Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Was wäre…

Geschrieben in Bücherkiste am 7.12.2011

… wenn einem von einem Tag auf den anderen der Geruchssinn verloren ginge? Eine spannende Frage – denn allzu häufig wird er vollkommen unterschätzt, der Geruchssinn. Man vergisst oft die Korrelation zwischen Geruch und Geschmack, dass der Verlust des einen den annähernd kompletten Verlust des anderen bedingt. Dass damit der Genuss eingeschränkt ist – und zwar jeglicher sinnlicher, nicht nur der des Essens. Dass Menschen, die nicht mehr riechen können, nicht nur sich, sondern auch andere nicht mehr riechen können. Und so einen Teil ihrer selbst verlieren, meist gefolgt von einem Verlust von Selbstsicherheit. Dass Erinnerungen vergehen, erlöschen, für immer, unwiderruflich, unwiederbringlich. Anosmie wird es genannt und ist für manchen ein Suizidgrund, wie Luca Turin in einer seiner Duftnoten für das Magazin der Neuen Züricher Zeitung einmal beschrieb. Sieben Jahre vorher widmete sich das Magazin, das monothematisch jeden Monat ein anderes Thema abhandelt, dem Motiv der Düfte – dort ist, abgesehen davon, dass das ganze Magazin sehr interessante Artikel bereithält, auch ein Artikel über Geruchsverlust zu finden.

Jahrhundertelang wurde die Nase unterbewertet. Augen und Ohren, Sehen und Hören, galten als Primärsinne, alles andere folgte unter ferner liefen. Diese Einteilung, vielmehr Wertschätzung der Sinne, ihre Hierarchie hat(te), das muss ich sicher nicht erwähnen, großen Einfluss: Auf Welt und Weltzugänge, auf das Miteinander, auf Denken, Fühlen und Handeln. Eine solche Rangordnung der Sinne führt zu einer spezifischen Gewichtung und somit letztendlich – zu einem Verlust von Aufmerksamkeit, von Sensibilität, von Wahrnehmung und Möglichkeit. Philosophisch und somit auch kulturwissenschaftlich ist das alles hoch spannend – wer sich dafür interessiert, kann sich einmal die Werke von Gernot Böhme ansehen, der als Begründer einer neuen ganzheitlichen Ästhetik (= Wahrnehmungslehre), der Aisthetik gilt. Oder man sieht sich gleich die hervorragende Schrift der Wiener Philosophieprofessorin Diaconu an: „Tasten – Riechen – Schmecken – Eine Ästhetik der anästhesierten Sinne“. Diese zeichnet, Böhmes Einfluss aufweisend, die Kulturgeschichte jener Sinne nach – nicht ohne auf Aktuelles einzugehen wie die Parfumeurskunst, Tätowierungen, die Slow-Food-Bewegung und ähnliches, denen sie ganze Kapitel widmet. Anspruchsvoll, aber wahnsinnig spannend und insofern sehr empfehlenswert.

Ein bisschen eingängiger ist da sicherlich „The Perfect Sense“, der morgen seinen Kinostart in Deutschland hat. Ich habe den Film schon vor Monaten auf einem Filmfest gesehen und war sehr angetan – seitdem hängt hier ein kleines gelbes Post-It an meinem PC, und ich habe auf den deutschen Filmstart gewartet, um ihn Euch zeitnah vorstellen zu können. Ich bin nämlich der Ansicht, dass er nicht nur sehr lohnenswert ist, sondern auch ziemlich genau unser Thema hier trifft und somit exakt das Richtige für den einen oder anderen von Euch sein dürfte.

Perfect Sense ist – die melancholische Skizze eines Weltuntergangs. Apokalypse Now. Im Vergleich zu anderen Filmen, die sich um eine ähnliche Thematik ranken, beginnt der Anfang vom Ende hier aber nicht im Außen. Es finden sich weder Kriege noch ein tödlicher Virus, keine Zombies und keine trostlosen Planeten, die unabwendbar auf die Erde zurasen. Der Untergang des Abendlandes kommt auf vergleichsweise leisen Sohlen und mit kleinen Schritten – aus dem Inneren des Menschen selbst: Zuerst sind es überbordende Gefühle, die die Menschen anfallartig befallen. Trauer, die in großen Tsunamiwellen über sie hineinbricht. Traurigkeit ob aller gemachter Fehler und erlittener Verluste. Eine, die die Menschen plötzlich überfällt, sie hilflos in ihren emotionalen Zusammenbruch schlittern lässt – um darauf folgend ihren Geruchssinn zu verlieren. Ist der erst einmal eingebüßt, schwindet auch der Geschmackssinn.

Vor dem Hintergrund dieser Katastrophe, gegen die nichts auszurichten ist, weil es keine Heilung gibt, zeichnet Regisseur David Mackenzie eine Liebesgeschichte. Eine, die so viel sagt – über den Menschen, über die Liebe, über Humanität.

Es geht um Michael, gespielt von Ewan McGregor, und Susan, die von Eva Green verkörpert wird. Susan ist Epidemologin, widmet ihr Leben der Forschung und wohnt dem Ausbruch der rätselhaften Seuche bei. Michael, Single aus Leidenschaft, kocht in einem teuren Gourmetrestaurant, dessen Hinterhof sich direkt unter Susans Wohnzimmerfenster befindet. Zufällig laufen sie sich so über den Weg und Michael lädt Susan zum Essen ein, weil niemand Essen gehen möchte, der Laden leer und die Vorratskammern voll sind.

Natürlich verschont die Krankheit unsere beiden Protagonisten auch nicht – und gerade in diesem Moment liegt der Reiz der Geschichte: In dem Ringen der beiden. Gleich den Kugelwesen im Mythos des Aristophanes, von dem ich schon einmal erzählte, klammern sich die beiden aneinander und versuchen, sich etwas zu bewahren. Ihre Welt aufrechtzuerhalten, die um sie herum aus den Fugen gerät, einen Anker zu finden und festzuhalten in diesem sich auftuenden Chaos, das sich immer und immer wieder in animalisch anmutenden Aussetzern der Menschen zeigt, aus ihnen hervorbricht. Besonders hervorzuheben hier der Moment, in dem sie in der Badewanne sitzend den Genuss des Essens imitierend Rasierschaum und Seife verspeisen, um unter Verwendung der Haptik und des Auditiven, der Geräusche Verlorenes verzweifelt wiederherzustellen.

Ein trauriger Film, trotz allem bitter-süß und in wunderschönen epischen Bildern verpackt. Einer, der den Spagat schafft, trotz der melodramatischen Handlung nicht kitschig zu erscheinen. Sprich: Einer, in den auch die Herren ruhig (mit)gehen können ;)

Vielleicht ja was für Euch, für die nächste Zeit, das nächste Wochenende?

Liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: My dog Messi sleeping von Andrzej Pobiedziński, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Jean-Claude Ellena…

Geschrieben in Bücherkiste,Verweise,Wissenswertes am 30.07.2011

kann nicht nur Parfums, er kann auch Bücher: Journal d’un parfumeur : Suivi d’un abrégé d’odeurs heißt sein Werk, das aus dem Leben eines Parfumeurs, in diesem speziellen Falle von einem der besten weltweit, erzählt. Bei Nowsmellthis gibt es bereits eine Rezension, siehe hier, und wer mag kann sich auch einen kurzen Film ansehen, in dem der Meister selbst dazu erzählt:

Jean-Claude Ellena – Journal d’un parfumeur von Librairie_Mollat


Jean-Claude Ellena – Journal d'un parfumeur von Librairie_Mollat

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Oxymoronalarm – Oriental Lounge von The Different Company.
Jean Paul Gaultiers…
Spezereien aus fernen Ländern


Glockenspiel für einen Engel…

Geschrieben in Blüten,Bücherkiste,Duft,Grünes,Holziges am 4.03.2011

… heißt übersetzt der neueste Duft aus dem Hause Tauer, der auf den französischen Namen Carillon pour un ange hört. Und der einer eigentlich auf den ersten Blick ganz un-Tauer-typischen Ingredienz gewidmet ist: Dem Maiglöckchen. Jenes bevorzugt in schattigen Tälern wachsende und in der christlichen Ikonographie zu den Marienblumen zählende (neben Lilie, Rose und weiteren) Blümelein gilt mit seinen hängenden weißen nickenden Blüten als Symbol für Marias Unschuld, für Bescheidenheit, für ihre Demut. Darüber hinaus steht das Maiglöckchen für Hoffnung, für Glück und somit natürlich auch – für die Liebe.

