Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Südländisches Temperament – Azzaro pour homme

Geschrieben in Duft,Krautiges am 6.02.2012

Gerade wegen der eisigen Temperaturen kommt ein südländischer Lavendelduft äußerst gelegen. Noch im Dezember schickten mir die freundlichen Damen von Clarins „Azzaro pour homme“ zu, ein Duft, der mir mehrfach für die Lavendelserie empfohlen wurde und der ohne Frage, und auch nach Herrn Turins Meinung, zu den populärsten und besten Herrendüften gehört.

1978 lanciert, war er aus der Zusammenarbeit des Modeschöpfers und Namensgebers Loris Azzaro (*1933-†2003) mit dem deutschen Unternehmer und Kosmetikexperten Richard Wirtz entstanden. Kreativität, Glamour, die Welt der Mode mit ihren Stars trafen auf soliden Geschäftssinn und freien Unternehmergeist – eine Kombination, die geradezu erfolgreich sein musste.

Angekündigt wird Azzaro pour homme als Fougère – die Duftnoten Zitronatzitrone, Sternanis, Rose, Jasmin, Patchouli, Zedernholz, Vanille oder Tonkabohne finde ich angegeben. Im Grunde handelt es sich bei einem Fougère um einen Duftakkord aus Lavendel, Eichenmoos und Cumarin. An anderer Stelle finde ich ein wenig ausführlichere Duftnoten: Kopfnote: Anis, Basilikum, Bergamotte, Iris, Kümmel, Lavendel, Muskatellersalbei, Zitrone; Herznote: Kardamom, Patchouli, Sandelholz, Vetiver, Wacholderbeere, Zedernholz; Basisnote: Amber, Eichenmoos, Leder, Moschus, Tonkabohne. Nun, ein eigener Test wird hoffentlich Klarheit bringen.

Auf dem Duftstreifen erweist sich dieser Duft in Summe als holzig, krautig und zitrisch-frisch: Zitrone und Kardamom, Hölzer und Lavendel bilden die Hauptnoten von Azzaro pour Homme und verbinden sich zu einem durch und durch maskulinen Duft. Meines Erachtens für eine Frau untragbar. Fingerdick aufgetragene Männlichkeit mit einer geradezu lauten Krautigkeit – der eine oder andere mag mir widersprechen, aber hier sehe ich überhaupt kein Understatement. Liest man sich durch die Foren und Blogs, so findet man äußerst geteilte Meinungen zu diesem Duft. Von klassischer Männlichkeit ist da die Rede oder aber vom Mief der 80er Jahre. Ich finde beide Extreme unzutreffend.

Nehmen wir einfach Cool Water – ein toller Duft, der seine Hochzeit hinter sich hat – ein großer Meilenstein der Herrendüfte – er wurde immerhin auch von Pierre Bourdon (verantwortlich auch für die beiden Mark Birley-Düfte) geschaffen. So verhält es sich auch mit Azzaro pour homme. Ein höchst interessant komponierter Duft, dem meines Erachtens – wie vielen anderen Fougère-Düften auch – der Charme der 80er anhaftet. Als frisches Gesicht steht heute Enrique Iglesias für Azzaro pour homme, sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn der Flakon für die Duftkomposition nicht wesentlich ist: hier hätte man auch einmal nachziehen können.

Azzaro pour homme ist ein kraftvoller Fougère-Duft, der durch seinen bis heute anhaltenden Erfolg auch seine Kritiker in die Schranken verweist. Wer allgemein mit Fougère-Düften nichts anfangen kann, wird hier auch nicht bekehrt. Wer diesen aber offen gegenübersteht, sollte unbedingt einmal testen! Ein Duft für einen selbstbewussten und erfolgsorientierten Mann, der seine Leistungen auch nach außen zu zeigen weiß.

Ganz viele Grüße sendet Euch
Harmen

Die Lavendelserie im Überblick:
Caldey Island Perfumes – Caldey Island Lavender
Nicolaï – Nicolaï pour homme
Andy Tauer – Rêverie au jardin
Nobile 1942 – Lavanda Nobile
Lorenzo Villoresi – Wild Lavender
Czech & Speake – Oxford & Cambridge
Parfums d’Orsay – Arôme 3
État Libre d’Orange – Antihéros

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Ein Herren-Lavendel von Nicolaï
Echte Kerle…
Die Vergessenen: Montale, Goutal, Jourquin & Zolty.


Frauenbilder…

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 3.02.2012

obliegen der ständigen Veränderung, bedingt durch Kultur und Lebenssituation. Im Spiegel gab es dazu vor kurzem einen ganz amüsant geschriebenen Artikel, der eigentlich der neuen Generation Mann gewidmet war, dem soften Mann, den so keiner richtige haben mag – dabei kamen aber auch die Frauen von heute nicht überragend gut weg.

Denn sie wissen nicht, was sie tun – und oft genug auch nicht, was sie wollen, wirklich wollen. Das trifft leider auch auf beide Geschlechter zu und scheint ein prägnantes Merkmal des Zeitgeistes zu sein, ein Charakteristikum. Wo Menschen derart orientierungslos sind und das eigene Leben so voller offener Türen steht, so möglichkeitsreich ist wie nie – wird es schwierig. Und frustrierend. Gerne lassen sich viele dabei an die Hand nehmen von irgendeiner anonymen Masse, der Gesellschaft, der öffentlichen Meinung oder sonst einem undifferenzierten Gebilde, das einem suggeriert, was sich so gehört – oftmals ohne dessen überhaupt gewahr zu werden. Der beste Weg, fremdbestimmt ein Leben zu leben – und sich irgendwann in einer wie auch immer betitelten Krise des eigenen Verlusts bewusst zu werden, obgleich eher die Frage erlaubt wäre, ob man sich denn jemals gefunden hatte.

In einer solchen Zeit der, ich nenne es mal: Verunsicherung, der paradoxerweise eine ganze Menge Potential zur Entfaltung innewohnt, entwickeln sich dann gerne mal Auswüchse, die man frisch von der Leber als unmenschlich bezeichnen könnte. Ein solcher ist für mich die optische Entwicklung des Frauenbildes, das einem von Medien vorgekaut und von Modedesignern jeglicher Façon fast schon verordnet wird – und das mit der Realität nicht wirklich viel zu tun hat. Abgesehen davon, dass es auch einige gesunde Frauen geben mag, die Size Zero tragen, haben weltweit über 50% aller Frauen Größe 42 und mehr. Das hat nicht mehr wirklich viel mit Kate Moss und Victoria Beckham zu tun – und zeigt auch eine deutliche Differenz zu den Models auf den Laufstegen. Wirklich entsetzt hat mich diesbezüglich neulich eine Fotoserie des sogenannten Plus-Size-Models Katya Zharkova für ein Magazin, in der sie sich mit einem „normalen“ Laufstegmodel ablichten ließ – siehe hier.

