Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Schöne und das Biest: Ambre à Sade

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Fruchtiges,Gourmand am 21.03.2011

Mariela

Die unschuldige Justine, Protagonistin des gleichnamigen Romans von Marquis de Sade entscheidet sich zu Beginn der Tragödie, im Gegensatz zu ihrer frevelhaften Schwester, für eine tugendhafte Lebensweise. Sie erlebt dabei allerlei Missgeschicke und muss zahlreiche körperliche, seelische und nicht zuletzt – dafür ist der Roman ja einschlägig bekannt – sexuelle Erniedrigungen ertragen. In einem Interview erläutern Christa Patout und ihr Ehemann Stéphane Humbert Lucas, die Köpfe hinter dem Hersteller Nez à Nez, dass die kontrastierenden Duftnoten von Ambre à Sade, nämlich Beere sowie eine Kombination aus Patchouli und Leder jeweils die Romanfigur Justine und den Autor de Sade selbst repräsentieren sollen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Brombeere, Erdbeere, Walderdbeere, Karamell, Herznote: Himbeere, Virgina-Zedernholz, Zimtbaum, Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Vanille, Patchouli, Leder

Wild strawberries / CÄpşuni sÄlbatice

Ambre à Sade startet mit einer gewaltigen Ladung Beeren, gepaart mit ordentlich Karamell. Genauer gesagt sind es die Walderdbeeren, die die Kopfnote dominieren, jene Verwandten unserer heiß geliebten Erdbeere, die süßer und waldiger schmeckt und die natürlich erst mal gefunden werden muss. An und für sich eigentlich ganz gut. Ich mag Beeren und gegen Karamell habe ich auch nichts einzuwenden, aber ich bin enttäuscht. Das ganze riecht für mich sehr künstlich. Als Kind hatte ich mal einen Stift, der nach Erdbeere roch, und unser Duft ist dem künstlichen Erdbeeraroma nicht unähnlich. Leider verläuft dieser Duft auch sehr linear, Ambra und Vanille gesellen sich dazu, aber dann ist auch schon Schluss. Bei mir ist weder etwas von Holz noch Leder, geschweige denn Patchouli zu erkennen. Zurück bleibt eine ziemlich klebrige Süße, die mich irgendwie an einen dicken, pinkfarbenen Kaugummi denken lässt.

Hubba Bubba

Nun, ich muss gestehen, dass ich mir unter diesem Namen etwas wesentlich dunkleres vorgestellt habe als dieses geradezu leichte und fruchtige Duftwässerchen! Für mich kein erwachsener Duft. Vielmehr könnte ich mir diesen Duft gut an Mittel- bis Oberstufenschülerinnen vorstellen. Der Duft wird sicherlich seine Fans haben, für mich ist er jedoch nichts.

Aber vielleicht, wie so oft auch eine Frage der Hautchemie. Bei anderen Trägern kommen diese Ingredienzen bestimmt sehr schön raus! Wie ist es bei Euch?

Harmen

Ambre à Sade… tatsächlich habe ich mir vor einigen Jahren einmal den Roman „Justine“ von Marquis de Sade zur Brust genommen und ihn dann irgendwann zur Seite gelegt, um nie wieder hineinzuschauen. Ich erinnere mich nur soweit daran, dass sich gewaltpornographische Beschreibungen mit philosophischem Geschwafel über Moral abwechselten, wobei beide Anteile nach einer Weile reichlich langweilig wurden. Man kann ja schlecht über 200 Seiten hinweg schockiert sein.

Von all dem kann ich in Ambre à Sade nichts finden. Eine klebrig-süße Walderdbeere, dann kommt lange gar nichts und dann kommt eine klebrig-süße Walderdbeere, wie es weitergeht, könnt Ihr Euch denken. Mit etwas gutem Willen kann man die Süße als Karamell und Vanille interpretieren. Der Marquis de Sade wird hier offensichtlich vom Bürgerschreck zum Marketing-Gag, und ich weiß nicht, ob Parfums verzehrt werden dürfen, aber ein kleiner Schuss Ambre à Sade in die Waldmeisterbowle könnte ich mir ganz gut vorstellen. Auch auf der Haut ändert sich am Duft eigentlich nichts. Eine ganz leichte Ledernote lässt sich erahnen, sofern man die Ingredienzen kennt, und wäre diese dominanter angelegt, wäre vielleicht ein interessanter Kontrast entstanden. Ich möchte niemandem Unrecht tun, aber kann mir nicht vorstellen, dass jemand so riechen möchte, tut mir leid.

Vielleicht kennt jemand die Göteborgs-Keksrollen von IKEA. Es gibt aus dieser Reihe auch die Geschmacksrichtung Smultron (Walderdbeere) – soweit ich weiß nur in Schweden. Sie schmecken ganz hervorragend und sind sicherlich auch eine schmackhafte Alternative zu einem Walderdbeerparfum.

Zu Walderdbeeren fällt mir noch der große Klassiker von Ingmar Bergman „Wilde Erdbeeren“ (Smultronstället) von 1957 ein, vielleicht wäre dieser Film die richtige Gelegenheit, das Parfum zu tragen. Ausschnitte könnt Ihr Euch hier ansehen.

Fruchtige Grüße
Harmen

Bildquellen: Wild strawberries / Capşuni salbatice by cod_gabriel, on Flickr, Hubba Bubba by Josh Kenzer, on Flickr, Das Keksbild stammt von hier some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Sel de Vétiver

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 14.03.2011

Mariela

Heute darf ich über einen meiner absoluten Lieblingsdüfte schreiben. Sel de Vétiver von The Different Company, wie schön! Ich erinnere mich noch genau daran wie Ulrike bei einem Besuch ein Pröbchen hervorzauberte, um mich an einer ihrer neusten Errungenschaft teilhaben zu lassen. Unser Geschmack ist seit jeher nur bedingt deckungsgleich. Ist es doch eher die Ausnahme, dass wir dem gleichen Duft verfallen. Einer davon ist jedenfalls Dammuso von Profumo di Pantelleria, der zweite ebendieser heutige Protagonist. Was soll ich sagen? Es war Liebe auf den ersten Riecher! Ich fand den Duft sehr ausgefallen und wirklich besonders! Es dauerte keine zwei Tage, bis ich zum nahezu erschöpften Pröbchen auch den vollen Flakon besaß.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Grapefruit, Geranium, Liebstöckel, Herznote: Iris, Ylang-Ylang, Basisnote: Vetiver, Kardamom, Patchouli

Sel de Vétiver startet sehr herb. Die Grapefruit riecht in diesem Fall nicht zitrisch-frisch, sondern vielmehr bitter. Keinerlei Süße mildert ab. Es riecht am Anfang fast schon medizinisch, jodig. Liebstöckel, der mir in Italien schon oft in Strandnähe begegnet ist, bereichert das Gemisch mit seiner aromatischen Würze. Ein Hauch Patchouli verleiht Schwere. Und, wie der Name schon sagt, es riecht tatsächlich nach Salz, vielmehr nach Salzluft. Die Blumen kommen gegen diese geballte Ladung an erdig-holziger Würzigkeit kaum an. Zu stark dominieren in der Basis Kardamom, Vetiver und Patchouli. Ich denke ihre Hauptaufgabe besteht darin, dieser Melange die Schärfe zu nehmen – was ihnen auch sehr gut gelingt.

