erweist sich auf der Haut im Verhältnis als insgesamt süßer mit einem blumigen Akzent, und was ich besonders ungewöhnlich finde ist, dass die Basis eigentlich kaum in Erscheinung tritt.

Ruined Wall, Coate Moor - geograph.org.uk - 1004031

Bei Traum und Garten hätte ich einen leichten, sommerlichen Blütenduft erwartet, aber das ist eine ganz falsche Fährte. Ich möchte überhaupt niemandem auf den Schlips treten, deswegen schreibe ich dies ausschließlich als meine Privatmeinung. „Rêverie au jardin“ ist eine ungewöhnliche Kreation, die den Mut hat, neue Wege zu gehen. Allein dafür schon großen Respekt. Meiner Meinung nach harmoniert die Komposition aber nicht optimal, zumindest nicht auf meiner Haut. Als Störfaktor würde ich das Tannenbalsam oder eben diese Nadelholzaspekte ausmachen, welche die Harmonie des Duftes unterlaufen. Auch nach längerer Zeit auf der Haut mag dieser Eindruck nicht schwinden und darüber hinaus geht der Lavendel leider auch unter.

Ich sehe hier keinen Garten, eher ein Waldrand, an dem einige Büsche blühen, eine verwunschene Lichtung, die nach geschlagenem Holz duftet und in ein dunkles Grün getaucht ist.

Deep-in-the-forest

Aber auch wenn der Duft meinen Geschmack nicht ganz trifft, bin ich beeindruckt von der unkonventionellen Vorgehensweise und kann allen Freunden extravaganter Düfte eine Probe dringend empfehlen. Ich denke, das ist ein Duft, der die Geister scheidet, aber wenn sich einer der Geister einmal dafür „be-geistert“ hat, ist es um ihn geschehen. Für jedes weitere Geister-Wortspiel lege ich fünf Euro ins Phrasenschwein, aber um diesem Spuk zu entgehen (Mist!), verabschiede ich mich lieber und bitte um reges Kommentieren, da ich sehr gespannt auf Eure Meinung bin.

Es grüßt aus dem dunklen Tann
Harmen

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Prudence Paris Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Gourmand am 24.11.2011

Die Düfte von Prudence Kilgours kleiner Linie Prudence Paris beschäftigen uns diese Woche – und heute sind Duft No. 5, No. 6 und No. 7 an der Reihe.

In Prudence No. 5 schillert in der Kopfnote das auf, was ich „Nachbarin“ No. 4 gestern so vehement unterstellt hatte: Melone. Fein-fruchtig, leicht mehlig und von typischer Süße präsentiert sie sich, die Holde, um alsbald den Weg frei zu machen für ein überaus ansprechendes Herz. Johannisbeere, tief dunkelviolette in herber Pracht trifft auf betörenden Jasmin und würzig-warme Tonkabohne, welche sich in der Basis gekonnt von Vanille bekräftigt sieht. Untermalt wird dieses Geschehen von sanft-rauchiger Harzwärme durch Ambra.

An was erinnert mich das? Ich musste lange überlegen, bin dann aber doch noch draufgekommen: Eine entfernte Ähnlichkeit mit Parfum Pour Toi von The Pink Room ist vorhanden, durchaus ein Qualitätsmerkmal also. Wie Parfum Pour Toi ist auch dieses Düftchen hier französisch, ein bisschen Gauloises rauchende Audrey Hepburn, kokette-frivole Kindfrau, sinnlich, unschuldig, erotisch und vor allem auch erfrischend bis in die Fußspitze äh… Basisnote. Ich mag das. Mehr davon bitte.

Prudence No. 6 zeigt sich schon nach dem ersten Schnuppern als ganz anderes Kaliber: Weihrauch, meine Damen, in Kombination mit Rose. Hier geht es zwar nicht ganz so gruftig-kühl zur Sache wie bei den wunderschönen Weihrauchdüften von Andy Tauer, aber Madame Kilgour lässt es auch ordentlich krachen. Es raucht schon von vornherein gewaltig und Opoponax und Weihrauch entwickeln im Zusammenspiel mit Bergamotte ähnlich sonderbar-eindringliche Anklänge wie sie in Etros Mitternachtsmesse, Messe de Minuit, zu finden sind: Jener geniale Balanceakt zwischen kalten Kirchenwänden und harzig-trockener Wärme. Ein riesiger Brautstrauß dunkelroter Rosen, der irgendwo in einer alten Kirche einsam auf dem Altar wartet, große Emotionen verkündend? Ja, doch, dahin tendiert jener umhüllende Duft, der einen auf sehr ähnliche Weise schützend umfängt wie es die Etrosche Messe vermag. Allerdings ist die No. 6 weicher, harziger, ja – … gefälliger und brilliert darüber hinaus noch mit ihrem Rosenbouquet, das sich schön in das kontemplative Szenario einzufügen vermag.

Die No. 7 sprühe ich auf – und fühle mich gleich erinnert: Engelein höre ich singen, es weihnachtet ja auch schon… Ein waschechter Fruitchouly bahnt sich hier seinen Weg und erinnert deshalb zwangsläufig an die große Ikone, die die Duftfamilie der Gourmands überhaupt erst erfunden hat: Angel von Thierry Mugler. Geliebt wird er genauso heißblütig wie er gehasst wird – das wird auch auf die No. 7 zutreffen, wobei Fans von Profumi del Pantellerias Jailia und Micallefs Mon Parfum getrost zugreifen dürfen. Likörig-satte und herb-fruchtige Pflaume sowie Beerennoten, für mich Brombeere, die beiden fruchtigen Geliebten schmiegen sich sündig an den übermächtigen Patchouli, der gewandet in pudrigem Kakao dunkelster Sorte und cremige Vanille die unangefochtene Hauptrolle spielt. Ein sündhafter Gourmand für erwachsene Naschkatzen.