Falls sich jemand fragt, wie ich jetzt noch die Kurve zu den Parfums kratze – hier ist sie, die Kurve: Meiner Meinung nach gibt es auch auf dem Parfummarkt jüngere Tendenzen, die vorgeben, wie Frauen zu riechen haben – vor allem im Mainstreambereich. Eine in meinen Augen ganz unangenehme Richtung ist diejenige der Düfte, die einfach nur sauber riechen wollen, frisch gewaschen wie ein Leinenlaken. Und ich meine wirklich die Parfums, die noch nicht einmal die Umgebung des Lakens auf der Leine mit einbeziehen – die herrliche Provence im Sonnenschein samt ihren Lavendelfeldern oder auch einen mediterranen Obstgarten, durch den sich das Wäscheschnürchen spannt. Es gibt in der Tat einige saubere Düfte, die schön sind und es auch mir angetan haben – die sind dann aber mehr als nur sauber. In jedem Fall behagt mir alleine die Vorstellung schon nicht, dass blitzesaubere Frische als Parfum toll sein soll – anziehend finde ich es nicht und sexy schon gleich gar nicht.

Überhaupt kann ich mit einigem, was da so als feminin und weiblich beschrieben wird, was man darunter versteht, nicht übermäßig anfangen. Desto mehr stachen für mich in den letzten Jahren einige Düfte heraus, die ich als überaus feminin, und das in einer sehr sehr angenehmen und gleichermaßen aufregenden Art und Weise bezeichnen würde. Die drei für mich schönsten möchte ich exemplarisch nennen – allesamt in einer Hinsicht Skindüfte, aber mit dem besonderen Etwas: Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889, État Libre d’Oranges Like This! zu Ehren von Tilda Swinton und Laboratorio Olfattivos Nirmal. Ich habe alle schon hier im Blog rezensiert…

… und möchte dieser Liste einen neuen Favoriten anfügen: Seven Veils von Byredo. Beschrieben wird der Duft als „würzig-orientalische Komposition“, die auf der „Wärme der Vanilleblüte und indischem Sandelholz“ ruht. Gewidmet ist der Duft einer sagenumwobenen Figur und ihrem berüchtigten Tanz – die Rede ist von Salome.

Lassen wir uns von Wikipedia erinnern, was ihre Legende betrifft:

„Als mögliche Quelle für die biblische Erzählung wird eine von Titus Livius mitgeteilte Greueltat des römischen Konsuls Lucius Quinctius Flamininus angesehen, der im Jahr 192 v. Chr. beim Mahl einen Gefangenen erschlug bzw. erschlagen ließ, um seinem punischen Lustknaben das Schauspiel einer Hinrichtung zu bieten. In der Erzählung des Flamininus-Motivs durch den römischen Geschichtsschreiber Valerius Antias wird aus dem Knaben eine Frau mit zweifelhaftem Ruf. Ähnliche Versionen der Geschichte finden sich bei Cicero und Seneca dem Älteren.

Herodes Antipas heiratete in zweiter Ehe seine Schwägerin Herodias. Diesen Umstand kritisierte Johannes der Täufer, was laut der biblischen Erzählung im Neuen Testament zu dessen Ermordung führte. Hier befinden sich Berichte der Ereignisse, in denen der Name Salome zwar nicht vorkommt, die aber die Basis der späteren Salomelegende bilden. Flavius Josephus dagegen führt politische Gründe für den Mord an, der ihm zufolge in Machaerus verübt wurde.

Die Legende selbst erscheint im Neuen Testament folgendermaßen: Herodias begehrte den Tod des Johannes, doch Herodes weigerte sich, diesen töten zu lassen. Anlässlich einer Geburtstagsfeier des Herodes, der viele Würdenträger beiwohnten, führte die Tochter der Herodias (= Salome) einen Tanz auf, mit dem sie die Anwesenden derart in Verzücken versetzte, dass Herodes ihr schwor: „Um was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reiches“. Das Mädchen fragte ihre Mutter, was sie sich wünschen solle, und diese flüsterte ihr das eigene Begehren ein. Sie solle den Kopf des Johannes verlangen. Diesem Wunsch konnte sich Herodes Antipas „um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen“ nicht verweigern. Er ließ Johannes köpfen und das Haupt auf einer Schüssel zu der Tänzerin bringen.

Der Mönch und Presbyter Isidor von Pelusium benennt die Tochter der Herodias gegen Anfang des 5. Jahrhunderts dann in einem Brief erstmals konkret mit dem Namen Salome. Als Figur der Leidensgeschichte des Johannes taucht sie später bsp. im altsächsischen Heliand-Epos um 830 und in den mittelalterlichen Mysterien-, Passions- und Prophetenspielen als Schuldige am Tode des Johannes auf.“

Was muss das für ein Tanz gewesen sein, der Tanz der sieben Schleier, dem man bei Byredo folgende Zeilen zum Duft hinterließ:

„On that first morning the moon sinks late and you feel the pull, as if it were night, magnetic in a way the sun could never be. Three memories pervade the air. The way you hold it; the way through fingers you let it slip; and the way the woven silk floats across the winds. So now floats a perfect fifth, in a minor chord, from an ancient bow, resonating in our ears louder and louder. And louder still until it grows stronger than even our beating hearts. You rise up, upon your feet, and even higher. With seven veils you dance, swirling swirling swirling.“

Salome in jedem Falle inspirierte vor Byredos Ben Gorham natürlich schon etliche Künstler, Literaten und Musiker, vor allem zu Zeiten des Fin de Siècle, der französischen Décadence – Oscar Wilde, Richard Strauss, Julius Klinger, Oskar Kokoschka, Tizian, Stéphane Mallarmé um nur einige zu nennen.

Ben Gorham hat mit Seven Veils meiner Meinung einmal mehr ein echtes Meisterwerk abgeliefert: Karotte zeigt sich im Kopf auf die ihr genuine, eigenartige trocken-fruchtig-süße Art, die sogleich Hautnähe schafft. Piment schärft die Sinne – und betört sie gleichermaßen mit seinem eigentümlichen, in diesem Falle an würzigen und dezent pfeffrigen Muskat mit einer Prise Zimt und Nelke erinnernden Duft. Dieses sich überaus gelungen ergänzende Paar geleitet uns ins Herz, bleibt aber weiterhin präsent neben den Hauptprotagonisten: Vanille, eine Orchidee, deshalb – Vanille und exotisch-pudrig-süße Orchideen, die eine dermaßen wollüstige Ausstrahlung entwickeln, dass es eine wahre Freude ist. Eine zarte Rose bildet das Gegengewicht, eine wässrig-fruchtige. Die Basis kann hier eigentlich nur noch unterstützend wirken – und das tut sie auch mit Sandelholz und Vanillebohne (meinte hier jemand Tonkabohne, vielleicht?).