Auch für Andy Tauer hat es eine tiefere Bedeutung, wie er schreibt:

„Smelling lily of the valley is always a joy for me. I love the idea that you cannot buy a natural concentrate of lily of the valley, that the flowers resist to any large scale concentration of their fragrant soul. Perfumers may try to come close to the natural fragrance, but you can never quite get there. Thus, you have to wait through long winter months until you can finally smell their green, silvery, opulent and elegant exquisite natural perfume. Building a fragrance with lily of the valley singing in spring was a wish since I started making perfumes. Carillon pour un ange is my tribute to this wonderful forest treasure. It is a green choir of flowers. Enjoy!“

Ein grüner Blütenchor und ein Tribut an diesen wundervollen Schatz des Waldes ist sein Duft Carillon pour un ange also, mit dem er sich einen Parfumeursherzenswunsch erfüllte – ein frühlingshaftes Maiglöckchen olfaktorisch einzufangen.

Ganz abgesehen davon, dass Maiglöckchen laut dem Biologen und Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt längst nicht so unschuldig sind, wie man vielleicht glauben mag – siehe hier und hier sowie seine durchaus lesenswerten Bücher zum Thema Gerüche – assoziiere auch ich Maiglöckchen immer mit Reinheit und mit Frühling und muss dabei an ein Gedicht des relativ unbekannten Autors und Arztes Hugo Salus denken, dass ich vor langer Zeit mal in einem Band entdeckt habe:

Maiglöckchen
Maiglöckchenstrauß, Maiglöckchenstrauß!
Ich trage einen Schatz nach Haus,
Weiße Glocken auf grünem Stengel.
Liebe Glöckchen, weiß und zart und rein!
So müssen die keuschen Blumen sein
Im Lockenkranze der Engel.
Aus einem Himmel kommt auch ihr,
Aus einem Himmel bringt ihr mir
Grüße und Duft und Segen.
Ihr duftet kaum und doch so reich:
Ihr seid an einem Busen weich
Und knospenrein gelegen -
Und bringt mir Duft und Segen.

An dieser Stelle passt es durchaus gut, ist auch hier jene Engelsassoziation vorhanden, die uns Andy Tauer alleine schon mit dem Namen von Carillon pour un ange mit auf den Weg gibt. Laut Perfume Shrine war der Arbeitsname des Duftes ohnehin lange Zeit Gabriel, benannt nach dem gleichnamigen Erzengel. Im Gespräch mit den Bloggern der Perfume Posse erklärt Andy Tauer noch ein wenig mehr seiner Intention zur Kreation:

„When you say lily of the valley to me, I can see a green natural scent forming in my head. It is there, in me, imprinted in my scent memory after sniffing on thousands of little white bells. I simply cannot pass by a lily of the valley without bending and sniffing. The scent is so much more and larger than the tiny little flower would make you think. Contrary to jasmine or orange blossom, where little flowers surprise by their powerful fragrance that sends you into fecal territory, there is a purity going with it lily of the valley. It is a clean scent, contrasting to the rich forest soil where it blooms: In the climate of my home village it blooms in May. There where it thrives in May, the soil is damp, covered with moss and soaked with the fragrance of fungus breaking down the beech leaves of last year, the vibrant incense and ambra of fir brushwood in the spring sun. For me, lily of the valley is spring, and spring’s explosion of fragrances and colors after winter’s suffocating icy grip. Lily of the valley is my mother, wearing Diorissimo. Lily of the valley is my partner (the W.-factor on my blog), testing my fragrances since years, and passionately discovering lily of the valley over and over again.“

Und schon wieder die Reinheit: Das Maiglöckchen als Bote des Frühlings, des Wiedererwachens der Natur, des Neuanfangs nach dem Sterben des Winters. Ein unschuldig-reiner Duft, der einen Kontrast bildet zu dem weichen moosigen Winterboden, dem abgestorbenen Holz, das bald als winterliches Feuerholz eingelagert wird, den ersten Sonnenstrahlen und den Pilzen, die ihre Köpfe gen Himmel recken. Und somit auch eine Liebeserklärung – an das Leben, an die Mutter, die Diors genialen Diorissimo trug, und an die bessere Hälfte, deren Herz ebenfalls für Maiglöckchen schlägt.

Mich erinnert das alles wieder an das bitter-süße Moment des Lebens, an Fröhlichkeit, die für mich nur echt ist, wenn sie einhergeht mit einer Prise Melancholie – ob der Vergänglichkeit des Augenblicks. Und wieder an Nietzsches “denn alle Lust will Ewigkeit”…

Insofern trifft mich dieser Tauer mal wieder genau dort, wo auch ein Großteil seiner Vorgänger so exakt zu treffen vermochten – mitten ins Herz. Was für ein großartiger (Duft)Maler er doch ist, der Herr Tauer, denke ich – und werde bei dieser wirklich wunderschönen Vertreterin ihrer Gattung nicht nur schwach, sondern auch sentimental. Carillon pour un ange berührt mich, sehr.

Noten weißen Flieders vermengen sich mit Maiglöckchen und treten hervor in ihrer schüchternen, aber opulenten Pracht mitsamt der ihnen eigenen Blütensüße. Von einer zurückhaltenden, jedoch überaus mächtigen Präsenz ist der Duft, durchdringend, ohne sich aufzudrängen – das rieche ich jetzt bereits und es soll sich im weiteren Verlauf nicht ändern. Der grüne Chor drängt sich in mein Bewusstsein mit grasig-frischen Elementen, die frisch gepflückt erscheinen, sowie Akzenten sonnengetrockneten Mooses und Heus. Und ruht auf einem samtig-warmen sonnenbeschienen Untergrund zarter Hölzer, die, wie könnte es auch anders sein, dann doch noch eine Ahnung jener – analog zur Guerlinade – Tauerade aufweisen, jener altbekannten Tauerschen Handschrift, die seine Düfte so einzigartig macht und für die nicht nur ich sie liebe. Leise harzt es vor sich hin und herzt so die geneigte Nase, versüßt den Duft im Abgang.

Mich wundert es absolut nicht, dass uns Andy Tauer hier keinen jener typischen „Ich bin der Frühling“-Düfte liefert, die einen quasi ab Neujahr anspringen. Und dass Carillon pour un ange auch überhaupt nicht in die Reihe jener zu vernachlässigenden Maiglöckchendüfte gehört, von denen es auch jede Menge Waschzubehör blabla gibt und die einen so furchtbar langweilen in ihrer inhaltsleeren Frühlingsverheißung.

Was mich allerdings wundert ist, dass ich mal wieder heiß verliebt bin – in ein Maiglöckchen. Obgleich es die doch so schwer bei mir haben. Und außer dem relativ authentischen Kandidaten von Madame Micallef (Lucky Charm) bei mir noch keines einziehen durfte. Das wird sich mit diesem Tauerschen Maiglöckchentraum ändern.

Bezüglich der Stimmung, die Carillon pour un ange für mich einfängt, mag ich Euch Caribous Irene mit auf den Weg geben mitsamt all jenem Optimismus und jener sehnsüchtigen Wehmut, die dem Song und dessen Video (für mich) innewohnt:

Ein schönes Wochenende Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Convallaria Majalis von Christer Johansson, Statue at Metairie Cemetery von Jon Sullivan, beides via Wiki Commons – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Andy Tauers Düfte in unserem Shop. Carillon pour un Ange wird ab Mai erhältlich sein.

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Die Linde…
Duftverzeichnis


Yoga findet Dich!

