Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Mojito…

Geschrieben in Duft,Leder,Tabak & Rauchiges am 11.10.2012

ist so etwas wie das heimliche Nationalgetränk Kubas – und das bereits seit den 20er Jahren. Der Ursprung seines Namens ist wohl nicht ganz klar: Einerseits könnte dieser von dem Begriff Mojo abstammen, einem kleinen Beutel zur Aufbewahrung von magischen Gegenständen. Mojito wäre dann die Verniedlichung davon, der „kleine Zauber“. Ich muss sagen, dass mir diese etymologische Erklärung sehr viel besser gefällt als jene, die das nette Getränkchen von einer Gewürzmischung oder vom spanischen mojar, mojado (nass machen, nass) ableiten.

Mojito

In jedem Fall kann der Mojito als Rumgetränk auf eine lange Tradition in der Karibik zurückblicken: Die Rede ist von dem britischen Freibeuter Francis Drake, der bereits ein ähnliches Getränk aus Zucker, echten Limetten, Zuckerrohrschnaps und Minze gegen seine Magenschmerzen konsumierte. Ich glaube, das merke ich mir – Mojito gegen Bauchweh, gerne auch tagsüber. Nur bedingt gesellschaftsfähig heute, befürchte ich. Den Namen Mojito erlangte der Drink aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts: Laut dem Autor Autor Ciro Bianchi Ross und dem kubanischen Historiker Miguel Bonera sei der Mojito erstmals 1910 in gedruckter Form erschienen und wurde im La Concha in Havanna ausgeschenkt, so belehrt mich Wikipedia. Und weiter:

„Zur Legende wurde der Mojito schließlich durch Ernest Hemingway, der ihn bei Angel Martinez in seiner Stammbar La Bodeguita del Medio in Havanna bestellte. Einer seiner Aussprüche hängt dort heute über der Theke: „Mi Mojito en La Bodeguita, mi Daiquiri en El Floridita“ – „Meinen Mojito in der Bodeguita, meinen Daiquiri in der Floridita“.“

PARIS-popup

Hemingway war, wie allseits bekannt, ein passionierter Kneipengänger – für jeden Drink die passende Lokalität, das lobe ich mir. Das El Floridita, als Geburtsstätte des Daiquiri gehandelt, ist nämlich eine andere Bar in der kubanischen Hauptstadt, in der Hemingway ebenfalls verkehrte – und das bis heute in exakt gleichem Gewand existiert.

Wie aber komme ich auf Mojito? Ganz abgesehen davon, dass ich jetzt beim Schreiben mächtig Appetit auf einen bekommen habe, es aber leider noch viel zu früh am Tag dafür ist… beschert uns der Edelcognac-Hersteller einen Duft, der jenem alkoholischen Genuss gewidmet ist: Speakeasy heißt sie, die neue Kreation von Frapin. Und ich war mächtig gespannt, schätze ich das Haus für seine Düfte doch sehr. Überhaupt, die meisten Hersteller von Luxus-Alkoholika, die sich an Parfum wagen, haben bei mir bisher damit ziemlich gepunktet, aber davon hatten wir es schon mal… Stürzen wir uns jetzt auf die schöne Ankündigung von Speakeasy und hernach auf den Duft:

„Speak easy, „sprechen Sie leise“, waren die geflüsterten Worte zu den Gästen der heimlichen Bars in Amerika, ein verwendeter Begriff um die Bars selbst während der Prohibition zu bezeichnen. Es ist der Glanz des Film Noir dieser Epoche, wo die Gefahr um das Fest herumschweift, als Speakeasy zu neuem Leben erweckt wurde. Der einer feinen Bar in den Tropen, wo Hemingway seinen Helden aus „Hafen der Angst“ begegenen könnte – beschlagene Gläser, Clubsessel, Cuba-Zigarren aus dem Schwarzhandel, genossen von Herren des Schwarzhandels in der feuchten, vom Ventilator aus lackiertem Holz verwirbelten Luft… Und heute ist das verbotene Vergnügen nicht mehr der Alkohol, sondern der Tabak – und zu dieser seltenen Duftfamilie gehört die neue Kreation von Frapin.“