Seven Veils legt sich wie ein Schleier auf die Haut und wie eine erotische Aura um einen. Der Charakter des Duftes ist raffiniert, so wie es sein Vorbild wohl auch war, jene legendäre Femme Fatale: Auf der Haut riecht er nicht wie „ein Parfum“, sondern – wie Haut, aber besser. Sinnlich duftet es mir entgegen, kokett-lockend, erhitzt, werbend, ja, selbstbewusst buhlend, der eigenen Verführungskraft gewiss. Ich könnte hier als Mann nicht widerstehen. Und kann es vermutlich zumindest der Flasche gegenüber auch nicht.

Verzückte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Franz von Stuck (1906): Salome, Gaston Bussière: La danse de Salome ou les papillon d’or, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Von der Liebe – MariaLux die Zweite.

Gestern hatte ich bereits mit Truly, dem ersten Duft des Trios begonnen, das die Künstlerin Lilian Driessen unter dem Namen MariaLux, ihres Alter Egos, letztes Jahr lancierte. Heute möchte ich Euch die anderen beiden Düfte vorstellen, Madly und Deeply. Madly steht für die „verborgene Liebe, die Liebe der Geliebten“, während Deeply Abgründe der Liebe auslotet – für die „schmerzvolle, tiefgründige Liebe“ stehend.

Madly… assoziiere ich im Zusammenhang mit der Liebe als Verrückt-Sein, Verrückt-Nacheinander-Sein. Leidenschaft, auch sexueller Natur. Anziehung, geistige, körperliche, seelische. Wen wundert also, dass Madly von samtener Wärme ist, und das bereits von Anfang an: Pulverig-pudrig warm und gefühlvoll offeriert er einen dichten olfaktorischen Teppich, dessen einzelne Ingredienzen einen vor ein Rätsel stellen – irgendwo da drinnen vermute ich Weißblüher, etwas narkotisierend, vermutlich Tuberose, fein verwoben in hellen Harzen und anfänglich von etwas würzig-krautigem wie beispielsweise Angelika eingeleutet. Und dann finden sich da noch Tabaknoten, ähnlich sinister-süße wie in Serge Lutens’ Fumerie Turque, die in cremig-skinnigen Anklängen baden.

Ich könnte mir vorstellen, dass Madly Frauen gefällt, die durchaus auf der Suche nach etwas Hautnahmen sind, dabei aber kokett-verführerische Vorwitzigkeit mögen – Fifi Chachnil wäre der Kandidat, der mir einfallen würde, müsste ich geistige Verwandte benennen.

Deeply allerdings tendiert in eine ganz andere Richtung, wie ich bereits in unserem Shop schrieb und mich an dieser Stelle gleich selbst zitiere:

„Deeply ist – ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis der Liebe, ein Bekenntnis der Leidenschaft. „Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“, das wusste schon Friedrich Nietzsches Zarathustra – und die Liebe, sie sucht nichts anderes. Deeply vereinigt, verschmelzt – Ambra und Zimt, eine Amour Fou, die mit ihrem lichterlohen Feuer alles hell erstrahlen lässt. Würzig und von scharfer Süße, gourmandig, skinnig, lieblich und kokett, von fruchtigen Anklängen, der Ahnung eines Apfels begleitet und harzig anmutend leuchtet Deeply alle Facetten der Leidenschaft aus und vermag damit zu betören.“

Dass diese Form der Liebe ihre schmerzhaften Seiten hat, ihre Untiefen, dass der Grund bei dieser Art unsicher ist – das glaube ich gleich: Deeply ist loderndes Feuer der Leidenschaft, eine Harzexplosion der ganz besonderen Sorte: Ambra und Zimt als glühendes Liebespaar in inniger Umarmung, würzig, charaktervoll, harzig und scharf-sexy-süß. Karamell-holzige Anklänge gerösteter Natur strömen meiner Nase entgegen, die mich an eine dicke, krosse Glasur erinnern, die Glasur eines – … Bratapfelkuchens, der sich an einer Ecke süß-verkokelt zeigt. Hat sich da wohl ein bisschen Oud hinein verirrt?

Ihr wollt Vergleiche? Deeply riecht für mich wie das Kind einer heißblütigen Liaison von Nasomattos Black Afgano und Hermès’ Ambre Narguile aus der Hermessence-Kollektion – und ist damit mächtig und unbedingt habenswert.

Habt Ihr schon getestet? Was gefällt, was nicht, ist eine (neue) Liebe dabei?

Ich bin gespannt!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: MariaLux; MADLY: Oh lover, make me yours again / DEEPLY: Pain & Pleasure, Faith & Fear.

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MariaLux…
Duftverzeichnis L – Z
Gralssuche die Zweite…


MariaLux…

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 1.02.2012

war eine der letzten Marken, die uns letztes Jahr ins Haus trudelten, und ließ mich sofort aufhorchen. Hinter dem wohlklingenden Namen steckt die niederländische Designerin Lilian Driessen, die sich selbst eine duftende Liebeserklärung machte: Drei Düfte sind es, die sie ihrem als Muse fungierenden Alter Ego MariaLux widmet – Truly, Madly und Deeply.

Driessen, die sich ihren Namen mit verschiedenen Mode- und Möbelkreationen sowie Shopkonzepten für Stores in London („Avery“ – googelt mal, ein toller Shop!), Modena und New Orleans machte, verrät über MariaLux, dass der Name „Maria“ das Bild der Jungfrau evoziere, der Mutter und der Geliebten. „Lux“ wiederum stehe für Licht, Luxus und Lust:

„Das ‘L’ bin ich, Lilian Driessen, Designerin und Kreativchefin. Ich kleide ein. Ich arbeite in diesem Beruf seit 1987. Ich umfasse die laufende Arbeit, die Mühe und die allgemeine Aufregung, die immer mit diesen Prozessen einhergeht. Da ich berühre und berührt wurde, habe ich viele Geschichten zu erzählen. Unser Haus kreiert anarchisch geschneiderte Eleganz und reinen Luxus. Ausgeführt und hergestellt von Meistern ihres Fachs. Allem was wir tun, nähern wir uns mit voller Aufmerksamkeit. Wir bieten Exklusivität, Abgrenzung und Individualität in einer bedachten, aber ungezwungenen Art und Weise.“

Zu den Düften, die von Alessandro Gualtieri kreiert wurden (die Nase von Nasomatto) gibt uns die Künstlerin ein Gedicht mit auf den Weg, vielmehr einen Liebesbrief:

Dearest,
EVERYTHING I OWN SMELLS OF YOU.
This project has been created with all my love:
This is me, it’s my lovestory.
Where something beyond and infinite
Becomes so small in your hands.
You can hold me, use me, abandon me,
Conceal me behind your dreams.
Take me, carry me, wear me. To lay me down again.
You will smell of me and I’ll belong to you.
It’s you, your lovestory.
Yours truly, madly, deeply,
MariaLux

Truly steht für die „ewige Liebe“, Madly, für die „verborgene Liebe, die Liebe der Geliebten“ und Deeply für die Abgründe der Liebe, für die „schmerzvolle, tiefgründige Liebe“. Frau Driessen schöpft, wie man sieht, aus den vollen: Keine Regung der Liebe scheint ihr fremd, wollen wir mal sehen, ob sie auch parfumtechnisch alle Facetten illuminiert.

