Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Vergessenen…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Die Vergessenen.,Duft am 9.12.2011

… sind mal wieder an der Reihe: Genau, ich habe einmal mehr meine Schublade geöffnet und einige Proben herausgezogen, die vollkommen zu Unrecht schon länger auf eine Rezension warten. Deshalb heute: Esvedra von Laboratorio Olfattivo, Myrrhiad von Huitième Art und Atelier Colognes Vanille Insensée – wie immer im mehr oder weniger kurz und knackig ;)

Esvedra und Myrrhiad stammen, das sei schon vorab verraten, aus denselben Händen: Pierre Guillaume fertigte beide Düfte.

Für Esvedra stand die Insel Es Vedrà Pate, eine Baleareninsel in der Nähe von Ibiza, nach der ich ehrlicherweise erst googeln musste. Aber derlei südliche Gefilde sind ohnehin nicht unbedingt mein Beuteschema, selbst wenn es sich wie in diesem Falle der Sage nach um ein Überbleibsel von Atlantis handeln soll und/oder exakt dieses Eiland die Heimat der aus Homers Epen bekannten Sirenen sei. Schroffe Felsen und eine üppige Vegetation – dieser Widerspruch prägt die Insel und diente Guillaume als Inspirationsquelle für seinen Duft. Den Fotos nach zu urteilen ist es dort nicht so hübsch, wie ich mir das vorgestellt habe, insofern wird Guillaume sich mit seinem Duft vermutlich auch eher auf die Sirenen besonnen haben: Eine von weichem, sauberem, pudrigem Moschus getragene Vetiverinterpretation der besonderen Art. Leuchtend in ihrer Reinheit, von kleinen zitrischen Sprenklern begleitet und sanftem Grün durchzogen. Für mich ein bisschen zu rein – ich ziehe meinen salzigen Skandinavienstrand Sel de Vétiver von The Different Company vor.

Mit Myrrhiad wagt sich Guillaume natürlich in ganz andere Gefilde und hat sich mit dem neunten Duft seiner Huitième Art-Kollektion einer ganz besonderen Ingredienz angenommen, der Myrrhe. Wie man der Farbe bereits ansieht, erwartet einen hier ein Knaller – und der Duft enttäuscht nicht. Monsieur Guillaume ist ja für seine Gourmandkreationen sehr bekannt und hat dafür ein wirkliches Händchen, wie er mit Düften wie Felanilla seiner ersten Firma Parfumerie Générale schon bewiesen hat. Myrrhiad steht dem in nichts nach: Guillaume vermag es mit Myrrhiad auf ziemlich geniale Art und Weise, die Facetten der Myrrhe aufzugreifen und zu verstärken – und das mit einer, wie ich meine, recht überschaubaren Anzahl an Zutaten. Die warme, ambrierte Seite wird von aromatisch-würziger, cremiger Vanille unterstrichen, während die rauchigen, harzigen Elemente von schwerem (Sattel)Leder und Noten von geräuchterem Schwarztee verstärkt werden. Das Balsamische forciert Guillaume gekonnt mit Lakritze. Heraus kommt ein mächtiger, beeindruckend schöner Harzduft von großer Präsenz, beschützend, behütend, kontemplativ und, ja, auch – erotisch.

Atelier Cologne haben mit ihrer Kollektion ja schon als sie auf den Markt waren bewiesen, dass Colognes ein durchaus zeitgemäßes Duftkonzept sind (ja, ja, ich weiß – sie haben ja auch an der Konzentration geschraubt, die mit 15% weit über der eines gewöhnlichen Colognes liegt). Vanille Insensée ist nun ihr neuester Streich und einer, der mich wirklich begeistert: So eine Vanille, meine Lieben, findet sich dort draußen kein zweites Mal! Ganz anders als die anderen ist sie, diese Vanille. Ein Naturmädchen ist sie – und gleicht einem Aquarell: Wie ein Streifzug der Vanille durch die einsame Natur will mir dieses Cologne scheinen, ein ausgelassener Spaziergang durch blühende Wiesen, Purzelbäume schlagend zwischen Kräutern und Gräsern. Gesäumt von allerlei Bäumen lässt man sich irgendwann zu deren Wurzeln im sonnengewärmten Moose nieder, den leisen Wind tief einatmend und entspannend. Ein Blick auf die Duftnoten verstellt den Blick auf das Wesentliche, das hier bei Vanille Insensée im Indifferenten liegt, im Verschwommenen, aber deshalb nicht weniger konkreten. Ein Konglomerat an bezaubernden Zwischentönen, von Diffusem, das in seiner zurückhaltenden Sinnlichkeit von anmutender Schönheit ist.

Ich betone es nochmals: Vanille Insensée ist – extrem innovativ. Sehr besonders. Einzigartig. Eine vollkommen neue Interpretation des Themas und deshalb sehr gelungen. Etwas für Weiblein wie Männlein. Für Vanilleliebhaber und solche, die es eigentlich gar nicht sind – und zwar gleichermaßen. Was Vanille Insensée NICHT ist: Pappig. Klebrig-süß. Gourmandig.

Eine schöne Ausbeute für heute, würde ich sagen. Habt Ihr schon getestet? Und, Resultate?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Es Vedra von Ibiza aus von Held2805, Myrrheharz von Sjschen, Lonely Tree in French Field von Chemtec/Fred Fokkelman, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Und noch einmal – die Vergessenen.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Reines und Pudriges am 23.09.2011

Auch den letzten Tag dieser Woche widme ich meiner überquellenden Schublade und einigen Düftchen, die ich Euch schon zu lange vorenthalten habe: Heute stelle ich Euch Clean Summer Linen und Boadicea Regal vor.

