Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Schöne und das Biest: Aod

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft am 7.06.2011

Mariela

Heute geht es mit der Lostmarc‘h-Reihe weiter, und wieder ist es ein sehr schöner Duft, den uns die von der keltischen Kultur inspirierten Franzosen zu bieten haben. Aod bedeutet Meeresstrand auf bretonisch und was soll ich sagen: Der Name ist Programm!

Die Duftnoten: Kopfnote: Grapefruit. Herznote: Gardenie, Kokosnuss. Basisnote: Salzige Noten, Aquatische Noten

Obwohl Grapefruit und Kokosnuss als Ingredienzen gelistet sind erwartet uns kein tropischer, palmengesäumter Strand, sondern die herbe, erdige, europäische Variante.
Eine saftige reife Grapefruit gemischt mit einer cremigen Kokosnuss bilden den Auftakt. Bald gesellt sich eine üppige, strahlende Gardenie hinzu und verzaubert unseren Strandausflug mit romantisch-floralen Noten. Die Melange mutet sehr weiblich an. Salzige und aquatische Noten bilden den Abschluss, wobei das Aquatische auf meiner Haut deutlich überwiegt. Schade eigentlich, denn ich bin eher ein Freund des Salzigen!
Dennoch ist Aod ein leichter, zauberhafter Duft, der überhaupt nicht gefällig oder anbiedernd daherkommt.

Ach – wie ich mich auf die Ferien freue! Und Aod darf mich begleiten! An heißen Tagen wird er mich angenehm kühlen. Nach den Ferien wird er die Erinnerungen an das Meer in all seinen Facetten wieder hervorrufen. Tosende Wellen und schäumende Gischt passen dabei genauso zu diesem Duft wie friedliches Plätschern und sanftes Kräuseln.

Camaret

Harmen

Weiter geht es mit dem nun letzten Lostmarc’h-Duft unserer kleinen Reihe: Aod. Ich bin gespannt, denn die letzten beiden Kandidaten waren zum einen der äußerst blumige Ael-Mat und zum anderen der gourmandige Vanille-Keksduft Lann-Ael, zwei doch recht unterschiedliche Kompositionen. Der Hersteller verrät, dass es sich bei „Aod“ um das bretonische Wort für „Meeresstrand“ handelt. Ich wurde nach meiner eher unbegeisterten Besprechung von The Different CompanysSel de Vétiver“ als Banause tituliert und verspreche mir nun ein positiveres Ergebnis bei dieser Interpretation der Strandthematik.

Bank-Grass

Aufgesprüht zeigt sich, dass die blumige Richtung von „Ael-Mat“ eingeschlagen wird und dies wieder einmal überaus deutlich. Im direkten Vergleich mit „Ael-Mat“ lässt „Aod“ allerdings den frischen Auftakt des ersten vermissen und bringt anstelle dessen aquatische Noten in der Basis hervor. Auf der Haut erweist sich „Aod“ wieder als sehr viel komplexer – die aquatischen Noten kommen schon zu Beginn deutlich hervor, die Gardenie bleibt aber trotzdem an Ort und Stelle.

Der Duft ist von Lostmarc’h explizit als Frauenduft ausgewiesen, und dem möchte ich zustimmen. Hätte man eine ganze Schippe weniger Blümelein aufgelegt, hätte ihn allerdings auch gut ein Mann tragen können.

Aber kommen wir zum angesprochenen Strandthema. Ich muss zugeben, dass ich mit der Konzeption nicht ganz mitkomme. Aquatische Noten – Meer, alles klar. Aber schon die salzigen Noten in der Basis kann ich nicht wahrnehmen. Am Meer riecht es nach Wasser, Tang, grasig, salzig, wurzelig. Ich muss sagen, dass diesem Bild „Sel de Vétiver“ weitaus näher gekommen ist. Aod hingegen ist ein absolut alltagstauglicher, frühlingshaft-sommerlicher Duft, der keine eigenwilligen Überraschungen bereithält. Aber ich bin mir sicher, er wird seine Freunde finden!

Noch eine wichtige Mitteilung an unsere Leser! Dieser Artikel ist leider der letzte in der Reihe “Die Schöne und das Biest”. Mariela stellt sich neuen Herausforderungen und verlässt uns wieder. Wir danken ihr für ihre vielen tollen Beiträge und werden sie vermissen!!!

Viele Grüße von
Harmen

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In Parfums d’Orsays “Arôme 3″ blüht der Lavendel


Die Schöne und das Biest: Lann-Ael

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Gourmand am 23.05.2011

Mariela

Und wieder ein Duft aus dem Hause Lostmarc‘h, der etwas mit Engeln zu tun hat. Nach dem Schutzengel Ael-Mat kommt jetzt Lann-Ael, die Engelsheide. Ob die Engel sich dort wohl zum Frühstück treffen? Das kann ich mir bei diesen Ingredienzen gut vorstellen:
Buchweizen, Getreide, Milch, Apfel, Vanille.

Nach dem ersten Sprüher breitet sich eine warme und weiche Vanillewolke aus. Ganz fluffig und mit viel Milchschaum vermischt erinnert Lann-Ael an Pudding oder Eis. Balsamisch und süß wirkt dieser Duft, geradezu besänftigend und beruhigend. Die Getreidenoten verhindern allerdings, dass daraus eine pappsüße Angelegenheit wird, und das ist gut so. Ich bin kein Fan von Gourmand-Düften, und dass unser heutiger Protagonist vorzüglich in diese Nische passt, kann man beim besten Willen nicht leugnen. Trotzdem ist er ein leichter Geselle, eine light-Version eines Gourmand-Duftes. Ich muss gestehen, je länger ich an meinem Handgelenk schnuppere, desto mehr gefällt er mir. Lann-Ael erinnert mich an meine Kindheit, an Geborgenheit, an gemütliche Wintertage mit Milchreis, Keksen und warmer Milch.

rice pudding with vanilla bean

Den Apfel kann ich leider nicht wahrnehmen. Die säuerliche Komponente fehlt auf meiner Haut völlig. Man sollte meinen, so ein Duft passe nur zu kalten Wintertagen. Ich finde ihn aber auch in der jetzigen Frühlingszeit sehr tragbar, vor allem am Abend.