Ich werde mich mal brav an die Reihenfolge halten und Euch heute erstmal Truly vorstellen – morgen folgen dann Madly und Deeply. Wie immer bei Herrn Gualtieri ist betreffs der Ingredienzen fröhliches Rätselraten angesagt – die Künstler hüllen sich in einen duftenden Mantel des Schweigens.

Truly steht also für die ewige Liebe… ein kleines Brainstorming – bei ewiger Liebe denke ich natürlich an viele klassische Liebespaare, die Literatur und Kunst so für uns bereithalten. Aber Achtung – viele davon endeten tragisch. Und splittet man diese Liebesvorstellungen, die oben angedachten, auf, dann dürfte sich in Truly nicht allzu viel des tragischen Liebesschmerzes finden, nein. Vielmehr interpretiere ich diese ewige Liebe wie das (Lebens)Glück: Im Deutschen leider überhaupt nicht ausdifferenziert, existieren in den meisten anderen Sprachen mehrere Worte für Glück, was dessen Aufteilung in das (temporär bestehende) Zufallsglück und jenes Glück, das den Zustand der Glückseligkeit meint, zulässt. Driessens Liebe, die sie mit Truly meint, verstehe ich als Glückseligkeit, als einen Zustand der tiefen Befriedigung und der Harmonie, angefüllt mit Gewissheit.

Insofern überrascht es mich auch nicht, in welcher Form ich Truly auf meinem Arm wiederfinde: Reinheit strahlt der Duft aus und Zuversicht, Geborgenheit und Balance. In wollweißen Tönen gemalt, eher dahingehaucht, präsentiert sich diese Ode an die immerwährende Liebe: Pudrig, cremig und milchig in seinem Herzen zart verhangene florale Anklänge verbergend. Ich tippe auf eine pudrig-erdige Iris und vielleicht ein Röschen, von Weißblühern begleitet. Der Teststreifen gaukelt mir prickelnde Hesperiden- oder Aldehydsternchen im Kopf vor, meine Haut allerdings verschlingt diese vollkommen zugunsten dieses erotischen Skinduftes, der sich lieblich-schmachtend und kokett-verführerisch in seiner leichten Süße darstellt und auf seine Art herrlich indifferent ist.

Für mich passt es perfekt überein, das Bild in meinem Kopf und der Duft. Deshalb bin ich gespannt auf die restlichen beiden Düfte, die ich Euch morgen vorstellen werde.

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: MariaLux Truly – “I will wait for you for a 1000 years”

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Freitagsverlosung
Freitagsverlosung.
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Ginger Musk von Montale – ein Versteck hinter dem Moschus

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 31.01.2012

Heute gelüstet es mich nach Ingwer. Wie gut, dass ich noch einen Ingwerduft hier liegen habe, der auch noch besprochen werden möchte: Ginger Musk von Montale. Die Duftnoten: Kopfnote: Ingwer, Brombeere; Herznote: Rote Beeren; Basisnote: Weißer Moschus.

Ginger Finger

Aber oh nein! Ich bekomme gar keinen Ingwer heraus? Wahrscheinlich ist er für die hesperidenartige Frische im Auftakt verantwortlich und bleibt ansonsten ganz im Hintergrund. Nach dieser Abkühlung zu Beginn kommen mir fruchtig-florale Noten entgegen, die auch einiges an Süße im Gepäck haben. Der große Triumphator ist allerdings der Moschus, der lange und langanhaltend das Heft in der Hand hat. So viel sei noch gesagt. Genauso wenig man den Ingwer herausriecht, genauso wenig treten die Brombeere oder die Roten Beeren in Erscheinung. Sie bilden eher eine fruchtige Komponente, welche das Gegenstück zum Moschus bildet. Eine durchaus interessante Mischung!

Blackberry close-up

Geht es Euch auch so? So langsam reicht es mit dem Winter und ich würde mich über ein paar mildere Temperaturen freuen. Bis dahin habe ich Euch einige knackige Früchte herausgesucht, die wenigstens an den Sommer erinnern.

Ribes - Red fruits

Vielleicht wäre auch Ginger Musk genau das Richtige, um den grauen Wintertagen zu entfliehen. Ein paar Sprüher und schon fühlt man sich in einen blühenden Garten versetzt, die Sonne scheint angenehm warm und auf dem Tisch steht ein leckeres Dessert mit frischgepflückten kleinen Beeren.

Ginger Musk ist meines Erachtens ein Unisexduft, der tendenziell besser zu einer Dame passen würde. Ein kräftiges Düftchen, die Haltbarkeit hat einen langen Atem! Um allerdings Enttäuschungen zu vermeiden: wer einen Ingwerduft auf die Haut bekommen möchte, sollte in ein anderes Fach greifen. Ich bitte um reichlich Kommentare mit Empfehlungen toller Ingwerdüfte! :-)

Es grüßt Euch
Harmen

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Die Vergessenen III
„Brown Collection“ – die neuen Herbstdüfte von MONTALE PARIS
Die Vergessenen: Il Profumo Ginger & Cannabis.


Royal Crown die Dritte.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Hesperiden,Leder am 27.01.2012

Drei Düfte sind vorerst noch übrig geblieben für unsere Royal Crown-Reihe, und zwar zwei für die Männerwelt – Musk Ubar und Rain – sowie ein „Unisex“-Duft, Celebration.

Musk Ubar ist angedacht, von dem „eleganten“ Mann getragen zu werden, wie es die Firma verlauten lässt. Ein „dichter, mysteriöser, warmer und rassiger“ Duft, der wohl sein Pendant sucht – einen Abenteurer natürlich oder auch einen Kapitän (nicht jeden, den unter diesen gibt es, wie wir spätestens seit neuestem leider wissen, auch ausgeprägte Hasenfüße…), jemand, der die Klippen des Lebens gut zu umschiffen weiß und der sturmerfahren ist. Souverän hört sich das an – schauen wir, ob es der Duft auch ist… Die Ingredienzen: Kopfnote: Angelika (Engelwurz), Wermut, Geranium; Herznote: Rose, Jasmin, Galbanum, Basisnote: Moschus, Ambra.