Geschrieben in Bücherkiste,Wissenswertes am 28.06.2010

Promis lieben Yoga, von Ralf Bauer bis Jennifer Aniston, von Ursula Karven bis Madonna. Wer kein Yogi ist, fühlt sich irgendwie ausgeschlossen, fast „out“. Zuerst dachten wir, der Trend gehe schon wieder vorbei. Weit gefehlt, immer mehr Yoga-Schulen, -Lehrer und –Bücher schießen aus dem Boden. Vielleicht wird es doch Zeit zu lernen, was Hatha Yoga, Jivamukti und Bikram bedeutet. Und vielleicht ist es an der Zeit zu erfahren, was Yoga für jeden einzelnen von uns tun kann…

Fangen wir von vorne an. Was ist Yoga eigentlich genau? Ein Wundermittel? Sehen all die Stars und Promis so gut aus, weil sie zu Musik fernöstlicher Klangschalen irgendwelche spirituellen Mantras murmeln? Nicht wirklich. Denn Yoga ist durchaus harte Arbeit.

Die positiven Effekte kommen nur durch regelmäßiges Training. Und das über einen längeren Zeitraum, mindestens so etwas zwischen sechs Wochen und vier Monaten. Und zwar bei täglichem Training! Aber die, so sagen Yogis, lassen sich locker durchhalten, denn manche Veränderungen sind doch sofort spürbar. Gestresste fühlen sich auf einmal gelassener, Untrainierten wird ein saftiger Muskelkater am nächsten Tag zeigen, dass auch die „ach-so-sanften“ Übungen eine Menge abfordern.

Ausflüchte wie “Dafür bin ich einfach nicht beweglich genug”, “mein kaputter Rücken erlaubt mir keinen Sport” oder der Klassiker: „ich bin doch kein Hippie“ gelten nicht. Denn erstens kann jeder Mensch Yoga üben, nämlich einfach die Übungen, die er machen kann, so gut er es nun mal kann. Und zweitens kann man das Esoterische auch ausblenden. Was bleibt ist ein Workout für Geist und Körper, der den Stress des Tages minimieren kann, Verspannungen löst, der Psyche mehr Energie spendet und für ein besseres Körperbewusstsein sorgt. Man sitzt aufrechter, hält den Rücken gerader, verfügt über eine dauernde Körperspannung und fühlt sich auf einmal wohler in seinem Körper. Klingt doch super, oder! Das ist auch der Grund, warum die meisten Menschen erst zum Yoga kommen, wenn Sie schon unter Rückenproblemen, Kopfschmerzen oder geistiger Unruhe leiden. Wie sagen Yogis so schön: Wenn die Zeit richtig ist, erwischt sie einen ohnehin, die “Sucht” nach mehr Wohlgefühl.

Was ist Yoga eigentlich?

Diese Frage ist eigentlich andersrum leichter zu beantworten: Was ist Yoga nicht?

Yoga ist keine Religion und auch kein Dogma. Yoga ist vielmehr eine Philosophie aus Indien. Das Wort „Yoga“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Vereinigung“. Vereinigung von Körper und Geist mit „dem großen Ganzen“. Gut, dass klingt jetzt schon wieder unglaublich nach Esoterik-Kram, auf den nun mal nicht jeder steht. Aber in Normal-Deutsch übersetzt bedeutet das nichts anderes als: Yoga vermittelt ein neues Körpergefühl. Geist und Körper werden in Einklang gebracht. Man lernt, Stress wegzuatmen, innere Knoten und Anspannungen mit Workout zu beheben und im Alltag gelassener an die Dinge heranzugehen. Also gar nicht sooo schlimm esoterisch.

Yoga ist aber auch keine Sportart. Auch wenn sie immer wieder so dargestellt wird.

Yoga ist ein Übungsweg. Ziel dieses Weges ist es, zu sich selbst zu finden. Plötzlich versteht man, wieso bestimmte körperliche Probleme auftreten, wie sie entstehen und wie man dagegen steuern kann. Yoga ist weniger Workout für den Körper, sondern vielmehr Entspannung für den Geist. Der Geist lernt mit Hilfe der Methoden des Yoga sich zu sammeln und friedvoll zu werden – vielleicht nicht ständig, aber immer öfter, und vor allem auf Abruf! Das dürfte nicht nur dem Autor dieser Zeilen zugute kommen, der ein rechter Hitzkopf ist. Wenn ich mir angucke, wie viele Menschen morgens beim Autofahren nicht ohne hysterisches Hupen zur Arbeit kommen, würde ich sagen: viel mehr Menschen sollten Yoga machen!

Aber was bedeutet eigentlich: Yoga machen?

Durch die Körper-Übungspraxis des Hatha-Yoga (das ist der erste Übungsweg im Yoga, der Geist und Körper gemeinsam bearbeitet) kann man schlichtweg fitter werden, Muskeln aufbauen und spezielle Symptome, etwa Rückenschmerzen, bekämpfen. Alles das kann laut Yoga-Experten aber nur gelingen, wenn man auch seine „geistigen und spirituellen Muskeln“ trainiere. Soll heißen: mangelnde Fitness, Schwäche und Rückenschmerzen haben in der Regel auch ihre Ursachen darin, dass die Psyche nicht fit und durch vielfältige Zerstreuungen geschwächt ist.

Seien wir ehrlich: Kaum jemand hat Zeit (oder Lust – und vor allem die Kraft, den doofen inneren Schweinehund zu massakrieren), um wirklich regelmäßig ins Fitness-Center zu gehen oder einen Yoga-Kurs zu besuchen. Also bleibt die Bewegung letztendlich bei den meisten auf der Strecke. Umso schlimmer, wenn wir Stress haben. Natürlich: Wer abends erschöpft nach einem langen Tag nach Hause kommt, würde sich lieber auf das Sofa werfen, statt den Körper zu trainieren. Und morgens? Lieber eine halbe Stunde länger schlafen, als Frühsport zu probieren.

Aber hier ist Yoga doch der perfekte Weg zu mehr Stärke. Denn man kann „yogieren“, wann immer man nur will. Ganz Ungeübte sollten am besten nur 10 bis 15 Minuten üben und die Trainingsdauer dann allmählich steigern. Das kann morgens nach dem Aufstehen sein, um Kreislauf, gute Laune und Beweglichkeit zu fördern, oder abends, um den Stress des Tages abzuschütteln und Verspannungen zu lösen.

Es gibt mittlerweile unzählige Yoga-Bücher und –DVDs, die eine Grundanleitung für Asanas (= Yoga-Übungen) bereit halten. Aus denen kann man sich die Übungen heraus picken, auf die man Lust hat, und die eventuellen geistigen oder körperlichen Symptome behandeln. Besonders möchte ich das „Yoga Gesundheitsbuch“ von Anna Trökes empfehlen, das mir beim Einstieg enorm geholfen hat. Hier werden die Grundbegriffe des Yogas erklärt und Asanas gezeigt, die gezielt Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Angstzustände, Schlafstörungen, Asthma oder Rückenprobleme behandeln. (Gräfe und Unzer-Verlag 22,90 Euro). Ein toll bebildertes, umfangreiches Kompendium, mit dem man schon ganz schnell loslegen kann.

Mein zweiter Buchtipp wäre Ursula Karvens „Yoga für Dich und überall“, das 60 süß illustrierte und unterhaltsam beschriebene Übungen für den Alltag bereit hält. Denn Yoga kann man zwischendurch auch ganz bequem in den Alltag integrieren. Eine kleine Übung morgens im Bett, um besser in den Tag zu starten. Eine am Schreibtisch, um akuten Stress zu minimieren, eine beim Kochen oder sogar beim Faulenzen im Kinosessel, um ganz nebenbei die Muskulatur zu straffen.