Vanilla Slice - Just Fine Food

Zu Vanille habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis. Einerseits fühle ich mich sehr zu ihr hingezogen, andererseits habe ich noch keinen Vanilleduft gefunden, nach dem ich riechen möchte. Ähnlich geht es mir mit Lann-Ael. Ich finde ihn wunderschön, aber ob ich ihn tragen werde? Bis ich allerdings den geeigneten Vanille-Kandidaten gefunden habe, begnüge ich mich gerne damit, hin und wieder an Lann-Ael zu schnuppern.

Harmen

Buchweizen, Getreide, Milch, Apfel, Vanille – klingt wie ein überdrehtes Müsli – war mein erster Gedanke als ich die Duftnoten las. Nach unserem letzten Lostmarc’h-Artikel über „Ael-Mat“, was auf Bretonisch „Schutzengel“ bedeutet, bleiben wir im Reich der Engel, denn „Lann-Ael“ wird mit „Engelsheide“ übersetzt. Bei einem von der Heide inspirierten Duft würde ich Gräser, Erdiges und Wurzeliges erwarten mit Hölzern in der Basis, aber ich bin gespannt, wie Lostmarc’h diese Idee umgesetzt haben.

Bretagne - Finistère - cap de la chèvre 006

Schon beim Aufsprühen wird man von einer Vanillewolke umgeben, welche von den genannten Duftnoten durchsetzt ist. Getreidige Aspekte und ein ganz leichter, säuerlicher Apfelhauch werden von den vanillig-milchigen Noten umschlossen – mich erinnert der Duft ausgesprochen deutlich an Butterkekse. Auch auf der Haut ändert sich an diesem ersten Eindruck nichts. Hier kommt allerdings die säuerliche Note besser heraus, so dass ich ohne das Wissen um den Apfel eher auf Zitrone getippt hätte – auf der Haut also eher ein Keks mit Zitronenfüllung.

Freunde von Gourmanddüften sollten hier unbedingt mal hineinschnuppern – für einen Gourmand haben wir es hier mit einem der leichteren Vertreter zu tun, denn die Süße bleibt trotz der Zutaten recht zurückhaltend. Den Herren der Schöpfung würde ich allerdings eher abraten, und da ich Süßspeisendüfte ohnehin nicht sonderlich schätze, werde auch ich Abstand nehmen.

Eine frische Brise über der Heide – vielleicht zur Winter- und Weihnachtszeit, trotzdem auch im Sommer tragbar. Vielleicht ist aber vielmehr „Engel“ hier der richtige Fingerzeig. Dieser Duft ist nicht von dieser Welt und die Engelsheide liegt vermutlich auch nicht in der Bretagne. Ich sehe hier eher einen Sommertag, man sitzt mit einer Keksdose an der Küste und lässt sich ein mildes Lüftchen um die Nase wehen.

Cap de la chèvre Chemin 2010 440

Keksige Grüße
Harmen

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Die Schöne und das Biest: Ael-Mat

Geschrieben in Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft,Hesperiden am 16.05.2011

Mariela

Ael Mat ist bretonisch und heißt Schutzengel. Schutzengel in ihrer Funktion als unsichtbare Begleiter und vielleicht auch mal Retter in der Not sind ja an und für sich schon eine schöne Metapher für Parfums; meine Erwartungen, die ich an so einen Namen stelle, sind dementsprechend himmelhoch! Ätherisch und leicht, warm und erhaben stelle ich mir den Duft vor. Um es kurz vorwegzunehmen: ich werde nicht enttäuscht…

Es beginnt mit zitrischen Noten, ohne jedoch an Zitrusfrüchte zu erinnern. Vielmehr sind es Blüten. Bisweilen erinnert es sogar an Akazien, gepaart mit subtil salzigen Noten. Der Duft soll eine Verbindung von Heide und Ozean sein. Warme Kamille paart sich mit einem ganz und gar nicht indolischen weißen Jasmin. Diese Kombination ist einfach zum niederknien, Jasmin wirkt stimmungsaufhellend, Kamille beruhigt und entspannt.

Jasmin

Im Herzen erinnert Ael Mat fast schon an Jasmintee, leicht grün und angenehm lieblich. Die kräuterige Kamille legt sich kokonartig um den Jasmin, ohne ihn jedoch seiner Kraft zu berauben. Moschus spendet weiche Cremigkeit und sorgt für einen warmen, skinnigen Ausklang.

Kamille bei Cloghmore

Der Name des Dufts ist konzeptionell sehr gut umgesetzt, die Ingredienzen passend ausgewählt. Vor allem bin ich ein bisschen über mich selbst erstaunt, dass mir doch tatsächlich ein Duft gefällt, der von Jasmin dominiert wird. Es kommt wohl wie so oft auf die richtige Kombination aller Zutaten an. In diesem Fall ist sie eindeutig gelungen.

Ael Mat ist ein ruhiger, unaufdringlicher Duft, wie geschaffen für Frühling und Sommer. Ich könnte mir vorstellen, dass sich selbst Menschen, die keine Parfums tragen oder mögen mit diesem Duft anfreunden könnten. Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, wie Engel wohl riechen aber dieser Duft wird ihnen sicher gerecht!

Harmen

Lostmarc’h“ wie auch „Ael-Mat“ sind Namen in bretonischer Sprache. Das Bretonische stellt die einzig verbliebene keltische Sprache auf dem europäischen Festland dar und wird, wie so viele Minderheitensprachen, in wenigen Generationen wahrscheinlich völlig ausgestorben sein. Einen kleinen Beitrag zur Sprachpflege und zur regionalen Identität der Bretagne leistet zumindest das Haus Lostmarc’h. Dieses wurde nach einem Strand auf der Halbinsel Crozon benannt, welche wiederum im Département Finistère liegt. „Ael-Mat“ bedeutet „Schutzengel“ und damit deutet der Hersteller auch auf die spirituelle Seite der Bretagne: traditioneller Katholizismus, in dem die Schutzengel ja eine wichtige Rolle spielen, aber auch die mystische Landschaft dieser Gegend wird zitiert: denn dort gibt es beispielsweise Dolmen, Druidentische oder auch Hünengräber genannt, Menhire oder Hinkelsteine, welche unser Comic-Held Asterix bekanntermaßen mit sich herumträgt. Aber auch ganz allgemein wird dieser Landstrich als urtümlich und geheimnisvoll empfunden.

