Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Alle guten Dinge sind drei: Costume National, der “Rest”.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Solifloral am 3.09.2010

Heute also biete ich den Rest der Costume National-Düfte in meiner Rezension feil, wobei „Rest“ dem Ganzen nicht wirklich gerecht wird, assoziiert man mit „Rest“ doch Resterampe, Ladenhüter und Co. – das trifft auf die Düfte nun mal so überhaupt gar nicht zu.

Ich werde mich mal weiter entlang der chronologischen Reihenfolge bewegen, wie ich es gestern bereits begonnen hatte. Deshalb steht als nächstes Scent Gloss an, lanciert 2004, sowie Scent Cool Gloss, 2005 erschienen. Beide sind ebenfalls Werke des leider jung verstorbenen Laurent Bruyère und eine Fortsetzung, Erweiterung des ursprünglichen Scent-Trios.

„Wenn SCENT GLOSS ein Stoff wäre“, schwärmte Ennio Capasa, der Designer von Costume National (der natürlich auch für die schönen Flakons der Parfums verantwortlich ist), „wäre er roséfarben schimmernder Seidentaft.“

Das sagt schon viel aus – denn genauso in derselben Farbigkeit wie der Flakon des Duftes schimmert auch die Rose, welche in beiden Düften die Hauptrolle spielt: Eine junge, freundliche, helle, zwischen rosa und pink oszillierende Rose mit fruchtigen Anklängen. In Scent Gloss ist jenes Rose auf einem in allererster Linie weichen, zarten und sehr sauberen Moschusbett drapiert, und gewinnt durch Orchidee an samtiger Süße. Scent Cool Gloss dahingegen, der anstatt der Orchidee mit Sternanis und einer weiteren Rose aufwartet, ist dahingegen im Vergleich kühler und spritziger: Sternanis nehme ich nur abstrahiert als solchen wahr, und zwar in einer aquatisch anmutenden Frische, die mich ein wenig an die Anisinterpretation in Borsaris Mirra e Anice Stellato erinnert. Durch die doppelte Rose (es sind normale sowie bulgarische Rosen angegeben) liegt der Fokus in der Tat mehr auf jenen hellen Rosen, die mithilfe des Anis in ihrer wässrigen Fruchtigkeit verstärkt werden und tatsächlich einen „coolen“ Eindruck machen.

Beide Düfte sehe ich ausschließlich an Frauen, und hier eher jüngeren Alters – es gibt sicherlich sportlich-dynamische Frauen, denen der Duft unabhängig vom Alter steht, meines Erachtens nach wirkt er aber am schönsten an Jüngeren.

Bei 21 dürfen aber wieder alle mitmachen, versprochen ;) Es handelt sich hierbei um den Geburtstagsduft zum 21. Firmenjubiläum, der außerdem noch genau 21 Ingredienzen enthält: Bergamotte, Orangenblüte, Safran, Milch, Cumin, Pfeffer, Kaschmirholz, Gelée Royale, Muskatellersalbei, Moos, Weihrauch, Ambra, Sandelholz, Oud, Vetiver, Labdanum, Moschus, Vanille, Tonkabohne, Patchouli und Zedernholz.

Das erinnert mich auf den ersten Blick ein wenig an Guerlains Cologne du 68, angelehnt an die Hausnummer von Guerlain auf der Champs-Élysées, das ebenfalls 68 Ingredienzen enthielt. Jenes Cologne du 68 ist ein sehr angenehmer Duft mit einem interessanten Duftverlauf, der sich auch in meinem Besitz befindet, jenerwelcher mich immer ein bißchen an die phänomenalen Resteeintöpfe meiner Mutter erinnert: Aus allem, was sich noch fand und weg mußte, zauberte meine Mutter gerne mal eine Suppe oder einen Eintopf, der meistens vorzüglich mundete, aber so in keinem Kochbuch zu finden war und für den auch kein reguläres Rezept existierte.

In Guerlains Cologne du 68 ist ungefähr alles, was gut ist und demnach riecht der Duft auch einfach nur gut, auch wenn man natürlich die Masse der verwendeten Materialien nicht unbedingt herausriecht, wie auch?

21 stellt einen vor ähnlich unerreichbare Herausforderungen: Natürlich läßt sich nicht jede Ingredienz einzeln identifizieren, vor allem nicht, da der Duft eine herausragende Dichte an den Tag legt: 21 ist ein dicht gewebtes Ganzes, das wirklich, ja, milchig riecht. Karamellige Ambramilch mit holzig-herben Honignoten auf vanilleweicher Harzsüße.

Meine Lieben – ein echter Kracher und somit bei mir glatt auf Platz zwei gelandet hinter meinem Homme, den er für mich nicht stürzen kann. Ich bin mir aber sicher, daß die meisten anderen, darunter vor allem Ambra-Liebhaber, der 21 den Vorzug geben werden. Alles in allem eine sehr nette Reihe, die man durchaus einmal testen sollte!

Liebe Grüße und bis bald,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rose von Makio Kusahara, Morning Rose von Tomislav Alajbeg, beides via Stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Costume National die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Blüten, Duft, Fruchtiges am 2.09.2010

Gestern hatte schon deren neuer Mann meinen Einstieg in die Costume National-Duftkollektio geleistet: Ropions Homme, welcher mich in Verzücken versetzte. Heute und morgen folgen die restlichen Düfte des italienischen Hauses, das sich durch seine (Mode)Designs schon seit Jahren einen exzellenten internationalen Ruf erarbeitet hat.

Für die Düfte des Hauses sind exakt zwei Herren verantwortlich: Herr Ropion, welcher meinen Mann schuf und hauptsächlich Laurent Bruyère, dem alle restlichen Düfte zuzurechnen sind. Bruyère war Parfumeur bei IFF, einem der großen Aromahersteller, und verstarb 2008 tragischerweise im viel zu jungen Alter von 43 Jahren. Ropion arbeitet ebenfalls seit 2000 bei IFF, die beiden kannten sich also, was vielleicht auch erklärt, daß sie viele Düfte zusammen gemacht haben: Muglers Alien sowie Innocent, Cacharels Amor Amor, Sentiment pour Homme für Escada und einige weitere. Zu Ropion selbst, dem Preisträger des begehrten Prix François Coty (heute: Cosmetic Valley’s International Fragrance Prize) des Jahres 2008, muß ich eigentlich nichts mehr sagen – das habe ich gestern bereits getan. Laurent Bruyère selbst hat alleine natürlich auch eine ganze Anzahl Düfte kreiert, unter anderem Paul Smiths Floral, Azzaros Azzara, Lalique Le Baiser, etc..

Um der Anzahl der Düfte Herr zu werden, beginne ich jetzt erstmal mit der sogenannten Scent-Trilogy und hier beim ersten, ganz einfach Scent benannten Duft, erschienen 2002. Scent hat folgende Ingredienzen: Jasmintee, Hibiskus, Ambra, Hölzer.