Im Laufe der Zeit haben sich viele Traditionslinien des Yoga herausgebildet, vor 3500 Jahren am Beginn war der Yoga noch sehr stark von einer magischen Sicht auf die Welt geprägt. Daher dürfte auch dieser esoterische Kram rühren, den Yoga immer ein wenig umweht (und mich persönlich Jahre lang davon abgehalten hat, mich mit Yoga auseinanderzusetzen). Die Yogis – früher „Rishi“ (Seher) genannt – waren Menschen, die intensiven Kontakt mit ihren vedischen Göttern pflegten. Sie glaubten, mittels bestimmter Atem- und Meditations-Übungen in Kontakt zu ihren Gottheiten zu treten. Erst ab dem 6. Jahrhundert vor Christus wurden aus diesen als Außenseiter der Gesellschaft betrachteten Rishis richtiggehende Weisheitslehrer, die ihr Können an willige Schüler weitergaben. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten reinen Yogatexte, denn bis dahin wurde das Wissen um Yoga nur mündlich weitergegeben – ein bisschen wie eine Art Geheimlehre.

Yoga wird seitdem in der Gemeinschaft trainiert. 500 v. Christus zog so ein Yogi namens Siddharta Gautama Shakyamuni durch Nordindien, besuchte diverse Yoga-Gruppen und –Lehrer und fand irgendwie alles nicht so richtig toll. Die Lehren, die damals vermittelt wurden, engten ihn zu sehr ein. Er suchte das reine Bewusstsein. Und als er es fand – unter einem Pappelfeigen-Baum, wurde er zu „Buddha“, dem „Erwachten“. Seitdem ist Yoga frei von allen Gottheiten, frei von Religion. Der Yogaweg wie wir ihn heute kennen, nahm seinen Lauf.

Welche Yoga-Arten gibt es, und welche ist die Richtige für mich?

Den zweiten Teil der Frage muss sich wohl jeder Yoga-Neuling selber stellen. Eine Anweisung kann es nicht geben, man findet seinen Stil nur durch Herumprobieren. Am einfachsten ist es wohl, mit dem klassischen Hatha-Yoga zu beginnen und dann nach Lust und Laune hin und wieder etwas Neues zu probieren. Wichtig ist allerdings, dass man nach einiger Zeit einen Yoga-Lehrer sucht und Stunden nimmt (alleine oder in der Gruppe). Erstens, damit sich bei den Übungen nicht Fehler einschleichen und festsetzen, zweitens weil es nur mit einem „Guru“ (ebenfalls ein Wort aus dem Sanskrit, das übersetzt so viel bedeutet wie „der, der Licht ins Dunkel bringt“) möglich ist, Geist und Körper im Sinne des Yoga als Philospohie in Einklang zu bringen.

Hier die wichtigsten Yoga-Wege als Übersicht:

Anusara-Yoga

… vereint mehrer klassische Ansätze. Ziel ist eine freudvolle Praxis, um im Einklang mit dem Körper innere Schönheit zu erleben. Klingt hochgestochen, macht aber richtig Spaß. Man denkt viel über innere Schönheit nach und wie man sie nach außen vermitteln kann.

Ashtanga-Vinyasa

… ist sehr kraftvoll und dynamisch. Basierend auf dem Hatha-Yoga werden sehr anspruchsvolle Asana-Reihen im indischen Stil geübt, die durch Sprünge miteinander verbunden sind. Sehr wichtig dabei: Die typische Yoga-Atmung.

Bikram-Yoga

… ist definitv nichts für Anfänger, denn man kommt mächtig ins schwitzen. Trainiert wird bei 38° Celsius und bis zu 40 % Luftfeuchtigkeit. 24 Hatha-Yoga-Übungen und zwei Atemübungen werden „durchgehechelt“, um Kraft, Balance und Biegsamkeit des Körpers zu steigern. Gleichzeitig soll das Schwitzen den Körper entgiften.

Hatha-Yoga

… ist so etwas wie die Urform aller Yogi-Übungen, ein Oberbegriff für Körper- und Atemübungen, um Seele und Körper in Harmonie zu bringen. Hatha bedeutet so viel wie Kraft, Ausdauer, Energie.

Hormon-Yoga

… ist eine Kombination aus Hatha-Yoga, tibetischen Energieübungen und dem Kundalini-Yoga. Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren werden gezielt stimuliert, um die Hormonproduktion anzukurbeln. Viele Frauen in den Wechseljahren schwören darauf! Eine Studie der Universität Sao Paolo stellte bei Frauen fest, dass der Östrogen-Spiegel nach vier Monaten Hormon-Yoga um 254 Prozent gestiegen war. Beeindruckend! Aber bitte fragen Sie jetzt nicht, was bei Männern passiert, die dieses Training absolvieren. Ich weiß es nicht…

Jivamukti-Yoga

… stammt aus dem New York der 1980er-Jahre. Jivamukti bedeutet übersetzt so viel wie „Befreiung der Seele“. Fließende, tänzerische Bewegungen statt einzelner Asanas wechseln mit Gesang und Atem-Training, um mentale Stärke und Ausgeglichenheit zu erreichen.

Lassen Sie mich zwei Sätze als Fazit zu meiner neuen Yoga-Begeisterung sagen: Erstens, Yoga hat für jeden etwas zu bieten. Wen das Esoterische nicht stört, oder wer es sogar etwas spirituell mag, für den ist Yoga sowieso super! Wer, na sagen wir, etwas bodenständiger veranlagt ist, der kann das Klim-bim ausblenden und Yoga als sportliche Ertüchtigung sehen. So oder so spürt man schon nach ein paar Trainingsrunden eine effektive Wirkung auf Körper und Geist. Ich persönlich fühle mich herrlich beruhigt. Bei der anschließenden Tiefen-Entspannung, die ich immer noch gleich mitmache, schlafe ich zwar im Handumdrehen ein, und meine Yoga-Lehrerin sagt, das Schnarchen sei eine Zumutung für die Gruppe, aber gleichzeitig verspricht sie, das werde mit der Zeit besser. Denn das ist das Tolle an Yoga: es wird mit der Zeit wirklich immer besser! Man kann immer tiefer und schneller entspannen, spürt, wie der Körper Übungen schafft, bei denen er vorher gestreikt hat. Man spürt, wie Rückenschmerzen und Verspannungen sich in Wohlgefallen auflösen. Und wenn ich jetzt Madonna im Fernsehen wieder mal weise nicken sehe, kann ich zurück lächeln. Ich bin jetzt nämlich ein „Insider“. Und das können Sie auch werden. Oder wie sagt der Yogi so schön: Du findest nicht zu Yoga, Yoga findet dich!

Ihr Constantin Herrmann.

Bildquelle: Bonsai von Gabriella Fabbri und Yoga von Aaron Neifer – beide via StockXng. Some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Missionsarbeit…

Geschrieben in Bücherkiste am 25.05.2010

… leisten mag ich heute, und zwar für etwas auf den ersten Blick ganz und gar unolfaktorisches, nämlich für ein Buch und die dazugehörige Literaturverfilmung, die soeben im Kino angelaufen ist.

Von was ich spreche? Von „Die Eleganz des Igels“ sowie dem cineastischen Pendant „Die Eleganz der Madame Michel“.

Das vielfach preisgekrönte und bisher in 27 Sprachen übersetzte Werk von Muriel Barbery, die Philosophie studierte und an einem Lehrerausbildungsinstitut unterrichtete, dreht sich um eine urfranzösische Institution – die Conçierge. Ein im Aussterben begriffener Berufsstand, der so viele französische Autoren inspirierte, die, je nach Gusto, die sich heute als „Gardienne“ Bezeichnenden als Wachhund oder auch (Haus)Drachen darstellten, als leise Heinzelmännchen oder dauermürrische Misanthropen. Barberys Conçierge gehört scheinbar zu letzteren und hört, wenn sie denn hören mag, auf den Namen Renée Michel. Sie ist, wie wir erfahren dürfen, Witwe, klein und unscheinbar, vierundfünfzig Jahre alt und lebt seit siebenundzwanzig Jahren in der Rue de Grenelle 7 in Paris. Ihr Wohn- und Arbeitsort ist ein Appartementhaus der Luxusklasse, von Reichen besiedelt.