Pointe de la Torche, Finistère 2

Eine frische Meeresbrise an der Küste empfängt uns in Form zitrischer Kopfnoten, welche aber zugleich schon von intensiven, blumigen Noten begleitet werden. „Ael-Mat“ ist nicht sonderlich komplex, aber wie so oft, sind gerade die einfachen Dinge geradlinig und damit auch überzeugend. Für mich ist dieses Parfum der eindeutigste Blumenduft, der mir bislang unter die Nase gekommen ist. Eher kein Herrenduft, aber erfreulicherweise auch kein schwerer, süßer Kracher. Die zitrischen Noten lenken den blumigen Hauptstrom in eine frische Richtung, sodass ich den bretonischen Ael-Mat gerade für frühlingshaft-sommerliche Tage empfehlen kann. Kindliche Unschuld, ein unerschütterliches Grundvertrauen und Geborgenheit sind vermutlich die passenden Stichworte zu unserem Schutzengel. Seht Ihr das auch so?

Fridolin Leiber - Schutzengelbilder

Nächste Woche gibt es hier einen weiteren Lostmarc’h-Duft.

Viele Grüße und frohes Schnuppern wünscht
Harmen

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Die Schöne und das Biest: a quiet morning

Mariela

Die Umstände sind passend: es ist sehr früher Morgen und der Rest meiner Familie liegt noch in den Federn. Also nutze ich diese Gelegenheit und teste a quiet morning der exzellenten Duft-Manufaktur Miller et Bertaux. Mitgebracht haben die beiden Designer die Inspiration dazu aus Indien. Der Name allein weckt bei mir hohe Erwartungen. Nicht dass ich ein passionierter Frühaufsteher wäre, aber wenn ich dann doch mal sehr früh wach bin genieße ich diesen Augenblick sehr. Vor allem jetzt, im doch sehr warmen Frühling, ist das Licht ganz besonders und die Stadt noch ruhig. Ob a quiet morning die passende Begleitung für diese besonderen Morgenstunden ist?

Die Ingredienzen lesen sich gut. Kopfnote: Kurkuma, Safran. Herznote: Basmati-Reis, Palmblüte, Neroli. Basisnote: Sandelholz, Zedernholz.

Goddess Lakshmi Ein wunderschöner süß-aromatischer Safran macht den Anfang, sanft eingehüllt in eine warme Kurkuma-Wolke. Der Duft dieses Duos schafft in meinem Kopf eine waschechte Indien-Impression, bei der natürlich auch Basmati-Reis nicht fehlen darf. Reis ist in vielen Kulturen ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, man denke nur an den westlichen Hochzeitsbrauch, ein frischgebackenes Ehepaar mit Reis zu bewerfen. In Indien wird Reis als Verkörperung von Lakshmi, der Göttin von Glück und Wohlstand verehrt.

Zusammen mit dem blumig-süß erstrahlenden Neroli erinnert mich a quiet morning eher an Reiskuchen, ohne jedoch all zu gourmand zu wirken. Da ich keinerlei Vorstellung habe, wie Palmblüte riechen soll kann ich gar nicht genau sagen, ob man die Zutat herausriecht.
Sandel- und Zedernholz in der Basis wirken unheimlich beruhigend und harmonisierend. Der warm-holzige Duft tröstet und spendet Kraft. Ein sehr kontemplatives Parfum! Ähnlich wie Spiritus / land #2 ist er von äußerster Komplexität und meiner Meinung nach rundum gelungen. In meiner Vorstellung riecht Indien genau so! Ich kann nur sagen: perfekt umgesetzt, volle Punktzahl und ein guter Begleiter nicht nur für Morgenstunden!

Harmen

Einen ruhigen Morgen habe ich heute auch erlebt, bis einmal wieder Baumfällarbeiten vor dem Haus begannen. Bei dem Namen unseres heutigen Kandidaten „a quiet morning“ muss ich unwillkürlich an einen Sommermorgen denken: es ist noch kühl, aber der blaue Himmel verspricht einen warmen Tag. Es riecht angenehm nach frisch gesprengtem Rasen, die Stadt wird langsam betriebsam und man ahnt schon die Menschenmengen, Gerüche, den Lärm – aber das alles ist noch fern. Eine erwartungsvolle Ruhe, die innere Einkehr vor den Aufgaben des Tages… ich gebe zu, dass ich nun einigermaßen hohe Ansprüche an den Duft habe. Die Schriftzeichen auf dem Fläschchen deuten nach Indien, so dass ich zumindest einen würzigen oder orientalischen Einschlag erwarte.

Early Morning Driveway

Also wird der ruhige Morgen auf den Streifen gesprüht und siehe da es geht gleich würzig-frisch los. Kurkuma ist hierfür verantwortlich und auch die Hölzer in der Basis lassen sich ausmachen. Gespannt war ich auch, ob ich den Basmati-Reis in der Herznote herausriechen könnte, und sofern man die Ingredienz kennt, kann man sich auf diese getreidige Assoziation einlassen. Wie schon bei „Spiritus/land“ haben wir es hier mit keinem Dufthammer zu tun – der Duft ist, wie der Name schon verrät, still, zurückhaltend, dezent. Auf der Haut nehme ich weiche, ledrige Anklänge wahr und komischerweise ein Hauch Gewürznelke, vielleicht auch Lakritze. Schlägt mir hier vielleicht Neroli ein Schnippchen?

Der Duft gefällt mir ausnehmend gut, er ist ein stilles Understatement und wirkt gerade auf der Haut durch seine weiche Ledrigkeit sehr kultiviert. Ein Duft für beide Geschlechter, eine Meditation ohne Räucherwerk, eine leichte Nachdenklichkeit und innere Ruhe für Dauergestresste und diejenigen, die es nicht mehr sein wollen.

