Das Nonplusultra unter den Premiumledern: Clive Christians „C For Men“

Eigentlich gibt es überhaupt keinen bestimmten Grund, warum ich so lange gezögert habe, mich hier mit Clive Christian zu befassen. Vielleicht war es eine gewisse Ehrfurcht vor der großen Klasse, dem großen Namen und den nicht minder großen Preisen.

Der britische Innenaustatter Clive Christian, der bereits 2009 von Constantin hier vorgestellt wurde, hat sein Programm nach der Wiederbelebung der alten Crown-Perfumery-Düfte „X“ und „1872“ erweitert. Heute möchte ich Euch einen Duft vorstellen, der mich auf den ersten Riecher überzeugt hat, so viel sei schon einmal verraten. „C For Men“ stammt aus der Private Collection von Clive Christian.

Der eine oder andere wird sich an meine Rezension zu MontalesAoud Leather“ oder meiner Besprechung von Parfums de MarlysGodolphin“ erinnern, und in genau diese Richtung geht auch „C For Men“ von Clive Christian.

Eine Duftnotenliste, wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt.

Kopfnote: Thymian, Tee, Blattgrün, Zitrone, Maté, Elemiharz, Mandarine
Herznote: Jasmin, Kardamom, Himbeere, Rose, Zimt, Gewürznelke, Labdanum (Zistrose), Safran, Iriswurzel, Rosa Pfeffer
Basisnote: Adlerholz (Oud), Ambra, Zedernholz, Tabak, Moschus, Vanille, Leder, Zypresse, Baumflechte, Styraxharz, Costus, Tonkabohne, Weihrauch, Guajakholz

Feines Leder ist von Beginn an das Motto des Dufts, überhaupt nichts Derbes ist wahrnehmbar, ein ganz weiches Rauleder oder eine spiegelglatte, glänzende und zart duftende Lederoberfläche. Vor allem zu Beginn spielt der Duft jedoch auch frisch auf, ohne zitrisch zu sein, eher würzig-frisch – da dürften Kardamom und Zimt im Spiel sein. Feinste medizinische Nuancen zeigen sich ebenfalls. Bei der großen Auswahl an Duftnoten fällt es natürlich schwer, die Herkunft genau zuzuweisen. Man könnte sich den Duft so vorstellen, dass stets ein Lederduft als Grundlage präsent ist, zu Beginn begegnet uns die erwähnte würzige Frische, die von zunehmender Würzigkeit und größer werdendem Volumen abgelöst wird, um in einer Holznote zu enden.

Cockpit

Gerade die Fülle der Duftnoten zeigt meines Erachtens auch, was „C“ mehr kann als die oben erwähnten Geschwister im Dufte. „C“ ist vielschichtiger, zeigt mehr Tiefgang, Finesse, eine leichte und unbeschwerte Eleganz, die man bei dieser Fülle an Ingredienzen gar nicht vermuten würde. Erst im Nachklang rückt eine schwerere trockene Holzigkeit in den Vordergrund, gepaart mit zurückhaltender Rauchigkeit. So viele Facetten, aber ohne Überschwang, ohne dick aufzutragen, ohne Opulenz.

Ja, es gibt größere Lederkracher als „C“ und ja, es wurde das Lederrad nicht neu erfunden, all dies sei zugegeben. Die Güteklasse von „C“ zeigt sich darin, dass er es vermag, trotz des hohen Niveaus seiner Konkurrenten eben doch noch eine Schippe darauflegen zu können, noch komplexer und vielschichtiger zu sein.

Judicial Bench

Understatement – ein oft bemühter Begriff. Hochwertigkeit statt Pomp, Tiefgang, der sich erst beim Zuhören erschließt, Traditionsbewusstsein, Zeitlosigkeit – viele schmücken sich mit diesen Bezeichnungen, die wenigsten vermögen sie zu erreichen.

Meines Erachtens gehört dieser Duft von Clive Christian zweifelsohne zu denjenigen, die diese Attribute zurecht tragen. Dem einen oder anderen mag bei der Preisgestaltung vor Entsetzen der Earl Grey durch die Nase schießen, doch möchte ich zu bedenken geben, dass hier ohne Frage die höchste Qualitätsstufe erreicht wird und die gesamte Präsentation – Flakon und Umverpackung – extrem hochwertig gestaltet wurden.

In nächster Zeit werde ich Euch die gesamte Herrenriege aus diesem Hause vorstellen und freue mich schon sehr darauf.

Liebe Grüße
Harmen

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Harmen Biró Verfasst von:

Hallo, ich heiße Harmen, war bis vor Kurzem irgendwas­unddreißig und habe immer die Nase im Wind, um Duftschätze für Euch zu finden und hier vorzustellen. Selbst bevorzuge ich feine Lederdüfte oder Gewürzkompositionen, ohne mich da aber festzulegen. Warum auch? Es gibt ständig so viel Neues in der Welt der Düfte zu entdecken. → BIRÓ

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