Das Rauchen mittlerweile als Tabu gilt kann ich nur bestätigen: Ich denke da nur an die kleinen Quarantänefleckchen, die auf jedem Bahngleis in Stuttgart aufgemalt sind, in denen sich Raucher ganz akribisch zu stapeln haben… War Rauchen früher noch das Markenzeichen eines jeden Intellektuellen oder auch lässiges Statement, dass die Street-Credibility erhöhte – man denke an Sartre, Camus, Gainsbourg, Bacall und andere – ist es heute, sorry Helmut Schmidt, wohl eher ein Stempel, den man ungerne tragen mag. Ich selbst bin… ja, was eigentlich. Nicht-mehr-Kettenraucher seid knapp zehn Jahren. Und seit zwei Jahren wieder Gelegenheitsraucher, wobei ich immer ein ent- und kein verspannter (Gerade)Nichtraucher war. Aber kommen wir wieder zum Duft, zu Speakeasy – eigentlich ist er unverschämt, er frönt nämlich beidem, dem Tabak und dem Alkohol. Und ist deshalb ziemlich unzeitgemäß von seiner Thematik her, sind wir doch heute alle gesund und spartanisch und bio und… Dazu kann ich Euch nur ans Herz legen, Euch mit einem Schmunzeln und Zwinkern einmal folgende Interviews mit dem österreichischen Philosophen Robert Pfaller durchzulesen, dass der Spiegel und die Zeit letztes Jahr führten – ein Plädoyer für die (temporäre) Unvernunft und die (partielle) Unmäßigkeit, siehe hier und hier.

Dark passage trailer bogart bacall

Wir stürzen uns jetzt einfach mal hinein in das bei Frapin Gott sei Dank vollkommen gesunde Abenteuer, in Speak Easy: „Vornehm wie Bogart im Smoking“ und „sinnlich wie Bacall in ein Etuikleid aus Satin gehüllt“ soll er sein, der Duft, für den man einen tollen Parfumeur gewinnen konnte, der bisher nur für sein eigenes Haus gearbeitet hat: Marc-Antoine Corticchiato, die Nase hinter Parfums d’Empire. Geneigte Leser dürften wissen, das auch dieses Faktum mich mit den Hufen scharren lässt… Schauen wir uns mal die Ingredienzen an: Rum, Davana, Orange, Zitrone, Limette, Minze, Geranium, Leder, Labdanum, Styraxharz, Tabak, Liatrix, Immortelle, Tonkabohne, weißer Moschus.

Der Auftakt lässt mir gleich das Wasser im Munde zusammenlaufen: Mojito! Frischer Mojito! Limetten, in weichen Rauch gehüllt. Sanfte Tabakschwaden, denen für mich Vanille innewohnt – keine Zigaretten, eher Zigarillos werden hier geraucht, vielleicht auch Pfeife? Passt nicht so gut zum Szenario, ich weiß, hätte aber mehr parfümierte Tabake zur Auswahl, und ein solcher ist es hier ganz bestimmt, der sich meiner Nase bemächtigt. Frische Minznoten stiften zartes Grün, das sich über das feine Wildleder legt, welches der Duft mir offeriert. Taupefarben ist es, und von zivilisiert zurückhaltenden Harzen sachte untermalt und gewärmt. Für mich riecht das nach einem schönen Herrenabend – oder zumindest dem, was ich mir darunter vorstelle: Komplett entschleunigt in einer komfortablen, ruhigen (!) Bar den Tag ausklingen lassen – bei einem guten Drink in gepflegter Atmosphäre. Ein bisschen nette Konversation betreiben, sich aber auch gleichzeitig treiben lassen, den Gedanken freien Lauf lassen, über den Tag reflektieren oder auch nur den Kopf auslüften – von einem schönen, großen Clubsessel aus, vielleicht einem Eames Lounge Chair, gerne auch jenem Sondermodell aus sandfarbenem Wildleder, das eine Bekannte von mir zu einem unglaublich günstigen Preis von einem Nichtsahnenden ergattern konnte. Hach…

Hört sich gut an, oder? Und macht unfassbar Lust auf Feierabend ;)

Viele liebe Grüße,

Eure jetzt nicht mehr sonderlich arbeitswillige Ulrike.