Begeisterte Grüße von
Harmen

Bildquellen: Early Morning Driveway von Josh Hallett – via Wikimedia Commons – some rights reserved – vielen Dank!

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Kontemplative Momente…
Grün, grün, grün und…. grün
Duftverzeichnis L – Z


Die Schöne und das Biest: Spiritus/land

Mariela

Die Pariser Designer Miller et Bertaux entwerfen Kleidung, Düfte, Schmuck und andere kleine Objekte. Gemein ist diesen Dingen, dass sie sehr individuell sind und sicher nicht die breite Masse ansprechen. Die Produkte einschließlich der Flakons sind sehr puristisch und klar gestaltet.

Doch jetzt mal zu unserem heutigen Protagonisten: Spiritus / land #2 bildet zwischen (for you) / parfum trouvé #1 und green, green, green and … green #3 die goldene Mitte der Duftreihe. Alle Düfte können miteinander kombiniert oder auch einzeln getragen werden. Leider kenne ich die beiden anderen nicht, somit hat Spiritus / land heute einen Soloauftritt.
Happy Fence Saturday
Spiritus startet mit scharfer Ingwernote und einer Menge anderer Gewürze, allen voran Pfeffer. Die Gewürze sind kaum einzeln auszumachen. Es ist eher eine intensive, süßliche Gesamtmischung. Kardamon mit seinem würzig-scharfen Aroma und Kumin mit seinen unverwechselbaren süß-krautigen Noten bilde ich mir zumindest ein, ansatzweise wahrzunehmen. Doch bald schon übernehmen Weihrauch und Teakholz das Zepter. Das ledrige Teakholz und schwerer Weihrauch vereinigen sich zu einem dunklen, undurchdringlichem Gemisch. Sandelholz spendet eine subtile Wärme.

Duftnoten: Gewürze, Ingwer. Herznote: Rose, Teakholz. Basisnote: Weihrauch, Sandelholz, Tabak

Spiritus / land #2 ist ein sehr extravaganter, starker Duft und kommt unglaublich komplex daher. Man braucht schon eine gehörige Menge Selbstbewusstsein, um ihn zu tragen. Der Duft ist sicherlich unisex, wobei ich ihn mir fast lieber an einem Mann wünsche.

Harmen

Heute ist Miller et Bertaux mit „Spiritus/land“ an der Reihe. Was mit dem Namen wohl gemeint sein mag? Ausschließen können wir jedenfalls, dass wir es hier mit Ethanol bzw. Brennspiritus zu tun haben. Viele Autofahrer wollen dieser Tage nicht einmal 10% Ethanol-Beimischung in ihrem Tank haben, warum also dann auf der Haut. Spiritus ist aber auch das lateinische Wort für „Atem“, womit wiederum der „Geist“ gemeint ist. In Verbindung mit „Land“ könnte ich mir also vorstellen, dass hier die Atmosphäre, der Geist eines Landes gemeint sein könnte. Oder ein Land auf Parfum-Alkohol-Basis? Es sind also viele Deutungsmöglichkeiten offen und so führt natürlich kein Weg daran vorbei, einfach selbst einmal zu riechen, welches Konzept Miller und Bertaux hier im Kopf hatten. Übrigens gefällt mir der Flakon sehr gut, äußerst minimalistisch gehalten, und einfach schön – im Gegensatz zu den manchmal arg barocken Kollegen.

Auf dem Teststreifen dominiert in der Kopfnote ganz klar der würzig erscheinende Ingwer und ist gleichzeitig schon von dem blumigen Anklang der Rose untermalt. Den Weihrauch und die Hölzer bekomme ich so nicht heraus, deswegen wird der Landesgeist gleich einmal auf die Haut gesprüht. Dort kommt der Ingwer erst nach einer Weile zum Vorschein, Tabak und Hölzer sind nun etwas besser wahrnehmbar, wobei ich immer noch den angegebenen Weihrauch vermisse. Deswegen warte ich jetzt einfach, wie sich der Duft weiterentwickelt. Insgesamt würde ich sagen, dass die Bestandteile des Dufts sehr ausgewogen präsentiert werden, der Ingwer lässt recht schnell nach und hinterlässt eine zurückhaltende Würze, die Hölzer stehen definitiv vorne, aber der Weihrauch bleibt nach wie vor sehr weit im Hintergrund. Auffallend ist auch die allgemeine Zurückhaltung des Duftes. Er verfliegt recht rasch und hinterlässt eine angenehme Atmosphäre, ein Atemhauch von einem Duft. Ein überkritischer Mensch würde hier vielleicht die Haltbarkeit bemängeln – ich finde, dass dies aber genau ins Konzept passt, ein kräftiger Zug und was bleibt, ist eine Ahnung, eine Erinnerung und eine dezent-duftende Aura, sehr gut an einem männlichen Wesen vorstellbar, aber offen genug angelegt, um auch der holden Weiblichkeit zu schmeicheln. Absolute Kauf- und Testempfehlung.

Bildquellen: Happy Fence Saturday von mendhak bei Flickr, Trees sky von Saperaud via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Citrus Paradisi

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Hesperiden am 27.04.2011

Mariela

Aufgrund des Namens erwartete ich einen frisch-fruchtig, spritzigen Zitronenduft werde aber sogleich eines Besseren belehrt! Obwohl im Namen vertreten, ist Zitrone nicht unter den Ingredienzen. Hier ist die Grapefruit der Protagonist und zwar in Form einer herben, bitteren Schale.

Die Duftnoten: Kopfnote: Grapefruit, Herznote: Koriander, Pfeffer, Basisnote: Patchouli, Eichenmoos

Grapefruit

Sehr bald gesellen sich krautige Noten dazu. Laut Zutatenliste ist es Koriander, aber ich rieche auch würzig-frischen Salbei. Aromatischer Pfeffer prickelt angenehm in der Nase. Entgegen der Rezeptur machen sich nach einer Weile animalische Noten breit, zumindest meine ich solche zu erkennen, eine leicht schweißige Note macht sich auf meiner Haut breit. Nicht dass ihr denkt es liegt an mir, ich teste auf dem Handrücken ;-)
Schade, denn parallel teste ich auf dem Duftstreifen und da gefällt mir Citrus Paradisi viel besser. Sehr frisch und männlich kommt der Duft daher ohne schweißige Note.