Clean Summer Linen ist eine neue der mittlerweile fast unzähligen Varianten und Variationen des klassischen Clean-Duftes und wurde in den Staaten bereits im Frühling veröffentlicht – passend vor der Jahreszeit, derer sich der Duft inspirativ bedient:

„Inspired by the hot sunny days of summer where clean warm breezes mingle with the sun-ripened citrus of summer.“

In fröhlich gelb-terracottafarben verlaufender Flasche kommt die limitierte Edition daher und macht alleine schon von der Aufmachung her Lust auf – Sommer, Sonne, Sand und Strand, auf Urlaub und unbeschwerte Freude(n). Hesperidenfröhlichkeit allseits und ja, auch die Mirabelle vermag ich zu entdecken. Ehrlicherweise hätte ich die wahrscheinlich nicht sofort erkannt, zu selten hat man Mirabellen vor der Nase – subtil-fruchtiges Steinobst oder so ähnlich hätte der Befund gelautet, den ich für Euch in noch hübschere Worte gekleidet hätte. Zarte Rosen unterstreichen die verhalten süße Fruchtigkeit, die sich warm auf Hölzern bettet, welche ihre Süße aufgreifen.

Für jemand, der eigentlich keine Clean-Düfte mag, ist das hier ein durchaus netter Vertreter. Wie sagt der Schwabe so schön als höchstes Kompliment? „Hab scho Schlechteres gerocha“ – trifft in diesem Fall zu. Clean Summer Linen würde ich sogar tragen im Sommer – und die Farbe, ehrlich, die hat es mir angetan.

Michael Boadi war scheinbar trotz seiner neuen Firma Illuminum, die Middletons Hochzeitsduft stellte und somit zum Riesenhype avancierte, unterbeschäftigt und erweiterte seine Linie Boadicea um einen neuen Duft: Regal.

Hinter Regal verbirgt sich tatsächlich Königliches: Beim ersten Aufsprühen wird schon klar, dass wir es hier nicht mit einem Leichtgewicht zu tun haben. Mein erster Gedanke – Oud. Und ich schaue erstmal nach den Ingredienzen – scheinbar kein Oud, aber animalische Noten, die mir in ähnlicher Intensität, aber verschiedener Verpackung bisher nur in Mazzolaris Lui entgegenströmten. Gut gebrüllt, Löwe! Das riesige Tier trollt sich aber schon kurz danach, wahrscheinlich ist es ins Unterholz geflüchtet, in einem solchen befinden wir uns nämlich jetzt. Eine Lichtung im Wald sehe ich vor mir, eine mit Kräutern bewachsene, auf der sich auch so manches Blümelein tummelt. Minziges Geranium, das die hier moosig-chypriert wirkende Rose unterstreicht und Maiglöckchen, zartes, sowie ein erdiges Veilchen im Hintergrund, auf Hölzern gebettet.

Was soll ich sagen? Rotkäppchen und der böse Wolf, wäre das Bild, das mir als allererstes bei Regal in den Sinn kommt, von mir aus auch die Schöne und das Biest: Jugendlich-unschuldige Weiblichkeit von unverstellter Natürlichkeit und irgendwo dahinter – das Tier. Gefällt mir, wie zu erwarten war, gar nicht schlecht und erinnert mich von der Richtung her (!) – man möge mir die saloppen Worte nachsehen: Jungfrau trifft Schmuddelkind – ein bisschen an meine wunderschöne Entdeckung dieses Jahr, Andy Tauers Carillon pour un Ange.

Habt Ihr schon getestet? Seid Ihr Clean-Anhänger oder nicht und wie haltet Ihr es mit Boadicea?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Linen Field von bretz/Hervé de Brabandère, Sunset in Italy von goejsen, Rotkäppchen-Illustration von Carl Offterdinger (19. Jhdt.), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen: Bond No. 9 die Zweite – Oudparade.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Die Vergessenen.,Duft am 22.09.2011

Gestern waren die Parks dran, die Bond No. 9 in letzter Zeit lancierte, und heute folgen die beiden Oud-Düfte. New York Oud, ein Oudduft, der ausnahmsweise einmal der ganzen Stadt und nicht nur einem Teil gewidmet wurde, ist der neueste Oud-Streich aus dem Hause Bond No. 9, die mittlerweile auch mit dieser trendigen Ingredienz Übung haben: Der dritte Oudduft müsste es sein, wenn ich richtig mitgezählt habe, und davon der zweite, regulär erhältliche. Der Harrod’s-exklusive Swarovski Oud war der erste (und, nebenbei bemerkt, wohl ein absoluter Verkaufsschlager), danach kam Signature Perfume und jetzt New York Oud. Der Einfachheit halber stelle ich Euch heute gleich beide der „normalen“ Kandidaten vor.

Mit dem Signature Perfume wagten sich Bond No. 9 erstmalig mit ihrer offiziellen Linie in (reine) Oudgefilde:

„At Last- a New York Oud. The Arabian Nights come to Noho. To mark the 10-year anniversary of Bond No. 9’s headquarters boutique, we had no choice but to unveil our signature scent, Bond No. 9 Perfume Oud, not for a New York neighborhood, but for our NoHo address—a fixed point in the realm of the senses. So seductive and frankly erotic, we’ve named it for ourselves. As a 30 percent concentration, thereby moving it into a category that’s rare today: pure perfume.“

Ein Geburtstagsgeschenk war er also, der Signature, und hat eine herausragende Position inne: Er scheint der Liebling zu sein, sonst wäre er nicht das Aushängeschild geworden, noch dazu eines in solch einer unverschämt hohen Konzentration – 30% Duftkonzentration, das geht nicht nur als reines Parfum durch, es ist selbst für diese Kategorie ein sehr hoher Bestandteil an Duftstoffen. Die Qualität der Inhaltsstoffe ist hoch, die Quantität nicht: Man beschränkte sich auf Oud, Rosen, Moschus und Tonkabohne.