Renée organisiert, putzt, hausmeistert, leert Briefkästen und sorgt dafür, das alles beim Rechten bleibt. Ist unsichtbarer Geist und wird von allen übersehen. Dabei verbirgt sich auf den zweiten Blick mehr hinter der schnöd-schroffen grantigen Hausmeisterin, ein Blick, den sie den anderen tunlichst zu verwehren trachtet: Renée ist ein Schöngeist. Hinter der Fassade des Bruddels, Schmuddels und Muffels verbirgt sich ein überaus graziler Geist, welcher dem Körper einer grauen Maus innewohnt. Ihre Hausmeisterwohnung in der untersten Etage ist Renées Elfenbeinturm, in dem sie ihren Leidenschaften frönt: Renée ist überaus gebildet und liest stapelweise Bücher, hat ein ausgeprägtes Faible für russische Literatur – ihr Kater heißt Leo nach Tolstoi –, für Philosophie, besonders für die Phänomenologie. Sie ist Cineastin, liebt klassisches japanisches Kino und hat eine Schwäche für erlesene Zartbitterschokolade – was sie alles bestens vor der Außenwelt zu verstecken weiß, bisher.

Bis zu jenem Tage nämlich, in dem ein neuer Appartementbesitzer das Appartement des soeben verstorbenen Gastrokritikers bezieht – Monsieur Kakuro Ozu. Dieser wohlerzogene höfliche und stille Neue ist feinsinnig und intelligent genug, Renée alsbald auf die Schliche zu kommen… genauso wie die 11jährige Paloma, die ebenfalls mit ihrer Familie das Haus bewohnt und beschlossen hat, an ihrem 12. Geburtstag Selbstmord zu begehen, weil sie ihrer Familie und dem Leben überdrüssig geworden ist.

Aus der seltsamen Konstellation, der subtilen Verbrüderung dieser drei Sonderlinge spinnt Barbery ein feines Netz: Ein modernes Märchen, leise und poetisch die Geschichte dreier Einzelgänger erzählend, die sich erkannt und gefunden haben – inmitten einer oft oberflächlichen, materialistischen, häufig kalten, anonymen und schnelllebigen Zeit. Wohltuend, weil keine Milieustudie darstellend und ohne übertriebenen moralischen Zeigefinger auskommend erzählt uns Barbery hier einfach nur eine Geschichte, die Seelenbalsam bietet.

Der Film nun, der verständlicher, aber lange nicht so schön „Die Eleganz der Madame Michel“ heißt – „Die Eleganz des Igels“ war ein Ausspruch Palomas, ihre Charakterisierung von Renée – ist, ersten Kritiken nach zu urteilen, sehr gelungen: Sehr nahe am Buch scheint sich die Regisseurin Mona Achache sehr viel Mühe gegeben zu haben bei der Umsetzung dieses sensiblen Werkes, wie bei Kino.de zu lesen:

Viel Wert legt Achache mit Kameramann Patrick Blossier auf die Abgrenzung der einzelnen Wohnkulissen in der Lichtsetzung. Sie legt kein harmonisches Feelgood-Movie vor, sondern eine melancholischen Komödie mit detaillierten Blick in Cinemascope für innere und äußerer Räume und komplexen Figuren, bestens verkörpert von der erfahrenen Josiane Balasko, der Newcomerin Garance Le Guillermic und dem zurückhaltenden Togo Igawa.

Das äußerst sich auch in den ersten Kritiken: Einen „verträumten Seelenschmeichler“ nennt den Film der Spiegel, die Süddeutsche vergleicht mit Gondrys Filmen (Vergiss mein Nicht, Science of Sleep) und lobt die schauspielerische Leistung von Balasko in der Rolle der Renée Michel:

Josiane Balasko, die in Frankreich dafür geliebt wird, dass sie schon manche Randexistenzen aus dem Dunkel ins Licht geholt hat, die solchen Frauen eine beiläufige Würde und selbstverständliche Präsenz verleihen kann, spielt die ruppige Madame Michel wie einen Schmetterling, der sich aus seinem Kokon herausschält. Der Soundtrack von Gabriel Jared löst sie aus der Schwere ihrer Existenz, verleiht ihr mit der Zeit immer größere Leichtigkeit, eine Ahnung von Liebe sogar.

Hört sich sehr sehenswert an – ich werde dieser Tage das Kino entern.

Wieso ich Euch Buch und Film vorstelle? Und wo die Relation zum Olfaktorischen bleibt, zu unseren Parfums?

Nichts leichter als das… Ich habe einmal ein Interview gelesen und für Euch gerade auch schon gesucht, die Quelle ist aber bedauernswerterweise unauffindbar – in jenem wurde ein älterer und sehr bekannter Parfumeur nach seiner Intention befragt, seiner generellen. War es Roudnitska? Roucel? Ich weiß es leider nicht mehr. Aber ich weiß die Antwort auf die Frage noch: Glück wolle er konservieren, mit jedem Duft. Er stelle sich bei jedem Parfum von Neuem einen Augenblick absoluten Glücks vor, in einer Landschaft, mal mit, mal ohne Menschen, einen intimen und intensiven Moment. Und jene versuche er mit seinen Düften für die Ewigkeit festzuhalten.

Auch wenn es verschiedene philosophische Ansätze zur Thematik des Glückes gibt – nicht nur Aristoteles geht davon aus, daß alle Menschen nach Glückseligkeit streben. So auch Madame Michel, die zudem ständig auf der Suche nach Schönheit in unserer Welt ist, der Welt ständig Ästhetisches abzuringen versucht – und wenn wir gerade schon bei den alten Griechen waren: Überflüssig zu erwähnen, daß in der Philosophie das Schöne und das Gute jahrhundertelang zusammen in Eins fielen, oder?

Es mag sich viel geändert haben, ich denke das Streben nach Glückseligkeit sowie nach dem Schönen und dem Guten ist immer noch ein Drang, der die meisten Menschen an- und umtreibt, in welcher Form auch immer. Nichts anderes beseelt uns doch auch als Menschen mit Passion(en) und Obsession(en), als Liebhaber, als Duftliebhaber: Die Suche nach dem Absoluten, dem Schönen, nach Identität, nach einem Duft, der zu uns paßt, der uns glücklich macht.

Insofern sehe ich hier eine Affinität gegeben, sehe Gemeinsamkeit(en). Und wollte Euch deshalb auf dieses wunderschöne Buch und den hoffentlich ebenso gelungenen Film aufmerksam machen. Ganz abgesehen davon, daß, wer mag, auch weiterlesen kann oder zuerst beginnen – und zwar bei Barberys erstem Werk „Die letzte Delikatesse“, das in der Tat etwas mit Geruchs- und Geschmackssinn zu tun hat. Hier wird die Geschichte oder viemehr die letzten Stunden im Leben des Gastrokritikers ein paar Etagen über Madame Michel hausend, erzählt, welcher sein Leben Revue passieren läßt auf seiner letzten Suche, der Suche nach einem Geschmack, einer Kindheitserinnerung und der Speise, mit der er sein Leben beenden mag…

Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag -

Eure Ulrike.

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Grün, Grün, Grün sind alle meine Sachen…

Geschrieben in Bücherkiste am 8.01.2010

Umweltschutz und Beauty – wir verraten, wie sie jeden Tag im Badezimmer die Natur schützen, und Ihre Haut gleich mit.