Citrus Paradisi ist ein sehr eleganter und frischer Duft für heiße Sommertage. Ich kann ihn mir besser an einem Mann vorstellen, doch sicherlich ist er auch für Frauen interessant. Für mich leider nicht, denn ich hatte bisher bei Czech & Speake kein Glück. Sowohl Cuba als auch Citrus Paradisi entwickeln sich auf meiner Haut alles andere als schön. Schade! Ich habe auch keine Idee, woran es liegen könnte. Wie geht es euch damit? Stehe ich allein auf weiter Flur? Welche Erfahrung habt ihre mit den Düften aus diesem Hause gemacht?

Harmen

Als großer Freund zitrischer Noten bin ich natürlich gespannt, welche Köstlichkeiten die vollmundige Ankündigung „Citrus Paradisi“ für mich bereithält. Übrigens ist „Citrus paradisi“ die lateinische Bezeichnung der Grapefruit, die zu Deutsch wohl selten auch Paradiesapfel genannt wird. Der kürzlich besprochene Duft „Cuba“ von Czech & Speake war sicherlich eine Entdeckung mit seinen minzigen und zitrischen Kopfnoten. Umso gespannter bin ich, ob sich der hier vorliegende Duft in die Riege meiner Sommerdüfte 2011 einreihen kann. Vielversprechend klingen die Duftnoten allemal:

Kopfnote: Grapefruit; Herznote: Koriander, Pfeffer; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos

Auf dem Duftstreifen begeistert mich sofort die Klarheit und Einfachheit des Dufts. Zuerst begegnet man einer typischen Grapefruit mit ihrer bitteren Frische. Recht schnell kommt eine Würze und Pfeffrigkeit hinzu, die mich an Kardamom denken lässt, aber wie angegeben dem Koriander zuzuschreiben ist. Von Patchouli und Eichenmoos keine Spur.

Auf der Haut aber kommt mir Patchouli gleich als Erster entgegen. Im Verein mit Eichenmoos bringt der Duft eine größere Schwere mit als auf dem Duftstreifen und nimmt eine leichte, aber unerwartete Wendung ins Süßliche. Ein bisschen ärgert mich mal wieder meine Hautchemie. Auf dem Duftstreifen ein ganz hervorragender Duft, der mich ausgesprochen begeistert, auf meiner Haut hingegen wird er für meinen Geschmack etwas zu würzig, aber was soll ich machen? Kennt von Euch jemand Tipps und Tricks, die Hautchemie zu überlisten, vielleicht mit einem bestimmten Duschgel?

Allen Freunden von Hesperiden sei „Citrus Paradisi“ wärmstens anbefohlen, für Männlein wie Weiblein tragbar und wirklich eine frische Komposition, die ich mir gut für einen Tag vorstellen könnte, an dem es stark Richtung 40°C geht. Ich bin gespannt, wer ihn kennt und welche Erfahrungen Ihr mit ihm gemacht habt.

Es grüßt frisch aus der Hautchemie
Harmen

Bildquellen: Grapefruit by Myrone Delacruz, on Flickr, Citrus paradisi von Aleph, Grapefruit Splash von John Steven Fernandez – via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Our summer draw goes into extra time!
Unser Sommergewinnspiel geht in die Verlängerung!
New friends, new luck – summer draw on Facebook [Update]


Die Schöne und das Biest: Royal Bain

Mariela

Es war einmal ein sehr reicher, mächtiger und etwas exzentrischer Mann, der nichts auf der Welt mehr liebte, als sein Badewasser mit exquisitem Champagner anzureichern. Doch dann kam die Prohibition und das Leid war groß. Was war naheliegender, als seine guten Beziehungen spielen zu lassen und eines der bedeutendsten Parfumhäuser um einen adäquaten Ersatz zu ersuchen. Und im Handumdrehen wurde Bain de Champagne kreiert! Ein perlendes Duftwasser, das sogar in einem Champagnerflakon angeboten wurde. Alle waren zufrieden. Der reiche Mann, der weiter der Badelust frönen konnte und das Parfumhaus Caron, das kurzerhand, um die Laune eines Millionärs zu besänftigen, einen Klassiker komponierte, der viele Jahre später noch das Sortiment bereichern sollte. Und uns natürlich auch.

Laut Geschichtsbuch wurde Royal Bain ursprünglich im Jahre 1923 unter dem Namen Bain de Champagne als Badezusatz kreiert. 1941 wurde daraus Royal Bain de Champagner und erstmals auch als Eau de Toilette angeboten, bevor es in den 1970ern noch mal umbenannt wurde und den heutigen Namen Royal Bain de Caron erhielt. Der Inhalt wird nach wie vor in einer Champagnerflasche angeboten.

Die Duftnoten: Kopfnote: Rose, Flieder, Herznote: Benzoeharz, Opoponax, Weihrauch, Basisnote: Zedernholz, Vanille, Ambra, Moschus, Sandelholz

Lilacs

Royal Bain de Caron startet mit einer sehr prominenten Fliedernote, die den großmütterlichen Charme von Fliederseife versprüht. Die Rose im Hintergrund ist eine dieser wohlduftenden älteren Sorten. Im Herzen wird Royal Bain sehr pudrig, dies mag wohl der Vanille, Ambra und Moschus geschuldet sein. Irgendwie ist auch ein Hauch Banane zu riechen. Die ist zwar nicht enthalten aber ich meine doch ein leicht künstliches Bananenaroma zu erschnuppern. Benzoeharz versprüht sein warmes, fast schon schokoladiges Aroma und Opoponax unterstützt es nach Kräften mit seinem balsamisch süßlichen Duft.

Warum die Assoziation Champagner? Nun, Royal Bain ist ein quirliger Duft. Es passiert ständig etwas. Die Duftnoten kommen nicht zur Ruhe sondern flirren munter umher. Das wäre zumindest meine Erklärung. Ob sie stimmt, sei allerdings mal dahingestellt.