Brucoli Sicilia Italy - Creative Commons by gnuckx

Der Geruch von Salz, der nach einem Bad im Meer auf trocknender Haut entsteht, war für Céline Ellena die Inspiration für diesen Duft. Ich muss sagen, das hat sie bravourös umgesetzt. Mich versetzt Sel de Vétiver sofort an den Strand. Es ist Abend, der Strand fast menschenleer. Die Hitze des Tages ist vorbei, die Wellen werden stärker. Ein angenehm-frischer Wind weht. Die Haut riecht nach Salzwasser. Eine Stimmung wie mit dem Weichzeichner versehen, melancholisch. Das ist meine Lieblingsstunde am Meer und daran erinnert mich Sel de Vetiver. Jedesmal. Was kann ein Parfum mehr bewirken?

river and beach in sardegna

Harmen

Sel de Vétiver – der Duft wurde von der Parfumeurin Céline Ellena für den Hersteller The Different Company kreiert und verspricht natürlich im Titel schon einen Vetiver-Duft, der offensichtlich auch salzige Noten enthalten soll. Ich bin gespannt, da ich es mir relativ schwierig vorstelle, Salz olfaktorisch umzusetzen. Im Produkttext wird unter anderem von dreierlei Vetivers gesprochen, die hier Verwendung fanden. An die Duftprofis unter Euch: Seid Ihr in der Lage, derartig feine Unterschiede wie drei verschiedene Vetivers herauszuriechen?

Als Inspiration diente Frau Ellena der Geruch von Salz, das nach einem Bad im Meer auf der Haut trocknet. Also mal sehen, was passiert:

Der erste Eindruck auf dem Teststreifen ist positiv, sehr krautig und auch würzig dieser Geselle, auch das Bittere einer Grapefruit lässt sich nachvollziehen zudem Kardamom. Die blumigen Noten von Iris und Ylang-Ylang hingegen kommen nicht hervor. Der Liebstöckel ist sicherlich für die würzigen Noten verantwortlich, ist er ja auch als Maggikraut (oder Luststock, hihi) bekannt, und tatsächlich kann ich eine angenehme fast suppenwürzige Komponente erriechen. Auf meiner Haut gehen die frischen und leicht fruchtigen Noten leider unter und der Liebstöckel dominiert. Das Salz sehe ich hier eher als Assoziation zur Würze, den Geruch von Salz sollte man also nicht erwarten. Zurück zum Duftstreifen, auf dem sich ein Duftverlauf bemerkbar macht, denn der Kardamom kommt noch stärker zum Tragen, und das Ganze kippt in eine essigartige Richtung. Ihr werdet es schon gemerkt haben, so richtig glücklich bin ich mit dem Duft nicht, weder auf dem Streifen noch auf der Haut. Der Suppenkasper hat sich am Maggi vergriffen und trostlos baumelt sein Liebstöckel herab. Schade, der Duft fängt vielversprechend an, und dann geht ihm die Luft aus. Vielleicht ist dies aber auch eine neue Art von Gourmanddüften Kategorie „Klare Brühe“. Ich mache natürlich nur Spaß! Der Faktor Haut ist ja eine sehr individuelle Sache, deswegen kann ich allen Freunden von krautigen und würzigen Düften nur raten, diesen hier einmal anzutesten!

Viele Grüße
Euer Harmen

Hier finden Sie Sel de Vétiver in unserem Shop

Bildquellen: Brucoli Sicilia Italy – Creative Commons by gnuckx by gnuckx, on Flickr, river and beach in sardegna by ezioman, on Flickr, Levisticum officinale von Llez – bei Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Delicious Closet Queen

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 7.03.2011

Mariela

Der vorerst letzte Duft in unserer langen État Libre d‘Orange Reihe. Mal sehen, ob Uli genug hat oder ob da noch etwas nachkommt. Wie steht es bei Euch? Habt Ihr die Nase schon voll von den französischen Duft-Provokateuren? Ich freue mich auf Delicious Closet Queen, denn ich habe gelesen, dass Nathalie Feisthauer diesen Duft kreierte. Nachdem sie auch für meinen aktuellen État Libre-Liebling Nombril Immense verantwortlich war, habe ich große Erwartungen! Doch was soll dieser Name schon wieder bedeuten? Köstliche Einbauschrank-Königin? Köstliche Wasserklosett-Königin? Aha, Urban Dictionary sei Dank: Ein männlicher Schwuler, der sich nicht outen kann oder will und gegenüber anderen stets betont, wie hetero er eigentlich sei.

Couple with Older Queen

Jetzt verstehe ich auch das Maskenmotiv auf dem Flakon! Ein Wechselspiel der Geschlechter, deswegen auch die vielen „weiblichen“ und „männlichen“ Duftnoten. Die Maske als Symbol für Versteckspiel, Täuschung, Geheimniskrämerei. Das heimliche Verkleiden im stillen Kämmerchen.

Sei‘s drum, die Ingredienzen; Kopfnote: Veilchenblätter, Iris, Atlas-Zedernholz. Herznote: Himbeere, Patchouli, Rose, Basisnote: Vetiver, Sandelholz, Tonkabohne, Animalische Noten, Leder, Opoponax

Violets

Der Duft startet recht männlich, Veilchenblätter und Atlas-Zedernholz verbinden sich zu einer herb-frischen Mischung. Iris verleiht mit seiner zarten Cremigkeit mehr Tiefe.
Die Himbeere und die Rose, von denen ich mir einiges versprochen hatte, gehen – zumindest auf meiner Haut – völlig unter. Das ist sehr schade, denn gerade das Zusammenspiel der weiblich anmutenden Ingredienzen mit den eher typisch männlichen hätte dem Ganzen eine interessante Note verleihen können. Um die animalischen Noten, die ich nicht entdecken kann, bin ich nicht traurig. Leder ist in diesem Fall auch kein besonders prägnanter Geselle. Der warm-würzige Duft von Opoponax, süssem Sandelholz und erdigem Patchouli verbinden sich angenehm zu einer wohlriechenden Mixtur. Ein netter und solider Duft, meiner Meinung nach jedoch kein herausragender. Zu behäbig und vor allem darauf bedacht, niemandem auf die Füße zu treten. Den Mann in Frauenkleider kann ich leider nicht entdecken. Deswegen würde ich mal sagen: Thema verfehlt!

Liebe Grüße,
Mariela

Harmen


Nun kommen wir zum Ende unserer Reihe von État Libre d’Orange-Düften, und Ihr dürft gespannt sein, wie es weitergeht. Laut Hersteller handelt es sich bei „Delicious Closet Queen“ um einen Herrenduft, zumindest was die Idee betrifft, ist dieses Wasser auf einen Herrn zugeschnitten. Wir sind ja mittlerweile so einiges gewöhnt, was aus diesem Hause kommt, aber es handelt sich definitiv nicht um einen leckeren Toilettendamen-Konzeptduft. Was es wirklich damit auf sich hat, soll nun gelüftet werden.

Dem Produkttext zufolge haben wir es hier mit einem äußerst kultivierten und wohlgekleideten Herrn zu tun, der ein Geheimnis in sich trägt, das er nach außen nahezu perfekt zu verbergen weiß. „Closet“ deutet auf dieses innere Versteck hin, auf das Unterdrücken der wahren Natur und Identität. Der Name spielt vermutlich auf die Redewendung „come out of the closet“ an, das Outing, das offene Bekenntnis zum Schwulsein. In Verbindung mit der „köstlichen Königin“ sicherlich keine abwegige Interpretation.