Musk Ubar zeigt sich als seiner Krone würdig, absolut. Ich bin normalerweise kein allzu großer Moschus-Liebhaber, diesen Duft aber würde ich nur zu gerne am richtigen Mann riechen. Moschus geht, möchte man es vereinfachen, vor allem in zwei Richtungen: Entweder in die weiche Ecke, dann entweder sauber und/oder süßlich interpretiert, oder in Richtung Bleistift, gerne mit animalischen Anklängen, die sich ab und an aber auch in die weichen Kandidaten verirren (Etros Musk ist dafür ein schönes Beispiel – ich spiele liebend gern mit diesem kleinen Schmuddelkind!). Dieser Moschus hier tendiert ganz klar in die Bleistiftrichtung, hat diesen feinen Graphitgeruch, der von Angelika und Geranium genial unterstrichen wird. Wärme stiften diese und Frische gleichermaßen, Würzigkeit und eine Prise Kraut. Und zudem entsteht in dieser ambrierten Kombination, die sachte von floralen Noten eingerahmt wird, eine ledrig-animalische Komponente. Dezent, aber wahrnehmbar. Temperamentvoll, aber erlesen und zivilisiert und von einer subtilen Süße untermalt. Endlich einmal wieder ein toller Moschus. Und eigentlich das, was ich von Lutens’ Muscs Koublaï Khän erwartet hätte.

Rain zelebriert einen Regentanz und soll als „zeitgemäßer, eleganter und klassischer Männerduft“ an Quellwasser, vielleicht gar einen Wasserfall erinnern. Gedacht natürlich auch für einen modernen Naturburschen, einen Kosmopoliten und weitgereist. Die Ingredienzen: Kopfnote: Mandarinenblätter, Bergamotte, Neroli

Herznote: Jasmin, Reseda, Rose; Basisnote: Sandelholz, Heliotrop, Vetiver, Ambra.

Rain ist – keiner jener aquatischen Schnösel, die man zuhauf draußen findet, nein. Vielmehr gehört er zu der Sorte Düfte, die ich als Edel-Aquatische bezeichnen würde: Eine kühle Mandarine im Kopf, saftig-frisch, ohne jedoch den normalerweise für Zitrusfrüchte üblichen Prickel-Charakter zu besitzen, gepaart mit einer minzig-floralen Frische, einer nahezu undefinierbaren. Die Basis zeigt sich von leichter, sonniger Wärme mit dezenten Holzanleihen. Ich mag derlei helle, frische und der Tendenz nach maskuline Düfte bisweilen gerne – habe aber mit Carons Anarchisten und mit Creeds Himalaya schon zwei sehr ähnliche Kandidaten bei mir stehen, insofern ist Rain für mich sicher kein Kaufkandidat, obgleich er sich als noch etwas ausgefeilter und komplexer als die beiden erweist.

Celebration, der letzte Duft der Royal Crown-Serie, ist einem Jubiläum gewidmet: 150 Jahre Bella Italia – die Geburt Italiens am 17.03.1861, die letztes Jahr groß gefeiert und von einigen Düften zelebriert wurde: Il Profumo, Profumi del Forte und Xerjoff leisteten ebenso ihren Beitrag.

Celebration sticht für mich eindeutig aus der Royal Crown-Kollektion heraus, und zwar in mehrfacher Hinsicht: Meiner Meinung nach ist er – experimenteller, nicht als typisch italienisch einzuordnen, reduzierter, kantiger. Die Ingredienzen lassen die Wucht, mit der einem dieses Düftchen um die Ohren oder vielmehr in die Nase knallt, nur schwerlich erahnen: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Grüne Minze, Mandarine, Bergamotte; Basisnote: Lilie, Iris.

Gleißend ist das erste Wort, das mir zu Celebration einfällt. Gleißend hell und von einer ohrenbetäubenden zitrischen Frische zeigt er sich. Tief durchatmen lässt er einen, obgleich er einem den Atem raubt. Nicht näher zu definierende Hesperiden haben sich hier zu einer grandiosen Macht zusammengeschlossen mit einer pfeffrig-frischen Minze. Mandarine stiftet verhalten süße, aber vor allen Dingen fruchtig-saftige Anklänge, während die Basis erdig und wässrig-floral unterstützt. Für mich eine Art ultramodernes Cologne, das, weil es kein Cologne ist, natürlich eine sehr viel bessere Haltbarkeit zeigt als jene. Eine Frischekick allererster Güte, der in seiner Reduziertheit ein wenig an die Handschrift architektonisch anmutend minimalistischer Düfte wie Humiecki & Graefs Eau Radieuse oder Putmans Préparation Parfumée erinnert. Vor allem mit ersterem hat er gewisse Ähnlichkeit – ein fetter Pluspunkt in meinen Augen, der in sofort auf meinen persönlichen Platz 1 der Kollektion katapultiert.

Wie sieht es bei Euch aus, schon getestet, schon etwas gefunden?

Viele herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Picture of a waterfall (Kjosfossen) nearby Flåm, Norway von Yorian, Electric von Kavewall, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Königliches – Royal Crown die Zweite.
Royal Crown…
Duftverzeichnis L – Z


Königliches – Royal Crown die Zweite.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Tabak & Rauchiges am 26.01.2012

Die Nase königlich erhoben, werde ich mich heute für Euch erneut der Royal Crown-Kollektion widmen, mit deren Rezension ich gestern bereits begonnen habe. Heute auf dem Programm: Poudre de Fleurs und Tabac Royal.

Poudre de Fleurs kündigt sich an als „Inkarnation der absoluten Sinnlichkeit“, die sich in einem opulenten Blütenbouquet manifestiert, den „Glamour“ und die Eleganz eines „kostbaren Juwels“ ausstrahlend. Ausgeprägte Weiblichkeit geht damit natürlich auch einher, das dürfte klar sein. Dann werde ich gleich ganz Frau – und sprühe mir Poudre de Fleurs auf den Arm…

Femininität wird hier – auf altmodische, aber durchaus anziehende Art und Weise aufgefasst, was man aus den Noten nicht auf den ersten Blick erkennen kann: Kopfnote: Neroli, Limette, Mandarinenblätter; Herznote: Rose, Jasmin, Gardenie; Basisnote: Vanille, Patchouli, Sandelholz.

Poudre de Fleurs ist, wie der Name schon verrät, überaus pudrig und mit einem ausdrucksvollen Blütenherz ausgestattet. Der Auftakt ist fruchtig, eher aldehydig, während die Basis vollmundig mit einem unschlagbaren Trio brilliert – Vanille, Patchouli und Sandelholz. Patchouli ist wie immer das Bindeglied, ein wenig harzig anmutenden haucht es dem Geschehen nachhaltig(e) Tiefe ein. Sandelholz wärmt auf die ihm genuine süß-würzig-holzige Art, während Vanille die pudrigen Akzente vertieft.