Sparkling Water

Royal Bain ist kein modernes Parfum. Ich behaupte einfach mal, dass dieser Duft zu recht als Klassiker bezeichnet werden darf. Er schafft eine Aura vergangener Tage ohne jemals altmodisch zu sein. Darauf stoßen wir an. Zum Wohl meine Lieben!

Harmen

Carons „Royal Bain de Champagne“, heute aus den bekannten Gründen in „Royal Bain de Caron“ umbenannt, wurde 1941 für einen kalifornischen Millionär kreiert, da dieser angeblich seiner Champagnerbäder überdrüssig geworden war. Die Angaben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Dufts sind widersprüchlich, da es 1923 bereits einen Duft namens „Bain de Champagne“ gab. Eine ausführliche Beschreibung findet sich bei „The Scented Salamander“.

Anstelle eines enervierenden Champagnerbades einen Duft bei Herrn Daltroff und Frau Wanpouille in Auftrag zu geben, ist sicherlich die beste Lösung für dieses schwerwiegende Problem. Kennen wir das nicht alle? Immer dieser Champagner und Kaviar, da möchte man wenigstens hin und wieder eine „Pommes Schranke“ mit einem frischgezapften Pils zu sich nehmen. Während meine Finger über die vergoldete Mahagonitastatur gleiten und ich dank der sommerlichen Temperaturen auch den Nerz zur Seite legen konnte, überlege ich, wie so ein in Parfumeurskunst gegossenes Champagnerbad wohl duften mag. Bin ich einem herrlich trockenen Duft auf der Spur? Trauben, Hefe, vielleicht ein bisschen Kork und der altehrwürdige Geruch französischer Weinkellereien? So der beste anzunehmende Fall. Oder doch ein klebriger preiswerter italienischer Schaumwein, während dessen Genuss schon die ersten Anzeichen vom heranrauschenden Kater künden? So der größte anzunehmende Unfall.

Cork Bath

Bevor ich nun einen tiefen Schluck aus dem Flakon nehme, versuche ich „Royal Bain“ vielleicht doch erst einmal auf dem Duftstreifen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Rose, Flieder; Herznote: Benzoeharz, Opoponax, Weihrauch; Basisnote: Zedernholz, Vanille, Ambra, Moschus, Sandelholz

Der erste Eindruck ist ein heller, seifiger Duft, letztere Eigenschaft absolut passend für einen „Badeduft“. Er enthält aber auch Früchte und Blüten. Ich nehme an, dass das Fruchtig-Blütenhafte der Rose und dem Flieder zuzuschreiben ist, wobei die Vanille als einzige Note klar hervorsticht. Die Harze und Hölzer bleiben auf dem Streifen gänzlich im Hintergrund, sodass die Haut einmal mehr herhalten muss. Wie erwartet kommen nun auch die wärmeren Töne besser zum Vorschein, spielen trotz allem aber nur eine kleine Statistenrolle. Nach Champagner riecht „Royal Bain“ jedenfalls nicht, dazu fehlt ihm eigentlich nur eine leichte säuerliche Note, etwa eine Zitrusfrucht. Die Hölzer runden die Süße mit einer leichten Frische rechtzeitig ab. Ein für meine Nase durchaus ungewöhnlicher Duft, hell und sauber, aber trotzdem süßlich. Die Unterschiede zwischen Haut und Teststreifen sind nicht fundamental. Ich finde den Duft äußerst spannend und empfehle gerade denjenigen einen Test, die sich für historische Parfums interessieren.

Viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: Lilacs by Hunda, on Flickr, Sparkling Water by Damork, on Flickr, Cork Bath von chris_wilson bei Flickr – some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Cuba

Mariela

Die Reise führt uns heute also direkt in die Karibik. Das passende Wetter habe ich mir dafür heute nicht gerade ausgesucht. Es regnet ohne Unterlass… Aber sei‘s drum! Ich erwarte tropisches Flair, Salsa, Mambo, Cha-Cha-Cha, Rum und Zigarren! In der Ingredienzenliste sind letztere zumindest schon mal aufgeführt.

Kopfnote: Pfefferminze, Bergamotte, Rum, Limette, Herznote: Rose, Gewürznelke, Lorbeer, Tonkabohne, Basisnote: Tabak, Weihrauch, Vetiver, Zedernholz

Unser Duft präsentiert sich unmittelbar nach dem ersten Sprüher doch ganz frisch. Allerdings reicht die Zeit kaum aus, um einzelne Duftnoten ausmachen zu können. Schon ist er wieder verflogen und eine unglaublich indolische Note macht sich breit. Ich bin mir gar nicht sicher woher diese Note eigentlich kommt, denn es sind weder Jasmin noch Zibet gelistet, die das gerne mal mit sich bringen. Es hört aber auch nicht gleich wieder auf. Hilfe!!! Die Fäkalnote beruhigt sich erst nach einer Weile, überschattet aber trotzdem immer noch alles. Am liebsten würde ich alles abwaschen!

Jetzt teste ich doch lieber zusätzlich noch auf dem Streifen. Die Kopfnote kommt hier schön raus. Limette, Pfefferminze und Rum. Da bekommt man doch gleich Lust auf einen Mojito. Immerhin etwas von dem tropischen Feeling, das auf meiner Haut bisher komplett fehlte. Die indolische Note macht sich auch auf dem Teststreifen breit, jedoch bei weitem nicht so schlimm wie auf meiner Haut. Vermutlich ist die Mischung aus Lorbeer, Gewürznelke und Tabak dafür verantwortlich.

Ich stelle mir jetzt eine kleine, sehr volle Bar vor. Ausgelassene Stimmung, der Alkohol fließt in Strömen, alles tanzt und die kubanischen Herren in ihren bunten Kunststoffhemden riechen nicht mehr so frisch wie zu Beginn des Abends.

Ein paar Stunden später präsentiert sich das Parfum dann endlich von seiner Schokoladenseite, Vetiver und Zedernholz stehen im Vordergrund und vereinigen sich zu dem eleganten wie klassischen Herrenparfum, das man sich nach dieser Tortur sehnlichst wünscht.