Nach dem Aufsprühen auf den Testreifen ist meine erste Assoziation, dass der Duft recht massentauglich daherkommt und mir äußerst bekannt vorkommt. Liebe Leser, vielleicht gibt mir jemand den richtigen Tipp….Moment, ich ziehe eine kleine Duftprobe aus den Untiefen meiner Schublade und hole Joop! Nightflight hervor. Das ist es! Im Auftakt ähneln sich beide ungemein. Frische, seifig-cremige Noten, bei Joop! bleibt es dabei, bei Delicious Closet Queen entwickelt sich der Duft in eine holzige Richtung, das Veilchen, die Iris und das Zedernholz lassen sich erahnen, definitiv komplexer und anspruchsvoller. Die Basis bekomme ich aber aus dem Duftstreifen gar nicht heraus. Auf der Haut fächert sich der Duft in viele Aspekte auf: viel holziger und auch ganz leichte animalische Anklänge, wobei es mir sehr schwer fällt die einzelnen Duftnoten für sich wahrzunehmen.

Absolut unisex der Duft, vor allem auf dem Duftstreifen, wobei ich ihn mir doch etwas besser an einer mondänen Frau vorstellen kann.

In Erwartung Eurer Kommentare grüßt

Harmen

Hier finden Sie Delicious Closet Queen in unserem Shop

Bildquellen: Couple with Older Queen by puroticorico, on Flickr, Violets by NicestAlan, on Flickr. Some rights reserved, vielen Dank!

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Duftverzeichnis
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Die Schöne und das Biest: Tom of Finland

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 28.02.2011

Mariela

Dieser spezielle Duft der Krawallparfumeure aus dem Hause État Libre d’Orange entstand doch tatsächlich in Zusammenarbeit mit der Tom of Finland Foundation. Touko Laaksonen, besser bekannt als Tom of Finland, gründete sie gemeinam mit seinem Freund Durk Dehner im Jahre 1984. Ziel der Stiftung ist es, Laaksonens künstlicherisches Schaffen für die Nachwelt zu konservieren und eines der weltgrößten Erotic-Art-Archive zu verwalten.

Der 1991 verstorbene Laaksonen revolutionierte die Welt der homoerotischen Kunst. Seine Darstellungen unverschämt attraktiver, durchaus muskulös und auch sonst sehr übertrieben männlich und stramm gebauter Kerle bleiben bis heute einzigartig und unverkennbares Markenzeichen. Bei seinen Motiven handelte es sich hauptsächlich um Matrosen und Männer in Uniform. Die vielleicht ursprünglichste Darstellung schwuler Rollenklischees. Proto-Schwule sozusagen. Es macht wirklich großen Spaß diese Bilder anzuschauen, sind Männer hier doch wirklich in ihrer idealsten Form zu bestaunen :-)

Auf der Herstellerseite wird besagter Duft mit folgenden Worten vorgestellt: „a water that washes away the sins of the night and leaves the skin luminous“. Schön, wollen wir doch mal sehen was da so leuchtet…

Kopfote: Aldehyde, Zitrone, Herznote: Birke, Kiefer, Safraleine, Pfeffer, Zypresse, Galbanum, Geranium, Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Iris, Vetiver, Styraxharz, Moschus, Ambra

Tom of Finland startet zitrisch-frisch, wird aber sehr schnell von würzigen Noten, sowie einer bei mir sehr ausgeprägten Ledernote eingeholt. Das mag wohl an Safraleine liegen, jenem Duft-Molekül mit diesem warm-würzigem Safrangeruch, der allerdings auch eine Ledernote hat. Auf dem Teststreifen kommen die Birke und Kiefer schön heraus. Auf meiner Haut aber werden sie komplett verschluckt. Safraleine ist wirklich omnipräsent und dominiert ganz klar die Herznote. Dadurch, muss ich gestehen, passiert auf meiner Haut gar nicht so viel. Im Abgang verleihen Tonkabohne mit Moschus und Ambra einen skinnig-cremigen Touch, der wirklich sexy nach warmer, süßer, frisch gewaschener Haut riecht. Man möchte sich direkt einkuscheln…

Ein Duft, den ich mir durchaus an einem muskelbepackten, attraktiven Mann vorstellen kann, von mir aus auch in Uniform. Genauso kann er auch von einer Frau getragen werden. Der Hersteller sagt ja, dass Tom of Finland keine sexuelle Orientierung habe, sondern Sex sei! Eine Ode an die Möglichkeiten, die der morgige Tag mit sich bringt.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen aufregenden Tag mit vielen „Möglichkeiten“.

Bis bald
Mariela

Harmen

Bei den Bildern von Tom of Finland ist mir eines nie ganz klar gewesen. Ist das alles bierernst gemeint und mit einer gewollt kitischigen Komponente versehen, oder haben wir es hier mit einer augenzwinkernden Überzeichnung des Männlichen zu tun, die sich erfrischend selbstironisch aufs Korn nimmt? État Libre haben übrigens auf ihrer Homepage unter „Tom of Finland“ eine kleine Bildergalerie veröffentlicht.

Auch die Duftprobe, ein rosa Wässerchen, deutet ebenfalls in diese Richtung. Hierzu noch eine Warnung. Auf dem Duftstreifen hinterlässt der Duft aus dem Hause État Libre einen violetten Fleck. Beim Aufsprühen ist also Vorsicht geboten, will man sich das weiße Ledertop nicht versauen.

Bei Tom of Finland fallen mir immer auch die amerikanische Kultfilme „Police Academy“ ein und dort vor allem die legendäre Bar „The Blue Oyster“, die ganz offensichtlich nicht die beste Salatbar der Stadt ist. Wer sich überzeugen will, sei hierhin verwiesen.

Nach dem Aufsprühen erweist sich der Duft als Ledergranate mit frischen, zitrischen Noten, die aber relativ schnell an Wirkung verlieren. Schnell kommen süßliche und für meinen Geschmack etwas schwülstige Noten zum Vorschein, wohl Vanille und Ambra geschuldet. Um es etwas klischeehaft zu formulieren: nach vorne raus Lederuniform, nach hinten raus der süße Arsch einer Drama Queen. Meiner Meinung nach ist gerade letzterer Gesichtspunkt etwas zu grell geraten, aber trotzdem ist der Duft durchaus von Frauen und Männern jeglicher Orientierung tragbar. Wer die Bilder von Tom of Finland nicht mag, sollte sich nicht abschrecken lassen, diesen Duft zu testen, und großzügig über die Aufmachung hinwegsehen.

Hier finden Sie Tom of Finland in unserem Shop

Bildquellen: Tom of Finland – Wikipedia – some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Sécrétions Magnifiques

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 21.02.2011

Mariela

Ich muss zugeben, diesen Duft zu rezensieren fällt mir schwer! Zu viel Schlüpfriges hat man schon darüber gelesen. Hier die Ingredienzen:

Kopfnote: Blut, Adrenalin, Ozonische Noten
Herznote: Milch, Iris, Kokosnuss
Basisnote: Sandelholz, Opoponax

Sie tragen nicht gerade dazu bei, dass sich bei mir eine sonderlich große Vorfreude auf den Duft entwickelt. Zudem soll diese Melange diversen Körperflüssigkeiten wie Blut, Schweiß, Sperma und Speichel nachempfunden sein. Zwischenzeitlich habe ich mich schon tief in die Welt der Nischendüfte gewagt und einiges gerochen, was gewöhnungsbedürftig war, aber mein Wunsch nach Körpersekreten zu duften, hält sich doch sehr in Grenzen. Allein den Tester zu öffnen, habe ich lange nicht gewagt, doch was sein muss muss sein! Nennt mich prüde, aber einen Pimmel auf dem Flakon bzw. Tester und sei er auch noch so niedlich dargestellt, muss ich nicht haben. Zunächst muss eben der Teststreifen herhalten, danach erst entscheide ich, ob die „großartigen Sekrete” überhaupt an die Haut dürfen.