Alles begann vor ein paar Tagen mit einer Tasse Kaffee. Am Liebsten trinke ich Filterkaffee (typisch Deutsch, oder typisch Mann?), schwarz, ohne Zucker. So weit nichts sensationelles. Bis ich kurz vor Silvester eine Freundin aus Paris, zu Besuch hatte, Anja, die mich nach dem Abendessen um eine Tasse Kaffee bat. Und damit nahm das Elend seinen Lauf. Ich starte also meine Filterkaffee-Maschine und es gluckert und brodelt vor sich hin, der Duft von Kaffee erfüllt meine Küche. Der große Faux-pas kommt, als ich besagter Freundin eine Tasse einschenke und die Kanne zurück in die Kaffeemaschine stelle. Anja guckt mich mit großen Augen an und fragt: „Machst Du das immer so?” – „Äh, was denn?” – „Na das mit der Kaffeemaschine. Dass Du die Kanne wieder auf die Warmhalteplatte zurückstellst…” „Naja, äh, ja, eigentlich irgendwie schon, wieso???”
Anja startete einen Appell an mein ökologisches Bewusstsein, dass es doch quatsch sei, die Warmhalteplatte laufen zu lassen, was natürlich viel Strom koste, statt den heißen Kaffee in eine Thermoskanne umzufüllen. Ich wusste erstmal gar nicht, was ich sagen soll. Wie soll man denn auch so ein simples aber logisches Argument vom Tisch wischen. Es folgte ein unfreiwilliger Rundgang durch meine Wohnung, bei dem Anja mit der Treffsicherheit eines Öko-Detektives (oder sagen wir Trüffelschwein) lauter Stromfresser und Umweltsünden in Wohn- und Schlafzimmer enttarnte: Mehrfach-Stecker ohne Aus-Knopf, so dass alle Geräte ständig im Stand-By-Modus laufen, ein halb leerer Kühlschrank („Voll gepackt spart er aber Strom”), Lampen, die ich noch nicht auf Energiespar-Glühbirnen umgestellt hatte, ein Handy-Ladekabel, das an der Steckdose hing, ohne Handy dran („Das frisst Strom, ohne dass Du was davon hast! Und überhaupt, kaufst Du Ökostrom oder normalen?”) und ein gekipptes Fenster über der pullernden Heizung („Stöhn!”). Anjas Fazit: „Du bist eine Umwelt-Sau.”
Ich spiele kurz mit dem Gedanken, sie aus der Wohnung zu werfen, aber Recht hat sie irgendwie schon. Und ich beginne nachzudenken. Über meinen Beruf. Denn wie steht es eigentlich in Sachen Beauty und Umweltschutz? Kann man vielleicht auch bei der täglichen Badezimmer-Routine mehr auf unser Ökosystem achten, als es mir bisher bewusst war?

Die Dosis macht das Gift

Anjas Vortrag geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Auch nicht, als ich dann zu später Stunde wieder alleine bin und unter der Dusche stehe. Hmmm, Duschgel, ich mag es, wenn es richtig schäumt und duftet. Aber wohin verschwindet eigentlich der Schaumrest, der in den Abfluss läuft? Und wäre es vielleicht ratsamer, weniger Duschgel zu verwenden, oder gleich auf Naturkosmetik umzusteigen? Tatsächlich – ich recherchiere am nächsten Morgen ein wenig, telefoniere herum und finde heraus, dass „normale” Duschgele Zusätze enthalten, die im Klärwerk nicht aus dem Wasser entfernt werden können. Diese gelangen ergo in unser Grundwasser und geraten von dort in den Kreislauf unseres normalen Lebens. Inklusive möglicher Moschus-Verbindungen aus Duftstoffen, die im Verdacht stehen, akut karzinogen (also krebserregend) zu sein. Aha. Die Lösung wäre, deutlich weniger Duschgel zu verwenden und es erst auf den Handflächen aufzuschäumen, bevor es auf den Körper darf. Alternativ reichen ein paar Tropfen Duschgel auf einem Badeschwamm, der herrlich schäumt und so mein Badeerlebnis gar nicht schmälert. Na gut, so weit bin ich einverstanden. Wenn es denn der Natur zugute kommt. Ich mag nämlich keine Umwelt-Sau sein.
Aber es geht weiter: Nach dem Duschen kommt das Deo. Und da ich am Liebsten schwarze Hemden trage, benutze ich natürlich ein Deodorant, das keine weißen Spuren auf dem Stoff hinterlässt. ABER: Viele dieser „unsichtbaren” modernen Deos enthalten winzige Nano-Partikel, die spurlos das Wachstum von Bakterien hemmen sollen, aber keineswegs unbedenklich sind. Moderne Forschungen haben ergeben, dass die Teilchen bis in den Kern der Körperzellen vordringen und dort die Erbinformation der DNA schädigen können, oder sogar (zum Beispiel als Deo-Spray) in die Lunge geraten und dort Entzündungen hervorrufen können. Leider gibt es bisher keine Kennzeichnungspflicht für Kosmetika mit Nano-Partikeln, denn noch ist nicht eindeutig belegt, welche Folgen diese Produkte für Mensch und Natur haben. Nur, sobald „Zincoxid” oder „Titanoxid” die Liste der Inhaltstoffe zieren (vor allem in Sonnencremes), handelt es sich eindeutig um Nano-Partikel. Laut dem deutschen Umweltbundesamt geht die größte Nano-Gefahr aus Kosmetika hervor, denn hier sind die Partikel nicht fest in Materialien eingebunden. Und (logisch), um so mehr Nano-Partikel wir benutzen, desto mehr geraten sie in den Kreislauf Abwasser-Grundwasser-Nahrung…

Als nächstes kommt natürlich die Gesichtspflege in den Sinn.
Welche Stoffe für die Natur bedenklich sind und welche nicht, ist schwierig zu sagen. Denn keineswegs alle Inhaltstoffe wurden bisher ausreichend gestestet. Die „EWG” (Environmental Working Group), eine Umweltüberwachungs-Organisation aus Washington, schätzt, dass nur 11 Prozent der weltweit in Kosmetika eingesetzten Inhaltsstoffe ausreichend getestet wurden. Ist das nicht erschreckend?
Aber wo fängt man an, sich zu fragen, ob das, was man jeden Tag auf die Haut aufträgt vielleicht für sich und seine Haut gar nicht sooo gut ist?
Ich picke mir exemplarisch einen Stoff heraus, den ich liebe und dementsprechend viel verwende: Silikon.
Für Naturkosmetik-Fans (und -Hersteller) ist Silikon so etwas wie der Anti-Christ (Für meine Freundin Anja übrigens auch). Jeder, der sich schon mal mit Naturkosmetik beschäftigt hat, weiß, dass Silikone, Parabene und Konservierungsstoffe hier ein absolutes No-Go sind, denn sie stehen im Verdacht, der Haut mehr zu schaden, als sie zu verschönern. Ich stehe trotzdem auf Silikon. Denn es legt einen dünnen Film auf die Haut, der vor Feuchtigkeitsverlust schützt, sichtbare Poren minimiert (mein ganz persönliches Epitaph), und Falten wie eine Spachtelmasse optisch kaschiert. Auch in Körpercremes wird Silikon gerne verwendet, denn es macht die Haut nicht nur streichelzart, sondern fixiert auch Duftstoffe auf der Haut – und fühlt sich vor allem nicht ölig an. Das heißt, man kann sich eincremen und sofort in Jeans und Shirt schlüpfen. Ist doch herrlich! Dachte ich bisher. Denn mittlerweile habe ich gelernt, dass Silikone richtige Umweltsünder sind. Schätzungen zufolge (und wieder warnt das Deutsche Umweltbundesamt), sind die Mengen an Silikon, die in Deutschland durch den Abfluss im Klärwerk landen, enorm. Alleine über 330 Tonnen Shampoos und Spülungen – jedes Jahr. Hinzu kommen Gesichtspflege und Bodylotions. Und da beginnt das Umwelt-Problem: Große Silikone bleiben an festen Partikeln kleben, die aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Kleine Partikel aber geraten in den sogenannten „Belebtschlamm”. Diesen verarbeiten Bakterien teilweise zu Klärschlamm und Kohlendioxid. Silikon bleibt aber unangetastet zurück und wird dann teilweise verbrannt. Teilweise. Und der andere Teil? Der wird wegen seines hohen Stickstoff- und Phosphorgehalts als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Et voilà, da haben wir die Silikonreste wieder, sie landen in Grundwasser, Flüssen und letztlich in der Nahrungskette. Die Lösung: Nur Cremes verwenden, in denen so wenig Silikon enthalten ist, dass es auf der Zutatenliste erst ganz weit hinten erscheint. Denn, die Reihenfolge der Inhaltstoffe beginnen ganz oben (vorne) mit dem Stoff, der am meisten enthalten ist, und nimmt in der Konzentration nach unten (hinten) ab.
Insgesamt werden derzeit um die 11.000 natürlichen und synthetischen Substanzen zur Herstellung von Kosmetik verwendet. Und manche dieser Stoffe schädigen nun mal die Natur, da sie schlecht oder gar nicht biologisch abbaubar sind (wie Tenside oder Phthalate). Aber wie kann man seine Haut und seine Umwelt schützen? Die Antwort kennt eigentlich jeder:

Zertifizierte Naturkosmetik
So viel wie möglich, so wenig wie nötig.