Mojito Bar at Bayside

Aber ehrlich, wer hält das so lange durch? Zugegeben man wird für seine Geduld belohnt, aber hält man die Stunden davor gerne aus? Ich denke nicht. Ich habe mich sehr auf dieses Parfum gefreut, die Duftnoten klangen vielversprechend. Ich wünschte mir gerade zu es zu mögen. Aber leider ist es auf meiner Haut komplett ungenießbar. Ich würde euch dringend von einem Blindkauf des Parfums abraten und definitiv einen ausgiebigen Test auf eigener Haut empfehlen.

Harmen

Die Karibikinsel Kuba spielt heute bei uns die Hauptrolle, nämlich in Form von Czech & Speakes Duft „Cuba“. Bis jetzt hat es mich noch nicht dorthin verschlagen, aber ich habe mir sagen lassen, dass dieses Eiland eine große Anziehungskraft und Faszination besitzt. Man verbindet allein schon mit dem Namen Köstlichkeiten wie Rum, luxuriöse Zigarren und einen Lebensstil, bei dem die Uhren etwas langsamer ticken als in unserer Hochleistungskultur. Frank Sawkins, der Gründer von Czech & Speake, ließ sich genau von diesen positiven Seiten Kubas inspirieren und schuf einen Duft, der diese wiedergeben soll. Ich bin gespannt, was mich nun erwartet.

Kopfnote: Pfefferminze, Bergamotte, Rum, Limette; Herznote: Rose, Gewürznelke, Lorbeer, Tonkabohne; Basisnote: Tabak, Weihrauch, Vetiver, Zedernholz

Auf dem Teststreifen geht es äußerst minzig und zitrisch los, in der Kopfnote ist Pfefferminze angegeben, die hier den Ton angibt, aber meiner Meinung nach könnte es durchaus auch Eukalyptusöl sein. In der tieferen Lage leisten leichte Anklänge von Weihrauch und Holz ihren Beitrag und geben dem stark minzigen Auftakt genau den richtigen Schwenk mit, um nicht in Richtung Halsbonbon abzudriften. Auf der Haut kommt die Minze lange nicht so kräftig zur Geltung, Tabak und Zedernholz grundieren diese jetzt spürbarer und so kommt das Ganze weitaus würziger daher. Aber nichtsdestoweniger eine kalte und herrlich erfrischende Duftdusche. Es fällt mir schwer, die Herznoten herauszubekommen, so sind die süßlichen Bestandteile sehr zurückhaltend formuliert, sicherlich die richtige Entscheidung bei einem Herrenduft. Mittlerweile sind auch auf dem Streifen die Kopfnoten etwas verflogen, so dass ich abschließend sagen kann, dass es sich hier um einen ausgezeichneten Sommerduft handelt, ein frischer Morgen in den Tropen, eine kleine Holzkiste mit duftenden Zigarren und dazu ein Cuba Libre oder viel besser noch ein Mojito, die Gräser und Blumen duften und erwarten die Hitze des Tages. „Cuba“ kann ich mir sehr gut an Männern jeden Alters vorstellen, besitzt er doch neben seiner jugendlichen Frische auch die bekannten Fingerzeige eines klassischen und runden Herrenparfums.

Bildquellen: Mojito Bar at Bayside by miamism, on Flickr, Dona Paulina von Dantadd, Mojito von Lobo – via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: Atelier d’Artiste

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Gourmand,Leder am 4.04.2011

Mariela

Das Künstleratelier also… wenn man die einzelnen Duftnoten liest, wird man gleich mit Klischees konfrontiert: jede Menge Alkohol, Kaffee, Zigaretten und höchstens noch ein paar Früchte. Chaotisch drapiert, rund ums große Ledersofa, auf dem der Künstler liegt und seinen Rausch ausschläft. Unser Künstler führt kein gesundes Leben, muss er auch nicht. Hauptsache, er ist kreativ. Dabei braucht er ab und zu mal Unterstützung.

Kopfnote: Rum, Cognac, Traube, Herznote: Wacholder, Patchouli, Vetiver, Himbeere, Basisnote: Tabak, Kaffee, Vanille, Heliotrop, Leder

Atelier 1

Einzelne Ingredienzen kann ich kaum ausmachen, jedoch findet sich auf meiner Haut von Anfang an eine recht markante Ledernote. Ähnlich wie bei L‘Hêtre Rêvé ähnelt Atelier d‘Artiste einem fruchtigen Punsch, dieses Mal jedoch mit Alkohol. Die obligatorischen Beeren dürfen nicht fehlen, Patchouli gemischt mit Vanille dazu Tabak und Kaffee. Eine schwere Süße, die mir allerdings Kopfschmerzen bereitet. Es ist eindeutig auch hier wieder die falsche Jahreszeit. Diesen Duft könnte ich mir gut im Winter, so um die Weihnachtszeit herum vorstellen. Vermutlich liegt es am Punsch.

Eigentlich ist das Namenskonzept ganz gut umgesetzt. Die Dinge, die ich mir als Laie so vorstelle, Dinge, die in keinem Künstleratelier fehlen dürfen, sind alle enthalten. Doch mir reicht das nicht. Mir fehlt einfach dieses Augenzwinkern. Es fehlt der Witz, den man so oft
bei den État Libre Düften findet. Da hätte man vielleicht noch Lösungsmittel, Farbe oder vergammelte Pizza erriechen können. Hier ist es jedoch Klischee pur! Jenen Witz kann ich nirgends erkennen, deswegen ist meine Vermutung: Sie meinen es ernst! Schade, hätte man sicher mehr daraus machen können. So bleibt es nicht mehr aber auch nicht minder ein beschwipster Gourmand.