Poudre de Fleurs ist kein moderner Duft, aber nichtsdestotrotz eine Schönheit. Mich persönlich erinnert er ein wenig an die alten Chanel-Düfte, vor allem an No. 22 und No. 5.

Tabac Royal macht nun den Anfang der Männerriege und wartet mit folgenden Ingredienzen auf: Kopfnote: Zimt, Zitrone, Rosa Pfeffer; Herznote: Tabakblätter, Heliotrop, Vanille; Basisnote: Sandelholz, Tabak, Patchouli.

Eine interessante Mischung, die mich da, frisch aufgesprüht, im Näschen kitzelt: Pfeffrig und süß, würzig und scharf – Zimt und Pfeffer leisten ganze Arbeit, und das auf zugleich warme und ebenfalls frische Art. Für letzteres ist die Zitrusfrucht zuständig, die anfänglich das Geschehen erhellt, um sich alsbald dezent zurückzuziehen und den Weg freizumachen für die eigentlichen Protagonisten des Duftes: Vornehmlich Tabak, wie der Name schon sagt, samt diverser Lakaien, die seinen glanzvollen Auftritt nach Kräften unterstützen und so gut wie jede Facette ausleuchten, die man vom Tabak so kennen mag. Weich-cremige Vanille, von Heliotrop verstärkt und untermalt, Sandel holzt süß-würzig vor sich, während Patchouli nachhaltig den Rücken stärkt.

Ein raumgreifender Tabakduft, das dürfte klar sein – für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Als Mann sollte man allerdings nicht vor süßer Wärme und warmer Süße zurückschrecken – sonst wird es hiermit nichts. Ansonsten ist Tabac Royal eine ganz veritable Wahl, vor allem, weil er im Gegensatz zu den wenigen Artverwandten – Tom Fords Tobacco Vanille, Odoris (leider eingestellter) Tabacco und Casamorati 1888 Bouquet Ideale – weniger süß, was dem einen oder anderen sicher entgegenkommen dürfte.

Wie steht Ihr denn zu Tabakdüften? Und, wenn Ihr Gefallen daran findet, welche habt Ihr in Eurem Repertoire? Hier bei mir steht natürlich Tabac Blond von Caron und besagter Odori-Duft, den ich sehr mag. Von Tom Fords süßem Honig-Vanille-Tabak gibt es ebenfalls ein kleines Fläschchen. Darüber hinaus wäre noch Feuilles de Tabac von Miller Harris zu nennen, einer meiner Uralt-Lieblinge und einer der wenigen Düfte, von dem ich in der Tat schon fast zwei ganze Flaschen verbraucht habe, da er lange für mich ein absoluter Immergeher war. Und bei Euch, was steht da so rum, was ist in Benutzung?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Milton H. Greene: Marilyn Monroe – Promotional photograph for the 1957 film “The Prince and the Showgirl”, The smoker’s promenade (New York: Published by Currier & Ives, 1876), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Royal Crown…
Royal Crown die Dritte.
Duftverzeichnis L – Z


Royal Crown…

Geschrieben in Duft,Orientalen,Solifloral am 25.01.2012

betont seine Herkunft schon im Namen – Königliches verspricht uns die neue Linie, die erst vor kurzem zusammen mit den Visconti-Düften Eingang in unser Sortiment fand. Von Visconti war ich, wie der geneigte Leser wissen wird, überraschend angetan – Grund genug, mich für Euch zu „opfern“ und mein geneigtes Näschen in der neuen Kollektion zu versenken…

Sieben Düfte sind es, die Euch und mich erwarten, nämlich: Noor, Tenebra und Poudre de Fleurs für die Damen, Rain, Musk Ubar und Tabac Royal für die Herren sowie Celebration für beide Geschlechter – unsere Beschäftigung für diese Woche.

Bemerkenswert sind vorab natürlich die Flakons: Die Linie präsentiert sich, Adel verpflichtet, in florentinischen Kristallflakons mit kunstfertig hergestelltem, von Hand mit Swarovski-Kristallen verziertem Deckel in Kronenform. Für den einen oder anderen Sammler sicher ein Augenschmaus.

Noor sieht sich als „Entdeckungsreise in die Welt des Weiblichen“, jenes „Universum der Femininität“ – ich will sehen, ob ich dabei folgen kann… „Sophisticated“ soll er sein und – ein Orientale. Für eine selbstbewusste Frau. Dafür haben Royal Crown tief in die holzige Harzkiste gegriffen, wie mir ein erster Blick auf die Ingredienzen verrät: Kopfnote: Koriander, Ylang-Ylang, Elemiharz; Herznote: Opoponax, Patchouli, Jasmin; Basisnote: Benzoeharz, Adlerholz (Oud), Myrrhe, Vetiver.

Nach einem ersten Schnuppertest frage ich mich nach dem Frauenbild, dass der Herr Parfumeur da so im Kopf hatte… In jedem Fall entspricht es sicherlich nicht dem gängigen Schönheitsideal der zum Teil fast schon in (Selbst)Auflösung inbegriffenen Size-Zero-oder-darunter-Frauen. Und auch nicht der Marschrichtung, die die meisten Mainstream-Parfums mittlerweile verfolgen, bei denen sauber gar nicht sauber genug riechen kann.

Noor zelebriert Wollust. Harzige Wollust. Eine überbordend-überschäumende Harz-Femme-Fatale in eine samtene Gewürzrobe gehüllt, mit einem ausladend-würzigen Holzhintern ausgestattet, der Begehrlichkeiten weckt. Hossa, was für ein Vollweib!

Tenebra, man riecht es gleich, huldigt der Tuberose – wir haben es also wieder mit einer Verführerin zu tun. Diesmal war der Duft schneller auf meinem Arm, als ich die Beschreibung lesen konnte – aber nach allem, was mir da entgegenweht, ist mir klar, dass man hier alles auf eine Karte gesetzt hat – die Tuberose. Und siehe da, im Text zum Duft, da steht es auch: Tenebra sei die fleisch-, pardon: duftgewordene Verführung in Reinform.