Die Kofpnoten von Scent werden beherrscht von fruchtigen Akzenten mit einem ökogummibärigen Touch, die ich ehrlicherweise nicht als Hibiskus enttarnt hätte, aber mit dem Wissen darum und jener Fruchtherbheit, die sie an den Tag legen, durchaus als solche zu identifizieren sind. Darunter legt sich auf meiner Haut ein zarter Wildlederschleier hellster Sorte, der eventuell der Ambra mitsamt ihren dezent animalischen Akzenten. Überhaupt entwickelt sich bei diesem Duft der Teststreifen fast schon kontradiktorisch zu meiner Haut: Auf jenem überwiegt eine fruchtig-florale Teenote, sehr prominent und durchdringend, für meine Nase ähnlich jenen Bio/Ökogummibärchen aus Fruchtsäften, unterstrichen von einer sanften Wärme und Hölzern. Auf meiner Haut entwickelt sich das ganze wie eine Schwester von Daim Blond aus dem Hause Lutens: Floral-Fruchtiges auf einem süßen (Wild)Lederlager. Beides schön und interessant, zeigt aber auch, daß ein Test auf der eigenen Haut vor dem Kauf angesagt ist ;)

Scent Intense erschien ebenfalls im Jahre 2002 und ist sowas wie der ältere Bruder von Scent, die Erwachsenenvariante, die düstere Seite: Wo Scent noch freundlich und dezent ledrig eher im Obstkorb wühlt mit seinen Hibiskusnoten, verstärkt das in Intense wohl beigefügte Labdanum die Ambra und dreht hier den Pegel voll auf: Harze stehen im Mittelpunkt, süß-würzige Wärme und dunkle, trockene Rauchigkeit. Sehr sehr lecker und meines Erachtens nach auch sehr schön an einem Mann.

Beide Düfte sind unisex tragbar, ich kann mir letzteren an einem Mann allerdings besser vorstellen. Ersterer benötigt schon ein junges und sehr stylisches Exemplar, da er eher metrosexuelle (nicht negativ gemeint!) Züge trägt.

Scent Sheer, 2003 lanciert, ist der dritte Duft im Bunde, ein Eau Fraîche und somit eine leichtere, transparentere Variante der beiden Vorgänger. Was die Ingredienzen angeht ist wieder alles strittig, man findet in vielerlei Quellen noch viel mehr Angaben… Im Pressematerial ist von fließender Seide die Rede sowie von der Essenz von Jasmintee… wenn ich ehrlich bin, ich rieche den nicht. Mit viel Vorstellungskraft auf dem Teststreifen, ok. Für mich aber in erster Linie eine sehr sanfte Moschusinterpretation mit einem Touch seeehr zivilisierter und über die Maßen heller freundlicher Ambra.

Soweit so gut für heute – morgen folgt der Rest der Düfte. Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Der Rest des Paradieses…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft am 20.08.2010

… beziehungsweise vom paradiesischen Herrn: Herr von Eden, der hippe deutsche Anzugschneider aus Hamburg war gestern schon Thema mit seinen Weisswange-Düften, die er vor kurzem lancierte.

Der griechischen Sagenwelt hatte er sich angenommen und ich mich gestern aus ebenjener schon seiner Euterpe, der Muse des Frohsinns, in diesem Falle einem Fougère mit zimtigem Gourmandeinschlag.

Heute geht es weiter mit den anderen beiden Düften des Trios, Éclipse und Éros.

Letzterer macht gleich den Anfang – Éros, der griechische Gott der Liebe. „Feurig, wild, verführerisch und animalisch“ soll er sein und so legt er auch los: Die Hesperidenfurien paaren sich rasant mit Ambra und Labdanum, welche dadurch furios animalische Noten gebären, welchen Weihrauch und Patchouli noch gewaltig Tiefe einhauchen. In Honig gehüllt und von narkotisierendem Jasmin umgarnt ist dieses Düftchen nichts für schüchterne Persönchen oder zurückhaltende Naturelle – eben ganz der mediterrane Lover würde ich sagen. Im Gegensatz zu dem eher schüchtern-anmutigen Knaben nebenan, dem unschuldig wirkenden römischen Analogon zu Eros, nämlich Amor (der es trotzdem faustdick hinter den Ohren hat) ist dies hier ein ganz offenkundiger Gott – er vermag sein Feuer kaum zu verstecken. Als kühles Blondchen mit einem Faible für Nordmänner waren Südländer bisher eher selten meine Kragenweite – so auch hier: schlicht nicht mein Fall, aber sicher etwas für jene, die opulente Ambra-/Harz-Blüten-Konstellationen lieben und ein bißchen Tier nicht fürchten… (Nebenbei gefragt: Welcher wirkliche Jasminliebhaber kann Tier eigentlich fürchten?)

Die Ingredienzen unserer Gottheit, der rassigen: Kopfnote: Orange, Mandarine, Tagetes, Limette, Muskatellersalbei; Herznote: Jasmin, Rose, Geranium, Honig, Ylang-Ylang, Patchouli, Rosenholz

Basisnote: Sandelholz, Ambra, Labdanum (Zistrose), Weihrauch, Zedernholz, Vanille, Cassia (süße Akazie.

Weiter im Text, denn Éclipse steht noch aus – die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Lavendel, Petitgrain, Basilikum, Zitrone, Mandarine, Galbanum; Herznote: Iris, Patchouli, Rose, Geranium, Wacholderbeeren, Heliotrop, Kümmel; Basisnote: Sandelholz, Benzoeharz, Vanille, Zedernholz, Tonkabohne, Karottensamen, Adlerholz (Oud).

Éclipse soll die Umarmung der Liebenden darstellen, sie umfangen… Das tut das Düftchen auch sofort, nämlich meine Nase, als allererstes mit jenen eigenartigen und durchaus bemerkenswerten

Gerüchen der uns wohlbekannten Karotte: Trockene holzige Süße, unterstrichen von pudrig-erdiger Iris. Lavendelstrenge vermag ich auszumachen genauso wie jene charakteristische Wacholderbeerigkeit, jene erhabene – ansonsten verbleibt alles eher subtil auf weichem Grund wabernd in einer seltsamen, aber nicht unangenehmen Mischung aus Wärme und Kühle, dunkelgrau-tintig und in Samt getaucht. Schön.

Was haltet Ihr von den Weisswange-Düften diese Woche? Habt Ihr schon etwas getestet? Favoriten? Feedback? Ich bin sehr gespannt!

Mein persönlicher Favorit war ja Euterpe, der Gourmandfougère von gestern, dicht gefolgt von dem – wie eigentlich viele Weisswange-Düfte, fällt mir gerade auf – etwas melancholischen Éclipse.

Ein schönes Wochenende Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: William-Adolphe Bougereau (1891): Cupidon – L’Amour Mouille von FriedC via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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A wie Anzug.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Fougère am 19.08.2010

Am Anfang kam er, der Anzug oder besser: die Anzüge. Nämlich bei Herrn von Eden, jenem Hamburger Label, für das Frau Weisswange neben Iris von Arnim und Uli Schneider gerade fleißig war, wie ich die letzten Tage schon erzählte.