L'atelier d'Odile (CADEROUSSE,FR84)

Harmen

Bei einem Künstleratelier muss ich an einen extrem chaotischen, aber sonnendurchfluteten Raum, denken, vollgestellt mit Staffeleien, überall liegen Farbtuben und Pinsel herum und in einem Weinglas schwimmt eine Zigarettenkippe vor sich hin. Die angegebenen Duftnoten spiegeln genau dies auch wider: Kopfnote: Rum, Cognac, Traube, Herznote: Wacholder, Patchouli, Vetiver, Himbeere, Basisnote: Tabak, Kaffee, Vanille, Heliotrop, Leder. Ganz witzig finde ich die schnapsigen Rumnoten, die tatsächlich ein wenig an Farben, Lacke oder Lösungsmittel erinnern. Einige fruchtige Noten lassen sich ebenfalls deutlich ausmachen. Ansonsten muss ich zugeben, dass sich mir die restlichen Noten nicht erschließen und ich zu einem ganz schlichten Ergebnis komme: ein Gourmandduft, der sehr authentisch nach einer Traube-Nuss-Schokolade mit Rum riecht, wahlweise auch wie eine Schnapspraline.

Whiskey Chocolate Cake

Wie bei den bereits besprochenen Nez à Nez-Düften fehlen auch hier die Ecken und Kanten, eine überraschende Wendung, eine kreativer oder innovativer Geistesblitz. Vielleicht ist es aber auch mein allgemeines Unverständnis für Gourmanddüfte. Auch wenn nach einer Weile noch die ledrige Komponente stärker zum Vorschein kommt, „Atelier d’Artiste“ ist wirklich eine reine Angelegenheit für Gourmandfans und Naschkatzen.

Bildquellen: Atelier 1 by Abstract seba, on Flickr, L’atelier d’Odile (CADEROUSSE,FR84) by jean-louis zimmermann, on Flickr, Whiskey Chocolate Cake von FotoosVanRobin bei Flickr – some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: L’Hêtre Rêvé

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Holziges am 28.03.2011

Mariela

L‘Hêtre Rêvé aus dem Hause Nez à Nez, jener noch recht jungen Parfum-Manufaktur aus Paris, startet sehr würzig. Es erinnert mich sofort an eine Duftschale, die ich gerne mal in der Vorweihnachszeit herrichte. Mit dabei sind Sternanis, ein paar Zimtstangen und Mandarinen mit aufgepieksten Gewürznelken. Das sind alles Ingredienzen die man auch in L’Hêtre Rêvé findet.

oranges with cloves

Kopfnote: Sternanis, Mandarine, Zimt, Gewürznelke Herznote: Sandelholz, Vetiver, Patchouli, Pflaume, Zedernholz, Guajakholz, Jakaranda, Baisnote: Moschus

Sternanis ist dabei der herausragende Kandidat in der Kopfnote, jedoch ist er auf ein weiches Zimtkissen gebettet, das die typische Anisnote abmildert. Mandarine und Pflaume sorgen für eine gewisse Saftigkeit, was bei mir gleich die Erinnerung an Früchtepunsch aufkommen lässt. Eindeutig das falsche Wetter und die falsche Jahreszeit, um diesen Duft zu rezensieren! Es ist schließlich strahlender Sonnenschein und der Frühling ist nicht aufzuhalten. Patchouli gesellt sich dazu und vermischt sich auf sehr angenehme Weise mit den Gewürzen. Die Hölzer fügen sich harmonisch ein, drängen sich nicht in den Vordergrund und Moschus rundet ab, überzieht alles mit einer pudrigen Aura.

Nur, was wollen sie uns eigentlich mit diesem Namen sagen? L‘Hêtre Rêvé, die geträumte Buche: das klingt sehr nach Naturfreunden und romantischem Idyll. Der Name ist gleichzeitig aber auch als Wortspiel L’Être rêvé, das geträume Sein zu lesen. Das Interpretieren dieser Zweideutigkeit überlasse ich für heute mal Euch. Wie schon bei Ambre à Sade erkenne ich auch hier keine wirklich einleuchtenden Konzepte hinter der Namensgebung. Eindeutig aber ist L’Hêtre Rêvé ein traumhafter Winterduft, der frühstens bei der nächsten Schafskälte oder den kommenden Eisheiligen wieder aufgesprüht wird!

Buche

Harmen

Der heutige Name gibt erst einmal Rätsel auf. Übersetzt würde er etwa „Die geträumte Buche“ bedeuten, aber nach einiger Recherche fand ich heraus, dass es sich um ein Wortspiel handelt. Da im Französischen das H nicht ausgesprochen wird, könnte man den Namen gesprochen auch als „l’Être Rêvé“ verstehen, ungefähr „Das geträumte Sein“ oder „Das geträumte Wesen“. Jedenfalls befinden wir uns in der Welt des Träumens, wahrscheinlich in einem Buchenwald voller Traumwesen. Die Werbeanzeige von Nez à Nez unten verspricht in jedem Fall eine Fülle an Holz, und ich darf gespannt sein, ob dieser Duft meinen Geschmack trifft, nach dem Walderdbeertrauma von letzter Woche.

Auf dem Duftstreifen geht es ziemlich holzig los, kein Wunder schaut man in die Duftnoten: gleich dreierlei Hölzer nämlich Sandelholz, Zedernholz und Guajakholz lassen sich dort finden. Gleichzeitig aber auch frisch, wofür wahrscheinlich Vetiver oder Sternanis verantwortlich sind. Eine deutliche Süße schwingt ebenso mit, welche die Trockenheit des Holzes unterbindet, ob diese allerdings der Mandarine, der Pflaume oder gleich dem Moschus zuzuschreiben ist, kann ich nicht sagen, denn der Duft präsentiert sich recht rund. Deswegen haben wir es hier auch nicht mit einem Kracher zu tun, der die Geister scheidet. Ich finde ihn recht konventionell und meine, dass es auch einen Mainstream-Damenduft gibt, der stark in die Richtung von „l’Hêtre Rêvé“ geht; meine Damen, vielleicht hilft mir jemand auf die Sprünge.

Ganz klar ein Duft für die Damenwelt, für Herbst und Winter, kommt er doch vor allem auf der Haut relativ schwer und auch süßlich daher. Ein absolut alltagstauglicher Duft, der eine ganz andere Richtung als „Ambre à Sade“ einschlägt. Von den quietschebunten Walderdbeeren im Sommer zu einem dunkleren und herbstlichen Wald, der den Spätsommer aber noch nicht ganz vergessen hat.

Frohes Testen und viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: oranges with cloves by bradleygee, on Flickr, Buche by Roberto Verzo, on Flickr, Produktbild vom Hersteller

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