Das Ergebnis? Anders als erwartet kann ich da nur sagen. Wer an Montales Oudrosen denkt, die düsteren, oder an Czech & Speakes (frühere) Dark Rose ist komplett auf dem (Adler)Holzweg. Ein Gedanke an by Kilians Rose Oud führt uns schon eher in die richtige Richtung… Signature Perfume ist eine überaus sanfte, feminine Oudinterpretation, eine, in der die sonst oft medizinisch-streng anmutende Ingredienz gezähmt ist fast bis zur Unkenntlichkeit – was hier allerdings nichts Negatives verheißen muss. Balsamische und über die Maßen zarte Holznoten, verhaltene Harz-Bitterkeit, die die geschulte Nase das Oud entdecken lassen, in inniger Umarmung mit einer stolzen Rose von taubenetzter minziger Frische und samtiger Fruchtigkeit. Ein überaus passendes Paar, das sich hier auf einem weichen Bettchen räkelt, das von zartem Moschus und mandelig-vanilliger Tonkabohne gestellt wird.

Ich habe lange überlegt, was dieser Duft mit New York gemein hat – alles und nichts, würde ich sagen. Vielleicht ist er die perfekteste westliche Umsetzung eines Oudduftes, lässt er doch den eigentlich kantigen Oudcharakter annähernd komplett verschwinden oder besser: aufgehen in einem urbanen, zeitgemäßen Duft für die moderne Frau, gerne auch Business-Woman. Denkt man hier an Sex and the City, wäre es vermutlich am ehesten der Duft einer Charlotte York, jener bisweilen etwas oberflächlichen, aber doch hoffnungslos romantischen und sensiblen, etwas naiven Mittdreißigerin. Ein exzellent gemachter, schöner und sehr femininer Duft, einer, der häufig geht und für den man sicher viele Komplimente bekommt. Aber einer, der den konventionellen Oudliebhaber vermutlich enttäuschen wird.

New York Oud begibt sich dann wieder in gewohnte Gefilde:

„At Bond No. 9, the Oud has come out of the closet and transformed itself into a smooth, full-throttle New York-centric perfume. What a paradox! Who knew? But then New York is a place where impossible, magical paradoxes come true.“

Eine Vereinigung der Charakteristika – von New York, jener westlichen Metropole, mit Oud, jener arabischen Ingredienz, die sich in der Tat in diesem Duft auch das Gleichgewicht halten. Zuerst aber die Ingredienzen: Pflaume, Safran, Orangenschale, Oud, Rose, Iris, Patchouli, Moschus, Honig, Vetiver.

Von urbanem Dschungel ist irgendwo in der Beschreibung die Rede gewesen – nicht schlecht, nicht schlecht, denn New York Oud ist vermutlich wirklich der perfekten Duft für den Großstadtabenteurer, der durch die Clubs zieht und treffsicher die trendigsten Bars frequentiert. Satte Pflaume zeigt sich im Auftakt, die von Safran gewürzt alsbald in dem Oudtopf untergeht wie in einer Bowleschale. Oud darf hier zeigen, was es kann – der Tiger ist nicht zahnlos… Ein Quentchen medizinische Strenge und Bitterkeit samt ausgeprägten harzigen Holznoten, von einer überaus frischen Rose erhellt, der Patchouli zusätzlich Tiefgang einhaucht. Und ja, der Honig, der süßt – allerdings nicht auf so ausladende Art und Weise, dass Honighasser Reißaus nehmen müssten.

Wem die Byredoschen Ausflüge ins Oudland gefallen haben, der kann hier bedenkenlos testen. Und auch Freunde Montalscher Oudrosen sollten einen Blick auf New York Oud werfen – im Gegensatz zu seinem freundlichen Schwesterlein Signature Perfume findet sich hier der „echte“ Stoff ;)

Kennt Ihr die beiden? Und überhaupt, die Gretchenfrage: Wie haltet Ihr es mit dem Oud?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blick auf das Empire State Building vom Top of the Rock & Freiheitsstatue von Liberty Island aus gesehen, beides von Daniel Schwen, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Bond No. 9-Kollektion in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Bond No. 9 – Die Oudparade im Grünen oder so ähnlich.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges,Grünes am 21.09.2011

Einmal wieder habe ich für Euch in der Vergessenen-Schublade gekramt und noch einiges gefunden, dass ich Euch nicht vorenthalten mag: Von Bond No. 9 alleine harren noch drei Düfte der Besprechung – Madison Square Park, High Line und New York Oud, und weils so schön ist nehm ich den ersten Oudduft namens Signature Perfume noch gleich mit hinzu. Beginnen werde ich heute mit den Grünanlagen des Big Apple.

Madison Square Park ist, ich darf mich zitieren:

„Kurz zusammengefasst: Der Park namens Madison Square Park war und ist ein Place-to-be, in ihm saßen Schriftsteller und holten sich Inspirationen, wenn sie nicht gleich Klassiker der Weltliteratur dort verfassten, er ist eingerahmt von tollen Restaurants berühmten Hotels und so weiter. Das alles hat man in ein Parfum gepackt, das eine Mélange aus romantischen Blüten und frischen grünen Noten. Im Auftakt frühlingshaft mit Traubenhyazinthe, Heidelbeere und Präriegräsern wartet der Duft im Herzen mit Tulpen und Rosen auf, die auf einer Basis von dunklem Teakholz und Vetiver ruhen. Der Parfumeur des Duftes ist ein alter Bekannter – Laurent Le Guernec. Und, ich muss es dazu sagen – ich bin zwar absolut kein Flakonsammler, aber dieses knallige Pink finde ich schon ziemlich cool ;)“

Traubig-wässrig präsentiert sich der Duft im Auftakt auch und ich frage mich, ob die Traubenhyazinthe selbst auch im Original fruchtige Gerüche verströmt, vielleicht allerdings ist auch nur meine Nase des Wahnsinns fette Beute, denn anstatt der Heidelbeeren, der schönen züchtigen offeriert sie mir – Nektarine, Pfirsich? Zumindest strahlen mich dieses aus einem beruhigend rosig-tulpigen Bett heraus an – liege ich, liegen wir doch nicht so falsch… Tulpen, ähnlich wässrig-süß umgesetzt wie in Byredos schönem transparenten Tulipe, und minzig-frische Rose, hell und luzide leuchtend in den schönsten Pink- und Rosatönen. Das Teakholz erblasst vor dieser poppigen Schönheit und hält sich ganz Gentleman im Hintergrund, während Vetiver grasgrüne Effekte zaubert.