Zu Beginn finde ich ihn nicht einmal unangenehm, Blut und Adrenalin kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen, ozonische Noten umso mehr. Diesen haften ja die Attribute sauber, frisch und stechend an, und das trifft es bei mir auch hundertprozentig. Der Teststreifen liegt hier neben mir auf dem Schreibtisch und mir brennen die Augen. Am Anfang schiebe ich es auf eine beginnende Erkältung, aber es scheint an diesem Duft zu liegen. Sobald ich den Schreibtisch verlasse, hört es auf. Kein guter Start, zugegeben. Etwas später mischt sich eine süß-blumig-schwülstige Note hinein, die ich jedoch nicht genau identifizieren kann. Vielleicht die Iris in Verbindung mit Milch? Kokosnuss ist es auf keinen Fall.

Es ist wahrlich nichts, was mir gefällt; nichts, was ich mir auf die Haut sprühen möchte. Es riecht einfach unangenehm, obwohl ich da wirklich keinerlei Blut entdecken kann. Dazu fehlt die metallische Note.

Vielleicht kann ich den Duft am einfachsten so beschreiben: Vor einigen Jahren besuchte ich mal einen Freund, er lebte damals mit seinem Bruder zusammen. Der Bruder war frisch verliebt und hatte an diesem Tag Besuch von seiner Flamme. Stundenlang waren sie in seinem (kleinen) Zimmer! Als sie dann abends zum essen gingen und wir irgendwas aus dem Zimmer brauchten, schlug uns ein ähnlicher Duft wie Sécrétions Magnifiques entgegen. Es wird einem leicht übel, und man sehnt sich dringend nach frischer Luft.

Wer diesen Duft trägt, ist mutig! Man muss auch was aushalten können. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass er seine Liebhaber findet. Kunst muss nicht immer schön sein, warum soll es bei Düften anders sein?

Harmen

Hier haben wir es wohl mit dem provokantesten État Libre-Duft zu tun. Ich habe mich in meinen letzten Rezensionen manchmal beschwert, dass das erwartete Konzept nicht durchgezogen sei und dass mit Pauken und Trompeten eigentlich recht gefällige Düfte angekündigt würden. Und jetzt war ich ganz darauf vorbereitet, dass auch „Sécrétions Magnifiques“ zwar einen rosa Schwengel ins Bild hält, aber letzten Endes doch ganz zahm sein würde. Weit gefehlt.

Zum Titel – herrliche Sekrete – ein Spritzgussteil: schockierend finde ich das überhaupt nicht, aber man muss sich schon etwas trauen, um einen solchen Duft herauszubringen. Ich rieche vorsichtig am Tester und, liebe Leser, mir ist schlecht. Nicht wirklich würfelhustenschlecht, aber stark in diese Richtung.

Ich spritze das Werk nun auf den Teststeifen und nehme erst einmal blumige Noten wahr, die vermutlich der angegebenen Iris zuzuschreiben sind. Tapfer bleiben. Doch diese Erfrischung währt nicht lange, schon bald bricht sich ein blutiger Geruch Bahn, ein wenig Eisen, aber dann doch eher ein ziemlich altes Pflaster. Hinzukommt ein widerwärtiger Eiweißgeruch, ranzige Butter im Verein mit verdorbener Milch. Ich glaube, dass gerade diese Lebensmittelassoziationen den großen Ekel hervorrufen. Das Ganze ist eine richtig fiese, nasale Penetration.

Kopfnote: Blut, Adrenalin, Ozonische Noten; Herznote: Milch, Iris, Kokosnuss; Basisnote: Sandelholz, Opoponax

Antoine Lie hat mit diesem Duft ein großes, hartes Meisterwerk erschaffen, das meiner Ansicht nach völlig untragbar ist – und ich weigere mich auch, mir diesen Duft auf die Haut zu sprühen. ABER: ein Meisterwerk ist das Parfum deswegen, da es als Körperflüssigkeiten-Konzeptduft perfekt umgesetzt ist, und das gilt es nun auch zu honorieren. Dem einen oder anderen Hartgesottenen wird der Duft sicher gefallen, ich habe mir sagen lassen, dass er sich auf mancher Haut auch recht vorteilhaft entwickelt. Ansonsten aber einen Riecher wert, denn Kunst muss nicht schön und schon gar nicht tragbar, sondern gut gemacht sein, und das ist „Sécrétions Magnifiques“ in jedem Fall.

Bis bald und an der frischen Luft
Harmen

Hier finden Sie Sécrétions Magnifiques in unserem Shop

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Nacktheit…
Schöne Pfingsten!


Die Schöne und das Biest: Antihéros

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Holziges,Krautiges am 14.02.2011

Mariela

Eines muss ich État Libre d’Orange lassen: Sie schaffen es immer wieder, mich zu überraschen! Ich dachte ja, da ich mittlerweile einige Düfte aus dem Hause kenne, wüsste ich was mich erwartet. Doch weit gefehlt! Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Ein ganz klassischer Lavendelduft!

Ich fühle mich sofort nach Südfrankreich versetzt an einen heißen, trockenen Spätsommertag inmitten eines wogenden Lavendelfeldes!
Da ich seit längerem immer wieder mit Duftölen experimentiere, beispielsweise bei Erkältungen oder Einschlafproblemen, ist mir Lavendel als Allrounder natürlich gut bekannt. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von Grippe, Fieber und Bronchitis über Depressionen und Kopfschmerzen bis hin zu Insektenstichen.

Lavender

Antihéros riecht erstmal wirklich so, als ob ich einige Tropfen Lavendelöl in die Duftlampe getropft hätte. Längere Zeit ändert sich daran nichts. Fast bin ich geneigt zu glauben, sie hätten es sich dieses Mal sehr einfach gemacht, da merke ich, dass sich ganz leichte Holznoten unter den Lavendel mischen. Zugegeben, die Lavendelnote ist so intensiv, dass man die Holznoten fast nur erahnen kann. Mit der Zeit mischt sich Moschus darunter und verleiht dieser bisher sehr clean rüberkommenden Mischung skinnige Anklänge.

Nun ist das Ganze wirklich keine Komposition aus vielen Noten, aber mir als Lavendelfan macht das nicht viel aus. Da ist weniger oft mehr. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich Antihéros auf der Straße tragen würde. Zuhause kann ich mir den Duft sehr gut vorstellen. Er passt sicher gut zu einem ruhigen, faulen Tag auf dem Sofa.
Antihéros wird sicher seine Liebhaber finden. Ich bin mir sicher, es gibt einige Fans unter uns, oder? Lavendel steht für viele bestimmt für den typischen „Omageruch“. Das mag an dem klassischen Lavendel-Parfum liegen, das es schon seit unzähligen Jahren gibt und natürlich an den unvermeidlichen Lavendelkissen im Wäscheschrank, dem beliebten Mottenschreck.