Morgen folgt der Abschluss der Prudence-Damenkollektion – bis dahin liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hepburn & Peck in “Roman Holiday” (1953), Decke der Kathedrale von Kirckwall, Orkney/Schottland von Clemens Franz, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Olfactive Studio – die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 16.11.2011

Autoportrait ist der zweite Duft der neuen Nischenduftfirma Olfactive Studio – und er bedient sich hohen Motiven, geht es doch, einmal mehr, um das Selbst:

„A self-portrait may be the answer to this equation in one unknown: the self. Eternally superficial, beauty gives us access to the profound, hidden meaning of nature. Seeing one’s reflection is to experience inner harmony; one that ignites an aesthetic emotion that, through the gaze, is able to dissolve all inner conflicts. It is not forbidden to be fascinated, swept away, spellbound by one’s own image. Aesthetic judgment is reflective judgment. What fascinates us really? Beauty itself or that which it conceals? There is nothing here to hide for this is all about the self. I confide without holding back. There lies a promise of shared happiness.I look at myself and in that self perceive the beauty of the world. I embrace the gentle violence of meaning, one that enters me through the doors of sensitivity. Gaze into your image to have a clear mind and heart. Like an intimate and visual diary, the self-portrait reveals the truth or fiction of your own face at any given time. Repeat the process as many times as necessary. The self-portrait is, beyond all doubt, conducive to contemplation. Delve into the depths of the self by perusing the surface. Welcome the fluid metaphor for it fits into the frame. The first faithful surface, well before the mirror, it is like the ancestor of the technique of immortalizing one’s own reflection. The beautiful Narcissus is the eternal witness. Seeing his face upon the waters, he fell in love.“

Das kurze Textchen des Photographen Luc Lapôtre, der seine Karriere als ebensolcher erst während seiner Tätigkeit als Hairstylist für Modedesigner begann, birgt natürlich jede Menge Eckpunkte, die als Ausgangsposition für diverse existentielle und somit genuin philosophische Fragestellungen taugen: In mir sehe ich die Schönheit der Welt. Schönheit als Anfang der Weiterentwicklung – die findet sich auch bei Platon, nämlich in der Liebe. Und Selbstliebe sowie -annahme ist Basis jeder persönlichen Weiterentwicklung. Die berechtigte Frage nach dem Wesen von Schönheit taucht auf genauso wie die Subjekt/Objektspaltung, Wir bzw. Ich und das „Außen“, das Andere, die Anderen. „Ich bin der, der ich gewesen sein werde“ – der französische Psychoanalytiker Lacan drängt sich geradezu auf mit seinem Spiegelstadium, dem defizitären Selbst und vielem mehr.

Alles nicht so einfach meine Lieben – die Kantischen Fragen eben: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? – alle vier in „Was ist der Mensch?“ mündend. Es zieht sich eben, die Frage danach, wer man ist und was der Sinn des (eigenen) Lebens ist. Da kann auch Apple offensichtlich keine befriedigende Antwort darauf liefern – aber zumindest lustige, wie man hier in der netten kleinen Bildserie im Spiegel zum Apple-Assistenten Siri (ab Bild 8) lesen kann.

Aber zurück zum Duft: Autoportrait soll also ein Duft für einen selbst sein, etwas Kontemplatives, Ruhiges, Tiefes:

„An intimate and deep perfume, Autoportrait is a fragrance you wear for yourself, resonating with your own personal harmony. A companion, a reflection of yourself, familiar and warm, in which you rediscover your own spirit and inner serenity. The soul of woody notes laid bare. A soothing dose of nature and enveloping resin. Breathtaking in the deliberate unveiling of its many facets, the essence of Autoportrait is truly revealed in its silage… absolutely addictive!“

Zu sich selbst kommen kann man mit Autoportrait also wohl, ein Begleiter, der Geborgenheit und Vertrautheit einflößt, eine Trutzburg. Und ebenjene stammt von Nathalie Lorson, die bei Firmenich tätig ist und schon für etliche nette Düftchen verantwortlich war: Paul Smith Man, Encre Noir von Lalique, der schöne Vetiver, Another 13 für LeLabo und natürlich Bulgaris Femme, um nur einige zu nennen.

Autopotrait kreierte sie mit folgenden Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Elemiharz; Herznote: Benzoeharz, Weihrauch, Moschus; Basisnote: Eichenmoos, Vetiver, Zedernholz.

Heraus kommt ein Duft, auf den obige Attribute perfekt passen: Ein schöner, erhabener harziger Holzling – Kühl und samtig, holzig und dezent rauchig, von Watteweichheit umgeben, fluffig, aber doch bestimmt und mit jener Note versehen, die ich nicht besser benennen kann als mit „irgendwie knetig“. Selten kommt sie vor in Düften, aber immer wieder.

Insgesamt würde ich sagen, dass hier Costume Nationals Homme den Zimt zu Hause ließ, um sich mit Byredos Gypsy Water zu einem netten Stelldichein zu treffen, welches auf dem Marktplatz von La Collina Toscanas Loggia dei Mercanti stattfindet.

Könnt Ihr mir folgen? ;) Morgen folgt noch der letzte Duft in der Olfactive Studio-Reihe – bis dahin

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie Olfactive Studio in unserem Shop.

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