Ein locker-leichter Frühlingsduft, heiter, beschwingt, dynamisch – in solch einem Park lässt sich’s leben, lässt sich’s leicht arbeiten, schreiben, kreativ sein. Der Duft dazu tut sein Übriges – und ist somit hervorragend dazu geeignet, tagsüber den Frühling mit ins Geschäft zu nehmen, und mit Blühendem für frischen Wind zu sorgen.

Hinter High Line verbirgt sich ein wunderschönes Projekt, von dem ich schon einmal erzählt hatte:

„Die Geschichte hinter High Line ist durchaus bemerkenswert, ist der Duft doch der erste, der einer Bahnstrecke gewidmet ist, allerdings einer sehr besonderen: Die High Line erstreckt sich inmitten des Manhattaner Westens und wurde ursprünglich in den 30er Jahren erbaut, um den Schienenverkehr umzuleiten. Eine Hochbahntrasse, die nun, da sie keiner mehr braucht, innerstädtisch umgenutzt wird: Nach Vorgaben des bekannten dänischen Landschaftsarchitekten und -designers Piet Odouls entsteht ein Park für die Öffentlichkeit. Urbane Tristesse ade, back to Nature ahoi oder so ähnlich. Eine schöne Idee und ein tolles Projekt, dass Bond No. 9 Gründerin Laurice Rahme gerne unterstützen möchte: Sie kreierte den Duft High Line zusammen mit Laurent Le Guernec von IFF, der den Duft als „fun floral in a very modern, industrial way” bezeichnet, ergo einen fröhlichen Floralen in sehr moderner Umsetzung. Die Ingredienzen sind an die im Park vorfindlichen Pflanzen angelehnt: Bergamotte, Purpur-Liebesgras (ja, heißt wirklich so…), Traubenhyazinthe, Rhabarber, Rose, Tulpe, Orangenblüte, ozonische Noten, Aldehyde. Rahme ist dem Verein der Freunde der High Line beigetreten und spendet 4% der Einnahmen aus den High-Line-Verkäufen zur weiteren Begrünung des noch nicht fertiggestellten Parks. Wer sich das Projekt mal ansehen mag und in nächster Zeit nicht nach New York kommt klicke bitte hier.“

Fun-Floral gefällt mir als Bezeichnung irgendwie gut für einen Ami-Duft, obgleich ich diese eher als geeignet für Madison Square Park ansehen würde, vielleicht wegen der Pfirsichfruchtigkeit, die ich dort herausrieche. High Line ist vielmehr modern, ein sauberer, ozonig-luftiger Duft für den smarten jungen Großstädter, und meines Erachtens nach typisch amerikanisch: Dezent grün, subtil fruchtig und verhalten floral mit ein paar Hesperidensprenklern und, wenn ich mich arg anstrenge, auch mit ein paar Fasern fruchtiger Rhabarberherbheit, die im Duftverlauf sogar an Prägnanz gewinnen. Trotzdem ich Rhabarber sehr mag und trotzdem der Duft an und für sich nicht schlecht ist – mir fehlt hier leider ein bisschen das Profil, vielleicht auch die Kanten. Ein frühlingsfrischer Immergeher, ja. Und nett ist er auch – er tut auch nicht weh. Aber vielleicht ist auch genau das das Problem – oder ich habe einfach einen schlechten Tag, wir werden sehen…

In jedem Fall wünsche ich Euch einen schönen Resttag und sende Euch liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Flatiron Building over Madison Square Park von Daryl Samuel, The High Line in Manhattan, New York City at West 20th Street, looking downtown (south) von Beyond my Ken, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Bond No. 9 in unserem Shop.

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Die Neuigkeiten 2011…


Die Vergessenen: Veld’s Prends-Moi.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Hesperiden am 30.06.2011

Hier ist sie wieder, Eure Sisyphusine. Die, die noch so viele Düfte hier vor sich liegen hat, welche sie Euch vorstellen mag, dass sie gar nicht weiß, wo sie anfangen soll…

Ein erster Anfang war aufgrund von Speiseeis-Exzessen der letzten Tage der neue (und erste) Duft von Veld’s: Prends-Moi, auf Deutsch: Nimm Mich! Das hört sich ein bisschen nach einem Befehl an. Und doch, der zweite Satz, heiterer, fröhlich und sowas von verheißungsvoll: Eau de Minceur. (Duft)Wasser der Schlankheit. Das ist jetzt kein Befehl mehr sondern ein Versprechen. Inspiriert sieht sich das Düftchen wohl von einem afrikanischen Landstrich, der „wilden, unberührten Fynbos-Landschaft entlang des Benguela-Stroms, im Westen Südafrikas.“ Und wahnsinnig innovativ ist er – dank seinem Wirkstoff Betaphroline, aus der Neurokosmetik und der Aromatherapie kommend, soll er nicht nur Glücksgefühle wecken sondern beim Abnehmen helfen. Wie das? Afrika hört sich nach Welthunger an. Und Fynbos kenne ich nur von Rotbusch-Tees und… regelmäßigen Bränden, die die dortige Szenerie prägen. Malerisch zwar, aber im Zusammenhang mit Abnehmen weckt das bei mir nur quälende Assoziationen. Also, liebe Veld’s-Leute, wie soll es gehen?