Entweder liegt es an meiner neu entflammten Tuberosenleidenschaft, die mir eine rosarote Brille beschert. Oder aber es sind mir wirklich bisher keine total vergurkten Soliflor-Tuberosen über den Weg gelaufen – zumindest keine, an die ich mich erinnern könnte. Tenebra schert ebenfalls nicht aus und reiht sich bei den Tuberosenschönheiten ein, die mir die letzten Monate unter die Nase kamen: Zitrische Herbheit zeigt sich im Auftakt, von zurückhaltend metallischen Akzenten untermalt, die von der Narzisse herrühren dürfte. Bittere Anklänge werden offenbar, die mich kurzfristig annehmen ließen, irgendwo Vetiver vorzufinden. Kein solcher ist angegeben, und die Bitterkeit nimmt uns an die Hand und führt uns in die Höhle der Löwin: Eine buttrige, narkotisierende Tuberose, wächsern und auf eine Art pfeffrig anmutend, auf einem weichen Lager von betörender Süße gebettet.

Fatal erinnert mich die Tuberose an ein Gedicht namens Sünde der Wienerin Lisa Baumfeld, die im zarten Alter von 19 Jahren 1897 verstarb:

Allein die Sünde ist unendlich reich …
(Loris.)
… Ein weißes Weib lehnt in den dunklen Falten
Mit steinig weißen, grau’nhaft schönen Gliedern,
An die sich gleißend eine Schlange schmiegt ….
Mit bleichem, sündhaft schönem Antlitz …
Aus seinen Zügen leuchtet, blaßroth schwellend,
Ein wundersüßer Mund, der vieles sagt,
Und lächelnd … viel verschweigt …
In ihrem Aug’, dem trunk’nen, zaubertiefen,
Brennt sehnsuchtsfeucht ein Blick, der lockt und fängt
Und schmeichelnd kost und tödlich wundet
Und glühendheiß macht und den Sinn verwirrt …
Wer bist du, seltsam Weib?
Was glüht in deinen Lippen?
Was rauscht sirenengleich
Aus deiner Augen Meer?
»Mein Name ist der älteste hienieden.
Ich bin im Hauch der starren Tuberose,
Der schweren, die in weißen Gluten brennt …
Ich bin, wo tolle Rhytmen wirbeln
Und Menschen lachend sich dem Klang hingeben
Und sinnberauschet in den Tod sich wirbeln …
In allem Dufte, der dich trunken macht
Und süß zu Tode küßt und duftet …
Bin im Accord, der brausend dich durchflutet,
Und deine Seele streichelt und zerreißt,
Dich elend macht und doch unsagbar glücklich!
Mein Reich ist, wenn der silberweiße Mond
Sein schimmernd Gift in Erdenwunden hinweint,
Und Lieb’ und Wahnsinn durch die Lüfte rasen …
In blassen schönen Frau’n kannst du mich fühlen.
Ich weh’ als Athem in des Mundes Gluten,
Ich zuck’ in ihrer Hand, die dich erbeben macht …
Ich bin im Duft der weichen Frauenhaare
Und hab’ an ihrer Brust, der kalten, dich durchfröstelt
Und fiebre in dem Kuß, der dir das Herz versengt …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen
Und weiß, dein Herz ist krank … ich küsse dich gesund!
In meinem Arm ist seliges Verbluten …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen …

Genug der duftenden Poesie für heute. Morgen geht es weiter mit Royal Crown – bis dahin alles Gute und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hans Hassenteufel: Tänzerin, Franz von Stuck (1893): Die Sünde, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Königliches – Royal Crown die Zweite.
Royal Crown die Dritte.
Duftverzeichnis L – Z


Ein Duft mit Pferdestärken – Godolphin von Parfums de Marly

Geschrieben in Duft,Leder am 24.01.2012

Heute habe ich einen kleinen Exkurs bzw. Ausritt vor in eine mir unbekannte Welt: die der Pferde. Noch nie saß ich auf einem Gaul, das muss ich zugeben. Dessen ungeachtet war ein bestimmter Duft Anlass genug, mir die drei Blogartikel von Uli noch einmal näher anzusehen, welche sich mit den Düften von Parfums de Marly beschäftigten. Wer sie selbst noch einmal lesen möchte, sei hier, hier und hierhin verwiesen und wird sogleich merken, dass sich alles um Pferde dreht.

Ein bestimmter Duft wurde in dieser Reihe nicht besprochen, der es aber durchaus verdient hätte. Wahrscheinlich kam er erst später in die Kollektion. Auf dem letzten, hier bereits öfter erwähnten Dufttreffen in Bruchsal stieß ich auf einen ganz feinen Lederduft – ihr könnt es Euch jetzt schon denken, auf Godolphin aus genanntem Hause.

Wir dürfen wohl mit Fug und Recht von einem statusbewussten Flakon sprechen, so stellt sich die Firma auch auf ihrer Internetseite dar. Bedenkt man allerdings die Preisklasse mancher Pferde, so dürfte er durchaus ein treffendes Abbild sein.

Wie bei den anderen Düften der Reihe handelt es sich auch bei Godolphin um ein berühmtes Pferd seiner Zeit. “Godolphin Barb” und auch “Godolphin Arabian” wurde es genannt, ein Berberhengst, der ursprünglich Sham hieß und den der Bey von Tunis König Ludwig XV. schenkte. Wir befinden uns also im 18. Jahrhundert – Godolphin Barb lebte sein Pferdeleben von etwa 1724 bis 1753. Der König schaute diesem geschenkten Gaul wohl ins Maul oder war aus einem anderen Grund nicht zufrieden mit dem Tier, sodass es in den Besitz des Engländers Edward Cox gelangte, wo es das vermutlich fröhliche Leben eines Deckhengstes genoss. Shams Bemühungen blieben nicht unbelohnt, und er wurde Vater des berühmten Rennpferdes Lath. Hier sehen wir Godolphin in seiner ganzen Pracht:

Cox starb, weswegen der Hengst in die Hände des 2. Earl of Godolphin gelangte – messerscharf lässt sich von seinem Namen der Name des Pferdes ableiten, unter welchem es bis heute bekannt ist. Nun, auch ein Pferdeleben endet einmal. In der Weihnachtszeit des Jahres 1753 segnete Godolphin das Zeitliche, wurde aber in allen Ehren in seinem Stall begraben. Die Stelle wurde mit einem Gedenkstein versehen, die bis heute im Wandlebury Ring zu sehen ist, einige Meilen südlich von Cambridge.

Godolphin Arabian grave

Selbst in einem Buch wurde seine Lebensgeschichte verewigt, in Marguerite Henrys Kinderroman “König der Winde” und ich bin mir nicht sicher, ob nicht auch die ganze Geschichte oben oder ein Teil davon eher aus dem Roman stammt. Wie dem auch sei, wir haben es mit einem berühmten Pferd zu tun.