Eigentlich ist die Geschichte des Labels ganz witzig und sie beginnt mit einem noch verhältnismäßig jungen Mittdreißiger, welcher auf den aparten Namen Bent Angelo Jensen hört. Jener Jensen arbeitete bereits als Teenager in Second-Hand-Laden und hatte schon damals die Liebe zu Anzügen entdeckt, war er doch im Gegensatz zu seinem Lacoste-tragenden Popper-Bruder ein waschechter Mod – gebügelte Hemden, Hochwasserhosen, Hosenträger, ein Dandy im Hosentaschenformat quasi. In seinen Zwanzigern eröffnete er dementsprechend ein Geschäft für – Anzuge, genau. Anzüge satt aus diversen Jahrzehnten, kostbare und rare Vintageexemplare, die er in aller Welt zusammengetragen hatte und für einen monatlichen Obulus verlieh. Genauer: Er verkaufte Abos, welche jede Woche einen neuen Leihanzug beinhalteten, frisch gereinigt und gebügelt versteht sich. Es kam, wie es kommen mußte – einige seiner Kunden konnten sich unmöglich von ihren Lieblingsstücken trennen und irgendwann verkaufte er seine Anzüge und entwirft später dann gleich selbst ganze Kollektionen, die er in Kleinserien in Tschechien fertigen läßt und unter dem Namen Herr von Eden präsentiert.

Soweit so gut, heutzutage besitzt Jensen mit seinem Label Herr von Eden, für das er selbst modelt, einige Filialen in verschiedenen Großstädten [logisch: den wichtigen in Deutschland], hat prominentes Klientel [natürlich - darunter Bela B.von den Ärzten und Jan Delay] und hat sein Portfolio, das mittlerweile auch Damenmode , Strickmode und Jeans beinhaltet, um, na klar – eigene Düfte erweitert.

Drei an der Zahl, aus den Phiolen Weisswanges geschlüpft oder besser: geduftet. Und alle drei sehr unterschiedlicher Natur. Alle Düfte sind für Träger beiderlei Geschlechts bestimmt, was sich jetzt unverhältnismäßig gestelzt anhört, jedoch lediglich Resultat meiner Vermeidungshaltung dem Wörtchen „unisex“ gegenüber geschuldet ist: Unisex hat für mich immer Weichspülcharakter, etwas Verwaschenes, ein bißchen nicht Fleisch nicht Fisch, metrosexuell, Ihr wißt schon… nein, soviel kann ich sagen, das sind die Herr von Eden-Düfte nicht, ganz im Gegenteil. Schon bei der Namensfindung hat man tiiief in die Kiste gegriffen – die griechische Mythologie wurde bemüht, warum wissen… nur die Götter (selbst).

Ein solcher ist nämlich gleich dabei, Éros, der Gott der Liebe, der begehrlichen natürlich, dann lockt die Muse Euterpe, die Ergötzende, Frohsinnige, zu Tanz und Poesie und Éclipse umarmt die Liebenden Tag und Nacht behutsam… Hach, mir wird ganz warm ums Herz.

Bei meinem Frohsinn heute habe ich natürlich zuerst zu jener Dame gegriffen, Euterpe, wenn mich schon heute keine andere Muse küßt… Deren Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Lavendel, Rosmarin, Zitronengras, Koriander, Orangenblüte, Grapefruit; Herznote: Rose, Zimt, Nelke, Ylang-Ylang, Alpenveilchen; Basisnote: Sandelholz, Benzoeharz, Patchouli, Vetiver, Zedernholz, Tonkabohne, Vanille, Adlerholz (Oud).

Im Auftakt blitzt mir etwas von meiner Haut entgegen, das mich zuerst etwas verwirrt hinterläßt, bis ich darauf komme: Es sind Gourmandnoten, die mich an jenen fluffigen Innenteil des Schokoriegels Mars erinnern, jene luftig-geschlagene Schokoladen-Fudge-Creme, welche sich auf dem Teststreifen mal wieder nicht zu erkennen gibt. Bin gespannt, ob der eine oder andere ähnliches auf und mit seiner Haut erlebt… Die Hesperiden stieben auseinander und bereiten den Weg für einen samtigen Fougère mit ausgereifter Lavendelnote, die von den Kräutern noch unterstrichen wird, darüber hinaus eine ganz und gar appetitliche süß-scharfe Zimtwärme an den Tag legt. Untermalt von einer adretten holzig-harzigen Basis mit Vanilletupfen wird aus Euterpe so etwas wie eine Art Gourmandfougère und wirklich kein schlechter – der Frohsinn stimmt, mir zaubert der Duft sogleich ein anerkennendes Lächeln ins Gesicht.

[EDIT: Welches nachhaltig erhalten bleibt, da sich die zimtige Wärme in der Basis in eine karamellisiert-rauchige warme Holzigkeit wandelt auf meiner Haut, die ich ähnlich schön aus Micallefs Gaiac sowie aus Lutens' Chergui kenne... Klingeln die Ohren?]

Aber – in der Tat wird er auf meiner Haut wärmer und somit schöner, weil außergewöhnlicher als auf dem Streifen. Das scheint wohl zur Regel zu werden bei den Düftchen der Madame Weisswange… Selbst testen ist also angesagt. Der geneigte Parfumliebhaber wird es aber eh wissen – je mehr natürliche Essenzen in einem Duft vorhanden sind, umso wichtiger ist er, der Test auf der Haut. Denn jede Haut reagiert anders, ein Duft kann sich ergo vollkommen unterschiedlich entwickeln.

Was ich davon nicht alles für Geschichten erzählen könnte – von einer, die loszog und mit ihren Freundinnen schnuppern ging… ein Duft fand Platz auf fünf Armen – und roch komplett anders auf einigen der Beteiligten. Faszinierend, wie manche Haut Blumen zum Blühen bringt oder Hölzer zum Rauchen, Gras zum sprießen oder leider gerne auch mal Grapefruit zum Müffeln ;)

Kennt Ihr das auch? Was mögen Eure Häutchen und was nicht, was schlucken sie und was forcieren sie?

Einen schönen Tag und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike, die Euch natürlich morgen noch die restlichen Düfte des Herrn von Eden rezensieren wird.

P.S.: Hier im übrigen in, nun ja, der Gala ein Interview mit Herrn Jensen. Und hier in einem Blog die Fotokampagne zu den Düften – gefällt sie Euch?

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Die Cashmere-Queen…

… Iris von Arnim hat es sich nicht nehmen lassen: Wie viele andere große und kleine Modedesigner hat auch sie jetzt ihren Signatureduft – und das dank der (Mit)Hilfe von der Hamburger Parfumeurin Kim Weisswange. Bleiben wir erstmal bei dieser Dame: Weder männlich noch französischer Herkunft betätigt sie sich trotzdem bereits seit über 20 Jahren als Parfumeurin, nachdem sie mit neunzehn eine dementsprechende Ausbildung in New York absolvierte. Mit ihrer Geschaftspartnerin Hedda Möller betreibt sie die Firma Home of Fragrance, mit welcher sie Produkte für diverse Unternehmen und Unternehmungen kreiert(e): Eine Kosmetikserie für Ipari, Düfte für den Otto-Versand, Bioduftsprays für den Ökogroßhändler Weiling – hier kommt so einiges zusammen, so steht auch Prinz Charles in der Reihe derer, die bereits einen Duft oder gar Düfte von Weisswange erhielten, Madonna, Glenn Close und George Michael hüllen sich in Weisswangesche Duftschwaden und Briatore, der alte Formel1-Casanova ließ sich von ebenjener Dame den Signatureduft für seine stilsicher Billionaire Couture getaufte Modemarke entwickeln. Frau Weisswange scheint also gut im Geschäft zu sein. Und hat in der jüngsten Vergangenheit gleich drei Klamottenlabels, im übrigen alle ebenfalls aus Hamburg, zu Signaturedüften verholfen: Herr von Eden, Uli Schneider und eben Iris von Arnim.