„Neben einer sehr wohltuenden, natürlichen und ausgewogenen Duftkomposition enthält Prends-Moi den exklusiven Wirkstoff Betaphroline, der bereits beim ersten Kontakt mit den Keratinozyten der Epidermis für die Freisetzung und Stimulierung von Beta-Endorphinen (Glückshormonen) in der Haut sorgt. Angenehme Empfindungen werden rasch von einer Nervenzelle zur nächsten bis hin zum Hippocampus (dem „Geruchsgehirn“) geleitet, und lösen dort ein unmittelbares, generelles Wohlbefinden aus. Auch Stress wird nachweislich um bis zu 40% abgebaut.“

Heißhungerattacken ade, Naschgelüste waren gestern. Abnehmen war nie leichter – nur einnebeln soll ich mich mit dem Zeugs und ordentlich inhalieren, gerne auch ein paar Stellen einmassieren damit. Liest sich gut, ein paar Kilo könnten nämlich noch fallen, bis die Bikinifigur wieder sitzt. Obgleich, 1.) sind meine Probleme nicht durch Fressanfälle begründet und 2.) ob das alles so einfach geht?

Das kann ich Euch leider (noch?) nicht verraten, denn zum Dauertest bin ich noch nicht gekommen. Aber nach einem ersten ausgedehnten Probeschnuppern wäre ich glatt geneigt, das Experiment für Euch zu wagen. Denn Prends-Moi stimuliert sowohl Riechkolben, Hirn als auch Gemüt ziemlich angenehm und verströmt eine derart beruhigende Wirkung, wie ich sie sonst nur von Cliniques Aromatics Elixir kenne: Zitrisch-säuerliche Hesperidenfrüchte, hellvioletter Flieder, ich meine noch einen Hauch Johannisbeere zu vernehmen. Der Duft zarter Weißblüher weht durch die Luft, während die Basis angenehme Sonnenwärme suggeriert.

Ich mag das Düftchen – ob es nun schlank macht oder nicht, meiner Laune tut es gut. Und da diese ab und an gerne unter dem allgegenwärtigen Stress leidet, was mich gerne mal zum Essen vergessen und dann abends schlingend nachholen verleitet, kann das ja eigentlich nur besser werden: Mehr Entspannung, weniger Stress, ruhigeres gesünderes Essen – könnte in der Tat die Formel für ein paar Kilo weniger sein.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Grapefruit; Herznote: Jasmin, Ylang-Ylang, Flieder; Basisnote: Patchouli, Sandelholz, Vanille, Weißer Moschus.

Motivierte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Peninsula Sandstone Fynbos – Unique vegetation type endemic to the Cape Peninsula/Cape Town, South Africa von S. Molteno, Proteas after Fire von Gouldingken, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Prends-Moi von Veld’s in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Il Profumo Ginger & Cannabis.


Die Vergessenen: Parfums d’Orsay Intrigante, Montale Jasmin Full & Fifi Chachnil

Kurz und knackig – Ihr dürftet es wissen, normalerweise nicht meine Stärke ;) Heute werde ich es trotzdem versuchen. Vor einiger Zeit hatte ich bereits die Kategorie der Vergessenen eingeführt, Düfte, zu deren Rezension ich trotz ihrer Aktualität (noch) nicht gekommen war. Von Zeit zu Zeit nun werden jene Schubladen geleert, in denen sich meine duftenden Arbeitsmaterialien stapeln und ich greife einige Düfte heraus, denen ich mich hier im schnellen Überblick widme.

Heute vor und unter meiner Nase: Parfums d’Orsay Intrigante, Montale Jasmin Full und Fifi Chachnil.

Die Intrigante ist ein Teil der Intense-Serie von Parfums d’Orsay, genauer: der vierte Duft derselben nach Le und La Dandy [jawohl!] sowie Le Nomade.

„A bewitching eau de parfum created in the image of the beguiling temptress, who harnesses her charms for ambitious seduction.“

Eine Verführerin ist die Intrigante, wen wundert es – und ewig lockt das Weib… Moschus, Wacholderbeeren, Myrrhe, schwarzer Pfeffer in der Kopfnote, Kamelie, Rose, Nelke, Orangenblüte im Herzen und Sandelholz, Patchouli, weißer Moschus, Vanille und Wildleder in der Basis. … Was soll ich sagen? Wieso habe ich diesen Duft nicht früher getestet? Er hätte mir im Winter sicher Freude gemacht. Ein schöner Damenduft irgendwo zwischen Klassik und Moderne, ich fühle mich an Washington Tremletts Clove Absolute und an die alten Carons, unter anderem meinen Liebling Coup de Fouet. Eine Nelke mit Gewürznelkeneinschlag, floralem Gefolge und einem orientalischen Touch, smooth und samtig, würzig und weich. Ein fein-harziger und sehr gemäßigter Florientale mit deliziösen Wildledernoten, der mich an jene Zeit erinnert, als in den ganzen französischen Etablissements jene vorgeblich fremdländischen Tänzerinnen angesagt waren, zu denen auch Baker gehörte. Bitte vorzustellen: Eine vornehme Femme Fatale mit dezent exotischem Anstrich, Kostüm, hochgeschlossen aber trotzdem männermordend, von gewagten grau-samtigen Wildlederstiefelettchen vollendet. Gefällt mir überraschend gut.