P.S.: Neben Hemingway möchte ich Euch noch folgende US-Serie ans Herz legen – “Boardwalk Empire”. Wenn hier schon von Prohibition die Rede ist, sollte dieses tolle Machwerk nicht unerwähnt bleiben: Steve Buscemi als korrupter Schatzmeister von Atlantic City in den Zwanzigern, da dürfen Mafiakontakte und illegale Destillerien natürlich nicht fehlen… In der ersten Folge führte Großmeister Scorsese (“Der Pate”) Regie, der Rest ist ebenfalls sehr sehenswert:

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Schöne und das Biest: Cuba
Global Art of Perfumer 2012 – Die Zweite.
Die Vergessenen: Houbigants Orangenbaum, die heitere Madame de Nicolaï und Herr Montale.


7 Kommentare »

  1. Kommentar by Harmen am 11. Oktober 2012 um 08:30

    Hallo,
    ein anderer Mojito-Duft wäre außerdem Czech & Speakes „Cuba“…
    http://www.alzd.de/2011/04/11/die-schoene-und-das-biest-cuba/
    LG Harmen

  2. Kommentar by Üt am 15. Oktober 2012 um 20:31

    Hatte eine Gänsehaut beim lesen – so schön ist der Duft beschrieben – ist gleich auf meiner Liste gelandet – was für ein schöner Tag durch deinen Artikel – Danke Uli

  3. Kommentar by Ulrike am 18. Oktober 2012 um 13:13

    Danke liebe Üt :) Freut mich sehr, dass Dir der Artikel so gefallen hat!

  4. Kommentar by Jochen am 30. Oktober 2012 um 12:13

    Boardwalk Empire ist eine hervorragende Serie und ich kann sie nur jedem ans Herz legen, vor allem, da vor kurzem die Dritte Staffel angefangen hat, welche mindestens genau so gut ist wie seine Vorgänger. Definitiv eine Serie mit Suchtcharakter. interessant ist auch, dass die Schwarzbrennerei immer noch seit Ende der Prohibition in den USA zu Gange ist. Und zwar nennen sie ihr eigenes Produkt aus der Destillation “Moonshine” und ist leider Ursache zahlreicher Erblindungen.

  5. Kommentar by Ulrike am 1. November 2012 um 22:40

    Huhuu lieber Jochen,

    ich sitze auch gerade mal wieder an BE :) Danke für den Link, ich schaue mir die Doku gerade an. In der Tat wusste ich nicht, dass Schwarzbrennerei in diesem Umfang in den USA nach wie vor ein Problem ist. Dass man von dem Fusel blind werden kann wundert mich nicht… *Schüttel* Dann doch lieber Single Malt ;)

    Liebe Grüße,

    Ulrike.

    P.S.: Ich liebe DMAX :D

  6. Kommentar by Üt am 21. April 2013 um 15:19

    Speakeasy
    war für mich die größte Überraschung. War schwer aufzuhören den Duft zu inhalieren. Phantastisch ! Bin ein bißchen über mich geschockt weil ich Düfte mit Alkoholanteil so schätze wo ich doch Alkohol sonst nicht trinke. Aber Frapin ist so genial. Bin ja stolze Besitzerin eines Flakons 1270 von Frapin. Hoffentlich oute ich mich jetzt nicht als Schnapsdrossel ?!
    Der Rum und die Minze verbinden sich auf meiner Haut sehr gut zu einem umhüllenden Wölkchen. Der Duft ist für mich Entspannung pur!!! Werde das Pröbchen noch etwas aufheben und hoffe auf heiße Tage. Könnte mir keinen besseren Begleiter für den Sommer vorstellen.
    Neben Barry Lyndon war der Duft bei meinen Pröbchen derjenige der mein Herz höher schlagen ließ.

    Üt

  7. Kommentar by Ulrike am 1. Mai 2013 um 22:05

    Schnapsdrossel hin, Schnapsdrossel her – Speakeasy ist toll :-D

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