Iris von Arnim ist für mich so etwas wie die Diane von Fürstenberg der Wolle würde ich sagen: Durchweg (fast) immer sehr klassische Designs mit einfachen Schnitten, welche häufig mit einem kleinen raffinierten Twist brillieren und überaus feminin sind, darüber hinaus natürlich nur aus besten Materialien gearbeitet werden. So erfreut sich Frau Arnim bereis seit über dreißig Jahren eines besten Rufes in Sachen hochpreisiger Strickmode und erhielt so den ehrfurchtsvollen Spitznamen der Cashmere-Queen.

Soviel zu den beiden Damen also. Eine Kaschmirstrickerin auf olfaktorischen Abwegen – das hatten wir schon mal: Herr Fissore, ebenfalls Kaschmirhersteller im oberen Preis-, nämlich Luxussegment, hat sich ebenfalls bereits an einigen Düften versucht, und das durchaus mit Erfolg. Ich persönlich liebe vor allem seinen ersten beiden Düfte und hiervon Fissore for Men, einen seidig-weichen und sehr hautnahen zarten Gewürzling, der für mich a) ein bißchen nach nassen Steinen riecht – ein Geruch, den ich liebe und b) mit seiner kontemplativen Aura eine Ähnlichkeit zu Düften wie Costes 1, Il Profumo Touaregh, Montales Greyland sowie A quiet morning von Miller et Bertaux aufweist. Und dann sind da noch die Italiener von Acqua di Biella, die sich mit ihrer Kollektion Le vie della Lana der olfaktorischen Interpretation der Edelwollstoffe angenommen haben. Ich hatte davon bereits hier berichtet und beide Düfte schon rezensiert – Cashmere Twill und Kid Mohair, beides meines Erachtens nach sehr gelungene Kuscheldüfte, der erste mit hinreißenden Himbeernoten und zweiterer mit sehr leckerer Mango (ohnehin zwei Früchtchen, die leider nicht allzu oft in vernünftiger Variante in Düfte gelangen…).

Iris von Arnims wollenes Vergnügen scheint sich im Gegensatz zu Cashmere Twill, einem leichten Sommercashmere in seidiger Ausführung, wohl eher an der Winterkollektion orientiert zu haben, der dicken vier- oder sechsfädigen: Frisch aufgesprüht verdichten sich bereits nach einigen Augenblicken die Ingredienzen zu einer Art Aura und machen es annähernd unmöglich, jeder einzelnen Zutat auf die Spur zu kommen. Ohne die Ingredienzen vor Augen zu haben rieche ich deutlich Ambra heraus sowie einige animalischen Akzente, welche vermutlich Harzen geschuldet sind, darüber hinaus Sandelholz, welches recht gut zu vernehmen ist. Es tritt eine der geneigten Nase eventuell als „Knetnote“ bekannte Facette auf (siehe zum Beispiel in Diors Hypnotic Poison von der genialen Annick Menardo), welche ich persönlich auf ein Zusammenspiel von Vanille, Tonkabohne und/oder Heliotrop mit animalischen Anklängen sowie Blüten zurückführe, darüber hinaus zeigen sich deutlich erdige Töne, die den Patchouli erkennen und die Iris erahnen lassen, letztere auch, weil Iris von Arnims Düftchen desweiteren eine gewisse samtige Pudrigkeit an den Tag legt.

Ich rieche hier demgemäß nichts, was mich an die oben genannten, eher helleren Wolldüfte erinnert – hier handelt es sich um einen betont harzig-vanilligen Duft, für einen Orientalen oder einen Gourmand ein wenig zu zurückhaltend, zu hautnah, zu kuschelig, aber dennoch in beide Richtungen tendierend und mit einer Prise Tier ausgestattet.

Etwas irritiert hinterläßt mich allerdings die Differenz zwischen dem, was mir von meiner Haut entgegenströmt sowie dem, was sich auf dem Duftstreifen entwickelt: Hier zeigt sich der Duft deutlich floraler, leichter, seidiger – trotz allem noch weit entfernt von seinen wollenen Parfumgesellen. Parfum ist auch genau das Stichwort – Iris von Arnims Signature ist parfumiger als alle oben genannten Wolldüfte, ist inszenierter, weniger beiläufig und kuschelig, sondern noch eher für den Auftritt geschaffen, obgleich es auch ein „Einmummel“-Duft sein kann, gemäß seinem in diesem Falle definitiv mehrfädigem Kaschmirnamenspaten – in dieser Eigenschaft erinnert er mich dann in der Tat an den Costes 2.

Wie sieht es bei Euch aus? Wer kennt welchen oder wen, wer mag was? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Australian Cashmere Goats von Pontman/Paul Esson via Wiki Commons, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Blau, blau, blau…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Blüten, Duft am 10.08.2010

ist nicht nur der Himmel, sondern auch Gualtieris Duft Nummer zwei für Morgane Le Fay. Die Farbe Blau steht mir wahrscheinlich am nächsten in der ganzen Serie – als Farbe für die Ewigkeit, die Weite, für eine gewisse Harmonie – ähöm – , aber auch für Sehnsucht. Nicht umsonst war die Blume, die Friedrich von Hardenberg, besser bekannt unter seinem Pseudonym Novalis, in seinem unvollendet gebliebenen Fragment Heinrich von Ofterdingen beschreibt, blau.

Jene Blaue Blume, die Heinrich zuallererst in seinen Träumen erscheint, ist zum feststehenden Begriff und einem Leitmotiv der Romantik geworden, jener historisch als Schwellenzeit bezeichneten Epoche. Keine Epoche ist vielfältiger, heterogener, keine läßt sich schwerer eingrenzen und wenn überhaupt werden nur wenige Zeitspannen auf philosophischer, literarischer, musikalischer und künstlerischer Ebene fruchtbarer gewesen sein als jene: Der Mensch im Aufbruch, die Nachwirkungen der Aufklärung, der Enthusiasmus und die nachfolgende Enttäusch angesichts der napoleonischen Ära, die beginnende Industrialisierung – all das hat tiefgreifende gesellschaftliche Wandlungen nach sich gezogen und die Romantiker scheinen ein besonderes Gespür dafür gehabt zu haben, besondere Sensoren, scheinen vorausschauend gewesen zu sein und somit quasi die Vorhut des (post)modernen Menschen. Aber genug des Wissenschafttalks, obgleich diese Zeit und die Theorien, die Gedanken (und auch Gefühle) vieler bedeutender Menschen interessant und mitreißend sind – Ich empfehle als anspruchsvolle, aber sehr lesbare Lektüre Safranskis Werk Romantik – wenden wir uns wieder der Blauen Blume zu.

Als Symbol steht sie für das menschliche Streben nach Ganzheit und Erkenntnis, insofern für die Suche nach dem Selbst, nach Vervollkommnung und somit auch – für (die) Liebe. Die Romantiker waren ja ohnehin ein emotionales Grüppchen, auch ganz ohne daß man den heute etwas trivialer gefassten Begriff der Romantik bemühen muß – aber ich möchte mich hier an dieser Stelle nicht allzu sehr in deren komplizierter, aber faszinierender Theorie verlieren.