Montales neuester Streich ist Jasmin Full. Nach Full Incense mit seinen 237 verschiedenen Weihrauch-Sorten, diesem harzigen Räucherwerk-Kracher dämmert mir bereits mit dem Namen was mir blühen könnte und in welcher Opulenz. Jasmin, Orangenblüte und Geißblatt sind als Ingredienzen angegeben. Letzteres ist nur die Anstandsdame wie sich von Beginn an zeigt: Irgendwo dahinten könnte es wachsen, stehen, blühen – vielleicht. Ich meine das liebe Geißblatt wahrzunehmen, die Gouvernante, was aber auch daher rühren mag, dass ich bereits gelesen hatte, das ich es in dem Dufte finden muss. Ansonsten hat es mit zwei gar unbändigen pubertierenden Mädchen zu tun, die sich gerade in die Blüte ihres Lebens hineinbegeben. Ein Lolitazwilling aus weißen Blüten, von tropisch-cremiger Süße, dicht, narkotisch, betörend und gefährlich wie ein Sedativum, welches einem zuerst die Sinne und dann die Kontrolle raubt. In meiner Nase und auf meiner Haut aber auch indolisch, leider. Hier wedelt einem kein wie auch immer gearteter Lakai Blattwerk ins Gesicht, um wieder zu Atem zu kommen – Grün sucht man hier vergeblich. Insofern sollte man schon ein großer Freund von Weißblühern sein. Wenn man sich zu diesen zählt allerdings kommt man naturgemäß voll auf seine Kosten.

Fifi Chachnil – die amerikanische Unterwäschekönigin. Zusammenarbeit mit Pierre et Gilles, na klar. Und Pin-Up-inspirierte Dessous wie bei Agent Provocateur, dem französischen Pendant des Westwood-McLaren-Sprösslings Ferdinand Corre. Das eine oder andere 50ies-Teilchen ist sicher nicht übel, die mit den ganzen Rüschchen und dem Tünnefkram überlasse ich persönlich, obgleich schöner Unterwäsche nicht abgeneigt, aber lieber Dita von Teese. Der Signature aber von Madame Chachnil, den gebe ich nicht mehr her – und dabei hören sich die Noten so simpel an: Kopfnote: Zitrische Noten, Mandarine, Koriander; Herznote: Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Ambra, Tabak. Ein soo schöner Boudoir-Duft meine Damen! Ich rieche Zitronenbaiser, Puderquasten und Lippenstift, nebst einer eloquenten Femme Fatale mit Gauloises im Mundwinkel und Pfeffer im adrett verpackten, eine samtige Weiche verströmenden Hinterteil. Und hat sie da nicht noch ein Ledergertchen in der Hand, die seidig Verpackte auf ihren Stilettopantöffelchen? Und dann noch dieser Flakon, dieser überaus passende, ein wenig kitschig anmutende, aber überaus entzückende. Hach. Gott ist eine Frau. Ganz bestimmt. Und ich höre für heute auf.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Die Vergessenen: Micallef & Masaki Matsushima.

Heute betreibe ich einmal Prävention: Hier liegen sie nun seit einer Woche auf meinem Schreibtisch, die Proben der beiden neuen Düfte aus dem Hause Micallef genauso wie aus dem Hause Matsushima. Und bevor sie noch weiter in den Hintergrund rücken und (ganz) in Vergessenheit geraten aufgrund aktuellerer Düfte fasse ich sie heute in einer Kurzrezension zusammen.

M aus dem Hause Micallef ist mal wieder eine Limited Edition, die sich standesgemäß in prächtiger Form präsentiert – Martine Micallef ist ja bekannt für ihre eigenhändig verzierten Künstlerflakons, so ist auch dieser von Hand beklebt mit Swarovskikristallen. Die Ingredienzen: Kopfnote: Koriander, Orangenblüte; Herznote: Jasmin, Geranium, Iris; Basisnote: Patchouli, Moschus, Sandelholz, Vanille.

Frisch aufgesprüht offenbart M likörig-orangige Noten, die durch Koriander alsbald würzig-pfeffrig akzentuiert werden. Die Basis drängt sich bereits vorlaut ins Bild und zeichnet nicht nur weich, sondern auch süß und warm – Sandelholz und Vanille tun sich hier in samtener, von Iris unterstützter Süße hervor. Patchouli haucht Tiefe ein, während Moschus cremig-weiche Ansätze verstärkt – und über all dem thront ein dichter, opulent blühender Jasmin, der von frisch-rosigem Geranium eingerahmt wird.

Zuerst dachte ich an The Different Companys Jasmin de Nuit, dieser gibt aber allenfalls eine grobe Richtung vor. Micallefs M ist schwerer und orientalischer, ohne wirklich orientalisch zu sein. Und könnte unter Umständen sogar an dem einen oder anderen Mann wirklich vorteilhaft wirken.

[Edit: Ein kleiner Nachtrag zu M: M ist der neue alte Jewel, der aufgrund von Namensstreitigkeiten nicht mehr unter eben jenem verkauft werden darf.]

Leuchtend rot zeigt sich nicht nur der Flakon von Micallefs Duft Special Edition, Rot scheint auch das olfaktorische Thema des Duftes zu sein, das sich, Achtung Kalauer, wie ein roter Faden durch eben jenen zieht. Frische und dezent aquatische Fruchtigkeit von rotem Obst, vornehmlich (Johannis)Beeren, Melone und rotbackigen Äpfelchen, bespritzt mit Rosenwasser und auf einer warmen und süß-holzigen Basis ruhend, die durchaus einen ambrierten Eindruck macht, Lokum-Eindrücke inklusive.

Shiro von Matsuki Matsushima kommt ganz in Weiß daher – und das ist für ihn wie das Rot für Micallefs Special Edition exakt die richtige Farbe, wie auch schon der Name sagt: Shiro bedeutet nämlich weiß oder auch rein. Die Intention sollte damit klar sein, wird aber nach einem Blick auf die Ingredienzen noch ein wenig eindrücklicher: Kopfnote: Baumwollblüte, Rosen, Alpenveilchen; Herznote: Leinen; Basisnote: Fichtenbalsam, Iris, Moschus. Nomen est Omen bestätigt sich hier absolut: Shiro ist frisch, sauber, dezent aquatisch, ein klein wenig floral und in der Basis verhalten süß, aber rundum weich und knuffig. Ein unverfänglicher Begleiter für all die Freunde von Wäsche-Düften, Skin-Düften sowie der neuen Nicht-Parfums.

