Alle haben ihn herbeigesehnt, den Sommer – und nun ist er endlich da… Ich möchte ja nicht meckern, aaaaber… ein Übergang wäre schön gewesen, den hätte ich mir gewünscht. Mehr Zeit, um sich an diese Temperaturen zu gewöhnen, mehr Zeit, um meine Frühlingsdüfte zu tragen und mehr Gelegenheit(en), die 237 Kleidungsstücke auszuführen, welche ich für jene Übergangsjahreszeiten parat habe, die genausowenig wie die Klamotten mehr zum Tragen kommen… Egal. Es ist Sommer meine Damen und Herren – und so, wie es aussieht, bleibt er uns auch ein paar Tage erhalten.
Nachdem wir nun doch einige Tage mit schweißtreibenden Temperaturen hatten und das so weitergehen wird, heißt es jetzt, sich auch olfaktorisch darauf einzustellen und zu -stimmen – mit passenden Sommerdüften. Ganz abgesehen davon, daß ich durchaus mal wieder etwas Neues gebrauchen könnte (wer kann das nicht), möchte ich Euch im Folgenden meine Sommergarderobe zeigen – nicht ohne natürlich hoffentlich im Gegenzug bitte einen Einblick in Eure gewährt zu bekommen! Ergo, Hosen runter und Schrank auf oder so ähnlich ;)
Zu jedem Sommer gehören natürlich die obligatorischen Hesperiden – die Zitrusfrüchtefraktion. Davon habe ich logischerweise auch einige, von denen ich Euch einige im Folgenden vorstellen mag.
Ein schlichter, aber feiner Vertreter seiner Gattung ist Aspreys Purple Water. Ein ganz klassisches Cologne, aber sehr straight interpretiert. Understatement pur, zurückhaltend, erlesen. Nicht innovativ, nicht ausgefallen und auch nicht besonders auffallend – aber gerade darin liegt für mich der Reiz dieses Klassikers auf seinen leisen Sohlen. Mandarine und Zitrone in der Kopfnote und Jacarandablüte, die für mich immer, vermutlich auch in Kombination mit der Orangenblüte im Herzen, nach Akazien riecht, nach blühenden Akazien, die ich liebe. Ein wenig Ingwerherbe sowie ein Büschel Basilikum, in der Basis Pfeffer, Vetiver und Moschus – fertig ist ein sehr tragbarer Immergeher.
Nicht besonders komplex, sondern eher einfach gehalten und gerade durch jene Simplizität überzeugend ist Carthusias Mediterraneo: Zitronenblätter, Grüntee und zitrische Noten, that’s all. Und manchmal braucht es auch nicht mehr: Riecht wie ein herrlicher, selbst gemachter und wunderbar kühler Zitroneneistee – mmmmmhhh! Mediterraneo macht einfach Freude.
Einer meiner absoluten All-Time-Faves im Sommer ist Profumi di Pantellerias Dammuso. Seine Ingredienzen: Kopfnote: Zitrone, Grapefruit, Limette; Herznote: Brombeere, Kardamom; Basisnote: Grüntee, Zedernholz, Sandelholz, Moschus, Vetiver. Zugegeben – Dammuso ist Geschmacksache. Dieser Duft ist ein Spalter, wirklich. Auf einem meiner Parfumboards, in denen ich gerne ab und an mit anderen fachsimpele über die Vetiverkomponente von X in der Basisnote im Vergleich zu Y’s… Ihr wißt schon, Nerdgespräche. Gerne und immer wieder. Aber – um auf den eigentlichen Ausgangspunkt zurückzukommen: Dammuso. Hier ist man sich sehr uneins: Für die eine Hälfte ist es der Sommer-Holy-Grail, die andere Hälfte findet schon gerne mal Bezeichnungen wie „Katerpipi“ oder ähnliches für den guten Dammuso. Entfernt, wirklich entfernt, kann ich auf abstrakte Art und Weise nachvollziehen, wo diese Assoziation herkommt – von der Brombeere in Kombination mit den Hesperiden. Gleichzeitig macht aber genau diese Note den Duft aus, wie ich finde.
Dammuso ist keiner jener Hesperidenkandidaten, die eben nach einem typischen Zitrusdüftchen riechen. Diese haben durchaus ihre Berechtigung, sind optimale Sommerbegleiter, aber – seien wir mal ehrlich: fast jeder von uns hat davon sicher schon mindestens einen im Schrank. Oder auch mehr, so wie ich, wie man oben schon lesen konnte. Dann möchte man doch einmal eine Variation. Oder einfach Bekanntes innovativer umgesetzt. Dazu gehört für mich Dammuso. Er ist, ganz klar: Ein Hesperidenduft. Und jene bietet er der geneigten Nase auch sofort in der Kopfnote: Limette und Zitrone satt sowie Grapefruit – alle deutlich wahrnehmbar. Dieses zitrische Trio wird alsbald ergänzt von einer dunklen, vollen Brombeere (eine viel zu seltene Note)– fein-herb und beerig-reif gesellt sie sich gleichberechtigt zu den Hesperiden. Grün-frischer Kardamom (ähnlich wie in Clive Christians göttlichem X for Men) rundet das Ganze zusammen mit Grüntee und ebenfalls grünem, leicht grasigem und verhalten rauchigem Vetiver gekonnt ab. Die (restliche) Basis ist bis auf verhaltene Zedernholzakzente wenig wahrnehmbar, muß aber auch nicht – Dammuso überzeugt, so wie er ist. Zumindest mich – und das auf ganzer Linie. Euch auch?
Ich bin gespannt!
Liebe Grüße,
Eure Ulrike.