Eine schöne Motivik auf jeden Fall und durch und durch humanistisch geprägt. Gualtieris Fragranza Blu ist somit auch der ausgeglichenen, der harmonischen Seite gewidmet, der einfühlsamen, als Hommage an die weibliche Sensibilität und Intuition.

Würzig-warm im Auftakt offenbart er sogleich Noten von Pfeffer, die jedoch aufgrund der ihnen zur Seite gestellten Wärme nicht zornig daherkommen. Getragen von warmen Harzen schmeichelt er einem, kitzelt ein wenig die Nase – und gibt den Blick frei auf sein florales Gefolge: Ein zurückhaltender Harem aus Rose, Ylang-Ylang, Jasmin und Galbanum untermalt federleicht und dezent die süße Wärme oder warme Süße, jenes Naturell des Duftes, welches durch die Basis von Sandelholz, Benzoeharz und Moschus nochmals aufgegriffen wird. Ein Tupfer Weihrauch sowie leise (!) animalische Anklänge von dem Harz runden Morgane Le Fay Blue gelungen ab.

Entgegen eventuell gehegter Erwartungen oder auch namentlicher Assoziationen ist Blue nämlich eben kein Tribut an die See, kein aquatischer Zeitgenosse oder gar die Nischenduftvariante von Cool Water – hier ist weit und breit kein Meer zu entdecken und auch kein Tümpel, das war auch gar nicht die Intention.

Gemäß der eher meditativen, auf (zu erreichende innere) Balance angelegten Interpretation der Farbe Blau besitzt Blue einen gewollt kontemplativen Charakter. Als heller Sandelholz-Moschus-Duft mit einer zarten Würze und schüchternem Blütenkranz erinnert er mich persönlich vor allem an die Costes-Düfte sowie an 10 Corso Como. Ein ausgeglichener, weil wohltarierter, aber vor allem auch ausgleichender und ein wenig sehnsuchtsvoller Begleiter – ideal, um abzuschalten und zu sich zu kommen, ob nun beim Yoga, im Garten oder einfach nur auf dem Sofa.

Im Gegensatz zur „alten“ und ausverkauften Blue-Variante ist der Duft meines Erachtens nach sehr viel besser geworden, wobei das natürlich immer ein wenig Geschmackssache ist: Ich habe noch ein altes Pröbchen hervorgekramt und verglichen: Der alte Blue ist ungestümer, würziger, kantiger, riecht bisweilen sehr „gesund“. Wahrlich nicht schlecht, mir persönlich gefällt aber der weiche gefällige Unterton des neuen Blaus besser.

Die Ingredienzen: Kopfnote: rosa Pfeffer, Galbanum, Maiglöckchen; Herznote: weißer Jasmin, Rose, Ylang-Ylang; Basisnote: Sandelholz, Benzoe, Moschus, Weihrauch (nicht angegeben, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in homöopathischer Dosis vorhanden).

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Bud Opening von Robert Michie, Anemone von Makio Kusahara, Reflections von Winterdove, alles via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Denn alle Lust will Ewigkeit – Die Neuen von Bois 1920.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Florientalisch, Solifloral am 29.07.2010

Dieser Tage kann ich endlich alte Versprechen einlösen: Vielleicht erinnern sich einige von Euch noch an den Dreiteiler hier im Blog über die Messe Global Art of Perfumes, indem ich Euch den Mund wässrig gemacht hatte mit einigen neuen Düften, die ich dort bereits schnuppern durfte. Nun ist es endlich soweit – so gut wie alle Düfte, die ich dort bewunderte, sind veröffentlicht und ich stehe jetzt in der Bringschuld, die Rezensionen dazu zu liefern.

Diese erfülle ich natürlich allzu gerne und möchte heute mit den drei neuen Düften von Bois 1920 beginnen, La Vaniglia, Notturno Fiorentino und Kimono Rose, zusammen unter dem Namen La Voluttuose erschienen, der Name der Kollektion, einer, die vielleicht noch ausbaufähig ist? Man weiß es nicht, noch nicht. In jedem Falle aber der Damenwelt gewidmet – nicht weiter verwunderlich bei der Übersetzung von La Voluttuose – die Wollust, Wollüstige…

Kimono Rose ist mitnichten eine japanische Rose, wie einen der Name vielleicht vermuten lassen mag, nein – die Interpretation des Namens muß assoziativer, freier erfolgen: Ein klassischer japanischer Kimono ist normalerweise aus Seide, ergo einem leichten, fließenden Material… Diese Rose hier hat ebenfalls einen solchen Charakter, luftig und unbeschwert präsentiert sie sich in Gesellschaft dezent säuerlicher Früchte – die gesamte Kopfnote aus Bergamotte, Mandarine, Cassis und Litschi ist sehr gut einzeln auszumachen. Dazu gesellt sich ein zartes und absolut nicht madamiges Maiglöckchen, welches ohnehin wie man an einigen der letzten Maiglöckchendüfte sehen konnte, sehr gut mit fruchtig-herben Noten wie der Johannisbeere interagiert. Bambus stiftet wässrige Herbheit im Hintergrund, während die Basis den Duft warm-holzig abfedert.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Schwarze Johannisbeere, Litschi; Herznote: Bulgarische Rose, Türkische Rose, Maiglöckchen, Bambus; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Ambra.

Die Kombination aus Sauberkeit, Frische und Weiche, die diesem floralen Düftchen innewohnt, gepaart mit einer sanften Süße, die jedoch eine besondere Durchdringlichkeit an den Tag legt, erinnert mich ein wenig an die Rosen von Juliette has a Gun: Die dritte im Bunde könnte Kimono Rose sein, eine Kreuzung aus Lady Vengeance und Miss Charming – und dann paßt der asiatische Name schon wieder, bin ich mir doch ziemlich sicher, daß sich Herr Ricci bei der Namensgebung durch die beiden gleichnamigen koreanischen Filme beeinflussen ließ…

La Vaniglia, die Vanille, hört sich auf italienisch so wunderbar watteweich an, daß man auch hier durch den Namen auf eine völlig falsche Fährte gelenkt wird: Keine Backpulvervanille, auch nicht girliesk und erst recht nicht genuin gourmandig ist diese Vanilleinterpretation, nein. Frisch aufgesprüht überrascht eine minzige, durch ebenjene sowie Pfeffer doppelt scharfe und mit Zitrusfrüchten angereicherte Kopfnote, die bereits den Hauptprotagonisten im Hintergrund offenbart, der sich alsbald seinen Weg auf die Bühne bahnt – die Vanille. Jenewelche wird den ganzen Duftverlauf über von zwei Akzenten bereichert: Einer pfeffrig-würzigen und eher kühlen Schärfe samt Rauchschwaden, zusammengesetzt aus Minze, Pfeffer und Weihrauch und unterstrichen durch Patchouli, sowie herb-fruchtigen Noten der Hesperiden und des Ingwers, darüber hinaus meine ich auch ein Lederchen entdecken zu können…

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Minze, Pfeffer; Herznote: Weihrauch, Patchouli, Ingwer; Basisnote: Vanille.

Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich für eine Vanille. Und mit Sicherheit kein Kandidat für unsere Naschkätzchen, die Gourmandfraktion. Aber endlich mal eine Vanille, die auch für all diejenigen tragbar scheint, die eine erwachsene, eine gewagte, eine weniger süße Vanille suchen mit einer gehörigen Portion Rauch und denen Vanille Exquise von Goutal in dieser Hinsicht noch zu schüchtern war. Und, vor allem: Eine Vanille, die neben Frauen auch Männern ganz hervorragend stehen dürfte. Wenn es interessiert – ich fühle mich ein bißchen an Villoresi erinnert, vor allem an Piper Nigrum, verheiratet mit Goutals eben genannter Vanille.

Notturno Fiorentino, die florentinische Nacht, ist eine Verführerin, wie schon die Beschreibung verrät: „Surrounded by a mysterious mystique and aura, and every man who smell it will never forget the woman who wore it…“ – Umgeben von einer mysteriösen und mythischen Aura, die es jedem Mann verunmöglicht, jene Frau zu vergessen, die diesen Duft getragen hatte… Tja meine Damen, so hoch möchte ich nicht stapeln, aber Notturno weiß sehr wohl in seinen Bann zu ziehen meine ich: Würzige Schärfe in der Kopfnote läßt einen die Hesperiden übersehen und gleichsam sofort in das Herz vorstoßen, jenes florale, mit seinen beiden Betörerinnen Jasmin und Rose, umgarnt von säuerlicher Cassis. Ein zarter Rauchschleier legt sich über das Geschehen und bringt satten Honig auf stattlichen Hölzern mit sich, quasi Zimthonigholz, das den Duft in seine weiche und warme Basis geleitet.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, schwarzer Pfeffer; Herznote: Jasmin, Rose, schwarze Johannisbeere; Basisnote: Tonkabohne, Vanille, weißer Moschus, Zedernholz.

Ein sehr ansprechender Neustart einer Kollektion Herr Galardi würde ich sagen – ich bin angetan, sehr. Und, wie schon bei Nietzsche zu lesen: „Denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“ – so kann man natürlich auch von der Wollust nicht genug bekommen, deshalb bitte: MEHR!

Unersättliche Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Japanese Woman von Andres Ojedo, Covers von Carl Acreman, beide via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Jenseits von Afrika

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Holziges am 23.07.2010

Auf unserer zweiten Duftreise entführt uns Herr Duchaufour auf den schwarzen Kontinent, genauer: nach Mali. Der westafrikanische Staat blickt einer düsteren Zukunft entgegen. Ohnehin bereits eines der ärmsten Länder der Welt, breitet sich die Sahara, die bereits zwei Drittel der Landesfläche ausmacht, von Norden her immer weiter gen Süden aus. In den nördlichen Regionen Malis ist daher die Selbstversorgung der Einwohner durch Tierhaltung und Pflanzenbau nur unter äußerst schweren Bedingungen möglich. Im Süden ist die Situation noch etwas entspannter. Es kommt häufiger zu Niederschlägen, was die landwirtschaftliche Lage erleichtert, aber dennoch nicht einfach macht.

In Hinblick auf die heutige Situation des Landes ist es kaum vorstellbar, dass Mali vor einigen Jahrhunderten einmal ein mächtiges und reiches Handelszentrum war, ja, gar eines der wichtigsten Afrikas. Das Reich Mali bezog seinen Reichtum hauptsächlich aus dem Gold- und Salzhandel und den damit verbundenen Transportsteuern. Handelsstädte, wie Timbuktu, strotzten nur so vor wirtschaftlichem Reichtum und kultureller Blüte. Weit über die Landesgrenzen hinweg waren sie berühmt und von einer legendären Mystik umgeben, die sich bis in die heutige Zeit hält. Vom Prunk und der Pracht vergangener Zeiten ist im heutigen Timbuktu kaum mehr etwas zu entdecken. Armut, Arbeitslosigkeit und Bürgerkriege haben ihre Spuren hinterlassen. Die Nachwirkungen lassen so manchen der meist amerikanischen Touristen, die der Stadt mit dem klangvollen Namen einer reichen Vergangenheit einen Besuch abstatten, enttäuscht nach Hause zurückkehren.

Nicht amerikanisch, aber trotzdem Tourist war Herr Duchaufour als er das Land am Niger vor einigen Jahren besuchte. Wie ihm die Stadt rein optisch gefallen hat, darüber haben wir leider keine Auskünfte, aber zumindest muss Timbuktu ein olfaktorisches Erlebnis gewesen sein; inspirierte die Stadt den L’Artisanschen Chefparfumeur doch zu einer gleichnamigen Duftkreation, die schließlich als Teil der bereits mehrfach erwähnten Travel-Series vom französischen Parfumhaus lanciert wurde. Hauptinspirationsquelle war hier wohl das sogenannte Wusulan, eine traditionell-westafrikanische Mischung aus Gewürzen, Hölzern, Wurzeln und Harzen, die zur Heimbeduftung sowie als Parfumersatz dient. Die geheimen Rezepte variieren von Familie zu Familie und werden stets von Mutter zu Tochter weitergegeben. Das Wusulan soll nicht nur für gute Raumluft sorgen, sondern nebenbei auch aphrodisisch wirken und so das Glück und die Liebe in der Familie halten.

Die Duftnoten: Mango, Rosa Pfeffer, Kardamom, Weihrauch, Karo Karounde, Papyrus, Patchouli, Benzoeharz, Myrrhe.

Frisch aufgesprüht dominieren zuerst fruchtig-säuerliche Noten, die ich der Mango zuschreiben würde. Alsbald gesellen sich trocken-scharfer Pfeffer und würziger Kardamom hinzu. Letzterem fehlt hier allerdings die aromatisch-frische Note, weshalb ich in diesem Fall nicht auf grünen Kardamom tippen möchte, sondern mehr auf die würzige schwarze Sorte. Im Hintergrund vernehme ich zart-grünliche Nuancen, die ich auch auf die Mango zurückführen würde. Weihrauch tritt deutlich hervor, umspielt von süßlich-floraler Karo Karounde, die dem balsamisch-würzigen Räucherwerk einen Hauch Exotik verleiht. Papyrus setzt zudem trocken-holzige Akzente. In der Basis sorgen Patchouli und Myrrhe für eine wohlige Wärme, in der ich leicht-zitrische Noten wahrnehme, während Benzoeharz subtil-zartbitterschokoladige Momente erzeugt.

Um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen überrascht ob der doch tatsächlich vorhandenen Leichtigkeit des Duftes. Für einen Weihrauchduft erscheint er mir recht transparent, da hätte ich anhand der Duftnoten und der Wusulan-Assoziation etwas Durchschlagenderes (nicht unbedingt gewünscht, aber doch) erwartet. Überraschend also in Hinblick auf die Intensität. Die Damen und Herren von L’Artisan Parfumeur selbst stufen den Duft als „wild, yet sophisticated“ ein. Ich würde statt wild vielleicht eher ungewöhnlich sagen, aber bei sophisticated stimme ich zu. Elegant, komplex, raffiniert. Timbuktu ist gänzlich entspannt und in sich ruhend; kein Duft, der mit der Tür ins Haus fällt, vielmehr entwickelt er sich langsam und gemächlich (sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut) ohne aufdringlich zu wirken. Und bleibt seinem Träger auch sehr lange erhalten. Selbst nach dem Duschen duftete mein Arm noch deutlich danach.