Gewidmet ist der Duft, laut État Libre d‘Orange dem Antihelden, jenem der den Tücken des Alltags mit Witz trotzt, der sich selbst und auch vieles andere nicht all zu ernst nimmt, der kleine Schwächen kultiviert und mit einer natürlichen, unkonventionellen Eleganz gesegnet ist. Der unerwartete Superheld, der nicht glauben kann, dass er uns mit seinen strubbeligen Haaren und seinem zerzausten Look ins Auge fällt und gerade deshalb so anziehend wirkt. Na ja, ich finde wenn man seine Schwächen pflegt, dem Leben mit Witz und Humor begegnet, eine natürliche Eleganz besitzt und anderen ins Auge fällt, ist man doch eher Held als ein Antiheld, findet ihr nicht? Vielleicht kein Mr und keine Mrs Perfect, aber wer will das schon? Darauf einen Spritzer Lavendelduft…

Habt einen aufregenden Tag, Ihr Lieben!
Mariela

Harmen


Ist État Libre d’Oranges Parfum „Antihéros“ selbst ein duftender Antiheld oder ist er diesen gewidmet? Laut firmeneigenem Werbetext handelt es sich bei unserem Antihelden um einen Gesellen, dessen Heldentaten darin bestehen, dem ganz gewöhnlichen Alltagswahnsinn zu trotzen, ohne sich dabei aber verstellen zu müssen; ein richtiges Original also, das gleichzeitig ein bisschen zu braungebrannt daherkommt, ein bisschen zu gutaussehend und vermutlich auch ein bisschen oberflächlich. Eigentlich stehen Antihelden oft im Schatten der großen Figuren, sind dafür aber die interessanteren Charaktere…mit Abgründen, Geheimnissen… Nicht jedoch hier. Unser Antiheld ist einfach er selbst und will nichts anderes darstellen, und das ist ja immerhin auch ganz schön mutig.

Frisch auf den Teststreifen gesprüht erweist sich „Antihéros“ als Lavendelbombe, Lavendel, Lavendel, sonst nichts. Nach einer Weile ahnt man noch in sehr weiter Ferne einige wärmere Töne. Ein Lavendelkissen aus Großmutters Wäscheschrank, ganz klar und kompromisslos.

Aber: Wetten, dass die ahnbaren, warmen Töne auf der Haut besser herauskommen? Also rauf auf die Epidermis und siehe da, die holzigen Noten sind sofort viel präsenter.
Und jetzt passiert etwas Eigenartiges: Der Lavendel, der gerade eben noch vom Duftstreifen aus linke und rechte Nasenhaken verteilte, geht nun völlig unter. Der Duft dreht in eine ganz andere Richtung ab, sehr harzig, süßlich und auch krautig. Auf meiner Haut riecht „Antihéros“ wie der etwas leichtere und krautigere Stiefbruder von Tauers „L’air du Désert Marocain“. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt, wo doch État Libres „Vierges et Toreros“ Tauers „Lonestar Memories“ so sehr ähnelte.

Ich muss gestehen, ich bin sehr angetan und finde diesen État Libre-Duft bislang am besten. Ein echter Kaufkandidat!

Euer Harmen

PS: Mariela und ich schreiben die Artikel unabhängig voneinander :-)

Hier finden Sie Antihéros in unserem Shop

Bildquellen: Lavender by Thowra_uk, on Flickr, Lavendel von Lexipexi – Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Sex Pistols

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 7.02.2011

[Update] Der Duft „Sex Pistols“ wurde mittlerweile in „Malaise of the 1970s“ umbenannt, siehe Blog von État Libre d’Orange.

Mariela


Einen Duft, der nach einer der einflussreichsten Bands des europäischen Punk-Rock der 1970er Jahre benannt ist, bekommt man als Rezensentin ja nicht alle Tage auf den Tisch. Richtig gefreut darüber hat sich jedoch mein 13-jähriger Sohn. Jeden Tag nach der Schule war seine erste Frage, ob das Päckchen mit den neusten Proben endlich da sei. Zugegeben, die heiße Sex Pistols-Phase ist schon vorbei und darüber bin ich nicht unfroh. Er neigt stets dazu, seine aktuelle Lieblingsband so exzessiv zu hören, dass die restlichen Familienmitglieder dankbar sind, wenn so eine Phase sich dem Ende zuneigt. Wer hört schon gern aus dem Munde des eigenen Kindes, ein fröhliches Singen, man sei ein “Anarchist-e” und der “Antichrist-e”. In diesem Falle war er natürlich prädestiniert als erste Testperson.

Wie auch immer, gestern wurden dann die Sex Pistols vor der Schule aufgesprüht und seine aktuellen Lieblinge Timbuktu und Puma Animagical (!) hatten Pause. Die ersten Adjektive, die ihm dazu eingefallen sind waren „männlich“ und „würzig“. Ihm gefiel der Duft, was mich nicht überraschte. Ob er objektiv war? Ich würde sagen: Nein – denn mit diesem Namen und diesem Design hat der Duft natürlich sowieso schon gewonnen.

Sex Pistols - God Save The Queen (1977)Aber er war nicht die einzige Testperson. Ich war dann doch auch neugierig. Die Duftnoten in der Analyse: Kopfnote; Zitrische Noten, Aldehyde, schwarzer Pfeffer. Herznote; Backpflaume, Leder. Basisnote: Ambra, Ambroxan, Patchouli, Heliotrop.

Er hat schon recht, mein Sohn, es riecht wirklich erst mal sehr „männlich“, was von den sehr präsenten zitrischen Noten kommt. Die Würzigkeit liegt natürlich am Pfeffer. Nicht schlecht für seine junge Nase, vielleicht kann ich ihn doch hin und wieder mal Testperson einsetzen?

Die Ledernote ist in diesem Fall als solche zu erkennen, allerdings doch anders als gedacht. Ganz sanft begleitet sie die anderen Ingredienzen und hält sich dabei vornehm im Hintergrund. Die Backpflaume hätte ich nicht erkannt, ist sie meiner Nase nach nur als süßliche Frucht zu identifizieren und Patchouli kann ich zwar auf dem Teststreifen riechen, allerdings nicht auf meiner Haut. Ambroxan verleiht dieser Mischung eine unwahrscheinlich skinnige Note, die sehr anziehend, ja geradezu sexy wirkt. Ich bin nicht sicher ob das der richtige Duft für die Schule ist…

Was genau das alles mit den Sex Pistols zu tun haben soll erschließt sich mir nicht. Muss es vielleicht aber auch nicht. Obwohl, Sid Vicious, der Bassist besagter Band, trug eigentlich immer eine Lederjacke mit nichts drunter ;-) und vielleicht hatten die Punks, ähnlich wie die Waver als waschechte Post-Punks, auch eine Vorliebe für Patchouli. Vielleicht ein bisschen an den Haaren herbeigezogen, aber wie Ihr seht, mit ein bisschen Fantasie und popkulturellem Halbwissen kann man sich alles zurechtlegen.

Ein zweifellos schöner und tragbarer Duft, der sicherlich seine Fans finden wird. Ob man allerdings ohne diesen vorbelasteten Namen nicht vielleicht mehr Menschen erreicht hätte, sei dahingestellt.

Liebste Grüße,
Mariela

Harmen

Wir kommen nun immer weiter in unserer Reihe von État Libre d’Orange-Düften, und das Prinzip bleibt glasklar: provokative Namen treffen auf Düfte, die natürlich auch verkauft werden wollen und deshalb oft nur entfernt an die angekündigten Sensationen erinnern. Das Problem bei dieser Art der Vorgehensweise ist natürlich auch, dass man oft ein wenig enttäuscht wird.

Es ist wohl das Schicksal jeder Jugendszene, früher oder später ausverkauft zu werden. Ob Techno-, Grufti-, Hippie- oder Grunge-Szene – irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen breiter Masse und Kommerz derart, dass die Grundidee – die Absonderung vom Mainstream – verloren geht. Das hat oft zur Folge, dass Elemente dieser Subkulturen massentauglich wieder aufgewärmt werden. Man denke nur an die T-Shirts von den Ramones, Motörhead und Black Sabbath bei H&M inklusive Nietenbändern und anderen Subkultur-Accessoires… und auch die Sex Pistols wurden vom schwedischen Kleiderladen nicht verschont – was ich damit meine, ist z. B. hier treffend illustriert.