Kommen wir nun endlich zum Duft: Feine Gewürze bilden den Auftakt des Duftes. Thymian, Safran, Zypresse und Grüne Noten sind angegeben, doch darf man sich diese in einer weichen und runden Verfassung vorstellen. Gezügelte Würzigkeit mit einem frischen Hauch, der sogleich von einem fruchtig-floralen Beiwerk unterlaufen wird. Und schon zeigen sich die Ledernoten, fein von Zedernholz akzentuiert und weich mit Iris, Moschus, Ambra und Vanille unterlegt. Auf der Haut lässt sich der Duft weniger gut differenzieren. Ich würde sagen, dass die fruchtigen Noten und die Vanille etwas deutlicher herauskommen, krautig angehauchte florale Noten nehmen dem Leder jegliche Bitterkeit und runden den Duft zu einem Ganzen. Sehr fein, sehr distinguiert und meines Erachtens wie das idealistische Duftgemälde eines Spitzenpferdes.

Ein kleiner Geheimtipp von meiner Seite: Wer Clive Christians “C” für Herren liebt, dürfte hier einen unerwarteten und etwas günstigeren Zwillingsbruder finden. Beide sind für mich große Entdeckungen des vergangenen Jahres gewesen.

Mit einem Wiehern verabschiede mich heute von Euch, liebe Leser
Harmen

PS: Die kompletten Duftnoten: Kopfnote: Thymian, Safran, Zypresse, Grüne Noten, Fruchtige Noten, Maté; Herznote: Rose, Iris, Jasmin; Basisnote: Leder, Vetiver, Zedernholz, Moschus, Ambra, Vanille.

Bildquelle: Godolphin via Wikimedia Commons – vielen Dank!

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Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen
“Der Hund kann ja springen!”
Kleinmädchenträume…


Atelier Flou die Vierte – Die Damen.

Geschrieben in Duft,Florientalisch am 23.01.2012

Letzte Woche hatte ich bereits damit begonnen, Euch die Atelier Flou-Kollektion aus Paris vorzustellen. Für heute habe ich mir zwei Damendüfte aufgehoben, Shamsin und Paradis Paradis. Sloane Rose war leider kurzfristig als Muster nicht verfügbar, insofern werde ich Euch mit dieser Rezension noch zu einem späteren Zeitpunkt beglücken.

Shamsin liest sich wie ein Florientale – und das ist er auch, wirft man einen Blick auf die Beschreibung sowie die Duftnoten:

„Luxurious, Voluptuous, The mystery of the eternal East. All in this fragrance is sensuality. Made of the “fel” (the jasmine of high Egypt), this fragrance then undulates between the disturbing mystery of the most refined musks of the East and the powerful energy of the finest absolutes: rose of Morocco and ciste of Spain. Unforgettable sensuality.“

Ein luxuriöser, opulenter, raumgreifender Duft, so mysteriös wie Frau an sich, deren Weiblichkeit hier von Blüten, Moschus und Harzen ausgedrückt wird. Werfen wir doch einen Blick auf die Duftnoten: Kopfnote: Jasmin, Narzisse; Herznote: Rose, Iris, Labdanum (Zistrose), Weihrauch; Basisnote: Moschus, Zedernholz, Patchouli, Vanille.

Wow – ein ziemlich eindrucksvolles Blütenbouquet, das sich wie zu Erwarten war umgehend auf meiner Haut breit macht. Jasmin wohin das Auge blickt, von sacht metallisch funkelnder Narzisse durchsetzt und auf Rosen gebettet. Hätte ich die Ingredienzen nicht gelesen, hätte ich schwören können, dass hier auch Geranium eingesetzt wurde – jener minzige Frische der Rosen hätte das gut zu Gesicht gestanden. Und wenn wir gerade beim Wetten sind – ich hätte auf einen Klecks Oud getippt. Denn die Blütenschönheiten haben einen gar ehrfurchtvollen Bewacher: Hölzer und Harze rahmen die vanilleverschleierten Damen ein und verleihen dem Bild einen würdevollen Abschluss.

Ein richtiger Orientale ist das nach meinem empfinden aber trotzdem nicht, aber das mag an meiner Interpretation davon liegen. Shamsin erinnert im Auftakt ein wenig an The Different Companys Jasmin de Nuit, lässt diesen alsbald aber hinter sich und entwickelt sich eher dunkel. Hätte ich es nicht gewusst, hätte ich hier eventuell einen gelungenen neuen Montale vermutet.

Auch der zweite Duft, Paradis Paradis, wartet mit einem Jasmin auf:

„Pure, Original, Impertinent. So feminine, so unpredictable, completely independent. Paradis Paradis is the fragrance of obvious femininity, the full harmony of a bouquet of delicate flowers where the concrete of Iris of Italy dominates and opens out unconstrained. Freedom.“

Ein Blütenbouquet als Sinnbild einer freien Frau oder so ähnlich… Benannt nach Jean-Marie Dallets gleichnamigem Roman konnte ich ehrlicherweise trotz nicht allzu knapper Recherche nicht herausfinden, um was es sich in diesem Roman dreht, obgleich der Verfasser mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde – Frankreichs berühmtester Literaturpreis. Deshalb müssen wir uns den Paradiesen hier ganz unvoreingenommen widmen. Geschaffen wurden sie aus: Kopfnote: Bergamotte, Jasmin, Hagebutte; Herznote: Iriswurzel, Zedernholz; Basisnote: Moschus, Vanille.

Auf den ersten Blick wird gleich klar: Shamsin und Paradis Paradis mögen zwar Schwestern sein dank ihrer beider „Wurzel“ oder vielmehr Hauptingredienz, dem Jasmin. Sie unterscheiden sich aber, wie so oft bei derlei Geschwisterpaaren, wie Tag und Nacht.

Paradis Paradis – ist wunderschön. Ein betörender, lichter, Frische atmender Jasmin ohne jeden Anflug indolischer Noten, weiblich und von bebender Sinnlichkeit genauso wie von blütenweißer Unschuld. Welch wundervolles cremig anmutendes und sachte-süßflorales Blütenmeer! Eines, das von sanft-erdigen Irisnoten und dezenter, fruchtig-mehlig-säuerlicher Hagebutte abgerundet wird, auf einer feinen zurückhaltenden Basis ruhend.

Ich dachte ja eigentlich, mit Acqua di Parmas Gelsomino Nobile sowie mit Floris‘ Night Scented Jasmine hätte ich meine beiden Soliflor-Jasmindüfte gefunden, ich glaube aber, dieser hier muss noch her, so schmachtend wie er mich hinterlässt. Wer auf der Suche nach einem transparenten, realistischer anmutenden hellen Jasmin ist sollte in jedem Fall testen!

Nun ist doch ein Must-Have für mich dabei – für Euch auch? Habt Ihr schon getestet? Eindrücke her meine Lieben!

Einen guten Start in die Woche und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Émile Bernard (1941): The Harem, Albert Joseph Moore: Jasmine, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Maison de Haute Parfumerie à Paris…
Von Schwertern & Samurai – Atelier Flou die Zweite.
Herren vor – Atelier Flou die Dritte.


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