Ich gebe es zu, ich bin bisher kein großer Freund von Naturkosmetik gewesen. Der Effekt auf die Haut ist nun mal in den meisten Fällen nicht annähernd so groß wie der von synthetisch hergestellter Kosmetik. Aber, hier kommt wieder meine Freundin Anja ins Spiel: „Du musst ja nicht gleich ganz auf Normale Kosmetik verzichten. Aber ersetze doch wenigstens den Teil Deiner Beauty-Routine, wo es Dir eigentlich egal sein könnte.”
Über diesen Satz habe ich lange nachgedacht, und ich muss zugeben, sie hat schon wieder recht. Umweltschutz beginnt schon im Kleinen. Den Müll trennen und einen Komposthaufen anlegen. Den Kühlschrank nicht lange offen stehen lassen. Das Wasser während des Zähneputzens nicht sinnlos laufen lassen. Statt dem hübschen weißen Toiletten-Papier das weniger ansehnliche, graue, recyclete kaufen. Und mehr Naturkosmetik verwenden. Zum Beispiel ein natürliches Duschgel, das der Umwelt nicht schadet. Die können nämlich genauso toll riechen. Weniger Silikone cremen, und mehr zu übergroßen Poren und Fältchen stehen. Im Grunde sind es nur ein paar kleine Änderungen, die mein Gewissen aber durchaus beruhigen könnten. Und auch wenn ich den verschiedenen Naturkosmetik-Linien bisher kein all zu größtes Vertrauen entgegenbringen konnte, kenne ich um ehrlich zu sein schon längst eine tolle Pflegelinie, die man ruhigen Gewissens kaufen kann: „REN”, eine ganze Welt toller Produkte, alle frei von künstlichen Duft- und Farbstoffen, Petrochemikalien, tierischen Inhaltstoffen, PEGs, Silikonen und Parabenen. Und natürlich hergestellt ohne Tierversuche. Dabei erzielen die hier eingesetzten natürlichen Inhaltstoffe ganz erstaunliche Effekte auf die Haut, so dass ich meiner bisherigen Pflege nicht lange hinterhertrauern muss. Und ein herrlich duftendes umweltverträgliches Duschgel gibt es von REN auch. Mein Entschluß steht also fest, ich setze nach und nach mehr auf Ökobewußtsein. Kleine Schritte, um der Natur etwas Gutes zu tun.
Ohne Spinnerei, Müsli-Image oder Verzicht. So gefällt mir das.

Und wenn ich morgen ins Büro fahre (mit der Trambahn statt mit dem Auto), hole ich mir auf dem Weg noch schnell einen Kaffee zum Mitnehmen. Schwarz, ohne Zucker. Und ohne Pappbecher. Ich hab mir nämlich nach Anjas Besuch auch noch schnell einen Thermos-Becher gekauft. Den füllt jeder Kaffeeladen der Welt auf, und der Kaffee bleibt länger heiß. Denn, haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie viele Pappbecher jeden einzelnen Tag weggeworfen werden, seit es Coffee-To-Go gibt?
Und vielleicht blättere ich noch in diesem Buch, das mir Anja empfohlen hat: „Grün, Grün, Grün ist alles was wir kaufen – Lügen bis das Image stimmt” (von Toralf Staud). Denn, so erklärte mir Anja, nicht alles, was sich den „Green Glamour”-button ansteckt, macht auch Sinn. Die Werbung hat die LoHas längst als Zielgruppe erkannt und verarscht sie manchmal nach Strich und Faden. Das Buch erklärt, auf welche Tricks und grünen Fallen man nicht hereinfallen darf. Mann, Umweltschutz kann so schwierig sein!

Viele Grüße und ein schönes Wochenende, Ihr Constantin Herrmann.

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Die Zukunft wird schön!

Geschrieben in Allgemein,Bücherkiste am 17.11.2009

Man kann von Technik denken, was man will. Aber aufhalten lässt sie sich nicht. Was bedeutet das für unser Leben in 15 Jahren? Ein Gedankenspiel zum Mitdiskutieren.

Kindle, Quelle: http://nedgrace.files.wordpress.comVor ein paar Tagen saß ich abends mit meiner Kollegin Susanne Weiss auf ein paar Bier zusammen und wir diskutierten, ob man sich – wenn es in Deutschland soweit ist – so ein „Kindle“ kaufen muss oder nicht. Ihr wisst schon, diesen elektronischen Buch-Ersatz, mit dem Amazon gerade Furore macht… Nochmal kurz zur Erklärung: die Rede ist von einem „e-book“, einem ungefähr DinA5-großen Taschenbildschirm, auf den man über das www Bücher herunterladen und sie dann auf dem Bildschirm lesen kann.
„Wozu das denn? Bücher lesen ohne Buch. Das ist doch Quatsch. Wo bleibt das Geräusch, wenn man eine Seite umblättert, das Gefühl von Papier, der Geruch der Druckerschwärze?“ protestierte Susanne Weiss auf meinen Enthusiasmus.
Ich lieferte mein Totschlag-Argument, das ich immer dann über den Tisch feuere, wenn es um neue technische Errungenschaften geht und ich es mit einem Ungläubigen zu tun habe: „Das Ding sieht halt wahnsinnig schick aus.“

Vielleicht ist das ein grundlegendes Problem zwischen Männern und Frauen. Kerle haben einen irrationalen, aber tief in der Psyche verwurzelten Drang, sich technisch aufzurüsten. Flachbildschirm, Kino-Beamer, Surround-Stereoanlage, Auto, drahtloses Netzwerk mit Highspeed-wahnsinnsmodem, Playstation 3, was auch immer. Solange es unvernünftig teuer ist, schick aussieht und die Kumpels neidisch macht, wollen wir es haben. Das war im Sandkasten schon so. Als vor gefühlten hundert Jahren einmal ein anderer Junge eine coolere Sandbackform als ich hatte, hab ich ihm meine Schaufel übergehauen und dafür wahnsinnigen Ärger mit meiner Mutter bekommen. Mein Vater hat nur verständnisvoll genickt, mir am nächsten Tag stillschweigend die derzeit angesagteste Sandbackform besorgt und mich wieder zum Spielen geschickt. Ich also wieder ab an den Sandkasten, die neue Form ausgepackt und – wumms, hab ich eine übergezogen bekommen. Männer sind eben Alphatierchen, die gerne angeben mit dem, was sie haben. Deswegen hat sich in manchen Kreisen der Manta so gut verkauft, deswegen fliegen Milliardäre gerne ins All und deswegen gehen Männer eben Flachbildschirme kaufen. Weil sie neiderregende Dinge besitzen möchten, die gut aussehen und was her machen. (Ob das auch das grundlegende System der Partnerwahl sein könnte?)

Das hab ich auch alles meiner verehrten Frau Weiss erklärt. Sie konterte aber ganz trocken: „Schmarrn. Frauen begeistern sich genauso für Technik. Sie muss nur stylish genug aussehen. Autos interessieren uns nicht so sehr, weil man sich beim Angucken des Motors dreckig macht. Aber Handys, Computer und so’n Kram lieben wir genauso. Siehe iPhone, iMac, iPod – oder eigentlich alles Kindle, Quelle: http://gestaltung.fh-wuerzburg.devon Apple. Sieht gut aus, ist leicht zu bedienen und macht Spaß. Da muss man kein Kerl dafür sein.“
Aber bei Büchern höre für Sie der Spaß auf. Gerade als Journalistin lebt sie von dem Gedruckten. Zeitungen, Magazine, Bücher. Das sei eben etwas ganz anderes als ein seelenloser Computer. Ein Buch kann man mit in die Badewanne nehmen, Eselsohren reinmachen und überhaupt – was, wenn so ein e-book runterfällt? Oder die Batterien leer sind? Alles Probleme, die ein normales Buch nicht hätte.