Ein sehr schön gemachter Weihrauchduft, aber in meinem persönlichen Travel-Series-Ranking muss ich Timbuktu dennoch leider, leider auf den zweiten Platz verweisen; hinter Fleur de Liane, meinen neuen tropisch-grünen Dschungelfreund. :-)

Ein schönes Wochenende wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Caravan approaching Timbuktu in 1853 aus Travels and Discoveries in Northern and Central Africa von Prof. Dr. Heinrich Barth und Incense von Birdy – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Edelmetall.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Fruchtiges, Holziges, Orientalen am 17.06.2010

Den Edelmetallen sind die beiden neuen Düfte von Profumi del Forte gewidmet, genauer: Gold und Platin, Namenspaten und Inspirationsquellen für die zwei Ergänzungen, die Fortsetzung(en) der Versilia-Linie.

Gewohnheitsmäßig hat der Chefparfumeur wieder Einblicke in sein Tagebuch gegeben, welches den wahren Poeten in ihm zutage fördert – das Pressematerial ist wie immer wortgewaltig ausgefallen:

„Gold und Platin: Tag und Nacht. Männliches Ego und weibliche Essenz. Das Offensichtliche und das Geheime. Glänzendes Gold von edler Reinheit. Archaisches Platin, geheimnisvolle Alchemie. “

Und weiter:

„Aurum und Platinum sind in Duft gefasste Freude, brillante Parfums, duftende Goldbarren der Eleganz von Versilia, in einer limitierten Auflage. “

Soviel zum allgemeinen „Rezept“. Nun aber zu den beiden Düften.

Versilia Aurum liest sich wie ein sommerlicher fruchtig-floraler Charmeur mit seinen Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Pflaume, Erdbeere; Herznote: Herznote: Rose, Jasmin,Tuberose, Maiglöckchen, Ylang-Ylang, Iris, Sonnenblume, Orchidee; Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Perubalsam, Tolubalsam, Sandelholz, weißer Moschus, Ambra.

Des Parfumeurs Intention war diejenige eines Alchimisten – der Versuch, den Geist des Goldes einzufangen und olfaktorisch wiederzugeben:

„Ich habe eine lange Zeit ausprobiert: Ich erforschte, roch, kreierte und sortierte Dutzende von Duftmischungen auf meiner Suche nach dem Parfum aus, das den Geist dieses allerwertvollsten Metalls, des Goldes, wiedergeben würde. Ein Duft, der kostbar ist, aber nicht anmaßend oder überheblich wirkt. Am Ende habe ich, glaube ich, den richtigen Weg gefunden – mit einem Mix aus süß und warm, einer zarten Balance zwischen Früchten und Blumen, Hölzern, Harzen, Meeresbrisen und aphrodisierenden Erinnerungen. Mein Aurum ist ein Juwel, der mit Stil an den süßesten Sommerabenden getragen werden soll.”

Aurum ist meines Erachtens nach ein perfekt weiblicher Duft, dem ein sehr sinnliches Moment innewohnt. Im Auftakt dominieren Fruchtnoten, vor allem saftige Orange macht sich bemerkbar, erscheint aber bereits ambriert sich auf einem harzig-warmen Lager präsentierend. Begleitet von Pflaume – eher mehr – und Erdbeere – eher weniger – gesellen sich alsbald die Blumen zu dem fruchtigen Stilleben: Erwachsene Iris, pudrig und mit dezenten erdverbundenen Anklängen sowie cremige Weißblütler, allen voran Orchidee. Die Harze zeigen eine allumfassende Präsenz, sie hüllen den Duft sowie auch den Träger wohlig-warm ein und offerieren Noten von Vanille und einer Ahnung von Mandel.

Ein sinnlicher Wohlfühlduft und sehr „comfy“, vor allem die omnipräsente Basis ist weich, warm und fluffy, überzeugt durch ihre orientalische Süße, die aber nie too much ist und durchaus erwachsen zu wirken versteht. Will sagen: Hier erwartet einen keine girlieske florale Süßigkeit mit quietschigen Fruchtnoten, ganz im Gegenteil.

Mir persönlich beschert Aurum in der Tat solches Wohlgefühl, daß ich mir durchaus überlege, ihm einen Platz in meiner Sammlung einzuräumen – selten für einen solchen Duft, weil eigentlich absolut nicht mein Beuteschema.

Ganz meinem Beuteschema entsprechend und somit heißer Kandidat für einen neuen Frühlings-/Sommerduft ist für mich Platinum. Versilia Platinum ist, der Name sagt es schon, einem anderen Edelmetall gewidmet, dem Platin. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, Rosa Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Rhabarber, Myrrhe; Herznote: Geranium, Freesie, Magnolie, Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Vanille, Strohblume, Eichenmoos, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Patchouli.

Was hat uns hierzu das Tagebuch zu sagen?

„An dem Tag, als ich die Gipfel der Apuanischen Alpen erreichte, versunken in die Betrachtung des Meeres, war ich gefangen zwischen ganz unterschiedlichen Welten, die ich mit einem Blick umfassen konnte: die brennende Sonne auf den Stränden und die glasklare Spiegelung der Marmorberge hinter mir, das intensive Blau des tyrrhenischen Meeres und das starke Grün der Kastanienwälder, die fließende Schönheit des Strandes im Sommer und die ewige Schlichtheit dieses glühend heißen Teils von Versilia. Ich stellte mir den Charme eines Parfums vor, das die Landschaft mit ihren weit auseinander liegenden Stimmungen, geschmeidig und mysteriös, bekannt und doch anders als jedes andere Parfum umfasst. Ein einzigartiger Duft, wie das kostbarste der Metalle, das Platin.’’

Und weiter:

„Einzigartig und kostbar.Das Feuer der ewigen Gegensätze: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Tag und Nacht, Gold und Silber. Der Duft beginnt frisch und würzig mit Zitrusnoten, wird reichhaltig mit blumigen Aromen – Geranium, Freesie, Rose, Maiglöckchen…..und schlussendlich warm und intensiv. Er erinnert an die hölzernen Töne von Zedern, die trockene Note des Vetiver und die exotische Note von Weihrauch und Patchouli. Ein starkes und doch rätselhaftes Parfum.“

Ganz ehrlich? Anfänglich war dieser Duft für mich nur der Noten wegen halbwegs interessant, halbwegs. Und ich war ehrlich überrascht von dem wundervollen Resultat, sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut.

Ambivalenz und Unikatcharakter, diese Worthülsen, um die man wohl nicht drumherum kommt in einem anständigen Text und derer ich mich auch ab und an bediene, wie ich zugeben muß. Hier sieht man aber meines Erachtens nach einmal mehr, wie nichtssagend letzteres Textchen ist. Ein frisch-würziger Auftakt mit zitrischen Noten, ergänzt von einem floralen Herzen und ein paar Harzen und Hölzern in der Basis. Ein Irgendjemand oder besser: ein Jedermann.