Ich muss zugeben, dass État Libre ohne Zweifel das Parfumhaus ist, dass der Grundhaltung des Punks noch am ehesten entspricht. Wart Ihr schon einmal auf einem Punkkonzert? Hatten État Libre wirklich den Mut, das erste Parfum herauszubringen, das Bier, Schweiß, Leder, Kotze, Tabak und Haarfärbemittel zitiert? Oder handelt es sich um einen Duft für die H&M-Girlies mit strasssteinverzierten Pistols-Shirts? Wir werden sehen:

Auf dem Textstreifen und auch auf meiner Haut kommen zuerst die zitrischen Noten und süßlichen Aldehyde zur Geltung. Nachdem sich diese etwas gelegt haben, treten Pfeffer und auch Leder deutlich hervor, nach einiger Zeit ahnt man den Patchouli weit im Hintergrund. Ein durchaus angenehmer Duft, keiner der Kandidaten drängt sich auf, das Leder gibt eine etwas bittere Einfärbung, die aber nie unangenehm wird. Sex Pistols ist ein Duft für Männlein und Weiblein, absolut alltagstauglich und gerade durch die zitrischen Noten mit einem frischen und sauberen Untergrund. Bei meiner Testperson, der Euch bekannten Stephanie, zieht der Duft sogar ins Buttrige und Seifige. Ich mag den Duft, eine runde und gelungene Komposition!

Was hat dieser Duft aber mit den Sex Pistols zu tun? Ich kann mir nicht helfen, aber von Punk-Rock in der Flasche kann überhaupt nicht die Rede sein. Es drängt sich eher der Verdacht auf, dass man hier auf den oben erwähnten und vermutlich schon abgefahrenen Rocker-Zug (nach „Punkow“? ;-)) aufzuspringen versucht – oder viel schlimmer noch – das Ed-Hardy-Publikum anvisiert!? Ich möchte diesem wirklich gelungenen Duft kein Unrecht tun, aber er ist wie David Beckham: ein paar Böse-Buben-Tattoos und Punkzitate treffen auf Boy Band. Ich bin gespannt, was Ihr von dem Duft haltet!

Mit einer kleinen musikalischen Ausleitung verabschiede ich mich
Euer Harmen

PS: Der erste Bobby, der ins Bild läuft, sieht ein bisschen aus wie der aktuelle schwedische König – und der kann ja auch feiern ;-)

Hier finden Sie Sex Pistols in unserem Shop

Bildquellen: Produktbild vom État Libre-Blog; Sex Pistols – God Save The Queen (1977) by Vibracobra23, on Flickr

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Die Schöne und das Biest: Vierges et Toreros.
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Die Schöne und das Biest: Nombril Immense.

Mariela

Mal wieder ein richtig schöner Duft der Skandalfirma État Libre d’Orange. Eigentlich erwarte ich einen richtigen Patchoulikracher und war deswegen schon sehr skeptisch, denn so richtig dicke Freunde sind wir nicht. Wie schön, wenn man eines Besseren belehrt wird. Chakra 1Tatsächlich geht es gleich ordentlich mit Patchouli los, wird aber von der Bergamotte sanft aufgefangen und verbindet sich bald mit schwarzem Pfeffer und den sehr erdigen Karottensamen zu einer hinreißenden Mixtur. Perubalsam und Opoponax verleihen eine ganz warme, leicht vanillige Süße. Es entsteht eine unglaublich pudrige Note, die an Lippenstifte von früher oder eben auch Puder erinnert. Ich muss gestehen, mit diesem Patchouli kann ich gut leben, ja ich finde ihn in dieser Zusammenstellung sogar sehr gut. Der Duft wird auf der Produkt-Homepage mit einer Initiationsreise nach Kathmandu verglichen, als eine Einladung sein Innerstes zu entdecken. Tatsächlich erinnert er mich an Hindu Grass von Nasomatto, der eine ähnliche Intention hat.

Was hat es aber mit dem Bauchnabel auf sich? Tibetan Buddhist Monk lighting candles on a stupa east side of Boudha, Kathmandu, NepalOb es mit dem Sakralchakra zu tun hat, das eine Hand breit unter dem Bauchnabel sitzt? Ich könnte es mir gut vorstellen, steht es doch für Lebensfreude, Schaffenskraft, Kreativität, Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit. Zudem für das Loslassen und mit dem Leben fließen. Das passt doch, oder?
Da sprühe ich doch gleich nochmal in der Hoffnung, dass das Chakra besonders stark angeregt wird…

Die Reise nach Kathmandu ist nicht aus der Luft gegriffen. Ich muss an Tempel denken, an Räucherstäbchen, Mönche und an die Tibet-Krimis von Eliot Pattison, die ich so sehr liebe. Kurz gesagt: der Duft atmet Spiritualität – durch und durch. So! Und jetzt leg’ ich mich gleich auf meine Yoga-Matte.
Bis bald,

Eure Mariela

Harmen

Nombril Immense – ein riesiger Bauchnabel hat sicherlich keinerlei Vorteile, oder doch? Außer vielleicht, dass man an ihm große Schmuckstücke befestigen oder in ihm selbst gar transportieren könnte. Dem Produkttext zufolge liegt dem Konzept des Duftes eine spirituelle Idee zu Grunde, eine innere Offenheit, die unter Mithilfe des heiligen Hindu-Patchouli ein Stückchen Nirvana erfahrbar machen soll, usw. usf. Nach meinen Recherchen gibt es sogar ein Nabelchakra, aber darf ich ganz ehrlich sein? Nirvana und Kurt Cobain: sehr gerne, Nirvana und Esoterik-Plunder: nein danke.

Haben wir es also hier mit einem 70er-Jahre-Hippieduft zu tun, der endlose Strandparties in Goa wieder aufleben lässt? Oder wird gar der Schwarzen Szene (siehe Ulis kürzlich erschienene Bekenntnisse) mit ihrem Hang zum Patchouli-Öl gehuldigt? Und noch etwas anderes: warum haben Adam und Eva eigentlich quer durch die Kunstgeschichte einen Bauchnabel, wo sie doch gar nicht geboren wurden? Kann ich mir Nombril Immense vielleicht auch in den Nabel träufeln, Bauchnabel – Ihr ganz persönliches Duftreservoir in der Körpermitte!? Viele Fragen, die möglicherweise der Selbstversuch beantworten wird. Ich sprühe mir den Duft einfach auf, nicht in den Bauchnabel, denn um dann an ihm schnuppern zu können, würde mir als Sofakartoffel eindeutig die Gelenkigkeit fehlen.

Die erdige Schwere des reinen Patchouli-Öls, dessen modrige Töne, die ihm auch schon den wenig schmeichelhaften Namen des „Leichenöls“ einbrachten, finden sich hier nicht eins zu eins wieder. Im Kopf scheint mir Nombril Immense eher krautig und fast frisch zu sein, unterlegt mit einer zurückhaltenden Süße. Aber die warmen und charakteristischen Aspekte des Patchouli tönen wie in leichten Schwaden immer wieder hervor, unterstützt von den harzigen Anklägen des Opoponax. Ich fühle mich etwas an den sakral anmutenden und vor kurzem erst besprochenen Messe de Minuit von Etro erinnert und assoziiere dabei eine gewisse Trockenheit und Ernsthaftigkeit. Auf dem Duftstreifen funktioniert der Duft überhaupt nicht und erweist sich als säuerliches Fensterputzmittel für Fortgeschrittene. Ist bei Euch der Unterschied zwischen Duftstreifen und Haut auch derart groß? Ich überlege, ob ich in Zukunft nicht ganz auf ihn verzichten soll.