Spätestens an diesem Punkt des Abends hätte ich mir kein Bier mehr bestellen, sondern den Gentleman spielen und ihr einfach Recht geben sollen. Aber da kennt ihr mich schlecht! Wenn in mir eine Grundsatzdiskussion heraufzieht, kenne ich kein Halten mehr. Also erkläre ich Frau Weiss, dass sie an altmodischen Werten festklammere. Den Kampf hat sie nämlich schon verloren, bevor er überhaupt losgeht: „In 15 Jahren sitzt kein Schüler mehr mit einem echten Buch im Unterricht, sondern mit einem Tablet, auf denen alle Infos und das Internet verfügbar sind“ sage ich. Und das glaube ich wirklich! Gerüchten zufolge bastelt Apple ja schon länger an so einem Alleskönner, der Anfang 2010 schon auf den Markt kommen könnte. Dann aber für Schüler sicher noch unerschwinglich. Aber neue Technik ist am Anfang ja immer teuer und wird dann erst ein paar Jahre später zum Mainstream. Siehe Handy. 1997 war es noch etwas ganz besonderes, eines zu haben, und teuer obendrein. Heute besitzt wohl jeder Deutsche eine Sim-Karte. In Schwellenländern wird sogar längst schon mit dem Handy gezahlt, statt mit der EC-Karte. Und überhaupt, apropos EC-Karte. Unsere Großeltern dachten sicher auch am Anfang, es sei eine riesen Katastrophe, den Lohn ihrer Arbeit nicht mehr in Bar ausgezahlt zu bekommen, sondern elektronisch aufs Konto gebeamt zu bekommen (was meiner Meinung nach übrigens der Niedergang aller Hafen-Nutten war, denn auf einmal hatten die Matrosen keine Lohntüte mehr, die sie verprassen konnten, sondern hätten zuhause vor ihren Ehefrauen etwaige ominöse Abbuchungen erklären müssen). Und deren Großeltern wiederum dachten am ende des 19. Jahrhunderts, man würde mit absoluter Sicherheit wahnsinnig werden, wenn man eine Dampflok mit 10 km/h vorbeirasen sieht. Deswegen wurden entlang der Bahngleise Sichtschutzzäune errichtet, um zu verhindern, dass alle Bauern samt ihrer Kühe dem Irrsinn verfallen. Und? Passiert ist nicht viel.

Lok, Karte, Handy

Frau Weiss blieb trotzdem skeptisch: „Wo bitte soll das ganze hinführen? Zeitschriften werden aussterben, denn jeder surft dann nur noch im Internet. Fernsehen? Gibt es nicht mehr, man guckt Livestreams oder DVD. Und Bücher? Werden keine mehr geschrieben, weil es sich keiner mehr leisten kann. Wenn ein Buch für ein paar Cent auf dem e-book erscheinen soll, wer bezahlt dann die Autoren, Verleger, Lektoren und so?“
Ein gutes Argument, das jetzt schon Musiker und Musikschaffende in Zeiten von youtube und itunes beschäftigt, und auf das ich ehrlich gesagt auch keine Antwort parat habe. Dennoch halte ich den Siegeszug der Technik für wahrscheinlicher, als dass sich alle Forscher zurücklehnen, ihre Patente in die Schublade schieben und sich sagen, lieber etwas weniger Fortschritt, aber dafür mehr traditionelle Berufe. Dieser Fortschritt wird vor allem den Alltag und die Unterhaltungselektronik revolutionieren. Sony präsentierte unlängst den ersten Fernseher ganz ohne Kabel. Ohne Kabel, richtig gelesen. Ein Media-Receiver kann Bild und Ton verschlüsseln und über Funkwellen zum Fernsehgerät ausstrahlen. Und der Strom? Wird ebenfalls über die Luft zum Gerät versandt. Also hängt der neue Bravia-Flachbildschirm wirklich kabellos an der Wand. (Ob das gesund für den Menschen ist?) Der nächste Schritt könnte eine Tapete sein, so vermuten Zukunftsforscher, die den Fernseher ganz ablöst. Das Festnetz-Telefon wird vollkommen von Handys ersetzt werden und Roboter immer mehr den Lebensraum des Menschen erobern. Staubsaugende Mini-Robots, medizinische OP-Helfer und Autos, die von alleine einparken oder darauf hinweisen können, wenn man auf der Straße versehentlich die Spur verlässt, gibt es ja schon. „Das ist ja alles schön und gut, aber was bedeutet das für die Zukunft der Beauty?“ Berechtigter Einwand, Kollegin. Alle Beauty-Redakteure, die einmal den Film „Das Fünfte Element“ gesehen haben, dürften nicht schlecht gestaunt haben. Die weibliche Hauptrolle drückt sich eines schönen Morgens ganz selbstverständlich eine kleine Chanel-Box auf die Augen – et voilá, sie ist perfekt geschminkt. Ganz so weit würde selbst ich mit meiner Prognose für die nächsten 15 Jahre nicht gehen. Aber ich denke doch, auch hier wird sich einiges tun.
„Die Zukunft liegt im Airbrush. Make-up aus der Flasche wird abgelöst werden von einer kleinen Spritzpistole, wie sie Auto-Lackierer benutzen, um ein perfektes, ebenmäßiges Finish hinzubekommen.“ Das ist übrigens keineswegs Zukunftsmusik, sondern jetzt schon erhältlich. Die Firma Kryolan, Spezialist für Theater-Schminke, bietet schon seit ein paar Jahren so ein Gerät für zuhause an. Farbe in die Pistole einklicken, Kompressor einschalten und losschminken. Alles noch etwas umständlich, aber erinnern wir uns an die ersten Mobiltelefone, waren die auch noch so groß wie ein Schuhkarton. Oder in Sachen Parfum: denkbar wäre doch eine Tablette, die man schluckt, und dann den ganzen Tag aus den Poren heraus seinen Lieblingsduft verströmt. Auch hier machte die Technik in den letzten Jahren übrigens enorme Fortschritte: Die Münchner Dermatologin Dr. Ogilvie entwickelte bereits eine kleine Pille, mittels derer man ganz von alleine braun wird, ohne Sonne oder Solarium. Und Wissenschaftler prophezeien, es wird sich viel tun auf dem Sektor des „Functional Foods“. Also Nahrungsmittel mit Nebeneffekt. Etwa ein Hamburger, der Fett verbrennt wie zehn Minuten Jogging. Oder ein Getränk, das die Haare färbt, eine Schokolade, die Pickel minimiert. Alles ist möglich, wenn man den Trendforschern glauben mag.

„Mag ich aber nicht glauben.“ sagt Frau Weiss, als wir dann doch endlich unsere Biere bei der Bedienung bezahlen. „Ich glaube eher, man wird irgendwann erkennen, wie ungesund all die chemisch veränderten Dinge sind, die wir essen. Und wie schädlich Strahlung ist, mit der wir uns umgeben, vom normalen Handy-Netz bis zur kabellosen Stromversorgung.“ Vielleicht hat sie ja Recht. Technik bringt nicht nur Nutzen, sondern immer auch Tücken. Unsere Bedienung zum Beispiel, mit dem elektronischen Bestell-Block hatte erstaunliche Schwierigkeiten damit, uns die Rechnung zu präsentieren. Die hat sie dann am Ende doch ganz altmodisch auf ein Stück Papier gekritzelt. Und genauso werde ich auch noch ein bisschen warten, bis ich mir ein e-book leiste. Denn noch im Juli dieses Jahres machte das Kindle damit Schlagzeilen, dass Amazon.com (ausgerechnet) die Bücher „1814“ und „Animal Farm“ von George Orwell via Internet von den e-books seiner Kunden löschte wegen Rechtsstreitigkeiten. Na Bravo. Es ist eben doch nicht alles perfekt, was glänzt. Sinnvoller Fortschritt braucht eben doch manchmal noch ein bisschen Zeit. Oder wie eine andere Kollegin unlängst sagte: die nächste kluge Erfindung, auf die die Welt noch wartet, wären Zigaretten mit hundert Kalorien pro Zug. Was meinst du, wie schnell wären wir alle Nichtraucher…

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