Art Homme haut in eine ganz andere und für Japaner durchaus ungewöhnliche Kerbe: Die Maskuline. Roarrr. Die Ingredienzen: Kopfnote: Kardamom, Schwarzer Pfeffer, Mandarine; Herznote: Orangenblüte, Iris, Patchouli; Basisnote: Fichtenbalsam, Hölzer, Weißer Moschus. Im Auftakt gewürzte Hesperiden, die durch den Pfeffer einen interessanten Kontrast erfahren, von distinguierten floralen Akzenten ergänzt und auf einem dicken Baum ruhend, will sagen: Deutlich balsamische Hölzer in der Basis, die den Duft positiv überschatten. Ungewöhnlich entschlossen männlich für einen Asiaten.

Habt Ihr davon schon was getestet? Was gefällt und/oder spricht an?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ein Tag unter dem Feigenbaum: Micallef – Sous le Figuier
Duftverzeichnis L – Z
Die Vergessenen II


Nirmal…

… bedeutet auf Hindi soviel wie rein, makellos, pur – genau das Gegenteil von meinem Gewissen also. Jenes plagt mich nämlich schon seit längerem, da das feine gleichnamige Pröbchen aus dem Hause Laboratorio Olfattivo bereits eine ganze Weile meiner harrt in seinem Aufbewahrungskörperchen, dem überquellenden zur Linken meines Monitors. Dessen Rezension muss ich heute endlich nachholen.

Laboratorio Olfattivo dürfte dem einen oder anderen sicher ein Begriff sein: Im April letzten Jahres hatte ich über die Geburt des Hauses berichtet, das damals mit vier Düften „an den Start“ ging – äußerst erfolgreich, mir gefällt die Kollektion nach wie vor sehr gut, für die auch Parfumerie Générales Pierre Guillaume mit Daimiris einen Gastauftritt bzw. Gastduft beigetragen hatte. Deshalb waren meine Erwartungen entsprechend vorgeprägt und ich demgemäß gespannt – ich wurde nicht enttäuscht, soviel sei schon vorab verraten.

Als Parfumeurin engagierten Laboratorio Olfattivo Rosine Courage, die mit Nirmal folgende Intention verfolgte:

„A candid tissue that softly grazes the skin. The white color that becomes perfume of sweetness, serenity and quiet. Imagining a cloud of candid notes that spread in the air, the Nose has drawn a fragrance from the soft lines, accented by soft tones and accords. A perfume in which clear feelings and positive thoughts are mixed.“

Die Farbe Weiß, weiche fließende Stoffe, heitere Gelassenheit, Klarheit und Gemütsruhe, ein Parfum, in dem Emotionen und positive Gedanken eins werden. Hört sich für mich als ewig gestressten Großstadtbewohner natürlich toll an, deshalb mache ich mich gleich auf die Suche nach anderen Düften von Madame Courage – Fehlanzeige. Ich finde keinerlei Angaben, wie und mit wem sie bisher was bewirkte. Das soll weder mich noch Euch davon abhalten, weiter in die Materie von Nirmal einzudringen: Die Idee war es laut Laboratorio Olfattivo, ein einfaches, aber unvergessliches Parfum zu kreieren, einen Duft, der aufrichtig ist und innig, so sanft wie eine liebevolle Umarmung, eine zärtliche Liebkosung. Haaach…

Düfte mit Cozy-Charakter sind in zur Zeit – und ein meditativer Hauch schadet dem Marketing auch nicht. Nirmal aber ist in der Tat die perfekte Umsetzung obigen Versprechens: Im Auftakt ein Hauch jener eigenartig würzig-trockenen Karottensüße mitsamt der ihr eigenen faserigen Holzigkeit, die sich bald in das sanfte Herz des Duftes flüchtet. Wie ein samtener Baldachin umfängt pudrige Iris den Träger und hüllt ihn in Anmut, wohlige Geborgenheit erzeugend und ein besonderes Band zwischen Träger und Duft spinnend: Mehr Aura als Parfum ist der hautnahe Nirmal, dessen Basis das zauberhafte Herz mit luzider ambrierter Wärme aufgreift, eingerahmt von soften Wildledernoten und, den Namen unterstreichend, hell-sauberem Zedernholz.

Helle Farben umschmeicheln einen, allerdings weniger weiß als vielmehr warmes Wollweiß in vielerlei Nuancen – und Nude, denn Nirmal hat ein perfektes Nude-Naturell. Allerdings fühlt man sich beim Tragen des Duftes nicht entblößt, vielmehr bietet er Schutz und Anlehnung, eine perfekte Symbiose mit der Wärme der Haut eingehend. Ein Duft, mit dem man sich selbst etwas Gutes tut. Ein tröstender, beruhigender und ausgleichender Begleiter, der einem kaum von der Seite weicht – aber nichtsdestotrotz präsent andere Nasen ebenfalls verzücken wird.

Mich hat Nirmal berührt in seiner Harmonie. Euch auch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Die Ingredienzen: Kopfnote: Karotte; Herznote: Iris, Veilchen; Basisnote: Zedernholz, Ambra, Wildleder.

Bildquelle: Wool von mechok, Buddha Belly von Egoforall/Sanya Obsivac, beides via stockchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Laboratorio Olfattivo in unserem Shop.

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Gilding the Lily.


Gilding the Lily.

Geschrieben in Chypre,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges am 2.02.2011

Auf zu einer neuen Runde der Vergessenen – es harren derer noch so viele in meinen Schubladen, da ich, vor allem im Winter, nie hinterher komme, Euch alle Neuerscheinungen vorzustellen, die ich eigentlich hier zeigen mag.