Nombril Immense duftet nach spiritueller Geborgenheit – wie die Hände eines Mönchs bei der Vesper, nach getaner Arbeit im Kräutergarten des Klosters, abgeschirmt vom Lärm der Welt. Und vielleicht ist es dann doch viel mehr die innere Einkehr und leichte Heiterkeit einer dicken Buddha-Statue, die das Gesamtbild des Dufts ein wenig treffender zeichnet.

Kopfnote: Bergamotte; Herznote: Patchouli, Schwarzer Pfeffer, Karottensamen; Basisnote: Perubalsam, Vetiver, Opoponax, Ambrettesamen

Euer Harmen

Hier finden Sie Nombril Immense in unserem Shop

Bildquellen: Chakra 1 by Hilton Sedona, on Flickr, Tibetan Buddhist Monk lighting candles on a stupa east side of Boudha, Kathmandu, Nepal by Wonderlane, on Flickr, Lucas Cranach der Ältere: “Adam und Eva” (1528), Gesicht des Buddha, Shwesandaw Pagode, Twante, Myanmar – Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Vierges et Toreros.

Geschrieben in Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft,Krautiges,Leder am 24.01.2011

Mariela

Die Jungfrau und der Stierkämpfer – Etienne de Swardt, Gründer von État Libre charakterisiert Vierges & Toreros als Tuberosen-Duft für den Herrn. Beim ersten Gedanken unmöglich, doch bereits nach der ersten Probe steht fest: die beiden Createurs – hier sind doch tatsächlich zwei Antoines, nämlich die Herren Lie und Maisondieu am Werke – meistern ihre Aufgabe wirklich bravourös.Yá estan aquí los Toreros muertos

Ob dieser Duft oder zumindest dessen Name wohl etwas mit einem Bildband von Christine Spengler zu tun hat? Spengler ist eine in Deutschland nicht sonderlich bekannte Kriegsfotografin. Gegen Ende ihrer Karriere in den 1980er Jahren kehrt die in Madrid aufgewachsene Französin in ihre Heimat zurück, um die berühmtesten Stierkämpfer im Stile religiöser Ikonen abzulichten. Es sind sehr farbenfrohe Aufnahmen, ein Heilmittel gegen Stress und Angst – sie wurde unter anderem als Geisel einer radikal-islamistischen Sekte gefangengehalten. Veröffentlicht wurden diese Aufnahmen zusammen mit Texten von Pedro Almodovar und Christian Lacroix unter dem Titel „Vierges et Toreros“.

Die Tuberose als Sinnbild für die Jungfrau – den ganzen Duftverlauf über omnipräsent, wird von sehr ausgeprägten animalischen Noten, Leder, sowie Costus, die den Torero repräsentieren begleitet. Im Auftakt dominieren ganz klar die würzigen und floralen Noten. Bisweilen habe ich aber fast den Eindruck, dass ich auch Plastik rieche und bin nicht sicher, woher das kommt. Immer mehr drängt dann allerdings das sehr derbe Leder in den Vordergrund, schafft es meiner Meinung nach aber nicht die süße Wucht der Tuberose zu untergraben. Nach einer Weile gesellt sich Costus dazu: jenes an Haare, Pelz und Schweiß erinnernde Kraut, welches unglaublich gut mit Patchouli und Vetiver harmoniert. Zusammen ergibt es eine unglaublich provokante, erotische Mischung.
Tuberose_20080820_3.jpg

Wieder mal ein äußerst starker, sehr eigener Duft von État Libre, mit sehr guter Haltbarkeit. Mit Sicherheit lässt sich behaupten: Aufmerksamkeit ist einem mit diesem Duft gewiss! Wer den großen Auftritt sucht und darüber hinaus einen Hang zur Dramatik hat, der möge diesem Duft eine Chance geben. Wer Opulenz und Tamtam nicht erträgt, sollte allerdings dringendst die Finger davon lassen. Ein Duft für den großen Auftritt in der Arena. Ein sehr gut gemachter Duft, auch wenn ich ihn, zugegebenermaßen, gewiss nicht tragen werde: zu viel nasses Tier, zu viele nach Aufmerksamkeit heischende Ingredienzen. Vielleicht als Geheimwaffe in der Sammlung für den Fall der Fälle? Ich überlege noch!

Harmen

Und wieder steht ein Duft aus dem Haus État Libre d’Orange auf dem Programm. Nach den letzten Kandidaten bin ich natürlich völlig auf zweideutige Assoziationen geeicht, denn beim fetten Elektriker, bei Weihnachten auf Balkonien, dem Zigaretten-Jasmin und den Oral-Maiglöckchen waren die Kompositionen in jedem Fall gegensätzlich aufgebaut, gewürzt mit erotischer Provokation.

Vierges et Toreros – Jungfrauen und Toreros – hier stehen sich ebenfalls zwei Welten gegenüber. Der Torero muss in diesem Fall allerdings keinen Stier bezwingen, sondern eine Jungfrau. Noch habe ich nicht am Duft geschnuppert. Es stellt sich natürlich wieder die Frage, wie dieses Bild olfaktorisch umgesetzt sein mag. Ich vermute jetzt einfach mal, dass für die Jungfrau sicherlich sehr weibliche Noten stehen, etwa Blüten, weiche Anklänge, vielleicht auch der Duft nach weißem Leinen? Der Torero dürfte folglich sehr männlich übersetzt sein, Leder, animalische Noten, möglicherweise Angstschweiß und Adrenalin oder auch gemäß seiner Tötungswerkzeuge Metall, Staub der Arena, Pferdemist…

Ich bin gespannt, was mich nun erwartet. Auf dem Teststreifen sticht mir zuerst ein starker Ledergeruch in die Nase, der von süßlichen, aber auch frischen Noten begleitet wird. Aber wer hört schon alleine auf den Teststreifen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Bergamotte, Pfeffer, Kardamom, Muskatnuß; Herznote: Tuberose, Ylang-Ylang, Leder, Costus; Basisnote: Animalische Noten, Patchouli, Vetiver

Jetzt sprühe ich mir den Duft auf die Haut und rieche erst einmal sehr frische Noten, die vermutlich der Bergamotte geschuldet sind und durch den charakteristischen Kardamom unterstrichen und ergänzt werden. Daraufhin kommt wieder das Leder deutlich zum Vorschein in Zusammenspiel mit blumigen Noten – ob es sich nun um Ylang-Ylang oder Tuberose handelt kann ich nicht sagen, aber es handelt sich um eine Süße, die allein schon durch das Leder eine gewisse Schwere erhält. Ich muss sagen, dass dieser Duft „Lonestar Memories“ von Tauer überraschend ähnelt, allerdings ohne dessen Wucht. Wer „Lonestar Memories“ also kennt und schätzt, ist hiermit sicherlich auch an der richtigen Adresse. Die Basisnoten lassen sich für mich nicht genauer aufschlüsseln. Animalisches abgesehen von Leder kann ich nicht erriechen. Nach einiger Zeit wandelt sich das Ledrige ein wenig ins Holzige, ich nehme an, dass dabei der Vetiver an Fahrt gewinnt aber auch die Costuswurzel könnte hier ihre Finger im Spiel haben.