Das ist Platinum aber absolut nicht. Es erwartet einen hier ein sehr eigenständiger Charakter mit einer sehr großen Anziehungs- und Strahlkraft. Die Kopfnoten sind in erster Linie geprägt durch zwei sehr dominante Früchtchen: Ausgeprägte herbe Rhabarberfrische und säuerlich-prickelnde Grapefruit, gepfeffert serviert und dezent von Myrrhe untermalt. Meine Nase nimmt bereits den aus der Basis nach vorne drängenden ungestümen Vetiver war und bis weit ins Herz erinnert mich der Duft an dieser Stelle an eine komplexere Variante meines geliebten Sel de Vetiver von The Different Company, nur eben angereichert mit einer kräftigen Portion Rhabarber, sehr authentischem und somit seltenem im übrigen. Verhalten kommen alsbald besagte Blüten ins Spiel, von denen ich allerdings lediglich das gleißende Geranium herausrieche sowie später die eigentümliche Würze der italienischen Strohblume, auch Immortelle genannt. Anfangs eher kühl, frisch und herb-fruchtig gewinnt der Duft mit seinem Verlauf an Ruhe und Wärme. Letztere entsteht vornehmlich durch die Hölzer in der Basis in Begleitung von Weihrauch und Patchouli, was dafür verantwortlich ist, daß diese Form der Wärme eine eher kühle Variante ist. Ein Oxymoron, eigentlich, ich weiß – aber vielleicht versteht ja trotzdem wer, wie ich das meine ;)

Für mich waren die beiden Düfte der Kollektion eine echte Überraschung muß ich gestehen. Bisher haben mir alle Düfte gefallen, gelungen beherrschte Handwerkskunst, allerdings nichts dabei, daß ich unbedingt hätte haben müssen. Für mich ganz persönlich zu viele Hesperiden, da habe ich schon meine wenigen Lieblinge, mal ein schöner Ambraduft, damit bin ich auch schon versorgt, schöne feminine Düfte – die kommen für mich oft nicht in Frage… Zugegeben, by Night Black wäre vielleicht noch etwas, ja… Diese neuen beiden Düfte aber lassen mich regelrecht ins Schwärmen kommen – ich finde sie nämlich ziemlich herausstechend und vor allen Dingen auch wirklich sehr aussagekräftig.

Ich bin sehr gespannt was Ihr von den beiden Schätzen haltet – laßt es mich wissen bitte!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Borsari Arte Teil 3 – zu guter Letzt…

… noch die drei letzten Düfte der Borsari Arte Kollektion, wie versprochen. Und, natürlich – mein persönlicher Liebling, aufbewahrt bis zum Schluß.

Aber fangen wir doch zuerst mit Mirra e Anice Stellato an. Hier hat die nette Parfumeurin von Borsari, die wir auch auf der Messe kennenlernen durften, doch ein kleines Wunder geschaffen: Einen Anis, der mir nicht zu penetrant ist. Ich mag Anis, ehrlich. Aber – ein Duft mit Anis, vielleicht gar: Anis als Hauptdarsteller, ist mir oft unerträglich, so zum Beispiel Etros Anice. Ich besaß ihn einmal und, ja, ein schön gemachter Duft, sicherlich. Ich persönlich fühlte mich immer, als hätte ich in Ouzo gebadet, dem Lieblingsschnappes der Griechen. Ganz abgesehen davon, daß das Polizeikontrollen beim Autofahren sicher wenig zuträglich gewesen wäre… war Anice einfach nicht für mich gemacht.

Mirra e Anice Stellato ist anders. Bereits am Anfang offenbart der Duft sein eigentliches Naturell: Klar und lupenrein zeigt er sich, dynamisch und frisch. Zitrische Bergamotte, weich umgesetzt, in Verbindung mit luftigem Anis von sanfter Würze. Holzig-florale Noten untermalen die leichte Süße von Myrrhe und Anis, welche in ihrer Interpretation annähernd maritim (nicht aquatisch!) auf meine Nase wirken.

Ein sehr ansprechender Duft – einerseits unkompliziert, andererseits aber doch auch besonders genug, um sich von der Masse abzuheben. Kein Mainstream, aber sehr gefällig für die Nische – und ich meine das jetzt positiv. Ich kann mir gut vorstellen, daß ihn deshalb viele Männer mögen. Hinzu kommt die ihm eigene sportliche und doch würzige Frische. Mirra e Anice Stellato ist kein typischer Frauenduft (er ist neben Assenzio auch der einzige als Männerduft deklarierte in der Linie), kann aber ohne Probleme auch von Frauen getragen werden.

Der zweite im Bunde ist Black Calla, von mir bereits in meinem Messebericht als mein Liebling deklariert nach kurzem Test. Jetzt, nach ausführlichem Test, muß ich revidieren – er rutscht auf Platz drei. Das macht aber gar nichts, liegt es einzig und allein an meiner subjektiven Präferenz und daran, daß ich persönlich momentan der Orientalen auf meiner Haut ein wenig überdrüssig bin.

Ändert absolut nichts daran, daß Black Calla ein gelungener Vertreter derselben Gattung ist. Hinter der schwarzen Calla, die wohl bis dato olfaktorisch noch nicht erschlossen war, wie der Vertreter behauptete, versteckt sich ein (Fl)Orientale mit einer starken Patchoulidominanz, der anfänglich mit ein paar Hesperiden aufwartet, die jedoch fast zeitgleich bereits von aromatisch-warmen Noten begleitet werden. Würze und Wärme prägen denn auch den Duftverlauf, der sich weite Teile vor allem um den herrlich süßen, mal mehr likörig und mal mehr pudrigen Patchouli sowie das Blütenbouquet dreht. Die Basis intensiviert den Eindruck des Patchouli, indem sie dessen Interpretation unterstreicht und verstärkt.

Ein hübscher, wenn auch nicht vollkommen ausgefallener Duft – muß ja aber auch nicht. Für Orientalenfans auf jeden Fall einen Versuch wert – und nicht nur für die.

Ziemlich ausgefallen weil meines Erachtens nach noch nie so dagewesen ist für mich aber Assenzio. In einem Satz – Birne, Pflaume, Weihrauch. In genau dieser Reihenfolge. Ich liebe Birne, ich liebe Pflaume und ich liebe Weihrauch. Von den ersten beiden gibt es viel zu wenige (gute) Düfte, vor allem von und mit Birne. Und Weihrauch mit ins Spiel zu bringen ist ein genialer Schachzug – Weihrauch harmoniert nämlich hervorragend mit Früchten, wie unlängst wieder mit Wazamba von Parfum d’Empire bewiesen wurde. Sicher, da sind natürlich noch ein paar mehr Noten, vor allem zimtige Ambra, die das ganze vortrefflich erdet, Zedernholz oder ein wenig herber Absinth aber… vornehmlich darf man sich bitte auf den „Dreisatz”, den besagten einstellen. Und der kann nicht nur was, sondern auch erstaunlich lange – die Haltbarkeit ist exzellent.

Für mich definitiv fbw – full bottle worthy.

Die Ingredienzen:
Mirra e Anice Stellato: Kopfnote: Bergamotte, Sternanis; Herznote: Lotosblüte, Myrrhe
Basisnote: Moschus, Vetiver, Zedernholz.
Black Calla: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Pfeffer; Herznote: Patchouli, Lavendel, Jasmin, Calla
Basisnote: Moschus, Vanille, Hölzer.
Assenzio: Kopfnote: Pflaume, Birne, Weihrauch; Herznote: Birne, Zedernholz, Absinth
Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Eichenmoos.

Alles in allem eine, wenn in Gänze betrachtet, durchgängig gelungene Kollektion. Bin gespannt auf Eure Meinungen!

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Spice Rack 1 von Meghan Anderson-Colangelo via stockxchng, Fruits Market 1 von Gerhard Taatgen jr. via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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