Zwei weitere Kandidaten, die bisher von mir ganz unberechtigt und vollkommen zu Unrecht nicht rezensiert wurden, sind Inekes neuer Duft Gilded Lily sowie Laboratorio Olfattivos Nirmal – das werde ich heute und morgen nachholen.

Gilded Lily ist, wie unschwer zu erraten, Inekes siebter Duft, denn die Dame schafft gerade ihr eigenes Alphabet der Düfte und ist jetzt beim Buchstaben G angelangt. Wie immer zeigt sich die in San Francisco lebende gebürtige Kanadierin literarisch bewandert: Der Name ihres neusten Streiches geht auf den Ausdruck „Gilding the Lily“ zurück, was soviel heißt wie “die Lilie vergolden”.

Jener wird auf William Shakespeares 1595 entstandenen King John zurückgeführt, geht aber auf ein falsches Zitat zurück – die Originalstelle lautet:

“To gild refined gold, to paint the lily, to throw a perfume on the violet, to smooth the ice, or add another hue unto the rainbow, or with taper-light to seek the beauteous eye of heaven to garnish, is wasteful and ridiculous excess.”

Auf Deutsch nach der Wielandschen Übersetzung, online dank Projekt Gutenberg: Akt 4, Szene 2, Auftritt Salisbury:

„Dieser doppelte Pomp einen Titel zu befestigen, der vorhin schon sicher war, ist eben soviel als feines Gold übergülden, die Lilie weiß färben, die Viole parfumiren, das Eis glätten, den Regenbogen mit einer neuen Farbe bereichern, und dem schönen Auge des Himmels durch ein Fakel-Licht einen höhern Glanz geben wollen; es ist vergebliche Verschwendung und lächerlicher Ueberfluß.“

Wie bereits hier zu ersehen ist der Terminus „Gilding the Lily“ mitnichten positiv gemeint, ganz im Gegenteil: Er bezeichnet, das lässt sich einhellig feststellen, das Bestreben, etwas bereits Schönes oder auch Perfektes noch weiter verzieren und/oder verbessern zu wollen – und damit meist zu verschlimmbessern, zu verunstalten, was mich an das wunderschöne Zitat aus Terre des Hommes – Wind, Sand und Sterne von Antoine de Saint-Exupéry erinnert, das wohl auch den Bauhäuslern gefallen haben muss:

“Perfektion ist erreicht, nicht, wenn sich nichts mehr hinzufügen lässt, sondern, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.”

Ehrlicherweise kann ich die Beweggründe nicht verstehen, weshalb Ineke Rühland vor diesem Hintergrund auf jenen Ausdruck zurückgreift und ihn auf die Parfumeurskunst anwendet:

„Für Ineke“ lässt das Pressematerial verlauten, „ist er eine passende Allegorie für das Parfümhandwerk generell, da Parfümeure grundsätzlich versuchen die Schönheit der Natur noch weiter auszuschmücken.“

Für mich eine negative Assoziation, da ich das Handwerk der Parfumeure anders auffasse: Sicher, man bildet oft Natur nach… man verwendet sie aber auch. Und es geht nicht immer und ständig um überflüssigen Zierrat, auch wenn das vielleicht der eine oder andere Kernseife-Verwender so sehen mag… Der ist ja aber ohnehin nicht die Messlatte.

Vermutlich war es die Ingredienz, die die Parfumeurin Rühland zum Namen des Duftes inspirierte:

„Als Ineke von dem fantastischen Duft der japanischen Goldband-Lilie (Lilium Auratum) hörte, bestellte sie sofort ein paar Exemplare für ihren Garten, um ihn zu erforschen. Der Duft wurde zum Herzstück ihres neuen Parfums. Ursprünglich entdeckten viktorianische Pflanzensammler die wild wachsende Lilie mit dem Namen „yama yuri“ in den Bergen Nordjapans. Sie brachten sie mit zurück nach England und machten sie zur Grundlage diverser Lilienkreuzungen.“

Trotzdem bleibt der Name für mich mit seinem ganzen Hintergrund ein Fehlgriff – ganz im Gegensatz zum Duft, zu dem er mit seiner Bedeutung im krassen Widerspruch steht: Mit Gilded Lily bewegt sich Rühland nämlich in Richtung neuer Ufer. Fast schon Patricia-de-Nicolaïesk schuf sie hier einen femininen Duft voller zurückhaltend-selbstgewisser Anmut und Eleganz, der aber in seiner kühlen Würzigkeit eine hohe Präsenz aufweist.

Ein leichtfüßig vollzogener Spagat zwischen der altehrwürdigen Duftfamilie der Chypredüfte und einem zeitgemäßen Duft, ein klassischer Chypre mit einem modernen Twist: In der Kopfnote prickelnde Fruchtnoten von saftiger Ananas und feinherb-säuerlichem Rhabarber bahnt sich alsbald das chyprierte Naturell des Duftes seinen Weg, welches darüber hinaus mit einer würzig-floralen und betörend ätherischen Lilie aufwartet. Weichheit und Würze, Puder und Frucht sowie florale Elemente fügen sich hier zu einem überzeugenden, weder zu süßen noch zu floralen und auf keinen Fall quietschig-fruchtigen Damenduft zusammen, der, wie ich meine, nicht unbedingt von einem Teenager getragen werden sollte – aber das meine ich ohnehin von jedem Chypreduft ;)

Die Ingredienzen: Kopfnote: Ananas, Rhabarber, Pampelmuse, Bergamotte; Herznote: Lilie; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos, Sandelholz.

Konntet Ihr schon testen, wie gefällt er Euch? Und wie steht Ihr zu Chypredüften?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Im übrigen rieche ich einen mehr als deutlichen Unterschied zwischen dem Teststreifen, meiner Haut und dem Schal, worauf ich Gilded Lily auch noch platziert habe – bitte unbedingt vor einem eventuellen Kauf selbst testen!

Hier finden Sie die Düfte von Ineke in unserem Shop.

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