Das ganze Duftkonzept evoziert das Bild des südländischen Macho-Toreros, der eine Jungfrau erobert. Das Logo des Duftes lässt in gewohnter Eindeutigkeit keinen Zweifel daran, dass ihm dies auch gelingt, frei nach dem Sprichwort: „Wenn eine Jungfrau fällt, fällt sie auf den Rücken.“ Ich lehne mich jetzt einmal ganz weit aus dem Fenster: wäre hier nicht folgender Duftverlauf viel passender gewesen: der Lockstoff einer Rose oder auch der verwendeten Tuberose im Kopf, die von der männlichen Ledernote im Herzen im wahrsten Sinne des Wortes defloriert wird, um in salzigen und metallischen Blutzitaten auszuklingen? Das Motiv ist ein uraltes. Das ewige Liebes-Spiel zwischen Mann und Frau, Verführung und Eroberung, das rote Tuch des Matadors, der das Triebhafte aufreizt und anstachelt. Das Tuch taucht am Ende als beflecktes Laken nach der Hochzeitsnacht wieder auf. Und so war es auch schon bei Friedrich de la Motte-Fouqué die Wasserfrau Undine, die sich erst nach jener Nacht zu einem wahren menschlichen Wesen verwandelte. Die Sexualität als Nahtstelle zwischen Natur und Kultur hat seit jeher die Menschen fasziniert. Im altbabylonischen Gilgamesch-Epos ist es andersherum, dort wird der Tiermann Enkidu durch den Beischlaf mit einer Frau zivilisiert und damit seinem Tier-Sein entfremdet. Das Motiv ist archaisch wie es auch der Stierkampf ist. Hier wäre möglicherweise etwas mehr Mut erforderlich gewesen, um diesem alten Bild geruchlich völlig gerecht zu werden. Der Vorteil dieser Umsetzung ist allerdings eine absolute Tragbarkeit. Ich weiß auch, wem der Duft sehr gut stehen könnte. Frauen, die einen Torero auf die Hörner nehmen und dabei ganz süß und wie ein kleines Mädchen lächeln.

Euer Harmen

Hier finden Sie den Duft in unserem Shop

Bildquellen: Yá estan aquí los Toreros muertos by Von Aisaider, on Flickr,
Tuberose_20080820_3.jpg by faeparsons, on Flickr,
Ramón Casas: “Flores deshojadas” (1894), Édouard Manet: “Toter Torero” (1864-1865) – beide Wikimedia Commons — some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Don’t get me wrong…

Geschrieben in Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft am 17.01.2011

… Baby I don’t swallow – ein weiterer État Libre d’Orange, den sich Mariela & Harmen da zur Brust oder vielmehr: zur Nase genommen haben.

Mariela

Zugegeben, generell finde ich die Idee, Düften provokative Namen zu geben, gut. Dazu gehört auf jeden Fall Mut, auch im Hinblick auf den Träger. Ich weiß nicht ob es jedem leicht fällt zuzugeben, dass sein Duft “Fat Electrician” oder “Don‘t get me wrong baby, I don‘t swallow” heißt. Manch einen mögen diese, im besten Fall zweideutigen, teilweise auch sexistischen Namen, abschrecken. Ich war zwar nicht abgeschreckt, obgleich ich lange davon ausging, dass diese Düfte nichts für mich sind. Ich stellte sie mir sehr laut und schrill vor. In einigen Fällen bin ich eines Besseren belehrt worden, in anderen hat sich das bewahrheitet. In diesem hier jedoch kann ich nichts davon finden.

Für mich ist Don‘t get me wrong … ein sehr gefälliger Duft, ohne jegliche Ecken und Kanten. Das enttäuschte mich ziemlich, erwartete ich doch aufgrund dieses Namens irgendetwas Spektakuläres, um nicht zu sagen: etwas Ordinäres :-)

Nun muss ich zugeben dass es Maiglöckchen bei mir nicht einfach haben. Den Duft mag ich noch nicht mal als Blume. Er verursacht bei mir immer leichte Kopfschmerzen. Die Duftnoten: Orangenblüte, Aldehyde, Kokosnuss, Jasmin, Maiglöckchen, Eibisch, Ambra, Patchouli, Kakao, Moschus.

Don‘t get me wrong … beginnt unglaublich floral: ein Bouquet von Weißblühern, nämlich Orangenblüten, Jasmin und Maiglöckchen. Ganz dezent nimmt man auch Kokosnuss wahr. Ein sehr weiblicher, eleganter, geradezu romantischer Duft. Viel mehr passiert auf meiner Haut allerdings nicht, ein richtiger Duftverlauf ist zunächst nicht wahrzunehmen. Nach einer Weile dringt Moschus dazu, rundet ab und weicht, zusammen mit Ambra und einem Hauch Patchouli, den Blütenreigen auf. Ein ganz leichter Hauch Kakao schimmert durch, allerdings eher in Form von Trinkschokolade mit viel Milch, und sorgt für eine weiche, süße Cremigkeit.

Ein Duft den ich mir sehr gut an einem jungen Mädchen vorstellen kann, vielleicht bei einem Spaziergang in der Sonne, durch einen gerade erblühten Garten? Somit erschließt sich mir in diesem Fall der Name nicht. Was hat dieser liebliche, fast klassische und irgendwie auch cleane Duft mit gewissen sexuellen Handlungen zu tun? Oder steh ich völlig auf dem Schlauch? Mein Fall ist er nicht. Ich tu‘ mich mit primär floralen Düften eben einigermaßen schwer. Da ist Houbigants Quelques Fleurs eine der großen Ausnahmen. Fans von Weißblühern sollten ihn allerdings mal testen.

Es grüßt Euch,

Mariela

Harmen

„Don’t get me wrong Baby – I don’t swallow“ – mit Schwalben hat dieser Duft sicherlich nichts zu tun, aber mit Vögeln. Ich weiß, ich weiß, fünf Euro ins Kalauerkässchen. Hatten wir es bei den letzten Düften mit anzüglichen Andeutungen zu tun, ist bei diesem hier eindeutige Zweideutigkeit angesagt. Und genau wie bei „Fat Electrician“ stellt sich natürlich die bange Frage, wie diese französische Bescherung wohl riechen mag.

Meine erste Assoziation ist gänzlich asexuell: 4711. Auch nach weiterem Schnuppern rieche ich Banause nur Seife oder aber, wenn ich mich etwas anstrenge, eine säuerliche Variante von „Jasmin et Cigarette“, alles in allem reichlich blumig und zitronig. Nennt mich Warmen, aber auch hier kommen auf der Haut vorsichtig wärmere Noten zum Vorschein, die auf dem Teststreifen nicht wahrnehmbar waren. Ehrlich gesagt ist mir ansonsten ziemlich schleierhaft, um welche Zutaten es sich hier handelt, also wird gespickelt:

Kopfnote: Orangenblüte, Aldehyde, Kokosnuss; Herznote: Jasmin, Maiglöckchen, Eibisch; Basisnote: Ambra, Patchouli, Kakao, Moschus.

Ah ja. Das Zitronige ist wohl der Orangenblüte geschuldet, die Maiglöckchen habe ich wahrscheinlich pauschal als Seife identifiziert und mit Jasmin lag ich auch richtig. Kokosnuss kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich warte noch auf die warmen, erdigen Noten wie Ambra, Patchouli oder Moschus. Nach einiger Zeit treten diese ein wenig hervor, ohne dass man von einem wirklichen Duftverlauf sprechen kann.

Liebe Freunde, es ist schwierig mit mir und ich bin wohl auf dem besten Wege, mich als Duftbanause ins Abseits zu kegeln.

Eine abschließende, dumme Bemerkung sei mir jedoch noch gestattet: die Monica Lewinsky unter den Düften kommt als biederes Hausmütterchen daher, und es fallen mir die Worte des großen deutschen Philosophen Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow ein, als er sagte: „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“

Bildquelle: Lily of the Valley von Hubert H. via stockxchng, Detail einer Wandmalerei in der Villa des Mystères in Pompéi via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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